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1. Wissenschaft, Moral und die Grenzen


der Planbarkeit

1.1 Definitionsversuche von begrifflichen Diskussion schlug Suchman


(1967) die Unterscheidung von Evaluation und
«Evaluation» Evaluationsforschung vor. Dabei kommt den
einzelnen Begriffen die folgende Bedeutung zu:
Evaluation ist ein außerordentlich vielfältiger
Begriff. Er umfaßt eine Menge möglicher Ver- Evaluation (Bewertung): Prozeß der Beur-
haltensweisen und entzieht sich somit prinzi- teilung des Wertes eines Produktes, Pro-
piell einer abstrakten, die Wirklichkeit gleich- zesses oder eines Programmes, was nicht
zeitig voll umfassenden Definition. Trotzdem notwendigerweise systematische Verfah-
hat sich in der Literatur, wohl vorwiegend zur ren oder datengestützte Beweise zur Un-
Ausdifferenzierung des Begriffes und zu didak- termauerung einer Beurteilung erfordert.
tischen Zwecken, eine große Zahl von Defini-
tionen bzw. (besser) beschreibenden Begriffser- Evaluation research (Evaluationsforschung):
läuterungen etabliert (vgl. dazu Rossi und explizite Verwendung wissenschaftlicher
Freeman (1993); Rutman (1977); Wittmann Forschungsmethoden und -techniken für
(1985); Wulf (1972)). Nicht zu unrecht behaup- den Zweck der Durchführung einer Bewer-
ten Franklin und Trasher (1976, S. 20): tung. Evaluationsforschung betont die Mög-
lichkeit des Beweises anstelle der reinen
«To say that there are as many definitons Behauptung bzgl. des Wertes und Nutzens
as there are evaluators is not to far from einer bestimmten sozialen Aktivität.
accurate.»
Abramson (1979) nimmt später eine verfeiner-
Die schillernde Vielfalt der mit dem Begriff te Unterscheidung in Evaluation, Programm-
«Evaluation» assoziierten Vorstellungen evaluation und Evaluationsforschung vor.
reicht dabei in der Wissenschaft noch immer Sowohl Suchman’s als auch Abramson’s
von der Auffassung, unter Evaluation sei jeg- Systematisierungsversuche konnten sich jedoch
liche Art der Festsetzung des Wertes einer Sa- bislang nicht durchsetzen.
che zu verstehen (vgl. Scriven, 1980) bis hin Zum Wortfeld Evaluation gehört auch eine
zu der Ansicht: Reihe verwandter Begriffe, die in verschiede-
nen sozialen Kontexten teilweise synonym, teil-
«Evaluation research is the systematic weise im Sinne einer spezialisierten Form von
application of social research procedures Evaluation verwendet werden. So spricht man
in assessing the conceptualization and etwa von Erfolgskontrolle, Effizienzforschung,
design, implementation, and utility of Begleitforschung, Bewertungsforschung, Wir-
social intervention programms» (Rossi & kungskontrolle, Qualitätskontrolle usw. Der
Freemann, 1993, S. 5). Schwerpunkt des folgenden Textes liegt auf der
wissenschaftlich gestützten Evaluation, andere
Zur Vereinheitlichung der gesamten Defini- Vorgehensweisen kommen nur in Grenzberei-
tionsthematik und zur Systematisierung der chen zur Sprache.
14 Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit

Allgemeine Kennzeichen wissenschaftlicher gen, und damit praktische Maßnahmen, fol-


