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ALLGEMEINE MIKROBIOLOGIE 1

Prof. Dr. Maren Scharfenberger-Schmeer


Dualer Studiengang Weinbau und Oenologie

Bildquelle: Dissertation Kathrin Diesler, 2018

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OLAT

OLAT-Kurs: Das Passwort lautet „Mikroskop“

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Maren Scharfenberger-Schmeer
Professur für Mikrobiologie

phone: +49 (0) 6321 671 359


Merke: fax: +49 (0) 6321 671 375
Mobil: 0163-9684205

mail: Maren.ScharfenbergerSchmeer@hs-kl.de
Sprechstunde: mittwochs 13 – 14h Raum A2 192C

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Kurzvorstellung

https://weincampus-neustadt.de/forschung/maren-scharfenberger-schmeer-1

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Ablauf des Moduls „Mikrobiologie“

• Vorlesung Allgemeine Mikrobiologie


 Modulklausur am 17.02.20 (1/3 der Gesamtnote)
• Vorlesung Mikrobiologie des Weines
 Modulklausur am 17.02.20 (1/3 der Gesamtnote)
• Mikrobiologisches Praktikum – 2 Gruppen
 Bericht am Ende (1/3 der Gesamtnote)
 Fragen zum Praktikum in Modul-Klausur
 wenn Labor, dann Prüfungsanmeldung erforderlich,
da Klausur und Labor im gleichen Semester
abzulegen sind, da ein Modul

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Literatur – Allgemeine Mikrobiologie

Schlegel, Fuchs:
Allgemeine
Michael T. Madigan / John
Mikrobiologie M. Martinko:
Brock Mikrobiologie

Alexander:
Mikrobiologisches
Grundpraktikum

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Inhalte und Termine der Vorlesung
„Allgemeine Mikrobiologie“

Themen: Termine praktische Übungen:


Heute: 1 Einführung 07.11.2019
06.11.2019 Platten gießen/Nährmedien/steriles Arbeiten
2 mikrobiol. Arbeitstechniken 13.11.2019 Mikroskopieren
3 Molekularbiologie 13.11.2019 Mikroskopieren
4 Systematik 14.11.2019 LZZ/GZZ
5 Vermehrung 14.11.2019 LZZ/GZZ
6 Stoffwechsel
7 Mannoproteine Termin AlPlanta:
8 Zuckertransport 23.01.2020
9 Tox. Wirkung von Ethanol

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Merke Verweis auf besonders wichtige Punkte

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EINFÜHRUNG IN DIE MIKROBIOLOGIE

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WAS IST MIKROBIOLOGIE?

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Was ist Mikrobiologie?

Aus dem Griechischen:


“mikros” : klein
“bios”: Leben
“logos” : Wissenschaft

Mikrobiologie ist die Wissenschaft des „kleinen Lebens“, d.h. von


den Lebewesen, die als Individuen nicht mit dem bloßem Auge
erkannt werden können.
Dazu gehören:
Merke • Bakterien
• Protozoen (Urtierchen)
• Pilze
• Ein- und wenig-zellige Algen („Mikroalgen“)
• Viren

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Mikro- und Makroorganismen

• Makroorganismen erkennt man mit dem bloßen


Auge.
• Mikroorganismen kann man mit dem bloßen Auge
nicht erkennen.
• Mikroorganismen kann man z.B. mit einem
Lichtmikroskop (LM) sichtbar machen (>400-fache
Vergrößerung).
• Viele (nicht alle) Mikroorganismen kommen als
einzelne Zellen vor.
• Die Zelle ist die grundlegende Einheit allen
Lebens.
• Viren/Bakteriophagen kann man im LM nicht
erkennen.

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Makroorganismen

Quelle: DLR Rheinpfalz

Makroorganismen sind aus vielen Zellen aufgebaut


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Viele Mikroorganismen kommen als
einzelne Zelle vor…

S. cerevisiae

1 µm

Die Bäcker-/Weinhefe S. cerevisiae ist ein Einzeller:


Hier Mutter- und Tochterzelle unter dem Lichtmikroskop in
100-facher Vergrößerung.

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Viele Mikroorganismen kommen als
einzelne Zelle vor…

S. cerevisiae
1 µm

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von S. cerevisiae


Zellen. Quelle: Dissertation Kathrin Diesler (2018)

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…oder als Anhäufung von Zellen

Quelle: www.pflanzenforschung.de

ca. 1012 Zellen der Bäckerhefe S. cerevisiae auf einem


Fleck sind auch ohne Mikroskop sichtbar...

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WORAN ERKENNT MAN
LEBEWESEN?

