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Übungsblatt 10

PHYS1100 Grundkurs I (Physik, Wirtschaftsphysik, Physik Lehramt)

Othmar Marti, (othmar.marti@uni-ulm.de)

13. 1. 2006 und 16. 1. 2006

1 Aufgaben
1. µ-Mesonen haben eine Lebensdauer von t0 = 2µs. Sie entstehen in der oberen
Erdatmosphäre (h = 105 m).

a) Berechnen Sie die aus der Sicht eines Beobachters auf der Erde notwendige
Geschwindigkeit, damit die vom ruhenden Beobachter berechnete Flugzeit
der bewegten µ-Mesonen zur Erde gleich ihrer Lebensdauer ist.
b) Berechnen Sie aus Sicht der µ-Mesonen die Flugstrecke zur Erdoberfläche.
c) Sind diese beiden Betrachtungsweisen konsistent?

2. Das Hubble-Gesetz lautet:


v(d) = H0 · d
m/s
mit der Hubblekonstante H0 = 71 · 103 M pc
. d ist die Distanz zu unserem Beob-
achtungspunkt, v(d) die dazugehörige Geschwindigkeit von uns weg. Die Einheit
pc bedeutet Parallaxe einer Bogensekunde“. Es gilt 1pc , 31P m (das ist eine SI-

Einheit). In Sternen können Absorptionslinien von Wasserstoff beobachtet werden.
Eine dieser Linien hat eine Frequenz von ν2,3 = 457T Hz. Berechnen Sie mit dem
relativistischen Dopplereffekt, wie diese Frequenz sich mit zunehmendem Abstand
verändert. Skizzieren Sie den Verlauf bis zu einem Abstand von d = 3000M pc.
Welche Achsenskalierung (linear oder logarithmisch ist sinnvoll?)

3. Wellenlängen und Frequenzen hängen über λν = c zusammen. Skizzieren Sie das


Resultat der vorherigen Aufgabe für Wellenlängen.

4. Die Sonne (Durchmesser d¯ = 1.4 · 109 m) rotiert am Äquator in 25 Tagen, 9 Stun-


den und 7 Minuten um ihre eigene Achse (von Osten nach Westen). Von oben
(Nordpol der Sonne) aus gesehen rotiert die Erde andererseits in 365,24 Tagen im
Gegenuhrzeigersinn einmal um die Sonne. Weiter rotiert die Erde in 23 Stunden

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und 56 Minuten um ihre eigene Achse. Wir betrachten Wasserstoffatome am Son-


nenäquator. Berechnen Sie für die oben angegebene Balmerlinie ν2,3 = 457T Hz die
maximale Frequenz- und Wellenlängenverschiebung aufgrund des relativistischen
Dopplereffektes für diese Wasserstoffatome am Sonnenäquator für einen Beobach-
ter auf der Erde.

5. Die Erde bewegt sich mit ungefähr 30km/s um die Sonne, die Sonne mit etwa
225km/s um die Galaxie. Die Erdbahnebene und die Milchstrassenebene sind un-
gefähr 57◦ gegeneinander verkippt (Winkel zwischen den Ebenen). Welche Schwan-
kungen der Erdgeschwindigkeit würde ein externer Beobachter sehen in klassischer
(Newton-Galilei) und relativistischer Betrachtungsweise?

6. Wie gross ist die relativistische Masse des µ-Mesons aus Aufgabe 1?

7. Die relativistische Massen-Energie kann für kleine Geschwindigkeiten nach Taylor


in eine Reihe entwickelt werden. Die ersten beiden Terme sind die Ruheenergie
und die kinetische Energie. Geben Sie die nächsten beiden Terme der Reihenent-
wicklung an. Wie gross sind diese beiden Terme für die Erde und ihre Bewegung
um die Sonne?

8. Proxima Centauri (oder α Centauri) ist 4.24 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Wie schnell müsste ein Raumschiff sein, damit eine nach deutschem Recht gerade
volljährige Astronautin zu diesem Stern reisen kann und auch wieder zurück, so
dass sie mit dem Eintreffen auf der Erde das heute geltende gesetzliche Rentenalter
erreicht hat? Wieviel Zeit ist auf der Erde vergangen?

