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Das 25 Punkte- Programm der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei)

Das 25 Punkte- Programm wurde von Hitler am 24. Februar 1920 im Bürgerbräukeller in München
verkündet. Die Partei hieß zu diesem Zeitpunkt noch DAP (Deutsche Arbeiter Partei). Es war die erste
Massenversammlung, in der Hitler sprach, und die er gegen den Willen der Parteiführung durchgesetzt
hatte. Der Bürgerbräukeller fasste 2000 Zuhörer. Die Versammlungshalle hatte sich während Hitlers
Rede gefüllt, nicht nur mit Anhängern, sondern auch mit Gegnern, die Störversuche unternahmen. Es
geschah das, was später noch oft geschah, Hitler gewann die Oberhand. Es wurde ein gelungener Start.
Hitler faszinierte die Zuhörer. Die parteiinterne Kritik verstummte, er hatte damit seine Kritiker
überwunden, die zuvor in kleinen Zirkeln ihre Zusammenkünfte abgehalten hatten, und den Plan eine
Großveranstaltung abzuhalten als „Wahnsinnsvorhaben“ mit Misstrauen begleitet. Es muss ihn in
seinem Sendungsbewusstsein bestärkt haben, konnte er doch auf die augenscheinliche Richtigkeit
seiner Einschätzung verweisen. Was am Anfang stand, sollte sich später noch oft wiederholen bis in die
Anfänge des Zweiten Weltkrieges hinein, bis dann seine Einschätzungen sich als Überschätzungen
erwiesen.

Die volle Entfaltung seiner demagogischen Fähigkeiten und ihre Auswirkungen zeigten sich aber erst zu
Beginn der 30er Jahre. In den 20er Jahren dümpelte die Partei als eine Randerscheinung dahin. Geduldig
hatten die Menschen in Deutschland die Lasten, die mit dem Verlust des Ersten Weltkrieges Verbunden
waren, getragen: Die wirtschaftliche Not der Inflationszeit bis 1923. Neben den wirtschaftlichen Lasten
gab es noch eine politische Last, die es zu tragen galt: Die Kriegsschuldfrage. Sie nagte am politischen
Körper der Weimarer Republik und zerfraß ihn. Der Name Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
bestand so nicht von Anbeginn. Als Hitler am 24. Februar 1920 im Bürgerbräukeller das 25 Punkte
Programm verkündete hieß die Partei noch DAP. Die später erfolgte Umänderung des Namens mit den
beiden Attributen national und sozial war taktisch geschickt gewählt. Die Wahl dieser Worte passte in
den Lauf der Zeit. Sie sollten als die beiden Programmstützpfeiler der Partei gelten. Sozialer Aufstieg und
Beseitigung nationaler Demütigung im Gefolge des Ersten Weltkrieges. Nach Beendigung der
Inflationszeit im November 1923 kam Hoffnung auf, die manchen Betrachter von den „Goldenen
Zwanzigern“ sprechen ließ. Der Hoffnungsschimmer erlosch je am 24. Oktober 1929 dem „Schwarzen
Freitag“, der eine weltweite Wirtschaftskrise auslöste. Der wirtschaftliche Entwicklung verlief in eine
umgekehrte Richtung. Was nach dem Ersten Weltkrieg die wirtschaftliche Not ins unermessliche steigen
ließ bis zu einem Punkt, wo ein Dollar 4,2 Billionen Mark kostete, das äußerte sich in einer nicht
mindergroßen wirtschaftlichen Not nach 1929 mit einer Deflation als Ursache ständig fallender Preise.
Inflation und Deflation führen entsprechend ihrem Wirkungsgrad und ihrer Geschwindigkeit, die
unterschiedlich sein können, in einen Abgrund sozialer Not, und je tiefer und unergründlicher sich dieser
Abgrund gestaltet, um so schwerer ist es aus ihm wieder empor zu klimmen. Inflation bedeutet
Entlastung für den Schuldner, denn mit steigender Inflationsrate fallen die Schulden entsprechend.
Umgekehrt ist die Entwicklung in einer Phase der Deflation. Sie bedeutet steigende Kaufkraft und
entsprechend steigen die Schulden. Nominell ändert sich nichts weder in der Inflation noch in der
Deflation, entscheidend aber ist das Gewicht der Kaufkraft. Das deutsche Kaiserreich hatte im Ersten
Weltkrieg eine Schuld von 154 Milliarden Goldmark aufgehäuft. Sie betrugen am Tage der
Währungsumstellung, dem 20. November 1923, 15, 4 Pfennig in der Kaufkraft des Jahres 1913.
Deutschlands innere Schuld war getilgt. 1924 wurde in London der Dawes- Plan ausgehandelt. Er regelte
Deutschlands äußere Schuld, die in den Reparationsleistungen bestand, die Deutschland aufgrund des
verlorenen Krieges zu erbringen hatte.

