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9.

13 Emerging Infectious Diseases

Jedes Jahr werden neue humanpathogene infektiöse Erreger identifiziert. Man bezeichnet
die von diesen Erregern hervorgerufenen Erkrankungen als Emerging Infectious Diseases
(EID). Unter einer EID versteht man im Einzelnen:

 Das Auftreten einer neuartigen Erkrankung durch einen bisher nicht als
humanpathogen bekannten Erreger. Beispiele dafür sind HIV, SARS-Coronavirus,
MERS-Coronavirus und das Alkhurma-Virus.

 Die Mutation bzw. Rekombination eines bekannten Erregers, die zu einer neuen
Erkrankungsform führt, beispielsweise aviäre Influenza oder Influenza H1N1-Virus.

 Das Auftreten einer Erkrankung in einer bisher nicht für diese Infektion endemischen
Region durch Import eines Erregers: z. B. die Ausbreitung des West-Nil-Virus und
des Affenpockenvirus auf den amerikanischen Kontinent, Zika-Virus in Lateinamerika,
Denguefieber in Europa, Krim-Kongo hämorrhagisches Fieber in Spanien.

Von einer Re-Emerging Infection spricht man, wenn die Häufigkeit einer Erkrankung wieder
zunimmt, z. B. Tuberkulose oder Schlafkrankheit.

Infektionen sind essenzieller Trigger der biologischen Evolution; das menschliche Genom ist
von der Anpassung auf infektiöse Erreger geprägt. Rickettsien-ähnliche Mikroorganismen,
die nach und nach zu obligaten intrazellulären Symbionten wurden, gelten als Vorläufer der
Mitochondrien. Der evolutionäre Vorteil der Entwicklung verschiedener Geschlechter bei
Organismen wird darauf zurückgeführt, dass zwei- oder mehrgeschlechtliche Organismen
anpassungsfähiger sind als eingeschlechtliche, was im Besonderen für die Anpassung an
infektiöse Erreger gilt. Zeugnis dafür, dass sich der Homo sapiens seit langer Zeit auf die
Bedrohung durch infektiöse Erreger einstellen musste, ist auch die Konservierung von
Mutationen im Genom exponierter Menschenpopulationen, die die Entwicklung infektiöser
Erreger hemmen. Bei Menschen aus malariaendemischen Regionen haben sich diese
Mutationen teilweise erhalten, weil eine Heterozygotie dieser Mutationen einen Schutz gegen
letale Malariaverläufe vermittelt: Sichelzellanämie, Thalassämie, Glukose-6-Dehydrogenase-
Mangel, Duffy-Antigen-Defizienz und andere Hämoglobinanomalien.
Begünstigende Faktoren
Sowohl lokale Faktoren am Ursprungsort einer Epidemie als auch globale Faktoren können
zur Ausbreitung einer Epidemie beitragen. Das Überspringen eines normalerweise
zoonotischen Infektionserregers auf den Menschen wird begünstigt durch:

 Die zunehmende Annäherung des Menschen an zoonotische Infektionsherde, z. B.


durch Siedlung in der Nähe von Urwäldern

 Die Veränderung des Habitats definitiver Wirte von Zoonosen und deren Vektoren
durch die Vertreibung von Wildtieren in die Nähe menschlicher Siedlungen, z. B.
durch Rodung von Urwaldgebieten

 Besondere lokale Ernährungsgewohnheiten: In vielen afrikanischen Regionen stehen


in der Natur (häufig Urwald) gejagte Tiere auf dem Speiseplan („Bushmeat“), z. B.
Affen. In Asien trugen aller Wahrscheinlichkeit nach besondere Essgewohnheiten
(Verzehr von Zibetkatzen) zum Überspringen des Erregers des schweren akuten
respiratorischen Syndroms (SARS-Coronavirus) bei. Auch Fledermäuse, die das
Reservoir für Ebola- und Marburg-Viren darstellen, werden verzehrt und spielen bei
der Übertragung eine Rolle. Der Verzehr von rohem Fisch (Sushi, Sashimi) und
Fleisch fördert Parasitosen wie Anisakiasis, Leberegelinfektionen, Trichinosen und
andere. Durch engen Kontakt mit Kamelen oder Verzehr von Kamelfleisch kann das
„Middle East respiratory syndrome coronavirus“ (MERS-CoV) übertragen werden.

