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Fränkische Sprachen

Als fränkische Sprachen werden die westgermanischen Sprachen und Dialekte bezeichnet, die von den
Franken zu der Zeit ihrer Ethnogenese (3. Jh.) gesprochen wurden oder sich aus den im Norden und Osten des
späteren Fränkischen Reichs (5.–9. Jh.) gesprochenen fränkischen Mundarten entwickelt haben.

Dazu zählen:

die historischen Sprachen der Salfranken, der Rheinfranken (→ Herkunft des Ripuarischen Dialekts) und
der von diesen abstammenden Moselfranken (→ moselfränkische Dialekte)
die sich von diesen frühen fränkischen Sprachen bzw. Dialekten herleitenden in der heutigen Zeit
gesprochenen Mundarten in Deutschland, den Beneluxstaaten und Lothringen – im weitesten Sinne als
Niederfränkisch und Westmitteldeutsch (mit den darin enthaltenen ripuarischen, moselfränkischen und
rheinfränkischen Dialekten) bezeichnet
Rhein-Maasländisch, eine Schrift- und Kanzleisprache, die im Mittelalter im deutsch-niederländischen
Rhein-Maas-Dreieck gebraucht wurde
moderne mitteleuropäische Sprachen (mit der Einschränkung, dass diese in unterschiedlicher Prägung
auch Elemente anderer germanischer Dialekte in sich aufgenommen haben), u. a.:
Deutsch: Mit der zweiten Lautverschiebung entwickelte sich aus der altfränkischen Sprache das
Althochdeutsche und in weiteren Entwicklungsstufen – in die auch andere deutsche Mundarten
einflossen – ab dem 17. Jahrhundert das Neuhochdeutsche bis zur heutigen Standardsprache.
Niederländisch und Afrikaans
Luxemburgisch: Der Status als eigene Sprache ist in erster Linie politisch motiviert und nach
strukturlinguistischen Kriterien eigentlich „nur“ eine Variante des Moselfränkischen.
(deutsche) Mundarten, deren jeweilige Zuordnung zu den fränkischen Sprachen im ursprünglichen
Sinne nicht ganz geklärt ist, u. a.:
die sog. „Siedlerdialekte“, z. B. das trotz seines missverständlichen Namens fränkische
Siebenbürgisch-Sächsisch (Rumänien)
die hoch- bzw. oberfränkischen (nordoberdeutschen) Dialekte, bestehend aus ostfränkischen
(das umgangssprachlich als „klassisch“ bezeichnete Fränkisch) und süd(rhein)fränkischen
Dialekten, werden in Franken sowie in angrenzenden Gebieten in dem Übergangsbereich
vom mitteldeutschen zum oberdeutschen Dialektraum gesprochen.

Unter Sprachwissenschaftlern gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob diese heutzutage


als „fränkisch“ bezeichneten Mundarten sprachgeschichtlich einer Entwicklung aus dem
Altfränkischen zugeordnet werden können.

Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte
1.1 Frühe fränkische Mundarten
1.2 Von frencisk zu diutisk zum platten Duytsche
2 Gliederung fränkischer Sprachen, Dialekte und Mundarten
2.1 Fränkisch am Niederrhein, in den Niederlanden und in Belgien
2.2 Fränkisch im Mitteldeutschen
2.3 Ostfränkisch und Südfränkisch
3 Literatur
4 Einzelnachweise
5 Weblinks

Geschichte
Die Franken (sinngemäß „die Mutigen, Kühnen“)
bildeten im 3. Jahrhundert während des Rückzuges der
Römer aus dem besetzten Teil Germaniens einen der
germanischen Großstämme, aus dem später das Volk
der Franken entstand.[1]

