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Mein Tag

Von W. Hieber | K. Göbel-Groß | Veröffentlicht am:2. Mai 2014

Das erste Baby

verändert das Leben.

 Annika berichtet …

Ein ganz normaler Tag mit einem Säugling

Vor zwei Monaten ist die 30jährige Annika zum ersten Mal Mutter geworden. Hier berichtet sie
von einem ganz normalen Tag im Leben mit einem Neugeborenen. Mit dem ersten Kind hat sich
ihr Leben völlig verändert. Das Baby bestimmt den Alltag der Eltern: Schlafen, essen, einkaufen
… Was vorher normal war, wird jetzt zur Herausforderung. Eine Situation, an die sich Mutter
und Vater erst noch gewöhnen müssen. 

Annikas Tagesablauf mit dem Baby:

Morgens

 05:34 Uhr Von weitem höre ich ein Geräusch. Etwas quakt und brabbelt und quiekt. Ein
Blick auf die Weckeruhr – oh, das ist ja noch früh. Im Bad höre ich meinen Mann
duschen. Ich dreh mich auf die andere Seite und kuschele mich noch einmal in die
Bettdecke. Weg bin ich.
 05:36 Uhr Das Quaken, Brabbeln und Quieken wird lauter. Kommt mir irgendwie
bekannt vor … Langsam werde ich wach, das Geräusch wird immer drängender.
Empörter geradezu. Himmel, mein Baby hat Hunger! Raus aus dem Bett, ein Start im
Kurzstreckensprint bei Olympia ist nichts dagegen. Sofort Nahrung und Liebe zur
Verfügung stellen, lautstark angetrieben und angefeuert vom hungrigen Baby.
 05:40 Uhr Nahrung naht, das Baby schmatzt genüsslich und zeigt sich wenige Momente
später sichtlich zufrieden. Leider ist es nun auch wach. Hellwach, um genau zu sein. Wie
angeknipst! Und ich bin doch noch sooo müde.
 05:57 Uhr Schlaftrunken wandere ich durch die noch dunkelblaue Wohnung, ein
Schlaflied summend, das mich selbst nur noch müder macht. Das Baby ist begeistert,
brabbelt, guckt über die Schulter und ist offensichtlich bereit für den neuen Tag. Ich aber
nicht …! Nur noch ein Stündchen Schlaf, mehr will ich gar nicht. Vielleicht klappt es mit
dem Einschlafen ja, wenn ich das Bündel mit ins Bett nehme …?
 06:03 Uhr Klappt wunderbar! Baby schläft, Mama auch gleich. Gute Nacht … 08:25 Uhr
Einigermaßen ausgeruht stehe ich auf, frühstücke, dusche und ziehe mich an – bzw. nein,
eigentlich frühstückt erst das Baby und wird dann von mir angezogen. Als Dankeschön
lächelt es zufrieden und unterhält sich mit mir: „Aaaahuuu, huuuu … Brrrr …. Äh äh
…!“ Ich schmelze dahin; dass ich weder geduscht noch gesättigt bin, ist mir ganz egal.

Vormittags

 09:00 Uhr Das Aufmerksamkeitsfenster meines kleinen Babys ist geschlossen, von jetzt
auf gleich wird Ruhe und Frieden verlangt. Ich lege es ins Bettchen und gehe, nachdem
es noch viermal wieder aufgewacht ist, ins Bad.
 09:08 Uhr Baby schläft noch. Schnell Zähne putzen und duschen.
 09:09 Uhr Ich horche unter der Dusche stehend, Baby schläft noch immer. Ob zeitmäßig
noch eine Haarkur drin ist, bevor der kleine Mann wieder wach wird?
 09:12 Uhr Die Kur ist drin. Und tropft langsam an meinen nassen Haaren herunter,
während ich am Bettchen des schreienden Babys stehe und es mit Küsschen, Liedchen
und Schnuller beruhige.
 10:20 Uhr Der Windeleimer ist kaputt. Oh NEIN!!! Wie konnte das bloß passieren??!!
Es muss ein neues Exemplar her, schnellstmöglich! Da mein Mann arbeitet, bleibt mir
nichts anderes übrig, als mit Herrn Lütt in die Stadt zu fahren. Das erste Mal mit
Kinderwagen Bahn fahren, oh je – ich bin ein bisschen aufgeregt.
 11:00 Uhr Nachdem ich das frisch gefütterte und gewickelte Baby eingepackt und im
Kinderwagen eingekuschelt habe, laufe ich Richtung S-Bahn. Hoffentlich funktioniert
der Fahrstuhl! Ich vertraue optimistisch auf die Deutsche Bahn und ihr Facility
Management. 11:10 Uhr: Der Fahrstuhl funktioniert nicht.
 11:11 Uhr Mist, was mache ich denn jetzt? Zu Fuß ist es zu weit in die Innenstadt. Da
hilft nur Bus fahren.
 11:22 Uhr Nervös stehe ich vor dem eintreffenden Bus, direkt vor der Eingangstür. In
meiner Aufregung vergesse ich, den aussteigenden Gästen Platz zu machen. Ich ernte
genervte Blicke, eine Frau grummelt: „Erst raus, dann rein!“ Wie freundlich. Nein,
danke, ich brauche keine Hilfe mit dem Kinderwagen! Als ich noch schwanger war, hat
man mir freundlich und versonnen lächelnd im Bus einen Platz angeboten. Die Zeiten
sind wohl vorbei. Ein Mann hilft mir ungefragt dabei, den Kinderwagen in den Bus zu
heben. 1000 Dank!

