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Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.

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Predigt
Thema / Text: Frauen sind im gemeindlichen Leben gleichberechtigt.
Erstellt am: 05.08.11 Von: Uli Probst Version: '1.0
Gehalten in (am):
Zielgedanke: Jeder Christ kann, indem er die Bibel ernst nimmt, zu dem Schluss
kommen, dass Frauen im gemeindlichen Leben völlig
gleichberechtigt sind, indem er folgenden biblisch-theologischen
Überlegungen folgt:

0 Intro

0.1 Sind Computer männlich oder weiblich


Sind Computer männlich oder weiblich? Diese Frage
wurde zwei Expertengruppen gestellt - einer männlichen
und einer weiblichen.
Die weibliche Gruppe kam nach reiflicher Überle-
gung zu dem Schluss, dass Computer der männlichen Gat-
tung angehören - und zwar aus folgenden Gründen :
1. Um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, muß man sie
anmachen.
2. Sie haben eine Menge Daten, aber wissen trotzdem
nichts.
3. Sie sollten eigentlich dabei helfen Probleme zu lösen,
aber in der Mehrzahl der Fälle sind sie selbst das Prob-
lem.
4. Sobald man sich für einen entschieden hat, findet man
heraus, daß man noch etwas länger hätte warten sollen
dann hätte man einen besseren bekommen.
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Auch die männliche Expertengruppe hat getagt und


ist zum genau umgekehrten Ergebnis gekommen. Compu-
ter sind weiblich - und zwar aus folgenden Gründen:
1. Außer ihrem Schöpfer versteht niemand ihre innere Lo-
gik.
2. Die Ursprache, die sie benutzen, um mit einem andern
Computer zu kommunizieren, begreift ebenfalls nie-
mand.
3. Jeder noch so kleine Fehler wird gespeichert, und im
denkbar schlechtesten Moment wieder hervorgerufen.
4. Sobald man sich mit einem einlässt, entdeckt man, daß
man die Hälfte seines Monatslohnes für Zubehör ausge-
ben muss.

0.2 Biblische Text über männliche und


weibliche Rollen sind sowohl von Gott
inspiriert als auch kulturell gefärbt.
Männer und Frauen sind verschieden – nicht ganz so
stereotyp, wie dieser Text es vermuten lässt, aber durch-
aus.
Das hat dazu geführt, dass man Männern und Frauen
durch die Geschichte der Menschheit verschiedene Rollen
zugewiesen hat. Allerdings haben sich diese Rollen je nach
kultureller Situation immer wieder verändert.
Das hat nun für uns Christen in den letzten Jahrzehn-
ten zu einem Problem geführt – oder zu einer Herausforde-
rung ☺.
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Als Christen glauben, dass in der Bibel Gottes Han-


deln und Reden mit uns Menschen abgebildet ist. Wir
glauben, dass die biblischen Schriften unter dem Einfluss
oder der Inspiration des Heiligen Geistes entstanden sind.
Deshalb haben sie für uns eine hohe Autorität.
Gleichzeitig wissen aber, dass sie in sehr konkreten
kulturellen Situationen entstanden sind, und das zeigt sich
immer wieder.
Im 5.Buch Mose z.B. gibt es folgende Vorschrift:
Deu 22:8 Wenn du ein neues Haus baust, so mache ein
Geländer ringsum auf deinem Dache, damit du nicht Blut-
schuld auf dein Haus ladest, wenn jemand herabfällt.

Das macht natürlich Sinn in einer Gegend, wo man


Häuser mit Flachdächern baut, und zwar begehbar. Und
offensichtlich wollten damals die Leute auch schon Bau-
kosten sparen, und manche haben am Geländer gespart.
Und es ist sicherlich im Sinne Gottes, dass man das Leben
der Leute schützt – besonders der Kinder, natürlich – und
am Geländer eben nicht spart.
Aber diese Vorschrift macht natürlich – zumindest
wenn man sie wörtlich anwenden will – in unserer Kultur
wenig Sinn.
Nun gibt es in der Bibel auch Texte, die die Rollen
von Männer und Frauen betreffen. Logisch, denn das
Mann sein bzw. Frau sein macht ja einen großen Teil unse-
res Lebens aus. Und wie man sich als Mann oder Frau
richtig verhält, dass will man schon wissen. Damals wie
heute.
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Diese Texte sind natürlich wie alle anderen in der Bi-


bel auch einerseits aufgrund göttlicher Inspiration entstan-
den – und anderseits in einer konkreten kulturellen Situati-
on geschrieben worden. Und zwar in weitgehend patriar-
chalische, also von Männern dominierte Kultur hinein.
Und die Frage ist, was an diesen Texten für uns heute
angewendet werden soll, weil es Gottes Absicht entspricht
und was sozusagen in der damaligen Kultur oder der kon-
kreten Situation von damals gelassen werden sollte.
Das ist grundsätzlich eine der spannenden Fragen bei
der Bibelauslegung, aber sie ist in diesem Fall besonders
zugespitzt, weil die Bibel – und das gilt auch für das Neue
Testament – in einer weitgehend patriarchalen Kultur ge-
schrieben wurde. Die Männer waren die Chefs. (Ich sehe,
manche sehnen nach diesen Zeiten zurück ☺).
Aber wir leben in einer weitgehend gleichberechtig-
ten Kultur. Es ist noch nicht so gleichberechtigt, wie man
sich das wünschen würde, aber das Ideal ist, dass Männer
und Frauen die gleichen Rechte haben. Dass sie z.B. glei-
chermaßen Zugang zu allen Berufen und zu allen Autori-
tätspositionen haben. Und deshalb wir haben z.B. eine
Bundeskanzlerin, die ihren Job nicht schlechter als ihre
männlichen Vorgänger.
Demgegenüber stehen nun aber biblischen Texte, die
z.B. folgendes sagen:
Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer
Frau gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie
über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. (1Ti 2:11-12)
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Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen


schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen
nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterord-
nen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas ler-
nen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht der
Frau schlecht an, in der Gemeinde zu reden. (1Co 14:33-
35)
Es sind nicht viele Texte, es sind nur eine Handvoll,
aber sie stehen da im Neuen Testament. Und sie haben zu
einer eigentlich paradoxen Situation geführt: Dass nämlich
ausgerechnet in der christlichen Gemeinde, die ja nun der
Ort liebevoller Gemeinschaft ist, der Ort, wo jeder als Ge-
schöpft Gottes völlig angenommen ist und wo es keine
Diskriminierung wegen Rasse oder Herkunft oder sozialem
Status oder sonst etwas geben sollte, - dass ausgerechnet
da über die Frage debattiert wird, wie viel Autorität ein
weiblicher Christ im Gegensatz zu einem männlichen
Christen ausüben darf.
Für jemand, der unsere Achtung vor den biblischen
Texten nicht teilt, ist das nur schwer nachzuvollziehen.
Und wenn man die Situation mit etwas Abstand betrachtet,
ist es auch wirklich seltsam.
Trotzdem möchte ich mich heute und nächstes Mal
mit diesem Thema auseinandersetzen. Wie gleichberech-
tigt sind Frauen in der christlichen Gemeinde?
Es gibt dazu einen konkreten Anlass, nämlich dass in
den nächsten Monaten wieder Wahlen für die Gemeinde-
leitung bevorstehen.
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In unserem Gemeindeverband gibt es zwei mögliche