Evaluation gen.
Es sollte natürlich für jeden mündigen Bürger
In Anbetracht der bestehenden Definitions- einer demokratischen Gesellschaft (und damit
vielfalt ist es zweckmäßiger, statt einem wei- auch für jeden in einer solchen Gesellschaft ar-
teren Definitionsversuch die allgemeinen beitenden Wissenschaftler) selbstverständlich
Kennzeichen wissenschaftlicher Evaluation sein, nicht nur die Funktionalität, sondern auch
herauszuarbeiten. die Moral seiner Arbeit und die Zielsetzung zu
überdenken. Dieser allgemeinen Forderung
• Ein allgemeiner Konsens, der hier auch kommt wegen des unmittelbaren Praxisbezugs
schon durch die Wortwurzel von «Evaluati-
von Evaluationsprojekten in diesem Feld eine be-
on» vorgezeichnet ist, liegt darin, daß alle
sondere Bedeutung zu. Evaluatoren verändern
solche Tätigkeiten etwas mit «Bewerten» zu
durch ihre Arbeit beratend (manchmal sogar auch
tun haben. Evaluation dient als Planungs-
als Entscheider) die Lebensumstände anderer
und Entscheidungshilfe und hat somit etwas
Menschen gezielt und erheben dabei den An-
mit der Bewertung von Handlungsalter-
spruch, aufgrund ihrer «Wissenschaftlichkeit»
nativen zu tun (vgl. Wottawa, 1986)
über Kompetenzen zu verfügen, die dem «Laien»
• Evaluation ist ziel- und zweckorientiert. Sie fehlen; gerade diese, die Glaubwürdigkeit und
hat primär das Ziel, praktische Maßnahmen
Überzeugungskraft erhöhende wissenschaftliche
zu überprüfen, zu verbessern oder über sie zu
Basis ist ja häufig der Grund für die Einschaltung
entscheiden.
speziell ausgebildeter Evaluatoren.
• Es besteht im wissenschaftlichen Sprachge- Es ist manchmal nicht ganz einfach, Evalua-
brauch ebenfalls ein Konsens darüber, daß
tionsprojekte ohne unsachgemäße Beeinflussung
Evaluationsmaßnahmen dem aktuellen Stand
durch die Werthaltung des Evaluators durchzu-
wissenschaftlicher Techniken und For-
führen. Die Komplexität von Evaluationsvor-
schungsmethoden angepaßt sein sollten.
haben erfordert vom Untersucher eine Vielzahl
von Festlegungen (zum Beispiel die Auswahl der
Weitere Definitions- bzw. Beschreibungsver- erhobenen Variablen, die genaue Definition der
suche hierzu geben etwa Biefang (1980), Bortz zu untersuchenden Alternativen, die interpreta-
& Döring (1995), Bromer/Schröder (1992), tive Bewertung der Ergebnisse und deren Aussa-
Cronbach (1972), Hellstern & Wollmann gekraft), bei denen natürlich die persönliche
(1984), Pollard (1986), Rossi & Freeman (1985, Werthaltung eine Rolle spielen kann. Die dadurch
1993), Scriven (1972), Stufflebeam (1972), mögliche Verzerrung kann manchmal auf
Weiss (1974), Will, Winteler & Krapp (1987), ethisch-moralischen Überzeugungen beruhen
Wittmann (1985). (man denke etwa an Projekte zur Feststellung der
Folgen von Abtreibungen oder von Sterbehilfe),
oft aber auch von persönlichen Vorlieben des
Ethisch-moralische Verantwortung Evaluators (zum Beispiel Überzeugung von der
Richtigkeit einer bestimmten therapeutischen
Bezieht man den Begriff der (psychologie- oder Vorgehensweise oder einer verkehrstechnischen
sozialwissenschaftlich gestützten) Evaluation Maßnahme) abhängen. Hilfreich ist, neben der
auf die Bewertung von Maßnahmen zur Beein- besonderen Sorgfalt bei der Projektplanung und
flussung relevanter menschlicher Verhaltens- Explikation aller durchgeführten Festlegungen,
weisen, so stellt sich – unabhängig von der die Offenlegung der eigenen Position durch den
technologischen Machbarkeit dieser Zielset- Evaluator (s. dazu auch Kap. 6).
zung – die Frage nach der ethisch-moralischen Trotz dieser Probleme liegt der große Vorteil
Bewertung. Im Gegensatz zur Grundlagenfor- empirisch-wissenschaftlich begründeter Evaluati-
schung, in der Erkenntnisgewinn ohne oder on gerade darin, eben nicht bei den «Meinun-
zumindest ohne unmittelbaren Verwertungs- gen» von Experten stehenzubleiben, sondern auf
bezug nach theorieinternen Aspekten erarbei- der Basis von Fakten, deren Zustandekommen
tet wird, hat die Bewertung von Sachverhalten zumindest kritisch nachvollzogen werden kann,
ja nur dann Sinn, wenn darauf Entscheidun- zu entscheiden. Anzustreben ist natürlich, daß
Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit 15
der Evaluator zwar ein hohes Interesse an der un- antwortung des Forschers etwas auszusagen, wie
