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Neusyrisches

 

in

Lateinschrift

aus

der

Sowjetunion

 
 

Von

Johannes

Fbiedrich,

Berlin

Von

den

geringen

modernen

Überbleibseln

der

einst

mächtigen

 

ara¬

mäischen

Sprache

 

ist

der

westliche

Zweig,

der

Dialekt

von

Ma'lüla

bei

Damaskus,

oft

und

gut

erforscht,

dagegen

das

Neu-Ostaramäische

(Neu¬

syrische)

im

persisch-irakischen

 

Grenzgebiet

um

den

Urmia-See

 

herum

ausgesprochen

 

stiefmütterlich

behandelt,

wie

ein

Blick

in

das

ent¬

sprechende

Kapitel

in

Rosenthals

Buche

,,Die

aramaistische

Forschung"

(Leiden

1939)

S.

255—269

zeigt.

Immerhin

hat

das

ausgehende

19.

Jahr¬

hundert

in

zwei

Werken

des

englischen

Missionars

A.

J.

MacLean,

„Grammar

of

the

Dialects

of

Vernacular

Syriac"

(Cambridge

1895)

und

„A

Dictionary

of

the

Dialects

of

Vernacular

Syriac"

(Oxford

1901)

zwei

hervorragende

 

abschließende

Leistungen

aufzuweisen.

Rosenthal

sagt

jedoch

S.

257

ganz

richtig:

„Ungefähr

um

die

Jahrhundertwende,

 

von

ganz

vereinzelten

 

Ausnahmen

abgesehen,

brach

die

Erforschung

der

neuostaramäischen

Dialekte

ab".

Rosenthal

spricht

dort

sogar

die

schlimmsten

Befürchtungen

aus,

ob

vom

Neuostaramäischen

überhaupt

noch

etwas

für

die

Sprachwissenschaft

zu

retten

sei.

Denn

im

ersten

Weltkrieg

haben

die

nestorianischen

Christen

die

schwersten

Ver¬

folgungen

durchmachen

müssen,

und

die

meisten

von

ihnen

sind

damals

überhaupt

zur

Aufgabe

ihrer

alten

Wohnsitze

gezwungen

worden'.

Von

einer

gewissen

Auswanderung

in

die

nicht

weit

entfernten

russisch¬

kaukasischen

 

Gebiete

wußte

man

schon

für

die

Zeit

vor

dem

ersten

Weltkrieg.

Nach

diesem

Ereignis

hat

sich

die

Auswanderung

dorthin

noch

verstärkt.

 

M.

Cohen

gibt

in

der

Nouvelle

Edition

des

Sammel¬

werkes

„Les

langues

du

Monde"

(Paris

1952)

S.

129

die

Zahl

der

Nesto¬

rianer

in

der

Sowjetunion,

dort

mit

dem

armenischen

Namen

Aysor

,, Assyrer"

bezeichnet,

auf

schätzungsweise

50000

an

und

hebt

eine

Kolonie

von

ihnen

in

Leningrad

besonders

hervor.

Von

Cohen

erfährt

man

dort

auch,

daß

diese

Neusyrer

eine

neue

Schriftsprache

in

phone¬

tischer

Lateinschrift,

also

unter

Aufgabe

der

bis

ins

20.

Jahrhundert

verwendeten

 

altsyrischen

Schrift,

erhalten

haben^;

die

Sprache

werde

von

den

Russen

 

ajsorskij

(also

auch

„assyrisch")

genannt.

Die

oben

an-

'

Vgl.

auch

dazu

Rosenthal

S.

257

mit

Literaturangaben

in

Anm.

1.

2

In

welcher

Schrift

die

von

Rosenthal

S.

257

zitierte

„assyrische"

Zeit¬

schrift

kohba

d

m^dinha

(d.

h.

„Stern

des

Ostens")

in

Tiflis

geschrieben

ist,

ist

nicht

zu

ersehen.

