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UNSER TÄGLICH BROT

UNSER TÄGLICH BROT

TEXTE AUS DEM WORT GOTTES


UND AUS DEN S CHRIFTEN
EMANUEL SWEDENBORGS

zusammengestellt
und bearbeitet
von Heinz Grob
Auflage 2001
© Heinz Grob
Herstellung: Swedenborg-Verlag
VORWORT DES HERAUSGEBERS
Vor ungefähr 50 Jahren hat Friedemann Horn den Kalender
«Unser täglich Brot» nach angelsächsischem Muster herausgegeben.
Entsprechend der Anweisung des Herrn, „der Mensch soll nicht vom
Brot allein leben, sondern von jeglichem Wort, das aus dem Mund
Gottes hervorgeht“, enthält die Sammlung für jeden Tag einen
Textabschnitt. Swedenborgs Motto: „Lies fleißig in Gottes Wort und
denke darüber nach“ läßt sich zwar ohne große materielle Probleme
befolgen, doch ergeht es dem Bibelleser dabei häufig wie seinerzeit dem
Äthiopier, der beim Studium des Propheten Jesajah von Philippus
gefragt wurde: „Verstehst du auch, was du liesest?“ und sich dann sehr
gern vom bereits christlich erfahrenen Frager den Sinn auslegen ließ.
Diese Auslegung übernimmt hier – mehr als 200 Jahre nach seinem
Tod – Swedenborg in ausgezeichneter Weise. Da aber ein wesentlicher
Teil seiner Bücher thematisch angelegt ist, läßt sich nicht zu jedem Text
eine direkt aufs Wort bezogene Auslegung finden. Deshalb bleibt das
persönliche Nachdenken als Eigenleistung des Lesers durchaus gefor-
dert.
Da nun diese Worte ja zeitlos sind, hält der Verlag eine Neuauflage
für angezeigt. Der Einfachheit halber ist die Einteilung nach
Kalenderdaten beibehalten worden, was allerdings für die beweglichen
Feiertage Probleme schafft. Für diese sind daher im Anhang undatier-
te Texte beigefügt worden, und zwar von Gründonnerstag bis
Ostermontag, für Himmelfahrt und für Pfingsten.
Die in der Hornschen, aus dem englichen übersetzten Ausgabe im
1. Quartal teilweise noch mangelhafte Abstimmung der Lehrtexte auf
die Bibelzitate ist hier durch eine geänderte Auswahl der Texte verbes-
sert worden. Weiter entwickelt wurde in der ganzen Sammlung die
Modernisierung der Sprache. Da es sich hier nicht um einen Urtext,
sondern eher um eine Anwendung handelt, ist das Schwergewicht auf
die Verständlichkeit gelegt worden, was da und dort etwas ungewohnt
klingen mag. Selbstverständlich ist aber Texttreue immer das oberste
Kriterium geblieben. HG
Abkürzungen der benutzten Werke Emanuel
Swedenborgs
E.L. Eheliche Liebe
Enth. Offb. oder E.O. Enthüllte Offenbarung Johannis
Erkl. Offb. oder O.E. Erklärte Offenbarung Johannis
G.V. Die Göttliche Vorsehung
G.L.W. oder L.u.W. Die göttliche Liebe und Weisheit
H.G. Die Himmlische Geheimnisse
H.u.H. oder H.H. Himmel und Hölle
J.G. Vom Jüngsten Gericht
K.D. Kurze Darstellung der Lehre der
Neuen Kirche
L.v. Gl. oder L.G. Lehre vom Glauben
L.L. Lebens-Lehre *
L.S. Lehre von der heiligen Schrift *
L.H. Lehre vom Herrn *
N.J. Vom Neuen Jerusalem
W.C.R. Die Wahre Christliche Religion

* Zusammengefaßt in „Die vier


Hauptlehren“
1. Januar
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: von
wannen kommt mir Beistand?
Der Beistand kommt mir von Jehovah, der Himmel
und Erde gemacht hat.
Sieh, nicht schlummert und nicht schläft der Hüter
Israels.
Jehovah ist mein Hüter, Jehovah ist mein Schatten
über deiner rechten Hand.
Des Tages wird die Sonne dich nicht stechen, und
der Mond des Nachts.
Jehovah wird vor allem Bösen dich behüten, er
wird behüten deine Seele. Jehovah behütet deinen
Ausgang und deinen Eingang, von nun an bis in
Ewigkeit. (Ps. 121)

Unter den Bergen werden hier die Himmel verstanden. Auf


Bergen und Hügeln wohnen hier die Engel, deren
Besonderheit das Gute der Liebe und der Nächstenliebe ist. In
diesem Guten aber ist der Herr, weshalb „die Augen aufheben
zu den Bergen“ auch heißen kann, den Herrn anrufen, von
dem alle Hilfe kommt. … Der Schatten über der rechten Hand
ist der Schutz vor Bösem und Falschem, denn Schatten bedeu-
tet Schirm, die rechte Hand die Macht und Weisheit aus dem
Göttlich-Wahren, die beide des göttlichen Schutzes bedürfen
vor der Sonne (der Selbstliebe) und dem Mond (dem
Falschen). (Erkl. Offb. 405, 298)

2. Januar
Und es geschah im sechsten Jahr, im sechsten
(Monat), am fünften des Monats, saß ich in mei-
nem Hause, und die Ältesten Jehudah‘s saßen vor

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mir, und allda fiel auf mich die Hand des Herrn
Jehovah. … Und es reckte wie das Gebild einer
Hand aus und nahm mich bei den Locken meines
Hauptes, und der Geist erhob mich zwischen Erde
und Himmel und brachte mich gen Jerusalem in
Gesichten Gottes zum Eingang des inneren Tores,
das gen Mitternacht gewendet ist, wo der Sitz des
Standbildes der Eifersucht war, das zum Eifern
reizte. (Ez. 8, 1. 3)

Da unter dem Geist des Menschen sein Gemüt verstanden


wird, ist mit „im Geiste sein“ (was einige Male im Wort vor-
kommt) der Zustand des vom Körper getrennten Gemüts
gemeint. In diesem Zustand sahen die Propheten Dinge, die in
der geistigen Welt existieren; deshalb heißt er ein Gesicht
Gottes. Sie befanden sich dann im selben Zustand wie die
Geister und Engel in jener Welt, in dem der Geist des
Menschen, also sein Gemüt, von einem Ort an den andern ver-
setzt werden kann, während der Körper an dem seinigen
bleibt. … So sind auch in den alten Zeiten Engel erschienen
und so auch der Herr den Jüngern nach der Auferstehung.
Dieses Gesicht ist das geistige Gesicht des Menschen.
(W.C.R. 157; Erkl.Offb. 53 )

3. Januar
Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich
euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer
Herz erbebe nicht und zage nicht. (Joh, 14, 27)

„Friede“ kommt an sehr vielen Stellen im Wort vor; ich


will deshalb das Wesentliche des Ausdrucks erklären, damit
Unklarheiten vermieden werden. Friede ist das Glück des
Herzens und der Seele, das aus der Verbindung des Herrn mit

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dem Himmel und der Kirche entspringt, die ihrerseits der
Verbindung des Guten und Wahren in denen, die danach stre-
ben, entstammt. Im Zustand des Friedens findet also kein
Kampf des Bösen und Falschen gegen das Gute und Wahre
mehr statt, das heißt kein Zwiespalt oder Krieg im geistigen
Sinn. Im Frieden trägt das Gute Früchte und vermehrt sich das
Wahre; es wächst die Weisheit und Einsicht. Der Friede, sowohl
bei den Engeln im Himmel wie bei den Menschen in der
Kirche, stammt vom Herrn allein; unter Friede wird darum im
höchsten Sinn der Herr selbst verstanden, und davon abgelei-
tet der Himmel und die Kirche, also das Gute verbunden mit
dem Wahren in denen, die dort sind. (Erkl. Offb. 365)
4. Januar
Du sollst den Herrn deinen Gott anbeten und ihm
allein dienen. (Matth. 4, 10)

Wahrer Gottesdienst verlangt die ungeteilte Anbetung des


Herrn, die nur möglich ist auf der Basis von tätiger Liebe zum
Nächsten. Da der Herr in dieser Liebe gegenwärtig ist, kann er
von Herzen angebetet werden. So stammt also auch die
Anbetung vom Herrn, denn er allein vergibt die nötigen
Grundlagen. Hieraus folgt, daß Anbetung und Gottesdienst so
beschaffen ist wie die tätige Liebe des Menschen. Wenn der
Herr im äußeren Gottesdienst zugegen ist, erfüllt der innere
Dienst den äußeren, oder dieser entspricht dem inneren.
Äußerer Gottesdienst, getrennt vom innern, das heißt getrennt
von der Liebe zum Herrn und zum Nächsten, ist Götzendienst.
(H.G. 1150, 1151)
5. Januar

Denn in ihm leben, weben und sind wir.


(Apostelgesch. 17, 28 )

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Der Mensch lebt, solange er ein der Ordnung gemäßes
Leben führt, in Gott, weil Gott im Weltall als Ganzem, aber
auch im Innersten seiner Teile gegenwärtig ist; das entspricht
der Ordnung. In allem dagegen, was der Ordnung wider-
spricht (samt und sonders außerhalb des Innern), ist Gott
gegenwärtig durch unablässigen Kampf und fortwährendes
Streben, darin die Ordnung wiederherzustellen. Läßt sich also
der Mensch in die Ordnung zurück führen, ist Gott in ihm
äußerlich und innerlich gegenwärtig; d.h. Gott ist in ihm und
er in Gott. Eine Abwesenheit Gottes vom Menschen ist eben-
sowenig möglich wie ein Erlöschen der Licht- und
Wärmestrahlung der Sonne. Allein die Ziele der letzteren emp-
finden deren Kraft nur in Abhängigkeit von der Aufnahme,
besonders im Frühling und Sommer. Dieser Vergleich läßt sich
auf Gottes Allgegenwart in der Art anwenden, daß der Gewinn
an geistiger Wärme und Licht (d.h. das Gute der Liebe und die
Wahrheiten der Weisheit) davon abhängt, wie weit man sich
der Ordnung unterstellt. ( W.C.R. 70)

6, Januar
Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren
ward in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da
kamen Weise aus dem Morgenland nach
Jerusalem und sagten: „Wo ist der zum König der
Juden Geborene? Denn wir haben seinen Stern
gesehen im Morgenland (im Aufgang) und sind
gekommen, ihn anzubeten.“ (Matth. 2, 1. 2)

Der Aufgang ist der Herr. Deshalb erschien der Stern den
Weisen „im Aufgang“. Diese Weisen besaßen Kenntnisse in
Symbolik und wußten daher vom Kommen des Herrn. Sie ver-
standen, daß er vor ihnen her ging, zunächst nach Jerusalem,
als Sinnbild für Lehre und Wort in der Kirche. Der Stern steht

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hierbei für die Erkenntnis des Guten und Wahren und im
höchsten Sinn für die Erkenntnis des Herrn. Solches Wissen
war bei den Morgenländern noch vorhanden; sie wurden des-
halb Söhne des Aufgangs genannt. (Erkl. Offb. 422)

7. Januar
Wer hat die Wasser mit der hohlen Hand gemessen
und die Himmel mit der Spanne abgegrenzt? Wer
hat ins Hohlmaß gefaßt den Staub der Erde, wer die
Berge gewogen mit der Schnellwaage und die
Hügel mit Waagschalen? Wer hat den Geist des
Herrn gelenkt, und wer ist sein Ratgeber, der ihn
unterwiese? Mit wem hat er sich beraten, daß der
ihn belehrte und ihm den Pfad des Rechten zeigte,
den Weg der Einsicht ihm wiese? Siehe, die Völker
sind wie ein Tropfen am Eimer, sind wie ein
Stäublein auf der Wage geachtet. (Jes. 40, 12 - 17)

Die Allmacht Gottes im Ganzen und in allen Teilen der


Welt tritt hervor und wirkt gemäß den Gesetzen seiner
Ordnung. Gott ist der Allmächtige, weil er alles aus sich selbst
zu tun vermag, während alle andern nur dank seiner Hilfe
etwas erreichen können. Können und Wollen sind bei ihm ein
und dasselbe, und da er nichts als das Gute will, kann er auch
nur das Gute tun. Gott ist das Gute selbst; er ist daher in sich,
wenn er das Gute tut, und er kann sich selbst nicht untreu wer-
den. Damit liegt offen, daß sich seine Allmacht innerhalb der
Sphäre der unendlichen Ausdehnung des Guten entwickelt
und verwirklicht; denn diese Sphäre erfüllt vom Innersten her-
aus das Weltall bis in die letzten Einzelheiten und regiert vom
da aus die Dinge, die sich außerhalb befinden, so weit sie sich
ihren Ordnungen gemäß verbinden. Tun sie es nicht, erhält

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diese Sphäre sie dennoch und wirkt mit aller Anstrengung dar-
auf hin, sie in eine Ordnung zurückzuführen, die mit der
allumfassenden übereinstimmt. (W.C.R. 56)

8. Januar
Die Blinden will ich auf einem Weg führen, den sie
nicht kannten, und sie auf Steige leiten, die sie
nicht wußten, will Finsternis vor ihnen zum Licht,
will, was verkehrt war, gerade machen. Diese
Dinge will ich für sie tun und sie nicht verlassen.
(Jes. 42, 16)

Als Blinde gelten im Wort Menschen, die das Wahre nicht


kennen, sei es weil sie an Falschem festhalten, sei es weil sie nie
auf die Wahrheiten gestoßen sind. … Bei Jesajah ist hier die
(unverschuldete) Unkenntnis gemeint, die bei gut gearteten
Heidenvölkern verbreitet war und noch immer ist. Die
Finsternis, das Falsche der Unwissenheit, ist demnach zu
unterscheiden vom Falschen des Bösen, das in sich immer das
Böse verbirgt, von dem es stammt. Das (hier erwähnte) Falsche
hat aber eine gute Meinung als Grundlage und als Ziel. Seine
Träger sind deshalb belehrbar und sind im Stand, das ihnen
vermittelte Wahre mit dem Herzen aufzunehmen, weil ihre
gute Einstellung nach Wahrheiten strebt und sie akzeptiert.
Das Falsche, das sich auf Böses gründet, verschmäht und flieht
die Wahrheiten, ganz allein weil sie wahr sind und sich mit
dem Bösen nicht vereinen lassen. (H. G. 2383, Erkl. Offb. 526)

9. Januar

Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuß und ein


Licht auf meinem Steige. (Ps. 119, 105)

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Lampen, die an vielen Orten im Wort erwähnt werden,
sind Glaubenswahrheiten. Deshalb wird auch das Wort selbst
als Leuchte bezeichnet, weil es das Göttlich-Wahre ist, das der
Herr uns schenkt. Wird der Ausdruck Licht verwendet, liegt
der Ton auf dem Glauben, auf der Einsicht und Weisheit. …
Die Vernunft des Menschen wird vom Herrn so hell erleuchtet,
daß ihre Strahlung mit dem Glanz der Sterne und der Sonne
verglichen wird. Hieraus zeigt sich, wie viel daran gelegen ist,
daß man die inneren Wahrheiten kennt und annimmt.
(H. G. 2531, 9548; Erkl. Offb. 274)

10. Januar
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein
Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht
Hirte ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht
den Wolf kommen und verläßt die Schafe und
flieht, und der Wolf erhascht die Schafe und zer-
streut sie. (Joh. 10, 11. 12)

Schafe sind im Wort Sinnbilder für Menschen, sich dem


Guten der Nächstenliebe widmen, oder auch im abstrakten Sinn
für dieses Gute selbst. Der Hirte wiederum leitet die ihm
Anvertrauten durch das Wahre zum Guten oder stellt im
abstrakten Sinn selbst die Wahrheiten dar, durch die das Gute
aufgebaut wird. Der Wolf ist das höllische Böse, das der
Unschuld (der Lämmer) entgegengesetzt ist und sie zu zerstören
sucht. In ihm herrscht die Begierde, (das Gute) zu rauben und
zu zerstreuen, was bei Matthäus auch von den falschen
Propheten gesagt wird. … Ein Mietling arbeitet für Lohn; er
strebt aber nicht nach dem Lohn des Himmels, sondern nach
dem der Welt und tut das Gute nur als Ausweis für irdische
Verdienste. … Wer das Gute um des Lohnes im andern Leben
tut, wird zwar auch als Mietling bezeichnet, unterscheidet sich

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aber von den oben genannten dadurch, daß er Leben und
Seligkeit im Himmel als Entgelt vor Augen hat, was seinen
Gottesdienst vom Herrn weg und auf sich selbst hin lenkt. …
Seine Handlungen gründen sich also auf Selbstliebe, und was
immer er für andere tut, ist keine echte Nächstenliebe.
(Erkl. Offb. 388, 780; H. G. 6441, 8002)

11. Januar
Und dem Engel der Gemeinde in Laodikia schrei-
be: Das sagt der Amen, der treue und wahrhafte
Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes. … Daß
du sagst: ich bin reich und bin reich geworden und
bedarf nichts, und du weißt nicht, daß du elend
und jämmerlich und arm und blind und nackend
bist. Ich rate dir, kaufe von mir Gold, durch Feuer
geläutert, auf daß du reich werdest, und weiße
Kleider, auf daß umkleidet werdest und die
Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und
Augensalbe, deine Augen damit einzusalben, auf
daß du sehen mögest. (Offb. Joh. 3, 14 - 18)

„Reich sein und die Fülle haben“ bedeutet die Kenntnis


der Belange von Kirche und Himmel, also die Wissenschaft
der Theologie. Wer sich anmaßt, diese aus eigener Kraft zu
bewältigen, anstatt sich vom Herrn durch sein Wort leiten zu
lassen, hält sich für wissend und klug. Das ist eine
Täuschung, die beim Fehlen von geistigem Licht zu Stande
kommt, wenn das geistige Gemüt verschlossen und nur das
natürliche geöffnet ist. Unter Reichtümern und Schätzen
werden im Wort geistige Reichtümer und Schätze, d.h.
Erkenntnisse des Wahren und Guten verstanden.
(Enth. Offb. 206)

14
12. Januar
Ich rufe zu Gott und Jehovah wird mich retten. Des
Abends, des Morgens und des Mittags will ich kla-
gen und jammern, und er wird meine Stimme
hören. (Ps. 55, 17. 18.)

Das Gebet ist ein Reden mit Gott und führt zu einer inne-
ren Anschauung der Gegenstände des Gebets. Dieser
Anschauung entspricht nämlich ein (göttlicher) Einfluß in die
Empfindungen oder Gedanken des Gemüts, so daß sich die
innere Region des Menschen zu Gott hin öffnet. Doch hängt
dieser Vorgang vom Zustand des Menschen ebenso wie vom
Gegenstand des Gebets ab. Wenn auf Grund von Liebe und
Glauben um himmlische und geistige Dinge gebetet wird, fin-
det eine Art von Offenbarung statt, die sich im Gefühl des
Betenden als Hoffnung, Trost oder innere Freude kund tut.
Beten bedeutet daher im innern Sinn geoffenbart werden.
Besonders gilt das für das Gebet eines Propheten, unter dem
der Herr verstanden wird, dessen Gebet ein inneres Reden mit
Gott (also mit dem Göttlichen in ihm selbst) und zugleich
eine Offenbarung ist. Daß es sich um eine solche handelt,
zeigt besonders Lukas: „Es geschah, als Jesus getauft wurde
und betete, daß der Himmel geöffnet ward“ (3,21).
(H.G. 2535)
13. Januar
Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst
geliebt. So jemand spricht: ich liebe Gott, und has-
set seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer sei-
nen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er
Gott lieben, den er nicht sieht?
(1. Br. Joh. 4, 19. 20.)

15
Wie wird der Mensch immer inniger mit dem Herrn ver-
bunden? Es geschieht nicht durch das Wissen oder die Einsicht,
ja nicht einmal durch die Weisheit allein, sondern nur durch ein
von diesen gelenktes Leben, denn das Leben des Menschen
repräsentiert seine Liebe, und die Liebe ist vielfältig. Es gibt eine
Liebe zum Bösen und eine zum Guten. … Der Herr wirkt auf
die Lebenshaltung jedes Menschen ein, und zwar auf dem Weg
durch ihre Neigungen in die Wahrnehmungen und Gedanken,
aber nicht umgekehrt. Er kann sich daher nur soweit mit dem
Menschen verbinden, wie die Liebe zum Bösen mit ihren
Neigungen (den Begierden) entfernt ist. Diese haben ihren Sitz
im natürlichen Bereich, und der Mensch empfindet alles, was er
nur als natürliches Wesen tut, als sein eigenes Werk. Deshalb
muß er auch die Begierden wie aus eigener Kraft entfernen,
worauf der Herr sich ihm nähern und sich mit ihm verbinden
kann. So wird jedem vernünftigen Menschen klar, daß
Begierden und Lüste die Türen vor dem Herrn versperren und
verriegeln und daß der Herr sie nicht austreiben kann, solange
der Mensch, von seiner Natur getrieben, nicht will, daß die
Türen geöffnet werden. (G. V. 33 )

14. Januar
Und Jehovah Gott ließ aus dem Boden sprossen
allerlei Bäume, lustig anzusehen und gut zur
Speise; und den Baum der Leben in der Mitte des
Gartens und den Baum der Erkenntnis des Guten
und Bösen. Und Jehovah Gott nahm den
Menschen und setzte ihn nieder in den Garten
Eden, ihn zu bebauen und ihn zu hüten. Und
Jehovah Gott gebot über ihn dem Menschen und
sprach: Von jeglichem Baume darfst du essen.
Aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und
Bösen, von dem sollst du nicht essen; denn wel-

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ches Tages du davon issest, wirst du des Todes
sterben. ( 1. Mose 2, 9. 15 - 17)

Unter Adam und seinem Weib ist die älteste Kirche auf der
Erde zu verstehen. Durch den Garten Eden wird deren
Einsicht und Weisheit dargestellt. Alles was von diesem
Garten erzählt wird, dient, geistig verstanden, diesem Zweck.
In welcher Weise dann diese Weisheit bei ihren Nachkommen
verloren ging, wird durch das Essen vom Baum der
Erkenntnis beschrieben; die beiden Bäume in der Mitte des
Gartens sind Sinnbilder für das Innewerden, der Baum des
Lebens für das Innewerden von der Seite des Herrn, der Baum
der Erkenntnis des Guten für das Innewerden von der Welt
her, das jedoch nicht über ein Erkennen und Wissen hinaus-
geht. Die Schlange aber, die sie verführte, bedeutet das
Sinnliche des Menschen, das unmittelbar mit der Welt in
Kontakt steht. Deshalb wird unter ihrer Verführung durch die
Schlange die Verführung durch die Sinne verstanden, die all
ihre Wahrnehmungen aus der Welt und nichts aus dem
Himmel empfangen. Es war aber Adam und seinem Weib kei-
neswegs verboten, sich Erkenntnisse des Guten und Bösen aus
dem Himmel zu verschaffen, denn durch diese wurde ihre
Einsicht und Weisheit gefördert. Es war ihnen nicht einmal
verboten, Erkenntnisse des Guten und Wahren aus der Welt
zu erwerben, denn dadurch kam ihr natürlicher Mensch zu
Kenntnissen. (Erkl. Offb. 739)

15. Januar
Und die Schlange war listiger als alle Tiere des
Feldes, die Jehovah Gott gemacht hatte, und
sprach zu dem Weibe: Hat denn Gott wirklich
gesagt: Eßt nicht von allen Bäumen des Gartens?
Und das Weib sprach zur Schlange: von der Frucht

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der Bäume des Gartens dürfen wir essen; aber von
der Frucht des Baumes, der inmitten des Gartens
ist, sprach Gott, ihr sollt nicht davon essen, ihn
auch nicht berühren, auf daß ihr nicht sterbet. Und
die Schlange sprach zu dem Weibe: ihr werdet
nicht des Todes sterben; denn Gott weiß, daß, wel-
ches Tages ihr davon eßt, eure Augen sich davon
auftun, und ihr seid wie Gott und wißt, was Gut und
Böse ist. Und das Weib sah, daß von dem Baum
gut zu essen und daß er eine Lust für die Augen
und begehrenswert sei, weil er klug mache. Da
nahm sie von seiner Frucht und aß, und gab auch
ihrem Manne, der bei ihr war, und er aß.
(1. Mose 3, 1 - 6)

Die Uralten haben alle Lebensvorgänge und Regungen des


Menschen nicht nur mit Tieren und Vögeln verglichen, son-
dern direkt als solche benannt; das entsprach so ihrer
Redeweise. Ähnliches gilt auch für die Alte Kirche nach der
Sintflut, und Ähnliches erhielt sich bei den Propheten. Die
Sinnestriebe des Menschen wurden Schlangen genannt; denn
wie die Schlangen dicht an der Erde leben, so ist auch das
Sinnliche dem Leib am nächsten. Was auf rein sinnlicher Basis
über Glaubensgeheimnisse philosophiert und gegrübelt
wurde, nannten sie daher Schlangengifte, und die Grübler
selbst Schlangen. Und weil diese auf Grund von sinnlich
Wahrnehmbarem - also Irdischem, Leiblichem, Weltlichem
und Natürlichem - viel nachdenken, so wurde gesagt: „die
Schlange war listiger als alles Wild des Feldes“. (H. G. 195)

16. Januar
Und Gott wird abwischen jede Träne von ihren
Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, kein

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Trauern, kein Geschrei, keine Mühsal wird mehr
sein; denn das Erste ist vergangen.
(Offb. Joh. 21, 4)

Jeder Mensch kommt nach den Tode zuerst in die


Geisterwelt, die in der Mitte zwischen dem Himmel und der
Hölle liegt, und wird hier vorbereitet, der Gute für den
Himmel, der Böse für die Hölle. So hatten hier viele scheinbar
angepaßte, ordentliche Geister Umgang miteinander, von
denen jedoch nur ein Teil auch innerlich sauber, andere aber
verdorben waren. Diese letzteren werden von der ständigen
Begierde beherrscht, andere zu verführen. Deshalb konnte es
geschehen, daß innerlich Gute, die mit ihnen in Kontakt stan-
den, angefochten wurden und dadurch Schmerzen erlitten und
und von Furcht vor Verdamnis, vor höllischen Angriffen und
Versuchungen geplagt wurden. Der Herr faßte daher während
des letzten Gerichts die bösen Geister in einem tiefer gelegenen
Land zusammen, wo sie bewacht wurden. … Jetzt hörten bei
den Guten die Anfechtungen und damit aller Schmerz und die
Angstzustände auf. Keine Tränen (seelische Schmerzen), kein
Tod (Furcht vor der Verdammnis), keine Trauer, kein Geschrei
(Angst vor Bösem und Falschem) und keine Mühsal (Kampf
gegen Versuchungen) blieben übrig. (Erkl. Offb. 1293)

17. Januar
Und Jehovah sprach: Wer hat beredet Achab, daß
er hinaufziehe und falle in Ramoth Gilead? Und
dieser sprach so, und jener sprach so. Und es kam
ein Geist hervor und stand vor Jehovahs Angesicht
und sprach: ich will ihn bereden. Und Jehovah
sprach: Womit? Und er sprach: ich will ausgehen
und im Munde aller seiner Propheten sein ein Geist

19
der Lüge. Und er sprach: Du wirst bereden und es
schaffen. Geh aus und tue so! (1. Kön. 22, 20 - 22)

Alle Bewohner der Geisterwelt haben eine unmittelbare


Verbindung mit den Menschen auf der Erde. Jeder Mensch
befindet sich mit seinen Neigungen und Gedanken in
Gesellschaft von Bewohnern der Geisterwelt und mittelbar
durch diese in Gesellschaft von Bewohnern des Himmels oder
der Hölle. Das Leben jedes Menschen hängt von dieser
Verbindung ab. ( Enth. Offb. 552)

18. Januar
Als das Gedränge zu Zehntausenden sich versam-
melte, sodaß sie einander niedertraten, fing er an
zu seinen Jüngern zu sagen: Zum ersten nehmet
euch in acht vor dem Sauerteig der Pharisäer, der
ist Heuchelei. Nichts ist verdeckt, das nicht aufge-
deckt werden, und verborgen, das nicht erkannt
werden wird. Deshalb, was ihr im Finstern gespro-
chen habt, wird im Licht gehört werden. Und was
ihr in den Kammern ins Ohr geredet habt, wird auf
den Dächern gepredigt werden. Ich aber sage
euch, meinen Freunden: fürchtet euch nicht vor
denen, die den Leib töten, nach dem aber nichts
weiter haben, das sie tun können. Ich will euch
aber weisen, vor dem ihr euch zu fürchten habt.
Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet
hat, die Gewalt hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich
sage euch, vor dem fürchtet euch. (Luk. 12, 1 - 5)

Alles, was der Mensch willentlich denkt, redet und tut, wird
ein Bestandteil seiner Persönlichkeit und bleibt ihm erhalten,
sei es gut oder böse. Der Mensch hat nämlich ein äußeres oder

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natürliches und ein inneres oder geistiges Gedächtnis. Diesem
letzteren ist alles bis ins Kleinste eingeprägt, was er in der Welt
gedacht, geredet und getan hat, und zwar so vollständig, daß
absolut nichts fehlt. Dieses Gedächtnis ist das Buch seines
Lebens, das nach dem Tod des Menschen geöffnet und nach
dem er gerichtet wird. (G. V. 227)

19. Januar
Was nützte es dem Menschen, so er die ganze Welt
gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?
Oder was kann der Mensch geben zur Lösung sei-
ner Seele? (Mark. 8, 36. 37)

In der gelehrten Welt haben sich viele mit Untersuchungen


über die Seele abgemüht. Weil sie aber von der geistigen Welt
und vom Zustand des Menschen nach dem Tod nichts wußten,
konnten sie nur Hypothesen aufstellen, nicht über die
Beschaffenheit der Seele, sondern über ihren Einfluß auf den
Körper. Von der Beschaffenheit der Seele konnten sie sich
keine andere Vorstellung machen als von einem unsichtbaren
Etwas im Aether, das von etwas ebenfalls Aetherischem
umhüllt sei. … Auf dieser Basis war nichts zu entdecken, was
dem Geist, der klar erkennen will, als Ausgangspunkt hätte
dienen können. Darum ist mir gewährt worden, mit den
Engeln zu reden und durch ihre Weisheit in diese Sache Licht
zu bringen: die Seele des Menschen, die nach dem Tod lebt, ist
sein Geist. Dieser aber ist Mensch in vollkommener Gestalt.
Seine Seele besteht aus Willen und Verstand, deren Wesen die
vom Herrn geschenkte Liebe und Weisheit ist. Diese beiden
machen das Leben des Menschen aus. Um vom Menschen auf-
genommen zu werden, bewirkt der Herr, daß das Leben als
Betätigungsfeld des Menschen erscheint. Damit sich aber die-
ser das Leben nicht als Eigentum zuschreibt und sich so der

21
Aufnahme Gottes dennoch entzieht, hat der Herr auch gelehrt,
daß alles, was zur Liebe gehört und was man gut heißt, von
ihm allein und nicht vom Menschen stammt, und daß alles
Leben, das diese Bezeichnung verdient, von ihm kommt, weil
eben dieses Gute der Liebe das Leben ausmacht. (G.L.W. 394)

20. Januar
Das gebiete ich euch, daß ihr einander liebet.
(Joh. 15, 17)

Tätige Liebe ist die Liebe zum Nächsten und die


Barmherzigkeit und ist ein niedrigerer Grad jener Liebe, die die
älteste Kirche erfüllte, nämlich die Liebe zum Herrn. So sank die
Liebe mehr und mehr ins Äußere herab und heißt nun Tätige
Liebe (oder gute Gesinnung) … Niemand kann sagen, er sei
wiedergeboren, wenn er nicht anerkennt und glaubt, daß die täti-
ge Liebe der Hauptpfeiler seines Glaubens ist, wenn er nicht
angeregt wird von der Liebe zum Nächsten, so daß er sich seiner
erbarmt. Durch die tätige Liebe wird sein neuer Wille gebildet.
Durch sie bewirkt der Herr das Gute und infolgedessen das
Wahre, aber nicht durch den Glauben ohne sie. Es gibt
Menschen, die aus bloßem Gehorsam Liebestaten vollbringen,
das heißt, weil der Herr es so gebietet. Diese sind nicht wiederge-
boren und werden, wenn sie die Werke nicht von sich aus für
gerecht halten, im andern Leben wiedergeboren. (H. G. 615, 989)

21. Januar

Der gute Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten


Schatz seines Herzens, und der schlechte Mensch
bringt Schlechtes hervor aus dem schlechten Schatz
seines Herzens: denn aus dem Überfließen des
Herzens redet der Mensch. ( Luk. 8, 45)

22
In jedem seiner Werke ist der Mensch mit seiner
Gesinnung und Beschaffenheit ganz und gar gegenwärtig.
Unter der Gesinnung ist die Ausrichtung seiner Liebe und das
zugehörige Denken zu verstehen, die seine Natur und allge-
mein sein Leben bilden. Betrachten wir die Werke uner diesem
Gesichtspunkt, wirken sie wie Spiegelbilder des Menschen.
Dies kann durch Parallelen mit zahmen und wilden Tieren
beleuchtet werden: das zahme Tier ist zahm und das wilde Tier
wild in seinem ganzen Verhalten. … Dasselbe gilt für den
Menschen, dessen Verhalten jedoch der Beschaffenheit seines
Inneren entspringt: ist er dort ein Wolf oder Fuchs, so ist sein
ganzes Tun innerlich wölfisch und fuchsig; das Entsprechende
gilt für den Fall, daß er (innerlich) einem Schaf oder Lamm
gleicht. Daß aber seine gesamte Tätigkeit betroffen ist, zeigt
sich in seinem äußeren Treiben nicht, denn er versteht es, sich
zu drehen und zu wenden; sein wahres Wesen liegt in seinem
Inneren verborgen. Daß der Mensch in allem, was von ihm
ausgeht, seinem Inneren gleicht, stellt sich erst nach dem Tod
lebendig heraus, weil er dann als innerer und nicht mehr als
äußerer Mensch dasteht. (W.C.R. 373)

22. Januar
Da er aber zu Jerusalem war am Pascha auf dem
Feste, glaubten viele an seinen Namen, da sie die
Zeichen schauten, die er tat. Er aber, Jesus, ver-
traute sich ihnen nicht, dieweil er alle erkannte;
und dieweil er nicht bedurfte, daß jemand zeugte
von dem Menschen; denn er erkannte selbst, was
im Menschen war … (Joh. 2, 23 - 25)

Der Name bedeutet das Göttlich-Menschliche des Herrn


oder die Beschaffenheit seines Wesens, von der aller
Gottesdienst ausgeht. Nur dieses Wesen kann verehrt wer-

23
den, denn menschliches Denken erreicht das göttliche Selbst
auf keine Weise. … Vom Herrn erkannt werden heißt, vom
Guten der tätigen Liebe erfüllt sein, oder mit diesem Guten
beschenkt werden, da man es ja nur vom Herrn erhalten
kann. … Erkennen ist nur auf Grund einer Verbindung
möglich; der Mensch kann also vom Herrn nur erkannt wer-
den, wenn er mit ihm verbunden ist. … Der Herr kennt
natürlich auch die anderen, die nicht mit ihm verbunden
sind, und dies sogar sehr genau. Weil sie aber böse sind,
besteht zwischen ihnen und dem Herrn eine Distanz, die
durch das Böse bewirkt wird. Diese Distanz ist der Anlaß für
den Ausdruck, der Herr erkenne sie nicht.
(H. G. 6674, 6806)

23. Januar
Jesus aber spricht zu ihnen: ich bin das Brot des
Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hun-
gern, und wer an mich glaubt, den wird nimmer-
mehr dürsten. (Joh. 6, 35)

Jeder Mensch muß seinen Leib zu allererst mit Nahrung


und Kleidung versorgen, damit eine gesunde Seele in einem
gesunden Körper wohnen kann. Jeder muß aber dazu auch
seine Seele ernähren, und zwar mit Gegenständen der
Einsicht und Weisheit, damit sie in Stand gesetzt wird, dem
Herrn zu dienen. Wer das tut, sorgt gut für sich auf ewig. Wer
aber für seinen Leib bloß des Leibes wegen sorgt, ohne an das
Wohl der Seele zu denken, und wer seine Seele nicht mit
Gegenständen der Einsicht und Weisheit versorgt, sondern
mit dem Gegenteil, der sorgt übel für sich auf ewig; denn der
Zweck soll nicht Eigennutz sein, sondern Dienst an anderen.
(H.G. 6936)

24
24. Januar
Hallelujah, lobt Jehovah von den Himmeln her, lobt
ihn in den Höhen! Lobt ihn, alle seine Engel! Lobt ihn,
alle seine Heerscharen! Lobt ihn, Sonne und Mond,
lobt ihn, all ihr Sterne des Lichts! (Ps. 148, 1-3)

Die Heerscharen (sei es in kriegerischen Unternehmungen


oder beim Gotteslob) sind die Wahrheiten, die in den Himmeln
bekannt sind und auf Grund derer die Engel den Herrn verehren.
Berge, Höhen und Hügel bedeuten die verschiedenen Stufen der
Liebe oder des Guten, Himmlisches wie Geistiges. Die Sonne ist
ein Sinnbild des Guten der Liebe, der Mond ein solches des
Guten des Glaubens, während die Sterne die Erkenntnisse des
Guten und Wahren darstellen. (H. G. 3448, 7988. Erkl. Offb. 405)
Wer (grundsätzlich) an eine göttliche Wirksamkeit in den
Details der Natur glaubt, kann sich aus sehr vielen diesseitigen
Beobachtungen weit besser in diesem Glauben bestärken als in
der Annahme, die Natur regiere sich selbst. Er richtet seine
Aufmerksamkeit auf das Wunder der Zeugungen sowohl der
Pflanzen als auch der Tiere. Und wer im Besitz seiner vollen
Vernunft ist, muß sehen, daß dergleichen Erscheinungen nicht
Produkte der natürlichen Welt sein können. Was hat die Sonne,
aus der die Natur abgeleitet wird, mit einer der himmlischen
nachgeahmten Ordnung gemein? Kann wohl die Natur sich
selbst nützliche Ziele setzen und diese in Ordnung und Form
bringen? Dies kann nur ein Weiser, und das Weltall so ordnen
und ausbilden kann nur Gott in seiner unendlichen Weisheit.
(W.C.R. 12)
25. Januar
Es wird nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr“ ins
Reich der Himmel eingehen; sondern der den Willen
tut meines Vaters in den Himmeln. (Matth. 7, 21)

25
Weil der Glaube seinem Wesen nach tätige Liebe ist, kann
niemand an den Herrn glauben, wenn er nicht in Liebe tätig
ist. Diese Liebe stellt durch den Glauben eine Verbindung her:
durch die Liebe selbst eine Verbindung des Herrn mit dem
Menschen, durch den Glauben eine Verbindung des Menschen
mit dem Herrn. Mit einem Wort: flieht man das Böse als Sünde
und richtet sich nach dem Herrn, wird man von tätiger Liebe
erfüllt und gewinnt Glauben. (L.v. Gl. 22, 23)

26. Januar
So bringt denn Früchte, würdig der Buße. Und
meint nicht, ihr dürft in euch sagen: wir haben
Abraham zum Vater; denn ich sage euch: Gott
kann Abraham aus diesen Steinen da Kinder
erwecken. (Matth. 4, 8. 9)

Nachdem ein Mensch sich geprüft und seine Sünden


anerkannt und Buße getan hat, soll er im Guten beständig
verharren, bis ans Ende seines Lebens. Wenn er nämlich wie-
der zum früheren bösen Leben zurückkehrt, begeht er eine
Entweihung. Dann verbindet sich Böses mit Gutem, und
infolgedessen wird sein späterer Zustand schlimmer als der
frühere. (N.J. 169)

27. Januar
Ihr habt mich nicht erwählt, sondern ich habe euch
erwählt und euch eingesetzt, daß ihr hingeht und
Frucht tragt und eure Frucht bleibe, auf daß, was
immer ihr vom Vater in meinem Namen erbittet, er
es euch gebe. Das gebiete ich euch, daß ihr einan-
der liebet. (Joh. 15, 16. 17)

26
Der Herr redet mit jedem Menschen, denn alles, was in den
Gedanken und im Willen gut und wahr ist, stammt vom
Herrn. Bei jedem Menschen weilen wenigstens zwei böse
Geister und zwei Engel; jene regen sein Böses an, diese aber
begegnen ihm mit Gutem und Wahrem, in dem der Herr selbst
ist. Somit redet der Herr beständig mit dem Menschen, jedoch
ganz anders mit dem einen als mit dem andern … Mit denen,
die von ihm geleitet werden, redet der Herr fühlbarer, was zur
Genüge darin begründet ist, daß niemand außer dem Herrn
Gutes oder Wahres (aus sich selbst) denken kann. Seine
Gegenwart wird vom Zustand der Nächstenliebe und des
Glaubens bestimmt, in dem der Mensch sich befindet. In der
Liebe zum Nächsten ist der Herr gegenwärtig, nicht aber im
„Glauben“ ohne Liebe. (H. G. 904)

28. Januar
Größer wird sein die Herrlichkeit dieses späteren
Hauses als die des ersten, spricht Jehovah der
Heerscharen, und an diesem Ort will ich Frieden
geben, spricht Jehovah der Heerscharen.
(Hag. 2, 9)

Der Friede ist das Symbol für die Gesamtheit der Taten,
Einflüsse und Gaben des Herrn, d.h. also Himmel und Kirche
im Ganzen und allen Einzelheiten und darüber hinaus
Freude und Glück des Lebens in diesen. Im höchsten oder
innersten Sinn gehören zum Frieden: tätige Liebe, geistige
Sicherheit und innere Ruhe. Wenn der Mensch sich dem
Herrn öffnet, gewinnt er Frieden mit dem Nächsten, wird er
erfüllt von der tätigen Liebe, ist er vor den Höllen geschützt
und in geistiger Sicherheit und inneren Ruhe vor dem Bösen
und Falschen. (Enth. Offb. 306)

27
29. Januar
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und
eure Wege sind nicht meine Wege, spricht
Jehovah. Denn die Himmel sind höher denn die
Erde. So sind meine Wege höher denn eure Wege
und meine Gedanken höher denn eure Gedanken.
(Jesajah 55, 8. 9)

Aus eigener Klugheit pflegt der Mensch sich zu überzeu-


gen oder sich ein zu reden, alles Gute und Wahre stamme
von ihm selbst und sei auf seinem eigenen Mist gewachsen.
Das kommt daher, daß die Klugheit aus der Eigenliebe oder
dem Eigenwillen des Menschen stammt. Dieses menschliche
Eigenwesen wird alles immer sich selbst zuschreiben, weil es
nicht im Stande ist, sich darüber zu erheben. Der Mensch
aber, der sich von der Vorsehung des Herrn führen läßt, kann
die eigene Niedrigkeit überwinden und erkennen, daß alles,
was der Herr dem Menschen eingegeben hat, immer
Eigentum des Herrn bleibt und nie in den Besitz des
Menschen übergeht. Wer etwas anderes glaubt, gleicht
jemandem, der die ihm anvertrauten Güter seines Herrn an
sich reißt, als Eigentum betrachtet und also nicht ein
Treuhänder, sondern ein Dieb ist. Und weil das Eigene des
Menschen nur böse ist, verstaut er die Güter in diesem
Bösen, wodurch sie verzehrt werden wie Perlen, die man in
Dünger oder Essig wirft. (G.V. 316)

30. Januar
Er hat dir angezeigt, o Mensch, was gut ist, und
was fordert der Herr von dir, als daß du gerecht
handelst und Barmherzigkeit liebst und demütig
wandelst vor deinem Gott? (Michah 6, 8)

28
Mit „wandeln vor Gott“ ist die Lehre vom Glauben
gemeint. … Wandeln vor Gott bedeutet lehren und leben nach
der Lehre des Glaubens; wandeln vor Jehovah dagegen stellt
ein Leben der Liebe dar. Wandeln, ein gewöhnlicher Ausdruck,
der im Wort nicht selten zu finden ist, bedeutet leben. Es
bezieht sich eigentlich auf den Weg, nämlich den der Wahrheit,
also des Glaubens. … Viele unter den Menschen, die der Lehre
ihrer Kirche anhängen, scheren sich nicht darum, ob sie
Falsches oder Wahres lehrt. Sie lernen es und argumentieren
damit, nicht um des Guten der tätigen Liebe, noch um ihres
Seelenheils, sondern um des weltlichen Erfolgs willen, um
nämlich Ehre und Vermögen zu erwerben. Ihnen fehlt beim
Lesen des Worts jede Erleuchtung. (H. G. 519, 9409)

31. Januar
Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem
Herzen, sondern sollst deinen Nächsten zur Rede
stellen, daß du darob keine Sündenschuld tragest.
Du sollst dich nicht rächen und den Söhnen deines
Volkes nichts nachtragen, sondern deinen
Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin Jehovah.
(3. Mose 19, 17. 18)

Die Lehre von der tätigen Liebe, also die eigentliche


Lebenslehre, war die die oberste Richtschnur der Kirchen der
ältesten Zeit. Sie verband alle jene Kirchen und vereinigte meh-
rere von ihnen zu einer einzigen. Denn als Menschen der
Kirche erkannten ihre Angehörigen alle anderen an, die in
Liebe tätig waren, und nannten sie Brüder, auch wenn sie in
den sogenannten Glaubenswahrheiten um einiges voneinan-
der abwichen. Hierin unterwies der eine den anderen, was zu
ihren Werken der tätigen Liebe gehörte. Sie ertrugen auch, daß
sich die Ansichten trotz allem nicht immer deckten, weil sie

29
wußten, daß jeder Gläubige das Wahre nach der Art seines
Guten aufnimmt. (H.G. 6628)

1. Februar

Dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das


sagt, der die sieben Geister Gottes und die sieben
Sterne hat: ich weiß deine Werke, daß du den
Namen hast, daß du lebest und bist tot. Sei wach-
sam und mache fest, was übrig ist und sterben will;
denn ich habe deine Werke nicht voll gefunden vor
Gott. (Offb. Joh. 3, 1. 2)

„Sei wachsam“ ist der Auftrag, sich um die Wahrheiten


des Glaubens zu kümmern und das Leben danach einzurich-
ten. Denn wer sich Wahrheiten erwirbt und nach ihnen lebt,
gleicht dem, der aus dem Schlaf auftaucht und wach wird.
Wer das Wahre nicht zur Kenntnis nimmt, sondern sich auf
einen bloß (äußeren) Gottesdienst beschränkt, der gleicht
einem, der schläft und träumt. Eine rein natürliche
Lebensführung ist an sich betrachtet, das heißt ohne das gei-
stige Leben, nur ein Traum. Enthält es dagegen auch geistige
Strebungen, stellt es einen Zustand des Wachseins dar. Dieser
kann aber durch nichts anderes erworben werden als durch
das Wahre, das ans Tageslicht tritt, wenn der Mensch ein ihm
gemäßes Leben führt. (Enth. Offb. 158)

2. Februar
Alles nun, was ihr wollt, das euch die Leute tun sol-
len, das tut auch ihr ihnen, denn das ist das Gesetz
und die Propheten. (Matth. 7, 12)

30
Dieser Grundsatz ist im Himmel das Gesetz der gegensei-
tigen Liebe oder der Nächstenliebe. Das Gegenteil wird daraus
in der Hölle, nämlich daß jedem geschieht, wie er dem andern
getan hatte - nicht, daß jene, die im Himmel sind, es täten!
Vielmehr tun sie es sich selbst untereinander, denn die
Vergeltung ist im Gegensatz zum Himmel ihrem Bösen einge-
prägt. (Enth. Offb. 762)

3. Februar
Wer Vater und Mutter mehr liebt denn mich, der ist
meiner nicht wert, und wer Sohn und Tochter mehr
liebt denn mich, der ist meiner nicht wert. Und wer
nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt,
der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der
wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um
meinetwillen, der wird es finden.
(Matth. 10, 37 - 39)

Vater und Mutter stellen im Wort dar, was der Mensch an


Erbgut mit sich trägt, Sohn und Tochter, was er durch sein Leben
an Eigenem hinzu erwirbt. … Durch die Wiedergeburt entsteht
ein neuer Mensch, der sich von diesem alten stark unterscheidet:
Er hat eine Neigung zu geistigen und himmlischen Dingen ent-
wickelt, die seine Freude und Seligkeit ausmachen, während
sowohl das ererbte wie das erworbene Streben des alten
Menschen auf weltliche und irdische Annehmlichkeiten und
Erfolge abzielte. Damit aber der Mensch aus dem alten in den
neuen Zustand gebracht werden kann, müssen die weltlichen
Begierden abgelegt und himmlische Neigungen an ihre Stelle
gesetzt werden. Dies geschieht durch zahllose Mittel, die allein
dem Herrn bekannt sind. (H.G. 6138)

31
4. Februar
Willst du nicht zurückkehren, uns beleben, auf daß
dein Volk fröhlich sei in Dir? Laß uns sehen,
Jehovah, deine Barmherzigkeit, und gib uns dein
Heil! Ich will hören, was der Gott Jehovah redet;
denn er redet Frieden zu seinem Volk und zu seinen
Heiligen. Aber sie sollen sich nicht wieder zur
Narrheit kehren. Nah‘ ist ja denen, die ihn fürchten,
sein Heil, daß Herrlichkeit in unserem Lande
wohne. (Ps. 85, 7-10)

Die himmlischen Menschen der ältesten Kirche verstanden


unter Barmherzigkeit den Einfluß der Liebe zum Herrn und
die tätige Liebe zum Nächsten. Den Geistigen der
Nachfolgekirche bedeutete sie wohl auch die Nächstenliebe,
diese aber auf Grund der Kräfte des Glaubens. Dieser
Unterschied rührt daher, daß die Uralten nicht erst über den
Glauben und seine Wahrheiten nachdachten, sondern gleich
über die Liebe und ihr Gutes. … Werden nun himmlische
Menschen wiedergeboren, haben sie Zugang zur Liebe zum
Herrn, in geistigen Menschen jedoch entwickelt sich auf der
Basis des Glaubens die Nächstenliebe. … Daß der Herr
Frieden redet, will sagen, er lehre die Menschen und stelle
durch die Verbindung des Guten und Wahren auch die
Verbindung zu ihm selbst her. Wer einmal den Weg zum Guten
oder Wahren gefunden hat, wird frei vom Bösen und seinen
Unwahrheiten, das heißt, er kehrt nicht wieder zur Narrheit
zurück. (H.G. 3122; Enth. Offb. 365)
5. Februar
Segne Jehovah, meine Seele! Jehovah, mein Gott,
du bist sehr groß. Majestät und Ehre hast du ange-
zogen! Er umhüllt sich mit Licht wie mit einem

32
Gewand. Er spannt die Himmel aus wie einen
Teppich. Er zimmert mit Wassern seinen Söller,
setzt dichte Wolken zu seinem Wagen und geht auf
den Flügeln des Windes einher. Er macht zu seinen
Boten die Winde, zu seinen Dienern flammend
Feuer. (Ps. 104, 1-4)

Durch das Licht, womit sich Jehovah deckt, wird das


Göttlich-Wahre in den Himmeln dargestellt, das sein Kleid
genannt wird, weil das Wahre von ihm als der Sonne ausgeht
und ihn also völlig einhüllt. Dieselbe Bedeutung haben das
Licht und die Kleider des Herrn, als er verklärt wurde, (Matth.
17, 2). Das Ausspannen der Himmel ist dann ein Sinnbild des
Göttlich-Wahren, das den Himmel und seine Bewohner mit
Einsicht erfüllt. Das Wasser stellt die Erkenntnisse des Wahren
und Guten dar, daß er damit seinen Söller baut, will sagen, er
habe diejenigen mit diesen Erkenntnissen erfüllt, die im letzten
Himmel und in der Kirche zu Hause sind. Die Wolken sind wie
überall die Wahrheiten im Buchstabensinn des Worts; sie zu
seinem Wagen machen heißt, die Lehre daraus entwickeln.
Wandeln auf den Flügeln des Windes symbolisiert den geisti-
gen Sinn, der im Buchstaben enthalten ist. (Erkl. Offb. 283)

6. Februar
Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen
eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn
glaubt, nicht verloren werde, sondern das ewige
Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die
Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die
Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt,
wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon
gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen
des eingeborenen Sohnes Gottes. (Joh. 3, 16 - 18)

33
Der Glaube an Gott, den Heiland, macht den Menschen
selig, denn der Herr ist zugleich Gott und Mensch, er ist im
Vater und der Vater in ihm; sie bilden also eine Einheit. Wer
sich an ihn wendet, wendet sich daher zugleich an den Vater, an
den einen und einzigen Gott. Ein Glaube an einen andern
macht den Menschen nicht selig. Der Herr hat den Jüngern
häufig geboten, und die Apostel haben es wiederholt, daß man
an den Sohn Gottes, den Erlöser und Heiland, empfangen von
Jehovah und geboren von der Jungfrau Maria, dessen Name
Jesus Christus ist. … Der Glaube ist weniger die Erkenntnis
und Anerkennung alles dessen, was die Glaubenslehre umfaßt,
sondern hauptsächlich die Befolgung dessen, was sie lehrt. Die
Grundlage ist die Liebe zum Herrn und die Liebe zum
Nächsten; wer nicht von dieser erfüllt ist, hat keinen Glauben.
(W. C. R. 337; H.G. 36)

7. Februar
Bekennet Jehovah, denn er ist gut, denn seine
Barmherzigkeit ist ewig. (Ps. 118, 1)

Gott zu bekennen heißt, Früchte der Liebe bringen oder


treu, aufrichtig und emsig das Werk seines Berufes verrichten;
denn dies ist der Gegenstand der Gottes- und Nächstenliebe,
das Band der Gesellschaft und ihr Bestes. Dadurch und auch
durch den Gottesdienst zu festgesetzten Zeiten bekennen wir
Gott. Habt ihr nicht gelesen die Worte des Herrn: „Dadurch
wird mein Vater verherrlicht, daß ihr viele Frucht bringt und
meine Jünger werdet.“ ( Joh. 15, 8) (E. L. 9)

8. Februar
Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der
kann mein Jünger nicht sein. Denn wer von euch,

34
der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor
hin und berechnet die Kosten, ob er es hat zur
Ausführung? Auf daß nicht, so er den Grund
gelegt, und nicht vermag es zu vollenden, alle, die
es schauen, anfangen, ihn zu verspotten. Oder, wo
ist ein König, der hinzieht, um mit einem andern
König in Krieg zusammenzutreffen, und sich nicht
zuvor hinsetzt und berät, ob er kann mit zehn
Tausend begegnen dem, der mit zwanzig
Tausenden über ihn kommt? Also ist‘s mit jegli-
chem unter euch: so er nicht alles, was er besitzt,
aufgibt, kann er nicht mein Jünger sein.
(Luk. 14, 27 - 29. 31. 33)

„Einen Turm bauen“ heißt, sich innere Wahrheiten erwer-


ben, und „einen Krieg beginnen“, mit Hilfe dieser Wahrheiten
kämpfen. Es wird hier von den Versuchungen gesprochen, die
die Angehörigen der Kirche, hier Jünger des Herrn genannt,
erleiden müssen. Diese Versuchungen werden durch das Kreuz
dargestellt, das sie tragen sollen. Daß sie aber keineswegs aus
eigener Kraft, sondern durch die des Herrn siegen, steht in den
Worten „wer nicht absagt allen seinen Kräften, der kann nicht
mein Jünger sein“. (H.G. 4599)

9. Februar
Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.
Und die Erde war eine Leere und Öde, und
Finsternis war auf den Angesichten des
Abgrundes; und der Geist Gottes schwebte über
den Wassern. Und Gott sprach: es werde Licht, und
es ward Licht. Und Gott sah das Licht, daß es gut
war, und Gott schied zwischen dem Licht und zwi-
schen der Finsternis. Und Gott nannte das Licht

35
Tag und die Finsternis nannte er Nacht; und es
war Abend und es war Morgen, der erste Tag.
(1. Mose 1, 1 - 5)

Unter „Geist Gottes“ ist die Barmherzigkeit des Herrn zu


verstehen, von der gesagt wird, sie schwebe oder brüte – ähn-
lich wie eine Henne über ihren Eiern brütet – über den Gaben,
die der Herr im Menschen verbirgt und die hin und wieder im
Wort „Überreste“ genannt werden. Es sind Erkenntnisse des
Wahren und Guten, die nicht ans Licht oder an den Tag kom-
men, ehe das Äußere abgeödet ist. Diese Erkenntnisse werden
hier „Angesichte der Wasser“ genannt. (H. G. 19)

10. Februar
Es wird geschehen an jenem Tag, daß der Überrest
Israels und der Entkommenen von Jakobs Haus
sich nicht mehr stützt auf den, der es geschlagen,
sondern sich stützt auf Jehovah, den Heiligen
Israels in Wahrheit. Der Überrest, Jakobs Überrest,
kehrt dann zurück zu Gott dem Mächtigen.
(Jes. 10, 20. 21)

„Überreste“ sind nicht nur das Gute und Wahre, das der
Mensch von Kindheit an aus dem Wort des Herrn erlernt und
seinem Gedächtnis eingeprägt hat. Zu den Überresten
gehören auch alle Zustände, die sich auf dieses Gute und
Wahre gründen, z.B. die Unschuld der Kindheit, die Liebe zu
den Eltern, Geschwistern, Lehrern und Freunden, die tätige
Liebe gegenüber den Nächsten und auch die Barmherzigkeit
gegen Arme und Bedürftige. Diese also – nebst dem Guten
und Wahren, das dem Gedächtnis eingeprägt ist – heißen
„Überreste“, die der Herr im Inneren des Menschen aufbe-
wahrt und erhält, ohne daß der Betroffene etwas davon weiß;

36
der Herr trennt sie nämlich sorgfältig von allem, was dem
Menschen eigen und damit böse und falsch ist, und läßt nicht
das Geringste davon verloren gehen. Das ist mir zu wissen
gegeben worden, weil jeder Zustand, den der Mensch von sei-
ner Kindheit an bis in sein höchstes Alter durchläuft, im
andern Leben gespeichert bleibt und ganz unverändert wie-
derkehrt. Das trifft nicht nur für das Gute und Wahre des
Gedächtnisses zu, sondern auch für alle Zustände der
Unschuld und tätigen Liebe. Kommen nun aber die Zustände
des Bösen und Falschen oder der Bosheit und Einbildung wie-
der hoch, die alle ebenfalls bis ins kleinste Detail erhalten blei-
ben, dann werden sie vom Herrn durch jene (besseren) gemil-
dert. Es zeigt sich also, daß der Mensch ohne die Überreste in
der ewigen Verdammnis landen müßte. (H. G. 561)

11. Februar
Und du sollst einen Räuchaltar machen für das
Räucherwerk. Aus Schittimholz sollst du ihn
machen. Und stelle ihn vor den Vorhang, der bei
der Lade des Zeugnisses ist, vor dem Gnadenstuhl,
der über dem Zeugnisse, wo ich mit dir zusam-
menkomme. Und auf ihm lasse Aharon Morgen
nach Morgen Räucherwerk der Spezereien anzün-
den. Wenn er die Lampen zurichtet, soll er damit
räuchern. Und wenn Aharon die Lampen aufsteckt
gegen Abend, soll er damit räuchern, ein beständi-
ges Räucherwerk vor Jehovah in euern
Geschlechtern. (2. Mose 30, 1. 6 -8)

Alle Morgen beschreibt den Zeitpunkt, wenn ein klarer


Zustand der Liebe herrscht. In den Himmeln folgen die
Zustände der Liebe und des Lichts, das heißt des Guten und
Wahren, regelmäßig aufeinander wie auf der Erde Morgen,

37
Mittag, Abend und Dämmerung, und wie Frühling, Sommer,
Herbst und Winter, und diese irdischen Tages- und Jahres-
zeiten haben ihren Ursprung im Himmel, denn was in der
Welt existiert, besteht aus Bildern himmlischer Dinge, weil
alles Natürliche vom Geistigen, das heißt von der göttlichen
Kraft in den Himmeln abstammt. Die Zustandsverän-
derungen in den Himmeln lassen sich demnach mit den irdi-
schen Zuständen der Wärme und des Lichts vergleichen. In
den Himmeln ist die Wärme das Gute der Liebe, das Licht
das Wahre des Glaubens vom Herrn. Die Zustände wechseln
dort, weil auch die Engel innerlich wachsen sollen; denn der-
selbe Zustand kehrt nie mehr wieder, weder in der geistigen
noch in der natürlichen Welt. Daher nimmt die
Vollkommenheit fortwährend zu. (H.G. 10200)

12. Februar
Wie viel sind deiner Werke, Jehovah, sie alle hast
mit Weisheit du gemacht. Voll ist die Erde deines
Besitztums. (Ps. 104, 24)

Reichtum und Güter sind natürlich und zeitlich (begrenzt)


oder auch geistig und ewig, natürlich und begrenzt bei
Menschen, denen sie alle Wünsche erfüllen, geistig und ewig
bei denen, die sie dazu verwenden möchten, um der
Allgemeinheit zu nützen. In diesen verwandelt sich auch die
äußere Lust und Freude in geistige, und das zeitlich Begrenzte
erhält ewigen Wert. Sie wohnen nach dem Tod im Himmel in
Palästen, wo alle Geräte von Gold und kostbaren Steinen glän-
zen. Sie betrachten das jedoch auch dort nur als Äußerlichkeit,
das allerdings vom Innern erleuchtet ist, vom Nutzen nämlich,
der ihnen Freude und Befriedigung, ja die himmlische
Seligkeit bereitet. (G. V. 220)

38
13. Februar
Völkerschaften werden zu deinem Lichte wandeln
und Könige zum Glanze deines Aufgangs. Dann
wirst du es sehen, und herbeiströmen und staunen
wird dein Herz und sich erweitern, denn zu dir wird
umkehren des Meeres Menge, und die Streitmacht
der Völkerschaften zu dir kommen. Und die Milch
der Völkerschaften wirst du saugen, und der
Könige Brust wirst du saugen, daß du wissest, daß
ich, Jehovah, bin dein Heiland und dein Erlöser,
der Gewaltige Jakobs. Der Kleine soll zu Tausend
und der Geringe zur zahlreichen Völkerschaft wer-
den. Ich, Jehovah, werd‘ es zu seiner Zeit
beschleunigen. (Jes. 60, 3. 5. 16. 22)

Hier wird vom Herrn gesprochen. Die Völkerschaften sind


Menschen, die vom Guten der Liebe zu ihm erfüllt sind, die
Könige solche, die die Wahrheiten des Glaubens zur
Richtschnur gewählt haben. Milch hingegen ist ein Symbol für
das Wohlbefinden im Guten der Liebe; dasselbe gilt für die
Brüste, die die Milch liefern. Wenn nun der Kleine zu tausend
und der Geringe zu einer zahlreichen Völkerschaft wird, ist
damit die Vermehrung des Wahren und die Befruchtung des
Guten gemeint. Unter den Völkerschaften aber, die verwüstet
werden sollen, hat man sich die Seelen vorzustellen die sich
dem Bösen ergeben haben und auch selbst böse sind.
(Erkl. Offb. 175)
14. Februar
Denn wie der Vater Leben hat in sich selbst, so hat
er auch dem Sohne gegeben, Leben in ihm selbst
zu haben. (Joh. 5, 26)

39
Gott allein und somit der Herr ist die Liebe, denn er ist das
Leben. Engel und Menschen empfangen von ihm das Leben.
Der Herr, der Gott des Weltalls, ist unerschaffen und unend-
lich. Der Mensch hingegen und der Engel sind erschaffen und
endlich. Der Herr, unerschaffen und unendlich, ist das Sein an
sich, „Jehovah“ genannt, und das eigentliche Leben. Aus dem
Unerschaffenen, Unendlichen, dem Sein und dem Leben, kann
niemand unmittelbar geschaffen werden, weil das göttliche
Prinzip eine Einheit und unteilbar ist. Das Geschöpf muß aus
Geschaffenem und Endlichem bestehen, das so gebildet ist,
daß die göttliche Kraft in ihm Raum finden kann. Weil das auf
Menschen und Engel zutrifft, können sie das Leben empfan-
gen. Verirrt sich daher ein Mensch in seinem Denken so weit,
daß er sich nicht für einen Empfänger des Lebens, sondern für
das Leben selbst hält, kann ihn niemand vom Gedanken
abbringen, er sei Gott. Das Gefühl und die Überzeugung des
Menschen, selbst Leben zu sein, beruht auf Täuschung, denn
in den materiellen Quellen wird der eigentliche (göttliche)
Ursprung nicht gesondert wahrgenommen. (L. u. W. 4)

15. Februar
Die aber auf Jehovah hoffen, verjüngen die Kraft,
sie steigen auf mit Schwingen wie Adler, sie laufen
und ermüden nicht, sie gehen und werden nicht
matt. (Jes. 40, 31)

Die Bewohner des Himmels, schreiten fortwährend im


Frühling des Lebens voran, und je mehr Jahrtausende sie
leben, desto seliger wird dieser Frühling. Dies setzt sich in
Ewigkeit fort, wobei die Zunahme dem Fortschritt und den
Graden der Liebe, der Nächstenliebe und des Glaubens ent-
spricht. Die Frauen gelangen, wenn sie bejahrt und vom Alter
abgezehrt gestorben sind, jedoch im Glauben an den Herrn, in

40
der Liebe zum den Nächsten und in glücklicher ehelicher
Liebe mit ihrem Mann gelebt hatten, im Lauf der Jahre mehr
und mehr zurück in die Blüte der Jugend und des mannbaren
Alters. Ihre Schönheit übertrifft dann jede Vorstellung. Es ist
die Güte, die Nächstenliebe, die sie so gestalten und ein
Ebenbild ihrer selbst darstellen. Die Güte und Nächstenliebe
sind die Ursache des Angenehmen und Schönen der Liebe, das
aus jedem Zug des Gesichts hervorleuchtet. … Mit einem
Wort: alt werden im Himmel heißt jung werden. Diejenigen,
die in der Liebe zum Herrn und zum den Nächsten gelebt
haben, werden im andern Leben zu solchen Gestalten der
Schönheit. Alle Engel sind solche Gestalten in unzählbarer
Mannigfaltigkeit. (H.H. 414)

16. Februar
Gesegnet ist der Mann, der vertraut auf Jehovah.
(Jer. 17, 7)

Die Lehren sind um des Lebens willen da, was leicht zu


begreifen ist. Was aber wäre der Zweck, wenn nicht das Leben
– oder die Situation, daß der Mensch nicht so herauszukom-
men droht, wie der Herr es wünscht? Es heißt zwar, das
Wesentliche eines Glaubens, der selig macht, sei das Vertrauen.
Aber dieses Vertrauen kann nur in einem Leben aufkommen,
das auf das Gute ausgerichtet ist. Ohne das Gute gibt es keine
Aufnahme (der Kraft aus dem Himmel) und ohne deren
Aufnahme kein Vertrauen. Es sei denn, man zähle ein Gefühl
dazu, das auch ein Mensch empfindet, der sein Leben dem
Bösen verschrieben hat. Er spürt es allerdings nur, wenn die
Begierden der Selbst- und Weltliebe gebremst sind, z.B.
während einer Krankheit des Gemüts oder des Körpers, und es
erweist sich als trügerisch, sobald die Krankheit abklingt; denn
jetzt verschwindet es völlig. Es gibt also auch ein Vertrauen bei

41
den Bösen; wer aber wissen will, welcher Art sein eigenes ist,
der erforsche die Neigungen, Ziele und Tätigkeiten seines eige-
nen Lebens. (H.G. 2982)

17. Februar
Und Gott sprach: Es seien Lichter an der
Ausbreitung des Himmels, zu scheiden zwischen
dem Tag und zwischen der Nacht, und sollen sein
zu Zeichen und zu bestimmten Zeiten und zu Tagen
und Jahren. Und sie seien zu Lichtern an der
Ausbreitung des Himmels, zu leuchten auf der
Erde. Und es ward also. Und Gott machte die zwei
großen Lichter, das große Licht am Tag zu herr-
schen, und das kleine Licht bei Nacht zu herr-
schen, und die Sterne. Und Gott gab sie an die
Ausbreitung des Himmels, zu leuchten auf der
Erde, und zu herrschen am Tage und bei
Finsternis. Und Gott sah, daß es gut war. Und es
war Abend und es war Morgen, der vierte Tag.
(1. Mose 1, 14 - 19)

Liebe und Glaube können nie getrennt werden, weil sie


eine Einheit bilden. Es heißt daher im Urtext nicht nur, „es
seien Lichter“, sondern, „es sei Lichter“ an der Ausbreitung
der Himmel. Wunderbares läßt sich hiervon berichten: weil
die himmlischen Engel vom Herrn mit einer solchen Liebe
begabt werden, besitzen sie dazu auch alle Glaubens-
erkenntnisse und führen ein Leben in einem so hellen Licht
der Einsicht, daß es kaum angedeutet, geschweige denn
beschrieben werden kann. Dagegen ist das Dasein der Geister,
die die Glaubenslehren ohne Bezug zum Leben als bloßes
Wissen pflegen, so kalt und dunkel, daß sie sich nicht einmal
der ersten Schwelle des Vorhofes im Himmel nähern können.