Strukturen für die Gemeindeleitung. Zwischen den beiden
kann jede Gemeinde wählen, wobei die Leitung des Ver-
bands eine lieber hat.
Die eine Möglichkeit ist, dass es einfach ein Lei-
tungsgremium gibt, in dem Männer und Frauen gleichbe-
rechtigt vertreten sein können. Das ist die Möglichkeit, die
die Leitung des Verbands lieber hat.
Die andere Möglichkeit ist, dass es zwei Leitungs-
gremien gibt. Das eine ist der „Ältesten-Rat“; das ist das
übergeordnete Gremium, in dem nur Männer sein dürfen.
Darunter gibt es den „Mitarbeiter-Rat“, der aus Männern
und Frauen besteht. Der Ältestenrat ist übrigens Teil vom
Mitarbeiter-Rat. Der Mitarbeiter-Rat führt das Tagesge-
schäft, aber die letzte geistliche Verantwortung liegt beim
Ältesten-Rat. Das ist das Modell, das wir im Moment ha-
ben.
Und als Mitglieder müssen wir uns nun für unsere
nächste Wahl entscheiden, ob wir das so weitermachen
wollen, oder ob wir zu dem Modell mit einem Leitungs-
gremium wechseln.
Weil das nun eben mit der Frage zusammenhängt, wie
gleichberechtigt wir die Rollen von Männern und Frauen
in der Gemeinde sehen, und weil das eine theologische
Frage ist, deshalb will ich das in diesen beiden Predigten
ansprechen.
Es ist mir sehr bewusst, das es zu dieser Frage unter-
schiedliche Positionen gibt. Meine Absicht mit diesen Pre-
digten ist folgende:
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Ich möchte gerne zeigen, dass ein Christ, der die Bi-
bel ernst nimmt, zu dem Schluss kommen kann, dass Frau-
en im gemeindlichen Leben völlig gleichberechtigt sind.
Trotz der zitierten Stellen, bzw. indem er sie (meines Er-
achtens) richtig einordnet und interpretiert.
Ich vermute, dass ich damit nicht jeden überzeugen
kann, es so zu sehen, wie ich. Ich möchte einfach zeigen,
dass man – grade indem man der Bibel und ihren Aussagen
treu bleibt –zu dem Schluss kommen kann, dass Männer
und Frauen in der christlichen Gemeinde völlig gleichbe-
rechtigt sind.
Ich hoffe, dass das dem einen oder anderen hilft, der
sich für sich mit dieser Fragestellung rumgeschlagen hat,
und dass es uns bei der Entscheidung über unsere Lei-
tungsstruktur hilft.
Dass das ein Dilemma auflöst, das da heißt: Entweder
sind wir für die Gleichberechtigung von Männern und
Frauen in der Gemeindearbeit ODER wir sind der bibli-
schen Botschaft treu.
Ich glaube nämlich nicht, dass dieses Dilemma exis-
tiert. Ich glaube im Gegensatz, dass, wenn wir die Bot-
schaft der gesamten Bibel sehen, wir zu dem Schluss
kommen müssen, dass viel mehr für eine Gleichberechti-
gung spricht, als dagegen.
Und das erscheint mir auch logisch, weil es dem We-
sen Gottes und dem Wesen der biblischen Botschaft ent-
spricht, zu befreien und zu erlösen und Ungerechtigkeiten
zu überwinden.
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Selbst wenn man nach dem, was wir in den nächsten


beiden Predigten betrachten werden, immer noch bei dem
Schluss bleibt, dass Frauen und Männer in der christlichen
Gemeinde nicht gleichberechtigt sind, sondern dass es eine
durch das Geschlecht vorgegebene Hierarchie gibt, so hof-
fe ich doch, dass wir die unterschiedlichen Meinungen
dann richtig einorden.
Und damit meine ich, dass wir sie einordnen als „un-
terschiedliche Auslegungen von Leuten, denen es wichtig
ist, der biblischen Botschaft zu folgen“, aber nicht als „die
einen sind der Bibel treu“ und die anderen wollen halt mo-
dern sein und geben deshalb die biblischen Anweisungen
auf.
Ich möchte unsere Frage – nämlich was die biblischen
Texte über die Rollen von Mann und Frau zu sagen haben
- gerne chronologisch beantworten.
D.h. wir machen eine Wanderung durch die Bibel.
Wir fangen vorne an beim Schöpfungsbericht und gehen
dann durch die Erzählungen im Alten Testament, zu Jesus
und schließlich zu den Briefen an die neutestamentlichen
Gemeinden. So kann – glaube ich – ein ganz gutes Bild
entstehen, von dem was die biblischen Texte nun wirklich,
und zwar in ihrer Gesamtheit zu unserem Thema sagen.
Es ist mir bewusst, dass man in zwei Predigten nicht
alle Texte und Überlegungen zu dieser Frage behandeln
kann. Ich habe einfach versucht, eine möglichst gute Aus-
wahl zu treffen.
Heute hat unsere Wanderung vier Stationen.
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1 Schöpfung/Erschaffung des Menschen


Die Erschaffung des Menschen wird in der Bibel in
einer außerordentlich gleichberechtigten Art und Weise er-
zählt.
Nachdem alle Pflanzen und Tiere geschaffen sind,
sagt Gott (Gen 1:26-28)
Und Gott sprach: Lasset uns [den]Menschen machen, ein
Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische
im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über
das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles
Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Men-
schen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und
schuf sie als Mann und Frau.
Wir sehen hier, dass Gott, der in seinem Wesen eine
Gemeinschaft von drei Personen ist, den Menschen nach
seinem Abbild schafft – ebenfalls als Gemeinschaft.
Und so wie Gott als Gemeinschaft auftritt - er schafft
die Welt gemeinsam: es sind Vater, Sohn und Heiliger
Geist daran beteiligt. Er begleitet die Welt gemeinsam, er-
löst sie gemeinsam. Immer leistet jede der drei Personen
ihren Beitrag, und dabei erhebt jeder die anderen Partner
der Dreiheit erhebt, lobt, in den Vordergrund rückt (kann
man z.B. schön im Johannesevangelium zeigen).
Also – so wie Gott als Gemeinschaft auftritt und han-
delt, so kriegt der Mensch gemeinsam zwei Aufträge krie-
gen:
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Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar


und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch
untertan und herrschet über die Fische im Meer und über
die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über
alles Getier, das auf Erden kriecht.