 Neue Methoden der Viehhaltung in der Nahrungsmittelindustrie


(Kadavermehlverfütterung) wurden für die Zunahme der bovinen spongiösen
Enzephalitis (BSE) beim Rind und der varianten Creutzfeld-Jakob-Krankheit beim
Menschen verantwortlich gemacht.

Die Ausbreitung von derartigen Infektionen kann durch folgende Faktoren begünstigt
werden:

 Die globale Erwärmung, die zur Ausbreitung von Vektorpopulationen (insbesondere


Arthropoden) in vormals nichtendemische Regionen beiträgt.

 Urbanisierung und Maßnahmen, die ein Habitat für bestimmte Vektoren schaffen: Die
Vermehrung der Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) wird durch die
zunehmende Urbanisierung in Entwicklungsländern gefördert. Der Bau von
Staudämmen trägt zur Ausbreitung der Bilharziose bei.

 Bevölkerungszuwachs, internationale Migration, Urbanisierung, Krieg und Flucht


begünstigen die Ausbreitung von Infektionen: Die Wiederausbreitung der
Schlafkrankheit und anderer Infektionserkrankungen in Afrika ist
charakteristischerweise mit kriegerischen Auseinandersetzungen assoziiert. Ein
weltweit zu beobachtendes Phänomen ist auch die hierdurch bedingte Zunahme der
Tuberkulose.

 Verhaltensänderungen des Menschen können ebenfalls zur Verbreitung von


Erkrankungen beitragen. Auch bei der Entstehung und dem Verlauf der HIV-
Epidemie spielten Mobilität, Urbanisierung und soziale Faktoren eine wichtige Rolle.
Die weltweite Zunahme der Zahl der (u. a. durch HIV) immunsupprimierten Menschen
kann weiteren Infektionen den Weg ebnen.

 Der breite Zugang zum modernen Transportmittel Flugzeug führt zur schnellen
Beförderung und Ausbreitung von Infektionserregern. Dies wurde insbesondere bei
der SARS Pandemie 2002/2003 und der Ebola-Epidemie 2013-2016 deutlich.

 Vereinzelt werden Infektionen auch absichtlich verbreitet, wie z. B. bei der Verteilung
von Bacillus anthracis durch Briefe in Amerika oder bioterroristische Angriffe.

Bekämpfung
Zur Überwachung und Bekämpfung dieser neuen Bedrohung müssen daher ebenfalls,
soweit möglich, neue Möglichkeiten genutzt werden, u. a.:

 Wachsamkeit für neue bzw. bisher unbekannte Infektionserkrankungen. Dr. Carlo


Urbani erkannte in Hanoi die Besonderheit und das Potential von SARS, die
Erkrankung kostete ihn das Leben.

 Die rasche und konsequente, aber auch adäquate Isolierung und Quarantäne von
Patienten und Kontakten bzw. Verdachtsfällen

 Die Entwicklung von effektiven Impfstoffen

 Die rasche weltweite Kommunikation von Daten ist durch die Etablierung
internationaler elektronischer Netzwerke möglich geworden und konnte erheblich zur
Kontrolle von Epidemien beitragen. Bei SARS hat der rückhaltlose elektronische
Informationsaustausch zwischen virologischen Institutionen zur Identifikation des
Virus innerhalb weniger Monate geführt.

 Institutionell etablierte Präventionsmaßnahmen wie Fleischbeschau,


Lebensmittelüberwachung, veterinärmedizinische Maßnahmen,
Aufklärungsprogramme zur Bekämpfung von verhaltensbedingten Infektionen (z. B.
Geschlechtskrankheiten), Vektorbekämpfung und internationale Surveillance-
Netzwerke werden weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

 Vorausschauende Untersuchung von möglichen Reservoiren und Vektoren auf


Infektionserkrankungen, die das Potential für menschliche Infektionen haben; So
werden beispielsweise umfangreiche Untersuchungen in Fledermäusen und
Mückenpopulationen weltweit durchgeführt. Die Erkenntnisse können für die
Früherkennung und zur Vorbeugung von Epidemien verwendet werden.