42
Zwar sagen sie, sie hätten an den Herrn geglaubt, aber sie
haben nicht gelebt, wie er gelehrt hat. (H.G. 34)

18. Februar
Mit Freude will ich mich freuen in Jehovah, meine
Seele wird frohlocken in meinem Gott: denn mit
Kleidern des Heils hat er mich angetan und mich
umhüllt mit dem Mantel der Gerechtigkeit; wie ein
Bräutigam sich priesterlich ziert mit dem
Kopfschmuck, und wie die Braut prangt mit ihrem
Geräte. (Jes. 61, 10)

Wer sich vom Göttlich-Wahren leiten läßt, wird von der


Gerechtigkeit des Herrn eingehüllt, und seine Kleider sind hell
und glänzend vom Licht, das vom Herrn ausgeht. Alles Wahre
wird im Himmel durch Helligkeit dargestellt. Menschen, die
aus dem Zustand der Verwüstung in den Himmel erhoben
werden, erscheinen weiß gekleidet, weil sie dann alle eigene
Gerechtigkeit ablegen und übernehmen, was zur Gerechtigkeit
des Herrn gehört. Als Symbol für das Göttlich-Wahre in der
jüdischen Kirche mußten die Kleider Aharons Baumwollstoff
oder Byssus enthalten, ebenso die Vorhänge, die um die
Bundeslade angeordnet waren. (H. G. 5319)

19. Februar
Denn Jehovah wird sich Jakobs erbarmen und Israel
wiederum erwählen und sie auf ihren Boden setzen,
und ihnen hänget an der Fremdling und hält sich
zum Hause Jakobs. Und die Völker werden sie neh-
men und hineinbringen an ihren Ort. Und das Haus
Israel wird sie ererben auf dem Boden Jehovahs zu
Knechten und zu Dienstmägden. (Jes. 14, 1. 2)

43
Hier stellt Jakob die äußere, Israel die innere Kirche dar;
„Fremdlinge“ werden im Guten und Wahren unterrichtet.
Wie Knechte und Mägde ihrer Herrschaft auf einer niedrigen
Stufe dienen, so dienen auf der natürlichen Stufe die
Wahrheiten und guten Werke dem geistigen und himmli-
schen Wahren und Guten. … Der Boden endlich, (der die
kahlen Felsen bedeckt) ist ein Bild für das Gute der Liebe in
der Kirche des Herrn. … Der gesamte Himmel ist in
Gesellschaften eingeteilt je nach den Unterschieden des
Guten der Liebe, und jeder Geist, der in den Himmel erhoben
und ein Engel wird, wird der Gesellschaft zugeführt, der seine
Liebe entspricht. Er fühlt sich dort zu Hause, gewissermaßen
wie daheim, wo er geboren wurde. … Daß der Mensch nach
dem Tod eine Personifizierung seiner Liebe ist, zeigt sich
darin, daß dann alles entfernt und ihm gleichsam genommen
wird, was mit seiner wesentlichen Liebe nicht übereinstimmt.
Wer gut ist, von dem wird alles weggerückt, was (das Gute)
stört oder davon abweicht, es wird ihm so gleichsam genom-
men, und er erscheint in seine Liebe gekleidet. Ebenso ergeht
es dem Bösen, nur werden diesem die (verbliebenen)
Wahrheiten genommen. So erscheint am Ende jeder als ein
Abbild seiner persönlichen Liebe.
(H.G. 2567; Erkl. Offb. 411; H.H. 479)

20. Februar

Jeden nun, der diese meine Worte hört und sie tut,
will ich mit einem klugen Manne vergleichen, der
sein Haus auf den Felsen baute. Und der
Platzregen kam herab, und die Ströme kamen, und
die Winde weheten und stießen wider das Haus,
und es fiel nicht; denn es war auf den Felsen
gegründet. (Matth. 7, 24. 25)

44
Das auf den Felsen gegründete Haus symbolisiert zugleich
die Kirche als Ganzes und den Menschen der Kirche, der seine
Grundsätze und sein Leben auf die Wahrheiten des Herrn
gebaut hat, das heißt auf den Inhalt des göttlichen Worts. Das
Göttlich-Wahre kann nur von Menschen aufgenommen wer-
den, deren oberster Leitsatz die tätige Liebe ist. Die Worte des
Herrn hören und sie tun, verlangt, ein gutes Leben zu führen.
Lebt der Mensch im Einklang mit den Wahrheiten, werden
diese gut und schlagen Wurzeln im Willen und in der Liebe.
Der oben erwähnte Platzregen und die Stürme stellen die
Versuchungen dar, denen der so beschriebene Mensch wider-
steht. … Der Herr läßt nun aber den Menschen nur so tief in
die Wahrheiten und in das Gute der Liebe eindringen, wie er
bis ans Ende seines Lebens erhalten werden kann. Dies tut er,
damit der Mensch nicht (durch Rückschritte) der Entweihung
des Heiligen verfällt. Dieser Gefahr wegen läßt er auch Böses
im Leben und viele Irrlehren im Gottesdienst zu.
(Erkl. Offb. 411; G.V. 233)

21. Februar
Himmel und Erde nehme ich heute wider euch zu
Zeugen, Leben und Tod, Segen und Fluch habe ich
vor dich gelegt. So erwähle das Leben, auf daß du
lebest, du und dein Same! (5. Mose 30, 19)

Nur durch Vernunft und Freiheit kann der Mensch umge-


bildet und wiedergeboren werden, weil er nur dank seiner
Vernunft versteht und weiß, was böse und gut, und folglich
auch, was falsch und wahr ist, und weil er die Freiheit hat zu
wollen, was er versteht und weiß. Solange er aber das Böse
liebt, kann er das Gute und Wahre nicht aus freien Stücken
wollen und zu einer Angelegenheit seiner Vernunft machen. Er
ist daher unfähig, es sich anzueignen. Es wird also dem

45
Menschen nur angeeignet, was er in Freiheit im Rahmen seiner
Vernunft tut; doch benötigt er das unbedingt, um geläutert
und wiedergeboren zu werden. Die Freude am Guten und
Wahren lernt er erst kennen, wenn der Reiz, Böses und
Falsches zu lieben, abgetötet ist; denn Anreize für zwei sich
widersprechende Liebesarten sind nicht möglich. Aus dem
Antrieb seiner Liebe zu handeln, ist die Definition des freien
Willens, und weil die Vernunft diese Liebe unterstützt, handelt
jeder aus freiem Willen (nach seiner Ansicht) vernünftig.
(G.V. 85)

22. Februar
Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit sollst du
nachsetzen, auf daß du lebest und einnehmest das
Land, das Jehovah, dein Gott, dir geben wird.
(5. Mose 16, 20)

Der Himmel ist, wie gesagt, in ebensoviele Gesellschaften


eingeteilt, wie es im Menschenleib Organe und Glieder gibt,
von denen jedes seinen eigenen Platz einnimmt. Die
Gesellschaften bestehen ausschließlich aus ehemals irdischen
Menschen, die, um ihre Aufgabe als Teile des göttlich-himmli-
schen Menschen erfüllen zu können, vom Herrn laufend vor-
bereitet werden, ehe sie von ihm zum Himmel geführt werden.
Diese Vorbereitung geschieht durch eine individuelle Neigung
zum Guten und Wahren, die dem künftigen Wirkungsort ent-
spricht, wo jeder Engel-Mensch nach seinem Austritt aus der
Welt eingeschrieben wird. (G.V. 68)

23. Februar
Was ist der Mensch, daß seiner du gedenkst? Und
des Menschen Sohn, daß du ihn heimsuchst? Ein

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wenig lässest du ihm zu einem Engel mangeln und
krönest ihn mit Herrlichkeit und Ehre. Du machest
ihn zum Herrscher über deiner Hände Werk, alles
hast du unter seine Füße gelegt. (Psalm 8, 5-7)

Der Herr bezweckt auf dem Weg der ständigen Vorsehung,


sich und den Menschen gegenseitig zu verbinden, um ihn mit
der Seligkeit des ewigen Lebens beglücken zu können. Das ist
allerdings nur soweit möglich, wie die Begierden des Bösen
entfernt sind. Gebraucht man seine Vernunft und nützt die
Freiheit des Denkens, so kann man diese Wahrheit in voller
Klarheit erkennen. Allerdings muß man zuerst anerkennen,
daß es Gott, den Himmel und ein ewiges Leben gibt. Gott ist
einer und der Mensch von der Schöpfung her sein Abbild und
ihm ähnlich. Er ist aber durch Begierden und Lüste der hölli-
schen Liebe in die Fänge des Bösen geraten und hat dadurch
sowohl Bild wie Ähnlichkeit mit Gott in sich zerstört. Daher
bedarf es der ständigen Wirksamkeit der Vorsehung des Herrn,
den Menschen als dessen Ebenbild zu erhalten. (G.V. 123)

24. Februar
Gott, sei mir gnädig nach deiner Barmherzigkeit
und wische aus meine Übertretungen nach dei-
nen vielen Erbarmungen. Wasche mich wohl von
meiner Missetat, und reinige mich von meiner
Sünde. Denn ich erkenne meine Übertretungen,
und meine Sünde ist beständig vor mir. An dir, an
dir allein hab ich gesündigt und getan, was böse
ist in deinen Augen, auf daß du gerecht seiest,
wenn du redest, daß du lauter seiest in deinem
Gericht. Siehe, in Missetat ward ich geboren, und
in Sünde empfing mich meine Mutter.
(Ps. 51, 3 -7)

47
Die tätige Buße erfordert, sich zu prüfen, seine Sünden zu
erforschen und einzugestehen, sie vor dem Herrn zu bekennen,
seine Hilfe und Macht zum Widerstand zu erbitten und endlich
von ihnen abzulassen, indem ein neues Leben begonnen wird.
Und alles soll geschehen wie aus eigener Kraft. Man soll dies ein-
oder zweimal im Jahr beim Besuch des Heiligen Abendmahls
tun. Später, wenn die einmal erkannten Sünden sich zurückmel-
den, muß man sich wehren mit den Worten: Ich will dies nicht,
denn Sünde richtet sich gegen Gott. Es ist doch klar, daß nie-
mand von seinen Sünden loskommen kann, wenn er ihnen
gegenüber blind und gleichgültig bleibt, weil nämlich dem
Menschen das Böse vom ersten Tag an angenehm erscheint.
Oder ist es etwa nicht angenehm, sich zu rächen, Unzucht zu trei-
ben, zu rauben und zu lästern, besonders aber aus Eigennutz
über andere zu herrschen? Und hat das Angenehme nicht auch
die Nebenwirkung, daß man es übersieht? Wenn gelegentlich die
Frage auftaucht, ob etwas Sünde sei, beruhigt man sich dann
nicht mit der Ausrede, es sei ja so angenehm? Das kann zur
Gewohnheit werden, so daß man alle Übertretungen bei sich
entschuldigt, bis man am Ende jede Beziehung zum Begriff
Sünde verloren hat und bezweifelt, daß es Sünden überhaupt
gibt. Das Gegenmittel besteht darin, wirklich Buße zu tun, d. h.
böse Absichten und Wünsche, die man einmal erkannt hat, als
Sünde zu bezeichnen, und anfangen, sich von ihnen abzuwenden
und Ekel vor ihnen zu empfinden. Das hat zur Folge, daß alles,
was bisher daran angenehm erschienen ist, sich nun ins Gegenteil
verkehrt. Damit schärft sich der Blick für das Gute, man beginnt
es zu lieben und empfindet es zuletzt auch als angenehm, was
kein Wunder ist, denn es ist ja ein Gefühl, das aus dem Himmel
stammt. Kurz: wer den Teufel hinter sich läßt, wächst zu einem
Kind Gottes heran. Ab sofort wird er von ihm gelehrt, geführt,
gehindert, Böses zu tun, und mit guten Bestrebungen erfüllt.
Dies ist der Weg aus der Hölle in den Himmel. (Enth. Offb. 531)

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25. Februar
Jehovah, wer darf weilen in deinem Zelte, wer
wohnen auf dem Berg deiner Heiligkeit? Wer unta-
delig wandelt und tut Gerechtigkeit, und redet
Wahrheit in seinem Herzen. (Ps. 15, 1. 2)

Der untadelige Wandel und die Gerechtigkeit beschreiben


einen Menschen, dessen Leben sich nach den Wahrheiten und
dem Guten der tätigen Liebe richtet, (wie es z.B. für die ganze
Epoche gilt, die unter dem Namen Noah bekannt ist). … Im
innersten Sinn bezieht sich die Schilderung wie immer auf den
Herrn: Als er Herr in der Welt lebte, kannte er kein anderes
Ziel, als die Liebe gegenüber dem ganzen Menschengeschlecht
zum Zweck seines Lebens zu machen, damit die Menschen die
ewige Seligkeit gewinnen sollten. Sein Leben ist das eigentlich
himmlische, durch das er sich mit Gott und Gott mit sich ver-
einigte; denn das Sein – Jehovah genannt – ist die Barm-
herzigkeit, die der Herr in seiner Liebe zum Menschenge-
schlecht bewiesen hat. Sein Leben war von reiner Liebe erfüllt,
deren kein Mensch fähig ist. Nur wer weiß, was das Leben ist,
nämlich ein Spiegel der Liebe, kann dies fassen. Man kann dar-
aus ersehen, daß in jeder Liebestat für den Nächsten ein
Atemzug vom Leben des Herrn enthalten ist.
(H.G. 612, 2253)

26. Februar
Wendet euch nicht zu den Geisterbannern und
Zeichendeutern. Befragt sie nicht, auf daß ihr nicht
durch sie verunreinigt werdet. Ich, Jehovah, bin
euer Gott. Und seid mir heilig; denn ich Jehovah
bin heilig und habe euch von Völkern ausgeschie-
den, auf daß ihr mein sein sollt. Und Mann und

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Weib, die unter euch Geisterbanner oder
Zeichendeuter sind, sollen des Todes sterben. Mit
Steinen soll man sie steinigen! Ihr Blut sei über
ihnen! (3. Mose 18, 31; 20, 26. 27)

Dem Menschen wird nicht gewährt, Ereignisse vorherzu-


wissen, damit er aus freiem Willen vernünftig handeln kann.
Bekanntlich ist der Mensch bestrebt, seine Neigungen und
Fähigkeiten in die Tat umzusetzen. Er strengt dabei seine
Vernunft an, um eine möglichst große Wirkung zu erzielen; ja
er benützt sie zu keinem anderen Zweck. Wüßte er nun die
Wirkung oder den Erfolg aus göttlicher Vorhersagung bereits,
so hätte die Vernunft und mit ihr der Antrieb kein Ziel, sie
schliefen beide ein; denn der Antrieb endet im Erfolg und
erneuert sich in diesem. Die eigentliche Freude der Vernunft
besteht darin, in Gedanken schon den Erfolg vorwegzuneh-
men, eine Möglichkeit also, das Handeln über die Gegenwart
hinaus zu gestalten. Hieraus erwächst für den Menschen die
Hoffnung, die zunimmt und schwindet, je nach der
Greifbarkeit des Erfolgs. Sie findet ihre Erfüllung im Erfolg,
verliert sich jedoch, sobald dieser nicht mehr Gegenstand der
Gedanken ist …
Weil das Vorauswissen der Zukunft die menschliche
Tatkraft aufhebt, die im vernünftigen Handeln aus freiem
Willen besteht, darf niemand die Zukunft kennen. Hingegen
darf jeder aufgrund seiner Vernunft auf die Zukunft schließen,
wodurch die Vernunft mit all ihren Fähigkeiten am Leben
erhalten wird. Daher kennt der Mensch auch sein Schicksal
nach dem Tod nicht, noch irgend ein Ereignis, ehe seine Zeit
gekommen ist. Wüßte er es vorher, hätte er keine Veranlassung
mehr, in seinem Innern über sein Tun und Lassen nachzuden-
ken. Er wäre allein auf die äußeren Dinge reduziert, die ihm
den Erfolg garantieren, wodurch das Innere seines Gemüts mit

50
den zwei wesentlichen Anlagen seines Lebens, der Freiheit und
der Vernunft, verschlossen würde. (G.V. 178, 179)

27. Februar
Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und
nach seiner Gerechtigkeit; dann wird euch dies
alles hinzugetan. Darum sorget nicht für den mor-
genden Tag: denn der morgende Tag wird für das
seine sorgen. Genug für den Tag ist sein Böses.
(Matth. 6, 33. 34)

Der Wunsch, die Zukunft vorauszuwissen, ist den meisten


Menschen angeboren. Er entspringt jedoch dem Hang zum
Bösen und wird deshalb denen genommen, die an die göttliche
Vorsehung glauben; sie gewinnen dafür die Zuversicht, daß der
Herr ihr Geschick ordnet. Um sich ja nicht auf irgend eine Weise
in die göttliche Vorsehung einzudrängen, halten sie sich von
jedem Vorauswissen fern. Wenn die Gestorbenen in die geistige
Welt gelangen, wollen die meisten von ihnen etwas über ihr
Schicksal erfahren. Die Auskunft lautet jedoch nur, ihr Los sei im
Himmel, wenn sie gut, in der Hölle aber, wenn sie bös gelebt
hätten. Aus Furcht vor der Hölle erkundigen sich alle, auch die
Bösen, was sie tun oder glauben müßten, um in den Himmel zu
kommen. Darauf erhalten sie zur Antwort, sie könnten tun und
glauben nach ihrem Belieben, sie sollten nur eines wissen: nie-
mand tue in der Hölle Gutes, noch glaube dort jemand Wahres;
das geschehe nur im Himmel. „Erforsche also, was gut und was
wahr ist, bedenke dieses und tue jenes, wenn du kannst.“ Nach
diesem Motto wird jedem überlassen, aus freiem Willen ver-
nünftig zu handeln, in der geistigen Welt ebenso wie in der
natürlichen. Sie handeln aber in der andern Welt genau wie in
dieser, denn dort erwartet jeden ein Abbild seines früheren
Lebens, wodurch sein Los bereits bestimmt ist. (G.V. 179)

51
28. Februar

Suchet nach Jehovah, da er zu finden ist, rufet ihn


an, da er nahe ist. Der Ungerechte verlasse seinen
Weg, und der Mann des Unrechts seinen Gedanken
und kehre zu Jehovah zurück, und er wird sich sei-
ner erbarmen, und zu unserm Gott, dieweil er viel
vergibt. (Jes. 55, 6. 7)

Im Wort heißt der Herr aus einem geheimen Grund bald


nur Jehovah, bald Jehovah Gott, bald erst Jehovah und später
Gott, bald Herr Jehovah, bald Gott Israels oder auch nur Gott
(wie z.B. im ersten Kapitel der Genesis). Jehovah heißt er, wo
er allein ist, wo es also um das Sein an sich geht; Gott wird er
genannt, um seine Allmacht darzustellen. … Der Ungerechte
ist ein Mensch, der einer Irrlehre anhängt, ein Mitglied einer
Kirche also, das nicht die Wahrheiten des Glaubens angenom-
men hat. … Wenn nun der Mensch wiedergeboren wird, gerät
er in Kämpfe wider das Falsche, worauf er vom Herrn im
Wahren erhalten wird, vorausgesetzt, der Betroffene hält es
wirklich für wahr. Der Kampf ist auch möglich auf der Basis
eines nicht ganz echten Wahren, vorausgesetzt, es lasse sich
einigermaßen mit dem Guten verbinden, was wiederum nur
durch die Unschuld ermöglicht wird. In der Kirche können
demnach Leute verschiedenster Ausrichtung umgebildet wer-
den, am leichtesten allerdings diejenigen, die sich zu den ech-
ten Wahrheiten bekennen. (H.G 300, 6765)

29. Februar
Jehovahs Engel lagert sich rings um die, so ihn
fürchten, und er zieht sie heraus. Schmeckt und
seht, wie gut Jehovah ist. Selig der Mann, der auf
ihn sich verläßt. (Ps. 34, 8. 9)

52
Jeder Mensch und Geist steht unter dem Schutz des Herrn,
der böse ebenso wie der gute. Wer aber diesen Schutz genießt,
dem widerfährt nichts Böses, denn der Herrn will weder, daß
jemand zu Grunde geht, noch daß er gestraft wird. Aber der
Schutz erstreckt sich nur soweit, wie der Mensch sich vom
Bösen fern hält. Tut er es nicht, begibt er sich selbst des
Schutzes, und je weiter er sich darunter hervorwagt, desto stär-
ker wird er von bösen Geistern aus der Hölle geplagt. Höllische
Geister leben gleichsam vom ständigen Verlangen, anderen
Böses zuzufügen. Je weiter also jemand sich vom göttlichen
Schutz des Herrn entfernt hat, indem er selbst Böses tut, desto
tiefer gerät er unter die Gewalt von Geistern, die ihm übel
gesinnt sind, ihn strafen und des geistigen Lebens berauben.
Kurz: Wer der Liebe und den Wahrheiten der Lehre Schaden
zufügt, wird vom Feuer verzehrt und getötet. Das heißt mit
anderen Worten: er wird vom Bösen und seinen Lügen über-
wältigt und stirbt geistig. Es ist wichtig zu wissen, daß dies
nicht eine göttliche Strafe darstellt, sondern eine Folge des
Bösen ist, das der Mensch tut. (Erkl.. Offb. 643)

1. März
Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem
Berge liegt, kann nicht verborgen sein. Noch zün-
det man eine Kerze an und setzte sie unter einen
Scheffel, sondern auf einen Leuchter, und sie
leuchtet allen, die im Hause sind. Also lasst euer
Licht leuchten vor den Menschen, daß sie eure
guten Werke sehen und euren Vater in den
Himmeln verherrlichen. (Matth. 5, 14 - 16)

Weil das Licht des Himmels die göttliche Weisheit ist,


zeigt sich darin die Wesensart jedes Bewohners, dessen
Inneres sich in seinen Gesichtszügen unverhüllt ausdrückt,

53
sodaß nichts verborgen bleibt. Die verinnerlichten Engel
wünschen, sich völlig zu offenbaren, weil sie nur Gutes im
Sinn haben. Anders dagegen die Geister unterhalb des
Himmels; ihre Absichten sind böse, weshalb sie sich fürchten,
im Lichte des Himmels gesehen zu werden. Erstaunlicherweise
erscheinen sich die Bewohner der Höllen untereinander als
Menschen, im Licht des Himmels jedoch als Mißgestalten
mit greulichem Gesicht und Körper, ein Abbild ihrer Bosheit.
Ähnlich wird der Geist des Mensch von den Engeln gesehen:
ist er gut, so erscheint er je nach seinem Guten als ein schö-
ner Mensch, ist er böse, als häßliche Mißgestalt, je nach sei-
ner Bosheit. Dies zeigt, daß das Licht des Himmels alles
offenbart, weil es das Göttlich-Wahre ist. (H.H. 131)

2. März
Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter
einander liebt, wie ich euch geliebt habe, auf daß
ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, daß
ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander
habt. (Joh. 13, 34. 35)

Wer tätige Liebe übt, schätzt den Genuß von


Vergnügungen nur um des (gemeinsamen) Nutzens willen.
Wer den Nächsten liebt wie sich selbst, empfindet die
Tätigkeit der Nächstenliebe als angenehm. Daher ist es das
Ziel jeder tätigen Liebe, nützlich zu sein, und die Engel wer-
den je nach dem Wesen und der Beschaffenheit des erbrach-
ten Nutzens vom Herrn mit Seligkeit beschenkt. Je weiter
also der Nutzen reicht, dem das Glücksgefühl entstammt,
desto intensiver macht es sich bemerkbar. Als Beispiel
mögen die Freuden der ehelichen Liebe gelten: deren Nutzen
ist von allen der größte, weil er im Nachwuchs der mensch-
lichen Gesellschaft besteht, die nach und nach das Reich des

54
Herrn in den Himmeln füllt. Die Empfindungen dieser
Liebe gleichen daher der himmlische Seligkeit. Ähnlich ver-
hält es sich mit jeder Art von Vergnügen und Wohlbefinden.
(H.G. 997)

3. März
Mit dem Heiligen bist du heilig; und mit dem unta-
deligen Manne bist du untadelig. Mit dem Lautern
bist du lauter und mit dem Krummen bist du ver-
dreht. (Ps. 18, 26. 27)

Heilig, untadelig (redlich), lauter (rein) und verdreht (ver-


kehrt) stellen eine absteigende Reihenfolge des Wahren bis
hinab zum Falschen dar. Heilig ist der Herr allein, untadelig (s.
25. Febr.) ist die Kirche «Noach», lauter ist alles Wahre, das aus
dem Guten stammt (Erkl. Offb. 1000), verdreht heißt das
Falsche aus dem Bösen.
Heutzutage weiß kaum jemand, daß den Wahrheiten eine
Macht innewohnt. Man hält vielmehr das Wahre für ein bloßes
Wort, das allerdings befolgt werden müsse, wenn es aus dem
Munde eines Regierenden oder einer Behörde stamme. Mit
anderen Worten: das Wahre gilt nicht mehr als der bloße
Hauch eines Mundes oder der Schall, der das Ohr erreicht,
während es doch in Wirklichkeit zusammen mit dem Guten
den Urgrund aller Dinge in beiden Welten, der geistigen und
der natürlich darstellt. … Das Ende einer Kirche ist erreicht,
wenn in ihr nichts GöttlichWahres übrig geblieben ist, außer
solchem, das verfälscht oder verworfen ist. Wo aber nichts
GöttlichWahres mehr vorhanden ist, kann es auch nichts
wahrhaft Gutes mehr geben, weil die Beschaffenheit des Guten
vollständig von der Wahrheit abhängt. Das Gute ist nämlich
das Wesen des Wahren und das Wahre die Form des Guten.
(WCR. 224, 753)

55
4. März
Und ich will reden vor Königen von deinen
Zeugnissen, und nicht mich schämen, und mich
ergötzen an deinen Geboten, die ich liebe. Und will
erheben meine Hände zu deinen Geboten, die ich
liebe, und überdenken deine Satzungen.
(Ps. 119, 46 - 48)

Bekanntlich werden die zehn Gebote im Wort vorzugsweise


das Gesetz genannt, da sie alles enthalten, was zur Lehre und zum
Leben gehört, nämlich nicht nur, was Gott, sondern auch, was
den Menschen betrifft. Deshalb war dieses Gesetz auf zwei Tafeln
geschrieben, deren eine von Gott, die andere vom Menschen
handelt. Bekannt ist auch, daß alle Grundsätze der Lehre und des
Lebens sich auf die Liebe zu Gott und zum Nächsten beziehen.
Über diese beiden Arten der Liebe informieren die zehn Gebote
umfassend. Daß aber das ganze Wort nichts anderes lehrt, geht
aus folgenden Worten des Herrn hervor: „Jesus sagte: … du sollst
lieben den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen und von
ganzer Seele und von ganzem Gemüt … , und deinen Nächsten
wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängen das Gesetz und
die Propheten.“ Matth. 22, 35. 36. 37. Gesetz und Propheten
bedeuten das ganze Wort. (W.C.R. 287)

5. März
Daß aber die Toten auferweckt werden, hat auch
Moses angezeigt bei dem Dornbusch, wenn er den
Herrn nennt den Gott Abrahams und den Gott
Isaaks und den Gott Jakobs. (Luk. 20, 37)

Sowohl das Leben des menschlichen Körpers, als auch die


daraus entspringenden Taten und Empfindungen sind geistige
Vorgänge, die nicht auf der Ebene des materiellen Daseins

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beheimatet sind. Eigentlich ist also der Geist der Mensch oder
der Mensch ein Geist, die sich in der Form nicht voneinander
unterscheiden. Da es nun im Menschen vom Haupt bis zur
Fußsohle nichts gibt, das nicht lebt und fühlt, kann der Körper
nicht weiterleben, wenn er von seinem Geist getrennt wird; er
stirbt also, der eigentliche Mensch jedoch bleibt und lebt. Ich
hörte aus dem Himmel, daß es Tote gibt, die, noch unerweckt
auf der Bahre liegend, in ihrem erkalteten Körper fortdenken
und sich für lebendig halten, allerdings mit der
Einschränkung, daß sie kein einziges stoffliches Teilchen des
Körpers bewegen können. (H.u.H. 433)

6. März
Denn nicht bekennet dich die Hölle, noch lobt dich
der Tod, nicht harren auf deine Wahrheit die, so in
die Grube hinabfahren. Der Lebende, der Lebende,
der bekennt dich, wie ich heute. Der Vater wird den
Söhnen kundtun deine Wahrheit. (Jes. 38, 18. 19)

Leben hat im Wort die Bedeutung von Leben des Himmels,


das auch oft als ewiges Leben bezeichnet wird. Tod dagegen
wird das Leben der Hölle genannt, weil es ein des
Himmlischen beraubtes Leben ist. … Im äußeren Menschen
lebt außer der Neigung nichts. Alles Leben stammt aus der
himmlischen Liebe; sie erfüllt die Neigungen, nicht nur die
zum Guten, auch die zum Bösen, die man Begierden nennt.
Der Herr läßt das Gute der Liebe fortwährend in den
Menschen einfließen, und zwar durch das Innere in die
äußeren Bereiche. Der Mensch, der einen Hang zum Bösen hat
oder den Begierden nachgibt, verkehrt das Gute. Immerhin
bleibt ihm das Leben. Man kann den Vorgang mit der
Aufnahme der Sonnenstrahlung vergleichen: es gibt
Materialien, die das Licht in der ganzen Schönheit aufnehmen

57
und in die schönsten Farben verwandeln, der Diamant z.B.
und viele andere Edelsteine; aber es gibt auch andere, die in
häßlichen Farben erscheinen. Solches geschieht auch im
Zusammenleben der Menschen. Manche nehmen das Gute,
das ihnen von einem andern entgegenstrahlt, mit aller
Zuneigung auf, manche verwandeln es in Böses.
(Erkl. Offb. 186; H.G. 1589)

7. März
Jehovah, du bestellest Frieden für uns; denn auch
all unser Tun hast du uns gewirkt. (Jes. 26, 12)

Frieden bedeutet himmlisches Glück, Seligkeit und


Wohlbefinden. Weil Friede nur vom Herrn verliehen werden
kann und ein gutes Tun voraussetzt, das auch nur unter seiner
Mithilfe stattfindet, deshalb sagt Jesajah: „bestelle Frieden für
uns.“ … Alle Liebe zum Guten und alle Weisheit, die aus der
Verinnerlichung des Wahren entspringt, stammt von Gott. Der
Mensch empfängt Weisheit aus der göttlichen Allwissenheit,
soweit wie er nach der göttlichen Ordnung lebt. Das ist in allen
Kirchen in der christlichen Welt bekannt. Der Mensch kann
keine wahre Weisheit besitzen, die nicht von Gott stammt, weil
Gott allwissend, d.h. unendlich weise ist. Der menschliche
Geist lebt auf einer von drei Abstufungen wie der Engel im
Himmel und kann daher aufsteigen oder absinken; ob er aber
auf eine höhere Stufen erhoben und damit in der Weisheit
gefördert wird, weil er ja nun dem Licht des Himmels näher
rückt, das kann nur von Gott bewirkt werden.
(Erkl. Offb. 365; W.C.R. 69)
8. März
Denn du hast uns geprüft, Gott, und geläutert, wie
man Silber läutert. Ins Garn hast du uns gebracht,

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hast Trübsal gelegt auf unsere Lenden. Du ließest
den Menschen reiten über unser Haupt, wir kamen
ins Feuer und ins Wasser; doch hast du uns her-
ausgeführt ins Weite. (Ps. 66, 10 - 12)

Diese Verse beschreiben die Geistige Gefangenschaft und die


Befreiung daraus. (Luther übersetzt Turm statt Garn, und
Swedenborg schreibt Druck statt Trübsal). Eine geistige
Gefangenschaft liegt vor, wenn das Gemüt verschlossen ist und
weder Gutes noch Wahres inne wird oder versteht. Die Lenden
symbolisieren das Gute der Liebe; Trübsal oder Druck bedeuten
dann dessen völlige Abwesenheit. Daß ein Mensch über unser
Haupt reitet, stellt das fehlende Verständnis der Wahrheiten dar,
wobei unter dem Menschen die untaugliche eigene Einsicht ver-
standen wird. Das alles wird mit den Ausdrücken Feuer und
Wasser zusammengefaßt, die hier für das Böse aus der
Selbstliebe und Falschheiten stehen. Der Nachsatz endlich deu-
tet auf die Befreiung durch den Herrn hin. …
Heutzutage glaubt man nun, das Böse und Falsche im
Menschen werde beseitigt und vertilgt, sobald er wiedergeboren
sei, sodaß weder Böses noch Falsches übrig bleibe. Er sei dann
rein und gerecht wie mit Wasser abgespült und gewaschen.
Diese Ansicht ist falsch. Weder Böses noch Falsches wird je der-
art beseitigt, daß es nicht mehr vorhanden wäre, sondern alles,
was der Mensch ererbt und sich durch eigenes Tun angeeignet
hat, das bleibt an ihm hängen, sodaß er trotz der Wiedergeburt
nur böse und falsch ist. Nach dem Tod wird das den Seelen
lebendig gezeigt. Es läßt sich auch daraus ableiten, daß der
Mensch Gutes und Wahres nur vom Herrn empfangen kann,
daß er aber alles Falsche und Böse in sich trägt. Wenn der
Mensch – auch der Geist, ja sogar der Engel – sich selbst über-
lassen ist, rennt er von selbst zur Hölle. Es heißt daher im Wort,
der Himmel sei nicht rein. Dies anerkennen die Engel, und wer

59
es nicht anerkennt, kann nicht unter den Engeln weilen. Es ist
allein des Herrn Barmherzigkeit, die sie frei macht.
(Erkl. Offb. 355; H.G. 868)
9. März
Da sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaub-
ten: Wenn ihr in meinem Worte bleibt, dann seid ihr
wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit
erkennen; und die Wahrheit wird euch frei machen.
(Joh. 8, 31 -32)

Ohne die Freiheit der Selbstbestimmung, oder den freien


Willen, kann kein Mensch umgebildet werden, noch etwas
Himmlisches zu eigen empfangen. Auch ist in den
Versuchungen mehr Freiheit als außerhalb, obwohl das
Gegenteil der Fall zu sein scheint, denn die Freiheit wird durch
die Anfechtungen von seiten des Bösen und Falschen vom
Herrn gestärkt und gekräftigt, sodaß ihm Himmlisches zu
eigen gegeben werden kann. Daher ist der Herr in den
Versuchungen gegenwärtig. Wenn der Mensch wiedergeboren
wird, überwindet er sich kraft der Freiheit, mit der er vom
Herrn begabt wird, er weist die Vernunft in ihre Schranken,
damit sie sich unterordnet, und empfängt dadurch neue Kräfte
aus dem Himmel. Diese werden anschließend vom Herrn stu-
fenweise entwickelt und immer freier, sodaß daraus ein
Antrieb zum Guten und zum Wahren entsteht. Der Mensch
empfindet dabei eine Freude, die mit der Seligkeit der Engel
verglichen werden kann. (H.G. 1947)
10. März
Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; schaue
nicht um dich, denn ich bin dein Gott; ich stärke
dich, ja, ich stehe dir bei, erhalte dich mit der
Rechten meiner Gerechtigkeit. (Jes. 41, 10)

60
Der Mensch hat eine beschränkte Kraft zu kämpfen. Wenn
die Versuchung bis zum Äußersten wächst, erträgt sie der
Mensch nicht länger, sondern beginnt zu wanken. Dann aber,
wenn er nahe daran ist, zu unterliegen, wird er vom Herrn
erhoben und so von der Verzweiflung befreit. Meistens wird er
jetzt in einen Zustand der deutlich fühlbaren Hoffnung und
des Trostes versetzt und dadurch auch in Glückseligkeit.
(H.G. 8165)

11. März
Und siehe, einige der Schriftgelehrten sprachen bei
sich: dieser lästert Gott. Und da Jesus ihre
Gedanken sah, sprach er: warum gedenket ihr
Arges in euren Herzen? (Matth. 9, 3. 4)

Die Gegenwart des Herrn und sein fortwährender Wille,


den Menschen mit sich zu verbinden, bewirken zwei Dinge, die
im freien Willen des Menschen verankert sind: Möglichkeit
und Fähigkeit, gut vom Herrn und dem Nächsten zu denken;
denn ein jeder hat hier die Wahl zwischen gut oder übel. Denkt
er gut, wird die Tür geöffnet, wenn übel, wird sie geschlossen.
Die guten Gedanken in Bezug auf den Herrn und den
Nächsten entstammen nicht einer Eigenleistung des
Menschen, sondern der Gegenwart des Herrn. Hingegen
wachsen die schlechten Gedanken aus seinem Eigenen.
(Erkl. Offb. 248)

12. März
Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe:
Das sagt, der die sieben Sterne in seiner Rechten
festhält und in der Mitte der sieben goldenen
Leuchter wandelt: Wer ein Ohr hat, der höre, was

61
der Geist den Gemeinden sagt: Dem Überwinder
will ich zu essen geben vom Baume des Lebens,
der in der Mitte des Paradieses Gottes steht.
(Offb. Joh. 2, 1. 7)

„Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist zu den
Gemeinden spricht“ bedeutet: wer Verstand hat, soll merken,
was das vom Herrn ausgehende Göttlich-Wahre lehrt und
denen sagt, die seiner Kirche angehören. „Wer ein Ohr hat, der
höre“, will sagen: wer versteht, soll gehorchen. Diese Worte
werden jeder Kirche gesagt, hier derjenigen in Ephesus, später
der in Smyrna usw., damit jederAngehörige der Kirche weiß,
daß nicht die Kenntnis des Glaubens, der Lehren und des
Wortes die Kirche ausmacht, sondern gehorchen, d.h. verste-
hen und tun. Weil es also auf diese Haltung ankommt, nicht
nur auf bloße Kenntnis, darum wiederholt der Herr das
Gleiche mehrmals in den Evangelien. In der Offenbarung wird
hinzugesetzt: „was der Geist zu den Gemeinden spricht.“ Das
bedeutet: was die göttlichen Wahrheiten lehren und den
Angehörigen der Kirche begreiflich machen wollen, oder: was
der Herr sagt; denn alles Göttlich-Wahre geht von ihm aus.
(Erkl. Offb. 108)

13. März
Und Jehovah legte eine Pest auf Israel vom Morgen
an bis zur bestimmten Zeit, und es starben vom
Volke von Dan bis Beer-Scheba siebzigtausend
Mann. Und der Engel reckte seine Hand wider
Jerusalem, daß er es verderbte; Jehovah gereute
aber des Bösen, und er sprach zu dem Engel, der
unter dem Volke verderbte: Es ist viel, jetzt laß
deine Hand ab. Und David sprach zu Jehovah, als
er sah, wie der Engel unter das Volk schlug, und

62
sagte: Siehe, ich habe gesündigt, und ich habe die
Missetat verübt. (2. Sam. 24, 15 - 17)

In der geistigen Welt ist die Macht der Engel groß; es würde
jeden Glauben überfordern, wollte ich alles berichten, was ich
davon gesehen habe. Widersetzt sich dort etwas, was entfernt
werden soll, weil es sich gegen die göttliche Ordnung richtet, so
wird es von ihnen durch die bloße Kraft ihres Willens und
ihren Blick niedergeworfen und zerstört. So sah ich, wie Berge,
die von Bösen besetzt waren, umgeworfen und weggehoben
wurden, wobei sie mitunter der Länge nach zerbarsten, wie das
bei einem Erdbeben vorkommen kann. Daß die Engel, wenn es
zugelassen wird, die gleiche Macht auch in der natürlichen
Welt besitzen, zeigt sich in Schilderungen im Wort, wonach sie
z.B. ganze Heere der völligen Niederlage auslieferten.
(H.u.H. 229)

14. März
Er läßt Gras sprossen für das Vieh und Kraut zum
Dienst des Menschen, damit er Brot herausbringe
aus der Erde. Und Wein macht fröhlich des
Menschen Herz; daß von Oel sein Antlitz glänze
und Brot das Herz des Menschen labe. Jehovah‘s
Bäume werden satt, die Cedern Libanon‘s, die er
gepflanzt. (Ps. 104, 14 - 16)

Der Mensch wird im andern Leben nicht durch natürliche,


sondern durch geistige Speise und Trank ernährt; geistige
Speise ist das Gute und geistiger Trank das Wahre. Deshalb
verstehen die Engel, wo im Wort Brot oder Speise genannt
wird, das Gute der Liebe zum Herrn und zum Nächsten, und
wo von Wasser oder Trank die Rede ist, das Wahre des
Glaubens. (H.G. 4976)

63
15. März
Da sagten sie zu ihm: Was sollen wir tun, daß wir die
Werke Gottes wirken? Jesus antwortete und sprach
zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, daß ihr glaubet
an ihn, den selbiger gesandt hat. (Joh. 6, 28. 29)

Der Mensch gewinnt aus dem Wahren erst dann Einsicht,


wenn er sich durch das Gute leiten läßt. Denn das Wahre hat
kein Leben an sich, sondern erhält es vom Guten, dann also,
wenn der Mensch in seinem Leben die Wahrheiten befolgt.
Dann lenkt es den Willen und anschließend die Handlungen,
das heißt, den ganzen Menschen. Wahrheiten, die nur das
Wissen oder den Verstand bewegen, erreichen den Willen nicht
und haben auf das Leben keinen Einfluß, denn der Wille des
Menschen bestimmt sein Leben. Solange der Mensch es will,
steht das Wahre auf der Schwelle; setzt er es in die Tat um, tritt
es ein und erfüllt ihn ganz. Wiederholt er das regelmäßig, kehrt
es nicht nur aus Gewohnheit wieder, sondern auch aus
Neigung und damit aus freiem Antrieb. (H.G. 4884)

16. März
Spricht Jesus zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt
eine Stunde, da ihr weder auf diesem Berge, noch
in Jerusalem den Vater anbeten werdet; Ihr betet
an, was ihr nicht wisst, wir beten an, was wir wis-
sen; denn das Heil ist aus den Juden. Aber es
kommt die Stunde und ist jetzt, daß die wahren
Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit
anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche,
die ihn also anbeten. Gott ist ein Geist; und die ihn
anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit
anbeten. (Joh. 4, 21 - 24)

64
Der Gottesdienst in den Himmeln gleicht äußerlich dem
irdischen, innerlich aber ist er verschieden. … Der Gottes-
dienst besteht dort nicht im Besuch von Kirchen und im
Anhören von Predigten, sondern im Leben der Liebe zum
Herrn und zum Nächsten sowie des Glaubens gemäß den
Lehren. Die Predigten in den Kirchen sind lediglich Mittel, um
in den Grundsätzen des Lebens unterwiesen zu werden. Ich
sprach hierüber mit den Engeln und sagte ihnen, in der Welt
glaube man, der Gottesdienst bestehe nur darin, daß man
Kirchen besuche, Predigten anhöre, drei oder vier Mal pro Jahr
zum Heiligen Abendmahl gehe und die übrigen gottesdienstli-
chen Handlungen nach den Anweisungen der Kichenordnung
verrichte. Auch solle man fleißig beten und sich dabei andäch-
tig benehmen. Die Engel bezeichneten dies als Äußer-
lichkeiten, die man zwar beachten solle, die aber nichts fruch-
teten, solange nicht das Innere, aus dem sie hervorgehen sol-
len, die Hauptsache sei; und dieses Innere bestehe im Leben
nach den Geboten, wie sie aus der Lehre bekannt sind.
(H.u.H. 221, 222)

17. März
Ob Zijon schweig ich nicht, und ob Jerusalem rast
ich nicht, bis wie ein Glanz ausgeht ihre
Gerechtigkeit, und wie eine Fackel brennt ihr Heil.
Man wird zu dir nicht mehr sagen: Verlassene, und
von deinem Lande nicht mehr sagen: die
Verwüstung! sondern meine Lust an ihr wird man
dich nennen, und dein Land: vermählt; denn seine
Lust hat Jehovah an dir, und ein Land wird ver-
mählt. Denn wie der Jüngling sich vermählt der
Jungfrau, vermählen deine Söhne sich mit dir; und
mit der Freude eines Bräutigams über die Braut
freut sich über dich dein Gott. (Jes. 62, 1. 4. 5)

65
Der Herr wird im Wort Bräutigam und Mann genannt,
die Kirche Braut und Weib, und die Verbindung des Herrn
mit der Kirche und umgekehrt heißt Ehe. Die vom Herrn
ausgehende Ehe des Guten und Wahren befähigt den
Menschen zur Aufnahmen des Wahren, mit dem der Herr das
Gute verbindet und so die Kirche im Menschen bildet. Die
Kirche stammt vom Herrn und umfaßt jene, die sich an ihn
wenden und nach seinen Geboten leben. Die eheliche Liebe
richtet sich nach dem Zustand der Kirche, d.h. nach dem
Zustand der Weisheit des Menschen. Und weil die Kirche
vom Herrn kommt, stammt auch die eheliche Liebe von ihm.
(E.L. 116)

18. März
Nun aber bin ich nicht wie in früheren Tagen gegen
den Überrest von diesem Volke, spricht Jehovah
der Heerscharen. Sondern sie sollen des Friedens
Same sein, der Weinstock wird seine Frucht geben,
und die Erde wird geben ihr Gewächs, und die
Himmel geben ihren Tau. Und ich will alles dem
Überrest dieses Volkes zum Erbe geben.
(Sach. 8, 11. 12)

Bevor der Mensch wiedergeboren werden kann, muß er


ausgerüstet werden: im Willen mit Gutem und den angeneh-
men Empfindungen der Neigungen; im Verstand mit
Wahrheiten aus dem Wort des Herrn und Empfehlungen auch
aus anderen Quellen. Bevor der Mensch mit diesen Dingen
versehen ist, kann er nicht wiedergeboren werden, denn sie
sind seine Speise, die er aber erst im Erwachsenenalter zu sich
nehmen kann. Jeder Mensch benötigt hierbei besondere und
individuelle Kost, die vom Herrn für ihn vorgesehen wird,
wenn seine Wiedergeburt bevorsteht. (H.G. 677)

66
19. März
Mose sprach: Laß mich doch deine Herrlichkeit
sehen. Und er sprach: Mein Angesicht vermagst du
nicht zu sehen; denn nicht sieht mich ein Mensch und
lebt. Und Jehovah sprach: Siehe, es ist ein Ort bei
mir, und du sollst auf den Fels dich stellen. Und es
wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorüber-
zieht, so will ich dich in die Kluft des Felsens stellen
und meine Hand über dich decken, bis ich vorüber
gezogen bin. Und ich will meine Hand wegnehmen,
daß du mich von hinten sehest; aber mein Angesicht
soll man nicht sehen. (2. Mose 18, 20 - 23)

Der Mensch darf die göttliche Vorsehung nur im


Nachhinein, aber nicht im Augenblick des Geschehens erken-
nen, und außerdem nur im geistigen, nicht im natürlichen
Zustand. D. h. er darf auf ihr Wirken zurückschauen, darf aber
nicht selbst die Zukunft vorhersehen. Im geistigen Zustand
bedeutet: sie vom Himmel und nicht von der Welt aus sehen.
Alle Menschen, die den Einfluß aus dem Himmel aufnehmen
und die göttliche Vorsehung anerkennen, und besonders die,
die durch Umbildung geistig geworden sind, anerkennen sie
gleichsam aus innerer Anschauung, wenn sie die unerwarteten
Zusammenhänge der Ereignisse in ihrem eigenen Leben
betrachten. Sie begehren gar nicht, die Vorsehung unmittelbar
wahrzunehmen, d.h. bevor ihr Wirken Tatsache ist, weil sie
befürchten, ihr Wille könnte irgendwie die Ordnung und den
Verlauf stören. (G.V. 187)

20. März
Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen. Die mühen
sich nicht, noch spinnen sie! Aber ich sage euch,

67
daß auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht
umkleidet war, wie deren eine. Wenn nun Gott das
Gras auf dem Feld, das heute steht und morgen in
den Ofen geworfen wird, also kleidet, um wieviel
mehr nicht euch, o ihr Kleingläubigen!
(Luk. 12, 27. 28)

Zwischen dem Leben des Menschen und dem Wachstum


des Baumes besteht ein Entsprechungsverhältnis. … Der
Mensch wird im Wort durch einen Baum dargestellt und seine
in der Liebe gründende Weisheit durch einen Garten. Der
Mensch ist, was seinen geistigen Samen betrifft, ein böser
Baum, dennoch können bei ihm Ein- oder Aufpfropfungen
von Zeigen aus dem Baum des Lebens vorgenommen werden,
durch die dann der aus der alten Wurzel geschöpfte Saft ver-
wandelt wird und gute Früchte hervorbringt. Dieser Vergleich
wurde angestellt, damit man wisse: wenn schon bei Wachstum
und Vermehrung der Bäume ein derart unabänderlicher Gang
der göttlichen Vorsehung waltet, muß das für die Umbildung
und Wiedergeburt der Menschen noch viel mehr gelten, da sie
doch bei weitem vortrefflicher sind als Bäume. (G.V. 332)

21. März

Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es also,


wie wenn der Mensch Samen wirft aufs Land. Und
schlummert und steht auf Nacht und Tag; und der
Same sproßt hervor und schießt auf, er selbst weiß
nicht wie. (Mark. 4, 26. 27)

Die Wiedergeburt geschieht nach der Ähnlichkeit, wie der


Mensch empfangen, im Mutterleib getragen, geboren und
erzogen wird. Im Menschen findet eine dauernde

68
Entsprechung statt zwischen natürlichen und geistigen
Abläufen oder körperlichen und geistigen Funktionen. Der
Mensch ist ein geistiges Wesen, stofflich umkleidet von einem
materiellen Körper. Wenn dieser abgelegt wird, tritt seine mit
einem geistigen Körper umkleidete Seele in eine Welt, in der
alles geistig ist, und wird dort mit ihresgleichen zusammenge-
führt. Daß die pflanzliche Entwicklung, nicht nur der Bäume,
sondern auch aller Strauchgewächse, dem Fortpflanzungsgang
der Menschen entspreche, ist von vielen Gelehrten berichtet
worden; ich möchte das Folgende beifügen: Bei den Bäumen
und bei allen übrigen Gattungen des Pflanzenreiches gibt es
nicht zwei Geschlechter, ein männliches und ein weibliches,
sondern jedes ist hier männlich*; nur die Erde und das
Erdreich ist die gemeinsame Mutter, mithin wie ein Weib; denn
diese empfängt die Samen aller Gewächse, schließt sie auf,
trägt sie wie im Mutterleib und ernährt und gebiert sie dann,
indem sie sie zutage bringt. Anschließend bekleidet und erhält
sie die jungen Pflanzen.
* Zu Swedenborgs Zeit gültige Ansicht der Fortpflanzung.
(W.C.R. 583, 585)

22. März
Denn dieser Welt Klugheit ist Torheit bei Gott; denn
es steht geschrieben: Er fängt die klugen in ihrer
List. (1 Kor. 3, 19)

Die Leute, die alles Leben der Natur zuschreiben, setzen


auch voll auf die menschliche Klugheit. Denn wer nur die
Natur kennt, leugnet im Herzen Gott, und wer allein auf die
menschliche Klugheit baut, leugnet die göttliche Vorsehung.
Eins läßt sich nicht vom anderen trennen. Aus Rücksicht auf
ihren guten Namen und ihre Karriere bekennen jedoch beide
Leugner mit dem Mund, die göttliche Vorsehung umfasse

69
alles bis in jede Einzelheit des Menschen. Diese Einzelheiten,
als Ganzes zusammengefaßt, bildeten aber gerade die
menschliche Klugheit. Man bedenke nun: was heißt schon
«alles umfassen», wenn die Einzelheiten ausgenommen sind?
- Ist es mehr als ein bloßes Wort? Allumfassend nennt man ja,
was sich auf die Einzelheiten und die Gesamtheit zugleich
bezieht. (G.V. 201)

23. März
Selig der Mann, der in der Ungerechten Rat nicht
wandelt, und auf der Sünder Weg nicht steht, noch
sitzt auf der Spötter Sitz, sondern hat seine Lust am
Gesetz Jehovah‘s, und sinnt in seinem Gesetz Tag
und Nacht. Und er ist wie ein Baum, gepflanzt an
Bächlein der Wasser, der seine Frucht gibt zu sei-
ner Zeit und seine Blätter welken nicht, und alles,
was er tut, gelingt. (Ps. 1, 1 - 3)

Der Baum, der sprosst und Früchte bringt, symbolisiert die


Neugeburt des Menschen: das Grünen der Blätter den ersten
Zustand, die Blüte den zweiten, den vor der Wiedergeburt und
die Reifung der Früchte den dritten, den eigentlichen Zustand
des Wiedergeborenen. Deshalb bedeuten Blätter die Werte der
Einsicht oder die Wahrheiten des Glaubens, denn diese bilden
die Voraussetzung der Wiedergeburt, die Blüten aber die
Eingebungen der Weisheit oder das Gute des Glaubens, weil
dieses der Wiedergeburt unmittelbar vorangeht, die Früchte
aber den Ertrag des Lebens oder die Werke der Nächstenliebe,
die nun folgen und den eigentlichen Zustand des
Wiedergeborenen ausmachen. Die genannten Erscheinungen
im Pflanzenreich entspringen dem Einfluß aus der geistigen
Welt. (H.G. 5116)

70
24. März
Allem Kriegsgerät, das wider dich gebildet wird,
soll‘s nicht gelingen, und jene Zunge, die wider
dich sich aufmacht, wirst du verdammen. Dies ist
das Erbe der Knechte Jehovahs, und ihre
Gerechtigkeit ist von mir, spricht Jehovah.
(Jes. 54, 17)

Knechte sind Diener, und Jakob stellt die Kirche dar, deren
Besonderheit das Gute der Lehre und des Lebens ist. …
Umbildung kann nicht ohne Wahrheit erfolgen; denn ohne sie
steht der Wille ständig unter dem Einfluß des Bösen und wird
auch durch den Verstand nicht belehrt, sondern sein Böses
wird durch Falsches untermauert. Die Einsicht erscheint zwar
als Eigenprodukt, sowohl beim guten wie beim bösen
Menschen; beide glauben, aus eigener Einsicht zu handeln. Es
wird aber nur derjenige vom Bösen befreit, der an die göttliche
Vorsehung glaubt; und zwar glaubt derjenige an sie, der aner-
kennt, daß das Böse Sünde ist, und von ihm abgebracht wer-
den will. Wer dies nicht anerkennt und will, glaubt nicht an sie.
(Erkl.Offb. 799; G.V. 298)

25. März
Kehre zurück, Israel, zu Jehovah, deinem Gott; denn
du strauchelst in deiner Missetat. Nehmt zu euch die
Worte und kehrt zurück zu Jehovah; sprecht zu ihm:
Verzeih alle Missetat, und nimm es gut, und laß uns
entrichten die Farren unserer Lippen! (Hos. 14, 2. 3)

Die Buße ist die erste Stufe der Kirche im Menschen. Es


gibt Verschiedenes, was den Menschen in der Jugend für die
Kirche vorbereitet und darin einführt. Was aber im Menschen

71
die Kirche eigentlich entstehen läßt, ist die Buße. Ihre
Handlungen bewirken, daß er das Böse als Sünde wider Gott
ablehnt und daher vermeidet. Bevor dies geschieht, findet
keine Wiedergeburt statt. Greift der Mensch dennoch einen
Gedanken zum Thema ewiges Heil auf, befaßt er sich zwar eine
Weile damit, läßt ihn aber bald wieder fallen. (W.C.R. 510)

26. März
Ich selbst will meine Herde weiden, und ich will sie
lagern lassen, spricht der Herr Jehovah. Die
Verlorenen will ich suchen und die Verscheuchten
zurückbringen und die Gebrochenen verbinden
und die Kranken stärken, das Fette aber und
Starke will ich vernichten. Ich werde sie weiden
nach dem Recht. (Ez. 34, 15. 16)

Tätige Liebe will dem Nächsten wohl, läßt sich vom Guten
anregen und anerkennt das Gute als Nächsten, d.h. denjeni-
gen, der von Gutem erfüllt ist, je nach dessen Grad. Daher
empfindet die tätige Liebe auch Barmherzigkeit gegenüber
denen, die in Nöten sind. Das kommt daher, daß das Gute der
Nächstenliebe aus der Liebe des Herrn zu den Menschen
stammt. Diese Liebe ist Barmherzigkeit, weil die Menschen
sich immer in irgend einer Not befinden. (H.G. 5132)

27. März
Und mächtig mach‘ ich sie in Jehovah, daß sie in
seinem Namen wandeln, spricht Jehovah.
(Sach. 10, 11)

Die Engel haben keinerlei Macht aus sich selbst, sondern


allein vom Herrn, und nur soweit, wie sie dies anerkennen.