Die Bedeutung des neuhochdeutschen frank im Sinne


von „frei“ entstand hingegen zur Zeit der Merowinger
im romanisierten Herrschaftsgebiet der Franken und
beruht vermutlich ihrerseits auf dem Stammesnamen.
Im Gegensatz zum Römer oder Gallier war „der
fränkische Mann“ schlichtweg „der Freie“, woraus
sich Franc als Substantiv und franc als Adjektiv
herleiteten. Erst im 15. Jahrhundert wurde die
deutsche Bedeutung „frei“ aus dem Französischen
Ausbreitung von Salfranken und Rheinfranken bis zum
entlehnt.
5./6. Jahrhundert
Die (proto)-fränkischen Stämme siedelten zunächst
rechts des Rheins und stießen immer wieder zu
Raubzügen in gallo-römisches Gebiet vor. Aus den vom unteren Niederrhein bis zum Salland an der IJssel
siedelnden Stämmen bildete sich der Teilstamm der Salfranken, auch Salier genannt. Die vom Großraum Köln
über den Mittelrhein bis zur Lahn siedelnden Stämme gingen nach und nach in den Rheinfranken und von
diesen abstammenden Moselfranken auf. Salfranken und Rheinfranken expandierten zunächst räumlich
getrennt, bis sie im 5. Jahrhundert unter dem Merowinger Chlodwig I. vereinigt wurden.[2]

Frühe fränkische Mundarten

Die niederfränkischen Mundarten in den Niederlanden, Belgien und in der deutschen Region Niederrhein
werden auf Dialekte des Salfränkischen zurückgeführt. Das im Großraum Köln (Kölsch) – Bonn (Bönnsch) –
Aachen (Öcher Platt) gesprochene Ripuarisch sowie das im Moselgebiet über Trier bis Luxemburg gesprochene
Moselfränkisch zählen zum heute so bezeichneten Mittelfränkischen. Das weiter südlich gesprochene
Rheinfränkisch, insbesondere aber die oberdeutschen fränkischen Dialekte (Süd-, Ostfränkisch) gerieten unter
den starken Einfluss alemannischer und, im Falle des Ostfränkischen, bairischer Dialekte. Sie haben mehr
Gemeinsamkeiten mit den südlichen Nachbarmundarten als mit den ursprünglichen fränkischen Idiomen. Sie
werden deshalb mit jenen auch zu den oberdeutschen Dialekten zusammengefasst. Dies dürfte allerdings auch
daran liegen, dass diese Regionen vor der fränkischen Eroberung und Kolonisierung von alemannischen und
bairischen Siedlern, aber auch anderen Überbleibseln der Völkerwanderung besiedelt worden waren, die im
Rahmen der Eingliederung ins Fränkische Reich nicht einfach vertrieben, sondern in dieses integriert wurden,
wodurch sich die oberdeutschen Mischdialekte der fränkischen Neusiedler und der unterworfenen Altsiedler
elbgermanisch-suebischer Herkunft gebildet haben dürften.

Historisch gab es (ab dem 5./6. Jahrhundert) eine Gleichsetzung der Begriffe Rheinfranken und Ripuarier. Dies
kann aber nicht auf die heutigen Mundarten bezogen werden, denn nur noch die im Raume zwischen dem
Westbergischen und Köln – Bonn – Aachen gesprochenen Dialekte werden Ripuarisch genannt. Der Terminus
Rheinfränkisch wird für die fränkischen Mundarten oberhalb des Mittelrheines im Gebiet der Mainmündung
und in dessen Oberlauf bis Osthessen verwendet.

Das große Ausbreitungsgebiet der fränkischen Mundarten zeigt die Bedeutung des Fränkischen für die
Herausbildung einer gemeinsamen deutschen Verkehrssprache. Unter der Herrschaft der Franken bildete sich
das mittelalterliche deutsche Staatswesen heraus, es entstanden Kanzlei- und Ausgleichssprachen zwischen den
verschiedenen Stammesterritorien. Die Franken waren es auch, die sämtliche im (ost)fränkischen Reichsgebiet
siedelnden westgermanischen Großstämme einten und somit den Grundstein für die Herausbildung eines
gemeinsamen deutschen Volkes legten. Die anderen im heutigen deutschen Sprachgebiet siedelnden
germanischen Stämme – die Sachsen (Alt-, heute Niedersachsen, nicht jedoch die Bewohner im gleichnamigen
Bundesland), Baiern (oder Bajuwaren), Alemannen (früher einheitlich Sueben bzw. Schwaben), Hessen und
Thüringer (deren ursprüngliche Sprachen weitgehend
verlorengingen) – übernahmen strukturgebende
Elemente aus der fränkischen Sprache und
beeinflussten das Fränkische rückwirkend weit über
seine Randgebiete hinaus.