 Aufbau von funktionierenden Gesundheitssystemen in betroffenen Endemiegebieten

 Etablierung von geeigneten internationalen Infektionsüberwachungs-Netzwerken und


mobilen Expertengruppen für die Bekämpfung von entsprechenden Ausbrüchen (z.
B. das Global Outbreak Alert and Response Network (GOARN) der WHO)

Wachsamkeit bei typischen klinischen Krankheitsbildern


Für die Identifizierung einer Emerging Infection ist es entscheidend, daran zu denken, dass
man es bei einem Patienten mit einem unklaren Krankheitsbild mit einer neuen Erkrankung
zu tun haben könnte. Nur wenn die entsprechende Diagnostik veranlasst wird, können neue
oder in einer Region bislang nicht aufgetretene Infektionen identifiziert werden. Tropische,
besonders hochinfektiöse und/ oder hochletale Erreger müssen schnellstmöglich erkannt
werden um Ausbrüche zu verhindern.

 Influenzaepidemien, SARS oder MERS-CoV manifestieren sich als


Atemwegserkrankung. Ebenfalls als pulmonales Syndrom äußert sich das durch das
1993 charakterisierte „Sin nombre“ ( = „namenloses“) Hantavirus bedingte pulmonale
Hantavirussyndrom in Amerika.
 Bei vielen anderen gefährlichen Infektionen handelt es sich um „arthropod-borne“, d.
h. durch Arthropoden übertragene Virosen (= Arbovirosen), die sich z. B. durch ein
hämorrhagisches Fieber, eine Meningoenzephalitis oder eine Arthritis äußern. Sie
werden u. a. durch Viren der Familien Bunyaviridae und Flaviviridae hervorgerufen.
 Arbovirale Meningoenzephalitiden müssen insbesondere von der in vielen tropischen
Regionen endemischen Tollwutinfektion und bakteriellen Meningitiden abgegrenzt
werden. Von der Schlafkrankheit unterscheiden sie sich durch ihren akut
enzephalitischen Verlauf.
 An eine arbovirale Arthritis sollte man insbesondere bei akutem Auftreten innerhalb
von bis zu 21 Tagen nach Rückkehr aus einer endemischen Region denken.
Vorübergehende Glieder- und Gelenkschmerzen treten z. B. bei klassischem
Dengue-Fieber, Zika und Chikungunya Fieber auf. Autochtone Chikungunya Virus
Infektionen treten seit einigen Jahren auch in Südeuropa auf, wobei schwere
arthritischen Beschwerden typisch sind, die auch über Monate bis Jahre persistieren
können. Eine ähnliche Symptomatik kann bei der in Australien und Ozeanien
endemischen Ross-River-Infektion (epidemische Polyarthritis) auftreten, während bei
der in Ostafrika endemisch-epidemisch auftretenden O’Nyong-nyong-Virusinfektion
die Arthritis selten persistiert. Differentialdiagnostisch abzugrenzen sind andere virale
oder reaktive Arthritiden.

Beispiele für Emerging Infectious Diseases

Naturgemäß haben die Gesundheitssysteme der betroffenen Regionen mit Ausbrüchen von
Emerging Infections keine Erfahrung und sind auf diese nicht vorbereitet, so dass die
Erkennung und Eindämmung dieser Infektionen eine große Herausforderung darstellt.
Wichtige Beispiele aus der Vergangenheit sind die HIV-Epidemie in den 1980er Jahren,
sowie die SARS-Epidemie, bei der 2002/2003 ein bis dato unbekanntes Coronavirus das
schwere akute respiratorische Syndrom („Severe Acute Respiratory Syndrome“ = SARS)
verursachte. Beginnend in Südchina machte die Epidemie deutlich, wie schnell sich Erreger
mit dem weltweiten Reiseverkehr ausbreiten können. Innerhalb weniger Monate waren mehr
als 8.000 Krankheitsfälle in 37 Ländern aufgetreten, von denen fast 10% verstarben.
2003 gelangten aus Afrika mit importierten Haustieren („Gambiaratten“) die Affenpocken in
die USA und verursachten einen kleineren Ausbruch. Auch Influenzaviren bergen ein
erhebliches Potenzial für Epidemien; die 1918 grassierende Spanische Grippe forderte mehr
Menschenleben als die kriegerischen Handlungen im Ersten Weltkrieg.
Besonders gefürchtet wird die Rekombination zwischen hochletalen und für Geflügel
hochinfektiösen Vogelinfluenzaviren (z. B. H5N1) und menschlichen Influenzaviren. Die
geographische Verbreitung der Infektion erfolgt besonders durch den Flug von infizierten
Zugvögeln. Humane Infektionen treten v. a. unter ärmlichen Verhältnissen auf, wo Menschen
auf engstem Raum mit Vögeln zusammenleben. Bisher verliefen menschliche Infektionen
durch H5N1 meist letal, direkte Mensch-zu-Mensch Infektionen wurden jedoch nur in
Ausnahmefällen beobachtet.

