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Internet Engineering Task Force

Die Internet Engineering Task Force (IETF,


englisch für ‚Internettechnik-Arbeitsgruppe‘) ist eine
Organisation, die sich mit der technischen
Weiterentwicklung des Internets befasst, um dessen
Funktionsweise zu verbessern.

Ihr Auftrag ist die Erstellung hochqualitativer,


relevanter technischer Dokumente, welche die Art und Logo
Weise beeinflussen, wie Menschen das Internet
weiterentwickeln, benutzen und verwalten. Diese
Dokumente umfassen Internetprotokollstandards, Beschreibungen momentan bekannter
Verfahren sowie verschiedener Dokumente mit eher informativem Charakter. Im
Gegensatz zur eher forschungsorientierten Internet Research Task Force (IRTF) kümmert
sich die IETF mehr um die kurzfristig zu lösenden Probleme des Internets, insbesondere
um die Standardisierung der im Internet eingesetzten Kommunikationsprotokolle. Zur
Internetprotokollfamilie gehören beispielsweise das Internet Protocol (IP), die
Transportprotokolle UDP, TCP und SCTP sowie das Anwendungsprotokoll HTTP zur
Übertragung von Web-Inhalten.

Die IETF ist eine offene, internationale Freiwilligenvereinigung von Netzwerktechnikern,


Herstellern, Netzbetreibern, Forschern und Anwendern, die für Vorschläge zur
Standardisierung des Internets zuständig ist. Sie steht jedem interessierten Individuum
offen und es existiert keine förmliche Mitgliedschaft oder Mitgliedsvoraussetzung. Die
IETF besitzt als lose Organisation keine Rechtsform.

Das Sekretariat der Organisation befindet sich in Fremont, Kalifornien.

Inhaltsverzeichnis
Organisation und Arbeitsweise
Bereiche
Geschichte
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen

Organisation und Arbeitsweise


Die IETF besteht aus einer großen Zahl Arbeitsgruppen (Working Groups), von denen sich
jede mit einem spezifischen Thema befasst und beabsichtigt, die Arbeit an diesem Thema
zu beenden und sich dann aufzulösen. Jede Arbeitsgruppe hat einen ernannten
Vorsitzenden (oder manchmal mehrere Co-Vorsitzende) sowie eine Charta, welche die
Ziele formuliert und vorgibt, wann welche Dokumente produziert werden sollen. Die
Arbeitsgruppen agieren und diskutieren per E-Mail über offene Mailinglisten und treffen
sich üblicherweise dreimal im Jahr zur persönlicheren Diskussion auf den so genannten
IETF-Meetings. Gemäß dem von Dave Clark formulierten Motto “We reject kings,
presidents and voting. We believe in rough consensus and running code.” bedarf es keiner
genauen Abstimmung zur Entscheidungsfindung, ein „grober Konsens“ innerhalb der
Arbeitsgruppe ist ausreichend.

Die Arbeitsgruppen sind nach Themengebiet in Bereiche (Areas) gegliedert; jeder Bereich
wird von einem Area Director (AD) (die meisten Bereiche haben zwei Co-ADs) betreut; die
ADs ernennen die Vorsitzenden der Arbeitsgruppen. Die Area Directors bilden zusammen
mit dem IETF-Vorsitzenden die Internet Engineering Steering Group (IESG), die für den
Gesamtbetrieb der IETF verantwortlich ist. Bevor ein in der IETF erstelltes Dokument zum
offiziellen Protokollstandard im Internet erhoben wird, muss es durch die IESG
begutachtet und genehmigt werden, um die hohe Qualität der offiziellen Standards zu
sichern. Die IESG entscheidet auch im Streitfall, ob ein grober Konsens innerhalb einer
Arbeitsgruppe erreicht wurde. Neue Arbeitsgruppen werden üblicherweise erst
eingerichtet, wenn der Bedarf hierfür ausreichend begründet wurde, was die IESG
beurteilt. Üblicherweise findet nach einer ersten Diskussion von Teilnehmern mit einem
AD über ein neues Thema ein erstes Treffen gleichgesinnter Interessenten bei einem so
genannten Birds of a feather (BOF) während eines IETF-Meetings statt. Während eines
BOF werden die Probleme diskutiert, welche ggf. durch eine neue Arbeitsgruppe gelöst
werden können, und erste Vorschläge für eine Charta erarbeitet. Ein solches Treffen kann
auch mehrfach stattfinden, bis klar ist, ob sich genügend Freiwillige zur Gründung einer
neuen Arbeitsgruppe finden.

