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EGONEbasic GYNAECOLOGY Script G10A

für Medizinstudierende Release:


© Autoren: alle Rechte vorbehalten 2013/14

Version:
6

BENIGNE MAMMABEFUNDE Date:


09.09.2013

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Autoren: J. F. DelaloyeLausanne, H. A. LehrLausanne, M. K. FehrFrauenfeld

ANLAGESTÖRUNGEN

Anatomische und physiologische Vorbemerkungen


Wie bei allen Säugetieren sind auch beim Menschen die Mammae entlang der anatomisch
vorgegebenen Milchleiste situiert. Die Milchleisten erstrecken sich beidseits ventral von der
Axillaregion über die Thorax- und Abdominalwand zur Inguinalregion. Je nach Spezies sind nur
2 oder mehr Milchdrüsen entlang dieser Leiste ausgebildet (vgl. Hunde, Kühe, Schweine). Beim
Menschen sind 2 Milchdrüsen auf der oberen Thoraxhälfte paarig angelegt. Entsprechend der
anatomischen Vorgabe können aber auch zusätzliche, kleinere Brustdrüsenstrukturen
beobachtet werden, z.B. in der vorderen Axillarlinie oder auf der Thorax- oder Bauchhaut.

Diese akzessorischen Brustdrüsen sind in der Regel sehr viel kleiner, enthalten nur
wenig Drüsenparenchym oder sind nur durch das Vorhandensein einer rudimentären
Mamille/Areola markiert.

Die Ausbildung der Mammae erfolgt beim jungen Mädchen unter dem Einfluss der
beginnenden hormonellen Aktivität in der Präpubertät. Das Knospen der Brüste, in der Regel 1-
2 Jahre vor der Menarche, wird als Thelarche bezeichnet. Von der Thelarche bis zur
Ausreifung der Brust werden verschiedene Stadien durchlaufen, die, ähnlich wie bei der
Genitalentwicklung, nach Tanner klassifiziert werden.

Bis zur Ausdifferenzierung der Brust dauert es mehrere Jahre. Die Voraussetzung dafür ist die
regelmässige Einwirkung v.a. der weiblichen Hormone. Den letzten Differenzierungsschritt
vollzieht die Brustdrüse allerdings erst während der Schwangerschaft und in der Stillzeit, in
ihrer Funktion der Milchproduktion.

Die adulte Brust ist während der ganzen Geschlechtsreife der Frau dem hormonellen Zyklus
unterworfen.

Diese zyklischen Brustveränderungen sind normal, können aber mit unterschiedlichen


klinischen Befunden vergesellschaftet sein, die bisweilen von der Frau nicht nur als störend,
sondern sogar als krankhaft wahrgenommen werden (ausgeprägte Mastodynie).

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1. Amastie
Das Fehlen der Brust ist sehr selten und ist bedingt durch eine fehlende Entwicklung oder
eine komplette Involution der Milchleisten. Eine Amastie ist in der Regel einseitig.

Eine spezielle Assoziation mit Fehlen der Pectoralismuskulatur und mit Syndaktylie ist als
Poland-Syndrom bekannt, entsprechend der Erstbeschreibung durch Poland in 1841. Nebst
dem sporadischen Auftreten dieses Syndroms wurde auch ein familiär gehäuftes Vorkommen
in aufeinanderfolgenden Generationen beschrieben, weswegen eine autosomal dominante oder
polygene Vererbung angenommen wird (1).

2. Athelie
Das Fehlen des Brustwarzen-Areolakomplexes ist ein sehr seltener Zustand und
eigentlich immer nur im Zusammenhang mit Fehlen der Brust beschrieben worden (1).

3. Polymastie
Zusätzliche Brustdrüsenstrukturen sind beim Menschen nicht selten.
 Die meisten akzessorischen Brustdrüsen entwickeln sich entlang der anatomisch
vorgegebenen Milchleiste.
 Es sind aber auch ektop vorkommende zusätzliche Brustdrüsen beschrieben worden. Der
am häufigsten beobachtete Ort für akzessorische Brustdrüsen ist die Axillarregion.
 Eine zusätzliche Mamma kann mit oder ohne zugehörigem Mamillen-Areolakomplex
vorkommen (1).