Im Folgenden werden einige derzeit aktuelle Emerging Infectious Diseases dargestellt.

Dengue

Denguefieber gilt als die bedeutendste und sich am schnellsten ausbreitende Arbovirose der
Welt und ist bereits in weiten Teilen der Tropen und Subtropen verbreitet; etwa 3,9 Milliarden
Menschen in 128 Ländern leben in Dengue-Endemiegebieten. Nach Angaben der WHO hat
sich die Zahl der Erkrankungen von 2000 bis 2010 ungefähr verdoppelt. Man schätzt, dass
bis zu 390 Millionen Infektionen jährlich auftreten, von denen allerdings nur etwa 96 Millionen
symptomatisch verlaufen. Schwere Verläufe werden vor allem bei Kindern in
Endemiegebieten beobachtet. Die wichtigsten Überträger des Dengue-Virus sind vor allem
Aedes aegypti und Aedes albopictus Mücken, die in den Tropen und Subtropen weit
verbreitet sind. Aedes albopictus ist auch in Europa endemisch, wo bereits Ausbrüche
aufgetreten sind. Im Jahr 2010 traten erste autochthone Fälle in Südfrankreich und in
Kroatien auf, 2012 kam es zu einem Ausbruch auf Madeira (Portugal) mit über 2.000 Fällen.
Im Jahr 2015 wurden in Deutschland über 700 importierte Fälle von Dengue-Fieber
gemeldet, wovon etwa ein Drittel aus Thailand stammen.
Das Denguevirus ist ein Flavivirus mit vier Serotypen (DENV-1 bis DENV-4), wobei eine
Infektion mit einem der 4 Serotypen eine Immunität gegen den betreffenden Serotyp, jedoch
nicht gegen die anderen 3 Serotypen vermittelt. Das Risiko für schwere Verläufe scheint bei
Folgeinfektionen mit den verbleibenden Serotypen zu steigen.

Klinisches Bild, Diagnose und Management


Anders als bei Zika- und West Nile-Virus Infektionen verläuft die Mehrzahl der Dengue-
Virusinfektionen bei Erwachsenen symptomatisch. Nach einer Inkubationszeit von 3 bis 14
Tagen tritt eine akut fieberhafte Erkrankung mit Kopfschmerzen, retroorbitalen Schmerzen,
Muskel- und Gelenkschmerzen und Exanthem auf. Nach 5 bis 7 Tagen fällt das Fieber
normalerweise wieder ab, ein Teil der Patienten zeigt allerdings einen biphasischen Verlauf
mit einer erneuten kürzeren Fieberepisode. Schwere Verläufe mit Komplikationen treten in
weniger als 5% der Fälle als Dengue-Hämorrhagisches Fieber (DHF) oder Dengue Schock
Syndrom (DSS) auf. Diese sind durch eine erhöhte vaskuläre Permeabilität mit
intravaskulärem Flüssigkeitsverlust, evtl. mit hypovolämischem Schock, und durch
Blutungskomplikationen sowie in der Folge häufig Organversagen gekennzeichnet.
Laborchemisch zeigt sich typischerweise ein mäßiger Transaminasenanstieg sowie
Thrombozytopenie und Lymphopenie. Die Diagnose erfolgt mittels PCR aus dem Blut oder
durch den Nachweis von spezifischen Antikörpern oder dem NS1 (nonstructural protein 1)
Antigen. Schnellteste mit guter Sensitivität und Spezifität stehen zur Verfügung.
Eine spezifische Therapie existiert nicht, so dass eine optimale supportive Therapie von
zentraler Bedeutung ist. Acetylsalicylsäure und andere Medikamente, die die Blutgerinnung
beeinflussen, müssen vermieden werden. Seit 2016 steht ein rekombinant hergestellter
tetravalenter Impfstoff für Personen im Alter von 9 bis 45 Jahre in Endemiegebieten zur
Verfügung.

