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DEGAM Leitlinie AWMF-Register-Nr.

053-002
Müdigkeit Kurzversion

Definition und Ursachen Diagnostische Hilfen


Patienten verwenden Bezeichnungen, die emotionale, kognitive, körperliche und Verhaltens-Aspekte n Depression
beschreiben können. Eine große Zahl von biologischen, seelischen und sozialen Ursachen kommt in Zwei Screeningfragen (Bezug: in den letzten 4 Wochen)
Frage, oft in Kombination. Darunter sind eindeutig diagnostizierbare seelische und körperliche Störun- n Haben Sie sich oft niedergeschlagen/schwermütig/hoffnungslos gefühlt?
gen oder Belastungen; oft lässt sich jedoch keine definitive Ursache identifizieren. Die Leitlinie behan- n Haben Sie wenig Interesse/Freude an Tätigkeiten gehabt?
delt das Symptom bei Erwachsenen. Werden beide Fragen verneint, kann eine ausgeprägte Depression mit hoher Sicherheit als ausge-
schlossen gelten.
Abwendbar gefährliche Verläufe – spezifische Probleme Wird mindestens eine Frage bejaht, sollten weitere Symptome (zusätzlich zu Müdigkeit/Mangel an
n Behandlungsbedürftige psychische Störungen, vor allem Depression, Angststörung Energie) erfragt werden:
n Schlaf-Apnoe-Syndrom und Medikamentennebenwirkungen/Substanzabusus n Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
n Behandelbare schwere körperliche Erkrankungen sind selten und praktisch immer mit Auffällig- n Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
keiten in Anamnese und/oder körperlicher Untersuchung verbunden. n Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
n Auf biologische Ursachen fixierte Diagnostik (»Tumorsuche«) führt zu unnötiger Belastung des n Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
Patienten und/oder Somatisierung einer Befindlichkeitsstörung. n Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen
n Schlafstörungen
Hausärztliche Diagnostik n Verminderter Appetit
Anamnese Eine ausgeprägte Depression liegt vor, wenn einschließlich der Müdigkeit insgesamt fünf oder
n Charakteristika des Symptoms n somatische Anamnese: n soziale, familiäre, berufliche mehr Kriterien bejaht werden, (darunter mindestens eine der beiden Screening-Fragen).
n assoziierte Beschwerden n Schlaf Situation B
n Müdigkeit neu/ungewohnt? n Körpergewicht n chemische oder Lärmbelästi- n Angststörung
n Beeinträchtigung im Alltag n kardiale/respiratorische/ gung B Screeningfragen (Bezug: letzte 4 Wochen)
n Vorstellungen der Patienten zu gastrointestinale/uroge- n ähnliche Symptome im priva- n Nervliche Anspannung/Ängstlichkeit/Gefühl, aus dem seelischen Gleichgewicht zu sein
Ätiologie und Behandlung A nitale/ZNS-Funktion C ten/beruflichen Umfeld B n Sorgen über vielerlei Dinge
n Symptome von Depression n Medikamente, psychotrope n Schnarchen, Einschlafen am n Angstattacke(n)
und Angst A Substanzen C Steuer B
n Postinfektiös A, chronische n (habitueller) Schlafmangel B n Chronisches Müdigkeitssyndrom (Systemische Belastungs-Intoleranz-Erkrankung)
Erkrankung B Für das chronische Müdigkeitssyndrom (CFS) existieren verschiedene Definitionen. Gemeinsam ist
Körperliche Untersuchung diesen das neue, nicht durch andere Erkrankungen, Substanzen oder Belastung erklärbare Auftre-
n abhängig von Auffälligkeiten Wenn keine Hinweise auf definierte körperliche Störungen: C ten der Müdigkeit.
in der Anamnese! n Abdomen n Atemwege n Schleimhäute Weiter werden gefordert: ein definierter Beginn der Symptomatik und eine starke Beeinträchtigung
n Herz n Lymphregionen durch die Müdigkeit im privaten, beruflichen oder sozialen Bereich sowie das Vorhandensein wei-
n Kreislauf n Muskeltrophik, -kraft, -tonus, -eigenreflexe terer Zusatzsymptome bzw. -befunde (minor criteria). Über die Anzahl notwendiger Zusatzsymp-
Laboruntersuchung tome bzw. -befunde sowie die Mindestdauer der Müdigkeit für eine Einordnung als „CFS“ differie-
n abhängig von Auffälligkeiten Wenn keine Hinweise auf definier- Weitere Diagnostik nur bei defi- ren die verschiedenen Klassifikationen (siehe Langfassung).
in der Anamnese und körper- te körperliche Störung: nierten Auffälligkeiten in Anam- Es handelt sich um eine rein deskriptive und sehr selten erfüllte diagnostische Kategorie, vermut-
licher Untersuchung n Blut-Glucose A nese oder körperlicher Untersu- lich heterogener Ätiologie. Die Wirkung der „Etikettierung“ auf den Patienten ist unklar.
n Blutbild B chung
n Blutsenkung/CRP C n Häufige Fehler und Trugschlüsse
n Transaminasen/g-GT C n Pathologische Laborwerte werden vorschnell als ausreichende Erklärung akzeptiert.
n TSH A n Zuerst werden körperliche Ursachen ausgeschlossen und erst danach der psychosoziale Be-
reich bearbeitet – bis dahin kann eine somatische Fixierung erfolgt sein.
Therapie n Bei bekannten chronischen Erkrankungen wird Müdigkeit vorschnell auf den Krankheitspro-
Betreuung im Verlaufn Weitere Möglichkeiten zess selbst bezogen.
n Strukturiert, individuell und flexibel – nach Ätiologie und Situation n Symptomtagebuch C n Scheinassoziationen und selbsterfüllende Prophezeiungen siehe Langfassung S. 45.
n Gesprächsbereitschaft, Planung von Folgeterminen, Offenheit für n Symptomorientierte aktivier- n Bezüglich Eisenmangel und Substitution siehe Langfassung Kapitel 5.3 und 6.2.
breites Spektrum biologischer, psychischer u. sozialer Faktoren C ende Maßnahmen A
n Verhaltenstherapie A Stärke der Empfehlungen: A basiert auf wissenschaftlichen Studien hoher Qualität, B basiert auf sons-
tigen Studien, C basiert auf Konsensusaussagen oder Expertenurteilen

DEGAM
Autoren Konzeption und wissenschaftliche Redaktion DEGAM Leitlinien © DEGAM 2017
E. Baum, C. Dörr, N. Donner-Banzhoff, P. Maisel SLK-Leitungsteam Hilfen für eine gute Medizin www.degam-leitlinien.de