tersuchten Frage hat (zum Beispiel Verbesserung Karl-Friedrich von Weizsäcker (zuerst Professor
der Pflegesituation in psychiatrischen Kliniken), der Theoretischen Physik in Straßburg, später
aber den vergleichend evaluierten Alternativen Abteilungsleiter am Max-Planck-Institut für Phy-
(zum Beispiel verschiedenen konkurrierenden sik in Göttingen, 1957 zum ordentlichen Profes-
Pflegekonzepten) neutral gegenübersteht. Aller- sor der Philosophie an der Universität Hamburg
dings stellt sich auch dann eine Reihe von ethi- ernannt). Eine kurze und übersichtliche Stel-
schen Fragen, in diesem Beispiel etwa nach der lungnahme von ihm, die gleichzeitig einige
Rechtfertigung der Optimierung von psychiatri- hochinteressante Aspekte für den Bereich der
schen Kliniken (wahrscheinlich für viele unpro- Evaluation aufweist, ist in leicht gekürzter Form
blematisch, man denke aber an die heftigen Dis- im Diagramm I/1 wiedergegeben.
kussionen um zum Beispiel Sterbe- oder Bei näherer Betrachtung fallen einige Beson-
Abtreibungskliniken) oder die Verantwortbarkeit derheiten auf, die auch typisch für das Verhal-
der Nutzung der Untersuchungsergebnisse zur ten vieler Evaluatoren im Praxisfeld sein dürf-
landesweiten Durchsetzung eines der Pflege- ten:
konzepte, obwohl evtl. die Aussagekraft der Da-
ten eine so weitreichende Entscheidung nicht • Die Begriffe bleiben etwas unklar, zum Bei-
ausreichend fundiert. spiel «Wissenschaft» (als abstraktes System
Da Evaluation in dem hier verwendeten Sinn im Sinne eines Gegenstandsbereiches, Aus-
im Regelfall unter der Beteiligung wissenschaft- sagen über diesen und Überprüfungsmetho-
lich vorgebildeter Personen erfolgt, wird im 1. den? Als Synonym für alle Forscher? Oder ist
Abschnitt dieses Kapitels das Problem von Wis- vielleicht das soziale System Wissenschaft
senschaft und moralischer Verantwortung an- mit den dazugehörenden Rollenerwartungen
gerissen. Hat man (persönlich) zufriedenstellen- und Sanktionen gemeint?) oder «produktive
de Zielsetzungen seines Handelns festgelegt, Verantwortung» (im Sinne eines Appells?
kann man Evaluationsvorhaben dazu benut- oder wer ist wem bei Beachtung welcher
zen, die Erreichung der angestrebten Ziele zu Sanktionen verantwortlich?) und ermögli-
optimieren. Im nächsten Abschnitt wird daher chen dadurch eine auch in den einzelnen
auf der Basis von allgemeinen Vorstellungen Absätzen wechselnde Perspektive (Gleiches
über menschliches Handeln gezeigt, welche findet man, nur weniger elegant, in vielen
unter den weiten Bereich der Evaluation fallen- Evaluationsberichten, wenn vorher keine
den Beiträge von seiten der Wissenschaft zur ausreichende Explikation erfolgte; vgl. dazu
Verbesserung der Praxissituation eingebracht Abschnitt 4.1.2).
werden können, was gleichzeitig eine feinere • Das Gleichnis des dreijährigen Kindes mit
Strukturierung des Evaluationsbegriffes ermög- seinen Eltern und dem Streichholz muß man
licht. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels wird unter dem Gesichtspunkt des Perspektiven-
versucht, ein wenig auf die Unterschiede und wechsels betrachten; es mag dem Wissen-
Beziehungen zwischen «Evaluation» und «Wis- schaftler oder doch zumindest den wissen-
senschaft» einzugehen, da die Erfahrung in schaftlich Ausgebildeten erbauen, sich in die
mehreren und zum Teil sehr intensiven Gesprä- Rolle der «Eltern» versetzt zu sehen und im
chen gezeigt hat, daß dieser Punkt für viele wis- Hinblick auf Fachwissen und Verantwor-
senschaftlich Ausgebildete nicht nur ein sachli- tungsgefühl den Entscheidungsträgern unserer
ches, sondern offensichtlich auch ein stark Gesellschaft (zum Beispiel Politikern, Leiten-
emotionsbehaftetes Problem ist. den Beamten, Wirtschaftsführern, Jour-
nalisten) ebenso überlegen zu sein, wie es
Eltern üblicherweise gegenüber einem drei-
jährigen Kind sind. Es ist aber zu bezweifeln,
1.2 Wissenschaft und ob dieser Vergleich von den mit dem Kind
moralische Verantwortung identifizierten Gruppen in gleicher Weise ak-
zeptiert werden könnte, und auch, ob er
Im deutschen Sprachraum dürfte kaum ein an- überhaupt sachlich angemessen ist. Die
derer so qualifiziert sein, über die moralische Ver- damit leicht zu assoziierende Selbstüber-
16 Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit

