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EGONEbasic GYNAECOLOGY Script G7B

für Medizinstudierende Release:


© Autor: alle Rechte vorbehalten 2011/12

Version:
5
KORPUSPOLYPEN UND ZERVIXPOLYPEN
Date:
12.01.2012

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Autor: M. D. MüllerBern

INTRO

Gutartige Polypen sind hyperplastische Vorwölbungen der Schleimhaut. Sie entsprechen im


Aufbau dem Herkunfts-Epithel und seinen Untergrundsstrukturen (dh. seinem Stroma).

Wir besprechen Korpus- und Zervixpolypen gemeinsam, aus klinischem Blickwinkel: Sie treten
in Erscheinung bei Untersuchungen im Bereiche von Uteruscavum bzw. Zervikalkanal bzw.
Portio. Dort sind sie zu therapieren und natürlich gegenüber allen anderen „polypenartigen“
Befunden differentialdiagnostisch abzugrenzen.

Bei welchen Symptomen und klinischen Untersuchungsbefunden muss an Korpus- bzw.


Zervixpolypen gedacht werden? Welche Gemeinsamkeiten in der klinischen Präsentation
bestehen und welche Unterschiede?

DEFINITION

Korpuspolypen entstehen als Hyperplasie des Endometriums. Sie ragen oder hängen ins
Uteruscavum hinein, ausgehend meist vom Fundus, und können sogar (bei ausgeprägter
Stielung) am äusseren Muttermund erscheinen (= Status nascendi).

Zervixpolypen sind Hyperplasien der endozervikalen Schleimhaut. Sie liegen


eingezwängt im Zervikalkanal drin oder erscheinen am äusseren Muttermund.

WER UND WODURCH

Beide Formen entstehen hauptsächlich in der Peri- und Postmenopause (4. – 6.


Lebensdekade).

 Korpuspolypen werden oft in Kombination mit Myomen (bzw. Uterus myomatosus)


gesehen.
 Zervixpolypen gelten als insgesamt häufigste Neubildung der Zervix.

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KLINISCHE MORPHOLOGIE

 Beide Polypen stehen meist solitär, beginnen breitbasig und hängen oft später
gestielt im Lumen.
 Beide Polypen enthalten in unterschiedlichem Masse Drüsen und Stroma. Beide
Polypen sind gut vaskularisiert.
 Gestielte Polypen können in die Vagina hineinragen.

KRANKHEITSBILD

Korpuspolypen
 Kleinere Polypen sind symptomlos. Manchmal führen sie zu blutig-braunem Fluor
(« spotting »).
 Grössere Polypen können eine Hypermenorrhoe, Menorrhagien oder auch
Metrorrhagien verursachen.

40% der Blutungen in der Postmenopause gehen von Korpuspolypen aus!

 Ein Durchtritt des Polypen durch den Zervikalkanal kann wehenartige Schmerzen
erzeugen (vergleiche: Status nascendi eines Myoms)

Zervixpolypen
 Häufig symptomlos.
 Gelegentlich vermehrter Fluor und/oder Kontakt- oder Schmierblutungen.

Maligne Entartung als Komplikation?


 Die Häufigkeit von Adenokarzinomen in diesen Polypen ist sehr gering.

DIAGNOSTIK

Bei Blutungsstörungen als präsentierendem Symptom wird der allgemein übliche


Abklärungsgang eingeleitet (empfohlen: Transvaginal-Sonographie gefolgt von diagnostischer
Hysteroskopie kombiniert mit fraktionierter Kürettage mit histologischer Aufarbeitung).

Viele Zervixpolypen lassen sich makroskopisch (Untersuch mit dem Spekulum) sehen bzw.
erahnen.

Korpuspolypen

Sie werden oft als Zufallsbefund entdeckt


anlässlich einer Vaginal-Sonographie.

Abb. rechts:
Korpuspolyp mit kurzem Stiel im Sinne einer
beginnenden Stielung.