Also: sie sollen 1) sich vermehren und 2) über die Er-


de zu regieren, sie zu verwalten. (Das sogenannte „Kul-
turmandat.“) Und das sollen sie miteinander machen. Fort-
pflanzen – das geht ja auch nur so – aber auch regieren
über die – und das geht auf jeden Fall deutlich besser mit-
einander als allein.
Dabei ist keine Hierarchie festgelegt. Es gibt ja
durchaus eine Hierarchie in der Schöpfung. Oben ist Gott.
Dann kommt der Mensch. Und dann die Tier- und Pflan-
zenwelt. Aber innerhalb des Menschen gibt es keine Hie-
rarchie.
Das zeigt sich auch daran, wie die Begriffe hier ein-
geführt werden. Gott schafft „den Menschen“ als sein
Bild, seinen Ansprechpartner, sein Gegenüber.
Und das heißt wirklich so. Auf Hebräisch heißt
Mensch „ADAM“. Das heißt einfach: „Mensch“. Das heißt
nicht Mann, das heißt „Mensch.“ Und es wird im Alten
Testament so gebraucht. „Mensch“ im Sinne der allgemei-
nen Bezeichnung; nicht im Sinne von „Mann“ im Gegen-
satz zur Frau. Es wird dann auch als Eigenname gebraucht,
für „Adam“ als dem ersten Menschen, aber das ist seine
Bedeutung: „Mensch“ (nicht Mann).
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Also: Es wird der Mensch gemacht, und der Mensch


differenziert sich dann in zwei Teile: männlich und weib-
lich.
Und das zeigt sich auch im nächsten Abschnitt. Die
Erschaffung des Menschen ist so wichtig, dass sie – ty-
pisch hebräisch – zweimal erzählt wird. Im zweiten Ab-
schnitt in 1Mo 2 ab Vers 4 – finden wir wieder diese
Struktur.
Zunächst wird der Mensch geschaffen. Und dann
wird er ausdifferenziert in Mann und Frau.
Ich setze jetzt mal voraus, dass ihr alle mit dieser Er-
zählung im Groben vertraut seid: Gott formt den Menschen
aus Erde. Dann wird festgestellt, dass er allein nicht gut
leben kann. Dann wird ein Gegenüber bei den Tieren ge-
sucht.
(Das ist übrigens alttestamentlicher Humor: Man
muss sich das vorstellen, wie der Mensch sich das Fluss-
pferd anschaut, und sagt: Nee, zu dick. Und dann das
Eichhörnchen: Nee, zu klein. Und dann den Affen: Nee, zu
frech.)
Und dann schließlich macht Gott den Menschen voll-
ständig, zu einem Gemeinschaftswesen, indem er ihn teilt.
Aus der Rippe des Menschen wird sein Gegenüber gebaut.
Erst jetzt kommt raus, dass der Mensch zunächst ein Mann
war und dann wird seinem Körper sein weibliches Gegen-
stück gebaut.
Das betont wieder ganz stark die Einheit. Der Mensch
sind nicht zwei verschiedene unabhängige Wesen, sondern
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eines. Das merkt Adam auch: Als er Eva sieht, sagt er:
„Heidenei. Des ischt endlich Bein von meinem Bein und
Fleisch von meinem Fleisch.“ (Gen 2:23)
Also – die Einheit und das Gemeinsame, das Partner-
schaftliche, das wird hier betont.
Allerdings bleibt natürlich trotzdem die Tatsache,
dass sich der erste Mensch als der männliche Teil entpuppt
hat. Bedeutet das nicht doch eine gewisse Hierarchie? Er
war zuerst da. Ergo: er ist wichtiger?
Interessanterweise antwortet der Bibeltext genau auf
diese mögliche Ableitung mit einer überraschenden Wen-
dung. Der abschließende Kommentar zu diesem Bericht
heißt nämlich:
Jetzt gibt es also zwei – Mann und Frau – die nicht
ohne einander können – das ist ja jetzt gerade erzählt wor-
den – und jetzt der Kommentar: Darum wird ein Mann
seinen Vater und seine Mutter verlassen und an seiner
Frau hängen, und die beiden werden ein Fleisch sein.
In einer patriarchalischen Kultur – und das war der al-
te Orient, und in den hinein ist diese Erzählung geschrie-
ben worden– verlässt normalerweise die Frau ihre Familie
und zieht zu ihrem Mann. Der Mann und seine Lebensum-
stände sind wichtig und müssen erhalten bleiben. Die Frau
muss sich umstellen.
Eigentlich müsste dieser Text heißen: Also. Jetzt gibt
es zwei. Die Frau wurde aus dem Mann geschaffen, und
darum wird eine Frau ihren Vater und ihre Mutter verlas-
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sen und an ihrem Mann hängen und die zwei werden ein
Fleisch sein.
Es wird genau umgekehrt gesagt. Ich kann das nur so
erklären, dass mitten in die patriarchalische Struktur da-
mals hinein Gott durch diesen Text sagen wollte: Die
Frauen sind NICHT nachgeordnet.
Die Ausdifferenzierung lief sorum – erst Mann, dann
Frau – aber das heißt nicht, dass die Frau deshalb unterge-
ordnet wäre. Sondern sie sind Partner. Der Mann war zu-
erst da, aber er geht zu seiner Frau, weil sie genauso viel
Gewicht hat, wie er. Beide haben etwas, worin sie jeweils
dem anderen gegenüber einen Vorsprung haben: Er, dass
er zuerst da war, und sie, dass sich ihr gemeinsames Leben
zu ihr hin orientiert.
Übrigens ist diese partnerschaftliche Betonung auch
zu spüren in dem Kommentar, den Gott in diesem Text zur
Einsamkeit vom Menschen abgibt. Da sagt er (Gen 2:18):
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm
eine Hilfe machen, die um ihn sei. [wörtlich: ihm gegen-
über, oder als sein Gegenüber].
Dieses Wort „Hilfe“ bedeutet nicht „Gehilfin“ (wie
Luther leider übersetzt hat). Nichts mit Sekretärin oder Zu-
arbeiterin oder so was. Es wird im Gegenteil gebraucht für
Situationen, in denen jemand alleine nicht mehr fertig
wird, und jemand braucht, der stärker ist als er, und ihm
zur Hilfe kommt. Es wird an den allermeisten Stellen, an
denen es vorkommt, sogar für Gott gebraucht, der die „Hil-
fe der Menschen“ ist.
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Also, wenn hier überhaupt eine Abstufung zu finden


sein sollte, dann wäre der weibliche Teil der Menschheit
der Stärkere und Mächtigere.
Ich glaube, wenn man all diese Aspekte der Schöp-
fungserzählungen zusammen nimmt, dann entsteht ein Bild
von einer partnerschaftlichen Beziehung auf gleicher Ebe-
ne – und das ist im Kontext des Alten Orients, in den hin-
ein sie geschrieben wurden umso erstaunlicher.
Also: Wir halten fest. Die biblischen Texte über die
Schöpfung des Menschen zeigen Mann und Frau als
gleichberechtigte und gleichgestellte Partner.
Wie aber sind denn dann daraus patriarchale Struktu-
ren entstanden, mit einer heftigen, teilweise regelrecht bru-
talen Unterdrückung von Frauen?