Diagramm I/1
Über die moralische Verantwortung des Forschers (gekürzt aus Weizsäcker, 1983)

Im Jahre 1939 hatte Otto Hahn die Uran- Der Begriff der legalen Verantwortung ent-
spaltung entdeckt. Den Völkern wurde die lastet uns von der unlösbaren Aufgabe, unse-
Atombombe 1945 sichtbar. Ihr verdanken wir rem Mitmenschen moralisch ins Herz zu se-
einen nun schon über 25 Jahre dauernden hen. Vor dem Gesetz ist der Unternehmer, der
Waffenstillstand der Weltmächte (…). Techniker, unter Umständen auch der For-
Die Illusion der sechziger und siebziger Jah- scher, für diejenigen Folgen des Handelns
re, wir lebten schon im gesicherten Frie- verantwortlich, die in einer vom Gesetz zu
den, schwindet rapide dahin. Ich habe sie nie definierenden Weise von seiner eigenen Ent-
geteilt. Die Frage nun lautet: Wie muß man scheidung abhängen. Die Wissenschaft, glo-
die Naturwissenschaft treiben, wenn Natur- bal gesehen, ist für ihre Folgen nicht legal
wissenschaft solche politischen Folgen hat? verantwortlich. Moralische Verantwortung
hingegen betrifft in ihrem Kern Vorwürfe, die
Es ist evident, daß es sich hier nicht nur um
ich nicht anderen Menschen zu machen habe
die spezielle Frage der Atombombe und über-
und die anderen nicht mir, es sei denn als
haupt nicht um das Problem des Krieges han-
Freunde, als echte Pädagogen, sondern ich mir
delt. Daß die moderne Technik, die erst durch
selbst.
die Naturwissenschaft möglich wird, die Welt
verändert, das weiß man spätestens seit dem Wird die Wissenschaft angegriffen, dann ste-
19. Jahrhundert (…). he ich zu ihr. Aber als Wissenschaftler unter
Wissenschaftlern kann ich uns von keiner der
Es gibt eine moralische Einsicht, der ich mich
guten und schlechten Folgen, die wir ausge-
nicht habe entziehen können. Sie heißt, in
löst haben, freisprechen. Der Grad mora-
einem Satz zusammengedrängt: Die Wissen-
lischer Reife der sozialen Gruppe der Wissen-
schaft ist für ihre Folgen verantwortlich.
schaftler bemißt sich nach der produktiven
Der Satz sei zunächst gegen ein paar mög-
Verantwortung für die Folgen ihrer Erkennt-
liche Mißverständnisse abgesichert.
nisse, die sie praktisch übernimmt.
Erstens: Der Satz meint nicht, die Wissen-
Drittens: Produktive Verantwortung der Wis-
schaft sei um ihrer weltverändernden Folgen
senschaft bedeutet also offenbar nicht den
willen betrieben worden. Aber Wissen ist
Verzicht auf Wissenschaft. Nicht den Verzicht
Macht, auch wenn man es nicht um der
auf Wahrheitssuche; das hieße unserer Kultur
Macht willen gesucht hat (…).
das Herz herausoperieren. Auch nicht den Ver-
Jedenfalls aber ist moralische Reife einem zicht auf ihre Öffentlichkeitsform. Dürren-
Menschen nicht erreichbar, der sich für die matts «Physiker» ironisieren vortrefflich die
faktischen Folgen seines Handelns nicht ver- Sinnlosigkeit dieses Weges. Geh ins Irrenhaus,
antwortlich weiß. Wenn die Eltern dem drei- um deine Erkenntnisse zu verbergen, und der
jährigen Kind zeigen, wie man ein Streich- Irrenarzt wird sie dir entlocken und verwen-
holz anzündet, und bei der Rückkehr vom den. Die heutige Gesellschaft mit der Privati-
Spaziergang ihr Haus im Flammen finden, so sierung der Kultur ist eine Spielart dieses Ir-
hat nicht das Kind die Streichhölzer «miß- renhauses. Die Aufgabe ist schwerer und
braucht». Das fällt mir immer ein, wenn ich schöner als der Verzicht es wäre. Der Wissen-
die Rede von Mißbrauch der Wissenschaft schaftler als Staatsbürger und Weltbürger hat,
durch die Inhaber der Macht höre. mit den Gaben, die er als Person jeweils in
sich vorfindet, an der Gestaltung der unver-
Zweitens: Der Wissenschaftler ist für die Fol- meidlichen Gesellschafts- und Weltverände-
gen seiner Erkenntnis nicht legal, sondern rungen mitzuwirken. Diese Gaben sind ver-
moralisch verantwortlich (…). schieden. Nicht jeder Wissenschaftler hat den
Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit 17

Mut, die Einsicht, die Schlauheit und die wortung kann sie sich nicht freisprechen bei
Nüchternheit, ohne die man nicht erfolgreich Strafe des Untergangs.
politisch handeln kann. Aber jeder Wissen-
Es ist zu fürchten, daß wir Menschen dieser
schaftler hat den Verstand, die Wichtigkeit
Zeit das, was wir tun müssen, erst in einer
dieser Aufgabe sehen zu können. Die Han-
ungeheuren Leidenserfahrung lernen werden
delnden bedürfen stets des Chores derer, die
(…).
mitdenken, vernehmlich kritisieren und ver-
nehmlich zustimmen. Die Wissenschaft hat Die Wissenschaft selbst ist nicht erwachsen:
insbesondere die spezifische Verantwortung, Ihre Denkmittel, ihre Verhaltensregeln sind
ihre eigenen Folgen und Verstrickungen selbst dem Leben in der von ihr selbst erzeugten
rational zu durchdenken. Von dieser Verant- Welt nicht angemessen (…).

