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Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.

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Predigt
Thema / Text: Frauen sind im gemeindlichen Leben gleichberechtigt. Teil 2
Erstellt am: 17.08.2011 Von: Uli Probst Version: '1.0
Gehalten in (am):
Zielgedanke: Jeder Christ kann, indem er die Bibel ernst nimmt, zu dem Schluss
kommen, dass Frauen im gemeindlichen Leben völlig
gleichberechtigt sind, indem er folgenden biblisch-theologischen
Überlegungen folgt:

0 Intro
Ein Mann geht am Strand spazieren und findet eine Fla-
sche. Er nimmt sie hoch und stellt fest, dass der Korken
noch drin ist. Als er ihn aufmacht, kommt ihm ein Fla-
schengeist entgegen. Der Geist sagt: Huhu, weil du mich
befreit hast, hast du einen Wunsch frei.

Der Mann sagt: Immer wenn ich mit dem Schiff fahre,
werde ich seekrank und vor dem Fliegen habe ich Angst.
Deshalb wünsche ich mir eine Autobahn von Europa nach
Amerika.

Der Geist sagt: Ich bin nur ein kleiner Geist, das ist mir zu
schwer. Der Mann sagt: Gut, dann habe ich einen anderen
Wunsch. Bitte mach, dass sich die Frauen verstehen kann.

Der Geist seufzt und sagt: Oh, soll die Autobahn zweispu-
rig oder vierspurig sein?

Männer und Frauen verstehen sich nicht immer. Dann


kann der Flaschengeist auch nichts ändern.
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In der Geschichte der Menschheit hat diese Verschieden-


heit zu viel Streit und Unterdrückung geführt. In der Regel
haben die Männer gewonnen und die Frauen hatten das
Nachsehen.

Die Frage, die uns heute beschäftigt, ist: Sollte das in der
Gemeinschaft der Christen auch so sein, oder möchte
eventuell der Heilige Geist etwas daran ändern?

Wir beschäftigen uns im Moment mit der Frage: Wie


gleichberechtigt sollen Männer und Frauen in der christli-
chen Gemeinde sein? Was sagen die biblischen Texte?

0.1 Wiederholung

Dabei haben wir sozusagen eine Wanderung durch die


Aussagen der Bibel gemacht. Letztes Mal haben wir vier
Stationen durchlaufen.

Die erste Station war die Erschaffung des Menschen. Da-


bei haben wir festgestellt, dass die biblischen Berichte die
Erschaffung des Menschen in einer außerordentlichen
gleichberechtigten Art und Weise erzählen. Wenn man die
ganze Erzählung liest, dann erscheinen Mann und Frau da-
rin als gleichberechtigte Partner. Beide teilen sich den Auf-
trag der Fortpflanzung und den Auftrag, die Erde zu be-
bauen in gleicher Weise, ohne Hierarchie. Das ist umso er-
staunlicher, als diese Erzählungen mitten hinein in eine
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patriarchalische Kultur sprechen.

Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich die


Predigt vom letzten Mal anzuhören oder zu lesen.

Also: ursprünglich sind die Geschlechter in gleich-


berechtiger Weise an den beiden Aufträgen, die Gott den
Menschen gibt, beteiligt.

Die Zuweisung verschiedener Lebensbereiche an die bei-


den Geschlechter und der Geschlechterkampf beginnen
erst später, nämlich mit dem Moment der Abwendung des
Menschen von Gott. Die Frau ist ab jetzt weitgehend da-
durch gebunden, dass das Kinderkriegen und aufzuziehen
mit so viel Mühe verbunden ist. Und der Mann mit dem
Kampf um die Existenzsicherung beschäftigt.

Außerdem entsteht ein Gegeneinander, in dem beide nach


Kontrolle über den anderen streben. Dabei nutzt der Mann
seine beiden Vorteile reichlich aus, nämlich zum einen
seine körperliche Überlegenheit und zum anderen die Tat-
sache dass er derjenige ist Zugang zu den Lebens-
Ressourcen hat - Er ist derjenige der die Erde bebauen und
bewahren soll - Und so unterjocht er in der Regel die Frau
und es entstehen patriarchalische Strukturen.

Wenn wir also die biblischen Erzählungen genau lesen,


erweisen sich patriarchalische Strukturen nicht als etwas
positiv von Gott gegebenes, sondern als einen Zustand,
von dem wir erlöst werden sollen und erlöst werden kön-
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nen.

Das war die zweite Station. Die dritte Station zeigt sich in
der, in der Regel von Männern dominierten Geschichte des
Alten Testaments. Ab und zu beruft Gott nämlich weibli-
che Leiterinnen, und bestätigt ihren Dienst eindrucksvoll.
Es ist fast, als ob Gott ab und zu ein Zeichen setzt, und
sagt: Hallo, Ich bin nicht patriarchalisch!

Die vierte Station war das Leben von Jesus. Das Verhalten
von Jesus gegenüber Frauen steht in starkem Kontrast zum
üblichen Verhalten in seiner Kultur.

Im rabbinischen Judentum hat man die Frau als minder-


wertig, böse und sündig betrachtet, und entsprechend hat
man sie behandelt.

Die damalige Haltung gegenüber Frauen findet sich am


besten ausgedrückt in den Morgengebet, das jeder fromme
jüdische Mann bis heute täglich betet:

Gelobet seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der
du mich nicht als Heiden erschaffen hast.
Gelobet seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der
du mich nicht als Sklaven erschaffen hast.
Gelobet seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der
du mich nicht als Frau erschaffen hast.

