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VO SOWJETUNION 1917-1991 MITSCHRIFT

1 VO 08.10.2020 – ÜBERBLICK 3

2 VO 15.10.2020 – IDEOLOGISCHE GRUNDLAGEN 14

3 VO 22.10.2020 – REVOLUTION UND BÜRGERKRIEG 24

4 VO 29.10.2020 – DER BÜRGERKRIEG 35

5 VO 05.11.2020 – BÜRGERKRIEG; STAATSAUFBAU UND NEUE ÖKONOMISCHE POLITIK 1921-


1927 45

6 VO 12.11.2020 – STAATSAUFBAU U. NEUE ÖKON. POLITIK 1921-19217; MACHTKAMPF


1924-1929; DER FÜNF-JAHRES-PLAN 1928-1932 56

7 VO 19.11.2020 – DIE KONSERVATIVE WENDE AB 1929, SOZIALISTISCHER REALISMUS; DER


GROßE TERROR, ARCHIPEL GULAG, STALINISMUS 68

8 VO 26.11.2020 – DIE SU IM 2. WELTKRIEG / AUßENPOLITIK 1933-1938 81

9 VO 03.12.2020 – DER SIEG IM 2 WK UND DER BEGINN DES KALTEN KRIEGES 95

10 VO 10.12.2020 110

11 VO 17.12.2020 125

12 VO 07.01.2020 144

13 VO 14.01.2020 156

14 VO 21.01.2020 170

15 VO 28.01.2020 186

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1 VO 08.10.2020 – ÜBERBLICK

https://www.youtube.com/watch?v=f3aDPF30TLM
Utopie – ohne nationale Konflikte, internationalistischer Geist, gerechte
Einkommensverteilung
Roter Banner = Propagandaplakat 1940er, „Gemeinsam vorwärts mit dem
Kommunismus, mit Völkerfreundschaft“
Technischer Fortschritt, Überdimensionierte Statuen Lenins, Wolkenkratzer auf
gesprengten Kathedralen (wurde dann nicht durchgeführt, Kathedrale wurde zwar
gesprengt, aber dann später Schwimmbad darauf gebaut)
Sputnik: Erster künstlicher Satellit, Ausdruck der technischen Führerschaft der
Sowjetunion am Anfang des kalten Krieges
Ein neuer Mensch sollte geschaffen werden, gebildet, stark gesund, kollegial, sozial,
internationalistisch

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1922 Sowjetunion geboren, das größte zusammenhängende Staatsgebiet der Welt

Besorgungsmängel, Korruption

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„Sowjetunion als der größte Mikroprozessor“ – Starke Propaganda, mangelnder
technologischer Fortschritt
Sowjetunion gelang es eine Alphabetisierung auf fast 100% durchzuführen
Gleichberechtigung in der Unterdrückung, Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter
Unfreiheit, omnipräsente Überwachung, Zensur
Kluft zwischen Anspruch und Ideal und der Realität kennzeichnet die Sowjetunion,
auch bei der Friedens- und Befreiungsrhetorik (Antisemitismus, etc.) – diese Kluft hat
zum Untergang der Sowjetunion geführt

Was war an der Sowjetunion wirklich neu und was lässt sich komplementär in
russische Geschichte einordnen?
War prägende Phase in der Geschichte Russlands
Epochenjahr 1917 eines der wichtigsten Zäsuren der Geschichte, Aussterben der
Dynastie – Bolschewiken, Oktoberrevolution, blutiger Bürgerkrieg
Oktoberrevolution als Beginn des kurzen 20 Jhr., Untergang großer Teile der alten
Welt, Eintritt der USA in den Weltkrieg
Neue ökonomische Politik; Zur Erholung der Wirtschaft, der Gesellschaft nach dem
Bürgerkrieg
1927 tritt Stalin faktisch die Alleinherrschaft an

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Parteiämter (Generalsekretäre der kommunistischen Partei) eigentliche wichtige
Positionen (an Ministerpräsidenten erinnert sich kaum jemand)
Phase des Stalinismus grenzt sich von Sowjetphase ab, Phase mit den meisten
Opfern, den schwierigsten Herausforderungen
27 Millionen im zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen (größtenteils Zivilisten), nach
dem Krieg steigt die Sowjetunion zur zweiten Supermacht auf
Tod Stalins 5.3.1953 – Sowjetunion in ruhigere Phase, funktioniert eher über
Androhung von Gewalt als über die Ausführung von Gewalt im Stalinismus
1985 neuer Generalsekretär an der Spitze der KPDSU, am Anfang Reformen, um das
System langlebiger zu machen, dann System abgeschafft, um den Staat zu erhalten,
jedoch zerfällt die Sowjetunion 1991

International und innerpolitisch


Entscheidende Kraft des 20 Jahrhunderts

Radikalisierung der Politik: Unterstützung von Umsturzversuchen, Ermordung von


politischen Gegnern im Ausland, Inspiration von Arbeiterbewegungen im Ausland,

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Machtübernahem der Bolschewiken trägt zur Radikalisierung der Rechte bei (viele
Nationalsozialisten basieren ihre Rechtfertigung auf Anti-Bolschewistische Positionen)

Stärkung der sozialen Agenda in westlichen Staaten gefördert – Herausforderungen


die durch die Sowjetunion gestellt wurden, wurden auch von westlich liberalen Staaten
aufgegriffen – Wohlfahrtsstaat

Kalter Krieg: Bild=Checkpoint Charlie Berlin

Sowjetunion als wissenschaftlich geführtes Land, gewisse Teile der Wissenschaft in


der Sowjetunion stark unterdrückt (Geistes und Sozialwissenschaften, teilweise
Naturwissenschaften im Stalinismus unter der Fuchtel des Regimes z.B. Genetik)

Industrie: Im Stalinismus ist die SU unter die führenden Industriemächte aufgestiegen,


davor durch den 1 WK und den Bürgerkrieg stark zurückgefallen. Kein Staat hat sich
länger für den 2 WK vorbereitet als die Sowjetunion

Mentalität: Sensibilität der Bevölkerung gegenüber politischen Druck, Innenmigration,


Selbstzensur der Bevölkerung

Politischer Kultur: Umgang mit der Opposition im Stalinismus sehr gewaltbereit (Leute
nach Quoten erschossen, nicht reelle Oppositionelle verfolgt, bestimmter Prozentsatz
der Bevölkerung getötet um Bevölkerung einzuschüchtern) – Einschüchterung von
Menschen mit oppositionellen Ideen und deren Verfolgung, Inhaftierung, Einweisung
in psychische Anstalten gehört zum Erbe der Sowjetunion

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Prüfungsstoff ist die Vorlesung
Literatur zum Nachlesen
The Cambridge History of Russia ist online verfügbar

Meinens Wissens nach war Russland vor der Revolution eines der "ärmsten" Länder
der Welt. Zumindest bestand die Bevölkerung zu 95% aus (Analphabeten) Bauern.
Wie meinten Sie es vorhin als Sie meinten es waren Platz 6 der Industriestaaten?
In der ländlichen Bevölkerung eine sehr weit verbreitete Verarmung, Industrielle
Arbeiter damals sehr kleiner Anteil (2 Millionen)
Bereits im Vorrevolutionären Russland Erfolge mit Alphabetisierung, bei Kindern
Alphabetisierungsquote von 60 %, bei der städtischen Bevölkerung bei 30%,
Sowjetunion hat auf diese Erfolge

Deswegen bezieht sich der Marxismus Leninismus auch auf die Bauernschaft , und
nicht nur auf die Arbeiter
Arbeiterschaft damals sehr kleiner Anteil
80 % der Bevölkerung leben auf dem Land, in den 1970er/80er Jahren einer der
wichtigsten Agrarexporten, litt aber auch an Agrarproblemen (Missernten, Klimatisch
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benachteiligt, Niederschläge im Winter, nur Teil des Landes effizient bewirtschaftbar),
Russland lange von Lieferungen von andern großen Agrarexporten (Kanada, USA)
abhängig

Agrarkrise
Im Kaiserreich Leibeigenschaft aufgehoben, Bauern waren plötzlich persönlich frei,
dadurch Agrarkrise nicht gelöst, hatten noch zu wenig Land oder waren tief verschuldet
durch Landkauf und konnten durch die Struktur der ländlichen Gemeindestruktur (z.B.
gemeinsame Schulden) nicht in die städtischen Ballungsräume ziehen konnten
→ Zerschlagung der Bauergemeinden, Privatisierung des Landes, Bauern konnten in
die Stadt gehen, aber auch soziale Netze zerschlagen, führte nicht immer zu sozialen
Aufstieg

Industrialisierung und soziale Krise


Lebensverhältnisse der Arbeiterschaft blieben katastrophal

Russland vor der scheinkonstitutionelle Monarchie, bis 1906 war Russland


autokratisches Imperium (Zar herrscht völlig uneingeschränkt), 1906 Gesetzgebung

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(Duna) eingerichtet), Herrschaft aber nicht der Duna, sondern dem Kaiser gegenüber
verantwortlich – dieser konnte die Duna verändern wie es ihm passte,
Zensuswahlrecht (Steuern entscheiden wie viel Wahlrecht man hat)
Politische Gewalt auf der linken Seite (Anarchisten) und rechter Seite (Antisemiten)
Weniger gewaltbereiter Sektor, Sozialisten auch an politischen Attentaten beteiligt

Nationale Unabhängigkeitsbewegungen an der Peripherie


100 Nationalitäten in der Sowjetunion vereinigt, ethnische Russen weniger als 50 %
der sowjetischen Bevölkerung, großer Anteil Ukrainer
Offizielle Bevölkerungspolitik war supranational, Zar sah sich als Herrscher aller
Nationen des zarischen Reichs, nicht nur der Russen
Rückdrängung der nationalen Kultur (z.B. polnische Hochschulen geschlossen,
polnische Sprache verboten etc.)

Revolution 1905
Verursacht durch Eskalation der Versorgungslage des russischen Reiches durch den
Krieg mit Japan, klassischer Konflikt zweier großer Reiche, erstmals gelingt es einer
außereuropäischen Macht eine europäische Macht zu besiegen

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Zar reagiert anfangs auf die Revolution mit Gewalt
Verfassung wird dann zugesagt – Kaiserliche Verordnung 1906, so wenige
Konzessionen wie möglich so viele wie nötig, um die Unruhen zu beenden,
Notverordnungsrecht des Kaisers bleibt bestehen, Max Weber
„Scheinkonstitutionalismus“, Kaiser und Herrschafter konnten Duna beliebig absetzen
und neu setzen

Können sie eine Definition von Sowjets geben ?


Von unten entstandene Gremien um die Interessen der Arbeiter zu vertreten,
es gibt Arbeiter Sowjets, Soldaten Sowjets, sie bestehen nicht über die
Revolutionszeit 1906 hinaus, entstehen aber wieder 1917 und ziehen mehr
politische Entscheidungsgewalt an sich, werden zu einer entscheidenden
Gegenmacht der provisorischen Regierung

Kann man sie als quasi demokratische Institutionen bezeichnen?


Vertreten nicht die gesamte Bevölkerung, sondern Arbeiter und Soldaten – in
dem Sinne nein
Aber führen zu politischer Mitsprache, man könnte als ja sagen

Könnte man die Probleme Russlands durch die ethnische Vielfalt mit
Österreich-Ungarn vergleichen?
Ginge
In der Habsburgermonarchie konnte man ukrainische Bücher drucken, in
Russland nicht

gingen die Sowjets von unten bis oben? also wurden delegierte gewählt die
dann wieder "nationale" Entscheidungen durchsetzen sollten oder gab es
irgendwann eine Grenze?
Delegierte erst 1917

Weltkrieg 1914
Verschlechterung der Lebensbedingungen:
Inflation steigt stark an

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steigende Arbeitsanforderungen, 60-Stunden-Woche in der Industrie gesetzlich
verankert
Versorgungskrise: Lebensmittel – keine Produktionskrise, sondern Verteilungskrisen
(schlechte Infrastruktur) – Lebensmittel müssen rationiert werden
Nach dem 2 WK verhungern in der Sowjetunion 1 Millionen Menschen, war keine
bewusste politische Entscheidung

Diskreditierung der Zarenfamilie


Prestige des Zaren (hält als Klammer den Staat zusammen) leidet im Krieg,
Niederlagen der russischen Armee gegenüber der deutschen Soldaten ihm
angerechnet
Kaiserin blieb in Leningrad zurück, war sehr unpopulär, stammt aus deutscher
Adelsfamilie, stark aus nationaler Seite angegriffen, Verhältnis mit Wunderheil
Rasputin (soll Sohn vor Bluterkrankheit heilen), Affäre angedichtet

Instabilität
In dieser Zeit eine Fülle von Regierungswechseln, Minister wechseln sehr oft

Der erste Weltkrieg bildet einen Katalysator für die nicht gelösten Krisen

Interpretation
Pessimistisch: Modernisierung aus sich heraus wäre durch die stark autokratischen
Kräfte nicht möglich gewesen, Revolution war nötig
Optimistisch: Auch unter Scheinkonstitutionalismus gab es Fortschritte
(Alphabetisierung)

Hatte die Dritte OHL des Deutschen Reiches einen entscheidenden Einfluss auf das
Gelingen der „Oktoberrevolution“? Oder ist der Einfluss der OHL zu vernachlässigen?
Lenin ohne die Zustimmung des deutschen Reiches schwer nach Russland
gekommen, Ohne Lenin hätte es wahrscheinlich keinen Oktoberputsch gegeben, also
indirekt ja

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Kurze Frage bzgl. der LV: Wird darin auch die Kunst (russ. Avantgarde mit Chagall,
Kandinsky, Rodtschenko und Malewitsch und dann die Kunst/Propaganda im
Sozialismus) thematisiert werden?
Ja

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2 VO 15.10.2020 – IDEOLOGISCHE GRUNDLAGEN

In der Literatur oft Begriffsverwirrung zwischen Sozialismus, Kommunismus,


Sowjetischer Staatssozialismus etc.
Andere Hauptströmungen: Entstanden als Reaktion auf die revolutionären Ereignisse
in Frankreich, sind Konservatismus und Liberalismus (Umsetzung der Konstitution,
Bürgerrecht der französischen Revolution ausgerichtet)
Sozialismus – Solidarische Gesellschaft, Grundwerte Freiheit und Gleichheit,
Herrschaft von Menschen über Menschen überwunden werden
Eigentumsverhältnisse tragen dazu bei, dass die politischen Verhältnisse ebenfalls
nicht gleichberechtigt sind
Idee des Sozialismus geht weit zurück, basiert teilweise auf antiken Gedanken (Ideen
über die gerechte Verteilung von Gütern bei Platon), im Frühchristentum,
aufklärerische Sozialutopien
Nach der französischen Revolution, der amerikanischen Revolution Ideen eine
Gleichheit bei den Menschen herzustellen
Enorm ungleiche Güterverteilung widerspricht dem Gedanken, dass alle Menschen
gleich sind
Menschenrechtsdiskurs betont die Gleichheit der Menschen, Sozialismus betont die
Gleichheit des Eigentums

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Rousseau – Diese Gedanken finden sich nicht nur in einem sozialistischen Kontext,
siehe Rousseau
Tocqueville – in seiner Abwandlung über Amerika, Demokratie braucht eine Gleichheit
der Rechte und im Zugang zu den Produktionsmitteln
Proudhon – Frankreich

Noch nicht klar differenziert wer die Eigentumsrechte haben sollte, z.B.
Kollektiveigentum, Staatseigentum etc.
Sozialismus erlebt seinen Aufschwung in der Industrialisierung
Damals bereits sehr unterschiedliche Ausprägungen im Sozialismus, unterscheiden
sich hauptsächlich in der Umsetzung der Mittel, vor allem der Frage ob Gewalt zulässig
ist oder nicht; der Frage nach den Eigentumsverhältnissen (Kollektiv vs. Staat), Frage
wie die Wirtschaft organisiert sein soll (noch marktwirtschaftliche Merkmale,
Planwirtschaft a la Sowjetunion)
Diese Vielfalt hat nicht verhindert, dass die Arbeiterpartei versucht haben sich
international zu vernetzen – 1 internationale Arbeiterassoziation 1861 – die
ideologischen Spannungen und nationalen Interessen haben aber zu ihren Zerfall
beigetragen
In der Mehrheit dem nationalen Gedanken treu geblieben

Ideologische Spaltung wird auch zu einer Parteienspaltung während des 1 WK. in


sozialistische und kommunistische Parteien.
Sozialdemokratie – Evolutionäre Veränderung der politischen und Besitzverhältnisse,
kein Putsch, Veränderungen im konstitutionellen Rahmen der Demokratie durch
Gesetzänderungen
Revolutionärer Sozialismus – Gewaltsamer politscher Umsturz, gegebenenfalls
diktatorischer Neuanfang der Gesellschaft
Kaum kommunistische Parteien durch Revolution an die Macht gekommen, eher durch
bewaffneten paramilitärischen Putsch (Russland) oder durch auswärtige Einmischung
(Osteuropa nach dem 2WK durch Sowjetunion)
Kuba als Ausreißer

Sozialismus als Übergriff, darunter Sozialdemokratie für die gemäßigtere Richtung,


Kommunismus für die radikalere Ausrichtung

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Ist ihre Unterscheidung von Sozialismus als Oberbegriff und Kommunismus als
Gewaltsame Revolutionäre Spielart auch in der Politischen Theorie der Zeitgenossen?
Entspricht nicht der Selbstbezeichnung der kommunistischen Denker.
Kommunistische Selbstbezeichnungen haben eine andere Terminologie gewählt,
Kommunisten haben sich selbst erst verspätet, nach 1918, sich als Kommunisten
bezeichnet. Haben nach der marxistischen Terminologie unterschieden, wo
Kommunismus eine höher Stufe des Sozialismus sei, gekennzeichnet durch eine
klassenlose Gesellschaft. Kommunismus immer als Ziel bezeichnet, selbst komm.
Parteien haben angemerkt dass der Kommunismus nicht erreicht sei

Karl Marx als prägende Gestalt für die Entwicklung des Sozialismus
Beteiligt an der Gründung der internationalen Arbeiterassoziation
Von seinen Anhängern als ein wissenschaftliches System zum Analyse historischer
und Vorhersehen zukünftiger sozialer Entwicklungen
Nimmt in Anspruch mit naturwissenschaftlicher Gewissheit zukünftige Entwicklungen
prognostizieren zu können

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Beeinflusst durch die damaligen Entwicklungen der Naturwissenschaft, Darwin die
Entstehung der Arten, ging im 19 Jhr. weit in die Entwicklung der politischen Theorien
hinein

Dialektischer Materialismus:
Gegensätzliche Konzepte zwischen These und Antithese können überwunden
werden, durch eine höhere Synthese, inspiriert durch Hegel
Hier aber auf einer materiellen Ebene (Sozio-ökonomischer Ebene) anstatt einer
intellektuellen
Der Mensch ist davon getrieben, dass er sich materiell absichern möchte
Dieses materielle Interesse definiert die wirtschaftliche Basis einer Gesellschaft
Basis – Überbau (Basis – Superstructure)

Wenn es zu einem Widerspruch zwischen Basis und Überbau kommt – Revolution

Historischer Materialismus:
Überträgt dialektischen Materialismus in die Geschichte
Antike – Sklavenhaltung, ist untergangen, durch Feudalismus ersetzet (Breitere
Besitzverteilung, dann in der frühen Neuzeit durch Frühkapitalismus beseitigt worden.
Dieser gab die Grundlage für eine bürgerliche Gesellschaft, die die adelige
Gesellschaft beseitigt hat. Dann kam der Kapitalismus. Gegenwartsanalyse:
Kapitalismus durch eine proletarische Revolution beseitigt

Frage der Gewaltanwendung unter Kommunisten stark diskutiert, bei Marx


schwammig geblieben

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Sehr radikale Ausprägung des Sozialismus, durch Marx selbst beigetragen
Versch. Einflüsse, besonders Einfluss Lenins
Thomas Morus – England 16 Jhr.
Begriff Kommunismus aus dem Französischen im 18 Jhr. ins Deutsche übernommen
worden, durch Marx und Engels stark popularisiert worden
Lenin: Kommunismus als eine Fortsetzung des Sozialismus, erst wenn der Staat
beginnt abzusterben, wenn eine klassenlose Gesellschaft besteht, ist der
Kommunismus rein
Bedeutet nicht, dass es überhaupt kein Privateigentum geben darf (z.B. Radioapparate
etc.), aber kein Privateigentum an Produktionsmitteln
Wirtschaft vergesellschaftet: Entweder über den Staat oder andere Kollektive

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Lenin war einer seiner vielen Decknamen, hat Leben im Untergrund geführt
aus gutbürgerlichen Verhältnissen – nicht notwendigerweise Widerspruch
Als Jus-Student über Bürger in Kontakt mit revolutionärer Bewegung in Russland in
Kontakt gekommen (Nabolia?)
1895: Lenin auch nach Sibirien verbannt
RSDAP = Russische soziale demokratische Arbeiter Partei
1903: Fragen der Parteistrukturen, Radikaler Flügel (von Lenin geführt) für eine
geschlossene Partei von Berufsrevolutionären und Terroristen, als eine
Geheimavantgarde der Arbeiterklasse, dagegen ist die Menschewiken (war
zahlenmäßig die Mehrheit, unter der Führung von Martov) für eine offene Partei
eingetreten
In den folgenden Jahren war Lenin im Exil, bei der Revolution von 1906 in der Distanz
war, bleibt politisch tätig, schreibt immer wieder Artikel und schickt sie nach Russland

1912: Menschewiken bilden eine eigene Partei, 1918 werden sie aufgelöst nachdem
die Bolschewiken die Macht übernehmen (stellen Parteidiktatur her)

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„Was tun?“: Lenin argumentiert das die Parteiführung aus Berufsrevolutionären
bestehen sollte, die Arbeiterparteien sind nur zur gewerkschaftlichen Betätigungen
fähig sind, sind unfähig eine Revolution zu organisieren
Daher macht es keinen Sinn sich für eine Besserstellung der Arbeiter einzusetzen,
Vergeudung revolutionären Potenzial

Zwei Taktiken der Sozialdemokratie: Geht einen taktischen Schritt zurück und sagt das
die Partei der Bolschewiken beides tun soll, eine Revolution und eine
Massenbewegung, um einen Rückhalt in der Bevölkerung aufzubauen
Idee einer revolutionär-demokratische Diktatur der Bauer, Zugeständnis an den
Realzustand in Russland (Große Zahl an Bauern)
Weiteres Realproblem in Russland ist der Umstand das es zu wenige Industriearbeiter
gibt, nach einer marxistischen Theorie noch nicht reif für eine Revolution

Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus


Versucht die Fehlprognosen von Karl Marx mit Blick auf eine Prognose einer
Revolution in Russland zu lösen. Argumentiert das der Kapitalismus in Russland sein
höchstes Stadium erreicht hat, aber in Russland wäre eine Revolution deshalb
möglich, weil es das schwächste Glied in den kapitalistischen Staaten erweisen wird.
Lenin einer der wenigen, der nicht von nationalen Überlegungen während des 1 WK
geleitet wurde, waren gegen den Kapitalismus (im Gegensatz zu den deutschen
Sozialdemokraten)

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Aprilthesen: Nach Lenins Rückkehr nach Russland, Forderung, dass Russland sofort
aus dem 1 WK austritt, Bodenreform (Boden soll den Bauern gegeben werden, aber
nicht als Eigentum), Rätemacht (Alle Macht den Sowjets)
Befindet sich in einem starken Widerspruch zu seinen Parteigenossen, war 10 Jahre
nicht im eigenen Land, hat Februarrevolution über Zeitungen vernommen

Bezeichnet als Parlamentarismus als völlig irrelevant (Kretin = Idiot), entscheidend ist
nicht wer die meisten Stimmen bekommt, sondern welche Stimme zum Einsatz
kommen
In der Sowjetunion wird der Staat nicht abgeschafft, aber der Staat wird zu einem
Instrument der Partei, auf Ideen Lenins zurückzuführen
Erstes Zitat von Stalin von 1919: Was gut für die Arbeiterklasse ist, weiß die Partei.
Was die Diktatur der Arbeiterklasse ist, wird die Diktatur der Partei

Wie offen war Lenin in seinen Ansichten dass die Führung von Berufsrevolutionären
übernommen werden muss? Hätten ihn solche Ansichten unter Kommunisten, die für
Gleichheit waren, nicht zur Persona Non Grata machen müssen?
Lenin ist eine kontroverse Persönlichkeit, hat die Sozialdemokratie gespalten, den
radikalsten Teil auf seine Seite gezogen und dann neu gespalten

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Hat es immer wieder geschafft sich gegen größere Parteien durchzusetzen. Machte
nie Zugeständnisse, außer vielleicht strategische

Führungskreis der Bolschewiken, durch das Dasein des Untergrunds während es


Zarenreichs geprägt
Foto: Stalin
Unkritisches, ungebrochenes Selbstbewusstseins, Zeit gigantischer Utopien, neue
Konzepte des Menschen geschaffen – bei der extremen Linken und den extremen
Rechten

Viele Konzepte über die Jahrzehnte modifiziert, wie funktioniert das in einem rigiden
System? Ideologie als einen Rahmen für die Interpretation der Welt und politischer
Ziele und als Rechtfertigung für Maßnahmen
Rechtfertigung: Zukünftige Arbeiterklasse als Hervorbringer einer klassenloser
Gesellschaft, ob die Mehrheit das will oder nicht
Manichäisches Weltbild aus der Zeit aus dem Untergrund geprägt, Schwarz-Weiß-
Denken in Genossen und Feinden, wer sich entscheidet Kommunist zu werden, trifft
eine Lebensentscheidung, die bis in das Privatleben hineingeht
Feinde sowohl national als auch international, kapitalistische Umkreisung
Wahlen für den Kommunismus relativ irrelevant

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Keine Grassroots-Bewegung, die eine breite Bevölkerungsbeteiligung hat

Manes Sperber oder Arthur Koestler haben dieses Thema in Romanform sehr gut
behandelt
Sonnenfinsternis von Koestler

also hat die Kommunistische Partei im zweiten Weltkrieg in gewisser Weiße eine
Bestätigung für ihr Feindbild erhalten?
Nein, ideologische Problematik aus einer objektiven Sichtweise darin, dass aus
sowjetischer Perspektive nur einen graduellen Unterschied zwischen Demokratie und
Nationalsozialismus gibt, beides kapitalistische Systeme
Deswegen Kapitalismus nicht als Gegenstück zum Kommunismus hernehmen, , da
sehr verschiedene politische Systeme darunterfallen. Entscheidendes Gegenstück
zum Kommunismus ist die parlamentarische Demokratie

„Je Schlechter, desto besser“ – Bei heutigen Populisten angewendet, indem man den
Leuten einredet, dass es ihnen schlechter geht
Populismus sehr vager Begriff. Frage wo sie tatsächlich die Möglichkeit haben, an
einer Veränderung der Zustände mitzuwirken. Bei der Opposition wenig Möglichkeiten
Veränderungen zu bewirken, eher Aufgabe Spiegel vorzuhalten. Wenn die Möglichkeit
bestünde Veränderungen zu bewirken – Vorwurf gerechtfertigt

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3 VO 22.10.2020 – REVOLUTION UND BÜRGERKRIEG

Revolution in der Regel positiv assoziiert – friedige Märsche auf Straßen, Demokratie,
mit bestimmten Revolutionen der Geschichte assoziiert (z.B. 1989, Demonstrationen
in Belarus 2020 etc., amerikanische Unabhängigkeit, die englische Revolution von
Zeitgenossen positiv aufgenommen etc.)
Selbst positiv assoziierte Revolutionen haben ihre gewalttätige Akte z.B. französische
Revolution (0,5 Millionen Tote)

Definition aus der Politikwissenschaft, in der Geschichte nicht immer übernommen (in
Geschichte Begriff oft unschärfer gebraucht z.B. „Revolution von oben“ in Russland,
Revolution Stalins etc.)
Änderung der Struktur eines Systems – muss tiefgreifend in das System eingehen,
oberflächliche Veränderungen zählen hier nicht, sie muss auch langfristig sein
Abrupt = nicht notwendigerweise im Verfassungsmäßigen Rahmen der damaligen Zeit
Nachhaltigkeit und breite Basis unterscheiden einen Staatsstreich (innerhalb der
vorhandenen Strukturen) von einem Putsch (außerhalb)
Nicht erfolgreiche Versuche heißen Aufstand oder Revolte, nicht Revolution

Ist die große sozialistische Revolution eine Revolution gewesen? Nach dieser
Definition nicht, die breite Basis und Nachhaltigkeit fehlt

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Andere Leseart: Staatsstreich/Oktoberputsch als eine weitere Phase in der russischen
Revolution (ein langgestrecktes Ereignis das über 1917 hinausgeht)

Oberes Bild: Frauendemonstration in Petrograd, Arbeiter haben sich solidarisiert,


Soldaten haben gemeutert, breite gesellschaftliche Grundlage
Unteres Bild: Aufmarsch von den Bolschewistischen Revolutionären im Juli 1917, Juli-
Putsch in sich zusammengebrochen

An Revolution schließt sich Doppelherrschaft: Zar abgesetzt. Auf der einen Seite eine
prov. Regierung (russ. Parlament), andere Seite: Petrograder Soviets, Arbeiter
Fragiles Gebilde, von Putschversuchen auf rechter und linker Seite bedroht
Labile Phase der Doppelherrschaft beendet durch die Machtübernahme der Roten
Garden und den Bolschewiken Oktober 1917
Anschließend lange Phase eines Bürgerkrieges

Akteure:
Zeichnet Komplexität der Ereignisse im Februar 1917 aus
• Zar: Macht beginnt zu schwinden
• Bürgerliche Eliten: Abgeordneten in der Duma, liberale Parteien, gemäßigte
Parteien etc.
• Soldaten: Loyalität zum kaiserlichen Regime beginnt im Februar 1917 zu wechseln,
einige schießen auf die Demonstranten andere meutern und schließen sich den
Demonstranten an, die meisten verweigern sich Schießbefehlen
• Arbeiter/innen: auch Frauen durch Massenarbeit in Textilwerken, befinden sich im
Norden bei Rüstungsbetrieben etc.
• Nationalitäten: Besonders an der westlichen, südlichen Peripherie die sich im Laufe
des Jahres 1917/18 für unabhängig erklärten, fallen vom russischen Reich ab,
wieder unabhängige Staatswesen (Polen), neue Staatswesen geschafften
(Finnland)

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Julianischer Kalender – 28 Februar
Gregorianischer Kalender – 8 März (auch Internationaler Frauentag)
Lebensmittelversorgung in Hauptstadt Petrograd zu dieser Zeit nur für wenige Tage
gesichert – am 19 Februar Befehl eingegangen die Rationierung in Petrograd zu
verschärfen, Mehl und Brot würden nur für knapp 14 Tage ausreichen
Illegale Hamsterkäufe, Prügeleien auf der Straße um Brot, Schwarzmarkthandel
Frauen versammeln sich und einen Zug in Richtung des Stadtzentrums von Norden
aus organisieren
Bild – Spätere Aufnahme, einige Tage nach der Gründung des Petrograder Soviets
gemacht, „Es lebe der Soviet der Arbeiter und Soldaten“, darunter Forderung für
Erhöhung der Lebensmittelrationen
Kampf für Lebensmittel verknüpft mit weiteren politischen Forderungen
Am ersten Demonstrationstag 200.000 Menschen – 10 % der Menschen von
Petrograd
Streikende können nicht ins Stadtzentrum, Klappbrücken geschlossen – wiederholt
sich immer wieder – Demonstrantinnen laufen über das Eis hinüber – zum ersten Mal
seit 1905 wieder Demonstrationen auf Petersburger Prachtboulevard – Mehr Brot etc.,
aber auch nieder mit der Autokratie
Am 25. Februar Generalstreik ausgerufen – Zar ist am Hauptquartier der Westfront,
gibt von dort aus Schießbefehl für die in Petrograd verbliebende Garnison (auch
Bauernsöhne etc. aus der Ukraine stationiert, können sich mit Demonstranten

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identifizieren), sie verweigern den Befehl – Erst am 26 Februar kommt es zu einer
Schießerei, als die Gardetruppen eintreffen, 150 Tote
1/3 der gesamten Garnison (60.000 von 180.000) desertieren, meutern, schließen sich
den Demonstranten an
Es kommt auch zu Ausschreitungen der Streikenden, Gefängnisse getürmt und
Insassen befreit (Idee war politische Insassen zu befreien, andere auch entkommen)
– Führt in Petrograd zur Anarchie z.B. Wein und Spirituosengeschäfte geplündert und
betrunkene Schießereien, Frauen ermordet etc.
Kaiserliche Regierung tritt zurück – Zar hatte davor Duma aufgelöst, aber die Duma
konstituiert ein Übergangskomitee zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und
diesen 13 Männern kommt eine wichtige politische Rolle zu
Auch der Petrograder Soviet konstituiert sich am selben Tag – in Kompanien Urwahlen
durchgeführt (Soviets für Arbeiter und Soldaten), pro 1000 Arbeiter ein Abgeordneter
und pro Kompanie (200 Mann)
Der Zar sendete selbst neue Truppen nach Petrograd, als klar wird das der
Petrograder Garnison nicht mehr mit der Situation klarkommt – Der Zar kommt nicht
in Petrograd an (Umleiten von Zügen durch Revolutionäre, Zugstreik), sondern im
Hauptquartier im Norden – wird bedrängt auf die Streikenden politisch zuzugehen.
Durch Druck der Armeeführung und Duma spitze kommt heraus das eine neue
Zarenführung unzureichend ist und der Zar abdanken sollte
Der Zar dankt im eigenen Namen und im Namen des Sohnes zugunsten seines
Bruders ab, der Bruder lehnt den Tron ab, als die Duma ablehnt für seine Sicherheit
zu garantieren (meinte, dass seine Herrschaft sich auf eine Unterstützung der
Bevölkerung stützen müsste)

Ist die Zarenherrschaft in sich zusammengebrochen oder durch die Revolution


gestürzt worden?
Bemerkenswert wie schnell die 300-jährige Zarenherrschaft in sich
zusammengebrochen ist. Unerwartete Zusammenarbeit zwischen zarentreuen
Armeeführung und konstitutioneller Duma Spitze
Koinzident von 3 entscheidenden Entwicklungen
1) Massendemonstrationen von unten
2) Befehlsverweigerungen der Armee, ohne Repressionsapparat autokratische
Herrschaft nicht aufrechtzuerhalten

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3) Abfall der bisher kaisertreuen Eliten
Tote in einem Staatsakt gemeinsam bestattet

Unteres Bild aus dem Juliputsch


Februarputsch primär Ereignis in Petrograd, war konzentriertes Zentrum

Die beiden Machtzentren suchen einen Modus, um miteinander umgehen zu können


Unteres Bild: Zahlenmäßige Veranstaltung des Soviets
Anfangs eher gemäßigte Kräfte (Sozialrevolutionäre; Sozialdemokraten, gehen eher
auf Forderungen der Landbevölkerung ein) zahlenmäßig überlegen
Der Petrograder Soviet diskutiert bereits vor Abdanken des Zaren, wie man sich
politisch einbringen soll. Volkssozialisten: Koalition zwischen Parteien des Soviets, des
Parlaments, der Duma; Bolschewiken und der linke Flügel der Sozialrevolutionären für
aus dem Soviet heraus gebildete Regierung (in der Minderheit damit); Mehrheit dafür
dass der Soviet keine Regierungsverantwortung übernehmen soll, sondern er ein
Duldungs- und Arbeitskommen mit dem Parlament, dem Duma Komitee bilden soll
Der Soviet wird trotzdem selbst gesetzgebend tätig, z.B. Alle Soldaten sollen
Soldatenräte bilden – etabliert sich als Überregierung für den militärischen Bereich
Bereich des Soviets auf Petrograd begrenzt, aufgrund seiner räumlichen Anwesenheit
im Zentrum der Ereignisse kann er einen überproportionalen Einfluss auf den Rest des
Landes ausüben

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Oberes Bild: Duma Komitee
Duma im Vergleich zum Soviet sehr viel gemäßigter

Kooperationsabkommen über die Aufgaben der prov. Regierung zwischen Duma und
Soviets – Beide stehen trotzdem in Konkurrenz zueinander, Kompetenz der prov.
Regierung von Bolschewiken immer mehr in Frage gestellt werden

Arbeitsprogramm
Wahlen für eine konstituierende Versammlung durchführen, Abschaffung von Zensur
und Diskriminierung etc.

Am 2. März konstituiert sich die prov. Regierung, ist sehr vielfältig: Gemäßigte
Parteien, Arbeiterparteien, Volkssozialisten, Konstitutionelle Demokraten, Oktruisten
Bolschewiken nehmen an der prov. Regierung nicht teil, seit der Rückkehr Lenins
ausgesprochene Gegner der prov. Regierung
Ausrichtung der prov. Regierung beginnt weiter nach links zu rutschen, Konservative
Mitglieder fallen eher heraus, Sozialistische Mitglieder rücken eher nach und steigen
eher auf
Keresnkji war Mitglied der Duma, führendes Mitglied des Petrograder Soviets, der
prov. Regierung – war ein wichtiges Bindeglied zu dieser Zeit

Soviet und prov. Regierung stehen in einem Spannungsverhältnis, verdanken


einander Macht

Aufgaben der prov. Regierung


Diese Doppelherrschaft ist nicht nur instabil, die Prov. Regierung war den gestellten
Aufgaben in dieser kurzen Zeitspanne (März bis Oktober 1917) nicht gewachsen,
besonders wenn sie es in gemäßigten Bahnen gehalten haben
• Staatsreform: Befreiung politischer Häftlinge etc., Lenin konnte dadurch zurück,
Abschaffung von Todesstrafe etc. – schafft auch neue Probleme (Anarchie nicht
mehr in den Griff zu kriegen, Feinde der prov. Regierung wieder frei gelassen
etc.). Unabhängigkeitsbestrebung an der der Peripherie erlangen ungeheuren
Auftrieb. Wahlen zur konstituierenden Versammlung werden organisiert (zu

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lange Zeit damit gelassen, bis dahin prov. Regierung von Bolschewiken
weggeputscht, hat Schicksal der Regierung und Demokratie in Russland
verändert)
• Landreform: Gemischte Bilanz, An Aufteilung des Landes gedacht, schreckt vor
Enteignung des Landes zurück, Großgrundbesitz bleibt erhalten. Hunger der
Landbevölkerung bleibt erhalten. Es beginnen wilde Aneignungen,
Großgrundbesitzer werden vertrieben. Hat zur Schwächung der prov.
Regierung bei der Landbevölkerung beigetragen
• Versorgungskrise kann nicht beendet werden, da der Krieg nicht beendet
werden kann und die Regierung schreck davor zurück Getreide mittels
Waffengewalt zu rekrutieren. Kohleversorgung geht zurück- sehr nachteilig für
die Bevölkerung im Winter. Getreidebedarf in Petrograd im Juli nur zu 50%
gedeckt etc. – trägt dazu bei die Legitimierung der prov. Regierung zu
unterwandern
• Frieden: Prov. Regierung den Alliierten weiterhin im Wort, Front gegenüber
deutschen Reich und der österr. Monarchie aufrechtzuerhalten. Fühlt sich auch
wirtschaftlich dazu verpflichtet, da abhängig von Wirtschaftskrediten von
Frankreich. Die Prov. Regierung beschwört die Bündnisstreue zu den Alliierten
(1WK). Sie versucht an der Front offensiv zu werden, scheitert allerdings. Auch
Steigerung der Desertationen (Bauersoldaten erfahren das im Hinterland Land
verteilt wird und will sich was holen, Kriegsmüdigkeit) – Wiedereinführung der
Todesstrafe – Soldaten laufen massenweise zu den Bolschewiken über

Krise:
Autoritätskrise durch bisher angesprochene Probleme
Rückkehr Lenins: Verkündigt in den Aprilthesen Alle Macht den Soviets,
Arbeiterkontrolle in den Fabriken, Verstaatlichung des Landes, Sofortiger Frieden
Prov. Regierung hatte sich dazu bereit erklärt Frieden zu schließen, aber ohne
Forderungen der Alliierten zu hintergehen. Funktioniert nicht, Krieges Niederlagen
stärken Verhandlungsposition nicht
Steigende Unzufriedenheit im linken Flügel, Linksruck in den Soviets
In anderen Städten des Reiches ähnliche lokale Soviets (insg. 305) gebildet – schicken
822 Vertreter (von 20 Mio Urwählern gewählt) zu einem allrussländischen
Sovietkongress

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In diesem ersten Sovietkongress sind die Bolschewiken noch eine Minderheit, die
größte Fraktion sind noch die Sozialrevolutionäre
Lokal können die Bolschewiken noch Wahlen gewinnen, z.B. Moskau
Lenin erklärt Partei trotzdem zur Machtübernahme bereit, wird ausgelacht
In industriellen Zentren wie Petrograd und Moskau radikalisiert sich die Lage,
permanente Streiks. Bolschewiken hetzen radikalere Arbeiterschaft gegen die prov.
Regierung auf
Unzufriedenheit besonders bei den Bolschewiken in der Armee führen zum Juliputsch,
Schießereien. Reaktion auf Scheitern der Kerenski-Offensive, Wiedereinführung der
Todesstrafe etc. – Bolschewiken werden verboten, Lenin flieht über Finnland
Dies führt dazu, dass die Neue Armeeführung, neue Führung der prov. Regierung sich
über Sicherheitslage in Petrograd Gedanken machen. Deutsche Armee nimmt Riga
ein, rückt immer mehr nach Petrograd vor
Trägt dazu bei dass der neue Armeeoberkommandant Kornilov außerordentliche
Vollmachten für sich beansprucht. Kerenski ist nicht bereit auf alle Forderungen
einzugehen, wenn ihm das nicht passe müsse er das Kommando abgeben -→ Kornilov
weigert sich, wird abgesetzt und verhaftet – die von Kornilov eingesammelten Truppen
werden weitergeleitet und der Putsch (wenn man ihn so nennen kann) bricht ihn sich
zusammen
Während die Bolschewiken aus dem Juliputsch geschwächt und die
Armeeführung gestärkt hervorkamen, kamen beim Kornilovputsch die Armee
geschwächt und die Bolschwiken gestärkt hervor. Denn in weiterer Folge werden
unter Führung Kerenskjis neue Truppen in Petrograd aufgestellt, Arbeiter werden
bewaffnet (Sie werden den Bolschewiken gegenüber loyaler sein als der prov.
Regierung). Im September wird die Regierung umgestellt und die Bolschewiken wieder
zugelassen, haben in den Soviets dazugewonnen, das sind allerdings lokale
Phänomene die man nicht auf das ganze Land überwälzen kann.
Popularität aufgrund der Aprilthesen (Frieden, etc.) gestiegen

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Machtübernahme der Bolschewiken keine demokratisch legitimierte, ging auf keine
allgemeine Wahl zurück – waren keinesfalls für das ganze Land repräsentativ, wurde
von Lenin aber auch nicht angefochten
Lenin schrieb die Briefe aus seinem Versteck in Finnland am 12 und 14. September,
versucht die Bolschewiken auf seine Seite zu ziehen. Er argumentiert dass die prov.
Regierung abgewirtschaftet habe und dass die Bolschewiken nur die revolutionären
Elemente in beiden Hauptstädten mobilisieren müssten, um die Macht zu erlangen.
Lenin fühlt sich im Einklang mit dem welthistorischen Geist und braucht daher keine
demokratische Absegnung
Am 10 Oktober ein bewaffneter Aufstand beschlossen. Die deutschen Truppen rücken
weiter nach Petrograd vor, die prov. Regierung schickt eigene Truppen aus Petrograd
zur Verteidigung entgegen. Zurück bleiben Paramilitärs der Bolschewiken, die Roten
Garden und seit August bewaffnete Arbeiter (tendieren immer stärker zu den
Bolschewiken). Bolschewiken gründen vor diesem Hintergrund Militärrevolutionäres
Komitee.
Kerenski verbietet die Prada (Zeitung der Bolschewiken) und beschlagnahmt deren
Druckerei. Militärkomitee nimmt das als Vorwand eine Kontrarevolution zu behaupten
und die Roten Garden, die Paramilitärs abzukommandieren und strategische Punkte

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der Hauptstadt (Bahnhöfe, Banken, Post) zu besetzen. Prov. Regierung schließlich
umstellt und verhaftet
Kerenski geht schließlich in den Untergrund und ins Exil
Bilder unten vom taurischen Palast am Zentrumsufer, Prov. Regierung und
Petrograder Soviet hatten dort Sitz, steht heute noch

Im Sowjetkongress erstmals bolschewikische Mehrheit (53%). Lenin verkündet dort


Ende der prov. Regierung und bildet den Rat der Volkskommissare als eine Art neue
Regierung. Stürzt sich auf Bolschewiken und auch den linken Flügel der
Sozialrevolutionäre, Partei wird in weiterer Folge von den Bolschewiken gespalten
Räteherrschaft mit Volkskommissaren wieder zu ende, da sie dem Sovietkongress
nicht verantwortlich sind, stützt sich eher auf Struktur des Personals der Kaiserlichen
Regierung und der prov. Regierung
Sowjetregierung nur dem Namen nach ein Rätestaat gewesen, Soviets wurden später
völlig entmachtet als ein Abnickgremium für die Bolschewiken und später der
kommunistischen Partei

Bild oben: Winterpalast während der prov. Regierung, Zar hatte abgedankt und ein
entsprechendes Quartier zugewiesen bekommen. Bild nachgestellt, stammt aus einem
Propagandafilm. Rote Garden stürzen Winterpalast, ist so nicht passiert. Winterpalast
wurde nicht wirklich verteidigt, war eher eine Nacht und Nebel Aktion

Machtübernahme der Bolschewiken noch nicht ganz abgeschlossen, Wahl einer


Verfassunggebenden Versammlung war noch offen (sollte von der prov. Regierung
durchgeführt werden). Sollte erste allgemein demokratische Wahl in Russland sein.
Wurde von Bolschewiken nicht unterbunden. Fand am 12. November statt, Frauen
waren erstmals wahlberechtigt. Bolschewiken haben bei allgemeinen Wahlen keine
Mehrheit errungen, waren zu radikal, zu sehr auf Industrieproletariat ausgerichtet,
Landbevölkerung und Frauen setzten eher auf Sozialrevolutionären da sie ihnen
jahrelang bekannt sind.
Wenn man delegierte aus der Ukraine hinzurechnet 55 % Sozialrevolutionäre, in
Russland 40% - im Vorfeld der Wahlen von der Roten Garde
Einschüchterungsmethoden eingesetzt. Einschüchterung gegenüber oppositionellen
Parteien – Bürgerparteien, andere soziale Parteien

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Versammlung tritt am 5. Jänner 1918 zusammen. Notwendigen Beschlüsse zur
Ausarbeitung einer Verfassung der Republik Russland (seit September 1917 Republik,
Kerenski durchgesetzt). Vertagt sich auf den folgenden Tag damit entsprechende
Sitzungen beginnen können. Zusammentreffen von den Garden der Bolschewiken
verhindert, es fallen Schüsse
Zeitgenossen haben es als ein neues unkalkulierbares Ereignis in einer Reihe von
Unberechenbarkeiten gesehen und schicksalsgegeben akzeptiert

Das Jahr 1917 (ob in seiner Gesamtheit oder nur aus Oktoberereignissen heraus) war
ein sehr einschneidendes Jahr. Der Oktober auch als Beginn des Kalten Krieges
gesehen.