schätzung von Wissenschaftlern gegenüber punktes ist, was eigentlich einen Fachwissen-
anderen Berufsgruppen ist eine ganz ent- schaftler befähigen soll, in besonderer Weise
scheidende Grundlage für erhebliche Komm- (man denke an den Vergleich von Eltern, Kin-
unikations- und Kooperationsprobleme bei dern, Wissenschaftlern und Entscheidungsträ-
Evaluationsprojekten (vgl. Abschnitt 2.2.1 gern) die «Fallen und Verstrickungen» der diszi-
und 5.1.1). plinbezogenen Forschung bzw. Technologie zu
• Die praktische Konsequenz der Weizsäcker- durchdenken. Wissenschaftlicher Fortschritt ent-
Ausführungen ist letztlich für die Wissen- steht heute (man mag dies bedauern) nahezu
schaftler außerordentlich erfreulich. Sie ausschließlich auf der Basis hoher Spezia-
können im Prinzip alles so tun wie bisher. lisierung der Forscher, und ein etwa in der Fein-
Da sowohl der Verzicht auf Forschung als struktur der Materie hervorragend ausgewie-
auch eine «Geheimwissenschaft» abgelehnt sener Kollege verfügt im allgemeinen nicht
wird (zurecht!), verbleibt neben einigen einmal über elementare Kenntnisse sozialwis-
kaum verhaltensrelevanten Appellen nur senschaftlicher Theorien oder Methodik. Wo-
die Forderung, daß die «Wissenschaft» aus her sollte er die Kompetenz nehmen, über das
einer (etwas unklaren) spezifischen Ver- «normale» Niveau eines gebildeten, politisch
antwortung heraus ihre eigenen Folgen und gesellschaftlich interessierten Menschen
rational durchdenken soll. Dies wäre eine (etwa eines Verwaltungsbeamten) hinausge-
zusätzliche Arbeitsaufgabe für die Wissen- hende Maß die gesellschaftlichen Konsequen-
schaftsgemeinschaft, die heute zweifellos zen der Entdeckung eines neuen Materie-
noch nicht konsensmäßig als legitimer Be- teilchens abzuschätzen? Und warum sollte ein
standteil aller Teildisziplinen gesehen wird tierexperimentell arbeitender Psychologe, dem
(und die Änderung dieses Zustandes dürfte ein entscheidender Durchbruch in der Psycho-
das Kernziel der Ausführungen von Weiz- immunologie gelingt, die möglichen Konse-
säcker sein). Zusätzliche Arbeit kann aber quenzen aus einer weiter zunehmenden Über-
nur entweder auf Kosten der bisherigen Lei- alterung der Industriegesellschaften als Experte
stungen (was eine Reduzierung des wissen- abschätzen können?
schaftlich-technischen Fortschrittes wäre)
erbracht werden, oder man verwendet dazu Wie umstritten die moralische Bewertung von
zusätzliche Ressourcen (was heißt, daß mit Fortschritten in der wissenschaftlichen Erfas-
der Begründung der moralischen Verant- sung von «evaluationsrelevanten» Aspekten
wortung des Forschers die Anteile der ge- sein kann, zeigt sich zum Beispiel in den einfa-
sellschaftlichen Mittel für diese Berufsgrup- chen, billig gewordenen Möglichkeiten der
pe zu steigern wären). Eigentlich eine für Ultraschalldiagnostik, die es auch in einem
viele wissenschaftlich Tätige sehr befriedi- Land wie Indien ermöglicht, das Geschlecht
gende Konklusion. des Kindes schon in einer frühen Phase der
Schwangerschaft zuverlässig zu bestimmen-
Der für den Evaluationsbereich besonders und dort zum gezielten Abbruch von Schwan-
interessante Aspekt des letzten Diskussions- gerschaften mit weiblichen Föten führt. Ähnli-
18 Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit

che Diskussionen finden sich auch in Europa, außen gesteuerten, kausal determinierten Indi-
etwa im Zusammenhang mit den verbesserten viduums gesehen. Sicher gibt es auch solche
gentechnischen Möglichkeiten der frühzeitigen erlernten Stimulus-Response Verhaltensketten.
Feststellung von Behinderungen. Hier ist unab- In vielen Fällen ist menschliches Verhalten aber
hängig von der eigenen Werthaltung des Fach- zielorientiert geplant. Man möchte ein be-
Wissenschaftlers die Möglichkeit zu dieser Art stimmtes Ergebnis erreichen und wählt unter
von «Evaluation» an sich gesellschaftlich um- oft vielen möglichen Aktionen jene aus, die
stritten, man kann sich aber kaum vorstellen, subjektiv am günstigsten erscheint. Der damit
daß die «richtige» Vorgehensweise ein Verzicht erreichte Erfolg, der benötigte Aufwand und
auf diese medizinisch-diagnostischen Möglich- evtl. aufgetretene unbeabsichtigte Nebenwir-
keiten wäre oder deren Entdecker moralisch kungen werden rückgemeldet, subjektiv bewer-
negativ zu bewerten wären. Nicht Erkennt- tet und führen gegebenenfalls zu einer Opti-
nisverzicht, sondern der überlegte Umgang mit mierung des Verhaltens. Dies gilt sowohl für
den dadurch gewonnen Handlungsmöglich- die ständige Kontrolle des Verhaltens und sei-
keiten muß die Lösung sein. ner Ergebnisse mit der Möglichkeit, die Pro-
Diese Überlegung spricht dafür, daß man die blemlösung sofort zu verbessern (vgl. «forma-
Verantwortung der «Wissenschaft» für das tive» Evaluation im Diagramm II/2) als auch für
Durchdenken ihrer Konsequenzen eher so ver- eine nachträgliche Bewertung des Vorgehens
steht, daß zu diesem sozialen System auch (ver- («summative» Evaluation) als Grundlage eines
stärkt) Subsysteme hinzutreten sollten, die die- günstigeren Verhaltens in einer später auftre-
se spezialisierte Aufgabe auf entsprechendem tenden, vergleichbaren Situation. In diesem
Expertenniveau übernehmen. Da man solche Sinne reagiert der Mensch (in manchen Situa-
Spezialisten in den einleitend ausgeführten tionen) nicht, sondern er handelt.
Teilbereichen als «Evaluatoren» bezeichnet,
läßt sich die Forderung nach mehr Stellen für
diese Berufsgruppe offensichtlich stringent aus Handlungsmodell
einer akzeptierten «moralischen» Forderung
ableiten. Diese Ableitung gilt aber nur dann, Ein einfaches Handlungsmodell ist in Diagramm
wenn tatsächlich spezialisierte Wissenschaftler I/2 dargestellt (vgl. Heckhausen, (1989); Lan-
solche Bewertungsprobleme strukturell besser termann, (1980), Werbik, 1978). Betrachtet
lösen können als andere Berufsgruppen, was man nur so einen einfachen Fall, ist das
nur für Teilbereiche dieser Aufgabe plausibel Optimierungsproblem relativ leicht zu lösen –
begründet werden kann (siehe dazu Abschnitt aus der Menge der zur Verfügung stehenden
1.3). Da selbst bei größtem Aufwand für solche Verhaltensweisen ist jene auszuwählen, die bei
«Ethikspezialisten» nicht bei jedem Projekt geringsten «Kosten» (u. a. im Sinne von Neben-
oder bei jeder Projektplanung ein solcher mit wirkungen) das gewünschte Ziel in besonders
hinzugezogen werden könnte, bleibt ein erheb- effektiver Weise zu erreichen gestattet. Leider
liches Maß an Eigenverantwortung bei jedem ist die faktische Situation um vieles komplizier-
Wissenschaftler bzw. Evaluator selbst. ter.