Durch die Entstehung diverser Mischmundarten verlor


das Fränkische seine Einheitlichkeit. Die seit dem 6.
Jahrhundert von Süden her vordringende
Hochdeutsche Lautverschiebung hob aus dem zuvor
einheitlichen Sprachraum verschiedene
Dialektregionen mit unterschiedlichem Lautstand
heraus. Das führte zu einer Auffächerung fränkischer
Mundarten in niederdeutsche, mitteldeutsche und
oberdeutsche Varianten. Diese Einteilung,
insbesondere die zwischen Mitteldeutsch und
Niederdeutsch, sagt jedoch nichts über das
Verwandtschaftsverhältnis der jeweiligen Mundarten
im Grenzgebiet aus. Diese Gliederung folgt rein Verbreitung der fränkischen Sprachen und Dialekte im
lauttechnischen Gesichtspunkten, während der niederländischen und niederdeutschen (gelb), mitteldeutschen
Wortschatz in den mittel- und niederfränkischen (grün) und oberdeutschen (blau) Sprachraum
Dialekten noch heute weitgehend übereinstimmt.

Die Unterscheidung der fränkischen Idiome nach dem Lautstand bzw. dem Grad des Vordringens der 2.
Lautverschiebung führte zu einer allgemein akzeptierten Grobeinteilung (Rheinischer Fächer). Dennoch fällt
die Grenzziehung schwer, weil im Übergangsgebiet zwischen Mittel- und Oberdeutsch bzw. Mittel- und
Niederdeutsch oft mehrere Lautvarianten in ein und derselben Gegend parallel verwendet werden (Beispiele:
mitteldt. Pund – oberdt. Pfund; mitteldt. lafe ‚laufen‘ – niederdt. lope; mitteldt. losse ‚lassen‘ – niederdt. late).

Von frencisk zu diutisk zum platten Duytsche

Die frühen Franken nannten ihre Sprache schlicht frencisk oder frencisg,[3] wenngleich in den unterschiedlichen
Regionen die Mundarten – wie heutzutage – differierten und sich weiterentwickelten. Es gibt nur wenige
schriftliche Quellen zur Sprache der frühen Franken. Ein altfränkischer Satz, der aus der Merowingerzeit
überliefert ist, stammt aus dem fränkischen Volksrecht des 6. bis 8. Jahrhunderts (der Lex Salica und der Lex
Ripuaria):[4]

Maltho thi afrio lito


Wörtlich: „[Ich] melde dich dir erfreie Late“
Sinngemäß: „[Ich] verkünde dir, ich mache dich frei, Halbfreier“

Als sich der westfränkische Teil des Frankenvolkes (im heutigen Frankreich und Wallonien) sprachlich vom
östlichen Teil (in den heutigen Benelux-Ländern und Deutschland) zu trennen begann, kam es zu Konflikten
mit der Bezeichnung frencisk (fränkisch). Die Westfranken, die allmählich die galloromanische Sprache, eine
spezielle Sprachform des Lateinischen,[5] übernommen hatten, beanspruchten den Begriff francaise
(französisch) für ihre neue Sprache, das Altfranzösische.

Im Ostfrankenreich setzte sich ein neuer Begriff für die eigene Sprache durch: diutisk (deutsch).[6] Dieser
Begriff war entlehnt aus der altgermanischen Bezeichnung theodo für „Volk“ und taucht in lateinischen
Schriften des frühen Mittelalters als theodisca lingua auf, was so viel wie „Volkssprache“ bedeutet.[7] Zunächst
nur auf die Sprache des Volkes bezogen, bekam der Wortstamm um das Jahr 1000 herum auch die Bedeutung
für das Volk an sich – und zwar nicht nur für das Volk fränkischen Ursprungs, sondern für alle germanischen
Ethnien im Fränkischen Reich. Dies galt auch für Luxemburger, Flamen und Niederländer, die sich bis zur
Reichstrennung nach der Abdankung von Kaiser Karl V. (1500 bis 1558) auch als Deutsche bzw.
Niederdeutsche bezeichneten (vgl. den Begriff Dutch im Englischen für „Niederländer“).
Auf ostfränkischer (deutscher) Seite kam es zu einer Bezeichnung walhisc (Welsch, ursprünglich für einen
Stamm der Gallier) für die gallo-römische Bevölkerung im westfränkischen Reich, einschließlich der jetzt
romanisierten Westfranken. Die Bedeutung „Fremdsprachiger“ bzw. „Fremdling“ für Welscher hielt sich in
Deutschland bis in die Neuzeit (siehe auch Kauderwelsch und Rotwelsch).

