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28 Impfungen

Vorbemerkungen
Impfungen gehören zu den wirksamsten und wichtigsten präventiven medizinischen Maßnahmen.
Moderne Impfstoffe sind gut verträglich; gravierende Nebenwirkungen oder Impfschäden werden
nur in sehr seltenen Fällen beobachtet. Unmittelbares Ziel einer Impfung ist es, den Geimpften vor
einer bestimmten Krankheit zu schützen. Hohe Impfquoten führen aber auch dazu, dass
Krankheitserreger regional eliminiert werden können und möglicherweise auch weltweit ausgerottet
werden.

Die Impfleistung des Arztes umfasst neben der Impfung:

 Informationen über den Nutzen der Impfung und die zu verhütende Krankheit
 Hinweise auf mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Komplikationen
 Erheben der Anamnese und der Impfanamnese einschließlich der Befragung über das
Vorliegen möglicher Kontraindikationen
 Feststellen der aktuellen Befindlichkeit zum Ausschluss akuter Erkrankungen
 Empfehlungen über Verhaltensmaßnahmen im Anschluss an die Impfung
 Aufklärung über Beginn und Dauer der Schutzwirkung
 Hinweise zu Auffrischimpfungen
 Dokumentation der Impfung im Impfausweis bzw. Ausstellen einer Impfbescheinigung

Impfungen nach dem Impfkalender

Der Impfkalender für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene (s. Abbildung 9.28.1) umfasst
Impfungen zum Schutz vor Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Haemophilus influenzae Typ B,
Poliomyelitis, Hepatitis B, Pneumokokken, Meningokokken (Serotyp C), Masern, Mumps, Röteln,
Varizellen, Influenza, humane Papillomaviren und Rotaviren.

Nach der im Säuglings- und Kindesalter vollständigen und zeitgerecht abgeschlossenen


Grundimmunisierung sind Auffrischimpfungen nötig, um den Impfschutz lebenslang zu erhalten.
Außerdem können individuelle Besonderheiten (z. B. Immunsuppression, chronische Erkrankungen,
Auslandsreisen, etc.) zusätzliche Impfungen erforderlich machen.

Anmerkungen zu den im Impfkalender aufgeführten Schutzimpfungen:


Diphtherie
ab einem Alter von 5-6 Jahren (je nach Hersteller) wird ein Impfstoff mit reduziertem Toxoid-Gehalt
(d) verwendet. Bei Erwachsenen sollte alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung erfolgen.

Ungeimpfte Personen sollten zwei Impfungen im Abstand von 4-8 Wochen und eine 3.Impfung nach
weiteren 6-12 Monaten erhalten. Der Impfstoff ist nur noch in Kombination mit Tetanus, sowie
teilweise Pertussis und / oder Poliomyelitis erhältlich.

Haemophilus influenzae Typ B


Ab einem Alter von 5 Jahren ist eine Hib-Impfung nur in Ausnahmefällen (z. B. vor oder nach
Splenektomie) indiziert.
Hepatitis B (Siehe auch Kapitel Hepatitis B 6.5)
Serologische Vor- bzw. Nachtestungen zur Kontrolle des Impferfolgs sind bei der
Grundimmunisierung im Kindes- und Jugendalter nicht erforderlich. Eine Auffrischimpfung nach
Impfung im Säuglings- und Kleinkindalter ist derzeit für Kinder und Jugendliche nicht generell
empfohlen. Bei Personen, die in der Kindheit gegen Hepatitis B geimpft wurden, sollte eine HB-
Auffrischimpfung nur dann durchgeführt werden, wenn für diese Person ein neu aufgetretenes
Hepatitis-B-Risiko besteht. Anschließend sollte eine serologische Kontrolle 4 bis 8 Wochen nach der
Impfung erfolgen. Wenn dann ein Anti-HBs-Titer >100 IE/l festgestellt wird, kann von einem
lebenslanges Schutz ausgegangen werden, sofern keine humorale Immundefizienz besteht oder im
Verlauf auftritt.

Bei beruflichem Risiko für eine Hepatitis B Infektion gelten die entsprechenden arbeitsmedizinischen
Richtlinien, die je nach Berufsgruppe von dem oben Genannten abweichen.

Humane Papillomviren
Zur Reduktion der Krankheitslast durch Gebärmutterhalskrebs ist eine generelle Impfung gegen
humane Papillomviren (HPV-Typen 16, 18) für alle Mädchen im Alter von 9 – 14 Jahren empfohlen.
Spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sollen versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt
werden. Die vollständige Impfserie sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein.