Die Bolschewiken als Verschwörer ohne Legitimität ohne Rückhalt in der Bevölkerung
selbst nach der Machtübernahem ODER
Oktoberrevolution als Linksrutsch der im Voraus ablesbar war
Beide Argumentationslinien stehen einander gegenüber

Das bedeutete dass die Verfassungsgebende Versammlung zwar gewählt wird, aber
nie zusammentritt
Ist zu ihrer Konstituierenden Sitzung zusammengetreten, vor ihrer Arbeit aber
aufgelöst worden, konnte daher niemals aktiv werden

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4 VO 29.10.2020 – DER BÜRGERKRIEG

Revolution nach der Machtübernahme der Bolschewiken 1917 noch nicht


abgeschlossen, noch 3 weitere Jahre in denen Macht weiter ausgebaut wurde
Maßnahmen im Sinne der Machtfestigung Lenins, einige Punkte angesprochen die die
prov. Regierung noch ausgeklammert hatte z.B. Dekret über die Landreform

. Dekret noch am Tag der Machtübernahem erlassen. Sollte Popularität steigern. Für
Ländliche Bevölkerung kein großer Unterschied zum vorigen Status. Von prov.
Regierung aufgrund ihres Rechtsverständnisses nicht angegangen. Angebot an
Wählerschaft der Sozial-Revolutionären, Angebot an die Bevölkerung
. Absichtserklärung. Betriebsräte gleichgeschaltet und entmachtet, aber auch
Geständnisse an Gewerkschaften und Arbeitsflügel, Ende der Kinderarbeit, 8-
Stunden-Tag, Krankenversicherung etc. Auch Mittelbetriebe (mehr als 10 Angestellte)
und Banken enteignet. Ein großes Versprechen der Sozialdemokratie (Verstaatlichung
des Bankwesens) erfüllt
. Ambivalenter zu sehen. Dekret von 1917 beseitigt das bourgeoise Rechtssystem.
Justiz könne in aktueller Situation nicht neutral sein, müsse proletarische Justiz sein.
Lenin verstehen diese proletarische Machtausübung als bolschewistische
Machtausübung. Unabhängige Justiz ersetzt durch bolschewistische Justiz. Einige der

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wenige Errungenschaften des Zarenreichs (unabhängige Justiz) abgeschafft,
Schuldprinzip wird relativiert. Neue Verfassung schreibt das Grundprinzip der
Parteilichkeit vor. Parteientscheidungen werden Grundlage jeglicher
Rechtsentscheidungen
. Zuerst politische Mitte und rechte Seite des Spektrums, bereits vor der Wahl
Abschreckungs- und Einschüchterungsversuche, einige Vertreter wurden sogar
ermordet.
. Mit politischer Linker geht Lenin zunächst eine Koalition ein, Lenin dort der
Radikalste. SR = Sozial-Revolutionäre. Lenin will nur mit dem linksten Flügel der SR
koalieren. Ist eine relativ labile Koalition
. Missstimmung das die Koalition auf einer sehr schmalen Basis errichtet ist. Teilung
der Macht unter allen Parteien gefordert. Relativ breite Masse der Bevölkerung
unzufrieden mit dieser Regierung. Neben Eisenbahner, Staatsangestellte,
Bankangestellte etc.
. Lenin weicht vor Streik nicht zurück, Streik gebrochen und Anführer verhaftet.
Außerordentliche Kommission für den Kampf mit der Kontrarevolution (VCK)
gegründet, wird sehr bald eine der berüchtigtsten Unterdrückungsmechanismen der
Sowjet Union, folgt unter unterschiedlichen Namen weiter.
. Es geht nicht mehr um Macht (Lenin hat genug davon). Schwesterparteien aus der
Linken aus dem zentralen Exekutivkomitee (Exekutiv Gremium der Sowjet Kongresse,
kontinuierliche Einrichtung)

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Verfasstheit des Staates, Zerfall des russländischen Reiches in Folge der
Februarrevolution angekündigt, nach Machtübernahme der Bolschewiken fortgesetzt
. Drittes Dekret das nach der Machtübernahme erlassen wurde. Forderung nach
Frieden bereits bei der Februarrevolution gestellt, die prov. Regierung hatte sich dazu
nicht durchringen können (enge Verbindung zu westlichen Mächten, Abhängigkeit von
Frankreich, Versuche Verhandlungsspielraum gegenüber deutschen Reiches zu
verbessern ohne Erfolg, prov. Regierung verliert weiter an Popularität)
. Selbstbestimmungsrecht hier angedeutet, später bestätigt. Gleichheit und
Souveränität aller Völker festgelegt. Freie Entfaltung aller Nationalen, Angebot in der
Soviet Union zu bleiben, Angebot an andere Staaten. Soviet Union als eine Föderation
geplant. Jedoch in der Nationalitätenpolitik ist politische Selbstbestimmung nur dem
Proletariat vorbehalten, Führung des Proletariats bei den Bolschewiken =
Selbstbestimmungsrecht nur für Völker, die unter den Bolschewiken stehen
. Unabhängigkeit bereits von der prov. Regierung anerkannt, wenn Polen ein Bündnis
mit den Russen eingeht, jedoch war Polen bereits von Deutschland besetzt. Die
Bolschewiken unternehmen zunächst keine Schritte, später Schritte zur
Revolutionierung Polens, keine Rückeroberung gedacht, Polen sollte jedoch
kommunistisch werden
. Sowjetregierung hat eine kommunistische Machtübernahme versucht anzuzetteln,
kurzer Bürgerkrieg mit sowjetrussischer Unterstützung inszeniert, 1918 kurz darauf in
sich zusammengebrochen

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. Im Zuge des Bürgerkrieges Intervention der Roten Armee, mit Unterstützung der
Weißen Mächte und der Alliierten zerlangt(?)
. Langanhaltender Kampf. 1917 sich selbst für autonom im Staatsganzen Russlands
erklärt (Autonomiestatus, aber keine volle staatliche Unabhängigkeit). Bolschewiken
nicht darauf eingegangen. Anfang 1918 dann selbst volle Unabhängigkeit erklärt. Rote
Armee entsandt, erobert dann Kiew am 26.Jänner.1918
. Bolschewiken aus Russland vertrieben, von den vorrückenden deutschen und
österreichischen Truppen. Auf Karte Entwicklung des Frontverlaufes 1918 und die
Folgen des Friedensschlusses. 1918 Zusammenbruch der russischen Front, Deutsche
stoßen vor. Aufgrund des Landdekrets massenweise Soldaten desertiert (letzte VO).
Kaum Möglichkeiten aktiv vorzugehen. Freie Offizierswahl wurde wieder eingeführt,
Durchsetzung von Disziplin sehr stark untergraben. Friedensverhandlungen, mehrere
Monate kein diplomatischer Durchbruch. Führung der sowjetischen Delegation nicht
überzeugt dass ein schneller Friedensschluss erreicht werden sollte, wartet auf
Weltrevolution die einen Friedensstoß auslösen soll, war etwas naiv. Sowjetische
Soldaten von deutschen Truppen vertrieben
. Brotfrieden abgeschlossen, Ukraine zu Lebensmittellieferungen gegenüber D und Ö
verpflichtet, Mittelmeermächte als Schutzmächte für die unabhängige Ukraine.
Ukrainische Regierung von der deutschen Besatzung gestürzt, als die alte Regierung
nicht genug Getreidelieferungen leisten kann. Neue Regierung eingesetzt, auch
Zugeständnis an kosakische Tradition.
.
. . Druck dieser Ereignisse und drohender Einmarsch deutscher Truppen in Petrograd.
Frieden v. Brest abgeschlossen. Bolschewiken gezwungen Unabhängigkeit zu
akzeptieren. Keine deutschen Annektionen, es bleibt aber eine deutsche Besetzung.
Russland verzichtet auf Finnland, Polen und die Ukraine, Island und Belarus bleiben
erstmal bei Russland. Russland verliert ein Viertel des Territoriums

Gab es in Russland auch proto-Faschisten oder andere Rechtsextreme


Splittergruppen?
Ja, bestimmte Verknüpfungen von proto-Faschismus und Antisemitismus finden sich
bei den Schwarzbruderschaften finden sich bereits vor dem 1 WK. Solche
Splittergruppen auch noch nach der Zeit der Februarrevolution aber ohne politische
Macht

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Welchen Unterschied gibt es zwischen VČK und NKVD?
Die VCK ist als Organisation aufgelöst worden und ihre Aktivitäten wurden von der
Politverwaltung wurde im Rahmen der NKVD (Volkskommissariat für innere
Angelegenheiten) als Polizeigewalt weitergeführt.

Verzeihung, ich habe mich immer schon gefragt was mit den Ukrainern im nördlichen
Kaukasus passiert ist, bzw. wieso die Gänze dort so gerade verläuft?
Das sind Kosakengebiete, die auf eine gewisse Art von Unabhängigkeit erhalten
hatten

Aufgrund des Friedensbeschlusses von Brest-Litovsk erhielt die Regierung von Lenin
eine Erschütterung. Sowohl innerhalb der Bolschewiken als auch unter den
Koalitionspartnern war der Unmut groß, territoriale Zugeständnisse an einen
bourgeoisen imperialen Gegner (Mittelmeermächte) gemacht zu haben. Es gab davor
auch Stimmen gegen die Annahme des Friedensvertrages, die linken SR verlassen im
Protest die Koalition, werden versuchen die Regierung Lenins zu stürzen, wichtiger
Beitrag zum Beginn des Bürgerkrieges 1918.

Akteure:

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. Im Zentrum des Reiches mit den industriellen Zentren in Petrograd und Moskau.
Schaffen die Rote Armee, schaffen es die sehr dicht besiedeln Gebiete des zentralen
Russlands zu beherrschen
. Koalition, subsummiert als Weiße. Sehr weites Spektrum von radikal linken zur
politischen Mitte bis ganz nach rechts
. Unabhängige Kraft, Selbstständige politische Kraft. Aktiv in den ländlichen Regionen,
leisten Widerstand gegen die Zwangseintreibung von Getreide.
. Nationale Bewegungen, Unabhängige Staaten, Staaten des Kaukasus (Georgien –
hatte sich unabhängig erklärt, wurde von der Roten Armee wieder eingenommen) etc.
.
. Zahlenmäßig sehr stark vertreten, bei Japan militärische Bedeutung äußerst gering,
keine militärische Gefechte zwischen Alliierten und den Bürgerkriegsparteien.
Durchaus kriegerische Konflikte zwischen den Bolschewiken und der
tschechoslowakischen Legion (war in der Zeit des Weltkrieges rekrutiert worden,
Kriegsgefangene der Deutschen als Kämpfer gegen das Deutsche Reich für die
Entende; Militärisch hochdisziplinierte Truppe, spielen eine relativ große Rolle)

Am populärsten in der Bevölkerung sind die SR, wurden von der Bolschewiken
gespalten.
Frage wann der Bürgerkrieg anfängt, kritisch diskutiert.

Phase I
. SR in Samara gesammelt und die Mitglieder der einzigen frei gewählten
demokratischen Versammlung (Verfassungsmitglieder der Versammlung die von der
roten Garde militärisch aufgelöst worden war) nach Samara berufen um dort ein
Komitee der Mitglieder der verfassungsgebenden Versammlung (KOMUC) zu
gründen. KOMUC hat die Sowjet Regierung für abgesetzt erklärt. Staatskonferenz im
Ural einberufen
. Unterstützt wird der KOMUC durch die Legion, die Legion ist relativ gut ausgebildet,
gut bewaffnet und sie versucht die Westfront verschlossen zu halten, nach dem diese
Front zusammengebrochen ist, versucht sie nach Europa zurückzukehren. Die Legion
wird von der Bolschewikenregierung dazu aufgefordert die Waffen abzulegen, die
Legion besetzt dann mehrere Städte, gehen dann nach Samara.

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. In das Zentrum des Reiches Aufstand der Linken Sozial Revolutionäre (LSR), waren
mit dem Friedensschluss sehr unzufrieden, versuchen Lenin Regierung zu stürzen.
Botschafter des deutsche Reiches in Russland Mirbach ermordet, um Russland zurück
in den Krieg mit dem deutschen Reich zu bringen. Attentat auf Lenin, Lenin übersteht
es, benutzt es als Anlass den Roten Terror einzuleiten (=Verfolgung politische Gegner)
. Besonders Frankreich und Japan, das amerikanische Kontingent ist relativ gering –
90.000 Soldaten der Alliierten auf russischen Boden. Briten in Murmansk, Odessa-
Französische Operation etc. Waffendepots sollen nicht in die Hände der Bolschewiken
fallen, damit werden die Weißen unterstützt. Es soll auch wieder eine Front gegen das
Deutsche Reich aufzubauen. Bolschewistische Regierung ins Wanken gebracht. Nach
der Niederlage der Weißen Evakuierung versucht durchzuführen
. . In Folge der Novemberrevolution im Deutschen Reichs, Schutzmacht in Ukraine
fehlt. Nach Abzug kommt es zum Sturz in der Ukraine. Auf der Karte rot eingefärbt sind
die militärische Operationen der roten Armee, in Grün die Operationen der weißen
Kräfte und der Alliierten, besonders der Weiß Kosaken, in blau die Operationen der
Mittelmächte, Vorstoß in Petrograd und Operationen in der Ukraine

. Erst 1919 bilden sich drei klare Fronten. Im Jänner 1919 nach dem Abzug der
deutschen Truppen die Rote Armee erobert zum zweiten Mal die Ukraine, wird aber
von den weißen Kräften wieder vertrieben.

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Zielsetzung der weißen Kräfte als das was den SR vorgeschwebt wäre, es geht eher
um ein autoritäres Staatsverständnis, eine weiße Diktatur.
. . Kolcak von der Roten Armee zurückgeschlagen. Es gelingt der weißen Armee nicht
die Vorstöße Richtung Zentrum zu koordinieren
. Zeigt sich auch im Süden. Streitkräfte kleiner. Vorstöße nach Norden scheitern.
Militärstrategisches Problem, dass der Vorstoß zu schmal ist
. Die Kleinste Gruppierung sammelt sich im Baltikum, überraschende Koalition mit den
Unabhängigkeitskämpfern (Steigender Druck der Roten Armee in Richtung des
Baltikums) Schaffen es bis in die Vororte von Leningrad, aber nicht weiter
. Diese drei großen Kampagnen fallen wieder in sich zusammen.

welche politische Agenda hatte die tschechoslowakische Legion? wer hatte das
Sagen?
Anfangs gar keine, es ging darum den Auftrag (sich zur Verfügung stellen für die
Entende) zu erfülle und möglichst unversehrt aus den Bürgerkrieg rauszukommen.
Haben ihre Waffen nicht abgegeben, da sie den Bolschewiken nicht getraut haben,
Konflikt mit der Roten Armee – Erste militärische Konfliktsituation. Bündnis mit den SR
– zu Gegner der Bolschewiken geworden. Haben über einen längeren Zeitraum
Evakuierung durchgeführt

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Die dritte Phase des Bürgerkrieges bringt einen neuen Akteur, Polen. Polen geht in
einen dynamischen Krieg mit Russland.
. . Von polnischer Seite als Präventivkrieg, wäre es zu einem Angriff der Roten Armee
auf Polen gekommen.
. Erste Offensive gegen Sowjet Russland, vertreibt die Rote Armee aus Kiev
. . Weit aufs polnische Territorium hinein. Dynamik des Angriffs wird gebrochen, die
pol. Armee geht auf Gegenangriff und erobert Minsk. Später Sowjetisch-polnische
Grenze festgelegt
. 1920 die meisten Freiwilligen der Armee durch eine Operation der Alliierten über das
Schwarze Meer evakuiert
. . Sowjetische Regierung akzeptierte Unabhängigkeit nur dort wo es strategisch dazu
gezwungen war oder wo einheimische kommunistische Regimes herrschten

Nach dem Scheitern der meisten weißen Armeen und den Rückzug der Alliierten und
der Beilegung des Polnisch-Sowjetischen Krieges ist die Beilegung des Bürgerkrieges
nur noch eine Frage von Monaten
. Anfang 1921 droht im Zentralgebiet der Revolution Ungemach für die
bolschewistische Regierung. Revolutionäre Soldaten und Matrosen machen einen
Aufstand gegen die bolschewistische Regierung, fordern die Durchführung geheimer

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Wahlen, eine rege Demokratie anstatt einer Parteidiktatur etc. Der Aufstand wird
militärisch von Lenin niedergeschlagen
. Parteiinterne Demokratie abgeschafft
. Hatten sich 1918 für unabhängig erklärt wie das sozialdemokratisch geführte
Georgien, auch in Armenien und Aserbaidschan Rückeroberungen. Alle drei Staaten
werden zu einer sowjetische Republik zusammengefasst
. Auch Zentralasien unter Sowjetherrschaft gebracht, auch bisher unabhängige
Gebiete wie Kokand. Fünf neu gegründete Sowjetrepubliken wie Kasachstan etc. in
die UdSSR einverleibt
Der Bürgerkrieg greift auch in die äußere Mongolei über (war im Zarenreich auf Druck
Russland von China unabhängig geworden), auch dort herrscht ein heftiger
Bürgerkrieg. Auch dort können sich die Rote Armee durchsetzen, erster
Bündnispartner und kommunistisches Regime außerhalb der Redemonstranz (?)
gebildet

wurde nicht auch während des Bürgerkriegs die MRVP in der Mongolei installiert ?

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5 VO 05.11.2020 – BÜRGERKRIEG; STAATSAUFBAU UND NEUE ÖKONOMISCHE
POLITIK 1921-1927

Bürgerkrieg jene Epoche in der die Bolschewiken eine Versorgungsdiktatur errichtet


haben, z.B. gewaltsame Eintreibung von Getreide, Festlegung von
Ablieferungsquoten, Preisfestsetzung des Getreides durch den Staat
Staatliches Bewirtschaftungssystem durch Enormes Ausbauen der staatlichen
Kontrollapparate begleitet
Niederschlagung des Sozial Aufstandes der Sozial-Revolutionären – Antwort der
Bolschewiken: Dekret über den Roten Terror mit mehrere Todesopfern, darunter die
Zaren Familie
Sorge Lenins das herannahende roten Kräfte die Zarenfamilie befreien könnten
Zitat 1: Formulierung An die Wand gestellt werden hier wortwörtlich gemeint.
Maßnahme nicht nur auf ausdrücklich gemeinte Bürger etc. bezogen, sondern auf alle
die sich nicht auf den Druck der Bolschewiken beugen (siehe Zitat 2)
Zitat 2: Kulaken = Bauern, die Land besitzen

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Die VCK wurde 1922 in eine beständige Organisation, die GPU (Politische
Hauptverwaltung) umgewandelt
NKVD = Abkürzung des Innenministeriums
GPU hatte nicht nur mit Kontrarevolution und Spionage, sondern mit jeglichem
Widerstand zu kämpfen – Menschen konnten willkürlich in Straflager gebracht werden,
besitzen Lagersystem in der Sowjet Union
Schauprozesse gegen Sozialrevolutionäre 1922 erstmals durchgeführt, Todesurteile
nach internationalen Druck ausgesetzt
Zwangsarbeit damals bereits mit wirtschaftlicher Intention verwendet
Neuer Straf- und Zivilkodex auf Schutz der bisherigen Ordnung ausgerichtet,
Kriminalität nicht so schwer bestraft wie Dissens z.B. Mord 10 Jahre, Unterlassung von
Dissens bereits mit einem Jahr bestraft
Nicht nur tatsächlich begangene Verbrechen, auch Absichten werden bestraft
International, Epoche der Militärintervention von außen, Interventionen der Briten,
Franzosen, um die Weißen zu unterstützen. Diplomatische Interventionen dadurch
eingeschränkt dass der Sowjet-russische Staat kaum diplomatische Beziehungen zu
anderen Staaten entwickelt hatte

Weiter Mechanismus der totalitären Sprache. Menschen schon sprachlich


entmenschlich, dann auch im Umgang
Gegner als Insekten bezeichnet, Begriff der „Säuberung“
Menschen in Gefängnisse gesteckt, degradierende Zwangsarbeiten, durch gelbe
Abzeichen gekennzeichnet

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Der Sieg der Bolschewiken
Der wichtigste militärische Faktor ist die Errichtung der Roten Armee
Auf weißer Seite 15.000 Mann – Trotz weitverbreitender Desertationen Rote Armee
zahlenmäßig überlegen. Offiziere etc. aus der kaiserlichen Armee angeworben, nicht
notwendigerweise durch Zwangsmaßnahmen, nationalistische Strömung
Bolschewiken haben stets den Zentralraum zwischen Petrograd und Moskau
kontrolliert, Zugang zu den industriellen Zentren, mit Panzern in die Peripherie
vorstoßen
Weißen Kräfte waren ideologisch sehr uneinig, kein gemeinsames Ziel (Von
Wiederherstellung eines einheitlichen Zarenreichs zur Sozial-Revolution)
Durch russisch-nationales Programm nicht-russische Parteien nicht angekommen,
Bauern schließen sich lieber Grünen (Anarchisten) an
Auch militärisch keine Koordination zwischen den Weißen
Diskussion wodurch die Bolschewiken erfolgreicher waren

Bilanz
.
. Bereits vorher kein üppiger Lebensstandard, danach aber unvorstellbar. Unbekannte
Tiefpunkte (Kannibalismus)

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. Industrieproduktion auf Vorkriegsniveau gefallen.
. Hinzuzurechnen ist, dass die Regierung der Bolschewiken den Bürgerkrieg gewinnen
konnte, obwohl Lenin alle seine Versprechen gebrochen hat
. . Als Folge oder Intention des Bürgerkriegs
. Berechtigtes Argument.
. Alltäglicher Umgang der Menschen durch den Repressionsapparat des Staates
kontrolliert. Gesellschaft in ihre Einzelteile zerlegt, keinerlei Zivilgesellschaftliche
Organisation die außerhalb der Staatspartei passieren darf

Gewaltanwendung von allen drei Gruppen im Bürgerkrieg eingesetzt

Links oben: Erschießung eines Mannes


Links unten: Aufschichtung der Opfer
Mitte: Pfählung eines Mannes durch die Landbevölkerung
Rechts: Opfer der Hungersnot, Zeichen für Kannibalismus

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Auf den Bürgerkrieg folgte eine Phase des politischen Aufbaus und wirtschaftlichen
Wiederaufbaus
Parteistatuten bereits zu Beginn des Bürgerkrieges ausgearbeitet worden
Parteistatut benennt die Partei um
Partei stellt die entscheidenden strategischen Richtungsvorgaben, dann dem Staat als
dem Exekutivapparat die entscheidenden Anweisungen gegeben
Am Anfang Politbüro und ZK relativ kleine Gremien, Politbüro wird zu der wichtigsten
Entscheidungsgruppe der Partei (tagt ständig), Zentralkomitee wird weniger
einberufen

Staat der von Sowjets durchzogen ist, von unten jeweils Abgesandte in höhere
Gremien abgesandt
Direktes Wahlrecht nur in den Lokalwahlen
Wahlrecht nur für Werktätige – Arbeiter, Bauer; Adelige und Menschen der alten
Ordnung werden ihres Wahlrechtes beraubt
Der Staat ist ein Parteistaat, die Gesetzgebung, die Verfassungsgesetzgebung ist
parteilich, Bürger können nur aus Parteiliste lokal einwählen

Staat ist ein Nationalitätenstaat, Stalin für Beitritt der Nicht-russischen Nationalitäten,
Lenin setzt sich durch

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Nationalitäten bestimmtes Maß an kultureller Verwaltung angeboten,
Verwurzelungspolitik. Nicht-russische Nationalitäten können ihre eigene Sprache
ausüben, bei Alphabetisierung ermöglicht eigene Schriftsprache zu entwickeln

Transkaukasische Republik wird in ihre drei Teilrepubliken aufgelöst, auch asiatische


Gebiete aufgelöst, 5 asiatische Republiken kommen dazu, Westrepubliken kommen
dazu – insg. 15 Teilrepubliken in der Sowjet Union
Für nationale Minderheiten autonome Republiken und Gebiete eingeführt

Blau – Belarussische Sowjetrepublik


Gelb – Kaukasische Republik
Westexpansion – 3 baltische Republiken Estland, Lettland und Litauen
Ukrainische SSR von Rumänien abgetrennt
Autonome SSR, während des 2 WK gegründet

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Hier Formalverfassung, dem gegenüber die Realverfassung
Zweikammern-system: Sowjetkongress der Union, Sowjet der jeweiligen Republiken
(Sowjetrussland etc.) Diese Republiksowjets entsenden Delegierte in die Zweite
Kammer des ZIK (den nationalitätenrat). Der Sowjetkongress der Union entsendet in
die erste Kammer (Unionsrat des ZIK)
Regierungsgewalt an Rat der Volkskommissare delegiert, ist dem ZIK gegenüber
verantwortlich. Volkskommissare als anderes Wort für Minister, später Ministerrat
genannt
ZIK – 500 Delegierte (100 im Nationalitätenrat, 400 im Unionsrat)
Rat der Volkskommissare (Anfangs 500, im Laufe der Sowjet Union immer mehr
aufgeblasen)

Einige signifikante Unterschiede zwischen Formal- und Realverfassung.


Entscheidende Struktur waren nicht die Sowjets oder der Staat, sondern die Partei.
Die Exekutive durch ihr Vorschlagsrecht Legislative an den Rand gedrängt, bei der
Sowjet Union sehr extrem. Parlament nur zum Abnicken der Gesetztes Vorschläge
Ethnische Minderheiten der Teilrepubliken sollten formal gleichberechtigt werden, mit
Recht zum Austritt, Real völlig unmöglich durchzuführen. In Hinblick auf
Bevölkerungsverteilung völlige Dominanz Russlands in der Sowjet Union

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. . Aufgrund der Ausgangslage Überlegung der Bolschewiken möglichst viel Freiheit
zu lassen, um Aufbau zu ermöglichen
.. Naturalsteuer = Bauern müssen einen bestimmten Prozentsatz an Naturalien
abgeben (meistens Getreide),alles was darüber hinausgeht kann verkauft werden –
So erfolgreich, dass Natursteuern wieder in Geldsteuern verwandelt werden
. Schwarzhandel legalisiert. Staat mit Verteilung überfordert
. Darf stärker nach Marktwirtschaftlichen Prinzipien (Preisfestsetzungen etc.) agieren.
Russische Währung geht zum Goldstandard zurück

Liberalisierung von Bolschewiken stets als eine temporäre Taktik betrachtet worden
Privat und Landwirtschaft springt relativ schnell an
NEP-Männer = Kleine Zwischenmänner, die die Ernte von Bauern aufkaufen, Güter in
Dörfer bringen und Bauern die später als Kulaken diskreditiert wurden als Gewinner
Scherenkrise: Beide Preisentwicklungen gehen auseinander – Arbeitslosigkeit in der
Industrie
Staatlich festgesetzten Industriepreise werden gesenkt, Krise kann beigelegt werden
– Industrielles Niveau von vor dem Krieg erreicht
Gesellschaftliche Liberalisierung: Alte Eliten größernteils ermordet oder vertrieben,
betrifft auch Wissenschaft (nicht-kommunistische Intellektuelle ins Ausland gebracht);

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Zivilrecht – Scheidungsrecht, Abtreibung freigegeben -- Dahinter steht das Bild eines
neuen Menschen

Unter dem Kulturkommissar eine Phase der kulturellen Liberalisierung


In Folge des Bürgerkrieges noch Defizite, 1928 nur Hälfte der 8-jährigen eingeschult
Alphabetisierung zur Indoktrination missbraucht
Links unten: Plakatsujet – mit roten Keil die Weißen schlagen, politisch gemeint
Mitte: Der rote Planet, Aufsteigen eines kosmisch neuen Faktors, der politisch
aufgeladen ist
Rechts: Plakatsujet, Bündnis der roten Matrosen und roten Armisten im Bürgerkrieg
Viele dieser kulturellen Strömungen greifen auf vorrevolutionäre Strömungen zurück

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Panzerkreuzer Potemkin: Phase der Revolution von 1905

Entwurf einer überlebensgroßen Leninstatue (Bild unten); niemals realisiert


Bild oben: Entwurf, niemals realisiert

Literatur: Viele wurden zu Kritikern des neuen Regimes, als klar wurde das
Liberalisierung nur ein temporäres Zugeständnis war

Verbände für Künstler z.B. Russische Assoziation Proletarische Schriftsteller


Durch Selektionsprozess in Partei integriert
Aufnahme- und Repressionskampagnen (Menschen aufgenommen, Menschen
ausgeschlossen) – Integrierbarkeit der kommunistischen Partei sicherstellen
Breite Masse durch Massenfeste eingebunden, die Rote Hochzeit, die Rote Weihe,
Rote Messen etc.

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Im Hintergrund an der Staatsspitze (Lenins Schlaganfall 1922, 1924 verstorben) findet
bereits ein Machtkampf um die Nachfolge Lenins statt

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6 VO 12.11.2020 – STAATSAUFBAU U. NEUE ÖKON. POLITIK 1921-19217;
MACHTKAMPF 1924-1929; DER FÜNF-JAHRES-PLAN 1928-1932

1920er Jahre – nach dem Bürgerkrieg Zeichen der Liberalisierung, v.a. in Wirtschaft
Signale des Fortschritts und der Liberalisierung in Kultur
Außenpolitik entwickelt sich im Spannungsfeld zwischen Weltrevolution, Expansion
und Kampf

Weltrevolution:
Revolutionsbegriff bei Bolschewiken anders definiert, = Machtübernahme durch
Bolschewisten
RSFSR = Russisch Sozialistische Föderativen Sowjet Republik
Trockij = Russ. Außenminister zu der Zeit
- Spagat zwischen der Machtübernahme komm. Parteien und gleichzeitig mit nicht-
kommunistischen Staaten Beziehungen zu unterhalten war schwierig
Bolschewiken beschlossen die Frage des Revolutions-Export aus Außenbeziehungen
rauszuhalten und die im März 1919 gegründete Kommunistische Internationale

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auszulagern – Trockij ist wegen dem Scheitern dieses Spagates als Außenminister
zurückgetreten (war noch Verteidigungskommissar)
- Komm. Internationale = Kommunistische Weltpartei, wo die versch. Nationalen
Parteien Sektionen sein sollten, hat sich dann so nicht entwickelt, am Höhepunkt 60
Mitgliedsparteien. 1920: 22 Aufnahmeprinzipien gebildet, Wunsch der Sowjetischen
Partei /Russ. Partei immer Priorität, alle anderen komm. Parteien sollten sich daran
orientieren
-
- Versuch mit militärischen Mitteln Kommunismus zu exportieren gescheitert. Die Rote
Armee konnte bis vor die Tore Warschaus vorstoßen, wurden dann aber wieder
zurückgedrängt.
- Weitere komm. Umsturzversuche gescheitert z.B. der deutsche Oktober.
- Das Scheitern dieser Umsturzversuche hat zur Abkehr von der bisherigen Doktrin,
geführt, dass Sowjet Russland möglichst schnell versuchen sollte um sich herum
komm. Staaten zu schaffen. Sowjet Russland ist groß genug, kann auch in einem
nicht-kommunistischen Umfeld überleben

Expansion
Rückeroberung von Territorien die dem Zarenreich angehört hatten, aber 1918
unabhängig geworden waren. Durch Rote Armee rückerobert worden, oder durch
Unterwanderung von Kommunisten

Kampf um diplomatische Anerkennung


Kampf um Errichtung von Handelsbeziehungen – Überlebensnotwendigkeit
- Einer der ersten Handelspartner war das Deutsche Reich. Deutschland als
Wunschland der Bolschewiken für Revolutionsexport (sehr weitgehende
Sozialgesetzgebung, sehr große sozialistische Partei). Beide Staaten internationale
Paria-Staaten, Sowjet-Republik aufgrund fehlender Beziehungen (Auslandbesitz
enteignet und nicht entschädigt, Kriegsschulden nicht anerkannt, war international
isoliert), Deutschland aufgrund des ersten Weltkrieges (hohe Reparationszahlungen,
sehr striktes Kontrollregime). 1920 unter Führung unter Karl Radek in Berlin mit AEG
Gespräche über Handelsbeziehungen aufgenommen. Vertrag von Rapallo =
Diplomatischer Durchbruch, Vorort von Genua, aus Konferenz haben sich Beobachter
von Deutschland und Sowjet Russland abgesondert und schließen einen Vertrag ab,

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Enthält Verzicht auf gegenseitige Entschädigungsansprüche, D verzichtet auf
Auslandsaktiva, Aufnahme diplomatischer Beziehungen beschlossen. Abkommen
ergänzt durch Geheimabsprachen zwischen dem Deutschen Reichswehr und der
Roten Armee.
Der deutsche Oktober 1923, Putschplan in Sachsen-Thüringen belastet die
Beziehungen zwischen dem deutschen Reich und der Sowjet-Union, stärkere
Orientierung in Richtung Westen, Aussöhnung Deutschlands mit Frankreich
- GB historisch an einer Balance of Power am europäischen Kontinent interessiert.
Wiederaufbau der sehr traditionsreichen Handelsbeziehungen zu Russland, Sowjet
Union auch interessiert. Übereinkommen Probleme der Übereignungen und
Kriegsschulden auszuklammern. Labor Party bringt 1924 diplomatische Anerkennung
der Sowjet Union (erste Anerkennung durch eine westliche Macht, nach Deutschland).
Beziehungen zu Sowjet Union äußerst labil, bei den Wahlen 1924 erleidet die Labour
eine Niederlage, Sieg für Torris. Einmischungen durch SR in britische Innenpolitik,
sowjetische Spionagefälle, 1924 Abbruch der Bilateralen Beziehungen, Kriegsangst
bei Sowjet Union
- Kriegsangst durch die Republik China noch verstärkt. In den 1920er Jahren Bündnis,
Zusammenarbeit relativ labil, Massaker in Shang-Hai. Zweite Hälfte der 20er Scherben
der Bemühungen. 1927 von Stalin mit innenpolitischer Zielsetzung Kriegsangst
geschürt, basierend auf der gescheiterten Beziehungen
- Erfolgreichster Bereich der realen Außenpolitik eher im kleinen Bereich zu finden.
Umliegende geografische Nachbarstaaten (Polen, Türkei, baltische Staaten etc.)

Am erfolgreichsten war die Expansion, der Roten Armee gelingt es den Großteil der
verlorenen Territorien zurückzuholen, der Export komm. Herrschaft ist weniger
erfolgreich, die Bilanz der Anerkennung und des Außenhandels ist gemischt.

Wie reagierte die Entente auf diese Annexionen?


Teilweise Verurteilung, teilweise nicht zur Kenntnis genommen (z.B. Annexion der
baltischen Staaten durch Stalin von den USA niemals anerkannt worden),
Realpolitisch ignoriert.
Entende den kleineren kaukasischen Republiken näher gestanden z.B. Ukraine als
Schutzmacht, Georgien nach dem 2 WK von GB übernommen worden

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Wenn diese Gebiete durch kommunistische Unterwanderung erobert wurden, dann
hat der Revolutionsexport ja doch teilweise funktioniert
Wenn man Revolution so versteht wie die Bolschewiken, kann man diese Frage
bejahen. Wenn man Revolution wie die Politikwissenschaft versteht (auf breiter
demokratischer Grundlage, Volkserhebung) dann nein.

Späten zwanziger Jahre auch innenpolitisch von großen Veränderungen geprägt


Machtkampf an der Spitze, zeichnet sich vor dem Hintergrund dieser Ereignisse,
bestimmt die Geschichte der Sowjet Union der 1930er Jahre

Lenin durch 4 Schlaganfälle gelähmt und seiner Sprache beraubt, Machtkampf um


seine Nachfolge angebrochen

Stalin
Stalin aus einfachsten Verhältnissen, war kein ethnischer Russe. Frage der staatlichen
Struktur und Nationalitätenpolitik – sehr russisch nationalistische Position
eingenommen. Tätigkeit im terroristischen Untergrund mitgeprägt. 1917, Bürgerkrieg
hervorgetreten. Generalsekretär als die Person die den Parteiapparat kontrolliert.
Schlüsselfunktion in der Partei übernommen, als Einziger in den 3 zentralen Gremien

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Sitz und Stimme (Politbüro, Organisationsbüro, Sekretariat). Parteiapparat für
Machtkampf instrumentalisiert.
Wie war es möglich das Stalin so eine russisch nationalistische Position hatte ?
Siehe auch Aufsatz von Rieber, nicht ungewöhnlich dass Menschen aus der
Peripherie zu begeisterten Anhängern der dominanten nationalen Partei
werden – fällt eher unter Psychologie, bei Geschichte schwierig, man kann
schlecht jemand posthum analysieren.