Auf westfränkischer (französischer) Seite kam es zur Unterscheidung von den Bewohnern des
Ostfrankenreiches zur Bezeichnung allemant (für „die Deutschen“, abgeleitet vom germanischen Stamm der
Alamannen). Diese Bezeichnung besteht – in abgewandelten Formen – in vielen Ländern fort.[8]

Aus der Zeit der sprachlichen Trennung der (jetzt französischen) Westfranken von den (jetzt deutschen /
niederländischen / flämischen) Franken im Ostreich gibt es ein wichtiges Sprachzeugnis: die Straßburger Eide
des Jahres 842. Sie besiegelten das Bündnis Karls des Kahlen und Ludwigs des Deutschen, zweier Enkel Karls
des Großen, gegen ihren Bruder Lothar. Weil das Gefolge die Sprache der jeweiligen anderen Seite nicht
(mehr) verstand, wurden die Eide in zwei Sprachen geleistet – in einer Vorläuferform von Altfranzösisch (der
Sprache Karls) und in Altfränkisch (der Sprache Ludwigs).[9] Der altfränkische Eidestext lautete:

In godes minna ind in thes christanes folches ind unser bedhero gehaltnissi fon thesemo dage
frammordes so fram so mir got geuuizci indi mahd furgibit so haldih thesan minan bruodher soso man
mit rehtu sinan bruodher scal in thiu thaz er mig so sama duo indi mit ludheren in nohheiniu thing ne
gegango the minan uillon imo ce scadhen uuerdhen.

„Für die Liebe Gottes und des christlichen Volkes und unser aller Erlösung, von diesem Tage an, soweit
mir Gott Wissen und Können gibt, werde ich meinem Bruder Karl beistehen, sowohl in der Hilfeleistung
als auch in jeder anderen Angelegenheit, so wie man seinem Bruder beistehen soll, auf dass er mir
genauso tue, und ich werde niemals ein Abkommen mit Lothar treffen, das willentlich meinem Bruder
Karl zum Schaden sei.“

Auf das späte 11. Jahrhundert wird ein


berühmter „Heiratsantrag“ datiert, der oft als
frühestes „echt“ altniederländisches
(altniederfränkisches) Schriftdokument gilt:
Hebban olla vogala – ein lateinisch-
fränkischer Reimvers:[10]

Hebban olla vogala nestas hagunnan


hinase hic enda thu uuat unbidan uue nu
„Haben alle Vögel Nester begonnen es-
nicht-sei ich und du, was unbieten wir
nun“
sinngemäß: „Haben alle Vögel Nester
begonnen außer mir und dir, was warten
wir nun“

Erst die Schriftdokumente aus dem 14. bis 16.


Jahrhundert sind für heutige Leser dem Sinne
nach eher verständlich. Im deutsch-
niederländischen Rhein-Maas-Dreieck hatte
sich zu dieser Zeit – im niederfränkischen
Sprachraum – eine Schrift- und Lage des Rhein-Maasländischen
Kanzleisprache herausgebildet, die das bislang
für schriftliche Erlasse vorrangig verwendete
Latein ablöste: Rhein-Maasländisch.[11]

Hier ein Beispiel aus dieser Periode, ein im Jahre 1517 vom Duisburger Johanniterkaplan Johann Wassenberch
festgehaltener „Wetterbericht“:[12]
In den selven jair op den XVden (15ten) dach yn den Aprijl, ende was doe des goedesdachs (Ableitung
von Wodans Tag = Mittwoch) nae Paischen (Ableitung von „Passah-Fest“ = Ostern), van den
goedesdach op den donredach (Ableitung von Donars Tag = Donnerstag) yn der nacht, wastz soe calt,
dat alle vruchten van allen boemen, van eyckelen, van noethen, van kyrssen, van proemen (Pflaumen),
van appelen etc. neyt uytgescheyden (nichts ausgenommen) vervroren ende verdorven (erfroren und
verdorben), want sy stoenden yn oeren voellen blomen (voller Blüte). Item (alldieweil) alle die
vynstocken vervroren ende verdorven, off (als ob) sy verbrant gewest weren. Ende (und) dair geschach
groeten verderflicke (verderblicher) schade.