72
Wer unter ihnen glaubt, er besitze eigene Macht, verliert sofort
seine ganze Kraft, sodaß er nicht einem einzigen bösen Geist
widerstehen kann. Deshalb schreiben sich die Engel selbst
keinerlei Verdienst zu; sie weigern sich, für irgend eine Tat
gelobt oder gerühmt zu werden, und eignen alles dem Herrn
zu. (H.H. 230)

28. März
Als ich hinblickte, siehe, da war eine Hand von
einem Geist gegen mich ausgestreckt, und in ihr
eine Buchrolle, die sich vor meinen Augen entfal-
tete. Sie war vorn und hinten beschrieben.
(Ez. 2, 9 f.)

Da die Engel eine aus Wörtern bestehende Sprache haben,


kennen sie auch die Schrift, durch die sie ihre Empfindungen
und Gedanken ebenso ausdrücken können wie durch ihre
Sprache. Es wurden mir mehrmals beschriebene Blätter zuge-
stellt, ganz so wie beschriebene oder bedruckte Blätter in der
Welt, und ich konnte sie auch ebenso lesen. Doch durfte ich
ihnen nicht mehr als einen oder zwei Gedanken entnehmen,
weil es der göttlichen Ordnung widerspräche, durch Schriften
aus dem Himmel unterrichtet zu werden. Dies soll vielmehr
durch das göttliche Wort geschehen. (H.H. 258)

29. März
Gehet, o Haus Jakobs, laßt uns im Licht Jehovahs
wandeln! (Jes. 2, 5)

Jeder lebt nach dem Tod in seinem persönlichen Licht; in


einem andern könnte er nichts sehen. In der geistigen Welt, wo
auch der Leib geistig ist, sind die Augen so eingerichtet, daß

73
man nur im eigenen Licht etwas erkennen kann. Die
Neigungen, die man im irdischen Leben entwickelt hat, for-
men für sich nicht nur den Verstand sondern auch das Licht;
denn die Liebe ist gleichsam das Lebensfeuer, aus dem das
Lebenslicht hervorleuchtet. (G.V. 167)

30. März
Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen, und nicht
zum Gewinn. (Ps. 119, 36)

Die echten Neigungen zum Wahren und Guten, die vom


Menschen empfunden werden, sind alle göttlichen
Ursprungs und stammen vom Herrn. Aber auf ihrer Bahn zu
den Menschen herab verzweigen sie sich und bilden neue
Ansätze. Denn sowie sie im Menschen in unechte und unge-
hörige Neigungen und in den Hang zum Bösen und Fal-
schen einfließen, gestalten sie sich um: sie zeigen sich in der
äußern Form oft, als ob sie noch immer echt wären, sind
aber in der inneren dennoch unecht. Das einzige Merkmal,
woran sie erkannt werden können, ist ihr Zweck; zielen sie
auf das eigene Ich oder die Welt, sind sie unecht; haben sie
aber das Beste des Nächsten, der Gesellschaft, des Vater-
landes und noch mehr das der Kirche und des Reichs des
Herrn zum Zweck, dann sind sie echt; denn dann ist immer
der Herr ihr Ziel. Der Herr ist in jedem Guten; aber es ist
allein Sache des Weisen, die Zwecke bei sich zu erkennen.
Zuweilen erscheint es, als ob sie selbstisch seien, während sie
es doch nicht sind. Wenn aber jemand die Zwecke bei sich
selbst erkennen will, so hat er nur auf seine Gefühle zu ach-
ten, wenn er gelobt und gerühmt wird. Empfindet er Freude
über eine Tat, die ihm keinen persönlichen Nutzen bringt, ist
seine Neigung echt. (H.G. 3796)

74
31. März
Darin wird mein Vater verherrlicht, daß ihr viele
Frucht tragt und meine Jünger werdet.
(Joh. 15, 8)

Der innere Mensch wird nicht durch bloßes Wissen,


Erkennen und Verstehen umgebildet, also auch nicht durch die
Gedanken allein, sondern dadurch, daß er alles, was ihn das
Wissen, die Einsicht und die Weisheit lehrt, in den Willen
umsetzt. Das Äußere wird durch das Innere umgebildet, wenn
es vom Bösen abläßt, das vom Inneren als etwas Höllisches
abgelehnt wird, mehr noch, wenn das Äußere das Böse aus die-
sem Grund flieht und dagegen kämpft. Das Innere ist in die-
sem Fall der Wille, das Äußere die Tat. Wenn nämlich jemand
nicht ausführt, was er eigentlich möchte, gibt es in seinem
Inneren eine Instanz, die es verbietet und sich mit der Zeit zu
einem endgültigen Nicht-wollen entwickelt. (G.V. 151)

1. April
Wenn Jemand meint, er sei etwas, während er
nichts ist, so betrügt er sich selbst in seinem Sinn.
Jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird
er nur in Hinsicht auf sich selbst den Ruhm haben
und nicht in Hinsicht auf den anderen; denn jeder
wird seine eigene Bürde zu tragen haben.
(Gal. 6, 3 - 5)

Im anderen Leben werden die Geister folgendermaßen


unterschieden: Die auf Böses gegen andere ausgehen, sind höl-
lische und teuflische Geister, die aber anderen wohl wollen,
sind gute oder engelgleiche Geister. Der Mensch kann wissen,

75
unter welchen er ist, ob unter höllischen oder engelgleichen.
Wenn er gegen den Nächsten Böses im Sinn hat, von ihm nur
Böses denkt, und wenn er kann, es auch wirklich tut und seine
Freude daran hat, so ist er unter den Höllischen und wird auch
höllisch im andern Leben. Wer dagegen Gutes gegen den
Nächsten im Sinn hat und - sofern er es kann - auch wirklich
tut, der ist unter den Engelgleichen und wird auch im andern
Leben ein Engel. Das ist das Kennzeichen. Danach soll sich
jeder prüfen, wie er beschaffen ist. (H.G. 1680)

2. April
Wahrlich, ich sage euch: wenn ihr Glauben habet
wie ein Senfkorn, so möget ihr zu diesem Berge
sagen: Versetze dich von hinnen dorthin, so wird er
sich versetzen, und nichts wird euch unmöglich
sein. (Matth. 17, 20)

Es soll nun auch gesagt werden, wie der Glaube aus der
tätigen Liebe gebildet wird: Jeder Mensch hat ein natürliches
und ein geistiges Gemüt, das natürliche für die Welt, das gei-
stige für den Himmel. In Bezug auf seinen Verstand lebt er in
beiden, hinsichtlich seines Willens jedoch nicht eher, als er das
Böse als Sünde meidet und verabscheut. Tut er das, so wird
das geistige Gemüt auch für den Willen geöffnet und geistige
Wärme fließt aus dem Himmel in das natürliche Gemüt ein,
eine Wärme, die ihrem Wesen nach tätige Liebe ist und alle
Erkenntnisse des Wahren und Guten dort belebt, indem sie
aus ihnen den Glauben bildet. Aus diesen wenigen
Andeutungen kann erhellen, daß die Erkenntnisse des
Wahren und Guten nicht zum Glauben gehören, bevor der
Mensch tätige Liebe übt, sondern daß sie gewissermaßen die
Vorratskammer sind, in der die Grundlagen für die Bildung
des Glaubens der tätigen Liebe liegen. Die Erkenntnisse des

76
Wahren werden zum Wahren bei den Wiedergeborenen;
ebenso die Erkenntnisse des Guten, denn die Erkenntnis des
Guten gehört dem Verstand, die Neigung zum Guten jedoch
dem Willen an. Wahr wird genannt, was im Verstand, gut, was
im Willen verankert ist. (L.G. 32, 33)

3. April
Du machst mich fröhlich mit deinem Werke, Herr,
ob den Taten deiner Hände juble ich. Wie groß,
Herr, sind deine Taten, o Herr, wie sehr tief deine
Gedanken! Der tierische Mann weiß es nicht und
der Narr versteht es nicht. (Ps. 92, 5 - 7)

Niemand kann leugnen, daß in Gott die Liebe und


Weisheit ihr ursprünglichstes Wesen besitzen. Denn aus sei-
ner Liebe liebt er alle Geschöpfe, und aus seiner Weisheit lei-
tet er sie. Betrachte das geschaffene All auf seine Ordnung
hin: es ist so voll von Weisheit aus der Liebe, daß du sagen
mußt, es stelle die Ordnung an sich dar. Unendlich viele
Beziehungen im All sind derart nach- und nebeneinander
verflochten, daß sie zusammengenommen eine Einheit aus-
machen. Das ist der einzig mögliche Weg, es zusammen- und
in alle Ewigkeit in Gang zu halten. Aus der Tatsache, daß das
göttliche Urwesen Liebe und Weisheit ist, erklärt sich auch,
daß im Menschen zwei Grundkräfte wirken, deren eine den
Verstand, die andere den Willen belebt. Der Verstand bezieht
seine Nahrung aus dem Einfluß der Weisheit, der Wille aus
dem Einfluß der Liebe aus Gott. Hat sich der Mensch dieser
Weisheit und Liebe gegenüber verschlossen, so vernichtet
das zwar die Kräfte nicht, blockiert sie aber. Danach heißt
zwar der Verstand immer noch Verstand und der Wille heißt
Wille; ihr eigentliches Wesen haben sie jedoch eingebüßt.
(L.u.W. 29, 30)

77
4. April
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der
bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Joh. 4, 16)

Drei Dinge machen das Wesen der göttliche Liebe aus:


Andere außer sich lieben, eins mit ihnen sein, sie aus sich
beglücken zu wollen... Das erste: andere außer sich zu lieben,
wird an der Liebe Gottes zum ganzen Menschengeschlecht
deutlich, um dessentwillen Gott alle Dinge, die er erschaffen
hat, als Mittel liebt; denn wer den Zweck liebt, liebt auch die
Mittel. Das Weltall mit seinen sämtlichen Geschöpfen steht
außerhalb Gottes, weil es endlich, Gott aber der Unendliche
ist. Gottes Liebe erstreckt sich nicht allein auf die Guten und
das Gute, sondern auch auf die Bösen und das Böse, d. h.
nicht nur auf den Himmel, sondern auch auf die Hölle, also
auf Teufel und Satan ebenso wie auf Michael und Gabriel;
denn Gott ist überall und von Ewigkeit zu Ewigkeit derselbe.
Er sagt ja, er lasse seine Sonne aufgehen über Gute und Böse
und regnen über Gerechte und Ungerechte (Matth. 5, 45).
Wenn Menschen und Dinge dennoch böse sind, so liegt das
daran, daß sie Gottes Liebe nicht so aufnehmen, wie sie ist
und dem Innersten innewohnt, sondern entsprechend ihrer
Natur, ähnlich wie Dornen und Brennesseln die Son-
nenwärme und den Regen. Das zweite Element der Liebe
Gottes: eins mit anderen Wesen sein zu wollen, zeigt sich an
seiner Verbindung mit dem Engelshimmel, mit der Kirche
und ihren Gliedern und endlich mit allem Guten und
Wahren, das den Menschen und die Kirche erfüllt und formt.
Die Liebe ist auch ihrem Wesen nach nichts anderes als ein
Streben nach Verbindung. Um dieses Ziel zu erreichen, schuf
Gott den Menschen in sein Bild und seine Ähnlichkeit...Das
dritte Element der göttlichen Liebe: andere aus sich beglük-
ken zu wollen, erweist sich im ewigen Leben, das ja aus

78
Seligkeit, Segen und Glück ohne Ende besteht, die Gott
denen schenkt, die seine Liebe in sich aufnehmen.
(W.C.R. 43)

5. April
Bevor die Berge geboren und die Erde und die Welt
gestaltet wurden, bist du Gott, von Ewigkeit zu
Ewigkeit. Du lässest den Menschen zum Staube
zurückkehren und sprichst: kehret zurück, ihr
Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind in deinen
Augen wie der Tag, der gestrige, wenn er vergangen
ist und wie eine Nachtwache. (Ps. 90, 2 - 4)

Die Menschen können nicht anders als die göttliche


Unendlichkeit mit der Unendlichkeit des Raumes zu ver-
wechseln. Weil sie sich diese nur als ein Nichts vorstellen
können – was sie tatsächlich ist - glauben sie auch nicht an
die göttliche Unendlichkeitt. Ebenso verhält es sich mit der
Ewigkeit, die die Menschen nur als Zeitbegriff fassen können.
Dies gilt aber nur für Wesen, die in der Zeit verhaftet sind.
Die eigentliche Idee der göttlichen Unendlichkeit wird den
Engeln dadurch deutlich gemacht, daß sie dem Blick des
Herrn immerfort ausgesetzt sind – selbst wenn sie sich am
Ende des Weltalls befänden – ohne irgend eine Behinderung
durch Raum oder Zeit. Das Wesen der göttlichen Ewigkeit
zeigt sich darin, daß den Engeln selbst tausend Jahre nicht als
eine Zeitspanne erscheinen, sondern nur so, als ob sie eine
Minute verbracht hätten. Beides beruht darauf, daß den
Engeln Vergangenheit und Zukunft im selben Moment
gegenwärtig sind. Daher drücken sie weder eine Sorge um die
Zukunft noch Todesgedanken; ihr einziges Element ist das
Leben. So beweist sich ihnen jederzeit die Ewigkeit und
Unendlichkeit des Herrn. (H.G. 1382)

79
6. April
Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt
gekommen, wiederum verlasse ich die Welt und
gehe zum Vater hin. Sagen seine Jünger zu ihm:
Siehe, jetzt redest du frei heraus und sprichst nicht
mehr in Gleichnissen. Jetzt wissen wir, daß du alles
weißt und nicht bedarfst, daß dich jemand frage.
Darum glauben wir, daß du vom Vater ausgegan-
gen bist. (Joh. 16, 28 - 30)

Ausgehen oder hervorgehen heißt im geistigen Sinn, einem


anderen in einer faßbaren Form gegenübertreten. In diesem
Sinn wird Ausgehen auch vom Herrn ausgesagt (Joh. 8, 42; 16,
27 -30, s. Zitat). Zur Erläuterung des Begriffs mögen Beispiele
dienen: Vom Wahren sagt man, es gehe vom Guten aus oder aus
ihm hervor, wenn das Wahre die Erscheinungsform des Guten
ist oder es dem Verstand begreifbar macht. Wenn vom Verstand
gesagt wird, er gehe vom Willen aus oder aus ihm hervor, heißt
das, der Verstand sei der geformte Wille, oder der Wille zeige
sich dem inneren Gesicht in verständlicher Form. Aus- oder
Hervorgehen gilt auch für das Denken, wenn es Rede, oder für
den Willen, wenn er Tat wird. Der Gedanke nimmt eine andere
Form an, wenn er ausgesprochen wird, bleibt aber dennoch
Gedanke; denn die Worte und Laute, die gebildet werden, sind
lediglich Zutaten, die den Gedanken auf angemessene Weise
wahrnehmbar machen...Auch kann vom äußeren Menschen
gesagt werden, er gehe aus dem inneren hervor, und das sogar
substanziell, weil der äußere Mensch nichts anderes ist als der
innere, allerdings so ausgerüstet, daß er in der Welt handlungs-
fähig ist. Hieraus ersieht man, daß unter aus- und hervorgehen
beim Herrn das Göttliche in der Form des Menschen verstan-
den wird, das außerdem dem Innewerden der Gläubigen ange-
messen ist. Beides ist jedoch eins. (H.G. 5337)

80
7. April
Worin er selbst gelitten hat und versucht worden
ist, darin kann er denen helfen, die in Versuchung
kommen... Denn wir haben nicht einen
Hohenpriester, der nicht könnte mitfühlen mit
unseren Schwachheiten, dieweil er versucht wor-
den ist in allen Stücken gleich wie wir, doch ohne
Sünde. (Hebr. 2, 18; 4, 15)

Es ist bekannt, daß der Herr versucht wurde und


Versuchungen bestand, von denen ein Mensch nicht einmal
den zehntausendsten Teil aushalten kann. Er hat sie allein aus-
gehalten und das Böse oder den Teufel und die ganze Hölle aus
eigener Macht überwunden. Kein Engel kann auf diese Weise
vom Teufel versucht werden; denn ihm können - solange er
dem Herrn vertraut - böse Geister nicht einmal von ferne
nahen; sie werden sogleich von Schauder und Schrecken
ergriffen. Noch viel weniger hätte sich die Hölle an den Herrn
heranmachen können, wenn er als Gott geboren wäre, d.h.
ohne das Böse, das von der Mutter vererbt wurde. Prediger
bedienen sich der üblichen Redensart, der Herr habe wirklich
die Missetaten und Übel des menschlichen Geschlechts getra-
gen. Es ist gar nicht möglich, Missetaten, Übel oder Sünden
anders auf sich zu übertragen, als auf dem Wege der
Vererbung; denn das Göttliche ist für das Böse gar nicht
erreichbar. Um daher das Böse aus eigener Kraft zu überwin-
den - was ein Mensch durchaus nicht vermöchte - und auf
diese Weise allein zur Gerechtigkeit zu werden, wollte er gebo-
ren werden wie jeder andere Mensch. Anders wäre es gar nicht
nötig gewesen, daß er geboren wurde. Denn ein menschliches
Wesen konnte der Herr auch ohne Geburt annehmen, was er
auch zuweilen tat, wenn er den Angehörigen der ältesten
Kirche oder den Propheten erschien (vgl. 1. Juli) Er kam also

81
als Kind in die Welt, damit ihm das Böse anhafte, das er über-
winden könne, wodurch in ihm das göttliche und menschliche
Wesen verbunden würde. Im Herrn war also kein wirkliches
oder eigenes Böses, wie er auch selbst sagt bei Johannes 8, 46:
“Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen?“ (H.G. 1573)

8. April
Und es geschah, daß es an Wahrheit fehlte und aus-
gebeutet wurde, wer vom Bösen abwich, und
Jehovah sah‘s, und es war böse in seinen Augen,
daß kein Gericht da war. Und Er sah, daß kein
Mann da war, und er erstaunte, daß kein Vermittler
da war. Und er zog Gerechtigkeit an wie einen
Panzer und auf sein Haupt den Helm des Heils. Und
er zog als Anzug der Rache Kleider an und umhüll-
te sich mit Eifer wie mit einem Oberkleid...Und für
Zion wird kommen ein Erlöser und für die in Jakob,
die umkehren von der Übertretung, spricht der Herr.
(Jes. 59, 15 - 17. 20)

Die Kirche anerkennt, daß der Herr der Heiland und


Erlöser des Menschengeschlechts ist, aber nur wenige
Kirchgenossen wissen, wie das zu verstehen ist. Wer der Kirche
nur äußerlich angehört, glaubt, der Herr habe die Welt durch
sein Blut erlöst, worunter das Leiden am Kreuz verstanden
wird. Wer aber die Kirche innerlich auffaßt, weiß, daß er nicht
durch das Blut des Herrn erlöst wird, sondern durch das
Leben nach den Geboten des Glaubens und der tätigen Liebe
gemäß dem Wort des Herrn. Wer Zugang zum Innersten der
Kirche hat, versteht unter dem Blut des Herrn das von ihm
ausgehende Göttlich-Wahre und unter dem Leiden am Kreuz
die letzte der Versuchungen des Herrn. Durch diese unter-
jochte er die Höllen und verherrlichte zugleich sein

82
Menschliches, d.h. er machte es göttlich und erlöste dadurch
alle, die sich durch ein Leben nach den Geboten des Glaubens
und der tätigen Liebe aus seinem Wort wiedergebären lassen.
(H.G. 10152)

9. April
Und die Könige der Erde und die Großen und die
Reichen und Kriegsobersten und die Mächtigen
und jeder Knecht und jeder Freie verbargen sich in
die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie
sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallet über
uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen,
der auf dem Throne sitzt und vor dem Zorn des
Lammes! Denn gekommen ist der große Tag sei-
nes Zornes. Und wer kann bestehen?
(Offb. Joh. 6, 15 - 17)

Der Grund, weshalb die Erlösung nicht ohne die Mensch-


werdung Gottes bewirkt werden konnte, liegt darin, daß
Jehovah Gott so, wie er in seinem unendlichen Wesen ist, sich
nicht der Hölle nahen und noch weniger in sie eintreten kann,
denn er ist der Reinste und Erste. Jehovah Gott würde durch
diese Beschaffenheit die in der Hölle Befindlichen augenblick-
lich töten, wenn er sie auch nur anhauchte. Denn er sagte zu
Mose, als dieser ihn sehen wollte: „Du kannst mein Antlitz nicht
sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und leben“ (2 Mose,
33, 20). Wenn nun Mose es nicht konnte, so können es noch
weniger die Bewohner der Hölle, die alle ein ungestaltetes und
vom Göttlichen weit entferntes, ein natürliches Leben auf der
untersten Stufe führen. Wäre also Jehovah nicht Mensch gewor-
den, wäre er nicht in einem Körper erschienen, der auch auf der
letzten Stufe stand, so wären seine Erlösungsbemühungen wohl
vergeblich gewesen. (W.C.R. 124)

83
10. April
Und auf ihm ruht der Geist Jehovah’s, der Geist der
Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und
der Macht, der Geist der Kenntnis und der Furcht
Jehovah’s. Und sein Wohlgefallen (Wohlgeruch)
wird sein in der Furcht Jehovah’s. Und er richtet
nicht nach dem, was seine Augen sehen, und rügt
nicht nach dem, was seine Ohren hören.
(Jes. 11, 2. 3)

Unter dem Geist Jehovah’s wird das Göttlich-Wahre ver-


standen, das der Herr während seines Wirkens auf der Erde
verkörperte, und das nun, nach seiner Verherrlichung von ihm
ausgeht. Die Aufzählung Weisheit, Einsicht, Rat und Macht
bezieht sich auf die göttliche Weisheit und Macht, die nun dem
Herrn innewohnten. Ebenso verfügte er über Allwissenheit
und das Heilige des Gottendienstes, was hier ausgedrückt ist
mit Geist der Erkenntnis und Furcht Jehovahs. Furcht bedeu-
tet überhaupt das Heilige des Gottesdienstes auf Grund des
Göttlich-Wahren, was auch im nachfolgenden Satz beschrie-
ben wird, wo es heißt: sein Wohlgefallen wird sein in der
Furcht Jehovahs. (Sw. ersetzt hier den ebenfalls möglichen
Ausdruck «Wohlgeruch» mit Räuchern und fährt fort:) Räu-
chern bedeutet den Gottesdienst im geistig Göttlichen, oder
eben dem Göttlich-Wahren. (Erkl. Offb. 696)

11. April
Keine Witwe oder Waise sollt ihr niederdrücken.
Wenn du sie niederdrückst und sie schreien zu mir,
so werde ich ihr Schreien hören. Und mein Zorn wird
entbrenne (2 Mose 22, 21. 22)
Er sprach: „Es war in einer Stadt ein Richter, der

84
Gott nicht fürchtete, noch den Menschen scheute.
Es war aber in selbiger Stadt eine Witwe, und die
kam zu ihm und sprach: Räche mich an meinem
Widersacher. Und er wollte eine Zeit lang nicht.
(Luk. 18, 2. 3. 4)

Im geistigen Sinn des Wortes stellt der Mann das Wahre,


sein Weib das Gute dar. Wenn nun eine Frau ihren Mann ver-
liert, bedeutet sie Gutes ohne Wahres mit andauerndem
Wunsch nach dem Wahren. In einem noch tieferen Sinn ist
das Verhältnis umgekehrt. Die Witwe ist dann also Sinnbild
für das Gute ohne das Wahre. Diese Art der Anschauung
bezeichnet den Herrn als den Träger des Göttlich-Guten als
Gemahl und Bräutigam, sein Reich und die Kirche wegen der
Aufnahme des Guten, das von ihm ausgeht, als Gattin und
Braut. Diese Sicht entspricht der himmlischen Kirche. Hier
aber geht es, wie schon gesagt, um die geistige, in der eben die
Witwe das Gute darstellt, das sich nach dem Wahren sehnt.
Eine ähnliche Bedeutung kommt den Waisen zu. …
Niederdrücken ist, bezogen auf Menschen, die in den
Wahrheiten belehrt werden wollen, eine Umschreibung für
betrügen. … Werden (Fremdlinge) und Witwen und Waisen
in einem Atemzug genannt, verstehen die Engel darunter, daß
bei den Angehörigen der Kirche das Gute und das Wahre ver-
bunden werden soll. (H. G. 9199, 9200)

12. April

Als Jesus sich auf dem Ölberg niedergesetzt hatte,


kamen die Jünger zu ihm besonders und sprachen:
„Sage uns, wann dies sein wird, und was das
Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des
Zeitlaufs sein wird.“ (Matth. 24, 3)

85
Große Erdbeben an Orten und Teuerungen und
Pestilenzen werden sein, und große Schrecknisse
und Zeichen vom Himmel geschehen. (Luk. 21, 11)
Wenn des Menschen Sohn kommt, wird er wohl
Glauben finden auf Erden? (Luk. 18, 8)
Wahrlich sage ich euch: „Kein Prophet ist angenehm
in seiner Vaterstadt.“ (Luk. 4, 24)

Die Ankunft des Herrn ist das Symbol für den Anfang einer
neuen Kirche, die Vollendung des Zeitlaufs für das Ende der alten
Kirche. Der Herr bereitet seine Jünger auf die allmähliche
Verwüstung der Vorgängerkirche vor … aber er tut das nur in
Entsprechungen, die durch den geistigen Sinn zu erläutern sind.
Er selbst nennt sie Zeichen. Er selbst stellt (bei Lukas ) auch den
Erfolg in Frage, indem er sagen will, daß das von ihm ausgehen-
de Göttlich-Wahre von der Kirche weniger aufgenommen wer-
den wird als von den Menschen außerhalb.
(Erkl. Offb. 706; WCR. 764; HG. 9198)
13. April

In Wahrheit aber sage ich euch: Viele Witwen


waren in Israel in den Tagen des Elias … und zu
keiner von ihnen ward Elias gesandt, als nach
Sarepta im Sidonischen, zu einer Frau, die eine
Witwe war. (Luk. 4, 25. 26)
Jehovah sprach: „Mache dich auf und geh’ hin
nach Sarpath der Sidonier und bleib’ allda, siehe,
ich habe daselbst einem Weibe, einer Witwe gebo-
ten, dich zu versorgen.“ Und er machte sich auf und
ging nach Sarpath und kam an den Eingang der
Stadt, und siehe, da war ein Weib, eine Witwe, die
Hölzer zusammenlas, und er rief ihr zu und sprach:
„Hole mir doch ein wenig Wasser in dem Gefäß, auf

86
daß ich trinke.“ Und sie ging, es zu holen; und er
rief ihr und sprach: „Hole doch einen Bissen Brot in
deiner Hand.“ Und sie sprach: „Beim Leben
Jehovah’s, deines Gottes, ich habe nichts Gebacke-
nes, nur eine Hand voll Mehl im Krug und ein wenig
Oel im Krüglein, und siehe, ich lese eben zwei
Hölzer zusammen und komme und mache es für
mich und für meinen Sohn, daß wir essen und ster-
ben.“ Elijahu aber sprach zu ihr: „Fürchte dich
nicht, komme und tue nach deinem Worte, nur
mache mir davon zuerst einen kleinen Kuchen, und
bring ihn mir heraus, dir aber und deinem Sohn
sollst du’s hernach machen. Denn so spricht
Johovah, der Gott Israels: Der Krug mit Mehl soll
nicht alle werden, und dem Krüglein soll’s an Oel
nicht mangeln.“ (1 Kön. 17, 9 - 14)

Sidon ist ein Bild für die Erkenntnisse des Wahren und
Guten.Was mit dem verwitweten Weib gemeint ist, s. 11. Apr.
Der Gehorsam und das Verlangen des Guten nach dem Wahren
wird dadurch beschrieben, daß die Frau dem Propheten, wie
ihr befohlen war, Wasser gab und hierauf von ihrem Wenigen
zuerst für ihn einen Kuchen buk und erst anschließend für sich
selbst und ihren Sohn sorgte. Als Lohn wurde ihr in der Folge
das Gute des Wahren reichlich beschert: Das Wasser bedeutet
im inneren Sinn das Wahre, das Mehl das Wahre aus dem
Guten, das Oel das Gute der Liebe. Der Kuchen endlich ist ein
Symbol des mit seinem Guten verbundenen Wahren. Da Elias
den Herrn in Beziehung zu seinem Wort oder auch die Lehre
des Wahren darstellt, dem die Witwe den Vorzug gibt vor sich
selbst und ihrem Sohn, ergibt sich als Sinn der Geschichte, daß
der Mensch geschildert wird, der sich um das Gute bemüht und
mit aller Kraft nach dem Wahren strebt. (H. G. 9198)

87
14. April
Und Joseph war dreißig Jahre alt, als er vor
Pharao, dem König von Ägypten stand. Und
Joseph ging aus von Pharao und zog hin in das
ganze Land Ägypten. (1 Mose 41, 46)
Und Jesus selbst war bei dreißig Jahren alt, da er
anfing, und war, wie man dachte ein Sohn
Josephs, des Eli … (Luk. 3, 23)

Die Zahl der Jahre bedeutet (wie auch die Maße der Arche
oder des himmlischen Jerusalem oder des Tempels) zweierlei:
fünf mal sechs heißt: ein wenig und Kampf der Versu-
chungen; drei mal zehn dagegen ist die volle Menge der
Überreste. … Überreste sind die Gesamtheit aller Zustände
der Neigung zum Guten und Wahren, die der Herr dem
Menschen von der Kindheit an bis zum Lebensende schenkt,
und die ihm erst das Weiterleben nach dem Tod ermöglichen,
indem sie alles mildern, was der Mensch an eigenem mit sich
bringt. … Der Mensch wird damit, solange er Kind ist, aus-
gestattet. … wenn er heranwächst, kommen Wahrheiten
dazu, kraft deren er im Stand ist, das Gute und Wahre, das zu
einem moralischen Leben gehört, zu verstehen und die Wahr-
heiten des Glaubens aufzunehmen. … Der Mensch ist nicht
gerüstet für die geistigen Kämpfe, die mit der Wiedergeburt
verbunden sind, bevor er das volle Maß der Überreste emp-
fangen hat. Das wird unter anderem illustriert durch die
Vorschrift, daß die Leviten ihre Arbeit nicht aufnehmen durf-
ten, bevor sie dreißig geworden waren; auch begann David
sein Regiment im Alter von dreißig Jahren. … Die Überreste
aber, die sich im Herrn befanden, waren göttliche Zustände,
die er sich selbst erkämpft und durch die er das menschliche
Wesen mit dem göttlichen vereinigt hatte. Sie sind mit den
menschlichen nicht zu vergleichen. (H. G. 1906, 5335)

88
15. April
Und er kam gen Nazareth, wo er erzogen ward, und
ging nach seiner Gewohnheit am Tage des Sabbats
in die Synagoge und stand auf um zu lesen. Und
man übergab ihm das Buch des Propheten
Jesajas, und er schlug das Buch auf und fand den
Ort, wo geschrieben ist: ‚Der Geist des Herrn ist auf
mir, darum hat er mich gesalbt, daß ich den Armen
die gute Botschaft verkündige, er hat mich
gesandt, gesund zu machen die zerknirschten
Herzens sind, zu verkündigen den Gefangenen
Freilassung und den Blinden, daß sie wieder sehen
sollen, die Zerschlagenen freizusetzen und zu ent-
lassen, das angenehme Jahr des Herrn zu verkün-
digen‘. Und er tat das Buch zu, gab es dem Diener
zurück... und fing an, zu ihnen zu sprechen: Heute
ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt.
(Luk. 4, 16 - 21)

Der Glaube ist verbreitet, unter der Erfüllung des Gesetzes


durch den Herrn sei zu verstehen, er habe alle Vorschriften der
zehn Gebote erfüllt, sich so zur Gerechtigkeit gemacht und die
Menschen in der Welt durch den Glauben daran gerechtfertigt.
Aber das ist nicht der wahre Sinn, sondern es geht darum, daß
er alles erfüllt hat, was von ihm geschrieben steht „im Gesetz
und in den Propheten“, d. h. in der ganzen Heiligen Schrift,
weil diese ja von ihm allein handelt. Viele haben etwas anderes
geglaubt, weil sie unterlassen haben, in der Schrift nach der
Bedeutung des Begriffs „Gesetz“ zu forschen. Im engeren Sinn
werden zwar darunter nur die Vorschriften der zehn Gebote
verstanden, im weiteren Sinn jedoch alles, was in den fünf
Büchern Mose geschrieben ist, und im weitesten Sinne über-
haupt alles im Wort. (L.H. 8)

89
16. April
Da sprachen die Juden zu ihm: ... bist du größer
als unser Vater Abraham, der gestorben ist?...
Wozu machst du dich selbst? Jesus antwortete: So
ich mich selbst verherrliche, ist meine Herrlichkeit
nichts. Mein Vater ist es, der mich verherrlicht, von
dem ihr sagt, er sei euer Gott. Und ihr habt ihn
nicht erkannt, ich aber kenne ihn...Abraham, euer
Vater, frohlockte, daß er meinen Tag sehen sollte,
und er sah ihn und freute sich. Da sagten die Juden
zu ihm: ‚du hast noch keine fünfzig Jahre und hast
Abraham gesehen?‘ Jesus spricht zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: „Ehe denn
Abraham ward, bin ich.“ (Joh. 8, 52 - 58)

Es ist ein Irrtum zu glauben, Gott, der Schöpfer des Alls,


habe einen „Sohn von Ewigkeit“ gezeugt und dieser sei her-
abgestiegen und habe Menschengestalt angenommen, um
die Menschen zu erlösen und selig zu machen. Man sieht das
ein, sobald man nur bedenkt, daß Gott e i n e r ist. Ein ver-
nünftiger Mensch wird es daher höchstens als Fabel bezeich-
nen, daß dieser eine Gott von Ewigkeit her einen Sohn
gezeugt haben soll, und daß der Vater mit dem Sohn und
dem Heiligen Geist - von denen jeder für sich besonders
Gott sei - e i n e n Gott bilde. Dieses Hirngespinst ver-
schwindet wie eine Sternschnuppe in der Luft, sobald aus
dem Wort nachgewiesen wird, daß Jehovah Gott selbst her-
abgestiegen und Mensch und auch Erlöser geworden ist.
(Anm. F.H.: unter den vielen Stellen, die Swedenborg zum
Beweis hierfür angibt, findet sich auch die oben stehende aus
dem Johannes - Evangelium. Hierbei macht er darauf auf-
merksam, daß es ausdrücklich heißt: „ehe Abraham ward,

90
bin ich“ und nicht : „war ich“, denn der „ich bin“ ist Jehovah
nach 2. Mose 3, 14.) (W.C.R. 82; H.G. 10579)

17, April
Wie sagt ihr zu dem, den der Vater geheiligt und in
die Welt gesandt hat: du lästerst, dieweil ich sage:
ich bin Gottes Sohn? Wenn ich nicht die Werke
meines Vaters tue, so glaubt mir nicht. Tue ich sie
aber, so glaubet den Werken, wenn ihr schon mir
nicht glaubet, aufdaß ihr erkennet und glaubet,
daß in mir der Vater ist, und ich in ihm.
(Joh. 10, 36 - 38)

Im ganzen Himmel wird als Gott des Himmels allein der


Herr anerkannt. Sie sagen dort, wie er selbst gelehrt hat (siehe
oben), er sei Einer mit dem Vater, der Vater sei in ihm und er
im Vater und wer ihn sehe, sehe den Vater und alles Heilige
gehe aus ihm hervor. Ich sprach hierüber öfter mit den Engeln,
und sie bestanden darauf, man könne im Himmel das göttli-
che Wesen nicht in Drei teilen, weil man dort weiß und akzep-
tiert, daß das Göttliche eine Einheit ist, und zwar im Herrn. Sie
sagten, aus der Welt ankommende Kirchgenossen, die sich drei
göttliche Personen vorstellten, könnten nicht in den Himmel
aufgenommen werden, weil ihr Denken von einem zum ande-
ren hin und her irre und es dort nicht erlaubt sei, an drei zu
denken und nur einen zu nennen; denn im Himmel redet jeder
wie er denkt... Jeder, der nicht das Wahre vom Guten oder den
Glauben von der Liebe getrennt hat, nimmt im anderen Leben
nach der nötigen Belehrung die himmlische Idee vom Herrn
als dem Gott des Alls an. Anders ergeht es denen, die den
Glauben vom Leben getrennt, d.h. die nicht nach den
Vorschriften des wahren Glaubens gelebt hatten. (H.u.H. 2)

91
18. April
Niemand hat Gott je gesehen. Der eingeborene
Sohn, der in des Vaters Schoße ist, der hat ihn
kundgemacht. (Joh. 1, 18)

Das Unendliche, das sich über alle Himmel und das


Innerste des Menschen erhebt, kann nur im Göttlich-
Menschlichen des Herrn offenbar werden. Eine Verbindung
des Unendlichen mit dem Endlichen ist auf andere Weise
nicht möglich. Deshalb offenbarte sich Jehovah den
Menschen der ältesten, später der alten Kirche und an-
schließend dem Abraham und den Propheten als Mensch...
Hieraus kann man erkennen, daß Jehovah – das unendliche
Sein – dem Menschen nur durch menschliches Wesen geof-
fenbart werden konnte, also allein durch den Herrn Jesus
Christus... Was unmittelbar aus dem Göttlichen hervorgeht,
können nicht einmal die Engel des innersten Himmels
begreifen, weil es unendlich ist und somit jedes
Begriffsvermögen, auch das der Engel, übersteigt. Was aber
aus dem Göttlich-Menschlichen des Herrn Jesus Christus
hervorgeht, können sie verstehen, denn es handelt von Gott
als dem göttlichen Menschen, von dem man sich von der
Menschenebene aus einen Begriff machen kann.
(H.G. 1990, 5321)

19. April
Wer sein Zeugnis annimmt, der hat besiegelt, daß
Gott wahrhaftig ist. Denn der, den Gott gesandt
hat, redet die Worte Gottes, denn Gott gibt ihm den
Geist nicht nach dem Maß. Der Vater liebt den
Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Wer an
den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Wer aber nicht

92
an den Sohn glaubt, der wird das Leben nicht
sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
(Joh. 3, 33 - 36)

Wer als Grundsatz annimmt und anerkennt, daß der Herr


Einer mit dem Vater war und als Mensch aus dem göttlichen
Wesen in sich selbst göttlich ist, wird in jedem Wort der
Heiligen Schrift Licht sehen; denn was als Lehre aufgenom-
men und anerkannt wird, ist im Licht, wenn das Wort gelesen
wird. Der Herr, von dem alles Licht stammt und der über alle
Macht verfügt, wird den Lesenden erleuchten. Wenn im
Gegensatz dazu zur Lehre erhoben wird, das Göttliche des
Vaters sei von dem des Herrn verschieden und getrennt, so
läßt sich im Wort nichts erkennen, weil der so denkende
Mensch sich von einem zum andern wendet, vom Herrn als
dem in Gedanken sichtbaren Gott zu einem unsichtbaren,
von dem der Herr gesagt hat: „Ihr habt weder je des Vaters
Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen“ (Joh. 5, 37; 1, 18).
Es ist unmöglich, an etwas Göttliches zu glauben und es zu
lieben, das man sich nicht unter irgendeiner Gestalt denken
kann. (Erkl. Offb. 200)

20. April

Und Jehovah Gott sprach zu der Schlange: Weil du


das getan hast, bist du verflucht vor allem Vieh und
vor allem Wild des Feldes. Auf deinem Bauche sollst
du kriechen und Staub fressen alle Tage deines
Lebens. Und Feindschaft will ich setzen zwischen dir
und dem Weibe und zwischen deinem Samen und
ihrem Samen. Er soll dir den Kopf zertreten und du
wirst ihm die Ferse verletzen. (1. Mose 3, 14 f.)

93
Nachdem bei dem Menschen alles Himmlische, d.h. alle
Liebe zum Herrn verloren gegangen war, sodaß kein Wille zum
Guten mehr vorhanden war, wurde das Menschengeschlecht
von der Gottheit geschieden, denn nur die Liebe verbindet.
Sobald diese nicht mehr da war, folgte die Trennung, und auf
Trennung folgt Untergang oder Ausrottung. Daher wurde das
Kommen des Herrn in die Welt vorausgesagt, der das
Menschliche mit dem Göttlichen vereinigen und dadurch das
Menschengeschlecht in ihm selbst verbinden sollte durch den
Glauben der Liebe zu ihm und zum Nächsten. Von der Zeit der
ersten Verheißung an, von der in 1. Mose 3, 15 die Rede ist
(siehe oben!), war es der Glaube der Liebe an den kommenden
Herrn, der die Verbindung erhielt. Als aber auf der ganzen Welt
kein solcher Glaube mehr übrig war, kam der Herr und verei-
nigte das menschliche Wesen mit dem göttlichen, sodaß sie
ganz eins wurden, wie er selbst ja deutlich sagt (z.B. Joh. 10,
30). Zugleich zeigte er den Weg der Wahrheit, damit jeder, der
an ihn glaubt - d.h. ihn und was ihm gehört liebt und sich sei-
ner allumfassenden Liebe ergibt - mit ihm verbunden und selig
gemacht werden könne. Als im Herrn das Menschliche göttlich
und das Göttliche menschlich wurde, begann ein Einfluß des
unendlichen oder höchsten Göttlichen auf die Menschen zu
wirken, wie er auf keine andere Weise hätte entstehen können.
Dadurch wurden auch die grauslichen Verdrehungen durch
das Falsche und die Begierden des Bösen zerstreut, von denen
die Geisterwelt voll war, durch die aus der Welt anlangenden
Seelen fortwährend weiter angefüllt wurde. (H.G. 2034)

21. April
Viele andere Zeichen nun tat Jesus vor seinen
Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem
Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glau-
bet, daß Jesus ist der Christus, der Sohn Gottes,

94
auf daß ihr glaubet und Leben habt in seinem
Namen. (Joh. 20, 30 f.)

Die größten Geheimnisse, die bis jetzt noch nie gelüftet


worden sind, liegen im inneren Sinn des Wortes verborgen.
Dies kann am augenscheinlichsten aus dem inneren Sinn der
zwei Namen unseres Herrn erhellen: Jesus Christus. Allgemein
stellt man sich vor, es seien Eigennamen ähnlich den Namen
irgend eines Menschen, nur heiliger. Die Gelehrteren wissen
zwar, daß Jesus Seligmacher bedeutet und Christus einen
Gesalbten, und haben daher eine vertiefte Vorstellung, aber sie
entspricht nicht dem, was die Engel im Himmel bei jenem
Namen innewerden; denn das ist noch heiliger. Wenn von
einem Menschen, der das Wort liest, der Name Jesus genannt
wird, werden sie das Göttlich-Gute, bei Christus das Göttlich-
Wahre inne, werden jedoch beide Namen genannt, die göttli-
che Ehe des Guten und Wahren. (H.G. 3004)

22. April
Und nach sechs Tagen nimmt Jesus zu sich Petrus
und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und
bringt sie hinauf auf einen hohen Berg besonders.
Und er ward verwandelt vor ihnen, und sein
Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider
wurden weiß wie das Licht. … Während Petrus noch
redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke;
und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies
ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen
habe. Ihn sollt ihr hören. (Matth. 17, 1. 2. 5)

Der Stand der Verherrlichung des Herrn kann annähernd


aus dem Zustand der Wiedergeburt des Menschen abgelesen
werden, denn diese ist ein Bild der Verherrlichung des Herrn.

95
Wer wiedergeboren wird, verwandelt sich in einen ganz ande-
ren und neuen Menschen … Er hat zwar noch das gleiche
Gesicht und die gleiche Sprache, nicht aber das gleiche Gemüt;
denn dieses ist jetzt himmelwärts geöffnet, in ihm wohnt die
Liebe zum Herrn und die tätige Liebe zum Nächsten samt dem
Glauben. Das Gemüt ist‘s, was den Menschen anders und neu
macht... Aus diesem Bild kann die Verherrlichung des Herrn in
etwa begriffen werden. Er wurde jedoch nicht wiedergeboren
wie ein Mensch, sondern wurde göttlich, und zwar aus der
eigenen göttlichen Liebe, denn er wurde selbst göttliche Liebe.
Wie sich dann seine Gestalt darbot, erlebten Petrus, Jakobus
und Johannes, als sie ihn mit den Augen des Geistes sehen
durften, wobei sein Angesicht leuchtete wie die Sonne. Daß
dies sein Göttlich-Menschliches war, erfuhren sie durch die
Stimme, die aus der Wolke klang und sprach: Dies ist mein
geliebter Sohn. (siehe oben!) (H.G. 3212)

23. April
Sollte in Wahrheit Gott auf Erden wohnen? Siehe,
die Himmel der Himmel fassen dich nicht; wie
denn das Haus da, das ich gebaut habe? (Worte
Salomos) (1.Kön. 8, 27)

Mit nur natürlichen Vorstellungen läßt sich nicht fassen,


daß die göttliche Kraft keines Raumes bedarf, obgleich es all-
gegenwärtig ist und bei jedem Menschen in der Welt, bei jedem
Engel im Himmel wie auch bei jedem Geist unter dem
Himmel weilt. Möglich wird es erst mittels geistiger
Vorstellungen. Die Unmöglichkeit, es in natürliche Vorstel-
lungen einzupassen, rührt davon her, daß diese sich nicht von
der Räumlichkeit lösen können, die sich ja aus materiellen
Gegenständen zusammensetzt, die ohne Raum nicht denkbar
sind... jedes Maß, jede Gestalt und Form in der Welt ist räum-

96
lich. ... Die geistige Vorstellung hingegen stützt sich nicht auf
Räume, sondern setzt an ihre Stelle den Zustand. Zustand wird
ausgesagt von der Liebe, vom Leben, von der Weisheit, von den
Gefühlen und den Freuden darin, allgemein ausgedrückt: vom
Guten und Wahren. Die wahrhaft geistige Vorstellung von
Regungen kennt keine Räume; sie steht höher und erblickt die
räumlichen Vorstellungen unter sich, wie der Himmel die Erde
... der Grund, warum der Mensch es begreifen kann, liegt
darin, daß nicht sein Körper, sondern sein Geist denkt, also
nicht sein natürliches, sondern sein geistiges Wesen. Wenn es
aber viele dennoch nicht fassen, liegt es daran, daß sie die
natürliche Ebene lieben und ihre Gedanken nicht darüber hin-
aus in das geistige Licht erheben wollen. Deshalb können sie
selbst über Gott nur in räumlichen Dimensionen denken.
(L.u.W. 7 - 9)

24. April
Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkest, und
des Menschen Sohn, daß du ihn heimsuchst?
Wenig lässest du ihm zu einem Engel mangeln und
krönest ihn mit Herrlichkeit und Ehre. Du machst
ihn zum Herrscher über deiner Hände Werk, alles
hast du unter seine Füße gelegt. (Ps. 8, 5 - 7)

Der Endzweck des Weltalls ist ein Himmel von Engeln und
daher auch der Mensch oder das menschliche Geschlecht, aus
dem sich der Himmel bildet. Hieraus erkennt man, daß alle
erschaffenen Dinge brauchbare Mittel sind je nach dem Grad,
in dem sie sich auf den Menschen und durch diesen auf den
Herrn beziehen. ... Der allumfassende Endzweck aller Teile der
Schöpfung zielt auf eine ewige Verbindung zwischen dem
Schöpfer und dem erschaffenen Weltall. Eine solche
Verbindung bedarf aber der Lebewesen, in denen das Göttliche

97
sich gewissermaßen zu Hause fühlt, in denen es also wohnen
und bleiben kann. Diese Lebewesen müssen, um als
Wohnungen und bleibende Stätten zu dienen, Gottes Liebe
und Weisheit aus eigenem Antrieb aufnehmen können, sie
müssen sich also wie von selbst zum Schöpfer erheben und
sich mit ihm verbinden können. Ohne dieses Wechselspiel gibt
es keine Verbindung. Die Lebewesen, die sich wie aus eigenem
Antrieb erheben können, sind die Menschen. Durch diese
Verbindung ist der Herr in jedem von ihm geschaffenen Werk
gegenwärtig. (L.u.W. 329, 170)

25. April
Machet euch Beutel, die nicht altern, einen Schatz in
den Himmeln, der nicht versiegt, wo der Dieb nicht
nahet, noch die Motte verderbt. Denn wo euer Schatz
ist, da wird auch euer Herz sein. (Luk. 12, 33 f.)

Das eigentliche Leben des Menschen ist das Wesen seiner


Liebe ... Was der Mensch über alles liebt, erfüllt sein Denken ...
er nimmt immer und überall darauf Rücksicht ... Das Ver-
halten des Menschen richtet sich nach den Impulsen, die sein
Leben beherrschen. Durch sie unterscheidet er sich von ande-
ren, und nach ihner Qualität wird er seinen Platz im Himmel
finden, wenn sie gut, oder in der Hölle, wenn sie böse sind. Die
Liebe bestimmt seinen eigentlichen Willen, seine Per-
sönlichkeit und seine Natur, weil sie das eigentliche Sein seines
Lebens ist, das nach dem Tode nicht verändert werden kann,
weil es der Mensch selbst ist. (N.J. 54 - 57)

26. April
Selig ein jeder, der den Herrn fürchtet, der in seinen
Wegen wandelt. Denn du issest deiner Hände Arbeit.

98
Selig bist du, und du hast‘s gut. Dein Weib ist wie ein
fruchtbarer Weinstock an den Seiten deines Hauses,
deine Söhne sind wie Pflänzlinge des Oelbaumes
rings um deinen Tisch. Siehe, so wird der Mann
gesegnet, der den Herrn fürchtet. (Ps. 128, 1 - 4)

Eine Vorstellung vom Guten, das Sache der tätigen Liebe,


und vom Wahren, das Sache des Glaubens ist, kann man sich
bilden, indem man das Licht und die Wärme der Sonne
betrachtet. Wenn das Sonnenlicht mit Wärme verbunden ist -
wie im Frühling und Sommer -, dann keimt und blüht alles auf
dem Erdboden. Wenn dagegen im Winter das Licht kälter ist,
erstarrt und erstirbt alles. Das geistige Licht ist Wahres des
Glaubens, die geistige Wärme Liebe. Auf dieser Grundlage
kann man sich vorstellen, wie der Mensch der Kirche beschaf-
fen ist, wenn in ihm Glaube und tätige Liebe verbunden sind.
Er ist dann tatsächlich wie ein Garten oder ein Paradies. Ist
jedoch der Glaube nicht mit der tätigen Liebe verbunden, so ist
er wie eine Wüste oder ein schneebedecktes Land. (N.J. 114)

27. April
Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch: Wer die Sünde tut, der ist der Sünde
Knecht. Der Knecht aber bleibt nicht ewiglich im
Hause, der Sohn bleibt ewiglich. Wenn euch nun
der Sohn frei macht, so werdet ihr in der Tat frei
sein. (Joh. 8, 34 - 37)

Aus Freiheit heraus Böses zu tun, erscheint zwar als


Freiheit, ist aber Sklaverei, weil sie aus der Liebe zu sich und
zur Welt stammt, aus Liebesarten, die aus der Hölle hervorge-
hen. Eine solche Freiheit verwandelt sich nach dem Tod

99
tatsächlich in Sklaverei, denn der auf diese Weise «freie»
Mensch wird in der Hölle zum niedrigen Sklaven. In Freiheit
Gutes zu tun ist dagegen wirkliche Freiheit, weil das Tun auf
der Liebe zum Herrn und zum Nächsten beruht und diese
Arten der Liebe himmlisch sind. Diese Freiheit bleibt auch
nach dem Tod und entwickelt sich dann zur vollkommenen
Freiheit. Denn ein im Guten freier Mensch wird im Himmel
nach den Worten des Herrn zum Sohn des Hauses (siehe
oben). (N.J. 142)

28. April
Und Jehovah sah, daß des Bösen des Menschen
viel ward auf Erden, und daß alles Dichten und
Trachten ihres Herzens die ganze Zeit nur böse
war. Da reute es Jehovah, daß er den Menschen
auf Erden gemacht, und es schmerzte ihn in sei-
nem Herzen. (1. Mose 6, 5.6)

Dem Herrn wird nachgesagt, es reue ihn und schmerze ihn


im Herzen, weil dergleichen Empfindungen Teil menschlicher
Barmherzigkeit sind. Daher wird hier, wie häufig im Wort,
beschrieben, was den Anschein macht. Wie die Barmherzigkeit
des Herrn beschaffen ist, kann niemand wissen, weil sie allen
Verstand des Menschen unendlich übersteigt. Was aber die
menschliche Barmherzigkeit ist, weiß der Mensch, und darin
liegt nun auch Reue und Schmerz. Der Mensch bedarf des
Vergleichs mit bekannten Regungen, um sich ein Bild von der
göttlichen Barmherzigkeit machen zu können und sich darü-
ber belehren zu lassen. Deshalb werden menschliche Eigen-
schaften häufig als Attribute Jehovahs oder des Herrn genannt;
z.B. daß der Herr strafe, in Versuchung führe, verderbe, zürne,
während er doch nie jemanden straft, nie in Versuchung führt,
nie verdirbt oder zürnt. (H.G. 588)

100
29. April
Und Jehovah sprach: ich will den Menschen vertil-
gen, den ich geschaffen … Und ich, siehe, ich brin-
ge die Flut von Wassern über die Erde, alles
Fleisch unter den Himmeln zu verderben, in dem
der Geist des Lebens ist. Alles, was auf Erden ist,
soll verscheiden. (1. Mose 6, 7. 17)

Mit “Flut“ wird die Überschwemmung der Nachkommen


der Ältesten Kirche durch Böses bezeichnet. Sie waren von
schnöden Begierden besessen und und ließen die Glaubenslehren
darin untergehen, was sie verleitete, sich auf Falschheiten hin-
auszureden, wodurch alles Wahre und Gute ausgetilgt und
zugleich der Weg für die Überreste verschlossen wurde (vgl. die
Lehre unter dem 10. Febr.). So mußten sie sich zwangsläufig
selbst verderben. Der Mensch ist kein Mensch mehr, wenn der
Weg für die Überreste verschlossen ist, weil er dann nicht mehr
von den Engeln beschützt werden kann, sondern ganz und gar
von bösen Geistern besessen wird, die nichts anderes im Schild
führen, als den Menschen völlig zu vernichten. So mußte es
zumTod derer kommen, die vor der Sintflut lebten, die durch die
Flut oder totale Überschwemmung beschrieben wird. Der
Einfluß der Einbildungen und Begierden von den bösen
Geistern ist einer Flut nicht unähnlich. Deshalb wird er hier und
dort im Wort Flut oder Überschwemmung genannt. (H.G. 660)

30. April
Und nun (Mose) gehe hin, ich sende dich zu
Pharao; und bringe mein Volk, die Söhne Israels,
aus Ägypten heraus... Und Mose sprach zu
Jehovah: Ach, Herr, ich bin kein Mann von Worten,
weder gestern, noch ehegestern, noch seit du mit

101
deinem Knechte redest; denn ich bin schwer von
Mund und schwer von Zunge. Und Jehovah sprach
zu ihm: Wer macht des Menschen Mund? Oder wer
macht stumm oder taub oder sehend oder blind?
Bin nicht ich es, Jehovah? und nun gehe, und ich
will mit deinem Munde sein und dich unterweisen,
was du reden sollst. Und er sprach: Ach, Herr,
sende doch, durch wessen Hand du senden willst.
Da entbrannte der Zorn Jehovahs wider Mose, und
er sprach: Ist nicht Aharon, der Levite, dein
Bruder? ich weiß, daß er reden kann ... Und du
sollst zu ihm reden und die Worte in seinen Mund
legen, und ich will mit deinem Munde und mit sei-
nem Munde sein und euch unterweisen, was ihr tun
sollt. (2. Mose 3, 10; 4, 10 - 15)

“Da entbrannte der Zorn Jehovahs wider Mose“ bedeutet


die Milde. Jehovah ist die Liebe, das Gute und die
Barmherzigkeit selbst und wird deshalb nie zornig. Zorn ist
das Gegenteil davon und außerdem eine Schwäche - was bei
Gott nicht zutreffen kann. Wenn daher im Wort Jehovah oder
dem Herrn Zorn zugeschrieben wird, so spüren die Engel kei-
nen Zorn, sondern entweder Barmherzigkeit oder die
Entfernung des Bösen durch die Kraft aus dem Himmel. Der
Grund, weshalb dem Herrn im Wort Zorn zugeschrieben wird,
ist folgender: Es gilt als allgemeinste Wahrheit, daß alles von
Gott komme, sowohl Böses als Gutes. Aber diese allgemeinste
Wahrheit ist nur für Kinder, Knaben und Einfältige bestimmt
und muß hernach erläutert werden in dem Sinn, daß das Böse
nur scheinbar von Gott, in Wirklichkeit jedoch vom Menschen
kommt und das Bild nur verwendet wird, damit man Gott
fürchten lernt, um nicht durch böse Taten zugrundegerichtet
zu werden, und damit man ihn anschließend liebt. Die Furcht

102
muß der Liebe vorausgehen, damit in der Liebe eine heilige
Furcht bleibt. Heilig wird die Furcht durch die Heiligkeit der
Liebe, worauf sie nicht mehr dem Herrn gilt, der zürne und
strafe, sondern der Gefahr, daß man selbst dem Guten entge-
genhandle; dies würde dann eine Gewissenspein verursachen.
Außerdem wurden die Juden durch Strafen zur Beobachtung
der äußeren Form der Satzungen und Gebote angehalten, und
daher glauben sie, der Herr zürne und strafe, während doch sie
selbst es waren, die sich durch Abgöttereien solches zuzogen.
(H.G. 6997)

1. Mai
Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. So
jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu
dem gehe ich ein und halte das Abendmahl mit
ihm und er mit mir. (Offb. Joh. 3, 20)

