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200 Jahre seit der Hinrichtung Andreas Hofers

Es sind 200 Jahre vergangen seitdem Andreas Hofer hingerichtet wurde und als
Volksheld oder gar Nationalheld geehrt wird. Aus den Alpenländern ist uns noch
ein Volksheld bekannt: Wilhelm Tell. Einen Wilhelm Tell hat es vermutlich gar
nicht gegeben. Das Geschehen um ihn knüpft an einer nordischen Sage. Sein
Auftreten angesichts der Arroganz des Vogts symbolisiert die Haltung freier
Menschen gegenüber Versuche sie zu unterdrücken und den Willen sich zu
vereinen um freie Bürger bleiben zu können. Ein gleicher Wille zeichnet sich in
den Handlungen von Andreas Hofer ab. Dass sein Wirken sich gegen Besatzer von
ausserhalb der Tiroler Grenzen wandte ist diesbezüglich von geringerer Bedeutung.

Im Mittelalter hatte der Begriff „ein freier Mensch zu sein” einen sehr konkreten
Inhalt, denn frei waren in den meisten europäischen Ländern bloß die Adeligen.

Um 1414 übernahm die Herrschaft von Tirol Herzog Friedrich IV. genannt mit der
leeren Tasche. Er hatte Schwierigkeiten mit dem Adel und so näherte er sich dem
Bürgertum. Nachdem er die Leibeigenschaft abgeschafft hatte, verstärkte er die
Tiroler Verfassung womit Bürger und Bauern gleich den Adeligen in ihrer Freiheit
wurden.

Das Ereignis mit dem die Unzufriedenheit der Tirolel begann war die Besetzung
Tirols durch Bayern gemäß des Presburger Friedens vom 26. Dezember 1806 nach
dem Sieg Napoleons über Österreich. Die neue Verwaltung begann Reformen
einzuführen im Sinne der Aufklärung und der Gesinnungen der französischen
Revolution, verbot die religiös gebundenen Volksfeste, selbst die
Weihnachtsmesse, bestrafte das Glockenläuten am Feierabend, verbot Wallfahrten
und Prozessionen, es folgen Maßnahmen gegen die Kirche, wie die Schließung der
sieben großen Klöster des Landes und die Beschlagnahmung ihres Vermögens. Die
wirtschaftliche Lage verschelchterte sich zusehends, dennoch wurden die Steuern
um ein vielfaches erhöht. Im Frühjahr 1808 wurde eine neue Verfassung für
Bayern angenommen, die auch für Tirol gültig war. Tirol war nicht mehr ein
einheitliches Land, sondern bestand aus drei Provinzen Bayerns.

Ein Teil des Bürgertums begrüßte die neue Lage Tirols in der Hoffnung es
würden sich zusätzliche Absatzmöglichkeiten ihrer Erzeugnisse ergeben. Der
größte Teil der Bevölkerung wurde aber von Tag zu Tag unzufriedener mit den
neuen Verhältnissen, während die Priester anklagende Predikten hielten. Mit der
neuen Verfassung sahen sich die Behörden berechtigt Zwangsrekrutierungen für
die Armee Napoleons durchzuführen. Als man am 13. März 1809 in Axand bei
Innsbruck eine solche Zwangsrekturierung vornehmen wollte liefen die Burschen
davon, während die Bauern die Soldaten umzingelten und nach Innsbruck
zurücktrieben. Damit war der Funke des Aufstandes gezündet.

Unter den Initiatoren und Führer der Bewegung trat Andreas Hofer hervor, ohne
zunächst einen Rang einzunehmen, an seiner Seite standen Josef Speckbacher und
der Pater Joachim Haspinger.

Andreas Hofer wurde am 22. November 1767 am Sandhof bei St. Leonhard in
Passeier in der damaligen Grafschaft Tirol geboren, und war Wirt im Gasthaus
„Am Sand”, weshalb er auch den Beinamen Sandwirt trug, beschäftigte sich aber
auch mit dem Viehhandel.

Die Führer des Aufstandes hatten sich nicht blindlings in den Kämpfen gegen die
bayrischen Truppen geworfen. Zunächst verschafften sie sich eine Zusage und das
Versprechen des Kaisers, dass er nach dem neu entbrandten Krieg, Tirol unter
keinen Umständen aufgeben werde. Österreich hatte den Frieden von Pressburg
gekündigt und Frankreich am 9. April den Krieg erklärt. Seitens der Tiroler bestand
die moralische und rechtliche Begründung des Aufstandes darin, dass mit der
Abschaffung der Tiroler Verfassung die Bestimmungen des Pressburger Friedens
gebrochen waren und Bayern kein Anspruch mehr auf Tirol haben könne.
Andererseits seien die Tiroler einem König, der sein Versprechen von 1806 nicht
eingehalten hat keine Untertänigkeit schuldig.