Ich hab einmal wo gelesen, dass die Position des Generalsekretär sonst
niemand wollte und nur Stalin erkannte wie mächtig der Generalsekretär
eigentlich ist. Ist das wahr?
Generalsekretär anfangs eher bürokratisch, stellte Agenda für die Sitzung des
Politbüros zusammen – Agenda Setting – hatte damit wichtige Möglichkeit
Diskussionen und Entscheidungen zu bestimmen
Tatsache dass diese Position später so wichtig wurde, Stalins Verdienst –
Position des Generalsekretärs sollte nach Lenin nicht so wichtig werden

Lenin wollte zu Lebzeiten bereits Stalin zurückdrängen, Streitpunkt Nationalismus –


Lenin wollte nicht-russischen Nationalitäten mehr Autonomie zugestehen, kritisiert
zielstrebige Machtpolitik Stalins im Apparat

Trockij
Von Lenin mit Kontrolle und Kritik Stalins beauftragt. Leistung beim Aufbau der Roten
Armee, Intellektueller Theoretiker. Im Machtkampf wenig interessiert, gesundheitlich
nicht so stabil. April 1923 (zwölfter Parteitag): Versucht Lenins Nachfolge
vorzubereiten, kritisiert Stalins Machtübernahme. Triumvirat für Nachfolge Lenins
gebildet. Etablierung der Troika, Kampf um interne Machtführung, wirft Stalin
Instrumentalisierung der Partei vor, Resolution von 46 Mitgliedern des Komitees, Stalin
etwas in die Schranken gewiesen.
Am 13. Parteitag, nach Lenins Tod sein Testament im bescheidenen Kreis
veröffentlicht, seine Frau hatte das Testament Trockij übergeben. Darin Kritik an Stalin
und Entfernung als Generalsekretär gefordert. Auch Kritik an Kamenev und zinovev
geübt. Trockij positiv hervorgehoben. Testament sollte vor dem Zentralkomitee
verlesen werden, von Stalin verhindert (war guter Redner, Trockij war krank, konnte

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bei Lenins Beerdigung persönlich nicht dabei sein), nur vor Politbüro verlesen (kleiner
handverlesener Zirkel). Alle Zeugen der Verlesung, Mitglieder des Politbüros außer
Stalins werden den Machtkampf am Ende nicht überleben, kommen ums Leben oder
Werden entmachtet.
Es folgt ein zweijähriger Machtkampf, Trockij gegen die Troika. Es geht nicht nur um
Einfluss in der Partei, auch ideologische Positionen – Trockij ist für die permanente
Revolution, der Sowjet Staat bedingt dass es eine permanente Revolution gibt, mit der
Machtübernahme der Bolschewiken noch nicht abgeschlossen, tiefgreifende
gesellschaftliche Veränderungen müssen weiterlaufen. Bezieht sich auf Marx.
Dagegen ist die Formulierung Stalins des Sozialismus in einem Lande, wirft Trockij vor
nicht an die Oktoberrevolution zu glauben. Trockij bekommt Publikationsverbot und
wird als Verteidigungskommissar abgesetzt
Bündnisse für Stalin nur Mittel zum Zweck, sehr instabil. Abgestoßen von Stalin nähern
sich Zinovev und Kamenev Trockij an. Stalin verbündet sich mit dem „liberaleren“
rechten Flügel der Partei unter Bucharin, geht gegen die Linke Opposition vor (Links
und Rechts sind hier nur Kampfbegriffe, seit 1922 gilt in der Sowjet Union ein
Fraktionsverbot)
Linke Opposition 1926 ausgeschaltet, Bündnis mit Bucharin auch nur temporär.
Bucharin meint die neue ökonomische Politik sollte im Kleinen noch fortgesetzt
werden, wird von Stalin abgelehnt. Gewerkschaftsführer Tomskji und Ministerpräsident
Alexei Rykov und Bucharin aus der Parteiführung ausgeschlossen.
Stalin allein an der Spitze, Titel eines Führers verliehen, es beginnt ein Personenkult
um ihn. Wiederaufgenommen wird die Linie der politischen Prozesse, medienwirksam
inszeniert. 1928 erster Schauprozess seit 1922, Sacht = Bergbauschacht, Prozess
gegen kontrarevolutionäre Ingenieure und Saboteure. Zu diesem Zeitpunkt
Politikwandel zur verstärkten Kontrolle der Industrie, Einschüchterung von Menschen
die mit ausländischen Experten zu tun haben. Verurteilungen zum Tod und lagen
Haftstrafen, Justiz im Machtkampf miteingeschaltet
Prozess gegen ukrainisches Nationales Zentrum, gegen eine bäuerliche Arbeiterpartei
etc.
Ende der 1930er Jahre, Große Terrorwelle. Massenhafte Ermordung Gegner Stalins
(potenzielle, nicht-existierende, reale). Realer Widerstand innerhalb der KI sehr
schwer möglich. In West-Europa in den Komm. Parteien noch trockjistische Parteien.

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Im spanischen Bürgerkrieg stark anarchistische, auf Gewerkschaftsgruppierungen
aufbauende Richtungen – vom KGB beseitigt worden

Ab Ende der 20er Jahre gelingt es Stalin die Politik des Staaten massiv neu zu
definieren, in der Wirtschaft und Gesellschaft/Kultur
In der Wirtschaft ist die Epoche Stalins durch die Einführung der Planwirtschaft und
die Zwangskollektivierung geprägt
. War Teil ihrer Einführung, war immer als temporäre Politik gedacht. Temporäres
Zugeständnisse an Liberalisierung, um den Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg zu
erleichtern. Liquidierung des Marktes. Sehr tiefe Zäsur, die die Wirtschaftsplanung und
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die Schaffung eines riesigen Funktionärsapparates umfasst. Abrechnung mit rechter
Opposition. Im Bereich von Kultur und Gesellschaft findet eine Disziplinierung statt.
Ideologischer Hintergrund (nach Verständnis der Bolschewiken durch NEP Leute
bereichert, die nach Bolschewistische Perspektive nicht Zentrum des Kommunismus
sind, wie Kleinbauern etc.) Vorhandensein von Marktnischen für Regierung sehr
schwer kontrollierbar. Tiefgreifende Umgestaltung der Sowjet Gesellschaft –
Menschen die sich unter NEP gut integrieren konnten sollten zurückgedrängt werden,
stattdessen staatliche Elite. Ob Abschaffung des NEP eher ideologisch oder
wirtschaftlich primär motiviert war, wird in der Literatur diskutiert.
. Vor allem durch Steuererhöhungen, Bewegungsfreiheiten für wirtsch. Aktivitäten
eingeschränkt.
..
. Mit Zwangsarbeit errichteter Reismeerkanal. Bild: Staumeerkanal. Traktorenwerke in
Stalingrad. Enorme Priorität für Schwerindustrie, Neubauten, Grundstoff Extraktion
und Infrastruktur

Folgen:
. . . Vorgabe quantitativer Ziele ohne Qualitätskontrolle führt zur Fälschung von
Berichtszahlen, die Vernachlässigung von Qualität (zu wenige Facharbeiter)
. War endemisch, nicht effizient gewirtschaftet.
. Betonung der Schwerindustrie führt zu einer Vernachlässigung der Leicht- und
Konsumgüterindustrie
. Schwerindustrie braucht sehr viel Kapital
. Arbeiter verdienen am Ende des Fünfjahresplanes real nur noch 50 %
. Zahlen von 1927 und 1932, enorm viele Arbeitskräfte von Industrie und Infrastruktur
angezogen
. Jährliches Wachstum von 7 %, Sprung zurück zum Industriestaat
Ein weiteres wichtiges Feld ist die Rüstungsindustrie, kein Staat hatte so lange für den
2 Weltkrieg gerüstet wie die Sowjet Union

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Jeweils Tausende Menschen, bei Löhnen Index angesetzt basierend auf 1926
Enorme Urbanisierungswelle, Bildungssetzung zum Aufbau einer Intelligenz

Vor der Abschaffung der NEP einige wirtschaftliche und ideologische Probleme
. Wenn die Sowjet Union ein realer Industriestaat werden möchte, braucht sie enorm
viel Kapital und Arbeitskraft. Kapitalakkumulation durch verstärkten
Produktivitätsschub in der Landwirtschaft das in die Industrie investiert wird. Durch
gesteigerte Produktivität in der Landwirtschaft Arbeiter freigesetzt, wandern dann in
Ballungsräume ab. In der Sowjet Union soll dieser langer Prozess innerhalb von 5
Jahren stattfinden – unter großen Schäden
. Das Verhältnis von Stadt- und Landbevölkerung. Mangel an Industriearbeitskräften
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. Ideologisch. Komm. Regierung gönnt den Großbauern den Erfolg nicht, passt nicht
ins kommunistische Weltbild
. Wenn der Staat die Getreidepreise festsetzt und dann senkt, reduzieren die Bauern
ihre Getreideproduktion und machen stattdessen etwas anderes oder essen das
Getreide auf– führt zu Hungersnot

. Zwangskollektivierung = Bauern in großen Zahlen enteignet, vertrieben, in


Konzentrationslagern verschleppt, in den Norden verschleppt wo sie Zwangsarbeit
leisten sollen, übergeführt in sog. Kollektivwirtschaften wo sie kein Besitzrecht haben.
. Stalin, Interaktion zwischen Realpolitik und Ideologie, richtet sich gegen Überbleibsel
der NEP
. Bauern in drei Gruppen eingeteilt: 1. Enteignet, darf in ihrer Region bleiben, wird dann
in eine neu gegründete Kollektivwirtschaft zusammengefasst, eine halbe bis 1 Mio.
Haushalte; 2. Enteignet, wird nach Sibirien umgesiedelt; 3. In Zwangsarbeitslager,
Konzentrationslager deportiert, bei Widerstand sofort erschossen, 65.000 Haushalte.
Kulakenverfolgung inszeniert, Widerstand regt sich, von Bäuerinnen organisiert,
Verstecken des Getreides, Erschlagen der Funktionäre etc.
In welcher Gruppe man ist, ist Willkür oder gibt es eine Regelung dafür
In regionalen Dreierausschüssen vorgenommen
. Bauern aus ihrem Lebensraum entwurzelt, viele Bauern versuchen zu fliehen und
zurückzukommen. 1932 eine neue Schollenbindung eingeführt (Scholle wie zur
Zarenzeit), Bauern an Kolchoz gebunden, ohne entsprechenden Reisepass dürfen sie
sich nicht vom Kolchoz entfernen, vom Leiter ausgestellt
. Zugeständnis an Bauern, auch wenn sie in einem Kolchoz organisiert sind, dürfen sei
als Privatbesitz einen kleinen Garten, Ein Zwei Hühner besitzen. Auch eine Maßnahme
zur Aufrechterhaltung der Produktion, Kollektivproduktion weniger effektiv als Bauern
zur NEP Zeit. Staat wäre nicht in der Lage Bevölkerung zu ernähren ohne diese
Kleingärten. Geräte konnten an Traktoren Station ausgeborgt werden

Gab es keine Unruhen oder Verschlechterungen in der Versorgung , wegen dem Ende
der NEP ?
Auf dem Land Widerstand gegen Stalinismus - Zwangskollektivierung

Was ist mit den vermutlich enormen Umweltschäden durch diese Großindustrie?

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In den 70er/80er Jahren verstärkt Thema der Diskussion geworden, in den 1920er
Jahren Abwägungen, Sowjetische Führung für den Sprung zu einem Industriestaat
anzusetzen, Umwelt in den 1920er allgemein kein großes Thema

Getreideproduktion im Durchschnitt um 10 Prozent gesunken, regional Einbußen bis


zu 50 Prozent. Vieh fehlt auch als Zugtier, Traktoren können nur bedingt Ersatz leisten
Bauern vertrieben und damit ihr unternehmerisches Wissen vernichtet

Dritte Hungersnot nach 1922 und 1927, 1932 – Menschlich von der stalinistischen
Führung bewusst herbeigeführt worden. Getreide exportiert während im eigenen Land
Menschen ums Leben kommen. Schwerpunkt auf Ukraine intendiert, im Politbüro von
der ukrainischen Frage gesprochen worden.
Holodomor = Vernichtung durch Hunger – als Genozid gegen die ukrainische
Bevölkerung bezeichnet, Anerkennung als Genozid von einigen Staaten. Ukrainische
Führung als Gegner der Stalinistische Führung
Ganze Dörfer entvölkert
International bekannt geworden, in westlichen Medien teilweise durch westliche
Traveller in Abrede gestellt (von Stalinistischer Führung bestochen). Lebensmittelhilfe
durch den Westen von Führung abgelehnt
Maßnahme zur Brechung des bäuerlichen Widerstandes
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es gab auch sowjet-sympathisanten, die durch den Holodomor ihre Position revidiert
haben: z.B. der britische Journalist Malcolm Muggeridge, der IM "GUARDIAN"
berichtet hat
Auch Film dazu „Mr. Jones“, von klassischen Fellow Travellers stark angegriffen
worden. Sehr vieles nachvollziehbar, Berichterstattung von damals über Online
Archive nachvollziehbar. In Grundzügen historisch korrekt

Ich gehe davon aus, das heutige Russland lehnt die Genozids-Bezeichnung ab
Nur wenige Staaten die den Genozid anerkennen, Druck Russlands zu spüren

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7 VO 19.11.2020 – DIE KONSERVATIVE WENDE AB 1929, SOZIALISTISCHER
REALISMUS; DER GROßE TERROR, ARCHIPEL GULAG, STALINISMUS

= Der große Rückzug in der Gesellschaftspolitik


Stalin an seinem 50 Geburtstag zum Führer berufen
. Nationalitätenpolitik. Ende der Verwurzelungspolitik (Korenizacjia); hatte dazu
gedient nicht-russische Nationalitäten zu fördern und in den sowjetischen Staat zu
integrieren. Ab Ende der 20er Jahre verstärkt vom Sowjetpatriotismus zurückgedrängt.
Laut Stalin auf theoretischer Ebene zwei Arten von Nation: Bürgerlich, kapitalistische
Nation und die sozialistische Nation. Sozialistische Nation der Sowjetunion =
Sowjetische Nation. Alle Sowjetmenschen seien Patrioten, Ziel ist es einen
Sowjetbürger zu bilden. ABER: Ab den 30er/40er Jahren zeigt sich das unter Stalin
nicht alle Sowjetbürger als gleichberechtigt gesehen werden, russisches Volk immer
stärker hervorgehoben und
. Russisch als dominierende Staatssprache, Übergehen zum lateinischen Alphabet
beendet. Prädominant Translation in kyrillisches Alphabet. nicht-russische Eliten sehr
stark von Stalins Terror betroffen

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. Im Bereich Sozialpolitik – Maßnahmen zur Stärkung der Familie und Stärkung der
Reproduktion, des demografischen Wachstums (siehe auch Nationalsozialismus). Von
den Sowjets legalisierte Abtreibung 1936 wieder verboten, Mutterschutz, -prämien,
Geburtensteigerung in den Vordergrund gerückt. Im Zensus 1937
Bevölkerungserhebung: Weniger Bevölkerung als geplant, auf Dezimierungen durch
die stalinistische Vernichtungspolitik zurückzuführen. Weiterer Ansporn für Führung
auf Reproduktion gerichtete Politik fortzusetzen
. 1931 Schulreform: Kommandosystem an Schulen wieder implementiert, auf
Hierarchien, Gehorsam und Elitenbildung aufgebaut. 1936 Schuluniformen, 1940
Schulgebühren eingeführt (Widerspruch!). Primär auf technische Berufe ausgerichtet.
. Armee wird zu einem Prestigeobjekt des Staates gemacht, Prunkvolle Unformen.
Uniformierungen für Staatsdiener, Beamten etc. Ab dem zweiten Fünfjahrplan
Aufrüstung der Armee als wichtiger Wirtschaftspunkt. Auf Bedrohung des Staates von
außen hingerichtete Propaganda – Legitimation für Aufrüstungspolitik geschaffen
. November 1936. Von außerordentlichen Sowjetkongress beschlossen. Als
demokratischste Verfassung der Welt inszeniert, breite Medienberichterstattung, um
breite Zustimmung zu erreichen. Erstmals gleiche Wahlen für Sowjetbürger
vorgesehen (in der ersten sowjetischen Verfassung Wahlrecht nur für bestimmte
Bürger), keine Gruppen mehr die die Sowjetregierung hätten gefährden können.
Sowjetunion definiert sich selbst als einen demokratischen Staat, basiert auf der
marxistisch-leninistischen Definition von Demokratie, der die Produktionsmittel
verstaatlich sieht, Herrschaft übernommen von der Avantgarde, primäre der Arbeiter.
Demokratisch heißt hier nicht eine Bevölkerungsmehrheit hinter sich zu wissen, eine
Berücksichtigung von Minderheitenpositionen, gleiches Wahlrecht für alle, offene
Wahlen (all das für die Sowjets ein bourgeoise/Bürgerliches, ein oberflächliches
Verständnis von Demokratie) – Demokratie für Sowjets dann erreicht wenn eine
kommunistische Partei an der Macht ist.
Der Oberste Sowjet wird nun direkt gewählt, im Gegensatz zur ersten Sowjet
Verfassung, dort nur direkte Wahlen auf Lokalebene (Pyramide wo der Staatsbürger
nur auf der untersten Ebene tatsächlich wählen durften)
Vorgesehen ist auch die Gewaltentrennung, Gleichberechtigung aller
Unionsrepubliken bis zum Recht auf Austritt (sehr weite Formulierung des
Föderalismus)

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Die neue Verfassung enthält auch einen eindrucksvollen Katalog an Bürgerrechten:
Recht auf Arbeit, Materielle Sicherheit, Gleichberechtigung, klassische bürgerliche
Freiheiten (Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Redefreiheit) – Frage was von
diesen Rechten tatsächlich umgesetzt wurde: Einschätzung in der Wissenschaft sehr
kritisch, eher als diktatorische Herrschaftsform mit plebiszitärer Legitimation
angesehen
. Tatsächliche politische Meinungsbildung von oben nach unten. Die kommunistische
Partei und ihre Vorrangstellung erstmals in der Verfassung niedergeschrieben, hat bis
1990 sämtliche Neuformulierungen der Verfassung der SU begleitet. Komm. Partei hat
das Vorrecht die Kandidaten für sämtliche Wahlen aufzustellen, nur diese Partei hat
das Recht Kandidaten zu dominieren.
Wozu nach dem Abschluss der Einmanndiktatur, eine solche Verfassung mit so
weitrechenden Rechten verabschieden? Innenpolitische Mobilisierung und
Legitimationsfunktion der Einmanndiktatur und außenpolitisch wichtige Signalwirkung,
Politik der Volksfront. Verfassung ist entsprechend propagiert worden, in sowjetischen
Staatsmedien popularisiert worden um die Bevölkerung entsprechend zu mobilisieren
. Abschaffung ganzer Wissenschaften (Soziologie, Psychiatrie etc.) oder Verhängen
von Denkverboten, vom Staat oder Stalin ausgewählte wiss., Theorien in den Rang
einer Doktrin erhoben, z.B. in der Genetik die Theorien von Lysenko (Später als
Scharlatan entlarvt), der die direkte Veränderung von Erbgut durch die Umwelt
postuliert hatte (z.B. das im Saatgut enthalte Erbgut könne sich unmittelbar an die
Umwelt anpassen, Saatgut könnte dann überall angepflanzt werden – ist falsch, führt
zu Missernten). Im Bereich der Physik andererseits die Relativitätstheorie abgelehnt
worden.
Gleichzeitig Bildungs- und Forschungsstätten wie die kommunistische Akademie 1936
geschlossen, es werden in anderen Bereichen durch Einschüchterungsmaßnahmen
entsprechende Institutionen gleichgeschaltet. Frage welche Wissenschaften
abgelehnt wurden: Orientiert sich primär daran welche Wissenschaften als bourgeois
bezeichnet wurden, dort Thesen vermutet die der sowjetischen Staatsdoktrin
widersprechen könnten
ich habe einmal gelesen, dass Lyssenkos Theorien Holodomor oder ähnliche
Hungersnöte möglicherweise verstärkt haben, ist das plausibel?
Nicht für Holodomor verantwortlich. Im Holodomor sind es vor allem
Verteilungsprobleme, Getreide wurde weiterhin exportiert. Es ging darum das

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Getreide den Menschen vorzuenthalten, mit vorausschauende Politik vermeidbar
gewesen. SU hat bis in die 1970er immer wieder unter Missernten gelitten.
Exporte nötig, im Kalten Krieg blamabel von Exporten durch Feindstaaten
abhängig zu sein – wird in Diskussionen heute sehr gerne ignoriert
Geschichtsschreibung als eine politische Wissenschaft. Pokrovskji als Vertreter streng
marxistisch, internationalistisch ausgerichteten Geschichtsschreibung, war führender
Historiker der SU bis zu seinem Tod. Er hat auch Akten zu Mitschuld des Zarenreiches
am Ersten Weltkrieg publiziert, eigenen Staat nicht vor der Vergangenheit schützen
oder legitimieren. Hatte aber keine objektive Geschichtsschreibung angestrebt,
Geschichte als Politik in der Vergangenheit, es ging sehr wohl um eine ideologische
Interpretation der Geschichte. Diese Art von Geschichtsschreibung ist vom Stalinismus
stark kritisiert worden.
. Nationale Vergangenheit, selbst Zarentum hochgelobt und in den Vordergrund
gestellt. Fragen der Kämpfe aus der Zeit der Kiev Rus. Nationale Helden hochstilisiert,
wie z.B. Ivan IV (Ivan der Schreckliche in westlicher Terminologie, im russischen Ivan
der Ehrfurchtgebietende, hatte im 16. Jhr. Terrorherrschaft errichtet. Auch kaiserliche
Feldherren aus dem 18/19 Jhr wie Suvorov und Kutuzov
. Bild oben als Beispiel für stalinistische Propaganda, hier von der DDR. Propagierung
der Ein-Mann-Herrschaft.
Bild unten: Demonstration wie bei Stalin in Ungnade gefallene Parteiführer beseitigt
wurden. Links immer die Originalaufnahme, Rechts die im Stalinismus retuschierte
Aufnahmen
Wie rationalisiert man absolute monarchische Herrschaft in einem
kommunistischen Weltbild?
Primär aus einem nationalen Standpunkt, aus dem Standpunkt einer
Fortschrittsinterpretation rationalisiert worden. Bedeutet dass Ivan IV und co
primär als Verteidiger des Vaterlandes interpretiert wurden

. Künste ebenfalls im Stalinismus beeinflusst. Jegliche individuelle Strömung wird


beendet. Von jeglichen Organisationen im Kulturbereich, Zensurbehörden etc. kritisiert
und auf diese Weise illegalisiert. Sozialistischer Realismus baut auf einer
Meistererzählung, die in den Grundsätzen des Marxismus und Leninismus verhaftet
ist, Sozialistische Utopie als Realität dargestellt, positiven Helden – üblicherweise
Arbeiter der über sich hinauswächst, klassenbewusst ist, sozialistische Ideale

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vorantreibt, keinen persönlichen Wünschen und Leidenschaften nachgeht. Prinzipien
lauten Volkstümlichkeit, Massentauglichkeit, Parteilichkeit (Der Künstler muss ein
Vertreter der Prinzipien der kommunistischen Partei, jede Figur muss es auch sein)
und das Klassenprinzip (es muss berücksichtigt sein wer die fortschrittlichen Klassen
sind und diese müssen besonders positiv dargestellt werden.
Hat zu einer Reglementierung der Kunst geführt

Berühmte Produkte stalinistischer Kunst, nicht mehr durch experimentelle Zugänge


der frühen Sowjetkunst gekennzeichnet. Eher konservative, naturalistischer Stil mit
eindeutiger Botschaft, handwerklich teilweise hervorragende Leistungen
Links oben: Berühmte gigantische Skulptur „Arbeiter und Kolchosbäuerin“ von
virenmuchina, auf Pariser Weltausstellung 1937 den sowjetische Pavillon gekrönt
Oben Mitte: Portrait Stalins
Oben rechts: Plakat, dass die Agrarreformen, Bewässerungsprojekte im Gebiet
Südrusslands und Ukraine propagieren soll. Stalin umringt von Personen in nationalen
Kostümen der Sowjetunion, Andeutungen an Reste der Korelisazia, Oberflächliche
Folklore (Tatsächliche Förderung der Nationalitäten nicht mehr stattgefunden) Titel
sagt „Unter der Führung des großen Stalin, Vorwärts zum Kommunismus“. Stalin nur
mehr unter schmückenden Bezeichnungen bezeichnet, als Übermensch inszeniert

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Unten rechts: Portrait aus der Nachkriegszeit, Anklänge an impressionistische
Techniken, darf aber nicht zu weit gehen, man muss eindeutig die Physiognomie der
Menschen und die politische Botschaft erkennen können. Stalin trägt die Uniform des
Generalissimus (Titel eigens für ihn geschaffen). Umringt von Mitgliedern der
Kinderorganisation in entsprechender Uniform
Unten Mitte: Moskauer U-Bahn, Technische Meisterleistung, Ob es für einen sich
modernistisch verstehenden Staat passend war in den 1930er Jahren auf derart
barocke Darstellungen zurückzugreifen, sei dahingestellt
Unten links: Hauptgebäude der Moskauer Staatsuniversität, 1755 auf Vorschlag und
Konzept des russischen Universalgefährden gegründet worden. Neues Gebäude auf
den Leninhügel (vorher Spatzengeberge), Anklänge auf New Yorker Wolkenkratzer

. Terror von Anbeginn der bolschewistischen Herrschaft gewesen, Idee das Utopie alle
Mittel heiligt. Bereits politische Prozesse im großen Stil zu Einschüchterungszwecken.
Die SU von Anbeginn an kein Rechtsstaat, Rechtsprechung für politische Zwecke
missbraucht. Gewalt auch bei der Zwangskollektivierung, Massenerschießungen,
Aushungerung der ukrainischen Bevölkerung.

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. 1934 Neuer Parteitag der kommunistischen Partei durchgeführt, „Parteitag der
Sieger“, nach den ersten 2 Fünf-Jahres-Plänen, der Zwangskollektivierung, dem
Holodomor. Menschen sehnen sich nach Ruhe. Umso überraschender ist die neue
Welle von Massenterror, Ursachen immer noch Gegenstand für Diskussionen. Stalin
im Gegensatz zu Hitler keine Reden im engeren Kreis gehalten, jeden
Gesprächspartner nur einen Teil seiner Überlegungen präsentiert. Somit nicht ganz
klar warum 1934 diese enorme Terrorwelle von Stalin losgetreten wurde.
Theorien: Vorbildwirkung des „Röhm Putsches“ der NSDAP im Juli 1934, könnte Stalin
angeregt haben etwas ähnliches in der eigenen Partei durchzuführen, internen
Parteigänge zum Anlass zu nehmen sich Gegner in der Partei zu entledigen;
Einschüchterung etc.
Anlassfall für den großen Terror ist das Attentat auf Sergei Kirov, war Anführer der
Leningrader Parteiorganisation, 1917/18 zu den Bolschewiken übergegangen,
Kometenhafter Aufstieg in der Partei (Theorien das Stalin selbst den Anschlag
inszeniert hat), sein Mörder war ein kleiner Parteifunktionär (auch persönliches Motiv
nahegelegt), Umstände des Attentates sehr fragwürdig (Mörder vorher festgenommen,
wurde aber immer wieder freigelassen, könnte Schlamperei gewesen sein). Anschlag
bis heute nicht restlos aufgeklärt
Mord zum Ausgangspunkt einer „parteiinternen“ Säuberung, geht bis in die obersten
Reihen hinauf. Prozess entwickelt sich über den gesamten Staat, die gesamte SU
. Gruppe von führenden Kommunisten, Zinovev und Kamenev waren bis dahin
Verbündete, die von Stalin in den 1920er Jahren entmachtet wurden, jetzt wurden sie
auch physisch beseitigt. Anklagepunkt ist die Verschwörung zur Ermordung Kirows,
Spionage für ausländische Mächte – Humbug aber durch Folter erzwungene
Geständnisse
Bild oben: Verhörfoto von Zinovev
. Prozess gegen die alten Kommunisten, 13 Todesurteile gegen 17 Angeklagte, Radek
in einem stalinistischen Konzentrationslager von einem Mörder umgebracht – Parallele
zu nationalsozialistischen Konzentrationslagern
. Prozess der 21, einer der Angeklagten (Gewerkschaftsführer Tomski) durch
Selbstmord dem Urteil entzogen. Bucharin vollbringt vor Gericht ein auf Folter
gemachtes Geständnis zu widerrufen und hat Stalin anzuklagen. Hindert westliche
Mitläufer nicht daran diese Prozesse als rechtstaatliche Prozesse zu interpretieren und
entsprechend in westlichen Medien zu propagieren.

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Prozesse gehen über die SU hinaus, Transkaukasien
Andrei Wyszyński= Chefankläger der Schauprozesse Stalins, berüchtigt
Anfangs richten sich diese Prozesse gegen ehemalige Mitglieder der Führungspartei,
geht über auf die ausländische Diaspora, tausende ausländische Kommunisten in der
SU (waren vorm Nationalsozialismus, faschistoiden Regimen in Europa). Die
kommunistische Partei Polens stark dezimiert. Terror geht vom Zentrum in die
Peripherie, Massenterror
Zuletzt wird der Vernichtungsapparat hingerichtet, auch zwei Volkskommissare für
innere Angelegenheiten denen der gesamte Vernichtungsapparat unterstanden ist
angeklagt und hingerichtet worden (Heinrich Jagoda, Nikolai Jischew)
. Noch skrupelloser als im Zentrum.
. Auch Repressionsapparate und die Armee stark getroffen. Im Verteidigungsressort
alle stellvertretenden Volkskommissare, alle Oberkommandierenden sämtlicher
Militärbezirken, etc. hingerichtet. 90 % der Generale beseitigt, die meisten hingerichtet
viel auch inhaftiert
.
. Frage nach der Zahl der Opfern – schwierig. Man kann versuchen mit den
Dokumentationen des Vernichtungsapparaten nachzuvollziehen, autobiografische
Quellen. Von Stalins Nachfolger Kommission 1956, um die Verbrechen des
Stalinismus zu untersuchen (dürfte den bis heute den vollständigsten Aktenzugang
gehabt haben, auch Nachfolger Stalins dürfte Interesse gehabt haben Akten zu
vernichten)
Über demografische Statistiken annähern, 1937 bereits ein demografisches Defizit von
18 Mio. Menschen, laut demografischer Vorausschau hätten 180 Mio. in der SU leben
sollen, gelebt haben tatsächlich nur 162 (auch der Holodomor, ausgefallene
Geburten). Volkszählung bereits 1937 durchgeführt, nur Anfang des großen Terrors
erfasst
. Die SU und ihre Regime hat Zwangsarbeiter als Nebeneffekt des Terrors produziert,
sondern auch die Wirtschaft war darauf aufgebaut. Zwangsarbeit dort wo die
Infrastruktur schlecht aufgebaut war und freie Arbeit deutlich teurer gewesen wäre.
Wurden für Infrastrukturprojekte eingesetzt. Zahlen stammen von Robert Conquest,
Baberowski
. „Säuberung“ – Begriff vorsichtig zu verwenden, menschenverachtender Begriff.
Innerhalb des Apparates für unbedingt loyale Menschen als Funktionäre schaffen. Die

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stalinistische Generation die auf frei gewordenen Plätze nachgerückt ist hat sich durch
eine besondere Loyalität ausgezeichnet.
Die ideologische Begründung: Der Klassenkampf verstärke sich, je näher die SU an
den Sozialismus heranrückt.
Anzeichen dass Stalin an bestimmten Punkten den Terror unterbrechen wollte, hat den
Prozess aber dann bewusst neu stimuliert – Prozess hatte zwar Eigendynamik
erhalten, aber war durchaus unter der Kontrolle Stalins geblieben, Anzeichen dafür ist
dass der Terror 1939 geendet hat
. Debatte in der Literatur. Totalitarismus = These der Sozialwissenschaft in den späten
40er/50er Jahren, viele jüdische Intellektuelle (Opfer des Nationalsozialismus, in
Amerika angesiedelt), Sozialwissenschaftler die vergleichend gearbeitet haben =
Stalinismus teilt viele Elemente mit dem Nationalsozialismus, Kontrolle und Steuerung
eines als Massenprodukt verschwindenden Individuums, durch Ideologiepropaganda,
Terror und Überwachung, unter einer persönlichen Diktatur
Dagegen in den 1970er, unter sozialgeschichtlichen Ansätzen, Historiker wie
Fitzpatrick, die sehr stark auf das Geben und Nehmen zwischen dem Regime und der
Bevölkerung hingewiesen haben. Damit ein Regime funktioniert, muss es etwas geben
dass die Bevölkerung davon hat. Im Stalinismus – Masseneinschüchterung der
Menschen ein wichtiges Grundprinzip
. Handelt es sich bei Stalin um etwas neues, oder ein Phänomen das bereits vor Stalin
in der bolschewistischen Herrschaft angelegt gewesen ist. Mit Hinblick auf
Kontinuitäten (siehe Folie) beantwortbar
. Anfangs in den 80er Jahren als Gegenpositionen gesehen. Inzwischen bestätigt
durch Akten das Stalin die Kontrolle behalten hat. 1937/38 Bundeslisten mit 340.000
Namen von zur Erschießung verurteilten Opfern unterzeichnet. Stalin als Mastermind
– Vorgegeben dass Menschen erschossen werden müssen, teilweise den lokalen
Repressionsinstanzen überlassen wer tatsächlich erschossen wurde
Frage nach Stalins Geisteszustand (Soziopath?) als Historiker schwer zu beantworten,
bedeutet nicht das Stalin nicht Herr seiner Handlungen war, nicht zu rationalen
Handlungen fähig war

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Größten Schwerpunkte des Archipel Gulag
Links - Zwangsarbeitslager in der zentralen Industrieregion zwischen Leningrad und
Petersburg, Moskau und dem Ural
Im linken Norden – Lager für die großen Infrastrukturprojekte, Eismeerkanal

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. Stalinismus parallel mit Stalins Ein-Mann-Herrschaft aufgebaut. Nicht nur
Konkurrenten und Gegner, sondern auch andere Schwergewichte in der Partei
ausgeschaltet
. Schwerpunkt auf Schwerindustrie. Landwirtschaft und Industrie unter massenhafter
Zwangsarbeit
. Im Kulturbereich. Demografie: Sozialpolitik, Bildungspolitik, Kunst, Propagierung der
eigenen Vergangenheit
. Größte Terrorwelle in der Geschichte der SU

Fragen:
wofür steht das Akronym Gulag?
Glawnoje uprawlenije isprawitelno-trudowych lagerej i kolonij, übersetzt
„Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager und -kolonien

War Stalin vielleicht einfach paranoid? Ein Erbe seiner Zeit als Untergrundterrorist?

na, einen an der Waffel hatte er sicher, das bringt "death of stalin" auch ziemlich gut
rüber. aber was ist mit all jenen, die mitgemacht und seine Befehle ausgeführt haben?
individuelle Pathologisierung erklärt das Phänomen nicht

Weil er sich daran erinnert, wie er selbst einmal ganz unten den Umsturz des Zaren
oder von Kerensky geplant hat und fürchtet dass da unten jetzt wieder Leute sitzen die
seinen Umsturz planen?
Pathologisierung Stalins schwer durchzuführen. Durch seine Zeit als
Untergrundterrorist geprägt gewesen. Überzeugter Bolschewist und bewusster
Machtpolitiker mit paranoiden Zügen
Man sieht in Diskurses in geschlossenen politischen Systemen wie auf den Gegner
projiziert wird

a apropos Begriffe: war "der große Terror" ein offiziell von der UdSSR verwendeter
begriff?
Nein

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Aber der Begriff der "Säuberungen" ist ja bereits sehr negativ konnotiert und beinhaltet
bereits die Kritik, oder?

es ist ein euphemistischer Begriff wie "Anschluss", "Konzentrationslager" oder


"Kristallnacht", der von den Tätern selbst geprägt wurde und die reale Gewalt
verschleiern sollte

Durchaus negativ konnotiert, aber der Begriff sollte dennoch sparsam verwendet
werden, Distanzierung zum Begriff sehr eindeutig machen
Ein anderes Beispiel wäre der Begriff des „Untermenschen“ im Nationalsozialismus

wie hat die Rote Armee dann 1939, nach der Hinrichtung so vieler Armeefunktionären
funktioniert?

Ist es ein Nachteil für die Armee, dass viele der (erfahrenen) Generäle u.a. dann im 2.
WK gegen Deutschland fehlen? Gibt es große Fehler und Fehleinschätzungen im
Krieg, die wahrscheinlich durch die relativ unerfahrene, nachrückende Heeresführung
entsteht?
Immer wieder mit den sehr schlechten Ergebnissen der Roten Armee im Krieg gegen
Finnland in Zusammenhang gebracht worden
Die Rote Armee hat sehr schlecht funktioniert

wie steht es um die Geschichte der "Totalitarismus-theorie"? gerade in Deutschland


und Österreich ist jede Parallelisierung von Nationalsozialismus und Stalinismus (v.a.
unter linken) ja auch tabuisiert und als "schuldabwehr" oder "Verharmlosung" in
Hinblick auf das NS-Regime gesehen worden?
Seit den 1970er Jahren eine kritische Debatte um den Totalitarismus. Von neuen
Historikern Konzept des Diktaturvergleiches in den Vordergrund gerückt worden
Totalitarismus als politikwissenschaftlicher Vergleich durchaus aussagekräftig
Über Diskussion der Verharmlosung, eher nein – geht am Kern der Totalitarismus
Theorie vorbei, hat Ähnlichkeiten zweier konkurrierender System aufgezeigt

War Lenins Herrschaft, im Gegensatz zu Stalin, mehr Oligarchisch mit Mitherrschern


an der Spitze?

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Ist nicht ein Kriterium für Oligarchie, dass die wenigen an der Spitze auch über großen
Reichtum verfügen (wenn ja, dann wäre das doch eher ein Gegensatz zur
kommunistischen Ideologie)?
Nicht notwendigerweise ja. Lenin und Stalin beide gleichermaßen daran interessiert,
zu mindestens formale oligarchische Absegnung ihrer Beschlüsse zu erzielen
Beide legen Wert darauf ihre Sachen von anderen Politbüromitgliedern abzeichnen zu
lassen – selbst in Hinblick auf Stalins Ein-Mann-Kult (bei Lenin Ein-Mann-Kult nicht so
politisch, war nicht nötig, um Herrschaft zu legitimieren, bei Stalin schon)
Unter Lenin noch die Möglichkeit in der Partei zu diskutieren, bis 1923

welche Literatur zum Totalitarismus bzw. zum Diktaturen Vergleich würden sie
empfehlen?
Klassisches Werk: Hannah Arendt „Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft“

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8 VO 26.11.2020 – DIE SU IM 2. WELTKRIEG / AUßENPOLITIK 1933-1938

Brachte SU fast an Rand des Zusammenbruchs, aber Sieg katapultierte die SU in den
Rang einer Supermacht – Erkauft mit Zerstörung und 27 Mio. Todesopfern
- Seit den 1920er Jahren.
- Der NS war lediglich eine besondere Ausprägung der bürgerlichen Demokratie.
Lediglich graduelle Unterschiede anerkannt. Hat Zusammenarbeit zwischen NS und
Kommunisten gar nicht ausgeschlossen
- Sehr verzerrende Darstellung, unterschätzte Unterschiede.
- GB = Parlamentarische Demokratie. All jene Staaten als versch. graduelle
Abstufungen des Kapitalismus, des Imperialismus. Durch marxistische Terminologie,
die Demokratie als kapitalistische Gesellschaft bezeichnet, begründet. Jenseits der
liberalen Demokratie steht der NS, der sich als Anti-Bolschewismus und als anti-
demokratisch versteht.
- Zusammenarbeit Kommunisten und NS zur Destabilisierung der Weimarer
Demokratie
- Die Machtübernahme der NS und nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
1933 führte zu einer Revision der unkritischen Haltung der SU gegenüber dem NS,
Zeigt sich durch eine neue Strategie der Kollektiven Sicherheit. Die SU trat dem

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Völkerbund (Vorläufer der Vereinten Nationen) 1934 bei, als sich das deutsche Reich
aus der Organisation zurückzog. Sollte das vorhandene internationale System aus
Sicht der SU stabilisieren, das NS Deutschland destabilisieren.
- Enthielt versch. Beistandspakte und -verträge, zwischen der SU und Frankreich, und
der Tschechoslowakischen Republik (durch Aggressionen D sehr bedroht).
Auch versucht die Staaten Ost/Mitteleuropas in ein Paktsystem unter dem Stichwort
Ostfolkano. Weitere Beistandspakte mit Nachbarstaaten der SU abgeschlossen
- Auf Ebene der Parteidirektiven. Komm. Interne auf Kollektive Sicherheit
eingeschenkt. NS als Hauptgegner des politischen Kampfes identifiziert, Aufgerufen
zu einer Zusammenarbeit zwischen Kommunisten, Sozialdemokraten und
Bürgerlichen gegen NS und Faschismus. Diese Taktik ist auch als Volksfronttaktik
bezeichnet worden, da sie anstrebte eine relativ breite nationale Verteidigungsfront
gegen den NS zu etablieren
- Im Kontext der Antifaschisten Politik der SU der 1930er. Auf Seite der Republik, der
Linken gegen die Regierung Francos und der spanischen Faschisten

Diese zweite Kehrtwende weg von der antifaschistischen Politik hin zum Hitler-Stalin-
Pakt – In der Historiografie nicht weitgehend erklärt

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- Könnte dazu beigetragen haben die SU von der kollektiven Sicherheit weg und zum
NS hin zu bewegen. Vor dem Hintergrund der Suddetenkrise in der Tschechoslowakei
(an der Grenze zum Deutschen Reich angesiedelt). Unter Einwirkung der westlichen
Kräfte hatte sie gelöst werden sollen, vom deutschen Reich unter Beteiligung Italiens
durchgeführt worden, die SU und die tschechoslowakische Regierung wurden nicht
eingeladen. Die mehrheitliche deutsch besiedelten Gebiete wurden an das Deutsche
Reich abgetrennt. Aus Moskauer Perspektive sollte dazu dienen die Expansion des
NS in Richtung Osten, gegen die SU zu richten (nicht zwingend gegeben, es lebten
viele Deutsche in diesen Gebieten)
- Annäherung an NS Deutschland. Stalin erklärt am 18 Parteitag, dass die SU den
Westen nicht vor einer deutschen Aggression retten würde. Auch jene Zeit als D den
nächsten Schritt zur Expansion Richtung Russlands machte, die Annexion Österreichs
(März 1938), September 1938 Suddetengebiet, März 1939 annektiert er den Rest der
Tschechoslowakei (Rest-Tschechei in Propaganda genannt).
Im Mai 1939 wird das sowjetische Außenkommissariat einer grundlegenden
Veränderung unterzogen, der Außenkommissar Litvinov wird entlassen und
zurückgestuft und durch Molotov ersetzt. Sehr antisemitische Personaländerung im
Außenkommissariat durchgeführt, eine große Anzahl an Juden entlassen oder
zurückgestuft (Litvinov war ebenfalls jüdisch)
- Noch nicht sämtliche Verhandlungslinien mit westlichen Mächten (England,
Frankreich) abgebrochen gewesen. Erst im Juli 1939 abgebrochen. Hintergrund war
die Expansionspolitik des Deutschen Reiches, im Sommer beginnt D seine
Forderungen an Polen zu formulieren, Polen ist massiv unter deutschen Druck. Es
entwickeln sich Gespräche zwischen SU, England und Frankreich über eine
gemeinsame Garantie für Polen, es wird über sowjetische Durchmarschrechte über
Polen verhandelt. Auf westlicher Seite Misstrauen gegenüber der SU, über Umwege
verstärkten Einfluss auf Polen bekommen? Im Juli Abkommen über einen Dreibund
mit GB und Fr, Verhandlungen unterbrochen, sollen in der zweiten Augusthälfte
weitergehen. Aber am 11 August entscheidet sich das Politbüro der kommunistischen
Partei der SU für ein Bündnis mit dem Deutschen Reich, es wird eine
Handlungsdelegation nach Moskau eingeladen
- Innerhalb kürzester Zeit wird der sowjetische Nicht-Angriffspakt abgeschlossen. Die
SU ist über ihre eigene Auslandsspione über den deutschen Angriffsplan auf Polen
informiert, fordert ein Zusatzprotokoll (will sich an Aufteilung Ostens beteiligen), darin

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wird festgehalten das Osteuropa zwischen der SU und dem Deutschen Reich
aufgeteilt wird
- Gebiete aus dem Nicht-Angriffs-Pakt
- Bild: Satirische Karikatur aus dem Observer, aus jener Zeit, kommentiert die
Ereignisse. Die polnische Regierung geht ins Exil, die polnische Bevölkerung insb. die
jüdische Bevölkerung werden zu den Hauptleidtragenden zählen. Die rote Armee
überschreitet am 17 Sept. die polnische Grenze: Teile der polnischen Bevölkerung
verschleppt
https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Massaker_von_Katyn = Spielfilm, psychologische
Wirkung auf die Bevölkerung
- Hier kommt es zu einem Gebietstausch, in der ursprünglichen Aufteilung der
Einflusssphären (Litauen hatte gefehlt). Die deutsche Seite wurde durch die Abtrettung
von polnischen Endgebieten entschädigt (Gebiete zwischen Warschau und dem Bud,
Das Generalgouvernement)
- Untersch. Interpretationen des Hitler Stalin Pakts. Affinität zu einer eher defensiven
Interpretation, die SU hat versucht den Pakt zu rein defensiven Gründen
abzuschließen. Kritisch anzumerken, dass die SU mit einer Vereinbarung mit den
Westmächten besser dran gewesen wäre, da 1939 unklar war ob das Deutsche Reich
in einen Zwei Fronten Krieg gestürzt hätte (GB, SU). Aus sowjetischer Perspektive war
der Pakt am besten dazu geeignet den Krieg westlich der SU zu schüren. Im Bereich
der Spekulationen. Konstruktion des Hitler-Stalin-Paktes bis heute in der russischen
Historiografie sehr umstritten, in den 90er Jahren kritische russische Historiker die
argumentiert haben dass es der SU darum ging den Krieg zuzulassen und zu schüren,
hat sich inzwischen wieder stalinistischer Interpretation angenähert
Außer Zweifel steht, das der Pakt für die SU Vorteile beinhaltete, greifbare
Gebietsgewinne auf Kosten der Opfer des 2WK (Zweite Welle der sowjetischen
Expansion), im Westen Krieg (von einem ideologischen Standpunkt ein Krieg zwischen
kapitalistischen Mächten, Expansion des komm. Einflusses mittelfristig gefördert)

Wie konnte es dazu kommen , wenn sich diese Staaten indirekt im spanischen
Bürgerkrieg noch bekriegt haben ?
Widerspruch, der so große „Geister“ wie Hitler oder Stalin nicht angefochten hat.
Konnten sich im spanischen Bürgerkrieg noch indirekt bekriegen aber gleichzeitig eine

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Allianz vorbereiten. Menschenopfer hingenommen, es ging darum die nächsten
Schritte zu planen

Persönlich getroffen haben Hitler und Stalin sich jedoch nie, oder?
Nein, nach der Invasion Polens Treffen von hohen Offizieren, aber die beiden haben
sich nicht getroffen

Wie sie bereits sagten garantierten Frankreich und die Sowjetunion der
Tschechoslowakei die Unabhängigkeit . Wieso schritt dann im Mai 1939 niemand ein?
Hängt mit der rüstungspolitischen und auch psychologischen Lage Westeuropas
zusammen: GB ist 1938/39 nicht gerüstet für einen Krieg
Suddetendeutschen Selbstbestimmungsrecht zugesprochen, wollten sich Ö
anschließen, von Alliierten verhindert. Aus westlicher Perspektive argumentierbar
Frankreich ist zwar besser gerüstet, aber hauptsächlich defensiv aufgestellt.
Innenpolitisch fragwürdig ob Frankreich für die Tschechoslowakei in den Krieg
gezogen wäre

Großbritannien hat ja Deutschland beim Überfall auf Polen den Krieg erklärt. Aber nicht
der Sowjetunion. Hat man doch darauf gehofft, dass sich Stalin gegen Hitler wendet?
GB hat noch gehofft, dass das Deutsche Reich sich weiter gegen die SU wenden
werde. Als es dann so weit gekommen ist, war GB einer der ersten Mächte die sich
mit der SU auf eine Anti-Hitler Allianz geeinigt haben, GB stand 1940 völlig allein
gegenüber Hitler Deutschland (FR ist besiegt, SU verbündet mit D)

Ich glaube, Hitler wollte den Krieg auf Biegen und Brechen. Er war ja schon 1938 bei
München sehr enttäuscht dass die Briten auf seine Forderungen eingegangen sind
und er nicht "anfangen" konnte.
War sehr verärgert dass das Münchner Abkommen in diplomatisch friedlichen Bahnen
verlaufen ist

Wie stand das NS Regime eigentlich zu deutschen Minderheiten auf dem Gebiet der
RSFSR ?