So war’s damals. Jesus dagegen hat Frauen völlig gleich-


gestellt behandelt, mit großer Würde und Wertschätzung.
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U.a gibt er ihnen in gleicher Weise wie den Männern Zu-


gang zu seinem Schülerkreis, und erlaubt Ihnen, mit den
Männern gemeinsam bei ihm zu studieren. Das war damals
nicht üblich – oder wurde sogar (je nach der Strenge der
Tradition) direkt verboten. Ein Rabbi sagte, dass man eher
die Torah verbrennen solle, als sie Frauen zu lehren.

Jesus war da ganz anders. Das ist übrigens der Punkt bei
der berühmten Geschichte von Maria und Martha.

Martha verkörpert nämlich die Frau, so wie sie im Juden-


tum sein sollte: Sie kümmert sich um die Küche und die
Gastfreundschaft und schafft bis zur Erschöpfung, damit
die Männer, wenn sie fertig sind mit ihrem Unterricht,
gleich genug zu essen auf dem Tisch haben.

Maria dagegen macht etwas Unerhörtes: Sie geht in die


Vorlesung. Sie „saß zu seinen Füßen“ heißt es im Text.
(Der Ausdruck „zu seinen Füßen sitzen“ war damals ein
feststehender Ausdruck für das Theologiestudium).

Und dann lobt Jesus Maria dafür, dass sie etwas macht,
was eigentlich als unanständig galt, oder sogar verboten
war (je nachdem, wie streng man war), und kritisiert Mar-
tha, die sie zurückholen will ins traditionelle Frauenbild.

Man sieht die gleichberechtigte Art und Weise, mit der Je-
sus die Frauen behandelt, auch noch an vielen anderen
Stellen im neuen Testament.
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Und nun kommt der springende Punkt: Ich glaube, dass Je-
sus in seinem Leben abbildet, was ein erlöstes Leben be-
deutet.

Er hat oft vom Reich Gottes gesprochen, und damit meinte


er den Bereich, in dem wir ganz unter dem Einfluss Gottes
mit seinen Auswirkungen stehen. Er selbst hat verkörpert,
was es bedeutet im Reich Gottes zu leben, auch für die Be-
ziehung zwischen den Geschlechtern.

Das war Station 4. Wenn man das alles zusammenfasst,


denn erscheint Gott als der Erfinder, der Anwalt und der
Erlöser einer gleichberechtigten und gleichwertigen Part-
nerschaft zwischen Männern und Frauen - Und das auf
dem Hintergrund einer durch und durch patriarchalen Kul-
tur.

Und die Frage ist: Sollte das nun ausgerechnet in der Ge-
meinschaft der Nachfolger Jesu anders gelebt werden?

Und das ist unsere heutige Station, die fünfte Station: Wie
sollte das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in der
Gemeinschaft der Christen sein? Was sagt das Neue Tes-
tament?

Mein Ziel mit diesen Predigten, das habe ich letztes mal
schon gesagt, ist nicht, jeden hier von meiner Position zu
überzeugen. Es gibt zu dieser Frage verschiedene, zum
Teil sehr starke Positionen. Und ich glaube nicht, dass die-
se sich durch eine einzige Predigtserie einfach verändern
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lassen.

Was ich mir aber wünsche, ist das eines deutlich wird:
Nämlich, dass man die biblischen Texte ernst nehmen
kann, und zu der Position kommen kann, dass Männer und
Frauen in der Gemeinde gleichberechtigt sein sollen.

Der meiner Ansicht nach falschen Kontrast, der oft aufge-


baut wird, heißt nämlich: Entweder man ist den biblischen
Texten treu, oder man ist für die Gleichberechtigung von
Männern und Frauen in der Gemeinde, weil man eben mo-
dern sein möchte.

Ich glaube, dass, wenn man die Gesamtaussage der bibli-


schen Texte betrachtet, mehr für die Gleichberechtigung
von Männern und Frauen spricht, als dagegen. Dass man
zu diesem Schluss kommen kann, das möchte ich hier ger-
ne zeigen.

Und nun zu unserer fünften Station:

Wie sollte das Verhältnis zwischen Männern und Frau-


en in der christlichen Gemeinde aussehen?

Diese letzte Abschnitt unserer Wanderung wird uns heute


und das nächste Mal beschäftigen. Zwei Einheiten habe ich
also da noch geplant.

Heute gehen wir zwei Schritte: 1) schauen wir an, ob und


wie sich die Erlösung durch Jesus Christus auf das Ge-
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schlechterverhältnis auswirkt. Tut’s das überhaupt? Ich


habe ja behauptet, dass die Trennung der Lebensbereiche
und die patriarchalen, hierarchischen Strukturen das Er-
gebnis davon sind, dass wir Menschen uns von Gott abge-
wandt haben. Dann müssten die Auswirkungen dessen,
dass durch Jesus der Riss zwischen Gott und uns wieder
geheilt werden kann, ja auch hier sichtbar sein.

1 Die Auswirkungen der Erlösung auf das


miteinander der Geschlechter
Als der Jesus gestorben und auferstanden ist, da wurden
die Folgen unserer Abwendung von Gott nicht nur auf in-
dividueller Ebene beseitigt. Also, dass uns unsere Sünden
vergeben sind, und dass wir eines Tages genauso wie Jesus
vom Tod auferstehen. Sondern es war auch die gemein-
schaftliche Ebene betroffen.
Lasst mich euch das zuerst an einem anderen Beispiel zei-
gen, nämlich dem Verhältnis zwischen Juden und Nichtju-
den. Das war ja damals ein Problem, weil die Juden auf die
Nichtjuden herabschauten. Sie haben gedachte: wir kennen
Gott und diese Heiden da nicht. Und wir haben das Gesetz
und halten uns daran, und die leben in Sünde und Aus-
schweifung. Nichtjuden waren – zumindest im Bezug auf
die Religion - für die Juden sowas wie Menschen zweiter
Klasse. Und das hat sich durchaus auch in den christlichen
Gemeinden niedergeschlagen.