9. Eine Würfel der Kantenlänge a bewegt sich mit der relativistischen Geschwin-
digkeit v entlang der x-Achse. Die Kanten des Würfels seien im Ruhezustand
parallel zu den Koordinatenachsen. Der Würfel wird von oben (z >> 1) mit quasi-
parallelem Licht beleuchtet. Wie lang ist der Schatten entlang der x-Achse auf der
xy-Ebene?

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2 Lösungen
1. a) Beobachter: v = vB , h = 105 m
Flugzeit für Beobachter: tB = h/vB
Zeit im bewegten Bezugssystem des Mesons
p
t = tB 1 − (vB /c)2

Also
s
hp 1 1
t= 1 − (vB /c)2 =h 2
− 2
vB vB c
t2 1 1
2
= 2 − 2
h vB c
2
µ ¶
t 1 1 t2 h2 1 2 h2
+ = = 2+ 2 2 = 2 t + 2
h2 c2 vB2 h hc h c
h2 h2 c2
vB2 = 2 = 22
t + h2 /c2 c t + h2
hc
vB = √
c t2 + h2
2
vB
= 0.9999820003
c
m
vB = 299994600.1 wenn c = 300M m/s
s

p
b) Längenkontraktion: ` = h 1 − vB2 /c2 Mit dem vorigen Resultat
r s
vB2 h2 c2
`=h 1− =h 1 − 2 2 2
c2 c (c t + h2 )
hct
=√
c2 t2 + h2
= 599.9892003m wenn c = 300M m/s

c) Ja. Für das Meson ist die Lebensdauer 2µs, die Flugstrecke aber gering. Des-
halb kommt es auf der Erdoberfläche an. Für den ruhenden Beobachter ist
die Flugstrecke lang, aber seine Zeit läuft viel schneller als die des Mesons.

2. Der relativistische Dopplereffekt lautet


s
v
1−
ν0 = ν c
v
1+ c

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Mit dem Hubble-Gesetz bekommt man


s
H0 d
1−
ν0 = ν c
H0 d
1+ c

3.

4. Von Norden gesehen ist Westen rechts und Osten links.

Die Kreisfrequenzen der einzelnen Bewegungen sind


2π π 1
ω¯ = = =2.865344765 · 10−6
((25 · 24 + 9)) · 60 + 7) · 60s 1096410s s
2π π 1
ωErdbahn = = =1.991075791 · 10−7
365.24 · 24 · 60 · 60s 15778368s s
2π π 1
ωErde = = =7.292462057 · 10−5
(23 · 60 + 56) · 60s 43080s s

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Die Wirkung der Bahnbewegung der Erde ist wie wenn sich ωJ vergrössern würde.
Wir setzen also
122281π 1
ω¯, ef f = ω¯ + ωErdbahn = = 3.064452344 · 10−6
125359133760s s
Nun können wir die Situation statisch betrachten.

Die Tangentialgeschwindigkeiten addieren sich nun, einmal bei der Annäherung


und einmal bei der Entfernung.
d¯ m
v¯ = ω¯, ef f · =2145.116641
2 s
m
vErde = ωErde · rErde =462.3420944
s

Also ist
m
vrel, abs = v¯ ± vErde = 2607.458735
s
Dabei werden Wellenlängen zu verschiedenen Zeitpunkten verglichen. Wenn zu
einem Zeitpunkt die maximalen Geschwindigkeitsunterschiede berechnet werden,
bekommt man. ½
2607.458735 ms
vrel, abs = v¯ ± vErde =
1682.774547 ms
Wir rechnen mit dem ersten Fall weiter. Die Dopplerverschiebung ist
s
1 − v/c
ν0 − ν = ν −ν
1 + v/c
oder
r p p r
ν0 − ν c−v 1 + v/c − 1 − v/c 3 · 108 − 4752
= −1 = p = −1 = −8.6916·10−6
ν c+v 1 + v/c 3 · 108 + 4752
r r
ν0 − ν c+v 3 · 108 + 4752
= −1= − 1 = 8.691 · 10−6
ν c−v 3 · 108 − 4752
Also
|∆ν| = |ν 0 − ν| = 457T Hz · 8.6916 · 10−6 = 3.9720612GHz
Wir haben λν = c oder λ = c/ν und damit dλ = −cν −2 dν und
3 · 108 ms
∆λ = ∆ν = 5.70565pm
(457 · 1012 Hz)2 )