Oft wird man erst bei Eintritt einer Schwangerschaft durch das Anschwellen einer vorher
unauffälligen Körperregion auf das Vorhandensein von möglichem zusätzlich
Brustdrüsengewebe aufmerksam bzw. beim Einsetzen der Laktation postpartum.

4. Polythelie
Zusätzliche Brustwarzen können bei vielen Menschen gefunden werden. Die genaue
Inzidenz ist unklar, da sehr unterschiedliche Zahlen in der Literatur angegeben werden.
Zusätzliche Brustwarzen sind, wie auch die Polymastie, bei Männern und Frauen gleich häufig
und erscheinen in der Regel entlang der anatomischen Milchleiste (1).

5. Mammahypoplasie / Mammahyperplasie
Die Grösse der Mammae wird von den Frauen sehr unterschiedlich empfunden und beurteilt.
Es gibt keine normativen Masse, wie gross oder wie klein eine „normale“ weibliche Brust zu
sein hat. Gesellschaftliche Vorstellungen und kulturelle Gegebenheiten spielen eine Rolle.
Eine Untersuchung hat das Gewicht der nicht laktierenden Brust auf 150 bis 200 Gramm
beziffert. Die individuellen Abweichungen von diesen Zahlen sind beträchtlich und sehr häufig
und werden von den Frauen idR. nicht als störend empfunden.

Dementsprechend ist der Begriff Hypoplasie bzw. Hyperplasie immer individuell von der
einzelnen Frau aus gesehen zu gebrauchen.

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 Bei hypoplastischen Mammae bestehen keinerlei medizinische Probleme. Auch Stillen
ist idR. möglich.
 Die Mammahyperplasie kann eine psychische Belastung darstellen, oder es kann, auf
Grund des Gewichts der Brüste, ein Problem orthopädischer Art mit erheblichen
Rückenbeschwerden entstehen, sodass oft ein korrigierender Eingriff im Sinne einer
Mammareduktionsplastik notwendig wird (1).

6. Brustasymmetrie
Die Asymmetrie der Mammae ist bei genauer klinischer Untersuchung ein sehr häufiger
Befund. In der Regel handelt es sich um minime bzw. sehr diskrete Asymmetrien, durch
welche die Frauen nicht gestört sind. Ausgeprägtere Asymmetrien können aber für die
betroffenen Frauen ein grosses Problem mit psychologischen Folgen darstellen, weswegen bei
deutlicher Asymmetrie oft ein korrigierender, plastisch-chirurgischer Eingriff gewünscht wird.

Je nach Habitus der Frau und der Grösse der Mammae kann eine Reduktion der grösseren
Brust mit Angleichung an die kleine bzw. eine Augmentation der kleinen Brust notwendig
sein - oder eine Kombination beider Eingriffe.
Dabei ist festzuhalten, dass eine Mammaasymmetrie in der Pubertät ein häufig zu
beobachtender Zustand ist. Die Mammae entwickeln sich nicht immer synchron.

Es braucht eine gute Beratung und Führung der Adoleszentin, damit nicht zu früh chirurgisch
korrigierend vorgegangen wird! Es ist möglich, dass nach Etablierung eines regelmässigen
Menstruationsszyklus die Mammae langsam ausreifen und die weniger entwickelte Brust
aufholt (1).

ENTZÜNDLICHE MAMMAERKRANKUNGEN (MASTITIDEN)


Die Mastitis (Brustdrüsenentzündung) wird in zwei Gruppen unterteilt:
Mastitis Alle Brustentzündungen ausserhalb von Geburt und Stillzeit
non puerperalis
Mastitis puerperalis Entzündungen der Brustdrüse im Rahmen des Puerperiums
(Geburt und Stillzeit)

Ausbreitung von Erregern (meist Staphylokokken), welche sich in


der laktierenden Brust begünstigt festsetzen können. Im weiteren
(z.B. Prophylaxe, Therapie):  O7A
Sollte eine Mastitis während der Schwangerschaft auftreten, wird sie der Masitits puerperalis
zugerechnet und entsprechend behandelt.

