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Grammatikalisierung von weil1 als Diskursmarker

in der gesprochenen Sprache


Christine Gohl und Susanne Günthner

Abstract

This study focuses on the use of weil in everyday German conversations. In present day
German weil, which has traditionally been described as a subordinating and - in more
recent studies - as a coordinating conjunction, takes on particular functions on the level of
^ discourse organization. Speakers tend to use weil as a Discourse marker'. Hereby, weil
lf)ses characteristics which the conjunction weil has had: neither does it connect two
sjyntagmatic units on the level of clause^combing, nor does it create or display a causal
Connection between two units. Its cohesive force, though, is maintained and used in the
arious discourse-organizational functions, in order to mark important transition points
the ongoing flow of discourse.
The reanalysis of weil as a discourse marker is discussed in the light of granuxiaticalisa-
on theory. We will agrue that the synchronic variants of weil, i.e. wed as a subordinating
onjunction, as a coordinating conjunction and as a discourse marker, can be arranged on
cüne, at one end of which is the semantically fuller and syntactically more variable
iibordinating conjunction, at the other end the semantically bleached, syntactically fixed
id pragmatically enriched discourse marker weil. At the same time other typical features
f grammaticalization are missing: scope reduction, loss of autonomy, etc.
These results shed light on the complex nature of grammaticalization, above all with
regard to spoken language phenomena.

I. Einleitung

Fragen der Verbzweitstellung in wetf-Sätzen waren in den letzten Jahren


vermehrt Thema zahlreicher Arbeiten zur Syntax der deutschen Gegenwarts-
sprache (u.a. Gaumann 1983; Küper 1991; Schlobinski 1992; Günthner 1993,
1996; Keller 1993; Wegener 1993; Uhmann 1998; Pasch 1997; Scheutz 1998).
Dabei wurde verdeutlicht, daß die Verbstellungsvarianten (Verbend- bzw.

l Peter Auer, Elizabeth Couper-Kuhlen, Dagmar Barth, Renate Pasch, Susanne


Uhmann sowie den anonymen Gutachter/innen danken wir ganz herzlich für ihre
Kommentare zu früheren Versionen dieses Beitrags. Diese Arbeit ist in Zusammenhang
mit dem Projekt „Adverbiale Satzverknüpfungskonstruktionen: Variation und Entwick-
lung im englischen und deutschen Lexikon" des Sonderforschungsbereichs 471 an der
Universität Konstanz entstanden.
Zeitschrift für Sprachwissenschaft 18.1 (1999), 39-75
© Vandeohoeck & Ruprecht, 1999
ISSN 0721-9067
40 Christine Gohl und Susanne Günthner

Verbzweitstellung) in wi/ASätzen eng mit bestimmten Diskursfunktionen


verbunden sind und die Konstruktionstypen unterschiedliche prosodische,
semantische und pragmatische Merkmale aufweisen. Während syntaktische
Integration (Endstellung des finiten Verbs) eine enge Anbindung zwischen den
beiden Teilsätzen markiert und primär für faktische Kausalrelationen („des is
besser, weil —s schneller is") verwendet wird, markiert syntaktische Nicht-
Integration (Verbzweitstellung) eine lose Anbindung zwischen den beiden
Teilsätzen und kontextualisiert zugleich den weiV-Satz als eigenständige Asser-
tion. Folglich wird weil mit Verbzweitstellung häufig in Zusammenhang mit
epistemischen („der hat sicher wieder gsoflen. (-) weil (.) sie läuft total deprimiert
durch die Gegend/*) und sprechakt-bezogenen („warum kauft Ihr denn keine
größeren Müslipäckchen. (.) weil (.) DIE reichen doch nirgends hin.") Kausalbe-
Ziehungen verwendet.2
Zugleich veranschaulichten bisherige Analysen von wef/-Konstruktionen in
authentischen Kommunikationssituationen, daß die Zuordnung von
weil+Verbendstellung zur faktischen Kausalrelation bzw. weil+Verbzweitstel-
lung zur epistemischen oder sprechakt-bezogenen Domäne nicht in allen Fällen
gültig ist (u.a. Scheutz 1998), und daß ferner Konstruktionen auftreten, die in die
oben genannten Kategorien der faktischen, epistemischen bzw. sprechakt-
bezogenen Kausalbeziehungen nicht eingeordnet werden können. So finden sich
einerseits >vez7-Konstruktionen mit Verbzweitstellung, die eine nur sehr lose
kausale Verbindung zum vorherigen Syntagma aufweisen und nicht als Begrün*
dijng des vorausgehenden Teilsatzes zu interpretieren sind (u.a. Günthner 1993;
Scheutz 1998) und andererseits auch we77-Äußerungen, die keine Begründung
für die Vorgängeräußenmg sondern für eine größere sequentielle Einheit
einleiten, bzw. an Äußerungen anknüpfen, die bereits länger zurückliegen
(Günthner 1996; Scheutz 1998). Darüber hinaus zeichnen sich Verwendungswei*·
sen von weil ab, die einem „koaversationellen Fortsetzungssignal" (Günthner
1993) nahekommen und eng mit der Redezugorganisation in Alltagskonversa-
tionen verknüpft sind.
Im vorliegenden Beitrag wollen wir uns jenen Verwendungsweisen von weil in
der gesprochenen Sprache widmen, in denen keine direkte kausale Beziehung
zwischen dem weifcSaiz und dem Vorgängersyntagma vpfhanden ist und die
Funktion von weil nicht länger die einer Konjunktion bzw. Subjunktion im
traditionellen Sinne ist, sondern weil im Sinne eines diskursorgaiusierenden
Elements verwendet wird,
Zunächst werden wir die unterschiedlichen Verwendungsweisen, die ein
solches diskursorganisierendes weil hat, vorstellen, bevor wir dann die Frage

2 Zu den drei Vejwendungsweisen von because und ihrer Zuordnung zur ,content',
,epistemic' und ,speech-acf Domäne siehe Sweetser (1990). VgL in diesem Zusammenhang
auch Küper (1991), Günthner (1993; 1996), Keller (1993), Wegener (1993) sowie Uhmann
(1998).
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 41

aufwerfen, inwiefern weil hierbei überhaupt noch die grammatische Funktion


einer Konjunktion innehat. Anhand einer Diskussion formaler und funktionaler
Merkmale von „discourse marker" werden wir verdeutlichen, daß der vorliegen-
de Gebrauch von weil dem eines Diskursmarkers gleichkommt. Diese Weiterent-
wicklung bzw. „Reanalyse" von weil als Diskursmarker soll schließlich in
Zusammenhang mit Aspekten der Grammatikalisierung und insbesondere mit
Fragen der Entwicklung von Diskursmarkern (Traugott 1995a) betrachtet
werden. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern die synchron in
der gesprochenen Sprache vorhandenen Varianten von weil aus dem Blickwinkel
• der Grammatikalisierungstheorie erklärt werden können, bzw. ob die in der
; gesprochenen Sprache vorliegenden Funktionen von weil (als Diskursmarker)
j als grammatikalisierte Weiterentwicklung der konjunktionalen Funktionen
l betrachtet werden können.
| Die Struktur des Artikels spiegelt unsere Vorgehensweise wider: Zu Beginn
j unserer Arbeit standen empirische Beobachtungen zum Gebrauch von weil.
Dann folgten Überlegungen hinsichtlich der Frage, ob weil aufgrund der
festgestellten diskursorganisierenden Funktionen noch als Konjunktion be-
zeichnet werden kann, oder ob es - in diesen nicht-konjunktionalen Verwen-
dungsweisen - nicht einen Kategorienwechsel zum Diskursmarker durchlaufen
hat. Infolge der Merkmale, die die Reanalyse selbst und ebenso das Produkt
dieses Prozesses - weil als Diskursmarker - aufweisen, lag eine weiterführende
Betrachtung unter dem Aspekt der Grammatikalisierung nahe.
Die vorliegende Analyse basiert auf informellen Gesprächen im Freundes-
und Familienkreis sowie Beratungsgesprächen im Radio. Diese wurden in den
f| Jahren 1983-1998 in Baden-Württemberg, Brandenburg und Thüringen auf
?S Band aufgezeichnet und ausschnittsweise transkribiert.3 Die sprachlichen.
J Varietäten reichen von Dialektvarianten bis zur Standardsprache.

2. Die Diskursfunktionen von weil

Eine genauere Analyse der Verwendungsweisen von weil und ihren Funktionen
im vorliegenden Datenkorpus veranschaulicht, daß weil in der gesprochenen
Sprache oft Funktionen übernimmt, die mit der Organisation des Diskurses zu
tun haben.4 Es markiert wichtige Übergangsstellen zwischen verschiedenen
Diskurseinheiten. Die Mehrzahl dieser diskursorganisierenden Verwendungen

3 Für die Bereitstellung des Datenmaterials BRANDENBURG und THÜRINGEN


danken wir Thomas Luckmann und Jörg Bergmann. Unser Dank geht auch an Sandra
Cattenberg für die Bereitstellung ihrer Daten.
4 Von 182 Verwendungen von weil in unseren Daten haben ca. 30 Verwendungen
diskursorganisierende Funktion; weitere 10 Verwendungen weisen eine Funktion auf, die
zwischen koordinierender Konjunktion und Diskursmarker anzusiedeln ist.
42 Christine Gohl und Susanne Gönthner

lassen sich unter folgende funktionale Kategorien fassen: (i) Einleitung von
Zusatzinformationen, (ii) Einleitung einer narrativcn Sequenz, (iii) Einleitung
eines thematischen Wechsels und (iv) konversationelles Fortsetzungssignal.

2.1 Einleitung von Zusatzinformation


*
Im folgenden Gesprächsausschnitt unterhalten sich drei Familienmitglieder
über die Nachbarsfamilie. Marie beginnt in Zeile 04 mit der Erzählung einer
Begebenheit, die sich im Haus der Nachbarn abgespielt hat, als sie dort zu
Besuch war. Sie zitiert dabei ausführlich die Nachbarin (Z. 11-16). Das
Pronomen dem in Zeile 01 bezieht sich auf den Mann der Nachbarin, der- zum
Erstaunen von Marie - ab und zu für seine Familie kocht.
(1) Eßzimmer
01 Marie?: des hätt i dem doch nie nie zutraut.
02 gell,
03 (0.5)
04 Marie: na hat se gsagt,
05 we=weil die hän direkt nebrem Q neber der küche so a eßQzimmer
gell-
06 wo also bloß so «schnellen wo se sich halt dauernd uffhaltet;
07 = die hän ja> im Wohnzimmer wird ja gar nie gesessen.
08 Cara: isch des so fein daß ma net [reinsitze derf,]
09 Fritz: [(desch bei uns bei
uns immer no so.)]
10 Cara: ha sowas könnt i scho braucha.
11 Marie: [na hat se gsagt ha::: etzt - (.) ]
12 Fritz: [wies wies hier aufm land so üblich ist net,]
13 Marie: jetzt ganga ma nüber ins Wohnzimmer -
14 des muß ma ja ati amal benütze;
15 und der waiter der fängt jetzt na a: koclia -
16 na hemmer net den gruch und alles da:;
Die Redeeinleitung in Zeile 04 na hat se gsagt fungiert hier nicht als Bezugssatz
für die darauffolgende mit weil eingeleitete Einheit, vielmehr wird mit weil ein
Einschub eingeleitet, der vorab notwendige Information für das Verständnis der
Erzählung liefert. Marie unterbricht den Erzählbeginn nach der Einleitung der
Erzählsequen? (Z. 04). Erst in Zeile 11 nimmt sie die Erzählung wieder auf,
nachdem vor allem Cara die Relevanz der über den Einschub gelieferten
Information bestätigt, indem sie in Z@ile 08 eine interessierte Nachfrage und in
Zeile 10 einen weiteren Kommentar zu dieser Information abgibt. Mit einer
Wiederholung der Ankündigung einer Redewiedergabe na hat se gsagt knüpft
Marie in Zeile 11 an ihre frühere Einleitung der Erzählung an und beginnt
unmittelbar danach mit deni Zitieren der Nachbarin.
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 43

Der mit weil eingeleitete Einschub entfaltet sich hier also über mehrere
redezugbildende Einheiten, ja sogar über mehrere Redebeiträge, die von
unterschiedlichen Sprecherinnen produziert werden, Diese Einschubsequenz
fallt aus der erzählten Welt heraus: Es wird eine allgemein gültige, nicht nur an
die Zeit der Erzählung geknüpfte Information präsentiert, ohne die der Inhalt
der darauffolgenden Erzählsequenz weniger nachvollziehbar bzw. weniger
relevant wäre.
Betrachten wir ein weiteres Beispiel, in dem weil eine vergleichbare Funktion
einnimmt:

(2) Überholen
01 Anna: du aber manche leut die sin ja schon,
02 i k' (.) i tapp da neulich bei uns an and haustür na -
03 ge-
04 und grad vor mir,
05 (—)
06 überhole sich zwei auto -
07 = weil desch ja da zweispurig bei uns vor der tür -
08 und der oi,
09 der der HU:: pt wie verrückt gell,

Auch hier wird eine Erzählung unterbrochen, um eine ergänzende Infotmation


einzuschieben. Diese Hintergrundinformation (desch ja da zweispurig bei uns vor
der tür) ist für das Verständnis der Erzählung relevant. Ebenso wie in Transkript
(1) gehört die durch weil eingeleitete Einheit nicht in die erzählte Welt, sondern
*-: hat allgemeingültigen Status.
* Die eingeschobene Einheit ist jedoch erheblich kürzer als in Beispiel (1) und
wird nicht interaktiv bestätigt. Doch wie im vorherigen Transkriptausschnitt
begründet auch hier der nrcu-Satz nicht etwa den Inhalt oder die Aussage der
' vorausgehenden Äußerung. Die Zweispurigkeit ist nicht der Grund für das
Überholen, sondern macht dieses vielmehr möglich. Als Bezug könnte man hier
eine nicht explizit gemachte Proposition (etwa im Sinne von „und das ist
möglich, weil...") annehmen:5 Der wetf-Satz begründet, warum es möglich ist,
daß sich zwei Autos auf dieser Straße überholen können. Anders als im obigen
Beispiel ist hier jedoch das begründende Element noch stärker vorhanden, wenn
auch nicht an einer explizit realisierten Einheit festzumachen.
Die Notwendigkeit der Markierung solcher Einschübe liegt auf der Hand: Die
Sprecher/innen machen hiermit deutlich, daß eine begonnene Erzählung
vorübergehend unterbrochen wird, um eine andere Aktivität - die Präsentation
von Zusatzinformation ~ einzuschieben. Dies kann theoretisch auf verschiedene
Weisen geschehen, mit lexikalischen, syntaktischen oderprosodischen Mitteln.