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Hitler war Nationalist, aber wenn es die Großmachtpolitik erfordert hat ist er über
Leichen der deutschen Minderheiten gegangen (hat auch die deutschen Südtiroler
Mussolini überlassen)

Aber es gab doch auch eine breite Opposition gegen die Appeasement Politik in GB ?
war GB Kurs nicht maßgeblich von Chamberlain verantwortet?
Steigende Opposition gegenüber der Appeasement Politik. In der Kammer von
Chamberlain gab es auch Rücktritte
Siehe auch „Darkest Hour“
GB war nicht hochgerüstet, Frankreich wird 1940 innerhalb von 4 Wochen von
Deutschen niedergekämpft und besetzt

Karte von Stalin zweimal unterschrieben


Der revidierte Grenzverlauf vom Ende September, Litauen bereits in sowjetische
Einflusssphäre

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Ostpolen wird besetzt, wird für eine Integration in den Sowjetischen Staat vorbereitet.
Polnische Elite wird deportiert, in Gefangenenlagern getötet
Menschen mit hoher Bildung hingerichtet, Priester, gezielt intellektuelle, politische Elite
hingerichtet worden
Baltische Staaten – Baltische Elite ins Innere der SU deportiert
Zuerst hat die SU den Staaten Beistandsabkommen und die Zustimmung zur
Einrichtung sowjetischer Militärstützpunkte abgepresst, von diesen Stützpunkten
Gebiete besetzt und gefälschte Wahlen durchgeführt.
Die bisher 3 unabhängigen Staaten in die SU einverleibt.
Es gelingt Finnland den Angriff der SU zum Teil zurückzuweisen, ist aber zahlenmäßig
unterlegen. Schließt einen Kompromiss am Ende des Winterkrieges. Die
eingezeichneten entlang der finnisch sowjetischen Grenze abgetreten ,aber Finnland
kann seine Unabhängigkeit bewahren. Verbündet sich mit D und tritt in den Krieg
gegen die SU, um die annektierten Gebiet zurückzuholen
Das Deutsche Reich erhält Rohstoffe, die SU erhält deutsche Industriegüter, für beide
Seiten profitabel
Die SU hatte vom DR die Zustimmung zur Annexion Bessarabiens, an der südlichen
Grenze der SU gefordert. Molotov fordert von Hitler dass D seine Unterstützung Für

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Finnland beende und es der SU ausliefere, sowjetische Kontrolle über Bulgarien und
die deutsche Zustimmung zur sowjetische Kontrolle über den Bosporus
SF = Finnland
Wirtschaftlich funktioniert es ganz gut, aber vor Hintergrund der politischen
Forderungen, der deutschen Aggression, der sowjetischen ideologischen Gegensätze
formuliert Hitler 1940 die Entscheidung für den Überfall auf die SU
Im Juli fällt eine Vorentscheidung, im Dezember eine endgültige Entscheidung für
Barbarossa
Am 22 Juni 1941 eingeleitet (durch Italiens Abenteuer am Balkan verzögert)
Stalin hatte Sympathisanten im Ausland, wenige militärische Geheimnisse die das DR
vor der sowjetischen Spionage verheimlichen konnte. Stalin hatte den Angriff erst für
1942 erwartet, Angriffspläne waren präventiv gedacht, nicht dafür gedacht auf einen
deutschen Angriff zu reagieren

Die sowjetische Armee war anfangs mit gigantischen Verlusten konfrontiert (aufgrund
der Missplanung Stalins)
Eher offensive Aufstellung der SU, für defensive Aufstellung nicht so geeignet

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Kräfteverhältnisse bei Hardware völlige anders, auf sowjetischer Seite völliger
Überhang, seit dem zweiten Fünf-Jahr Plan hatte die SU massiv aufgerüstet
Die SU hatte aber 3mal so viele Verluste an Menschenleben
Direkte der SU am Anfang: Den Fein mit allen Mitteln niederschlagen
Offensive Aufstellung - In den 90er Jahren Präventivkriegsthese = SU wollte eigentlich
DR überfallen, war nicht sehr weitverbreitet

. Norden Richtung Leningrad, Süden Richtung Kiev, Mitte über Minsk Richtung
Moskau
. Stark mechanisierte Vorbaustöße und Einkesselung der Gegner
.
. Leningrad wird eingeschlossen und die nächsten 3 Jahre eingeschossen, und
ausgehungert (0,5 Mio. Opfer). Moskau kann nicht eingenommen werden, DR bleibt
ca. 40 km vor den Stadtmauern zum Stoppen (Lange Versorgungswege, technische
Ausstattungen, früher Winter, massivster Widerstand)
Das DR hatte die Hoffnung in einem Blitzkrieg Leningrad und Moskau bereits vor
Wintereinbruch einnehmen zu können
. Vormarsch für die SU trotzdem verherrend

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. 2,5 Mio. sowjetische Juden ermordet.
. Die SU reagiert mit drakonischen Strafen, Stalin war für 2 Wochen nicht ansprechbar,
Evakuierung der Ministerialapparate nach Südosten (Samara) und bleiben bis 1943
dort, Militärische Verteidigung mit drakonischen Strafen gesichert. Sowjetische
Industrie ebenfalls evakuiert, teils nach Silberien, Zentralasien gebracht
Blau = Deutscher Vorstoß

. Die politischen Offiziere der Roten Armee an Ort und Stelle umgebracht
. 1941 Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei entsandt, zur Massenweisen Ermordung
der jüdischen Bevölkerung
. Besonders stark ist die Ukraine in Mitleidenschaft gezogen worden
. Erschießung von zigtausend Juden in der näheren Umgebung von Kiew
. Viele ethnische Ukrainer und Russen werden ebenfalls Opfer, Zwangsarbeit
verschleppt 2,75 Zwangsarbeiter
. Insg. 27 Mio.
. Zerstörungspolitik von Kulturgütern

. Einige von ihnen wie die ukrainische Aufstandsarmee kämpfen auch gegen die Rote
Armee für ein unabhängiges Ukraine

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. Polen hat die größte Widerstandsbewegung im besetzten Europa gegen das DR, die
ukrainische und die polnische Untergrundarmee haben sich gegenseitig bekriegt
. Der 2 WK dauert in jenen Bereichen in denen insbesondere der ukrainische
Widerstand aktiv gewesen ist ungleich länger. Die anti-bolschewistischen Partisanen
gegen die Sowjetherrschaft dauert bis 1950
In der Zwischenkriegszeit durchaus Sympathien für das DR, die deutsche Wehrmacht
wurde in der Ukraine als Befreier begrüßt
Auch in der Sowjetbevölkerung, der polnischen Bevölkerung, auch in den baltischen
Staaten, teils erzwungen teils durch anti-bolschewistische Abneigung
Zusammenarbeiten mit dem deutschen Reich

Rot, rosa = Expansion der Alliierten


. Die sechste Armee wird eingekesselt, Stalingrad wird von der Roten Armee
eingeschlossen, ab diesen Zeitpunkt wird die deutsche Front zurückgedrängt
.
. 1943
.

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. Leningrad kann befreit werden
. 1943 zwei westliche Fronten, Italien und Frankreich, 1942 waren die Westmächte in
Nordafrika gegenüber dem deutschen Expeditionschor aktiv geworden
. Die Rote Armee überschreitet die Weichsel, sie kommt den Aufstand in Warschau
nicht zur Hilfe (2 Aufstände in Warschau unter deutschen Besetzung, Ghetto und der
nicht-jüdischen Widerstandskämpfer). Warum hat die SU nicht geholfen?
Spekulationen dass es logistisch nicht möglich war, oder es war politisch nicht
erwünscht wie der polnische Widerstand noch von der Deutschen Wehrmacht
vernichtet wurde, um nach den Deutsch-polnischen Kampf einzugreifen und als Sieger
das Feld zu betreten, ohne den Sieg mit der polnischen Widerstandsarmee teilen zu
müssen

. Schlacht um Wien endet am 13. April. April beginnt die Schlacht um Berlin
. Am 9 Mai eine zweite Kapitulation des DR gegenüber der SU
. Gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung

. Mobilisierung der Bevölkerung für einen vaterländischen Krieg. Überwachung auch


innerhalb der Armee. Viel sowjetische Künstler in den Dienst einer sehr starken
Mobilisierung von Hass in den Dienst gestellt

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. Die stalinistische Führung ist gegenüber der nicht-russischen Bevölkerung
gegenüber sehr misstrauisch. Diese Deportationen wurden zum Teil präventiv
durchgeführt worden. Auch unter katastrophalen Bedingungen durchgeführt
.

. Demografische Gesamtverluste (weggefallene Geburten hier mitgezählt) 40 Mio.


.
.
. Zerstörung der Agrarischen Gebiete, zweite Hungersnot. Bild = Massengrab der
erschossenen jüdischen Bevölkerung
.

. Bezeichnung der internationalen


. Im Zuge dessen stellten die Vereinigten Staaten Rüstungsgüter zur Verfügung, ¼
and die SU, Rest an GB, 100.000 Maschinengewehre, Jeeps etc.
. Kriegsanstrengungen koordiniert
Teheran: Moskauer Deklaration verabschiedet (zuerst treffen die Diplomaten, dann
Außenminister, dann die Staatschefs)
Außenministier Konferenz für die Teheraner Konferenz, hat in Moskau stattgefunden–
Forderung an die Österreicher den Widerstand zu intensivieren
Keine Einigkeit der politischen Verfasstheit der Staaten die es widerherzustellen galt

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Jalta: 1945, von allen Alliierten eine Deklaration über das befreite Europa
verabschiedet, besonders von den USA gefordert dass alle Staaten die vom NS befreit
worden sind Demokratien sein sollten mit freien Wahlen, Stalin hat sich nicht daran
gehalten
. Was Polen im Osten an die SU verloren, darf es im Westen vom DR annektieren
. Wird diskutiert, es fällt keine Entscheidung. Vereinbart dass Ö als erstes Opfer
wiederherzustellen ist, als Teil um das DR zu schwächen. Es wird beschlossen dass
die Siegermächte des 2 WK D kontrollieren sollen in seiner weiteren politischen
Entwicklung, dafür Besatzungszonen errichtet
.

ich denke selbst mit einer Eroberung Moskaus und Leningrads hätte die Sowjetunion
nicht kapituliert, oder?
Vor dem Hintergrund der Erfahrungen von 1812 hätte die SU trotzdem weitergekämpft

War der Deutsche Angriff wirklich so eine Überraschung für Stalin? Oder eher dass
die Wehrmacht so erfolgreich war?
Nein, aber nicht schon 1941 damit gerechnet

Wussten die Alliierten eig. genau was mit den Juden getan wurde , weil zB Jan Karsky
berichtet das alle davon wussten aber keiner dagegen eingreifen wollte
Die Alliierten wussten vom Holocaust, der Bericht Jan Karsky hat dazu beigetragen
den Holocaust bekannt zu machen
Dagegen etwas zu tun war 1941/42 noch außerhalb der militärischen Fähigkeiten der
Alliierten

Wieso ist die Schlacht von Stalingrad so berühmt und über die Belagerung von
Leningrad hört man fast gar nichts?
Wenige deutsche Opfer, Gefangene, von deutscher Propaganda weniger
hochstilisiert. Auf russischer Seite umgekehrt, dort Propaganda über den
Abwehrkampf der Leningrader Bevölkerung

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9 VO 03.12.2020 – DER SIEG IM 2 WK UND DER BEGINN DES KALTEN KRIEGES

Denkmal der Roten Armee auf dem


Wiener Schwarzenbergplatz
August 1945 errichtet, eines von vielen sowjetischen Kriegerdenkmälern zwischen der
sowjetischen Westgrenze und Berlin/Wien etc. die errichtet wurden
Gedenken, aber auch Symbol für Machtanspruch
Letzter Teil der Inschrift – Kritik, da auf die Befreiung des Nationalsozialismus nicht
Freiheit sondern Unterdrückung folgte, im Osten

Sieg des 2 WK brachte die SU auf den Höhepunkt ihres internationalen Prestiges

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Truppen Rote Armeen standen weit jenseits der Grenzen des eigenen Landes, Polen,
Baltikum, Balkan,. Standen in Ostösterreich, Mongolei, Nordkorea etc.
Durch Grenzverschiebungen im Gefolge des Hitler Stalin Paktes, durch weitere
territoriale Grenz-Akquisitionen (Sowjetisch-tschechoslowakische Grenzvertrag)
Zugang zu den meisten osteuropäischen Staaten direkt gewonnen. Auch Zugang zu
anderen Staaten die an der Seite Hitler Deutschlands gekämpft hatten, dort wurden
Alliierte Kontrollkommissionen errichten die im Osten Europas primäre unter dem
Einfluss der SU standen, wo der Einfluss der anderen Alliierten beschränkt war

British Empire (GB) – 1940 noch das größte territoriale staatliche Gebilde, war nach 2
WK bereits am Abstieg, koloniale Staaten in die Unabhängigkeit entlassen (zunächst
Indien, Pakistan, dann Afrika)
Es blieben nur noch die USA und die SU als Supermächte übrig
Der Preis der SU für diese Position war immens (27 Mio. Tote)

→ Voraussetzungen mit denen die SU nach 1945 konfrontiert war. Einerseits ein
politscher Machthöhepunkt, territoriale Expansion, Projektion sowjetische Herrschaft
und des komm. System eingeleitet, besonders in Osteuropa aber auch weit über die
Grenzen Europas hinaus

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Ziele der SU – Wie mit der ambivalenten Position (Demografische und wirtschaftliche
Verluste und gleichzeitig politischer Triumph) umgehen? Wie kam es dass dem 2 WK
sehr bald ein neuer politischer Spannungszustand folgte?

Anhand der Analyse Interner sowjetische Dokumente des Planungskommissionen des


Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, aus dem Politbüro, Stalins Schreibtisch
ausgehen, dass die SU versuchte diesen ambivalent Verhältnis in einem Bündnis mit
und durch Unterstützung der GB und der USA zu überwinden. Ging davon aus dass
das Kriegsbündnis fortgesetzt werden sollte, Zusammenarbeit sollte sowjetischen
Wiederaufbau unterstützen, wahrscheinlich mittelfristige Zusammenarbeit (5, 10
Jahre) angenommen um Konflikte zu vermeiden. Rüstungstrategisch überlegende
USA nicht konfrontieren (Amerika bis 1945 die einzigen mit Atomwaffen)
In den SU aber auch Misstrauen gegenüber westlichen Staaten, aus ideologischen
Gründen. Forderte, eine damals unvorstellbare Summe, vom Deutschen Reich. Sollten

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durch Lieferungen und Demontagen von Industrieanlagen im Deutschen Besitz in
Osteuropa und im Osten des ehem. Deutschen Reiches bewerkstelligt werden.
Gleichzeitig Anerkennung territorialer Gewinne gefordert – Dies stellte bereits eine
kontroversielle Position dar, die die Zusammenarbeit mit dem Westen belasten würden
(z.B. Annexion der baltischen Staaten von den USA nicht anerkannt, hatte dem
Völkerrecht nicht entsprochen).
Die SU begann sehr bald durch den Export ihres politischen Systems und der
Herrschaft komm. Parteien in Osteuropa die östliche Hälfte des Kontinents unter ihre
Kontrolle. NICHT das Resultat interalliierte Vereinbarungen, NICHT
Verhandlungsgegenstand einer völkerrechtlich gültiger Verhandlungen in der
Konferenz von Jalta – Vielmehr Resultat der sowjetischen Befreiung Osteuropas und
anschließende sowjetische Besetzung und schließlich Diktatur.
Während die SU gegenüber den westlichen Alliierten auf ihr Recht auf die Staaten
Osteuropas, damit sie nicht mehr als Sprungbrett für das Deutsche Reich darstellen
sollten – ging dann weit darüber hinaus mit der Errichtung sowjetischer Diktaturen =
Imperial-revolutionäres Paradigma
Imperial = Zielte darauf ab eine imperiale Einflusssphäre zu errichten, in der die SU
nach eigenen Gutdünken schalten und walten konnte. Die Staaten waren formal
unabhängig, hatten aber nur Souveränität zweiten Grades, da sie unter komm.
Herrschaft sein mussten, mussten sowjetische Vorgaben befolgen. Widersetzung war
nicht zu erwarten, Prinzip des sozialistischen Internationalismus (Erster sozialistischer
Staat der Welt, die SU als oberste Handles Maxime)
Revolutionär = Nicht auf die klassischen militärischen Instrumente imperialer Politik
zurückgegriffen. Die Machtprojektion erfolgte mittels Schaffung komm. Diktaturen. hat
mit Revolution im engeren Sinne nichts zu tun (keine Volksaufstände, keine freie
Wahlen). Es ging nicht um klassische revolutionäre Ziele (Verbesserung der
Lebenszustände der Arbeiter), sondern Macht und sowjetische Kontrolle.
Kontrolle erfolgte schrittweise, auch für Zeitgenossen nicht abschätzbar wohin der
Weg führen sollte.
In der Jalta Deklaration war festgeschrieben dass alle befreite Staaten möglichst bald
freie Wahlen organisieren sollten, und bis dahin prov. Regierungen mit allen
demokratischen Parteien. Die SU war am Anfang auf die Forderungen eingegangen,
auch nicht-Kommunisten in die Regierungen in Osteuropa zu lassen, ab 46/47 wieder
zurückgedrängt.

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Trägt dazu bei dass die Spannungen mit dem Westen wieder zugenommen haben –
Kalter Krieg. Hintergrund war der Systemgegensatz, dieser bestand bereits seit 1917,
der Machtansage der Bolschewiken in Russland, die internationale Machtübernahme
Diese Weltrevolution konnte von der SU noch nicht im globalen Maßstab gefördert
werden, dafür war sie zu sehr intern beschäftigt. Nach 1945 ist dies anders, trägt dazu
bei dass der KK im großen Maßstab die Geschicke der Weltpolitik prägen wird.
Der Systemgegensatz hat alle Bereiche, Diplomatie, Propaganda, Filmische
Darstellungen bis in das Leben der Menschen, erfasst hat, wurde als Überlebenskampf
von beiden Seiten gesehen.
Auch in Ö Menschen davon erfasst, einige von sowjetischer Geheimpolizei erfasst,
Schutzräume für einen Atomkrieg, Angst vor einem Atomkrieg (Die Wand – Roman
und Film)

Bild: Volvo Grad (ehemaliges Stalingrad), Allegorie der Mutter Heimat die zum Schwert
greift, zur Verteidigung gegen deutsche Angreifer aufruft, Sehr hoch (85m).
Machtentfaltung, wie Kriegsanstrengungen in der SU präsentiert wurden. Welche
Bedeutung der Krieg für die SU besitzt, selbst als der Revolutionsmythos
nachgelassen hatte, war Nationaler Staatsfeiertag der SU

Warum hat die kommunistische Partei in der Tschechoslowakei eine freie Wahl
gewonnen.
Auf Druck der westlicher Mächte eine Koalitionsregierung als allen Parteien gebildet,
in dieser Regierung haben die Kommunisten stark teilgenommen. Waren hier
populärer durch das tschechoslowakisch-sowjetische Bündnis aus der
Zwischenkriegszeit, die SU hatte hier am Münchner Abkommen nicht teilgenommen
und weil die Tschechoslowakei von der Roten Armee nicht nachhaltig besetzt wurde.
Hatte sich bereits 1945/46 wieder zurückgezogen und keine sowjetischen
Kriegsverbrechen, im Vergleich zu anderen osteuropäischen Staaten

Mir wurde einmal gesagt, dass die Vereinigten Staaten anfangs kein Interesse daran
hatten, als Schutzmacht für Westeuropa aufzutreten oder sich mit der SU anzulegen
und sich in ihre Isolation zurückziehen wollten. Stimmt das?
Trift zu, die Führung an der Spitze der USA (Franklin Roosevelt) war sehr stark von
den Erfahrungen der USA im ersten Weltkrieg mitgeprägt. Konzept des Völkerbundes

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– nicht gelungen damals die USA dauerhaft im Völkerbund zu verankern, auch nicht
gelungen den Isolationismus zu verhindern
Roosevelt war skeptisch ob es möglich war die USA mit einer solchen Internationalen
Rolle auszustatten. Truman rückt dann 1945 nach, Plan war es die amerikanischen
Truppen bis 1947 wieder nach Hause zu bringen. Die USA sind anfangs in der
seltsamen Konstellation der großen Drei (GB; SU) eher in der Position des Vermittlers.
Erst der rapide Machtverlust GBs, (Vom weltgrößten Kreditgeber zum größten -
nehmer), musste nach 1945 seine internationale Verpflichtungen massiv reduzieren,
diese immer stärker auf die USA übertragen – Eintreten der USA in die Rolle der
Schutzmachtfunktion in Westeuropa – Kein US-Politiker hat 1945 das Entstehen des
Kalten Krieges vorgesehen, war das Ergebnis der Entwicklungen der nächsten 2
Jahre. Marshal Plan- haben sich in Europa immer stärker engagiert. Folge des KK ist
das die amerik. Truppen länger in Europa geblieben sind.

https://lse.ac.uk/ideas/events/influence-of-choice-conference/empirical-cases-
directions-and-choices-of-foreign-policy-in-the-cold-war = Diskussion wo der KK
wirklich stattgefunden hat

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Errichtung kommunistischer Regime in Osteuropa nicht auf einen Schlag und nicht
einheitlich erfolgt – Streit ob diese Errichtungen überhaupt absichtlich waren oder eine
Folge von Aktion-Reaktion waren
Bereits in den Planungen der SU in der Zeit des 2 WK eine sowjetische Kontrolle
/Einflusssphäre Osteuropas bis and die Grenze des Deutschen Reiches geplant
gewesen ist

Sowjetisierung = Export des sowjetischen Herrschaftssystems in andere Staaten.


Angleichung dieser Staaten an sowjetische Entwicklungen und Systeme. Errichtung
komm. Herrschaften unter sowjetischer Kontrolle

Erfolgte am schnellsten in den von der SU unmittelbar einverleibten Gebieten aus der
Zeit des Hitler-Stalin Paktes, die dann nach dem deutsch-sowjetische Krieg in die SU
einverleibt wurden – Dunkelrot auf der Karte (Sowjetisches Gebiet)
Kirschrot sind jene Gebiete die die SU bereits im Bündnis mit Hitlerdeutschland
1939/40 durchgeführt hat. Karrelio-Finnische SSSR wurde nach dem Überfall
Finnlands geschaffen. Gebiete aus de vierten Teilung Polens angeeignet
Relativ rasch lief die Sowjetisierung in Jugoslawien und Albanien ab, hatte mit der
relativ starken Position der Kommunisten in der Widerstandsorganisationen gegen die
deutsche und italienische Bestzunge. Bereits im 2 WK findet hier ein Machtkampf
zwischen mind. 2 weltanschauliche Gruppierungen des Widerstandes statt, die
Kommunisten der Partisanen und die Royalistische Gruppen (Techentins), Kampf vor
den Augen der Öffentlichkeit verborgen. Während des 2 WK konnten sich die
Kommunisten gegen ihre Konkurrenten mit Gewalt durchsetzen.

Die zweite Geschwindigkeitszone gehören der an die SU angrenzenden Gebiete and,


besonders jene die eine lange Landgrenze haben wie Polen, Rumänien, aber auch
Bulgarien aus historischen Gründen (sehr pro-russisch, Gründung eines bulgarischen
Staates vom Zarenreich sehr unterstützt, Klienten Staat des russischen Kaiserreiches)
Ebenfalls rasch in der sowjetische besetzten Zone Deutschland, da es hier keine
zentrale Regierung gibt und die SU schalten und walten kann

Relativ spät in Ungarn, erst 1947 wird der Ministerpräsident der Bauernpartei ins Exil
getrieben, dann eine Zwangsvereinigung von Kommunisten und Sozialdemokraten.

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In der Tschechoslowakischen Republik durch eine Kalte Machtübernahme der
Kommunisten im Februar 1948

Die Ausgestaltung der Satellitenstaaten: Wirtschaftspolitisch, Außenpoltisch,


Parteipoltisch auf die SU hin ausgerichtet worden. Anfangs eher bilateral, kulturell die
SU als non-plus Ultra dargestellt

War das Lernen der Russischen Sprache verpflichtend in allen Satelliten-


Staaten?
Wurde zur ersten Fremdsprache die im Schulunterricht angeboten wurde. War
verpflichtend

setzte sich die kommunistische Herrschaft in Rumänien nicht auch erst am Ende
der 1940er durch?
Folge der geografischen Lage Rumäniens, und seiner Position im 2 WK (war
Verbündeter Deutschlands, hat am Ende die Seiten gewechselt), wurde von der
Roten Armee besetzt
War Nachbarstaat der SU, hatte im 2 WK die SU mitangegriffen

Phasen
. War NICHT das Ergebnis von Verhandlungen. Die SU besetzt die Staaten
Osteuropas, um die deutsche Wehrmacht zu vertreiben, bleibt aber in den meisten
Staaten weiterhin stationiert, außer in Tschechoslowakei, Jugoslawien und Albanien.
In den anderen Staaten sowjetische Kontingente. Zunächst Koalitionsregierungen
gebildet als Zugeständnis an westliche Mächte. An diese Regierungen komm. Parteien
in einem Drittel paritätisch beteiligt, die komm. Parteien fordern für sich die Kontrolle
über die innenpolitische Macht (=komm. Innenminister) – Auch in Ö die komm. Partei
auf sowjetische Wunsch zu einem Drittel beteiligt.
Gleichzeitig Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Osteuropa und die
Entmachtung jener die mit dem deutschen Riech zusammengearbeitet hatten. In
Wirtschaft und Gesellschaft viel Neue zu verteilen, z.B. in Tschechoslowakei
deutsches Eigentum neu verteilt.

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. Aus Koalitionsregierungen Nicht-Kommunisten schrittweise entmachtet. Bedeutet
auch dass die Sozialdemokraten gezwungen werden sich mit dem Kommunisten zu
vereinigen, Kommunisten gewinnen dadurch an Gewicht und Größe
. Auch komm. Parteien, die in ihrer Macht nicht völlig alleine sind (Unterschied zur SU),
in den Parteien auch nicht-kommunistische Parteien (Jugoslawien sind Ausnahme),
sie sind allerdings gleichgeschaltet, keine tatsächliche Möglichkeit Standpunkte zu
formulieren, als Blockparteien bezeichnet (dazu da bestimmte Wählergruppen an das
Regime zu binden)
Stalinistische Säuberungswelle: Zweck der Einschüchterung, Wahllose Opfer, auch in
Osteuropa angewendet, Schauprozesse (später auch gegen Kommunisten).
Ein Anlass für die Schauprozesse bildet der Tito-Stalin-Zwist: Beide gestaltende
Persönlichkeiten des Kommunismus. Tito, Führer der komm. Partisanen im
Widerstand im 2 WK, übernimmt 1945 die Herrschaft in Jugoslawien, Musterschüler
Stalins außerhalb der SU: keine anderen Mitbewerber um die Macht, sehr schnelle
Schritte bei Angleichung des wirtschaftlichen Systems. Ausweitung der Macht
Jugoslawien in Aussicht gestellt (Bulgarien, Albanien). Vieles davon für Stalin als
Loyalitätstest gegenüber Tito gemeint. Tito als Politiker für Stalin zu unabhängig, 1948
kommt es zum Bruch zwischen den Beiden. In der stalinistischen Propaganda Tito als
neuer Buhmann (Verräter, Faschist, Verbündeter mit dem Imperialismus = immer der
Westen). Stalin soll versucht haben Tito umbringen zu lassen. Sowjetische
Propaganda als Loyalitätstest für andere Kommunisten in Osteuropa verwendet. Opfer
in Schauprozessen der Kollaboration mit Tito beschuldigt.
In der letzten Phase der Sowjetisierung wird die Teilung Deutschlands durchgeführt,
von vier Besatzungszonen in zwei Staaten (drei Besatzungszonen BRD), die
sowjetische Besatzungszone in die DDR (besonders in den Anfangsjahren ein komm.
Diktatur)

In Österreich hat die Sowjetunion freie Wahlen zugelassen, weil die KPÖ überzeugt
war, zu gewinnen. Als die KPÖ dann verloren hat, wieso haben die Sowjets keine
Versuche unternommen dieses Wahlergebnis zu "korrigieren"?
Erwartung der Kommunisten war überhöht, hatten 25 bis 50 % der Stimmen erwartet,
hatten etwas über 5 % bekommen. Österreich war im Gegensatz zu den anderen
Staaten, auch von den westlichen Mächten besetzt, die SU musste sich daher
wesentlich stärker nach westlichen Wünschen richten, da es sonst keine staatliche

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Wiedervereinigung Österreichs gegeben hätte (Westmächte hätten nie Teilung
Österreichs zugestimmt, aber Ostösterreich wäre für die SU auch zu klein gewesen)
Wenig Interesse die Wahl zu verhindern, und wenig Möglichkeiten das Ergebnis zu
manipulieren,
Leopold Figl der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik war 5,5 Jahre in
nationalsozialistischen Konzentrationslagern gewesen, Zeichen dass das Land auch
ein Opfer gewesen war (Mitbeteiligung nicht vergessen)

Wieso hat Stalin nicht die Rote Armee nach Jugoslawien geschickt um sich um Tito zu
kümmern?
Stalin war ein vorsichtiger Politiker, Die Sowjetisierung ist über 5 Jahre erfolgt, ohne
den Westen zu sehr zu provozieren. Er hate vor 1950 nicht gewagt in einem
militärische Auseinandersetzung mit dem Westen einzutreten (bis 1949 SU keine
Atombombe). 1950 stimmt die SU einem Krieg gegen einem pro-westlichen Staat zu
(Nordkorea-Südkorea), hatte dann kein Interesse mehr in Jugoslawien zu intervieren.
Bis dahin war Jugoslawien ein Staat unter westlichen Schutz geworden, auch
Militärhilfe.

Hat die Sowjetunion in Rumänen Ceausescu in den 1970ern bewusst dort an die
Macht gelassen
Zeit des Nationalkommunismus, Rumänien sehr nach an der SU, noch leicht an der
Kontrolle zu halten. Keine Grenzen zum Westen. Rumänien unter Ceausescu für die
SU ein Störfaktor, solange Ceausescu das Land unter Kontrolle hatte und
kommunistisch blieb, sah die SU keinen Grund zu intervenieren

Ist es wahr, dass die SU bzw. Stalin den Westmächte vorgeschlagen hat aus allen
Besatzungszonen ein neutrales unabhängiges Deutschland zu machen?
1952 hat Stalin einen Friedensvertrag vorgeschlagen für Gesamtdeutschland, eine
Wiedervereinigung des bereits geteilten Deutschlands unter Bedingung einer
Neutralisierung. Damals und in folgenden Jahrzehnten gerätselt worden ob das
Angebot ernst gemeint war oder nur Propaganda, um die Westintegration der BRD in
die westeuropäische Verteidigungsgemeinschaft zu torpedieren. Die
Mehrheitsmeinung heut ist dass das Angebot nicht ernst gemeint war: Die SU hat
lange gebraucht, um darauf einzugehen wie die Wiedervereinigung von statten gehen

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sollen (Freie Wahlen?). Die SED ist selbst an der Ausarbeitung am stalinistischen
Vorschlag beteiligt gewesen – Freie Wahlen hätten der SED eine Niederlage gebracht,
eher unwahrscheinlich dass es ernst gemeint war.
Außerdem war sehr viel bekannt über die sowjetischen Planungen (einer der Best
untersuchten Perioden der stalinistischen Politik) – darunter kein einziges Dokument
über die Konsequenzen der deutschen Wiedervereinigung, eher davon auszugehen
das das Angebot nicht ernst gemeint war

Deutschland war auch von westlichen Mächten besetzt. War Österreich nicht wichtig
genug, um sich hier mit den Westalliierten anzulegen wie in Deutschland?
Die sowjetische Zone in D war groß genug, um einen Staat zu bilden. Die sowjetische
Zone Österreichs ist ein zehntel davon. Daraus konnte man nicht sinnvoll einen Staat
machen
Die Teilung Österreichs hätte für die SU einen massiven Nachteil gehabt,
Westösterreichs hätte sich wahrscheinlich an Deutschland angeschlossen, hätte sich
eher an München orientiert.

Es gibt ja auch eine Anekdote, dass als Stalin gehört hat das Karl Renner sich bei den
Sowjetischen Besatzern beschwert, er gesagt haben soll "Was? Der alte Fuchs lebt
noch?"
Weil Stalin, Renner aus seiner Wiener Zeit gekannt hat.
Renner hatte sich gemeldet dass er bereit wäre am Wiederaufbau der 2 Republik sich
zu beteiligen (war an der 1 Republik beteiligt) – Glückliche Fügung: Ö hatte bereits
1945 eine gesamtstaatliche Regierung

wohin kam die vermutlich einige Millionen umfassende Bevölkerung der an Polen
übertragenen ehemals deutschen Gebiete?
12 Mio. Deutsche sind in Westdeutschland gelandet. Suddettendeutsche in Ö gelandet
Die Tschechoslowakei hatte die Suddetendeutsche nach Ö vertrieben, durch
amerikanische Besatzungen versorgt

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KK umfasste den Zeitraum 1947 – 1987, er ist von Europa ausgehend an den Grenzen
der SU nach Ostasien gewandert, in den 1950ern in Folge der Dekolonisierung nach
Südostasien und Afrika übergesprungen und ein internationales Phänomen geworden

. Westlichen Staaten haben versucht die Sowjetisierung zu verhindern. Nur durch


Verhandlungen möglich, militärische Aktionen waren undenkbar. SU hatte sich nicht
an Vereinbarungen gehalten
. Kommunismus möchte das westlich-liberale System beendet. Damit ist ein
Gegensatz schon hergestellt. Sehr viel Konflikt entsteht über die Sowjetisierung
Osteuropas. Das unnatürliche Bündnis des 2 WK zwischen den westlichen
Führungsmächten und der SU beendet.
Bild oben: Episode aus der Teilung Deutschlands. Sowjetische Blockade Westberlins,
SU hatte Versucht die Versorgung Westberlins zu verhindern, USA hatte Menschen
über den Luftweg versucht. Foto der Propaganda entsprechend verwendet.
Amerikanischer Flieger in Berlin, Versicherung sichergestellt bis die SU die
Belagerung beendet hat

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. Bereits 1946 deutet Stalin an, dass ein neuer Konflikt naht, dass die Zusammenarbeit
aus dem 2 WK nicht von Dauer sein kann. Fordert die sowjetische Bevölkerung auf
wachsam zu sein
. Spiegelt sich in Rede von Winston Churchill. Meint dass die SU in der von ihre
besetzten Region Osteuropas Unterdrückungen durchführt und einen eiserenen
Vorhang hochzieht, hinter den man nichts mehr sehen kann
. https://www.youtube.com/watch?v=PJxUAcADV70
. Berichtet über Stalins Wahlrede an das State Departement, dass die SU weiter
expandieren will. Containment der SU wird die amerikanische Strategie
. Benannt nach dem damaligen amerik. Außenminister. Groß angelegtes
Wirtschaftsprogramm, auch Osteuropa angeboten aber von Stalin verboten
. Von Stalin eher verstärkte Kontrolle angeboten, manifestiert sich in der Gründung des
Informationsbüros. Nachfolgeorganisation der , während des 2 WK aufgelösten Komm
Internationale, war ein Zugeständnis an Hitler dann später an den Westen. Mitglied
des Informationsbüros sind nur die komm. Parteien Osteuropas, Italiens und
Frankreichs. Sollten den Widerstands Italiens und Frankreichs am Marshallplans
durchführen
. Blockbildung – NATO = Nordatlantisches Bündnis
. RGW = Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe
. Erster heißer Krieg des KK wird ausgelöst durch den komm. Überfall auf das pro-
westliche Südkorea

In China übernehmend die Kommunisten nach einem sehr lang anhaltenden


Bürgerkrieg 1949 die Macht
Der kommunistische Widerstand gegen den Marshallplan war nicht erfolgreich, haben
die Wahlen nicht gewonnen. Für die Bevölkerung war der Marshallplan sehr wichtig,
waren in sehr schlechten Zustand

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Bild oben: Stalinistischer Führungszirkel
. Phase der neuerlichen Abschottung der SU nach außen und der
Hyperzentralisierung. Stalin wacht darüber dass nichts außerhalb seines eigenes
Entscheidungskreise entschieden wird (selbst Christbäume)
Der Staat ist sehr stark gelähmt, Stalin zieht sich sehr stark zurück
. Damit kein Mitglied in seinem Umkreis zu stark wird, werden Schauprozesse
inszeniert und durchgeführt und mit der Verurteilung und Hinrichtung der Angeklagten
. Betraf auch die Bevölkerung. Ehemalige sowjetische Kriegsgefangene aus deutscher
Gefangenschaft werden durch ein System an Filtrationslager geschleppt, teilweise zu
Zwangsarbeitslager verurteilt
. Unter massiver Ausnützung des Arbeitspotenzials. Erst 1950 das Vorkriegsniveau
erreich
. Herrschaft von Stalins rechter Hand, nach dem 2 WK kamen teilweise westliche Filme
in die SU, wird wieder zurück gezogen. Die Kunst und Kultur wird wieder stark
reglementiert.
.Eine neue Bevölkerungsgruppe als Sündenbock, die Juden. Stalin stirbt rechtzeitig,
um eine massenhafte Verfolgung von Juden zu verhindern.