 
 

Neusyrisches

in

Lateinschrift

aus

der

Sowjetunion

 

51

gedeuteten

Befürchtungen

für

ihre

Sprache

schienen

sich

also

nicht

ganz

erfüllt

zu

haben.

Weiteres

über

die

Neusyrer

oder

„Assyrer"

in

Sowjetrußland

 

ist

an¬

scheinend

nicht

bekannt

geworden.

Auch

über

ihre

neue

Schriftsprache

ist

mangels

Literaturangaben

 

bei

Cohen

nichts

Genaueres

zu

entnehmen.

 

Ob

sich

etwa

sowjetische

Forscher

mit

ihr

beschäftigt

haben,

ist

mir

nicht

bekannt.

Um

so

interessanter

 

dürfte

es

deshalb

für

den

Semitisten

 

sein,

zu

er¬

fahren,

daß

mir

ein

günstiges

Geschick

während

des

zweiten

Weltkrieges

solche

neusyrische

Texte

in

Lateinschrift,

 

wie

sie

Cohen

erwähnt,

in

die

Hände

gegeben

hat.

Der

junge

F.

Ose,

den

Hethitologen

 

durch

seine

nachgelassene

Schrift

„Supinum

und

Infinitiv

im

Hethitischen"

(Leipzig

1944;

=

Mitteilungen

 

der

Vorderasiatisch-Ägyptischen

 

Gesellschaft

 

47,

1)

bekannt,

der

am

30.

Dezember

1942

im

Kaukasus

für

sein

Vater¬

land

fiel,

hat

mir

wenige

Wochen

vor

seinem

Tode

einige

in

Rußland

gekaufte

Heftchen

in

Lateinschrift

 

und

einer

ihm

fremden

Sprache

ge¬

schickt,

die

ihm

durch

den

russischen

Rückentitel-Vernierk

 

m

accupuüc-

KOM

H3U%e

„in

assyrischer

Sprache"

aufgefallen

 

waren.

Ich

habe

diese

Heftchen

jahrelang

liegen

lassen,

weil

mich

andere

Aufgaben

 

stärker

beschäftigten

und

weil

ich

meinte,

daß

ähnhche

Texte

vielleicht

einmal

von

anderer,

für

dieses

Fachgebiet

kompetenterer

 

Seite

veröfientlicht

 

werden

würden.

Da

dies

bisher

nicht

der

FaU

war

und

da

sich

mir

in

den

letzten

Monaten

einmal

die

Muße

zur

Beschäftigung

mit

diesen

auch

in

allgemein

sprachlicher

 

Hinsicht

 

interessanten

 

Texten

bot,

so

habe

ich

mich

doch

entschlossen,

wenigstens

zwei

von

diesen

Texten

demnächst

zu

veröffentlichen

 

auf

die

Gefahr

hin,

mit

dieser

Erstveröffentlichung

 

aus

einem

mir

nicht

ganz

vertrauten

 

Fachgebiet

nicht

allen

Anforde¬

rungen

genügt

zu

haben.

Zur

allgemeinen

Orientierung

 

zunächst

so

viel,

daß

ich

durch

Oses

Güte

fünf

neusyrische

 

Heftchen

 

besitze

:

1.

Hajjarta

qdmets

go

pilxdnd

d'

di§td

(,, Erste

Hilfe

bei

der

Feldarbeit"),

Moskau

1933.

2.

L.

N.

Tolstoj,

Min

har

bal

(Übersetzung

 

von

L.

N.

Tolstojs

NoveUe

„Nach

dem'ßalle"),

Moskau

 

1936.

3.

A.

S.

Pu§qin,

T9gbirdn9

d

stansa

(Übersetzung

von

Puschkins

No¬

velle

,,Der

Stationsvorsteher"

 

durch

Petrosov),

Moskau

1936.

 

4.

G.

A.

Xo^abajev,

 

i^eri

u

zmdrjdti

(„Gedichte

 

und

Lieder"),

Moskau

1937.

5.

D.