Das NT sieht das aber ganz anders. Es sagt, dass als direk-
te Folge davon, dass Jesus stellvertretend für uns gestorben
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ist, eine neue Gemeinschaft auf gleicher Ebene entsteht,


zwischen Juden und Nichtjuden.

Ich lese aus Eph 2:14-16:

Denn Er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht


hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war,
nämlich die Feindschaft. Durch das Opfer seines Leibes
(15) hat er abgetan das Gesetz mit seinen Geboten und
Satzungen, damit er in sich selber aus den zweien einen
neuen Menschen schaffe und Frieden mache (16) und die
beiden versöhne mit Gott in einem Leib durch das Kreuz,
indem er die Feindschaft tötete durch sich selbst.

Seht ihr, wie hier eine neue Art von Gemeinschaft, als di-
rekte Folge des Erlösungstodes von Jesus?

Er hat der Feindschaft den Boden entzogen, indem er für


die Unzulänglichkeiten beider Seiten gestorben ist. Keiner
ist höher und keiner ist niedriger – beide kommen in diese
Gemeinschaft nur auf genau die gleiche Weise, nämlich
indem sie demütig anerkennen, dass Jesus stellvertretend
auch ihre persönliche Schuld getragen hat. Und so wird
diese Gemeinschaft auf einer absolut gleichwertigen Basis
gegründet.

Und das gilt nun nicht nur für den Riss zwischen Juden
und Nichtjuden.

Ich lese aus Gal 3:26-28:


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Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in


Christus Jesus. (27) Denn ihr alle, die ihr auf Christus
getauft seid, habt Christus angezogen. [D.h. ihr seid sozu-
sagen in ihn hineingeschlüpft, so sehr seid ihr mit verbun-
den oder eins geworden.] (28) Hier [d.h. wo Menschen an
Jesus glauben und auf seinen Namen getauft sind 25-27]
ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch
Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid alle-
samt einer in Christus Jesus.

Seht ihr, das ist genau das gleiche Prinzip wie gerade.
Durch Jesus, als Folge der Erlösung verändert sich auch
das Miteinander der Geschlechter, und das Miteinander der
sozialen Schichten.

Übrigens: Habt ihr noch das jüdische Morgengebet im


Ohr?

Gelobet seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der
du mich nicht als Heiden erschaffen hast. .. als Sklaven …
als Frau?

Ich denke, das Paulus das auch im Ohr hatte, als er diesen
Satz schrieb.

Ich halte diese Zusammenstellung, dass er Frauen/Männer


und Sklaven und Freie hier im gleichen Atemzug mit Ju-
den und Nichtjuden nennt, für ziemlich bedeutsam, wenn
man es auf dem Hintergrund von Paulus restlichen Leben
sieht.
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Paulus hat für die Gleichberechtigung von Juden und


Nichtjuden in der christlichen Gemeinde bis zum umfallen
gekämpft. Dafür hat er sich sogar mal öffentlich mit Pet-
rus angelegt. Und zwar genau mit diesem jesusbezogenen
Argument:

Weil der Zugang zu Gott für alle über Jesus Christus führt,
und nicht über die ethnische Herkunft, oder die Treue zum
atl. Gesetz, deshalb darf es in der Gemeinde keinen Unter-
schied geben zwischen Gläubigen jüdischer und nicht jüdi-
scher Herkunft. Gläubige nichtjüdischer Herkunft sollen
absolut gleichberechtigt sein, ohne sich dem Judentum an-
schliessen zu müssen.

Dafür hat er wirklich mit seinem Leben gekämpft. Und


nun nennt er im gleichen Atemzug diese zwei andere sozi-
al unterlegene Gruppen.

Für mich ist das etwas ganz zentrales. Ich glaube, dass
dort, wo sich in einer Gemeinschaft Menschen treffen, die
zu Jesus gehören, - egal ob 2 in einer Ehe oder als Freunde,
oder 5 oder 10 oder 100 oder 1000 oder 10.000 – dass dort
die Diskriminierung nach Völkern, sozialen Schichten, und
Geschlechtern beendet ist – und dass das genauso gelebt
werden soll.
Dass man auf die anderen herabschaut, dass man sie domi-
niert, dass man von ihnen abrückt, dass man sie von Lei-
tungspositionen und Einfluss fernhält, einfach weil sie aus
einem anderen Kulturkreis kommen, oder einer anderen
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Schicht, oder dem anderen Geschlecht – das darf in der


christlichen Gemeinden nicht vorkommen.

Wir schaffen das nicht immer, aber das ist das Ziel. Das ist
das, was Paulus meiner Ansicht nach hier sagt.

Der Ansatz, wie er an der Umsetzung dieser Wahrheit ar-


beitet, ist bei den letzten beiden Gruppen etwas anders wie
bei der ersten. Im Bezug auf die Nichtjuden geht er sehr
direkt und konfrontativ vor. Das macht er bei den Sklaven
und den Frauen anders. Wir werden noch sehen, wie.

Aber der theologische Ausgangspunkt ist der gleiche, und


er steht auf der gleichen, für alle Christen ganz zentralen
Grundlage, nämlich dass wir alle es erlebt haben, dass Je-
sus den Zugang zu Gott geebnet hat, den wir nicht verdient
haben – und auf die gleiche Weise sind wir zur christlichen
Gemeinschaft gekommen.

Dass das für alle gleich ist, das zeigt sich nun noch an ei-
nem anderen wesentlichen Aspekt; nämlich das „Bundes-
zeichen“, das Symbol, das zeigt, dass man dazu gehört.