1930 begann ein hartes Jahr mit stetig steigender Arbeitslosigkeit und sozialer Not. Hartz IV ist im
Vergleich dazu eine milde Form sozialer Not.

Damit aber nicht genug. Der Dawes- Plan, in dem die für Deutschland zu erbringenden
Reparationsforderungen festgelegt worden waren, erwies sich als unrealistisch und undurchführbar. Die
Situation erforderte zwingend neue Regelungen. Die Verhandlungen, die daraus folgten, hatten 1930
den Young- Plan zum Ergebnis. In ihm wurden erneut die von Deutschland zu erbringenden
Reparationsleistungen festgelegt. Der Young- Plan hatte neben sozialer Not politische Not im Gefolge.
Erneut schuldig gesprochen stand Deutschland da als der große politische Taugenichts, der alles Unheil
in der Welt zu verantworten hatte.

Im Gegensatz zu heute hatte die Nation zu der Zeit noch einen Stellenwert in der Gesellschaft, und die
ständigen Demütigungen blieben nicht ohne Auswirkung.

Das war der Resonanzboden, auf dem Hitler seine demagogischen Fähigkeiten zum klingen bringen
konnte. Und es krachte gewaltig. Bei den Reichstagswahlen am 14. September 1930 steigerte die NSDAP
die Zahl ihrer Mandate von 12 auf 107. Der Durchbruch war gelungen.

Im Januar 1930 trat der Young- Plan in Kraft. Er fand bei den im Reichstag vertretenen Parteien eine
Mehrheit. In Hitlers Pressesprachrohr, dem „Völkischen Beobachter“, wurden diese Parteien mit
beißender Polemik und Häme überschüttet. In den Schlagzeilen war oft von den „Tributparteien“ die
Rede. Wenn er an die Macht käme, so verkündete Hitler dem gequälten Volk, dann werde er es denen
schon zeigen, und augenscheinlich verlief dann wenige Jahre später alles im Sinne solcher
Versprechungen.

Politisch und wirtschaftlich hatte die Weimarer Republik ungewöhnliche Erschütterungen zu bestehen.
Saalschlachten zwischen SA, Reichsbanner und Rotfrontkämpferbund endeten oft mit schweren
Verletzungen bis hin zu tödlichem Ausgang.

Kaum je ist eine Volkswirtschaft von inflationären und deflationären Entwicklungen so heimgesucht
worden wie die Weimarer Republik. Die Inflation und Deflation der Zeit hatte letztlich ihre Ursachen in
den Reparationsforderungen der Siegermächte des Ersten Weltkrieges.

Abraham Lincoln, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von 1861 bis 1865, hat sich zu diesem
Wirtschaftssystem mit seinen Auswirkungen vernehmen lassen mit der Aussage, die ständige
Veränderung des Geldwertes sei ein Verbrechen. Bekanntlich hat Abraham Lincoln nicht überlebt. Eine
Pistolenkugel brachte sein frühzeitiges Ende.

Hatte Hitler am 24. Februar 1920 seinen ersten Erfolg als Redner verbuchen können mit dem 25 Punkte
Programm in der Hand vor 2000 Zuhörern, so war das die Initialzündung zu größeren Auftritten 10 Jahre
später. Es folgte die Zeit, wo Hitler zehn Tausende und hundert Tausende in seinen Bann zog und zu
Begeisterungsstürmen hinriss. Nach der Katastrophe kam die ebenso große Ernüchterung und das
Unverständnis, wie das geschehen konnte.

Die übrige Welt, die sich danach in Exzessen moralischer Entrüstung erging, und das auch erst im
Wesentlichen zwanzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Am 29. Dezember 1992 kommentierte das französischen Presseorgan „Le Figaro“ ein Ereignis aus dem
Jahre 1936. Hitler hatte im März 1936 entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrages die
entmilitarisierte Zone des Rheinlandes besetzt. „Le Figaro schrieb dazu: Es hätten zu dem Zeitpunkt
wenige Bataillone genügt, um Hitler Einhalt zu gebieten.