Masern, Mumps, Röteln


Die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln sollte mit einem Kombinationsimpfstoff (MMR-
Impfstoff) durchgeführt werden, in der Regel im Alter von 11 – 14 Monaten.

Bis zum Ende des 2. Lebensjahres soll auch die 2. MMR-Impfung erfolgt sein, um den frühestmögli -
chen Impfschutz zu erreichen.

Empfohlen wird eine einmalige MMR-Impfung auch für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit
unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit, ins besondere wenn
sie im Gesundheitsdienst, in der Betreuung von Immundefizienten bzw. -supprimierten oder in
Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten.

Influenza
Empfohlen wird die jährliche Impfung im Herbst mit einem Impfstoff mit aktueller, von der
Weltgesundheitsorganisation empfohlener Antigenkombination als Standardimpfung aller Personen
ab 60 Jahre sowie als Indikationsimpfung bei:

 Allen Schwangeren ab dem 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge


eines Grundleidens ab 1. Trimenon
 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines
Grundleidens, wie z. B.:
o chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma und COPD)
o chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten
o Diabetes mellitus und andere Stoffwechselkrankheiten
o chronische neurologische Krankheiten, z. B. Multiple Sklerose
 Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz mit T- und/oder B-zellulärer
Restfunktion bzw. Immunsuppression
 HIV-Infektion
 Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
 Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt mit den oben genannten
Personengruppen leben

Die jährliche Impfung wird auch dann empfohlen, wenn die Antigenzusammensetzung des Impfstoffs
gegenüber der vorhergehenden Saison unverändert ist. Bei Hühnereiweißallergie ist die Impfung
kontraindiziert.

Meningokokken C
Empfohlen ist die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C mit einer Impfstoffdosis eines
konjugierten Meningokokken-C-Impfstoffs für alle Kinder möglichst früh im 2. Lebensjahr. Primäres
Impfziel ist es, die Morbidität invasiver Meningokokken-Erkrankungen der Serogruppe C und
resultierende Folgen wie Hospitalisierung, schwere Komplikationen, Behinderung und Tod zu
reduzieren. Ein zweiter niedrigerer Inzidenzgipfel der Erkrankung besteht in Deutschland für
Jugendliche. Eine fehlende Impfung soll bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Poliomyelitis
Zum Schutz vor der Poliomyelitis sollte ein zu injizierender Impfstoff, inaktivierte Polio-Vakzine (IPV),
eingesetzt werden (ggf. als Kombinationsimpfstoff). Im Alter von 9 – 17 Jahren wird für Jugendliche
eine Auffrischimpfung mit einem Impfstoff, der IPV enthält, empfohlen. Danach ist eine Auffrischung
nur dann nötig, wenn eine Reise in ein Endemiegebiet geplant ist.

Pertussis
Die Grundimmunisierung von Säuglingen und Kleinkindern sollte zum frühestmöglichen Zeitpunkt, d.
h. unmittelbar nach Vollendung des 2. Lebensmonats, beginnen und zeitgerecht fortgeführt werden.
Auffrischimpfungen werden im Alter von 5 – 6 Jahren und 9 – 17 Jahren empfohlen. Ab dem Alter
von 5 – 6 Jahren werden sowohl zur Auffrischimpfung als auch für eine ggf. nachzuholende
Grundimmunisierung Impfstoffe mit reduziertem Pertussis-Antigengehalt (ap statt aP, azelluläre
Pertussis mit niedrigerem (p) bzw, hohem (P) Antigengehalt) verwendet. Für alle Erwachsenen ist
empfohlen, die nächste fällige Td-Impfung (T = Tetanus, d = Diphterie) einmalig als Tdap-
Kombinationsimpfung zu verabreichen, bei entsprechender Indikation als Tdap-IPV-
Kombinationsimpfung. Bei einigen Personengruppen wird eine Auffrischung alle 10 Jahre empfohlen.

Pneumokokken
Primäres Impfziel der generellen Impfung aller Kinder bis zum Alter von 24 Monaten mit einem
Pneumokokken-Konjugatimpfstoff ist es, die Morbidität invasiver Pneumokokken-Erkrankungen und
die daraus entstehenden Folgen wie Hospitalisierung, Behinderung und Tod zu reduzieren. Säuglinge
erhalten insgesamt 3 Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 11 – 14 Monaten (sogenanntes 2+1-
Impfschema). Zwischen der 1. und 2. Dosis soll ein Abstand von 2 Monaten und zwischen der 2. und
3. Dosis ein Mindestabstand von 6 Monaten eingehalten werden.