Im alten Testament war das Zeichen dafür, dass man zu


Gott gehört hat, die Beschneidung. Die gab's natürlich nur
für Juden, und aus biologischen Gründen konnte man sie
nur an Männern vollziehen.
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Und das war auch gedacht: Die Gottesbeziehungen im Al-


ten Testament sind ganz stark durch das Prinzip der „re-
präsentativen Auswahl“ gekennzeichnet.

Die Juden sollten, stellvertretend für die ganze Welt, die


Priesterschaft Gottes in der Welt bilden. Innerhalb diess
Volkes hatte aber nur ein Stamm (Levi), Zutritt zum Tem-
pel, nur eine Familie aus diesem Stamm (Aarons) konnte
Opfer bringen, nur ein Mann aus dieser Familie konnte ins
Innerste des Tempels, wo Gottes Gegenwart wohnte.

Und dieses Prinzip der „repräsentativen Auswahl“ begeg-


net uns wieder auf der Ebene der Familie (des Haushalts
inkl. Sklaven). Dort ist der Mann, der Chef der Familie, ein
freier Mann, der seinen Haushalt vor Gott repräsentiert hat.

Und der kriegt auch das Bundeszeichen. Damit hat er na-


türlich auch eine priesterliche Verantwortung– er repräsen-
tiert seine Familie vor Gott. Aber Er ist der repräsentativ
Ausgewählte.

Im Neuen Testament ist die Struktur der Gottesbeziehung


grundsätzlich anderes. Jeder, der Jesus nachfolgt, hat eine
direkte und unmittelbare Gottesbeziehung – ohne anderen
priesterlichen Vermittler als nur Jesus selbst.

Und so wird eben auch das Bundeszeichen – die Taufe –


an jedem Gläubigen vollzogen. Wieder ist die Botschaft:
Es gibt keinen Unterschied. In dieser Gemeinschaft ist je-
der gleich.
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Übrigens, wisst ihr, wie das so ist mit Taufe und Beschnei-
dung: Ein Baptistenpastor und ein Rabbi wohnen nebenei-
nander. Der Baptistenpastor predigt am Sonntag über die
Nächstenliebe. Und er beschließt, ein Zeichen zu setzen. In
der kommenden Woche wäscht er heimlich dem Rabbi das
Auto. Am nächsten Tag sieht er, wie der Rabbi an seinem
Auto den Auspuff absägt. Er stellt ihn zur Rede was das
soll. Sagt der Rabbi: “Na, wenn Du mein Auto taufst, dann
will ich Dein Auto auch beschneiden.“
Also, das mit den Zeichen, das kann man ja missverstehen.
Aber Gott hat noch etwas gemacht, was man nicht miss-
verstehen kann.

Er hat seinen heiligen Geist jedem Gläubigen – gleich wel-


cher Herkunft, welcher Schicht oder welchen Geschlechts
gegeben. Und er hat jedem Gläubigen Gaben gegeben, mit
denen er Gottes Präsenz in der Welt sichtbar machen kann.

Damit war der Dienst für Gott war auf einmal nicht mehr
nur das Privileg einiger weniger freier, jüdischer Männer.
Sondern aller Gläubiger – ohne Diskriminerung.

Entsprechend werden dann die neue Testament die Gläu-


bigen angeredet – alle: zum Beispiel 1. Petrus 2:9: Ihr aber
seit das auserwählte Geschlecht, die königliche Priester-
schaft, das heilige Volk. Und das gilt eben für alle: Nicht-
juden wie Juden, Sklave wie Freie und Frauen wie Män-
ner.
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Alle sollen sich einfach gemäß ihren Gaben sich einsetzen:


Und Römer 12:6 - 8:

Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem


Glauben gemäß. (7) Ist jemand ein Amt gegeben, so diene
er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. (8) Ist jemand
Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe
er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so
sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's
gern.

Das Kriterium ist nicht mehr Rasse, Schicht oder Ge-


schlecht. Sondern einfach die Begabung, die der Heilige
Geist jedem Menschen ganz individuell gibt.

Das war übrigens für mich einer der Punkte der mich zum
Umdenken in der Frage der Gleichberechtigung geführt
hat. Ich hab da mal sehr hierarchisch gedacht. Dass Frauen
nicht lehren und leiten sollten, usw.

Und dann saß ich in der FTA, wo auch sehr hierarchisch


gedacht wird, und habe meinen Mitstudentinnen beim Pre-
digen zugehört – das hieß nicht so, dass hieß: Monologi-
sche Bibelarbeit für Frauen. Predigen durften sie nicht.
Aber ich habe festgestellt: Die können das besser als wir
Männer. Im Schnitt waren die wirklich deutlich besser.

Und da habe ich mir gesagt: Das kann irgendwie nicht


sein. Wenn der Heilige Geist diese Gaben gibt, dann kann
er doch nicht gleichzeitig ihren Einsatz so verbieten und
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ein schränken. Also, das war ein Element, das mich auf
diese Reise der Veränderung geschickt hat.

Zurück zum Neuen Testament: Es wurde, das wurde im


Leben der neutestamentl. Gemeinden auch so gelebt, dass
die ersten Christen einfach ihre Gaben eingesetzt haben –
unabhängig vom Geschlecht. (und jetzt beschränke ich
mich – aufgrund des Themas unserer Predigt auf Frauen
und Männer )

Wir finden auf einmal wie selbstverständlich nicht nur


Männer, sondern auch Frauen die öffentlich hoffentlich re-
den und beten.

Wir finden Prophetinnen, wie zum Beispiel die Töchter


des Philippus (Apg 21:9).

Wir finden prominente Mitarbeiterinnen, wie zum Beispiel


Euodia und Syntyche in Philippi.

