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Die Fabel

Die Fabel (von lateinisch fabula: Erzählung) gehört zu den ältesten literarischen
Arten der Weltliteratur. Der phrygische Sklave Aesop, der alte Fabeln sammelte
und wohl auch neue erfand, gilt als Schöpfer der Tierfabel. Er war Sklave im
6. Jh.v.Ch.
Fabeln sind meist sehr kurz und bestehen nur aus wenigen Zeilen. Sie vermitteln
eine allgemein gültige Lebensweisheit oder moralische Wahrheit, die
üblicherweise als "Moral" am Ende der Geschichte zusammengefasst wird. In
der Regel sind Tiere oder Pflanzen die Protagonisten der Fabel.
Es gibt Prosa- und Versfabeln.
Das Thema der Fabel besteht meistens aus Auseinandersetzungen und
Konflikten zwischen Tieren, die mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet
sind. Die Fabel wurde im 18. Jahrhundert (Aufklärung) als didaktische Gattung
wiederentdeckt und bekam somit eine wichtige Funktion. Der bedeutendste
deutsche Fabeldichter des 18. Jahrhunderts, der besonders auf die äsopische
Tradition zurückgriff, war Gotthold Ephraim Lessing. Die Fabel war sehr
beliebt, weil sie der "Enthüllung der Wahrheit" diente. Die Fabel erfüllte somit
in erster Linie einen pädagogischen Zweck, sie übernahm in zweiter Linie auch
die Rolle der amüsanten Unterhaltung und der engagierten politischen Dichtung.
Die Fabel hat folgenden dreiteiligen Aufbau:
Ausgangssituation, Streit (Gespräch) und Lösung. Diese Lösung beinhaltet in
der typischen Fabel eine belehrende Moral. In der Regel treten zwei Figuren
oder Parteien auf, die entgegengesetzte Standpunkte vertreten. Dieser
antithetische Charakterzug der Fabel ist übrigens häufig schon in der Überschrift
zu beobachten. Die beiden Kontrahenten sind oft Vertreter der Positionen
Überlegenheit - Unterlegenheit (z.B. Macht - Ohnmacht, Reichtum - Armut,
Hochmut - Bescheidenheit, Hinterlist - Arglosigkeit usw.).
Die Tier-Handlung wird für menschliche Verhältnisse bedeutungsvoll. Die
Tiere der Fabel handeln also niemals instinkthaft im naturwissenschaftlichen
Sinne, sondern als für ihre Denk- und Handlungsweisen voll verantwortliche
Wesen, wie Menschen. Die Fabel hält dem Mensch einen Spiegel vor; so
werden menschliche Eigenschaften oftmals satirisch aufgegriffen und dadurch
verdeutlicht oder übertrieben. Es gibt keine charakterliche Veränderung; die
Tier-Eigenschaften sind klar verteilt. Ein für die Fabel typischer
Handlungsablauf ist die Umkehr der Anfangssituation: Der ursprünglich
Unterlegende erscheint dann am Ende als der eigentlich Überlegene.
Die Zeit und der Ort der Handlung werden in der Regel nicht genau benannt.

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