Anmerkung: Bei unsicherem Sonographiebefund


kann eine Hydrosonographie durchgeführt
werden. Bei der ist der Kontrast erhöht und
deswegen erlaubt eine besonders differenzierte
morphologische Darstellung.

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Zervixpolypen

Variieren in der Grösse von einigen Millimetern bis


zu mehreren Zentimetern. Wenn direkt sichtbar,
imponieren sie an der Portio als ovoïde Gebilde
mit meist geröteter Oberfläche.

Abb. rechts:
Gestielter, in die Vagina ragender, gefiederter
Polyp (am längs eröffneten Uterus)

DIFFERENTIALDIAGNOSE

Untersuch mit dem Spekulum:


 Die Verwechslung eines am äusseren Muttermund erscheinenden Polypen mit einem
Ovulum Nabothi der Portio ist zu vermeiden !

Polypen werden histologisch sorgfältig aufgearbeitet, zur Abgrenzung gegenüber:


 Adenom
 Myom
 Papillom
 Kondylom
 Karzinom (differentialdiagnostisch bedeutsamste Blutungsursache!)
 Sarkom
 Plazentapolyp in graviditate

THERAPIE

Instrumentelles Abtragen des Polypen (immer mit Stiel) plus meist folgende
(differentialdiagnostisch indizierte) Zusatzmassnahmen:

A. Korpuspolypen

1. Erscheint ein Polyp vor dem äusseren Muttermund, darf er bei prämenopausalen,
regelmässig menstruierenden Frauen einfach abgedreht werden.
(Histopathologische Auffälligkeiten vorbehalten, erfolgen ansonsten keine weiteren
Massnahmen.)

2. In allen anderen Fällen (Sitz im Kavum, Postmenopause, Menstruationsstörung) ist


eine Hysteroskopie zur Resektion mit einer Schlinge indiziert.
Um kein Endometriumkarzinom und keine sarkomatöse Veränderung zu verpassen wird
die hysteroskopische Resektion von einer fraktionierten Kürettage gefolgt.

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Anmerkung: "Blinde" Entfernungsversuche mittels alleiniger Korpuskürettage (ohne
Hysteroskopie) sind als unzuverlässig einzustufen.

Durch das Kombinieren einer Hysteroskopie mit einer Kürettage wird mit hoher
Treffsicherheit das Endometriumkarzinom ausgeschlossen.

3. Die Hysterektomie ist zu erwägen - insbesondere in der Postmenopause:


 bei zahlreichen Polypen - im Sinne einer Polyposis endometrii.

Polyposis des Endometriums Polyposis uteri


(Operationspräparat) (Vaginal-Hydrosonographie)

 bei komplexer Hyperplasie des Endometriums mit Atypien ( G12-A).

Vor Durchführung einer Hysterektomie muss zuerst aber eine Histologie gewonnen
werden, entweder mit einer Pipelle de Cornier alleine oder durch eine Hysteroskopie und
Kürettage.

B. Zervixpolypen

1. Gestielte Polypen werden bei prämenopausalen, regelmässig menstruierenden


Frauen durch Abdrehen möglichst am Ansatzpunkt unkompliziert entfernt.
Anschliessende Zervixkürettage (ambulant in der Sprechstunde).
2. In der Postmenopause oder bei differentialdiagnostischer Unsicherheit
(beispielsweise bezüglich einer Blutungssymptomatik), sollen ausser der Abtragung des
Polypen auch eine Hysteroskopie und eine vollständige (dh. fraktionierte)
Kürettage erfolgen.

LITERATUR

1. Lee SC, Kaunitz AM, Sanchez-Ramos L, Rhatigan RM. The oncogenic potential of
endometrial polyps: a systematic review and meta-analysis. Obstet Gynecol 2010;
116(5):1197-205.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20966706

2. Lieng M, Istre O, Qvigstad E. Treatment of endometrial polyps: a systematic


review. Acta Obstet Gynecol Scand. 2010; 89(8):992-1002.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20528202

3. Afifi K, Anand S, Nallapeta S, Gelbaya TA. Management of endometrial polyps in subfertile


women: a systematic review. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2010; 151(2):117-21.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20430512

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