Wir finden Diakoninnen, wie Phoebe in Kenchräa. Römer


16:1-2. Übrigens übersetzt hier Luther fälschlicherweise
"Die im Dienst der Gemeinde ist" -Eigentlich muss es aber
tatsächlich heißen "die Diakon der Gemeinde ist "

Wir finden Frauen, die Hausgemeinden leiten: Allen voran


natürlich Lydia, aber auch Nympha in Kolossä (4:15) Oder
die Adressatin des zweiten Johannesbriefs, wo man den
Namen nicht weiß, aber die offensichtlich die Leiterin der
Gemeinde war, an die dieser Brief gerichtet ist.
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Und wir finden sogar eine Apostolin, Junia im 16. Kapitel


des Römer Briefs.

Rom 16:7 Grüßt Andronikus und Junia, meine Stammver-


wandten und Mitgefangenen, die berühmt sind unter den
Aposteln und schon vor mir in Christus gewesen sind.

Manche Übersetzungen schreiben hier fälschlicherweise


die männliche Form des Namens Junias. Aber das ist
schlicht und einfach falsch. Es heißt Junia und das ist nach
allem, was wir wissen – und die Frage ist gründlich unter-
sucht worden - ein Frauenname.

All das ist auf dem Hintergrund, sowohl der jüdischen als
auch der Griechisch-römischen Kultur, äußerst ungewöhn-
lich. In beiden Kulturen hatten Frauen im öffentlichen Le-
ben nichts zu melden.

Philo von Alexandrien, ein Zeitgenosse von Paulus, sagt es


so:

Märkte und Rathäuser und Gerichte und Zusammenkünfte,


wo sich eine größere Anzahl von Personen versammelt…-
diese alle sind angemessen für Männer… Frauen eignen
sich am besten für ein Leben zuhause, das sich nicht aus
dem Haus entfernt. Die mittlere Tür soll für die Mädchen
als Grenze dienen [d.h. die kommen nicht mal bis zur
Haustür, bewegen sich nur innerhalb des Hauses mit sei-
nem Innenhof] und die äußere den erwachsenen Frauen.
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Es gab eine Ausnahme, bei der Frauen öffentlich auftreten


konnten, und das waren die Kulte rund um die Muttergott-
heiten, die im Mittelmeerraum sehr verbreitet waren. Dazu
kommen wir noch. Die wurden von den Männer auch ent-
sprechend sehr kritisch beäugt. Aber ansonsten hatten
Frauen in der Öffentlichkeit, außerhalb ihres Hauses, ein-
fach keinen Platz.

Bei den Christen jedoch durften Sie eine sehr aktive, we-
sentliche Rolle spielen, bis hin zur Leiterschaft. Das wurde
natürlich dadurch begünstigt, dass der Versammlungsort
der ersten Gemeinden in der Regel irgendwelche Privat-
häuser waren. So war der Rahmen halböffentlich, und da
ging es besser. Aber es war trotzdem nicht ohne (wie wir
gleich noch sehen werden).

Wenn wir all das, was wir bisher gesehen haben, zusam-
mensetzen, dann ergibt sich ein zusammenhängendes Bild:

• Wir haben gesehen Dass in Jesus keinen Unterschied


mehr gibt zwischen Juden und Nichtjuden, Sklaven und
Freien und Männern und Frauen.
• -Dass entsprechend das Bundeszeichen an allen Gläu-
bigen vollzogen wird, und nicht mehr nur an einigen
privilegierten jüdischen Männern.
• -Dass dabei die Taufpraxis einfach nur dem folgt, was
Gott selbst klar und eindrucksvoll ausgedrückt hat, in-
dem er den Heilige Geist Menschen aus allen Hinter-
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.doc Seite 19

gründen, Schichten, aus beiden Geschlechtern glei-


chermaßen gibt.
• -Und dass dementsprechend alle gleichermaßen das
Privileg haben, Gott dienen zu können und priesterliche
Verantwortung zu übernehmen. Und dass dieser Einsatz
entsprechend ihrer persönlichen, ihnen vom Heiligen
Geist gegebenen Gaben erfolgt – die anderen Kriterien
zählen hier nicht.
• Und dann haben wir, in der geschichtlichen Notizen,
die wir im neuen Testament über die Arbeit der Ge-
meinden finden, gesehen dass in der Tat Männer UND
Frauen eine ganz aktive Rolle gespielt haben, bis hin
zur Leiterschaft.
Wieder finden wir, dass hier ein ungeheuer gleichberech-
tigtes Bild entsteht – und wieder war das auf dem Hinter-
grund der damaligen Kultur revolutionär.

Und das bringt uns zum zweiten Schritt. Ich möchte mit
Euch noch kurz

2 Die Schwierigkeit, die die Gleichstel-


lung von Mann und Frau mit sich brach-
te.
ansehen.
Wie schon erwähnt, wurden sowohl in der jüdischen
Kultur – das haben wir letztes Mal gesehen – als auch in
der griechisch-römischen wurden die Frauen betrachtet als
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Wesen, die den Männern unterlegen und naturgemäß un-


terstellt waren.
Es gab auch bei den Griechen ein Dankgebet für die
Männer, das so ähnlich klingt, wie das jüdische Morgen-
gebet, das wir vorher hatten (Formuliert hat das der Philo-
soph Thales ca. 400 vChr - zitiert nach Schmalenbach, S.
123).
Man dankte den Göttern, dass man „als Mensch und
nicht als Tier, als Mann und nicht als Frau, als Grieche
und nicht als Barbar geboren war.“
Also, die Frauen waren irgendwo zwischen Tieren
und Barbaren einzuordnen…
Wie oft das nun gebetet wurde, das weiß nicht. Sicher
nicht so oft, wie das jüdische Morgengebet. Aber es zeigt
natürlich genauso etwas davon, welchen Wert und Rang
man den Frauen zugebilligt hat.
Ganz entscheidend, um die damalige Kultur zu ver-
stehen, ist aber noch ein anderer Begriff, und zwar der Be-
griff der Ehre. (Die Forscher z.B. die Anthropologen Julian Pitt-Rivers oder
Carlin A. Barton nennen die römische Kultur eine „Ehrenkultur“).