5 Vgl. Günthner (1996), die zeigt, daß ^//-Konstruktionen durchaus auch an nicht
explizit gemachte Propositionen anknüpfen können.
44 Christine Gohl und Susanne Günthner

Die Verwendung von weit ist in den beiden diskutierten Fällen keinesfalls
obligatorisch. In Beispiel (1) hätte die Sprecherin durchaus auch Partikeln wie
weisch, nämlich oder halt (letztere in anderen syntaktischen Positionen als weil)
verwenden können. Dasselbe gilt für Beispiel (2). Auch das Weglassen von weil,
bzw. eines lexikalischen Markieryngselementes generell, ist in beiden Fällen
denkbar, wobei dann eine prosodische Markierung des Einschubes notwendig
wäre. Interessanterweise findet sich in beiden Beispielen in der eingeschobenen
Einheit jeweils eine Partikel (gell, Z. 05 in Transkript l und ja, Z. 07 in Transkript
2), die die Funktion übernimmt, an angeblich bekanntes, geteiltes Wissen zu
appellieren und dies im aktuellen Gesprächskontext wieder aufzurufen.6
Weil leitet in den vorliegenden Gesprächsausschnitten also keinen Grund
bzw. keine Begründung im inhaltlich-expliziten Sinne din, sondern liefert eine
für den Fortlauf der Erzählung relevante Information, die erklärenden Charak-
ter hat.7 Dabei wird es nicht länger konjunktional als Verknüpfung von zwei
aufeinander folgenden Syntagmen verwendet, sondern als Mittel zur Verknüp-
fung von Diskurseinheiten. Anders als die meisten Partikeln eignet sich weil in
besonderem Maße, solche eingeschobenen Sequenzen einzuleiten, denn durch
seine initiale Position kann es sofort signalisieren, daß das, was nun kommt, im
weitesten Sinne erklärenden, erläuternden Charakter hat. Daß es sich jeweils um
Einschübe handelt, die nicht zur erzählten Welt gehören und die relevante
Zusatzinformation liefern, wird erst ijn Laufe der Entfaltung der über weil
eingeleiteten Einheiten) deutlich, u.a. durch Tempusweohsel (wie in Transkript
1) und durch die jeweilige Semantik des Einschubs.
Neben der Möglichkeit, notwendige Zu§atzinfofmation in der Form eines
Einschubs zu präsentieren, wird weil in unseren Daten auch verwendet, um eine
solche Zusatzinformation zu erfragen: Der Erzählfluß wird unterbrochen, um
die für die Fortführung der Erzählung notwendige Information zu erfragen.
Nachdem diese vona Gegenüber geliefert worden ist, setzt der erste Sprecher
seine Erzählung fort. Folgender Transkriptauschnitt veranschaulicht diese
Funktion, Thema des Gesprächs ist ein Interview, das ein bekannter deutscher
Sportler auf einfer internationalen Pressekonferenz gegeben hat. Fritz bezieht

6 Die Partikel ja kann darüber hinaus eine kausale Beziehung signalisieren (Duden
Grammatik 1984:693).
7 Siehe auch Küper (1991:137), der auf den „explikativen Gebrauch" von weil mit
Verbzweitstellung eingeht. Allerdings handelt es sich bei seinen konstruiertet* Beispielen
um die Explikation eines in der vorausgegangenen Äußerung verwendeten Ausdrucks.
Siehe außerdepi Mazeland (1995; 1996), der solche und ähnliche Phänomene unter dem
Begriff ^inserted clarifications* behandelt. Mazeland zeigt anhand gesprochener Daten,
wie jjdl. want ,weil/denne dazu verwendet wird, Einschübe einzuleiten. Aueh er stellt in
seinen Untersuchungen fest, daß es notwendig ist, üb^r die Dreiteilung von Sweetser
(1990) hinaus zu gehen, uun der ganzen funktionalen Bandbreite, die die beiden
niederländischen Kausälkonjunktionen want und omdat aufweisen, in der Analyse gerecht
zu werden.
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 45

sich dabei auf einen Kommentar, den Erik damals zu diesem Interview gegeben
hat, kann sich jedoch zuerst nicht genau daran erinnern, von wem dieser
Kommentar ursprünglich stammte. Diese, für den Fortgang der Erzählung und
des Zitierens notwendige Information erfragt er ii Zeile 05.. Erst nach der
Klärung dieser Frage in Zeile 07 durch Cara fahrt Fritz fort.

(3) Interview
01 Fritz: du des (-) [das muß ich - ]
02 ?: [( )]
03 Fritz: also des muß ich also auch ECHT sagen;
04 seine interVIEWS-
05 weil (-) wer war des;
06 du oder (-) oder erik.
07 Cara: «leise> erik.)
08 Fritz: hat gsagt;
09 warum muß der jetzt ä : h äh= äh englisch schwätze.
?j
All diesen Verwendungen ist gemein, daß weil nicht zwei Syntagmen verknüpft,
sondern den - in den meisten Fällen deskriptiven - Inhalt der eingeschobenen
Einheit, die es einleitet, als für den Fortlauf der Handlung relevant präsentiert
Weil trägt somit in diesen Fällen zur Strukturierung der Informationspxäsenta-
tion und auch zur Kohäsion bei, indem es deutlich macht, daß die Einschübe
zwar nicht über einen unmittelbar inhaltlichen Bezug an ihren Kotext gebunden
sind, sich jedoch auf einer größeren Textebene auf ihre sequentielle Umgebung
,. J beziehen.
rJ°
**:
2.2 Einleitung einer narrativen Sequenz

Anders als in den bereits diskutierten Fällen fungiert weil in den vorliegenden
* Gesprächsausschnitten nicht als Einleitung von Einschüben in Erzählungen,
sondern als Einleitung von Erzählungen oder kürzeren Erzählsequenzen.
Im folgenden Gesprächsausschnitt berichtet Nina von einer Autopanne.

(4) Autopanne
01 Nina: ohh ja des bei mir wars eigentlich ziemlich lustich;
02 weil also -
03 ich hatte mal ne Zeitlang n auto gehabt,
04 und dann ahm: hatt ich auf d : er autobahn ne panne,
05 un-d äh s ging echt nichts;
06 Iris: mhm,
07 Nina: mehr ne ganze elektrik war kaputt und so,
08 ohh und dann: äh,
09 ja halt notrufsäule ne,
46 Christine Gohl und Susanne Günthner

10 dann kam halt der adeahze an,


11 ohhnaja,

Die Bewertung in Zeile 01 verlangt hier nach einer Ausführung. Die Sprecherin
muß erläutern, was lustich war, um die Projektion der Bewertung, die eine
Erzählung ankündigt, zu erfüllen.8 Auch hier hat die Sequenz, die auf weil folgt,
insofern erklärenden Charakter, als die Sprecherin mit der Ausführung der
Geschichte deutlich macht, was sie lustich findet und natürlich, warum dies eine
passende Bewertung für das nun geschilderte Ereignis ist.
Weil verbindet somit die kataphorische Äußerung in der ersten Zeile mit der
Ausführung, die sie projiziert - allerdings nicht, indem die beiden Einheiten in
eine direkte Begründungsrelation gestellt werden, sondern indem die zweite
Einheit als Ausführung der ersten konstruiert wird. Auch hier 'wäre ein
Weglassen des Konnektors möglich, zumal das auf weil folgende also in diesem
Kontext eine ganz ähnliche, wenn nicht sogar dieselbe Funktion erfüllt.
Im nächsten Gesprächsausschnitt unterhalten sich vier Personen über
mögliche negative Auswirkungen, die Alkohol auf die Gesundheit haben kann.
Dabei werden die hypothetischen Ratschläge von verschiedenen Ärzten ange-
führt. Unmittelbar davor wurde die konkrete Ansicht vertreten: auf den tag
verteilt vier hefeweizen reinigt die niere. Erik reagiert darauf in Zeile 01. Ab Zeile
12 berichtet Fritz von einem Gespräch, das er mit jemand anderem über einen
Arzt - Doktor Heller - hatte.

(5) Gesundheit
01 Erik: des sacht vielleicht der nierendoktor wo selber fünf api tag kippt.
02 Cara: und der leberdoktor sagt nachher Ijahaha-
03 Fritz: ne,
04 was der sä :: gt -
05 und was er selber macht -
06 ist nämlich a unterschied.
07 woisch,
08 da bin ich nämlich so saumäßig neidappt.
09 (1.5)
10 Cara: «leise> warum?>
11 Fritz; «leise> weih (.)
12 na habe mers auch von de (ärzt) ghät,
13 vom rauchen und so weiter -
14 = und wie (—) wie gsund manche leben und äh wie ungsund manch
andere,

8 Ford (1993:96) diskutiert ein ähnliches Beispiel aus dem Englischen, in deiji ''cause die
Funktion übernimmt, nach it's interesting eine längere Elaboration in Form einer
Geschichte einzuleiten; ft 's interesting verlangt aufgrund seines kataphorischen Status eine
Ausführung dessen, was interessant ist. Auch in unseren Daten taucht diese Variante - weil
als Einleitung einer Erzählung nach s' war interessant - auf.
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((es folgt eine Nebensequenz mit ßmf Redebeiträgen zum Thema Zigaretten und
Feuer.))
15 Fritz na han i gsagt -
16 fya -
17 ach so an (—) bewußt -
18 gesundheitsbewußt lebenden (.) arzt wie wir den doktor heller
haben -
19 wem wir ja scho äh wahrscheinlich hier im ganzen umkreis nirgends
finden.
20 der hat doch bloß auf seim Schreibtisch,
21 äh-
22 bloß säftle entweder apfelsaft oder oder oder
orangensaft [stehn und so weiter -]
23 Erik: [der trinkt doch kaffee.]
24 Fritz: und na hat einer gsagt «geheimnisvoll> ja und was macht der mit
dem wein,
25 wo so alle halb jähr mal kommt,)
26 und da a halber a halber ah a hänger wein abgeladen wird?
27 Cara: haja-
28 Fritz: da da hat mer mal im spaß gsagt -
29 ha des «affektiert) des is für die gaste.)