Der vorstehende Textauszug lässt unschwer eine gewisse „Nähe“ des „Rheinmaasländischen“ zum heutigen
Niederländischen wie zu dem am deutschen Niederrhein gesprochenen niederfränkischen Platt erkennen. Der
im Norden und Westen Deutschlands verwendete Begriff Platt oder Plattdeutsch für die eigene Mundart leitet
sich nicht etwa davon ab, dass es auf dem „platten Lande“ gesprochen wird; vielmehr bedeutete das
altfränkische plat zwar „flach“, aber auch soviel wie „klar und deutlich“; Näheres siehe Platt#Wortherkunft.

Gliederung fränkischer Sprachen, Dialekte und Mundarten


Eine Besonderheit des Fränkischen ist, dass sich seine Dialekte über den gesamten nieder-, mittel- und
oberdeutschen Sprachraum erstrecken:

Fränkisch am Niederrhein, in den Niederlanden und in Belgien


→ Hauptartikel: Niederfränkisch

Niederländische Sprache (Niederlande, Belgien, Frankreich, Nordrhein-Westfalen, Suriname)


Holländisch und Utrechts
Flämisch und Brabantisch (Flandern und Brabant (Antwerpen, Brüssel), südliche Niederlande,
Region Nord-Pas de Calais in Frankreich (Lille, Calais, Dünkirchen))
Westflämische Dialektgruppe
Pella-Dutch (Iowa)
Jersey Dutch (New Jersey) †
Afrikaans, hat sich aus dem Niederländischen entwickelt (Südafrika und Namibia)
Rhein-Maasländisch oder (veraltet) Südniederfränkisch (Niederlande, Nordostbelgien, Nordrhein-
Westfalen)
Kleverländisch (östliche Niederlande, deutscher Niederrhein um Kleve und Duisburg)
Klevisch-Weselisch
Duisburger Platt
Mölmsch Mülheim an der Ruhr
Ostbergisch – niederfränkische Mundartgruppe im Bergischen Land
Limburgisch (im niederländischen und belgischen Limburg, nördlich von Aachen,
Mönchengladbach und Düsseldorf, mittleres Bergisches Land); liegt südlich der Uerdinger Linie
Krieewelsch – Krefelder Platt
Westbergisch oder Niederbergisch – limburgische Mundartgruppe im Bergischen Land

Das Niederfränkische hat die hochdeutsche Lautverschiebung nicht mitgemacht – auf Grund der unabhängigen
Entwicklung wird diese von Philologen aber nicht mehr zu den niederdeutschen Mundarten bzw. den
niedersächsischen Mundarten gezählt, sondern als ein selbständiger Zweig der Sprachen des westgermanischen
Dialektkontinuum auf dem Europäischen Festland anerkannt. Nur im unmittelbaren Grenzgebiet zum
Mittelfränkischen erscheint ein lautverschobenes t häufig als z oder s und seltener ein k als ch (z. B.
Limburgisch ich oder mich anstelle von ik oder mij im Niederländischen).

Fränkisch im Mitteldeutschen

→ Hauptartikel: Westmitteldeutsche Sprachen

Mittelfränkisch
Ripuarisch, auch Ripuarisch-Fränkisch (Großraum Köln/Bonn/Aachen, Bergisch Gladbach und
Leverkusen, untere Sieg und südliches Bergisches Land, Teile der Nordeifel und die Gegend bis
Neuenahr (Rheinland-Pfalz), nördliches Deutsch-Ostbelgien um Eupen, und in den Niederlanden
Kerkrade, Bocholtz und Vaals)
Moselfränkisch (im nördlichen und westlichen Rheinland-Pfalz: mittleres Rheinland mit den
Zentren Koblenz (Koblenzer Platt) und Trier, am Rhein nördlich von Oberwesel/Sankt Goar; im
nordwestlichen Saarland von Merzig bis Nonnweiler, am Nordhang des Hunsrück, im Département
Moselle in Frankreich (Lothringisch), im südlichen Deutsch-Ostbelgien um Sankt Vith, in Eifel
und Westerwald und im Siegerland in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz)
Lëtzebuergesch, auch Luxemburgisch (Luxemburg, Belgien und Lothringen in Frankreich)