2 Die Abkehr des Menschen von Gott und


ihre Folgen
Wenn wir weiterlesen, dann wird erzählt, dass die
Menschen sich entschieden haben, Gott nicht zu gehor-
chen.
Die Entscheidung, von der verbotenen Frucht zu es-
sen, das war ja viel mehr als nur der Wunsch, eine neue
Obstsorte zu probieren.
Das macht diese Erzählung wieder wunderschön
deutlich: Das Leben im Garten Eden war völlig frei. Es hat
keinerlei Einschränkungen und Verbote gegeben. Gott hat
nur ein einziges kleines Gebot erlassen: Esst nicht von die-
sem einen Baum in der Mitte des Gartens.
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Das heißt, es war klar: Wenn man diese Grenze über-


tritt, die ja die einzige war, die Gott überhaupt aufgestellt
hatte, dann sagt man damit zu Gott: Wir wollen es nicht so
machen, wie du gesagt hast. Wir wollen unsere eigenen
Wege gehen. Wir trennen uns hiermit von dir. Und genau
dafür haben sich die Menschen entschieden.
Und nun ist eine der Konsequenzen dieses Schritts,
dass die harmonische partnerschaftliche Gemeinschaft
zwischen Mann und Frau zerbricht, und es zu einem
Machtkampf zwischen den Geschlechtern kommt.
Das ist ja auch irgendwo nachvollziehbar: In dem
Moment, in dem sich der Mensch von der göttlichen Drei-
Einheit trennt, die die Quelle für seine zwischenmenschli-
che Zwei-Einheit bildet, geht auch die zwischenmenschli-
che Zwei-Einheit kaputt.
Im Text wird erzählt, wie Gott nach dem Entschluss
der Menschen, dass sie ihre eigenen Wege gehen, die Kon-
sequenzen ausspricht (Gen 3:16-17):
Und zur Frau sprach Gott: Ich will dir viel Mühsal schaf-
fen, wenn du schwanger wirst; Unter Mühen sollst du Kin-
der gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Manne
sein, aber er soll dein Herr sein.
Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der
Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem
ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen -,
verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst
du dich von ihm nähren dein Leben lang.
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Zwei Dinge passieren hier im Bezug auf die Partner-


schaft:
1) wird der doppelte Auftrag an den Menschen zum
Kampf. Was vorher gesegnet war, wird jetzt verflucht.
Die Fortpflanzung wird mühevoll und qualvoll und
das Bearbeiten und in Besitz nehmen der Erde wird schwe-
re und harte Arbeit.
Und nun werden die Aufgaben geteilt.
Die Frau muss – aufgrund dessen, dass es so mühselig
geworden ist – einen Großteil ihrer Kraft auf das Kriegen
und das Aufziehen von Kindern verwenden. Und der Mann
muss deshalb das „Kulturmandat“ (also, dass er die Erde
bearbeitet, verwaltet und für seine Existenz nutzbar macht)
weitgehend allein durchführen.
Seht ihr, auf einmal gibt es eine Trennung der Le-
benswelten der beiden Geschlechter, die ihre Gemeinschaft
natürlich beeinträchtigt. Partnerschaft ade – jeder kämpft
auf seinem Feld zumindest teilweise allein. Das hat sich
vorher, unmittelbar nach der Schöpfung, anders dargestellt.
Das 2), was im Bezug auf die Geschlechterbeziehung
passiert: Gott sagt zur Frau: Und dein Verlangen soll nach
deinem Manne sein, aber er soll dein Herr sein.
Das hebräische Wort für „Verlangen“ bedeutet nicht
so sehr Liebessehnsucht oder sexuelles Verlangen, sondern
„Wunsch zu kontrollieren.“
Es ist ein sehr seltenes Wort, aber man findet es direkt
ein paar Verse weiter nochmal, und zwar in der Geschichte
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 17

von Kain und Abel. Kain ist neidisch auf seinen Bruder
und trägt sich mit dem Gedanken, ihm etwas anzutun.
Da sagt Gott zu ihm: Kain sei vorsichtig. Zitat (Gen
4:7) : „Die Sünde lauert vor der Tür und nach dir hat sie
Verlangen. Du aber herrsche über sie.“
Die Sünde hat das „Verlangen“ die Kontrolle über
den Kain zu erringen. Er dagegen soll über sie herrschen.
Und das Wort „herrschen“ hier bei Kain ist wiederum
das Gleiche wie bei Gottes Strafwort an die Frau: Dein
Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein
Herr sein.
Das heißt, wir haben hier beidesmal die gleiche Kom-
bination von „Verlangen“ und „Herrschen.“ Und
beidesmal geht es um einen Machtkampf. Die Sünde hat
das Verlangen, Kain zu dominieren, er aber soll sie beherr-
schen.
Genauso wird die Frau wird in Zukunft das Verlangen
haben, ihren Mann zu kontrollieren, und er wird versu-
chen, seine Frau zu dominieren. So wird aus dem Mitei-
nander ein Machtkampf zwischen den Geschlechtern.
Und genau das ist passiert – und wir Männer haben
unsere Position im Laufe der Jahrhunderte weidlich ausge-
nützt. Wir waren körperlich stärker und wir haben die Res-
sourcen der Erde kultiviert und damit beherrscht und damit
die Frauen von uns abhängig gemacht.
Aber das ist nicht Gottes Absicht. Der Machtkampf
zwischen den Geschlechtern ist das Ergebnis davon, dass
wir uns von Gott gelöst haben.
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Um deshalb ist es keine Sünde oder kein Verstoß ge-