Aus der Wechelseitigkeit der Verbindung des Herrn mit


dem Menschen folgt notwendigerweise, daß sich der Mensch
mit dem Herrn verbinden muß, um dem Herrn zu ermögli-
chen, sich mit ihm zu verbinden. Widrigenfalls erfolgt keine
Verbindung, sondern eine Trennung, die jedoch nicht vom
Herrn, sondern vom Menschen ausgeht. Um diese wechselsei-
tige Verbindung zu ermöglichen, wurde dem Menschen
Wahlfreiheit verliehen, den Weg zum Himmel oder zur Hölle
einzuschlagen ... Zu beklagen ist, daß die Gegenseitigkeit der
Verbindung des Herrn mit dem Menschen - obgleich sie im
Wort deutlich verkündet wird - von der christlichen Kirche
nicht zur Kenntnis genommen wird, und zwar wegen uner-
wiesener Annahmen in Bezug auf den Glauben und den freien
Willen. Diese Annahmen bestehen darin, daß der Glaube dem
Menschen geschenkt werde, ohne daß dieser seinen Beitrag lei-
ste, indem er sich auf die Aufnahme vorbereite – es genüge,

103
sich zu verhalten wie ein lebloser Klotz. Diese Voraussetzungen
postulieren, der Mensch habe in geistigen Dingen auch nicht
ein Körnchen freien Willen. (W.C.R. 371)

2. Mai
Weh‘ denen, die in ihren Augen weise sind und sind
vor ihrem Angesichte einsichtsvoll. (Jes. 5, 21)

Der Mensch mag vieles wissen und verstehen, solange er


aber das Böse nicht als Sünde flieht, ist er nicht weise. Dies
kommt daher, … daß er aus eigener Kompetenz und nicht
aufgrund der Kraft des Herrn weise ist. Wenn er z.B. die
Lehren seiner Kirche in allen Einzelheiten kennt, wenn er sie
durch das Wort und Argumentationen bekräftigen kann,
wenn er die Lehren sämtlicher Kirchen von ihren Anfängen an
und auch die Beschlüsse aller Kirchenversammlungen studiert
hat, selbst wenn er die Wahrheiten kennt, sich etwas darunter
vorstellt und sie versteht (!), wenn er z.B. weiß, was der
Glaube, die tätige Liebe, die Frömmigkeit, Buße und
Vergebung der Sünden, die Wiedergeburt, Taufe und das hei-
lige Abendmahl, sogar was der Herr, die Erlösung und
Seligmachung ist - so ist er dennoch nicht weise, solange er
nicht das Böse als Sünde flieht. Die Erkenntnisse sind nämlich
alle ohne Leben, weil sie nur in seinem Verstande existieren
und nicht zugleich in seinem Willen verankert sind; was so
beschaffen ist, vergeht mit der Zeit … auch wirft es der
Mensch nach dem Tod selbst weg, weil es nicht mit der
Neigung seines Willens übereinstimmt. - Gleichwohl sind die
Erkenntnisse nötig, weil der Mensch aus ihnen lernt, wie er
handeln soll. Wendet er sie an, so leben sie in ihm; früher
jedoch nicht. (L.L. 27)

104
3. Mai
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in
mir bleibt und ich in ihm, der trägt viele Frucht,
denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Joh. 15, 5)
Die Wahrheit ist, daß kein Mensch etwas Gutes (das wirklich
gut ist) aus sich tun kann. Es ist jedoch abscheulich, deshalb
gleich alles Gute der tätigen Liebe zu verneinen, das ein Mensch
tut, der das Böse als Sünde flieht, denn es richtet sich genau wider
das Wort, das dem Menschen dieses Tun befiehlt. Es verstößt
gegen die Gebote der Liebe zu Gott und zum Nächsten, von
denen das „Gesetz und die Propheten“ abhängen; das kommt
einer Verhöhnung jeder Religion und einem Umsturz gleich. Ein
jeder weiß doch, daß die Religion darin besteht, Gutes zu tun,
und daß der Mensch nach seinen Taten gerichtet wird. Jeder
Mensch ist so beschaffen, daß er das Böse wie aus sich selbst flie-
hen kann, und zwar aus der Macht des Herrn, wenn er sie erfleht.
Was er dann tut, ist Gutes vom Herrn. (L.L. 31)

4. Mai
Wer überwindet, der soll keinen Schaden leiden
vom anderen Tod. (Offb. Joh. 2, 11)

Wenn jemand das Böse entfernt, indem er kämpft, tritt


ebensoviel Gutes an dessen Stelle, und nur von diesem aus sieht
er das Böse von Angesicht und erkennt, daß es höllisch und
abscheulich ist. Von da an flieht er es nicht nur, sondern verab-
scheut es, und zuletzt graut ihm davor. Der Mensch, der gegen
das Böse kämpft, muß das notwendigerweise wie aus sich tun,
denn sonst kämpft er nicht, sondern steht da wie ein Automat,
der weder sehen noch hören kann, und er denkt stets aufgrund
des Bösen für das Böse und nicht dagegen … Dieser Kampf ist

105
nur für jene schwer, die ihren Lüsten alle Zügel haben schießen
lassen und ihnen vorsätzlich gehuldigt haben, ebenso für die
andern, die hartnäckig das Heilige des Wortes und der Kirche
verleugnet haben. Den Übrigen aber fällt der Kampf leicht. Sie
sollen nur einmal in der Woche oder zweimal im Monat dem
Bösen mit Anstrengung widerstehen, so werden sie schon eine
Veränderung spüren. (L.L. 95 - 97)

5. Mai
Wer überwindet, dem will ich zu essen geben vom
Baume des Lebens, der in der Mitte des Paradieses
Gottes ist. (Offb. Joh. 2, 7)

Jeder weiß aus dem Wort unmittelbar oder durch die


Lehre, daß das Eigene des Menschen von Geburt an böse ist
und er daher aus einer angeborenen Lust das Böse liebt und
ihm verfällt, d.h. daß er z.B. betrügen, verleumden, ehebrechen
oder sich rächen will und - wenn er nicht bedenkt, daß es
Sünde ist und deswegen widersteht - es auch tut, so oft sich
eine Gelegenheit bietet und der gute Name der Ehre und des
Gewinnes nicht darunter leidet … Weil das Eigene des Men-
schen die erste Wurzel seines Lebens ist, zeigt sich, was für ein
Baum der Mensch wäre, wenn diese Wurzel nicht ausgerottet
und durch eine neue ersetzt würde … Das kann aber nur
geschehen, wenn der Mensch das Böse - das ja die Wurzel aus-
macht - als einen Schaden seiner Seele betrachtet und sich
bemüht, es wegzuschaffen. Weil es aber sein Eigenes und ihm
angenehm ist,gelingt ihm das nur mit Widerwillen und
Anstrengung, d.h. mit Kampf. (L.L. 92, 93)
6. Mai
So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels:
Macht eure Wege gut und euer Tun, so will ich euch

106
wohnen lassen an diesem Ort. Vertrauet nicht auf
Lügenworte wie diese: ‚Der Tempel Jehovahs, der
Tempel Jehovahs, der Tempel Jehovahs ist hier‘,
sondern macht eure Wege gut und euer Tun … Wollt
ihr stehlen, morden und ehebrechen und Meineide
schwören und dem Baal räuchern und anderen
Göttern nachgehen, die ihr nicht kennt, und herein-
kommen und vor mein Angesicht treten in diesem
Hause, über dem mein Name genannt ist, und spre-
chen: ‚Wir sind errettet‘ - dieweil ihr alle diese Greuel
tut? Ist dies Haus … in euren Augen zur Räuberhöhle
geworden? (Jer. 7, 3 - 5. 9 - 11)

Heutzutage gilt die Meinung, man werde selig, wenn man


dies oder jenes glaubt, was die Kirche lehrt, und die Seligkeit
hänge nicht vom Befolgen der zehn Gebote ab … denn es wird
gesagt, Gott schaue nicht auf die Werke, sondern auf den
Glauben. Aber man hat doch desto weniger Glauben, je tiefer
man man im Bösen steckt! Befrage die Vernunft, ob ein
Mörder, Ehebrecher, Dieb oder falscher Zeuge glauben kann,
solange er mit Lust diesem Bösen frönt! Frage sie ferner, ob die
Lust auf andere Weise entfernt werden kann, als indem man
jenes Böse nicht tun will, weil es Sünde, d. h. höllisch und teuf-
lisch ist. Wer daher meint, die Seligkeit bestehe darin, daß man
nur dies oder das glaubt, was die Kirche lehrt, der muß not-
wendig töricht sein. (L.L. 91)

7. Mai
Alles, was ihr bitten werdet im Gebet, so ihr glau-
bet, werdet ihr‘s empfangen. (Matth. 21, 22)

Hierdurch wird die Macht derer beschrieben, die dem Herrn


dienen. Sie wollen nichts und bitten daher auch um nichts, außer

107
was dem Herrn gefällt; und was sie unter seiner Führung wollen
und bitten, das geschieht; denn der Herr sagt: „Ohne mich könnt
ihr nichts tun; bleibt in mir und ich in euch“. So groß ist die
Macht der Engel im Himmel, daß sie nur wollen dürfen, um es
zu erhalten. Allein, sie wollen nichts, was nicht gut ist, und das
wollen sie gleichsam aus eigenem Antrieb, in Wirklichkeit aber
aus einer Eingebung des Herrn. (Enth. Offb. 951)

8. Mai
Der Herr hat kund getan sein Heil. Vor der
Völkerschaften Augen hat seine Gerechtigkeit er
geoffenbart. Er gedachte seiner Barmherzigkeit
und Wahrheit gegen das Haus Israel, alle Enden
der Erde haben das Heil unseres Gottes gesehen.
(Ps. 98, 2 f.)

Der Mensch kann ohne Offenbarung von Seiten des


Göttlichen nichts vom ewigen Leben wissen, nicht einmal
etwas von Gott, noch weniger von der Liebe zu ihm und dem
Glauben an ihn. Denn der Mensch wird in vollständiger
Unwissenheit geboren und muß danach aus weltlichen Dingen
all das lernen, woraus er seinen Verstand zu bilden hat. Sein
Erbgut ist das Böse, das aus der Liebe zu sich und der Welt
stammt. Er wird von Lüsten beherrscht, die ihm fortwährend
widergöttliche Dinge eingeben. So kommt es, daß der Mensch
nichts vom ewigen Leben weiß, weshalb notwendigerweise
eine Offenbarung geschehen muß, aus der er es kennenlernen
kann. (N.J. 249)

9. Mai
Er sprach aber zu dem, der ihn geladen hatte:
wenn du ein Mittagsmahl oder ein Abendmahl

108
machst, so rufe nicht deine Freunde noch deine
Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche
Nachbarn, auf daß nicht etwa auch sie dich wie-
der laden und dir Vergeltung werde. Sondern,
wenn du ein Mahl machst, so rufe Arme, Krüppel,
Lahme, Blinde, und du wirst selig sein, weil sie
nichts haben dir‘s zu vergelten; denn bei der
Auferstehung der Gerechten wird dir‘s vergolten
werden. (Luk. 14, 12 - 14)

Ein Mittags- und Abendmahl zu machen und dazu einzu-


laden, bedeutet das gleiche wie zu essen und zu trinken, oder
Brot und Wein zu geben, nämlich dem Nächsten Gutes zu tun,
ihn das Wahre zu lehren und so in der Liebe zusammengesellt
zu werden. Wer dafür belohnt werden will, tut es nicht um des
Guten und Wahren willen, somit nicht im Sinne des Herrn,
sondern um seiner selbst willen und damit im Auftrag der
Hölle. Wer es aber nicht um des Lohnes willen tut, der tut es
um des Guten und Wahren willen … somit aus dem Herrn,
von dem er dieses erhält. Die himmlische Seligkeit, die in jenen
Handlungen liegt - und daher aus ihnen entstammt -, ist der
Lohn und wird unter den Worten verstanden: Es wird dir ver-
golten werden bei der Auferstehung der Gerechten.
(Erkl. Offb. 695)

10. Mai
Und es geschah an mich (den Propheten Ezechiel)
Jehovahs Wort, und er sprach: Menschensohn, du
sitzest inmitten eines widerspenstigen Ge-
schlechtes, das Augen hat zu sehen und doch nicht
sieht und Ohren zu hören und doch nicht hört,
denn sie sind ein widerspenstiges Geschlecht.
(Ez. 12, 1 f.)

109
Die Fähigkeit, zu verstehen, was gut und wahr ist, ohne es
zu wollen, ist dem Menschen gegeben, damit er gebessert und
wiedergeboren werden kann. Um eben dies zu erreichen,
besitzen jene Fähigkeit sowohl die Bösen wie die Guten, ja
zuweilen die Bösen noch ausgeprägter, jedoch mit dem
Unterschied, daß sie keine Neigung zum Wahren um des
Lebens willen besitzen (d.h. um des Guten des Lebens aus
dem Wahren willen), weshalb sie auch nicht gebessert werden
können. Bei den Guten hingegen besteht eine Neigung zum
Wahren um des Lebens willen; sie können deshalb gebessert
werden. Der erste Zustand ihrer Besserung zeigt ihnen das
Wahre der Lehre an erster Stelle, das Gute des Lebens jedoch
an zweiter - denn aus dem Wahren heraus tun sie das Gute. In
ihrem zweiten Zustand nimmt das Gute des Lebens die erste
Stelle ein, die Lehrwahrheiten hingegen die zweite - denn jetzt
tun sie das Gute aus dem Guten, d.h. aus dem Wollen des
Guten. Geschieht dies, so ist der Mensch wiedergeboren, weil
der Wille mit dem Verstand wie durch eine Ehe verbunden ist.
(H.G. 3539)

11. Mai
Ich bin Jehovah, dein Gott, der dich aus Ägypten,
aus dem Hause der Knechtschaft herausgebracht
hat. Du sollst keine anderen Götter haben vor mei-
nem Angesicht. (2. Mose 20, 2 f.)

Die zehn Gebote schließen im geistigen und himmlischen


Sinn in umfassender Weise alle Vorschriften der Lehre und des
Lebens in sich, d.h. alles, was zum Glauben und zur tätigen
Liebe gehört. Dies hat seinen Grund darin, daß das Wort im
Buchstabensinn im Ganzen und in sämtlichen Teilen zwei inne-
re Bedeutungen birgt, eine geistige und eine himmlische … Im
natürlichen Sinn - dem Buchstabensinn - wird unter dem ersten

110
Gebot verstanden, daß man niemanden außer Gott und nichts
außer dem, was von Gott ausgeht, über alles lieben soll, was auch
den Worten des Herrn (Matth. 22, 35 - 37) gemäß ist. Denn wer
oder was über alles geliebt wird, der oder das ist dem Liebenden
Gott und dessen spürbares Wesen. Wer sich oder die Welt über
alles liebt, ist sein eigener Gott oder setzt die Welt dafür ein, was
die Ursache ist, daß solche im Herzen den wahren Gott nicht
anerkennen … Der geistige Sinn dieses Gebotes verlangt, kein
anderer Gott als der Herr Jesus Christus solle verehrt werden,
weil er Jehovah ist, der in die Welt kam und die Erlösung voll-
brachte, ohne die kein Mensch und auch kein Engel errettet wer-
den konnte … Der himmlische Sinn sagt, Jehovah der Herr sei
der Unendliche, Unermessliche und Ewige, der allmächtige,
Allwissende und Allgegenwärtige, der Erste und Letzte, der
Anfang und das Ende, der da war, ist und sein wird, die Liebe
und Weisheit selbst, oder das Gute und Wahre und folglich auch
das Leben selbst, somit der Einzige, aus dem alles entstanden ist
und weiterbesteht. (W. C. R. 289, 293 - 295)

12. Mai
Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam
Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium
vom Reiche Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt
und das Reich Gottes hat sich genaht. Tut Buße
und glaubet an das Evangelium. (Mark. 1, 14 f.)

Wer selig werden will, muß seine Sünden bekennen und


Buße tun. Die Sünden bekennen heißt das Böse erkennen, es
bei sich sehen, es anerkennen, sich für schuldig erklären und
sich darob verdammen. Wenn dies vor Gott geschieht, so heißt
es die Sünden bekennen. Buße tun besteht darin, ein neues
Leben nach den Geboten der tätigen Liebe und des Glaubens zu
führen, nachdem man die Sünden bekannt und aus demütigem

111
Herzen um Vergebung gebeten hat und nun von ihnen absteht.
Wer nur im allgemeinen anerkennt, daß er ein Sünder ist, und
sich alles Bösen schuldig erklärt, ohne sich zu prüfen, d.h. ohne
seine Sünden zu sehen, tut zwar ein Bekenntnis, aber kein
Bekenntnis der Buße. Ein solcher lebt, weil er sein Böses nicht
kennt, später wie zuvor. (N.J. 159 -162)

13. Mai
Du sollst den Namen Jehovahs, deines Gottes,
nicht in‘s Eitle führen; denn Jehovah wird den nicht
ungestraft lassen, der seinen Namen in‘s Eitle
führt. (2.Mose 20, 7)

Darunter wird im natürlichen oder Buchstabensinn der


Name selbst und dessen Mißbrauch verstanden, wie er in man-
cherlei Gesprächen vorkommt, besonders bei Unwahrheiten
oder Lügen, bei Schwüren ohne Ursache und um sich von
bösen Absichten reinzuwaschen, sowie bei Zaubereien und
Beschwörungen. … Zu gebrauchen ist der göttliche Name als
das Heiligste des Heiligen in den Handlungen der Kirche, z. B.
bei Gebeten, Liedern und beim gesamten Gottesdienst … Gott
weilt nämlich in allen Angelegenheiten der Religion; wird er in
rechter Weise angerufen, ist er durch seinen Namen gegenwär-
tig und hört den Ruf. Darin wird der Name Gottes geheiligt …
Der Namen Gottes sind mehrere: Jehovah, Jehovah Gott,
Jehovah Zebaoth, der Heilige Israels, Jesus Christus, der heilige
Geist. Im geistigen Sinn wird unter dem Namen Gottes alles
zusammengefaßt, was die Kirche aus dem Wort lehrt und
wodurch der Herr angerufen und verehrt wird. Den Namen
Gottes zu mißbrauchen heißt daher, Teile aus dem Wort bei lee-
rem Geschwätz zu verwenden … Im himmlischen Sinn wird
darunter verstanden, was der Herr zu den Pharisäern sagte:
“Jegliche Sünde und Lästerung wird dem Menschen vergeben

112
werden, die Lästerung des Geistes aber wird nicht vergeben
werden“ (Matth. 12, 31 f). Unter der Lästerung des Geistes ist
die Lästerung der Göttlichkeit des Menschlichen im Herrn und
der Heiligkeit des Wortes zu verstehen (W.C.R. 297 - 299)

14. Mai
Jehovah, der euch mit großer Kraft und mit aus-
gerecktem Arm aus dem Lande Ägypten herauf-
gebracht hat, ihn sollt ihr fürchten und ihn anbeten,
und ihm sollt ihr opfern. Und die Satzungen und die
Rechte und das Gesetz und Gebot, das er euch
geschrieben, sollt ihr halten, sie alle Tage zu tun,
und andere Götter sollt ihr nicht fürchten.
(2. Kön. 17, 36 f.)

Das Wesen der geistigen Liebe besteht darin, anderen Gutes


nicht um seiner selbst willen, sondern um ihretwillen zu tun.
In unendlichem Maß gilt das für die göttliche Liebe. Dieses
Wesen spiegelt die Liebe der Eltern zu den Kindern wider,
indem sie ihnen aus Liebe Gutes nicht um ihrer selbst, sondern
um der Kinder willen tun. Dies zeigt sich besonders an der
Liebe der Mutter zu ihren Kindern. Der Glaube ist verbreitet,
der Herr liebe die Anbetung, Verehrung und Herrlichkeit um
seiner selbst willen. Er aber liebt sie um des Menschen willen,
weil dieser dadurch in den Zustand versetzt wird, das Göttliche
einfließen zu lassen und aufzunehmen. Denn durch diese
Haltung reduziert der Mensch das Eigene, das den Einfluß und
die Aufnahme verhindert. Das Eigene, nämlich die Selbstsucht,
verhärtet und verschließt das Herz. Es wird entfernt durch das
Bewußtsein, daß aus dem Menschen selbst nur Böses, aus dem
Herrn dagegen alles Gute kommt. So wird das Herz weich und
voller Demut, aus der Anbetung und Verehrung fließt. Hieraus
folgt, daß die Nutzleistungen, die der Herr sich vom Menschen

113
wünscht, dazu dienen, daß er diesem aus Liebe wohltun kann.
Und weil dies das Ziel seiner Liebe ist, vermittelt ihre
Aufnahme das Wohlgefühl seiner Liebe. Man glaube also nicht,
der Herr sei bei denen, die ihn lediglich anbeten, vielmehr
gesellt er sich zu denen, die seine Gebote halten, d.h. Nutzen
schaffen. Nur bei ihnen hat er eine Wohnung. (L.u. W. 335)

15. Mai
Und es kam einer der Schriftgelehrten herzu … und
fragte ihn: dies ist das erste Gebot von allen? Jesus
aber antwortete ihm: „Höre Israel, der Herr, unser
Gott ist ein einiger Herr. Und du sollst lieben den
Herrn deinen Gott von deinem ganzen Herzen und
von deiner ganzen Seele und von deiner ganzen
Gesinnung und mit deiner ganzen Stärke“. Dies ist
das erste Gebot. (Mark. 12, 28 - 30; 5. Mose 6, 5 )

Die Vorstellung von Gott dringt in alle Belange der Kirche,


der Religion und des Gottesdienstes ein. Die theologischen
Überlegungen (Theologie heißt wörtlich: Lehre von Gott,
Anm. d. Hrsg‘s ) haben im menschlichen Gemüt ihren Sitz
über allen anderen, und die oberste Stelle nimmt die
Vorstellung von Gott ein. Ist sie falsch, dann verfälscht sie auch
alles weitere, weil dieses ja nur von ihr abgeleitet ist. … In der
menschlichen Vernunft verbindet und konzentriert sich alles
in der Idee, daß der Schöpfer des Weltalls ein einziger Gott ist.
Ein vernünftiger Mensch kann sich aus der Summe seines
Verständnisses heraus nichts anderes vorstellen. Versuch einem
Menschen mit gesunder Vernunft beizubringen, es gebe zwei
Schöpfer des Weltalls, und du wirst seine Abneigung vielleicht
schon aus dem Klang seiner Stimme vernehmen. … Welcher
normale Mensch erkennt nicht, daß das Göttliche unteilbar ist
und daß es deshalb nicht mehrere Unendliche, Unerschaffene,

114
Allmächtige und Götter gibt? Würde ein Mensch, dem die
Vernunft abhanden gekommen ist, behaupten, es ließen sich
mehrere Unendliche, Unerschaffene, Allmächtige und Götter
denken, wenn sie nur von identischem Wesen wären, denn nur
auf diese Weise könne ein Unendlicher, ein Unerschaffener
und ein Allmächtiger (Gott-Vater, Gott-Sohn, Gott-Heiliger-
Geist, Anm. d. Hrsg‘s) ein einziger Gott sein, so würde man
dagegen fragen: Ein identisches Wesen - ist das nicht über-
haupt dasselbe? Und dasselbe kommt nicht mehreren zu. Sagte
man, der eine (nämlich der Sohn, Anm.d.Hrsg‘s) sei vom
anderen, dann ist dieser eben nicht Gott in sich. Aber Gott ist
doch in sich der, von dem alles ist. (K.D. 40; L.u.W. 23, 27)

16. Mai
Gedenke des Sabbathtages, daß du ihn heiligest.
Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk
tun. Aber der siebente Tag ist ein Sabbath
Jehovah, deinem Gott. Da sollst du kein Werk tun,
weder du noch dein Sohn, noch deine Tochter, dein
Knecht, noch deine Magd, noch dein Weib, noch
dein Fremdling, der in deinen Toren ist.
(2. Mose 20, 8 - 10)

Der buchstäbliche Sinn sagt uns, sechs Tage der Woche


seien für den Menschen und seine Arbeit vorgesehen, der sie-
bente jedoch für den Herrn und die Ruhe des Menschen im
Gedenken an ihn. Sabbath bedeutet im Hebräischen tatsäch-
lich “Ruhe“. Der Sabbath war bei den Kindern Israels als ein
Symbol für den Herrn das Heilige des Heiligen: die sechs Tage
erinnerten an seine Arbeiten und Kämpfe mit den Höllen, der
siebente an seinen Sieg und die Ruhe danach. Auf diese Weise
symbolisierte dieser Tag das Ziel der ganzen Erlösung und war
darum die Heiligkeit selbst. Nachdem aber der Herr in die Welt

115
gekommen war, hörten die Darstellungen des Kommens auf,
und der Sabbath wandelte sich in einen Tag der Unterweisung
in den göttlichen Dingen, der Arbeitsruhe verbunden mit
Gedanken über das Heil und das ewige Leben, sowie auch ein
Tag des Anreizes, sich in Nächstenliebe zu üben. … Im geisti-
gen Sinn bedeutet das dritte Gebot die Umbildung und
Wiedergeburt des Menschen …, weil sie mit den Arbeiten und
Kämpfen des Herrn mit den Höllen, mit dem Sieg über diese
und mit der nachfolgenden Ruhe zusammenfällt. So nämlich,
wie der Herr sein Menschliches verherrlichte und es göttlich
machte,vollzieht er die Umbildung und Wiedergeburt des
Menschen mit dem Ziel, ihn geistig zu machen … Im himmli-
schen Sinn ist unter diesem Gebot die Verbindung des
Menschen mit dem Herrn zu verstehen und ebenso der Friede,
der einkehrt, sobald der Mensch vor den Höllen geschützt ist.
Der Sabbath bedeutet also die Ruhe und im höchsten Sinne
den Frieden. Deshalb heißt der Herr der ‚Fürst des Friedens‘.
(W.C.R. 301 -303)

17. Mai
Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr
Heuchler! Denn ihr gleichet übertünchten Gräbern,
die auswendig schön seien, inwendig aber voller
Totengebeine und aller Unreinigkeiten sind. So
erscheinet auch ihr von außen den Menschen als
gerecht, indes ihr inwendig erfüllt seid von
Heuchelei und Unrecht. (Matth. 23, 27 f.)

Wenn der Mensch sich fromm gebärdet, jedoch das Böse


nicht als Sünde flieht, ist seine Frömmigkeit nicht fromm,
denn sie stammt nicht vom Herrn. Wenn dieser Mensch also
die Kirche besucht, andächtig die Predigt hört, das Wort und
Erbauungsbücher liest, zum heiligen Abendmahl geht, täglich

116
betet, sogar wenn er viel an Gott und an die Seligkeit denkt
und doch das Böse, nämlich Sünden wie beispielsweise
Betrügereien, Ehebrüche, Haß, Gotteslästerungen u.a.m. für
unbedeutend hält, so kann er nur Gedanken hegen, die inner-
lich nicht fromm sind, denn er erfüllt sie selbst mit seinem
Bösen. Das ist ihm zwar nicht bewußt, allein es ist darin und
etwa in der gleichen Art vor ihm verborgen, wie das von der
Ader her unreine Wasser einer Quelle. Die Ausübung dieser
Art von Frömmigkeit ist entweder rein formal und wird aus
Gewohnheit vorgenommen, oder sie zielt auf ein Verdienst ab
oder ist reine Heuchelei. Sie steigt zwar zum Himmel auf, ver-
teilt sich aber wie eine Rauchwolke in der Luft und fällt wie-
der herab. (L.L. 25)

18. Mai
Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine
Tage verlängert werden auf dem Boden, den
Jehovah, dein Gott, dir geben wird.
(2. Mose 20, 12)

Der Buchstabe lehrt, man solle die Eltern ehren, ihnen


gehorchen, sich zu ihnen halten und ihnen danken für die
Wohltaten … Darüber hinaus soll man den König und die
Obrigkeit ehren, weil diese sich der Bedürfnisse aller anneh-
men, wie es die Eltern für die einzelnen tun. Im weitesten Sinn
habe man das Vaterland zu lieben, weil dieses alle nährt und
beschützt und daher Vaterland heißt. … Im geistigen Sinne
verlangt das vierte Gebot, man solle Gott und die Kirche ver-
ehren und lieben. Hier ist mit Vater Gott gemeint, der ja der
Vater aller Menschen ist, während unter der Mutter die Kirche
zu verstehen ist. Die Kinder und die Engel in den Himmeln
kennen keinen anderen Vater und keine andere Mutter, weil sie
vom Herrn durch die Kirche wiedergeboren werden. Deshalb

117
sagt der Herr: „Nennet niemand auf Erden euern Vater, denn
einer ist euer Vater: der in den Himmeln ist“ (Matth. 23, 9)
Das ist für Kinder und Engel im Himmel gesagt worden,
nicht aber für die Kinder und Menschen auf der Erde … Die
Parallele zwischen der natürlichen und der geistigen Mutter,
also der Kirche, besteht darin, daß beide die Kinder ernähren,
die erstere mit natürlichen, die letztere mit geistigen Speisen.
Darum heißt ja auch die Kirche im Wort hin und wieder
Mutter, wie bei den Evangelisten: „Jesus streckte seine Hand
aus gegen die Jünger und sprach: Meine Mutter und meine
Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und tun“. (vergl.
Hoschea 2, 2.5; Jes. 50, 1; Ez. 16, 45; 19, 10) … Im himmli-
schen Sinn wird unter dem Vater unser Herr Jesus Christus
verstanden und unter der Mutter die Gemeinschaft der
Heiligen, d.h. seine über den ganzen Erdkreis verstreute
Kirche. (W.C.R. 305 -307)

19. Mai
Ihr Otterngezüchte, wie könnt ihr Gutes reden, die-
weil ihr arg seid? Denn aus dem Überfluß des
Herzens redet die Hand. Der gute Mensch bringt
Gutes hervor aus dem guten Schatz des Herzens,
und der schlechte Mensch aus dem schlechten
Schatz bringt Schlechtes hervor. (Matth. 12, 34 f.)

Das Gute, das der Mensch will oder tut, bevor er das Böse
als Sünde flieht, ist deshalb nicht gut, weil er … vorher keine
Gemeinschaft mit dem Herrn hat. Wenn er daher den Armen
gibt, Dürftigen Hilfe leistet, für Kirchen und Spitäler sorgt, der
Kirche, dem Vaterland und den Mitbürgern wohltut, das
Evangelium lehrt und andere bekehrt, im Gericht Gerech-
tigkeit übt, Aufrichtigkeit in den Geschäften und Pünktlichkeit
in seinen Arbeiten beweist, bei alledem aber das Böse wie z.B.

118
Betrügereien, Ehebruch, Haß, Gotteslästerung u.a. als läßliche
Sünden betrachtet, so kann er nur scheinbar Gutes tun, das
innen böse ist; denn er tut es aus sich und nicht aus dem
Herrn. Nicht der Herr, sondern er selbst ist darin … und ver-
dirbt es mit seinem Bösen, indem er es im eigenen Interesse
und in dem der Welt tut. Flieht aber der Mensch das Böse …
als Sünde, werden all die sonst nur anständigen Handlungen
innerlich gut; denn dann tut er sie aus dem Herrn und sie
heißen „in Gott getan“. (L.L. 24)

20. Mai
Du sollst nicht töten. (2. Mose 20, 13)

Der natürliche Sinn meint hier: keinen Menschen tödlich


verletzen … weder den Leib noch den Ruf, weil beide für viele
die gleiche Bedeutung haben. Im Begriff „morden“ ist auch
Feindschaft, Haß und Rache eingeschlossen, die den Tod
atmen; denn in diesen Gefühlen glüht der Mord wie das Feuer
im Holz unter der Asche. Das höllische Feuer entspricht die-
sem Streben, weshalb man zu sagen pflegt: „von Haß entbren-
nen und von Rache glühen“, wobei das Töten in der Absicht
liegt … und daher auch im Willen und somit schon als Tat zu
gelten hat … Im geistigen Sinn bedeutet töten jede Art von
Schaden, der einer menschlichen Seele zugefügt wird, indem
sie z.B. durch Erregen von Zweifel oder Widerwillen von Gott
oder von der Religion und dem Gottesdienst abgebracht wer-
den soll. Im himmlischen Sinn bezieht sich das Gebot auf
Zorn, Haß oder andere böse Absichten gegenüber dem Herrn
und seinem Namen. Wer solche Gefühle hegt, wird zu denen
gezählt, von denen das Wort sagt, daß sie ihn kreuzigen. Sie
täten es ebenso wie die Juden, wenn er noch einmal in die Welt
käme. Das ist gemeint mit dem Lamm, das da stand wie
gemordet. (Offb. 5, 6). (W.C.R. 309 - 311)

119
21. Mai
Jesus aber sprach zu ihm: Wenn du glauben könn-
test! alle Dinge sind möglich für den, der da glaubt.
(Mark. 9,23)

Es ist bekannt, daß einmal angenommene Prinzipien, mögen


sie noch so falsch sein, den Menschen leiten, und daß den
Prinzipien alles Wissen und Schließen Vorschub leistet; denn es
ergeben sich daraus mancherlei Bestätigungen, die den
Menschen im Falschen bestärken. Wer sich daher zur Maxime
gesetzt hat, nichts zu glauben, bevor er es sieht und versteht,
kann überhaupt nie glauben; denn er sieht Geistiges und
Himmlisches weder mit den Augen, noch erfaßt er es mit der
Phantasie. Die wahre Ordnung verlangt aber, daß man aus dem
Herrn, d.h. aus seinem Wort, Weisheit hole. Dann gibt sich alles,
und man wird auch in den Wahrheiten der Vernunft und in den
Wissenschaften erleuchtet; denn es ist ja nicht verboten, sich
wissenschaftlich zu bilden, weil das für‘s Leben nützlich und
erfreulich ist. Wer im Glauben steht, dem ist es durchaus nicht
verwehrt, zu denken und zu reden wie die Gelehrten der Welt,
jedoch aus dem Grundsatz heraus, daß er dem Wort des Herrn
glaubt und nur die geistigen und himmlischen Wahrheiten mit
Ausdrücken begründet, die der gelehrten Welt eigen sind. Der
oberste Leitsatz soll daher vom Herrn stammen, nicht aus der
eigenen Weisheit. Jenes ist Leben, dieses Tod. (H.G. 129)

22. Mai
Du sollst nicht ehebrechen. (2. Mose 20, 13)

Zunächst richtet sich dieses Gebot nicht nur gegen den


Ehebruch, sondern auch gegen alles Unreine und Schlüpfrige,
das der Mensch will und tut, denkt und redet. Der Herr erläu-

120
tert das mehr als deutlich: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten
gesagt wurde: du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch:
Wer ein fremdes Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon
einen Ehebruch mit ihr begangen in seinem Herzen“ (Matth.
5, 27 f.) … Darüber hinaus bedeutet ehebrechen im geistigen
Sinn die Schändung des Guten des Wortes und die Verdrehung
seiner Wahrheiten … Diese Wirkung, die man heutzutage
nicht kennt, kommt daher, daß die eheliche Liebe aus der Ehe
des Guten und Wahren, himmlische Ehe genannt, stammt. Die
vom Herrn einfließende Liebe, die Liebe zwischen dem Guten
und Wahren, tritt bei den Menschen als eheliche Liebe in
Erscheinung. Unzucht und Ehebruch wirken daher als
Verfälschung des Wahren und Schändung des Guten. Echte
eheliche Liebe kann deshalb nicht empfinden, wer nicht nach
dem Guten und Wahren des Glaubens strebt, oder anders
herum, wer Ehebrüche als Bereicherung des Lebens betrachtet,
hat den Zugang zum Glauben verbaut. Engel haben mir gesagt,
der Himmel werde jedem verschlossen, der Ehebruch begeht
und sich daran ergötzt; ein solcher Mensch weigere sich, noch
irgend etwas vom Guten und tätiger Liebe aufzunehmen.
Heutzutage werden aber da, wo die Kirche vertreten ist, die
Ehebrüche meist auf die leichte Schulter genommen, weil die
Kirche nicht mehr lebendig ist und daher kein Glaube und
keine tätige Liebe mehr besteht. (W.C.R. 313 f; H.G. 8904)

23. Mai
Wer die Wahrheit tut, der kommt zum Licht, damit
seine Werke offenbar werden, dieweil sie in Gott
gewirkt sind. (Joh. 3, 21)

Wenn gesagt wird, selig werde, wer gut lebt und recht
glaubt, muß man da nicht zuerst von innen heraus und

121
schließlich auch mit dem Verstand zustimmen? Und belästigt
es nicht den Verstand gleich einem in‘s Auge gefallenen
Splitter, den man sogleich entfernt, wenn man hört, selig werde
auch, wer recht glaubt und nicht gut lebt? Denn es steigt wie-
derum von innen heraus die Frage auf: wie kann jemand recht
glauben, der nicht gut lebt? Ist nicht solcher „Glaube“ nur eine
künstliche Kopie anstelle des lebendigen Glaubens? Und ist
umgekehrt gut leben, ohne zu glauben, nicht ebensowenig
logisch gedacht? Auch das muß ein intakter Verstand sehen
und bejahen, denn ein gutes Leben läßt sich nur mit Gottes
Hilfe führen, weil alles in sich Gute nur von Gott stammen
kann. Wer also behauptet, ein gutes Leben ohne Glauben
führen zu können, ist wie ein Klumpen Ton, den der Schöpfer
nur zu einem Gefäß für natürliche, nicht aber für geistige
Dinge bilden kann. (W.C.R. 393)

24. Mai
Du sollst nicht stehlen. (2. Mose 20, 13)

Im natürlichen Sinn verbietet das siebente Gebot Diebstahl


und Betrug … Im geistigen Sinn heißt stehlen, andere mit
falschen Argumenten oder ketzerischen Behauptungen der
Wahrheiten ihres Glaubens berauben. Geistliche, die der
Kirche nur des Gewinnes oder der Ehre wegen dienen und
Lehren verbreiten, deren Unwahrheit ihnen aus dem Studium
des Wortes bekannt ist oder bekannt sein müßte, sind geistige
Diebe, weil sie dem Volk die Mittel zur Erlangung des Heils,
nämlich die Glaubenswahrheiten entziehen. Im himmlischen
Sinn werden unter den Dieben jene verstanden, die dem Herrn
die göttliche Gewalt entziehen möchten oder sein Verdienst
und seine Gerechtigkeit sich selbst zuschreiben. Sie beten zwar
zu Gott, vertrauen jedoch nicht ihm, sondern sich; sie glauben
auch nicht an Gott, sondern an sich selbst. (W.C.R. 317 - 319)

122
25. Mai
Wie nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie
ihn, bei ihnen zu bleiben, und er blieb zwei Tage
daselbst. Und viel mehr glaubten um seines Wortes
willen und sagten zu dem Weibe: Wir glauben nicht
mehr wegen deiner Rede; denn wir selbst haben
gehört und wissen, daß dieser wahrlich ist der Welt
Heiland, Christus. (Joh. 4, 40 f.)

Jeder Glaube ist eine innere Anerkennung dessen, was man


für wahr hält. Geistige Wahrheiten können ebensogut begrif-
fen werden wie natürliche. Sind die Begriffe nicht von Anfang
an klar, so entscheidet doch während des Hörens das Gefühl,
was wahr ist und was nicht, und zwar besonders deutlich bei
denen, die vom Wahren angeregt werden … Weniger leicht
fällt das dem Menschen, der aus sich selbst denkt. Die
Bedingung für das Begreifen geistiger Dinge besteht darin, daß
der menschliche Verstand in das Licht des Himmels erhoben
werden kann. In diesem Licht erscheinen nur noch die geisti-
gen Dinge, d.h. das Wahre des Glaubens; denn das Licht des
Himmels ist das geistige Licht. Wer also Wahrheiten innerlich
anerkennt, besitzt eine geistige Neigung zum Wahren. Die
Engel besitzen sie und verwerfen deshalb entschieden jenen
Lehrsatz, der besagt, der Verstand müsse dem Glauben gehor-
chen. … Die Weisheit der Engel besteht einzig darin, daß sie
sehen und begreifen, was sie denken … (L.G. 1, 3, 4, 13)
26. Mai
Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen
Nächsten. (2. Mose 20, 13)

Das bedeutet zunächst, man solle nicht vor dem Richter


oder wo anders ein falsches Zeugnis abgeben gegen jemanden,

123
der ohne Grund irgendeines Bösen beschuldigt wird … Des
weiteren sind alle Arten von Lügen und politischen
Unterstellungen zu unterlassen, die etwas Böses bezwecken. …
Im geistigen Sinn versteht man unter falschem Zeugnis,
Falsches als Glaubenswahrheiten und Böses als gute
Lebensziele darzustellen und umgekehrt. Das gilt jedoch nur
für den Fall, daß man es absichtlichund nicht aus Unkunde tut,
daß man also schon vorher erkannt hat, was wahr und gut ist,
und nicht erst später. Falsch zeugen heißt im himmlischen
Sinn, den Herrn und das Wort lästern und auf diese Weise die
Wahrheit aus der Kirche verdrängen; denn der Herr ist die
Wahrheit und das Wort. Zeugnis ablegen bedeutet ganz ein-
fach die Wahrheit reden, und das Zeugnis ist die Wahrheit
selbst. Daher heißen die zehn Gebote das Zeugnis. (z.B. 2.
Mose 26, 33.) (W.C.R. 321 - 323)

27. Mai
Bleibt niemand etwas schuldig, außer daß ihr ein-
ander liebt; denn wer den andern liebet, hat das
Gesetz erfüllt. Denn die Gebote: du sollst nicht
ehebrechen, nicht töten, nicht stehlen, kein falsch
Zeugnis reden, dich nicht gelüsten lassen, und so
noch ein anderes Gebot ist, sind in dem einen
zusammengefaßt: du sollst deinen Nächsten lieben
wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts
Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
(Röm. 13, 8 - 10)

Oben wurde bemerkt, so wie der Mensch das Böse fliehe,


soweit wolle er das Gute, und dies deshalb, weil das Gute und
Böse Gegensätze sind; denn das Böse ist aus der Hölle, das Gute
jedoch aus dem Himmel. Strebt daher der Mensch nach dem
Guten, nähert sich der Himmel in dem Maß, wie die Hölle, d.h.

124
das Böse, entfernt wird. Das ist in acht Vorschriften der zehn
Gebote deutlich sichtbar enthalten, wenn man sie unter diesem
Gesichtspunkt betrachtet: 1. Wer keine anderen Götter verehrt,
der verehrt den wahren Gott. 2. Wer den Namen Gottes nicht
mißbraucht, liebt, was Gottes ist. 3. Wer nicht töten oder aus
Haß und Rache handeln will, liebt seinen Nächsten. 4. Wer sich
nicht an Unzucht erfreut, will keusch mit seinem Weib zusam-
menleben. 5. Wer nicht stehlen will, bemüht sich um
Redlichkeit. 6. Wer nicht falsch zeugen will, denkt und redet das
Wahre. 7. und 8. Wen nicht nach dem Gut des Nächsten ver-
langt, der will, daß dieser sich des seinigen erfreut. Das zeigt,
daß die Gebote des Dekalogs alles enthalten, was die Liebe zu
Gott und dem Nächsten ausmacht. (W.C.R. 329, 330)

28. Mai
Der Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm
denn aus dem Himmel gegeben. (Joh. 3, 27)

Alles Verdienst kommt dem Herrn zu, dem Menschen


jedoch nicht das geringste, weil nämlich alles Gute und Wahre
vom Herrn und nicht vom Menschen stammt, und weil das
eigene Gute des Menschen nicht gut ist. Das Verdienst des Herrn
besteht darin, daß er aus eigener Macht das menschliche
Geschlecht errettet hat und weiterhin auch diejenigen errettet,
die in seinem Namen Gutes tun. Im Wort wird derjenige gerecht
genannt, dem das Verdienst und die Gerechtigkeit des Herrn
zugesprochen wird, ungerecht jedoch der, der auf die eigene
Gerechtigkeit und sein eigenes Verdienst pocht. (N.J. 155)

29. Mai

Jesus sprach zu ihm: „Wenn du willst vollkommen


sein, gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib den

125
Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel
haben, und komm her, folge mir nach. Als aber der
Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt weg; denn
er hatte viele Güter. (Matth. 19, 21. 22)

Der Herr kann bei keinem Menschen wohnen und ihn


führen, solange das Böse nicht als Sünde entfernt ist, denn es
ist die Hölle im Menschen. Der Jüngling will ja nun die Gebote
gehörig beachtet haben. Aber nun soll er alles verkaufen, was er
hat, d. h. er solle seine angestammte Religion aufgeben und auf
alle Überlieferungen verzichten, die ihm erlaubten, sich selbst
zu lieben und zu führen. Dem Herrn nachfolgen bedeutet, sich
von ihm allein leiten zu lassen. (Erkl. Offb. 934)

30. Mai
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß
jemand von neuem geboren werde, so kann er das
Reich Gottes nicht sehen. (Joh. 3, 3)

Während seines Aufstiegs zum geistigen Wesen muß der


Mensch zwei Zustände durchmachen: die Umbildung und die
Wiedergeburt. Im ersten betrachtet der Mensch aus seinem
natürlichen Denken das Geistige und sehnt sich danach, im
zweiten wird er ein natürlich-geistiger Mensch. Den ersten
Zustand bewirken die Wahrheiten des Glaubens, die seinen
Blick auf die tätige Liebe lenken, der zweite wird durch das
Gute der tätigen Liebe ausgelöst, von dem aus er die
Wahrheiten des Glaubens erfaßt. Mit anderen Worten: den
Anfang macht das Denken aus dem Verstand, die Entwicklung
führt zum Lieben aus dem Willen. Sobald dieser Zustand ein-
tritt und sich festigt, vollzieht sich eine Veränderung im
Gemüt, eine Umwendung in dem Sinn, daß nun die Liebe des

126
Willens in den Verstand einfließt, ihn animiert, in Überein-
stimmung mit ihr zu denken. Der Mensch wird daher zuneh-
mend ein neues Geschöpf, je deutlicher das Gute der Liebe die
erste Stelle einnimmt und das Wahre des Glaubens die zweite;
denn jetzt handelt er aus der tätigen Liebe und spricht aus dem
Glauben, er fühlt das Gute der tätigen Liebe und erkennt das
Wahre des Glaubens. Er ist im Herrn und im Frieden, d.h. wie-
dergeboren. (W.C.R. 571)

31, Mai
Also, sage ich euch, wird Freude sein vor den
Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
(Luk. 15, 10)

Wer ein Leben tätiger Liebe und des Glaubens lebt, tut täg-
lich Buße. Er denkt über das Böse bei sich nach, erkennt es und
löst sich davon, indem er den Herrn um Hilfe bittet. Denn von
sich aus strauchelt der Mensch fortwährend; der Herr richtet
ihn jedoch ebenso oft wieder auf und führt ihn zum Guten.
Dieser Zustand findet sich bei denen, die nach dem Guten stre-
ben. Die sich an das Böse halten, fallen auch und werden vom
Herrn aufgehoben, indem er sie vom schwersten Bösen
ablenkt, auf das sie von sich aus bei jedem Unternehmen
zusteuern. Ein Mensch, der sich prüft, um Buße zu tun, muß
seine Gedanken und die Absichten seines Willens erforschen.
Besonderes Augenmerk muß er darauf richten, was er täte,
wenn er volle Freiheit besäße, ohne Rücksicht auf Gesetze oder
den Verlust von Ruf, Ehre und Gewinn nehmen zu müssen. …
Menschen, die das Böse ihrer Gedanken und ihres Willens
nicht erforschen, können nicht Buße tun, denn sie denken und
wollen nachher wie zuvor; und das Böse zu wollen ist jedoch
soviel wie es zu tun. (N.J. 163, 164)

127
1. Juni
Dann ist das Reich der Himmel zehn Jungfrauen zu
vergleichen, die ihre Lampen nahmen und ausgin-
gen, dem Bräutigam entgegen. Fünf derselben
aber waren klug und fünf töricht. Die töricht waren,
nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit
sich. Die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen
mit ihren Lampen. (Matth. 25, 1 - 4)

Zehn Jungfrauen umfassen (nach der Bedeutung der


Zahlen) die Gesamtheit der Angehörigen der Kirche. Fünf
davon repräsentieren einen Teil. Die Jungfrauen stellen die
Kirche dar, das Öl die Liebe zum Herrn und zum Nächsten, die
Lampen schließlich sind Wahrheiten des Glaubens. Somit sind
Wahrheiten, mögen sie aus dem Wort oder aus der Lehre stam-
men, die nicht mit Gutem verbunden sind, töricht und nicht
tauglich für den Himmel. Klug jedoch (nicht aber schlau) sind
Menschen, die den Herrn und den Nächsten lieben; sie glei-
chen den Jungfrauen, die über Öl verfügen, und werden im
Himmel aufgenommen. (Erkl. Offb. 548)
2. Juni
Und das Volk redete wider Gott und wider Mose:
„Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgebracht,
daß wir in der Wüste sterben? Wir haben kein Brot
und kein Wasser, und unsre Seele hat Überdruß an
dem leichten Brot.“ Und Jehovah sandte gegen das
Volk die feurigen Schlangen, und sie bissen das Volk,
und viel Volks von Israel starb. (4 Mose 21, 5. 6)

Schlangen bedeuten die äußerste Sinnlichkeit. Sinnliche


Menschen sind mehr als andere boshaft und schlau, glauben
aber selbst – und möchten es andere glauben machen – sie

128
seien scharfsinnig, verständig und urteilsfähig. Sie haben aber
weder Verstand noch Urteil, kleben am Irdischen und sind
stumpf in den wesentlichen Belangen des Lebens und des
Glaubens, und dies desto mehr, je gerissener sie Böses und
Falsches in die Welt setzen. (Erkl. Offb. 70)

3. Juni
Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, also
muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß
jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren werde, son-
dern das ewige Leben habe. (Joh. 3, 14 f.)

Auch die eherne Schlange der Söhne Israels ist ein


Sinnbild dieses der Erde verhafteten Wesens. Da hier jedoch
vom Herrn die Rede ist, ist auch das Äußere göttlich. Der
Vorgang bedeutete demnach: wenn das geplagte Volk sich an
das Göttlich-Menschliche des Herrn wandte, konnte es gene-
sen, d.h. wenn es an ihn glaubte, gewann es ewiges Leben, wie
es ja der Herr selbst lehrt. … Der Herr wurde dem israeliti-
schen und jüdischen Volk durch ein materielles Zeichen dar-
gestellt, weil das Volk nur noch den Sinnen verhaftet war. Kein
Mensch dieser Art kann aber sein Denken in Bezug auf den
Herrn über die Ebene der Sinne erheben. Jeder sieht nämlich
den Herrn entsprechend der Entwicklungsstufe seines
Verstandes. Der geistige Mensch z.B. kann sich zum Göttlich-
Vernünftigen erheben usw. Durch die eherne Schlange wird
also das Sinnliche bezeichnet, aber das verherrlichte oder
Göttlich-Sinnliche des Herrn. (Erkl. Offb. 70, 581)

4. Juni
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten,
die Seele aber nicht töten können. Fürchtet euch

129
aber vielmehr vor dem, der Seele und Leib in der
Hölle verderben kann. (Matth. 10, 28)

Die Seele, von der man sagt, sie lebe nach dem Tod weiter,
ist nichts anderes, als der innere Mensch, der durch den Körper
in der Welt tätig ist und dem Körper Leben verleiht. Dieser
Mensch wird, wenn er von seinem Körper befreit ist, Geist
genannt und erscheint dann in völlig menschlicher Gestalt.
Mit leiblichen Augen kann er jedoch nicht gesehen werden,
sondern nur mit den Augen des Geistes, vor denen er wie ein
irdischer Mensch erscheint. Er hat Sinne, wie auf der Erde,
nämlich Gefühl, Geruch, Gehör und Gesicht, nur weitaus fei-
ner, außerdem Empfindungen wie Verlangen, Begierden,
Wünsche, Neigungen und Triebe, jedoch auf einer weit höhe-
ren Stufe. Auch denkt er wie in der Welt und redet mit den
anderen, nur viel feiner differenziert. Kurz, er ist noch schein-
bar derselbe. Ja, wenn er es sich nicht bewußt macht, daß er im
anderen Leben ist, hat er den Eindruck, noch auf der Erde zu
sein, wie ich einigemale von den Geistern gehört habe; denn
das Leben nach dem Tod ist eine Fortsetzung des irdischen
Lebens. (H.G. 6054)

5. Juni
Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der
Lebendigen; denn sie leben ihm alle. (Luk. 20, 38)

Der Mensch ist so geschaffen, daß sein Inneres nicht ster-


ben kann, weil er fähig ist, an Gott zu glauben und ihn auch zu
lieben und mit ihm durch Glauben und Liebe verbunden zu
werden. Mit Gott verbunden werden, heißt ewig leben. Dieses
Innere besitzt jeder Mensch, der geboren wird. Durch sein
Äußeres setzt der Mensch ins Werk, was zum Glauben und zur
Liebe gehört. Das Innere heißt der Geist, das Äußere der Leib.

130
Dieser ist für nützliche Leistungen in der natürlichen Welt ein-
gerichtet und wird verlassen, wenn der Mensch stirbt. Das
Innere hingegen ist für Leistungen in der geistigen Welt vorge-
sehen und stirbt nicht. Wenn der Mensch ein gutes Leben
geführt hat, ist dieses Innere ein guter Geist oder Engel,
andernfalls ein böser Geist. (N.J. 223, 224)

6, Juni
Und der mit mir redete, hatte ein goldenes Rohr,
damit er die Stadt (das Neue Jerusalem) und ihre
Tore und ihre Mauer messe … Und er maß ihre
Mauer 144 Ellen, das Maß eines Menschen, wel-
ches ist das eines Engels. (Offb. Joh. 21, 15. 17)

Der geistige innere Mensch ist an sich betrachtet ein


Engel des Himmels und pflegt schon, solange er noch im
Körper lebt, Gemeinschaft mit Engeln, ohne sich dessen
bewußt zu sein. Nach der Trennung vom Körper gelangt er
vollends unter die Engel. Der bloß natürliche innere Mensch
ist nur ein Geist, kein Engel, und ist schon während des
Erdenlebens in der Gesellschaft von Geistern, nämlich von
solchen in der Hölle. Zu ihnen stößt er auch nach der
Trennung vom Körper. (N.J. 40)
7. Juni
Und über dies alles ist eine große Kluft befestigt
zwischen uns und euch, sodaß die, die von hier zu
euch hinübergehen wollen, es nicht vermögen,
noch die, die dort sind, zu uns herübergelangen
können. (Luk. 16, 26)

Das Erscheinungsbild eines Menschenlebens kann nach


dem Tod nicht mehr verändert werden und bleibt, wie es war.

131
Der Geist des Menschen gleicht nämlich seiner Liebe, und höl-
lische Liebe kann nicht in himmlische verwandelt werden, weil
beide entgegengesetzt sind. Dies wird unter den oben ange-
führten Worten Abrahams an den Reichen in der Hölle ver-
standen. … Wer also in die Hölle kommt, bleibt ewig dort und
ebenso, wer in den Himmel kommt. (N.J. 239)

8. Juni
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und
eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr.
Denn die Himmel sind höher als die Erde, so sind
meine Wege höher als eure Wege und meine
Gedanken als eure Gedanken. (Jes. 55, 8 f.)

Die eigentlichen göttlichen Wahrheiten sind von einer Art,


die von keinem Engel, noch weniger von Menschen begriffen
werden kann, denn sie übersteigen jedes Fassungsvermögen.
Damit eine Verbindung des Herrn mit Engeln und Menschen
dennoch stattfinden kann, zeigen sich die göttlichen
Wahrheiten bei ihnen in Scheinbarkeiten (eine alltägliche
Scheinbarkeit ist es z. B., daß die Sonne auf- und untergeht,
während sich doch in Wirklichkeit nicht die Sonne um die
Erde, sondern die Erde um die Sonne bewegt, Anm. d. Hrsg‘s).
Wenn jene Wahrheiten in solchen Scheinbarkeiten auftreten,
können sie erfaßt werden. (H.G. 3362)

9. Juni
So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr‘s tut.
(Joh. 13, 17)

Die Erkenntnisse des Wahren und Guten, die dem Glauben


vorausgehen, erscheinen einigen als dem Glauben zugehörig,

132
sind es aber nicht. Auch wenn sie behaupten zu glauben, tun
sie es doch noch nicht. Erkenntnisse beschäftigen nur die
gedanklichen Vorstellungen, etwas verhalte sich so oder so; sie
gehen aber nicht mit der inneren Anerkennung einher, es
handle sich dabei um Wahrheiten. Zu glauben, Erkenntnisse
seien Wahrheiten, wobei die eigentliche Überzeugung fehlt,
stellt eine Art von Selbstüberredung dar, die von der inneren
Anerkennung noch weit entfernt ist. Erst wenn den
Erkenntnissen die tätige Liebe eingepflanzt wird, werden sie
zunehmend in Glauben verwandelt. (L.G. 31)

10. Juni
Es wird nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr ins
Reich der Himmel eingehen, sondern der den
Willen tut meines Vaters in den Himmeln.
(Matth. 7, 21)

Alles Wahre wird im inneren Menschen gesät, wurzeln


muß es aber im äußeren. Tut es das nicht - was durch das Tun
geschehen müßte - so wird es wie ein Baum, der nicht im son-
dern über dem Boden steht und beim Aufkommen der
Sonnenhitze verwelkt. Diese Wurzel nimmt der Mensch, der
die Wahrheiten in die Tat umgesetzt hat, nach dem Tod mit
sich, nicht aber der, der sie bloß im Verstand erkannt hat.
(Enth. Offb. 17)

11. Juni
Jeglicher Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird
abgehauen und in‘s Feuer geworfen. (Matth. 7, 19)

Tätige Liebe und Glaube gehören zusammen wie Wille und


Verstand, weil die tätige Liebe dem Willen und der Glaube dem

133
Verstand angehört. Eine ähnliche Einheit besteht auch zwi-
schen Neigung und Gedanke, denn die Neigung ist Teil des
Willens, das Denken jedoch des Verstandes. Gleiches gilt
schließlich für das Gute und Wahre, weil das Gute der Neigung
des Willens, das Wahre aber dem Gedanken des Verstandes
angehört. Anders ausgedrückt: Tätige Liebe und Glaube
gehören zusammen wie das Wesen und die Form, weil das
Wesen des Glaubens die tätige Liebe und die Form der tätigen
Liebe der Glaube ist. Daraus läßt sich erkennen, daß der Glaube
ohne die tätige Liebe wie die Form ohne das Wesen, d.h. über-
haupt nichts ist und die tätige Liebe ohne den Glauben wie das
Wesen ohne Form, also ebenfalls nichts. (L.G. 18)

12. Juni
Waschet euch, reinigt euch, tut weg vor meinen
Augen das Böse eurer Werke. Höret auf, Böses zu
tun. Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht, wehrt
dem Gewalttätigen, schaffet der Waise Recht, führt
der Witwen Sache. (Jes. 1, 16)

Das Böse des Lebens zerstört das Wahre des Glaubens. Das
Böse des Lebens wohnt nämlich im Willen, das Wahre des
Glaubens hingegen im Verstand, der Wille aber leitet den
Verstand und wirkt daraufhin, daß beide zusammenarbeiten.
Ist nun der Mensch sich selbst überlassen und denkt auf
Grund des Bösen aus seiner Neigung, dann beschäftigt sich der
Verstand mit Dingen, die mit dem Willen nicht übereinstim-
men. Jetzt wirft der Mensch das Wahre, das er in seinem
Verstand kennt, weg oder er tut ihm Gewalt an, bis es durch
Verfälschung zu seinem Willen paßt. … Hieraus ergibt sich
nun, daß der Mensch gerade soviel Glauben besitzt, wie er
Böses als Sünde ablehnt, weil er dadurch ebensoviel Gutes
gewinnt. Das gilt auch im entgegengesetzten Sinn: wer das

134
Böse nicht als Sünde flieht, hat keinen Glauben, weil er böse
ist. Das Böse aber haßt innerlich das Wahre. (L.L 44, 45)

13. Juni
Jesus redete abermals zu ihnen und sprach: ich bin
das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird
nicht im Finstern wandeln, sondern das Licht des
Lebens haben. (Joh. 8, 12)

Jeder Mensch denkt sowohl äußerlich wie innerlich. Das


innere Denken wird vom Himmel erleuchtet und ist ein
Innewerden, das äußere kennt nur das Licht der Welt. Auch der
Verstand des Menschen kann in das Licht des Himmels erho-
ben werden; das geschieht immer, wenn er begehrt, das Wahre
zu sehen. … Denn die Freude der Liebe und der Weisheit
erhebt den Gedanken, sodaß er gleichsam im Licht sieht, daß
etwas so oder so ist, obgleich er früher keine Ahnung davon
hatte. Dieses das Gemüt erleuchtende Licht fließt allein aus
dem Himmel ein. … Wer sich nun unmittelbar an den Herrn
wendet, wird auf dem ordentlichen Weg erleuchtet, nämlich
durch die Liebe des Willens in das Innewerden des Verstandes.
(Enth. Offb. 914)

14. Juni
So ihr liebet, die euch lieben, was für Lohn habt
ihr? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?
(Enth. Offb. 914)

Heutzutage verstehen die wenigsten, daß die himmlische


Glückseligkeit im Tun des Guten ohne Lohn und Dank
besteht. Sie wissen gar nicht, daß es noch andere Befriedigungen
gibt als Ehrenstellen zu erlangen, von anderen bedient zu wer-

135
den, Reichtum im Überfluß zu haben und in Wollust zu leben.
Sie haben keinen Begriff davon, daß es eine himmlische
Glückseligkeit gibt, die mit der echten Liebestätigkeit verbun-
den ist. Frage nur einmal die Weisen des Tages, ob sie es wissen
- sie wissen es nicht. Daher kommt es ja, daß viele die guten
Werke verwerfen, weil sie der Ansicht sind, diese seien doch für
niemanden möglich ohne die Absicht, sich dadurch Verdienste
zu erwerben. Denn sie wissen auch nicht, daß wer vom Herrn
geführt wird, nichts sehnlicher wünscht, als gute Werke zu
vollbringen, und dabei an nichts weniger denkt als an ein
Verdienst. Der neue Wille, den der Herrn denen gibt, die wie-
dergeboren werden, macht es möglich, denn er stammt vom
Herrn. (H.G. 6392)

15. Juni
Mit meinem Munde rief ich zu ihm, und Lobpreis
war auf meiner Zunge. Hätte auf Unrecht ich gese-
hen in meinem Herzen, nicht hätte der Herr gehört.
Allein Gott hörte, er horchte auf meines Gebetes
Stimme. (Ps. 66, 17 - 19)

Es heißt bei David: „Mit meinem Munde rief ich zu ihm …


Hätte auf Unrecht ich gesehen in meinem Herzen, nicht hätte
der Herr gehört“ weil das Gebet so beschaffen ist wie das Herz
des Betenden. Daher gibt es keine mit dem Gottesdienst über-
einstimmenden Gebete, wo das Herz böse ist. Das Herz des
Menschen entspricht seiner Liebe, und die Liebe ist sein
eigentliches Leben. Folglich sind die Gebete des Menschen so
beschaffen wie seine Liebe oder sein Leben. Daher kommt es,
daß die Gebete das Leben seiner Liebe und tätigen Liebe dar-
stellen oder daß unter den Gebeten im geistigen Sinn sein
Leben verstanden wird. … Wenn ein Mensch ein Leben der
tätigen Liebe führt, betet er verständig - wenn nicht mit dem

136
Mund, so mit dem Herzen; denn das, was aus der Liebe ent-
springt, wohnt beständig im Denken, selbst wenn er sich des-
sen nicht bewußt ist. (Erkl. Offb. 325)

16. Juni
Aber ich sage euch: Viele werden vom Aufgang
und vom Niedergang kommen und mit Abraham
und Isaak und Jakob zu Tische liegen im Reiche
der Himmel. Die Söhne des Reiches aber werden
hinausgeworfen in die äußerste Finsternis. Dort
wird sein Heulen und Zähneknirschen.
(Matth. 8, 11 f.)