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. . Die sowjetische Bevölkerung verfällt in einen Zustand von Massentrauer, teilweise
inszeniert, Angst der Menschen wenn sie nicht teilnehmen. Einige durch langjährige
Verbundenheit mit einem Führer tatsächlich in Trauer. Einige Tausend in Massenpanik
zu Tode getrampelt

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10 VO 10.12.2020 - NIKITA CHRUŠČËV „DAS TAUWETTER“ 1953-1964

Der Tod Stalins = Innenpolitische und außenpolitische Zäsur


Massenterror wie unter Stalin würde unter seinen Nachfolgern nicht mehr greifen
(innenpolitisch)
Außenpolitisch wird auf eine Entspannung der Ost-West-Beziehung, Ende des KK
gehofft. Nach dem Tod Stalins eine kurze Entspannung
1953 unklar wer Stalins Nachfolger wird, wie in Diktaturen üblich folgt ein Machtkampf
. Phase einer kollektiven Führung, wie bereits bei Lenin, besteht aus Ministerpräsident
Malenkov (Foto oben), mächtiger Innenminister und Chef der Geheimpolizei Berija,
Außenminister Molotov und Parteisekretär Chruščëv. Chruščëv zählt nicht zu den
vordersten für Stalins Nachfolge zu seinem Tode (eher Vierter in Reihenfolge), erst
1949 von Stalin aus der Ukraine zurückgerufen worden. In der ersten Reihe eher
Malenkov, der die Trauerrede bei Stalins Aufbahrung hält.
. Berija ebenfalls sehr mächtig, während Stalins Führung viel Material über seine
Kollegen in der Führung im Politbüro gesammelt, war gefürchtet. Tritt auch
außenpolitisch sehr hervor, in Richtung einer Liberalisierung, aber die Angst der
anderen im Politbüro ist zu groß, um ihn tatsächlich außenpolitisch agieren zu lassen.
Er wird schließlich im Juni 1953 verhaftet und im Dezember hingerichtet

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Führungszirkel in der SU, das Präsidium (ehemals Politbüro) des Zentralkomitees der
KPDSU wird nach Stalins Tod verkleinert, auf 10 Mitglieder und 4 Kandidaten. Unter
diesen 10 Mitgliedern wurde der Machtkampf ausgemacht, verschiedenste Intrigen,
Kompetenzüberschreitungen
. Verzichtet im April 53 auf einige Parteiämter, insbesondere auf das wichtige
Sekretariat des ZK, Nachfolger wird Chruščëv, ist eine wichtige Weichstellung für
dessen späteren Aufstieg. Malenkov hatte unter Stalin sehr eng mit Berija
zusammengearbeitet, kann sich nachdem sein engster Verbündeter weggefallen ist,
nicht beweisen. Chruščëv zeigt sich als guter Taktiker, es gelingt ihm Malenkov in den
nächsten zwei Jahren zu entmachten und sich als starker Mann im Parteipräsidium
durchzusetzen
. Letzter Mann der alten Garde, Molotov entmachtet. Hatte versucht Chruščëv
einzuschränken, mit einigen anderen Politbüro Kollegen. Hatten 1957 im
Parteipräsidium einen Beschluss vorgebracht das Amt des ersten Sekretärs
(Hausmacht von Chruščëv) abzuschaffen. Dieser reagierte sehr schnell und beruft
eine Sitzung des ZK (Zentralkomitees) ein, wo er die Mehrheit hatte, dort wird die
Entmachtung Molotovs und seiner Unterstützer beschlossen. Diese wurden durch
Chruščëvs eigene Parteigänger und Unterstützer ersetzt
Elitenwechsel nach der Erschießung Berijas weitgehendst unblutig. Malenkov
entmachtet aber weder verhaftet noch hingerichtet, in die dritte Reihe zurückgestellt.
Molotov wird faktisch degradiert, sowjetischer Vertreter bei der internationalen
Atomenergiebehörde, weder eingesperrt noch umgebracht
. Auch formal am Höhepunkt seiner Macht. Amt des Generalsekretärs nach Stalins
Tod abgeschafft. Formal auf jenen Status den Stalin für sich in Anspruch genommen
hatte, mit dem Unterschied das führende Amt nicht mehr Generalsekretär, sondern
erster Sekretär des ZK genannt wird. Chruščëv hatte niemals die einschüchternde
Position eingenommen die Stalin innehatte
Die Ereignisse um Stalins Tod und den Machtkampf relativ akkurat, satirisch
dargestellt in „Death of Stalin“
Chruščëv wird sich einige Zeit an der Spitze der Führung der SU halten können. Wird
sich einige Feind schaffen, sein Führungsstil wird in einigen Jahren zunehmend
selbstherrlich und sprunghaft, verliert immer mehr an Rückhalt in der Partei.
Jedoch sind seine Maßnahmen insbesondere im Bereich der Überwindung von Stalins
Terrorherrschaft historisch und immanent wichtig.

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. Die Entstalinisierung beginnt bereits bevor Chruščëv die Alleinherrschaft übernimmt.
Zuerst Angehörige der Führung amnestiert, dann Menschen die Haftstrafen unter 5
Jahren hatten, nach mehreren Aufständen und Streiks in den Konzentrations- und
Arbeitslagern (anfangs noch blutig niedergeschlagen) Amnestien für
Kriegsheimkehrer, Zwangsarbeiter, für minderjährige Inhaftierte des Stalinismus.
In den ersten 2 Jahren nach Stalins Tod kehren über 10.000 Menschen ins zivile Leben
zurück
. Es wird auch eine Untersuchungskommission über die Verbrechen Stalins eingeleitet,
und über die Exzesse seines Personenkults, legen ihren Bericht Dezember 1955 vor.
Dieser Bericht wird im Februar 1956 in einer geheimen Sitzung von Chruščëv, dem
Parteitagsdelegierten in einer 4-stündigen Rede vorgetragen. Inhaltlich war es dem
überzeugten Kommunisten Chruščëv ein Anliegen die Exzesse des Stalinismus zu
beenden und einen guten Teil der Opfer zu rehabilitieren. Diese Rede ist aber auch
Teil des Machtkampfs und zur Diskreditierung seiner Konkurrenten. Chruščëv
präsentiert sich selbst als geläutert, er plädiert für die Stärkung der Partei nach der
Diktatur Stalins über die Partei.
Auch über ausländische Delegiert in die westlichen Medien gekommen und dort für
enormes Aufsehen gesorgt, da auf diese Weise die Weltöffentlichkeit über die
enormen Dimensionen des Stalinismus informiert worden ist.
Chruščëv wahrscheinlich auch selbst von der Notwendigkeit einer Entstalinisierung
überzeugt. Der Massenterror hatte schrittweise zu einer Apathie der Bevölkerung
geführt, sollte Mobilisierung unter Stalin erzeugen. Diese Mobilisierungswirkung lässt
nach, wenn der Terror zu lange anhält, die Menschen stumpfen ab. Chruščëv erkennt
diese Auswirkungen und tritt eine Gegenstrategie an. Dürfte auch der Überzeugung
gewesen sein, dass die Wahrheit über Stalin ans Licht kommen werde, tritt die Flucht
nach vorne.
Der Angriff Chruščëvs gilt Stalin, Stalin wird Mord an Kirov vorgeworfen, der
Massenterror, Personenkult und vieles mehr. Nicht kritisiert von Chruščëv wird die
Sowjetordnung per se, der Kommunismus, der Bolschewismus, die
Zwangskollektivierung. Lenins Beteiligung an der Schöpfung eines Terrorsystems wird
nicht angegangen, Lenin wird positiv dargestellt. Die kommunistische Partei (welche
an Stalins Verbrechen mitbeteiligt war) und das Herrschaftskollektiv wird ebenfalls
positiv präsentiert.

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. 1956 findet auch noch keine große personelle Abrechnung mit jenen tausenden
Funktionären, die am System teilgenommen hatten, statt. Diese findet erst
zeitverzögert und nur sehr oberflächlich auf dem 22 Parteitag 1961 statt.
Hier nur 60 % der Mitglieder des ZK betroffen. Auf den Ebenen der diversen
Delegierten, der regionalen Parteigremien (auch Funktionäre am Stalinterror
teilgenommen) findet kein großer Elitenwechsel statt.
Chruščëv leitet auch wichtige symbolische Änderungen ein, Stalins Leichnam war wie
Lenins Leichnam einbalsamiert. Stalins Leiche wurde an der Kreml Mauer bestattet.
Auch ein neues Parteiprogramm von Chruščëv in Auftrag gegeben, ein neues Statut,
das die Inhalte verändert aber nicht die Strukturen
. Etwas tiefgreifendere Reform, die Partei in zwei Zweige aufgespaltet, einen
landwirtschaftlichen und einen industriellen Zweig. Diese Reform scheitert schließlich.
Besonders Widerstand hervorgerufen, dass Chruščëv die Beschränkung der
Funktionsdauer von Funktionären vorgesehen hatte (die fehlende Implementierung
eines Elitenwechsels in der Parteispitze wird später dazu führen dass die SU in den
späten 1970er bis 1990er Jahren an Handlungsfähigkeit verlieren wird, und sich in
eine Gerotokratie verwandelt, wo die Funktionäre in ihren Ämtern gealtert sind und
keine Veränderungen mehr zugelassen haben)
Der Elitenwechsel bei Stalin durch den Terror durchgeführt worden, mehrmals die
erste Garde hingerichtet worden bis schließlich die Führungskräfte auch hingerichtet
wurden. Nach Stalins Tod nicht mehr getan, aber nun altern sie in ihre Ämter und die
sowjetische Führung verliert an Dynamik
. Das Scheitern der Reform und Chruščëvs zunehmend selbstherrliche und
sprunghafte Führungsstil haben dazu beigetragen dass er von einer Gruppe
ehemaliger Protegés im Präsidium des ZK gestürzt wird. Die Verschwörer haben die
Unterstützung des Chef-Ideologen Susov und die KGB Chefs. Sie haben bereits sechs
Monate den Sturz, den parteiinternen Staatsstreich geplant, in einer speziellen Sitzung
des ZK absegnen lassen. Chruščëv wird in eine Sitzung des Präsidiums gerufen, von
den Verschwörern mit den Vorwürfen den kollektiven Führungsstil verletzt zu haben
konfrontiert und seiner Ämter entkleidet. Danach wird Chruščëv nicht persönlich
eingeschränkt, nur entmachtet.
Schlussfolgerung Chruščëvs dass seine eigene friedliche Absetzung eine
Errungenschaft der von ihm vorangetriebenen Entstalinisierung, Änderung der
politischen Kultur in der SU = Historischer Verdienst Nikita Chruščëvs

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Bereits vor der vollen Machtübernahme Chruščëvs zeichnet sich ein Tauwetter ab. Die
Eiszeit des Stalinismus weicht, die Menschen im kulturellen Bereich scheinen ein
besonderes Sensorium dafür zu haben. Die Zensur lockert sich, in Erzählungen, In
Essays in Literaturzeitschriften und in selbstständigen Publikationen wird diesen
neuen Zeitgeist Ausdruck verliehen z.B. von Erenburg
Erenburg war im WWII einer der Propagandisten des Stalinismus und der Rache an
der deutschen Wehrmacht. Er schreibt wie die Menschen nach dem Tode Stalins sich
etwas freier fühlen
Die wichtigsten Publikationen der sowjetischen Literatur erscheinen in den nächsten
Jahren, von Chruščëvs freigegeben
. Ein Tag im Leben des Ivan Denisovic – Eine Abrechnung eines ehemaligen Gulag
Häftlings, von Chruščëv für die Publikation freigegeben. Er wird später mit einem
mehrbändigen Werk über die Dokumentation des Archipel Gulag einen wichtigen
Beitrag zur Aufarbeitung des Stalinismus leisten. Er wird von den Nachfolgern
Chruščëvs ins Exil gedrängt und kehrt nach dem Ende der SU nach Russland zurück
. Gedichte, in denen auch kritisch die Distanzierung mit all jenen Mitläufern und jenen
Instrumenten des Stalinismus eingeleitet wird. Noch in sehr verbrämter Art und Weise,
die Distanzierung vom Stalinismus von unterschiedlichen Personen unterschiedlich
gemeint.

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Chruščëvs dürfte sich selbst vom Massenterror distanziert haben, obwohl er selbst
daran teilgenommen hatte, hatte sich selbst als geläutert präsentiert, vom
Kommunismus so überzeugt gewesen, dass er meint dass es einen Kommunismus
ohne Unterdrückung geben kann. Unterdrückung von Dissidenten und Kritikern des
Regimes unter Chruščëv nicht beendet.
Vielen Deklaration der Entstalinisierung in der zweiten, dritten Reihe, Kulturbereiche
etc. – Individuell distanzieren, einige waren führende Funktionäre im Stalinismus, wie
ernst diese Geläuterungen gemeint waren, wie sehr strategisch, wie sehr Zeichen
eines Wendehalses lässt sich nur individuell entscheiden. Eine Frage die sich ethisch
und moralisch als Historiker sehr schwer abwägen lässt.
. Das kulturelle Aufbruchsempfinden der jüngeren Generation. Diese Generation
entwickelt eine Art freieren Denkens, auch innerhalb der Partei, in den
Wissenschaftseinrichtungen konnte teilweise frei diskutiert werden, solange nichts
ohne Zustimmung der Parteiführung publiziert wird. Diese System wurde eingehend
eingehalten, welche Folge hat diese interne Diskussion wenn sie nicht die Bevölkerung
erfasst? Hat den Boden bereitet für die Perestroika, hat dazu beigetragen dass in den
1980er Jahre als es eine neue Parteiführung gab, es eine Reihe von Intellektuellen
gegeben hat, die eine Fähigkeit zum Freien Denken sich bewahrt hatten, war sehr
wichtig (Zubok – Gevagos Children, über die Generation der 60er)
. Trug ebenfalls zur enormen Aufbruchsstimmung bei, Erfolge der Wissenschaft –
Nebeneffekt des KK. Der KK wird zum Teil dadurch geführt, dass die SU versucht
durch wissenschaftliche Errungenschaften den Westen zu übertrumpfen. Beweis der
Überlegenheit des kommunistischen Systems, für den Westen ein Zeichen für die
Bedrohlichkeit der SU, die aus dem All einen Angriff auf den Westen starten werden
könne. Auch bemannte Raumfahrt herangetrieben. Bild oben Juri Gagarin als Mann of
the year. Hat dazu beigetragen das die USA ihr Apolloprogramm gestartet hatten

Nach dem Stalinismus ein freundliches Gesicht des Kommunismus – hatte aber
Grenzen
. Bei Stalin in seiner konservativen Phase gab es einen Modus Vivendi mit der
russisch-orthodoxen Kirche. Stalin hat die Kirche zur Legitimierung seiner Herrschaft
genützt etc. Dagegen agiert Chruščëv sehr stark, hunderte Kirchen zerstört

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. Jene Arbeiten die zu weit für Chruščëvs Geschmack gehen, zu weit bis in die
Abrechnung mit dem sowjetischen System gehen, werden nicht zum Druck
zugelassen
. Arbeiten die über die Vorstellungen des eher primitiven Kunstverständnis Chruščëvs
hinausgehen verhöhnt und an den Pranger gestellt, galt auch für die russische
Avantgarde
.
. noch unter Chruščëv zu 5 Jahren Zwangsarbeit verurteilt
Diese Einschränkungen werden unter Chruščëvs Nachfolgern unter größeren Umfang
und systematischer eingesetzt

Die Wissenschaften waren unter Stalin sehr eingeschränkt, konnten sich unter
Chruščëv wieder etwas entfalten
Einige grundlegende Reformen
. Die Landwirtschaft war unter Chruščëv (und auch danach) ein kardinales Problem
der sowjetischen Wirtschaft. Die Landwirtschaft in Russland ist sehr stark
klimaabängig, unter Stalin waren die eher verfehlten botanischen Experimente,
Saatgut in völlig ungeeigneten Gegenden, versucht worden.
Unter Chruščëv eine neue Kampagne zur Neulandgewinnung durch Bewässerung von
Städtengebieten an der nördlichen Kasachstan, Südrussland, Südukraine

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. Weniger erfolgreich zeigt sich die Kolchozreform, sollten Anreize für eine Steigerung
der Produktion geschaffen werden, es werden mehrere Kolchozen in Sovchozen um
auf diese Weise die Privatwirtschaft aus dem landwirtschaftliche Bereich
herauszudrängen. Insbesondere der private Teil der Kolchozen (private kleine Gärten)
bleibt essenziell für die Versorgung der Bevölkerung
. Im Zusammenhang mit der Planwirtschaft eine enorme Übersteuerung, die Initiative
der einzelnen Industriebetriebe ging gegen Null, Dinge produziert die am Markt
vorbeigingen (z.B. Produktion von Reisnägeln in Tonnen – Betriebe gingen dazu über
möglichst schwere Reisnägel zu machen, ging am Prinzip eines Reisnagels vorbei)
. Dezentralisierungsinitiative stellt die Planwirtschaft auf den Kopf, viele Prozesse die
vorher bereits über 20 Jahre eingeschliffen waren, entgleisen völlig. Der nächste 5-
Jahr-Plan gilt bereits im zweiten Jahr als gescheitert. Chruščëv geht zu einem 7-Jahr-
Plan über, der auf die Bedürfnisse der sowjetischen Bevölkerung eingeht. Frage der
bisher vernachlässigten Konsumgüterindustrie wird aufgegriffen (Stalinismus eher in
Schwerindustrie). Der Konsum soll um 62 % gesteigert werden. Die sowjetische
Wirtschaft soll die amerikanische Wirtschaft bis 1970 ein- und überholen. Diese
Obsession mit dem Einholen der USA begleitet Chruščëv, die SU schafft es nie über
50 % der amerikanischen Wirtschaft und auch wieder zurückgefallen
Zu den verfehlten Produktionsweisen der SU zählt auch dass sie in vielerorts
Produktionen unter enormer Ressourcenverschwendung dort entwickelt hat, wo sie
nicht gut geeignet waren z.B. die Baumwoll- Plantagen südlich des Aralsees
(Usbekistan) (mit künstlicher Bewässerung, was zum Vertrocknen des Aral Sees
beigetragen hat)
. Unter Chruščëv wieder reguläre Entscheidungsprozesse in der Partei (Stalin hatte
zwischen 1938-1952 keinen einzigen Parteitag einberufen, was eine massive
Statutenverletzung war, auch keine Sitzungen des ZK, nicht mal reguläre
Politbürositzungen) einberufen
. . Repressionsapparate, wie das Ministerium/Komitee für Staatsicherheit, das
Innenministerium MGB, der KGB in ihrer Macht reduziert. Der KGB verliert seine
richterlichen Kompetenzen, das Innenministerium wird auf der Unionsebene aufgelöst,
nur Innenministerien der Sowjetrepubliken bleiben erhalten
. Es entsteht in den folgenden Jahrzehnten ein ungeschriebener Gesellschaftsvertrag,
dass der Sowjetbürger gegenüber der Partei und dem Staat zum Gehorsam
verpflichtet wird, aber solange er das tut was der Staat will in Ruhe gelassen wird.

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Keine willkürliche Massengewalt mehr, es bleibt die Gewaltandrohung am Einzelnen
wenn etwas getan wird das gegen die Partei/Staat geht.
. Anreize – Das Leben sollte nicht nur besser präsentiert werden (Lüge unter dem
Stalinismus), sondern unter Chruščëv tatsächlich besser werden. Menschen sollten
wieder durchatmen können. Anreize zu mehr Konsum, Bildung, Freizeit, Ruhe
. . Sehr starke Unterdrückung der nationalen Kulturen unter dem Stalinismus weicht
wieder. Die russische Sprache bleibt aber die zweite Amtssprache, auch in den nicht-
russischen Teilrepubliken der SU
Auch eine Schulreform Chruščëvs 1958 bestätigt die Rolle der russischen Sprache

Auch hier gemischte Bilanz Chruščëvs. Hatte den kommunistischen Staaten etwas
mehr Freiheit zugestanden werden, die nationalen Wege zum Kommunismus sollten
möglich sein (nicht alle Staaten sollten sich nach dem sowjetischen Modell entwickeln
müssen), aber es gab auch hier Grenzen, die teilweise mit blutiger Unterdrückung
gezogen wurden. Aber das Signal war eine wichtige Erscheinung in Chruščëvs
Blockpolitik. Auch die Entstalinisierung auf dem Parteitag 1956 hatte eine enorme

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Bedeutung, insbesondere bei der Krise in Polen 1956 und beim ungarischen
Volksaufstand
In der Zeit nach Stalins Tod gehen aus dem Kreml sehr wechselnde Signale in die
kommunistische Staaten hinaus, Signale der Liberalisierung aber auch Signale der
nationalen Wege zum Sozialismus, weniger Unterdrückung, weniger Arbeitszwang.
Dieser neue Kurs hatte aber Hoffnungen in den ostmitteleuropäischen Staaten auf
noch mehr Freiheit → 1953-1956 Entstalinisierungskrisen

DDR:
Weniger Arbeitszwang, Liberalisierung, Bürgerrechte, Abzug der sowjetischen
Besatzung gefordert
Die sowjetische Führung reagiert sehr schnell, Panzer werden mobilisiert
In weiterer Folge wird die sehr repressive Lage in der DDR dazu beitragen, dass sehr
viele Menschen in den Westen auswandern
1953 folgt eine weitere Krise in Pilsen, Tschechoslowakei, weniger dramatische
Dimensionen

Polen
1956, vor dem Hintergrund der Enthüllungen der geheimen Rede Chruščëvs über den
Stalinismus
Geografisches Zentrum ist Posen
Vom ZK ein neuer Chef der Kommunistischen Partei gewählt, sein Vorgänger war am
20 Parteigang in Folge von Chruščëvs Rede an einem Herzanfall gestorben
Gomulka war ein klassischer Vertreter des nationalen Kommunismus, Balanceakt der
kleinen osteuropäischen Staaten sich so viele nationalen Spielraum sich zu erarbeiten
wie möglich um gegenüber der eigenen Bevölkerung eine gewisse Legitimität zu
bewahren aber auch den Anweisungen der SU so weit zu folgen wie nötig
Die von der SU unverzichtbaren Forderungen gegenüber den kommunistischen
Staaten waren 1) Die Aufrechterhaltung der kommunistischen Diktatur 2) die
Teilnahme der Staaten am Warschau Pakt (1955), den sowjetischen
Militärbündnis – Wenn diese eingehalten wurden, konnten die kommunistischen
Führer im wirtschaftlichen Bereich gewisse Liberalisierungen einleiten

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Durch das Verhandeln Gomulkas mit Chruščëvs (Polen bleibt Teil des Warschau
Paktes, die kommunistische Partei behält die Kontrolle in Polen) konnte eine
Militärintervention der SU verhindert werden

Ungarn
Zeigt dass die beiden Bedingungen der SU nicht verhandelbar waren
Beginnt durch eine Solidarisierung von Studentinnen mit den Ereignisse in Polen, geht
auch mit ihren Forderungen weiter. Fordern in einem zweiten demokratische
Freiheiten, es folgt eine erste sowjetische Militärintervention (waren noch in Ungarn
stationiert)
Ungarische Führung reagiert anfangs mit Unterdrückung, später wird versucht die
Forderungen zu beschwichtigen (durch den neuen Ministerpräsidenten, wird dann in
weiterer Folge mehr demokratische Freiheiten gewähren, deutet an dass auch nicht-
kommunistische Politiker in einer Koalitionsregierung teilnehmen können, erklärt dann
den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt)
Dieser Versuch die Situation zu beruhigen scheitern, die SU zieht eine volle
Militärintervention durch, die Aufstände werden niedergeschlagen, der ungarische
Ministerpräsident flüchtet in die jugoslawische Botschaft, wird unter Vorspiegelung
falscher Tatsachen herausgelockt und dann verhaftet und 1958 hingerichtet
gemeinsam mit 650 anderen
Die erste sowjetische Intervention ist am 24 Oktober, die zweite am 4. November, der
gesamte Aufstand dauert 14 Tage

Sino-Sowjetischer Zwist
Die Liberalisierungssignale wurden von der VR China gar nicht goutiert, Mao hat die
friedliche Koexistenz abgelehnt, kommunistische Großmächte wie die SU und China
müssen wenn notwendig mit Gewalt die Machtübernahme des Kommunismus auf
globaler Ebene nötigen, müssen massiv gegen den Westen vorgehen, keine friedliche
Koexistenz mit dem Westen möglich. Hatte die Nachfolger Stalins nicht als ebenbürtig
gegenüber Stalin und sich selbst gesehen. Mao und Stalin verband eine Hass-Liebe,
hatte gegenüber Stalin aufgeblickt, war Führer einer kommunistischen Supermacht.
Dennoch wusste Mao auch dass viele Rückschläge der chinesischen Kommunisten,
die Ermordung der chinesischen Kommunisten im Bürgerkrieg in den 1920er, die
Massaker von 1927, darauf zurückzuführen waren, dass Stalin sich nicht mehr für die

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chinesischen Kommunisten stark gemacht hat. Gegenüber Chruščëv: Mao nimmt ihn
nicht für voll, Mao war seit den 1920er an der Führungsspitze der Kommunisten.
Chruščëv war kein großer Theoretiker oder Ideologe, war Kommunist, war aber
gegenüber den sehr intellektuell interessieren, sehr nationalistisch überzeugten
Chinesen war Chruščëv für ihn eine Lachnummer.

. .Die poststalinistische Führung war angetreten das Verhältnis zum Westen zu


entspannen, einen Atomkrieg zu verhindern. SU möchte andere nicht-kommunistische
Staaten angreifen, vermeiden dass es zu einem weiteren Weltkrieg kommt.
Systemkonkurrenz in andere Bereich übertragen, Space Race, Ein- und Überholen
des Westens im friedlichen Bereich. Bedeutet nicht dass die SU darauf verzichtet hat
den Kommunismus zu einem globalen Durchbruch zu verhelfen, bedeutet nicht dass
der Kampf im Bereich der Geheimdienste völlig ungebrochen weitergegangen sind,
dass Kritiker der SU nicht hingerichtet wurden, dass Dissidenten nicht durch
Geheimdienste ermordet wurden,
. Friedliche Koexistenz bedeutet nicht dass die SU nicht enorme Mengen in die
Atomaufrüstung gepumpt hat (die nukleare Aufrüstung wird unter Chruščëv erst

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massiv angefacht, enorme Mittel in die Entwicklung des sowjetischen
Raketenprogramms gepumpt, hatte bereits unter Stalin begonnen)
Chruščëv ist jemand der sehr stark blufft und droht, die SU war technologisch und
rüstungstechnisch sehr stark im Rückstand. Chruščëv versucht dieses Faktum zu
verschleiern indem er z.B. in der Sues Krise 1956 droht Paris und London mit
sowjetische Atomraketen zu zerstören
Der Westen sollte massiv eingeschüchtert werden, sollte glauben dass ein Missile Gap
vorliegt (dass die SU mehr Atomraketen habe, war Thema im amerikanischen
Wahlkampf 1960)
Chruščëv versucht durch von ihm gezielt provozierte Krisen die USA unter Druck zu
setzen.

Berlinkrise:
Berlin noch geteilte, Westen von England und Frankreich besetzt, stellen sicher dass
dieser Teil von Berlin nicht von der DDR annektiert wird. Chruščëv verkündet ein
Ultimatum oder er verhindert die Möglichkeit der Westmächte den freien Verkehr
zwischen Westberlin und Westdeutschland aufrechtzuerhalten (nicht wie bei Stalin
durch reine Blockade der Landverkehrswege) durch eine Blockade der Landes- und
Luftwege, indem er den Luftverkehr verändert indem er die Kontrolle über die
Luftkorridore an die DDR übergibt, westliche Flugzeuge wären der DDR ausgeliefert.
Juni 1961: In Wien wiederholt Chruščëv diese Forderungen, Kennedy verkündet dass
laut Besetzungsstatus die vier Besetzungsmächte dort bleiben dürfen und auf eine
Blockade die USA ebenfalls mit Gewalt reagieren würden
Bild oben: Die Spannung erreicht den Höhepunkt als am Checkpoint Charlie Panzer
der beiden Supermächte in Sichtweite gegeneinander aufzunehmen sind
Die Krise kann friedlich beigelegt werden
Die Flucht der Menschen aus dem Osten wird gelöst durch den Bau der Berliner
Mauer, bis 1989 werden ca. 200 Menschen ums Leben kommen
Die Berlinkrise ist 1961 ist mit dem Mauerbau noch nicht gänzlich zu ende, weitere
kleine Krisen die aber 1962 von der Kubakrise überschattet werden

War der Schießbefehl an der Berliner Mauer eine eigenständige Entscheidung der
DDR Führung oder kam dieser Befehl indirekt aus Moskau?

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DDR Behörden, die Errichtung der Berliner Mauer war in einer Absprache zwischen
der Führung der SED und Chruščëv durchgeführt worden. Chruščëv war massiv
beteiligt

Kubakrise
1959 hatte das kommunistische Regime die Macht in Kuba übernommen. 1961 hatte
die amerikanische Regierung einen Versuch von Exilkubanern die kommunistische
Regierung zu stürzen unterstützt (Schweinebucht), war gescheitert
Die SU hatte diesen Invasionsversuch als Anlass genommen sowjetische Atomraketen
auf der Insel zu stationieren, um die USA zu bedrohen. Die USA hatten davon über
Luftüberwachung erfahren.
Quarantäne = Alle sowjetische Schiffe die neue Raketen nach Kuba bringen sollten
wurden von der US Navy eingefangen
Durch Geheimdiplomatie gelöst, die Atomraketen werden zurückgezogen, die US
geben eine Erklärung ab keine Invasion in Kuba durchzuführen, Zurückziehen der
amerikanischen Atomraketen aus der Türkei
Ein positiver Nebeneffekt war die Beruhigung der Krisenpolitik Chruščëvs und die
Schaffung einer gewissen Vertrauensbasis zwischen Chruščëv und Kennedy, führte
zur Herstellung des roten Drahtes und die Ausverhandlung des ersten Nuklear Test
Stopp Abkommens, Atomtest nur mehr unterirdisch möglich.
Die SU hat ihre Atomwaffen primär im hohen Norden in Inseln zum Eismeer und in
weiterer Folge in Zentralasien auf einem entsprechend Polygon getestet, mit
entsprechenden Kollateralschäden, viele Menschen wurden massiv verstrahlt

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. In der Literatur mehrmals gesagt, kann man mit gewissen Einschränkungen gelten
lassen. War sehr von der sowjetischen Ideologie sehr überzeugt
.
. War sein historischer Verdienst, mit allen Ambivalenzen die geblieben sind, mit dem
Verbleiben einer Diktatur. Was sich geändert hatte war die Dimension der
Unterdrückung
. Ebenfalls gemischte Bilanz.

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11 VO 17.12.2020 – STABILITÄT UND STAGNATION UNTER BREŽNEV 1964-82

Nach der Ablösung Chruščëvs wieder ruhiger Zeiten, sein erratischer Führungsstil,
Außenpolitik und die Entstalinisierung hatte zu Verwerfungen geführt
Entstalinisierung sollte nicht von Dauer sein, aber nie wieder Massenterror wie unter
Stalin
Auf die Ablösung Chruščëvs folgt eine Phase der kollektiven Führung aus der sich
Brežnev nach einigen Jahren als die dominante Persönlichkeit herauskristallisierte

Zwei Phasen
. Auch wirtschaftliche Reformen die zu einem moderat steigenden Lebensstandard
führten
. Vertiefende wirtschaftliche Krise, neue außenpolitische Hochspannung
Wann der Wechsel von der einen zur anderen Phase genau festzulegen, ist nach
innen- und außenpolitischen Gesichtspunkten nicht eindeutig kongruent. Übergang
von der Entspannungsphase zur Stagnationsphase könnte auch bei 1977/79
angesetzt werden

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Staatsführung und Partei
. Nach der Ablösung Chruščëvs
Brežnev (Bild oben: offizielles Staatsportrait in späteren Jahren, Leidenschaft für
Orden sichtbar) ab 1963 Sekretär des ZK für die Schwer- und Rüstungsindustrie,
bereits unter Chruščëv stark politisch gefördert – hatte Brežnev 1960 auf das Amt des
Staatspräsidenten gesetzt, Brežnev übernahm nach der Ablöse Chruščëvs das Amt
des ersten Sekretärs des ZK, das Amt des Parteiführers
Podgornyi war bereits unter Chruščëv Mitglied des Politbüros (Präsidium des ZK,
damaliger Name), ebenfalls Sekretär des ZK, ab 1965 Staatspräsident
Kosygin (Bild unten) bereits unter Stalin Volkskommissar für die Leichtindustrie, unter
Chruščëv Chef der staatlichen Planungsbehörde 1959, nach Chruščëvs Ablöse von
1964-1980 Ministerpräsident
. Die kollektive Führung trifft Entscheidungen gemeinsam, in der Literatur daraus
entstandene Spannungsverhältnis zwischen Brežnev und Kosygin hingewiesen
1970 übernimmt Brežnev auch die außenpolitische Führung mit dem Moskauer
Vertrag mit der BRD
Bis dahin war Brežnev eher sich auf Außenpolitische Berater, in dem kollektiven
Führungsgremium den Mehrheitsentscheidungen angeschlossen
. Spannung zwischen den beiden. Brežnev damit zwei Führungsämter im Staat
übernommen, Parteichef (wichtigere Position) und Staatspräsident
. Entscheidungsmechanismen nicht mehr Ein-Mann Diktatur wie unter Stalin,
Einbeziehung führender Politbüromitglieder (v.a. Außenpolitik), KGB, Armee (war
teilweise von Chruščëvs schon so angelegt), neu unter Brežnev ist der Einfluss der
Schwer- und Rüstungsindustrie, Brežnev ab 1963 darum speziell gekümmert, 1963-
1964 als Sekretär des ZK für Schwer und Rüstungsfragen und die Armee und der KGB
. Übergabe von Ämtern im Politbüro an ihre Führungspersönlichkeiten aufgewertet =
ab der Zeit Brežnev hat der jeweilige KGB Chef, der jeweilige Armee
Oberkommandierende, ähnliche Personen haben mind. eine Mitgliedschaft im ZK, der
KGB Chef und der Verteidigungsminister auch im Politbüro (heißt 1966 wieder
Politbüro und nicht mehr Präsidium des ZK – Restalinisierung)
. Ab 1973 sind der Außenminister Gromyko, der Verteidigungsminister Gretschko, der
Vorsitzende des KGB, des Komitees für Staatssicherheit (des gesamten
Überwachungs- und Repressionsapparats) inkl. Nachrichtendienste Juri Andropow
Mitglieder des Politbüros

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. Mitglieder des Politbüros und des Ministerrates sind üblicherweise Fachexperten im
militärische oder diplomatischen Bereich oder sind Technokraten (haben eine
technische Ausbildung), sind zwischen 50-60 Jahre alt, sind aus jener Generation im
Parteiapparat die unter Stalin in ihre Ämter gekommen war, die1938er (war das Jahr
des Höhepunktes des großen Terrors unter Stalin als viele Mitglieder des ZK beseitigt
wurden, und ihnen junge Technokraten nachgefolgt sind, waren damals in ihren 30ern)
Sie sind unter Brežnev die führende politische Elite
. .Nach Chruščëvs erratischer Führung, sollte es eine ruhiger Führung geben –
Legitimität durch eine Wiederherstellung des Status Quo, auf tiefgreifende
Änderungen verzichtet
Brežnevs Legitimität hängt in einem großen Umfang davon ab dass er eine sehr
berechenbare Politik einschlägt
Chruščëvs Parteireformen in Blick auf Namen und Begrenzung der Amtszeiten
aufgehoben, Aufspaltung der Parteiorganisationen in versch. Berufszweige
aufgehoben
Partei revanchiert sich indem sie sich Brežnev relativ loyal verhält. Solange sich
niemand Korruptionsvorwürfe oder Kritik an der Führung schuldig macht wird niemand
gewaltsam seines Amtes enthoben
Der Ministerrat umfasst in der zweiten Hälfte der 1970er ca. 110 Mitglieder
Zwischen Stalins Tod und den 1980er steigt die Zahl der Parteitagsmitglieder von 1300
auf 5000 und die
Zahl der ZK Mitglieder steigt von 125 auf über 300

Mit dem Wachstum der Bürokratie ist auch die steigende Vergreisung der Bürokratie
verbunden, die später schlagend werden wird, sowohl Brežnev als auch seine
Nachfolger sind aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ihre
Amtsgeschäfte voll auszuführen
Der Parteiapparat wächst auf ca. 100.000 Vollzeitangestellte, 11 Sekretäre des ZK, 21
Abteilungen des ZK, die eine Schattenregierung darstellen die versch. thematische
Zuordnungen haben (ideologische Abteilunge, wissenschaftliche, Außenpolitik,
landwirtschaftliche etc.), arbeiten Direktiven für die Ministerien ausgearbeitet und dem
Politbüro vorgelegt
Unter diesen Vollzeitmitarbeitern im Parteiapparat auch eine Reihe von Angelagerten
Instituten, Forschungsinstituten die der Parteielite zuarbeiten, die gewisse Oasen

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eines freien Denkens haben (Alternativvorschläge, dürfen aber nicht nach außen
dringen)
Führung der versch. Abteilungen rekrutiert sich aus den Republiken, den Gebieten
Das Politbüro wird unter Brežnev stärker regional repräsentativ (Stalin hatte sich nie
um solche Fragen gekümmert)
5 % der Bevölkerung treten der kommunistischen Partei ab, größernteils aus Arbeitern
und Angestellten (jeweils 40%), aus Landarbeitern und Bauern zu 15%
In dieser Phase übernehmend die Angestellten die Mehrheit in der Partei

Einfluss des Militärs


Einfluss des Militärs nahm unter Brežnev zu (Stalins und Chruščëvs Verhältnis zum
Militär war ein funktionales)
Das Militär war unter Chruščëv (von 5,8 Mio. Militärangehörigen 1955 auf 3 Mio
gesunken) zahlenmäßig reduziert worden, wächst unter Brežnev wieder an, auf ca. 5
Mio Angehörige, darunter sind Parteimitglieder überpräsentiert. 20 % der
Armeeangehörigen sind Parteimitglieder, unter den Offizieren sind es 75%

Der 24 Parteitag 1971


Jene Zeit in der Brežnev auch die außenpolitische Führung übernimmt, auch ein
Personenkult für ihn eingeleitet, gewinnt in den 1970ern an Fahrt, 1976 wird er zum
Marshall der Sowjetunion ernannt, 1979 den Lenin-Preis für Literatur bekommen (de
facto selbst verliehen – Liebe für Orden)
1977 von ihm neue Verfassung ausgearbeitet und verabschiedet, die Führungsrolle
der KPDSU wird weiterhin festgeschrieben, die Regierung wird den Staatspräsidenten
unterstellt (war neu, war damals schon Staatspräsident, für ihn kaum Unterschied ob
er die Regierung als Staatspräsident oder Parteichef kontrolliert), Amt des
Ministerpräsidenten dadurch etwas eingeschränkt
Der oberste Sowjet etwas verändert, zwei Kammern eingesetzt in diesem Parlament
der SU, bestehen aus jeweils 750 Abgeordneten, der Unionsrat (direkt gewählt) und
der Nationalitätenrat (aus den versch. Republiken und autonomen Gebieten gesetzt)
Beide Kammern tagen in zwei Sitzungen pro Jahr, Verträge zu ratifizieren,
Gesetzesvorlagen abzunicken
Das Präsidium des Obersten Sowjet hat außerdem die Kompetenz Krieg zu erklären

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In den 15 Sowjetrepubliken auch Republiksowjets und Gebietssowjets, also die
versch. lokalen Parlamente, insges.. 2,2 Mio Abgeordnete, ausgeprägte
scheindemokratische Legitimationsfunktion mit wirksam inszenierten Veranstaltungen
(Wahlen in formalisierten Sowjets ohne großen Einfluss und ohne Konkurrenz
medienwirksam berichtet), Wahlen werden nach Einheitslisten durchgeführt
(ausschließlich Kommunisten und Parteilosen können für Ämter kandidieren)

Glauben sie, dass die Rücknahme der Parteireformen Brežnevs Einfluss auf den
Zusammenbruch der Sowjetunion 10 Jahre später hatte?
1) Die entstehende Stagnation, Überalterung der Führung hat zur Delegitimation und
zur Diskreditierung der Führung im eigenen Land beigetragen
2) Frage der Föderalisierung der Führungsgremien hat dazu beigetragen, dass sich in
den versch. Republiken die kommunistischen Führungen stärker begonnen haben mit
ihren eigenen lokalen Agenden und Republiken zu identifizieren. In den 1980er
verstärkte Identifikation der Parteiführungen in den Republiken mit ihren Republiken
Schwierig eine direkte Kausalität der Rücknahme der Reformen und der Kollision
herzustellen, diese beiden Faktoren allein haben nicht dazu beigetragen, komplexere
Faktoren

Restalinisierung
Bezeichnungen: Erster Sekretär des ZK wieder Generalsekretär
Auch in Bezug auf Stalin, Terminologie der Kritik wird immer schwächer, unter
Chruščëvs noch von Verbrechen die Rede, jetzt nur noch von Fehlern und
Überschreitungen gesprochen, offiziell Rehabilitierung Stalins findet nicht statt, wird
auch nicht zurück ins Mausoleum geholt

Wenn Brežnev so ruhig regiert hat, ist die Bezeichnung "Restalinisierung" nicht stark
übertrieben?
Etwas das sich primär auf die Terminologie bezieht, auf eine bessere Ehrung auf
Stalins, insb. jene Personen die unter Brežnev in Führungspositionen sind bekennen
sich zu den Errungenschaften Stalins, es erscheinen in der Zeit immer wieder
historische Werke die die Bedeutung Stalins positiv hervorheben
Eine Rückkehr zum Massenterror findet weder unter Brežnev noch dessen
Nachfolgern möglich gewesen (historischer Verdienst Chruščëvs)

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Wirtschaft
. Wirtschaftlich ist die erste Regierungsphase Brežnevs eine der Reformen, insb.
Ministerpräsiden Kosygins versucht die sowjetische Wirtschaft zu flexibilisieren, in der
staatlichen Planung weniger Plankennzahlen vorgegeben, die einzelnen
Wirtschaftszweige und Großunternehmer haben etwas mehr Flexibilität, können Löhne
geringfügig adaptieren um Leistungsansätze schaffen, mittelfristig werden die realen
Löhne langsam gesteigert (ab der zweiten Hälfte der 1970er wieder eingebremst)
Anfangs auch starke Anreize in Richtung der Steigerung der Konsumgüterindustrie
(bereits unter Chruščëv der Konsum als etwas erkannt, dass der Regierung Legitimität
verschaffen sollte), als Ersatz für Massenterror and Zwangsarbeit zur Mobilisierung
Gegen Ende Brežnevs Regierungszeit kehren die Rüstungsindustrie und die
Landwirtschaft in den Vordergrund zurück

In der zweiten Hälfte der 1960er war eine wirtschaftlich sehr positive Zeit
Tabelle rechts – Wachstumsraten der Wirtschaft:
In der Nachkriegszeit musste aufgeholt werden, sehr vieles war noch zerstört
Wachstumsraten schwächen sich dann ab, steigen in der zweiten Hälfte der 60er
wieder an – bei der Sowjetunion handelt es sich aber um eine nachholende

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Modernisierung die noch sehr große Defizite aufweist, hohe Wachstumsraten da wenig
überraschend
Wachstumsraten der 80er Jahre sind für die SU zu wenig, verglichen mit aktuellen
Wachstumsraten hoch entwickelter westlicher Volkswirtschaften (heutzutage wären 2
% genug, aber ein anderes Niveau)
. die SU profitiert in den 1960er/70ern stark von den steigenden Rohölpreisen, wird zu
einem Exporteur fossiler Brennstoffe, nicht nur in die Staaten des Warschauer Paktes,
die mit subventionierten Preisen mit Rohstoffen versorgt, ab 1968 exportiert sie auch
Erdgas nach Westeuropa
Sprunghafte Steigerungen des Ölpreises 1973 und 1979 als Folge der Ölkrisen
kommen der SU sehr entgegen
1973: Überfall der arabischen Staaten auf Israel, Yom Kippur Krieg, führt in weiterer
Folge zu einem Lieferboykott der arabischen Staaten gegenüber jenen westlichen
Staaten die den Staat Israel unterstützt haben = Verknappung von Rohöl auf dem
Weltmarkt und Vervierfachung des Preises
1978/79: In Folge der islamischen Revolution im Iran verdreifacht sich der Erdölpreis
noch einmal, in den 1970ern gesamt Verzehnfachung des Erdölpreises
Trotzdem bleibt die Wirtschaft im Bereich der Landwirtschaft etwas labil, 1972/75/79
sind Missernten und Dürren zu verzeichnen – Einkauf von Getreide auf dem Weltmarkt
insbes. bei den USA, ist Mitte der 1970er politisch kein Problem, da es in einer Phase
der weltpolitischen Entspannung stattfindet
. Problematischer ist der Umstand das die SU im technologischen Bereich unter
Brežnev zurückfällt, insb. die digitale Revolution
. In Folge all dessen sinkt die Produktivität, aufgrund des technologischen
Rückstandes und des signifikanten Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstums,
was dazu beiträgt das die Produktivität nicht ausreichend gesteigert werden kann
. Hohe Rüstungsausgaben ebenfalls volkswirtschaftlich nachteilig, trotz einer
Entspannungsphase rüstet die SU über die 1970er signifikant weiter auf, hängt auch
mit einer gewissen Eigendynamik des Apparates und der Politik Brežnevs nicht zu viel
zu verändern zusammen.
Brežnev kam aus der Rüstungsindustrie, war als Sekretär im ZK dafür zuständig, hat
auch hier Einschnitte gescheut
Die SU investiert in einer Entspannungsphase 10-20 % des Bruttosozialprodukts in die
Produktion von Waffen

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Hat zur Folge dass die SU zur weltgrößten Atommacht wird (siehe Grafik oben) ab den
1970ern. In Rot eingezeichnet die Anzahl der nuklearen Sprengköpfe insgesamt der
SU. Die USA haben ab einem gewissen Niveau die Gesamtzahl der inaktiven und
aktiven Sprengköpfe nicht mehr erhöht. Die SU hat bis zur Amtszeit Gorbatschows
weitergerüstet, haben bis zu 40 % des Staatsbudgets für die Rüstung ausgegeben,
selbst zu Hochzeiten des KK sind die Parameter in vergleichbaren westlichen Staaten
nicht über 5% des Bruttosozialprodukts oder 10 % des Staatsbudgets
hinausgegangen.
Belastet die Wirtschaft der SU sehr schwer

Gesellschaft
. Verändert sich in den 1960er/70er Jahren nachhaltig in Richtung einer tertiären
Gesellschaft, d.h. das in dieser Zeit die meisten Beschäftigten im Dienstleistungs- oder
Verwaltungssektor beschäftigt waren, im Unterschied zu einer industriellen
Gesellschaft wo die meisten im zweiten Sektor beschäftigt waren
Die Bevölkerung steigt in den 60/70ern von 200 Mio. auf 260 Mio., die Sterblichkeit
sinkt, ab 1965 sinkt auch die Geburtenrate (Abtreibung ist in der Zeit nach Stalin wieder
legalisiert worden), auch die natürliche Reproduktionszahl sinkt auf ca. 1,7 lebende
Kinder auf 1000 Erwachsene

Die Urbanisierung der Bevölkerung schreitet fort, immer mehr leben in Städten, 1960
3 Mio. Städte – 1980 20 Mio. Städte
1980 nur mehr 5 % der Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, heute in den
meisten postindustriellen Gesellschaften noch unterboten – eine sehr starke
Veränderung in der sowjetischen Bevölkerung
Verlagerung von Hand- zu Kopfarbeit, mehr Angestellte in Dienstleistung,
Wissenschaft, Transport, Kommunikation, Bildung, Krankenversorgung etc.