Hanna-Maria Schmalenbach (127) schreibt:


Das Ehrgefühl war die innerste Kraft und Motivation der
Menschen, die jede Handlung und jedes Wort bestimmte
und bewertete.

Es ging immer um Ehre – und natürlich auf der ande-


ren Seite auch um Schande. Ehre ist etwas leicht verletzli-
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ches, und das um so mehr, als da noch ein Aspekt dazu


kam:
Ehre war nicht nur etwas, was der Einzelne hatte oder
nicht hatte, sondern es gab ein kollektives Element.
Wenn es in der Familie gut lief, dann hat der Fami-
lienvater, aber auch alle anderen in der Familie dafür in der
Gesellschaft Respekt genossen. Und wenn was schief lief,
dann musste man sich schämen. Wenn bei einem was
schief lag, hat es alle betroffen.
Das kenne wir ja auch. Wir schämen uns ja auch,
wenn unsere Kinder irgendwelchen Mist machen, oder –
die Kinder - wenn die Eltern einfach mal wieder nur „pein-
lich“ sind.
Aber im römischen Reich war’s einfach stärker. Die
Reaktion auf eine Verletzung der Ehre ging von einer aus-
gesprochener Wut oder Rache an dem, der einen beschämt
hat, bis hin zu Exil oder Selbstmord.
So ein bisschen vergleichbar mit den nahöstlichen
Kulturen, in denen junge Frauen umgebracht werden,
wenn sie eine unerlaubte Liebschaft haben, oder eine un-
gewollte Schwangerschaft, weil das die Familienehre be-
fleckt. Das ist so die Kategorie.
In diesem Ehr- und Schamgefüge gab’s nun recht
konkrete Vorstellungen darüber, wie ein Mann und eine
Frau zu sein habe, damit man sich eben nicht schämen
muss.
Ein Mann sollte prächtig, vornehm, berühmt und
edel (Schmalenbach, 128)
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.doc Seite 22

Eine Frau einfach, züchtig und schlicht sein.


Wenn wir das jetzt nebeneinanderlegen, mit dem, was
wir gerade über die Stellung der Frauen in den christlichen
Gemeinden gesehen haben, dann kann man – glaube ich –
das Problem schon erkennen:
Es war äußerst delikat, wenn die Frauen zu sehr im
Vordergrund standen. Wenn der „prächtige“ Mann plötz-
lich in einer öffentlichen Versammlung von einer „schlich-
ten Frau“ eine prophetische Aussage anhören musste –
womöglich noch von seiner eigenen. Oder gar einer Skla-
vin aus seinem Haushalt.
Oder wenn die Frau – weil sie durch ihre neue Stel-
lung in Jesus plötzlich kühn wurde – begonnen hat, in der
Familie neue Rechte einzufordern.
NB: Es gab solche Emanzipationsbestrebungen auch
christlichen Hintergrund im römischen Reich auch, beson-
ders bei den Frauen aus der Oberschicht. Lydia aus der
Apostelgeschichte ist wahrscheinlich so eine Frau, die ein
gutes Stück „emanzipiert“ war (wenn man’s mit heutigen
Worten sagen will). Aber das Maß an Freiheit war be-
grenzt, und erst recht der Personenkreis, der profitiert hat.
Die christliche Sicht, gab allen Frauen – auch noch
aus allen Schichten - auf einmal eine gleichgestellte Wür-
de, die sie vorher nicht gekannt hatten, und dazu die Mög-
lichkeit, sich in der Gemeinde (halb-) öffentlich zu betäti-
gen.
Das war Sprengstoff für eine Ehrengesellschaft.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.doc Seite 23

Und deshalb – so glaube ich – wählen die Apostel ei-


nen sehr weisen Weg, um die Veränderung die Jesus in die
Beziehung zwischen den Geschlechtern bringt, praktisch
umzusetezen.
Ich will ihn an einer zentralen Bibelstelle zeigen, aber
er ist auch an anderen Stellen nachvollziehbar.
Eph 5:21-33 (in Auszügen – wegen der Zeit…) Der
Text ist ein Teil der sogenannten „Haustafel“. Da wird das
Zusammenleben des Ehepaares, der Generationen und das
Verhältnis zu den Sklaven besprochen. Wie sollen Christen
sich denn nun in ihrer Hausgemeinschaft verhalten.
Der Text fängt an mit:
Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

Könnt ihr euch vorstellen, wie nur diese eine Aussage


Sprengstoff war. Hier total ernst gemacht mit der Tatsa-
che, dass die, die Jesus nachfolgen (ihn als Herrn respek-
tieren/fürchten), sich alle gleichgestellt sind. Jeder ist dazu
berufen, in seiner Position den anderen zu dienen.
Und das wird dann nun für jede Position im Haushalt
erklärt, was das bedeutet, auch für die beiden Geschlech-
ter.
(22) Ihr Frauen, [ordnet euch] euren Männern [unter]
wie dem Herrn.
Dieser Vers ist direkt mit dem oberen verbunden:
Ordnet euch einander unter: Für euch Frauen bedeutet das,
dass ihr euch euren Männern unterordnet. Macht es, als
würdet ihr es für den Herrn tun.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.doc Seite 24

(23) Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch
Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen
Leib erlöst hat. (24) Aber wie nun die Gemeinde sich
Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren
Männern unterordnen in allen Dingen.