Bei allen Völkern in der ganzen Welt, die eine Religion


besitzen, finden sich ähnliche Vorschriften wie die der zehn
Gebote. Alle, die aus Religion nach diesen leben, werden selig,
alle aber, die trotz Kenntnis der Religion nicht danach leben,
werden verdammt. Die ersteren fassen, unterrichtet von den
Engeln, nach dem Tod das Wahre auf und anerkennen den
Herrn, denn sie fliehen das Böse als Sünde und leben daher im
Guten. (L.L. 65)

17. Juni
Bleibet in mir und ich in euch. (Joh. 15, 4)

Der Herr liebt den Menschen und will bei ihm wohnen,
aber er kann das nicht tun, wenn er keine Aufnahme und
Gegenliebe findet. Denn durch diese allein kommt die
Verbindung zustande. Aus diesem Grund hat der Herr den
Menschen Freiheit und Vernunft gegeben: Freiheit, wie aus
sich zu denken und zu wollen, Vernunft, die er beim Denken
und Wollen einsetzen soll. Jemanden lieben, sich mit jeman-

137
dem verbinden, in dem keine entsprechende Saite erklingt, ist
ebenso unmöglich wie zu jemandem eingehen und bei ihm
bleiben, wenn keine Aufnahmebereitschaft vorhanden ist.
(L.L. 102)

18. Juni
Jeder, der ein Wort spricht wider des Menschen
Sohn, dem soll‘s vergeben werden, wer aber wider
den Heiligen Geist lästert, dem soll‘s nicht verge-
ben werden. (Luk. 12, 10)

Bisher war in den Kirchen weder bekannt, was unter Sünde


und Lästerung wider den Heiligen Geist noch was unter einem
Wort gegen den Sohn des Menschen zu verstehen ist, und zwar
weil man nicht wußte, wer eigentlich der Heilige Geist und wer
der Sohn des Menschen ist. Der Heilige Geist stellt den Herrn
im Hinblick auf seine göttliche Wahrheit dar, wie sie in den
Himmeln gilt, und damit das Wort im geistigen Sinn (denn es
ist das Göttlich-Wahre in den Himmeln). Der Sohn des
Menschen bedeutet die göttliche Wahrheit, wie wir sie auf
Erden kennen, d.h. das Wort in seinem natürlichen Sinn. …
Das Wort leugnen, das echte Gute des Wortes schänden und
dessen echtes Wahres verfälschen, heißt Sünde und Lästerung
wider den Heiligen Geist; den natürlichen oder Buchstaben-
sinn den Scheinbarkeiten gemäß auslegen, ist ein Wort gegen
des Menschen Sohn. Die Leugnung des Wortes ist eine Sünde,
die weder in diesem Zeitalter noch im zukünftigen vergeben
werden kann, weil sie darin besteht, Gott, den Herrn, Himmel
und Hölle, die Kirche und alles zu ihr Gehörige zu leugnen. …
Dazu folgendes Beispiel: Wer das Gute der Liebe und die
Werke der tätigen Liebe nicht als Weg zur Seligkeit zuläßt, wer
dagegen den „Glauben allein“ als das einzige Heilsmittel pro-
pagiert, und das nicht nur mit Worten, sondern auch durch

138
Taten begründet, indem er sich sagt: „Das Gute macht mich
nicht selig, und das Böse verdammt mich nicht, weil ich ja den
Glauben habe“ - der also lästert den Heiligen Geist, denn er
verfälscht das echte Gute und Wahre des Wortes in tausend
Stellen, wo von Liebe, tätiger Liebe, Taten und Werken die
Rede ist. (Erkl. Offb. 778)

19. Juni
An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß ich in
meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.
(Joh. 14, 20)

In der Offenbarung des Johannes, Kap. 21 und 22 ist vor-


ausgesagt worden, der Herr werde am Ende der früheren eine
neue Kirche errichten, in der die den Herrn betreffenden
Lehren die Hauptlehren sein sollen. Deshalb sind diese erst
jetzt bekannt gemacht worden. Diese neue Kirche wird dort
unter dem Neuen Jerusalem verstanden, in das niemand ein-
gehen kann, der nicht den Herrn allein als den Gott Himmels
und der Erde anerkennt. Ich kann auch bekannt geben, daß
der ganze Himmel den Herrn allein anerkennt und daß nicht
eingelassen wird, wer nicht ebenfalls dieser Ansicht ist. Denn
der Himmel ist ein Himmel aus dem Herrn. Gerade jene aus
Liebe und Glaube hervorgehende Anerkennung bewirkt die
dortige enge Gemeinschaft, wie sie der Herr bei Johannes lehrt
(14, 20 siehe oben. Ferner: 15, 4 - 6; 17, 22 f). Man durfte das
nicht früher aus dem Wort herauslesen, weil man es doch nicht
angenommen hätte. Denn das letzte Gericht war noch nicht
vollzogen, und davor war die Macht der Hölle größer als die
des Himmels. Der Mensch aber befindet sich in der Mitte zwi-
schen Himmel und Hölle. Deswegen hätte der Teufel (d.i. die
Hölle) die Hauptwahrheiten über den Herrn den Menschen
aus dem Herzen gerissen und noch dazu entweiht. Diese

139
Machtentfaltung der Hölle ist aber durch das letzte Gericht,
das nun (in der geistigen Welt, während wir auf Erden das Jahr
1757 schrieben, Anm. d. Hrsg‘s) vollzogen ist, gänzlich gebro-
chen worden. Nun kann jeder Mensch erleuchtet und weise
werden, der will. (L.H. 62)

20. Juni
Wenn der unreine Geist vom Menschen ausgeht, so
geht er durch wasserlose Oerter, sucht Ruhe und
findet sie nicht. Dann sagt er: ich will umkehren in
mein Haus, davon ich ausgegangen bin. Und wenn
er kommt, findet er es leerstehend, gekehrt und
geschmückt. Da geht er hin und nimmt zu sich sie-
ben andere Geister, schlechter denn er, und sie
gehen ein und wohnen da, und es wird nachher mit
jenem Menschen schlimmer als vorher.
(Matth. 12, 43 - 45)

Nachdem ein Mensch sich geprüft, seine Sünden aner-


kannt und Buße getan hat, soll er beständig im Guten verhar-
ren bis an‘s Ende seines Lebens. Denn wenn er nachher wieder
in das frühere Leben des Bösen zurückfällt und dieses wieder
aufnimmt, begeht er eine Entweihung, weil sich alsdann Böses
mit Gutem verbindet und auf diese Weise sein späterer
Zustand schlimmer wird als der frühere. (N.J. 169)

21. Juni
Eins bitt‘ ich vom Herrn, das will ich suchen: Daß
ich wohne im Hause des Herrn alle Tage meines
Lebens, zu schauen die Lieblichkeit des Herrn und
früh zu besuchen seinen Tempel. (Ps. 27, 4)

140
Unter dem Gottesdienst nach der Ordnung des Himmels
wird das Tun des Guten nach den Geboten des Herrn verstan-
den. Heutzutage hält man hauptsächlich die Rituale der Kirche
für Gottesverehrung, wie auch das Morgen- und Abendgebet.
Aber der Gottesdienst besteht im Wesentlichen nicht darin,
sondern in einem Leben des Nutzens. Solcher Gottesdienst
entspricht wahrhaftig der himmlischen Ordnung. Zwar gehört
die mündliche Verehrung auch zum Gottesdienst, richtet
jedoch gar nichts aus, wenn sich der Lebenswandel nicht damit
verbindet, d.h. der Gottesdienst des Herzens. (H.G. 7884)
22. Juni
Wenn aber des Menschen Sohn in seiner
Herrlichkeit kommen wird und alle die heiligen
Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Throne
seiner Herrlichkeit. Und alle Völkerschaften werden
vor ihm versammelt werden, und Er wird sie von
einander scheiden, wie der Hirte die Schafe von
den Böcken scheidet. Und er wird die Schafe zu
seiner rechten, die Böcke aber zu seiner Linken
stellen. (Matth. 25, 31 - 33)

Wer einem von der tätigen Liebe getrennten Glauben hul-


digt, gehört zu den Böcken, von denen Daniel und Matthäus
schrieben. … Das jüngste Gericht wurde nur über solche
gehalten, die im Äußeren sittlich erschienen, sich im Inneren
aber nicht oder zu wenig als geistig erwiesen. Diejenigen näm-
lich, die sowohl äußerlich als innerlich böse waren, sind lange
vor dem jüngsten Gericht in die Hölle geworfen, und die ande-
ren, die im Äußeren und Inneren geistig waren, lange vor dem
jüngsten Gericht in den Himmel erhoben worden. Denn das
jüngste Gericht wurde nicht über die Engel im Himmel oder
die Teufel in der Hölle gehalten, sondern über die Geister, die

141
sich in der Mitte zwischen Himmel und Hölle befanden und
sich dort einen Scheinhimmel gemacht hatten. (L.G. 61, 64)

23. Juni
Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der
mich liebt, und wer mich liebt, der wird von mei-
nem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben
und mich ihm offenbaren … Wer mich nicht liebt,
hält meine Worte nicht … (Joh. 14, 21. 24)

Der Mensch, der im Begriff ist, sich vom Bösen und


Falschen zu reinigen, und bei dem die Einpflanzung des Guten
und Wahren, sowie die Verbindung beider (d.h. Wiedergeburt)
im Gang ist, hält echten Gottesdienst. Die Reinigung vom
Bösen und Falschen besteht ja darin, daß man davon absteht,
es flieht und verabscheut, und die Einpflanzung des Guten und
Wahren besteht darin, daß man das Wahre denkt, das Gute will
und dann beides auch ausspricht und tut. Die Verbindung bei-
der beruht darauf, daß man ihnen gemäß lebt. Wenn sie statt-
gefunden hat, besitzt der Mensch einen neuen Willen und
einen neuen Verstand, d.h. ein neues Leben. Wenn der Mensch
soweit ist, stellt jedes seiner Werke einen Gottesdienst dar, weil
er dann bei allen Dingen auf das Göttliche hinblickt, es verehrt
und liebt und ihm darum auch dient. Das ist der echte
Gottesdienst. (H.G. 10143)
24. Juni
Gehet ein durch das enge Tor: denn das Tor ist weit
und der Weg ist breit, der in‘s Verderben führt und
Viele sind ihrer, die auf ihm hineingehen. Eng aber
ist das Tor und schmal der Weg, der zum Leben
hinführt und wenige sind ihrer, die ihn finden.
(Matth. 7, 13 f.)

142
Wer keine tätige Liebe übt, ist beherrscht von Selbstliebe
und Haß gegen alle, die ihm nicht günstig gesinnt sind. Er sieht
daher im Nächsten nur dessen Böses, und sollte er etwas Gutes
entdecken, so erkennt er es nicht an oder legt es als böse aus.
Ganz anders verhält sich, wer sich der tätigen Liebe verschrie-
ben hat. Daran lassen sich die zweierlei Menschengattungen
unterscheiden. In denen, die keine tätige Liebe geübt haben,
erscheint die von Haß erfüllte Gesinnung dann besonders
deutlich, wenn sie in das andere Leben übertreten: wollen sie
jeden prüfen, ja richten, und sie begehren nichts mehr als
Böses aufzufinden, da sie beständig im Sinne führen zu ver-
dammen, zu strafen und zu peinigen, während diejeningen,
die ein Leben der tätigen Liebe geführt haben, das Böse des
andern kaum sehen, wohl aber sein Gutes und Wahres, und zu
entschuldigen suchen, was böse und falsch an ihnen ist.
(H.G. 1079)

25. Juni
Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: du
sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll dem
Gerichte verfallen sein. Ich aber sage euch: Wer
seinem Bruder zürnt, ist dem Gericht verfallen; wer
aber zu seinem Bruder sagt: Raka, der verfällt dem
Rat; wer aber sagt: du Narr, der verfällt der Hölle
des Feuers. (Raka und Narr sind Ausdrücke hoher
und höchster Verachtung) (Matth. 5, 2 f.)

Die Liebe zum Nächsten besteht darin, daß man alle


Arten von Totschlag als Sünde flieht. Unter Tötung werden
auch Feindschaft, Haß und Rache verstanden, die den Tod
atmen, weil in ihnen Mord verborgen liegt, wie das Feuer im
Holz unter der Asche. Das höllische Feuer ist ein Bild dafür.
Man sagt daher, man «entbrenne» von Haß und «glühe»

143
von Rache. Dies ist Totschlag im natürlichen Sinn. Im gei-
stigen versteht man darunter all die manigfachen Arten, die
Seelen der Menschen zu töten und zu verderben. Im höch-
sten Sinn aber bedeutet töten, den Herrn zu hassen. Alle
drei Arten von Tötung hängen zusammen, denn wer den
leiblichen Tod des Menschen in der Welt will, der wünscht
auch den Tod von dessen Seele und schließlich den Tod des
Herrn, denn er glüht vor Zorn gegen ihn und will seinen
Namen auslöschen. (L.L. 67)

26. Juni
Herr, du bist würdig, zu nehmen die Herrlichkeit
und die Ehre und die Kraft, denn du hast alle Dinge
geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und
wurden sie geschaffen. (Offb. Joh. 4, 11)

„Denn du hast alle Dinge geschaffen“ bedeutet, daß alles


Dasein und Leben von ihm ist und daß der Himmel denen, die
ihn aufnehmen, gewiß ist. Dies geht aus der Bedeutung von
„schaffen“ hervor, denn es drückt aus, daß nicht nur die ganze
Welt ihr Dasein vom Herrn bekommen hat, sondern auch, daß
alles Leben von ihm stammt. Weil nun der geistige Sinn des
Wortes nur vom Himmel und von der Kirche handelt, ist mit
„schaffen“ vornehmlich umbilden gemeint, d.h. den Himmel
denen geben, die ihn aufnehmen, was die eigentliche
Bedeutung von umbilden ist. … Hier wird also mit „schaffen“
nicht das natürliche, sondern das geistige Dasein und Leben
bezeichnet wie überall im Wort, und zwar, weil das Dasein des
Himmels und der Erde nicht der Zweck, sondern nur das
Mittel der Schöpfung ist. Der Zweck besteht darin, aus dem
menschlichen Geschlecht den Engelshimmel zu bilden.
(Erkl. Offb. 294)

144
27. Juni
Wenn du aber Almosen gibst, so lasse deine linke
Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf daß dein
Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der in
das Verborgene sieht, wird dir‘s vergelten öffentlich.
Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die
Heuchler, die da gerne in den Synagogen und an
den Straßenecken stehen und beten, damit sie vor
den Menschen scheinen. Wahrlich, ich sage euch:
sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber betest,
so geh ein in deine Kammer und verschließe deine
Tür und bete zu deinem Vater im Verborgenen, und
dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir‘s
vergelten öffentlich. (Matth. 6, 3 - 6)

Unter Almosen wird im Wort in einem ganz allgemeinen


Sinn alles Gute verstanden, das ein Mensch will und tut, unter
dem Gebet alles Wahre, das ein Mensch denkt und spricht. …
Diejenigen, die Gutes tun und Wahres reden, nicht um ihrer
und der Welt, sondern um des Guten und Wahren selbst wil-
len, sind diejenigen, die im Geheimen Almosen geben und
beten; denn sie handeln und beten aus Liebe und Neigung, d.h.
mit der Kraft des Herrn. Dies heißt auch, das Gute und Wahre
um des Guten und Wahren selbst willen lieben. Daher wird
von ihnen gesagt, daß ihnen der Vater in den Himmeln öffent-
lich vergelten werde. (Erkl. Offb. 695)

28. Juni
Und Jehovah Gott bildete den Menschen, Staub
vom Boden und blies ihm das Leben Odem in die
Nase. Und es ward der Mensch zur lebendigen
Seele. (1. Mose 2, 7)

145
Man glaubt gewöhnlich, das Leben im Menschen gehöre
ihm und er sei nicht etwa nur sein Empfänger. Das beruht auf
einer Täuschung, weil ja der Mensch lebt, d.h. empfindet,
denkt, redet und handelt wie aus sich. Deshalb erscheint die
Feststellung, der Mensch nehme das Leben lediglich auf und
sei nicht das Leben selbst, notwendig als etwas Unerhörtes
oder gar Widersinniges. … Die Ursache dieser Täuschung
durch den Anschein besteht darin, daß heutzutage die meisten
Menschen natürlich und nur wenig geistig sind und der natür-
liche Mensch auf Grund von Schein und Täuschung urteilt, die
der Wahrheit widersprechen, daß der Mensch nicht Leben,
sondern nur ein Empfänger ist … (W.C.R. 470)

29. Juni
Ärgert dich aber deine Hand oder dein Fuß, so hau
sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, lahm
oder als ein Krüppel zum Leben einzugehen, als
daß du zwei Hände oder zwei Füße habest und
werdest in‘s ewige Feuer geworfen. (Matth. 18, 8)

Wenn ein Mensch sich abwenden will von Betrug und heim-
lichem Diebstahl, denen er bisher gefrönt hat, weil er sieht und
anerkennt, daß beides sündig ist, dann beginnt ein Kampf des
inneren Menschen gegen den äußeren. Der innere neigt sich zur
Redlichkeit, der äußere empfindet noch die Lust des Betrugs.
Diese weicht nur zurück, wenn sie dazu gezwungen wird; denn
sie steht der Freude an der Redlichkeit genau entgegen.
Bezwungen wird sie nur durch Kampf. Siegt darin der innere
Mensch, dann gewinnt auch der äußere an Wohlbefinden in der
Liebe zur Redlichkeit, d.h. in der tätigen Liebe. Daraufhin geht
seine Freude am Betrug allmählich in Ekel über. Dasselbe
geschieht mit den anderen Sünden, wie dem Ehebruch und der
Hurerei, der Rache und dem Haß, dem Lästern und Lügen. Der

146
schwerste Kampf unter allen aber gilt der Sucht zu herrschen,
die der Selbstsucht entspringt. Wer sie unterjocht, besiegt leicht
alle bösen Triebe, weil sie deren Haupt ist. (G. V. 146)
30. Juni
Und wem wollt ihr Gott vergleichen, und dies
Gebilde ihm gleichstellen? … Erhebt eure Augen
in die Höhe und sehet: Wer schuf dies? Er, der ihr
Heer herausbringt nach Zahl, der sie alle mit
Namen nennt. (Jes. 40, 18. 26)

Bekanntlich ist das gesamte Weltall von Gott erschaffen.


Daher heißt es im Wort „ein Werk der Hände Jehovahs“. Man
sagt zwar, die Welt sei aus dem völligen Nichts geschaffen, aber
aus Nichts kann nichts werden. … Dies ist eine ausgemachte
Wahrheit. Deshalb konnte das Weltall – ein Bild Gottes und
daher voll von Gott – nur in Gott aus Gott geschaffen werden.
Denn Gott ist das Sein an sich, und alles, was da ist, hat seine
Existenz nur aus diesem Sein. … Man kann daher leicht ein-
sehen, daß die göttliche Kraft in allen Teilen des erschaffenen
Weltalls wirkt und dieses im Wort ein Werk der Hände
Jehovahs genannt wird. Gemeint ist ein Werk der göttlichen
Liebe und Weisheit; denn diese beiden sind unter den Händen
Jehovahs zu verstehen. Obgleich sich aber die Gotteskraft in
allen Dingen des Weltalls findet, ist diesen doch nichts an sich
Göttliches eigen, denn das Erschaffene ist nicht Gott, sondern
von Gott, und daher liegt darin sein Bild, vergleichbar dem
Bild eines Menschen im Spiegel, der zwar den Menschen zeigt,
ihn jedoch nicht enthält. (L.u.W. 55, 59)

1. Juli
Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, dich zu
behüten auf dem Weg und dich an den Ort zu brin-

147
gen, den ich bereitet habe. Hüte dich vor seinem
Angesicht und höre auf seine Stimme, erbitte ihn
nicht, denn eure Übertretungen erträgt er nicht,
denn mein Name ist in seiner Mitte. Wenn du aber
auf seine Stimme hören und alles tun willst, was
ich dir reden werde, so will ich ein Feind sein dei-
nen Feinden und ein Bedränger deiner Bedränger.
(2. Mose 23, 20 - 22)

Der Engel des Herrn wird öfter im Wort erwähnt, und


überall, wo er im guten Sinn vorkommt, stellt er etwas
Wesentliches beim Herrn und vom Herrn dar. Was, geht
jeweils aus dem Zusammenhang hervor. Es waren Engel, die zu
den Menschen gesandt wurden, manche sprachen auch durch
die Propheten. Was sie aber sprachen, stammte nicht von den
Engeln selbst, sondern wurde von diesen weitergeleitet. Sie
befanden sich nämlich in einem Zustand, in dem sie sich für
Jehovah, d.h. für den Herrn hielten. Sobald sie jedoch ihre
Mitteilung angebracht hatten, traten sie in ihren ursprüngli-
chen Zustand zurück und redeten wieder aus sich. So verhielt
es sich mit den Engeln, die das Wort des Herrn verkündeten –
was mir durch viele ähnliche Erfahrungen im andern Leben zu
erkennen gegeben wurde. … Dies ist der Grund, weshalb die
Engel zuweilen Jehovah genannt wurden, wie z.B. jener, der
dem Mose im Dornbusch erschien. (H.G. 1925)

2. Juli
Es erschien Mose der Engel des Herrn in der
Flamme des Feuers mitten aus dem Dornbusch;
und er sah hin und siehe, der Dornbusch brannte
mit Feuer und ward doch nicht verzehrt. Und Mose
sprach: ich will doch hinübergehen und die wun-
derbare Erscheinung sehen, warum der Dornbusch

148
nicht verbrennt … Und Gott rief ihm mitten aus
dem Dornbusch und sprach: Mose! Mose! Ziehe
deine Schuhe von den Füßen, denn der Ort, auf
dem du stehst, ist Boden der Heiligkeit. Und sagte:
ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams,
der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose
verbarg sein Angesicht, denn er fürchtete sich, auf
Gott zu blicken. (2. Mose 3, 2 - 6)

Es war also ein Engel, der Mose als eine Flamme in dem
Busch erschien und der sich als Jehovah bezeichnete, weil
durch ihn der Herr sprach. Damit das an den Menschen
gerichtete Wort in natürliche Laute gefaßt werden kann,
bedient sich der Herr des Dienstes der Engel, indem er ihr
Bewußtsein einschläfert und sie mit der göttlichen Kraft
erfüllt, sodaß sie sich selbst für Jehovah halten. So läßt sich der
göttliche Einfluß des Herrn vom Höchsten herab auf die
unterste Ebene der Natur, auf der der Mensch seine
Sinneseindrücke empfängt … (H. G. 1925)

3. Juli
Und er kam nach Kapernaum; und als er zu Hause
war, fragte er sie: Worüber besprachet ihr euch mit-
einander auf dem Wege? Sie aber schwiegen stille,
denn sie hatten auf dem Wege unter sich bespro-
chen, wer der Größte wäre. Und er setzte sich, rief
die Zwölfe und sprach zu ihnen: So einer will der
Erste sein, der soll der letzte von allen und aller
Diener sein. (Mark. 9, 33 - 35)

Im Reich des Herrn, d.h. Im Himmel, erscheinen die


größten, d.h. die am tiefsten dem Inneren zugewandten Engel,
mehr als alle übrigen als Diener, weil sie im höchsten Maß

149
gehorsam und demütiger als alle übrigen sind. Sie werden
unter den Kleinsten verstanden, die die Größten, und unter
den Letzten, die die Ersten sein werden. … Knechte heißen sie
in Bezug auf das Göttlich-Wahre und Diener in Bezug auf das
Göttlich-Gute. Die Letzten, die die Ersten sind, heißen
Knechte, weil sie wissen, anerkennen und bewußt werden, daß
alles Leben und alle Macht, die sie haben, allein vom Herrn
stammt. (H.G. 5164)

4. Juli
Gut und gerad‘ ist Jehovah, darum weist auf den
Weg er die Sünder. Er leitet die Elenden nach dem
Recht und lehrt die Elenden seinen Weg.
(Ps. 25, 8 f.)

Alles Teile des Weltalls, die der göttlichen Ordnung ent-


sprechen, beziehen sich auf Gutes und Wahres. Es gibt nichts,
weder im Himmel noch in der Welt, das sich nicht auf diese
zwei bezieht, weil beides aus der göttlichen Kraft hervorgeht,
die alles geschaffen hat. Daraus ergibt sich, daß dem Menschen
nichts notwendiger ist, als zu wissen, was gut und wahr ist und
wie das eine auf das andere hinzielt und mit ihm verbunden
wird. Besonders aber muß es der Mensch der Kirche wissen,
denn … auch alle Dinge der Kirche beziehen sich auf das Gute
und Wahre … Darum bildet das Gute und Wahre den
Ausgangspunkt (der Lehre des Neuen Jerusalem). (N.J. 11, 12)

5. Juli
Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das Neue
Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabstei-
gen, zubereitet wie eine Braut, für ihren Mann
geschmückt. Und ich hörte eine große Stimme aus

150
dem Himmel sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei
den Menschen! (Offb. Joh. 21, 2 f.)

Der göttlichen Ordnung entspricht, daß Gutes und Wahres


verbunden und nicht getrennt, d.h. eins und nicht zwei sind.
Denn verbunden gehen sie aus dem Göttlichen hervor, und
verbunden sind sie im Himmel; verbunden sollen sie daher
auch in der Kirche sein. Die Verbindung des Guten und
Wahren wird im Himmel die himmlische Ehe genannt, die
dort alle umfaßt. Daher wird im Wort der Himmel mit der Ehe
verglichen, der Herr als Bräutigam und Mann, der Himmel
aber – und in gleicher Weise die Kirche – als Braut und Weib
vorgestellt. (N.J. 13)

6. Juli
Den Weg der Lüge wende von mir ab, und mit dei-
nem Gesetz begnade mich! Den Weg der Wahrheit
habe ich erwählt. Ich stelle vor mich deine Rechte.
Ich hafte an deinen Zeugnissen, Jehovah, laß mich
nicht zuschanden werden. (Ps. 119, 29 - 31)

Es gibt vier Gattungen von Menschen:


Die ersten huldigen dem Falschen, wobei das Böse der
Beweggrund sein kann oder auch nicht.
Die zweiten kennen die Wahrheiten, scheren sich aber
nicht um das Gute.
Die dritten streben auf Grund der Wahrheiten nach dem
Guten.
Die vierten erkennen die Wahrheiten auf Grund des
Guten, dem sie sich widmen. …
Das Böse und Falsche steht dem Guten und Wahren entge-
gen. Deshalb kann weder das Wahre mit dem Bösen noch das
Gute mit dem Falschen aus dem Bösen verbunden werden.

151
Wird das Wahre dem Bösen beigefügt, ist es nicht mehr wahr,
sondern falsch, weil es verdreht ist; wird das Gute dem
Falschen aus dem Bösen beigefügt, ist es nicht mehr gut, son-
dern böse, weil es geschändet ist. Doch kann Falsches, das
nicht böse ist, mit Gutem verbunden werden. (N.J. 20, 18)

7. Juli
Die Wahrheit und den Frieden sollt ihr lieben.
(Sach. 8, 19)

Einsicht und Weisheit der Engel stammen aus der Ehe des
Guten und Wahren, aber nicht von einem der beiden, wenn sie
isoliert sind. Ähnlich verhält es sich mit dem Menschen der
Kirche. Weil die Verbindung des Guten und Wahren ein Bild
der Ehe ist, muß man einsehen, daß das Gute das Wahre und
umgekehrt das Wahre das Gute liebt und beide miteinander
verbunden werden möchten. Ein Mensch der Kirche, der keine
solche Liebe und kein solches Verlangen empfindet, lebt nicht
in der himmlischen Ehe und ist daher noch kein wirkliches
Glied der Kirche; denn die Verbindung des Guten und Wahren
ist die eigentliche Substanz der Kirche. (N.J. 14, 15)

8. Juli
Ich, Jehovah, erforsche das Herz, ich prüfe die
Nieren und gebe dem Mann nach seinen Wegen,
nach der Frucht seines Tuns. Ein Rebhuhn, das da
sammelt, aber nicht legt, ist, wer Reichtum gewinnt
nicht mit Recht. In der Hälfte seiner Tage wird er ihn
verlassen, und zuletzt ist er ein Tor. (Jer. 17, 10 f.)

Niemand kann den Begriff „Glaube“ ohne Kenntnis der


tätigen Liebe verstehen, weil da, wo sie fehlt, kein Glaube mög-

152
lich ist. Die tätige Liebe gehört zum Glauben wie das Gute zum
Wahren. Was der Mensch liebt und was ihm teuer ist, das hält
er für gut, und was er glaubt, für wahr. Das zeigt, daß eine ähn-
liche Verbindung zwischen der tätigen Liebe und dem Glauben
besteht, wie zwischen dem Guten und Wahren. … Die tätige
Liebe verbindet sich beim Menschen mit dem Glauben, wenn
er umsetzen will, was er weiß und begreift. Der Wille gehört
zur tätigen Liebe, Kenntnisse und Begriffe zum Glauben.
Dieser erfüllt den Menschen und wird sein eigen, wenn er aus
Liebe in die Tat umsetzt, was er weiß und versteht.
(N.J. 108, 110)

9. Juli
Viele werden zu mir an jenem Tag sagen: Herr,
Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt
und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben, und
haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder-
taten getan? Und dann werde ich ihnen bekennen:
ich habe euch nie erkannt. Weichet von mir, die ihr
Unrecht wirket! (Matth. 7, 22 f.)

Glauben, was das Wort oder die Kirche lehrt, sich aber
nicht daran kehren, erscheint so sehr wie ein Glaube, daß eini-
ge der Ansicht sind, sie würden durch ihn selig. Das ist jedoch
eine Täuschung, denn es handelt sich um reine Beredung. …
Damit ist gemeint, daß man zwar an das Wort und die Lehre
glaubt und sie sogar liebt, daß man es aber nicht um des
Wahren und des von der Wahrheit geprägten Lebens willen tut,
sondern um des Gewinnes, der Ehre und des Rufes der
Gelehrsamkeit willen. Daher haben diejenigen, die diesem
Glauben anhangen, nicht den Herrn und den Himmel, son-
dern sich und die Welt vor Augen. (N.J. 116, 117)

153
10. Juli
Halleluja! Selig der Mann, der Jehovah fürchtet,
der sehr Lust hat an seinen Geboten. Mächtig wird
sein Same sein auf Erden, das Geschlecht der
Redlichen wird gesegnet sein. (Ps. 112, 1 f.)

Wenn der Mensch wiedergeboren wird, empfängt er die


Wahrheiten mit einem Glücksgefühl, weil er es liebt, sein Tun
nach ihnen zu richten, und sie werden bei diesen Gelegenheiten
immer wieder hervorgerufen, weil sie mit dem Tun zusammen-
hängen. Eine Neigung, die der Liebe angehört, schließt sich
immer den Wahrheiten an, um das Leben nutzbringend zu
gestalten, weshalb Neigung und Wahrheit sich wechselweise ins
Bewußtsein rufen. Das Gute erkennt nichts anderes an, als was
zu den Neigungen der Liebe paßt. (N.J. 23)

11. Juli
Von deinen Ordnungen werde ich einsichtsvoll,
darum hasse ich jeglichen Pfad der Lüge.
(Ps. 119, 104)

Alles Falsche kann solange gedreht werden, bis es als wahr


erscheint. Daher soll es, ehe es akzeptiert wird, erst untersucht
werden, ob es wirklich wahr ist. Es stellt eine Gefahr dar,
Falsches mit Argumenten in die Religion einzuschleppen, weil
das einem sich Bestärken im Falschen gleichkommt, das dem
Menschen nach dem Tode bleibt und ihm Verderben bringt.
(N.J. 21)

12. Juli
Wer ist der Mann, der Jehovah fürchtet? Ihm wei-
set er den Weg, den er wählen soll. Im Guten woh-

154
net seine Seele und das Land besitzt sein Same.
Das Geheimnis Jehovahs ist für die, so ihn fürch-
ten, und seinen Bund läßt er sie wissen.
(Ps. 25, 12 - 14)

Das Gute fließt auf dem inneren Weg, d.h. durch die Seele
in den Menschen ein, die Wahrheiten jedoch auf dem äußeren,
d.h. durch die Sinne. In seinem Inneren werden sie vom Herrn
verbunden. Die Wahrheiten werden dann aus dem natürlichen
Menschen in den geistigen erhoben und dem Guten einge-
pflanzt, wodurch auch die Wahrheiten geistig werden. Nachher
wirken sie wieder auf den natürlichen Menschen zurück, das
geistige Gute unmittelbar auf das Gute des natürlichen
Menschen, mittelbar aber auf das Wahre. (N.J. 23)

13. Juli
Habt ihr nicht gelesen, daß er, der sie von Anfang
gemacht hat, sie als Mann und Weib gemacht hat?
Und er sprach: Darum soll der Mensch Vater und
Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen. Und
die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie dann
nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott
zusammenfügt, das soll der Mensch nicht schei-
den. (Matth. 19, 4 -6)

Der ganze Himmel, die Welt und ihre Teile sind nach dem
Bild einer Ehe gestaltet, besonders derjenigen zwischen dem
Wahren und Guten, da ja jede Einzelheit des Weltalls sich auf
das Wahre und Gute bezieht - sonst könnten sie gar nicht exi-
stieren - und auf deren Verbindung - damit etwas hervorge-
bracht werden kann. Auch die Alten kannten eine Ehe zwi-
schen dem Wahren und Guten als Institution. Es gilt als ein
Gesetz der Ehe, daß aus zweien eines entstehe, gemäß den

155
Worten des Herrn. Die wahrhaft eheliche Liebe entstammt der
himmlischen Ehe des Wahren und Guten. (N.J. 24)

14. Juli
Der Gerechte lebet in seinem Glauben. (Hab. 2, 4)

Auf den Wahrheiten basieren der Glaube und die tätige


Liebe zum Nächsten. Durch die Wahrheiten entsteht die Liebe
zum Herrn, das Gewissen, die Unschuld, die Reinigung vom
Bösen, die Wiedergeburt, Einsicht und Weisheit. Von den
Wahrheiten haben nicht nur die Engel Schönheit, sondern
auch die Menschen entsprechend dem Inneren ihres Geistes.
Mit den Wahrheiten haben sie Macht gegen das Böse und
Falsche. Aus den Wahrheiten besteht die himmlische Ordnung
und die Kirche. Über die Wahrheiten kommt dem Menschen
der Himmel zu und wird er zum Menschen. Dies alles bedarf
jedoch nicht nur der isolierten Wahrheiten, sondern derjeni-
gen, die aus dem Guten entspringen. Alles Gute aber ist vom
Herrn. (N.J. 24)

15. Juli
Lobet ihn, ihr Himmel der Himmel und ihr Wasser,
die ihr über den Himmeln seid! Sie sollen den
Namen Jehovahs loben; denn er gebot, und sie
waren geschaffen. (Ps. 148, 4 f.)

Das Göttlich-Wahre, das vom Herrn ausgeht, ist das einzi-


ge Wirkliche, durch das alles geschaffen worden ist. Das
Göttlich-Wahre verfügt auch über alle Macht. … Es gibt keine
reinen Wahrheiten bei den Menschen, nicht einmal bei den
Engeln, sondern nur beim Herrn. Die ersten Wahrheiten des
Menschen sind auf Sinnestäuschungen beruhende Schein-

156
barkeiten, die jedoch mit zunehmender Weisheit nach und
nach abgelegt werden. (N.J. 27)

16. Juli
Es gibt einen natürlichen Leib und gibt einen gei-
stigen Leib. … Aber der geistige ist nicht der erste,
sondern der natürliche, danach der geistige … Und
wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so
werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.
Soviel aber sage ich, Brüder, daß Fleisch und Blut
das Reich Gottes nicht ererben können.
(1. Kor. 15, 44. 46. 49 f.)

In der Christenheit weiß man, daß der Mensch ein Inneres


und ein Äußeres, bzw. einen inneren und einen äußeren
Menschen besitzt. Leider weiß man nur wenig über deren
Beschaffenheit. Der innere Mensch ist geistig und nach dem
Bild des Himmels, der äußere natürliche nach dem Bild der
Welt gestaltet. Daher ist der Mensch von den Alten die „kleine
Welt“ (Mikrokosmos) genannt worden. Auf diese Weise ist im
Menschen geistige und natürliche Welt verbunden. (N.J. 47)

17. Juli
Liebet Jehovah, alle seine Heiligen. Die Treuen
bewahrt Jehovah und vergilt im Übermaß dem,
der Übermut tut. (Ps. 31, 24)

Es gibt zwei Arten von Liebe als Quelle alles Guten und
Wahren sowie zwei weitere Arten, aus denen alles Böse und
Falsche entspringt. Die beiden ersteren sind die Liebe zum
Herrn und die Liebe zum Nächsten, die beiden anderen sind
die Selbst- und die Weltliebe. Diese beiden stehen den ersteren

157
diametral entgegen. … Jene, aus denen alles Gute und Wahre
stammt und die, wie gesagt, die Liebesarten des Himmels sind,
öffnen und bilden den geistigen inneren Menschen, denn sie
haben in ihm ihren Sitz. Wenn aber die beiden entgegengesetz-
ten herrschen, verschließen und zerstören sie ihn und reduzie-
ren den Menschen auf seine natürlichen und sinnlichen
Interessen je nach dem Grad ihrer Herrschaft. (N.J. 59, 61)

18. Juli
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen
redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein
tönend Erz und eine klingende Schelle. Und wenn
ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse
und hätte alle Erkenntnis und allen Glauben, also
daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht,
so wäre ich nichts. (1. Kor. 13, 1 f.)

Die Gegenwart des Herrn bei Menschen wie Engeln verhält


sich gemäß dem Zustand ihrer Liebe zu Gott und zum
Nächsten. Die tätige Liebe ist das Bild Gottes; in ihrem Inneren
ist die Liebe zum Herrn, somit der Herr selbst, obgleich der
Mensch das nicht weiß. Wer ein Leben der tätigen Liebe führt,
ist ein willkommener Bürger sowohl in der Welt wie im
Himmel. (N.J. 106)

19. Juli
Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese
drei; die größte unter ihnen aber ist die Liebe.
(1. Kor. 13, 13)

Die Lehre vom himmlisch Guten oder von der Liebe zum
Herrn ist die reichste und zugleich geheimnisvollste, denn sie

158
ist die Lehre der Engel des innersten oder dritten Himmels.
Wir könnten kaum den tausendsten Teil verstehen, wenn sie
uns davon erzählten. Es gibt auch gänzlich unaussprechliche
Dinge darin. Diese Lehre ist im innersten Sinn des Wortes ent-
halten, die Lehre von der geistigen Liebe aber im inneren Sinn.
(N.J. 107)

20. Juli
Und er sprach: gehet hin in alle Welt und predigt
das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und
getauft wird, der wird gerettet werden, wer aber
nicht geglaubt hat, der wird verdammt werden.
(Mark. 16, 15 f.)

Der erste Nutzen der Taufe besteht darin, daß man Christ
heißt, der zweite, der sich daraus ergibt, daß man den Herrn
als Erlöser, Wiedergebärer und Heiland erkennt und aner-
kennt, der dritte, daß man von ihm wiedergeboren wird.
Sobald dies geschieht, ist man erlöst und selig. Diese drei
Etappen folgen der Reihe nach aufeinander und verbinden
sich im letzten, so daß sie in der Vorstellung der Engel eine
Einheit bilden. Deshalb denken die bei einer Taufhandlung
anwesenden Engel bei der Wortlesung nicht an Taufe, son-
dern an Wiedergeburt und verstehen unter den Worten des
Herrn: „Wer da glaubet und getauft wird … “ (siehe oben!),
daß gerettet werde, wer den Herrn anerkennt und wiederge-
boren wird. Aus diesem Grund wird die Taufe von den christ-
lichen Kirchen auf Erden das „Bad der Wiedergeburt“
genannt. Der Christ soll also wissen, daß wer nicht an den
Herrn glaubt, nicht wiedergeboren werden kann, obgleich er
getauft ist, und daß die Taufe ohne den Glauben an den
Herrn gar nichts bewirkt. (W.C.R. 685)

159
21. Juli
Und da sie aßen, nahm Jesus das Brot, segnete es,
brach es und gab es ihnen und sprach: Nehmet,
esset! Das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch,
dankte und gab ihnen den, und sie tranken alle
daraus. Und er sprach zu ihnen: Dies ist mein Blut
- das Blut des neuen Bundes - das ausgegossen
wird für viele. (Matth. 14, 22 - 24)

Das heilige Abendmahl wurde vom Herrn eingesetzt, damit


dadurch die Kirche mit dem Himmel und so mit dem Herrn ver-
bunden werde. Darum ist es die heiligste Handlung des
Gottesdienstes. Auf welche Weise aber die Verbindung zustande
kommt, weiß nur, wer Kenntnis vom inneren oder geistigen Sinn
des Wortes besitzt; denn die übrigen denken nicht über den
äußeren oder Buchstabensinn hinaus. Aus dem inneren oder gei-
stigen Sinn des Wortes weiß man, was Leib und Blut, Brot und
Wein und das Essen bedeuten. In diesem Sinn steht der Leib oder
das Fleisch des Herrn – ebenso wie das Brot – für das Gute der
Liebe; das Blut des Herrn – ebenso wie der Wein – stellt das Gute
des Glaubens dar. Das Essen aber bedeutet die Aneignung und
Verbindung. Die Engel bei dem Menschen, der das Sakrament
des Abendmahles vollzieht, verstehen diese Dinge genau so, denn
sie fassen alle Handlungen und Begriffe geistig auf. Deshalb geht
dann das Heilige der Liebe und des Glaubens von den Engeln auf
den Menschen über, d.h. vom Herrn durch den Himmel. … Man
muß jedoch wissen, daß die Verbindung nur bei denen stattfin-
det, die den Herrn lieben und an ihn glauben. Bei allen übrigen
ergibt sich nur eine Gegenwart. (N.J. 210 - 214)
22. Juli
Nach dem Ausspruch des Gesetzes, den sie dir
weisen, und dem Recht, das sie dir sprechen, sollst

160
du tun und von dem Worte, das sie dir ansagen,
weder zur Rechten noch zur Linken abweichen.
Wenn aber einer sich vermißt, auf den Priester, der
daselbst im Dienste Jehovahs, deines Gottes,
steht, oder auf den Richter nicht zu hören, der soll
sterben, und so sollst du das Böse aus Israel aus-
rotten. (5. Mose 17, 11 f.)

Zweierlei muß im Menschen in Ordnung sein: die kirchli-


chen Belange, also was sich auf den Himmel bezieht, und die
bürgerlichen, die sich mit der Welt befassen. Die Ordnung
kann auf der Erde nicht ohne Vorgesetzte erhalten werden; sie
müssen ein Auge darauf haben, wieweit die Ordnung einge-
halten oder verletzt wird, und müssen dementsprechend Lohn
und Strafe verteilen. Wird dies nicht beachtet, geht das
Menschengeschlecht zugrunde; denn jedem ist angeboren,
über andere gebieten und ihre Güter besitzen zu wollen.
Daraus entsteht vielerlei Feindschaft, Neid, Haß, Rache,
Betrug, Grausamkeit und vieles andere Böse. Diese Neigungen
müssen in Banden gehalten und Liebestriebe belohnt werden.
… Die Vorgesetzten über die kirchlichen Belange werden
Priester genannt. … Sie sollen die Menschen über den Weg
zum Himmel belehren und sie auch dorthin führen. Belehren
heißt, Kenntnisse der Kirchenlehre vermitteln, führen dagegen,
die Menschen anleiten, danach zu leben. Priester, die die
Wahrheiten lehren und ihre Anvertrauten durch sie zum
Guten des Lebens und so zum Herrn führen, sind gute Hirten
der Schafe; die anderen jedoch, die nur lehren und die
Führungsrolle vernachlässigen, sind böse Hirten. Sie werden
vom Herrn Diebe und Mörder genannt. Der Priester darf sich
keine Gewalt über die Seele eines Menschen anmaßen; denn er
weiß ja nicht, in welcher Verfassung das Innere des Menschen
ist. Er hat aber ein Anrecht auf Würde und Ehre wegen der hei-

161
ligen Dinge, mit denen er sich beschäftigt. Ein weiser Priester
gibt die Ehre dem Herrn, von dem die heiligen Dinge stam-
men, nicht aber sich selbst. (H.G. 10789 - 10796)

23. Juli
Schaff mir ein reines Herz, o Gott, und einen festen
Geist erneu‘ in meinem Innern. (Ps. 51, 12)

Der Mensch wird vom Herrn selbst durch Lehre und


Predigten aus dem Wort unterrichtet. … Daß es mittelbar
durch Predigten geschieht, hebt die Unmittelbarkeit nicht auf:
das Wort kann nicht anders als mittelbar durch Eltern, Lehrer,
Prediger, Bücher und besonders durch das Lesen bekannt und
verständlich gemacht werden. Der eigentliche Unterricht
erfolgt dennoch durch den Herrn. Dies wissen auch die
Prediger, die sagen, daß sie nicht von sich aus, sondern im
Geist Gottes reden und daß alles Wahre und Gute von Gott
kommt. Sie können das zwar in Worte fassen und vielen ver-
ständlich machen, aber sie können es nicht in die Herzen ein-
trichtern. Was aber nicht im Herzen des Menschen haftet, das
geht im Verstand unter. (Unter Herz ist die Liebe des
Menschen zu verstehen.) So sehen wir, daß der Mensch vom
Herrn allein geführt und belehrt wird, und zwar unmittelbar,
wenn es aus dem Wort geschieht. (G.V. 171, 172)

24. Juli
Seinen Engeln hat er über dir geboten, daß sie auf
allen deinen Wegen dich behüten. (Ps. 91, 11)

Der Mensch nimmt nicht wahr, daß er vom Herrn durch


Engel und Geister gelenkt wird und daß sich bei jedem
Menschen wenigstens zwei Geister und zwei Engel befinden.

162
Durch die Geister entsteht eine Gemeinschaft mit der
Geisterwelt, durch die Engel mit dem Himmel. Ohne diese
Gemeinschaft, die durch den Himmel auch mit dem Herrn
wirksam wird, kann der Mensch nicht leben. Sein Leben hängt
ganz von dieser Verbindung ab. Würden die Geister und Engel
sich zurückziehen, ginge er im Augenblick zugrunde. Solange
der Mensch nicht wiedergeboren ist, wird er anders regiert als
nachher. Wenn er nicht wiedergeboren ist, sind böse Geister
bei ihm, die ihn so sehr beherrschen, daß die Engel - obwohl
sie gegenwärtig sind - kaum etwas anderes bewirken können,
als ihn davor zu bewahren, sich ins äußerste Böse zu stürzen,
und ihn durch seine eigenen Neigungen zu etwas Gutem und
durch Sinnestäuschungen zum Wahren zu lenken. Dann hat er
durch die begleitenden Geister Kontakt zur Geisterwelt, jedoch
nicht zum Himmel, weil die bösen Geister das verhindern.
Sobald er aber wiedergeboren ist, herrschen die Engel und
flößen ihm alles Gute und Wahre ein sowie Schauder und
Furcht vor dem Bösen und Falschen. (H.G. 50)

25. Juli
Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und
der Geist Gottes in euch wohnet? So einer den
Tempel Gottes verderbet, den wird Gott verderben;
denn der Tempel Gottes ist heilig, wie denn auch
ihr ein solcher seid. (1. Kor. 3, 16 f.)

Es ist einerlei, ob man vom geistigen Menschen oder der


geistigen Kirche spricht; denn der geistige Mensch ist die
Kirche im Besonderen, während viele sie im Allgemeinen dar-
stellen. Diese, die man im täglichen Sprachgebrauch Kirche
nennt, existiert nur auf der Basis des einzelnen. Jeder in dieser
Gemeinschaft muß so beschaffen sein, damit eine Kirche
besteht. (H.G. 4292)

163
26. Juli
Und es geschah, da er solches redete, erhob ein
Weib aus dem Gedränge die Stimme und sprach zu
ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen, und die
Brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Selig
sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und
bewahren. (Luk. 11, 27 f.)

Die Lehre darf aus dem buchstäblichen Sinn des Wortes


nicht nur geschöpft werden, sondern sie ist durch ihn auch zu
bestätigen; geschieht das nicht, so scheint sich das Wahre der
Lehre lediglich auf menschliche Einsicht und nicht auf die
göttliche Weisheit des Herrn zu gründen. … Die Lehre des
echten Wahren kann auch aus demBuchstabensinn des Wortes
vollständig begründet werden; denn das Wort gleicht in diesem
Sinne einem bekleideten Menschen, dessen Gesicht und
Hände bloß sind. Alles was zum Leben des Menschen, also zu
seinem Heil nötig ist, liegt im Buchstabensinn bloß, das übri-
ge bleibt bekleidet. Es scheint jedoch durch wie das Angesicht
durch einen dünnen, durchsichtigen Schleier. (H.S. 54 f.)

27. Juli
Gott will ich preisen ob seines Wortes, ob seines
Wortes preisen Jehovah. Auf Gott vertraue ich, ich
fürchte mich nicht, was kann der Mensch mir tun?
(Ps. 56, 11 f.)

Das Wort besitzt die wunderbare Eigenschaft, daß es gött-


lich ist in jedem Jota, weil jeder Ausdruck irgendeiner geistigen
Sache entspricht. Diese liegt im Wort verborgen, tritt jedoch
bei den Engeln zu Tage, wenn es vom Menschen gelesen wird.
Jede Einzelheit der natürlichen Welt entspricht einem Begriff

164
der geistigen Welt, und zwar bis in die einzelnen Wörter hin-
ein. Das Wort ist aber so geschrieben, daß die darin enthalte-
nen Ausdrücke je nach ihrem Zusammenhang ganze Serien
von geistigen Dingen in sich bergen, die sich dem Menschen
nicht erschließen, solange er die Entsprechungen nicht kennt.
Das ist mit dem Attribut „göttlich“ gemeint, und in dieser
Beziehung ist das Wort geistig. (H. G. 10633)

28. Juli
Da hob Petrus an und sagte: Siehe, wir haben alles
verlassen und sind Dir nachgefolgt. Was wird uns
wohl dafür? (Matth. 19, 27)

Die Verbindung des Wahren mit der Neigung, die aus dem
Wohlgefühl des Gewinnes oder der Ehre entspringt, ist eine im
geistigen Sinn unrechtmäßige Verbindung. Derartige
Neigungen beherrschen diejenigen, die die Wahrheiten der
Kirche nur um jener Empfindungen willen studieren. Die
Verbindung schadet jedoch denen nicht, die später vom Herrn
wiedergeboren werden. Jene Neigungen dürfen dabei bestehen
bleiben, sofern sie der Neigung zum Wahren um des Guten der
Nutzleistung willen untergeordnet sind und ihr dienen. Denn
sie geraten so an die letzte Stelle, nachdem es anfangs den
Anschein machte, als ob sie an erster Stelle ständen. Wenn der
Mensch wiedergeboren wird, kehrt sich die Ordnung seines
Lebens um, so daß aus einer unrechtmäßigen Verbindung eine
rechtmäßige entstehen kann. (H.G. 9184)

29. Juli (Fortsetzung vom 28. Juli)


Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage
euch, daß ihr, die ihr mir nachgefolgt seid in der
Wiedergeburt, wenn des Menschen Sohn sitzen

165
wird auf dem Throne seiner Herrlichkeit, auch ihr
sitzen werdet auf zwölf Thronen und richten die
zwölf Stämme Israels. Und jeder, der Häuser, oder
Brüder, oder Weib, oder Kinder, oder Felder verläs-
set um meinetwillen, der soll es hundertfältig emp-
fangen und das ewige Leben ererben. Aber viele,
die Erste sind, werden Letzte, und Letzte werden
Erste sein. (Matth. 19, 28 - 30)

Das ist deshalb möglich, weil wir die Wahrheiten des


Glaubens durch das Gehör aufnehmen, somit durch den
äußeren Menschen. Der äußere Mensch aber ist nur auf das
eingestellt, was der Welt angehört und sich auf das eigene Ich
bezieht, nämlich die angenehmen Empfindungen aus
gewinnsüchtigem und ehrgeizigem Streben. Wenn aber der
innere Mensch durch die Wiedergeburt geöffnet ist, empfängt
er vom Herrn das Gute, das die bereits vorhandenen
Glaubenswahrheiten gewissermaßen an Kindesstatt annimmt
und mit sich verbindet. Infolge dieser Verbindung wird die
Ordnung umgekehrt, d.h. an die letzte Stelle gesetzt, was an
erster gewesen war. Jetzt bindet der Herr alles an sich, was dem
Leben im Menschen angehört, sodaß es sich zu ihm wendet.
Der Mensch betrachtet nun das, was dem Herrn und dem
Himmel angehört, als Ziel, den Herrn selbst aber als
Hauptzweck von allem, das Frühere jedoch, nämlich das
Wohlgefühl des Gewinns und der Ehre, nur noch als Mittel zu
jenem Zweck. (H.G. 9184)

30. Juli
(Gott zu Salomoh:) Siehe, so hab ich getan nach
deinem Wort. Siehe, ich hab dir ein weises und ein-
sichtsvolles Herz gegeben, daß gleich dir keiner
vor dir war, noch nach dir aufstehen soll gleich dir.

166
Und auch um was du nicht gebeten hast, gebe ich
dir, beides, Reichtum und Herrlichkeit, sodaß kein
Mann unter den Königen gewesen ist wie du, all
deine Tage. Und wenn du wandelst in meinen
Wegen, daß du hältst meine Satzungen und
Gebote, wie dein Vater David wandelte, so verlän-
gere ich deine Tage. (1. Kön. 3,13)

Es gibt drei allgemeine Liebesgattungen: die Liebe zum


Himmel, die Liebe zur Welt und die Liebe zu sich. Diese drei
sind in jedem Menschen von der Schöpfung und somit von der
Geburt her angelegt. Stehen sie untereinander in gehöriger
Ordnung, entwickeln sie den Menschen zum Guten, widrigen-
falls aber verkehren sie ihn. … Wenn ihre Reihenfolge stimmt,
sind sie auch nebeneinander geordnet, sodaß die höchste Liebe
- die Liebe zum Himmel - in der zweiten - der Weltliebe - ent-
halten ist und durch diese wiederum in der dritten oder unter-
sten, der Liebe zu sich. Die innere Liebe leitet so jeweils die
äußere. Auf diese Weise schafft der Mensch in jeder Liebe
Nutzen mit Gottes Hilfe aus dem Himmel. (W.C.R. 394, 395)

31. Juli
Wenn du dein Angesicht verbirgst, erschrecken sie;
nimm du ihren Odem hin, so verscheiden sie und
werden wieder zu Staub. Sendest du deinen Odem
aus, so werden sie geschaffen, und du erneuerst
das Antlitz der Erde. Die Herrlichkeit des Herrn
währe ewig, der Herr freue sich seiner Werke!
(Ps. 104, 29 - 31)

Der Mensch ist ein Organ des Lebens, das aus Gott allein
besteht. Gott läßt sein Leben in jedes Organ und in seine Teile
fließen wie die Sonne ihre Wärme in den Baum und seine Teile

167
strahlt. Gott macht den Menschen glauben, er besitze dieses
Leben als das seinige, damit er nach den Gesetzen der
Ordnung - deren es ebenso viele gibt wie Gebote im Wort - wie
aus sich lebt und sich zur Aufnahme der Liebe Gottes bereitet.
(W. C. R. 504)

I. August
Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders
Auge, den Balken aber in deinem Auge gewahrst
du nicht? … Du Heuchler, zieh‘ zuerst den Balken
aus deinem Auge heraus, und dann magst du
zusehen, wie du den Splitter aus deines Bruders
Auge herausziehst. (Matth. 7, 3. 5)

Wer sich den Trieben der Selbst- und Weltliebe ergeben


hat, kann nicht glauben, daß er so unsauber und unrein sei,
wie er wirklich ist. Denn sie sind behaglich und angenehm,
streicheln, spenden Beifall, liebkosen und bewirken damit, daß
ein solches Leben geliebt, jedem anderen vorgezogen und für
gut gehalten wird. Denn alles, was der Liebe und somit dem
Leben eines Menschen schmeichelt, das hält er für gut. Daher
gibt auch die Vernunft ihr Einverständnis und spiegelt ihm
Falsches vor, das ihn in seinem Glauben bestärkt und so sehr
verblendet, daß er überhaupt nicht sehen kann, was himmli-
sche Liebe ist - und wenn er es sähe, so würde er in seinem
Herzen sagen, es sei etwas Jämmerliches oder Phantastisches
oder gar nichts, jedenfalls etwas, das sein Gemüt wie in krank-
haftem Zustand erhalte. Aber jeder, der mit seiner ihm gegebe-
nen Vernunft denken will, kann erkennen, daß ein Leben in
Selbst- und Weltliebe mit seinen Vergnügungen und
Lustgefühlen unsauber und unrein ist. Die Selbstliebe ist die
Quelle alles Bösen, das die Gesellschaft zerstört. Aus ihr ent-
springt wie aus einem verseuchten Brunnen aller Haß, alle

168
Rachsucht, Grausamkeit, ja aller Ehebruch. Denn wer sich
liebt, der verachtet, schmäht oder haßt alle anderen, sofern sie
ihm nicht dienen oder Ehre und Gunst erweisen.
(H.G. 2045)

2. August
Wo aber der Ungerechte zurückkehrt von allen sei-
nen Sünden, die er getan, und hält alle meine
Satzungen und tut Recht und Gerechtigkeit, der
soll gewißlich leben; er soll nicht sterben. All seiner
Übertretungen, die er getan, soll nicht mehr
gedacht werden, er soll leben in seiner
Gerechtigkeit, die er hat getan. Hab‘ ich Lust am
Tode des Ungerechten - spricht der Herr Jehovah -
und nicht an seiner Rückkehr von seinen Wegen,
daß er lebe? (Ez. 18, 21 - 23)

Das himmlische Eigene entsteht aus dem neuen Willen, der


vom Herrn geschenkt wird, und unterscheidet sich vom Eige-
nen des Menschen darin, daß man dann nicht mehr bei allem
und jedem, was man tut, lernt und lehrt, sich selbst als Ziel im
Auge hat, sondern den Nächsten, das öffentliche Wohl, die
Kirche, das Reich des Herrn und so den Herrn selbst. Die
Lebensziele sind es, die geändert werden. Der Blick auf das
Niedrige, auf die Welt und sich selbst, wird durch höhere
Rücksichten ersetzt. Die Lebensziele sind eigentlich das Leben
des Menschen selbst, denn sie repräsentieren seinen Willen
und seine Triebe. Denn was der Mensch liebt, das will er und
setzt es sich zum Ziel. Wem das himmlische Eigene geschenkt
wird, der hat Ruhe und Frieden, weil er dem Herrn vertraut
und gewiß ist, daß ihn fortan nichts Böses antastet und keine
Begierden anfechten. Außerdem genießt er Freiheit; denn vom
Herrn geleitet werden, ist Freiheit. (H.G. 5660)

169
3. August
Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir ver-
geben unseren Schuldnern. (Matth. 6, 12)

Soweit wie das Böse entfernt wird, wird es auch vergeben.