Zika

Ein wichtiges und aktuelles Beispiel ist die Zika-Virus Epidemie in Lateinamerika, die 2015 in
Brasilien begann, und sich in der Folge auf dem amerikanischen Kontinent ausgedehnt hat.
Wie das Gelbfieber-, das West Nile- und das Dengue-Virus gehört das Zika-Virus zu den
Flaviviren.
Nachdem das Virus erstmals 1947 in Uganda isoliert wurde, wurden über Jahrzehnte
lediglich Einzelfälle in Afrika und Asien berichtet. Zu einem ersten größeren Ausbruch kam
es 2007 auf den Yap-Inseln (Mikronesien), bei dem mit über 5.000 Infizierten mehr als die
Hälfte der Bevölkerung betroffen war. Ein weiterer, größerer Ausbruch mit etwa 32.000
Infektionen war 2013/2014 in Französisch-Polynesien zu verzeichnen. Im Mai 2015 wurden
erste Fälle aus Brasilien berichtet, in der Folge breitete sich die Epidemie in über 70 Länder
aus, darunter fast alle Länder in Süd- und Mittelamerika, sowie der Südosten der USA. In
Afrika zirkuliert das Zika-Virus im sylvatischen Zyklus zwischen verschiedenen Überträger-
Mücken und Affen im Regenwald. Bei sporadisch vorkommenden menschlichen Infektionen
im Rahmen des sylvatischen Zyklus kann es in der Folge in urbanen Umgebungen zu
größeren Epidemien kommen. Dabei spielt vor allem die ägyptische Tigermücke (Aedes
aegypti) als Überträger eine wichtige Rolle, aber auch andere Aedes Arten, u. a. die
asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) können Zika-Virus übertragen (s. Abb. 9.13.1).
Ähnliche Transmissionszyklen sind auch für das Gelbfieber-, Chikungunya- und das Dengue-
Virus beschrieben. Aufgrund der weiten Verbreitung der Überträgermücken ist eine weitere
Ausbreitung des Zika-Virus zu erwarten.

Klinisches Bild, Diagnose und Management

Die Mehrzahl der Zika-Virus Infektionen verläuft asymptomatisch, ansonsten ist der klinische
Verlauf generell mild mit Fieber, Konjunktivitis, makulo-papulösem Exanthem, Kopf-, Gelenk-
und Muskelschmerzen nach einer Inkubationszeit von 3-12 Tagen. Des Weiteren wird ein
Zusammenhang mit dem Auftreten eines Guillian-Barré Syndroms und anderen
neurologischen Komplikationen vermutet.
Im Rahmen der aktuellen Epidemie zeigte sich auch, dass Infektionen während der
Schwangerschaft Hirnfehlbildungen mit Mikrozephalie der Kinder im Mutterleib verursachen
können. Tausende Kinder mit Mikrozephalie wurden in den betroffenen Ländern geboren;
Schwangeren und Frauen, die eine Schwangerschaft planen, wird daher von Reisen in
Endemiegebiete abgeraten. Eine sexuelle Übertragung ist möglich, eine Virusausscheidung
über mindestens 2 Monate nach Infektion wurde beschrieben. Paaren, bei denen sich einer
der Partner in einem Endemiegebiet aufgehalten hat, wird geraten mit einer
Schwangerschaft bis 6 Monate nach Rückkehr zu warten. Schwangere, deren Partner sich in
einem Endemiegebiet aufgehalten haben, sollten bis zum Ende der Schwangerschaft „Safer
Sex“ praktizieren. Eine kausale Therapie oder eine Impfung stehen nicht zur Verfügung, so
dass ein effektiver Mückenschutz bzw. die Vektorkontrolle in den betroffenen Gebieten von
zentraler Bedeutung sind. Die Diagnose erfolgt in der Frühphase mittels PCR aus dem Blut
(etwa bis zum 7. Tag nach Symptombeginn), danach erfolgt die Diagnose durch die PCR
aus Urin (bis Tag 28 nach Symptombeginn) oder durch serologische Tests.
Mücken
Aedes (subgenus stegomyia)
Aedes (subgenus diceromyia)

Sylvatischer
Übertragungszyklus
Nicht humane Primaten
Nicht humane Primaten

Mücken
Aedes (subgenus stegomyia)
Aedes (subgenus diceromyia)

Mücken
Aedes aegyptii
Aedes albopictus
Aedes hensilli
Aedes polynesiensis

Suburbaner – urbaner
Übertragungszyklus

Menschen Menschen

Mücken
Aedes aegyptii
Aedes albopictus
Aedes hensilli
Aedes polynesiensis

Abbildung 9.13.1, Transmissionszyklus für Zikavirus (nach Petersen et al. NEJM 2016).