Handlungsoptimierung in komplexen
1.3 Handlungsoptimierung Situationen
durch Evaluation
Einfache Übersichten wie im Diagramm I/2 ver-
Der Mensch als planendes und handelndes nachlässigen vieles, was für menschliches Han-
Subjekt deln in realen Situationen bestimmend ist.
Einerseits sind die einzelnen Ziele in überge-
In weiten Bereichen der Psychologie wird aus ordnete Zielhierarchien eingebettet, anderer-
sachlichen, den Gegenstandsbereich angemes- seits schafft die Zielerreichung (und die dazu
senen Gründen heraus der Mensch nicht als eingeschlagenen Wege) selbst Bedingungen, die
eine «abhängige Variable» im Sinne eines von das System ihrerseits wiederum beeinflussen.
Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit 19
Die Einbettung jeder Teilzielerreichung inner- tende) Folgen eine bestimmte Maßnahme tat-
halb eines Ursache-Wirkungssystems hat zur sächlich auf sein ganzes Leben bezogen hatte.
Folge, daß die Bewertung der Zielerreichung Für die Gesamtgesellschaft müßte man sogar
(bzw. der dafür eingesetzten Maßnahmen) bis zum Aussterben der Menschheit auf eine
nicht am jeweiligen Teilziel allein, sondern nur «endgültige» Bewertung warten (siehe dazu das
innerhalb des Gesamtbeziehungsnetzes erfol- «Ultimate Criterion», Thorndike, 1949). Schon
gen kann. Diese Vernetzung von Kausalbezie- aus diesem Grund ist es unmöglich, mit empi-
hungen läßt eine «endgültige» Bewertung ei- rischer Fundierung letztendlich gültig den Ef-
ner Maßnahme erst dann zu, wenn das System, fekt einer Maßnahme zu bewerten. Durch die
auf das diese Maßnahme einwirkt, nicht mehr prinzipielle Offenheit des «Systems» (sei es der
besteht. Konzentriert man sich etwa auf einen Einzelmensch mit den vielen nicht vorhersag-
Einzelmenschen, so kann man erst nach des- baren Einflüssen, denen er ausgesetzt ist, sei es
sen Tode feststellen, welche (und wie zu bewer- die Gesamtgesellschaft mit den nicht überblick-

Diagramm I/2
Struktur des Handlungsablaufes

Situation

Person

ZIELE

Ist Soll

Diskrepanz

Handlungspläne hierarchisch organisiert

H1 H2 H3

H1.1 H1.2 H2.1 H2.2 H3.1 H3.2

Bewertung der Handlungsalternativen z.B. unter dem Kosten – Nutzen Aspekt!

Handlungsausführung

Ausführungskontrolle

Ergebnis

Folgen und Bewertung der Folgen

Anmerkung: Für weiterführende Literatur vgl. Werbik, 1978; Lantermann, 1980


20 Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit

baren wechselseitigen Verbindungen) ist es sierbare Kausalketten zurückführen läßt, ist