Es ist ein Irrtum des Jahrhunderts, daß man glaubt, das Böse
werde vom Menschen getrennt, ja völlig beseitigt, wenn es
vergeben ist, und der Lebenszustand des Menschen könne
augenblicklich um 180 Grad gedreht und er aus einem der
Hölle verfallenen Bösen in einen für den Himmel bestimm-
ten Guten verwandelt und sogleich in den Himmel versetzt
werden; und verantwortlich für diese Umkrempelung sei die
unmittelbare Barmherzigkeit des Herrn. Wer so etwas glaubt,
weiß nicht, was gut und was böse ist, und hat keine Ahnung
vom Zustand des Menschen. Ihm ist unbekannt, daß die
Willensneigungen lediglich Veränderungen oder Variationen
im Zustand der rein organischen Substanzen des Gemüts
und die Gedanken Veränderungen und Abwandlungen
innerhalb der Substanzen des Verstandes sind, das
Gedächtnis jedoch eine Auflistung dieser Veränderungen ent-
hält. Hat man das erkannt, so kann man mit aller
Deutlichkeit sehen, daß sich Böses nur allmählich entfernen
läßt und die Vergebung des Bösen nicht zugleich dessen
Beseitigung ist. … Aus dem Himmel wurde ich unterrichtet,
daß alles Böse, in das der Mensch hineingeboren wird, nicht
von ihm abgetrennt, sondern nur soweit an den Rand
geschoben werde, bis es nicht mehr zu erkennen ist. Vorher
teilte auch ich die Meinung der Mehrheit, daß das Böse im
Moment der Vergebung getilgt und beseitigt werde wie
Schmutz, der mit Wasser vom Angesicht abgewaschen wird.
Aber für Böses und Sünden gilt das nicht; sie bleiben und
werden, sobald sie nach der Buße vergeben sind, aus der
Mitte an den Rand verschoben. Dann erscheint die Mitte, auf

170
die der erste Blick fällt, gewissermaßen im Tageslicht,
während alles, was auf die Seiten geschafft wurde, im
Schatten oder gar in nächtlicher Finsternis liegt. … Es besteht
also für den Menschen die Gefahr, in sein Böses, das er für
beseitigt hält, zurückzufallen. (G.V. 279)

4. August
Und es entbrannte der Zorn Jehovahs wider Israel
und er sprach: Dieweil diese Völkerschaft meinen
Bund übertreten, den ich ihren Vätern geboten,
und nicht auf meine Stimme gehört hat, so werde
ich keinen Mann mehr von ihnen austreiben von
den Völkerschaften (Kanaans), die Joschua gelas-
sen, da er starb, auf daß ich Israel durch sie versu-
che, ob sie den Weg Jehovahs halten und darauf
wandeln, wie ihre Väter daran hielten - oder nicht.
(Ri. 2, 20 f.)

Wieviel die Versuchungen oder die Kämpfe gegen sie


bewirken, weiß kaum jemand. Durch die Versuchungen wird
das Böse und Falsche entlarvt und beseitigt und ein Abscheu
dagegen entwickelt. Der Mensch erhält nicht nur ein
Gewissen, er empfängt auch Kraft und wird auf diese Art wie-
dergeboren. Aus diesem Grund sind die Kämpfe nötig und
müssen Versuchungen bestanden werden. Wer diese Phase
nicht im irdischen Leben durchmacht, muß sie im anderen
Leben nachholen, sofern er überhaupt soweit gekommen ist,
daß er wiedergeboren werden kann. Daher wird die Kirche des
Herrn eine “kämpfende Kirche“ genannt. Nur der Herr allein
hat aus eigenen Kräften oder aus eigener Macht die grausam-
sten Versuchungen bestanden; er wurde von allen Höllen ange-
fallen, überwand sie jedoch fortwährend. (H.G. 1692)

171
5. August
Und von Elim brachen sie auf, und die ganze
Gemeinde der Söhne Israels kam nach der Wüste
Sin … .Und es murrte die ganze Gemeinde der
Söhne Israels wider Mose und Aharon in der Wüste
und sagten zu ihnen: Wären wir doch durch die
Hand Jehovahs im Lande Ägypten gestorben, wo
wir beim Fleischtopf saßen, wo wir Brot aßen, bis
wir satt waren; denn ihr habt uns in diese Wüste
herausgeführt, um diese ganze Versammlung
Hungers sterben zu lassen. (2. Mose 16, 1 - 3)

„Und es murrte die ganze Versammlung der Söhne Israels“


illustriert die Betrübnis und die Klage über das Gewicht der
Versuchung. … Niemand kann ohne Versuchung wiedergebo-
ren werden, und es folgen viele Versuchungen aufeinander,
weil die Wiedergeburt den Zweck hat, das Leben des alten
Menschen sterben und ein neues, himmlisches Leben
einfließen zu lassen. Kampf ist daher notwendig, denn das
Leben des alten Menschen leistet Widerstand und will sich
nicht zerstören lassen, das Leben des neuen Menschen aber
findet keinen Zugang, bevor das erledigt ist. Der Kampf ent-
brennt daher von beiden Seiten, und zwar heftig, weil es sich
um das Leben handelt. (H. G. 8403)

6. August
Selig der, dem Übertretungen verziehen sind, dem
die Sünde ist bedeckt. Selig der Mensch, dem
Jehovah die Missetat nicht zurechnet und in des-
sen Geist kein Trug ist … deine Hand war bei Tag
und bei Nacht schwer auf mir, vertrocknet war
mein Lebenssaft wie durch Gluten des Sommers.

172
Da bekannte ich dir meine Sünde und bedeckte
nicht meine Missetat. Ich sprach: ich will Jehovah
meine Übertretungen bekennen, und du verziehest
die Missetat meiner Sünde. Darum soll zu Dir beten
jeder Heilige zur Zeit der Drangsal.
(Ps. 32, 1 f. 4 - 6)

Buße allein durch den Mund, jedoch nicht zugleich durch


das Leben bewiesen ist keine Buße. Auf ein Lippenbekenntnis
hin werden die Sünden nicht vergeben, es braucht dazu schon
die Buße im täglichen Leben. Zwar werden dem Menschen die
Sünden vom Herrn fortwährend vergeben - denn er ist die
Barmherzigkeit selbst - sie hängen dem Menschen jedoch an,
wie fest er auch glauben mag, sie seien vergeben. Nur durch ein
Leben nach den Geboten des wahren Glaubens können sie
beseitigt werden. Bekennt sich der Mensch zu einem solchen
Leben, werden sie nach und nach entfernt und damit auch ver-
geben. (N.J. 165)

7. August
Seid ihr willig und hört, sollt ihr essen das Gute des
Landes. Weigert ihr euch aber und seid widerspen-
stig, werdet ihr vom Schwert gefressen, denn der
Mund Jehovahs hat‘s geredet. (Jes. 1, 19 f.)

Die Umbildung geschieht in einer bestimmten Reihenfolge:


Zuerst muß der Mensch die Lehre vom Wahren und Guten
kennenlernen und in sich aufnehmen, damit seine Vernunft
erleuchtet wird. Vor allem muß er lernen, daß Gott nur Einer
und daß er der Gott Himmels und der Erde ist, daß es einen
Himmel, eine Hölle und ein Leben nach dem Tod gibt und daß
das Wort heilig ist. Sodann muß er erfahen, was böse und
Sünde ist, zunächst aus dem Dekalog, später aus dem ganzen

173
Wort. Dabei muß er begreifen, daß die Sünden sich gegen Gott
richten und deshalb den Menschen vom Himmel entfernen
und schließlich völlig von ihm trennen, ihn verdammen und
zur Hölle verurteilen. Die Umbildung beginnt damit, von dem
Trieb zur Sünde zu widerstehen, sie zu fliehen und zuletzt einen
Abscheu zu entwickeln. Um aber all das verwirklichen zu kön-
nen, muß er den Herrn um seinen Beistand bitten. Er muß das
Böse fliehen, weil es dem Wort und damit dem Himmel entge-
gen steht. … Je weiter ihm das gelingt, während er seine
Gedanken auf den Himmel, sein Seelenheil und das ewige
Leben richtet, desto enger wird er vom Herrn an Kindesstatt
angenommen und mit dem Himmel verbunden. Parallel dazu
wird ihm eine geistige Neigung verliehen, die darin besteht, daß
er die Wahrheiten nicht nur wissen, sondern sie auch lieben
und ihnen gemäß leben will. So wird der Mensch vom Herrn
umgebildet, und mit fortschreitender Kenntnis der Wahrheiten
und entsprechender Unterordnung entwickelt er sich zu einem
neuen, d.h. wiedergeborenen Menschen, der ein Engel des
Himmels wird und auch himmlische Triebe und himmlisches
Leben empfängt. (Erkl. Offb. 837)

8. August
Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest.
Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk
tun, aber der siebente Tag ist ein Sabbat Jehovah,
deinem Gotte. … Denn in sechs Tagen hat
Jehovah den Himmel und die Erde gemacht, das
Meer und alles, was darinnen ist, und geruht am
siebenten Tage; darum segnete Jehovah den
Sabbattag und heiligte ihn. (2. Mose 20, 8 - 11)

„Sechs Tage sollst du arbeiten“ beschreibt den ersten


Zustand der Wiedergeburt des Menschen und im höchsten

174
Sinn die Verherrlichung des Menschlichen des Herrn. …
Dieser Zustand (der Wiedergeburt des Menschen) tritt ein,
wenn der Mensch die Wahrheiten erkannt hat und sich durch
die Wahrheiten zum Guten führen läßt, indem er Kämpfe aus-
ficht. … „Aber der siebente Tag ist ein Sabbat Jehovah, deinem
Gotte“ bezieht sich auf den zweiten Zustand der Wiedergeburt,
wenn er in Verbindung mit dem Herrn tritt. Im höchsten Sinne
aber bedeutet er die Vereinigung des Menschlichen des Herrn
mit dem Göttlichen. … Der zweite Zustand der Wiedergeburt
besteht darin, daß der Mensch sich vom Guten leiten läßt und
damit vom Herrn geführt wird. … Als der Herr auf der Erde
weilte, verwandelte er zuerst sein Menschliches in Göttlich-
Wahres, als er sich aber verabschiedete, machte er es zum
Göttlich-Guten durch die Vereinigung mit dem göttlichen
Selbst, das in ihm war. … Das Gleiche tut der Herr mit dem
Menschen, den er wiedergebiert. Zuerst erfüllt er ihn mit
Wahrheiten und verbindet ihn durch diese anschließend mit
dem Guten, also mit sich selbst. Dies wird durch den Sabbat
dargestellt, denn die Wiedergeburt des Menschen ist ein Bild
der Verherrlichung des Herrn. (H.G. 10729 f.)

9. August
Und als sie am Morgen vorübergingen, sahen sie
den Feigenbaum bis zu den Wurzeln verdorrt. Da
erinnerte sich Petrus und sagte zu ihm: Rabbi,
siehe, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist
verdorrt. Und Jesus antwortete und sprach zu
ihnen: Habet Glauben an Gott! (Mark. 11, 20 - 22)

Jehovah Gott oder der Herr zürnt nicht, führt nicht in


Versuchung, straft nicht und verflucht schon gar nicht, nur die
höllische Rotte tut solches. Aus der Quelle der Barmherzigkeit,
des Friedens und der Güte kann es niemals entspringen. Wenn

175
aber … hin und wieder im Wort gesagt wird, Jehovah Gott
wende nicht nur das Angesicht ab, zürne, strafe und versuche,
sondern töte, ja verfluche sogar, so geschieht es, damit klarge-
stellt ist, daß der Herr alles regiert. Denn er ordnet jede
Kleinigkeit im Weltall, selbst das Böse, die Strafen und die
Versuchungen; und wer sich mit dieser Vorstellung einmal ver-
traut gemacht hat, soll auch lernen, wie er regiert und ordnet,
und daß er das Böse der Strafe und der Versuchung zum Guten
wendet. Die Ordnung des Lehrens und Lernens im Wort geht
von den allgemeinen Dingen aus. Daher ist der
Buchstabensinn voll davon. (H.G. 245)

10. August
Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade
genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen
mächtig. Darum will ich mich am liebsten rühmen
der Schwachheiten, auf daß Christi Kraft in mir
wohne. Deshalb bin ich guten Muts in
Schwachheiten, in Schmach, in Nöten, in
Verfolgungen, in Bedrängnissen um Christi willen;
denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
(2. Kor. 12, 9 f.)

Wer zwar in der Wissenschaft der Erkenntnisse versiert ist,


aber nicht ein Leben der tätigen Liebe führt, kann nicht wissen,
daß es ein anderes Glück gibt als das, das dem Vorrang ent-
springt. Weil dieses Gefühl als einziges sein Gemüt erfüllt und
das A und O seines Lebens darstellt, kennt er das himmlische
Glück ganz und gar nicht, das der Erniedrigung und der
Neigung, anderen zu dienen, entspringt, d.h. die Freude der
Liebe zum Herrn und der tätigen Liebe und die daraus
erwachsende Glückseligkeit. Deshalb hat der Herr seiner
Schwachheit angemessen geredet, damit er angeregt und

176
sowohl zum Lernen als auch zum Tun des Guten geleitet wer-
den kann. Dennoch aber lehrt der Herr, was Größe und Rang
im Himmel ist, wie z. B. Lukas 9, Vers 48 (vergl. unter dem 11.
8.) Dies und anderes sind Scheinbarkeiten des Wahren im
niedrigen Grad. Der Mensch wird „groß, hoch, angesehen,
mächtig und Gebieter“ im relativen Sinn; denn ein einziger
von den Engeln ist mächtiger als viele tausend höllische
Geister, jedoch nicht aus sich, sondern mit der Kraft des Herrn,
und zwar soweit, wie er überzeugt ist, er könne von sich aus
nichts, er sei also der Kleinste, und wie er demütig bereit ist,
anderen zu dienen. (H.G. 3417)

11. August
Der, so der Kleinste ist unter euch allen, der wird
groß sein. (Luk. 9, 48)

Wer in den Lehren beschlagen, aber nicht geneigt ist, sie ins
Leben umzusetzen, glaubt, das Himmelreich gleiche den irdi-
schen Staaten soweit, daß er dort groß werde und anderen
gebieten dürfe. Dieser Vorstellung entsprechend hat sich der
Herr im Wort ausgedrückt, z.B. bei Matthäus: „Wer es tut und
lehrt, der wird groß heißen im Reich der Himmel.“ … Damals
wußte kein Mensch, daß himmlisches Glück nicht die Freude
an Größe und Rang ist, an der Erniedrigung und dem
Bestreben, anderen zu dienen, nicht der Größte, sondern der
Kleinste sein zu wollen, wie der Herr bei Lukas lehrt.
(H.G. 3417)

12. August
Von den Pharisäern aber befragt: Wann kommt das
Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das
Reich Gottes kommt nicht augenfällig. Man wird

177
auch nicht sagen: Siehe, hier! oder siehe, dort!
denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch!
(Luk. 17, 20 f.)

Im irdischen Leben denken die Menschen in Räumen und


stellen sich vor, die Hölle und der Himmel seien vom
Menschen weit entfernt. In Wirklichkeit befinden sie sich nahe
beim Menschen, ja in ihm drin, die Hölle in bösen, der
Himmel in guten Menschen. Ein jeder kommt nach dem Tod
dahin, wo er schon in der Welt gewesen ist, in die Hölle oder in
den Himmel. Doch dann verändert sich der Zustand: die
Hölle, die in der Welt nicht wahrgenommen wurde, wird jetzt
spür- und sichtbar, genau wie der Himmel, dieser überfließend
von Glückseligkeit, jene voll von Jammer. Daß der Himmel in
uns ist, lehrt der Herr bei Lukas. (H.G. 8918)

13. August
Nichts ist verborgen, das nicht offenbar werden
wird, und nichts ist heimlich, das nicht bekannt
wird und an’s Offenbare kommt. So sehet nun zu,
wie ihr höret; denn wer da hat, dem wird gegeben
werden, und wer da nicht hat, dem wird auch das,
was er zu haben meint, weggenommen werden.
(Luk. 8, 17 f.)

Alles, was ein Mensch hört und sieht und wovon er ange-
regt wird, Gedanken und ihre Ziele, nimmt der Mensch
unbewußt in sich auf; nichts davon geht verloren, wenn es
auch im äußeren Gedächtnis langsam verblaßt. Im inneren
Gedächtnis haftet jede Einzelheit, die ein Mensch je gedacht,
geredet und getan hat, ja was ihm nur schattenhaft vorge-
schwebt ist, von Kindheit an bis ins hohe Greisenalter, bis zu
seinem letzten Augenblick. Das alles bringt der Mensch mit,

178
wenn er ins andere Leben kommt, und allmählich wird es ihm
wieder bewußt gemacht. Diese Sammlung von Erinnerungen
heißt das Buch des Lebens, das im anderen Leben geöffnet und
auf Grund dessen er gerichtet wird. Für den Menschen ist das
kaum vorstellbar, dennoch aber ist es Tatsache. Alle seine Ziele,
die ihm selbst oft genug nicht klar geworden sind, seine
Gedanken und alle Worte und Taten, die daraus entsprungen
sind, werden bis in die kleinste Einzelheit in jenem Buch, d.h.
im inneren Gedächtnis, festgehalten und liegen, so oft es der
Herr gestattet, den Engeln offen da. (H.G. 2474)

14. August
Und der Engel des Herrn rief Abraham abermals zu
vom Himmel her und sprach: ich schwöre bei mir
selbst, spricht der Herr: weil du das getan und dei-
nen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten
hast, darum will ich dich segnen und deinen
Samen mehren, wie die Sterne der Himmel und
wie den Sand am Ufer des Meeres, und dein Same
soll das Tor seiner Feinde erblich besitzen.
(1. Mose 22, 15 - 17)

„Und dein Same soll das Tor seiner Feinde erblich besit-
zen“ bedeutet: Tätige Liebe und Glaube werden an die Stelle
treten, wo früher das Böse und Falsche geherrscht hat. Erben
heißt nämlich das Leben des Herrn empfangen. … Der Same
steht für die tätige Liebe und den Glauben. … Die Feinde stel-
len Böses und Falsches dar. … Nun zur Bedeutung des Tores:
Es gibt im Menschen gewöhnlich zwei Tore; das eine führt zur
Hölle und ihrem Bösen und Falschen. Durch dieses Tor dro-
hen die höllischen Genien und Geister. Das andere führt zum
Himmel und seinem Guten und Wahren. Dort erscheinen die
Engel. … Das Höllentor ist offen bei denen, die sich vom

179
Bösen und Falschen beherrschen lassen; nur durch Ritzen
strahlt von oben etwas Himmelslicht herein, damit wenigstens
eine Möglichkeit erhalten bleibt, zu denken und Schlüsse zu
ziehen. Das Himmelstor aber ist bei denen offen, die gut und
wahr sind. Zwei Wege führen in das Gemüt des Menschen: ein
oberer (oder innerer), über den er das Gute und Wahre vom
Herrn empfängt, und ein unterer (oder äußerlicher), auf dem
ihm das Böse und Falsche aus der Hölle begegnet. Das Gemüt
selbst befindet sich im Zentrum, auf das die Wege hinzielen. Es
wird wegen des Guten und Wahren darin im Wort mit einer
Stadt verglichen und deshalb auch so genannt. … Aus diesem
Bild stammt der Begriff der Tore, deren Belagerung durch böse
Geister und Genien und deren Verteidigung durch Engel des
Herrn – eigentlich durch den Herrn selbst – hin und wieder
beschrieben wird. (H.G. 2851)

15. August
Und Jehovah Gott machte dem Menschen und sei-
ner Gattin Röcke von Fell und kleidete sie.
(1. Mose 3, 21)

Gemeint ist damit, der Herr habe sie mit dem geistigen
und natürlichen Guten ausgerüstet, was durch „machen“ und
„kleiden“ ausgedrückt wird. Das geistige und natürliche Gute
wird durch den Rock von Fell dargestellt. Aus dem Buch-
staben können diese Bedeutungen nicht herausgelesen wer-
den, daß aber tiefere Geheimnisse darin liegen müssen, ist
offensichtlich, denn Jehovah Gott hat den beiden sicher nicht
Röcke von Fell gemacht. Daß nun also das geistige und natür-
liche Gute gemeint ist, kann man nur aus dem geoffenbarten
inneren Sinn und auch aus ähnlichen Stellen im Wort (z.B. Ez.
16, 10) erfahren. Hier heißt es ganz allgemein Fell. Zu ergän-
zen ist: eines Bockes, Schafes oder Widders, die im Wort

180
Antriebe zum Guten, zur tätigen Liebe und Zugehöriges dar-
stellen. Eine ähnliche Bedeutung haben die Schafe bei den
Opfern: Schafe werden alle die genannt, die mit dem Guten
der tätigen Liebe, d.h. mit dem geistigen und natürlichen
Guten begabt sind. Daher nennt sich der Herr der Hirt der
Schafe … . Daß sie mit einem Rock von Fell bekleidet worden
seien, geht darauf zurück, daß die Uralten der Unschuld
wegen Nackte hießen und daß nachher - als die Unschuld ver-
loren gegangen war - von Adam und Eva gesagt wird, sie hät-
ten wahrgenommen, daß sie böse seien (vergl. Vers 7 der
Sündenfall-Geschichte). (H.G. 292 - 295)

16. August
Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und
das Ende, der Erste und der Letzte, spricht der
Herr. (Offb. Joh. 1, 8)

Der Herr heißt das Alpha und Omega, weil diese beiden
Buchstaben das griechische Alphabet einschließen. Sie bedeu-
ten daher alles als Gesamtheit. Jeder Buchstabe symbolisiert in
der geistigen Welt irgendeine Sache, und zwar die klingenden
Vokale etwas, das die Neigung oder die Liebe betrifft. Die
Sprache der Geister und Engel wie auch ihre Schrift entspringt
diesem Umstand, nur weiß das bisher niemand. Der Herr
heißt das Alpha und Omega, weil durch ihn der Himmel und
die Kirche bestehen. (Enth. Offb. 29)

17. August
Lot hob seine Augen auf und sah den ganzen
Umkreis, daß dieser ganz vom Jordan bewässert
war. Ehe Jehovah Sodom und Gomorrah verderb-
te, war das Land wie ein Garten Jehovahs, wie

181
Ägypten, wo man nach Zorar kommt. Und Lot
erwählte den ganzen Umkreis des Jordans für sich.
(1. Mose 13, 10 f.)

„Wie ein Garten Jehovahs“ bedeutet die Vernunft. Der


Garten Jehovahs stellt die Einsicht dar, die den inneren mit
dem äußeren Menschen verbindet. … Sie wird ein Garten
Jehovahs genannt, wenn die Vernunft himmlisch ist, d.h. aus
dem Himmel gespeist wird, wie dies bei der Urkirche der Fall
war (vgl. Jes. 51, 3). Ein Garten Gottes wird sie genannt, wenn
sie geistig ist, d.h. aus geistigen Quellen gespeist wird wie in der
Alten Kirche (vgl. Ez. 28, 12. 13). Mit einem Garten wird die
Vernunft des Menschen auf Grund der sich im Himmel dar-
stellenden Symbolik verglichen. Wenn sich die Vernunft des
Menschen dem geistig Himmlischen des Herrn öffnet,
erscheint sie als Paradies, das alle Vorstellungen der menschli-
chen Einbildungskraft an Pracht und Schönheit übersteigt.
(H. G. 1588)

18. August
Menschensohn, hebe ein Klagelied an über den
König von Tyrus und sprich zu ihm: So spricht der
Herr Jehovah: du warst das Urbildliche Siegel, voll
Weisheit und von vollendeter Schönheit. In Eden,
dem Garten Gottes warst du, jeglicher kostbare
Stein war deine Bedeckung: Karneol, Topas und
Jaspis, Chrysolith, Soham und Onyx, Rubin und
Smaragd und Gold, das Werk deiner Pauken und
Pfeifen war in dir; am Tage da du geschaffen warst,
wurden sie bereitet. (Ez. 28, 12 f.)

Wer die göttlichen Wahrheiten und das Wort aus innerer


Neigung zur Wahrheit geliebt hatte, wohnt im anderen Leben

182
im Licht auf erhabenen Orten, die wie Berge erscheinen, und
ist hier ununterbrochen im Lichte des Himmels. … Auch lebt
er in Frühlingswärme. Sein Blick fällt auf Äcker, Ernten und
Weinberge; in seinem Haus glänzt alles wie von Edelsteinen;
durch die Fenster schaut er wie durch reinen Kristall. Er emp-
findet das zunächst als angenehmen Reiz des Gesichtssinnes,
aber auf Grund der Entsprechung mit Himmlisch-Göttlichem
ergreift das Wohlgefühl auch sein Inneres. Denn die
Wahrheiten aus dem Wort, die er geliebt hatte, entsprechen
den Ernten, Weinbergen, Edelsteinen, Fenstern und Kristallen.
… Wer die Wissenschaften geliebt und durch sie seine
Vernunft ausgebildet hat, wer sich dadurch Einsicht erworben
und zugleich die göttliche Kraft anerkannt hat, dem erwächst
im anderen Leben aus dieser Liebe und Freude ein geistiges
Glücksgefühl: das der Erkenntnisse des Guten und Wahren.
(H.u. H. 489)

19. August
Ein unbarmherzig Gericht ergeht über den, der
nicht Barmherzigkeit geübt hat, und
Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht.
Denn was hilft es einem, meine Brüder, so er sagt,
er habe Glauben, und hat doch keine Werke; kann
der Glaube ihn selig machen? (Br. Jak. 2, 13 f.)

Der Glaube ist der Beginn im Hinblick auf die Zeit, die
tätige Liebe hingegen ist es im Hinblick auf das Ziel. Und das
hat in Wirklichkeit Vorrang, weil es das Wertvollere ist. …
Damit dies verständlich wird, soll es durch Vergleiche erläutert
werden, … z.B. bei der Errichtung eines Hauses: zeitlich gese-
hen wird damit begonnen, den Rohbau aufzuführen und ihn
mit den mancherlei Installationen zu versehen. Das Ziel aber
ist der bequeme Aufenthalt für die künftigen Bewohner. …

183
Der Glaube verdient seinen Namen nicht, bevor seine
Wahrheiten gewollt und getan werden. (W.C.R. 336)

20. August
Rette mich, o Gott; denn bis an die Seele kommen
mir die Wasser! Versunken bin ich im Schlamm des
Schlundes, und es ist kein Stehen. Ich bin in die
Tiefen des Wassers gekommen und die Flut strö-
met über mich. Müde bin ich von meinem Rufen,
meine Kehle ist heiser, meine Augen sind verzehrt
vom Warten auf meinen Gott … Sie gaben mir
Galle zu trinken und tränkten für meinen Durst
mich mit Essig.
(Ps. 69, 2 - 4. 22; vgl. Matth. 27, 34. 38 f.)

Im geistigen Sinn bedeutet Bitternis, wie die des Essigs


und der Galle, die mit dem Falschen des Bösen vermischten
Wahrheiten. Denn der Geschmack und das Schmecken ste-
hen für die Neigung, zu wissen und weise zu sein. … Was
immer bei den Evangelisten über das Leiden des Herrn
erwähnt wird, stellt im geistigen Sinn den damaligen
Zustand der Kirche in Hinsicht auf den Herrn und das Wort
dar; denn der Herr war das Wort, nämlich das Göttlich-
Wahre, und die Juden haben den Herrn ebenso behandelt,
wie sie mit dem Wort oder dem Göttlich-Wahren umgegan-
gen sind. Daß sie dem Herrn Essig mit Galle vermischt ange-
boten haben, der auch Myrrhenwein genannt wird,
beschreibt, wie die göttlichen Wahrheiten aus dem Wort bei
den Juden ausgesehen haben: mit den Falschheiten des
Bösen vermischt und völlig verdreht und geschändet. Daher
heißt es: „Als er es kostete, wollte er nicht trinken“.
(Erkl. Offb. 519)

184
21. August
Als Abraham neunundneunzig Jahre alt war,
erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: ich bin
der allmächtige Gott, wandle vor mir, dann wirst du
untadelig sein. … Und ich richte meinen Bund auf
zwischen mir und dir und zwischen deinem Samen
nach dir von Geschlecht zu Geschlecht als einen
ewigen Bund, daß ich dein und deiner
Nachkommen Gott sei. Und ich gebe dir und dei-
nem Samen nach dir das Land deiner
Wanderungen, das ganze Land Kanaan, zum ewi-
gen Eigentum, und ich will ihnen Gott sein.
(1. Mose 17, 1. 7 f.)

„Deinem Samen nach dir“ heißt, er werde es denen geben,


die an ihn glaubten. Der Same stellt den Glauben dar, und zwar
den der tätigen Liebe. Diesen haben diejenigen nicht (und sind
somit nicht der hier verstandene Same), die auf ihren Taten ein
Verdienst begründen; denn sie wollen nicht aus der
Gerechtigkeit des Herrn, sondern auf Grund ihrer eigenen
selig werden. Darin steckt aber kein Glaube der tätigen Liebe,
d.h. keine tätige Liebe selbst, weil sie sich selbst anderen vor-
ziehen und nur sich selbst im Auge haben, ausgenommen jene,
die ihnen dienen. Die übrigen aber, die dazu nicht bereit sind,
verachten oder hassen sie. (H.G. 2027)
22. August
Zur selben Stunde kamen die Jünger zu Jesus und
sagten: Wer ist wohl der Größte im Reiche der
Himmel? Und Jesus rief ein Kindlein zu sich und
stellte es in ihre Mitte und sprach: Wenn ihr nicht
umkehret und werdet wie die Kindlein, so werdet
ihr nicht in das Reich der Himmel kommen. Wer

185
nun sich selbst erniedrigt, wie dieses Kindlein, der
ist der Größte im Reich der Himmel.
(Matth. 18, 1 - 4)

Ich sprach mit Geistern, die meinten, der Himmel und


die himmlische Freude bestünden darin, die Größten zu
sein. Daraufhin wurde ihnen gesagt: im Himmel ist der
Größte, wer der Kleinste ist; denn wer der Kleinste sein will,
hat die größte Seligkeit. … Was heißt denn der Größte zu
sein anderes, als sich für den Glücklichsten zu halten?
Danach streben ja auch die Mächtigen durch ihre Kraft und
die Reichen durch ihr Geld. Weiter mußten sie vernehmen,
der Himmel bestehe nicht darin, daß man begehre, der
Kleinste zu sein, mit dem Ziel, der Größte zu werden, denn
das liefe ja auf dasselbe hinaus, sondern darin, daß man von
Herzen Anderen mehr wohl wolle als sich selbst und ihnen
diene um ihrer Seligkeit willen, und zwar aus Liebe.
(H.G. 452)

23. August
Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein
Gott, dir geben wird, so sollst du dich nicht an die
Greuel jener Völker gewöhnen. Es soll in deiner
Mitte keiner gefunden werden, der seinen Sohn
oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt, kein
Wahrsager, Zeichendeuter, Schlangenbeschwörer
oder Zauberer, kein Bannsprecher oder Geister-
beschwörer, keiner, der Wahrsagegeister befragt
oder sich an die Toten wendet. Denn ein Greuel ist
dem Herrn ein jeder, der solches tut. … Einen
Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott,
erstehen lassen aus der Mitte deiner Brüder - auf
den sollt ihr hören! (5. Mose 18, 9 -12. 15)

186
Unter den Wahrsagern, Zeichendeutern, Zauberern und
den anderen, die im Text genannt sind, werden im inneren
Sinn Menschen verstanden, die Wahres und Gutes der Kirche
durch verkehrt angewandte Kenntnisse zerstören. Das sind
Leute, die aus eigener Einsicht und durch Falschheiten aus
dem Bösen der Selbst- und Weltliebe, also aus der Gier nach
Gewinn und Ehre, lernen und lehren, nicht aber aus der
Neigung zum Wahren des Glaubens und Guten des Lebens.
Weil jede falsche Lehre und jedes böse Leben aus dieser Gier
stammen, wird ein Prophet vorhergesagt, der kommen und
(anders) lehren werde. In der Kirche ist bekannt, daß dieser
Prophet der Herr ist, und auch die Juden und Heiden zu jener
Zeit wußten es. … Vom Herrn aber wird man gelehrt, wenn
man nicht um des eigenen Ichs und der Welt, sondern um des
Guten und Wahren selbst willen das Wort liest; denn dann
wird man erleuchtet. Geschieht es aber um des eigenen Ichs
und der Welt willen, wird man verblendet. (H.G. 9188)

24. August
Es werden kommen vom Aufgang und Niedergang
und von Mitternacht und Mittag und werden im
Reiche Gottes zu Tische liegen. Und siehe, es sind
letzte, die erste sein werden, und sind erste, die
letzte sein werden. (Luk. 13, 29 f.)

Zu den Geheimnissen des Himmels gehört, daß der


Engelhimmel vor dem Herrn wie ein Mensch erscheint, des-
sen Seele und Leben der Herr ist, und daß dieser göttliche
Mensch seiner ganzen Struktur nach Mensch ist, nicht nur
hinsichtlich der äußeren Glieder, sondern auch der inneren
Organe, die ja viel zahlreicher sind, und auch was Häute,
Membranen, Knorpel und Knochen anbelangt. Sämtliche
Körperteile jenes Menschen sind jedoch nicht materiell, son-

187
dern geistig. Es ist vom Herrn vorgesehen worden, daß auch
Menschen, denen nicht das Evangelium, sondern nur eine
Religion bekannt geworden ist, einen Platz in jenem göttli-
chen Organismus, d.h. im Himmel finden können. Sie bilden
jeweilen die Dinge der letztgenannten Gruppe und können so
gut wie andere die himmlischen Freuden genießen. Es kommt
nämlich nicht darauf an, daß sie der Seligkeiten des höchsten
oder letzten Himmels teilhaftig werden, weil jeder, der über-
haupt in den Himmel kommt, mit Wohlgefühlen begabt wird,
die so intensiv sind, wie er sie in seinem Herzen ertragen
kann. Mehr hielte er gar nicht aus, sondern würde darin
ersticken. Wir können das mit dem Unterschied zwischen
einem Bauern und einem König vergleichen: der Bauer kann
glücklich sein, wenn er in einem neuen Anzug aus grobem
Tuch einhergeht und Schweinefleisch, Käse, Bier und
Branntwein auf seinem Tisch hat. Er würde sich aber im
Herzen beengt fühlen, müßte er wie ein König sich mit
Purpur, Seide, Gold und Silber schmücken und an einen Tisch
voll Leckereien und köstlichen Speisen und edlen Weinen set-
zen. So kennen die letzten wie die ersten ihre himmlische
Glückseligkeit, jeder auf seiner Stufe, und selbstverständlich
auch die Menschen außerhalb der Christenheit, wenn sie nur
das Böse als Sünde wider Gott fliehen, wie es ihnen ihre
Religion gebietet. (G.V. 254)

25. August
Selig sind, die im Geiste arm sind, denn das
Himmelreich ist ihrer. … Selig sind, die da hungert
und dürstet nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt
werden. (Matth. 5, 3. 6)

Im Wort ist hin und wieder von Armen und Dürftigen


sowie auch von Hungrigen und Durstigen die Rede. Unter

188
Armen und Dürftigen sind Menschen zu verstehen, die der
Meinung sind, von sich aus nichts zu wissen, oder die tatsäch-
lich nichts wissen, weil sie das Wort nicht kennen. Die
Hungrigen und Durstigen hingegen sind Menschen, die
immerfort nach Wahrheiten verlangen, um dadurch zu wach-
sen. … Wer geistig arm ist, ist dennoch reich, (vergl. Offb. Joh.
2, 9); das beruht auf der geistigen Neigung zum Wahren, denn
durch diese gewinnt er Einsicht und Weisheit vom Herrn. Die
Neigung nimmt nämlich das für sie Passende auf und saugt es
auf wie ein Schwamm das Wasser. Bei der geistigen Neigung
zum Wahren betrifft das geistige Wahrheiten, oder die
Wahrheiten der Kirche aus dem Wort. Die geistige Neigung
zum Wahren stammt immer vom Herrn. Das beruht darauf,
daß der Herr selbst im Himmel und in der Kirche das
Göttlich-Wahre ist, das ja von ihm ausgeht. Der Herr strebt
danach, jede Seele zu sich zu führen und selig zu machen. Der
Weg dahin führt aber über die Erkenntnisse des Wahren und
Guten aus dem Wort. Darum liebt er es, diese dem Menschen
beizubringen und sie zur Sache seines Lebens zu machen.
(Erkl. Offb. 118)

26. August
Die Reden, die ich zu euch rede, sind Geist und
sind Leben. (Joh. 6, 63)

Ein Mensch, der nicht weiß, daß sich ein geistiger Sinn im
Wort befindet, wie die Seele im Körper, kann das Wort nur
nach dem Buchstabensinn beurteilen. Dieser enthält jedoch
nur wie ein Schatzkästlein die eigentlichen Kostbarkeiten,
also den geistigen Sinn. Kennt man diesen nicht, so wird man
der göttlichen Heiligkeit des Wortes ähnlich gegenüberstehen
wie einem Edelstein, den man nur nach dessen Fassung beur-
teilt, weil er wie ein gewöhnlicher Stein aussieht. … Weiß

189
man das alles nicht, so ist es nicht verwunderlich, wenn jener
Behälter auch nur nach seinem Material geschätzt wird.
(W.C.R. 192)

27. August
Und es kam zu mir einer der sieben Engel, die die
sieben Schalen voll der sieben letzten Plagen hat-
ten, und redete mit mir und sagte: Komm, ich will
dir zeigen die Braut, des Lammes Weib. Und er ent-
rückte mich im Geist auf einen großen und hohen
Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige
Jerusalem, aus dem Himmel herabsteigen von
Gott … Und der Aufbau einer Mauer war aus Jaspis
und die Stadt reines Gold, ähnlich dem reinen
Glas. Und die Gründe der Mauer der Stadt waren
mit allerlei kostbarem Gestein geschmückt.
(Offb. Joh. 21, 9 f. 18 f.)

Unter den kostbaren Steinen werden die Wahrheiten des


Buchstabensinnes im Wort verstanden, aus denen die
Grundlagen des neuen Jerusalem bestanden. … Oben ist darauf
hingewiesen worden, daß es in der geistigen Welt genau so kost-
bare Steine gibt wie in der natürlichen und daß sie ihren geisti-
gen Ursprung aus den Wahrheiten im Buchstaben des Wortes
haben. Dies erscheint als wenig glaublich, ist aber Wahrheit.
Daher kommt, daß wo immer im Wort Edelsteine genannt wer-
den, unter ihnen im geistigen Sinne Wahrheiten verstanden wer-
den. Die kostbaren Steine, die die Grundlagen der Mauer um die
Stadt, das neue Jerusalem, bildeten, stellen die Lehrwahrheiten
einer neuen Kirche dar. Dies ergibt sich daraus, daß unter dem
neuen Jerusalem die neue Kirche hinsichtlich der Lehre aus dem
Wort zu verstehen ist, weil unter seiner Mauer und unter der
Grundlage der Mauer nichts anderes verstanden werden kann,

190
als das Äußere des Wortes, und dies ist der Buchstabensinn. Aus
ihm stammt die Lehre, und durch die Lehre die Kirche, und er
ist wie die Mauer mit den Grundlagen, die die Stadt einschließt
und schützt. (W.C.R. 217)

28. August
Und sollst allda einen Altar bauen Jehovah, dei-
nem Gott, einen Altar von Steinen, über die du kein
Eisen schwingen sollst. Von ganzen Steinen sollst
du den Altar Jehovahs, deines Gottes, bauen und
sollst Jehovah, deinem Gott, Brandopfer darauf
opfern. Und sollst Dankopfer opfern und allda
essen und fröhlich sein vor Jehovah, deinem Gott.
(5. Mose 27, 5 - 7)

Daß die Steine Wahres bedeuten, liegt daran, daß die


Uralten ihre Grenzen durch Steine kennzeichneten und daß sie
Steine aufrichteten zum Zeugnis, daß etwas gültig oder wahr
sei, wie man das vom Stein kennt, den Jakob als Säule setzte, …
und von der Säule aus Steinen zwischen Laban und Jakob …
und auch vom Altar, den die Söhne Rubens, Gads und
Manasses am Jordan zum Zeugnis aufbauten. … Seither wer-
den im Wort durch Steine Wahrheiten symbolisiert, nicht nur
durch die des Altars, sondern auch durch die Edelsteine auf
den Schultern des Ephods Aharons und auf dem Brustschild
des Gerichts. … Der Altar als Ganzes ist nun seit Beginn des
Opferdienstes ein Sinnbild für die Verehrung des Herrn, die
einzelnen Steine aber stellen die heiligen Wahrheiten dieses
Gottesdienstes dar. Daher mußte der Altar aus ganzen, unbe-
hauenen Steinen gebaut werden, und es war verboten, ein
Eisen über ihn zu schwingen, weil behauenen Steinen etwas
Künstliches anhaftet, was hier Zutaten zum Gottesdienst
bedeutete, d.h. Erfindungen, die aus den eigenen Gedanken

191
des Menschen stammten und den Gottesdienst entweiht hät-
ten. Aus demselben Grund durften die Steine des Tempels
nicht mit dem Eisen bearbeitet werden. (H.G. 1298)

29. August
Und wenn du mir einen Altar von Steinen machst,
so baue ihn nicht mit behauenen; denn so du deine
Eisen darüber schwingst, entweihst du ihn.
(2. Mose 20, 22)

Mit deinem Meißel (den der Steinmetz „Eisen“ nennt)


darüber fahren, heißt, aus dem Eigenen (etwas hinzufügen).
Der Meißel ist ein Sinnbild für erfundenes Wahres, also eige-
ne Zutaten. Denn mit dem Meißel werden die Steine behau-
en und in eine Form gebracht. Er bedeutet hier das Eigene
des Menschen. Denn dieses richtet es ein, daß, was als
Religion gelten soll, in der Form des Wahren erscheint. Statt
Meißel heißt es an einigen Stellen Eisen und an andern Beil.
… „So wirst du ihn entweihen“ will sagen,der Gottesdienst
sei dann nicht mehr wahr. Entweihen bedeutet: bewirken,
daß kein Gottesdienst mehr stattfindet. Denn was der eige-
nen Einsicht entstammt, besitzt kein Leben und ist geistig
tot, da das Eigene des Menschen nur aus Bösem besteht.
Wenn darauf ein Gottesdienst aufgebaut wird, ist er nur ein
Götzendienst, ein Anbeten der Schnitz- und Gussbilder, in
denen kein Atem, d.h. kein Leben ist. Zum Gottesdienst
taugt nur, was aus dem Wort stammt, weil dieses das Leben
in sich hat. In den Einzelheiten des Wortes steckt nämlich
ein geistiger Sinn, der vom Reich des Herrn handelt, und im
Innern dieses Sinnes ist das Göttliche, weil das Wort im
innersten Sinne allein vom Herrn handelt. Hieraus stammt
die Heiligkeit und das Leben des Wortes und sonst nirgend-
woher. (H.G. 8942 f.)

192
30. August
Statt Erzes bring ich Gold, und statt Eisens bring
ich Silber, und statt des Holzes Erz und statt der
Steine Eisen, und ich will zu deiner Obrigkeit
Frieden setzen und zu deinen Frohnvögten
Gerechtigkeit. (Jes. 60, 17)

Die Angehörigen der ältesten Kirche setzten die menschli-


chen Eigenschaften in Beziehung zu Gold, Silber, Erz, Eisen,
Stein und Holz; das innerste Himmlische entsprach dem Gold,
das niedrigste Himmlische dem Erz, das Niedrigste oder
Körperliche dem Holz. Auf der andern Seite entsprach das
innerste Geistige dem Silber, das niedrigere Geistige dem Eisen,
das Niedrigste dem Stein. Wenn diese Materialien im Wort
erscheinen, sind sie immer in dieem Sinn zu verstehen. Bei
Jesajah ist die Rede vom Reich des Herrn, in dem es keine sol-
chen (materiellen) Metalle gibt. Es ist also von Himmlischem
und Geistigem die Rede; das geht auch daraus hervor, daß von
Frieden und Gerechtigkeit gesprochen wird. Hier entsprechen
sich Gold, Erz und Holz und sind, wie gesagt, Symbole für
Himmlisches oder Strebungen des Willens; auch gehören
Silber, Eisen und Stein zusammen und stehen für geistige oder
intellektuelle Neigungen. (H. G. 643)

31. August
Und der Zorn Jehovahs entbrannte an jenem Tage,
und er schwur und sprach: Nimmermehr sollen die
Männer, die von Ägypten heraufgezogen, vom
zwanzigsten Jahr und darüber, den Boden sehen,
den ich dem Abraham, dem Isaak und dem Jakob
zugeschworen; denn sie folgen mir nicht vollstän-
dig nach. (4. Mose 32, 10 f.)

193
Jedes Wort Jehovahs oder des Herrn ist ewige Wahrheit (vgl.
Matth. 24, 35); denn es entspringt dem eigentlichen Sein des
Wahren. Wenn er es aber mit einem Schwur gleichsam
bestätigt, wie hier und anderswo im Wort, so tut er es nicht, weil
er es glaubhafter machen will, sondern weil es zu Menschen
gesprochen ist, die das Göttlich-Wahre nur annehmen, wenn es
handfest bestätigt ist. Denn diese stellen sich den Herrn als
Menschen vor, der etwas behaupten, aber auch wieder ändern
kann, wie man öfters im Wort liest. Der innere Sinn sagt jedoch
etwas anderes. Jeder kann einsehen, daß der Herr niemals etwas
mit einem Schwur bekräftigt. Wenn aber das Göttlich-Wahre zu
einem Menschen der beschriebenen Sorte herabkommt, ver-
wandelt es sich in eine Art von Schwur. Das ist eine ähnliche
Erscheinung wie das verzehrende Feuer und der Rauch, die sich
auf dem Berg Sinai den Augen des Volkes zeigten, als der Herr
herabstieg. Seine himmlische Herrlichkeit, ja seine eigentliche
Barmherzigkeit erschien so vor dem dortigen Volk, das sich
dem Bösen und Falschen zugewandt hatte. Ebenso verhält es
sich mit vielem, von dem es im Wort heißt, Jehovah habe es
gesagt oder getan. (H.G. 2842)

1. September
Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: du
sollst keinen falschen Eid tun, sondern dem Herrn
deinen Eid halten. Ich aber sage euch: Ihr sollt gar
nicht schwören, weder bei dem Himmel, denn er ist
Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist sei-
ner Füße Schemel, noch bei Jerusalem, denn sie
ist des großen Königs Stadt. Auch nicht bei dei-
nem Haupte sollst du schwören, denn du vermagst
nicht ein Haar weiß oder schwarz zu machen. Euer
Wort sei: Ja, ja - nein, nein. Was darüber ist, das ist
vom Übel. (Matth. 5, 33 - 38)

194
Dem Volk Israel war also gestattet, beim Namen Jehovahs
oder bei Jehovah zu schwören. Aber es ist klar, daß es nichts
anderes bedeutete als ein Symbol der Bestätigung des inneren
Menschen. Es ist aber bekannt, daß die verinnerlichten
Menschen - die ein Gewissen besitzen - nicht nötig haben,
etwas durch einen Schwur zu bekräftigen, und dies auch nicht
tun. Schwüre verursachen ihnen Scham. Sie können zwar ver-
sichern, daß etwas so sei; sie können auch die Wahrheit durch
Begründungen erhärten, aber schwören können sie nicht. Sie
sind durch ein inneres Band gebunden, nämlich das Band des
Gewissens. Von ihnen zu verlangen, diesem noch ein äußeres
hinzuzufügen, einen Schwur, hieße, ihnen zuzutrauen, sie
seien nicht redlichen Herzens. (H.G. 2842)

2. September
Danach erging an Abraham in einem Gesicht das
Wort Jehovahs: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin
dir ein Schild, deines Lohnes ist sehr viel. Abram
aber sprach: Herr, Jehovah, was willst du mir
geben? ich gehe hin kinderlos … siehe, du hast mir
keinen Samen gegeben, so wird mein Haussklave
mich beerben. Und siehe, es erging an ihn das
Wort Jehovahs: Nicht er soll dein Erbe sein, son-
dern dein eigener leiblicher Sohn, der soll dein
Erbe sein. Und er führte ihn hinaus und sprach:
Blicke doch gen Himmel und zähle die Sterne,
wenn du sie zu zählen vermagst! Und sprach zu
ihm: So wird dein Same sein. - Und er glaubte an
Jehovah, und dieser gedachte es ihm zur
Gerechtigkeit. (1. Mose 15, 1 - 6)

„Und er sprach: Blicke doch gen Himmel“ bedeutet die


Vergegenwärtigung des Reiches des Herrn bei der Betrachtung

195
des Weltalls. Der Himmel bedeutet im inneren Sinn des Wortes
nicht den vor Augen erscheinenden Himmel, sondern das
Reich des Herrn in seinem Ganzen und Einzelnen. Wer vom
Äußeren auf das Innere blickt, denkt bei der Betrachtung des
Himmels nie an den Sternen-, sondern an den Engelshimmel.
… „Und zähle die Sterne“ist eine Aufforderung, sich bei der
Betrachtung der Gestirne das Gute und Wahre vorzustellen,
denn die Sterne sind Abbilder des Guten und der Wahrheiten.
Sie werden oft im Wort erwähnt und stellen überall Gutes und
Wahres dar, im entgegengesetzten Sinn auch Böses und
Falsches, oder - was aufs gleiche hinauskommt - Engel oder
Engelvereine und im Gegensatz dazu böse Geister und deren
Gruppierungen. (H.G. 1807 f.)

3. September
Sonne ist und Schild Jehovah Gott. Gnade und
Herrlichkeit gibt Jehovah, er wird kein Gut vorent-
halten denen, die wandeln in Rechtschaffenheit.
(Ps. 84, 12)

Es gibt zwei Welten: die geistige Welt der Engel und


Geister und die natürliche der Menschen. In beiden scheint
eine Sonne. Die der geistigen Welt ist die reine Liebe aus
Jehovah Gott, der in ihrer Mitte wohnt. Aus dieser Sonne
gehen Wärme und Licht hervor. Die Wärme ist ihrem Wesen
nach Liebe, das Licht Weisheit. Die Wärme regt den Willen
des Menschen an, das Licht seinen Verstand. Die Sonne der
natürlichen Welt aber ist reines Feuer. Ihre Wärme und ihr
Licht sind tot, dienen jedoch der geistigen Wärme und dem
geistigen Licht als Hülle und Träger, damit diese zum
Menschen gelangen. … Ich habe diese zwei Sonnen gesehen
und festgestellt, wie aus der einen alles Geistige und aus der
anderen alles Natürliche hervorgeht, und auch, daß die erste

196
die reine Liebe aus Jehovah Gott ist, der in ihrer Mitte wohnt,
die andere aber reines Feuer. (W.C.R. 75)

4. September
Und Gott sprach: Lasset uns den Menschen
machen in unser Bild, nach unserer Ähnlichkeit,
und lasset sie beherrschen die Fische des Meeres
und die Vögel des Himmels und das Vieh und die
ganze Erde und alles Kriechtier, das auf der Erde
kriecht. (1. Mose 1, 26)

In jedem Himmel stellt man sich Gott als einen Menschen


vor; denn der Himmel ist als Ganzes, aber auch in seinen
Teilen wie ein Mensch gestaltet; die göttliche Kraft, die die
Engel umgibt, erhält und bildet den Himmel, und die
Gedanken passen sich an dessen Form an. Deshalb ist es den
Engeln unmöglich, sich Gott anders vorzustellen. Auch alle
Menschen, die schon auf der Erde mit dem Himmel verbun-
den sind, denken sich Gott in gleicher Weise, wenn sie sich in
ihr Inneres oder in ihren Geist versenken. Infolge der Tatsache,
daß Gott Mensch ist, sind alle Engel und Geister auch
Menschen in vollkommener Gestalt, gebildet nach der Form
des Himmels, die im Ganzen wie in den kleinsten Einzelheiten
immer der Mensch ist. Daß die Menschen nach Gottes Bild
und Ähnlichkeit geschaffen sind, ist bekannt. (1. Mose 1,
26.27), ebenso, daß Gott dem Abraham und anderen als
Mensch erschien. … Denkt jemand ohne die Vorstellung des
Göttlich-Menschlichen über Gott nach, so verliert er sich in
unklare Bereiche. Eine unklare Vorstellung aber ist überhaupt
keine. Oder aber er kleidet die göttliche Kraft in Bilder aus dem
schaubaren Weltall, dessen Zweckbestimmung er gar nicht
oder nur dunkel erkennt. Solche Vorstellungen … bleiben
natürlich und zerfallen in nichts. (G.L. W. 11)

197
5. September
Sie waren allezeit im Heiligtum, lobten und segne-
ten Gott. (Luk. 24, 53)

An vielen Stellen des Wortes ist vom Lob Gottes die Rede,
womit Bekenntnis und Verehrung Gottes mit Herz und Mund
gemeint ist. Gott loben bedeutet dasselbe wie Hallelujah, denn
das heißt in unserer Sprache: lobet Gott. … Diese Beziehung
beruht darauf, daß der Herr nicht aus Liebe zu sich gelobt und
verherrlicht werden will, sondern aus Liebe zu den Menschen.
Denn der Mensch kann nur den Herrn loben und verherrli-
chen oder ihm Lob und Preis zollen, wenn er von Herzen aner-
kennt, daß nichts Gutes in ihm ist und er nichts von sich aus
vermag, sondern daß alles Gute vom Herrn kommt und er
alles bewirkt. Wenn der Mensch sich dazu bekennt, entfernt er
sein Eigenes, das voll Selbstliebe ist, schließt das Innere seines
Gemüts auf und gibt dadurch der göttlichen Kraft Raum, ihn
mit Gutem zu erfüllen. Darum ist es so notwendig, daß der
Mensch in tiefer Demut vor Gott erscheint, und diese Demut
erwächst nur aus der Selbsterkenntnis und aus der
Anerkennung Gottes. (Erkl. Offb. 1210)

6. September
Dann wird das Zeichen des Menschensohnes im
Himmel erscheinen, und dann werden alle Stämme
der Erde jammern und des Menschen Sohn kom-
men sehn auf den Wolken des Himmels mit Kraft
und großer Herrlichkeit. (Matth. 24, 30)

Die zweite Ankunft des Herrn ist kein Kommen in Person,


sondern im Wort, das von ihm und er selbst ist. Man liest an
vielen Stellen, der Herr werde in den Wolken des Himmels

198
kommen, doch hat bis jetzt niemand gewußt, was unter den
Wolken des Himmels zu verstehen ist. Man meinte, er werde in
Person darin erscheinen. Bis jetzt ist verborgen gewesen, daß
die Wolken des Himmels ein Bild für das Wort im
Buchstabensinn sind und mit der Herrlichkeit und Kraft der
geistige Sinn des Wortes gemeint ist, weil bis daher niemand
auch nur durch Vermutung darauf gekommen ist, daß ein gei-
stiger Sinn im Worte enthalten ist. … Der Herr wird im Wort
und nicht in Person erscheinen, weil er seit seiner Auffahrt in
den Himmel im verherrlichten Menschlichen ist, in dem er
sich keinem Menschen zeigen kann, bevor er ihm die geistigen
Augen geöffnet hat. Das ist aber unmöglich bei einem, der böse
ist und deshalb falsch denkt. Daher öffnete er den Jüngern erst
die Augen, als er sich ihnen offenbarte, denn man liest: „Und
ihre Augen wurden geöffnet, und sie erkannten ihn, er aber
wurde ihnen unsichtbar.“ (Luk. 24, 31) (W.C.R. 776)

7. September
Und Gott schuf den Menschen in sein Bild, in das
Bild Gottes schuf er ihn, männlich und weiblich
schuf er sie. Und Gott segnete sie, und Gott sprach
zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und fül-
let die Erde und macht sie euch untertan und
beherrscht den Fisch des Meeres und die Vögel des
Himmels und alles wilde Tier, das auf der Erde
kriecht. (1. Mose 1, 27 f.)

Das Innewerden der ältesten Kirche bestand nicht allein


darin, daß die Menschen das Gute und Wahre wahrnahmen,
sondern in der Seligkeit und Freude, Gutes zu tun. Ohne diese
ist das Empfundene nicht lebendig, denn von ihnen lebt es. Das
Leben der Liebe und des erfüllten Glaubens, wie es in der älte-
sten Kirche geführt wurde, ist lebendig, weil es nützlich und von

199
guten Empfindungen und Erkenntnissen im Gefolge der nutz-
bringenden Tätigkeit erfüllt ist. Im Rahmen dieses Tuns schenkt
der Herr Leben. Das Unnütze gewinnt kein Leben, denn was
unnütz ist, wird weggeworfen. In der nutzbringenden Tätigkeit
ist der Mensch dem Herrn ähnlich, und in der Folge wird er in
den gewonnenen Erkenntnissen zu seinem Bild. Das Inne-
werden ist ein Bewußtsein dessen, was gut und wahr ist und zum
Glauben gehört. Wer sich von der Liebe leiten läßt, findet seine
größte Freude nicht darin, etwas zu wissen, sondern das Gute
und Wahre zu tun, das heißt nützlich zu sein. (H.G. 503)

8. September
Warum verbirgst du dein Angesicht, vergissest
unser Elend und unsere Bedrückung? Denn es
beugt sich unsere Seele zum Staube, und unser
Leib klebt an der Erde. Mach dich auf, uns beizu-
stehen, und erlöse uns um deiner Barmherzigkeit
willen! (Ps. 44, 25 - 27)

In den alten Kirchen, die einen Symbolcharakter hatten,


beugten sich die Menschen tief zur Erde und senkten das
Gesicht, weil dieses als Abbild des menschlichen Inneren galt,
der Erdenstaub dagegen des Unheiligen und Verdammten. Sie
stellten auf diese Weise sich selbst als unheilig und verdammt
dar. … Sie gaben so dem Zustand der wahren Demut
Ausdruck, der sich nur dort findet, wo man anerkennt, daß
man von sich aus unheilig und verdammt ist und unfähig zur
Göttlichkeit und Heiligkeit des Herrn aufzusehen. Der Mensch
wird demütig, wenn er sich selbst erkennt und dadurch fähig
wird, im Gottesdienst anzubeten. Denn in jedem Gottesdienst
muß Demut herrschen. Ohne sie gibt es weder Anbetung noch
Gottesdienst. Die Demut ist deshalb das Wesentliche im
Gottesdienst, weil sie die Selbstliebe und alles Böse, das mit ihr

200
zusammenhängt, verdrängt und gleichzeitig dem Herrn das
Tor öffnet, damit er Gutes und Wahres, d. h. tätige Liebe und
Glauben einfließen lassen kann. Denn das Haupthindernis für
diese ist die Selbstliebe. (H. G. 2327)

9. September
Wer hat den Sinn des Herrn erkannt oder wer ist
sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas
zuvor gegeben, daß es ihm vergolten werden
müßte? Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm
hin sind alle Dinge. Sein ist die Ehre in Ewigkeit.
(Röm. 11, 34 - 36)

Das Weltall kann nicht aus dem Nichts erschaffen sein, weil
aus dem Nichts nichts wird. Nichts ist Nichts, und etwas aus
Nichts zu machen, ist ein Widerspruch in sich selbst. … Alles
Erschaffene ist aus der Substanz entstanden, die das eigentliche
Sein enthält, aus dem alles existiert. Da nun Gott allein das
Sein an sich und daher auch die Substanz ist, kann der
Ursprung aller Dinge nur Gott selbst sein. Dies erkannten eini-
ge, weil die Vernunft es ihnen zeigte. Sie wagten aber nicht, es
zu begründen, weil sie sich vor dem Gedanken fürchteten, das
erschaffene Universum sei Gott, weil es von ihm stammt, oder
die Natur sei aus sich selbst entstanden, und man habe ledig-
lich die Gewohnheit, ihr Zentrum Gott zu nennen. … Das
Weltall ist als Ganzes und in allen seinen Teilen so voll von
göttlicher Liebe und Weisheit, daß man es füglich ihr Abbild
nennen kann. (G.L.W. 283, 52)

10. September
So sollt nun ihr vollkommen sein, gleichwie euer
Vater in den Himmeln vollkommen ist. (Matth. 5, 48)

201
Weil im Himmel eine unendliche Mannigfaltigkeit herscht,
so daß weder die Gesellschaften noch die einzelnen Engel sich
völlig gleichen, wird der Himmel im allgemeinen, im besonde-
ren und im einzelnen in Bereiche unterteilt: im allgemeinen in
zwei Reiche, im besonderen in drei Himmel und im einzelnen
in unzählige Gesellschaften … Bemerkenswert ist auch - in der
Welt jedoch ganz unbekannt -, daß gute Geister und Engel sich
innerlich laufend verändern und verbessern, worauf sie gegen
das Zentrum des Bereichs, in dem sie sich befinden, erhoben
werden, was ihnen auch eine verantwortungsvollere Betä-
tigung ermöglicht. Das Leben im Himmel unterliegt einer
fortwährenden Reinigung und sozusagen einer ewigen Neu-
erschaffung. Kein Engel kann jemals zu absoluter Voll-
kommenheit gelangen. Vollkommen ist allein der Herr.
(H.u.H. 20; H.G. 4803)

11. September
Was nützte es dem Menschen, so er die ganze Welt
gewönne, nähme aber Schaden an seiner Seele?
Oder was kann der Mensch geben zur Lösung sei-
ner Seele? Denn des Menschen Sohn wird kom-
men in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen
Engeln, und dann wird er einem jeglichen nach sei-
nem Tun vergelten. (Matth. 16, 26 f.)