Gelbfieber

Gelbfieber ist in Afrika und Südamerika verbreitet; vor allem in Afrika kommt es immer wieder
zu größeren Ausbrüchen. Weltweit werden pro Jahr laut WHO bis zu 200.000
Erkrankungsfälle geschätzt, wovon etwa 30.000 bis 60.000 Betroffene sterben. Gelbfieber
wird durch verschiedene Mückenarten übertragen, wobei der Übertragungszyklus des Virus
vorwiegend im Tierreich stattfindet. Das Virus zirkuliert im Regenwald im sogenannten
sylvatischen Zyklus zwischen Mücken (hier vor allem Aedes africanus) und zahlreichen
Affenarten, die nur selten erkranken, das Virus aber weitergeben können. Infiziert sich ein
Mensch im Regenwald, kann das Virus in der Folge durch Übertragung durch Aedes aegypti
größere Ausbrüche von urbanem Gelbfieber (urbaner Zyklus) verursachen.
Von Dezember 2015 bis September 2016 kam es in Angola zu einem Gelbfieber-Ausbruch
mit über 4.000 Infektionen und, davon ausgehend, über 2.500 Fällen in der Demokratischen
Republik Kongo. Durch intensive Surveillance- und Infektionskontrollmaßnahmen mit
umfangreichen Impfprogrammen und Maßnahmen zur Vektorkontrolle konnte der Ausbruch
schließlich eingedämmt werden. Im Rahmen der aktuellen Epidemie sind mit Gelbfieber
infizierte Personen in eine Reihe von Ländern ausgereist, unter anderem nach Asien, wo
Gelbfieber bisher nicht beobachtet wurde. Die Überträgermücke Aedes aegypti ist in vielen
dicht besiedelten Regionen Asiens weit verbreitet, so dass eine mögliche Einschleppung mit
größeren Ausbrüchen befürchtet wird. Da der Mensch für die Aufrechterhaltung des
Infektionszyklus nicht erforderlich ist, kann die Infektion durch Impfkampagnen und
Surveillance menschlicher Infektionen allein nicht ausgerottet werden.

Klinisches Bild, Diagnose und Management


Der klinische Verlauf ist sehr variabel, wobei die Mehrzahl der Infektionen asymptomatisch
verläuft. Bei symptomatischen Verläufen kommt es nach einer Inkubationszeit von 3-6 Tagen
zu einer akuten fieberhaften Erkrankung mit Schüttelfrost, Kopfschmerzen,
Muskelschmerzen und Übelkeit, ggf. mit Erbrechen. Dabei kann sich eine relative
Bradykardie zeigen. Bei der Mehrzahl der Patienten tritt nach einigen Tagen eine klinische
Besserung ein, bei etwa 15% der Patienten entwickelt sich jedoch eine zweite
Krankheitsphase (auch als toxische Phase bezeichnet), in der häufig Komplikationen wie
Hepatitis mit schweren Gerinnungsstörungen und Blutungen auftreten. Die Diagnose erfolgt
mittels PCR aus dem Blut. Eine spezifische Therapie steht nicht zur Verfügung, so dass die
supportive Therapie von zentraler Bedeutung ist. Es steht eine sichere und hoch wirksame
Lebendimpfung zur Verfügung, die einen lebenslangen Schutz vermittelt.