gen Gottes Schöpfungsordnung, wenn wir für eine partner-
schaftliche Gleichberechtigung von Männern und Frauen
eintreten, genauso wenig wie es eine Sünde ist, das Un-
kraut auf den Feldern zu bekämpfen, oder dafür zu for-
schen, dass das Kinderkriegen weniger gefährlich und we-
niger schmerzhaft wird.
Also: Wir halten fest: 1) Die biblischen Texte über
die Schöpfung des Menschen zeigen Mann und Frau als
gleichberechtigte und gleichgestellte Partner.
2) Die „klassische Rollenverteilung“ und der Macht-
kampf mit seinem Machtgefälle zwischen den Geschlech-
tern, werden in der biblischen Urgeschichte als Folge der
Trennung von Gott dargestellt. Als etwas negatives. D.h.
es ist etwas, das wir nicht zu verteidigen brauchen, son-
dern von dem wir erlöst werden sollen und erlöst werden
können.
Und das wird ja in dieser Erzählung auch schon ange-
deutet. Eines Tages wird eine Frau einen Nachkommen
gebären, der die Macht der Schlange (des Bösen) zertreten
wird, obwohl es ihn das Leben kosten wird. (1Mo 3:15).
Dass es also nicht von Gott kommt, dass von Leiter-
schaft ferngehalten werden, zeigt sich in dem, was wir bis-
her gesehen haben, und es zeigt sich im Alten Testament
noch an einer anderen Stelle: Nämlich daran, dass Gott –
wiederum mitten in eine patriarchalen Kultur – immer
wieder Frauen als Leiter beruft.
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3 Weibliche Leiter im Alten Testament


Zum Beispiel gab es eine Periode in der israelitischen
Geschichte, da hatten die Israeliten noch keinen richtigen
Staat, keine etablierte Regierung und kein festes Heer.
Man nennt das die Periode der Richter.
Die Richter waren charismatische Leitertypen, die
man aufgrund von ihrer Persönlichkeit als Leiter anerkannt
hat. Sie hatten u.a. die Aufgabe, Streitigkeiten zu schlich-
ten, die man auf Sippen- oder Stammesniveau nicht mehr
lösen konnte. Deshalb hat man sie eben „Richter“ genannt.
Und eine davon ist eine Frau namens Debora. (Rich-
ter 4:4-5)
Zu der Zeit war Richterin in Israel die Prophetin Debora,
die Frau Lappidots. Sie hatte ihren Sitz unter der Palme
Deboras zwischen Rama und Bethel auf dem Gebirge Eph-
raim. Und die Israeliten kamen zu ihr hinauf zum Gericht.

Also, genau diese Funktion.


Nun gab’s allerdings noch etwas, was diese Richter
ausgezeichnet hat. In Zeiten von Krisen haben sie nämlich
die Verantwortung ergriffen – wie gesagt, es gab ja keinen
König oder Zentralstaat. Aber sie haben Initiative ergrif-
fen, und etwas getan, um das Problem - und das war fast
immer ein außenpolitisches oder kriegerisches Problem -
lösen.
Zu ihrer Zeit hatten die Israeliten einen besonders bö-
sen Nachbarn, einen König namens Jabin, der die Stämme
im nördlichen Stämme von Israel ziemlich utnterdrückt. Er
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hatte den Vorteil, dass er 900 Streitwagen hatte – das wa-


ren die Panzer der damaligen Zeit – und Israel hatte davon
genau 0.
Eines Tages, nach 20 Jahren Unterdrückung ergreift
Debora die Initiative. Sie kriegt einen prophetischen Ein-
druck, dass es jetzt Zeit ist, und dann lässt sie den Oberbe-
fehlshaber der Israeliten kommen – der heißt Barak – und
sagt ihm: Auf, los, trommle dein Heer zusammen. Gott
wird dich über Jabin’s Heer siegen lassen.
Er will nicht, und er lässt sich erst überreden, nach-
dem sie verspricht, dass sie in die Schlacht mitkommt. So
etwas war völlig unüblich damals, aber es spricht Bände
über die Autorität und das Charisma, die sie gehabt hat-.
Dass die Leute gesagt haben: „Ohne dich können wir so-
was nicht. Das kriegen wir nicht hin.“
Und so versammelt sich das Heer. Jabin und sein
Oberbefehlshaber (Sisera) fühlen sich dadurch natürlich
provoziert. Richtigerweise. Und sie ziehen den Israeliten
entgegen mit ihrer weit überlegenen Panzerarmee.
Und wiederum ist es Debora, die dann die Initiative
ergreift, die Schlacht zu beginnen. Wieder aufgrund von
einem prophetischen Eindruck. Das heißt, wieder redet
Gott durch sie.
Und die Schlacht fängt an und Gott greift ein. Es be-
ginnt so zu regnen, dass die Streitwagen im Matsch versin-
ken, und auf einmal ist die Infanterie im Vorteil und die
Israeliten gewinnen tatsächlich die Schlacht.
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Und die Stärke der Frauen wird in dieser Begebenheit


nochmal dadurch deutlich, dass am Ende der gegnerische
Oberbefehlshaber durch eine Frau umgebracht wird. Nicht
Debora, sondern Jael. Aber eben kein Mann, was zu erwar-
ten wäre, sondern eine Frau.
Im Bezug auf unsere Frage finde ich es nochmal ganz
interessant, was Debora hier macht.
Vielleicht habt ihr den Text aus 1Ti 2:12 noch im
Ohr, das ich vorher zitiert habe: Einer Frau gestatte ich
nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann
Herr sei.
Das ist nun genau das, was Debora hier macht: 1) Sie
gibt Gottes Wort mit Autorität weiter, sie ist Prophetin.
Nun ist das vielleicht nicht genau das gleiche, wie „leh-
ren“, aber es ist doch im gleichen Bereich. Und 2) übt sie
Autorität über ein ganzes Heer von Männern aus.
Wenn diese Aussagen aus dem 1.Timotheus-Brief so
eine grundlegende Gültigkeit hätten, weil sie auf ein
grundlegendes Schöpfungsprinzip zurückgehen (wir kom-
men da noch drauf), dann hätte Gott sich mit Debora so-
zusagen selber widersprochen.
Es gibt noch ein paare andere Frauen im Alten Tes-
tament, die eine leitende Rolle gespielt haben. Z.B. Mir-
jam, die Schwester von Mose, die großen Einfluss ausge-
übt hat; Sie wird in Micha 6:4 (also einige Jahrhunderte
nachdem sie schon gestorben ist), als tatsächlich auch
Mitleiterin des Volkes bezeichnet.
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Habe ich dich doch aus Ägyptenland geführt und aus der
Knechtschaft erlöst und vor dir her gesandt Mose, Aaron
und Mirjam.

