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Justizpolitik

WKStA soll ans Ministerium andocken und


nicht mehr an OStA Wien berichten
Im Justizministerium ist man zur Ansicht gelangt, dass sich der Konflikt zwischen
Korruptionsstaatsanwaltschaft und Oberstaatsanwaltschaft Wien nicht befrieden lässt

Fabian Schmid

30. August 2021, 16:09

Justizministerin Alma Zadić will die WKStA unter Leiterin Ilse-Maria Vrabl-Sanda (rechts)
enger an ihr Ministerium binden.

Foto: APA/Schlager

Seit Jahren schwelt zwischen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA)


und der Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien ein heftiger Konflikt. Im Justizministerium wird
nun eine Organisationsreform geplant, um die verfeindeten Behörden zu trennen: Künftig soll
die WKStA direkt ans Justizministerium andocken und direkt an die Sektion V berichten. Das
bestätigen mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen dem STANDARD.

Die WKStA wäre somit die einzige Staatsanwaltschaft, die an keine Oberstaatsanwaltschaft
mehr berichten muss. Um das zu verwirklichen, wäre jedoch eine Änderung des
Staatsanwaltschaftsgesetzes notwendig. Dort wird explizit festgehalten, dass die WKStA "in
den im Gesetz vorgesehenen Fällen der OStA Wien zu berichten hat". Die WKStA muss
beispielsweise über bestimmte Vorhaben wie Anklage oder Einstellung berichten, die OStA
Wien kann diese dann bestätigen oder per Weisung ändern. Das wird dann wiederum von der
Sektion V im Justizministerium bis hin zur Ministerin geprüft, die derartige Entscheidungen
an den Weisungsrat auslagert. Spätestens mit der Einführung des Generalbundesanwalts, der
die Aufsicht über alle (Ober-)Staatsanwaltschaften führen soll, soll die Auskoppelung der
WKStA erfolgen.

Langjähriger Konflikt

In vielen politisch brisanten Ermittlungsverfahren waren OStA und WKStA in den


vergangenen Jahren aneinandergekracht: etwa rund um die weitreichenden Ermittlungen
gegen Mitarbeiter des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung
(BVT) samt einer Razzia ebendort oder auch wegen der Eurofighter-Ermittlungen. Diese hatte
die WKStA von der Staatsanwaltschaft (StA) Wien übernommen; bei einer
Dienstbesprechung im April 2019 kam es zum Eklat über die künftige Ermittlungsstrategie.
Das justizinterne Meeting wurde heimlich aufgezeichnet, mutmaßlich von einem Mitarbeiter
der WKStA, Mitschrift und Tonband drangen an die Medien.

Deshalb geriet der damalige Sektionschef und Generalsekretär Christian Pilnacek in


Bedrängnis, der von einem "Scheiß-Akt" gesprochen hatte. Er würde "ein Auge zudrücken,
und wir stellen irgendwelche Dinge ein", schlug Pilnacek der WKStA damals vor. Diese
interpretierte das als Amtsmissbrauch; es kam zu gegenseitigen Anzeigen, Ermittlungen gab
es keine.

Der damalige Justizminister Josef Moser (ÖVP) regte eine Mediation an, um die Wogen zu
glätten; die blieb aber ohne spürbaren Effekt. Gemeinsam schmiedeten Pilnacek und Johann
Fuchs, Leiter der OStA Wien, Pläne, wie man der WKStA medial schaden könnte. Die Ibiza-
Ermittlungen samt U-Ausschuss rückten die schlechte Stimmung weiter ins Blickfeld der
Öffentlichkeit. Die einstige WKStA-Staatsanwältin Christine Jilek sprach von "politischem
Störfeuer" durch die Oberbehörde; ihre ehemaligen Kollegen klagten über die hohe Anzahl an
Berichten, die sie der Oberstaatsanwaltschaft liefern mussten. Immer wieder gab es auch
Befürchtungen, dass geplante Ermittlungsschritte durch Vorabberichte an die OStA verraten
würden.

Schnellere Verfahren

Wegen des Vorwurfs des Geheimnisverrats in einer anderen Causa wurde Pilnacek
suspendiert, zuvor hatte ihn Justizministerin Alma Zadić (Grüne) durch eine
Organisationsreform schon von der Aufsicht über Strafsachen und somit auch die WKStA
abgezogen. Auch gegen OStA-Wien-Leiter Johann Fuchs läuft ein disziplinarrechtliches
Verfahren, er ist derzeit nicht mehr mit der WKStA-Aufsicht betraut.

Aus der Sicht der Korruptionsstaatsanwaltschaften, die sich offiziell nicht zu den Plänen
äußern, wäre die Reform wohl begrüßenswert. Sie würde womöglich auch zu schnelleren
Verfahren führen, weil eine Zwischenstation in der "Weisungskette" fehlt. Mit dem Argument
der schnelleren Ermittlungsverfahren könnte der Plan auch der ÖVP schmackhaft gemacht
werden, deren Zustimmung zur Gesetzesreform nötig sein wird.

Die OStA war stets auch ein "Puffer" zwischen Ministerium und WKStA. Deshalb soll
Sektionsleiterin Barbara Göth-Flemmich nicht allzu glücklich darüber sein, näher an die
WKStA zu rücken – denn das bedeutet automatisch auch mehr politische Aufmerksamkeit.

Aus dem Justizministerium heißt es, dass in der Arbeitsgruppe zum Generalbundesanwalt "die
Neuaufstellung der Dienst- und Fachaufsicht diskutiert" wird. Alle Ansätze, "so auch der in
der Anfrage erwähnte", werden "im Gesamtergebnis der Arbeitsgruppe bewertet" werden.
Und: "Aktuell ist keine Änderung des Systems der Dienst- und Fachaufsicht vorgesehen."
(Fabian Schmid, 30.8.2021)