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Unbelebte Strukturen sind wenig komplex

Sandstein besteht aus


Silizium und
Sauerstoff.

Brock-Mikrobiologie

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Lebewesen sind komplex

E. coli
Brock-Mikrobiologie

In E. coli:
ca. 4000 verschiedene Enyzme, Metabolite, etc.
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Lebewesen enthalten viele
verschiedene Moleküle

Brock-Mikrobiologie

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Kennzeichen zellulären Lebens

Brock-Mikrobiologie

Differenzierung und Bewegung sind nicht


Eigenschaften aller mikrobiellen Zellen.
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Die Maschinen- und Codierungsfunktion
der Zelle

Brock-Mikrobiologie

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WO FINDET MAN MIKROORGANISMEN?

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Wo findet man Mikroorganismen?

• Boden
• Salzwasser
• Süßwasser
• Luft
• Sediment

Brock-Mikrobiologie

Merke Mikroorganismen findet man überall (auch im Weinkeller!!!)


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Der Kohlenstoffkreislauf
• Die grünen Pflanzen produzieren mit der Photosynthese kohlenstoffhaltige „organische“
Substanz (2 x 1011 t/a).
• Die Tiere sind Konsumenten, sie wandeln diese Substanz in körpereigenes Material um.
• Mikroorganismen, v. a. Pilze und Bakterien, bauen abgestorbene Pflanzen und Tiere wieder in
Grundelemente um (sind damit auch „Konsumenten“).
• Ohne die Aktivität der Mikroorganismen würde der CO2-Gehalt der Atmosphäre (2.6 x 1012 t)
innerhalb von wenigen Jahren (ca. 10-20) erschöpft sein.

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Einige Meilensteine der Mikrobiologie
der letzten 65 Jahre

Brock-Mikrobiologie

1837: T. Schwann, F. Kützing  Alkoholische Gärung durch Hefen


1857: L.Pasteur  Mikrobiologie der Milchsäuregärung
1860: L.Pasteur  Rolle der Hefe in der alkoholischen Gärung
1897: E. Buchner  Alkoholische Gärung durch zellfreien Hefepresssaft

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Der Einfluss der Mikroorganismen auf das
Leben der Menschen

Wein!!

Brock-Mikrobiologie

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Spezialgebiete der Mikrobiologie

• Medizinische Mikrobiologie
• Technische Mikrobiologie
• Geomikrobiologie
• Meeresmikrobiologie
• Lebensmittelmikrobiologie

• Mikrobiologie des Weines

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ALLGEMEINE EIGENSCHAFTEN VON
MIKROORGANISMEN

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Allgemeine Eigenschaften der
Mikroorganismen

• Prinzip der Kleinheit


• Größeneinheiten in der Mikrobiologie
• Großes Oberflächen/Volumenverhältnis und seine Folgen
• Rasche genetische Anpassung
• Stoffwechselvielfalt
• Verbreitung der Mikroorgansimen
• Generationszeiten einiger Mikroorganismen

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Prinzip der Kleinheit

Einzeller:
Enorm erfolgreiches Organisationsprinzip:
Alle Leistungen werden nur von einer Zelle erbracht:

Biosynthesen
Nahrungsaufnahme Anlage von Speicher-
und –verdauung stoffen

Aufnahme und
Energiegewinnung S. cerevisiae Verarbeitung von
Umweltreizen

Entwicklung von
Ruhestadien bei un- Vermehrung
günstigen Umwelt- (Bewegung)
bedingungen

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Größeneinheiten in der Mikrobiologie

Größeneinheit: µm
Auflösung menschliches Auge max. 200 µm
 Mikroskop erforderlich

Pflanzliche und tierische


Eigenschaft Bakterien Hefen
Zellen
Durchmesser [µm] 1 10 100
Volumen [µm³] 1 1000 >10000
Atmungsrate [µl O2
10-20 (Niere, Leber)
verbraucht pro mg 1000 100
0,5 – 4 (Wurzel, Blatt)
TM und pro h]
Generationszeit [h] 0,3 - 1 2-10 ca. 20
Fuchs, Schlegel: Allgemeine Mikrobiologie

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Großes Oberflächen/Volumen-Verhältnis
und seine Folgen
Folgen des günstigen O/V-
Verhältnis:
 hoher Stoffaustausch und –umsatz
 schnelles Wachstum möglich
 Bsp.: Ein Rind (500 kg) bildet in
24 h 0,5 kg Protein, 500 kg
Hefezellen bilden in diesem
Zeitraum 50.000 kg Protein.
 hohe stoffwechselphysiologische
Flexibilität
 rasche Anpassung an
Umweltbedingungen
 Keine Vorratshaltung von Enzymen
(in einer Zelle haben nur ca.
100.000 Proteinmoleküle Platz)
 Regulationsmechanismen sind
besonders wichtig