Dieses Beispiel veranschaulicht, daß auf eine warww-Frage durchaus auch weil
mit Verbzweitstellung folgen kann, und zwar dann, wenn das, was folgt nicht nur
1 aus einem Syntagma besteht, wie dies bei konventionellen wanim-weä-Sequen-
1 zen in der Regel der Fall ist,9 sondern wenn weil zur Einleitung einer längeren
~ Erzählsequenz verwendet wird.
Fritz leitet seine Erzählung mit der Äußerung da bin ich nämlich so saumäßig
neidappt (Z. 08) ein und kündigt damit nicht nur an, daß er eine Geschichte
erzählen will, sondern liefert bereits erste Informationen darüber, wovon die
Geschichte handeln soll (Sacks 1971). Nach dieser Ankündigung hält er
zunächst inne (Z. 09) und gibt seinen Gesprächspartner/innen die Gelegenheit,
das Angebot anzunehmen, indem sie ihr Interesse an der Geschichte bekunden
und nachfragen - was Cara in Zeile 10 auch tut. Auf ihre vwzraw-Frage erfolgt
nicht etwa eine kurze und prägnante Nennung eines Grundes, warum Fritz so
saumäßig neidappt ist, sondern eine Wiedergabe des Gesprächs, in dem dieses
erzählenswerte Ereignis stattgefunden hat: Fritz beschrieb den Arzt als sehr
gesundheitsbewußt, was sich offenbar im weiteren Verlauf des zitierten Ge-
sprächs als völlig falsche Einschätzung herausstellte.
Auffällig ist sowohl die intonatorische Unabhängigkeit von weil (weil bildet
hier eine eigene Intonationseinheit, die durch eine kurze Pause von der

9 Hierzu auch Uhmann (1998:121 f.).


48 Christine Gohl und Susanne Günthner

folgenden abgetrennt ist) als auch die lautliche Gestaltung der warum-weti-
Sequenz, die leiser gesprochen ist als die Umgebung. Abgesehen von der
Tatsache, daß eine wan/w-Frage eine >m'/-Antwort relevant macht, ist auch hier
das Weglassen von weil durchaus denkbar.
Begründenden Charakter hat das Anknüpfen der Erzählung an die Ankündi-
gung eines erzählenswerten Ereignisses insofern, als die Erzählung näher
erläutert, warum Fritz die zu erzählend© Begebenheit als saumäßig neidappt
verstanden haben will. Außerdem baut er mit der Erzählsequenz die Behaup-
tung was der sa::gt und was er selber macht ist nämlich a unterschied aus und
begründet sie dadurch bzw. verleiht ihr über die Illustration Gewicht.
Diese Bezüge, die im weitesten Sinne als begründend rekonstruierbar sind,
reichen von der Behauptung (Z. 04-06) bis zum Ende der Erzählung.
Zusammenfassend für die beiden diskutierten Gesprächsausschnitte (4) und
(5) läßt sich also sagen, daß der Skopus von weil in diesen Fällen weit mehr als
zwei Syntagmen umfaßt. Es werden jeweils zwei bzw. drei Diskufseinheiten
miteinander verbunden, wobei die Erzählungen in beiden Gesprächen illustrati-
ven Charakter haben. Die begründende Funktion von weil spielt in den beiden
Fällen zwar eine Rolle, ist aber nicht vorrangig. Auch hier ist die Verwendung
von weil jedoch keinesfalls unmotiviert: In beiden Verwendungen leitet weil die
Ausführung von etwas Angekündigtem ein,
Ähnliche Beobachtungen zur Funktion von because in Alltagsgesprächen
macht Schiffrin (1987:194f.). Sie zeigt, daß because als Einleitung von narrati-
ven Sequenzen einen weiten Skopus hat, vergleichbar den weil·Verwendungen in
den oben angeführten Beispielen. Schiffrin (1987:195) bezeichnet because
trotzdem als „marker of subordination", wobei ^untergeordnet4 hier nicht in
einem syntaktischen Sinne zu verstehen ist, sondern als Diskursbegriff. Because
leitet ujitergeordRetes Material ein, d.h- Material, das - auch wenn es einen
breiten Raum einnimmt- eine sekundäre Rolle spielt. Es besteht in diesen Fällen
eine diskursftmktionale Abhängigkeit dieser nicht-eigenständigen Einheiten
von einer anderen, funktional und thematisch übergeordneten Einheit.
Sowohl für die unter 2.1. als auch für die in diesem Abschnitt diskutierten
Verwendungen von weil kann diese funktionale Abhängigkeit in einem größeren
Textzusammejuhang festgestellt werden. Leitet weil eine notwendige Zusatzin-
formation ein, so ist die eingebettete Einheit nur im Zusammenhang der
Erzählung, die sie umgibt, relevant. Sie hat keine funktionale oder thematische
Eigenständigkeit, auch wenn sie relevant für das Verständnis einer Erzählung ist.
Ebenso sind Erzählsequenzen, die als Illustration einer Behauptung oder einer
Bewertung dienen, nur in Zusammenhang mit diesen zu sehen.
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 49

2.3 Einleitung eines thematischen Wechsels

Eine weitere Funktion von weil zeigt sich in folgendem Ausschnitt, der aus einem
Beratungsgespräch im Radio stammt, Die Anruferin schildert die Probleme, die
sie mit dem Tod der Mutter hat und damit, daß ihre Tante deren Tod verleugnet.
Unmittelbar vor dem Transkriptausschnitt geht es um die Beziehung der
Anruferin zu ihrer Mutter, die, nach eigeaem Bekunden der Anruferin, nicht
sehr gut war. Daraufhin mutmaßt die Beraterin, daß die Anruferin sich dies nun
übel nehme.

(6) Belastung
01 Beraterin: und das nehmen sie sich jetzt
im nachhinein übel.
02 (0.5)
03 Anruferin: NEIN des nehm ich mir nicht übel.
04 (0.5)
05 Beraterin: na dann (.) wärs ja eigentlich möglich,,
06 Anruferin: = NAJA aber nur i mein mich belastet des
(halt) die frau mich jetzt damit,
07 (-) ha?
08 (0.5)
09 weil i mein ich hätte sicherlich manches anders gemacht,
10 (1.0)
11 aber (-) DA mußte ja wohl erst (-) meine
mutter sterben -
12 um des zu =ü zu überlegen;
13 verstehn sie was ich mein,

Die Anruferin wechselt in Zeile 06 von dem Subthema problematische


Beziehung zwischen ihr und ihrer Mutter' und der Klärung der Frage der
Beraterin, ob sie sich diese problematische Beziehung im Nachhinein übel
nehme zum Thema ,das Verhalten der Tante ist belastend*, das sie von Beginn
des Gesprächs an als ihr eigentliches Problem präsentiert hat. Sie reformuliert
dieses Problem hier, macht es nach der Abhandlung des Subthemas von neuem
relevant In Zeile 09 folgt dann wieder ein Wechsel zu einer subjektiven
Einschätzung, die über die Reformulierung des Problems hinaus geht und einen
neuen thematischen Aspekt in das Gespräch bringt: ich hätte sicherlich manches
anders gemacht. Gleichzeitig findet hier ein für einen therapeutischen Diskurs
wichtiger Perspektivenwechsel statt: Die Anruferin fokussiert hier ihr eigenes
Verhalten und ihre eigene Einschätzung und bewegt sich damit weg vom
ursprünglichen Problem: ,das Verhalten der Tante ist belastend'.
Eine solche thematische Progression ist auf Mittel angewiesen, die subthema-
tische und perspektivische Wechsel kennzeichnen, ohne sie explizit zu machen.
Dies geschieht hier auf verschiedene Weisen. In Zeile 06 schließt naja als eine Art
SO Christine Gobi und Susanne Günthner

resümierender Kommentar das vorherige Subthema vorerst ab, aber dient zur
Markierung des Kontrastes zwischen dem vorigen Thema und dem Thema, das
nun folgt, und i mein hat hier ebenfalls eine diskursstrukturierende Funktion.10
Der nächste Wechsel in Zeile 07 wird mit weil, in Kombination mit der
epistemischen Phrase ich mein eingeleitet. Hier ergibt sich kein plausibler
begründender oder erklärender, also im weitesten Sinne kausaler Anschluß an
das vorher Gesagte. Möglicherweise haben wir es hier auch mit einer Redundanz
von Markierungsmitteln, die auf der Ebene der Diskursstrukturierung operie-
ren» zu tun, so daß weil hier ifc Kombination mit ich mein als Mittel zur
Gestaltung eines progressiven subthematischen Wechsels dient.
Das nächste Beispiel unterscheidet sich von dem eben diskutierten dadurch,
daß mit weil an ein Thema angeknüpft wird, das einige Redebeiträge zuvor
schon behandelt worden ist.

(7) Kina-Kina
01 Sara: ich muß übrigens heut noch zum lehmann,
02 um drei,
03 weils Schwierigkeiten gibt,
04 mit dem Pekingaufenthalt. (.)
05 ich hab den jetz einfach gebucht,
06 Hilla: das: find = ich ja interessant;
07 also (.) da [(.)] das find ich ja
08 Sara: [hmhm]
09 Hilla: find ich ja wirklich ein hammer.
10 weil = ich weil ich glaube daß das so (.) die linie is,
11 (.) die: (.) die wir auch schon Q eh Qg-
bejmerkt haben,]
12 Sara: [hmhm]
13 Hilla: daß nämlich die Chinesen anfangen,
14 an allen ecken,
15 [zu reduzieren und zu kürzen und zu sparen,
16 [zu kürzen]
17 Hilla: wo [sie nur] können.
18 Sara: [hmhm]
19 Sara: hmhm (0.5) hm hm 'hh weil d- des: war ja so,
20 = daß die frau max:,
21 mich gefragt hat,

10 Siehe die Untersuchung von Thompson/Mulac (1991) zur Grammatikalisierung


von epistemischen Parenthesen ans ^/^Konstruktionen wie I think, deren Funktion es ist,
deutlich gu machen, welche Anstellung ein Sprecher gegenüber seiner Aussage hat, in wie
weit er sich dem Gesagten gegenüber verpflichtet. Es handelt sich somit um eine Art
Distanzierungs§trategie. Phrasen wie ich mein, ich denk <etc. können in bestimmten
Umgebungen ähnliche Funktionen übernehmen (vgl. Auer 1996).
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 51

% 22 ob = ich nicht en paar tage in peking bleiben


* [wollte,] =
* 23 Hilla: [ja = es = is]
, 24 Sara: (des) sei so üblich. =?
sr (Schilderung des Gesprächs mit Frau Max geht noch einige Zeit weiter)
IG
Sara berichtet zu Beginn des Ausschnitts, daß es Probleme mit ihrem geplanten
Pekingaufenthalt gibt (Z. 01-05). Danach folgt eine Bewertungssequenz, die
hauptsächlich von Hilla gestaltet wird (Z. 06-18). Sara kommt dann in Zeile 19
auf das vorhin schon von ihr eingeführte Thema Schwierigkeiten mit dorn
* Pekingaufenthalt' zurück und führt dieses im Folgenden näher aus, indem sie
über eine narrative Sequenz die schon begonnene Rekonstruktion eines
Ereignisses weiter ausbaut. Dabei schließt sie jedoch nicht unmittelbar an schon
\ Gesagtes an, sondern wechselt sowohl das Subthema (von allgemeinen Schwie^
"* | rigkeiten zum Gespräch mit Frau Max) als auch die Art der Aktivität (von einer
Beschreibung zu einer Erzählung).
Ungewöhnlich ist hier die Stellung des weil in Zeile 19. Es folgt fast initial auf
die Bewertungssequenz, die relativ lang ist, so daß ein direkter inhaltlicher Bezug
zu der Sequenz in den Zeilen 01 -05 über weil schwer nachvollziehbar wäre. Auf
der Ebene der Diskursorganisation jedoch fungiert weil als verbindendes, sprich
kohäsives Element, indem es eine, wenn auch lose Anbindung an Vorheriges
herstellt und gleichzeitig einen Wechsel auf der thematischen Ebene zu der
Bewertungssequenz davor einleitet.
? |j Die beiden Beispiele (6) und (7) zeigen weil somit in einer Funktion, die mit der
f begründenden Funktion der Konjunktion kaum mehr etwas zu tun hat.
* *' Während in Beispiel (6) ein neues Subthema eingeleitet wird, wird in (7) sowohl
ein Wechsel zu Vorherigem eingeleitet als auch an ein schon angeschnittenes
Thema angeknüpft, wobei die thematische Progression mit einem Wechsel der
„ Aktivität einhergeht.

2.4 weil als konversationelles Fortsetzungssignal

Weil kann außer in den bisher genannten textorganisatorischen Funktionen


auch als konversationelles Fortsetzungssignal eingesetzt werden.11 In solchen
Fällen nutzt eine Sprecherin das projektive Potential von weil, um den aktuellen
Redezug fortzusetzen.