Oder eine Prophetin namens Hulda, die der König


Josia um Rat fragt, obwohl damals auch die Propheten
Jeremia und Zefania tätig waren.
Wenn ich mir diese Beispiele so anschaue, dann ge-
winne ich den Eindruck, dass Gott mitten in die stark pat-
riarchalischen Strukturen im Orient hinein, ab und zu so
kleine Zeichen setzt, dass er nicht patriarchalisch denkt.
Wir halten also fest, dass 1) die Erzählungen über die
Erschaffung des Menschen Mann und Frau als gleichbe-
rechtigte, gleichgestellte Partner zeigen, die zusammen
„den Menschen“ bilden. Ohne Hierarchie.
Dass 2) die Zwei-Einheit der Menschen zerbricht, als
sie sich von der Quelle ihrer Einheit trennen, nämlich der
göttlichen Drei-Einheit. Da entsteht der Geschlechter-
kampf, und aus diesem Kampf entwickeln, weil die Män-
ner sowohl körperlich als auch in ihrem Zugang zu den
Lebensressourcen einen Vorteil haben, patriarchale Struk-
turen.
3) Halten wir fest, dass Gott ganz offensichtlich nicht
patriarchal denkt, was er u.a. dadurch zeigt, dass er ab und
zu weibliche Leiter beruft und mit Autorität begabt und sie
bestätigt. Gott ist kein Frauen-Unterdrücker.
Leider kann man das nun von der jüdischen Theolo-
gie und Kultur nicht sagen, besonders in ihrer weiteren
Entwicklung.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 23

Nachdem die Israeliten aus dem Exil in Babylon wie-


der zurückgekehrt war, hat sich die jüdische Theologie
immer stärker in Richtung Abgrenzung entwickelt, - ver-
ständlich nach ihrer Erfahrung im Exil – und leider auch in
Richtung Abwertung der Frauen.
Ich geb‘ euch mal ein paar Beispiele aus dem rabbini-
schen Judentum – das war die Form der jüdischen Theolo-
gie, die zu Jesu Zeiten prägend war.
Damit sind wir also bei der vierten Etappe unserer
Wanderung angekommen:

4 Jesus
Was ich über die rabbinische Einstellung sage, ist si-
cherlich etwas vergröbert – es war nicht bei jedem Rabbi
so schlimm - aber es zeigt die Tendenzen und macht damit
deutlich, auf welchem Hintergrund wird die Einstellung
und das Verhalten von Jesus gegenüber Frauen sehen müs-
sen.
Nach dem rabbinischen Verständnis war die Frau
(tendenziell) minderwertig, böse und sündig und man hat
oft die Schöpfungserzählung und die Erzählung über den
Sündenfall als Rechtfertigung für diese Einstellung heran-
gezogen.
Der Schriftgelehrte Ben Sirach sagt zum Beispiel (ca.
180 vChr): Von einer Frau nahm die Sünde ihren Anfang, /
ihretwegen müssen wir alle sterben. (25:24) Und einige
Kapitel später (42:13): Denn aus einer Frau kommt Bos-
heit hervor, ebenso wie aus einem Kleidungsstück Motten.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 24

Selbst die Schlechtigkeit eines Mannes ist immer noch bes-


ser als die Güte einer Frau.
Die Rabbiner haben gedacht, dass die Gefahr für
Sünde, vor allem für sexuelle Sünde und Verunreinigung
vor allem von den Frauen ausgeht. Deshalb hat man sie so
wenig wie möglich am öffentlichen Leben teilhaben las-
sen, und sich selbst so weit wie möglich von ihnen fernge-
halten.
Sie durften normalerweise nicht allein auf die Straße,
wenn, dann nur verhüllt. Männer sollten nicht mit Frauen
sprechen (außer ihrer eigenen, und selbst das nicht immer).
Zitat aus dem Talmud: „Ein Mann sollte nicht auf dem
Markt mit einer Frau sprechen, nicht einmal mit seiner ei-
genen, denn die Leute könnten es ihm falsch auslegen.“
Die Abwertung von Frauen konnte bis hin zur Belei-
digung gehen. Ein Rabbi hat gesagt: Verglichen mit Adam
war Eva wie ein Affe gegenüber einem Menschen (nach
Schmalenbach, Frau sein, S. 106), und ein anderer
(R.Joshua, + 131): Frauen stinken, weil sie aus Fleisch ge-
schaffen sind, und nicht wie der Mann aus der Erde.
Ich finde, das ganze wird so richtig zugespitzt in dem
Morgengebet, dass jeder religiöse Jude betet (bis heute):
Gelobet seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der
du mich nicht als Heiden erschaffen hast.
Gelobet seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der
du mich nicht als Sklaven erschaffen hast.
Gelobet seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der
du mich nicht als Frau erschaffen hast.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 25

Auf diesem Hintergrund sieht man, wie revolutionär


das Verhalten von Jesus gegenüber Frauen war. Er hat mit
ihnen geredet. Er hat sie berührt. Er hat sie – wenn man die
Berichte liest – ganz offensichtlich als gleichwertige Men-
schen gesehen und behandelt.
Wenn er lehrt, dann kommen in seinen Gleichnissen
Frauen genauso vor, wie Männer. Auch wieder, ganz
gleichwertig. Der verlorene Groschen wird von einer Frau
gesucht; die Lektion, dass man im Gebet durchhalten soll,
wird anhand einer Geschichte von einer Witwe illustriert.
Usw.
Das fällt uns alles gar nicht weiter auf – aber das
WAR damals etwas Besonderes.
Einmal hat er eine kranke Frau am Sabbat geheilt. Die
Rabbiner haben sich geärgert und gesagt, dass man das
doch am nächsten Tag hätte machen können. Da hat Jesus
dann geantwortet, dass man sie keinen Tag länger hätte
warten lassen dürfen; Er sagt: Jeder von Euch bindet doch
seine Tiere am Sabbat los, um sie zur Tränke zu führen.
Und diese Frau darf ich am Sabbat nicht losbinden, und
dabei ist sie doch eine „Tochter Abrahams.“
Die Juden haben davon gesprochen, dass sie „Söhne
Abrahams“ sind. Typisch, man hat das nur männlich aus-
gedrückt. Klar waren die Frauen mit eingeschlossen. Logo.
Ich vermute, dass es das erste Mal war, dass jemand
von einer Tochter Abrahams gesprochen hat. Mit Sicher-
heit war es das erste Mal, dass diese Frau es gehört hat.
Das ist Jesu Art, mit den Geschlechtern umzugehen.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 26