auch nicht möglich, mittels Optimierung von eine zusätzliche, wertende Festlegung erfor-
Zwischenschritten sequentiell ein optimales derlich.
Gesamtergebnis zu erreichen. Man vergleiche
dazu etwa das Schachspiel: Das Erreichen eines
an sich positiv zu bewertenden Zwischenzieles Rolle des Auftraggebers für die Evaluation
in Form eines bestimmten Figurengewinns oder
einer bestimmten Position kann, bei entspre- Die Konsequenz für Evaluatoren ist, daß sie in
chend nicht vorhergesehener Reaktion des ihrer Rolle als wissenschaftliche Experten viele
Spielpartners, sich insgesamt gesehen als nega- wichtige Fragen in Evaluationsprojekten nicht
tiv spielentscheidend auswirken. in eigener Verantwortung entscheiden können
(bzw. sollten). Sie sind auf die Kooperation mit
Die Konsequenz aus dieser nicht vermeidbaren einer im folgenden als «Auftraggeber» bezeich-
Tatsache ist, daß man «Spielregeln» für die neten Instanz angewiesen, die sowohl die Zeit-
Bewertung von Zwischenzielen bzw. Zwischen- perspektive festlegt als auch bestimmt, welche
ergebnissen benötigt, in gleicher Weise, wie Folgen wie zu bewerten sind. Es besteht natür-
beim Schachspielen durch persönliche Erfah- lich eine große Versuchung, vor allem bei ent-
rung, Lehrbücher oder Computerprogramme sprechend hoher Einschätzung der eigenen
die Spielsituationen vorläufig bewertet werden, Kompetenz (vgl. das Kind/Eltern-Gleichnis im
ohne den Anspruch einer endgültigen Prognose Diagramm I/1), in Evaluationsprojekten auch
des Spielausgangs zu erheben. Vieles, wenn diese Funktionen zu übernehmen. Eine solche
auch nicht alles von dem, was man als «mo- Kompetenzanmaßung beinhaltet aber die
ralisch angemessen» bezeichnet, dürfte sich auf Gefahr, daß ein wissenschaftlich vergleichbar
solche Bewertungen von Zwischenstufen zu- kompetenter Kollege mit der gleichen inne-
rückführen lassen. ren Überzeugung eine andere Bewertung
vornimmt, die natürlich ebensowenig fachwis-
senschaftlich abgestützt werden kann wie die
Konsequenzen für die Evaluation eigene Position. Die darauf folgenden Ausein-
andersetzungen erwecken leicht negative Ein-
Für die Arbeit an Evaluationsfragestellungen er- drücke über wissenschaftliche Evaluation (zum
geben sich aus diesen Überlegungen zwei Kon- Beispiel die Unterstellung der «Kaufbarkeit»
sequenzen: von Wissenschaftlern, explizit bei Frister, 1972;
oder die Vermutung auch fachwissenschaft-
• Kein Evaluationsprojekt kann die «endgülti- licher Inkompetenz ganzer Fachbereiche; Kritik
gen» Folgen einer Maßnahme bewerten; es an den Kosten der Evaluationsprojekte, da diese
ist immer notwendig, Zwischenziele festzu- ja doch nichts «Eindeutiges» erbracht haben
legen und die Optimierung des Verhaltens u. ä.).
an einem solchen, letztlich willkürlich ge-
setzten Zwischenstadium auszurichten
• Mit naturwissenschaftlichen Methoden al- Evaluation als unverzichtbare Form
lein läßt sich das Bewertungsproblem nicht wissenschaftsgestützten Lernens
lösen; zwar vermag der Wissenschaftler auf-
grund seiner Theorie- und Methodenkompe- Es wäre falsch, vor dem Hintergrund der nicht
tenz in vielen Fällen bessere Aussagen über lösbaren Problematik des «Ultimate Criterion»
die Zusammenhangsstruktur innerhalb des und die notwendigen Setzungen durch den
«Netzwerkes» der Kausalketten zu machen «Auftraggeber» den Beitrag systematischer
und damit die Zeitperspektive gegenüber Rückmeldung bzw. Evaluation zur Verhaltens-
dem Laien ein wenig nach vorne zu verschie- optimierung gering einzuschätzen. Es gibt
ben, vielleicht auch umfassender darzustel- letztlich keine andere Möglichkeit des «Ler-
len. Da sich aber das Bewertungsproblem ei- nens», als gestützt auf (eigener oder über-
ner «guten» oder «schlechten» Zwischenstufe mittelter) Erfahrung sein Verhalten an die
aus den genannte Gründen nicht auf analy- konkrete Situation anzupassen und jene Maß-
Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit 21
nahme auszuwählen, die am ehesten erfolg- bei allen Evaluationsprojekten immer Kritik-
versprechend ist. Selbstverständlich verarbei- punkte finden wird, da die ideale Konzeption
tet dann auch jeder Mensch die damit erziel- eines solchen Vorhabens selbst bei unbegrenz-
ten (und bewerteten) Resultate zu einer ten Ressourcen aufgrund der geschilderten Pro-
Verbesserung seiner Handlungssteuerung, und blemlage niemals realisierbar ist und einschrän-
daß dieser Prozeß faktisch funktionieren muß, kende Setzungen durch den Verantwortlichen
zeigt die enorme Steigerung der Fähigkeit des eines solchen Projektes erfordert. Es sollten da-
Menschen, seine Lebensbedingungen gemäß her nur jene Personen in diesem Feld berufstä-
seinen Vorstellungen zu gestalten. Vermutlich tig werden, die mit der «Übelminimierung» an-
wurde dieser Prozeß durch das zumindest statt «Ideallösung» leben können und auch mit
beim Menschen nachgewiesene Motiv einer den nicht selten auftretenden Konflikten mit
«Kontrollkompetenz» (vgl. dazu Langer, 1983; Kollegen bei entsprechend anderer Wertsetzung
Osnabrügge et al. 1985) wesentlich gefördert. umgehen können (vgl. dazu die Abschnitte
Werden die zu bewertenden Verhaltenswei- 2.1.1, 6.1.2 und 6.1.3). Evaluationsvorhaben
sen, Programme oder Interventionsmaßnah- rechtfertigen sich nicht aufgrund des Findens
men in ihrer Gestaltung und ihren vielfälti- von absoluten Wahrheiten, sondern aufgrund
gen Auswirkungen so komplex, daß der ihres Beitrages zu einem Entscheidungsprozeß
Einzelne ohne entsprechende wissenschafts- bzgl. der Auswahl von Verhaltensalternativen,
gestützte Erhebungen nicht mehr die Zusam- der in jedem Fall ein Ergebnis (in Form der
menhänge zu erkennen vermag (und dies Auswahl einer bestimmten Verhaltensweise) er-
trifft sicher für viele Steuerungs- und Gestal- bringen muß. Selbst relativ gering verbesserte
tungsmaßnahmen in modernen Gesellschaf- Prognosequoten über die Güte der einzelnen
ten zu) muß die Rückmeldung über entspre- Alternativen sind bei tatsächlich bestehendem
chende Evaluationsprojekte gesichert werden. Entscheidungszwang ein Fortschritt.