Warum die gegenseitige Unterordnung für die Frauen


so aussieht, dass sie ihren Mann umfassend respektieren,
das wird nun begründet: Er ist das Haupt der Frau.
Das ist ein Ehrenbegriff aus dem römischen Ehren-
denken. Der Mann WAR in der römisch-griechischen Kul-
tur das „Haupt“ der Familie: Er war ihr Ursprung und Ini-
tiator, ihr Ernährer, ihr Beschützer, ihr alleiniger Herr und
Meister, ihr Repräsentant in der Gesellschaft, ihr Sitten-
wächter und ihr Richter (Schmalenbach 138).
Seine Stellung damals war tatsächlich der Stellung
vergleichbar, die Jesus für die christliche Gemeinschaft
hatte.
Also – sagt Paulus – für euch Frauen hier in der römi-
schen drückt sich eure Unterordnung unter eure Männer so
aus, dass ihr ihnen den ihnen zustehenden Respekt gebt, so
wie wir als Gemeinde Jesus ja auch respektieren.
Wenn wir heute diese Stelle lesen und darüber reden,
dann kommt eine Auslegung heraus, die sich damit be-
schäftigt, wer in der Ehe das letzte Wort hat, wenn man
sich bei der Entscheidungsfindung nicht einigen kann.
Das war im damaligen Kontext mit „Unterordnung“
überhaupt nicht gemeint. Es ging darum, dass die Frauen
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.doc Seite 25

ihren Männern den umfassenden Respekt und Gehorsam


erzeigten der nach den Regeln ihrer Kultur erwartet wurde.
Das wird nochmal deutlich in der Zusammenfassung,
die am Ende des Textes steht:
Eph 5:33 Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau
wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann.

Darum ging’s. Die Aufforderung an die Frauen war


nichts wirklich Neues oder revolutionäres. Nur die Be-
gründung, dass sie es freiwillig tun sollten, als würden
sie’s für Jesus tun. Das war schon auch eine Veränderung.
Aber für die Männer war’s richtig spannend:
Eph 5:25-28 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch
Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für
sie dahingegeben, (26) um sie zu heiligen… (28) So sollen
auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen
Leib… (Übersprungene Verse aus Zeitgründen weggelas-
sen).
Um diese Verse richtig zu würdigen, muss man
nochmal etwas über Ehen im römisch-griechischen Kon-
text wissen.
Geheiratet wurde nämlich nicht aus Liebe, sondern
der Mann hat sich ein standesgemäßes Mädchen gesucht,
um mit ihr legitime Kinder zu zeugen.
Liebe und Lust wurden mit Mätressen und Konkubi-
nen ausgelebt. Das war normal.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.doc Seite 26

Demosthenes, der große griechische Redner hat es so


gesagt (nach Fee, Cultural Context of Ephesians 5, S.6):
Mätressen halten wir uns für das Vergnügen, Konkubinen
für die tägliche Bedürfnisse unseres Körpers, aber Frauen,
damit sie uns legitime Kinder gebären.

Also: Ehefrauen waren nicht dazu da, dass man sie


liebte oder mit Ihnen sexuelle Freuden erlebt, sondern dass
sie einem Kinder gebaren. Wenn das nicht geklappt hat,
vor allem, wenn es keine Söhne gab, dann hat man sich oft
von seiner Frau scheiden lassen.
In der Regel war es so, dass die Männer beim Heira-
ten so um die 30 waren; die Mädchen waren jünger als 18.
Das heißt die Frauen kamen als Teenager in den Haushalt
des Mannes und wurden von ihm erst mal erzogen, wie es
bei ihm zugeht.
Der Gedanke, dass Mann und Frau in einer Ehe auch
nur annähernd so etwas wie gleichberechtigt gewesen wäre
und so etwas wie eine liebevolle Partnerschaft leben, hat
praktisch gar nicht existiert.
In der griechischen Kultur hat eine Frau kaum einmal
mit ihrem Mann und seinen Freunden gegessen. Wenn sie
es tat, dann lag sie nicht mit ihnen zu Tisch (das haben nur
die Kurtisanen getan), sondern sie saß auf einer Bank am
anderen Tischende. Und am Ende des Essens, wenn das
Gespräch sich Themen von öffentlichem Interesse zuwand-
te, dann musste sie gehen (nach Fee, Context, 6).
Und nun sagt dieser Text: Ihr sollt eure Frauen lieben,
wie Jesus die Gemeinde. Ihr sollt euch für sie hingeben. Ihr
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sollt sie behandeln, wie Jesus uns behandelt hat. Ihr sollt
ihnen dienen, wie Jesus uns gedient hat.
Und von Jesus wusste man, dass das nicht nur große
Worte waren, sondern das das auch bedeutet hat, dass er
den Tisch abräumt (Luk 22:27) oder die Füße wäscht.
Könnt ihr verstehen, wie radikal das war? Wenn ein
römischer Familienvater das umzusetzen begann, dann hat
sich die Beziehung zwischen ihm und seiner Frau natürlich
radikal verändert, in Richtung Gleichheit und echter Part-
nerschaft.
Und diese Anweisung war offen bis hin zu völliger
Gleichberechtigung. Nur, dass es nicht die Frau war, die es
einfordern sollte, sondern der Mann, der es freiwillig tun
sollte.
Und genau dadurch, dass die Frauen auf eine Forde-
rung verzichtet haben, und –im Einklang mit ihrer Kultur –
das Ehrbedürfnis des Mannes respektiert haben – war es
möglich, dass die Männer aus freien Stücken etwas geän-
dert haben. Sonst hätten sie ständig das Gefühl gehabt,
dass er sich wehren muss, und seine Ehre verteidigen
muss.
Es ist ein Weg von einer sehr ungleichen sozialen
Ausgangsposition hin zu einer von Liebe erfüllten, gleich-
rangigen Partnerschaft.
Es ist ein weiser Weg, der diese Veränderung initiiert
ohne die bestehenden Strukturen kaputt zu machen – aber
es ist Weg in Richtung auf eine liebevolle, gleichgestellte
Partnerschaft.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.doc Seite 28