11 Diese Funktion von weil ist bereits von Oünthner (l993:47f.) und Scheute (1998)
erwähnt worden. Für das englische because hat Schleppegrell (l 991) ähnliche Beobachtun-
gen gemacht. Auch Couper-Kuhlen (1996) stellt fest, daß because in manchen Fällen
seinen semantischen Gehalt verloren hat und als „means of ,doing continuation' "(423)
dient, wobei dieser Prozeß mil einer phonologischen Reduktion zu /kz/ einhergehen kann.
52 Christine Goht und Susanne Günthner

Jana, Anne und Eva untcrhaiten sich im folgenden Transkriptausschnitt über


eine Studentin, die während eines Seminars, das Anne und Eva leiten, einige
„merkwürdige, unproduktive Bemerkungen'4 gemacht hat. Jana berichtet, wie
sie selbst und Erika, die das Seminar als Studentinnen besuchen, sich über den
Beitrag der Studentin amüsiert haben, während die beiden Dozentinnen darauf
eingegangen sind:

(8) Paris
01 Jana: natürlich sie betont auch immer so- (-)
02 so ihre ihr kosmopolitisches dasein,
03 Anne: = PARI PARI ; =
04 Jana: und eh = ( ) kürzlich in = frankreich gesehn -
05 Anne&?: = hihihihihihihihihih =
06 Jana: und sowas ( )
07 nein aber da fand ich auch,
08 da sind da seid ihr da vorne ganz schön drauf
eingegan((hi))gen gell;
09 während erika und ich wir ham uns echt -
10 wir ham uns schlaff gelacht irgendwie;
11 weil(-)
12?: mhm
13 Jana: ich fands schon en bißchen- (0.5)
14 Anne: weißt du das problem ist,
15 wenn man halt da vorn sitzt,
16 bist du schon immer GOTTfroh,
17 wenn IRGEND JEMAND überhaupt den nrand aufmacht;
18 (—) also was so die Studenten betrifft.
19 Eva: du gehst da auf ALLES = DANKBARST ein.
Nach dem weil bricht Jana ihren Redezug kurz ab. Es folgt eine kurze Pause und
ein Bestätigungssignal (b2w. ein ,continuer*, Schegloff 1982) einer anderen
Sprecherin, die damit signalisiert, daß sie das Rederecht zu diesem Zeitpunkt
nicht für sich beansprucht, sonderii Jana weiterhin zuhört. Hier wird also ein
übergangsrelevaiiter Ort nicht für einen Redewechsel genutzt, sondern die
aktuelle Sprecherin zum Weiterreden aufgefordert. Diese spricht in Zeile 13
weiter, jedoch ohne die kausale Projektion, die in Zeile 11 durch w£il entstanden
ist, aufzugreifen und zu füllen. Einen kausalen Zusammenhang zwischen den
Zeilen 10 und 13 anzunehmen, macht aufgrund der Verwendung unterschiedli-
cher Pronomina in diesem Fall keinen Sinn. So kann die Sprecherin mit weil ich
fands schon en bißchen keine Begründung für die Tatsache wir harn uns schlaff
gelacht irgendwie einleiten: Der referentielle und damit auch perspektivische
Wechsel macht eine kausale Lesart sehr unwahrscheinlich, da die Sprecherin ihre
eigene Bewertung der Situation nicht als Grund für die gemeinsame Reaktion-
ihr und Erikas Lachen - angeben kann. Statt dessen setzt sie nur zur Bewertung
an (ich fands schon ein bißchen), führt sie jedoch nicht vollständig aus. Weil
Grammatikalisierung von we// als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 53

kündigt an dieser Stelle also keine kausale Fortführung der Einheit in Zeile 10
an, sondern signalisiert vielmehr, daß die Sprecherin ihren Redezug ausbauen
will, was hier auch erfolgreich geschieht.12
Unmittelbar nach dem weil ratifiziert eine andere Sprecherin diese rederechts-
erhaltende Methode durch mhm, wodurch deutlich wird, daß diese Fortset-
zungsstrategie auch als solche erkannt und behandelt wird.
Daß diese Strategie sehr erfolgreich ist, zeigen unsere Daten: Es tauchen keine
Fälle auf, in denen ein potentieller nächster Sprecher den aktuellen unterbricht,
nachdem dieser ein weil geäußert hat.
Das folgende Beispiel zeigt noch deutlicher, daß die Verwendung von weil als
Fortsetzungssignal einem Sprecher gewisse Verpflichtungen auferlegt, seinen
Redezug auch tatsächlich fortzusetzen, ohne daß es die Art des folgenden
Redezuges festlegen würde.
Der Ausschnitt stammt aus einem Gespräch zwischen fünf Studierenden, die
sich über die Prüfungsmodalitäten in ihrem Fach unterhalten. Andi beschwert
sich, daß die Prüfungstermine immer sehr spät bekannt gegeben werden und daß
sich in dieser Hinsicht noch nichts getan habe, obwohl sich Studierende schon
öfters beim Prüfungsamt darüber beschwert hätten.

(9) Prüfung
01 Andi: ((...))
02 bisher isch ja (.) des isch alles immer schön im
sand verlaufen;
03 = und den profs wars eigentlich im grund gnommen
au scheißegal;
04 = weil phh (-) ja;
05 also (.) des geht dennen halt au am arsch vorbei.

Die Aussage in Zeile 03 wird in Zeile 05 lediglich reformuliert. Es wird ihr kein
neuer Aspekt hinzugefügt; beide Male handelt es sich um eine Bewertung der
Ansicht der Professoren zur Problematik der Prüfungstermine. Der Sprecher
kann hier also seinen Redebeitrag ausbauen, ohne weitere Information zu
liefern. Da nach der rederechtserhaltenden Strategie in Zeile 04 keine Unterbre-
chung durch jemand anderen erfolgt, muß der aktuelle Sprecher seinen
Redebeitrag erst beenden und damit die Projektion, die durch weil phh ja
entstanden ist, erfüllen, was er in Zeile 05 auch tut. Ein Redeabbruch nach Zeile
04 wäre sehr markiert.

12 Siehe auch Gülichs Analyse von Gliederungssignalen, die neben der „Gliederungs-
funktion" von Äußerungseinheiten im Gespräch auch „Überbrückungsfunktionen" im
Kommunikationsprozeß einnehmen können (Gülich 1970:300).
54 Christine Gobi und Susanne Günthner

2.S Zusammenfassung

Die diskutierten Funktionen von weil unterscheiden sich von der begründenden,
satzverknüpfenden Funktion der Konjunktion in mehrerlei Hinsicht Es werden
nicht zwei Syntagmen - Sätze oder Satzteile ~ zueinander in Relation gesetzt,
sondern größere Diskursteile als kohäsive, sinnhafte Einheiten konstruiert. Der
Umfang der Einheiten variiert dabei je nach Verwendungsweise - auch
innerhalb der einzelnen Funktionen. So kann eine eingeschobene Zusatzinfor-
mation sehr kurz sein oder aber mehrere redezugbildende Einheiten umfassen
und interaktiv gestaltet werden. Wird eine Erzählung eingeleitet, kann der
Skopus der Anknüpfung durch weil sehr lange Redebeiträge oder aber nur kurze
narrative Sequenzen umfassen. Dasselbe gilt für die unter 2.3. und 2.4.
vorgestellten Funktionen.
Weil operiert hierbei auf unterschiedlichen Diskurs- und somit auch Analy-
seebenen. Während sowohl die „Einleitung von Zusatzinformation" also auch
die „Einleitung eines thematischen Wechsels" insofern kontextbezogen sind, als
sie die strukturelle Relation zwischen zwei Diskursabschnitten deutlich machen,
bezieht sich die Funktion der „Einleitung einer narrativen Sequenz" auf einen
Wechsel der kommunikativen Aktivität. Weil als „konversationelles Fortset-
zungssignal" operiert auf einer weiteren Ebene, nämlich der Ebene der
Sprecherwechselorganisation: Hier geht es um die Verteilung des Rederechts
(Sacks/Schegloff/Jefferson 1974). Allen diskursorganisierenden Funktionen
von weil ist jedoch gemeinsarft, daß sie primär auf der pragmatischen Ebene
anzusiedeln sind. Allerdings spielt hierbei die Semantik der begründenden
Konjunktion weil durchaus eine wichtige Rolle. Sie legt erstens der funktionalen
Variation gewisse Beschränkungen auf- Weil kann in den beschriebenen
Funktionen beispielsweise nicht diskursinitial verwendet werden. Zweitens
bleibt die ursprüngliche Semantik der begründenden Konjunktion an manchen
der hier diskutierten Verwendungen haften. Vor allem Zusatxinformationenund
Erzählungen können erklärenden - im weitesten Sinne begründenden -
Charakter haben, wobei der Grad dieser Verhaftung an der begründenden
Bedeutung auch innerhalb dieser beiden einzelnen Kategorien variiert. Wird
weil zur Einleitung eines thematischen Wechsels oder als konversationelles
Fortsetzungssignal gebraucht, scheint die Ursprungsbedeutung - wenn über-
haupt - nur noch vage durch. Die projektive Kraft, die weil natürlich auch als
Konjunktion hat, ist in allen der oben diskutierten Verwendungsweisen noch
vorhanden: Ist einmal ein weil geäußert, wird der Redebeitrag ausgebaut. Weil in
seiner diskursorganisierenden Funktion spezifiziert allerdings nicht, womit ein
Redebeitrag ausgebaut wird, wie dies b.ei der konjünktionaien Funktion von
weil der Fall ist, das klar begründenden Charakter hat, sei es auf einer
inhaltlichen, epistejjuschen oder sprechaktbezogenen Ebene.
Allerdings ist festzustellen, daß die Grenzen zwischen den verschiedenen
vorgestellten Diskursfunktionen, die weil innehaben kann, nicht immer klar zu
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 55

ziehen sind. Es gibt sowohl eindeutig zuzuordnende Fälle, als auch zahlreiche
Überschneidungen, was damit zusammenhängt, daß - wie oben erwähnt - weil
auf unterschiedlichen Ebenen der Diskursgestaltung operieren kann. So fungiert
im Beispiel (7) ,Kina-Kina6 weil sowohl als Mittel zur Einleitung eines
subthematischen Wechsels als auch zur Einleitung einer Erzählung und
Wiederanknüpfung an im Gespräch schon Thematisiertes. Als diskursorganisie-
rendes Element kann weil also durchaus multifunktional sein, wobei aber meist
eine bestimmte Funktion die dominante ist.

3. weil - eine Konjunktion oder ein Diskursmarker?

3.1 Zum Begriff des .»Discourse marker4

Die hier beschriebenen Funktionen von weil haben durchweg mit der Organisa-
tion des Diskurses zu tun, so daß uns eine Diskussion des Konzeptes Discourse
|f! marker4 hier angebracht und notwendig erscheint. Zudem weichen diese
Funktionen von weil, wie gezeigt, deutlich von einer rein begründend-konjunk-
tionalen Funktion ab. Insbesondere die Tatsache, daß wir es oft nicht mehr mit
der Verknüpfung von zwei Syntagmen zu tun haben, läßt Zweifel aufkommen,
ob weil hier noch der Status einer Konjunktion im traditionellen Sinne, d.h. eines
Funktionswortes zur Verknüpfung von zwei Sätzen zu einem komplexen Satz
(Lang 1991:598), zugeschrieben werden kann.13 Auch hat weil keine Junktorpo-
b t]* sition zwischen zwei Syntagmen inne, sondern ist der Folgeäußerung zugeord-
· Mnet, auch wenn es nicht unmittelbar in das Folgesyntagma integriert ist, sondern
* die Vor-Vorfeldposition (Auer 1997) besetzt. Die verknüpfende, kohäsionsstif-
• tende Funktion, die weil als Konjunktion innehat, bleibt zwar auch in den
diskursorganisierenden Fällen weitgehend erhalten, jedoch findet bei manchen
Verwendungen eine deutliche Skopusausweitung statt: Was verknüpft wird, ist
nicht mehr auf der Ebene von Satzstrukturen zu beschreiben. Darüber hinaus
geht die begründende Funktion, d.h. das Herstellen einer spezifischen semanti-
schen Beziehung teilweise oder ganz verloren, bzw. tritt zurück zugunsten
anderer, nämlich diskursorganisierender Funktionen.
Eine funktionale Herangehensweise an das Problem einer Wortartklassifizie-
rung legt für die oben beschriebenen diskursorganisierenden Funktionen von
weil nahe, nicht mehr von einer Konjunktion im klassischen Sinne auszugehen,

13 Vgl. auch die Duden Grammatik (1995:390), die die Funktion von Konjunktionen
darin sieht, „Wörter, Wortgruppen oder Sätze miteinander zu verbinden." Bußmann
(1983:258) fugt dieser Definition hinzu, daß Konjunktionen „gleichzeitig semantische
Beziehungen zwischen diesen Elementen kennzeichnen."
56 Christine Gohl und Susanne Günthnei

sondern von einem Mittel zur Diskursorganisation, kurz: einem Diskursmar-


ker.14
Der Begriff „Diskursmarker" bzw. „Discourse Marker" wird in der eng-
lischsprachigen Forschung sehr vielfältig verwendet und ist definitorisch
keineswegs geklärt.15 Es gibt zahlreiche unterschiedliche Vorstellungen davon,
was ein Diskursmarker ist.10 Um mit dem Begriff arbeiten zu können, scheint
ein Offenlegen der Definitionen, an die sich die eigene Arbeit anlehnt, notwendig
zu sein. Wir werden deshalb im folgenden kurz einige, uns sinnvoll erscheinende
Ansätze zu dem Begriff des Diskursmarkers vorstellen.
Levinson (1983; 87 f.), der bereits in Zusammenhang mit „Diskursdeixis" auf
Diskursmarker einging, ohne diese allerdings so zu nennen, beschreibt diese
sprachlichen Elemente folgendermaßen:
.. .there are many words and phrases in English, and no doubt most languages, that
indicate the relationship between an utterance and the prior discourse. Examples are
utterance-initial usages of but, therefore, in conclusion, to the contrary, still, however,
anyway, well, besides, actually, all in all, so, after all, and so on. It is generally conceded that
such words have at least a component of meaning thatresists truthconditional treatment...
What they seem to do is indicate, often in very complex ways, just how the utterance that
contains them is a response to, or a continuation of, some portion of prior discourse.