Die Pathogenese bei der Mastitis non puerperalis ist noch nicht im Detail geklärt.
Beteiligt scheinen ein gestörtes Östrogen-Gestagen-Verhältnis (z.B. bei Corpus luteum-
Insuffizienz, anovulatorischen Zyklen, etc.) oder diskrete Prolaktinerhöhungen bzw. ein
vermehrtes Ansprechen der Prolaktinrezeptoren im Gewebe. Resultierend steigt die
Sekretproduktion des Mammagewebes, was zu Sekretstau führen kann. Der Sekretstau führt
zu Duktektasien und in der Folge zu periduktalen Entzündungen, Gewebenekrosen,
subareolären Abszessen, bis hin zur Fistelbildung. Bei diesem Prozess spielt auch eine
nikotinbedingte, toxische Schädigung des Drüsenepithels der Milchgänge, die zu einer
Epithelmetaplasie führt, eine wichtige Rolle und zusätzlich die nikotinbedingt schlechtere
Durchblutung auf Kapillarebene (2).

90% der Patientinnen mit Mastitis non puerperalis sind Raucherinnen!

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Klinisch sind die Symptome der akuten Mastitiden gleich. Es zeigt sich eine Rötung und
Überwärmung eines Brustareals. Palpatorisch findet sich eine Induration (durch entzündliches
Infiltrat) und/oder eine Fluktuation (Abszess!) - mit starker Druckdolenz. Die gleichseitigen
Lymphknoten sind angeschwollen. Das Fieber kann hoch ansteigen und wird eventuell von
Schüttelfrost begleitet.

Die Mastits non-puerperalis kann zu einem chronisch-rezidivierenden Verlauf führen, besonders


bei Raucherinnen oder bei Langzeitanwendungen von Psychopharmaka. Wiederholte
Entzündungsschübe, gefolgt von antibiotischer Therapie, eventuell sogar Abszessinzisionen,
prägen dann das Bild, bis hin zur Fistulierung.

Die anatomischen Veränderungen, die einer Mastitis non-puerperalis zugrundeliegen, erklären,


warum sowohl nach alleiniger Antibiotikatherapie, als auch nach Inzision und Drainage, die
Rezidivrate sehr hoch ist. Erst nach vollständiger Exzision aller veränderten Milchgänge kann
eine dauerhafte Heilung erwartet werden.

Die Diagnostik ist einfach. Die klinische Untersuchung führt zur Diagnose.
Bei Verdacht auf beginnende Abszedierung kann ergänzend eine Mammasonographie erfolgen.
Hormonbestimmungen (Prolaktin) sind nur notwendig bei wiederholter Mastitis non
puerperalis.

Differentialdiagnostisch muss bei jeder Mastitis non puerperalis ans inflammatorische


Mammakarzinom gedacht werden! Nach Abklingen der akuten Entzündung ist deshalb im
Abstand von 2-3 Monaten eine Mammographie durchzuführen.

Die Therapie der Mastitis non puerperalis ist primär konservativ (Antibiotikagabe,
Antiphlogistika, lokale Kühlung).
Bei Ausbildung eines Abszesses kann der Abszess punktiert oder operativ eröffnet werden.
Antibiotisch behandelt wird entsprechend dem erwarteten Erregerspektrum [ca. 70% Aerobier,
ca. 25% Anaerobier] primär mit Amoxicillin-Clavulansäure (Augmentin®), 2X 1 Gr. während 10
Tagen.
Alternativ: Ciprofloxacin (Ciproxin®) in Kombination mit Metronidazol (Flagyl®) oder mit
Clindamycin (DalacinC®).(2).

Rezidivprophylaxe: Keine gesicherte bekannt, aber Nikotinstopp lohnt sich!

Anmerkung: Weitere, seltene Entzündungen der Mammae sind z.B. Tuberkulose, Aktinomykose
des Brustparenchyms.