Was kein Repräsentant der Weimarer Republik auch nur zu denken gewagt hätte, setzte Hitler in die Tat
um, und wie bei anderen gleich gelagerten Ereignissen .zuvor wuchs sein Ansehen.

Inflationäre und deflationäre Entwicklungen bestimmen das wirtschaftliche Geschehen unter


unterschiedlichen Gesichtspunkten. Zwei sind weiter oben schon genannt. Besondere Betrachtung
verdient aber Tatbestand, dass Geld als währungspolitisches Steuerungselement genutzt wird. Nichts ist
besser geeignet, um die Gesellschaft oder das Zusammenwirken der Volkswirtschaften zu manipulieren
und politisch in eine gewünschte Richtung zu drängen.

Hier kann ein wesentlicher Faktor gesucht und gefunden werden, mit dem der NSDAP das
Meinungsmonopol und die damit verbundene Machtausübung in gewünschte oder unerwünschte
Richtungen hineingezwängt wurde.

Es folgen Text und die 25 Punkte der DAP und der NSDAP im Wortlaut:

Das Programm der Deutschen Arbeiterpartei ist ein Zeit- Programm. Die Führer lehnen es ab, nach
Erreichung der im Programm aufgestellten Ziele neue aufzustellen, nur zu dem Zwecke, um durch
künstlich gesteigerte Unzufriedenheit der Massen das Fortbestehen der Partei zu ermöglichen.

München, den 24. Februar 1920

Mit diesen 25. Punkten begann Hitler. Er hielt sie in der Hand, als es ihm erstmalig gelang, die
Aufmerksamkeit in größerem Stil auf sich lenken. Eine Betrachtung aus nationaler Sicht macht etwas
augenfällig. Das Programm enthält keinen Bezug zur Deutschen Geschichte, obwohl sich die NSDAP vor
allen anderen als Anwalt nationaler Interessen zu profilieren suchte.

Kein Bezug zum christlich- humanistischen Grundzug, der prägend war für die deutsche Kultur- und
Geistesgeschichte. Das hätte allerdings die Einhaltung ethischer Maßstäbe und Verpflichtungen mit sich
gebracht. Schillers „Wilhelm Tell“, eine Lichtgestalt der deutschen Klassik, hat sogar Hitlers Unwillen
erregt, er sei ein „Heckenschütze“ gewesen, so seine Einschätzung. Damit hatte sich Hitler dem
Landvogt Geßler zugeneigt, was seinem Wesen eher entsprach, wie sich zeigen sollte.
Am Beispiel Schiller zeigt sich ein universeller Charakterzug der deutschen Kultur- und
Geistesgeschichte, er überhebt sich nicht über andere und schließt andere nicht aus. Einige der großen
Dramen Friedrich Schillers sind in ihren Handlungen außerhalb Deutschlands angesiedelt: „Maria Stuart“
in Schottland, „Die Jungfrau von Orleans“ in Frankreich, „Don Carlos, der Infant von Spanien“, „Die
Verschwörung des Fiesco zu Genua“, „Die Braut von Messina“, mit „Wallenstein“, „Die Räuber“ und
„Kabale und Liebe“ begibt sich Schiller in deutsche Gefilde.

Noch deutlicher zeigt sich universelles Denken bei Immanuel Kant in seiner Schrift „Vom ewigen
Frieden“. Der Gedanke der Gründung eines Völkerbundes oder der Vereinten Nationen wird hier
vorweggenommen.

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts haben in Deutschland
ein Kultur- und Geistesleben hervorgebracht, die Deutschland und die Deutschen auch in der
Einschätzung außerhalb Deutschlands zum Volk der Dichter und Denker werden ließ.

Diese Zeit deutscher Geschichte wurde aber eher belächelt, zumindest in der machtpolitischen
Betrachtung. Kritische Stimmen haben zudem den Mangel an revolutionärem Gedankengut
herausgearbeitet.