Iljon,

Mam-^alu

u

Qdmbdr

(Märchen

in

Versen;

russischer

Titel

PuÖan

,,der

Fischer"),

 

Moskau

1938.

 

Einige

Hefte

neusyrischer

Texte

hatte

Ose

auch

an

das

Sprachwissen¬

schafthche

Seminar

der

Universität

München

geschickt.

Ich

habe

davon

52

Johannes

Feiedbich

im

Herbst

1945

ein

ziemlich

dickes

Heft

mit

dem

Titel

Petrus-sura,

 

Xdjji

go

pith

(„Das

Leben

in

seinen

Wendungen";

russischer

Titel

]X.

HeTpocoB,

C5opHUK

paccmsoe),

Moskau

1934

gesehen.

Über

den

Ver¬

bleib

dieser

Hefte

ist

mir

nichts

Näheres

bekannt.

 

Zur

Einarbeitung

in

die

mir

aus

älteren

TextveröfFentlichungen

 

nur

unvollkommen

bekannte

neusyrische

Sprache

benutzte

ich

verständ¬

licherweise

die

beiden

Novellen

von

Tolstoj

und

Puschkin,

die

als

Über¬

setzungen

aus

einer

bekannten

Sprache

ein

leichteres

Eindringen

er¬

möghchen.

Puschkins

,, Stationsvorsteher"

 

existiert

auch

in

deutscher

Übersetzung,

Tolstojs

Geschichte

„Nach

dem

Balle"

anscheinend

nicht,

aber

selbstverständlich

 

wird

man

sich

methodischerweise

bei

beiden

Novellen

an

den

russischen

Urtext

halten.

Beide

Geschichten

gedenke

ich

im

neusyrischen

 

Text

und

deutscher

Übersetzung

mit

sprachüchem

 

Kommentar

und

vollständigem

Wörterverzeichnis

 

in

nächster

Zeit

her¬

auszugeben.

Eine

VeröfFentlichung

 

weiterer

Texte

muß

der

Zukunft

vor¬

behalten

bleiben.

Da

aber

auch

die

zunächst

vorgesehene

Arbeit

noch

nicht

ab¬

geschlossen

ist,

soll

auf

den

folgenden

Seiten

eine

vorläufige

Probe

des

zu

Erwartenden

gegeben

werden.

Die

graphischen

 

und

sprachhchen

Tatsachen

der

neuen

Schriftsprache

sollen

als

Sldzze

kurz

vorgeführt

und

durch

emige

Textproben

erläutert

werden.

Der

grammatische

StofF

wird

der

Übersicht

halber

in

Paragraphen

eingeteilt.

 
 

1.

Zur

Schrift

und

Aussprache

§

1.

Die

neusyrische

Lateinschrift

bedeutet

eine

radikale

Abkehr

von

der

bisherigen

Schreibart

mit

altsyrischen

 

Schriftzeichen,

die

die

amerikanischen

und

englischen

Missionare

aus

etymologisch-historischen

 

Rücksichten

begründet

hatten

und

die

auf

die

sprachliche

Fortentwick¬

 

lung

oft

keine

Rücksicht

nahm.

So

wurde

das

in

der

Aussprache

ge¬

schwundene

'Ajin

in

der

bisherigen

Schrift

weiter

fortgeschleppt,

die

beiden

in

s

zusammengefallenen

Zischlaute

s

und

§

wurden

in

der

Schrift

weiter

getrennt

geführt

usw.

§ 2.

Die

neue

Lateinschrift

bricht

mit

dieser

Tradition

völhg,

sie

gibt

die

heute

gesprochene

Sprache

im

Anschluß

an

die

phonetische

Schreib¬

weise

einigermaßen

lautgetreu

wieder

und

nimmt

auf

Etymologie

und

Sprachgeschichte

kerne

Rücksicht.