ENTZÜNDUNGEN DES MAMILLEN-AREOLA-KOMPLEXES


An der Haut lokalisierte entzündliche Erkrankungen im Brustbereich können die gesamte
Mammahaut betreffen oder sich speziell auf Mamille-Areola konzentrieren.

In erster Linie muss an ein entzündliches Geschehen im Rahmen einer Mykose gedacht
werden, z.B. ein Soor der Mamille, eine Intertrigo der Submammärfalte oder ein Pityriasis
versicolor-Befall der Mammahaut.

Differentialdiagnostisch können entzündliche Hautveränderungen im Mamillen-Areola-


Bereich durch eine Entzündung der Haarfollikel periareoloär oder der Montgomery-Drüsen
bedingt sein. Ebenso muss immer an einen Morbus Paget gedacht werden oder allenfalls an
ein dermatologisches Leiden (ekzematöse Veränderung, Psoriasis etc.). (2)

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Morbus Paget der Mamille
Alle ekzematoiden Mamillenveränderungen, die unter einer üblichen Therapie nicht abheilen,
müssen unter dem Gesichtspunkt eines Morbus Paget betrachtet und schrittweise weiter
abgeklärt werden (Biopsie; die Zytologie spielt diagnostich keine Rolle, da die suspekten Zellen
im Epithelverbund fest eingebettet sind).
Weil der histologisch bewiesene Morbus Paget der Mamille in ca. 90% mit einem invasiven
Karzinom der Mamma einhergeht ( G10B), muss in der Brust mittels entsprechender
Bildgebung nach dem Mammakarzinom gesucht werden.

GUTARTIGE BRUSTTUMOREN
 Gutartige Tumoren mit spezifischem Bezug zur Mamma sind die Fibroadenome und der
Phylloidestumor.
 Wie in allen anderen Organen, die verschiedene Zellarten enthalten, können aber auch in
der Brust gutartige Tumoren aus Stromaanteilen entstehen (z.B. Fibrome oder Lipome).

1. Fibroadenome
Definition
Fibroadenome sind die häufigsten benignen Mammatumoren. Sie sind definiert als
Wucherungen von epithelialen („adeno“) und mesenchymalen („fibro“) Anteilen der
Brustdrüse, bzw. als Mammaadenome mit reichlich entwickeltem Bindegewebe.

Klinisch
 Es zeigt sich ein derber, glatter, scharf abgegrenzter und gut verschieblicher, in der Regel
indolenter Tastbefund in der Brust, mit einer gewissen Grössenvariabilität je nach
Zyklusphase.
 Gelegentlich können Fibroadenome multipel auftreten.
 Fibroadenome treten hauptsächlich bei jungen Frauen zwischen dem 20. und 30.
Lebensjahr auf, lassen sich aber auch in jedem sonstigen Alter entdecken.
 Da Fibroadenome eine gewisse Hormonabhängigkeit zeigen, können sie während der
fertilen Lebensphase einer Frau wachsen. Speziell ist während einer Schwangerschaft mit
einer Grössenprogredienz eines bestehenden Fibroadenomes zu rechnen.
 Nach der Menopause entstehen normalerweise keine neuen Fibroadenome mehr.
 Insbesondere bei älteren Frauen zeigen Fibroadenome einen Wachstumsarrest oder sogar
eine Verkleinerung.

Merke: Ein in der Postmenopause neu aufgetretener Mammaknoten ist kein Fibroadenom. Bis
zum Beweis des Gegenteils muss von einem Mammakarzinom ausgegangen werden!

Wohl genetisch bedingt zeigt sich bei Frauen aus Schwarzafrika eine Prädisposition für die
Entwicklung von Fibroadenomen (wie auch von Myomen), so dass bei Frauen aus den
entsprechenden Ländern schon in sehr jungen Jahren multiple und auch rasch wachsende
Fibroadenome beobachtet werden können.

Die Diagnostik bei Verdacht auf Fibroadenom(e) umfasst nebst der klinischen Untersuchung
auch eine Bildgebung, je nach Alter in erster Linie eine Mammasonographie oder eine
Mammographie, sowie immer eine zytologische Untersuchung und eine histologische
Abklärung durch Stanzbiopsie.