Das 25. Punkte Programm enthält aber auch keinen Bezugspunkt zur politischen Geschichte
Deutschlands. Preußen wird darin nicht erwähnt. Die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht selten
vertretene These, die NS-Ideologie habe sich in der Kontinuität der Deutschen Geschichte befunden,
findet bereits im ersten Auftritt dieser „Bewegung“ ihre Widerlegung. Als Anknüpfungspunkt können
allenfalls sozialdarwinistische Tendenzen herangezogen werden, wie sie im Vorfeld des Ersten
Weltkrieges Verbreitung fanden, und zwar nicht nur auf deutscher Seite. Der Stärkere siegt und
herrscht. In diesem einen Satz können sozialdarwinistische Gedankengänge zusammengefasst werden.
Aber nicht nur auf politischer Ebene, sondern abgewandelt wurden im Ersten Weltkrieg auf beiden
Seiten theologisch begründete Argumente ins Feld geführt. Auf diesen Wegen galt es herauszufinden,
wer den allmächtigen Gott auf seiner Seite hätte. Deshalb konnte nach Beendigung des Ersten
Weltkrieges Europa nicht zu einem wirklichen Frieden gelangen, weil die geistigen Grundlagen dafür
nicht vorhanden waren.

Die deutsche kulturpolitische Landschaft hat in Dialekten und Eigenarten der verschiedenen Regionen in
ihrer Geschichte eine ungewöhnliche bunte Vielfalt entwickelt, wie sie kaum sonst zu finden ist. Das
alles verschwand in der Zeit der NS-Herrschaft hinter einem braunen Vorhang, der nach Bedarf auf- und
zugezogen wurde. Die Nation vom Pimpf bis zu Gauleiter wurde braun eingekleidet. Die Nation als
Kollektiv sollte die Inkarnation in ein Individuum erstreben oder das Individuum als Inkarnation des
Kollektivs.

Politisch wird denn auch eine „Zentralgewalt“ gefordert. Eine Forderung, die ganz im Gegensatz zum
Verlauf der Deutschen Geschichte steht und stand.

Das 25 Punkte Programm enthält Forderungen, denen die Berechtigung nicht aberkannt werden kann.
Es zeigt aber auch schon einige der Methoden, die zu seiner Erreichung Anwendung finden sollten. Die
Juden werden darin nicht als Konfession angesehen, sondern, wenn auch erst nur versteckt angedeutet,
als Rasse. Das Programm fordert für Deutschland, was andere Nationen in der Programmvorstellung
schon hatten. Es war schließlich ein Gegenentwurf zur Unterdrückungspolitik, wie sie gegenüber
Deutschland betrieben wurde.

Zwei Programmpunkte in dem 25 Punkte Programm waren dick gedruckt und sollten so hervorgehoben
werden. Der Programmpunkt Nr. 11, der wegen seiner Aktualität einer gesonderten Betrachtung
unterzogen werden soll und der Programmpunkt Nr.25, wo es heißt: Gemeinnutz geht vor Eigennutz.

Das klingt zunächst nicht schlecht, wird hier doch eine Solidarität eingefordert, die sich oft in der
Geschichte als zwingend notwendig erwiesen hat. Die Rechte des Individuums sind in diesem Satz nicht
definiert. Staat und Gemeinschaft werden absolut gesetzt. Individuelle Opferbereitschaft auf einer
solchen Grundlage zu fordern, kann zu einem ungerechtfertigten Machtanspruch staatlicher Gewalten
führen. In dem Maße, wie individuelle Freiheit Einschränkungen unterliegt, wird die Opferbereitschaft
ihre Grenzen finden. Das Individuum erwartet mit dem Fortschritt der Gemeinschaft auch einen
Fortschritt für sich selbst.

Die zentrale Botschaft der Heiligen Schrift ist in dem Satz zusammengefasst: Liebe deinen Nächsten wie
dich selbst. Mehr wurde nicht verlangt, aber auch nicht weniger. Eine Linie ist eindeutig vorgezeichnet.
Wird diese Line überschritten, ist Machtmissbrauch und Unrecht die Folge. Wird sie unterschritten,
findet Unrecht seine Billigung aus einer Unterwürfigkeit heraus

Programmpunkt Nummer 11

Abschaffung des arbeitslosen und mühelosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschaft.

