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Matrikelnummer: ____________________

Bearbeitungshinweise!

 Ihre Probeklausur besteht aus 6 Seiten inklusive Deckblatt. Vergewissern Sie sich, dass Ihre
Probeklausur vollständig ist und tragen Sie auf jedem Blatt Ihre Matrikelnummer ein.
 Die Probeklausur dauert 52 Minuten und es sind insgesamt 52 Punkte erreichbar.
 Es sind keine Hilfsmittel zur Bearbeitung zugelassen.
 Die Probeklausur besteht aus Ankreuz-Aufgaben (14 Punkte) und offenen Fragen (38 Punkte).
 Versuchen Sie, mit dem vorgesehenen Platz zur Beantwortung der Fragen auszukommen!
Im Notfall können Sie die Blattrückseiten nutzen. Bitte machen Sie dies an der Aufgabe deutlich
erkennbar.

 Für alle Ankreuzfragen gilt:

o Grundsätzlich können entweder mindestens eine Antwort oder aber auch mehrere bis alle
Antworten richtig sein. Die Anzahl der richtigen Antworten geht aus der Fragestellung hervor.
o Bewertung: Für jedes richtig gesetzte Kreuz gibt es Teilpunkte. Ankreuzen einer falschen
Antwort führt dazu, dass die Teilaufgabe mit null Punkten bewertet wird.
o Bitte setzen Sie klar erkennbare Kreuze! Wenn Sie wollen, dass ein angekreuztes Kästchen nicht
als angekreuzt gewertet wird, schwärzen Sie es bitte eindeutig erkennbar und kreuzen Sie die
Ihrer Meinung nach richtige Antwort an. Sollten Sie sich erneut umentscheiden, setzen sie das
Kreuz links neben das geschwärzte Kästchen. In jedem Fall muss ihre Auswahl eindeutig
nachvollziehbar sein!

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

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1. Multiple und Single Choice Aufgaben (insgesamt 14 Punkte)

a) Kreuzen Sie die korrekte Antwort an! (2 Punkte)


Nach dem starken Pareto-Prinzip wird ein Zustand der Ressourcenallokation A gegenüber einem
Zustand B genau dann als Pareto-Optimum bezeichnet, wenn …

☐ in A im Vergleich zu B mindestens eine Person schlechter gestellt wird, ohne eine andere
besser zu stellen.
☐ keine Zustandsänderung eintritt.
☐ in A im Vergleich zu B mindestens eine Person auf Kosten einer anderen besser gestellt wird.
☐ in A im Vergleich zu B keine Person schlechter gestellt wird.
☐ in A im Vergleich zu B alle Personen schlechter gestellt werden.
☐ in A im Vergleich zu B mindestens eine Person besser gestellt wird, ohne eine andere
schlechter zu stellen.

b) Kreuzen Sie die korrekte Antwort an: Als „naturalistischen Fehlschluss“ bezeichnet man…
(2 Punkte)

☐ … den Verzicht eines Unternehmens, Umweltfragen in die Strategiefindung einzubeziehen


☐ … die Idee, dass als „natürlich“ beworbene Produkte automatisch größeren Absatz finden
☐ … die falsche Annahme, dass die Natur keine Moral hat
☐ … die moralische Bewertung einer Handlung allein aufgrund ihrer ökologischen Wirkung
☐ … den direkten Schluss von Tatsachen auf ein Moralurteil
☐ … die Leugnung eines anthropogenen Klimawandels

c) Kreuzen Sie die korrekten Antworten an! (4 Punkte)


Welche vier der folgenden Aussagen sind normative Aussagen?

☐ „Sämtliche Steuerschlupflöcher müssen geschlossen werden!“


☐ „Die Globalisierung hat zu einer unfairen Verteilung von Einkommen geführt.“
☐ „Die neue CSRD-Richtlinie der EU-Kommission wurde auch zu dem Zweck geschaffen, mehr
Unternehmen indirekt zu nachhaltigem Wirtschaften anzureizen.“
☐ „Der freie Markt ist eine ganz vorzügliche soziale Institution.“
☐ „Die Vermögen der Multimillionäre sind in der Corona-Krise weiterhin stärker gewachsen als
im Durchschnitt der Bevölkerung.“
☐ „Die Politik muss Maßnahmen gegen die Erderwärmung ergreifen, das darf dem freiwilligen
Engagement der Unternehmen und Konsumenten überlassen bleiben.“

d) Kreuzen Sie die zwei richtigen Antworten an! (2 Punkte)


Rawls’ „Schleier des Nichtwissens“ (veil of ignorance) dient in A Theory of Justice dazu, dass…

☐ … die Akteure ihre Entscheidung unbefangen treffen.


☐ … die Akteure nicht wissen, wie sie in diese Entscheidungssituation gekommen sind.
☐ … die Entscheidung auf Grundlage individueller Präferenzen getroffen wird.
☐ … geheime Wahlen gewährleistet sind.
☐ … die Entscheidung allein auf analytischen Kriterien beruht.
☐ … die Akteure nicht wissen, welche individuellen Eigenschaften sie besitzen, bevor der Schleier
gelüftet wird.