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Therapie
Je nach Alter der Patientin und je nach Grösse des Tastbefundes kann uU. expektativ
vorgegangen werden, mit lediglich Verlaufsbeobachtung des Mammaknotens klinisch und
sonographisch, falls alle Untersuchungen für einen benignen Befund sprechen. Dies trifft auch
Frauen mit multiplen Fibroadenomen zu.

Empfohlen wird die operative Entfernung bei Wachstumstendenz oder


Brustkonturveränderung. Sonst ist die Befundexzision im Sinne einer Tumorektomie oder einer
Vakuum-assistierten Schneiderohr-Exzision (Mammotome®) die Therapie der Wahl.

Bei Grössenprogredienz von Fibroadenonem oder bei sonographisch nachgewisenen


Strukturveränderungen muss die Befundexzision unbedingt diskutiert werden.

Da es keine 100%-ig aussagekräftigen und verlässlichen Untersuchungsmethoden gibt, muss


bei einem Mammaknoten differentialdiagnostisch immer an ein Mammakarzinom gedacht
werden. Deshalb ist im Zweifelsfalle oder bei Angst der Patientin die Befundexzision indiziert.

2. Phyllodes-Tumor (Cystosarcoma phylloides)


Definition
Phyllodes Tumore machen 2,5% der fibroepithelialen Brusttumore aus. Aufgrund der Atypie
und Mitoserate der Stroma-Komponente werden Phyllodes Tumore in benigne, borderline und
maligne eingeteilt.

Therapie
Bei Verdacht auf einen Phyllodes-Tumor in der Hochgeschwindigkeitsstanzbiopsie ist die
operative komplette Entfernung des Befundes indiziert Nach einer Tumorektomie sind
engmaschige Nachkontrollen nötig, da Phyllodestumoren lokal rezidivieren können.

3. Intraduktales Papillom
Definition
Intraduktale Papillome sind Wucherungen des Epithels um einen fibrovaskulären Kern, die in
den Ausführungsgängen der Brustdrüse lokalisiert sind. Sie manifestieren sich durch eine
vermehrte Flüssigkeitsproduktion, was sich in einer Sekretion aus dem befallenen Milchgang
zeigt. Das Sekret kann wässerig, milchig oder blutig imponieren.

Die Diagnose kann bei optimalen Verhältnissen sonographisch vermutet werden, indem der
dilatierte Milchgang mit der intraduktalen Proliferation sonographisch sichtbar wird. Eine
Galaktographie, d.h. die Milchgangsdarstellung durch Kontrastmittel, kann durchgeführt
werden. Ein Papillom wird hierbei als Aussparung im abgebildeten Milchgang erkennbar.
Allerdings wird sie zunehmend durch weniger invasive Methoden ersetzt (wie z.B. Sonographie,
selten Galaktoskopie). Zusätzlich zur Bildgebung sollte eine Zytologie aus dem Mamillensekret
erfolgen, im Sinne eines Abklatsch-Präparates, um ein invasives Karzinom als Ursache des
Abflusses auszuschliessen.

Die Therapie besteht in der Exzision des vom Papillom befallenen Milchgangs (Duktektomie).

4. Lipom
Definition
Ein Lipom ist ein abgekapselter, weicher Knoten aus reifen Fettgewebszellen. Nur wenn eine
tatsachliche bindegewebige Kapsel angelegt ist, handelt sich um ein Lipom.

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Klinisch findet sich der typische Tastbefund, es keine weitere Symptomatik, das Wachstum ist
langsam und es resultiert kein erhöhtes Mammakarzinomrisiko.

Therapie
 Keine

5. Hamartom
Definition
Die Hamartome gehört zu den seltenen benignen Tumoren in der Brust, die während der
Embryonalentwicklung entstehende tumorartige Fehlbildungen darstellt. Ursächlich liegt eine
atypische Differenzierung von Keimgewebe vor.