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5. Die Komponente der Bahngeschwindigkeit der Erde in der Galaxienebene ist


µ ¶
57 km
vE,Galaxie = vErde cos π = 16.34
180 s
Die maximal beobachtbare Schwankung ist in der Galaxienebene, wenn die beiden
Geschwindigkeiten addiert oder subtrahiert werden. Klassisch:
½
km km 241.34 km
∆vklass = vSonne ± vE,Galaxie = 225 ± 16.34 = s
s s 208.66 km
s

Relativistisch
½
vSonne ± vE,Galaxie 241.339999999988 km
∆vrel = v v = s
1 ± Sonne cE,Galaxie
2
208.660000000010 km
s

6. Wir haben im von der Erde aus gesehen


mmu0 mµ0
mµ = p =p = 166.6687500mµ0
1 − v 2 /c2 1 − (0.9999820003)2

Die Mesonenmasse bekommt man aus E0 = mµ0 c2


E 105.6M eV · 1.6 · 10−19 C
mµ0 = = = 1.8773 · 10−28 kg
c2 (3e8m/s)2
Also
mµ = 166.6687500 · 1.8773 · 10−28 kg = 3.128927999 · 10−26 kg

7. Es ist
2 m0 c2 1 3 m0 4 5 m0 6 ¡ 8¢
E = mc = p = m0 c2 + m0 v 2 + v + v + O v
1 − v 2 /c2 2 8 c2 16 c4

Wir haben v = 3 · 104 m/s und mErde = 5.9736 · 1024 kg. Eingesetzt bekommen wir
1 3 m0 4 5 m0 6
m0 v 2 = 2.69 · 1033 J v = 2.02 · 1025 J v =1.68 · 1017 J
2 8 c2 16 c4

8. Die Reisedauer für die Astronautin ist t0 = 65Jahre − 18Jahre = 47Jahre =


47 ∗ 365.24 ∗ 86400s = 1483166592s. Wenn das Raumschiff die Geschwindigkeit v
hat, dann ist die Reisedauer t1 = 2d/v. Die Distanz d ist

d = 4.24 ∗ 365.24 ∗ 86400 ∗ 3e8m = 4.014 · 1016 m

Nun muss
r
p p 1 1
t0 = t1 · 1 − v 2 /c2 = 2d/v · 1 − v 2 /c2 = 2d −
v 2 c2

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sein. Wir lösen nach v auf


t20 1 1
= −
4d2 v 2 c2
2
t0 1 1
2
+ 2 = 2
4d c v
1 t20 c2 4d2 t20 c2 + 4d2
= + =
v2 4d2 c2 4d2 c2 4d2 c2
4d2 c2
v2 = 2 2
t0 c + 4d2
s
4d2 c2 2dc c
v= =p 2 =p
t20 c2 + 4d2 t0 c2 + 4d2 1 + t20 c2 /(4d2 )
c m
=q ¡ 47 ¢2 =53267583 =0.1776c
s
1 + 2·4 .24

Auf der Erde ist dann


t0
t1 = p = 1507114295s = 47.76Jahre
1 − v 2 /c2
vergangen.

9. Die Länge des Schattens wird an der Vorderkante durch die Ecke unten und an
der Hinterkante durch die Ecke oben bestimmt, da sich das Licht ja nach unten
bewegen muss.

Es ist
p
a0 = a 1 − v 2 /c2
∆t = a/c
v
∆x = v∆t =a
c

Die Länge des Schattens ist dann


v p
` = ∆x + a0 = a + a 1 − v 2 /c2
c

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Wir suchen die Extrema dieser Funktion


d` a av
= − p =0
dv c c2 1 − v 2 /c2

und erhalten
c
vextr = √
2
Ist dies ein Maximum oder ein Minimum? Wir rechnen
¯
2 ¯
¯ ¯ √
d `¯ av 2
a ¯ 2 2a
= − ¡ ¢ − q ¯ =− 2 <0
dv 2 ¯v=c/√2 4
c 1 − c2v 2 3/2
c 1− 2¯
2 v 2 ¯ c
c √
v=c/ 2

Die Länge des Schattens eines bewegten Quadrates nimmt also zu! Normiert auf
die Länge a und die Lichtgeschwindigkeit c ergibt sich

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