Wenn Jesus über Sexualität redet, dann findet man


nicht die übliche Beschuldigung der Frauen, sondern er
sagt, dass jeder Mann selber für seine sexuellen Gedanken
verantwortlich ist. „Wer eine Frau ansieht, sie zu begeh-
ren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem
Herzen.“ (Mt 5:28). Wo ist die Verantwortung? Natürlich
bei dem Mann, der lüstern guckt. Nicht bei der Frau, die
schön aussieht.
Als einmal eine Ehebrecherin zu ihm gebracht wird,
da verurteilt er sie nicht, sondern sagt den Männern, die sie
zu ihm geführt haben: Derjenige von Euch, der ohne Sünde
ist, der werfe den ersten Stein.
Diese Haltung, die Frauen ihre Würde zurückgibt, die
ihnen eigentlich zusteht, setzt sich fort im Bezug auf ihre
religiösen Rechte.
Im rabbinischen Judentum haben Frauen religiös
nicht als gleichwertig gezählt. Das sieht man z.B. am
Tempel, wie er zur Zeit Jesu gebaut war: Da durften die
Frauen nämlich gar nicht in die Nähe des eigentlichen
Tempelhofes kommen, wo die Opfer dargebracht wurden
usw. Die mussten draußen bleiben in ihrem eigenen Vor-
hof. Das war bei dem Tempel, den Salomo gebaut hatte,
noch nicht so gewesen, und vorher auch nicht.
Im Synagogengottesdienst war das genau so. Damit
ein ordentlicher jüdischer Gottesdienst stattfinden konnte,
mussten 10 Männer da sein (ist bis heute so). Sonst geht es
nicht. Frauen zählen da einfach nicht. Wenn 9 Männer und
50 Frauen da sind, kann man keinen Gottesdienst feiern.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 27

Frauen sollte auch nicht die Torah studieren, also die


5 Bücher Moses; heute würde man sagen: die Bibel lesen.
Ein Rabbiner hat gesagt: Lieber sollte man die Torah ver-
brennen, als sie Frauen zu unterrichten. (nach
Schmalenbach, S. 107).
Jesus dagegen nimmt Frauen in sein Gefolge auf; sie
sind genauso seine Begleiterinnen, wie die männlichen
Jünger. Und im Gegensatz zu den andern Rabbinern dürfen
bei ihm Frauen zuhören und genauso mitlernen.
Viele von Euch kennen die Geschichte von Maria und
Martha. Da wird oft darüber gepredigt. Da gibt es Maria,
die faul „zu Jesu Füßen sitzt“ und ihm zuhört, die lobt Je-
sus. Und dann gibt es Martha, die sich um den Haushalt
bemüht, und will, dass Maria ihr hilft. Die wird von Jesus
getadelt.
Das eigentlich revolutionäre an dieser Geschichte,
entgeht uns meistens, weil uns der kulturelle Hintergrund
nicht gegenwärtig ist.
Martha verkörpert nämlich die Frau, so wie sie im Ju-
dentum sein sollte: Sie kümmert sich um die Küche und
die Gastfreundschaft und schafft bis zur Erschöpfung, da-
mit die Männer, wenn sie fertig sind mit ihrem Unterricht,
gleich genug zu essen auf dem Tisch haben.
Maria dagegen macht etwas Unerhörtes: Sie studiert
bei Jesus. Der Ausdruck „zu seinen Füßen sitzen“ war da-
mals ein feststehender Ausdruck für das Theologiestudi-
um. Paulus sagt von sich, er hätte „zu den Füßen Gamaliels
gesessen“ und meint genau das: er hätte bei Gamaliel rab-
binische Theologie studiert.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 28

Und nun lobt Jesus Maria dafür, dass sie etwas macht,
was eigentlich als unanständig galt, oder sogar verboten
war (je nachdem, wie streng man war), und kritisiert Mar-
tha, die sie zurückholen will ins traditionelle Frauenbild.
Seht ihr, wie revolutionär das ist?
Nun ist Jesus natürlich trotzdem in die Kultur seines
Volkes und seiner Zeit eingebunden, und man sieht es
manchmal auch, z.B. daran, dass die 12 Apostel alles
Männer sind. Also soll doch die letzte Leitungsverantwor-
tung bei Männern liegen, auch unter denen, die Jesus nach-
folgen?
Ich glaube, dass diese Wahl einen anderen Grund hat,
bzw. zwei. Einen theologischen und einen praktischen.
Der theologische ist – glaube ich – folgender:
Diese 12 Apostel sind ja etwas Symbolisches. Es gab
12 Erzväter, und daraus ist das Volk Gottes mit seinen 12
israelitische Stämme entstanden.
Und Jesus knüpft daran an, und sagt mit seiner Wahl
von 12 Aposteln: Ich lasse jetzt aus dem alten Volk Gottes
heraus eine neue Gemeinschaft entstehen. Es entsteht et-
was Neues. Aber es ist auch eine Kontinuität zum Alten
da. Das Neue entsteht aus dem Alten.
Deshalb mussten die 12 Apostel Juden sein. Und auch
Männer, weil nach dem damaligen Verständnis nur Män-
ner als „Stammväter“ in Frage kamen.
Außerdem gab’s vielleicht noch einen praktischen
Grund. Jesus wußte ja schon, dass er sie nachher in die
ganze Welt senden würde. Allein reisende Männer, die ei-
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 29

ne neue Lehre verkünden würden, das ging damals. Allein


reisende Frauen, die so etwas tun, das ging nicht. Das
gab’s einfach nicht.
Aber dann tut er etwas, dass diese Betonung auf
Männer fast wieder aufhebt, oder zumindest ein Gegenge-
wicht setzt.
Als er aufersteht, zeigt er sich zuerst seinen Jüngerin-
nen: Zuerst einer Gruppe von Frauen, und dann Maria
Magdalena nochmal extra. Erst danach kommen die Män-
ner dran.
Das ist so bedeutsam, weil die Auferstehung von Je-
sus DAS Ereignis ist, das der ganzen Botschaft von ihm
und seinem Anspruch, der Retter der Welt zu sein, ihre
Glaubwürdigkeit verleiht.
Die 12 Apostel, die ja wussten, dass Jesus mit ihnen
ein neues Volk Gottes bilden würde, die waren sich dessen
bewusst, wie zentral dieser Aspekt war.
Als Judas Iskariot weg war, waren sie ja nur noch zu
elft. Das ging nicht, wegen der Symbolik, die ihnen sehr
klar war. Deshalb musste einer nachgewählt werden, damit
es wieder zwölf sind. Und dann legen sie die Kriterien fest
und sagen (Apg 1:21-22):
So muß nun einer von diesen Männern, die bei uns gewe-
sen sind die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns
ein- und ausgegangen ist - von der Taufe des Johannes an
bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde -, mit
uns Zeuge seiner Auferstehung werden.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 30