Übelminimierung statt Ideallösung Vorschau auf die folgenden Kapitel

Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man Im Sinne der in diesem Abschnitt besonders
meinen, daß zwischen der Unmöglichkeit ei- betonten Praxisbezogenheit der Evaluations-
ner idealen, ohne letztlich willkürliche Set- arbeit werden in den folgenden Kapiteln die
zungen von Ziel-Zeitpunkten und Teilbewer- grundlagenwissenschaftlichen Aspekte, die für
tungen auskommenden Evaluation einerseits die Projektarbeit von hoher Bedeutung sind,
und dem Nutzen, ja der Unverzichtbarkeit sol- nur relativ kurz aufgenommen und zur Vertie-
cher Projekte für moderne Gesellschaften an- fung auf die vorhandene Literatur verwiesen.
dererseits ein Widerspruch bestünde. Dieser Statt dessen wird:
läßt sich aber dadurch lösen, daß man auf ab-
solute Bewertungsmaßstäbe, die Suche nach
• der Bereich «Evaluation» ausführlicher struk-
turiert (Kap. 2)
Wahrheiten oder allgemein zwingend verbind-
liche Problemlösungsvorschläge verzichtet. Die
• Anwendungsaspekte und Fallstudien disku-
tiert (Kap. 3)
Evaluation kann dazu dienen, innerhalb eines
wissenschaftsexternen, vorläufigen und in ge-
• eine Übersicht über die wichtigsten Techniken
zur rationalen Erfassung von Zielsetzung, Pla-
wissen Grenzen willkürlichen Rahmens die
nung und Durchführung von Evaluations-
Wahrscheinlichkeit für die Auswahl einer be-
studien gegeben (Kap. 4, 5 und 6)
sonders guten Verhaltensalternative zu erhö-
hen und analog dazu die Wahl einer besonders
• eine subjektiv gefärbte allgemeine Bewertung
von wissenschaftsgestützter Evaluation und
schlechten Alternative zu verringern. Eine letzt-
den bisher gewonnenen Erfahrungen im 7.
lich absolut sichere Aussage, wie sie eigentlich
Kapitel dargestellt
nur in den Formalwissenschaften und man-
chen anderen Geisteswissenschaften möglich
ist, ist bei Evaluationsprojekten keine sinnvolle Diese Ausführungen sollen insgesamt einen
Zielsetzung. Daraus folgt zwingend, daß man Rahmen bieten, innerhalb dessen die spezifi-
22 Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit

schen substanzwissenschaftlichen Befunde ein Lehrbuch zu diesem Thema kein rein «wis-
und methodischen Instrumente, deren Ver- senschaftliches» Werk sein. Es wird daher gebe-
mittlung ja einen großen Teil der Studienan- ten, den teilweise «wissenschaftsfernen» Aus-
gebote ausmacht, für die spezifischen Bedin- führungen in Anbetracht der besonderen
gungen der Arbeit in Evaluationsprojekten Bedingungen des Bereiches Evaluation Ver-
nutzbar gemacht werden können. ständnis entgegenzubringen.
Wenn Evaluation an sich nicht ein Bestand-
teil von Wissenschaft ist, kann eigentlich auch

Übersicht Kapitel 1:
Wissenschaft, Moral und die Grenzen der Planbarkeit
Definitionsversuche von Evaluation

Evaluation

jegliche Art der Festsetzung systematische Anwendung sozial- Verwandte Begriffe :


des Wertes einer Sache wissenschaftlicher Methoden … Erfolgskontrolle
Qualitätskontrolle
Controlling

Allgemeine Kennzeichen wissenschaftlicher Evaluation


• dient der Planungs- und Entscheidungshilfe
• ist ziel- und zweckorientiert
• soll dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Forschung angepaßt sein

Wissenschaft und die moralische Verantwortung der Forscher


für die Konsequenzen ihrer Forschung
• Stellungnahme von WEIZSÄCKER
• Forderung nach Evaluation
• Aufgaben und Grenzen der Evaluation

Optimierung von Handlungsmodellen durch Evaluation


unverzichtbare Form wissenschaftsgestützten Lernens

Ziel der Evaluation


Übelminimierung statt unrealistischer Ideallösung