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Rasche genetische Anpassung

• Extrem hohe Individuenzahl


 relativ häufiges Vorkommen von ansonsten seltenen vorteilhaften
Mutationen (z.B. Antibiotikaresistenz)

• häufiger Genaustausch und Genrekombination


 Triebkraft für Evolution
 Triebkraft für Züchtung neuer Reinzuchthefen

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Beispiel für rasche genetische Anpassung

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Stoffwechselvielfalt

pH-Bereich: Sauerstoff:
neutral neutrophil Vorhanden  aerob
tief acidophil Nicht vorhanden  anaerob
hoch alkalophil Geringer Partialdruck  mikroaerob

C-Quelle: Energiequelle:
Org. Verb.  heterotroph Chem. Reaktion  chemotroph
Anorg. Verb. (CO2)  autotroph Lichtreaktion  phototroph

Temperaturbereich:
mittel (20-45°C)  mesophil
hoch (45-70°C)  thermophil
sehr hoch (70-110°C)  hyperthermophil, extrem thermophil
tief (0-20°C)  psychrophil (kryophil)

Osmotischer Druck und Wassergehalt:


hoher Salzgehalt  halophil
Hoher Zuckergehalt  saccharophil
Hoher Gehalt osmotisch wirksamer Verbindungen  osmophil

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Bsp. Stoffwechselvielfalt -
Temperaturbereich

Brock-Mikrobiologie

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Verbreitung der Mikroorganismen
• Die geringen Abmessungen der Mikroorganismen sind auch von
ökologischer Bedeutung  sie sind allgegenwärtig
• Die Artenverteilung ist an vielen Standorten ähnlich (arktische Gebiete,
Wasser, hohe Luftschichten, Boden)
 leichte Verbreitung der Mikroorganismen wegen ihrer geringen Masse
allein durch Luftbewegungen
• Mikroorganismen bleiben eingetrocknet oder eingefroren oft lange Zeit
lebensfähig  Trockenreinzuchthefen
• Unter natürlichen Bedingungen bedarf kein Standort und kein Substrat der
Beimpfung (Säuglinge werden u.a. von der Mutter beimpft).
• Eine Anreicherungskultur aus wenigen Gramm Gartenboden reicht, um z.B.
ein Bakterium isolieren zu können, das einen beliebigen Naturstoff zu
verwerten vermag.
• Im Meeressediment: 1029 oder mehr Bakterien
• Mikroorganismen sind überall, das Nährmedium entscheidet welche Art zur
Vermehrung kommt.

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Optimale Wachstumstemperatur und
Generationszeiten einiger Mikroorganismen

Organismus T (°C) Generationszeit (min)


Oenoccocus oeni 30 140
Escherichia coli 40 21
Kloeckera apiculata 25 70
S. cerevisiae 30 75

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WECHSELWIRKUNGEN
MIKROORGANSIMEN

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Mögliche Wechselwirkungen
am Beispiel von Organismus A und B

Arten von Beziehungen der Mikroorganismen untereinander


(Begriffe aus der Ökologie)
A B
Mutualismus, Synergismus + +
Kommensalismus 0 +
Neutralismus 0 0
Parasitismus, Räuber-Beute-Bez. + -
Amensalismus - 0
Konkurrenz - -

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Superorganismus Mikrobiom

Mikrobiom : Summe aller Mikroorganismen im


betrachteten System

(z.B. Summe aller Mikroorganismen im Darm des


Menschen, alle Mikroorganismen im Most, im Boden,
auf dem Planeten Erde, …)

Vielzahl der genannten Wechselwirkungen gleichzeitig


 Komplexität
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Wechselwirkungen Mikrobiom - Kulturpflanze

Quelle: https://www.transgen.de/forschung/2714.mikrobiom-boden-pflanzen.html
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Fragen/Lernziele

• Welche Leistungen werden von nur einer Zelle


erbracht?
• Wieso können sich MO rasch genetisch
anpassen?
• Was ist die Größeneinheit in der Mikrobiologie
(Größe Hefen?/Bakterien?)
• Generationszeiten/optimale
Wachstumsbedingungen von S. cerevisiae/O.
oeni?
• Ist das Oberflächen/Volumenverhältnis bei MO
groß oder klein? Was hat dies zur Folge?
• Verbreitung der Mikroorganismen?
• Mikrobiom?

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