Ich glaube, es würde genau der Absicht des Textes


widersprechen, wenn wir daraus ein hierarchisches Ehe-
Modell für alle Zeiten ableiten wollten.
Sondern wir sollten das gleiche Ziel verfolgen – dabei
müssen wir aber nicht jeden Schritt genauso gehen, weil
unser Ausgangspunkt ein anderer ist.
Würden wir den Text anders einordnen, nämlich dass
das Neue Testament hier eine zeitlos gültige, hierarchische
Eheform festschreibt, dann müsste man konsequenterweise
auch sagen, dass das Neue Testament die Sklaverei fest
schreibt.
Denn auf genau die gleiche Weise geht Paulus (und
die anderen Autoren des Neuen Testaments) vor, wenn sie
über das Verhältnis von Sklaven und Herrn reden.
Die Sklaven sollen sich ihren Herren unterordnen
„mit Furcht und Zittern“ (Eph 6:5)– d.h. mit dem großen
Respekt, ohne Widerrede, wie das damals üblich war“ –
und zwar „als tätet ihr es für Jesus Christus.“
Das ist genau der gleiche Gedankengang wie eben für
die Frauen.
Und dann werden die Herren in die Pflicht genom-
men: Sie sollen ihre Sklaven so behandeln, dass es dem
Rechnung trägt, dass sie beiden den gleichen Herrn im
Himmel haben. (Eph 6:9).
Wieder: Hier soll der Weg zur Überwindung der sozi-
alen Ungerechtigkeit von denen ausgehen, die Verantwor-
tung tragen.
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Und das bedeutet auch hier mit Sicherheit nicht, dass


man daraus schließen darf, dass Paulus, das Neue Testa-
ment und Gott selbst für die Sklaverei sind.
Im Gegenteil: zu den Zielen des Reiches Gottes ge-
hört es, dass alle Ungerechtigkeit und Unterdrückung be-
endet wird, und dass alle frei sind – so, wie Gott sie ge-
schaffen hat. Als freie Menschen mit einer unvergleichli-
chen Würde. Jeder – in sozialer Hinsicht genauso wie im
Hinblick auf das Geschlecht.
Dazu ist Weg nötig – und der sieht je nach Kultur et-
was anders aus. Aber das Ziel ist gleich. Erlöste Beziehun-
gen, getragen von Liebe und gleichgestellt, differenziert
einfach nach den Gaben, die Gott jedem verschieden gibt,
aber nicht durch Herkunft, Schicht oder Geschlecht.

3 Schluss
Wir haben heute gesehen, dass die Erlösung durch Je-
sus tatsächlich die zerbrochene partnerschaftliche Bezie-
hung zwischen Menschen wieder herstellt.
Das gehört zu ihrem Wesen – und es betrifft nach den
Aussagen das NT, sowohl die Beziehung zwischen Volks-
gruppen, als auch die Beziehung zwischen sozialen
Schichten als auch die Beziehung der Geschlechter.
Wir haben gesehen, dass Gott diese Gleichheit selbst
bestätigt, durch das Bundeszeichen, dass an jedem Gläubi-
gen vollzogen werden kann. Dadurch wird jeder vollstän-
dig gleichwertig wie jedes andere Mitglied in die Gemein-
schaft aufgenommen.
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.doc Seite 30

Die andere, noch größere Bestätigung ist die Gabe des


Heiligen Geistes an alle, und damit einhergehend die Ver-
teilung von Leitungs- und Lehrgaben quer über alle Volks-
, Schicht- und Geschlechtergrenzen hinweg.
Wir haben gesehen, dass in den neutestamentlichen
Gemeinden Frauen eine große Rolle gespielt haben, bis
hinein in leitende Positionen – und das auf dem Hinter-
grund einer Kultur, in der das völlig revolutionär war.
Und schließlich haben wir gesehen, wie die Spreng-
kraft der Botschaft von der Gleichheit der Geschlechter
und der Schichten dazu geführt hat, dass die Apostel einen
sanften und weisen Weg aufgezeigt haben, wie die Bezie-
hung zwischen Mann und Frau und zwischen Sklaven und
Freien auch praktisch hin zu einer gleichgestellten und lie-
bevollen Beziehung wachsen kann.
Ich finde, man sieht: Gleichberechtigung allerorten.
AAAABER: Es gibt es noch drei Texte im NT, die
gerne zitiert werden, um eine geschlechterbedingte Hierar-
chie in der christlichen Gemeinde zu begründen. Die habe
ich noch gar nicht genannt
Die werden wir nächstes Mal behandeln. Denn eine
der großen Fragen, die sich bis jetzt natürlich gestellt hat,
heißt: Wie passt denn das, was wir bis jetzt gesehen haben
zu Aussagen, wie:
1Ti 2:11-12: Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre
und über den Mann Herr sei, sondern sie sei still.

1Co 14:33-34 Wie in allen Gemeinden der Heiligen (34)


sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversamm-
Frauen sind in der Gemeinde gleichberechtigt 2.doc Seite 31

lung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie


sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.
Das werden wir bei meiner nächsten Predigt anschau-
en. Bis dahin.