So beschreiben sie ihr Hauptaufgabe: Zeuge der Auf-


erstehung von Jesus zu sein. Ihn kennen, alles miterlebt
haben, von ihm und seiner Lehre erzählen können, ja. Aber
vor allem Zeuge seiner Auferstehung sein.
Sie wussten, dass sich das neue „Volk Gottes“ sozu-
sagen aus diesem Ereignis heraus bilden würde. Also war
es wichtig, dass es vor allem anderen richtig und glaub-
würdig weitergegeben wurde.
Das hat ihnen auch eine besondere Autorität verlie-
hen, dass sie das gesehen hatten. Paulus, der ja nicht zu
den 12’en gehört hat, hat seine Berufung und seine Autori-
tät an einigen Stellen ebenfalls genau darauf zurückge-
führt, dass er Jesus als den Auferstandenen gesehen hat.
(z.B. in Gal und 1Ko 15).
Und dieses Privileg, wo ich davon ausgehe, dass Je-
sus sich seiner Bedeutung sehr bewusst war, das gibt er
nun zuerst den Frauen unter seinen Schülern.
Dabei war das für das Anliegen, dass die Auferste-
hung dann für andere nachvollziehbar, also „gut
bezeugbar“ wurde, eher schädigend.
Frauen hat man nämlich damals grundsätzlich so eine
Unzuverlässigkeit unterstellt, dass sie als Zeugen vor Ge-
richt nicht mal zugelassen waren. Eine Zeugenaussage ei-
ner Frau hat damals nichts gezählt. Die hat man nicht mal
angehört.
Im Grunde gefährdet Jesus die Überzeugungskraft der
Nachricht, dass er auferstanden ist und macht sie unglaub-
würdig. Aber das war ihm egal.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 31

Mir scheint, dass er hier offensichtlich noch mal ein


Zeichen setzen wollte: Ich sehe Frauen als gleichwertig an.
Sie können genauso Zeugen meiner Auferstehung sein, wie
Männer. Vielleicht sogar noch besser – deshalb zeige ich
mich ihnen zuerst.
Eben fast wie ein Gegengewicht zu der Tatsache, dass
er als Apostel nur Männer ausgewählt. Und dieses Gegen-
gewicht hätte er nach der damaligen Kultur überhaupt
nicht zu setzen brauchen. Niemand hätte da etwas anderes
erwartet, als dass alle entscheidenden Figuren, die die
christliche Tradition prägen werden, Männer sind.
Aber er tut’s – und damit sagt er etwas.
Ich glaube, dass man, wenn man Jesus studiert, zu
keinem anderen Schluss kommen kann, als dass für ihn
Männer und Frauen völlig gleichberechtigt und gleichwer-
tig waren.
Und dieses Verhalten hat – gerade auf dem Hinter-
grund seiner Kultur – eine ganz große Bedeutung.
Ich glaube, dass es Teil von Jesu Auftrag war, in sei-
nem Leben abzubilden, wie es aussieht, wenn Gottes Ein-
fluss sich ungehindert durchsetzt.
Davon hat er auch immer gesprochen, vom Reich
Gottes, also von der Einflusssphäre, der Herrschaftssphäre
Gottes.
Dazu gehört, dass er Sünden vergeben hat. Dazu ge-
hört, dass er Kranke geheilt hat, und dass er ab und zu so-
gar Tote auferweckt, weil Sünde, Krankheit und Tod keine
Macht mehr haben, wo Gott regiert.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 32

Und dazu gehört auch, dass er Frauen und Männer


gleichberechtigt und gleichwertig behandelt hat.
An seinem Beispiel zeigt es sich, wie man unter dem
Einfluss von Gottes Herrschaft lebt, wie Erlösung aussieht.
Und dazu gehört auch, dass die Gleichberechtigung, die
Gleichwertigkeit, aber auch Gleichstellung von Frauen und
Männern wieder hergestellt wird.

5 Schluss
So, jetzt haben wir 4 Stationen in der Bibel durch-
wandert, und Antworten auf die Frage gesucht: Wie sieht
wohl Gott das Verhältnis von Männern und Frauen? Wie
soll die Rollen- und die Machtverteilung sein?
Wir haben bei den Berichten über die Erschaffung des
Menschen gesehen, dass es am Anfang offensichtlich keine
Hierarchie gab, sondern ein gleichberechtigtes und gleich-
wertiges Miteinander.
Der Mensch sind im Abbild der dreieinigen Gemein-
schaft Gottes geschaffen worden, als Gemeinschaft der
Liebe, und entsprechen sollen beide – Mann und Frau -
gemeinsam Kinder bekommen und großziehen und ge-
meinsam die Erde bebauen und bewahren. Ohne Abstufung
oder geschlechtsspezifische Zuweisung.
Dann haben wir den Bericht über die Abkehr des
Menschen von Gott gesehen. Als Folge davon, dass die
Menschen sich von Gott, der Quelle der Gemeinschaft, lö-
sen, zerbricht auch ihre Gemeinschaft.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 33

Der doppelte Auftrag wird zum Fluch; die Arbeits-


und Lebenswelten werden geteilt, und es entsteht ein ge-
geneinander der Geschlechter. Das ist die Konsequenz der
Abwendung von Gott – ein Zustand, den man nicht zu ver-
teidigen braucht, sondern von dem wir erlöst werden müs-
sen – und können.
Aus dem Geschlechterkampf heraus haben sich dann
patriarchale Kulturmuster ergeben, in denen praktisch aus-
schließlich Männer dominiert und geleitet haben.
Das hat Gott aber nicht einfach gut geheißen, sondern
er hat ab und zu Frauen in Leitungspositionen berufen. Er
hat ihnen ein außergewöhnliches Charisma gegeben, oder
einfach die Gabe, seine Stimme zu hören und mit Autorität
zu allen zu reden, inklusive natürlich der Männer. Es war
nicht oft – aber zeichenhaft.
Bis dann Jesus kam – der Erlöser, der schon direkt bei
den Strafworten nach der Loslösung von Gott angekündigt
worden war. Und bei ihm findet man eine ausgeprägte
Gleichbehandlung der Geschlechter, die noch um so schär-
fer hervortritt, wenn man den kulturellen und geistlichen
Hintergrund sieht, auf dem Jesus sie gelebt hat.
In seinem Leben und Handeln hat Jesus gezeigt, was
es bedeutet, erlöst zu sein. Nach Gottes Willen zu leben,
unter seinem wunderbaren Herrschaftsbereich.
Und genauso wie sich in Jesu Leben die Überwin-
dung von Sünde, Krankheit und Tod zeigt, zeigt sich in
ihm auch die Überwindung der Ungerechtigkeit in der Be-
handlung der Geschlechter.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 1.doc Seite 34

Ich denke, dass die Schlussfolgerung erlaubt ist, dass


bis hierher der dreieinige Gott sich als Urheber und als
Anwalt und als Erlöser einer gleichberechtigen und
gleichwertigen Partnerschaft zwischen Männern und Frau-
en gezeigt hat – und das (wie mehrmals gesagt) auf dem
Hintergrund einer durch und durch patriarchalen Kultur.
Warum sollte das nun ausgerechnet in der Gemein-
schaft der Nachfolger Jesu anders gelebt werden? Sollte es
das wirklich?
Darüber werden wir nächstes Mal nachdenken, und
da behandeln wir dann auch diese ganzen kritischen Texte.