Im Mittelfränkischen ist die hochdeutsche Lautverschiebung noch nicht so weit fortgeschritten wie im
Rheinfränkischen. t und k am Wortende (z. B. wat „was“, ik „ich“) sowie p am Wortanfang und -ende (z. B. pan
„Pfanne“, op „auf“) bleiben unverschoben. Schriftdeutsches „vorderes“ ch [ç] wird anderweitig fast im
gesamten Rheinland als sch [ʃ] ausgesprochen (Mittel- und Rheinfränkisch, Südniederfränkisch)

Rheinfränkisch
Pfälzisch (südliches Rheinland-Pfalz, also Pfalz und Pfälzerwald um die Zentren Ludwigshafen am
Rhein und Speyer (Vorderpfälzische Dialektgruppe), um Kaiserslautern, Pirmasens und
Zweibrücken (Westpfälzische Dialektgruppe), am Südhang des Hunsrücks, im südlichen und
östlichen Saarland mit den Bevölkerungszentren Saarbrücken und Neunkirchen – wegen der leicht
nasalierenden Aussprache als „Saarländisch“ bekannt, im nördlichen Elsass in Frankreich, im
Département Moselle in Frankreich (Lothringisch), in der Kurpfalz in Baden-Württemberg um
Mannheim und Heidelberg, in Hessen an der Bergstraße und im westlichen Odenwald um
Bensheim, Viernheim und Lampertheim (Kurpfälzische Dialekte))
Pennsilfaanisch (in den US-Bundesstaaten Pennsylvania, Ohio und Indiana sowie im
kanadischen Ontario)
Rheinhessisch (wird gesprochen in Rheinhessen in Rheinland-Pfalz um die Städte Mainz, Bingen,
Bad Kreuznach und Worms sowie in Hessen im Rheingau und um Wiesbaden)
Hessisch:
Südhessisch spricht man ab einschließlich Darmstadt nordwärts im Kernraum des Rhein-
Main-Gebiets bis einschließlich des bayerischen Aschaffenburg im Osten. Das Südhessische
wird überregional oft als „Paradehessisch“ gesehen.
Mittelhessisch oder Oberhessisch, das um Marburg und Gießen sowie im Wittgensteiner
Land gesprochen wird, kennt viele Archaismen wie die Diphthongierung langer Vokale, z. B.
läib „lieb“ oder Kou „Kuh“.
Niederhessisch mit den nordhessischen Mundarten um Kassel und Bad Hersfeld und den
osthessischen Mundarten um Fulda grenzt ans Ostfränkische und ist ein hessisch-
ostfränkisch-thüringischer Mischdialekt. Nordwestlich von Kassel, um Korbach im
ehemaligen Fürstentum Waldeck, verläuft bereits die fränkisch-sächsische Sprachgrenze und
man spricht bereits teilweise Niederdeutsch bzw. Westfälisch.

Das Rheinfränkische hat die hochdeutsche Konsonantenverschiebung fast im selben Maße wie das
Standarddeutsche mitgemacht. Nur p am Wortanfang bleibt unverschoben (z. B.: Pund „Pfund“, Peffer
„Pfeffer“). Typisch für das Pfälzische und seine Nachbarmundarten ist das (alemannische) š vor t und p (fascht,
Poscht, Kaschte[n]). Es tritt auch im Südfränkischen auf.