Therapie
 Keine

GALAKTORRHOE, MAMILLENSEKRETION
Definition
Unter dem Begriff Galaktorrhoe werden Absonderungen aus der Mamille von milchigem oder
wässerigem Sekret unterschiedlicher Farbe, spontan oder auf Druck (Presssaft) verstanden.

 Korrekterweise müsste bei jedem nicht eindeutig milchigen Sekret von einer
Mamillensekretion und nicht von Galaktorrhoe gesprochen werden.
 Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich das Wort Galaktorrhoe aber für alle
Absonderungen aus der Mamille etabliert.
 Tritt Flüssigkeit nur auf Druck aus der Mamille aus, spricht man von Mamillen-Presssaft.

Bei der klinischen Untersuchung ist darauf zu achten, ob das Mamillensekret einseitig oder
beidseitig auftritt (entsprechend nachfragen bei der Anamneseerhebung). Zusätzlich soll genau
erfasst werden, aus wie vielen Milchgängen Sekret austritt: Kommt die Sekretion aus einem
einzigen Milchgang, ist eher an ein Milchgangs-Papillom oder gar ein Karzinom zu denken.

Die Ursachen einer Galaktorrhoe bzw. einer Mamillensekretion können durchaus


physiologisch sein:
 Bei Schwangerschaft, im Wochenbett, bei der Laktation und bis 2 Jahre nach Sistieren
der Laktation ist milchiges Sekret physiologisch.
 Ebenso kann bei länger dauernden Stresssituationen oder bei fortgesetzter
Bruststimulation eine Mamillensekretion auftreten.

Bei nicht-physiologischer Mamillensekretion soll an folgende Erkrankungen gedacht


werden:
 Erkrankungen des hypothalamischen Systems (Tumor, Entzündung, idiopathisch),
Hypophysentumor (Prolaktinom), Schilddrüsen-Unterfunktion, chronische
Niereninsuffizienz, paraneoplastisches Geschehen (z.B. Bronchuskarzinom).
 Zusätzlich sollte sehr genau die Medikamentenanamnese der Patientin erfragt werden,
denn zahlreiche Medikamente führen als Nebenwirkung zu einer Mamillensekretion: z.B.
Psychopharmaka, Opiate, Antihypertensiva, Antihistaminika, Antiemetika und andere
mehr!

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Diagnostik
Bei den diagnostischen Erwägungen gilt es grundsätzlich zu überlegen,
 ob es sich um ein systemisches Geschehen handelt, mit Auswirkung auf beide Mammae,
mit beidseitiger, oft aber einseitig betonter Sekretion oder
 ob es sich um ein lokales, isoliertes Geschehen in einer Brust respektive in einem
Milchgang mit ausschliesslich einseitiger Sekretion handelt.

Entsprechend lauten die Untersuchungsschritte:


 Bildgebung mit Mammasonographie und Mammographie
 bei Sekretion aus einem einzigen Milchgang: Galaktographie oder Galaktoskopie
 bei blutiger einseitiger Sekretion: Abklatsch-Zytologie
 bei beidseitigem Mamillensekret: Hormonbestimmungen (zB. Prolaktinwert,
Schilddrüsenhormone u.a.m.)
 bei erhöhtem Prolaktinwert ist u.U. ein Schädel-MRI indiziert zur Suche eines
Hypophysenadenoms.

Bei dunkel verfärbtem Mamillensekret kann der Verdacht auf Blutbeimischung aufkommen.
Dieser Verdacht kann erhärtet bzw. widerlegt werden durch eine Sekretanalyse, am
einfachsten durch Aufbringen des Mamillensekretes auf einen Urinteststreifen, der okkultes
Blut anzuzeigen vermag.

Therapie
Das therapeutische Konzept richtet sich nach den Ursachen, somit:
 Therapie der Grunderkrankung
o bzw. medikamentöse Therapie (Bromocriptin, Lisurid oder Cabergolin)
o bzw. Duktektomie bei lokalem Geschehen mit Verdacht auf Milchgangs-Papillom.

MASTODYNIE
Mastodynie ist keine Erkrankung der Mamma, sondern eines der häufigsten Symptome, die
eine Frau in die senologische Sprechstunde führen.