§

3.a)

Das

Alphabet

der

neusyrischen

Lateinschrift

verwendet

folgende

Zeichen

:

 

Neusyrisches

 

in

Lateinschrift

aus

der

Sowjetunion

 

53

a

=

a

(dunkel)

n

=

n

=

b

0=0

c

=

ö

(stimmlos)

P

=

P

5

=

g

(stimmhaft)

q

=

q

(emphatisches

Qöf,

auch

d

=

d

für

europäisches

nicht

as-

e

=

e

(in

echt

semitischen

Wör-

 

piriertes

k)

tem

meist

lang

und

Kon-

r

=

r

traktionsprodukt)

 

s

=

s

(stimmlos)

 

8

=

ä

(auch

helles

a)

§

=

i

f

=

f

(nur

in

Fremdwörtern)

 

t

=

t

(semitisches

t')

 

g

=

g

t

=

t

(emphatisches

Tgt)

h

=

h

u

=

u

i

=

i

V

=

y

j

=

i

X

=

h

(b)

k

=

k

(semitisches

k^)

z

z

(stimmhaftes

s)

1=1

E

=

z

(stimmhaftes

S)

m

=

m

b

=

U

(im

Russischen,

türkisch

t)

b)

Beispiele

ererbter

aramäischer

Wörter

in

Lateinschreibung

(in

Klammer

dahinter

 

jeweils

die

altsyrische

Form):

ajna

,,Auge"

('aj,nä),

arbasar

,, vierzehn"

{'arba'sar),

arra

,,Erde"

('ar'ä),

betd

,,Haus"

{bajta),

bi§9

,,böse"

(blSä),

bxj

,, weinen"

(bkä),

divd

„Bär"

(dlbä),

duktd

„Ort"

(duktä),

dbmmbta

,, Träne"

{dem'tä),

dhhd

,,Gott"

{'alähä),

dp-in

,,auch

wenn"

('äp

'en),

9rx9

,,Gast"

{'ärhä),

dtijqd

,,alt"

{'■attlqä),

9X

,,wie"

{'a(i)k),

gora

„Mann"

 

(gabrä),

gxk

„lachen"

(ghek),

hond

,, Verstand"

(haijLnä),

hvj

„sein,

werden"

(hi^ä),

ijdd

,,Hand"

('tdä),

i§td

„sechs"

('eStä),

jdh

„Knabe"

(jaldä),

jimmd

,, Mutter"

('emmä),

kdd

„indem"

(kad),

ktdVd

,, Schriftstück"

(ktäbä),

kursip

„Lehnstuhl"

(kursjä),

h

„nicht"

(lä),

libbd

„Herz"

(lebbä),

marra

,, Krankheit"

(mar'ä),

mdijtd

,, Stadt"

(mdl(n)tä),

msnd

„Schüssel"

(mä(')nä),

mdr?

„Herr"

(märä),

mdtd

„Dorf"

(mätä

„Land"),

mbfra

„Regen"

(meträ),

nd§9

„Mensch"

({'ä)näää),

par-

supa

„Gesicht,

Person"

(parsöpä),

paxra

„Körper"

(pagrä),

pdtd

„Ge¬

sicht"

(pa{')tä),

ptx

,, öffnen"

(ptah),

pumd

,,Mund"

(pummä),

qassab

,, Schlächter"

(qassäbä),

qe^d

„Sommer"

(qaitä),

qah

„Stimme"

(qälä),

qd§d

„Priester"

(qaSSä),

qumtä

„Wuchs"

(qay,mtä),

qbtta

„Stück"

(qet'ä),

ram§a

„Abend"

(ramSä),

 

ri§d

„Kopf"

(riSä),

ru§a

„Schulter"

(rap§ä),

sepd

„Degen"

(saipä),

sdVd

„Greis"

(sabä),

simdltd

,, Treppe"

(zu

altsyr.

sebbeltä,

vgl.

u.

S.