Solange der Mensch in der Welt lebt, wird er in einem bes-


serungsfähigen Zustand erhalten, vorausgesetzt, er läßt aus
eigenem Antrieb vom Bösen ab. Aber nach dem Tod folgen
ihm seine Taten und Gedanken nach und bleiben in dem
Zustand, in den er sie während des ganzen Verlaufs seines
Lebens versetzt hat. Dann kann, wer dadurch böse geworden
ist, nicht mehr gebessert werden; damit er nun nicht mit einer
Gesellschaft des Himmels Kontakt aufnehmen kann, wird ihm

202
alles restliche Wahre und Gute genommen, so daß er nur noch
Böses und Falsches besitzt. Dieses nimmt dort noch zu, weil er
sich in der Welt darin geübt hatte, es aufzunehmen; es darf
jedoch die erworbenen Grenzen nicht überschreiten. Diese
Umkehrung bringt es mit sich, daß er in seinem Inneren nicht
mehr gebessert werden kann, höchstens noch in seinem
äußerlichen Verhalten, und zwar durch Furcht vor Strafen.
Wenn er diese oft genug erduldet hat, enthält er sich endlich
gezwungenermaßen, wobei aber der Antrieb, Böses zu tun,
erhalten bleibt. (H.G. 6977)

12. September
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt
Glauben an Gott! Denn wahrlich, ich sage euch:
wer zu diesemBerge spricht: hebe dich auf und wirf
dich in‘s Meer und zweifelte nicht in seinem
Herzen, sondern glaubt, daß, was er spricht,
geschehe, so wird ihm geschehen, was er gespro-
chen hat. Darum sage ich euch: alles, was ihr bit-
tet im Gebet, glaubet, daß ihr‘s empfanget, so
wird‘s euch werden. (Mark. 11, 22 - 23)

Der Glaube ist eine innere Anerkennung dessen, was


wahr ist. Wer in seinem Geist das Wahre liebt, anerkennt es
innerlich. Weil die Engel es so halten, verwerfen sie energisch
den Lehrsatz, wonach der Verstand sich dem Regiment des
Glaubens unterordnen müsse, denn sie sagen: was heißt
glauben, wenn man nicht sieht, ob es wahr ist? … Hieraus
geht hervor, daß Glaube und Wahrheit eins sind. Deshalb
sagten auch die Alten, die mehr als unsere Zeit sich mit dem
Wahren zu befassen liebten, anstatt Glauben „Wahrheit“.
Daher kommt es auch, daß im Hebräischen für Wahrheit
und Glaube nur ein Wort gebraucht wird, nämlich aman

203
(das gleiche Wort steckt auch in Amen, Anm. d. Hrsg‘s.) …
Die Hauptsache des seligmachenden Glaubens ist die
Zuversicht (ebenfalls enthalten in aman). Aber Zuversicht
gibt es nur für den, der sich um ein gutes Leben bemüht. …
(L.G. 1, 6; H.G. 2982)

13. September
Siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, ihn zu ver-
suchen und sprach: Lehrer, was muß ich tun, daß
ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach: was
ist im Gesetz geschrieben? Wie liesest du? Er aber
antwortete und sprach: du sollst den Herrn, deinen
Gott lieben von deinem ganzen Herzen und von
deiner ganzen Seele und von deiner ganzen Stärke
und von deinem ganzen Gemüt und deinen
Nächsten wie dich selbst. Er aber sprach zu ihm:
du hast recht geantwortet. Tue das, so wirst du
leben. Der aber wollte sich rechtfertigen und
sprach zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?
(Luk. 10, 25 - 29)

Viele meinen, die Liebe zum Nächsten bestehe darin, den


Armen zu geben, dem Bedürftigen Hilfe zu leisten und einem
jeden Gutes zu tun. Tätige Liebe verlangt aber, mit Klugheit
zu Werke gehen, damit Gutes daraus entstehen kann. Wer
einem böse lebenden Armen oder Bedürftigen Hilfe leistet,
tut durch diesen dem Nächsten Böses, denn durch seine Hilfe
bestärkt er den Armen im Bösen und verschafft ihm die
Mittel, wieder anderen Böses zu tun. … Die tätige Liebe
erstreckt sich viel weiter als auf die Armen und Bedürftigen.
Tätige Liebe umfaßt, jede Arbeit nach bestem Wissen und
Gewissen auszuführen und seine Pflicht zu tun in jedem
Beruf. Wenn der Richter das Gerechte tut um der

204
Gerechtigkeit willen, übt er tätige Liebe. Wenn er den
Schuldigen straft und den Unschuldigen freispricht, übt er
tätige Liebe; denn so sorgt er für den Mitbürger und für das
Vaterland. Der Geistliche, der das Wahre lehrt und seine
Schäfchen zum Guten leitet um des Wahren und Guten wil-
len, übt tätige Liebe. Wer hingegen dergleichen um seinet-
und der Welt willen tut, der übt nicht tätige, sondern
Selbstliebe. (N.J. 100, 101)

14. September
Siehe, ich hab‘ heute vor dich gelegt Leben und
das Gute, und den Tod und das Böse, da ich dir
heute gebiete, den Herrn deinen Gott zu lieben und
seine Gebote und seine Satzungen und Rechte zu
halten. Und du wirst leben und dich mehren, und
der Herr, dein Gott, wird dich segnen in dem
Lande, dahin du kommst, es einzunehmen.
(5. Mose 30, 15 f.)

Das eigentliche Leben des Menschen ist seine Liebe, und


der ganze Mensch ist so beschaffen wie die Liebe. Es ist aber
die herrschende oder leitende Liebe, die den Menschen gestal-
tet. Diese hat mehrere Arten von Liebe unter sich, die
Ableitungen sind. Diese Unterarten erscheinen zwar in ande-
rer Gestalt, sind aber doch alle in der herrschenden Liebe ent-
halten und bilden mit ihr ein Reich. Die herrschende Liebe ist
wie ihr König und Haupt. Sie gibt ihnen die Richtung und
strebt durch sie als ihre Vermittler auf den eigenen Zweck hin,
der von allen der erste und letzte ist, und dies tut sie sowohl
direkt als indirekt. Der Gegenstand der herrschenden Liebe ist
das, was über alles geliebt wird. Was der Mensch über alles
liebt, daran denkt er unausgesetzt, weil er es will; daher bildet
es sein Leben. (W.C.R. 399)

205
15. September
Darum bete ich, daß eure Liebe mehr und mehr
reich werde an aller Erkenntnis und Einsicht, damit
ihr zu prüfen vermögt, was recht und unrecht ist,
auf daß ihr lauter und unanstößig seid auf den Tag
Christi, erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit
durch Jesus Christus, zur Ehre und zum Lobe
Gottes. (Paulus an die Philipper 1, 9 - 11)

Nach den Gesetzen der Ordnung soll niemand im


Handumdrehen vom Wahren überzeugt werden, d.h. die
Wahrheit soll nicht kurzfristig derart für gültig erklärt werden,
daß keinerlei Zweifel mehr übrig bleibt. Das so eingeprägte
Wahre ergäbe nämlich nur eine Beredungswahrheit wird, ohne
Dehnbarkeit oder Nachgiebigkeit. Ein solches Wahres
erscheint im anderen Leben als etwas Hartes, das Gutes nicht
so in sich zuläßt, daß es anwendbar wird. Daher kommt es, daß
jede Wahrheit, die den guten Geistern im anderen Leben durch
eine Erfahrung greifbar vorgestellt wird, sogleich eine
Opposition hervorruft, die einen Zweifel erregt. So werden sie
veranlaßt zu denken und zu überlegen, ob es so sei, und sich
nach Vernunftsgründen umzusehen, um jene Wahrheit in ver-
nünftiger Weise in ihr Gemüt zu übernehmen. Dadurch
bekommt der geistige Blick in Bezug auf jene Wahrheit eine
Weite - selbst bis zu den Gegensätzen. (H.G. 7298)

16. September
Und ich, Johannes, sah das und hörte es; und als
ich gehört und gesehen, fiel ich hin, anzubeten vor
den Füßen des Engels, der mir dieses zeigte. Und
er spricht zu mir: Siehe zu, tue es nicht! Denn ich
bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, der

206
Propheten, und derer, die die Worte dieses Buches
halten. Gott bete an! (Offb. Joh. 22, 8 f.)

In der Christenheit ist völlig unbekannt, daß Himmel und


Hölle aus der Menschheit hervorgegangen sind. Man glaubt,
die Engel seien von Anbeginn als solche erschaffen worden
und daher stamme der Himmel. Der Teufel oder Satan aber sei
ursprünglich ein Engel des Lichts gewesen, habe sich dann
empört, sei mit seiner Rotte hinabgestoßen worden, und seit-
her gebe es die Hölle. Die Engel wundern sich sehr darüber,
daß in der Christenheit ein solcher Glaube herrscht, noch
mehr aber wundern sie sich, daß niemand etwas vom Himmel
weiß, der doch einen Hauptpunkt in der Lehre der Kirche
bilde. Darum freuten sie sich von Herzen, daß es dem Herrn
gefallen hat, den Menschen nun vieles über den Himmel und
auch über die Hölle zu offenbaren, um dadurch, soweit mög-
lich, die finstere Unwissenheit zu zerstreuen, die von Tag zu
Tag zunimmt, weil die Kirche an ihr Ende gelangt ist. Die Engel
wünschen daher, daß ich aus ihrem Munde verkünde, daß es
im ganzen Himmel nicht einen Engel gibt, der von Anbeginn
als solcher erschaffen, noch in der Hölle irgend einen Teufel,
der einst als Engel des Lichts erschaffen und hinabgestoßen
worden wäre. Sämtliche Bewohner des Himmels wie der Hölle
seien ursprünglich Menschen gewesen. (H.u.H. 311)

17. September
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei
Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im
Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe
gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht,
was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das
Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht
scheint in der Finsternis, aber die Finsternis hat‘s

207
nicht begriffen. … Und das Wort ward Fleisch und
wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit,
eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater,
voller Gnade und Wahrheit. (Joh. 1, 1 - 5. 14)

Wenige wissen, was hier mit dem Wort gemeint ist; die ver-
schiedenen Aussagen ergeben, daß es sich um den Herrn han-
delt. Der innere Sinn lehrt, daß unter dem Wort der Herr im
Hinblick auf das Göttlich-Menschliche verstanden wird, denn
es heißt da: das Wort wurde Fleisch, wohnte unter uns, und wir
sahen seine Herrlichkeit. Zu dieser Darstellung kommt auch
die von allem Wahren hinzu, das er in seinem Reich in den
Himmeln und in seiner Kirche auf Erden verbreitet hat.
Deshalb heißt es weiter, in ihm sei das Leben, und das Leben
sei das Licht der Menschen, und das Licht scheine in der
Finsternis. Im Wahren sind sodann alle Offenbarungen enthal-
ten, somit auch das Wort selbst oder die Heilige Schrift. Das
Wort im besonderen hat es zu allen Zeiten gegeben, jedoch
nicht das uns bekannte. Der Ältesten Kirche vor der Sintflut
hat ein anderes Wort vorgelegen, der alten Kirche nach der
Sintflut wieder ein anderes, bis schließlich von Mose und den
Propheten das Wort der Jüdischen Kirche geschrieben wurde.
(H.G. 2894 f.)

18. September
Alle Weisheit kommt vom Herrn, und bei ihm
wohnt sie in Ewigkeit. Den Sand am Meer und die
Tropfen des Regens und die Tage der Ewigkeit -
wer kann sie zählen? Die Höhe des Himmels und
die Weite der Erde und die Tiefe der Flut - wer kann
sie ergründen? Vor diesen allen ist die Weisheit
geschaffen und die vernunftvolle Einsicht von
Ewigkeit her. Quelle der Weisheit ist das Wort

208
Gottes, der in der Höhe wohnt, und ihre Wege sind
die ewigen Satzungen. (Jes. Sir. 1, 1 - 5)

Das letzte Wort wurde in der Neuen Kirche von den


Evangelisten geschrieben. Es hat zu allen Zeiten ein Wort gege-
ben, weil es die Verbindung des Himmels mit der Erde bewirkt
und vom Guten und Wahren handelt, auf Grund dessen der
Mensch in Ewigkeit selig leben soll. Es handelt im inneren Sinn
vom Herrn allein, weil von ihm alles Gute und Wahre stammt.
(H.G. 2895)

19. September
Es ward ein Mensch von Gott gesandt, mit Namen
Johannes. Derselbige kam zum Zeugnis, daß er
von dem Lichte zeugte, auf daß alle durch ihn
glaubten. Er war nicht das Licht, sondern sollte
zeugen von dem Licht. Das war das wahrhaftige
Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die
Welt kommt. … Und das Wort ward Fleisch und
wohnte unter uns, und wir schauten seine
Herrlichkeit. (Joh. 1, 6 - 9. 14)

Zweierlei macht das Wesen Gottes aus: die göttliche Liebe


und die göttliche Weisheit, oder, was dasselbe ist, das göttli-
che Gute und das göttliche Wahre. Diese beiden werden im
Wort auch unter Jehovah Gott verstanden; unter Jehovah die
göttliche Liebe oder das Gute und unter Gott die göttliche
Weisheit oder das Wahre. Aus diesem Grund werden die bei-
den Namen im Wort in mancherlei Weise unterschieden, wo
bald allein Jehovah, bald allein Gott geschrieben steht. Ist
nämlich vom göttlichen Guten die Rede, heißt es Jehovah,
geht es aber um das göttlich Wahre, heißt es Gott, sind beide
gemeint, steht da Jehovah Gott. Nun kam also Jehovah Gott

209
herab ins Fleisch als das Göttlich-Wahre oder das Wort, wie
oben zu lesen ist. … Der Herr heißt im Wort Jehovah im
Hinblick auf das Göttlich-Gute, denn dies ist das eigentlich
Göttliche, und er wird „Sohn Gottes“ genannt im Hinblick
auf das Göttlich-Wahre, denn dieses geht vom Göttlich-
Guten aus, wie der Sohn vom Vater; es heißt deshalb auch, es
werde geboren. (W.C.R. 85; H.G. 7499)

20. September
Der Herr aber sprach zu ihm: Ihr Pharisäer reinigt
wohl das Auswendige des Kelches und der Platte,
das Innere bei euch ist aber voll von Raub und
Schlechtigkeit. Ihr Toren, hat nicht der das Äußere
machte, auch das Innere gemacht? (Luk. 11, 39 f.)

Kaum jemand hat Kenntnis von einem inneren und einem


äußeren Menschen. Man ist gemeinhin der Ansicht, sie seien ein
und derselbe, hauptsächlich, weil man glaubt, aus dem eigenen
Selbst das Gute zu tun und das Wahre zu denken. Aber der inne-
re Mensch ist vom äußeren so verschieden wie der Himmel von
der Erde. Unabhängig von der Bildung ist für die meisten Leute
der innere Mensch identisch mit dem Denken, das auch inner-
lich ist, der äußere jedoch mit dem Leib und dessen Trieben, weil
diese äußerlich sind. Aber das Denken gehört nicht dem inneren
Menschen an, denn in diesem ist ausschließlich Gutes und
Wahres, das Sache des Herrn ist, und außerdem ist hier vom
Herrn das Gewissen eingepflanzt. Dagegen vermögen auch die
Bösen, sogar die Schlimmsten und die Gewissenlosen, zu den-
ken. Das zeigt, daß das Denken des Menschen keineswegs dem
inneren, sondern dem äußeren Menschen angehört. Umgekehrt
ist der Leib mit seinen Sinnen nicht der äußere Mensch an sich,
denn die Geister, die keinen solchen Leib besitzen, haben den-
noch ein Äußeres. (H.G. 978)

210
21. September
Kundgetan hat sich Jehovah, er hat Gericht geübt;
in seiner Hände Werk hat sich der Ungerechte ver-
strickt. Die Gottlosen kehren zurück zur Hölle, alle
Völkerschaften, die Gottes vergessen. (Ps. 9, 17 f.)

Die Hölle besteht aus den Geistern, die während ihres


Erdenlebens Gott leugneten, die Natur an Gottes Stelle setzten,
die göttliche Ordnung verletzten, das Böse und Falsche liebten –
allerdings im Verborgenen, nicht offen vor der Welt – und die
daher in Bezug auf das Wahre Unsinn produzierten, die
Wahrheiten verachteten oder leugneten, wenn nicht mit dem
Mund, so doch im Herzen. Diese, soviel wie seit Erschaffung der
Welt gelebt haben, bilden die Hölle.Sie werden Teufel oder Satane
genannt: Teufel, die von der Selbstliebe, Satane, die von der
Weltliebe beherrscht wurden. Die Hölle der Teufel als Ganzes
wird in der Welt unter dem Teufel verstanden, die der Satane
unter dem Satan. … Es gibt nur wenige, die Gott völlig leugnen.
Diese aber werden, ein moralisches Leben vorausgesetzt, nach
ihrem Tod von Engeln unterrichtet und öffnen ihr sittliches
Leben geistigen Einflüssen. (Erkl. Offb. 1142; G.V. 254)

22. September
… Der Reiche aber starb auch und ward begra-
ben. Und er hob seine Augen auf in der Hölle, da
er in Qualen war, sah Abraham von weitem und
Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach:
Vater Abraham, erbarme dich mein und schicke
Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers in
Wasser tauche und mir die Zunge abkühle, denn
ich leide Pein in dieser Flamme.
(Luk. 16, 22 - 24)

211
Böse Geister werden gestraft, weil in diesem Zustand die
Furcht vor Strafe das einzige Mittel ist, um das Böse zu zäh-
men. Weder Ermahnung noch Belehrung oder Furcht vor dem
Gesetz und schlechtem Ruf erzielt eine Wirkung, weil ihr
Charakter sie antreibt, der einzig durch Strafen beeinflußt wer-
den kann. Die guten Geister hingegen werden nie gestraft,
obgleich auch sie in der Welt Böses getan haben. Ich durfte
erfahren, daß ihr Böses von anderer Art oder Natur war und
nicht zurückkehrt, weil sie sich nicht aus Vorsatz, sondern nur
aus dem ererbten bösen Herzen wider das Wahre vergangen
hatten. Sie hatten sich von blinder Lust fortreißen lassen, sooft
sie sich den vom Inneren getrennten Äußerlichkeiten hinga-
ben. … Die Höllenstrafen sind nicht, wie einige glauben,
Gewissensbisse; denn die Bewohner der Hölle haben kein
Gewissen und können in dieser Weise nicht gequält werden.
Die ein Gewissen hatten, sind unter den Seligen.
(H.u.H. 509; H.G. 965)

23, September
Und Jakob ging aus von Beerscheba und ging
nach Charan. Und er stieß auf einen Ort und über-
nachtete daselbst. … Und es träumte ihm, und
siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt und ihre
Spitze berührte den Himmel, und siehe, die Engel
Gottes stiegen auf und stiegen nieder daran. Und
siehe, Jehovah stand oben darauf und sprach: ich
bin Jehovah, der Gott Abrahams, deines Vaters,
und der Gott Isaaks. Das Land, darauf du liegst,
will ich dir und deinem Samen geben.
(1. Mose 28, 10 - 13)

Diese Leiter stellt die Gemeinschaft des untersten Wahren


und des damit verbundenen Guten dar. … In der Grundsprache

212
stammt das Wort Leiter von einem Wort ab, das Pfad oder Weg
bedeutet, womit Wahres gemeint ist. Wenn unter den Engeln
vom Wahren die Rede ist, so wird dies in der Geisterwelt sinn-
bildlich durch Wege dargestellt. Hieraus läßt sich erkennen,
was uns die Leiter sagen soll, die auf der Erde aufgestellt ist und
mit ihrem Ende bis in den Himmel reicht, nämlich die
Gemeinschaft des Wahren der untersten Stufe mit jenem auf
der obersten. Es gibt also ein unterstes und ein oberstes Wahres
und Gutes, zwischen denen Stufen wie die einer Leiter die
Verbindung bilden. (H.G. 3699)

24. September
Wie wird ein Jüngling seinen Pfad lauter machen?
Daß er sich halte nach deinem Wort. Von ganzem
Herzen such ich nach dir. Laß mich von deinen
Geboten nicht fehlgehen. In meinem Herzen berge
ich deine Rede, daß ich nicht wider dich sündige.
Gesegnet seist du, Jehovah, lehre mich deine
Satzungen. (Ps. 119, 9 - 12)

Obwohl die Lehre des Glaubens an sich göttlich ist und


jede menschliche und sogar engelische Fassungskraft über-
steigt, ist sie im Wort stets der Fassungskraft des Menschen
angepaßt und vernunftgemäß vermittelt worden, ähnlich wie
die Rede eines Vaters, der seine Kinder lehrt. Auch er drückt
sich auf der Stufe ihrer Fassungskraft aus, obwohl er selbst
viel differenzierter denkt. Anders hieße es etwas lehren, was
nicht gelernt werden kann entsprechend einem Samen, den
man auf einen Felsen wirft. Dasselbe tun die Engel, die im
andern Leben einfältige Herzen unterrichten. Obwohl sie
über himmlische und geistige Weisheit verfügen, erheben sie
sich doch nicht über die Fassungskraft der Schüler, sondern
reden in einfachen Ausdrücken mit ihnen, die sie allerdings

213
der wachsenden Aufnahmefähigkeit ihrer Zöglinge ständig
anpassen. (H.G. 2533)

25. September
Zur selben Zeit antwortete Jesus und sprach: ich
preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
daß du dies vor den Weisen und Verständigen ver-
borgen und den Unmündigen geoffenbart hast. Ja,
Vater, daß es also geschah, war wohlgefällig vor
Dir. (Matth. 11, 25 - 27)

Man glaubt in der Welt, der Mensch könne im natürlichen


Licht - also ohne Offenbarung - die Religion weitgehend ver-
stehen, z. B. die Existenz Gottes, der zu verehren und zu lieben
sei, das Leben nach dem Tod und was damit zusammenhängt.
Diese Erkenntnisse entstammten alle der eigenen Einsicht. Ich
bin jedoch durch vielfache Erfahrung belehrt worden, daß der
Mensch ohne Offenbarung aus sich ganz und gar nichts über
das göttliche Wesen weiß und vom himmlischen und geistigen
Leben keine Ahnung hat, denn der Mensch wird in das Böse
der Selbst- und Weltliebe geboren, das den Einfluß aus dem
Himmel verhindert, dem Einfluß aus der Hölle aber Tür und
Tor öffnet und den Menschen dadurch verblendet und ihn
veranlaßt, die göttliche Kraft, Himmel und Hölle und das
Leben nach dem Tod zu leugnen. (H.G. 8944)

26. September
Offenbarung von Jesus Christus, die ihm Gott
gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in
Bälde geschehen soll. Und er hat es durch
Sendung seines Engels seinem Knecht Johannes
kundgetan, der das Wort Gottes und das Zeugnis

214
Jesu Christi bezeugt, alles was er gesehen hat.
(Vorrede Offb. Joh. 1, 1 f.)

Das Leben der Engel besteht darin, Nutzen zu schaffen und


in dem Nächsten Gutes zu tun. Sie sind glücklich, wenn sie die
aus der Welt ankommenden Geister unterweisen und belehren,
den Menschen dienen und ihnen Gutes eingeben und die bösen
Geister in ihrer Nähe in Schranken halten dürfen. Ebenso lieben
sie es, die Gestorbenen zum Leben der Ewigkeit aufzuwecken
und sie in den Himmel einzuführen, wenn es der Zustand der
Seelen zuläßt. Ihre dabei empfundene Seligkeit läßt sich nicht
beschreiben. Sie sind Ebenbilder des Herrn, indem sie den
Nächsten mehr lieben als sich selbst. (H.G. 454)

27. September
Jesus aber antwortete ihnen und fing an zu sagen:
Sehet euch vor, daß niemand euch irreführe. Denn
viele werden kommen in meinem Namen und
sagen: ich bin‘s und werden viele irreführen.
(Matth. 13, 5 f.)

Ohne die vom Herrn bewirkte Erlösung würde


Ungerechtigkeit und Bosheit sich aus verschiedenen Gründen
über die ganze Christenheit in beiden Welten verbreiten. Jeder
Mensch kommt nämlich nach dem Tode in die Geisterwelt und
ist dann ganz derselbe, der er zuvor gewesen ist, und er kann
beim Eintritt nicht davon abgehalten werden, sich mit den ver-
storbenen Eltern, Brüdern, Verwandten und Freunden zu tref-
fen. Jeder Gatte sucht dann zuerst seine Gattin und jede Gattin
ihren Gatten. Sie führen sich gegenseitig in mancherlei
Gesellschaften ein, deren Glieder möglicherweise äußerlich wie
Schafe erscheinen, inwendig aber Wölfen gleichen und im
Stande sind, sogar Menschen zu verderben, die ein frommes

215
Leben geführt hatten. Dadurch und durch verruchte Künste, die
in der natürlichen Welt unbekannt sind, ist jene Welt derart mit
Bösewichtern angefüllt wie ein von Froscheiern grün gefärbter
Sumpf. Daß die Gemeinschaft mit Bösen eine derartige
Auswirkung hat, kennen wir von ähnlichen Verhältnissen: Lebt
jemand mit Straßen- oder Seeräubern zusammen, wird er ihnen
zuletzt ähnlich; ebenso ergeht es dem, der mit Ehebrechern und
feilen Dirnen zusammenhaust: am Ende achtet er die
Ehebrüche für nichts. … Denn alles Böse ist ansteckend, man
kann es mit der Pest vergleichen, die sich durch bloßes
Anhauchen und durch Ausdünstung überträgt, oder auch mit
dem Krebs und dem heißen Brand, die sich über die benach-
barten Körperteile verbreiten, bis sie endlich auch die entfernte-
ren zersetzen, so daß der ganze Körper zugrundegeht. Die
Wollust des Bösen, die jeder Mensch von Geburt an in sich trägt,
sind die Ursache dieser Vorgänge. So könnte also niemand ohne
die vom Herrn bewirkte Erlösung selig werden, und auch die
Engel wären nicht unversehrt geblieben. (W.C.R. 120)

28. September
Du sollst dir kein Schnitzbild, noch irgend ein
Abbild dessen machen, was im Himmel oben, noch
dessen, was auf Erden unten, noch dessen, was in
den Wassern unter der Erde ist. Du sollst sie nicht
anbeten, noch ihnen dienen; denn ich bin Jehovah,
dein Gott, ein eifriger Gott, der da heimsucht die
Missetat der Väter an den Söhnen bis ins dritte und
vierte Glied bei denen, die mich hassen, und tue
Barmherzigkeit an Tausenden, die mich lieben und
meine Gebote halten. (2. Mose 20, 4 -6)

Den Kindern Israels wurde verboten, Götzenbilder,


geschnitzte Bilder, Gestalten und Figuren irgend einer Sache

216
im Himmel, auf Erden und in den Gewässern zu machen,
und zwar aus einem ganz besonderen Grund. Die Alten
Kirchen, die vor der israelitischen bestanden, hatten eine
symbolische Bedeutung. Die Kinder Jakobs aber waren ganz
diesseitige Menschen und waren in einer Zeit, in der aller
Gottesdienst symbolbefrachtet war, sehr zum Götzendienst
geneigt, d.h. zur Verehrung von Dingen, die ihren Augen
gegenständlich sichtbar waren. Die Angehörigen der Alten
Kirchen hingegen liebten die geschnitzten Bilder und Figuren
als Darstellungen von himmlischen Dingen. Wenn sie sie
betrachteten, erinnerten sie sich an das, was sie darstellten,
und nur weil das zu ihrer Religion gehörte, verehrten sie die
Bilder. … Als aber die Angehörigen dieser Kirche sich nach
und nach aus verinnerlichten Menschen in nach außen ori-
entierte verwandelten, blieb die Kenntnis der besagten
himmlischen und geistigen Dinge nur in Form von Überlie-
ferungen bei ihren Priestern und Weisen erhalten, die Magier
und Zauberer genannt wurden. Daher fing das Volk (auf
seine natürliche Weise) an, jene Bilder zu verehren und als
seine Götter anzurufen. Da aber die Kinder Jakobs stärker als
andere veräußerlicht und dem Götzendienst sehr geneigt
waren, wurde ihnen so streng verboten, sich geschnitzte
Bilder und dergleichen zu machen. (Erkl. Offb. 827)

29. September
Denn der Zorn Gottes wird geoffenbart vom
Himmel über alle Gottlosigkeit und Unge-
rechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch
Ungerechtigkeit aufhalten. Denn daß ein Gott ist,
ist ihnen offenbar, dieweil Gott es ihnen geoffen-
bart hat. Denn sein Unschaubares, nämlich seine
ewige Kraft und Göttlichkeit, wird von der
Schöpfung der Welt an durch das Erschaffene

217
erschaut und mit der Vernunft wahrgenommen,
sodaß sie keine Entschuldigung haben, dieweil sie
Gott kannten; sie priesen ihn aber nicht als Gott,
noch dankten sie, sondern ließen sich betören in
ihren Gedanken und ihr unverständiges Herz ver-
finsterte sich. Während sie sagten, sie wären weise,
wurden sie Toren und vertauschten die Herrlichkeit
des unvergänglichen Gottes mit Bildern vergängli-
cher Menschen, Vögel, vierfüßiger und kriechender
Tiere. (Röm. 1, 18 - 23)

Daß es von den ältesten Zeiten her eine Religion gab und
die Bewohner des Erdkreises überall über Gott und ein wenig
über das Leben nach dem Tode orientiert waren, entsprang
nicht ihrem eigenen Scharfsinn, sondern dem alten und
anschließend dem israelitischen Wort. Aus diesen verbreiteten
sich die Religionen nach Indien und dessen Inseln, und durch
Ägypten und Abessinien in die Reiche Afrikas, aus den
Seeländern Asiens nach Griechenland und von dort nach
Italien. Weil aber das Wort nur in Abbildungen natürlicher
Vorgänge geschrieben sein konnte, die den himmlischen ent-
sprechen und als Sinnbilder für diese dienen, wurden die
Religionen mehrerer Völker zur Abgötterei. In Griechenland
entstanden Fabeln, in denen die verschiedenen göttlichen
Eigenschaften auf ebenso viele Götter verteilt waren, über die
ein Obergott regierte, den (später die Römer) Jupiter nannten
in Anlehnung an Jehovah. Daß sie Kenntnisse vom Paradies
besaßen, von der Überschwemmung, vom heiligen Feuer, von
den vier Zeitaltern, vom goldenen bis zum letzten, dem eiser-
nen, wodurch im Wort vier Zustände der Kirche angedeutet
werden (wie bei Daniel 2), ist bekannt. (Man beachte die
gewissen Unterschiede in den Auffassungen Swedenborgs und
des Paulus.) (L.S. 117)

218
30. September
Und das Volk sah, daß Mose verzog, vom Berge
herabzukommen; und das Volk kam zusammen zu
Aharon und sie sprachen zu ihm: Mache dich auf!
mach‘ uns Götter, die vor uns gehen; denn dieser
Mose, der Mann, der uns aus Ägyptenland herauf-
gebracht: wir wissen nicht, was ihm geschehen ist.
Und Aharon sprach zu ihnen: reißet die goldenen
Reife von den Ohren eurer Weiber, eurer Söhne
und eurer Töchter ab und bringt sie mir. … Und er
nahm sie von ihrer Hand und bildete es mit dem
Meissel und machte es zu einem goldenen Kalb.
Und sie sprachen: Dies sind deine Götter, Israel,
die dich aus Ägyptenland heraufgebracht.
(2. Mose 32, 1 f. 4.)

Die Alten, deren Gottesdienst geistige Dinge darstellte,


wußten, was die verschiedenen Gattungen der Tiere zu bedeu-
ten hatten; denn jedes Tier stellt etwas dar, auch im Himmel,
und folglich auch im Wort; und als solches wurden sie bei den
Brand- und Schlachtopfern verwendet. Unter dem Kalb wird
das Gute der Unschuld und tätigen Liebe im äußeren oder
natürlichen Menschen verstanden. Wenn davon gar nichts vor-
handen ist - wie bei denen, die nur äußerlich sind - dann steht
das Kalb für die natürlichen oder sinnlichen Antriebe, die den
Vergnügungen, Begierden und der Selbst- und Weltliebe die-
nen. Diesen Reiz lieben alle, die nur auf das Äußere fixiert sind,
und sie halten ihn hoch (denn was der Mensch über alles liebt,
das schätzt er am höchsten). Sie sagen zwar, sie verehrten den
Gott des Weltalls, aber sie sagen es nur mit dem Mund und
nicht mit dem Herzen. Sie also werden unter denen verstan-
den, die das gegossene Kalb verehren. Die Ägypter waren vor
anderen von so geartet; denn weil sie es in der Wissenschaft der

219
Sinnbilder und Entsprechungen am weitesten gebracht hatten,
machten sie sich verschiedene Götzen, wie man sie unter den
aufgefundenen ägyptischen Antquitäten sehen kann. … Weil
die Israeliten diesen Götzendienst aus Ägypten mitgebracht
hatten, bedeutet das Kalb, während es von ihnen als Gott ver-
ehrt wurde, die Lust ihrer Triebe im Gottes- (oder Götzen-)
dienst. … Sie hatten sich damals wie heute mehr als alle ande-
ren der Selbst- und Weltliebe verschrieben. Es ist bekannt, daß
sie noch heutzutage im höchsten Grade irdischen Interessen
huldigen, denn sie lieben Silber und Gold nicht um des allge-
meinen Nutzens, sondern um des Silber- und Goldwertes
selbst willen, was schmutzigen Geiz bedeutet. Die Selbstliebe
tritt bei ihnen nicht sichtbar hervor, sondern liegt in ihrem
Herzen verborgen. (H.G. 10407)

1. Oktober
Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und bela-
den seid, und ich will euch Ruhe schaffen. Nehmet
auf euch mein Joch und lernet von mir: denn ich
bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr
werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein
Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
(Matth. 11, 28 - 30)

Dieses Wort zeigt, daß es nicht so schwer ist, wie viele mei-
nen, den Weg zum Himmel zu betreten. Der Mensch darf
äußerlich leben wie jeder andere; er kann reich werden, gut
speisen, großzügig wohnen und sich fein kleiden, je nach sei-
nen Verhältnissen und seiner Stellung; er kann Lust und
Freude genießen und sich seiner beruflichen Pflichten und
Geschäfte oder seines seelischen und körperlichen Lebens
wegen mit weltlichen Dingen befassen – wenn er nur Gottes
Gegenwart anerkennt und dem Nächsten wohl will. Die einzi-

220
ge Schwierigkeit besteht darin, der Selbstsucht und Weltliebe
zu widerstehen und sie soweit zurückzubinden, daß sie nicht
vorherrschen, denn aus ihnen entspringt alles Böse. Das Joch
des Herrn ist sanft und seine Last leicht, denn je besser wir
dem aus der Selbst- und Weltliebe entspringenden Bösen
widerstehen, desto stärker werden wir vom Herrn und nicht
von uns selbst geführt. Jetzt widersteht der Herr dem Bösen in
uns und entfernt es. (H.u.H. 359)

2. Oktober
Gott ist unsere Zuversicht und Stärke; ein Beistand
erfunden in Drangsalen, mächtig. Darum fürchten
wir uns nicht, wenn die Erde sich umwandelt und die
Berge wanken im Herzen der Meere. (Ps. 46, 2 f.)

Wer sich selbst und die Natur anbetet, bestärkt sich gegen
die göttliche Vorsehung, wenn er daran denkt, daß Kriege
zugelassen und dann so viele Menschen getötet und ihrer
Güter beraubt werden. An der göttlichen Vorsehung liegt es
nicht, daß es Kriege gibt, gehen sie doch einher mit Mord,
Raub, Gewalttaten, Grausamkeiten und schrecklichen Übeln
aller Art, die im schroffsten Gegensatz zur christlichen Liebe
stehen. Dennoch müssen sie zugelassen werden, da sich die
Lebensliebe der Menschen seit den Menschen der ältetsten
Kirche, die unter Adam und seinem Weib zu verstehen ist,
dahin entwickelt hat, daß sie über andere und schließlich über
alle Menschen herrschen und die Schätze der Welt und
schließlich sogar alle Schätze der Welt besitzen will. Diese bei-
den Arten der Liebe, die Selbst- und Weltliebe, können nicht
unterdrückt werden, da der göttlichen Vorsehung zufolge jeder
aus freiem Willen nach der Vernunft handeln darf, und weil
der Herr den Menschen nicht ohne Zulassungen vom Bösen
abbringen, folglich nicht umbilden und selig machen könnte.

221
Wenn nämlich nicht zugelassen würde, daß das Böse zum
Ausbruch kommt, würde der Mensch es gar nicht sehen, also
auch nicht anerkennen, und er könnte nicht dazu gebracht
werden, ihm zu widerstehen. … Der Mensch ist nämlich von
Geburt an etwas wie eine kleine Hölle, die beständig mit dem
Himmel im Streit liegt. Niemand kann aber vom Herrn aus der
Hölle befreit werden, der nicht selber sieht, daß er darin ist,
oder der gar nicht herausgezogen werden will. Ohne
Zulassungen, deren Ursachen Gesetze der göttlichen
Vorsehung sind, kann das nicht geschehen. (G.V. 251)

3. Oktober
Und es kamen die Jünger herzu und sprachen zu
ihm: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? Er
antwortete und sprach zu ihnen: Euch ist gegeben,
die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu
erkennen, jenen aber ist‘s nicht gegeben. Denn wer
da hat, dem wird gegeben, daß er Überfluß habe;
wer aber nicht hat, von dem wird auch, was er hat,
genommen werden. (Matth. 13, 10 - 12)

Der geistige Sinn des Wortes wird von nun an nieman-


dem mitgeteilt, der sich nicht um das echte Wahre des Herrn
bemüht. Wer sich dafür nicht erwärmen kann, erlangt nicht
die Fähigkeit, den geistigen Sinn zu erkennen, denn dieser
handelt ausschließlich vom Herrn und seinem Reich und
bildet die Lehre, nach der seine Engel im Himmel leben;
denn seine göttliche Kraft ist dort das Wahre. Dieses kann
der Mensch verletzen, wenn er sich in den Entsprechungen
auskennt und mit ihnen den geistigen Sinn des Wortes auf
der Basis seiner eigenen Einsicht erforschen will; denn aus
einer beschränkten Zahl ihm bekannter Entsprechungen

222
kann er diesen Sinn verdrehen und sogar zur Legalisierung
des Falschen einsetzen. (L.S. 26)

4. Oktober

In jenen Tagen wurde Hiskia todkrank; und der


Prophet Jesajah, der Sohn des Amoz, kam zu ihm
und sprach: So spricht der Herr: Bestelle dein
Haus; denn du mußt sterben und wirst nicht gene-
sen. Da kehrte er sein Angesicht gegen die Wand
und betete zu dem Herrn: Ach, Herr, gedenke
doch, daß ich mit Treue und mit ungeteiltem
Herzen vor Dir gewandelt bin und getan habe, was
Dir wohlgefällt. … Jesajah aber war noch nicht
zum mittleren Vorhof hinausgegangen, da erging
an ihn das Wort des Herrn: Kehre um und sage zu
Hiskia, dem Fürsten meines Volkes: So spricht der
Herr … : ich habe dein Gebet erhört und deine
Tränen gesehen. So will ich dich denn gesund
machen (2. Kön. 20, 1 -5)

Ich bin unterrichtet worden, auf welche Weise der Herr


mit den Propheten gesprochen hat. Er hat es nicht wie mit den
Alten durch einen Einfluß in ihr Inneres, sondern durch
Geister getan, die ihnen zugesandt wurden, die der Herr mit
seinem Anblick erfüllte und denen er die Worte eingab, die sie
den Propheten diktierten; es handelte sich also nicht um eine
direkte Eingebung, sondern um ein Diktat. Weil aber die
Worte (zu den Geistern) unmittelbar aus dem Herrn hervor-
gingen, waren sie im einzelnen mit der göttlichen Weisheit
erfüllt und enthalten einen inneren Sinn, derart, daß die Engel
des Himmels sie dem himmlischen und geistigen Sinn nach,
die Menschen jedoch nach dem natürlichen Sinn auffassen.

223
Auf diese Weise hat der Herr den Himmel und die Welt durch
das Wort verbunden. (H.u.H. 254)

5. Oktober
Siehe Tage kommen, spricht Jehovah, da ich dem
David einen gerechten Sproß erstehen lasse, daß
er als König regiere und klüglich handle und tue
Recht und Gerechtigkeit auf Erden. (Jerem. 23, 5)

Oft kommen im Wort zwei Ausdrücke (hintereinander)


vor, die als Wiederholungen derselben Sache erscheinen.
Zum Beispiel: Bruder und Genosse, arm und dürftig, Wüste
und Einöde, Ledigkeit und Leerheit, Feind und Widersacher,
Sünde und Missetat, Zorn und Entbrennung, Völkerschaft
und Volk, Freude und Fröhlichkeit, Trauern und Weinen,
Gerechtigkeit und Gericht (Recht) usw. Sie erscheinen als
gleichbedeutende Wörter, sind es jedoch nicht; denn Bruder,
arm, Wüste, Ledigkeit, Feind, Sünde, Zorn, Völkerschaft,
Freude, Trauer, Gerechtigkeit werden vom Guten gesagt (und
im entgegengesetzten Sinne vom Bösen); hingegen Genosse,
dürftig, Einöde, Leerheit, Widersacher, Missetat, Entbrennung,
Volk, Fröhlichkeit, Weinen, Gericht (Recht) werden vom
Wahren gebraucht (und im entgegengesetzten Sinne vom
Falschen). (L.S. 84)

6. Oktober
Erhöhen will ich dich, mein Gott, du König, und
will segnen deinen Namen in Ewigkeit und
immerfort. Jeden Tag will ich dich segnen und
loben deinen Namen in Ewigkeit und immerfort.
(Ps. 145, 1 f.)

224
Die Fröhlichkeit, die dem Guten, und das Wohlgefühl, das
dem Wahren entspringt, die zusammen das Glück im Himmel
bewirken, bestehen nicht im Müßiggang, sondern in Tätigkeit;
denn Lust und Angenehmes werden im Müßiggang zur Unlust
und zum Unangenehmen. Hingegen bleiben sie im tätigen
Leben erhalten, erheben fortwährend das Gemüt und machen es
glücklich. Bei den Himmlischen besteht die Tätigkeit im
Nutzenschaffen - das ist ihre Feude aus dem Guten - und darin,
weise zu werden auf Grund der Wahrheiten um des Nutzens wil-
len - das ist für sie das Wohlgefühl aus dem Wahren. (H.G. 6410)

7. Oktober
Wer von dem Wasser trinkt, daß ich ihm geben
werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern
das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm
eine Quelle Wassers werden, das in‘s ewige Leben
quillt. (Joh. 4, 14)

Während das Göttlich-Wahre vom Herrn durch die drei


Himmel hindurch bis zu den Menschen in die Welt herabkam,
wurde es in jedem Himmel niedergeschrieben und zum Wort
gemacht. Aus diesem Grund bildet dieses die Vereinigung der
Himmel untereinander sowie die Verbindung der Himmel mit
der Kirche in der Welt. Überall nämlich ist es das Wort und
unterscheidet sich lediglich durch die Vollkommenheit und
Weisheit - je nach den Graden, in denen die Himmel sind.
Daher kommt es, daß die heilige göttliche Kraft vom Herrn
durch die Himmel auf jeden Menschen in der Welt übergeht,
der diese Kraft des Herrn und das Heilige des Wortes erkennt,
während er es liest, und daß ein solcher Mensch aus dem Wort
wie vom Herrn oder aus dem Himmel unterrichtet werden
und Weisheit schöpfen kann. (Erkl. Offb. 1074)

225
8. Oktober
Das (Wort) war das wahrhaftige Licht, das jeden
Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt.
(Joh. 1, 9)

Es ist keine Verbindung mit dem Himmel möglich, wenn


nicht irgendwo auf Erden eine Kirche ist, in der das Wort gele-
sen und durch dieses der Herr bekannt wird. Denn der Herr ist
der Gott des Himmels und der Erde, und ohne ihn gibt es keine
Seligkeit. Es ist genug, wenn auch nur eine Kirche besteht, die
das Wort besitzt, selbst wenn sie aus verhältnismäßig wenigen
besteht. Durch das Wort ist der Herr doch unaufhörlich überall
auf dem ganzen Erdkreis gegenwärtig. … Das Licht ist dort am
größten, wo das Wort gelesen wird. Von dort pflanzt es sich wie
von einem Ursprung kreisförmig bis ins letzte Gebiet fort.
Daher stammt die Erleuchtung der Heiden und Völker
außerhalb der Kirche. (L.S. 104. 106)

9. Oktober
Und es kam einer der Schriftgelehrten herzu … und
fragte ihn: Welches ist das erste Gebot von allen?
Jesus antwortete ihm: Das erste Gebot von allen
ist: Höre, Israel, der Herr unser Gott ist ein einziger
Herr. Und du sollst lieben den Herrn, deinen Gott,
von deinem ganzen Herzen und von deiner ganzen
Seele und von deiner ganzen Gesinnung und mit
deiner ganzen Kraft. (Mark. 12, 29)

Der vernünftige Mensch erkennt aus innerer Erleuchtung


im selben Augenblick, wenn er es hört, daß es einen Gott gibt,
der allgegenwärtig ist, daß alles Gute von ihm stammt, daß
alles sich auf das Gute und Wahre bezieht und alles Gute vom

226
Guten und alles Wahre vom Wahren selbst stammt. Dieses und
anderes ähnlicher Art wird der Mensch sogleich inne, wenn er
es hört. Er verfügt über diese Art von Wahrnehmung, weil er
Vernunft besitzt und diese im Licht des Himmels ist, das
erleuchtet. (G.V. 168)

10. Oktober
Da fielen die vierundzwanzig Ältesten vor dem auf
dem Throne Sitzenden nieder und beteten ihn an,
der in die Zeitläufe der Zeitläufe lebt, und warfen
ihre Kronen vor den Thron und sprachen: Herr, du
bist würdig zu nehmen die Herrlichkeit und die
Ehre und die Kraft, denn du hast alle Dinge
geschaffen, und durch deinen Willen sind sie.
(Offb. Joh. 4, 10 f.)

In jeder Religion wird anerkannt, daß Gott allgegenwärtig


und allwissend ist. Deshalb beten die Menschen zu Gott, daß
er auf sie hören und herabblicken und sich ihrer erbarmen
solle. Sie könnten das nicht tun, wenn sie nicht an seine
Allgegenwart und Allwissenheit glaubten. Daß sie aber daran
glauben, entstammt einem Einfluß aus dem Himmel bei
denen, die eine Religion haben; denn durch diese wird aller
Zweifel beseitigt, ob und auf welche Weise jene Eigenschaften
in Gott vorhanden seien. Heutzutage aber haben - und beson-
ders in der Christenheit - die rein natürlichen Menschen an
Zahl sehr zugenommen, und diese erkennen Gott nicht und
glauben nur, was sie sehen (wenn sie dennoch behaupten zu
glauben, so nur wegen ihres Amtes, aus einer blinden Meinung
oder aus Heuchelei); immerhin könnten sie es einsehen. …
Jeder Mensch ist nämlich – und sei er ganz materialistisch und
sinnlich - mit einem Verstand begabt, der in das Licht das
Himmels erhoben werden und die geistige, ja sogar die göttli-

227
che Kraft sehen und auch begreifen kann, mit der
Einschränkung, daß er gerade etwas darüber hört oder liest.
(Erkl. Offb. 1216)
11. Oktober
Hütet euch vor den falschen Propheten, die in
Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber
sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr
sie erkennen. (Matth. 7, 15 f.)

Der Beginn der neuen Geburt ist die Aufnahme der


Wahrheiten mit dem Verstand, daran schließt sich an, daß man
sein Leben nach diesen Wahrheiten richten will, was man
zuletzt auch wirklich tut. Man kann niemanden als gebessert
bezeichnen, der die Wahrheiten nur kennt; denn der Mensch
ist fähig, den bloßen Verstand über die Liebe zu erheben und
Wahrheiten zu erfassen, auszusprechen, zu lehren und zu pre-
digen. Doch ist nur der auf dem richtigen Weg, der die
Wahrheit um ihrer selbst willen liebt; denn diese Liebe verbin-
det sich mit dem Willen und verbindet bei fortgesetzter Übung
den Willen mit dem Verstand, worauf die Wiedergeburt
anfängt. … Der Mensch, dessen Verstand zwar erhoben ist,
jedoch ohne Auswirkung auf den Willen, kann mit einem
Adler verglichen werden, der in der Höhe fliegt, sobald er aber
unten Atzung sieht, Hühner, junge Schwäne, ja selbst junge
Lämmer, augenblicklich hinabschießt und sie verschlingt. …
Erkennet daher, meine Freunde, den Menschen nicht an sei-
nem Mund, sondern an seinem Herzen, d.h. nicht an der Rede,
sondern an den Taten. (W.C.R. 590)

12. Oktober
Der Gott, der Gott Jehovah, redet und ruft der Erde
von der Sonne Aufgang bis zu ihrem Untergang.

228
Höre, mein Volk, und ich will reden; o Israel, ich
will dich mahnen; der Herr, dein Gott, bin ich.
(Ps. 50, 1. 7)

Die Wahrheiten, die den Glauben bilden sollen, werden


zwar durch das Gehör aufgenommen und dem Gemüt einge-
pflanzt - somit unterhalb der Seele -, aber der Mensch wird
durch diese Wahrheiten nur zur Aufnahme des göttlichen
Einflusses vorbereitet, der den Weg über die Seele nimmt.
Diese Aufnahme entspricht der Intensität der Vorbereitung,
und im selben Maß geht die Umgestaltung des natürlichen
Glaubens in einen geistigen Glauben vor sich. … Den
Glauben an Gott empfängt der Mensch auf einem inneren Weg
- nämlich durch die Seele - in den oberen Gebieten des
Verstandes. Dagegen gewinnt er die Kenntnisse von Gott auf
einem äußeren Weg, weil der Verstand sie durch die Sinne aus
dem geoffenbarten Wort schöpft. In der Mitte des Verstandes
treffen die Einflüsse zusammen. Hier wird der natürliche
Glaube - der eigentlich nur angelernt ist - zu einem geistigen,
zur Anerkennung. Daher ist der menschliche Verstand eine Art
von Wechselstube, in der ein Umtausch getätigt wird.
(W.C.R. 8, 11)

13. Oktober
Unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen
ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das
Vollkommene, dann hat es ein Ende mit dem
Stückwerk. … Wir sehen jetzt durch einen Spiegel
in dunklen Worten, dann aber von Angesicht zu
Angesicht. (1. Kor. 13)

Gott ist unendlich, weil er ist (ohne geschaffen zu sein) und


weil jedes Ding von ihm geschaffen ist und durch ihn existiert.

229
… Der menschliche Geist ist jedoch endlich, wenn er sich auch
noch so sehr bemüht, alles zu ergründen, und das Endliche in
ihm kann nicht entfernt werden. Er ist deshalb unfähig, Gottes
Unendlichkeit zu erfassen und somit Gott zu schauen. Er kann
aber Gott im Schatten von der Rückseite wahrnehmen, wie zu
Mose gesagt wurde, als er darum bat, Gott sehen zu dürfen.
Unter Rückseite Gottes werden die sichtbaren Dinge in der Welt,
besonders aber die wahrnehmbaren Dinge im Wort verstanden.
Es ist also ein vergebliches Unterfangen, Gott in seinem Wesen
oder in seiner Substanz erkennen zu wollen; es genügt, ihn aus
den endlichen d.h. aus den geschaffenen Dingen zu erkennen, in
denen er auf unendliche Weise zugegen ist. (W.C.R. 28)

14. Oktober
Er hat die Erde gemacht durch seine Kraft, die Welt
bereitet durch seine Weisheit, und durch seine
Einsicht die Himmel ausgespannt.
(Jerem. 10, 12)

Der Einsichtsvolle kann begreifen, daß Gott das Weltall in


all seinen Teilen nicht hätte erschaffen können, wenn er nicht
Mensch wäre, und zwar deshalb, weil er nicht leugnen kann,
daß in Gott Liebe und Weisheit ist und daß er die Barm-
herzigkeit und Gnade, sowie das Gute und Wahre an sich dar-
stellt; denn all dies stammt von ihm. Weil der Einsichtsvolle das
nicht leugnen kann, so auch nicht, daß Gott Mensch ist. Denn
nichts von alldem ist denkbar ohne das Bild des Menschen.
Der Mensch ist der Träger aller der genannten Eigenschaften
und Dimensionen; sie von ihm trennen, hieße sie leugnen.
Stell dir die Weisheit außerhalb des Menschen vor - ist sie dann
noch existent? Kannst du sie dir als etwas Ätherisches oder
Flammendes denken? Du kannst es nicht, es sei denn als etwas,
das in dergleichen enthalten ist, womit aber die Weisheit doch

230
wieder eine Form erhielte, wie sie dem Menschen zur
Verfügung steht, und zwar eine vollständige Form. Nichts
dürfte fehlen fehlen, damit die Weisheit darin ihren Platz
fände. Mit einem Wort: die Form der Weisheit ist der Mensch;
und deshalb ist er auch die Form der Liebe, der
Barmherzigkeit, der Gnade, des Guten und Wahren, weil diese
mit der Weisheit eins ausmachen. (G.L.W. 286)

15. Oktober
So spricht der Gott Jehovah, der die Himmel
erschaffen und sie ausgespannt, die Erde ausge-
breitet und ihre Sprößlinge, der Odem gibt dem
Volk darauf und Geist denen, so darauf wandeln:
ich, Jehovah, habe dich gerufen in Gerechtigkeit
und fasse dich an der Hand und werde dich bewah-
ren … (Jes. 42, 5 f.)