Für Personen ≥ 60 Jahre wird als Standardimpfung die einmalige Impfung gegen Pneumokokken mit
einem Pneumokokken-Polysaccharidimpfstoff empfohlen. Bei einigen immunsupprimierenden
Erkrankungen wird eine initiale Impfung mit einem 13-valenten Konjugatimpfstoff empfohlen, nach
sechs bis zwölf Monaten sollte eine Auffrischimpfung mit einem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff
erfolgen. Bei Personen mit Risikofaktoren sollte nach 6 Jahren eine Wiederholungsimpfung
durchgeführt werden.
Rotaviren
Bei der Impfung gegen Rotaviren (RV) handelt es sich um eine Schluckimpfung mit einem oralen
Lebendimpfstoff. Je nach verwendetem Impfstoff werden ab dem Alter von 6 Wochen 2 bzw. 3
Dosen in einem Mindestabstand von 4 Wochen verabreicht. Es besteht ein möglicherweise
geringfügig erhöhtes Risiko für Darminvaginationen innerhalb der 1. Woche nach der 1. RV-Impfung,
das mit dem Alter der Impflinge zunimmt. Daher muss die Impfserie frühzeitig – spätestens bis zum
Alter von 12 Wochen – begonnen werden und vorzugsweise bis zum Alter von 16 Wochen bzw. von
20 – 22 Wochen (je nach Hersteller) abgeschlossen sein. Die Impfserie muss für den Impfstoff
Rotarix® auf jeden Fall bis zum Alter von 24/32 Wochen abgeschlossen sein.

Tetanus
Jede Auffrischimpfung mit Td (auch im Verletzungsfall) sollte Anlass sein, die Indikation für eine
Pertussis-Impfung zu überprüfen und gegebenenfalls einen Kombinationsimpfstoff (Tdap)
einzusetzen; bei entsprechenden Indikationen Tdap-IPV.

Varizellen
Die 1. Dosis der Impfung gegen Varizellen wird in der Regel im Alter von 11 – 14 Monaten
verabreicht, und zwar entweder simultan mit der 1. MMR-Impfung oder frühestens 4 Wochen nach
dieser. Es besteht bei der Erstimpfung ein leicht erhöhtes Risiko von Fieberkrämpfen 5 – 12 Tage
nach der Gabe des kombinierten MMRV-Impfstoffs im Vergleich zur simultanen Impfung mit
Varizellen- und MMR-Impfstoff. Die 2. Impfung gegen Varizellen sollte im Alter von 15 – 23 Monaten
verabreicht werden und kann mit einem MMRV-Kombinationsimpfstoff erfolgen

Bei allen ungeimpften Kindern und Jugendlichen ohne Varizellen-Anamnese sollte die Varizellen-
Impfung mit 2 Impfstoffdosen nachgeholt werden. Der Mindestabstand zwischen 2 Dosen Varizellen-
bzw. MMRV-Impfstoff beträgt 4 – 6 Wochen (je nach Hersteller, Fachinformation beachten). Kinder
und Jugendliche, die bisher nur eine Varizellen-Impfung erhalten haben, sollen eine 2. Impfung
bekommen.
Abbildung 9.28.1: Impfkalender (Quelle: Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin Nr. 34 vom 29. August 2016)
Indikationsimpfungen
Neben den Standardimpfungen des Impfkalenders können Indikationsimpfungen bei besonderer
epidemiologischer Situation oder Gefährdung angezeigt sein.

Hierzu zählen Impfungen bei beruflicher Gefährdung, postexpositionell, vor Reisen oder
Indikationsimpfungen bei individuell erhöhtem Risiko, wie z. B. bei Immunsuppression oder eine
erfolgte Splenektomie.

Anmerkungen zu den einzelnen Indikationsimpfungen

Cholera
Es handelt sich um eine Schluckimpfung mit einem 2x zu verabreichendem Totimpfstoff. Die Impfung
ist nur in Ausnahmefällen erforderlich, z. B. bei Einsätzen in Katastrophengebieten und bei akuten
Ausbrüchen; es besteht keine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation für Touristen.

Der Impfstoff ist auch wirksam gegen das „cholera-like-toxin“ enterotoxischer E. coli-Bakterien, so
dass Reisedurchfälle, die durch diesen Erreger bedingt sind, verhindert werden. Die derzeitige
Datenlage belegt eine Verringerung der Durchfallrate von unter 30%.

Bei Reisenden (z. B. Kleinkindern, Patienten mit M. Crohn etc.) bei denen auch eine geringe
Reduzierung von Durchfällen sinnvoll ist, kann diese Impfung „off Label“ verabreicht werden.

Frühsommer-Meningoenzephalitis
Personen, die in FSME-Risikogebieten leben, arbeiten oder reisen (Saison: April bis November), wird
die Impfung empfohlen und erfolgt nach den Angaben des Herstellers.