Die Mastodynie subsummiert alle schmerzhaften Erscheinungen im Brustbereich.

Klinisch muss zwischen zyklischer, oft beidseitiger Mastodynie und der nicht zyklischen, oft
einseitigen oder auf einer Seite verstärkten Mastodynie unterschieden werden.

1. Zyklische Mastodynie
Im Rahmen des Zyklus auftretende Schmerzsensation im Bereich der Mammae, in der Regel in
der 2. Zyklushälfte - teilweise im Rahmen des prämenstruellen Syndroms.

Ursächlich wird ein im weitesten Sinne hormonelles Geschehen vermutet, wahrscheinlich ein
gestörtes Östrogen-Gestagen-Gleichgewicht bzw. ein verändertes Ansprechen der Rezeptoren
auf die Hormone. Ernährungsfaktoren und Nikotin können mit eine Rolle spielen.

In der Regel liegt dem Geschehen keine organische Veränderung zu Grunde.

Klinisch klagen die Patientinnen über ein Anschwellen und ein Spannen der Mammae
beidseits, vor allem in den oberen äusseren Quadranten, ggf. mit Ausstrahlung in den Arm. Es
besteht eine gesteigerte Berührungsempfindlichkeit.

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Therapie
 Therapeutisch kann die Lokalapplikation von Progesteron (Gel: Progestogel®) versucht
werden, oder, da die zyklische prämenstruelle Mastodynie vor allem beim unbeeinflussten
Zyklus auftritt, auch eine „Ausschaltung“ des Zyklus durch z.B. Ovulationshemmer
 Auch alternativmedizinische Ansätze können z.T. mit Erfolg versucht werden.
 Änderungen der Lebensgewohnheiten, z.B. eine Reduktion des Kaffee- bzw.
Schokoladekonsums, können sich ebenfalls günstig auswirken.

2. Nichtzyklische Mastodynie
Nicht zyklisch auftretende Schmerzen im Bereich einer, seltener auch beider Mammae, lassen
an eine organische Veränderung denken: beispielsweise
 an fibrozystische Veränderungen (Zysten)
 oder an Entzündungen im Brustbereich.

Memo: Schmerzen sind kein typisches Zeichen für ein Karzinom. Dennoch muss bei
Missempfindungen im Bereich einer Brust auch an ein Mammakarzinom gedacht werden; -
entsprechend muss dieses ausgeschlossen werden.

Ferner ist differentialdiagnostisch stets und im weitesten Sinne zu denken an ein


muskuloskelettales Leiden mit Ausstrahlung in die Mammae, bei welchem die Patientin primär
den Brustschmerz fühlt und nicht das muskuloskelettale Geschehen.

Diagnostik
Zur Abklärung ist mindestens eine Mammasonographie, je nach Alter der Patientin auch eine
Mammographie durchzuführen.

Therapie
 Finden sich auf Seiten der schmerzhaften Brust grössere Zysten, können diese durch
Punktion entleert werden. Oft wird dadurch eine Schmerzreduktion erreicht.
 Bei Vermutung eines rheumatischen bzw. muskuloskelettalen Geschehens erfolgen
entsprechende weitere Abklärungen.

LITERATUR
1. Scharl A. Entwicklungsanomalien. In: Kaufmann M, Costa SD, Scharl A.Springer-Verlag.
Berlin 2003 pp 529-36.

2. Eiermann W, Scharl A. Entzündungen der Brustdrüsen. In: Kaufmann M, Costa SD, Scharl
A.Springer-Verlag. Berlin 2003 pp 537-43.

Textbooks:
 Wolff AS, Esser Mittag J. Kinder und Jungendgynaekologie. 2. Auflage. Schatthauer 2002
 Harris JR, Lippman ME, Morrow M, Hellman S (eds). Diseases of the breast. Lippincott-
Raven 1996.
 Bassett LW, Jackson VP, Jahan R, Fu YS, Gold RH (eds). Diagnosis of diseases of the
breast. WB Saunders 1997.

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