Mittags
 13:00 Uhr Windeleimer gekauft und wieder zu Hause. Der kleine Mensch ist müde und
zugleich aufgeregt nach all den Geräuschen, Gerüchen und Gesichtern in der Stadt. Er
schläft mit halbgeöffneten Augen, hektisch atmend. Ich bin auch müde. Mit dem
Kinderwagen in der überfüllten Innenstadt unterwegs zu sein, war für mich eine kleine
Herausforderung. Hohe, holprig gepflasterte Bürgersteige wurden zum Hindernis und ich
verfluchte Autofahrer, die in der Kurve und somit über dem abgesenkten Fußweg
parkten. Früher war mir das alles egal, ich bin einfach um die Autos herum gelaufen.
Geschäfte, deren Türen sich nicht automatisch öffnen, kann ich nun nur noch rückwärts
betreten, um gleichzeitig im Gehen die Türflügen geöffnet zu halten. Vom ständigen
Slalomlaufen um rauchende, laut telefonierende oder abrupt stehendbleibende Menschen
ganz abgesehen.
 13:03 Uhr Ich lege mich zu meinem kleinen Baby und gemeinsam schlafen wir ein.

Nachmittags

 14:45 Uhr Es duftet nach Kaffee und vor meinen Augen taucht ein Stück Apfelkuchen
mit Schlagsahne auf. Mein Mann ist nach Hause gekommen, ohne dass ich es bemerkt
habe. Unser Baby schlummert noch immer und es ist Zeit für eine entspannte
Kaffeepause. Oh wie lecker! Mir fällt auf, dass ich seit dem Frühstück nur eine Banane,
einen Müsliriegel und vier Scheiben Mortadella gegessen habe.
 16:30 Uhr Der Kleine ist wach und greint. Möchte nicht essen, nicht spielen, nicht
getragen werden. Vielleicht sollte ich noch einen Spaziergang mit ihm unternehmen?
Dann kann er als Ausgleich für den Ausflug in die verstopfte City auch ein bisschen
frische Luft atmen. Es tröpfelt draußen zwar ein bisschen, aber – hey, Eltern machen das
doch so! Wozu gibt es sonst die Regenabdeckung für den Kinderwagen? Mein Mann
schaut mich skeptisch an: „Im Radio wurde Regen angesagt. Bist du dir sicher, dass du
losgehen willst?“ Klaro! Das Bisschen Regen, das härtet doch ab!
 17:00 Uhr Ich drehe meine Kinderwagenrunde durch den Park. Es gießt in Strömen.
Weit und breit kein Mensch in Sicht. Nicht mal Eltern. Ich habe da wohl etwas
missverstanden. Mein kleiner Sohn schlummert friedlich und dick eingemummelt in
seinem Kinderwagen. Als Trost kaufe ich mir im nahen Blumenlädchen einen Strauß
Frühlingsblumen.

Abends

 21:25 Uhr Das Baby liegt in seinem Bettchen und schläft selig. Ärmchen nach oben
gelegt, Beinchen von sich gestreckt, Schnuller im Mund. Ich lese ein bisschen in
Magazinen, die seit zwei Wochen unter dem Wohnzimmertisch einstauben. Und dann
gehe auch ich schlafen. Gegen Mitternacht wird es für den kleinen Mann dann wohl die
letzte Mahlzeit des Tages geben …