Ostfränkisch und Südfränkisch


Ostfränkisch ist aus der Verschmelzung fränkischer, thüringischer und bairischer Dialekte entstanden;
die Stämme trafen im Maingebiet aufeinander und besiedelten das Hinterland gemeinschaftlich.
Ostfränkisch spricht man im fränkischen Landesteil Bayerns, also im Wesentlichen in den
Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken; die Grenze zum Bairischen bilden Fichtelgebirge,
Altmühl und die südliche und mittlere Fränkische Alb. Die Grenze zum Rheinfränkischen verläuft durch
den Spessart. In Baden-Württemberg spricht man es im Hohenloher Land um Crailsheim und Künzelsau
sowie im Taubergrund um Tauberbischofsheim und Wertheim. Ostfränkische Mundarten spricht man
überdies in ganz Südthüringen (Thüringen südlich des Rennsteigs), in der südlichen Rhön, auch auf der
hessischen Seite und im sächsischen Vogtland und Erzgebirge. Das Ostfränkische wird heute
umgangssprachlich schlicht als „Fränkisch“ bezeichnet. Es gibt jedoch keinen einheitlichen
„fränkischen“ (ostfränkischen) Dialekt, bestimmte Begriffe werden oft von Ort zu Ort sehr
unterschiedlich bezeichnet. Beispiel: Madla (Nürnberg), Madli (Fürth), Meudla (Alfeld bei Hersbruck)
für „Mädchen“ – das alles im Umkreis von rund 30 km.
Südfränkisch ist eine Gruppe uneinheitlicher Übergangsdialekte des nördlichen Baden-Württemberg, im
Grenzgebiet zwischen ober- und mitteldeutschem Sprachraum. Sie entstanden im Spannungsfeld
zwischen Alemannischer Dialektgruppe, Rheinfränkisch und Ostfränkisch. Die diversen Idiome sind
räumlich eng begrenzt und werden um die Zentren Karlsruhe, Pforzheim und Heilbronn sowie im
Kraichgau gesprochen. Im Enztal östlich von Pforzheim, wo Fränkisch und Schwäbisch
aufeinanderstoßen, spricht man Enztalfränkisch oder Enztalschwäbisch (beide Bezeichnungen sind
üblich). Ursprünglich war dieses Gebiet ganz fränkisch und Teil des frühmittelalterlichen Herzogtums
Franken. Die Dialekte rund um Mosbach und Buchen werden ebenfalls der südfränkischen Gruppe
zugerechnet; die Grenze zum Kurpfälzischen ist nicht genau definiert.

Süd- und Ostfränkisch haben die hochdeutsche Lautverschiebung (Konsonantenverschiebung) im selben Maße
mitgemacht wie das Standarddeutsche und werden daher zu den oberdeutschen Mundarten gerechnet, mit der
Ausnahme des Konsonanten „b“, der im Südfränkischen noch als „w“ erhalten ist (hawwe „haben“, niewer
„hinüber“, schreiwe „schreiben“). Vom Vokalstand her sind sie zwar (in der Regel) mitteldeutsch, zeigen jedoch
in den Randgebieten ansatzweise Vokaldiphthongierung.

Literatur
Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. C. H. Beck, München
1970.
Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, ISBN 3-
423-03025-9.
G. Newton: Central Franconian. In: Charles V. J. Russ: The Dialects of Modern German. A Linguistic
Survey. Routledge, London 1990, ISBN 0-415-00308-3, S. 136–209.
Martin Durrell, Winifred V. Davies: Hessian. In: Charles V. J. Russ (Hrsg.): The Dialects of Modern
German. A Linguistic Survey. Routledge, London 1990, ISBN 0-415-00308-3, S. 210–240.
R[udolf] E. Keller: Darmstadt. In: German Dialects. Phonology & Morphology, with selected texts.
Manchester University Press, Manchester 1961, S. 161–199.
W. A. I. Green: The Dialects of the Palatinate (Das Pfälzische). In: Charles V. J. Russ: The Dialects of
Modern German. A Linguistic Survey. Routledge, London 1990, ISBN 0-415-00308-3, S. 341–264.
S. Hughes: Bilingualism in North-East France with specific reference to Rhenish Franconian spoken by
Moselle Cross-border (or frontier) workers. [1]
Rheinisches Wörterbuch. Bände I–IX, Bonn und Leipzig, später Berlin, 1923–1971.
Hessen-Nassauisches Wörterbuch. Band I ff., 1943 ff.
Südhessisches Wörterbuch. Bände I–VI, 1965–2010.
Pfälzisches Wörterbuch. Bände I–VI und Beiheft, 1968–1998.
Wörterbuch von Mittelfranken. Eine Bestandsaufnahme aus den Erhebungen des Sprachatlas von
Mittelfranken. Zusammengestellt von Gunther Schunk, Alfred Klepsch, Horst Haider Munske, Karin
Rädle und Sibylle Reichel. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1865-6.
Alfred Klepsch, Eberhard Wagner: Handwörterbuch von Bayerisch-Franken (HWBF). Kurzes
Auswahlwörterbuch der Dialekte, die in den Regierungsbezirken Oberfranken, Mittelfranken und
Unterfranken des deutschen Bundeslandes Bayern gesprochen werden. 3., unveränderte Auflage. Verlag
Fraenkischer Tag, Bamberg 2007, ISBN 978-3-936897-52-4.
Mittelrheinischer Sprachatlas. Band I–V, Niemeyer, Tübingen 1994–2002.
Horst Haider Munske, Robert Hinderling u. a. (Hrsg.): Bayerischer Sprachatlas. 6 Regionalteile.
Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben, Sprachatlas von Mittelfranken, Sprachatlas von Unterfranken,
Sprachatlas von Nordostbayern, Sprachatlas von Niederbayern, Sprachatlas von Oberbayern.
Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 1996 ff.
Horst Haider Munske, Alfred Klepsch (Hrsg.): Sprachatlas von Mittelfranken.
Band 2.1: S. Arzberger u. a.: Mittelhochdeutsche Langvokale und Diphthonge. Karten und
Kommentare. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 2004, ISBN 3-8253-1620-3
Band 2.2: S. Arzberger u. a.: Beleglisten. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 2004,
ISBN 3-8253-1620-3.