74),

sitvd

„Winter"

(sati^),

slbjva

„Kreuz"

(slibä),

smug9

,,rot"

(smöqä),

sbppata

,, Finger"

(zu

alts,

seb'ä),

§ama

„sieben"

(Sa¥ä),

§immd

„Name"

(Smä),

§itd

„Jahr"

(Sattä

<

Santä),

§mdjjd

„Him-

1

Die

Texte

schreiben

b.

Aus

typographischen

Rücksichten

habe

ich

in

meiner

Wiedergabe

dafür

b

gesetzt.

54

Johannes

Friedrich

 

mel"

(ämaiiä),

 

p-aja

„Lampe"

(Srägä),

 

tama

„dort"

[tammän),

tarra

„Tür"

[tar'ä),

ta§bjta

„Geschichte"

(taS'ita),

talgd

„Schnee"

(talgä),

tmunbsar

 

„achtzehn"

(tmäna'sar),

tre

„zwei"

(trein),

txr

„gedenlien"

(dkr),

tava

„gut"

(täbä),

{usa

„Muster"

(tupsä),

up

„auch"

('öp),

urx9

„Weg"

('urhä),

 

xamra

„Wein"

(hamrä),

xela

„Kraft"

(hailä),

xdjji

„Leben"

(haiie),

xdm§9

„fünf"

(hamSä),

 

xjt

„nähen"

(hat),

xora

„Ka¬

merad"

(habrä),

 

x§v

„denken"

(hSab),

xvara

„weiß"

(hei}ärä),

zoga

„Paar"

(zaugä),

zuzi

„Geld"

(züzä),

bllaja

„hoch"

 

('eZä^ä).

§

4.

Das

neusjTische

Lateinalphabet

 

dürfte

in

engem

Zusammenhang

mit

der

Lateinschrift

der

räumlich

 

benachbarten

Aserbeidschan¬

Türken

geschaffen

worden

sein.

Beide

 

Schriften

verwenden

das

rus¬

sische

X

für

h

(ch

in

deutsch

ach),

das

a

(Schwa)

der

modernen

Phonetik

für

ä,

das

6

der

russischen

Schrift

für

das

i

der

osmanisch-türkischen

 

Lateinschrift

 

(u

der

russischen

Schrift)

und

das

aus

z

graphisch

differen¬

zierte

z

für

2,

beide

 

setzen

auch

c

für

ö

und

9

für

g

(in

der

osmanisch-

 

türkischen

 

Lateinschrift

 

umgekehrt

9

für

c

und

c

für

gl).

Doch

wirft

auch

die

osmanische

 

Lateinschrift

 

ihre

Schatten

auf

das

aserbeidschanische

 

und

neusyrische

Lateinalphabet

 

bei

?

im

Werte

von

S

(das

osmanische

 

Zeichen

 

offenbar

nach

rumänisch

$)'.

 

§

5.

Die

Beispiele

 

von

Wortschreibungen

 

in

§

3b

lassen

mancherlei

 

Besonderheiten

 

der

neusjTischen

 

Schrift-

und

Lautlehre

 

erkennen.

 

Über

die

Vokalquantitäten

 

ist

zu

sagen:

a)

Zwischen

langen,

kurzen

und

überkurzen

Vokalen

unterscheidet

 

die

Lateinschrift

 

im

allgemeinen

 

nicht.

Vgl.

für

a:

tana

 

,,Tür",

tava

„gut",

für

9:

nd§9

 

,, Mensch",

 

dtijqd

 

„alt",

awa

,,ich",

für

 

u:

urxd

„Weg",

smuqd

,,rot"

usw.

 
 

b)

Nur

 

langes

i

wird

in

offener

Silbe

gewöhnhch

durch

-ij-

(-bj-)

be¬

zeichnet:

 

dtijqd

„alt",

ktijv-ili

„es

steht

geschrieben",

 

slbjva

„Kreuz",

plbjta

„hervorragend".

 
 

§

6.

Die

Gesetze,

 

nach

denen

in

manchen

Worten

 

dunkles

a,

in

an¬

deren

helles

 

a

(d.

i.