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e) In der Übung haben Sie vier allgemeine Kennzeichen moralischer Urteile kennengelernt.
Welche fünf der folgenden Begriffe gehören nicht dazu? (2 Punkte)

☐ Tugendhaftigkeit
☐ Supererogation
☐ Katechismus
☐ intrasubjektive Verbundenheit
☐ Partikularismus
☐ Universalisierbarkeit

f) Kreuzen Sie die korrekte Antwort an! (2 Punkte)


Ökonomische Rationalität…

☐ … ist grundsätzlich unvereinbar mit jeder Moral


☐ … verlangt anderen Personen Schaden zuzufügen, wann immer es möglich ist
☐ … steht im Gegensatz zu sozialen Präferenzen
☐ … steht auf der individuellen Ebene automatisch im Widerspruch zur kollektiven Ebene
☐ … ist eine Menge formaler Regeln, die die Präferenzordnung betreffen
☐ … ist ein rein analytisches Konzept, das ohne Wertung definiert werden kann

2. Moral und Ethik (6 Punkte)

Erläutern Sie die wesentlichen Unterschiede zwischen deontologischer Ethik, konsequentialistischer


Ethik und Tugendethik!

Die moralische Qualität einer Handlung wird im Konsequentialismus nach der Güte ihrer
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Folgen für die Betroffenen bestimmt (2P), in der deontologischen Ethik hingegen können
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Handlungen an sich moralische Qualität besitzen (2P), also intrinsisch werthaft sein.
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In der Tugendethik steht die Bewertung bestimmter Charaktereigenschaften und „Praxen“ im


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Vordergrund (2P) (und die Bewertung einzelner Handlungen wird lediglich indirekt daraus
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abgeleitet – ob sie eine entsprechende Tugend wiederspiegeln oder nicht).
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3. Öffentliche Güter und Ordonomik (insgesamt 20 Punkte)

Die Investmentbanken von „Economyland“ haben festgestellt, dass Wertpapiere, die aus geschichteten
Schuldverschreibungen unterschiedlicher Bonität bestehen, in dieser Form oft ein viel besseres
Bonitätsrating bekommen. Das tatsächliche finanzielle Risiko für den Käufer dieser sogenannten
„Wealth Multiplier Devices“ (=WMDs) ließ sich so verschleiern und war damit größer, als es das Rating
erscheinen ließ. Dieser Mechanismus machte es für die Banken attraktiv, Hypothekenkredite an kaum
kreditwürdige Haushalte zu vergeben, und als WMDs weiterzuverkaufen. Der Verschuldungsgrad der
Haushalte stieg in der Folge jedoch so stark an, dass ab einem gewissen Zeitpunkt schon ein leichter
Rückgang der Preissteigerung auf dem Häusermarkt zu hohen Ausfallraten führte. In der Folge kam es
zu zahlreichen Insolvenzen und großen Verlusten bei allen Unternehmen im Finanzsektor. Die weitere
Folge war eine Rezession der Weltwirtschaft. Bereits vor dem Ausbruch der Krise waren sich viele
hochrangige Banker des Problems bewusst.
Als sich vor dem Zusammenbruch des Marktes ein Manager der Bank „Southern Stone“ gegenüber
seinem Managing Director besorgt über das steigende Risiko im Gesamtmarkt äußert, entgegnet ihm
dieser:

„Hör zu, egal ob und wie viele WMDs die anderen verkaufen, wir müssen in jedem Fall dabei sein. Das
ist eine ganz rationale Entscheidung. Wir können nicht auf eigene Kosten den Markt retten, und unsere
Shareholder erwarten Wachstum.“

3.a Beschreiben Sie die dargestellte Situation als soziales Dilemma im Sinne eines N-Spieler-
Gefangenendilemmas bzw. „public goods game“! (10 Punkte)

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Akteure: 1P, Strategien: 1P, Dominanz erklärt: 4P, Nash-GG erklärt: 4P


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Beispiel:
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Die Investmentbanken können WMDs produzieren, um kurzfristig ihre Umsätze und


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Gewinne zu steigern, während sie gleichzeitig das Risiko im Finanzmarkt auf


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intransparente Weise erhöhen (Defektion) oder es unterlassen (Kooperation). <- 2P


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WMDs zu produzieren und zu verkaufen ist die dominante Strategie: Macht die
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Konkurrenz es nicht, hat die Bank einen Wettbewerbsvorteil, macht die Konkurrenz es
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auch, wird zumindest der Nachteil (die Kundenverluste) begrenzt. Die Gewinne können
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zunächst internalisiert werden, während das Risiko sozialisiert wird. Das öffentliche Gut
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wäre in diesem Fall ein transparentes und internalisierbares Ausfallrisiko <- 2P
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Im Nash-GG werden alle diese Produkte anbieten. Hier hat keine Bank einen großen
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Wettbewerbsvorteil, während das Risiko eines vollständigen Zusammenbruchs des
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Finanzmarktes stark gestiegen ist. Das würde zu einem größeren Verlust für alle beteiligten
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Banken führen, als wenn sich keiner an diesem Geschäft beteiligt hätte. <- 4P
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3.b In der Aussage des CEOs kommt eine gewisse Trade-Off-Logik eines Nullsummenspiels zum
Vorschein. Erläutern Sie: Was sind die zentralen Merkmale von Nullsummenspielen,
Koordinationsspielen und Kooperationsspielen (bzw. „mixed-motives games“)? (6 Punkte)