Die IETF ist formell unter dem Schirm der Internet Society (ISOC) tätig, vor allem weil die
IETF selbst keine Körperschaft darstellt und damit ohne Rechtsform ist. Das Internet
Architecture Board (IAB) ist ein Komitee, welches den architekturellen Überblick der
IETF-Aktivitäten wahrt und die ISOC beratend unterstützt. Das IAB überwacht außerdem
den Standardisierungsprozess, ernennt den RFC Editor und ist für die Verwaltung der
Zuweisung von Protokollparameterwerten durch die Internet Assigned Numbers Authority
(IANA) zuständig. Das IAB ist gemeinschaftlich verantwortlich für das IETF
Administrative Oversight Committee (IAOC), welches die IETF Administrative Support
Activity (IASA) betreut, die sich um die administrativen Belange der IETF (u. a. Finanzen)
kümmert. Finanziell gesehen fallen Kosten vor allem für die IETF-Meetings, die
verschiedenen Server und die Administration selbst an. Die Organisation der Meetings und
den Betrieb der Server übernimmt das IETF Sekretariat.[1] Einnahmen erhält die IETF nur
aus den Teilnahmegebühren für die IETF-Meetings sowie durch die ISOC.
Das IAB managt
auch die Internet Research Task Force (IRTF) mit dem die IETF einige
gruppenübergreifende Beziehungen hat. Die Mitglieder der IESG und des IAB werden
durch ein Ernennungskomitee (NomComm) ausgewählt, welches sich wiederum aus einer
zufälligen Auswahl von freiwilligen IETF-Aktiven (die in gewisser Regelmäßigkeit an den
IETF-Meetings teilnehmen) zusammensetzt.

Bereiche
Zurzeit gliedert sich die IETF in sieben thematische Bereiche.[2] Jede Arbeitsgruppe
innerhalb der IETF wird genau einem dieser Bereiche zugeordnet.

Anwendungen und Echtzeit (Applications and Real-Time – ART)


Allgemeines (General – GEN)
Internet-Dienste (Internet – INT)
Betrieb und Netzmanagement (Operations and Management – OPS)
Routing (RTG)
Sicherheit (Security – SEC)
Transportdienste (Transport Services – TSV)
Geschichte
Die IETF begann im Januar 1986 in San Diego[3] mit einem vierteljährlichen Treffen von
der US-Regierung bezahlter Forscher. Beginnend mit dem vierten IETF-Meeting im
Oktober 1986 wurden auch Vertreter von Nicht-Regierungszulieferern eingeladen. Seit
dieser Zeit waren alle IETF-Meetings für jeden offen. Der Großteil der Arbeit der IETF
erfolgt jedoch über Mailinglisten und die Teilnahme an den Meetings ist für die
Mitwirkenden deshalb nicht nötig, da wichtige Entscheidungen über die Mailingliste
diskutiert und gefällt werden müssen. Die Ereignisse eines IETF-Meetings sind jedoch
auch für Nicht-Anwesende einigermaßen gut nachvollziehbar: es gibt meistens Live-
Übertragungen der Audio-Kanäle, so dass Diskussionen live mitverfolgt werden können.
Des Weiteren werden diese Aufnahmen archiviert, so dass sie auch später nochmal
angehört werden können. Darüber hinaus ermöglicht die Teilnahme über XMPP einen
interaktiven Rückkanal, so dass entfernte Teilnehmer darüber Fragen stellen können. Die
meisten Arbeitsgruppen stellen außerdem eine Mitschrift und die von den Teilnehmern
präsentierten Folien in den Meeting-Proceedings[4] zur Verfügung.