Einzelnachweise
1. Günther Drosdowski (Hrsg.): Das Herkunftswörterbuch. Band 7: Etymologie der deutschen Sprache.
Dudenverlag, Mannheim 1989, ISBN 3-411-20907-0, S. 202.
2. Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. C. H. Beck, München
1970, S. 109.
3. Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, ISBN 3-
423-03025-9, S. 59–61.
4. Karl August Eckhardt: Lex salica (= Monumenta Germaniae Historica. Leges – Leges nationum
Germanicarum. 4, 2). Hahn, Hannover 1969, ISBN 3-7752-5054-9.
5. Joachim Grzega: Romania Gallica Cisalpina. Etymologisch-geolinguistische Studien zu den
oberitalienisch-rätoromanischen Keltizismen (= Beihefte zur Zeitschrift für romanische Philologie 311).
Niemeyer, Tübingen 2001.
6. Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, ISBN 3-
423-03025-9, S. 59–61.
7. Werner Betz: Karl der Grosse und die Lingua Theodisca. In: Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Karl der
Grosse. Lebenswerk und Nachleben. Band II: Das Geistige Leben. Düsseldorf 1965, S. 306.
8. Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, ISBN 3-
423-03025-9, S. 59–61.
9. Erwin Koller: Zur Volkssprachlichkeit der Straßburger Eide und ihrer Überlieferung. In: Rolf Bergmann,
Heinrich Tiefenbach, Lothar Voetz (Hrsg.): Althochdeutsch. Band 1. Winter, Heidelberg 1987, ISBN 3-
533-03878-5, S. 828–838, EIDE.
10. Ludwig Rübekeil: Frühgeschichte und Sprachgeschichte in den Niederlanden. In: Elvira Glaser, Marja
Clement (Hrsg.): Niederlandistik und Germanistik im Kontakt. Jelle Stegeman zum Abschied (=
Amsterdamer Beiträge zur Älteren Germanistik, Band 71). Rodopi, Amsterdam und New York 2014, S.
53–98, hier S. 54 f. (online (https://books.google.de/books?id=RGrfAgAAQBAJ&pg=PA54#v=onepage)
in der Google-Buchsuche).
11. Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins (= Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie,
Band 4). Bottrop 1999, ISBN 3-89355-200-6, S. 66.
12. Georg Cornelissen: Kleine Niederrheinische Sprachgeschichte (1300–1900). Venray, Geldern 2003,
ISBN 90-807292-2-1, S. 32.

Weblinks
Der fränkische Dialekt (Friedrich Engels)
Alfred Klepsch: Fränkische Dialekte. In: Historisches Lexikon Bayerns

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Diese Seite wurde zuletzt am 20. September 2017 um 09:08 Uhr bearbeitet.
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