Nullsummenspiele: Gewinn eines Spielers entspricht dem Verlust eines anderen Spielers (2P)
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Koordinationsspiele: Es existiert mindestens ein NGG, das allen Spielern den größten Vorteil
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bringt (1P) aber es benötigt Absprache/Koordination, um es zu erreichen (1P)


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Kooperationsspiele: Enthalten beide Komponenten, das Nash-GG entsteht durch die


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Möglichkeit vom anderen Spieler zu gewinnen (wie im Nullsummenspiel) (1P), ist aber
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pareto-inferior zur allseitigen Kooperation (1P)


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3.c Erläutern Sie kurz und präzise: Welche Bedeutung haben diese Spieltypen im ordonomischen
Ansatz für die Lösung sozialer Dilemmata (losgelöst vom vorliegenden Fall)? (4 Punkte)

Auf der Ebene des Basisspiels liegt ein Gefangenendilemma (als Spezialfall eines
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Kooperationsspiels) vor. (1,5P)


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Dieses könnte durch Anreizsetzung / Institutionalisierung auf der Ordnungsebene zum


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allseitigen Vorteil aufgelöst werden. Durch die veränderten Anreize könnte es zu einem
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Koordinationsspiel transformiert werden, sodass Interessenharmonie zwischen den Spielern


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entsteht. (1,5P) Auf der Diskursebene jedoch herrscht die Wahrnehmung eines reinen
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Interessenkonflikts vor, im Sinne eines Nullsummenspiels. Solange nicht auch der Diskurs
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über das Basisspiel von der Nullsummenlogik hin zur Koordinationslogik verschoben wird,
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mangelt es daher oft schon an Anreizen auf der Ordnungsebene, entsprechende Anreize für
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das Basisspiel zu setzen (1,5P).
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5. John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit (insgesamt 8 Punkte)

2.a Definieren Sie den (klassischen) Utilitarismus! (2P)

Der Utilitarismus ist eine ethische Position, die besagt, dass eine Handlung genau dann eine
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gute Handlung ist, wenn ihre Folgen im Durschnitt den größtmöglichen Nutzen für die
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größtmögliche Zahl an Individuen befördert.


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2.b Erläutern Sie: Welche Kritik übt Rawls am (klassischen) Utilitarismus? Warum hält er den
Utilitarismus in Bezug auf Verteilungsgerechtigkeit für ungerecht? (3P)

Der Utilitarismus lässt zu, dass der Nutzen des Einzelnen zugunsten des Nutzens der
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(1,5P)
Allgemeinheit überkompensiert wird.
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Rawls‘ Kritik besteht darin, dass in einer utilitaristischen Gesellschaft ihre Mitglieder als
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Mittel zum Zweck behandelt werden, ohne dass sie dem zugestimmt haben. (1,5P)
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2.c Erläutern Sie: Welche Gerechtigkeitsprinzipien sind laut Rawls dazu geeignet, der Ungerechtigkeit
des (klassischen) Utilitarismus entgegenzuwirken? (3P)

Das Gleichheits-Prinzip besagt, dass jede Person den gleichen unabdingbaren Anspruch auf
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ein völlig adäquates System gleicher Grundfreiheiten hat, das mit demselben System von
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Freiheiten für alle vereinbar ist. | Das Differenzprinzip besagt, dass sozio-ökonomische (1,5P)
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Ungleichheiten, erstens, mit Positionen und Ämtern verbunden sein müssen, die unter
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Bedingungen gleicher Chancengleichheit allen offenstehen und, zweitens, den am wenigsten
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Begünstigen einer Gesellschaft den größten Vorteil bringen. (1,5P)
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4. Corporate Social Responsibility (insgesamt 4 Punkte)

Erläutern Sie die Unterschiede zwischen der Aufgabe des Managements nach Friedman und Freeman.
Gehen Sie hierbei explizit auf den Agency-Begriff ein. (4P)

Friedman: Management wurde von den Aktionären eingestellt um für diese das Unternehmen
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gewinnbringend zu verwalten. Das Management ist als Agent der Shareholder an die
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Verfolgung der Interessen selbiger Shareholder gebunden. Zentrale Aufgabe->


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Treuhänderische Interessensvertretung. (2P)


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Freeman: Das Management verwaltet das Unternehmen und vermittelt zwischen den
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Interessen unterschiedlicher Stakeholder Gruppen. Es ist nicht ausschließlich Agent einer


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einzelnen Gruppe und kann ggf. sogar als Prinzipal auftreten. Zentrale Aufgabe ->
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Vermittlung legitimer Ansprüche (2P)
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