FSME-Erkrankungen bei Kindern verlaufen im Allgemeinen leichter als bei Erwachsenen, vorwiegend
unter dem Bild einer Meningitis, seltener unter dem Bild einer Enzephalitis. Nur in Einzelfällen gibt es
neurologische Restschäden.

Da Fieberreaktionen von > 38°C bei 1- bis 2-jährigen Kindern im Rahmen der Impfung bei 15 %
beobachtet wurden (gegenüber 5 % bei 3- bis 11-jährigen Kindern), wird vor der Impfung von
Kindern unter 3 Jahren eine besonders sorgfältige Indikationsstellung gemeinsam mit den Eltern
empfohlen.

Bei Erwachsenen über 60 Jahren ist der Impferfolg nicht sicher. Gegebenenfalls sollte eine
Antikörper-Kontrolle nach 2 bis 3 Monaten erfolgen.

Die Impfung ist auch gegen das in Russland endemische RSSE-Virus und den fernöstlichen Typ
wirksam.

Gelbfieber
Die Gelbfieberimpfung wird bei Reisen in Gelbfieber-Endemiegebiete (Tropisches Afrika und
Südamerika, nicht Asien) empfohlen und ist in einigen Ländern Einreisevorschrift. Die
Weltgesundheitsorganisation hat 2014 nach Bewertung der verfügbaren Evidenz festgelegt, dass
nach einmaliger Gelbfieber-Impfung von einem lebenslangen Schutz auszugehen ist. Die bisherige
Regelung, dass eine Gelbfieber-Impfbescheinigung nur 10 Jahre gültig ist und die Impfung danach zu
wiederholen ist, entfällt somit.
Folgende Personengruppen können eventuell trotzdem von einer Auffrischimpfung profitieren, da
bei ihnen die Immunantwort abgeschwächt sein kann und deshalb nach einmaliger Impfung
möglicherweise kein lebenslanger Schutz besteht:

 Kinder, die im Alter < 2 Jahren erstmals geimpft wurden, insbesondere wenn gleichzeitig eine
MMR-Impfung stattgefunden hat
 Frauen, die in der Schwangerschaft geimpft wurden
 HIV-Infizierte

Folgende Anwendungseinschränkungen bestehen:

 Schwere neurotrope und viscerotrope Nebenwirkungen konnten insbesondere bei älteren


Personen festgestellt werden. Diese sind wohl durch immunmodulierende Wirtsfaktoren
verursacht. Dies gilt nur für die Erstimpfung, so dass hier eine strenge Risikoabwägung
erforderlich ist.
 In der Schwangerschaft ist der Impfstoff nur relativ kontraindiziert, er sollte aber möglichst
erst nach dem 1. Trimenon angewendet werden.
 Absolut kontraindiziert ist der Impfstoff bei Hühnereiweißallergie und unter
immunsuppressiver Therapie bzw. bei Immundefizienz.
 Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt ist bei HIV-Infizierten eine Impfung erst bei
einer CD4-Zellzahl von über 200/µl möglich.

Haemophilus influenzae Typ B


Die Impfung ist für alle Patienten mit anatomischer oder funktioneller Asplenie indiziert, wobei die
Notwendigkeit einer etwaigen Auffrischimpfung derzeit noch unklar ist.

Hepatitis A
siehe Kapitel Hepatitis A 6.3

Japanische Enzephalitis
Für Reisende mit einem längerfristigen Aufenthalt in Endemiegebieten und für Reisende mit hoher
Exposition (Übernachtung im Freien in ländlichen Gebieten) ist eine zweimalige Impfung im Abstand
von 4 Wochen mit einem Schutz von 2 Jahren indiziert.

Meningokokken ACWY
Die Impfung ist besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung (z. B.
Entwicklungshelfer, Katastrophenhelfer, medizinisches Personal, bei Langzeitaufenthalt) indiziert.

 Bei Reisen in den afrikanischen Meningokokkengürtel (s. Abbildung 9.28.2)


 Bei Reisen in Gebiete mit aktuellen Ausbrüchen
 Schüler/Studenten vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit empfohlener allgemeiner
Impfung für Jugendliche oder selektiver Impfung.
 für einige andere Personengruppen besteht ebenfalls eine Empfehlung (Immunsuppression,
Asplenie, etc.).
 vor Pilgerreise nach Mekka (Hadj, Umrah) ist sie Einreisevorschrift