Zu diesem Programmpunkt mit seiner inhaltlichen Aussage kann ein aktueller Bezug und zur
gegenwärtig laufenden Diskussion um Raubtier- und Heuschreckenkapitalismus hergestellt werden. Um
gleich jedes Missverständnis auszuschalten und Verdächtigungen jeder Art entgegenzuwirken, muss
eines festgehalten werden: Mit der Machtübernahme der NSDAP am 30. Januar 1930, geriet gerade
dieser Programmpunkt gänzlich in Vergessenheit. Er war von da ab kein Thema mehr. Es war dies ein
Versprechen, das neben vielen anderen nicht eingehalten wurde. Es gab in der Partei das
unausgesprochenes Verbot, gleichsam wie ein Gesetz, das Thema nicht zu erwähnen, obwohl es
zeitweise als das „Herzstück“ nationalsozialistischer Bestrebungen gegolten hatte.

Brechung der Zinsknechtschaft ist ein großes Wort, und die Lasten dieser Knechtschaft sind in der
politischen Gegenwart besonders drückend, und dieser Druck steigt pro Sekunde um 2500 €. Es ist alles
ein wenig wie vor mehr als siebzig Jahren. Eine deflationäre Währungs-und Wirtschaftspolitik
beschleunigt noch den Sog in die Tiefe. Wie soll die Schuldenlast beseitigt werden? In den Jahren nach
dem ersten Weltkrieg bis zu jenem Novembertag im Jahre 1923 wurden Sparer und Gläubiger mit Hilfe
der Notenpresse enteignet. Zur Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg hat der jüdische Schriftsteller
Stefan Zweig, der sich in der Immigration das Leben nahm, geäußert, diese Zeit habe Deutschland
hitlerreif gemacht. Als die Weimarer Republik ab 1930 der zweite, diesmal deflationäre Schlag traf, da
reiften die Früchte endgültig. Geld- und Währungspolitik erwiesen sich als wirksame
Steuerungselemente in dieser Zeit. Der Weimarer Republik brachten sie den Untergang, und Hitler den
Aufstieg. Es war ein manipulierter wirtschaftlicher Aufstieg, der nur durch den Krieg im Verborgenen
blieb, weil die eigentlichen Ursachen wirtschaftlicher Turbulenzen nicht beseitigt wurden.

Wie war das jetzt mit dem arbeitslosen und mühelosen Einkommen? Also Einkommen ohne dafür zu
arbeiten oder irgendwelche Mühen auf sich zu nehmen. Arbeit ist vom Kapital abhängig, wird
behauptet, oder es wird die Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit angestrebt. Wir brauchen hier
nicht nationalsozialistisches Gedankengut bemühen, um nach Lösungen zu suchen. Abraham Lincoln,
Präsident der Vereinigten Staaten von 1860 bis 1865 hat mit einer eindeutigern Feststellung Klarheit
geschaffen:

Labor is prior to, and independent of, capital. Capital is only the fruit of labor, and could never have
existed if labor had not first existed. Labor is the superior of capital, and deserves much higher
consideration. (Arbeit war vor dem Kapital und ist unabhängig davon. Kapital ist nur die Frucht der
Arbeit und könnte niemals existieren, wenn es nicht vorher Arbeit gegeben hätte. Arbeit steht über dem
Kapital und muss in der Betrachtung im Vordergrund stehen.)

Nicht nur Häuser, Schiffe und Maschinen und alles, was Menschen herstellen sind Kapital. Auch das
Geld, mit dem Arbeitserzeugnisse getauscht werden, ist Kapital, und zwar ein Kapital, das genauso von
der Arbeit abhängig ist, denn ohne Arbeit und Arbeitserzeugnisse wäre das Geld nur ein Fetzen Papier,
ohne jeglichen Nutzen. Es gibt also keine Gleichberechtigung von Arbeit und Kapital und schon gar nicht
ist die Arbeit vom Kapital abhängig. Wir leben aber in einem System, in dem alles auf den Kopf gestellt
ist. Solange dieser Zustand andauert, bleibt die Soziale Frage ungelöst.

Franz Müntefering hat die allgemeine Betrachtung in die richtige Richtung gelenkt, etwas zaghaft
zuweilen, aber seit seiner Kapitalismuskritik summt und brummt es. Er hat also genau ins Wespennest
gestoßen. Es kann noch tiefer gestochert werden. Eine Schutzmaske ist dazu nötig, die vor verbalen
Entgleisungen schützt.