Auch im Bereich von Sozialversicherung verbessert sich die Lage, ab Brežnev auch
für Kolchos Arbeiter eine Sozialversicherung (vorher nur für Industriearbeiter und
Angestellte), bei Arbeitszeit und Urlaubsregelungen sind sie immer noch benachteiligt.
Ab 1966 erhalten sie auch einen festgesetzten Lohn

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. Relativ breite technische Elite, Spezialisten mit mittlerer und höherer Fachausbildung
nehmen zu. 1960 ca. 14% mit einem höhen oder mittleren technischen Abschluss
ausgestattet, 1980 sind es 25 % - Bezieht sich v.a. auf die urbane Bevölkerung
. Wachsen zaghaft, aber kontinuierlich, Index von 100 angesetzt
. Sind staatlich festgesetzt. Einkommensunterschiede gehen zurück, Branchengefälle
bleiben aber, insbesondere im Kolchos Bereich sind die Löhne geringer, auch im
Bildungssektor verschlechtert sich die Entlohnung
. Legitimation für die kommunistische Regierung, Menschen fangen an im eigenen
Land zu reisen, 1980 Interner Passzwang aufgehoben
. Frauen verstärkt in den wirtschaftlichen Prozess integriert, Frauen zwischen 30 und
50 Jahren, signifikant in den „Frauenberufen“ im tertiären Sektor insb. Medizinische
Berufe, Lehrberufe (45% aller Lehrerinnen sind Frauen), 25% aller Richter sind Frauen
Bleiben politisch weit unterrepräsentiert, nur eine Frau im Politbüro und Ministerrat
vertreten
. Strategie der Machtstabilisierung – Privilegien werden stark verbessert. Unter
Brežnev sehr gute Monatsgehälter, Landhäuser, Autos ausgestattet, bessere
Wohnungen, Spezialläden wo normale Sowjetbürger nicht hineindürfen, dürfen
teilweise Auslandsreisen machen – massive Zwei Klassen Gesellschaft entsteht
(Breite Masse der 260 Mio Sowjetbürger und 250.000 führende Funktionäre)

Können Sie weiterführende Literatur zum Thema Gesellschaft im Poststalinismus


empfehlen?
In den letzten Jahren neuere Forschungen aus den angelsächsischen Bereich
erschienen

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-

Kultur
Der kulturelle Bereich bleibt relativ labil. Verwerfungen, Ende der Entstalinisierung,
Rückkehr zu einer Verschärfung der Zensur und eine stärkere Lenkung durch den
Parteiapparat
Auf der einen Seite eine Steigerung in äußerer Vielfalt der Medien, aber gleichzeitig
wird die innere Vielfalt stark reduziert – z.B. statt 4 Literaturzeitschriften gibt es 20 in
denen überall dasselbe drinnen steht, ähnlich mit Radiostationen etc.
Rituale der Sowjetgesellschaft, wie sie insb. im Stalinismus in Paraden, großen
Aufmärschen etc. etabliert wurden, gewinnen, nachdem sie bei Chruščëv keine große
Bedeutung hatten, wieder an Signifikanz – Unter Brežnev die Siegesparade des
zweiten Weltkrieges am 8/9 Mai als ein regelmäßiges jährliches Event
wiedereingeführt, zeigt die steigende Bedeutung der Armee unter Brežnev, aber auch
das Bedürfnis des Staates Positive Rituale zu schaffen und eine gewisse Modifikation
der Ideologie
Die heute vorherrschende Überzeugung das der Sieg des WWII die zentrale
Errungenschaft der SU darstellt, im Range einer Staatsideologie der heutigen
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Russischen Föderation, entsteht unter Brežnev, davor wurde dem Sieg keine große
Bedeutung beigemessen

Dissidentengruppen
Gegen den Einheitsbrei und das Ende der Entstalinisierung, auch gegen andere
Entwicklungen beginnen sich Andersdenkende zu artikulieren, nicht notwendigerweise
zu organisieren, versch. Ausrichtungen
.
. hier spielt insbesondere die Konferenz für Sicherheit in Zusammenarbeit mit Europa
1975 in Helsinki eine Rolle
. . Auch sozialistische und nationalistische Andersdenkende, die vom Regime
unterschiedlich behandelt werden. Im Bereich des Nationalismus ist das Regime
wesentlich toleranter als in anderen Bereichen der Kritik. Das zeigt sich in der
literarischen Gattung der Dorfprosa z.B. von Valentin Rasputin (nicht verwandt mit dem
anderen Rasputin). Seine Schriften thematisieren den Zerfall der traditionellen
Gesellschaft im Dorf, die Zerstörung der Umwelt, Überflutung ganzer Täler und Dörfer
durch Stauseen, der Verfall von Kirchen und Klöstern. Man könnte die Ausrichtung als
Neo-Slawophil bezeichnen, Denkrichtung im intellektuellen Diskurs Russlands aus
dem 19 Jhr. die sehr stark auf die historischen Wurzeln Russland bedacht war, gegen
westliche Einflüsse aufgetreten ist. Dorfprosa auch ökologisch ausgerichtet,
Ökologiebewegung in Russland eher eine nationalistische Bewegung, eher eine rechte
als eine linke Bewegung, wird eher toleriert als Kritik an Stalin oder dem Ende der
Entstalinisierung, die von Sozialisten und Sozialdemokraten formuliert werden.
. Konservativ nationale Denker gehen auf einem schmalen Grad, nationalistische
konservative Agenda für Brežnev eher tolerierbar als die bannbrechenden Arbeiten
Solschenizyn über die Repression und den Stalin Terror (Archipel Gulag), war
aufgrund seiner Arbeiten 1969 von dem sowjetischen Schriftstellerverband
ausgeschlossen worden (faktisch ein Publikationsverbot). Sein Manuskript Archipel
Gulag das das Lagersystem Stalins anprangert wurde 1973 konfisziert und konnte nur
im Ausland (zuerst in der Schweiz erscheinen) in Übersetzung erscheinen
Solschenizyn wurde, wie viele andere Denker, in den 70ern zwangsweise ins Ausland
verfrachtet und hat die Zeit bis zum Ende der SU anfangs in der BRD und dann in den
USA verbracht, hat trotzdem das westliche System verachtet

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. Auch unter sehr starke Beobachtung und Unterdrückung sind Demokraten und
Liberale Kritiker des Sowjetregimes, insbesondere der berühmte Atomphysiker und
Nobelpreisträger Andrei Sacharov, der 1968 seine Gedanken zu Fortschritt Koexistenz
und Freiheit formuliert hat, sehr tiefe und aufrichtige Abrechnung mit Stalin
eingefordert, auch die Einhaltung der Menschenrecht in der SU, Pluralistische
Demokratie – Antwort: Sacharov (bisher Aushängeschild der sowjetischen
Wissenschaft und Physik) wurde sämtlicher Ämter entkleidet, durfte nur seine
Mitgliedschaft in der sowjetischen Akademie der Wissenschaften behalten, 1980
wurde er verbannt und mit Redeverbot belegt, in der SU nach Gorki verbannt, erst
unter Gorbatschow in seine Heimatstadt zurückgelassen
Bild unten: Inhaftierung von Andrei Amal’rik, von ihm stammt das Werk „Kann die
Sowjetunion das Jahr 1984 erleben?“ (Bild Mitte), das Werk wurde in den Westen
geschmuggelt hat dort großes Aufsehen erregt, wurde zum Zwangsarbeitslager
verurteilt, wurde schließlich in die Emigration getrieben
. Können nur in zwei Bereichen erscheinen: Im Ausland (Tamizdat = verkürzte
Übersetzung von Dort Verlag = Ausland) oder im illegalen Selbstverlag (Samizdat),
wesentlich riskanter, Herstellung in obskuren Pressanlagen die jemand im Keller
gelagert hat, die von Hand gebunden werden und so in geringen Auflagen in Umlauf
gebracht werden
. 20.000-30.000 Menschen, davon 50% inhaftiert, Zwangsarbeitslagern,
psychiatrische geschlossene Anstalten
Eine nicht unbedeutende Anzahl an Dissidenten waren strenggläubige, zahlenmäßig
etwas mehr, über 100.000 Menschen

Menschen die mutig sind und auf der Straße demonstrieren, auf dem Bild unten sind
Angehörige der jüdischen Bevölkerung deren Ausreiseantrag nach Israel abgelehnt
wurde (wichtiges Thema in den 1970ern, jüdische Bevölkerung war diskriminiert, wollte
ausreisen, wurde oft untersagt)
In den späten 1980er Jahren steigende Zahl an Menschen die auf dem roten Platz
demonstrieren, Mütter von Soldaten die in den Afghanistankrieg
Menschen die sich mit der tschechoslowakischen Bevölkerung gegen das sowjetische
Militärintervention 1968 solidarisieren – jeweils eine Handvoll Menschen, die in
kürzester Zeit von der Polizei weggeschleppt werden
Zeugnisse von Selbstmorden in Protest

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Berichtet wird darüber im Samizdat, z.B. in der Chronik der laufenden Ereignisse,
enorm wichtige Aufgabe der Dissidenten darüber zu berichten was in ihrem Bereich
passiert, die Weltöffentlichkeit hätte sonst nicht davon erfahren. Ausnahme waren sehr
spektakuläre von künstlerischer oder politischer Immigration, z.B. der Historiker
Negrisch, Künstler Rastopovisch, Udolf Durejev
1969 konstituiert sich eine im Untergrund befindliche Initiativgruppe zur Verteidigung
der Menschenrechte in der UdSSR, wurde in weitere Folge durch die Geheimpolizei
verhaftet
Ein Großteil der Menschen, die nicht mit dem Regime einverstanden sind, geht in die
innere Emigration, und die Selbstzensur, die Mehrheit stumpft ab gegenüber der
staatlichen Mobilisierung, Zynismus macht sich breit. Staatlichen Medien wird nicht
mehr geglaubt weder im positiven noch im negativen (über das Ausland)

Unterdrückung von Dissens


. . Repression gegenüber Dissidenten wird in der Zeit Brežnevs eindeutig verstärkt.
1966 wird der Schauprozess durchgeführt, zu langen Haftstrafen verurteilt
. Organisationen werden zum Teil bespitzelt, massiv eingeschüchtert
. . Strategien des Staates, Menschen werden eingesperrt, wenn sie sehr prominent
gewesen sind (Sacharov) werden sie verbannt oder unter Hausarrest gestellt. Wenn
sie sehr schwer zu handhaben sind, wie z.B. Solzenizyn, werden sie ausgebürgert. Es
gibt auch Anschläge die von der Geheimpolizei an bestimmten Menschen durchgeführt
werden, deren Diskreditierung durch die Erstellung kompromittierenden Materials
(Kompromat). Auch Giftanschläge etc.
. u.a. für die jüdische Bevölkerung (otkaozniki)
.

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Im außenpolitischen Bereich kann die Regierungszeit Brežnev in drei Phasen unterteilt
werden
Erstes Element der Außenpolitik unter Brežnev: Blockpolitik – insbesondere die
sowjetische Militärintervention in Prag
. Neue Parteiführung in Tschechoslowakei, um die Stagnation im Land seit der
Niederschlagung des Ungarn Aufstandes 1956 geherrscht hat, zu überwinden. Die
Wirtschaft befindet sich in einer tiefen Krise, Menschen sind frustriert
. Dubcek versucht dem entgegenzuwirken. Wirtschaftliche Reformen, seit 1964/65
Versuche. Versucht nun auch die Menschen stärker zu mobilisieren, um damit auch
die politische Krise des Landes zu überwinden. Er ist überzeugter Sozialist, nicht als
Bolschewik, möchte den Sozialismus nicht abschaffen. Mobilisierung der Menschen
durch mehr Freiheit, ...
. Darauf regiert die politische Elite innerhalb der Tschechoslowakei sehr stark, in zwei
Richtungen: Liberale innerhalb und außerhalb der Partei sind begeistert, versuchen
sich stärker zu organisieren. Konservative Kommunisten sind dagegen, informieren
die SU
. Brežnev versucht dieses Problem durch Gespräche mit der tschechoslowakischen
Parteiführung über den Sommer beizulegen, nehmen einen immer stärker drohenden

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Ton an. Die SU droht ab Sommer 1968 der tschechoslowakischen Führung mit
Intervention, wenn die Reformen nicht zurückgenommen werden. Findet nach
mehreren Verhandlungen in der DDR und der Tschechoslowakei im August 1968 statt
. Militärintervention von 4-5 Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes. Anfangs mit
Flugzeugen in Prag angelandet, dann über die Grenze mit Panzern angerollt.
Rumänien und Albanien lehnen die Intervention ab, die DDR würde gerne, will aber
Reminiszenzen an Hitlers Einmarsch in Polen vermeiden, Beteiligung der DDR gering
gehalten
Sowjetischen Truppen eingeredet das sie intervenieren müssen, um die
Tschechoslowakei vor dem Überfall der BRD zu retten (Blödsinn)
Bild oben: Panzer auf den berühmten Wenzelsplatz in Prag
Bild unten: Panzer von der tschechoslowakischen teils mit aktiven Widerstand, weit
verbreitet ist auch der passive Widerstand (Wegweiser umgedreht, Schmieraktionen)
Die SU war am Anfang in der Tschechoslowakei noch positiv besetzt, am Anfang
versucht noch die Truppen durch Gespräche zum Umdrehen zu bewegen
Das Militär der Tschechoslowakei hat keinen großen Widerstand geleistet, im Militär,
im ZK, im Politbüro der Tschechoslowakei ist die Intervention begrüßt worden – war
stärkerer ziviler Widerstand
. Nachträglich legitimiert durch Brežnev Doktrin, die sehr verklausuliert nachträglich
verkündet wird. Die SU nimmt für sich in Anspruch in jedem kommunistischen Land
wo der Kommunismus in ihren Augen in Gefahr gerät militärisch einzugreifen. Blumige
Theologie – es geht darum dass die kommunistische Diktatur wie sie von der SU
gewünscht war in Frage gestanden ist. Interessen der weltrevolutionären Bewegung =
Machtinteressen der SU
. Sein Nachfolger Husak muss eine Normalisierung einleiten, die Reformen werden
zurückgenommen
. Dagegen in der tschechoslowakischen Zivilgesellschaft Widerstand und Proteste. Jan
Palach verbrennt sich in der Innenstadt von Prag, hatte Nachfolger in Osteuropa und
der SU gefunden – ein Welle von Selbstverbrennungen
. Außerhalb des kommunistischen Machtbereiches, gewinnt nun auch in den starken
kommunistischen Parteien Italiens und Frankreich, Spaniens, der Euro-Kommunismus
an Zulauf. Die Ablehnung des Panzer Kommunismus der SU. Rumänien und Albanien
distanzieren sich stärker von der SU. Einheit in der komm. Bewegung ist nicht mehr
zu erzielen.

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Außerhalb des Ostblocks und des Kommunismus sind die Folgen dieser militärischen
Aktion eher kurzfristiger Natur – Innerhalb eines Jahres nach dieser Intervention haben
die westlichen Mächte kein Problem mehr sich mit der SU an einen Tisch zu setzen
Es wird an die außenpolitische Entspannung angeschlossen

Wenn die Interventionstruppen beim Prager Frühling dachten, sie beschützten die
Tschechoslowakei vor einer Invasion Westdeutschlands, dann müssen sie ja mit
einem offenen Krieg gerechnet haben.
Da muss ja einerseits die Anspannung vor dem Dritten Weltkrieg geherrscht haben.
Und dann der Schock dass die vermeintlich schutzbedürftige Bevölkerung diese
Truppen stark ablehnt.
Sind Erfahrungsberichte dieser Interventionssoldaten bekannt?
Einige Erfahrungsberichte vorhanden, Forschungen, Interviewprojekte durchgeführt,
Slowakische Akademie der Wissenschaften in Bratislava, auch in englischer Sprache
erschienen
Waren sehr überrascht als sie festgestellt haben das keinen reale Bedrohung von
westlicher Seite besteht

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-

Zweites Element der Außenpolitik unter Brežnev: Entspannungspolitik, die nach der
Kuba Krise eingesetzt wurde, wird nun fortgesetzt
. Zuerst Westeuropa, da es schwächer ist als die USA. Die SU versucht weiterhin das
Bündnis zwischen Westeuropa und den USA zu untergraben, indem Bündnisse mit
Westeuropa geknüpft und die USA ausgeschlossen werden, funktioniert nicht
. Anfangs mit Frankreich, 1966 spektakulärer Besuch, 1971 Verabschiedung einer
gemeinsamen Deklaration mit De Gaulles Nachfolger Pompidou
. Karte oben – Ausweitung des sowjetischen Erdgas-Röhren-Netzes. Prinzip:
Westliche Staaten liefern Röhre, die SU ist technisch nicht in der Lage diese in
ausreichender Zahl herzustellen, Westliche Staaten bekommen das mit Erdgas
bezahlt
. Ab 1970 wird Westdeutschland zum bevorzugten Westpartner der SU, hängt mit
neuer Ostpolitik zusammen, sozialdemokratisch-liberale Koalitionsregierung unter
Bundeskanzler Willy Brandt, versucht die Lage der Menschen, insb. in Ostberlin und -
deutschland durch eine Annäherung zu verbessern (Wandel durch Annäherung)
. Routineangelegenheit. Sehr starke Signalwirkung

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. Ab den 1970er verbessert sich das Verhältnis zu den USA, Brežnev und Nixon
verstehen sich sehr gut, es kommt zu fünf Gipfeltreffen, später auch mit Gerald Ford
. Rüstungsbegrenzung – Erste Erfolge. Abwehrraketen auf jeder Seite limitiert (dürfen
jeweils zwei Abwehrsysteme von 100 Abwehrraketen unterhalten), gleichzeitig
Abschreckung auf der das nukleare Gleichgewicht aufbaut existiert weiterhin
. . Abschreckungssystem mit Angriffswaffen, offensiven durch SALT Verträge
begrenzt. 1979 reduziert auf 2250 Trägersysteme im strategischen Bereich, es handelt
sich um Langstreckenraketen mit über 5000km Reichweite
. Höhepunkt der Entspannungspolitik. In Genf und Helsinki getagt. Ergebnis sind die
Helsinki Schlussakte, von 35 Teilnehmerstaaten (fast alle sind europäische Staaten,
dann USA, Kanada, die SU) unterzeichnet
Enthalten sind Bestimmungen über Gewaltverzicht, Unverletzbarkeit der Grenzen,
Verbesserung des Handels und des Austausches, Erstmal eine Festschreibung von
Menschenrechten – in weitere Folge gewisse Bedeutung: Menschenrechte werden in
den 1970er verstärkt auch in Ost-West-Diskurs angesprochen, auch mit dem
verstärkten Kontroversen darüber

Mit dem Ende der Entspannungspolitik, dem späten Kalten Krieg, der die zweite Hälfte
der 1970er Jahre prägen wird, eine neue Hochspannungsphase

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SU als größtes territoriales Gebilde der Erde, 1/6 der Erde
Grau = Verbündete der SU, nahestehende Regime
Auch Militärstützpunkt aus dieser Zeit zu sehen
China: IN den späten 1960er war das Verhältnis der SU zu China extrem gespannt,
bis zu Militärstößen, Atoms-Kriegsdrohungen etc. – Jedoch wurde China in der
Weltöffentlichkeit als kommunistisch wahrgenommen, daher hier auch grau eingefärbt
Osteuropa = Staaten des Warschauer Paktes, Verhältnis der SU zu Staaten wie der
DDR oder Bulgarien ganz anders als zu Finnland (war nicht Teil des Warschauer
Paktes, aber Beistands- und Freundschaftsabkommen mit der SU)

Die SU ab der zweiten Hälfte der 1950er, den 1960er/1970er Jahren weit über
Perimeter an Einfluss hinausgegangen, z.B. Koreakrieg, Internationale Entwicklungen
wie der Vietnamkrieg. Der Einfluss der SU ab den 60/70er auf den afrikanischen
Kontinent übergegangen, all das führt zu neuen Spannungen (Kubakrise etc.)
Ab Mitte der 1970er der Einfluss der SU Höhepunkt erreicht, auch militärisch stärker
als in der Amtszeit von Chruščëv und Stalin, Programm zur Errichtung von Flugträger
(Machtprojektion)
1970er auch ein Wendepunkt, ab Mitte der 1970er nimmt die internationale
Reaktionsfähigkeit und wirtschaftliche Dynamik der SU ab, führt zu verstärkten
Konflikten, da die SU gerade im Bereich der Rüstung ungehindert weiterrüstet aber im
Bereich der Diplomatie immer weniger handlungsfähig ist (massive
Bedrohungswahrnehmungen, massive Missverständnisse)

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12 VO 07.01.2020 – STAGNATION UND GERONTOKRATIE, BREŽNEV BIS

ČERNENKO 1975-1985

. Zweite Amtszeit von Brežnev (ab 1975) von innerer Stagnation und äußeren
Spannungen geprägt. Ab 1968 steigende Dosen von Psychopharmaka,
Militärintervention in der Tschechoslowakei starke nervliche Belastung. Übermüdung,
verschläft Treffen, führt zu Verstimmungen (Bewusste Provokation oder tatsächliche
Leiden?)
. Nachfolger Brežnevs (vom Politbüro gewählt), jüngere Generation, von Brežnev
gefördert. Von ihm Reformen erwartet, macht tatkräftigen Eindruck, in Blick auf
Liberalisierung, vom Westen neue Entspannung erwartet – Findet nicht statt, aufgrund
von mehreren Verwicklungen, und weil er auch gesundheitlich angeschlagen war. In
Erinnerung geblieben wegen Einführung einer Disziplinkampagne (Law and Order),
sollte grassierenden Alkoholismus in der SU bekämpfen. Wenig Nachhaltiges von ihm
. Auch hier wenige nachhaltige Entwicklungen. Schützling Brežnevs, aus der
Landwirtschaft, von Beginn an gesundheitlich angeschlagen
. Nicht nur oberste Ebene betroffen, einer der Grundprinzipien Brežnevs war es
möglichst wenig an der Struktur des Parteiapparates zu verändern (Chruščëvs
Reformen zurückgenommen), Spitzenpersonal an Ort und Stelle geblieben und mit

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Brežnev mitgealtert. 1965-1980 steigt das Durchschnittsalter im Politbüro von 56 auf
67 Jahre
Jüngere pragmatische Parteiführer wachsen heran, sind von der Überalterung immer
mehr abgestoßen
1980 sind 80% der Politbüromitglieder über 60 Jahre alt
. Wirtschaftliche Dynamik nimmt vor dem Hintergrund der zwei Erdölkrisen ab, SU war
stark vom Erdöl abhängig (war Exporteur), Steigen der Preise zunächst positiv.
Besonders stark sind die negativen Folgen der starken Überrüstung (20% des
Bruttosozialproduktes fließen in die Rüstung, in den USA in den 1970er 5-10 %),
belastet stark die Volkswirtschaft
. Keine Phase der großen wirtschaftspolitischen Experimente, Reformbedarf
aufgeschoben, keine dynamische Reformphase mehr

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Die späte Phase Brežnevs und seine Nachfolger v.a. durch drei außenpolitische Krisen
und Belastungen in den Geschichtsbüchern in Erinnerung geblieben: 1. Die
Militärintervention in Afghanistan
Anfangs ohne unmittelbare Beteiligung von Brežnevs (war regierungsunfähig zu dieser
Zeit) eingeleitet
Das Politbüro hatte erwartet das diese Militärintervention wenig internationales
Aufsehen erregen würde, SU von den Folgen sehr tief überrascht worden
. Afghanistan war als Pufferstaat gegründet worden, zwischen Britisch Indien und dem
russländischen Imperium im 19 Jhr. Im 20 Jhr. versucht eine Pendelposition zwischen
der SU und dem Westen anzunehmen, war ein blockfreier Staat, hat versucht zu
beiden Seiten eine korrekte Beziehung zu unterhalten, Freundschaftsabkommen mit
der SU und auch Kredite
. Diese labile Gleichgewicht durch Militärputsch 1978 ins Wanken geraten, Taraki
versuchen eine sozialistische Umbau der bisher sehr traditionellen afghanischen
Gesellschaft, schließen Vertrag mit der SU ab, beginnt tiefgreifende Reformen im
Bildung- und Kulturbereich, Bevölkerung reagiert mit Unverständnis und steigenden
Widerstand
. Auch militärisch eskaliert
. Innerhalb der afghanischen Führung Versuch eines Kurswechsels, gegen Taraik
Putschversuch durchgeführt. Amin versucht auch Kurskorrektur, versucht den Umbau

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etwas einzudämmen, stärker an die USA anzunähern. Ehemalige Verbündetet Tarakis
fordern die SU auf, militärisch zu intervenieren und Amin zu beseitigen
. Forderungen im Politbüro diskutiert, um Amin zu stürzen und eine sowjetfreundliche
Regierung zu installieren. Obere Karte = Luftlandeeinheiten, in Kabul. in einer zweiten
Welle Bodentruppen, Afghanistan sehr gebirgig
. Intervention anfangs erfolgreich, Amin von sowjetischen Spezialeinheiten
erschossen, neue sowjetfreundliche Regierung installiert
. Es zweigen sich allerdings zwei Entwicklungen: 1. Außenpolitischen Aufsehen ist
enorm, UNO- Generalversammlung (Jene Versammlung ohne Veto, wo alle
Mitgliedsstaaten teilnehmen können) verurteilt mit einer Mehrheit von 90 % den
Einmarsch, nicht nur westliche Staaten sondern auch neutrale und blockfreie Staaten,
solidarisieren sich mit Afghanistan.
. . . Verhängen ein Embargo, SALT-2 = Rüstungsbegrenzungsvertrag, verstehen das
als Warnsignal an die SU
. Carter reagiert auf die sowjetische Einschreiten, Persischer Golf als vitale Zone
amerikanischer Interessen, befürchtet das die SU nach Afghanistan einmarschiert, um
an den persischen Golf zu kommen (Bedrohungsszenario, bei der SU damals keine
solchen Pläne)
. USA beginnen die militärische Opposition zu unterstützen, mit Luftraketen
ausgestattet, um sich gegen die sowjetische Luftwaffe zu wehren. Bild Mitte =
Mudschaheddin posieren vor einem abgeschossen sowjetischen Luftrakete
Bild unten= Führung des afghanischen Widerstandes vom neuen Präsidenten Reagan
ins Weiße Haus eingeladen
Kann man sagen dass, der heutige Krieg in Afghanistan eine indirekte Folge dieser
Ereignisse ist?
Aus diesem Krieg, der als Bürgerkrieg begonnen hatte, und zu einem internationalen
Krieg wurde - Afghanistan hat sich davon nie wirklich erholt, bis heute eine Folge von
Kriegen (Bürgerkriege ohne internationale Beteilung, 9/11, Besetzung durch die USA)
Nicht nur USA, auch andere westliche Staaten haben diesen Krieg unterstützt (BRD
etc.)
. Große Blamage, dass es nicht möglich war den Widerstand zu ersticken.
Todeszahlen steigen sehr stark an, Militärdienstleistende (keine Berufssoldaten
eingesetzt) – Verwandte dieser gefallen Jungen werden immer stärker
Widerstandsaktivitäten innerhalb der SU organisieren („Soldatenmütter“)

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Nach außen hin enormer Prestigeverlust, Mitte der 1970er Prestige der SU noch sehr
hoch
Sowjetische Führung sehr stark erstaunt dass dieser Krieg international deutliche
stärker zu Verwerfungen führt als die weniger gerechtfertigte Intervention in der
Tschechoslowakei 1968

Ein interessantes Buch zur Intervention in Afghanistan ist der Roman Zinkjungen von
Svetlana Aleksievič, ist mir gerade eingefallen
Belarussische Schriftstellerin, Mitglied der Demonstrationen in Belarus heute gegen
die Regierung Lukaschenko

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2. außenpolitische Krise = Ost-West-Beziehungen
Trägt dazu bei das ab 1979 im KK wieder eine Hochspannungsphase da ist
. . Gleichzeitig im Bereich der Mittelstreckenraketen (Atomraketen mit einer Reichweite
zwischen 500 und 5000 km, hauptsächlich in Europa stationiert) neue Entwicklungen
auf sowjetischer Seite. Über Geheimdienstaktionen westliche Staaten darüber
informiert, SU sagt das sie einfach nur alte Raketen erneuern wollen, sind aber
deutliche gefährlicher, stellen daher eine neue Bedrohung dar über die neu verhandelt
werden müsste
. Nato reagiert auf diese Stationierungen mit Warnungen, SU geht darauf nicht ein bis
die NATO den Doppelbeschluss fasst.
1) SU nachdrücklich aufgefordert Abrüstungsverhandlungen für diese neue Raketen
aufzunehmen
2) Sollte sie das nicht tun, würden auch die NATO Mitgliedstaaten durch eine eigene
Aufrüstung beantworten
Verhandlungen haben zu keinen Erfolg geführt, neue amerikanische
Mittelstreckenraketen v.a. in Westdeutschland stationiert unter massiven Protest der
Friedensbewegung in Deutschland, Gegenargumente waren das dies eine notwendige
Maßnahme (Gleichgewicht in der Abschreckung)
. . In anderen Bereichen der Abrüstungsverhandlungen wenig weitergegangen.
Konventionelle Abrüstungen von der SU von Anfang nicht gewünscht, hatte nur den
Verhandlungen zugestimmt, aber keine wesentlichen Zugeständnisse gemacht

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SU Anfang der 80er Jahre Abrüstungsverhandlungen im Bereich der
Langstreckenraketen (START) abgebrochen, Start Abkommen wäre der Nachfolger
von SALT-2 gewesen (SALT-2 war nur ein Beschränkungsabkommen, kein
Abrüstungsabkommen, nur Einfrieren der Rüstung, keine Abrüstung), Verhandlungen
1983 abgebrochen
All das hat dazu geführt das 1983 ein hochexplosives Jahr in den internationalen
Beziehungen war. Routinemäßiges westliches Manöver (Kommandoübung), KAL007,
führt auf sowjetischer Seite zu einer Hochalarmstimmung, führte dazu das die USA
dies Kommandoübungen abgebrochen, um zu verhindern dass die SU etwas
missverstehen könnte.
. Missverständnisse durch tragische Missgeschicke noch weiter angeheizt.
Südkoreanische Luftlinie durch zwei sowjetische Abfangjäger abgeschossen,
Linienflug von Alaska nach Südkorea, ging über sowjetischen Luftraum. Die SU hat
anfangs nicht reagiert, dann geleugnet, dann als Inszenierung der amerikanischen
Geheimdienste oder als Provokation dargestellt, keine Einsicht oder Bedauern – hat
nicht zur Entspannung der internationalen Lage beigetragen
. Vor dem Hintergrund des Scheiterns der Abrüstungsverhandlungen etc. hat die neue
amerikanische Administration unter Reagan eine neue Ausrichtung der
amerikanischen Verteidigungspolitik gesucht, weg vom Gleichgewicht des Schreckens
hin zu einer strategischen Verteidigung
Sicherheit im KK darauf beruht das beide Seiten gleich viele nukleare Raketen hatten,
aus dieser paradoxen Situation durch die Strategic Defense eine neue Lösung
gefunden werden. USA versuchen durch einen im Weltraum gestützten Abwehrschirm
aufzubauen der versucht die sowjetischen Raketen vom Weltraum aus zu
neutralisieren und unschädlich zu machen. Technologisch enorm komplex, bis heute
Zweifel ob es möglich wäre es zu implementieren. Von der SU enorm angegriffen.
Wurde schließlich nicht implementiert, wurde von der sowjetischen Propaganda und
Führung stark angegriffen

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3. Krise im internationalen Bereich = Blockinterne Krise
„Blockintern“ = Begriff suggeriert das die Staaten die mit der SU zwangsweise
verbündet waren nicht souverän waren. Bevölkerung dieser Staaten haben versucht
ihr eigene Schicksal zu gestalten, von der SU nur sehr eingeschränkt toleriert

Krise in Polen
. Lange Vorgeschichte der Krise, war für die wirtschaftliche Entwicklung der SU
aussagekräftig. Krise geht auf massives wirtschaftliches Versagen zurück, und darauf
dass die Bevölkerung verstärkt politisches Mitspracherecht einfordert
Preissteigerung führten stets zu Massenunruhen – Gesellschaftsvertrag in den 1970er
Jahren in den kommunistischen Staaten war das die kommunistischen Regierungen
versucht die materiellen Lage in ihrer Bevölkerung zu verbessern, bescheidener
Wohlstand, dafür dürfe sich die Bevölkerung sich politisch nicht betätigen
Wenn die kommunistische Regierung diesen Vertrag nicht einhalten konnte, wurde
das von der Bevölkerung mit Demonstrationen beantwortet.
. Unruhen nicht nur auf Arbeiterschaft begrenzt, Schulterschluss zwischen
Arbeiterschaft und Intellektuellen in Polen. Komitee für die Verteidigung der Arbeiter
gegründet. Intellektuelle die sich für die Interessen der demonstrierenden Arbeiter
eingesetzt haben. Als dritte Kraft war die römische-katholische Kirche, sowohl auf
niedriger als auch auf oberster Ebene, hat sich solidarisiert.

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. In weitere Folge entsteht eine Oppositionsbewegung, eine freie Gewerkschaft
Solidarität gegründet. Bild oben= Lech Walesa. Aus neuen Streiks entstanden, zu
einer Massenorganisation geworden, in einer kommunistischen Diktatur illegal, bis zu
10 Mio. Mitglieder
. Inspiriert wurde der Widerstand durch die Wahl eines Vertreters des polnischen
Klerus zum Papst. Papst musst damals in Vorverhandlungen unterschreiben das er
keine politischen Aussagen treffen werde, allein durch seien Anwesenheit hat er die
Oppositionsbewegung enorm inspiriert
. Anlässlich einer neuen Preissteigerungswelle neue Demonstrationen und Streiks,
waren bisher brutal niedergeknüppelt worden, jetzt in einem neuen Abkommen
Solidarität legalisiert. Kommunistische Macht versucht die Solidarität dadurch
kontrollierbar zu machen
. Kontrollversuche waren nicht erfolgreich, daher wechselt die komm. Führung den
Kurs. Ausgangssperren, Kommunikationssperren. Bild Mitte = Panzerkolone in
Warschau in Stellung, Verhandlungen zwischen Polen und der SU, vereinbart dass die
SU nicht militärisch interveniert, sondern dass die polnische Regierung das tut
Kriegsrecht bis 1983 in Kraft
. Verhängung des Kriegsrechtes von den meisten westlichen Staaten kritisiert,
Unterstützung ging hauptsächlich von den USA aus, die westeuropäischen Staaten
haben sich sehr zurückhaltend verhalten, teilweise Solidarität von Kreisky (Ö) und der
deutschen Führung stark angegriffen. Wenn dann Unterstützung durch die
Oppositionen der westeuropäischen Staaten ausgegangen (z.B. ÖVP in Österreich)
Erst ab Mitte der 1980er wieder eine leichte Entspannung der Lage durch neue
Führung Polens, entspannt sich auch vor dem Hintergrund einer neuen sowjetischen
Einführung, Gorbatschow

Menschenrechtsverletzungen in der UdSSR


. Nach dem Ende der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Großes
Abkommen unterzeichnet – Hoffnung unter Dissidenten das dieses Abkommen eine
Verbesserung bringen werde.
In den 1970er steigende Ausweisung von Dissidenten, Politik der SU war es
unliebsame Kritiker, wenn sie nicht zwangsweise psychiatrieret wurden oder
eingesperrt wurden, auszuweisen

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. Jüdische Bevölkerung war in der SU immer wieder diskriminiert worden. Verhältnis
der SU zum Staat Israel unmittelbar sehr schlecht gewesen, obwohl die SU einer der
ersten Staaten war der den Staat Israel anerkannt hat, vor dem Hintergrund des
Nahostkonflikts wurde die SU Unterstützer der arabischen Staaten, 1976 die
diplomatische Beziehung zum Staate Israel abgebrochen
Jüdische Bevölkerung in Blick auf Bildung, Organisationsmöglichkeiten stark
eingeschränkt, unter Stalin starke anti-jüdische und anti-semitische Propagandawelle
1970er Hoffnung der jüdischen Bevölkerung nach Israel oder die USA zu emigrieren,
von der SU unterbunden. Die USA haben von der SU Erlaubnis für jüdische
Immigration gefordert (Jackson-Vanik Amendement 1975, Verknüpfung von
Wirtschaftsinteressen der SU mit den Forderungen der USA einer Verbesserung der
Menschenrechtslage in der SU, SU hatte nicht zugestimmt)
. Gescheitert als Folge. in den folgenden Jahren vor dem Hintergrund der neuen
Hochrüstungsphase das Verhältnis zwischen den westlichen Staaten, den USA und
der SU verschlechtert

. Solange man sich regimekonform verhalten hat, konnte man relativ ruhig leben und
auf bessere Bildungschancen hoffen. Auch Funktionäre wurden in Ruhe gelassen
. Durch den Gesellschaftsvertrag entstanden
. Mangelende Dynamik der politischen Führung durch Verlust der wirtschaftlichen
Dynamik
. Nur Dynamik der Rüstung beibehalten
.
.