Die 4-valenten ACWY-Konjugatimpfstoffe sind in Deutschland je nach Hersteller ab dem Alter von 1
Jahr bzw. ab dem Alter von 2 Jahren zugelassen.
Abbildung 9.28.2: Meningokokkengürtel in Afrika (Quelle: WHO 2012)
Tetanus- Postexpositionsprophylaxe im Verletzungsfall
s. Abbildung 9.28.3

Abbildung 9.28.3: Tetanus-Postexpositionsprophylaxe im Verletzungsfall (Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches


Bulletin Nr. 34, 29. August 2016)

Tollwut
Geimpft werden sollten:

 Tierärzte, Jäger, Forstpersonal und andere Personen bei Umgang mit Tieren in Gebieten mit
neu aufgetretener Wildtiertollwut
 Personen mit beruflichem oder sonstigem engen Kontakt zu Fledermäusen
 Laborpersonal mit Expositionsrisiko gegenüber Tollwutviren
 Reisende in Regionen mit hoher Tollwutgefährdung und möglicherweise im Land nicht zur
Verfügung stehendem Impfstoff in Abhängigkeit vom Reisestil
 Personen mit weiter bestehendem Expositionsrisiko sollten regelmäßig eine
Auffrischimpfung erhalten.

Das jeweilige Impfschema ist abhängig nach den Empfehlungen der jeweiligen Hersteller.

Nach neueren Daten persistieren neutralisierende Antikörper und das immunologische Gedächtnis
mit rascher Boosterfähigkeit länger als 10 Jahre. Die WHO empfiehlt deshalb keine Boosterung nach
abgeschlossener Grundimmunisierung.

Tollwut-Postexpositionsprophylaxe:
Da eine Infektion mit dem Tollwutvirus immer tödlich verläuft, ist die Indikation zur
postexpositionellen Impfung großzügig zu stellen.

Abbildung 9.28.4: Empfehlungen zur Postexpositionsprophylaxe bei Tollwut-Exposition (Quelle: Robert Koch-Institut:
Epidemiologisches Bulletin Nr. 34 vom 29. August 2016)

Typhus
Empfohlen ist die Impfung bei Reisen in Gebiete mit hoher Inzidenz. Es steht ein oraler
Lebendimpfstoff (Impfschutz ein Jahr) und ein parenteraler Totimpfstoff (Impfschutz drei Jahre), zur
Verfügung. Der Impferfolg beträgt für beide Impfstoffe nur ca. 50%.

Allgemeine Hinweise
Über Impfungen, insbesondere wenn diese nicht nach dem aktuell gültigen Impfkalender appliziert
werden, ist der Patient aufzuklären. Jede Impfung, aber auch jede Impfreaktion oder
Impfkomplikation, ist sorgfältig zu dokumentieren; in der Regel erfolgt dies auch im Impfpass des
Patienten.

Kontraindikationen
 Bei der Influenza- und der Gelbfieberimpfung stellt die Hühnereiweißallergie eine
Kontraindikation dar.
 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit akuten behandlungsdürftigen Erkrankungen sollten
frühestens zwei Wochen nach Genesung geimpt werden.
 Banale Infekte, auch wenn diese mit subfebrilen Temperaturen (bis 38,5°C) einhergehen,
sind keine Kontraindikation für eine Schutzimpfung.

Unvollständige Impfungen
 Wurde eine Grundimmunisierung nicht vollständig abgeschlossen, so ist bei der
Vervollständigung jede bereits applizierte Impfung zu berücksichtigen, unabhängig davon ob
diese auch viele Jahre zurückliegt („Jede Impfung zählt!“).
 Die für die jeweiligen Impfungen angegebenen Abstände stellen Mindestabstände dar und
sollten nicht unterschritten werden.
Impfabstände
Für die Abstände zwischen unterschiedlichen Impfungen wird zwischen Lebend- und Totimpfstoffen
unterschieden:

 Für Lebendimpstoffe gilt: eine synchrone Applikation mehrerer Lebendimpfstoffe ist möglich,
eine metachrone Applikation sollte bei viralen Lebendimpfstoffen frühestens nach 4 Wochen
erfolgen.
 Bei Totimpfstoffen gilt: eine Einhaltung von Mindestabständen zu anderen Impfungen, egal
ob Tot- oder Lebendimpfstoff ist nicht erforderlich.
 Ausnahme: Beim Auftreten von Impfreaktionen sollten diese vor einer erneuten Vakzinierung
vollständig abgeklungen sein.

Die aufgeführten Impfempfehlungen beruhen auf denen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am
Robert-Koch-Institut (RKI). Quelle: Epidemiologisches Bulletin Nr. 34 vom 29. August 2016. Über die
Internetseiten www.rki.de /Impfen sind sie in ihrer jeweils aktualisierten Form abrufbar.