Es hat in der allgemeinen Aufregung einige Äußerungen gegeben, die weder sachlich noch historisch
eine Rechtfertigung finden. So ist versucht worden, die SPD mit der NSDAP auf eine Stufe zu stellen. Das
ist völlig unhaltbar, zeigt aber wie tief getroffen jene Kreise sind, die sich angesprochen fühlen, die mit
ihren Wutausbrüchen zugleich ihre Hilflosigkeit zur Schau stellten.

Mancher Beitrag zum Thema lässt auch die Definitionen verschwommen erscheinen. Da werden
Unternehmer und Kapitalisten in einen Topf geworfen und umgerührt. Es ist aber eine sorgfältige
Unterscheidung notwendig, denn ein Unternehmer ist kein Kapitalist, und ein Kapitalist kein
Unternehmer. Beide können beides sein, aber die Funktionen im Wirtschaftsleben können nur einer
getrennten Betrachtung unterliegen. Ein Unternehmer gründet ein Unternehmen, um mit
Arbeitserzeugnissen, den Markt zu bedienen, und wenn ihn nicht ein Herzinfarkt hinwegrafft, und seine
Produkte sich gut verkaufen, kann er auf der Bahn des Erfolges einherschreiten. Die Bank verlangt
zunächst nur Zinsen für geliehenes Kapital, steht dem Unternehmer aber schon als kapitalistisches
„Unternehmen“ gegenüber. Denn eine Bank will keine Güter erzeugen, worin schon der funktionale
Unterschied deutlich hervortritt.

Wird nun ein Unternehmen und sein Unternehmer größer und reift heran zu einem Großkonzern, dann
steigt der Kapitalbedarf. Das Unternehmen geht an die Börse, die Aktionäre zeichnen Aktien, und das
Unternehmen kann expandieren. Der Aktionär und Kapitalgeber wird dem Unternehmen solange treu
bleiben wie eine gute Dividende und ein steigender Aktienkurs in Aussicht stehen. Produktion und alles,
was für ein Unternehmen damit in Zusammenhang steht, die Sorgen und der tägliche Existenzkampf,
denen ein Unternehmer unterworfen ist, berühren den Aktionär als Kapitalgeber nur insoweit, als der
Erfolg des Unternehmens gewährleistet ist. Eine Sorge bleibt auch dem Kapitalgeber nicht erspart. Er
muss um den rechtzeitigen Ausstieg bemüht sein, wenn ein Unternehmen in seiner Existenz gefährdet
ist. Ein Aktionär kann auch einen Ortswechsel vollziehen und dorthin gehen, wo höhere Dividenden und
Kursgewinne in Aussicht stehen.

Völlig widersinnig ist in dieser Betrachtung das Gerede vom Klassenkampf. Das ist ein schlecht
durchdachtes Ablenkungsmanöver. Der Kleinaktionär, der sich von ein wenig Erspartem Aktien oder
„Volksaktien“ erwirbt, ist in seiner Funktion in dem Augenblick ein Kapitalist, auch wenn er sich dessen
vielleicht nicht bewusst ist, und er weiter an seiner Werkbank sein tägliches Auskommen suchen muss.

Besonders gefährlich wird es, wenn Arbeit und Leistung durch eine Diktatur des großen Geldes
manipuliert und zunichte gemacht werden können. Freier Wettbewerb ist dann nicht mehr möglich.
Wird Leistungsbereitschaft durch spekulatives Denken ersetzt, dann beginnt eine bedrohliche
Entwicklung für eine Volkswirtschaft.

Die Geldströme bestimmen, wann, wo, wie gearbeitet werden darf. Da, wo diese Ströme hinfließen,
entstehen blühende Landschaften, da, wo sie sich verweigern, vertrocknet alles. Geldkapital, das in
seinem Wert durch Arbeit geschaffen worden ist, wird jetzt eingesetzt, um Arbeit zu vernichten. Die
Dax- Unternehmen, so war aus den Medien zu vernehmen, haben im letzten Jahr ihren Gewinn auf 35
Milliarden € verdoppelt. Dennoch sollen 35000 Arbeitsplätze abgebaut und ins Ausland verlagert
werden, und diese Verlagerung wird auch noch vom Steuerzahler subventioniert. Der doppelt Betrogene
wird arbeitslos gemacht, wodurch allen, die noch arbeiten dürfen, ein weiteres Paket zu tragen auferlegt
wird. Oft wird vor einer Entlassung noch die Möglichkeit eröffnet, den zukünftigen ausländischen
Konkurrenten anzulernen, bevor der endgültige Hinauswurf vollzogen wird.