Schiffrin (1987:31) definiert ^Discourse Markers' als „sequentially dependent


elements which bracket units of talk", wobei „sequentially dependent" heißt,
daß Diskursmarker auf der Ebene der sequentiellen Organisation von Gesprä-
chen operieren. Der von Goffman (1974) stammende Begriff der „brackets*
(»Klammern*) bezeichnet Grenzmarkienmgen innerhalb sozialer Organisations-
formen; sie schaffen somit Einheiten, die als solche wahrnehmbar, sprich
voneinander unterscheidbar sind und bilden damit bestimmte Interpretations-

14 Sicherlich gibt es strukturelle und auch einige funktionale Überschneidungen


zwischen der Kategorie der koordinierenden Konjunktion und der des Diskursmarkers.
Bei den vorliegenden Verwendungsweisen von weil weiterhin von einer „Konjunktion" zu
sprechen, hieße jedoch, den Konjunktioasbegriff extrem stark auszuweiten.
15 Es bestehen durchaus Parallelen zwischen Diskursmarkern und der vo$ Gülich
(1970) beschriebenen Funktionsklasse der „Gliederuiigssignak", die primär kommunika-
tive Funktionen innehaben und ferner dadurch gekennzeichnet sind, daß ihre ursprungli-
che lexikalische Bedeutung „stark reduziert" ist (Gülich 1970:297). Funktionale Über*
schneidungen bestehen auch zu den von Ortner (1983) und Thim-Mabrey (1985)
beschriebenen „Konnektoren zur Kennzeichnung von Textbeziehungen". Ortner
(1983:97) definiert diese „Konnektoren" als „Verknüpfungszeichen zwischen Textteilen,
die auf-der Ausdrucksebene Beziehungen zwischen Textteilen explizit machen" und dabei
als „Metakommunikativa das Vorliegen verschiedener Vertextungstypen signalisieren".
Siehe auch Auer (1997) zu „neuen Konjunktionen im Vor-Vorfeld".
16 Vgl. dazu Brinton (1996), die einen Überblick über 4ie bisherige Forschung gibt,
indem sie bisher beschriebene Merkmale und Funktionen von »Discourse Markers'
ausführlich darstellt. Siehe auch die in Jucker/Ziv (1998) zusammengestellten Merkmale
von Disfcursmarkeru.
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 57

rahmen, innerhalb deren die eingeklammerten Einheiten zu verstehen sind.17


Des weiteren beschreibt Schiffrin (1987:327) Diskursmarker als „contextual
coordinates", da sie über ihr indexikalisehes Potential eine Relation zwischen
der aktuellen Äußerung und dem lokalen Kontext dieser Äußerung herstellen.
Der Kontext, auf den Diskursmarker verweisen, besteht sowohl aus den
Interagierenden als auch aus dem Kotext, wobei es einerseits Marker gibt, die
lediglich auf der textuellen oder aber auf der interpersonellen Ebene operieren,
andererseits solche, die auf beiden Ebenen eingesetzt werden können.
Sowohl Brinton (1996) als auch Onodera (1995) arbeiten mit der Unterschei-
dung prepositional - textuell - interpersonell/expressiv, die sich auf Halli-
day/Hasans (1976) funktional-semantisches Grammatikmodell zurückführen
läßt. So betont Onodera (1995:395) in ihrer Definition die Relevanz von
Diskursmarkern für den Rezeptionsprozess:18
In the on-going conversation, the markers inform the hearers of the speaker's actions and
the relationship between the current utterance and its prior and following text. In doing so,
| the markers guide the hearers in a more appropriate interpretation of the utterance. They
:' aid the hearers in better understanding of what is currently going on in the interactional
conversation.
Auch Lenk (1998:52), die Diskursmarker als zentrale Kohäsionsmittel versteht,
betont, daß diese dem Hörer Interpretationshinweise geben und damit die
Inferenzmöglichkeiten einschränken.
Fräser (l 996) geht in seiner neuesten Arbeit zu Diskursmarkern, die er als eine
Untergruppierung von ,Pragmatic Markers' beschreibt, ebenfalls davon aus,
"daß diese prozedurale Bedeutung zentral für Diskursmarker ist. Im Unterschied
" 'zu anderen Arbeiten hat Fräsers Ansatz den großen Vorteil, daß er Diskursmar-
kern einen Platz in der Sprachstruktur zuweist. Sein Ziel ist es zu zeigen, daß
Diskursmarker eine eigenständige linguistische - und zwar pragmatische -
Kategorie darstellen und somit als Teil des sprachlichen Wissens beschrieben
werden können (Fräser 1990). Diskursmarker operieren auf der pragmatischen
Ebene, indem sie die Beziehung des Gesagten zum vorangehenden Diskurs
signalisieren. Dabei können sie Kontrastbeziehungen, Themenwechsel, Elabo-
rationen und Inferenzen markieren (1996:186-188). Sie befinden sich in der
Regel, allerdings nicht zwangsläufig, in Initialposition (l 990:389). Die gramma-
tischen Quellen, aus denen Diskursmarker stammen, sind vielfältig. So können
Adverbien, Phrasen, Interjektionen, koordinierende und subordiniere$de Kon-
junktionen als Diskursmarker reanalysiert werden (l 990:388). Allerdings grenzt

17 Vgl. dazu auch Onodera (1995: 395f.)


18 Daß Diskursmarker diese prozedurale Funktion haben und somit die Rezeption des
Gesagten erleichtern, ist v.a. in relevanztheoretischen Arbeiten zur Funktion von
Diskursmarkern betont worden. Siehe dazu Rouchota (1996), die die Funktion von
^discourse connectives* aus dem Blickwinkel der relevanztheoretischen Arbeiten von
Sperber/Wilson (1986) und Blakemore (1987) untersucht
58 Christine Gobi und Susanne Günthner

Fräser (1988; 1990) die pragmatische Bedeutung von Diskursmarkern klar von
der inhaltlicb-semantischen Bedeutung ab, die manche Formen haben» die
sowohl als Diskursmarker als auch als andere Elemente fungieren können. Er
spricht von homophonen Formen (1990:389) und nennt als Beispiel now, das
entweder als Zeitadverb mit semantischer Bedeutung oder als Diskursmarker
mit pragmatischer Bedeutung fungieren kann - niemals jedoch beides gleichzei-
tig. Diese klare Abgrenzbarkeit der pragmatischen von der semantischen
Bedeutung einer Form scheint uns so nicht gegeben zu sein, denn - abgesehen
von der Tatsache, daß sich die pragmatische Bedeutung aus der semantischen
entwickelt hat (u.a.Traugott 1982) - sind auch synchron Fälle zu beobachten,
wo ein Diskursmarker sowohl an der Bedeutung des Gesagten teilhat als auch
auf der textuellen Ebene Relationen zwischen Diskursteilen markiert. Auch
wenn das Argument der historischen Ableitbarkeit für eine synchrone Betrach-
tung nicht unmittelbar relevant erscheinen mag (Fräser 1990:393), so sind doch
immer Übergangsstadien auf einem Entwicklungsweg anzunehmen, die sich
synchron manifestieren. Fälle, in denen weil noch begründende Funktion hat
und gleichzeitig auf der textuellen Ebene zur Kohäsion des Diskurses beiträgt
und bestimmte Übergänge einleitet, sind hierfür ein Beispiel. Nimmt man also
den Aspekt hinzu, daß Diskursmarker nicht in allen Fallen klar von ihrer
semantischen Urspnmgsbedeutung abgrenzbar sind, scheint uns folgende
zusammenfassende Definition Fräsers (1996:186} plausibel:
[.. J an expression which signals the relationship of the basic message to the foregoing
discourse. [Discourse markers] provide instructions to the adressee on how the utterance
to which the discourse marker is attached is to be interpreted.
Diese Definition ist durchaus vereinbar mit den Vorstellungen Schiffrins (1987)
und Onoderas (1995), die beide die - synchrone bzw. diachrone - Multifunktio-
nalität der von ihnen untersuchten Diskursmarker betonen. Hinzuzufügen wäre
lediglich, daß die Bezüge, die Diskursmarker signalisieren sowohl kataphori-
scher als auch anaphorischer Natur sein können (Schiffiin 1987:37),

3.2 weil als Diskursmarker

Die oben (2.1. bis 2.4.) diskutierten Funktionen von weil sind allesamt
diskursfunktional zu sehen und operieren auf der textuellen - weniger auf der
interpersonellen - Ebene des Diskurses. Weil kontextualisiert in spezifischen
sequentiellen Kontexten, daß das, was folgt in Relation zum vorherigen
Diskursabschnitt zu sehen ist, und zwar nicht auf der gleichen Ebene, denn es
wird, vor allem was die ersten drei Kategorien anbelangt, immer ein Wechsel der
Aktivität oder des Themas vollzogen uixi gleichzeitig textuelle Kohäsion
erzeugt. Die vierte Kategorie, weil Bis konversationelles Fortsetzungssignal, läßt
sich über die Mechanismen, die den Redewechsel im Gespräch steuern
Grammatikalisierung von we/7 als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 59

(Sacks/ScheglofF/Jeiferson 1974), erklären und nimmt somit deutlicher Bezug


auf die interaktive/interpersonelle Seite der Diskursgestaltung. Auch hier wird
textuelle - wenn auch nicht zwangsläufig thematische - Kohäsion erzeugt.19
Anders als Fräsers (1996) Kategorien spezifiziert weil in seiner Diskursfunk-
tion die Relation, die hergestellt wird, nicht explizit. Fräser (1996:187 f.) führt
beispielsweise Phrasen wie returning to my point als ,topic change marker* an.
Wenn durch weil, wie in Beispiel (7) ,Kina-Kina', ein subthematischer Wechsel
eingeleitet und eine Anknüpfung an ein vorheriges Thema geschaffen wird, dann
geschieht dies nicht explizit, sondern implizit, und zwar in Kombination mit dem
,Inhalt der Äußerung, die auf weil folgt. Weil hat somit nicht die Bedeutung
,zurück zu dem vorigen Punkt' o. ä., genauso wenig wie es bei der Einleitung
einer narrativen Sequenz die Bedeutung ,nun folgt eine Geschichte als Ausfüh-
jung des Gesagten' hat. Die spezifische Bedeutung - oder besser: Funktion -
[entsteht immer erst im Laufe der Produktion der folgenden Äußerung. Insofern
i hat weil hier Ähnlichkeit mit Kontextualisierungshinweisen (Gumperz 1982),
die auf bestimmte Interpretationsrahmen hinweisen, innerhalb deren eine
Äußerung verstanden werden soll. Die Interpretation selbst ergibt sich über
Inferenzprozesse aus den Kontextualisierungshinweisen, aus der Äußerung, an
die diese geknüpft sind, sowie aus dem sequentiellen Kontext.20
Welche Art von Verstehensanweisung den Hörern gegeben wird, ist jedoch
nicht willkürlich. Weil bleibt auch als Diskursmarker seiner konnektiven und in
manchen Verwendungen teilweise seiner begründenden Funktion verhaftet. Je
mehr das begründende Element zurücktritt, desto stärker tritt die kohäsive,
f*j kohärenzschaffende Funktion hervor, beispielsweise wenn ein thematischer
{ ^[Wechsel eingeleitet wird oder auch wenn lediglich eine Fortsetzung der Rede
0
erfolgt. In diesen Fällen kann allerdings auch durch die Verwendung von weil
«. Kohäsion vorgegeben werden, ohne daß eine solche auf der thematischen Ebene
vorhanden ist.
In den diskutierten Verwendungen weist weil außerdem weitere Eigenschaften
auf, die in der bisherigen Forschung Diskursmarkern zugeschrieben worden
sind:21
o reduzierter semantischer Gehalt

19 Zur Kohäsionserzeugung durch Diskursmarker siehe auch Lenk (1998).


20 Vgl. Gumperz (1996:379) zur Funktion von Kontextualisierungshinweisen: „They
serve to foreground and set off segments of the stream of talk (be it one or more syllables or
words, phrases or clauses, or strings of utterances or a set of speech exchanges) from the
surrounding strings. Co-participants who perceive and respond to the shift are then led to
resort to their background knowledge and, by an inferential process akin to Gricean
implicature, to retrieve contextual presuppositions in terms of which the signs can be
understood/' Typische Kontextualisierungshinweise sind fur Gumperz jedoch weniger auf
der lexikalischen Ebene als vielmehr auf der prosodischen, z.B. der rhythmischen Ebene
oder auch in der Wahl des Codes zu finden.
21 Für eine detaillierte Auflistung siehe Brinton (1996)
60 Christine Gohl und Susanne Günthner

o die Funktion bezieht sich auf eine größere Einheit als defi Satz (Skopusaus-
weitung)
o eher gesprochen- als geschriebensprachlich
o kurze, meist einsilbige Einheiten
o in Initialposition, oft außerhalb der syntaktischen Struktur eines Satzes bzw.
nur lose damit verbunden
o optionale, d.h. grammatisch und semaatisch nicht-obligatorische, Elemente,
die Sprecher benutzen können, um ihren Diskurs zu organisieren.
Die Funktion des Diskursmarkers stellt somit eine weitere Möglichkeit dar,
die weil neben seinen Funktionen als subordinierende und koordinierende
Konjunktionen einnehmen kann.22
Hier drängt sich die Frage nach einer möglichen Polysemie der Form weil auf»
vor allem auch vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Ansichten, die
bezüglich einer möglichen semantischen Mehrdeutigkeit von weil in der
Literatur vertreten werden. So spricht Uhmann (1998) in Zusammenhang mit
den verschiedenen Funktionen, die weil übernehmen kann, von Polysemie,
wobei sie die Verbstellungsvariation als grammatische Konsequenz einer
lexikalischen Differenzierung betrachtet. Ihre Analyse unterscheidet sich von
den bisherigen Herangehensweisen an das Phänomen der Verbstellungsvaria-
tion in we//-Sätzen insofern, als sie die Nicht-Äquivalenz der verschiedenen
Verwendungsweisen von weil auf den unterschiedlicheu Ebenen des Sprächsys-
tenis präzise herausarbeitet. Uhmann (l998:127f.) kommt hierbei zu dem
Ergebnis, daß sowohl die unterschiedlichen syntaktischen als auch semantischen
und pragmatischen Eigenschaften von weil es rechtfertigen, von mindestens
zwei, eventuell sogar von drei oder vier weil·Varianten auszugehen, die im
Lexikon zu unterscheiden sind. Weil ist ihrer Ansicht nach lexikalisch mehrdeu-
tig. Im Gegensatz hierzu wenden sich Wijlems (1994) und auch Pasch (1997)
gege$ die Vorstellung, daß aufgrund der Verbstellungsvariation, mit der weil in
seiner konjunktionalen Funktion auftritt, zwei verschiedene Bedeutungen von
weil angenommen werden sollten (Pasch 1997:264): In beiden Fällen (weil mit
Verbetid- und weil mit Verbzwei tsteljung) handele es sich um Konjunktionen, die
begründend verwendet werden.
Die diskursorganisierende Verwendungsweise von weil, die weder als klar
begründend noch als Konjunktion im traditionellen Sinne betrachtet werden
kann, wird jedoch von keiner dieser Arbeiten erfasst. So ist der Diskursmarker
weil - anders als das von Uhmann beschriebene koordinierende weil - nur
schwer der K-Position zuzuordnen, da er dem folgenden Syntagma angehört
und eher die Position des Vor-Vorfeldes (Auer 1996; 1997) einnimmt. Bezüglich
der Semantik kann, wie wir gezeigt haben, beim diskursorganisierenden weil