West Nil

Das West Nil Virus ist ein Flavivirus, das hauptsächlich Vögel infiziert, aber über
verschiedene Mückenarten (u. a. Culex, Aedes) auch auf den Menschen und eine Reihe von
Säugetieren übertragen werden kann. Das West Nil Virus wurde erstmals 1937 in Uganda
isoliert, 1999 traten die ersten Fälle in New York City in den USA auf. Nachdem im Central
Park verendete Vögel auffielen, kam es zu einer Häufung von vor allem älteren Patienten
mit Enzephalitis. Inzwischen ist das Virus in weiten Teilen der USA endemisch, im Jahr 2012
wurden fast 3.000 Fälle gemeldet. In Europa kommt es ebenfalls zu saisonalen Ausbrüchen.
Im Jahr 2015 wurden über 100 Fälle in Europa gemeldet, davon alleine 60 in Italien. Das
West Nil Virus gehört heute zu den am weitesten verbreiteten Arbovirosen, wobei eine hohe
Dunkelziffer vermutet wird.
Klinisches Bild, Diagnose und Management
Die typische Inkubationszeit beträgt 2-14 Tage. Auch bei dem West Nil Virus verläuft die
Mehrzahl der Infektionen asymptomatisch. Bei etwa einem Viertel der Infizierten entwickelt
sich ein fieberhaftes, grippeähnliches Krankheitsbild, mit Abgeschlagenheit, Kopf- und
Gliederschmerzen, Lymphadenopathie und ggf. Exanthem, das etwa 3-6 Tage andauert. Bei
etwa einer von 150 infizierten Personen entwickelt sich eine schwere neuroinvasive
Erkrankung mit Meningitis bzw. Enzephalitis. Symptome können u. a.
Bewusstseinsstörungen, Lähmungen, extrapyramidale Störungen, Sehstörungen oder auch
Krampfanfälle sein. Bei Patienten mit Enzephalitis liegt die Letalität bei etwa einem Drittel,
ein großer Teil der restlichen Patienten muss mit Spätfolgen rechnen. Ansonsten heilt die
Erkrankung in der Regel folgenlos aus. Die Diagnose erfolgt mittels PCR oder serologischen
Tests aus Blut oder Liquor. Eine spezifische Therapie existiert nicht, so dass auch hier die
symptomatische Therapie im Vordergrund steht.

Chikungunya
Der Name Chikungunya kommt aus der Makonde Sprache in Tansania und bedeutet "das
was sich aufkrümmt", was auf die kennzeichnenden Symptome, nämlich schwere Gelenk-
und Muskelschmerzen, hinweist. Das Virus wurde erstmals 1953 während einer Epidemie in
Tansania isoliert. Chikungunya gehört zu der Gattung der Alphaviren und ist in vielen
asiatischen und afrikanischen Ländern verbreitet. Die Erkrankung wird über verschiedene
Aedes Mücken übertragen, hauptsächlich A. aegypti und A. albopictus. Im Jahr 2013
verbreitete sich das Virus auf den Karibik-Inseln, und in der Folge auch in Nord- Zentral- und
Südamerika. In Europa sind bisher Übertragungen aus Italien (2007 mit knapp 200
Erkrankten) und Frankreich, fraglich auch in Spanien, nachgewiesen worden. Im Jahr 2014
wurde das Chikungunya-Fieber laut Robert-Koch-Institut bei 162 Reiserückkehrern in
Deutschland diagnostiziert.

Klinisches Bild, Diagnose und Management

Nach einer Inkubationszeit von 4-7 Tagen kommt es zu einem akuten hochfieberhaften
Infekt. Häufig wird ein sattelförmiger Fieberverlauf beobachtet, mit einer erneuten
Fieberphase nach einem initialen Fieberabfall an Tag 3-4. Begleitend treten Kopf- und
Muskelschmerzen, sowie häufig ein makulopapulöses Exanthem auf, was eine Abgrenzung
zu Dengue-Virus Infektionen erschweren kann. Charakteristisch sind die starken und
anhaltenden Gelenkschmerzen, vor allem der kleinen Gelenke (Fuß-, Knöchel- Hand- und
Fingergelenke). Typisch ist dabei ein symmetrischer Gelenkbefall mit deutlichen
Entzündungszeichen. Die Gelenkbeschwerden persistieren oft für Monate oder sogar Jahre.
Schwere Verläufe und Todesfälle sind selten und kommen vor allem bei älteren Personen
und schweren Komorbiditäten vor. Der klinische Verdacht ergibt sich bei der Kombination
aus Fieber und ausgeprägten Arthralgien in Endemiegebieten. In der frühen
Krankheitsphase erfolgt die Diagnose mittels PCR aus dem Blut, danach serologisch durch
den Nachweis spezifischer Antikörper. Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht. Es
erfolgt eine symptomatische Therapie mit nicht steroidalen Antirheumatika, die bei
persistierenden Gelenkschmerzen zum Teil über längere Zeit erforderlich sind.

Literatur
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