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.
. Nur engste Verbündete, komm. Staaten in Osteuropa, halten der SU die Treue
Blutzoll war sehr hoch, 15.000 Tote in Afghanistan auf Seiten der SU, 0,5 Mio. zivile
Todesopfer

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13 VO 14.01.2020 – GORBAČËVS PERESTROJKA (UMBAU) 1985-91

Ausgangslage und Push Faktoren


1985 vom ZK der Partei abgesegnet, als Generalsekretär
Außenpolitisch Hochspannungsphase (KK, Nachrüstungsfrage, Afghanistan, Krise in
Polen) – Beziehung der SU zu westlichen und auch neutralen, blockfreien Staaten
angespannt
Wirtschaftskrise, durch Aufrüstung, erwies sich als nachhaltig
SU verschlief die dritte technologische Revolution (15 Jahre technologischer
Rückstand im Vergleich zu den USA)
Überrüstung nahm ca. 10-20 Mio. Arbeiter in Anspruch, Energieeffizienz der gesamten
Wirtschaft gering (benötigte 3-mal mehr Stahl und doppelt so viel Erdöls die
amerikanische Wirtschaft)
Das BIP lag laut Schätzungen der CIA bei ca. 50 % der USA
Vertieft wurde die Wirtschaftskrise Anfang der 80er Jahre das Fallen der Erdölpreise,
fielen zwischen 1985 und 1986 von 30 Dollar pro Fass auf 10-12 Dollar
Zwischen 1980 und 1982 war die SU in einer Rezension, danach in einer Phase des
Nullwachstums
Bemerkt von der Bevölkerung in Form von Versorgungsschwierigkeiten, hatten in den
60/70er begonnen mehr Erwartungen in den Konsum zu setzen, z.B. auf eine

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Waschmaschine kamen 600 Interessenten, auf ein Auto oder einen Fernseher musst
man Jahre warten
Infrastruktur auch mangelhaft, außerhalb von Städten kaum Telefone, Kanalisation
mangelhaft, gigantische Verschmutzung der Umwelt, selbst in Moskau musste man
stundenlang auf ein Ferngespräch warten
-→ Gesellschaftsvertrag funktionierte nicht mehr so, Arbeiter waren pragmatisieret,
Verbrauch durch geringe Preise stark subventioniert, Angebot entsprach nicht mehr
den Erwartungen der Konsumenten
Arbeiter hatten den niedrigen Lohn akzeptiert, arbeiteten dafür wenig
Korruption war relativ weit verbreitet, auf hoher und niedriger Ebene
→ Apathie der Bevölkerung war sehr hoch, in Wirtschaft und anderweitig –
Alkoholmissbrauch war sehr hoch, sehr hohe Zahl an Verkehrsunfällen (SU hatten nur
einen Bruchteil an Privatautos zur Verfügung)
Lebenserwartung der Männer fiel von 1970-1980 von 64 auf 62 Jahre, bei den Frauen
von 73 auf 72 Jahre
Im Gegensatz dazu die Überalterung der Führung
→ All das trug zur Legitimitätskrise der SU bei
→ Push Faktoren: Unzufriedenheit

Pull Faktoren
Positive Elemente die dazu beigetragen haben dass die Menschen etwas ändern
wollten
Sehr hohe Bildung der sowjetischen Bevölkerung, in den 80er wesentlich offenere
Kommunikation möglich als unter den 50er Jahren (unter Stalin war es
lebensgefährlich überhaupt zu beklagen das es ein Produkt bekommen hätte, das
Spitzelwesen waren omnipräsent)

. Das System wurde von der Mehrheit trotzdem nicht grundlegend abgelehnt,
Probleme auf Mängel in der Umsetzung, nicht auf das System an sich zurückgeführt

Michail S. Gorbačëv
Gorbačëv sollte die Wirtschaftskrise überwinden und die Effizienz steigern, seine
grundlegenden Reformen kamen unerwartet

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Parteiapparat, der Gorbačëv wählte (wurden nie von der Bevölkerung gewählt), wollte
keine grundlegende Dekonstruktion der Parteiherrschaft einleiten
Mit Gorbačëv ein Generationswechsel vollzogen, das erste Mal jemand gewählt der
relativ jung gewesen ist
Gorbačëv nicht nur aufgrund seines Alters ein ungewöhnlicher Kandidat, er ist auch
der am besten ausgebildete Kandidat, hat zwei akademische Ausschlüsse
Hat als Kind Stalinismus von zwei Seiten erlebt: in seiner Familie gab es zwei Männer
die in die Mühlen des Stalin Terrors geraten sind, stammte aus der Familie eines
„Volksfeindes“ (wurden willkürlich als Gegner des Stalinismus isoliert). Stammte aus
einer armen Familie, arbeitete im jungen Alter. 1950 aufgrund seiner Leistungen im
schulischen Bereich und im Bereich der Landwirtschaft die Möglichkeit bekommen in
die Lomonossow Universität in Moskau zu gehen, war dort noch in der Phase des
Spätstalinismus (1950-1955)
1952 der Kommunistischen Partei beigetreten, bald Führer in der Jugendorganisation,
in seiner Heimat Landwirtschaftsakademie absolviert
Nach Abschluss seiner Ausbildung, relativ steiler Aufstieg in der Parteikarriere. 1970
erster Kreisparteisekretär, 1971 wird er das jüngste Mitglied des ZK. Setzt neue
Agrarmethoden in Stawropol ein, für mehr Autonomie der Bauern, aber auch
neostalinistische Erntekampagnen wie sei bei Brežnev sehr verbreitet waren.
1978 wird er Sekretär des ZK für Landwirtschaftsfragen, 1980 Mitglied im obersten
Gremium im Politbüro (insg. 10-15 Männer)
Gorbačëv fällt durch unkonventionelle Methoden der Landwirtschaft auf, aber verhält
sich im Politbüro sonst linientreu
Linientreuer Marxist und Leninist, sehr geprägt durch mehrere Auslandsreisen, in den
60er Jahren im Ostblock, ab 1970 in den Westen, z.B. 1983 auf Besuch in Kanada,
1984 in GB

Frage wie Gorbačëv, der bisher sehr linientreu war, zu so einem Reformator
wurde? Beliebteste Antwort, ist eine Kognitive Dissonanz. Hat auf Auslandsreisen
Dinge erfahren die gegen die offizielle Parteipropaganda gestanden sind, z.B. war es
überraschend für ihn zu erfahren das Arbeiter im Westen wesentlich besser leben als
Arbeiter im Mutterland des Sozialismus – diese kognitive Dissonanz dürfte einen
Denkprozess ausgelöst haben

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Die Berater die ihm dabei zur Seite gestanden haben, waren bereits in der
Tauwetterphase der 60er unter Chruščëv sozialisiert worden, waren zum Teil in den
Reservaten für relativ Freies Denken tätig (Forschungsinstitute etc. Bereiche wo
Menschen mit relativ großen Möglichkeiten sich über den zustand der SU Gedanken
machen konnten), darunter u.a. Anatolie Černjaev, war bis zum Schluss der wichtigste
außenpolitische Berater
Wann Gorbačëvs Reformpläne tatsächlich formuliert wurden ist relativ schwer zu
rekonstruieren, er und seine Berater konnten die Reformen nur langsam und im Zick
Zack durchführen, Frage ob es ein Taktisches Hin und Her war um möglichst viele
Menschen mitzunehmen und nicht zu provozieren oder ob es eine gewisse
Inkonsequenz war, hatte versucht sich in der Partei möglichst in der Mitte zu
positionieren.
Die Tiefe der Reformen und ihre Weite wurden von Gorbačëv nicht realistisch
eingeschätzt, anfangs damit gerechnet dass beschränkte Reformen zum Erfolg führen
werden. Es hat sich dann aber gezeigt das es nicht reicht das System zu reformieren
um es zu retten, sondern das es notwendig werden würde das System zu ändern um
den Staat zu retten.

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. Eher beschränkte Maßnahmen, Uskorenie = Beschleunigung. Mehr Disziplin in der
Arbeiterschaft, eine Anti-Alkoholismuskampagne (hat nicht dazu beigetragen den weit
reichenden Alkoholismus zu beenden, hat aber die Weinproduktion in Georgien und
Moldau beschädigt, Spitzname „Mineralsekretär“)
. Mehr Eigenverantwortung für Arbeiter und Betriebe in der Uskorenie schon etwas
berücksichtigt, aber tiefergreifende Reformen waren nötig, um die Wirtschaftskrise zu
beenden. Das bedeutete v.a. im außenpolitischen Bereich die Beendigung des
Rüstungswettlaufs.
Jedoch waren nicht nur Wirtschaftsmaßnahmen waren nötig, sondern v.a.
gesellschaftspolitische Maßnahmen, um die Apathie der Bevölkerung zu überwinden.
Dazu wird die Perestroika (Umbau) vorgestellt, der Begriff nicht von Gorbačëv
erfunden, kam in der kommunistischen Terminologie immer wieder vor, das war die
am tiefsten greifenden Perestroika in der Geschichte der SU. Am Anfang ist der Begriff
noch vage, klar ist das das Arbeitsprogamm noch mehr Autonomie für die Betriebe
vorsieht, Dezentralisierung der Planung, Zentralplanung nur durch

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gesamtwirtschaftliche Stimuli. Wirtschaftliches Denken sollte auf der Betriebsebene
Platz greifen, keine Abkehr vom Kommunismus
. Betrieb müssen darüber Rechnung legen was sie einkaufen, ausgeben etc.
Rechnung ablegen wo sie einkaufen, Ressourcen wirtschaftlich haushalten.
Wirtschaftliche Rechnungsführung bereits bei NEP in den 1920er, wird 1987 zunächst
für die Hälfte aller Wirtschaftsbetriebe vorgeschrieben. Auch ein neues Gehaltsystem
beschlossen, Anreize für besonders fleißige Arbeiter und Betriebe. Staatsbetriebe
dürfen selbstständig Außenhandelsoperationen unternehmen. 1987 Lohnspirale in
Gang gesetzt, Betriebsleiter nehmen mehrere Gehalterhöhungen vor, um wieder
gewählt zu werden, Inflation wird angeheizt, steigende Geldmenge hat keine
entsprechende Güter auf der anderen Seite. Arbeiter verdienen mehr, aber die Regale
sind trotzdem leer.
Erfolge bleiben in den ersten Jahren aus, Kreislauf der schrittweisen Radikalisierung
der Wirtschaftsreformen beginnt, bis zum Übergang zu einem marktwirtschaftlichen
System 1991. Freigabe der Preise für Konsumgüter und Lebensmittel wurde von
Gorbačëv aus sozialen Gründen sehr zögerlich angegangen worden, die Stützung der
Preise für Grundnahrungsmittel war eine der wichtigsten Errungen der sowjetischen
Wirtschaft. Befürchtung das es wie in Polen zu Aufständen kommen würde
. . Anfangs Klein, später auch Mittelbetriebe. Ab 1989 auch Pacht von Staatsland
erlaubt, aber keine Privatisierung in der Landwirtschaft (aufgrund der drohenden
sozialen und politischen Konsequenzen)

Ausbleiben von Erfolgen


Arbeiter verdienen mehr, können aber davon nichts kaufen
Reformen der Wirtschaft verlagern sich in den gesellschaftlichen und politischen
Bereich. Gorbačëv dürfte sich spätestens 1986 des Zusammenhanges bewusst
gewesen sein, dass es nicht nur genügt Wirtschaftspolitik zu machen, um die Probleme
der SU zu lösen, sondern den Menschen auch mehr politischen Spielraum geben muss
etc.

Übergang zur Marktwirtschaft


Seit 1990 wird der Übergang zu einer (sozialistischer) Marktwirtschaft anvisiert, es
zeigt sich dass die sehr starke Unruhe der Bevölkerung dazu beiträgt, das Gorbačëv
den letzten Schritt, den Übergang zur Marktwirtschaft in seiner Amtszeit nicht mehr

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setzen wird, das erledigt sein Nachfolger Yeltsin, Übergang innerhalb von 1,5 Jahren
umzusetzen

.
. Testfall, Alarmübung explodiert, mehrere Menschen kommen ums Leben, 300.000
müssen evakuiert werden, 40% der Fläche in Europa werden radioaktiv kontaminiert.
tausende Menschen kommen bei der Bekämpfung und durch die Folgeschäden ums
Leben. Gorbačëv wird nicht voll informiert, die Bevölkerung am Anfang überhaupt
nicht, Tiefpunkt an mangelnder Verantwortung der Medienberichterstattung. Ausland
überhaupt nicht informiert, Warnungen durch anfangs schwedischer Stationen, erst
dadurch entsprechende Maßnahmen in andere Staaten eingeleitet und Warnungen an
die Bevölkerung
. Führt bei Gorbačëv zu einem Wandel in der Informationspolitik, beschließt die Zensur
zu lockern, damit 1) die Bevölkerung über den tatsächlichen Zustand der SU informiert
wird, damit der Widerstand gegen Reformen überwunden kann, damit sie den
Reformbedarf besser begreift und weil 2) Medien nicht nur in eine, sondern auch in die
andere Richtung wirken sollen, die politische Führung sollte über Probleme informiert
werden, die sie vielleicht nicht erfahren hätten
. 1986 wird Sacharow, einer der führenden Atomphysiker und
Menschenrechtsaktivisten der SU, wird zurückberufen (Installation Telefon, wird
darüber von Gorbačëv informiert dass er wieder nach Moskau zurück darf)

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Ab 1987 wird das Stören von Auslandssendern eingestellt
. Februar 1987. Glasnost (Transparenz) soll auch die Vergangenheit betreffen.
Enthüllung von Historikern in den Medien, Debatte über den Stalinismus (das es nicht
nur persönlich, sondern systemisch war), viele Verbrechen zum ersten Mal offen
angesprochen (Erster Weltkrieg, Stalinismus etc.) Auch Vorbereitungen für
zivilgesellschaftliche Initiativen wie Gesellschaft Memorial (bis in die Gegenwart
wichtig für die Aufarbeitung der Verbrechen des Sowjetregimes und die Einhaltung der
Menschenrechte)

ZK-Plenum
Darüber diskutiert, dass parteiintern mehr Kandidatenwahlen durchgeführt werden
wollen, auch eine neue Verfassung in Diskussion
1987 wird zum Wendepunkt, die Gesellschaft beginnt sich auszudifferenzieren

1989 erscheint vom Historiker Volkagonov, im offiziellen Auftrag, eine Stalin Biografie
die erstmals mit Stalin ins Gericht gehen sollen. Bevölkerung durch die Enthüllungen
zutiefst erschüttert, Führungsanspruch der kommunistischen Partei in Frage gestellt.
Differenzierung des politischen Spektrums beginnt und gewinnt ab 1987 an Dynamik
Radikalreformer fordern dass die Reformen beschleunigt werden
Bild = Ligacev

Gorbačëv versucht sich zwischen diesen zwei Lagern zu positionieren, versucht eine
Mittelposition einzunehmen. 1987 wird Yeltsin seiner Parteifunktion im Sekretariat des
ZK enthoben, wird sich mühsam in das Zentrum der Macht kämpfen und einem der
wesentlichsten Befürworter der radikalen Reformen werden

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Yeltsin war bereits in seiner Jugend ein Musterschüler aber auch sehr politisch, wurde
für eine Protest aus der Schule gewiesen, konnte dann aber weiter studieren. Wird von
Gorbačëv anfangs gefördert, wird dann 1987 fallen gelassen.
. . . . Gorbačëv beschließt 1988 mit den Reformen ernst zu machen, wird durch den
Vorstoß der Altkommunisten gezwungen eindeutig Stellung zu beziehen. Leserbrief
verteidigt Stalin, Propaganda die in einem zentralen Parteiblatt erscheinen konnte,
konnte nicht ohne Rückendeckung aus dem Parteiapparat passieren. Gorbačëv geht
in die Gegenoffensive, sein Beschluss für die Demokratiereform vom Mai 1988 wird
auf dem 19. Allunionsparteikonferenz im Juni 1988 noch genauer ausformuliert
. Die SU war eine Parteidiktatur, soll durch eine neue Versammlung geändert werden
. Werden einem Vorwahlprozedere unterzogen, dort findet ein starkes Stechen
zwischen Reformbefürwortern und -gegnern statt. Es gelingt sich Yeltsin sich als
Kandidat aufstellen zu lassen. Es werden überwiegend Parteimitglied vorgeschlagen,
wenige Parteilose
. Soll 2250 Delegierte umfassen, davon sollen 2/3 gewählt werden
Wahl findet im März statt, sehr starke Mobilisierung in der Bevölkerung, Unterschied
zu bisherigen Wahlen bemerkt. Reformer Yeltsin kann sich durchsetzen
. Reformer bilden eine interregionale Abgeordnetengruppe, verstehen sich als
Sprachrohr, sind kritisch loyal gegenüber Gorbačëv, treten für eine Abschaffung der

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Alleinherrschaft der kommunistischen Partei ein, eine Entstaatlichung der Wirtschaft
ein
Wer Parteimitglied war bleibt es auch, bis 1990
Ein großer Teil der Abgeordneten waren sehr konservativ, Debatten sind sehr
konfrontativ, werden im Fernsehen übertragen. Aus den Vereinen entstehen später
auch Parteien
. Reformern gelingt der Beschluss dass das Monopol der kommunistischen Partei aus
der Verfassung gestrichen wird. Gorbačëv ohne einen Gegenkandidaten wird trotzdem
mit 60% Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt, Verfassung wird für ein
Präsidialsystem umgebaut. Gorbačëv behält das Amt des Generalsekretärs der komm.
Partei noch bei.
. Innere Spaltung zwischen Reformer und Altkommunisten enthüllt. Gorbačëv möchte
möglichst viele auf eine breite Reformplattform kooptieren, scheitert aber damit.
Großteil der Partei sind Altkommunisten, Massive Attacken gegen die Mannschaft
Gorbačëv geführt, er wird trotzdem wieder als Parteiführender gewählt.
Radikalreformer wie Yeltsin treten aus der Partei aus
. Noch 1990 wird Yeltsin zum Vorsitzenden des Republiksparlaments der
Russländischen Föderation gewählt, ändert dort die Verfassung, Volkswahl des
Präsidenten. Yeltsin wird vom Volk zu deren Präsidenten gewählt (Gorbačëv wurde
nie von der Bevölkerung in einer demokratischen Wahl gewählt, einmal vom ZK 1985
und im März 1990 von den Volksdeputierten zum sowjetischen Staatspräsidenten)

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Eines der historischen Verdienste von Gorbačëv, neben den innenpolitischen
Reformen und der Abkehr von der Ein-Parteien-Diktatur, war der Beitrag den KK zu
beenden und das Verhältnis der SU zum Westen und anderen Staaten grundlegend
zu verändern
. Neuer Geist in Außenpolitik. Folgt anfangs einem finanziellen Imperativ
(Rüstungsausgaben senken)
. Abbau des überdehnten Rüstungsbudgets, der vielfältigen Militärinterventionen
. Intellektuelle Einflüsse auf Gorbačëvs grundlegendes außenpolitisches Weltbild.
Eurokommunismus war ein Strömung in Westeuropa, war entstanden in Folge der
sowjetischen Militärintervention in der Tschechoslowakei 1968. Damals beschlossen
v.a. italienische Kommunisten der Gewalt als politisches Mittel abzuschwören (war
Lehre des marxistischen Kommunismus), auf parlamentarische-demokratischen
Wege an die Macht kommen. Gorbačëvs Bild vom Westen über Berlinguer stark
beeinfluss worden (war bei seinem Begräbnis in Italien anwesend), war beeindruckt
das ein Kommunist im Westen ein akzeptierter Teil des politischen Lebens gewesen
ist. Vorstellung weg vom Klassenkampf hin zu einer Kooperation über Parteigrenzen
hinweg, kam wahrscheinlich vom Eurokommunismus
. Von Gorbačëv mit seinen Beratern formuliert. Menschliche Werte höher angesiedelt
als der Klassenkampf, Sieg des Kommunismus nicht mehr das primäre Ziel der
sowjetischen Außenpolitik, sondern das Finden von Gemeinsamen Lösungen,

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Entideologisierung von Außenbeziehungen. Ausformulierung der Außenpolitik davon
geprägt. Abkehr von Gewalt und der Brežnev Doktrin, Bevölkerung von
kommunistischen Staaten sollen mitentscheiden welches politisches System bei ihnen
existiert. Gemeinsames Haus in Hinblick auf Europa, wurde von Gorbačëv früh
formuliert, war von Brežnev formuliert worden, um zu suggerieren das die
Beziehungen zu Westeuropa zu verbessern, um sie von den USA zu distanzieren (war
auch Gorbačëv angedacht, hatte aber akzeptiert das die USA Teil Europas sind)
. Der Krieg war eine eitrige Wunde innerhalb der SU, 1986 Abzug beschlossen, 1988
Abkommen unterzeichnet, für Afghanistan kein Übergang zum Frieden sondern ein
Bürgerkrieg etc.

Ziel war es die Beziehung zum Westen zu entspannen. 1985 ist Gorbačëv ist mit
Reagan zusammengetroffen, intensive Phase des Austausches (In Gorbačëvs
Regierungsphase 5 Gipfeltreffen mit Reagan, 4 mit George Bush Senior)
Es dauert 2 Jahre bis sich Reagan und Gorbačëv sich zu ersten Erfolgen durchringen
konnten. Die SU ist auf Reagans Vorschlag einer doppelten Nulllösung, Beseitigung
aller sowjetischen und amerikanischen Mittelstreckenraketen in Europa (war eine
langjährige Forderung Reagans) – Intermediate Nuclear Forces Agreement (INF-
Abkommen)
Reagan hatte es sich in seiner zweiten Amtszeit zum Ziel gesetzt eine enorme
Reduktion der Atomwaffen durchzuführen, stand Atomwaffen immer kritisch
gegenüber
Stand Gorbačëv anfangs skeptisch gegenüber, hatte ihn immer wieder gefordert
(Beispiel Berlin Rede „Tear down this wall“ Link zur Rede:
https://youtube.com/watch?v=GCO9BYCGNeY – Das Öffnen der Berliner Mauer als
ultimatives Zeichen von Gorbačëv – Bei Reagans Ankunft in Berlin enorme
Demonstrationen gegen ihn)
Abrüstungsabkommen auf dem 3 Gipfeltreffen 1987 unterzeichnet worden
Im Bereich der strategischen Waffen über 5000 km Reichweite wurde von Bush ein
Abrüstungsvertrag in Moskau unterzeichnet bei dem die Anzahl reduziert wurde
Reagan war auf dem Gipfel 1988 in Moskau
1990 werden zwei Dokumente verabschiedet: 1) Der Vertrag über die konventionelle
Streifkräfte in Europa (Panzer der SU in Europa stationiert) 1990 verabschiedet

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2) 1990 findet ein neues Gipfeltreffen der Konferenz für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa im November in Paris statt, dort wird die KSZE-Charta
verabschiedet. Beide großen Militärblöcke erklären, dass sie sich nicht als Feinde
betrachten, damit ist der Kalte Krieg beendet

Bild: Gorbačëv mit Präsident Reagan und Vizepräsident Bush Senior bei der
Generalversammlung der Vereinigten Nationen 1988 in New York

War die Bevölkerung eigentlich politisch Interessiert (aktiv mitgestalten konnten sie ja
nicht)? Oder standen sie der Politik eher passiv gegenüber, weil sie eh nichts machen
konnten? Bzw. wie gingen sie mit den neuen Freiheiten und Ideen um?
Aktivität hatte enorm zugenommen in den Gorbačëv Jahren

Gab es in der SU eine friedensbewegung, die von der führung auch zur kenntnis wurde
bzw das öffentliche bewusstsein beeinflusst hat?
Es gab zwei Arten der Friedensbewegung: 1) von der Führung gesteuerte,
insbesondere im Stalinismus. Das war mit der Sammlung einer astornomischn Anzahl
an Unterschriften verbunden z.B. Aufrufe an die USA den KK zu beenden. Auch
außerhalb der SU gesammelt, um zu zeigen wie friedlich sie war etc.
2) tatsächliche zivilgesellschaftilche Friedensbewegung wurde von der SU unterdrückt

Wäre eine Alternative zur Politik Gorbis vorstellbar möglich gewesen


Eine alktommunistisch Führung hätte die SU noch weiter verwalten können, die SU
hätte das aber noch ein paar Jahre/Jahrzehnte aushalten können
Einen noch radikaleren Reformer hätte es geben können, aber die Frage ist wie lange
sich derjenige hätte halten können

Kann man sagen inwieweit Gorbačev Schuld an dem Schweigen über Chernobyl trägt
bzw. wenn nicht er, wer dann? Wurde später jemand für das Informationsembargo
verurteilt?
Trug eine Mitverwantwortung für die sehr schlecht behandelte Information, hätte die
Bevölkerung und Weltöffentlichkeit selber informieren können
Verurteilt wurde niemand

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Sie haben einmal gemeint das Chruscev der letzte wahre Kommunist war. Waren
Breschnev, Andropov und Gorbacev keine echten Kommunisten mehr?
In Bezug auf die außenpolitische Dynamik gemeint, Chruščëv als letzter Parteichef
wirklich überzeugt das der Kommunismus sich auf der ganzen Welt durchsetzen wird,
wurde von den anderen nicht mehr wirklich geglaubt

Das friedliche Ende des Kalten Krieges wird oft als Glücksfall der Geschichte gesehen.
Wie groß war die Wahrscheinlichkeit dass das auch anders hätte ausgehen können.
Insofern ein Glücksfall das es zigtausende Entscheidungen einer ganzen Reihe von
Menschen bedurfte, um das zu erreichen, in erster Linie Gorbačëv und die sowjetische
und die amerikanische Führung
Verbündete kamen den beiden Großmächten im Laufe des KK ab, Trend dazu das
immer weniger einen KK führten wollten, es bedurfte aber den Willensentscheidungen
der USA und v.a. der SU um den KK zu beenden
Hätte bei einem Fehler ganz anders ausgehen können

Gorbatschow ist in der Sowjetunion eher unbeliebt im Vergleich zum Westen , ist
dieser Trend erst in den letzten Jahren entstanden oder gab es ihn schon 1990
1990 bereits abgezeichnet, Zustimmungsraten waren bereits zurückgegangen, durch
die Wirtschaftskrise, Liberalisierung hat zunächst zu einer Verschlechterung der Lage
geführt. Angriffe der Altkommunisten auf Gorbačëv haben ihre Spuren hinterlassen.
Heute sehr unbeliebt in Russland, die Mehrheit assoziiert ihn mit dem Zerfall der SU
und der nachfolgenden Wirtschaftskrise in den 90ern

Ronald Reagan wurde anfangs ja noch als "wilder Cowboy" und Hardliner gesehen.
Interessant dass gerade er gegen Atomraketen und für das Ende des Kalten Krieges
gearbeitet hat.
In den westeuropäischen Medien miss-charakterisiert worden, aufgrund seiner
Herkunft als Hollywood Schauspieler, dem in Westeuropa verbreitenden Anti-
amerikanismus
Bereits in der ersten Amtszeit bemüht eine Arbeitsbasis mit dem Gegenüber im Kreml
herzustellen
Sowjetische Propaganda teilweise unkritisch von westlichen Medien übernommen

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14 VO 21.01.2020 – DIE OSTEUROPÄISCHEN REVOLUTIONEN UND ZERFALL
DER SU 1989-1991

In der SU und im Ostblock gab es in den 1970er und 1980ern einen Reformstau,
wirtschaftliche Erwartungen wurden enttäuscht, Auslandsverschuldung hat
zugenommen – politischer Reformbedarf entstanden – ab Ende der 1980er Unruhen
in Osteuropa – Gorbatschow hat entschieden keine sowjetischen Militärinterventionen
in Osteuropa stattfinden zu lassen (nicht nachgewiesen ab wann er das entschieden
hatte) = Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg für die Revolutionen in
Osteuropa (anders als 1968)
Gorbačëv hatte sich spätestens 1988, vor den Vereinten Nationen sich zum dem
Prinzip der Wahlfreiheit bekannt (in der Charta der Vereinten Nationen, in den Helsinki
Schlussakten bestätigt – hatte Gorbačëvs Vorgänger nie von Militärinterventionen
abgehalten)
Hat dazu beigetragen dass die Revolutionen friedlich verlaufen sind
Einige Historiker meinten dass der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa
keine Erklärung braucht, ging von der SU aus, konnte sich nur durch die SU halten, ob
durch Subventionen, Militäraktionen, Reformen etc.
Die Kontakte zwischen den osteuropäischen Staaten und der SU unter Gorbačëv
lockerer geworden

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-→ Paradox dass einige osteuropäische Staaten nicht begeistert sind von Gorbačëvs
Entscheidung nicht einzugreifen, einige osteuropäische kommunistische Regime auch
nicht begeistert von der Perestroika, als eine überflüssige destabilisierende
Entwicklung betrachtet, v.a. in konservativen komm. Regimen wie der DDR
Vorrausetzungen für die Revolution in den osteuropäischen Staaten sehr
unterschiedlich, einige Regime lehnen die Perestroika ab (die DDR,
Tschechoslowakei, Bulgarien), andere sind sehr perestroikafreundlich, darunter Polen,
Ungarn – Rumänien nimmt eine Sonderfunktion ein, schon innerhalb des Ostblocks
von der SU distanziert, das rumänische Regime war deswegen aber nicht liberaler
gegenüber der Opposition im eigenen Lande (wird dort sehr hart unterdrückt)

Andere Divergierende Vorrausetzungen sind die Größe und die Zusammensetzung


des Widerstandes gegen den Kommunismus

Polen
Polen hat hier eine Sonderposition, der Widerstand und die Opposition, am
mächtigsten und zahlenmäßig am größten, Bündnis zwischen intellektuellen Arbeitern
und der katholischen Kirche eine sehr mächtige Koalition, sehr starke Organisation die
im Illegalen operiert, Widerstand im Stalinismus und gegen den Nationalsozialismus
Anders in der Tschechoslowakei und Bulgarien wo weite Oppositionsbewegungen
nicht vorhanden sind
Polen wird zu einem Vorreiter, von dort aus wird auch Unterstützung geleistet für die
Oppositionsbewegung in anderen Staaten, sind Untergrundaktivitäten, tragen dazu bei
dass die Revolution transnational werden
Nicht eine große Revolution, dafür sind die Unterschiede zu stark, die nationalen
Voraussetzungen zu unterschiedlich, aber eine transnationale Revolution, inspirieren
sich gegenseitig, führt insgesamt zum Sturz der komm. Diktaturen in Osteuropa
Aus heutiger Geschwindigkeit mit der die komm. Regime zusammengebrochen sind
überraschend, ging deswegen aber nicht einfach von statten – Opfer, Fülle von
Entscheidungen, politische Entscheidungen gewaltfrei zu agieren etc.
Vorgeschichte der Ereignisse in Polen: immer wieder Unruhen und Streiks (Ab den
1950er bis in die 1980er), 1981-1983 Kriegsrecht ausgerufen, ab 1985 polnischer
Staats- und Parteichef steht Gorbačëv relativ nahe, unterstütz Perestroika, ist aber
nicht bereit die Macht mit der Solidarität (Solidarność) zu teilen

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Im August 1988 eine neue Streikwelle in Polen gegen das komm. Regime, Regime
geht einen Schritt auf die Solidarität zu – wird legalisiert, runder Tisch an dem die
wichtigsten politischen Kräfte teilnehmen, inklusive die Solidarität und die katholische
Krise
Im Jänner 1989 wird die Solidarität befristet zugelassen, teilwiese freie Wahlen
ausgeschrieben = für das polnische Parlament, die oberste Kammer, dem Senat
werden die Sitze frei vergeben (demokratischer Wettbewerb), für die entscheidende
Kammer den Sejm wird nur 1/3 der Mandate frei vergeben – Bei den Wahlen im Juni
1989 zeigt sich dass die oppositionellen Bürgerkomitees angeführt von der Solidarität
über 90% der Sitze im Senat gewinnen, 160 von 161 freien Sitzen in der Zweiten
Kammer den Sejm
Die Kommunisten hatten gehofft die Opposition zu überrumpeln mit den freien Wahlen,
hatten gehofft das sei an Organisationsschwächen scheitern würde – der Machtkampf
um die Bildung einer neuen Regierung geht los, die Kommunisten versuchen die frei
gewählten Abgeordneten einzubinden, zu kooptieren und zu kontrollieren – dieser
Versuch scheitert, der Solidarität gelingt es sich im Kampf um die Regierung
durchzusetzen, ihr gelingt es die erste nicht-kommunistische Koalitionsregierung seit
über 40 Jahren in Polen zu gründen
Tadeusz Mazowiecki wird im August 1989 der erste nicht-komm. Regierungschef in
Polen seit über 40 Jahren
Gorbačëv lässt es als innere Angelegenheit Polens erklären und lädt Mazowiecki nach
Moskau zu Verhandlungen ein, eine der wichtigsten Wünsche der SU ist das Polen
sich dazu bekennt Teil des Warschauer Pakte zu bleiben, die polnische Regierung hat
sich damit einverstanden erklärt – so ist im August 1989 das Ende der komm.
Herrschaft im Ostblock eingeleitet worden

Ungarn
Andere Situation als in Polen, hier sind es Reformkommunisten die aus der Partei
heraus 1989 bereits den Übergang zu einem Mehrparteiensystem beschließen
Die Opposition gewinnt auch hier die freien Wahlen 1989
Insbesondere durch Polen hat der osteuropäische Umbruch eine enorme
Dynamisierung erfahren

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Historiker Timothy Ash: Die Revolution hat in Polen 10 Jahre gedauert, in Ungarn 10
Monate, in der DDR 10 Wochen und in der Tschechoslowakei 10 Tage =
Dynamisierung der Ereignisse

DDR
Die Ereignisse in der zweiten Jahreshälfte 1989 sind geprägt vom Umsturz der DDR
Sie war in einer Sondersituation, da sie neben denselben Problemen wie die anderen
komm. Regierungen in Osteuropa (mangelnde Legitimität, nicht-demokratische
Regierung, Bevormundung durch die SU, Menschenrechtsverletzungen,
Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, Wirtschaftsproblemen) noch das
spezielle Problem hatte dass sie nur die Hälfte Deutschlands war – DDR war der Grund
für die Teilung, war auch bekannt das die SU auf die Existenz der DDR bestanden
hatte
Das Regime der DDR war dadurch ganz besonders labil, hatte darauf mit starker
Unterdrückung der Bevölkerung reagiert, Bespitzelungen
Frage der deutschen Teilung musste neu verhandelt werden, passierte 1989 und 1990
Vor dem Hintergrund massiver Wahlfälschungen beginnen Massendemonstrationen in
der DDR, Freie Wahlen, Beachtung der Menschen- und Bürgerrechte (Slogan: Wir
sind das Volk)
Ab Sommer 1989 Demonstrationen mit neuer Ausreisewelle in den Westen begleitet,
funktioniert über die Ausreise von Urlaubern in Ungarn die ab August 1989 durch die
Grenzöffnungen zwischen Ungarn und Österreich (aufgrund Reformen in Ungarn)
ausreisen können
Im Hintergrund hektische Spitzendiplomatie die Erlaubnisse auf westlicher Seite mit
der östlichen Seite in Ungarn und der SU entsprechend zu koordinieren
Gorbačëv verhindert Grenzöffnung Ungarn-Österreich nicht (erklärt es für eine
bilaterale Angelegenheit)
Die DDR ist dadurch 1989 erschüttert, es zeigt sich das die SU immer weniger bereit
ist die DDR zu stützen
1989 feiert die DDR den 40tigten Jahrestag, Gorbačëv ist eingeladen, versucht die
Staatsführung zu Reformen zu überreden, zeigen sich aber nicht bereit. Partieintern
Vorbereitungen getroffen die Demonstrationen blutig niederzuschlagen

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Es finden in Ostdeutschland immer am Montag Demonstrationen gegen das Regime
statt, sehr breites Spektrum, die evangelische Kirche spielt eine große Rolle,
Demokraten, Sozialdemokraten die ein Ende der Diktatur fordern
Die Zahl der Demonstranten nimmt stark zu, später Ende Oktober sind es über 1 Mio.
Menschen
Erich Honecker versucht eine blutige Niederschlagung einzuleiten, wird innerhalb der
Partei zum Rücktritt bewegt, die neue Parteiführung der Regierungspartei beschließt
auf die Führungsrolle der Partei zu verzichten (die SU folgt bald nach) und freie Wahlen
vorzubereiten und eine Liberalisierung des Personenverkehrs (ist signifikant, da
daraus am 9. November 1989 die Öffnung der Berliner Mauer resultiert, war von der
Regierung nicht beabsichtigt, war ein Missverständnis, hat dazu beigetragen die
Ereignisse in der DDR noch weiter zu dynamisieren)
Ab dem 9 Nov. können Menschen zwischen Ost und West Berlin den Grenzübertritt
ohne große Vorbereitung machen,
Am 9 Nov kommen große Menschenmassen auf der Seite der DDR und fordern den
freien Übertritt nach Westberlin, einige Grenzbeamte geben diesen Forderungen statt
Bild unten: Fall der Berliner Mauer
Bedeutete nicht das Ende der DDR, das Ende der DDR hat vor allem mit zwei
Ereignisse zu tun:
1) die Wirtschaft der DDR liegt am Boden, kann von der SU keine weitere
Unterstützung bekommen, nur Hilfe von Westdeutschland zu erwarten, nur unter der
Bedingung von Freien Wahlen und Beteiligung der Opposition – ein runder Tisch findet
statt und freie Wahlen werden durchgeführt, neu gegründete CDU gewinnt die Wahlen
2) die Bevölkerung ab November 1989 erhebt die Forderung nach dem Ende der DDR,
neuer Slogan „Wir sind ein Volk“ – Signal für die BRD und Helmut Kohl mit einer
entsprechenden Forderung hervorzutreten (10 Punkte Plan vom 28 November 1989 –
dort mögliche friedliche Wiedervereinigung für 10 Jahre später angesetzt)
Dieser 10-Punkte Plan wird von der SU stark verurteilt, diese Ereignisse gehen dann
wesentlich schneller vonstatten, es dauert nur 10 Monate eine deutsche
Wiedervereinigung herzustellen (wirtschaftliche Schwäche der DDR, Wille der
Bevölkerung)
März 1990 Wahlen in der DDR über die Frage der Wiedervereinigung entschieden, die
CDU war mit der Unterstützung für eine schnelle Wiedervereinigung eingestiegen

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Die DDR war für die SU unkontrollierbar geworden – Gorbačëv stimmt im Jänner 1990
dem Prinzip zu dass die Deutschen selbst über die Wiedervereinigung entscheiden
sollen
Es dauert länger Sicherheitsfragen zu klären – Forderung der USA (?) dass
Deutschland Mitglied in der NATO blieben soll – Gorbačëv braucht länger, um
zuzustimmen dass Deutschland selbst über seine Militärbündnisse entscheiden darf
3 Oktober 1990 wird die deutsche Einheit vollzogen, die 4 Mächte (inklusive die SU)
haben auf ihre Rechte der Lenkung der Deutschland Fragen verzichtet (2 plus 4
Vertrag – 2 deutsche Staaten plus die 4 Siegermächte), Deutschland besitzt von
diesem Zeitpunkt an die volle Souveränität

Tschechoslowakei
Haben Ereignisse in den anderen Ländern mitbeobachtet
Insbesondere Studierende die im Herbst auf die Straße gehen und Freie Wahlen
fordern, davor Demonstrationen in Prag (Anlass war der Jahrestag der
Selbstverbrennung von Jan Palach im Jänner 1969 durch den sowjetischen
Einmarsch)
Die Regierung erkennt die Tendenzen, kann sich aber nicht dazu durchringen die
Macht abzugeben, passiert im Dezember 1989, November werden die
Demonstrationen noch brutal niedergeprügelt, Solidarisierung der Arbeiter – treten in
Generalstreik, Bürgerforum, Opposition schließt sich zusammen
24. Nov. 1989 tritt das tschechoslowakische Politbüro zurück, Regierung wird dann
mehrfach umgebildet, unter Beteiligung von Nicht-Kommunisten
Juni 1990 Freie Wahlen durchgeführt, im tschechischen Landesteil vom Bürgerforum,
im slowakischen Landesteil von der Oppositionsbewegung Öffentlichkeit gegen
Gewalt gewonnen, bilden die Regierungen

Bulgarien (und Rumänien)


Abweichend von den osteuropäischen Bewegungen (Polen, Ungarn, Tschechien,
DDR) gestaltet sich die Bewegungen in den Balkan Halbinseln (Bulgarien und
Rumänien). Das kommunistische Regime ist hier immer sehr stark und rigide gegen
Oppositionen vorgegangen unabhängig davon ob der Staat gegenüber der SU stark
loyal war (Bulgarien) oder versucht hat eine unabhängige Position einzunehmen
(Rumänien ab den 1960ern). In beiden Staaten übernehmen die Reformkommunisten

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innerhalb der komm. Partei die Macht, es kommt zu einem Putsch. Es gab auch
Demonstrationen, in Bulgarien zum teil ökologisch ausgerichtet
Oppositionsbewegung. In Rumänien ist es insbesondere die ungarische Minderheit die
Widerstand geleistet hat, Auch die protestantische Kirche hat eine wichtige Rolle
gespielt. Die Entwicklungen innerhalb der komm Partei haben dazu beigetragen das
1990 Wahlen durchgeführt wurden, Reformkommunisten haben die alten
kommunistische Führung von der Macht verdrängt haben. In Rumänien gab es dabei
einen kurzen blutigen Bürgerkrieg, die Geheimpolizei solidarisiert sich mit dem
bisherigen Staats- und Partei Chef Nicolai Ceausescu. Dagegen tritt die Armee auf,
die sich mit dem Reformkommunisten solidarisiert – mehrtägiger Bürgerkrieg mit
tausenden Toten, Ceausescu wird standrechtlich abgeurteilt und am Weihnachtstag
1989 erschossen → blutigstes Ereignis in den osteuropäischen Revolutionen (andere
Revolutionen hätten ähnlich verlaufen können wenn jemand anderes als Gorbačëv an
der Macht gewesen wäre)

Abschluss
1991 waren die osteuropäischen Staaten im Warschauer Pakt nicht-kommunistische
Staaten, Reformkommunistische oder sozialistische Staaten – Forderungen den Rat
für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und den Warschauer Pakt entweder zu
grundlegend zu reformieren oder aufzulösen. Die Auflösung wird schließlich von der
SU selbst vorangetrieben als sie im Jänner 1991 eine blutige Militärintervention in
Litauen und Lettland (zwei Dutzende Zivilisten kommen ums Leben). Diese
Militärintervention trägt dazu bei die Dynamik innerhalb des Warschauer Paktes zu
beschleunigen, Forderungen der nicht-kommunistischen Regierungen Osteuropas an
die SU ihre Truppen abzuziehen und den Warschauer Pakt aufzulösen.

Papst Johannes Paul II. wird oft als ein Bestatter des Kommunistischen Systems in
Osteuropa gefeiert. Inwieweit war die Katholische Kirche tatsächlich für den
Zusammenbruch des Kommunismus verantwortlich?
Sie war insbesondere in Polen, aber auch in Ungarn und der Tschechoslowakei wichtig
in der Unterstützung der Opposition, moralisch (Pastoralreisen nach Polen durch
Johannes Paul II, er durfte dabei keine politischen Aussagen machen – konnte aber
über Menschenrechte sprechen = war genug um moralisch unterstützend zu sein, der
Papst war gebürtiger Pole, erster Nicht-italienischer Papst seit Jahrhunderten).

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Die größte Versammlung die in der kommunistischen Zeit in Polen stattgefunden hat,
war keine der vom komm. Regime organisierten Veranstaltungen, sondern die
Papstmesse, zeigt die Bedeutung der katholischen Kirche in Polen.
Die Rolle des niederen Klerus haben weniger Distanz zu politischen Fragen
eingehalten, einige mussten das mit ihrem Leben bezahlen

ist dieser blutige niederschlag der bekannt gewordene bloody sunday?


Der englische Begriff Bloody Sunday bezieht sich soweit ich weiß eigentlich auf
die Demo in Derry (Nordirland) bei der die Engländer auf Demonstranten
geschossen wurde.
Mehrere blutige Sonntage in der Geschichtsschreibung, Ereignisse im Baltikum 1991,
Ereignis anlässlich der Gründungsfeierlichkeiten für Zar Nikolaus II, die Revolution
1905 und bei den Kämpfen in Nordirland

Die ersten zur Gänze freien demokratischen Wahlen


1989 in Polen nur teilweise freie Wahlen

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Rotes Symbol = Datum des Abzuges der sowjetischen Truppen, teilweise vor
Auflösung des Warschauer Paktes passiert
Gorbačëv hatte gehofft das bei Wahlen eher Reformkommunisten gewinnen würden,
dass die Staaten freiwillig im Warschauer Pakt bleiben würden
25. Februar 1991: Auflösung der Militärstruktur des Warschauer Paktes, per 31.3
beschlossen
Die politische Struktur wurde am 1.7.1991 aufgelöst = Warschauer Pakt aufgelöst
Am 28.6.1991 der RGW aufgelöst

Warum sind die sowjetischen Truppen erst 1993 in Polen abgezogen worden, in den
meisten Ostblockstaaten ist es früher passiert.
Weil hier die Frage der sowjetischen Truppen aus der DDR (auf der Karte nicht
eingezeichnet) mit hineingespielt hat. War nicht nur eine enorme logistische
Herausforderung die Truppen zu verlagern, es war auch die Frage was man mit über
0,5 Mio Mann und Familien macht, es mussten für sie Häuser gebaut werden, Arbeit
für sie gesucht werden etc. – war enorm komplex und teuer, die Errichtung für
Wohnanlagen für Sowjetsoldaten aus der DDR wurde vom vereinten Deutschland
mitfinanziert. Neben logistischen Fragen, auch Frage des politischen Willens, die
Kommunisten und Nationalisten innerhalb Russlands haben diese Abzüge massiv
kritisiert und haben versucht im Parlament dagegen Widerstand zu leisten, ohne Erfolg

Albanien war unter der Kontrolle Jugoslawiens, oder?