22 Vgl. die Parallelen zu obwohl, das ebenfalls neben seiner Funktion als Konzessivkon-
n£ktor in der gesprochenen Sprache als Diskursmarker verwendet wird (Günthner 1999).
Vgl. auch die Parallelen zu cos (because) als Diskursmarker (Stenström 1998). .
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 61

größtenteils nicht mehr von einer begründenden Bedeutung ausgegangen


werden: Der Diskursmarker weil gibt weder Ursache oder Grund für einen
Sachverhalt noch für einen aus einer Äußerung inferierbaren Sachverhalt an,
wie Uhmann (1998:118) es für die unterschiedlichen konjunktionalen Verwen-
dungsweisen vorschlägt.
Könnte man somit bezüglich der begründenden - subordinierenden bzw.
koordinierenden - Konjunktion weil und dem Diskursmarker weil doch von
Polysemie sprechen, zumal dem Diskursmarker weil weitgehend genau die
beiden Eigenschaften, die das konjunktionale weil in all seinen Verwendungswei-
sen hat, fehlen: das begründende und das konjunktionale, satzverknüpfende
(Element? Allerdings ist es auch hier insofern problematisch, den Begriff
pPolysemie* im eigentlichen Sinne anzuwenden, als die diskursorganisierenden
^Funktionen von weil nicht auf der semantischen, sondern auf der pragmatischen
[Ebene operieren. Statt mit Polysemie haben wir es hier eher mit Polyfunktionali-
$ät zu tun: Im Vergleich zur Konjunktion weil ist der Diskursmarker weil zwar
semantisch jausgeblichen*, doch der zentrale Unterschied liegt in dessen neuer
Itlpragmatischer Funktion.
Da die diskursorganisierenden und damit die nicht bzw. nur noch vage
causalen Funktionen von weil eine weitere Option, die Sprecher/innen hinsicht-
ich der Verwendung der Form weil zur Verfugung steht, darstellen, verlangt weil
ils Diskursmarker durchaus nach einer eigenen Spezifikation im Lexikon -
edoch nicht als homonyme Einheit, separat von der Konjunktion, sondern als
weitere funktionale Möglichkeit, die mit der ,Bedeutung' der Konjunktion
[^{verwandt ist, bzw. aus dieser hervorgegangen ist. Zugleich wird bei der Frage
\ r jnach Polysemie bzw. Polyfunktionalität wieder einmal deutlich, daß eine starre
»t Grenzziehung zwischen Semantik und Pragmatik, zwischen Bedeutung und
./Funktion äußerst problematisch sein kann, und daß »Bedeutungen6, die sich auf
der pragmatischen Ebene ansiedeln, durchaus wichtige Informationen bezüglich
* der Beschreibung einer Einheit - beispielsweise für einen Lexikoneintrag -
liefern können.23
In Zusammenhang mit der Polyfunktionalität von weil bleibt nun zu fragen,
wie diese (funktionale) Variation zustande kommt. Sprich: was macht weil zu
einem geeigneten Mittel, solche Diskursfunktionen zu übernehmen, und über
welche Prozesse ist die Konjunktion als Diskursmarker reanalysiert worden?

23 Hierzu auch Uhmann (1998).


62 Christine Gohf und Susanne Günthner

4. Die synchrone Variation von weil als Grammatikalisieningsiinie

4. l Die Entwicklung von Diskursmarkern vor dem Hintergrund der Gramma-


tikalisierungstheorie

Ebenso wie der Begriff des ,Diskursmarkers* in der Fachliteratur sehr vielfaltig
definiert und verwendet wird, werden auch unter dem Phänomen der Grammati-
kalisierung unterschiedliche, sich teilweise auch widersprechende Prozesse
beschrieben. Folgende, recht allgemein gehaltene Definition findet sich bei-
spielsweise bei Hopper/Traugott (1993:xv):
We define grammaticalization as the process whereby lexical items and constructions come
in certain linguistic contexts to serve grammatical functions, and, once grammaticalized,
continue to develop new grammatical functions.
Mit dieser Definition lassen sich eine Vielzahl von Wandelphänomenen fassen,
die eine Entwicklung in Richtung „stärker grammatisch" aufweisen. Strittig ist
jedoch die Frage, welche Charakteristika Grammatikalisierungsprozesse im
einzelnen aufweisen bzw. aufzuweisen haben, damit sie von anderen Wandeler-
scheinungen (z.B. der Lokalisierung) abgegrenzt werden können.
Jene Arbeiten, die sich mit Grammatikalisierung beschäftigen und sie, wie wir
es im Folgenden tun werden, als Erklärungsinstrument auf bestimmte, empi-
risch beobachtbare Phänomene anwenden, kommen nicht uöihin, sich mit
diesen verschiedenen Definitionen und bisher beschriebenen Prozessen der
Grammatikalisierung auseinanderzusetzen. Nur so kann deutlich gemacht
werden, was in einem gegebenen Kontext unter Grammatikalisierung verstan-
den wird,
In der bisherigen Forschung sind sowohl eher formale, i^orphosyntaktische
(z.B. Lehmann 1985; Hopper 1991) als auch semantisch-pragmatische Tenden^
zen (v.a. Traugott 1982; 1988; 1989; 1990; 1995a; 1995b; Traugott/König 1991)
die bei Grammatikalisierungsvorgängen auftreten, beschrieben worden. Diese
Tendenzen korrelierexi bei verschiedenen Grammatikalisierungsprozessen auf
unterschiedliche Weise.
So lassen sich Lehmanns (l 985) Parameter und Prinzipien der Grammatikali-
sierung vor allem auf prototypische, diachron - und somit nur auf schriftsprach-
licher Basis -* nachweisbare Grammatikalisierungsprozesse anwenden, die
zudem schon relativ weit fortgeschritten sind.
Betrachtet maa die diachrone Herausbildung der Konjunktion diweil/weil (ab
dem Frühneuhochdeutschen.) aus dem Nomen + Artikel diä wüa (ahd.) ,in der
Zeitspanne' bzw. die wile (mhd.), dann lassen sich durchaus Parallelen zu einigen
Prinzipien Lehmanns feststellen. Erstens findet eine Entwicklung von einer
mehrsilbigen Einheit mit einer gewissen Anzahl senjantischer Merkmale zu einer
einsilbigen Einheit mit nur wenigen semantischen Merkmalen statt. Lehmann
(1985:309) bezeichnet diesen Prozess als ,attrition* (dt, ^Abnutzung'). Zweitens
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 63

läßt sich auch eine Fixierung (ebd.)* d.h. eine Abnahme der syntagmatischen
Variabilität feststellen: Weil ist als Konjunktion und als Diskursmarker
wesentlich in seiner „syntaktischen Beweglichkeit" eingeschränkt.
Dennoch läßt sich die synchrone Variation von weil, sowohl, was seine
konjunktionalen als auch seine diskursorganisierenden Funktionen anbelangt,
mit Lehmanns Prinzipien nicht fassen. Vielmehr zeigen sich bei der Entwicklung
vom subordinierenden weil zum Diskursmarker weil einige Merkmale, die den
* klassischen Kriterien der Grammatikalisierung, wie Lehmann (1982) sie
diskutiert, geradezu widersprechen: Statt einem Skopusverlust haben wir eine
Skopuszunahme,24 statt einem Verlust an pragmatischem Gewicht25 haben wir
eine Zunahme der pragmatischen Funktion und statt einer syntaktischen
Kondensierung und Verdichtung haben wir die Entwicklung zu einem nur lose
mit dem Folgesyntagma verknüpften, relativ unabhängigen Diskurselement,26
* Auch Wegener (1998), die in ihrer Arbeit zur Grammatikalisierung von
Modalpartikeln von der von Lehmann (1991) aufgestellten Definition für
r
-iGrammatikalisierung ausgeht, zeigt, daß Modalpartikeln - trotz einer Zunahme
f ron Skopus und pragmatischer Bedeutung - Produkte von Grammatikalisie-
rungsprozessen sind. Wie auch Diskursmarker operieren Modalpartikeln auf der
pragmatischen Ebene von Sprache und sind ebenfalls charakteristisch für den
mündlichen Sprachgebrauch. Grammatikalisierung und deren Entwicklungsli-
lien scheinen somit ein sehr viel komplexeres Phänomen zu sein, als zunächst
angenommen, und Charakteristika, die bisher als notwendig betrachtet worden
pnd, um eine Entwicklung als Grammatikalisierungsprozess zu diagnostizieren,
tmüssen neu überdacht und vor allem anhand von neuen Daten überprüft werden.
«;f Auch die Beschäftigung mit der Entwicklung von Diskursmarkern im
°-Rahmen der Grammatikalisierungstheorie hat hier zu neuen, differenzierteren

24 Tabor/Traugott (1998) problematisieren die bisher oft als charakteristisch für


Grammatikalisierungsprozesse proklamierte Skopusreduktion und zeigen, daß auch
Fälle, bei denen genau das Gegenteil eintritt, nämlich eine Skopuszunahme, als
Grammatikalisierung zu beschreiben sind.
25 Siehe auch Lehmann (1982) und Bybee (1985), die Grammatikalisierung mit einer
Zunahme an morphosyntaktischer Anbindung gewissermaßen gleichsetzen. Für Hei-
ne/Reh (l 984:15) geht Grammatikalisierung mit einen Verlust an semantischer Komplexi-
tät, an pragmatischem Gewicht, an syntaktischer Freiheit und an phonetischer Substanz
einher.
26 Lehmann (1991:524 ff.) geht zwar selbst in Zusammenhang mit Grammatikalisie-
ningserscheinungen im gesprochenen Deutsch auf Verbzweitstellung in w£z7-Konstruktio~
nen ein, doch betrachtet er diese als „Reinterpretation" einer subordinierenden Konjunk-
tion als koordinierende - in Analogie zu denn. Auch wenn diese Erklärung u.U. auf die
epistemische und sprechaktbezogene Verwendung von weil mit Verbzweitstellung zutref-
fen mag, so ignoriert sie einerseits die hier beschriebene Verwendung von weil als
Diskursmarker, Zum anderen vermißt man eine Erläuterung, in welchem Zusammenhang
dieses „renewal" von subordinierender zu koordinierender Satzstellung (Lehmann
1991:526) mit Lehmanns Kriterien der Grammatikaüsierung steht.
64 Christine Gohl und Susanne Günthner

Thesen geführt. Vor aliem in den Arbeiten von Traugott (1995a), Onodera
(1995), Brinton (1996) und Günthner (1999) wird deutlich, daß die Entwicklung
von Diskursmarkern sehr viel mit anderen Grammatikalisierungsprozessen
gemeinsam hat, auch wenn einige bisher als zentral angesehene Charakteristika,
wie morphologische Anbindung und Skopusverlust nicht auftreten.27 So zeigen
u.a. die Arbeiten von Onodera (1995) zu japanischen Diskursmarkern und die
von Traugott (1995) und Tabor/Traugott (1998) zu Diskursmarkern im
Englischen, daß die diachrone Entwicklung konstruktions-interner Elemente
(wie subordinierender Konjunktionen, Adverbien etc.) zu konstruktions-peri-
pheren Diskursmarkern in recht unterschiedlichen Sprachen immer wieder zu
beobachten ist und somit der traditionellen Annahme der Grammatikalisie-
rungstheorie - der zunehmenden syntaktischen Integration - widerspricht.
Trotzdem lassen sich - wie im Folgenden verdeutlicht werden soll — Hoppers
(1991) Prinzipien der Grammatikalisierung auf die Entwicklung von Diskurs-
markern und auch auf die synchrone Variation von weil durchaus anwenden.
Auch die von Traugott dargestellten semantisch-pragmatischen Tendenzen (v. a.
1982; 1988; 1989; 1990; 1995 a; 1995 b; Traugott/König 1991) ergeben, wie im
Folgenden gezeigt werden wird, einen smavoUeu Erklärungsrahmen für die
Herausbildung von Diskursfunktionen aus Konjunktionen.