Die anfänglichen Meetings waren sehr klein, mit weniger als je 35 Anwesenden bei den
ersten fünf und einem Maximum von 120 Anwesenden (beim 12. Meeting im Januar 1989)
bei den ersten 13 Meetings. Seit Anfang der 1990er-Jahre wuchsen die Meetings sowohl in
Teilnahme als auch Geltungsbereich stark; die Spitzenbesucheranzahl lag bei 2.810 im Juli
2000 IETF in San Diego. Mit den Restrukturierungen in der Industrie in den frühen
2000er-Jahren nahm die Besucherzahl wieder ab und liegt momentan bei um die 1.500.

Während der frühen 1990er wechselte die institutionelle Form von einer Aktivität der US-
Regierung zu einer unabhängigen, internationalen, mit der Internet Society verbundenen
Organisation. Der Einfluss der IETF wurde von der Fachpresse gelegentlich übertrieben
dargestellt, da letztere annahm, erstere sei durch ihre Arbeit an den Kernprotokollen für
den Erfolg des Internets verantwortlich.

Im Detail haben sich die Tätigkeiten während des Wachstums der IETF um einiges
verändert, aber der grundsätzliche Mechanismus bleibt die Veröffentlichung von
Spezifikationsentwürfen, Reviews und unabhängiges Testen durch die Beteiligten und
Wiederveröffentlichung. Interoperabilität voneinander unabhängig entstandener
Implementierungen ist der Haupttest für Klarheit der IETF-Spezifikationen, die Standards
werden wollen. Die meisten Spezifikationen konzentrieren sich eher auf einzelne
Protokolle als auf das Zusammenspiel von Komponenten in Systemarchitekturen. Dies hat
es erlaubt, dass ihre Protokolle in vielen verschiedenen Systemen verwendet werden und
ihre Standards routinemäßig von Institutionen wiederverwendet werden, wenn es um die
Entwicklung vollständiger Architekturen geht (z. B. 3GPP, IMS).

Da die IETF sich auf Freiwillige verlässt und „Groben Konsens sowie lauffähigen Code“ als
Prüfstein verwendet, kann sie jedoch auch langsam sein, wenn die Anzahl Freiwilliger
entweder zu niedrig ist um einen Fortschritt zu machen oder so groß, dass ein Konsens
schwierig ist. Für Protokolle wie SMTP – das zuständig ist für den Transport von E-Mail
für eine nach Milliarden zählende Gemeinschaft – gibt es auch beträchtlichen Widerstand
bei jeder Änderung, die nicht hundertprozentig abwärtskompatibel ist. An Wegen, die
Arbeitsgeschwindigkeit zu erhöhen, wird innerhalb der IETF gearbeitet – da es jedoch
angesichts der großen Anzahl Freiwilliger viele Meinungen darüber gibt, bremsen die
Konsensmechanismen diese Bestrebungen selbst.

Eine Einführung in die IETF findet sich im The Tao of IETF – A Novice’s Guide to the
Internet Engineering Task Force.[5]

Weblinks
ietf.org (https://www.ietf.org/) (englisch)
ietf.org/iesg (https://www.ietf.org/iesg/) (englisch)
iab.org (https://www.iab.org/) (englisch)
P. Hoffman, S. Bradner: RFC 3233. – Defining the IETF. Februar 2002. Standard: [BCP
58]. (englisch).
H. Alvestrand: RFC 3935. – A Mission Statement for the IETF. Oktober
2004. Standard: [BCP 95]. (englisch).
IETF Journal (https://www.ietfjournal.org/) – Gute Zusammenfassung aktueller IETF-
Aktivitäten und Neuigkeiten (englisch)
IETF Education Team (https://trac.ietf.org/trac/edu) (englisch)

Einzelnachweise und Anmerkungen


1. IETF Sekretariat (https://www.ietf.org/secretariat.html)
2. IETF Areas. (https://ietf.org/topics/areas/) Abgerufen am 18. März 2019 (englisch).
3. Happy Birthday, IETF! (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Happy-Birthday-IETF
-3072838.html) In: heise online. Abgerufen am 17. Januar 2016.
4. Proceedings-verzeichnis (https://www.ietf.org/meeting/proceedings.html)
5. The Tao of IETF – A Novice’s Guide to the Internet Engineering Task Force. (https://ww
w.ietf.org/tao.html)

Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?


title=Internet_Engineering_Task_Force&oldid=211614979“

Diese Seite wurde zuletzt am 5. Mai 2021 um 07:17 Uhr bearbeitet.

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