Eine Näherin, die in Cottbus für 900 € Monatslohn gearbeitet hat, wird „freigesetzt“, um einer Näherin
in Rumänien für 150 € und in Moldawien für 80 € Platz zu machen. Die Näherin aus Cottbus, die
demnächst in Hartz IV hineinfällt, kann sich immer noch Textilien kaufen, die für 150 € Monatslohn
hergestellt werden. Nur arbeiten kann sie nicht, sie kann sich bei schlüpfrigen Fernsehprogrammen und
Kartoffelchips einen psychischen Ausgleich suchen.

Ein Volk auf dem Wege der Verblödung. Das ist kein Nationalismus. Dem hier geschilderten
Ausbeutungsprozess sind Deutsche und Ausländer gleichermaßen unterworfen.
Unternehmer und Kapitalisten führen jeder auf seine Weise einen Wirtschaftskrieg, der den Kalten Krieg
ersetzt hat.

Das neueste Ereignis in diesen Geschäften ist die „Übernahme“ der Frankfurter Börse. Der
Vorstandsvorsitzende, Herr Seifert, hatte viel Geld zusammengetragen für den Aufkauf der Londoner
Börse. Aber ein Großinvestor, ein noch größerer Schelm als er, um mit Gotthold Ephraim Lessing zu
reden, hatte sich dazwischen gedrängt. Er verhinderte den Kauf der Londoner Börse und kaufte zugleich
die Frankfurter Börse. Herr Seifert bekam 10 Millionen € „Abfindung“. Das sind bei solchen Geschäften
wirklich nur Peanuts. Wir sollten hier nicht von Schweigegeld reden, sonst könnte die Legalität solchen
Wirtschaftens noch in Zweifel gezogen werden

Der Gedanke, alle könnten einmal Kapitalisten werden, und den Lebensunterhalt durch Spekulation an
der Börse bestreiten, ist in diesem System noch nicht gereift. Eine Gesellschaft, die ihre Existenz mit
Aktienspekulation bestreiten könnte, ist schwer vorstellbar. Wer soll dann den täglichen Bedarf an
materiellen Gütern durch Arbeit zufrieden stellen?

In der wirtschaftlichen Talfahrt, der Deutschland in der Gegenwart unterworfen ist, fällt immer häufiger
der Name Ludwig Erhard. Der Unterschied zu den Zeiten Ludwig Erhards und heute ist offensichtlich. Die
Aufbauphase in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hatte keinen Share- Holder- Value-
Kapitalismus zur Grundlage. Wäre das der Fall gewesen, wäre die Trümmerlandschaft des Jahres 1945
heute noch vorhanden.

Zurück zum Programmpunkt Nummer 11 aus dem 25 Punkte Programm der NSDAP. Wenn auch dieser
Programmpunkt nicht verwirklicht wurde, brachte die NS-Herrschaft dennoch soziale Fortschritte, die es
zuvor nicht gegeben hatte. Zu Beginn des Jahres 1933 überstieg die Arbeitslosenzahl die
Sechsmillionengrenze. Eine Zahl, die noch im selben Jahr um mehr als zwei Millionen zurückging. Die
Massenarbeitslosigkeit wurde in Deutschland schneller beseitigt als in den USA. Dieser innenpolitische
Erfolg wurde begleitet von außenpolitischen Errungenschaften, die wenige Jahre zuvor niemand für
möglich gehalten hätte. Dieser Programmpunkt war auch der eigentliche Anlass zum sogenannten
„Röhm- Putsch im Juni 1934. Hitler entledigte sich seiner innerparteilichen und außerparteilichen
Gegner, die ihm hätten aus einer bestimmten Sicht gefährlich werden können.

Es gab in der Partei bis dahin immer noch Leute die an Hitler die Erwartung herantrugen, er solle das im
Programmpunkt Nummer 11 gegebene Versprechen auch wirklich einlösen.

Ihnen machte Hitler am 30. Juni 1934 durch Mord ein Ende.

Die internationale Presse kommentierte das Ereignis mit Lobreden auf Hitler. Das „Hamburger
Fremdenblatt“ veröffentlichte in seiner Ausgabe vom 2. Juni 1934 Auszüge aus solchen
Pressekommentaren.

Der Röhm- Putsch, und was ihm voranging, macht eine gesonderte Betrachtung nötig.

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