4.2 Die Diskursfunktionen von weil als grammatikalisierte Weiterentwicklung


der konjunktionalen Funktionen

Hoppers erstes Prinzip zur Diagnose von Grämmatikalisierungstendenzen, das


Prinzip der Schichtung, beschreibt den Sachverhalt, daß innerhalb einer
funktionalen Domäne ständig neue Schickten (payers6) gebildet werden, wobei
die alten Schichten nicht notwendigerweise aufgegeben werden, sondern oft
bestehen bleiben und mit den neuen Schichten koexistieren und mteragierep.
Die funktionale Domäne, der die Diskursfunktionen von weil zugeordnet
werden kpnnen, ist - ganz allgemein formuliert - die Markierung von
Relationen zwischen Texteinheiten jenseits der Satzverknüpfung, Solche oder
ähnliche Funktionen werden im Deutschen u.a. auch von Partikeln wie haltja,
weisch u.ä,, die nicht konjunktionalen Ursprungs sind, übernommen. Mit der
Rekrutierung bestimmter semantischer und syntaktischer Eigenschaften des

27 Die Entwicklung von Diskursmarkern in der gesprochenen Sprache am konzessi-


ven/adversativen Konjunktionen im Japanischen (Onodera 1995) als auch aus der
konzessiven Konjunktion obwohl im Deutschen (Günfhner 1999) läßt sich im Rahmen der
Grammatikalisierungst&eorie erklären und zeigt auffällige Parallelen zur funktionalen
Varianz von weil. Auch synchrone Analysen d^r Funktionen von cos bzw. because im
gesprochenen Englisch (Couper-Kuhlen 1996; Schiffrin 1987; Schleppegrell 1991; Sten-
ström 1998) zeigeli Parallelen zur Entwicklung von Diskursmarkern und vor allem zur
synchronen Funktionsvarianz von weil.
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 65

konjunktionalen weil als Mittel, um Diskursbeziehung zu signalisieren und


darüber Text zu organisieren, wird somit eine weitere Schicht innerhalb dieser
funktionalen Domäne bereitgestellt.
In geradezu typischer Weise trifft Hoppers zweites Prinzip, das der Divergenz
auf die Variation von weil zu. Divergenz zeigt sich insbesondere bei solchen
; Fällen, wo ein und dieselbe Form in einem Kontext grammatikalisiert wird und
l in einem anderen nicht. Für weil stellt sich dieser Sachverhalt folgendermaßen
! dar: Die in Zusammenhang mit Sweetsers Kategorien ,contente, ,epistemic' und
,Speech act* beschriebenen Funktionen der Kausalkonjunktion weil (Günthner
1993,1996) bleiben weiterhin bestehen. Dazu treten weitere Diskursfünktionen,
die bis zu einem gewissen Grad noch das Merkmal der Konjunktion Begrün-
dend* aufweisen. Diese Verwendungen auf der Linie hin zum Diskursmarker
. j sind schon stärker grammatikalisiert und weisen Merkmale beider Kategorien
*auf. Am Ende der Skala stehen jene Verwendungen, die nur noch solche
, Funktionen übernehmen, die über das Ziel, einen kohärenten Diskurs herzustel-
|isn und über das ,turn-takingc erklärbar sind.
K] Auf der Beobachtung, daß es vor allem bei schon weiter fortgeschrittenen
jrammatikalisierungsprozessen zu einer zunehmenden Einschränkung hinsicht-
ch der Auswahl an Formen kommt, basiert das Prinzip der Spezialisierung: „äs
, rammaticization takes place, this variety of formal choice narrows and the
|[f mailer number of forms selected assume more general grammatical meanings."
| popper 1991:22) Was auf weil als Markierer von Diskursfunktionen zutrifft, ist
pane Generalisierung der Bedeutimg, die sich unter anderem dadurch zeigt, daß die
»Tonn allein kaum noch Auskunft über ihre Funktion gibt. Diese kann dann nur
* über das Heranziehen der kontextuellen - sprachlichen und/oder nicht-sprach-
° fichen - Umgebung beschrieben werden. Spezialisierung im Sinne der Einschrän-
kung der Auswahl an Formen tritt jedoch nicht auf.
' Beständigkeit (,persistence*) - das vierte Prinzip - trifft für die Diskursfunktio-
fien von weil in hohem Maße zu und zeigt sich gerade auch an der Gradualität
der funktionalen Variation von weil. Unter persistence4 versteht Hopper das
Fortbestehen der ursprünglichen Bedeutung in den stärker grammatikalisierten
Formen: „...so long as [a form] is grammatically viable some traces of its lexical
history may be reflected in constraints on its grammatical distribution" (Hopper
1991:22). Während die Beziehung zur Ursprungsbedeutung bei einer weit
fortgeschrittenen Grammatikalisierung völlig opaque sein kann, treten in den
Zwischenstadien Polysemien der sich im Grammatikalisierungsprozess befin-
denden Form an den Tag, wobei eine oder mehrere dieser "Bedeutungen
dominante frühere Bedeutungen reflektieren können. Auch in den Diskursfunk-
tionen von weil lassen sich Spuren der Ursprungsbedeutung Begründend' und
des syntaktischen Verhaltens der Konjunktion finden: Tritt weil als Konjunktion
immer zu Beginn des Satzes oder Satzteils, der eine Begründung für den Inhalt,
die Schlußfolgerung oder die sprachliche Handlung liefert, die im anderen
f Satz(teil) ausgedrückt wird, so steht weil als Diskursmarker in der Regel zu
66 Christine Gohl und Susanne GOnthner

Beginn einer rede beitragsbildenden Einheit.28 Das heißt: wie auch schon die
Konjunktion treten die nicht-mehr-konjunktionalen Verwendungen von weil
weder in der Mitte noch am Ende von Konstruktionen auf.29 Das Prinzip der
Beständigkeit läßt sich sehr gut mit einer Gradskala unterschiedlicher Diskurs-
funktionen vereinbaren. Noch-begründende, aber in ihrem Skopus schon weiter
reichende Verwendungen oder auch relativ aufwendige Inferenzprozesse, die
über das Einbeziehen eines größeren Kontextes zu einer kausalen Lesart fuhren,
veranschaulichen das Fortbestehen des ^Kausalen* in den Diskursfunktionen
von weil.
Hoppers fünftes Prinzip, das der Dekategorialisierung, ist ebenfalls geprägt
von der Vorstellung, daß Grammatikalisierungsprozesse langsam und graduell
vor sich gehen. So schlägt Hopper vor, das Konzept Category4 durch ,degreeof
categoriality4 zu ersetzen (Hopper 1991:30). Aufgrund der graduellen Natur
seiner Variation ist weil ein gutes Beispiel für dieses Konzept der ,degree of
categoriality6. Während sich in Transkript (2) ,Überholen* das begründende
Element noch recht einfach rekonstruieren läßt, ist dies bei der Verwendung in
Transkript (3) Jnterview* kaum mehr möglich. Auch in den in 2.3. und 2.4.
dargestellten Funktionen ist das begründende Element nicht mehr sichtbar. Weil
macht also einen graduellen Wechsel von der Kategorie ^Konjunktion* zur
Kategorie ,Diskursinarkerfi durch und verliert dabei Merkmale, die es als
Konjunktion noch hatte. Daniit geht auf der semantisch-pragmatischen Ebene
ein Verlust der textuellen Autonomie und somit eine zunehmende Abhängigkeit
von der lokalen textuellen Umgebung, sprich vom Kontext, einher. So ist die
Notwendigkeit, zunehmend mehr Kontext miteinzubeziehen, um die Funktion
eines weil, das nur noch auf der textuellen Ebene operiert, beschreiben zu
können, ein Symptom dieses Verlusts von Autonomie im Sinne von eigenständi-
ger Bedeutung.
Anders als bei Grammatikalisierungsprozessen, die ihren Anfangspunkt bei
voll referentiellen Lexemen haben, zeichnet sich der Prozess Konjunktion >
Diskursmarker allerdings dadurch aus, daß schon die Konjunktion viel an
Autonomie verloren hat, da sie nur im Kontext einer Satzverknüpfung ihre
Bedeutung und Funktion erhält.

28 Zum Begriff der ,turn-constructional unit6 siehe Sacks/Schegloff/Jefferson (1974).


29 Ob sich auch noch Spuren der temporalen Bedeutung des Noinens bzw. der
temporalen Konjunktion finden lassen, ist fraglich. Eventuell setzt sich das Merkmal
,Zeit/ZeitUchkeit', das Teil der Bedeutung des referentiellen Lexems wile ist, sowohl in den
konjunktionalen, kausalen Funktionen von weil als auch in dessen Diskursfunktionen
fort: Über weil erfolgen rückwärts- und vorwärtsgerichtete Kennzeichnungen von
Beziehungen zwischen Textteilen,, 4ie in der Zeit produziert werden bzw. produziert
worden sind. Für die kausale Funktion ist dieses zeitliche Element noch viel offensichtli-
cher: Wirkung- Ursache, Schlußfolgerung / Handlung- Begründung für diese sind jeweils
zwei Sachverhalte, die zeitlich nacheinander auftreten.
Grammatikal isierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 67

Die drei Tendenzen, die Traugott in ihren Arbeiten mehrfach beschreibt und
unter anderem auch anhand der Entwicklung der konzessiven Bedeutung der
englischen Konjunktion while (Traugott 1982; 1988; 1990; Traugott/König 1991)
belegt, veranschaulichen, daß sich Grammatikalisierungsprozesse in der Regel
entlang der Entwicklungslinie propositional > textuell > expressiv / subjektiv
bewegen. Aus Lexemen mit propositionaler Bedeutung entwickeln sich Lexeme,
die auf der textuellen und später, wenn die Entwicklung weiter geht, auf der
expressiven/subjektiven Ebene von Sprache operieren.30
Schon die Konjunktion weil operiert, zumindest, was ihre textuelle, kohä-
sions- und kohärenzschaffenden Funktionen anbelangt, nicht mehr auf der
jpropositionalen Ebene. So wäre die Herausbildung der konjunktionalen
| Funktion ein Beispiel für die von Traugott (u. a. 1988: 409) vorgeschlagene
[Tendenz: „meanings situated in the described external situation > meanings
i situated in the textual situation", und damit eine Entwicklung von „less to more
[situated in language" (Traugott 1990). Als Nomen hatte mhd. wile noch
referentielle Bedeutung, d.h. eine Bedeutung, die auf der mittels des sprachlichen
Zeichens beschriebenen außersprachlichen Situation beruht. Weil als Konjunk-
tion hat diese referentielle Bedeutung nicht mehr, sondern erhält Bedeutung und
Funktion erst im sprachlichen Kontext, sprich: im Kontext der Verknüpfung
zweier Sätze oder Satzteile.
Muß nun diese Tendenz der stärkeren Verankerung im textuellen Modus von
Sprache schon für die konjunktionalen Funktionen von weil angenommen
werden, trifft sie für die diskursorganisierenden Funktionen in noch stärkerem
Maße zu. Weil als Diskursmarker zeichnet sich ja gerade durch seine textuellen
Funktionen aus, d.h. weil wird in noch höherem Maße und auf andere Art und
Weise dazu benutzt, textuelle Funktionen zu erfüllen, und zwar solche, die über
'die Satzverknüpfung hinaus gehen und damit Kohärenz im Text auch auf
anderen Ebenen herstellen.
Traugott (l 990:501) weist darauf hin, daß die drei semantisch-pragmatischen
Tendenzen, von denen die oben zitierte eine ist, folgendes gemeinsam haben:
the latter meanings presuppose not only a world of objects and states of affairs, but of
values and of linguistic relations that cannot exist without language; in other words, the
latter meanings are licensed by the function of language.