Albanien war ein Wesen sui generis Im Warschauer Pakt, 1968 aus dem Warschauer
Pakt ausgetreten, war stark an die Volksrepublik China orientiert und relativ isoliert
innerhalb Europas in den 80er Jahren. Ein Regime das sich allen gegenüber bedroht
gefühlt hat (hunderte Bunker errichtet etc.)

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. UdSSR formal ein föderales Staatswesen gewesen, ein Konglomerat aus 15
Republiken die national definiert waren, Kultur Sprache und Beteiligung der nationalen
Eliten in der Korenizacjia (Sowjetpatriotismus, siehe S. 68) gefördert worden (unter
Stalin wieder unterdrückt)
. in den 80er/90er relativ ruhiger Status Quo herauskristallisiert, führende
Kommunisten aus den Teilrepubliken an Unionsgremien und teilweise am Politbüro
beteiligt, um den Zusammenhalt der Union zu bewerkstelligen
Die russische Bevölkerung ist in der UdSSR nicht die absolute Mehrheit, zahlenmäßig
größte Volksgruppe. Anteil der Russen an der Gesamtbevölkerung im 2 WK merkbar
zurückgegangen – Dennoch Dominanz der Russen an den zentralen Gremien, 70 %
der Mitglieder des Zentralkomitees
Keine signifikanten Kompetenzen die die Teilrepubliken ausüben konnten,
Föderalismus nicht sehr stark ausgeprägt, Rechte für Teilrepubliken de facto nur am
Papier
. . Zwar gewinnen Republiken und kommunistischen Eliten innerhalb der Republiken
in Estland, Lettland, Litauen, Ukraine, Georgien einen größeren Handlungsspielraum.
Sie werden in ihrer Legitimität jedoch stärker in Frage gestellt wie das kommunistische
Regime aufgrund des größeren Diskussionsspielraums generell werden. Aus diesen
zwei Entwicklungen resultiert das Reformkommunisten in nicht-russischen Republiken
den Nationalismus als neue Legitimationsstrategie entdecken = Nationalidee, komm

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Kräfte machen sich in der Perestroika zum Anwalt der nationalen Interessen ihrer
Teilrepubliken (auch andere Kräfte haben nationale Interessen vertreten), fordern
stärkere Nationalrechte, fordern Souveränität und schließlich die Unabhängigkeit von
der SU. Diese Entwicklungen sind nicht überall gleichzeitig abgelaufen, nehmen
Anfang in den baltischen Republiken (Estland, Lettland, Litauen), noch Erinnerung an
nationale Traditionen, Zeit vor der Eingliederung in die SU, Okkupation unter Stalin.

Die baltischen Staaten


Ab 1988 formieren sich zum Teil innerhalb der komm. Partei, zum Teil Parteilose
Unterstützung für die Perestroika, bedeutet neben mehr Transparenz auch mehr
Menschenrecht etc. – Streichung des kommunistischen Monopols und freie Wahlen
1989-1990 durchgesetzt. Geht nicht ohne Konflikte von statten. Nach dem Wahlsieg
für die Volksfronten im Februar bis Mai 1990 erklären die demokratisch gewählten
Regionalparlamente für Litauen, Lettland und Estland sich für unabhängig. Gorbačëv
reagiert zunächst mit einer Wirtschaftsblockade (siehe auch Gaskrieg gegen die
Ukraine vor ein paar Jahren), sowjetische Polizei entstand, eskaliert in zwei
Militärinterventionen. Unklar ob die Intervention von Gorbačëv angeordnet war, der
einzige der sich deutlich davon distanziert hat war der Parlamentspräsident Russlands
Yeltsin, ruft die Russen innerhalb der sowjetischen Armee dazu auf keine blutigen
Einsätze mehr durchzuführen, innerhalb Russlands Demonstrationen gegen die
Intervention zur Solidarisierung mit der baltischen Bevölkerung. Es finden
Unabhängigkeitsreferenden für die baltischen Staaten statt, gehen für die
Unabhängigkeit aus.
Die baltischen Staaten waren Vorkämpfer für die Desintegration der UdSSR, weniger
aus Absicht die SU zu zerstören, sondern aus dem Wunsch nach Freiheit

Georgien
Erinnerung an die eignen Unabhängigkeit besteht auch in Georgien, liegt hier bereits
200 Jahre zurück. Nach der Revolution von 1917 eine Phase der Unabhängigkeit der
kaukasischen Staaten, zwischen 1918-1921, Georgien wurde von der Roten Armee
erobert. Demonstrationen gegen den Anschluss an die SU, gegen die Aufteilung
Georgiens in versch. Autonomiegebiete etc.

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Bei einer Demonstrationen am 9 April 1989 kommt es zu einer Eskalation, die Kräfte
des sowjetischen Innenministeriums richten ein Massaker an friedlichen
Demonstranten an.

Ukraine
Ukraine hatte im Unterschied zu den anderen baltischen Staaten eine noch kürzere
Erinnerung an die Unabhängigkeit, hatte sich nach dem Bürgerkrieg 1917 für
unabhängig erklärt, wurde von der Roten Armee schließlich mehrmals erobert.
Autonomiebewegung in Westukraine stärker geprägt, hatten bis 1918 noch zur
Habsburgermonarchie gehört. Anfangs noch sehr mit Gewalt reagiert, 1991 wird die
Ukraine sich für souverän und unabhängig erklären

Russländische Föderation
Yeltsin hatte in Folge seines Machtkampfes mit Gorbačëv und der Tatsache dass er
die Perestroika für unzureichend hielt immer stärker die Autonomie für die
Russländische Föderation eingefordert. Yeltsin wird nach der Wahl des
Regionalparlaments der Russländischen Förderration zuerst Parlamentspräsident,
nach der Verfassungsänderung 1991 zum vom Volk gewählten Präsident der größten
und am wichtigsten Teilrepublik der SU
Er wird in weiterer Folge zu einem entscheidenden Akteur im Zusammenhang mit der
Desintegration der SU, Yeltsin wird andere Republiken in ihrem Wunsch nach
Unabhängigkeit unterstützen, ist bereit anderen Republiken Freiheit zuzugestehen
1990-1991 erklären sich alle Republiken für souverän, ziehen Kompetenzen der Union
an sich v.a. im finanziellen Bereich, können Druck auf die zentrale Regierung ausüben
indem Steuern nicht mehr weitergegeben werden

Referendum
Gorbačëv reagiert auf diese Autonomiewünsche mit einer Offensive im März 1991, mit
einer Reformierung der Verfassung der SU, es wird ein Referendum der Bevölkerung
vorgelegt, über eine erneute Föderation souveräner Staaten – die SU sollte
transformiert werden, Rechte an die Teilrepubliken sollte abgetreten werden, eine
neue Verfassung etc. – Von 75 % der Bevölkerung angenommen, das Referendum
wird in den baltischen Staaten, Armenien, Moldau und Georgien nicht durchgeführt,
dort finden stattdessen Unabhängigkeitsgremien statt. In Russland wird das

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Referendum mit dem Referendum für die Wahl des Volkspräsidenten kombiniert (von
Yeltsin mit großen Abstand gewonnen)

Zentralasiatische Teilrepubliken hinken etwas hinterher, in der zweiten Jahreshälfte


1991, der Unabhängigkeitswille in Staaten wie Kasachstan (50% Kasachen 50 %
Russen) eher unterentwickelt, es waren staatliche Gebilde die auf keine direkte
Traditionen als souveräne Staaten zurückblicken konnten (es gab schon Staaten
davor, aber sie hatten nicht eins-zu-eins mit den von der SU geschaffenen Staaten zu
tun)

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Entwicklungen zum endgültigen Zerfall erst 1991 durch den kommunistische
Putschversuch gegen die Verfassungsreform, Unionsreform und Gorbačëv
maßgeblich beschleunigt
. Ab April 1991, in Folge des Referendums, finden Verhandlungen zwischen der
Unionsregierung unter Gorbačëv und den Teilrepubliken die am Referendum
teilgenommen haben. Diese Verhandlungen finden in Novo-Ogarevo statt. Bis August
1991 verlaufen die Verhandlungen relativ konfliktgeladen, schließlich stimmen Yeltsin
und co zu den Unionsvertrag zu unterzeichnen wenn einige Altkommunisten aus der
Elite der Unionsregierung beseitigt werden.
. Vor dem Hintergrund dieser Ankündigung geht Gorbačëv am 4 August in Urlaub, zu
diesem Zeitpunkt beginnen einige Spitzen der komm Partei einen Putschplan
auszuarbeiten. Dieser Putsch wird in Gorbačëvs Abwesenheit am 18. August auch
durchgeführt, beteiligt sind u.a. Vizepräsidenten Janaev, Ministierpräsident Pavlov,
Verteidigungsminister Jazov und Innenminister Pugo. Sie erklären sich zu einem
Komitee für den staatlichen Notstand, übernehmen die Macht und setzen Gorbačëv
an seinem Urlaubsort unter Hausarrest (von der Außenwelt abgeschnitten,
Telefonleitungen abgetrennt, soll mit dem Komitee kooperieren oder zurückzutreten)
Janaev übernimmt in Moskau die Kompetenzen des Präsidenten, das Komitee
verkündet den Ausnahmezustand und das Kriegsrecht, Medien werden

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gleichgeschaltet oder abgeschaltet und die Botschafter informieren die ausländischen
Regierungen von dieser Machtübernahme. Innenstadt Moskaus wird militärisch
besetzt, einige Führer von denen Widerstand erwartet wird werden gefangen gesetzt
. . Es gelingt nicht Yeltsin gefangen zu setzen, war der stärkste Fehlschlag dieses
Putsches. Yeltsin organisiert Widerstand (Bild oben: Yeltsin im braunen Anzug auf
einem Panzer der von den Putschisten vor dem Regierungsgebäude der
russländischen Teilrepublik entstand worden war). Es war ihm gelungen die
Militärkräfte am Eingreifen zu hindern, zusammen mit einigen Zivilisten, Yeltsin ruft
zum Widerstand auf, der Putsch bricht innerhalb von 48 Stunden zusammen. Auch
Dissidenten nehmen an einer Menschenkette um das Parlament teil, auch Vertreter
der Perestroika. Die Putschisten geben Befehl die Regierungszentren militärisch zu
stürmen, der Befehl wird nicht befolgt, am 21 August geben die Putschisten auf
. Gorbačëv kommt wieder in Freiheit, ist aber politisch geschwächt
.
. Alle jene Teilrepubliken die ihre Unabhängigkeit noch nicht erklärt hatten, tun das nun
Jene Republiksführer die dem Kommunismus und der Diktatur ablehnend gegenüber
gestanden sind, sehen sich bestärkt auszutreten, da innerhalb der SU auch nach 6
Jahren Perestroika Putschversuche gibt. Alle jene die dem Putsch mit einer gewissen
Sympathie gegenüber gestanden sind, fürchten nach der Niederschlagung des
Putsches Nachteile und erklären den Austritt aus der SU
. Nationalpark in Belarus. Damit ist für die Union die Grundlage entzogen, die drei
großen konstituierenden Partner sagen das das Projekt SU nicht mehr machbar ist,
die SU ist damit faktisch zu Ende
. Stattdessen Gemeinschaft unabhängiger Staaten, soll anfangs eine gewisse
Nachfolgefunktion der UdSSR übernehmen (gemeinsamer Grenzschutz, Armee,
gemeinsames Kommando über Atomwaffen etc.), es zeigt sich das das in weitere
Folge so nicht durchsetzbar ist. Gemeinschaft unabhängiger Staaten ist noch eine
internationale Organisation, die aber bis heute wenig Vertiefung erfahren hat
. . Gorbačëv wurde zu diesen Treffen nicht mehr eingeladen, hatte seinen Rücktritt
erklärt. In einem Zusammentreffen kurz davor übergibt er die Amtsgeschäfte an
Yeltsin, insbesondere die nuklearen Codes etc., letzte Telefonate mit anderen
Staatschefs (u.a. Bush Senior, Helmut Kohl). Danach werden ohne große Zeremonien
die Flaggen der SU durch Flaggen der Russländischen Föderation ersetzt.

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Wie war eigentlich die Entwicklung in Weißrussland? Heute sagt man ja, dass
Lukaschenko der letzte Diktator Europas ist.
Weißrussland – nicht ganz korrekter Staatsname, wäre Belarus
Bereits 1992 Lukaschenko als Vertreter altkommunistischer Positionen durchgesetzt
in einer sehr fragwürdigen Wahl und hat es in weitere Folge verstanden die Opposition
sehr stark zu unterdrücken (Oppositionelle verschwunden, ermordet), seit dem keine
freien Wahlen in Belarus mehr

Welche Auswirkungen hatte der Fall der Sowjetunion auf den späteren Transnistrien
Konflikt?
Erbe der sowjetischen Siedlungspolitik, die SU hat die zum Teil traditionelle russische
Politik weiterverfolgt die nicht-russischen Volksgruppen die teilweise an der Peripherie
gelebt haben zwangsweise umzusiedeln, weil sie der zentralen Gruppen als nicht-
vertrauenswürdig erschienen und dort stattdessen ethnische Russen anzusiedeln.
Daraus resultieren die zum Teil beträchtlichen russischen Minderheiten in Estland und
Lettland, auch in der Moldau ähnlich gewesen. In Transistrien Russen angesiedelt,
durch den Unabhängigkeitsprozess Frage was mit den ethnischen Russen passieren
soll, sollen sie Teil Modaus werden. Konflikte entstanden, unter Beteiligung ehemals
sowjetischer Truppen eskaliert, 1992 der Konflikt eingefroren worden. Transnistrien
ein Fall von de facto Staatlichkeit, kein anerkannter Staat, keine tatsächlich
vollwertigen demokratischen Verhältnisse, ein Staat der durch das Einfrieren eines
Konfliktes entstanden ist.

Kam es bei diesem Putschversuch zu Toten?


Bei Demonstrationen, bei Aktivitäten Panzer am Eingreifen zu hindern ist es am 19
August zu 3 Todesfällen gekommen

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15 VO 28.01.2020 – BILANZ DER SOWJET UNION: GRUND FÜR DAS SCHEITERN,
BILD DER SU IN RUSSLAND HEUTE UND AUSBLICK

Die SU als Utopie und als Terror, beide Element haben die Geschichte der SU geprägt,
phasenweise unterschiedlich. Heilsversprechen eine gerechtere Gesellschaft
aufzubauen (Arbeiter einen Platz an der Gesellschaft zu schaffen, Alphabetisierung,
Gleichberechtigung der Frauen) – Teilweise gelungen, Alphabetisierung erfolgreich,
im Zuge des Sowietpatriotismus (Korenizacjia) Förderung der kulturellen Traditionen
und Sprachen der Völker der SU ein nationales Bewusstsein entwickelt (hat am Ende
dazu beigetragen das gegen Ende des 20 Jhr. die Zentrifugalkräfte innerhalb der SU
stark zugenommen hat).
Positive Errungen sind immer wieder unterdrückt und unterbrochen worden, im
sozialen Bereich durch die Ausbeutung der ArbeiterInnen, BäuerInnen etc., der
Holodomor etc. hat die positive Errungenschaften immer wieder zerstört
Frage der technischen Weiterentwicklung muss auch immer wieder kritisch beurteilt
werden, gigantische Utopien (Projekt eines überdimensionalen Sowjetpalastes) und
Realität (Geld für Sowjetpalast hat gefehlt, stattdessen Freibad errichtet das bis zum
Ende der SU gestanden hat).

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Viele Ambitionen im technischen und wirtschaftlichen Bereich Utopien geblieben.
Erfolge erreicht in der Medizin, Technik, Raumfahrt (Sputnik Satellit, der erste Mann
im Weltall). Auch im Rüstungsbereich enorme Leistungsfähigkeit erzielt, die die
wirtschaftlichen Grundlagen überfordert hat. Überforderung der wirtschaftlichen
Grundlagen, Nicht-erfüllen der Heilsversprechen und der Versprechen die Wirtschaft
der USA einzuholen. Die SU konnte sich auf bis 50 % des Bruttosozialprodukts der
USA annähern und ist dann wieder zurückgefallen. Außenpolitisch ist die Bilanz
gemischt, ein Versprechen für viele nicht selbständige Völker in der Zeit des
Kolonialismus sie in die Unabhängigkeit zu unterstützen, die Gründung eigener
Universitäten für die Völker des Osten waren positive Errungenschaften.
Das Thema des Friedens und der internationalen Verständigung von der SU immer
wieder angesprochen. Auch der Sieg gegen den Nationalsozialismus als positive
außenpolitische Errungenschaft.
Auf der negativen Seite der außenpolitischen Bilanz hat die SU im Zuge ihrer
Weltrevolution eher kleine radikale Gruppen darin bestärkt hat gewaltsame
Umsturzversuche zu planen. Die Weltrevolution ging Hand in Hand mit der Absage an
das westlich parlamentarisch liberalen Systems, indem Terroranschläge unterstützt
wurden, Staatsterrorismus, Attentate, geheimdienstliche Aktivitäten auf dem Boden
fremder Länder, Rüstungslieferungen für die Unterstützung von Aufständen und der
Kalte Krieg. Der KK hatte mit der Machtübernahme der Bolschewiken begonnen und
ihrer Implementierung von Gegensätzen. Auch die Unterstützung von
Aggressionskriegen, z.B. der Koreakrieg wurde von Stalin und Mao stark unterstützt.
Auch die Frage des Exports des Kommunismus, die Unterwerfung Osteuropas unter
kommunistischer Diktatur, Opfer die durch das Aufrechterhalten des Systems
gefordert wurden.
Auch gegenüber der eigenen Bevölkerung konnte das Trugbild das die sowjetische
Propaganda versucht hat zu schaffen, nicht aufrechterhalten werden. Stalinistischer
Terror versucht die Herrschaft durch Massenterror herzustellen, systematisches
Einschüchtern der gesamten Bevölkerung. 10-20 Mio Menschen innerhalb der SU dem
Stalinismus zum Opfer gefallen.
Auch nach dem Stalinismus weiterhin Trugbilder versucht aufrecht zu erhalten, hat
nicht funktioniert, dies zeigt sich v.a. im Zeitalter der Perestroika: Versuch die
Herrschaft der SU auf Legitimität aufzubauen, die Erfüllung von Versprechen,

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politischer Partizipation. Dies hat neben Reformkräften auch Zentrifugalkräfte
freigesetzt, Selbständigkeit eingefordert.
Desintegration der SU nicht durch westliche Kräfte, sondern durch innere Kräfte, die
große Diskrepanz zwischen Wirklichkeit und Anspruch und die mangelnde Akzeptanz
in der Bevölkerung. Auch die Aktivität der altkommunstischen Kada, der
Putschversuch 1991 hat der SU den Todesstoß versetzt.
Es hätte die Möglichkeit einer verkleinerten Sowjetunion gegeben, ohne
Machtmonopol der kommunistischen Partei, aber das war nach dem Putschversuch
der Kommunisten nicht möglich.

Schwächen des Sowjetkommunismus


Martin Malia hat geschrieben das bereits das Gleichheitsversprechen nicht umsetzbar
ist oder im Hinblick auf die wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Menschen negativ
auf ihre Motivation auswirken werde (Wenn man gleich bezahlt wird egal wie viel man
arbeitet wirkt das wenig motivierend). Das sowjetische System mangelt an Stimuli. Die
Planwirtschaft hat die Industrialisierung ermöglicht, hat die SU innerhalb kürzester Zeit
(innerhalb des ersten Fünf Jahres Planes) nach vorne katapultiert unter die führenden
Industrieproduzenten der Welt (war es nach dem 1 WK nicht mehr). Durch den 1. und
2. Fünf Jahr Plan, unter enormen wirtschaftlichen und humanitären Kosten; hat es die
SU geschafft sich zu einem führenden Industriestaat zu machen, v.a. zum Gewinn der
Rüstungsindustrie, hat es ermöglicht den 2 WK erfolgreich zu überstehen. Die
Planwirtschaft auch eine Hebung des Lebensstandards ermöglicht und eine
Verringerung an Rückständigkeit, Abstand gegenüber westlichen Wirtschaften nach
dem Bürgerkrieg verringert. Der Preis an Leben war enorm, in Hand gegangen mit
Liquidierung der Eigeninitiative. Vor allem in der Konsumgüterindustrie Produkte nicht
in ausreichender Quantität und Qualität vorhanden.

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Die SU hat durch den Mangel an Eigeninitiative in den 1970er die dritte
Technologische Revolution verschlafen, die Revolution im Bereich der
Informationstechnologie.
Ab den 1970er nur Bevölkerungswachstum als Wachstumsmöglichkeit für die
sowjetische Wirtschaft, Intensivierung der Wirtschaft durch Innovationen hat nicht
mehr funktioniert.
Auf politischer Ebene war das Einparteiensystem, das keine Selbstreinigungskräfte
entfaltet hat, pluralistische Demokratie auf Wettbewerb aufgebaut (aus dieser
Konkurrenzsituation soll theoretisch das Siegreichste hervorgehen, immer friedlicher
Machtwechsel). In einem Monokratische System wie die SU gibt es keine
Selbstkritikmechanismen, die Menschen müssen immer wieder dazu angehalten
werden, im Stalinismus das Prinzip der Ämterrotation (durch Ermordung), wenn das
nicht passiert droht das System zu stagnieren (ab Brežnev ist die politische Führung
gealtert), Reflexivität und Selbstreinigungsfähigkeit hat abgenommen

Russländische Traditionen
Entrechtung des Individuums, geringe Eigeninitiative etc. prägen diesen Raum länger
als die SU, sind Traditionen die sich im russländischen Imperium wiederzufinden z.B.
Bevormundung der Bevölkerung durch den Staat, Bevormundung der Peripherie durch
das Zentrum. Aufklärung fand von oben statt, Zarin hat versucht durch anonyme Artikel
versucht ihr Verständnis von Aufklärung weiterzugeben
Kontinuitäten zwischen Zarenreich und die SU stärker als Brüche. Was es an positiven
fortschrittlichen Ansätzen vor den Bolschewiken gab, wurde durch die
Machtübernahme zerstört. Staat und Gesellschaft bleiben getrennt voneinander,
Völker identifizieren sich nicht mit dem Staat, Staat oft als Feind betrachtet.
Misstrauische Haltung dem Staat gegenüber der Gesellschaft und umgekehrt ist eine
Kontinuität aus dem Zarismus in die SU
Auch die niedrige Produktivität in der Landwirtschaft, das Schwergewicht der Industrie
auf Großbetrieben und Rüstungsindustrie ist eine Kontinuität aus dem Zarenreich

Konnte so eine Überalterung der Politischen Eliten in einer Monarchie nicht auch
passieren?

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Ja, könnte auch in einer Demokratie passieren, Aber üblicherweise ist ein offenes
gesellschaftliches System am besten dazu geeignet das zu verhindern aufgrund des
Wettbewerbes, fehlt in Diktaturen und Monarchien

Wieso fand in Russland nach dem Fall der SU ein Bevölkerungs-Rückgang statt ? ich
glaube erst 2014 hatte Russland eine positive Bevölkerungsbilanz.
Postsowjetische Bevölkerungsentwicklung ist eine Weiterentwicklung die sich bereits
in der SU abgezeichnet haben. Die postindustrielle Gesellschaft in der Russländischen
Föderation geht in Richtung der Ein-Kind-Familie, wurde innerhalb der SU durch die
wesentlich stärkere Reproduktivität in den kaukasischen Teilrepubliken, Anteil der
ethnischen Russen in der SU hatte stetig abgenommen. Dieser Trend hat sich nach
dem Zerfall der SU fortgesetzt.
Die positive Bilanz 2014 hängt mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim
zusammen.

Konfrontative/isolationistische Außenpolitik
Die SU war nach dem Bürgerkrieg stark geschädigt, die Bevölkerung ist stark
traumatisiert, die Öffnung des Landes wäre eine sinnvolle Maßnahme gewesen, die
sowjetische Führung hat das in der Zeit der NEP behutsam durchgeführt, Import von
Knowhow in Form von Technologie, Spionage oder Arbeitskräften aus dem Westen
hat über die NEP hinaus angehalten. Die SU hat im KK eine sehr konfrontative
Außenpolitik geführt, hat bedingt das sie 20 % ihres Bruttosozialproduktes in Rüstung
investiert, die SU hat eine permanente Kriegswirtschaft besessen. Die Konfrontation
mit dem Westen war verherrend für die sowjetische Wirtschaft, Entscheidung zwischen
Rüstung und Konsumgütern, fiel oft für Rüstung aus, die sowjetische Bevölkerung ging
leer aus. Eine weitere Entwicklung war die Eindämmung der kommunikativen
Vernetzung, die Selbstisolation der SU, der Eiserne Vorhang – war eine ernsthafte
Unterdrückung von Ideentransfer der vom Staat nicht erwünscht war. Der Staat hat
versucht herauszufiltern welche Transfers zulässig waren z.B. Industriespionage,
gewisses Knowhow konnte transportiert werden aber nichts was mit Pluralismus zu tn
hatte. Auch Reiseverbote, Abschottungen, Störung von Auslandssender und
Desinformation der eigenen Bevölkerung – wurden in der Perestroika vermindert oder
beendet, kam aber zu spät.

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Internationale Konkurrenzfähigkeit einer Gesellschaft gekoppelt an
Kommunikationsfähigkeit dieser Gesellschaft, dürfte dann keine Einbahnstraße sein,
war mit der SU oft der Fall, Propaganda oft nach außen getragen, aber keine anderen
Ideen ins eigene Land gelassen.

Das Bild ist ein relativ ambivalentes. Seit der Perestroika hat sich das Bild stark
verschlechtert. Ende der SU war relativ friedlich, sie wurde aber in den 90ern in
Russland relativ kritisch beurteilt. Dies betrifft allerdings nicht die gesamte
Bevölkerung, in den Wahlergebnissen bei den Parlamentswahlen in Russland in den
90er Jahren sieht man einen starken Zulauf zu radikalen Partien, der kommunistischen
Partei Russlands, der liberal-demokratischen Partei (stark imperialistische,
faschistoidische Diskurse benützt). Dort war die Distanzierung vom Stalinismus, aber
nicht von Stalin, hat dazu beigetragen das eine nostalgische Verklärung der
Vergangenheit stattgefunden hat. Eine rechtliche Aufarbeitung wie nach dem
Nationalsozialismus hat nie stattgefunden.
Die Einschätzung der Perestroika in Russland ist eine relativ volatile, in den späten
90ern/2000ern war das Bild sehr negativ, eine Folge der problematischen
wirtschaftlichen Entwicklung, der großen Schwäche des Staates in der Unterdrückung
von Korruption und Kriminalität, das Ende der sowjetischen Supermacht wird der
Perestroika und Gorbačëv angerechnet (wäre wahrscheinlich sowieso passiert).
Gorbačëv in Umfragen äußerst unpopuläre historische Persönlichkeit in Russland, die
Ablehnung der Perestroika ist in den letzten Jahren signifikant zurückgegangen, hat
mit dem demografischen Wandel zu tun, immer weniger Menschen die sich an die
schwierigen 80er/90er Jahre erinnern können.
Die Erinnerung an die SU wird auch immer wieder aufrechterhalten, insbesondere seit
der Regierungszeit Putins, die offizielle Vergangenheitspolitik Putins hat sich in den
letzten 20 Jahren stark verändert hin zu einer Integration der SU in die Gesamtheit der
Geschichtstradition des heutigen Russlands.

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In der Yeltsin Zeit, der erste demokratische Präsident Russlands von 1991-1999, hatte
eher versucht an die vorsowjetischen Traditionen anzuschließen, z.B. der Rückgang
zur Trikolore des Russländischen Reiches. In der Putin Zeit wird das sowjetische Erbe
stärker in die Tradition Russlands eingebunden, z.B. Übernahme der sowjetischen
Staatshymne als Hymne der Russländischen Föderation mit geänderten Text, in einer
stalinfreundlicher werden Darstellung des Stalinismus (am Anfang hat sich Putin
stärker von Stalin distanziert, Opfergedenken in den Vordergrund gestellt, Hitler-Stalin
Pakt als inakzeptable betrachtet worden, hat sich seit 2012/2014 verändert, heute
steht es in Russland unter Strafe den Hitler-Stalin Pakt zu kritisieren, am 26.01.2021
hat Putin die Duma aufgefordert gesetzliche Maßnahme zu verabschieden die den
Vergleich zwischen Stalinismus und Nationalsozialismus unter Strafe stellen)
Putin Zitate: Aktuelle Position der Staatsführung Russlands gegenüber der SU und
ihrem Erbe. Es wird stark die Glorie, der Sieg der SU im 2 WK als eine neue
Staatsideologie in den Vordergrund gerückt. Die Kritik wird schrittweise in den
Hintergrund gedrängt oder kriminalisiert. Bedeutet nicht das es nicht doch innerhalb
der russischen Gesellschaft einige Tendenzen imperialistischer Art gibt, eine
Wiederherstellung der SU anzustreben gibt.

Forderung der Wiederherstellung der SU oder sogar des Zarenreiches (von Liberal-
demokraten 1996 gefordert). Vor dem Hintergrund der gestiegenen Konfrontation
Russlands mit dem Westen 2018 wieder gestiegen. Ergebnisse der Wahlumfrage zeigt
das Bild eines starken Großreiches das in der russischen Nationalseele sehr stark
verhaftet ist. Russland noch wie vor das flächenmäßig größtes Land der Erde,
Expansionismus trotzdem von radikalen Parteien immer wieder angesprochen.
Konsequenzen dieses Mindsets und der steigenden Staatspropaganda für die Zukunft,
droht eine schleichende Rückeroberung des postsowjetischen Raumes insbesondere
der russischen Diaspora im Umfang von 20 Mio Menschen. Es gibt Tendenzen in diese
Richtung, die vielen eingefrorenen Konflikte außerhalb der Landesgrenzen Russlands

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die faktisch dazu beitragen das Russland diese Gebiet kontrolliert z.B. Transnistrien
etc.
Kernfrage des Verhältnisses zwischen Russland und Ukraine, seit 1991 nicht eindeutig
von Russland beantwortet, im Sinne einer Anerkennung der Unabhängigkeit der
Ukraine. Die Regierung unter Yeltsin, erste Regierungen Putins bis 2014 offiziell die
Unabhängigkeit der Ukraine anerkannt, aber seit den 1990ern Tendenzen die
Zugehörigkeit der Krim zur Ukraine in Frage zu stellen, die Selbstständigkeit der
Ukraine in Frage zu stellen und zu minimieren. Erst durch die Einmischung Russlands
am Abend vor der Orangen Revolution und Euromaidan kenntlich geworden das
Russland versucht hat sich einzumischen. Durch militärische Besetzung und Annexion
der Krim akut geworden.
Nach dem Zerfall der SU den postsowjetischen Raum stärker zu koordinieren und zu
kontrollieren, keine nachhaltigen Versuche die ethnischen Russen in der Diaspora zu
einem Aufstand zu bewegen.
Die gelenkte Demokratie in Russland, ein System mit eingeschränkter
demokratischer Konkurrenz, eingeschränkter Meinungsfreiheit, eingeschränkter
politischer Betätigungsfreiheit ist zum Teil ein Erbe der SU und trägt dazu bei das eine
kritische Auseinandersetzung mit der SU nur eingeschränkt passieren kann.
Das Verhältnis gegenüber der Außenwelt: Sehr viele interne Probleme werden wie
unter der SU dem Westen zugeschoben z.B. Annexion der Krim, um dem Westen
voraus zu sein. Mediale Berichterstattung über die weitverbreitenden Demonstrationen
Ende Jänner 2021 als Aktivitäten westlicher Geheimdienste delegitimiert im russischen
Staatsfernsehen. Das Wiederbeleben des westlichen Feindbildes hat die Frage nach
einem neuen Kalten Krieg gestellt, es gab versch. KK in der Geschichte
(Spannungszustände die von großer Feindseligkeit geprägt sind). Es gibt im Moment
Spannungsverhältnisse, aber keinen Kalten Krieg 2.0, keine Fortsetzung der
historischen Epoche des KK die zwischen 1947-1987 bestanden hat. Das hängt damit
zusammen das Russland nicht mehr über ein globales Ideologen verfügt wie das die
SU im Kommunismus besaß und zudem ist Russland heute wirtschaftlich schwächer
und demografisch kleiner als es die SU war, ist wesentlich kleiner als die Bevölkerung
der USA und wirtschaftlich ist die russländische Volkswirtschaft relativ klein im
Vergleich zu den führenden westlichen Volkswirtschaften, trotz dominierender
Positionen im Bereich des Erdöl und Erdgasexportes, vor allem vor dem Hintergrund
der aktuellen Weltwirtschaftskrisen.

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Die SU war ein enorm prägender Faktor des kurzen 20 Jhr. Das kurze 20 Jhr. fällt
zusammen mit den Lebensdaten der bolschewistischen Macht in Russland und der
SU, 1917 bis 1991. Eine gigantische Utopie mit realen Errungenschaften und
gleichzeitig enormen Schattenseiten, 10-20 Mio Opfer im eigenen Land, Opfer der
politischen Kultur, mit Konsequenzen die heute noch nicht in die Zukunft abgeschätzt
werden können.

Bzgl. Stalin & Stalinismus kann ich die Doku „Kolyma“ von Jurij Dud‘ empfehlen, darin
interviewt er Angehörige von GULAG-Häftlingen & wie sie Stalinismus wahrnehmen &
zu Stalin selber stehen (gibt es auf Youtube mit englischen Untertiteln)

Angeblich herrscht in Russland eine sehr schlechte Schulbildung, weswegen jungen


Russen und Russinnen die gesamte Tragweite der frühen Bolschewistischen
Verbrechen gar nicht bewusst ist.
In vielerlei Hinsicht die schulische Ausbildung in Russland sehr gut, viel an Wissen
vermittelt, im Bereich von Geschichte, Kultur, die Mathematikausbildung ist eine sehr
gute. Aber es gibt Defizite in der kritischen Geschichtsbetrachtung, Kritik an
Stalinismus stark zurückgegangen.

Putin ist in Russland ja bereits seit 2000 an der Staatsführung mindestens beteiligt.
Wie ist/war die Zustimmung bezüglich Putin in der russischen Bevölkerung ? Genau
auf diese eingeschränkte Demokratie bezogen.
Die Zustimmungsraten für Putin sind üblicherweise gut, sie waren in den ersten beiden
Amtszeiten überdurchschnittlich hoch, sind noch seiner Rückkehr in das
Präsidentenamt etwas zurückgegangen (in dieser Zeit große Demonstrationen in
Russland gegen die politische Führung). Durch die Annexion der Krim die
Beliebtheitswerte Putins stark gestiegen, imperialistische Tendenzen, verstärkt durch
Staatspropaganda (Staatsfernsehen gleichgeschaltet).

Wie wird der Kommunismus in anderen Ländern, besonders Polen, Ungarn heute
vermittelt.
Der Kommunismus wird dort sehr kritisch vermittelt, die Auseinandersetzung mit der
komm. Diktatur ist Teil des Staatsverständnisses. Hat zu einer Veränderung im

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Gleichgewichts in Bezug auf die Erinnerungspolitik geführt: Vor 1991 haben die
westlichen Staaten, des Europarates, den Nationalsozialismus primär als die große
Diktatur des 20 Jhr. mahnend in Erinnerung gerufen. Durch die Aufnahme der
osteuropäischen Staaten ist nun auch der Stalinismus Teil der europäischen
Erinnerungskultur geworden. Tag der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes ist ein
Gedenktag und Tag der kritischen Erinnerung der beiden Diktaturen des 20 Jhr.
Stalinismus länger angehalten, wesentlich präsenter in Osteuropa

Wie wird dann heute dieses "Feindbild" des Westens definiert ? Als der verlängerte
"Arm" der USA oder als die individuellen Staaten der NATO
Unterschiedlich definiert. Alte sowjetische Propaganda das alle westliche Staaten nur
Marionetten der USA. Wenn es darum geht auf einzelne westliche Staaten Druck
auszuüben kann der einzelne Staat in die Schusslinie geraten
Die NATO als wichtigstes westliches Verteidigungsbündnis einer der Hauptkritikpunkte
der russischen Propaganda. Zielt darauf ab in der Bevölkerung den Westen schlecht
zu machen, eine Organisation herausgenommen. Zielt darauf ab kleinere
Mitgliedsstaaten an westlichen Staaten zu verunsichern und von ihrer Organisation zu
distanzieren

Sie haben vorhin gemeint, der Kalte Krieg hätte schon mit der Machtübernahme der
Bolschewiken begonnen. Inwiefern?
Hatten angekündigt die Weltrevolution anzuführen, Herrschaft des Kommunismus und
Absage an das westlich liberale System. Feindliche Propaganda begonnen,
Abschottung (Eiserner Vorgang in den 20 Jahren bereits an der Grenze der SU
eröffnet)

Nutzen jugendliche Russen heutzutage das Internet um sich kritisch mit der
Hofberichtserstattung auseinanderzusetzten?
soweit ich das mitbekomme, sind regierungskritische Zeitungen/Medien sehr
stark vertreten auf social media (Instagram, Twitter oder mittlerweile sogar Tik
Tok) & haben dort auch sehr viele Follower, also ich denke schon, dass ein
(großer?) Teil der jungen Leute in Russland auf andere Informationskanäle
ausweichen

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Ja, großer Fortschritt das im Netz ein gewisser Pluralismus bestätigt, trägt dazu bei
dass die jugendliche Bevölkerung Russlands stark an kritischen Diskursen teilnimmt.
Demonstrationen Ende Jänner 2021

Aber es gibt in Russland im Internet keine Restriktionen, oder?


Hat man in Russland im Netz Zugang zu allen Informationen, oder ist das irgendwie
eingeschränkt?
In den letzten Jahren breit nutzbar, wird immer stärker eingeschränkt, in China bereits
stark eingeschränkt

Hätte der Westen (also vor allem EU und USA) in den 90ern etwas besser machen
können, um Russland "freundlicher" zu machen? Hat man vielleicht zu sehr den "Sieg"
im Kalten Krieg gefeiert und sich nicht genug engagiert diese junge Demokratie zu
fördern?
In Russland teils offensiv und aggressiv diskutiert, im Westen in linksliberalen Kreisen
diskutiert. Die zum Zeitpunkt der friedlichen Revolutionen und dem Ende der SU sich
im Amt befindenden amerikanische Regierung unter George Bush Senior hat sich mit
öffentlichen Erklärungen stark zurückgehalten. Die westdeutsche Führung war
unterstützend als sie gesehen hat das die DDR bankrottging. Die damalige
amerikanische Administration hatte bis 1993/1994 gezögert den ostmitteleuropäischen
Staaten zu gestatten Anträge auf die Aufnahme in das westliche Bündnis zu stellen.
Eine gezielte Integration Russlands versucht, die amerikanische Unterstützung
Russlands in die Aufnahme der Welthandelsorganisation, Schaffung der strategischen
Partnerschaft zwischen Russland und der EU. Versuche Russland miteinzubinden.
Hätte mehr Finanzhilfe geleistet werden können? Es waren sehr viele nationale
Entscheidungen Russlands an der Wirtschaftskrise beteiligt – Diese Frage lässt sich
nicht einfach mit Ja beantworten, der Westen hat sich vielleicht zu sehr darauf
verlassen dass die staatliche Führung v.a. unter Yeltsin eine pro-westliche gewesen
und hat die neo-stalinistische Aussagen nicht so sehr wahrgenommen

Vielleicht ist der Zusammenhang etwas zu komplex, um das noch schnell zu


beantworten, aber haben (und wenn ja, inwiefern) die Aufspaltungen der sovjetischen
Kaukasusrepubliken zum heutigen Konflikt zwischen Armenien & Azerbaijan
beigetragen?

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Die Grenzziehungen gehen auf sowjetische Ideen zurück, beabsichtigt Konflikte
dadurch einzufrieren. Grenzziehungspolitik bestand darin ethnische Nationalitäten so
aufzuteilen das es nie ganz bereinigt ist, sondern dass immer irgendwo ein Konflikt ist,
um das Abspalten von Armenien oder Azerbaijan von der SU zu verhindern.
Diese Grenzziehungen sind in Zentralasien ähnlich "destruktiv". Vor allem Usbekistans
Grenzen sind sehr Fragwürdig vor allem im Fergana Tal

Wie sah eigentlich die Haltung der SU zu den kulturellen Relikten der Zarenzeit aus?
Ich gehe mal davon aus, dass ein Gros der Kulturschaffenden vor 1917, egal ob liberal
oder konservativ, den Zaren (dank der Zensur vermutlich eher subtil) kritisiert haben –
Wurden die dann aufgrund der Kritik an der Monarchie als positiv oder aufgrund der
Kritik am Marxismus als negativ betrachtet? (Dostojewski lehnte ja z.B. beides ab; für
ihn bedeutete die Monarchie Pauperismus und der Sozialismus einen Mangel an
Individualität)
Dostojewski war Sozialist, wurde dann zum Reaktionär, eine sich sehr stark
entwickelnde historische Persönlichkeit. Primär durch das Prisma des Leninismus und
Marxismus betrachtet worden. Vertreter des konstitutionellen Gedanken im Zarenreich
als Vorkämpfer betrachtet (obwohl sie mit Sozialismus und Marxismus nichts zu tun
hatten). Wenn jemand sich sehr reaktionär geäußert hatte, wurde er in der SU dafür
stark kritisiert. Wenn es sich um jemanden gehandelt hat der ein kultureller Titan wie
Dostojewski war, hat das ein großes Dilemma der Interpretation mit sich gebracht.

wie ist das heute mit kritischer Forschung?


Insbesondere in politisch relevanten Bereichen wie Geschichtsforschung unter Druck
geraten

Prüfung
MC Prüfung
30 Fragen in 30 Minuten
Einige Fragen wo 1,2 Worte hinzuschreiben sind, ansonsten MC Fragen
Hilfsmittel die zur Verfügung stehen, aber die Prüfung ist zeitlich eng
Üblicherweise eine oder zwei richtige Antwort, Mehrfachantworten möglich,
Punkteanzahl angegeben
Auch Fragen aus der Zusatzlektüre – v.a. bei den späteren Prüfungsterminen wichtig

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