ä)

für

a

und

ebenso

6

oder

i

für

i

geschrieben

wird,

smd

noch

zu

erforschen;

 

vgl.

einerseits

 

tarra

,,Tür"

 

(<

tar'ä),

axbl

„er

ißt",

andererseits

 

kdlbd

,,Hund",

kdtiv

,,er

schreibt".

Zur

Vokalharmonie

 

s.

§

14f.

 

§

7.

Die

Diphthonge

aj,

und

ay,

vor

Konsonant

 

sind

in

den

meisten

Fällen

zu

e

und

0

vereinfacht:

 

qep

„Sommer"

<

qaj,tä,

hond

,, Verstand"

 

<

haifnä.

 

§

8.

'Ajin

ist

im

Neusyrischen

 

zu

'Alef

geworden

 

und

bleibt

ebenso

wie

altes

'Alef

in

Lateinschrift

 

unbezeichnet:

 

al

„auf"

<

'al,

arba

„vier"

<

'arba',

 

'vd

,, machen"

 

<

'bd,

'vr

,, eintreten"

 

<

'br.

Zusammen

mit

1

Mit

rumänisch}

 

(gesprochen

ta)

hat

neusyrisch

(

( =

t)

nur

die

graphische

Form

gemein.

 
 

Neusyrisches

in

Lateinschrift

aus

der

Sowjetunion

55

altem

 

'Alef

oder

'Ajin

kann

ein

anlautender

 

reduzierter

Vokal

schwinden:

 

mir-ri

„er

sagte"

<

'ärnir-leh

„gesagt

(wurde)

von

ihm".

In

dana

„Zeit"

<

'iddänä

 

ist

sogar

Vollvokal

mit

'Ajin

 

geschwunden.

 

§

9.

Ä

wird

wie

h,

also

wie

deutsches

ch

in

ach,

gesprochen

und

nach

russischer

 

Art

durch

x

bezeichnet:

xamra

„Wein",

xamp

,,fünf",

 

drxd

„Gast",

 

ptx

,, öffnen"

usw.

 
 

§

10.

Die

altaramäische

 

intervokalische

Spirantisierung

von

 

b

d

g

p

t

k

iat

erkennbar

:

 

a)

Bei

b,

das

in

der

Schrift

als

v

erscheint:

 

kdtiv

,,er

schreibt"

 

<

kätib,

9vid

 

„er

macht"

<

'äbid,

divd

,,Bär"

<

dihä,

x§v

„denken"

<

Mab.

 

ab

>

av

vor

Konsonant

wird

nach

§

7

meist

weiter

zu

o:

gora

,,Mann"

 

<

gabrä,

tota

„Gutes"

<

tähtä.

 

b)

Bei

k,

das

in

der

Schrift

als

x

erscheint

(also

mit

x

=

altem

 

h

zu¬

sammenfällt)

:

dx

,,wie"

<

'a(i)A%

bxj

,, weinen"

<

bkä,

txr

,, gedenken"

<

dkr.

 

c)

Bei

d

und

t

an

gelegentlichem

Schwunde:

xd

,,eins"

<

had,

qdm

„vor"

 

<

qdäm,jdld

„Knabe"

<

jalda,

bar

„nach"

<

bätar.

 

§

11.

Über

die

Artikulation

der

neusjnrischen

Tenues

geben

 

die

auf

S.

73f.

behandelten

Lehnwörter

aus

europäischen

Sprachen,

besonders

aus

dem

Russischen,

eine

gewisse

Auskunft.

Es

scheinen

da

z.

T.

die¬

selben

 

Verhältnisse

zu

herrschen

wie

zwischen

den

altsemitischen

 

Sprachen

 

Phönizisch-Punisch

 

und

Altaramäisch

einerseits

 

und

dem

Lateinischen

 

und

Griechischen

andererseits.

 

Da

die

alten

und

neuen

südeuropäischen

 

Tenues

ohne

Hauch,

die

altsemitischen