Es gab keine zentrale Kommandostelle der Aufständischen, bloß vorherige


Absprachen und laufende Verständigungen. Die Gemeindeämter wurden besetzt,
die Beamten abgesetzt und Scharen von bewaffneten Kämpfer begannen die
Truppen anzugreifen und zu vertreiben. Nach harten Kämpfen am 11. Und 12.
April zogen sich die Soldaten außerhalb der Tiroler Grenzen, die Bayern schickten
eine neue Einheit von 4600 Soldaten, aber auch diese mußte vor den Tirolern
kapitulieren. Napoleon versucht nochmals die Widerstand der Tiroler zu brechen
indem er zwei Divisionen von insgesamt 10000 Soldaten vormarschieren ließ, auch
ohne Erfolg.
Nach der Befreiung des Landes übernahm Hofer die Führung. Er war kein
geschulter Mensch, besuchte bloß die Grundschule, hat aber mit dem Verstand
eines mit naturgegebener Klugheit ausgestatteten einfachen Menschens das Land
unter den Schwierigen Verhältnissen verwalten können. Die Freiheit der Tiroler
dauerte nur bis zum Herbst, denn nach dem von Österreich verlorenen Krieg, war
der Kaiser im Frieden von Schönbrunn (14. Oktober 1809) genötigt, Tirol doch
wieder an den Bayern abzutreten. Napoleon lässt gleich am nächsten Tag drei
bayrische Divisionen in Tirol einmarschieren. Obwohl Andreas Hofer die
Sicherung der Gebirgspässe besonders beachtet hatte, gelang es den Bayern nach
einem Sieg über Speckbachers Verteidiger in Melleck in Tirol einzudringen (17.
Oktober). Dieses Mal erfolgte das Vordringen ins Gebiet sehr langsam, die Bayern
waren bemüht Schritt für Schritt durch Versprechungen und Friedensangebote die
Tiroler für sich zu gewinnen und die Anführer des Widerstands umzustimmen.
Dennoch wurden bis am 1. November harte Kämpfe ausgetragen, kleinere
Zusammenstöße gab es noch bis am 24. November als der letzte Widerstand
gebrochen war.

Andreas Hofer gelang es sich zu verstecken, sein Aufenthaltsort wurde aber nach
längerer Zeit verraten. Er wurde am 22. Januar 1810 festgenommen und nach
Mantua geführt zum Hauptquartier des französischen Vizekönigs Eugene
Beauharnais. Napoleon verlangte die Hinrichtung und so entschied ein
Militärgericht am 19. Februar die Todesstrafe durch Erschiessung. Das Urteil
wurde am nächsten Tag vollstreckt. Die Hinrichtung verlief äußerst dramatisch.
Nach der ersten Salve fiel Andreas Hofer auf die Knie, die zweite traf ihn ins
Gesicht ohne ihn zu töten, danach erteilte ihm einer der Soldaten den
Gnadenschuss in die Schläfe.

Im Nachtrag des Tiroler Aufstandes gibt es einen Abschnitt in Verbindung mit dem
Banat: die Gründung des Dorfes Königsgnad. Einer der besten Kommandanten der
Aufständischen, Josef Speckbacher, flüchtete nach dem Aufstand nach Wien, wo
ihm der Kaiser die Niederlassung der Flüchtlinge in Ungarn vorschlägt. Der
ursprünglich vorgesehen Ort in der ungarischen Pusta sagt aber den Tirolern nicht
zu, es wird ihnen aber ein anderer Ort in einem etwas hügeligen Gelände bei
Doclin im Banat gezeigt. Die Niederlassung an der Stelle des heutigen Dorfes Tirol
erfolgte in drei Zügen. Die erste Gruppe, 20-25 Familien, kam Ende des Sommers
1810 an, geleitet von Speckbacher selbst und dem Stiefbruder der Frau von
Andreas Hofer, Peter Thalguter. Die zweite Gruppe, geleitet von Jeremias
Eisenstecken kam im September in Detta an und läßt sich ein Monat später in
Königsgnad nieder, wo ihnen die Männer der ersten Gruppe Holzhäuser gebaut
hatten. Im Frühjahr 1811 erschien eine dritte Gruppe geleitet vom Pfarrer Johann
Mathias Stuefer. Die Gesamtzahl der nach Königsgnad geflüchteten Familien
betrug 87. Da die Frau Speckbachers sich weigerte, mit den Kinden nach Ungarn
zu kommen, verließ Speckbacher 1813 die Ortschaft, blieb bei einem Freunden in
der Nähe von Wien bis er nach der Niederlage Napoleons wieder ins Land Tirol
ziehen konnte. Die Berufung Stuefers nach Temeswar veranlasst eine Gruppe
Tiroler von Königsgnad nach Temeswar umzusiedeln und sich dort in einer
gesonderten Gasse (Tiroler Gasse) Häuser zu bauen.