30 Traugott (1982) leitet ihre Entwicklungsliuie aus dem funktional-semantisehen


Modell von Halliday/Hasan (1976) her. Die propositionale Ebene entspricht dort dem
ideationalen Modus, die textuelle Ebene dem textuellen Modus und die expressive bzw.
subjektive Ebene dem interpersonellen Modus. Siehe dazu auch Onodera (1995), die in
ihrer Arbeit zur Entwicklung von Diskursmarkern im Japanischen explizit Bezug nimmt
auf das Modell von Halliday/Hasan (1976). Siehe außerdem Brinton (1996), die m ihrer
Arbeit zu Diskursmarkern im Altenglischen zeigt, daß die textuelle Ebene auch
übersprungen werden kann; d.h. ein Diskursmarker, der auf der interpersonellen Ebene
operiert, kann sich auch direkt aus einem propositkmalen Element entwickeln»
68 Christine Gohl und Susanne Günthner

Sprache wird nicht nur dazu benutzt, Sachverhalte der außersprachlichen Welt
abzubilden, sondern erfüllt auch noch andere Funktionen, wobei die selbstrefle-
xive Funktion von Sprache es ermöglicht, Diskurse kohärent zu gestalten,
indem z.B. auf andere sprachliche Ereignisse, die vorher oder nachher stattfin-
den, hingewiesen werden kann. Auf dieser Ebene sind die Diskursfunktionen
von weil anzusiedeln.
Des weiteren zeigen die diskursorganisierenden Funktionen von weil, daß ein
Verlust an semantischer Bedeutung, bzw, ein Zurücktreten der begründenden
Bedeutung keinesfalls einher gehen muß mit einem Verlust an pragmatischer
Signifikanz - im Gegenteil. Dieses Phänomen wird in der Literatur als
»pragmatic strengthening* bezeichnet und ist vor allem auch in Zusammenhang
mit der Entwicklung von Konnektoren und Diskursmarkern festgestellt worden
(Traugott 1995a; Briüton 1996).31 In solchen Fällen tritt zwar ein Bedeutungs-
verlust hinsichtlich der Referenz auf die beschriebene Situation auf, doch: „there
is an increase in the extent to which the words encode the speaker's point of view
on the situation." (Traugott 1988:408). Dabei muß es sich nicht unbedingt um
eine außersprachliche Situation, die beschrieben wird, handeln, sondern der
Bezugspunkt kann auch die Diskurs- bzw. Textsituation sein - z.B. die
Textorganisation, das Themenmanagement, die Kennzeichnung des Informa-
tionsflusses (Traugott 1990:39).
So kennzeichnet beispielsweise ein weil, das als konversationeües Fortset*
zungssignal fungiert und auf den interpersonellen Modus dialogischer Sprach-
verwendung referiert, daß der aktuelle Sprecher weiterreden will Ein weil, das
verwendet wird, um einen Einschub einzuleiten, der z.B. für eine Erzählung
notwendige Zusatzinformationen liefert, signalisiert u.a. daß diese Diskursteile
auf spezifische Art zusammengehören.
Es handelt sich dabei um genuin diskurs-pragmatische Punktionen, die
unmittelbar mit der Verwendung von Sprache in der gesprochenen Interaktion
zu tun haben. In diesem Sinne kann von einer zunehmenden pragmatischen
Funktion und Diskursorientiertheit (Traugott 1995a; Günthner 1999) gespro-
chen werden. Durch die Verwendung eines diskursorientierten weil weist der
Sprechet auf Beziehungen hin, die sonst unmarkiert geblieben, und deswegen
möglicherweise schlechter und langsamer rezipierbar wären. Über seine disrkurs-
organisierenden Fujaktioften erhöht weil den Informationsgehalt des Gesagten,
nicht des Inhalts, sondern der Art und Weise, wie ein Inhalt präsentiert wird. So
trägt beispielsweise die Kennzeichnung einer relevanten Zusatzinformation, die
über einen Einschub integriert Wird, zum Informationsgehalt der Textstruktu-

31 Siehe auch Traugott (1988), Traugott/König (1991) und Hopper/Traugott (1993:


Chap. 4), die sich mit dem Konzept des ,pragmatic strengthening' gegen die bisher in der
Gram-naatikalisierungstheorie vertretene Vorstellung wenden, daß Grammatikalisierungs-
prozesse u.a. mit einem Verlust mcht nur semantischer Komplexität sondern auch
pragmatischer Signifikanz einhergehen (z.B. Heine/Reh 1984:15).
Grammatikalisierung von weil als Dlskursmarker in der gesprochenen Sprache 69

rierung bei. Inwieweit ein Text informativ ist, hängt nicht nur von seinem Inhalt
ab, sondern in hohem Maße auch von seiner Strukturierung, wozu auch ein
sichtbares - und nicht nur implizites - Herstellen von textuelleii Zusammenhän-
gen gehört.
Geht man davon aus, daß jeder Grammatikalisierungsprozess bestimmte
Probleme löst, mit denen Interagierende vor Ort konfrontiert sind, dann ist die
Verwendung von weil als Diskursmarker eine von verschiedenen Lösungen für
solche Probleme wie Kohärenzherstellung, Einleitung von Einschüben und
Erzählungen und Rederechtsforderungen.
Daß ein solcher Prozess mit einem - zumindest graduellen - Verlust der
begründenden Bedeutung einher gehen muß, leuchtet ein, wenn man bedenkt,
daß die Funktionen, die weil als Diskursmarker übernimmt, recht abstrakt und
unterschiedlich sind.

1
|.;J4.3 Grammatikalisierung aus synchroner Perspektive - synchrone Variation
und graduelle Natur von Sprachwandel

Wie im letzten Abschnitt schon angesprochen, lassen sich vor allem Hoppers
(1991) Prinzipien der Schichtung, der Divergenz, der Beständigkeit und der
Dekategorialisierung an die Tatsache anknüpfen, daß es sich bei Grammatikali-
sierungsprozessen um graduelle und fein abgestufte Prozesse handelt, auch im
Falle der Entwicklung der Konjunktion weil zum Diskursmarker weil.
? * i! Eben weil Grammatikalisierungsprozesse graduelle Prozesse sind, kommt es
* f f notwendigerweise zur Koexistenz verschiedener Formen und Bedeutungen bzw.
* Funktionen. Lichtenberk (1991:75) spricht in diesem Zusammenhang in
1
Anlehnung an Hopper (1991) von „functional and formal persistence" und
>·' . macht deutlich „[that] variation is a necessary consequence of the gradualness of
* * language change." (Lichtenberk 1991:37).
f Eine synchrone Betrachtung von Grammatikalisierung rechtfertigt sich also
schon durch die Tatsache, daß Grammatikalisierungsprozesse - wie alle
s Sprachwandelprozesse - graduell sind. Konkret: Die verschiedenen Stadien des
Wandels der Richtung hin zu ,mehr grammatisch' manifestieren sich synchron
: als Variation.
i Dieses enge Ineinandergreifen von diachronen Prozessen und synchronem
' Wandel, die graduelle Natur von Wandel und - damit verknüpft - das Konzept
des „degree of categoriality" stellen eine strikte Trennung von Synchronie und
Diachronie in Frage, wie sie z.B. in der Saussureschen Tradition vorgenommen
wurde.32

32 Siehe auch die Kritik an dieser Trennung in Hopper/Traugott (1993:2).


70 Christine Gohl und Susanne GQnthner

Die synchron beobachtbare Variation von weil zeigt sich in der Koexistenz der
vielfältigen Funktionen» die weil im gesprochenen Diskurs übernimmt. Sie ist
somit ein gutes Beispiel für einen sich synchron manifestierenden Grammatika-
lisierungsprozess.
Als subordinierende und koordinierende Konjunktion operiert weil auf der
Ebene der Satzverknüpfung. Diese konjunktionaien Funktionen lassen sich, wie
schon erwähnt, über Sweetsers (1990) Domänen beschreiben, wobei schon die
epistemischen und sprechaktbezogenen Verwendungsweisen als grammatikaii-
sierte Varianten der propositionalen Verknüpfungsfunktion beschrieben werden
können (Günthner 1996).
Jene Verwendungen, in denen weil primär als Diskursmarker fungiert, gehen
über diese Dreiteilung hinaus. Durch das - teilweise völlige - Zurücktreten der
begründenden, satzverknüpfenden Funktion kann weil Funktionen überneh-
men, die primär textuell bzw. interpersonell sind.
Analog zu diachronen Entwicklungslinien lassen sich auch für synchrone
Variationsphänomene sogenannte ,clines' aufstellen. Hopper/Traugott (1993:7)
beschreiben solche synchronen ,Entwicklungs'linien als imaginäre kontinuierli-
che Linien, auf der sich die synchron zu beobachtenden, zu einem unterschiedli-
chen Grade grammatikalisierten Formen befinden. Für weil würde eine solche
Skala folgendermaßen aussehen:
weil (subordinierende Konjunktion.) > weil (koordinierende Konjunktion) >
weil (Diskursmarker).
Zwischen diesen „focal points, where phenomena may cluster" (ebd.) gibt es
Verwendungen von weil, die Charakteristika zweier Kategorien aufweisen. Am
Ende dieser Skala wird weil zunehmend zusn Werkzeug der Diskursorganisä-
tion.33
Die Reanalyse der Konjunktion als Diskursmarker und der damit einherge-
hende Kategorienwechsel und Verlust des begründenden Elements erweitern
somit die funktionale Bandbreite von weil in der gesprochenen Sprache.

33 Siebe auch Günthner (1999) zu obwohl sowie Auer (1996:313), der zeigt, wie sich
subordinierende Konjunktionen, die als Vor-Vorfeld-Konstituenten weiter grammatikali-
siert werd.en, zu Diskursmarkero, entwickeln. Ebenso Stenströin (1998) zur Entwicklung
des englischen Diskucsmarkers cos aus der subordinierenden Konjunktion because.
Grammatikalisterung von weil als Diskursmarker in dergesprochenen Sprache 71

5. Zusammenfassung

Die Analyse hat gezeigt, daß weil- neben seinen begründenden, konjunktiona-
len Funktionen - im gesprochenen Deutsch weitere Funktionen übernimmt, die
in engem Zusammenhang mit der Diskursorganisation zu sehen sind. So
verwenden Sprecher/innen weil als Mittel, um Zusammenhänge auch jenseits
der Satzverknüpfung deutlich zu machen, den Informations- und Themenfluß
im Gespräch zu gestalten und die Ausweitung von Redebeiträgen zu signalisie-
ren. Diese diskursorganisierenden Funktionen gehen über die traditionelle
Bestimmung von weil als (subordinierende bzw. koordinierende) Konjunktion
hinaus und nähern sich der Rolle eines Diskursmarkers.
Diese Reanalyse von weil als Diskursmarker geht zwar mit zahlreichen
innerhalb der Grammatikalisierungstheorie postulierten Tendenzen (wie gradu-
eller Verlust semantischer Merkmale, Dekategorialisierung, Divergenz, zuneh-
mende Wegbewegung vom propositionalen hin zum textuellen und interperso-
nellen Modus von Sprache, Entwicklung von konkreteren zu abstrakteren
Funktionen etc.) einher, zugleich widerspricht diese Verwendung der traditionell
subordinierenden Konjunktion weil als Diskursmarker anderen prototypischen
Merkmalen der Grammatikalisierung (wie Skopusverlust, zunehmende Kon-
densierung und syntaktische Integration). Diese Widersprüchlichkeiten spiegeln
nicht nur unterschiedliche Kriterien der Bestimmung von Grammatikalisie-
fungserscheinungen wider, sondern veranschaulichen auch die Komplexität
synchroner Variation in der gesprochenen Sprache.
jif Bisher gibt es nur wenige Arbeiten, die sich eingehend mit Phänomenen der
J'":T gesprochenen Sprache im Rahmen der Grammatikalisierung beschäftigen. In
»" der Grammatikalisierungstheorie werden das enge Ineinandergreifen von
Sprachgebrauch und Sprachstruktur (Lehmann 1985: 314; Hopper/Traugott
1993:xv; Traugott 1996:27) sowie von diachronen Prozessen und synchroner
* Variation (Hopper/Traugott 1993:2) immer wieder betont. Dies stellt traditio-
nelle Dichotomien in Frage, bringt aber auch die Chance, gerade durch die
Auseinandersetzung und Analyse dialogischer, gesprochener Sprache als dem
„Ort*4, an dem Sprache vor allem stattfindet, neue Einsichten in Sprachwandel-
und differenzierte synchrone Variationsphänomene zu gewinnen.

Transkriptionskonventionen
Sequentielle Struktur
01 eine Zeile entspricht einer Intonationseinheit
[] Überlappung
[]
= schneller Anschluß eines neuen Redezugs
bzw. einzelner Einheiten
72 Christine Gohi und Susanne Günthner

Pausen
Mikropause
kurze, mittlere oder lange Pausen von ca.
0.25-0.75 Sekunden, bis zu ca. l Sekunde
(2.0) Pause von mehr als einer Sekunde

Weitere segmentale Konventionen


und = äh Verschleifungen innerhalb einer Einheit
Längungen
glottaler Verschlußlaut
Lachen
so(h)o Lachpartikel während des Sprechens
haha hebe hihi silbisches Lachen
((lacht)) Beschreibung von Lachen
Rezeptionssignale
hm, ja, nein einsilbige Signale
hm = hm, ja = a zweisilbige Signale
'hm'hm zweisilbiges Signal mit glottalem Verschluß-
laut, signalisiert meist Verneinung
Akzente
AKzent Hauptakzent
!AK!zent extra starker Akzent
Tonhöhenbewegungen
stark ansteigend
steigend
gleichbleibend
fallend
stark fallend
Weitere Konventionen
((Husten)) paralinguistische und nicht-linguistische
Handlungen und Ereignisse
«hustend» redebegleitende paralinguistische und nicht-
linguistische Handlungen und Ereignisse
«überrascht» interpretierende Kommentare zur Rede
O unverständlicher Abschnitt, entsprechend
der Lange
(Arzt) vermuteter Wortlaut
al(s)o vermuteter Laut oder Silbe
jextauslassung
Grammatikalisierung von weil als Diskursmarker in der gesprochenen Sprache 73

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Eingereicht: 11.1.1999
Überarb. Fassung eingereicht: 31.5, 1999.

Christine Gohl und Susanne Günthner, FG Sprachwissenschaft, Universität


Konstanz, Postfach 5560, 78434 Konstanz

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