Gott ist unerschaffen, weil er das Leben an sich ist. Das


Leben kann schaffen, aber nicht geschaffen werden. Denn
geschaffen werden heißt, von der Hand eines anderen entste-
hen; dann aber wäre dieser andere das Leben, und er wäre das
Leben an sich. Wäre nun das Leben Gottes nicht das Leben an
sich, müßte es ein Leben aus sich heißen, was aber wiederum
auf einen Ursprung hindeuten würde, und zwar auf einen
Ursprung aus dem Nichts; aus dem Nichts aber kann nichts
entstehen. Das Erste, was in sich existiert und von dem alles
geschaffen ist, ist Gott, der wegen dieses Seins an sich „Jehovah“
genannt wird; vergl. 2. Mose 3, 14. (Erkl. Offb. 1126)

16. Oktober
Weißt du nicht, hast du nicht gehört, daß ein Gott
der Ewigkeit Jehovah ist, der der Erde Enden

231
geschaffen hat, der nicht matt noch müde wird,
daß kein Ergründen seiner Einsicht ist.
(Jes. 40, 28)

Gott war schon vor der Schöpfung die Verkörperung von


Liebe und Weisheit, und diese beiden strebten danach, Nutzen
hervorzubringen; denn Liebe und Weisheit ohne Nutzen sind
bloße Gebilde der Vernunft und verflüchtigen sich, wenn sie
nicht in nützliches Wirken münden. Ohne den Nutzen sind sie
wie Vögel, die über dem Weltmeer fliegen und endlich ermat-
tet vom Flug herunterfallen und versinken. Daraus wird
ersichtlich, daß das Weltall von Gott um des Nutzens willen
geschaffen worden ist, weshalb es ein Schauplatz des nützli-
chen Tuns genannt werden kann. Der Hauptzweck der
Schöpfung ist der Mensch, und um dessentwillen ist alles
geschaffen worden; die ganze Ordnung ist in ihn hineingelegt
und in ihm konzentriert, damit Gott durch ihn den hauptsäch-
lichen Nutzen schaffen kann. (W.C.R. 67)

17. Oktober
Jesus hob seine Augen auf gen Himmel und sprach:
… Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die
du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleich wie
wir … Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast,
habe ich ihnen gegeben, auf daß sie eins seien, wie
wir eins sind. (Joh. 17, 11. 22)

Jeder Grundsatz - selbst der falscheste - kann auf beliebige


Weise begründet und so dargestellt werden, als ob er die
Wahrheit selbst wäre. Daher stammen die Irrlehren, von denen
niemand mehr abgeht, wenn er einmal Gründe für sie gefunden
hat. Aber aus einem falschen Grundsatz entsteht immer nur
Falsches, und selbst echte Wahrheiten werden verfälscht, wenn

232
sie den falschen Grundsatz begründen müssen. … Ganz anders
verläuft der Prozeß, wenn Wahres als Grundsatz postuliert und
begründet wird. Wird z.B. gesagt, das Gesetz hänge von der
Liebe zum Herrn und zum Nächsten ab und alle Propheten
redeten davon und priesen sie als Kern aller Lehre und Got-
tesverehrung - dann wird das Gemüt durch unzählige Stellen im
Wort erleuchtet, während es sonst im Dunkel des falschen
Grundsatzes verborgen bleibt. Auf diese Weise könnten die
Irrlehren zerstreut und aus vielen Gemeinschaften eine Kirche
gebildet werden, wobei es keine Rolle spielen müßte, wieweit
Lehrbestimmungen und Gebräuche sich unterscheiden. Ähn-
lich geformt war die Alte Kirche, die sich über mehrere Reiche
erstreckte. … Lehrbestimmungen und Gebräuche waren ver-
schieden; dennoch war sie eine gemeinsame Kirche, weil darin
die tätige Liebe das Wesentlichste war. (H.G. 2385)

18. Oktober
Denn also spricht der Herr Jehovah: Siehe, ich will
nach meiner Herde fragen, nach ihnen forschen.
Die Verlorenen will ich suchen und die
Verscheuchten zurückbringen und die
Gebrochenen verbinden und die Kranken stärken.
(Ez. 34, 11. 16)

Der Herr sorgt dafür, daß jeder Mensch selig werden kann.
Er sorgt dafür, daß überall eine Religion existiert, die zwei
wesentliche Heilsmittel bietet: nämlich Gott anerkennen und
das Böse nicht tun, weil es sich wider Gott richtet. Alles Übri-
ge ist Sache des Verstandes d.h. des Denkens - man nennt es
den Glauben. Seine Grundsätze werden für jeden Menschen
seinem Leben gemäß vorgesehen, denn sie gesellen sich zum
Leben hinzu. Obgleich sie (zeitlich) vorausgehen, empfangen
sie ihr eigentliches Leben doch nicht früher. Auch wird dafür

233
gesorgt, daß alle, die gut gelebt und den Herrn anerkannt
haben, nach dem Tod von Engeln unterrichtet werden. Wer
jenen zwei wesentlichen Erfordernissen der Religion in der
Welt nachgekommen ist, nimmt nun die Wahrheiten der
Kirche, wie sie im Wort enthalten sind, auf und erkennt den
Herrn (Jesus Christus) als den Gott des Himmels und der
Kirche an. (G.V. 328)

19. Oktober
Auf dem Weg, den Jehovah, euer Gott, euch gebo-
ten hat, sollt ihr getreulich wandeln, auf daß ihr
lebet und es euch gut ergehe und ihr eure Tage
verlängert in dem Lande, daß ihr einnehmen wer-
det. (5. Mose 5, 30)

Nur denen wird der Himmel zuteil,die den Weg kennen,der dahin
führt, und ihn beschreiten. Diesen Weg kann man einigermaßen
erkennen,wenn man die Engel betrachtet,die den Himmel bilden,und
sich das Gesetz vergegenwärtigt, daß niemand ein Engel wird, bzw. in
den Himmel kommt, der nicht eine Engelsnatur aus der Welt mit sich
bringt. In dieser Engelsnatur sind die Kenntnis des Weges und sein
Beschreiten wechselseitig angelegt: eines folgt aus dem anderen.
Tatsächlich gibt es auch in der geistigen Welt Wege, die zu jeder einzel-
nen Lebensgemeinschaft des Himmels und auch der Hölle führen.
Jeder findet seinen Weg wie aus sich selbst, weil ein Weg für jede
Liebesart vorgesehen ist und diese ihn öffnet und den Zugang zu den
Gleichartigen freigibt.Andere Wege als den,der seiner Liebe entspricht,
sieht dort niemand. (G.V. 60)

20. Oktober
Siehe, ich bin bei euch und wende mich an euch,
und ihr werdet bebauet und besäet werden; und

234
will auf euch den Menschen mehren, das ganze
Haus Israel allzumal, und die Städte sollen
bewohnt und die Öden aufgebaut werden; und
ich will auf euch den Menschen und das Vieh
mehren, und sie sollen sich mehren und frucht-
bar sein, und lasse euch wohnen, wie in euren
Vorzeiten und tue euch mehr Gutes, als in euren
Anfängen, und ihr sollt wissen, daß ich Jehovah
bin. (Ez. 36, 9 - 11)

Unter dem Menschen wird hier der geistige Mensch ver-


standen, der auch Israel genannt wird, unter der Vorzeit die
alte Kirche nach der Flut; der Vermehrung (des Wahren) folgt
die Befruchtung (Mehrung des Guten) nach, weil der Mensch
erst wiedergeboren werden soll und nicht schon wiedergebo-
ren ist. Wenn der Verstand mit dem Willen bzw. der Glaube
mit der Liebe verbunden ist, wird der Mensch vom Herrn ein
vermähltes Land genannt: „Nicht mehr wird man zu deinem
Land sagen: Wüste; sondern man wird dich nennen: Mein
Wohlgefallen an ihr, und dein Land: vermählt, weil Jehovah
Wohlgefallen an dir hat und dein Land vermählt werden
wird“ (Jes. 62, 4). Die Früchte hiervon, die dem Wahren ange-
hören, werden “Söhne“ genannt, während die dem Guten
zugehörenden Früchte dieser Verbindung “Töchter“ genannt
werden, und dies sehr oft im Wort. Die Erde wird erfüllt,
wenn viel Wahres und Gutes vorhanden ist; denn wenn der
Herr segnet und spricht, d.h. wirkt, wächst das Gute und
Wahre ins Unermeßliche. (H.G. 55)

21. Oktober
Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von
lebenden Wesen, und Vögel sollen fliegen über der
Erde an der Feste des Himmels! Und es geschah

235
also. Gott schuf die großen Seetiere und alles, was
da lebt und webt, wovon das Wasser wimmelt, und
alle geflügelten Tiere, ein jegliches nach seiner Art.
Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar
und mehret euch und erfüllet die Wasser in den
Meeren, und die Vögel sollen sich mehren auf der
Erde. (1. Mose 1, 20 - 22)

Alles, was vom Herrn Leben in sich hat, befruchtet und


vermehrt sich ins Unermeßliche, dies allerdings weniger
während des irdischen Lebens, in erstaunlichem Maß jedoch
im anderen Leben. ‚Befruchten‘ (fruchtbar sein) bezieht sich
im Wort auf Dinge der Liebe, ,mehren‘ auf solche des
Glaubens. Die Frucht besitzt Samen, durch die sie sich stark
vermehrt. Auch bedeutet der Segen aus des Herrn Wort
Befruchtung und Vermehrung. (H.G. 43)

22. Oktober
Machet entweder den Baum gut und seine Frucht
gut, oder macht den Baum und seine Frucht faul.
Denn an der Frucht erkennt man den Baum.
(Matth. 12, 33)

Die Früchte bedeuten die Werke der tätigen Liebe, also das
Gute, und zwar weil der Keim eines Baumes die Frucht ist, aus
der der Same kommt, und sein Produkt wieder die Frucht, in
der sich der Same befindet, seine Mittel aber sind die Zweige
und Blätter. Parallel dazu entwickeln sich das Gute der Liebe
und das Wahre des Glaubens. Das Gute der Liebe ist der
Anfang, wenn der Mensch wiedergeboren oder „gepflanzt“
wird, und es ist auch das Letzte; den Übergang aber bilden die
Glaubenswahrheiten, die aus dem Guten der Liebe wie aus
ihrem Samen hervorgehen und stets das Gute der Liebe zum

236
Ziel haben, gerade wie das Gerüst des Baumes (Zweige und
Blätter) die Frucht, in der der Same ist. (H.G. 7690)

23. Oktober
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Liest man
auch Trauben von den Dornen oder Feigen von
den Disteln? (Matth. 7, 16)

Dem Herrn dienen heißt, nützliche Dienste leisten, weil


der wahre Gottesdienst darin besteht, Nutzen zu schaffen,
d.h. in Liebe tätig zu sein. Wer glaubt, dem Herrn zu dienen
bestehe im Kirchenbesuch, im Hören der Predigt und im
Beten, täuscht sich sehr. Der eigentliche Dienst des Herrn
besteht in der Leistung nützlicher Dienste; solche aber beste-
hen darin, daß der Mensch während seines irdischen Lebens
an seinem Platz seine Arbeit zuverlässig verrichtet und damit
dem Vaterland, der Gesellschaft und dem Nächsten dient,
und zwar von Herzen, und wenn er gegen seinen
Mitmenschen redlich handelt und seine Pflichten mit Über-
legung erfüllt, ein jeder entsprechend seiner Veranlagung.
Diese nützlichen Dienste sind vorzugsweise Übungen der
tätigen Liebe; durch sie wird der Herr vor allem verehrt. Der
Kirchenbesuch, das Anhören der Predigten und die Gebete
sind freilich auch notwendig. Ohne jenes nutzenbringende
Tun jedoch haben sie keinerlei Wert, weil sie nicht Sache des
Lebens sind, sondern nur Anweisungen, wie dieses geführt
werden sollte. (H.G. 7038)

24. Oktober
Jesus spricht: ich bin der Weg, die Wahrheit und
das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch
mich. (Joh. 14, 6)

237
Die Glaubenswahrheiten, so zahlreich und verschieden sie
erscheinen, machen vom Herrn aus, der das Wort, der Gott
Himmels und der Erde, der Gott alles Fleisches, der Gott des
Weinbergs oder der Kirche, der Gott des Glaubens, das Licht,
die Wahrheit und das ewige Leben ist, doch nur eins aus. Die
Glaubenswahrheiten sind mannigfaltig; der Mensch hat den
Eindruck, als ob sie sich alle voneinander unterschieden, z.B.
die Wahrheit von Gott dem Schöpfer, die Wahrheit vom Herrn
als dem Erlöser oder als dem Heiligen Geist und der göttlichen
Einwirkung, die Wahrheit vom Glauben und von der tätigen
Liebe, vom freien Willen, von der Buße, Umbildung und
Wiedergeburt und von der Zurechnung usw. Im Herrn aber
bilden sie ein einheitliches Ganzes und von ihm her auch im
Menschen. … Denn der Herr verbindet die zerstreuten und
getrennten Wahrheiten gleichsam in eine einzige Form, in der
sie einen einheitlichen Anblick bieten und eine einheitliche
Handlung darstellen. Durch den Vergleich mit den
Gliedmaßen und inneren Organen eines Körpers kann man
sich dies vergegenwärtigen. Trotz aller Mannigfaltigkeit und
aller Unterschiede, die sich dem Auge des Menschen bieten,
empfindet er sie doch als Einheit, da er ja selbst eine allgemei-
ne Form davon ist. Mögen auch alle Organe und Glieder seines
Körpers an seinem Tun beteiligt sein, so ist er doch immer als
ganzer Mensch tätig. (W.C.R. 354)

25. Oktober
O Land, Land, Land, höre Jehovahs Wort!
(Jerem. 22, 29)

Das Wort ist das Göttlich-Wahre, das den Engeln Weisheit


vermittelt und die Menschen erleuchtet. Weil es vom Herrn
ausgeht und weil alles, was von ihm ausgeht, er selbst ist - wie
Licht und Wärme von der Sonne ausgehen, … so ist auch das

238
Wort der Herr. … Das Göttlich-Wahre oder das Wort wurde
vom Herrn in die Welt entsandt und passierte alle drei
Himmel. Deshalb wurde es für jeden Himmel und zuletzt auch
für die Menschen in der Welt passend eingerichtet. Daher
kommt es, daß im Wort vier Bedeutungsebenen (Sinne) ent-
halten sind, vom höchsten Himmel bis zur Welt herab oder
auch umgekehrt. Diese vier Sinne heißen: der himmlische, der
geistige, der durch den himmlischen und geistigen Sinn
erleuchtete natürliche und der rein natürliche (oder buchatäb-
liche). Dieser ist für die Welt vorgesehen, jener für den letzten
oder untersten Himmel, der geistige für den zweiten, der
himmlische für den obersten Himmel. Diese vier Sinne sind so
sehr von einander verschieden, daß man sie nebeneinander
nicht als gleichartig erkennt; dennoch bilden sie ein Ganzes.
Denn es folgt einer aus dem anderen wie die Wirkung aus der
Ursache. (Erkl. Offb. 1066)

26. Oktober
Jesus sprach: Wenn jemand mich liebt, wird er
mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei
ihm machen. (Joh. 14, 23)

Die Verbindung (zwischen Gott und Mensch, die wechsel-


seitiger Natur ist, d. Hrsg.) wird durch die Nächstenliebe aus-
gelöst, weil Gott jeden Menschen liebt; weil er ihm aber nicht
unmittelbar, sondern nur mittelbar durch andere Menschen
wohltun kann, haucht er diesen seine Liebe ein, so wie er den
Eltern die Liebe zu ihren Kindern einhaucht. Der Mensch, der
diese göttliche Liebe aufnimmt, wird mit Gott verbunden und
liebt den Nächsten mit der Liebe Gottes. In ihm werden
Wollen und Können durch die göttliche Liebe bewirkt, die in
der Nächstenliebe wohnt. (W.C.R. 457)

239
27. Oktober
Und Leah empfing und gebar einen Sohn, und sie
nannte seinen Namen Ruben; denn, sprach sie,
Jehovah hat mein Elend gesehen.
(1. Mose 29, 32)

“Leah empfing und gebar einen Sohn“ bedeutet eine geisti-


ge Empfängnis und Geburt vom Äußeren zum Inneren.
Empfangen und gebären bedeuten im innern Sinn wiederge-
boren werden. Denn der Mensch, der wiedergeboren wird,
wird von neuem empfangen und geboren. … Der Mensch
wird zwar als Mensch von den Eltern geboren, aber ehe er vom
Herrn neugeboren ist, wird er nicht wahrhaftig Mensch. Erst
ein geistiges und himmlisches Leben macht den Menschen
aus; denn dies unterscheidet ihn von den unvernünftigen
Tieren. Diese Art von Empfängnis und Geburt wird im Wort
durch die verschiedenen Empfängnisse und Geburten symbo-
lisiert. Hier also heißt es: Leah empfing und gebar einen Sohn.
… Daß jene Empfängnisse und Geburten eine Richtung von
außen nach innen aufweisen, wird dadurch ausgedrückt, daß
Leah empfing und gebar, denn sie stellt die Neigung zum
äußeren Wahren dar, Ruben hingegen das Wahre des
Glaubens, was die Grundlage der Wiedergeburt ist, das
Äußere, mit dem begonnen wird. … Die zwölf Stämme stehen
für all das, was dem Wahren und Guten, bzw. dem Glauben
und der Liebe angehört. (H.G. 3862)

28. Oktober
Es gibt noch eine Hoffnung für deine Zukunft,
spricht der Herr … gar wohl habe ich gehört, wie
Ephraim klagt: „Du hast mich gezüchtigt; wie ein
junges, ungebärdiges Kalb ward ich gezüchtigt.

240
Führe mich zurück, daß ich heimkehre; bist du
doch der Herr, mein Gott. Nachdem ich in die
Verbannung gewandert, tat ich ja Buße, und nach-
dem ich gezüchtigt war, schlug ich meine Brust.
Ich bin beschämt und zerknirscht, denn ich trage
die Schmach meiner Jugend.“ Ist nicht ein köstli-
cher Sohn mir Ephraim, ein Kind des Ergötzens!
So oft ich von ihm rede, muß ich immerfort seiner
gedenken, darum stürmt mein Herz ihm entgegen,
ich muß mich seiner erbarmen.
(Jerem. 31, 17 - 20)

Das Gute, das vor der Buße getan wird, ist unecht, denn das
Böse ist inwendig im Menschen, weil es nicht aufgeschlossen
und daher nicht geheilt ist; aus dem Bösen kann kein echtes
Gutes hervorfließen, denn die Quelle ist unrein. Es mag der
äußeren Gestalt nach gut erscheinen, aber im Inneren gleicht
der Mensch seiner inneren Beschaffenheit. Jede Tat des
Menschen ist ein Bild seiner selbst. … Das Gute, das jemand
mit dem Körper tut, kann vor Menschen, die nur das Äußere
sehen, gut erscheinen; in seinem Innern aber verbergen sich
vielleicht Wille und Absicht, für aufrichtig und ehrlich gehal-
ten zu werden … kurz, sein Gutes ist entweder ehrlich oder
aber heuchlerisch oder teuflisch, weil er es um zu täuschen tut,
um Rache zu üben oder zu töten usw. Dieses „Gute“ aber wird
weggenommen, wenn der Mensch nach dem Tod in seinen
inneren Zustand versetzt wird, und es verrät sich offen als
Böses. ( Liebt. I, 4)

29. Oktober
Wieviele ihn aber aufnahmen, denen gab er
Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an sei-
nen Namen glauben; die nicht aus dem Geblüt

241
noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem
Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren
sind. (Joh. 1, 12 f.)

Die Kirchenlehrer nennen den seligmachenden Glauben


Zuversicht und Vertrauen, was sich darauf gründet, daß Gott
der Vater seinen Sohn gesandt habe, um das Menschen-
geschlecht mit sich zu versöhnen und diejenigen selig zu
wachen, die diesen Glauben annehmen. Aber Zuversicht und
Vertrauen, wie sie dem Glauben angehören, müssen anders
definiert werden: Wer sich der Selbst- und Weltliebe, d.h. dem
Bösen und Falschen verschrieben hat, kann diesen Glauben
nicht vertreten, weil sein Herz nicht auf Gott, sondern auf sich
selbst und die Welt baut. Wer hingegen in der Liebe zum
Nächsten tätig ist und den Herrn liebt, der kann es, weil sein
Herz auf den Herrn gerichtet ist. Das lehrt der Herr bei
Johannes. Aus dem Blut und dem Willen des Fleisches und des
Mannes geboren sein bedeutet, aus den Trieben der Selbst-
und Weltliebe böse und falsch zu sein. (H.G. 9241 f.)

30. Oktober
Ich habe Lust an Barmherzigkeit und nicht am
Opfer, und an der Erkenntnis Gottes mehr denn am
Brandopfer. … Schauerliches habe ich im Hause
Israels gesehen. Da buhlet Ephraim und Israel ver-
unreinigt sich. (Hos. 6, 6.10)

Man spricht von ,an Gott glauben‘ und ,das glauben, was
von Gott geoffenbart ist‘. ,An Gott glauben‘ ist der seligmachen-
de Glaube; und ,das glauben, was von Gott geoffenbart ist‘
macht ohne jenen nicht selig. Denn an Gott glauben heißt: wis-
sen und tun. Das glauben, was von Gott geoffenbart ist, heißt
dagegen: wissen, aber noch nicht tun. Die wahren Christen wis-

242
sen und tun, glauben also an Gott. Die unechten Christen wis-
sen zwar ebenfalls, tun aber nicht danach. (H.G. 9239)

31. Oktober
Viele von denen, die im Staub des Bodens schla-
fen, werden erwachen, etliche zum ewigen Leben
und etliche zur Schmach. … Die Verständigen aber
werden glänzen wie der Glanz der Himmelsfeste
und die, so viele gerecht gemacht, wie die Sterne
in Ewigkeit und immerdar. (Dan. 12, 2 f.)

Das menschliche Gemüt ist in drei Regionen geteilt; die


unterste heißt natürlich, die mittlere geistig und die oberste
himmlisch. Der Mensch wird durch die Wiedergeburt von der
untersten Region - der natürlichen - in die nächst obere und
durch diese dann in die himmlische erhoben. … Daher wird
der nicht wiedergeborene Mensch natürlich, der wiedergebo-
rene aber geistig genannt. Das Gemüt des wiedergeborenen
Menschen blickt aus der geistigen Region auf das natürliche
Gemüt herab und sieht, was dort vorgeht. (W.C.R. 603)

1. November
Wenn ihr fastet, sehet nicht düster drein, wie die
Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, auf
daß sie vor den Menschen scheinen mit ihrem
Fasten. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren
Lohn dahin. Wenn du aber fastest, salbe dein
Haupt und wasche dein Angesicht, auf daß du
nicht vor den Menschen scheinest mit deinem
Fasten, sondern vor deinem Vater im Verborgenen;
und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir‘s
vergelten öffentlich. (Matth. 6, 16 - 18)

243
Zwar ist jeder gehörig erzogene Mensch vernünftig und
richtet sich nach den Regeln der Sitte; doch führen zwei Wege
zur Vernunft, einer aus der Welt und einer vom Himmel her.
Wer lediglich in der Welt und nicht zugleich aus dem Himmel
Vernunft und Moral erworben hat, der beweist es nur mit
Mund und Gebärde, während er im Inneren ein Tier, sogar ein
wildes Tier ist, denn er wirkt in Übereinstimmung mit den
Bewohnern der Hölle, zu denen er paßt. Wer hingegen die
Unterweisung aus dem Himmel befolgt, ist wahrhaft vernünf-
tig und sittlich, das heißt, er ist es zugleich mit Geist, Mund
und Leib. Bei ihm ist das Geistige in Mund und Leib wie die
Seele und setzt das Natürliche, Sinnliche und Fleischliche in
Tätigkeit; auch wirkt ein solcher Mensch in Übereinstimmung
mit den Bewohnern des Himmels. Es gibt also einen geistig
vernünftigen und sittlichen und einen nur natürlich vernünf-
tigen und sittlichen Menschen, die allerdings in der Welt nicht
voneinander zu unterschieden sind, vor allem wenn der letzte-
re sich in Heuchelei geübt hat. Von seiten der Engel werden sie
freilich so sicher unterschieden wie Tauben von Uhus oder
Schafe von Tigern. (W.C.R. 564)

2. November
Ein Jeglicher, der bekennt, daß Jesus der Sohn
Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er in Gott.
(1. Joh. 4, 15)

Die Verbindung mit dem Herrn ist gegenseitig und besteht


darin, daß der Herr im Menschen und der Mensch im Herrn
ist. Die heilige Schrift lehrt und die Vernunft sieht ein, daß die
Verbindung auf Gegenseitigkeit beruhen muß. Daraus folgt
notwendigerweise, daß der Mensch sich mit dem Herrn ver-
binden muß, wenn er will, daß der Herr sich mit ihm verbin-
det. Andernfalls kommt nämlich keine Verbindung zustande,

244
sondern es erfolgt im Gegenteil ein Zurückweichen, also eine
Trennung, jedoch nicht von seiten des Herrn, sondern des
Menschen. Um diese gegenseitige Verbindung zu ermöglichen,
wurde dem Menschen die Freiheit zu wählen verliehen, auf
Grund derer er entweder den Weg zum Himmel oder den zur
Hölle einschlagen kann. … Es ist bedauerlich, daß die wech-
selseitige Natur der Verbindung zwischen dem Herrn und dem
Menschen, trotz der deutlichen Aussagen des Wortes, in der
christlichen Kirche unbekannt ist. Man nimmt dort einfach an,
der Glaube werde dem Menschen geschenkt, ohne daß er
selbst nur das Geringste dazu beitrage. … Eine ähnliche, auf
Gegenseitigkeit beruhende Verbindung erfolgt zwischen Licht
und Auge, Schall und Ohr, Geruch und Nase … , denn das
Auge ist ebenso im Licht wie das Licht im Auge, der Schall im
Ohr wie das Ohr im Schall, der Geruchsinn in der Nase wie die
Nase im Geruchsinn … (W.C.R. 371)

3. November
Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: du
sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: wer
ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon
mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
(Matth. 5, 27)

Niemand kann umgebildet werden, der nur sein Äußeres


und nicht auch sein Inneres erforscht. Prüft nämlich der
Mensch nur sein Äußeres, sieht er lediglich, was er tatsächlich
begangen hat, z.B. daß er nicht gemordet, nicht die Ehe gebro-
chen, nicht gestohlen, kein falsches Zeugnis abgelegt hat usw.
So erforscht er nur das Böse, das er mit seinem Körpers began-
gen haben könnte, nicht aber das Böse seines Geistes. Und
doch muß gerade dieses erforscht werden, damit eine
Umbildung möglich wird. Denn der Mensch lebt nach dem

245
Tod als Geist, und alles Böse bleibt in ihm. Der Geist aber läßt
sich nur dadurch untersuchen, daß der Mensch auf seine
Gedanken, besonders auf seine Absichten achtet. Denn in die-
sen finden sich die Gedanken seines Willens, in dem das Böse
seinen Ursprung und seine Wurzeln hat, d.h. in dessen
Begierden und Trieben. Werden diese nicht gesehen und
erkannt, ist der Mensch dem Bösen verfallen, selbst wenn er es
äußerlich nicht begangen hat. Denken aus Absicht ist nach den
Worten des Herrn gleichbedeutend mit Wollen und Tun.
(G.V. 152)

4. November
Und weil das Unrecht sich mehrt, wird die Liebe
vieler erhalten. (Matth. 24, 12)

Stünde die tätige Liebe an erster und der Glaube an zweiter


Stelle, hätte die Kirche eine andere Gestalt, denn dann hieße
nur Christ, wer ein Leben nach den Wahrheiten des Glaubens
führt, d.h. ein Leben der tätigen Liebe; man wüßte dann auch,
was die tätige Liebe ist. Auch hätten sich dann nicht verschie-
dene Kirchen gebildet, die sich in der Auffassung der
Wahrheiten voneinander unterscheiden, sondern man hätte als
die einzig wahre Kirche diejenige erklärt, deren Glieder ein
gutes Leben führen, selbst wenn sie es außerhalb der erwähn-
ten Teilkirchen tun. Die Kirche wäre erleuchtet in Bezug auf
alles, was zum Reich des Herrn gehört, denn die tätige Liebe
spendet Licht im Gegensatz zum Glauben ohne die tätige
Liebe. (H.G. 6269)

5. November
Joseph nahm sie beide, Ephraim mit seiner
Rechten zur Linken Israels und Manasse mit seiner

246
Linken zur Rechten Israels, und führte sie nahe zu
ihm hin. Und Israel streckte seine Rechte aus und
legte sie auf das Haupt Ephraims, der der Jüngere
war, und seine Linke auf das Haupt Manasses,
indem er seine Hände kreuzte, denn Manasse war
der Erstgeborene … Und Joseph sprach zu seinem
Vater: Nicht also, Vater, denn dieser ist der
Erstgeborene. Leg deine Rechte auf sein Haupt.
Sein Vater aber weigerte sich und sprach: ich weiß
es, mein Sohn, ich weiß es. Auch er wird zu einem
Volke werden, und auch er wird groß werden;
gleichwohl wird sein kleiner Bruder größer werden
denn er. (1. Mose 48, 13 f. 18 f.)

„Und Israel streckte seine Rechte aus und legte sie auf das
Haupt Ephraims“ will sagen, daß er meinte, das Wahre stehe
an erster Stelle; „seine Rechte ausstrecken“ bedeutet nämlich:
an die erste Stelle setzen. Es ist ja deutlich, daß die Rechte die
erste Stelle einnimmt. Die symbolische Bedeutung Ephraims
ist das Verständnis und somit das Wahre des Glaubens, weil
dieses im Verstand des Menschen wohnt, sobald sich hier im
Licht des Himmels eine Anschauung oder ein geistiges Sehen
gebildet hat. … Die Ursache ist, daß der durch Israel darge-
stellte geistige Mensch vor seiner Wiedergeburt nur so glaubt,
denn er nimmt deutlich das Wahre des Glaubens, nicht aber
das Gute der tätigen Liebe wahr; denn dieses kann er nur auf
innerem Weg empfangen, jenes aber öffnet sich ihm von
außen wie die Gegenstände des Wissens. Die nicht Wieder-
geborenen sagen mit Bestimmtheit, der Glaube stehe an
erster Stelle, d.h. er sei der Hauptgegenstand der Kirche, weil
sie dann nach ihrem Belieben leben können und dennoch
behaupten, die Hoffnung auf das Heil sei ihnen gewiß.
(H.G. 6269)

247
6. November
Da sagten sie zu ihm: Was sollen wir tun, daß wir die
Werke Gottes wirken? Jesus antwortete und sprach
zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, daß ihr glaubet
an ihn, den selbiger gesandt hat. (Joh. 6, 28 f.)

Es ist bekannt, daß der Weg zur Seligkeit über den aus der
Liebe hervorgehenden Glauben führt und dieser das Grund-
prinzip der Kirchenlehre bildet. Es ist wichtig zu erkennen, wie
der Mensch durch Erleuchtung die Wahrheiten dieses Glaubens
kennen lernen und die Neigung erlangen kann, das Gute zu tun,
das dieser Liebe angehört. Es soll deshalb hier erklärt werden,
wie der Glaube ein Glaube an das Wahre und die Liebe eine
Liebe zum Guten wird. Dazu gehört: erstens, daß der Mensch
täglich ein oder zwei Kapitel im Wort liest und die Lehrsätze sei-
ner Religion durch Lehrer oder aus Predigten kennen lernt, vor
allem aber, daß er begreift, daß Gott nur Einer und der Herr
Jesus Christus der Gott des Himmels und der Erde ist … , zwei-
tens, daß das Wort heilig ist, daß es Himmel und Hölle und ein
Leben nach dem Tode gibt. (Erkl. Offb. 803)

7. November
Ich bin froh, wenn sie zu mir sagen: Lasset uns
gehen nach dem Hause des Herrn! In deinen Toren
stehen unsere Füße, o Jerusalem. Jerusalem, die
gebaut ist wie eine Stadt, die für sich zusammen-
gefügt ist in Eins. Wo hinaufziehen die Stämme, die
Stämme Jahs, ein Zeugnis für Israel, zu bekennen
den Namen des Herrn. (Ps. 122, 1 - 4)

Fortsetzung: Zweitens muß der Mensch aus dem Wort,


durch Lehrer und aus Predigten lernen, welche Werke sündhaft

248
sind, und daß namentlich Ehebruch, Diebstahl, Mord, falsches
Zeugnis und vieles andere aus den zehn Geboten hierher
gehört, wie auch, daß geile und schmutzige Gedanken eben-
falls Ehebrüche sind, Betrug und unerlaubte Wucherkünste
ebenfalls Diebstahl, daß Haß und Rachsucht zugleich Mord
bedeuten, wie auch, daß Lügen und Lästerungen falsches
Zeugnis sind usw. Dies alles muß er lernen von Kindheit an bis
zu seinem kräftigen Jugendalter. (Erkl. Offb. 803)

8. November
Es sei denn, daß eure Gerechtigkeit weit übertref-
fe die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet
ihr nicht in das Reich des Himmels eingehen.
(Matth. 5, 20)

Fortsetzung, drittens: Wenn der Mensch anfängt, aus sich


zu denken - was mit der Pubertät geschieht - dann muß das
Erste und Wichtigste für ihn sein, daß er von allem Bösen
absteht, weil es Sünde ist wider das Wort und wider Gott, und
daß ihm, wenn er es dennoch tut, nicht das ewige Leben, son-
dern die Hölle zuteil wird. Im Mannes- und im Greisenalter
soll er dann das Böse als etwas Verdammenswürdiges fliehen
und sowohl den Gedanken daran als auch die Neigung dazu
verabscheuen. Um das zu können, muß er den Herrn um
Beistand anrufen. Die Sünden, von denen er abstehen, die er
fliehen und verabscheuen soll, sind hauptsächlich Ehebruch,
Betrug, unerlaubter Gewinn, Haß, Rachsucht, Lüge, Lästerung
und Hochmut. (Erkl. Offb. 803)

9. November
Denket nicht, daß ich gekommen bin, das Gesetz
oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht

249
gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn
wahrlich ich sage euch: Bis daß Himmel und Erde
vergehen, soll kein Jota noch Strichlein vom
Gesetz vergehen, bis daß alles geschehe.
(Matth. 5, 17 f.)

Fortsetzung, viertens: In dem Maß, wie der Mensch diese


Sünden verabscheut, weil sie Sünde und daher wider Gott
gerichtet sind, wird ihm Gemeinschaft mit dem Herrn und
Verbindung mit dem Himmel verliehen. Dann geht der Herr
bei ihm ein und mit ihm der Himmel, denn die Sünden und ihr
Falsches bilden das einzige Hindernis. Es verhält sich so, weil
der Mensch in der Mitte zwischen Himmel und Hölle steht; er
wird also auf der einen Seite von der Hölle, auf der anderen
vom Himmel beeinflußt, und je mehr der böse höllische Ein-
fluß gebrochen wird, desto leichter findet das Gute aus dem
Himmel Platz. Der Herr sagt: „Siehe, ich stehe an der Tür und
klopfe an. So jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu
dem gehe ich ein und halte Abendmahl mit ihm und er mit
mir“. Wenn jedoch der Mensch das Böse aus einem anderen
Grund unterläßt, also nicht weil es Sünde und wider Gott und
das Wort gerichtet ist, so kommt er nicht mit dem Himmel in
Verbindung, weil er dann aus eigenem Interesse und nicht aus
Liebe zu Gott von der Sünde abläßt. (Erkl. Offb. 803)

10. November
Bleibet in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote
haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie
ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in
seiner Liebe bleibe. (Joh. 15, 9 f.)

Fortsetzung, fünftens: Sowie der Mensch (das Böse) ver-


abscheut, beginnen die guten Neigungen einzudringen; z.B.

250
je stärker er sich vom Ehebruch abwendet, desto stärker ent-
wickelt sich die Keuschheit; je weiter er Betrug und uner-
laubten Gewinn von sich weist, desto enger umgeben ihn
Redlichkeit und Gerechtigkeit; je deutlicher er Haß und
Rachsucht verabscheut, desto mehr erfüllt ihn die tätige
Liebe; statt Lüge und Lästerung gewinnt er an Wahrheit, statt
Hochmut die Demut vor Gott und die Liebe zum Nächsten,
sodaß er diesen liebt wie sich selbst, usw. Hieraus folgt, daß
das Fliehen des Bösen das Tun des Guten weckt.
(Erkl. Offb. 803)

11. November
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet
mich zum frischen Wasser; er erquicket meine
Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines
Namens willen. Und ob ich schon wanderte im fin-
stern Tal, fürcht‘ ich kein Unglück; denn du bist bei
mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du berei-
test vor mir einen Tisch im Angesicht meiner
Feinde. Du salbest mein Haupt mit Oel und schen-
kest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden
mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben
im Hause des Herrn immerdar. (Ps. 23)

Fortsetzung, sechstens: Der Mensch wird nach dem Maß


seiner guten Neigungen vom Herrn, nicht von sich selbst
geführt, und solange er sein Handeln von jenen Neigungen
leiten läßt, tut er Gutes. Er handelt aus Keuschheit und
Gerechtigkeit, in tätiger Liebe und Wahrheit und neigt sich
demütig vor Gott. Aus solchen Antrieben kann niemand von
sich aus (auf Grund eigenen Verdienstes) handeln.
(Erkl. Offb. 803)

251
12. November
Obgleich wir im Fleische wandeln, streiten wir doch
nicht nach dem Fleische. Denn die Waffen unseres
Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für
Gott zur Niederreißung von Bollwerken. Die wir
Anschläge und alles Hohe zerstören, das sich wider
die Erkenntnis Gottes erhebt, und alles Denken
unter den Gehorsam gegen Christus gefangen neh-
men. (2. Kor. 10, 3 - 5)

Fortsetzung, siebtens: Die geistigen Neigungen, die dem


Menschen vom Herrn gegeben werden, möchten erstens das
Wahre und Gute des Himmels und der Kirche kennen und
verstehen, und zweitens – in Verbindung damit – es auch wol-
len und tun; dazu kommt als drittes das Bestreben, mit Eifer
gegen das Falsche und Böse zu kämpfen und es bei sich und
bei andern auszutreiben. Durch diese Neigungen bekommt
der Mensch den Glauben und die Liebe und dadurch Einsicht
und Weisheit. Auf diese und keine andere Weise wird der
Mensch umgebildet. Entsprechend seiner Erkenntnis des
Wahren und seinem Glauben daran wird er wiedergeboren
und wandelt sich aus einem natürlichen zu einem geistigen
Menschen, und sein Glaube und seine Liebe werden geistig.
(Erkl. Offb. 803)

13. November
Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr
gehe, denn daß ein Reicher in das Reich Gottes
eingehe. Da sprachen aber die, so es hörten: Wer
kann dann gerettet werden? Er aber sprach: Was
unmöglich ist bei Menschen, ist möglich bei Gott.
(Luk. 18, 25 - 27)

252
Der weltliche und fleischliche Mensch spricht in seinem
Herzen: solange ich nicht durch Sinneserfahrungen über den
Glauben und die Glaubensdinge belehrt werde, sodaß ich sie
sehe, oder durch intelligente Erörterungen, sodaß ich sie ver-
stehe, werde ich nicht glauben. Und zwar beruft er sich darauf,
das Natürliche könne dem Geistigen nicht entgegengesetzt
sein. Deshalb will er auf Grund von Wahrnehmungen seiner
Sinne über das Himmlische belehrt werden. Dies ist aber eben-
so unmöglich, wie es einem Kamel unmöglich ist, durch ein
Nadelöhr zu gehen. Je fester er auf die Sinne baut, desto stär-
ker verblendet er sich, sodaß er schließlich nichts mehr glaubt,
nicht einmal daß es geistige Bereiche und ein ewiges Leben
gibt. … Wer hingegen nicht auf Grund von materiellen
Zusammenhängen weise sein will, sondern durch die Kraft des
Herrn, der spricht in seinem Herzen, man müsse dem Herrn,
d.h. seinem Wort, glauben, weil es aus Wahrheiten besteht. …
Ein solcher Mensch argumentiert mit Vernunft, Wissen,
Sinnen und Natur; was aber seinen Glauben nicht bestätigt,
scheidet er aus. (H.G. 128)

14. November
Ob dem Propheten bricht mein Herz in meinem
Innern. … Denn voll von Ehebrechern ist das
Land, denn wegen der Verwünschung trauert das
Land, verdorren der Wüste Auen; und ihr Lauf ist
böse, Unrecht ihr Schalten und Walten. Denn
Heuchler sind sowohl Prophet als auch Priester,
selbst in meinem Hause finde ich ihre Bosheit,
spricht Jehovah. (Jerem. 23, 9 - 11)

Wer nie Buße getan, nie einen Blick in sich selbst geworfen,
nie sich selbst erforscht hat, weiß zuletzt nicht mehr, was das
verderbliche Böse oder das heilbringende Gute ist. … Der nur

253
natürliche Mensch kann das Böse und Gute bei anderen unter-
scheiden; er kann sie auch belehren. Weil er aber nicht in sich
selbst geblickt und sich erforscht hat, sieht er in sich keinerlei
Böses, und sollte es von anderen entdeckt werden, so verhüllt
er es mit Hilfe seiner Vernunft, wie die Schlange ihren Kopf mit
Staub bedeckt, und er versenkt sich in dieses Böse, wie eine
Hornisse in den Mist. Dies bewirkt die Lust am Bösen, die ihn
umgibt, wie der Dunst den Sumpf, der alles Licht aufsaugt
und erstickt. (W.C.R. 564)

15. November
Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussen-
den, und sie werden aus seinem Reiche zusam-
menlesen alle Ärgernisse und die da Unrecht tun,
und werden sie in den Feuerofen tun. Dort wird
sein Heulen und Zähneknirschen. Dann werden die
Gerechten hervorleuchten, wie die Sonne im
Reiche ihres Vaters. (Matth. 13, 41 - 43)

Die gegenseitige Liebe im Himmel besteht darin, daß man


den Nächsten mehr liebt als sich selbst. Daher stellt der ganze
Himmel gleichsam Einen Menschen dar, weil der Herr alle
Bewohner in dieser Weise zusammengesellt. Freude und
Wohlbefinden werden dadurch den Einzelnen und gleichzeitig
der Gesamtheit mitgeteilt. So ist jeder gleichsam Mittelpunkt
für die Mitteilungen, die von allen anderen ausgehen, und
damit auch für die Freuden entsprechend den unzähligen
Verschiedenheiten jener Liebe. Die Mitteilung geschieht fort-
während und ewig, weil jeder auf Grund jener Liebe die höch-
ste Befriedigung darin findet, an andere weiterzugeben, was
ihm geschenkt wird. Damit nimmt das Glück eines jeden par-
allel zur Vergrößerung des himmlischen Reiches zu. … Diese
Gestalt und Ordnung wird nur von der Selbstliebe zu zerstören

254
versucht, d.h. von all denen im anderen Leben, die sich mehr
als andere lieben. (H.G. 2057)

16. November
Jesus aber rief sie zu sich und sprach: Ihr wisset,
daß die obersten der Völkerschaften herrschen
über sie und die Großen Gewalt üben über sie. So
soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter
euch will groß werden, der soll euer Diener sein.
Und wer unter euch will der Erste sein, der sei euer
Knecht. Wie des Menschen Sohn nicht gekommen
ist, sich dienen zu lassen, sondern zu dienen und
sein Leben zu geben zur Lösung für viele.
(Matth. 20, 25 - 28)

Die Liebe zu sich selbst teilt nichts mit andern, sondern


unterdrückt und erstickt Lust und Freude anderer. Sie emp-
fängt angehme Empfindungen anderer, konzentriert sie in
sich, verunreinigt sie mit den eigenen Wünschen und unter-
bindet die weitere Verbreitung. Sie zerstört jede Eintracht und
alles, was verbindet; die Folge sind Uneinigkeit und Zer-
störung. Weil jeder Selbstsüchtige von den andern bedient,
verehrt und angebetet werden will und niemanden liebt außer
sich selbst, entsteht Zwietracht, die darin endet, daß jeder als
größte Lust empfindet, andere aus Haß, Rachgier und
Grausamkeit in gräßlicher Weise mit Schreckbildern zu peini-
gen. Wenn ein so gearteter Mensch in eine Geneinschaft
gelangt, in der gegenseitige (d.h. himmlische) Liebe waltet,
bleibt alles ihm zugängliche Angenehme in ihm eingeschlos-
sen, er erscheint in der reinen und lebendigen Himmelsluft wie
eine unreine und tote Masse und wird von selbst hinabgewor-
fen. Er dünstet dabei eine unreine Vorstellung von sich selbst
aus, so daß, was er als angenehm empfindet, sich in Aasgestank

255
verwandelt und er die Hölle seines Ichs zu fühlen bekommt,
während er außerdem von einer schrecklichen Angst ergriffen
wird. Man erkennt daraus das Gefährliche der Liebe zu sich
selbst, die nicht nur den Menschen, sondern auch die himmli-
sche Ordnung zerstören möchte. (H.G. 2057)
17. November
Es waren aber zur selben Zeit etliche da, die sag-
ten ihm an von den Galiläern, deren Blut Pilatus
mit ihren Opfern vermischte. Und Jesus antworte-
te: Meinet ihr, diese Galiläer seien Sünder gewesen
vor allen Galiläern, dieweil sie solches erlitten
haben? Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr
nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkom-
men. (Luk. 13, 1 - 3)

Wirkliche Buße heißt: sich prüfen, seine Sünden erkennen


und anerkennen, den Herrn (um Barmherzigkeit) anflehen
und ein neues Leben beginnen. … Der Mensch gleicht vor der
Buße einer Wüste mit fürchterlichen wilden Tieren. Sind diese
durch Fleiß und Anstrengung des Menschen ausgetrieben,
kann der wüste Boden gepflügt und können Felder angebaut
und zunächst Hafer, Bohnen und Lein, später Gerste und
Weizen gesät werden. … Wenn die menschlichen Bösewichter
nicht entsprechend den Gesetzen gezüchtigt und mit Schlägen
oder mit dem Tod bestraft würden, könnte keine Stadt und
kein Staat bestehen. Der Mensch gleicht einer Gesellschaft in
kleinster Form; würde er in geistiger Weise nicht ebenso hart
mit sich selbst verfahren, so würde er nach dem Tode gezüch-
tigt und bestraft werden müssen, und zwar solange, bis er aus
Furcht vor Strafe das Böse nicht mehr tut. Allerdings könnte er
dann nie mehr dazu gebracht werden, das Gute aus Liebe zum
Guten zu tun. (W.C.R. 531)

256
18. November
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort
höret und glaubet an den, der mich gesandt hat,
der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht,
sondern ist vom Tod zum Leben übergegangen.
(Joh. 5, 24)

Das Innere des Menschen kann nicht sterben, weil er die


Möglichkeit hat, an Gott zu glauben, Gott auch zu lieben und
so durch Glauben und Liebe mit Gott verbunden zu werden.
Mit Gott verbunden werden, heißt aber ewig leben.
(H.G. 10591)

19. November
Habt acht auf euer Almosen, daß ihr es nicht gebet
vor den Menschen, um von ihnen angesehen zu
werden; ihr habt anders keinen Lohn bei eurem
Vater in den Himmeln. (Matth. 6, 1)

Wer wahrhaft andere liebt, empfindet Lust und Freude,


wenn er dem Nächsten wohltun kann; er wünscht nichts
mehr als das. Diese Lust und Freude wird im Wort unter dem
himmlischen Lohn verstanden. Wer sich in der geistigen
Welt von dieser Liebe leiten läßt, Nutzen leistet und andern
Gutes tut, genießt eine solche Freude und solches Glück, daß
er glaubt, bereits im Himmel zu sein. Dies wird ihm vom
Herrn gegeben, und zwar jedem entsprechend seinem
Nutzen. Die Glückseligkeit verschwindet aber, sobald
Vergeltung (oder Belohnung) ins Spiel kommt. Denn dieser
Gedanke verunreinigt die Liebe und verkehrt sie, weil dann
nicht der Nächste, sondern die eigene Person das Ziel aller
Wohltaten ist. (H.G. 6388)

257
20. November
Es ward aber auch ein Wettstreit unter ihnen, wer
von ihnen für den Größten zu halten wäre. Er aber
sprach zu ihnen: Die Könige der Völkerschaften
herrschen über sie, und die Gewalt haben über sie,
heißen die Wohltäter. Ihr aber nicht also; sondern
der Größte unter euch werde wie der Jüngste, und
der Leiter wie der Diener. (Luk. 22, 25 f.)

Für andere leben, heißt Nutzen schaffen; Nutzwirkungen


verbinden die Gesellschaft, und es gibt ihrer so viele, wie es gute
Taten gibt, unendlich viele. Es gibt geistigen Nutzen, nämlich die
Liebe zu Gott und zum Nächsten. Es gibt den moralischen und
öffentlichen Nutzen in Form von Liebe zu der Gesellschaft und
zu dem Staat, in die der Mensch hineingeboren ist, und von Liebe
zu den Mitmenschen und Mitbürgern des persönlichen
Umfelds. Es gibt ferner natürlichen Nutzen, die der Liebe zur
Welt und zu deren Bedürfnissen entspringen. Und es gibt endlich
körperlichen Nutzen, d.h. die Liebe zur Selbsterhaltung zwecks
Erbringung von Leistungen auf höherer Ebene. Diese sämtlichen
Möglichkeiten, Nutzen zu schaffen, sind im Menschen angelegt.
Sie folgen der Reihe nach eine auf die andere; sind alle verwirk-
licht, liegen sie eine in der anderen. (W.C.R. 746)

21. November
Dein, Herr, ist Barmherzigkeit, denn du erstattest
dem Manne nach seinem Tun. (Ps. 62, 13)

Ich sprach mit eben aus der Welt angekommenen Geistern


über den Zustand des ewigen Lebens und betonte, es müsse
ihnen daran liegen, zu wissen, wer der Herr des Reiches sei, wel-
che Regierung und Regierungsform darin bestünden, ähnlich

258
wie wie es jeden interessiert, der in der Welt in ein anderes Land
reist, wer und von welcher Art der Herrscher sei, was für eine
Regierung die Geschäfte führe usw. Wieviel mehr müsse das in
diesem Reich gelten, in dem sie nun für immer leben sollen? Es
wurde dabei auch erwähnt, der Herr regiere nicht allein den
Himmel, sondern auch das Weltall - denn wer das eine lenkt,
muß es auch für das andere tun. Außerdem bekamen sie zu
hören, das Reich, in dem sie sich jetzt befänden, sei das Reich
des Herrn, seine Gesetze seien ewige Wahrheiten, die sich auf
das Eine Gesetz gründeten, daß man den Herrn über alles lie-
ben solle und den Nächsten wie sich selbst, was allerdings jetzt
eine Steigerung erfahre, denn wenn sie den Engeln gleich wer-
den wollten, müßten sie den Nächsten eben mehr lieben als sich
selbst. Als sie dies hörten, verschlug es ihnen die Sprache; sie
hatten bei Leibesleben wohl so etwas vernommen, aber nicht
geglaubt. Nun verwunderten sie sich, daß eine solche Liebe im
Himmel existieren und es möglich sein solle, daß jeder den
Nächsten mehr liebe als sich selbst. Sie wurden aber belehrt,
alles Gute entwickle sich im andern Leben ins Endlose; im
Körper hingegen erreiche man bestenfalls die Fähigkeit, den
Nächsten wie sich selbst zu lieben. Sei nun aber dieser Körper
abgelegt, werde die Liebe reiner und zuletzt eine engelische, da
die Engel den Nächsten mehr lieben als sich selbst. (H.G. 548)

22. November
Die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Räumet
den Weg Jehovahs, macht gerade eine Bahn in
der Einöde unserm Gotte. Erhoben soll jedes Tal,
erniedrigt jeder Berg und Hügel werden; und was
krumm ist, soll gerade, das Abschüssige zur
Ebene werden. Und die Herrlichkeit Jehovahs
wird geoffenbart, und alles Fleisch wird sie sehen
allzumal. (Jes. 40, 3 - 5)

259
Aus einer falschen Vorstellung vom göttlichen Sein ist von
den alten Zeiten bis zur Gegenwart eine Mehrzahl von Göttern
abgeleitet worden. Die Einheit Gottes ist dem Gemüt eines
jeden Menschen zuinnerst verankert, da sie in allem enthalten
ist, was die menschliche Seele von Gott empfängt. Wenn sie
aber trotzdem von da nicht bis zum Verstand durchdrang, so
deshalb, weil es an den entsprechenden Kenntnissen fehlte,
durch die der Mensch Gott entgegengehen und zu ihm hinan-
steigen muß. Ein jeder hat Gott den Weg zu bereiten, d.h. sich
zur Aufnahme bereit zu machen, was durch Erkenntnisse
geschieht. (W.C.R. 24)

23. November
Ich, Jehovah, habe dich gerufen in Gerechtigkeit
und fasse dich an der Hand und werde dich bewah-
ren und will zum Bund dich geben des Volks, zum
Licht der Völkerschaften; aufzutun blinde Augen,
auszuführen aus dem Verschluß die Gebundenen,
aus dem Hause des Kerkers die, so im Finstern sit-
zen. (Jes. 42, 6 f.)

Fortsetzung: Im Folgenden werden die Erkenntnisse aufge-


führt, deren Mangel den Verstand daran hinderte, bis dahin
vorzudringen, von wo aus man sehen kann, daß Gott einer ist
und ein göttliches Sein ohne die Einheit Gottes undenkbar ist,
sowie daß alles zur Natur Gehörige von ihm stammt:
1. Es gibt eine geistige Welt, die Welt der Geister und Engel,
in die der Mensch nach dem Tode gelangt, und von der bis jetzt
niemand Genaueres wußte.
2. In jener Welt gibt es eine Sonne, bestehend aus der rei-
nen Liebe aus Jehovah Gott, der sich in ihrer Mitte befindet.
3. Aus dieser Sonne gehen Wärme und Licht hervor, die
ihrem Wesen nach Liebe und Weisheit sind.

260
4. Alles in jener Welt ist von da her geistig und regt den
inneren Menschen an, dessen Willen und Verstand es gestaltet.
5. Jehovah Gott hat aus seiner Sonne nicht allein die geisti-
ge Welt und all die unzähligen geistigen, ihrer Natur nach sub-
stantiellen Dinge darin hervorgebracht, sondern auch die
natürliche Welt mit ihren ebenfalls unzähligen, aber materiel-
len Gegenständen. (W.C.R. 24)

24. November
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir:
Es sei denn, daß jemand aus Wasser und Geist
geboren werde, so kann er nicht in das Reich
Gottes eingehen. Was aus dem Fleisch geboren ist,
ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, ist
Geist. (Joh. 3, 5 f.)

Fortsetzung:
6. Bis jetzt hat niemand den ausschlaggebenden
Unterschied zwischen dem Geistigen und dem Natürlichen
gekannt, noch auch, was das Wesen des Geistigen ist.
7. Man wußte auch nicht, daß es drei Stufen der Liebe und
Weisheit gibt, nach denen die Engelshimmel geordnet sind.
8. Ebenso war bisher unbekannt, daß das menschliche
Gemüt ebenfalls in drei Grade eingeteilt ist, damit der Mensch
nach dem Tod in einen der drei Himmel erhoben werden
kann, und zwar je nach seinem Leben und Glauben.
9. Und schließlich wußte man bisher nicht, daß auch nicht
ein Pünktchen von all dem anders hätte entstehen können, als
aus dem göttlichen Sein, dem in sich Selbständigen, das somit
den Beginn und den Urgrund darstellt, aus dem alles stammt.
An dieser Erkenntnisse hatte es bisher gefehlt, und doch
muß der Mensch mit ihrer Hilfe emporsteigen und das göttli-
che Sein erkennen. Wenn wir sagen, der Mensch steige empor,

261
verstehen wir darunter, daß er von Gott erhoben werde. Der
Mensch hat nämlich den freien Willen, sich die Erkenntnisse
zu erwerben, und indem er sie sich mit Hilfe seines Verstandes
aus dem Wort erwirbt, ebnet er den Weg, auf dem Gott her-
niedersteigen und ihn erheben kann. Diese Erkenntnisse, die
dem menschlichen Verstand das Emporsteigen ermöglichen –
Gott hält indes den Menschen bei der Hand und führt ihn –
lassen sich mit den Sprossen der Jakobsleiter vergleichen.
Unten auf der Erde stehend reichte ihre Spitze in den Himmel
hinein. (W.C.R. 24)

25. November
„Gedenke meiner, Herr, wenn du in dein Reich
kommst“. Und Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich, ich
sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein“
(Luk. 23, 42 f.)

Die meisten Angehörigen der Kirche sind der Meinung


(um 1750), jeder Verstorbene werde am jüngsten Tag in sei-
nem Leib auferstehen. Diese Meinung ist so allgemein ver-
breitet, daß kaum jemand auf Grund der Lehre etwas anderes
glaubt. Sie herrscht deshalb so stark vor, weil der natürliche
Mensch wähnt, der Leib allein sei lebendig. Ohne die
Voraussetzung, dieser empfange sein Leben zurück, müßte
deshalb die ganze Auferstehung entfallen. - Die Sache verhält
sich jedoch so: Der Mensch steht sogleich nach dem Tod wie-
der auf, wobei er sich selbst in einem Leib wie zuvor auf der
Erde erscheint, gleich an Gesicht und Gliedern. Wenn er sich
sieht und den eigenen Körper berührt, ist er überzeugt, ein
Mensch zu sein wie früher. Er hat aber nicht dieses Äußere
mitgebracht, sondern das Innere, das lebt und seine
Umkleidung selbst gestaltet, mit deren Hilfe es sich in der
Welt bewegen, handeln und seine Obliegenheiten versehen

262
konnte. Dieses irdisch Leibliche ist ihm aber hier nichts mehr
nütze, er ist in einer anderen Welt, wo andere Aufgaben auf
ihn warten und andere Kräfte und Mächte walten, denen ein
neuer Leib angepaßt ist. (H.G. 5078)

26. November
Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, dich zu
behüten auf dem Weg und dich an den Ort zu brin-
gen, den ich bereitet habe. … Meinen Schrecken
will ich vor dir senden und alles Volk verwirren, zu
dem du kommst, sodaß deine Feinde vor dir flie-
hen. … Nicht in einem Jahre will ich sie vor dir
vertreiben, auf daß das Land nicht Wüste werde
und sich das Wild des Feldes wider dich vermehre.
(2. Mose 23, 20. 27. 29)

Mit „Nicht in einem Jahre will ich sie vor dir vertreiben“
ist gemeint, es gebe keine eilige Flucht und Entfernung des
Falschen und Bösen, das durch die Völker im Lande Kanaan
dargestellt wird. … Wer nicht weiß, wie die Befreiung des
Menschen vom Bösen und Falschen oder die Vergebung der
Sünden vor sich geht, könnte meinen, die Sünden würden
abgestreift, wenn es heißt, sie seien vergeben. Diese Meinung
beruht aber lediglich auf dem Buchstabensinn des Wortes,
wo der Ausdruck einige Male verwendet wird. Daher hat sich
in sehr vielen Gemütern der Irrtum festgesetzt, sie seien nach
dem Empfangen der Absolution gerechtfertigt und rein. …
Nun wird aber der Mensch nicht von den Sünden gereinigt,
sondern vom Herrn von ihnen abgehalten, wenn er im Guten
und Wahren erhalten werden kann, was nur möglich wird,
wenn er wiedergeboren ist. Dann führt er nämlich das gute
Leben der tätigen Liebe und des wahren Glaubens. Was
immer der Mensch von der ersten Kindheit an denkt, will,

263
redet und tut, bleibt in seinem Leben gespeichert und gestal-
tet es dadurch. Es kann nicht ausgelöscht, sondern nur ent-
fernt werden. (H.G. 9333)

27. November
Habt ihr nicht gelesen, was geschrieben ist: Der
Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist
zum Eckstein geworden? Jeder, der auf diesen
Stein fällt, der wird zerschellen; auf welchen er
aber fällt, den wird er zerschmettern.
(Luk. 20, 17 f.)

Einst wurde mir ein Weg gezeigt. Es war ein breiter Weg
und viele Geister gingen darauf. In der Ferne aber, wo der
breite Weg endete, sah man einen ziemlich großen Stein, von
dem anschließend zwei Wege ausgingen, nach links und nach
rechts. Der erste war eng oder schmal und führte durch den
Westen nach Süden und so ins Licht des Himmels; der zwei-
te hingegen war breit und geräumig und führte schräg
abwärts zur Hölle. Zuerst schienen alle denselben Weg zu
gehen bis zu dem großen Stein am Scheideweg. Dort aber
trennten sie sich, die Guten wandten sich zur Linken und
gingen den schmalen Weg, der zum Himmel führte. Die
Bösen hingegen sahen den Stein an der Wegscheide nicht,
stolperten darüber und verletzten sich, und nachdem sie wie-
der aufgestanden waren, liefen sie auf dem breiten Wege nach
rechts weiter, der zur Hölle führte. … Schmal heißt der zum
Leben führende Weg nicht deshalb, weil er beschwerlich ist,
sondern weil es - wie die Worte (Matth. 7,13 f.) lauten - nur
wenige gibt, die ihn finden. An jenem Stein an der
Wegscheide stellte sich heraus, was durch die Worte des
Herrn bezeichnet wird. (H.G. 534)

264
28. November
Es ist nicht der Wille eures Vaters in den
Himmeln, daß (auch nur) eines dieser Kleinen
verloren werde (ein Kind, das in die Welt kommt)
(Matth. 18, 14)

Die göttliche Vorsehung des Herrn hat zum Zweck, den


Himmel mit Menschen zu bevölkern. … Weil man aber nicht
weiß, was der Himmel ist, so will ich es erläutern, und zwar in
folgender Ordnung:
1. Der Himmel ist eine Verbindung mit dem Herrn.
2. Der Mensch ist von der Schöpfung an so angelegt, daß er
immer enger mit dem Herrn verbunden werden kann.
3. Je enger sich der Mensch mit dem Herrn verbindet, desto
weiser wird er.
4. Je enger sich der Mensch mit dem Herrn verbindet, desto
glücklicher wird er.
5. Je enger sich der Mensch mit dem Herrn verbindet, desto
betimmter hat er den Eindruck, er gehöre sich selbst an, desto
klarer erkennt er aber auch, daß er in Wirklichkeit dem Herrn
gehört. (G.V. 27)

29. November
Du sollst dich nicht rächen und den Söhnen deines
Volkes nicht nachtragen und sollst deinen
Nächsten lieben, wie dich selbst. Ich bin Jehovah.
(3. Mose 19, 18)

Die Verschiedenheiten unter den Nächsten, die der Mensch


durchaus kennen muß, damit er die rechte Art der Nächstenliebe
finden kann, richten sich nach dem Guten, das in jedem von
ihnen vorhanden ist. Weil alles Gute vom Herrn ausgeht, so ist

265
der Herr im höchsten Sinn und Grad der Nächste. … Hieraus
ergibt sich, daß jeder soweit der Nächste ist, wie er Gutes vom
Herrn in sich trägt. Es nimmt aber niemand den Herrn, d.h. das
von ihm ausgehende Gute, in genau gleicher Weise auf; deshalb
gibt es keine zwei, die auf die genau gleiche Art der Nächste sind.
Sämtliche Bewohner des Himmels und der Erde unterscheiden
sich voneinander in Bezug auf das Gute. … Diese Unterschiede
sind nötig, damit jedes Individuum seine eigene Existenz behält.
Aber niemand, weder Mensch noch Engel, kann sie im einzelnen
erfassen; es gelingt bestenfalls im allgemeinen, soweit es
Gattungen und in diesen enthaltene Arten gibt; auch fordert der
Herr vom Menschen der Kirche nicht mehr, als daß er entspre-
chend seinen Kenntnissen lebt. (H.G. 6706)
30. November
Des Menschen Sohn ist gekommen, das Verlorene
zu retten. (Matth. 18, 11)

Es ist nicht so schwer, ein himmlisches Leben zu führen,


wie man gewöhnlich glaubt. Denn wenn dem Menschen etwas
begegnet, von dem er weiß, daß es unredlich und ungerecht ist,
sich aber seine Sinnesart dahin neigt, so braucht er nur zu den-
ken, daß er es nicht tun dürfe, weil es den göttlichen Geboten
zuwiderliefe. Gewöhnt er sich an diese Denkweise, und erwirbt
er sich durch Übung einige Fertigkeit, so wird er allmählich
mit dem Himmel verbunden. Dabei werden die oberen
Gebiete seines Gemüts aufgeschlossen, worauf er erkennt, was
unredlich und ungerecht ist; und jetzt kann es ausgetrieben
werden. Denn nur dasjenige Böse kann ausgetrieben werden,
das man erkannt hat. In diesen Zustand kann der Mensch auf
Grund seiner Freiheit eintreten, denn wer wäre nicht frei für
solche Überlegungen? Ist aber ein Anfang gemacht, so bewirkt
der Herr alles weitere Gute. (H.u.H. 533)

266
1. Dezember
Jehovah sprach zu mir (Mose): Mache dich auf,
gehe hin, um dem Volke voranzuziehen, daß sie
hineinkommen und das Land besetzen, das ich
ihnen geben will, wie ich ihren Vätern geschworen
habe. Und nun, Israel, was fordert Jehovah, dein
Gott, von dir, als daß du den Herrn, deinen Gott
fürchtest, daß du in allen seinen Wegen wandelst
und ihn liebst und dem Herrn, deinem Gott, dienest
von ganzem Herzen und von ganzer Seele? Daß du
haltest die Gebote des Herrn und seine Satzungen,
die ich dir heute gebiete, daß es dir wohl ergehe!
(5. Mose 10, 11 - 13)

Der Mensch erlangt das Heil und das ewige Leben durch
die Verbindung mit Gott. Der Mensch wurde geschaffen, um
mit Gott verbunden werden zu können. Er wurde geschaffen,
um ebenso Bewohner des Himmels wie der Welt zu sein. Als
Bewohner des Himmels ist er geistig, als Erdenbürger ist er
natürlich. Der geistige Mensch kann über Gott nachdenken
und die göttlichen Dinge innewerden; ebenso kann er Gott lie-
ben und durch das, was er von Gott erhält, angeregt werden,
d.h. mit Gott verbunden werden. Daran, daß der Mensch über
Gott nachdenken und die göttlichen Dinge innewerden kann,
ist nicht zu zweifeln, kann er sich doch Gedanken machen über
die Einheit Gottes, über das Sein Gottes, das Jehovah genannt
wird, über die Unermeßlichkeit und Ewigkeit Gottes etc. Dies
ergibt sich auch aus den zwei von Gott selbst gegebenen
Geboten: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von
ganzem Herzen und von ganzer Seele. Dies ist das erste und
große Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst“. (W.C.R. 369)

267
2. Dezember
Bleibet in mir, und ich in euch. Gleich wie die Rebe
keine Frucht tragen kann von ihr selber, sie bleibe
denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibet
denn in mir. (Joh. 15, 4)

Der Mensch kann nicht Gottes Bild nach seiner Ähnlichkeit


sein, wenn nicht Gott in ihm ist und vom Innersten heraus sein
Leben bestimmt. Das muß aber so sein, weil Gott allein das
Leben ist, Mensch und Engel hingegen nur dessen Empfänger.
Es ist auch aus dem Wort bekannt, daß Gott im Menschen ist
und Wohnung bei ihm nimmt. Daher pflegen die Prediger ihre
Zuhörer zu ermahnen, sich auf die Aufnahme Gottes vorzube-
reiten, damit er eintreten, in ihren Herzen sein und in ihnen
wohnen könne. Ähnlich spricht der Fromme in seinen Gebeten;
einige erwähnen ganz bestimmt den Heiligen Geist, von dem sie
meinen, er sei in ihnen, wenn heiliger Eifer sie befällt und ihre
Gedanken, Reden und Predigten steuert. Der Heilige Geist ist
aber der Herr selbst, nicht eine weitere göttliche Person, denn
der Herr sagt: „An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß ihr in
mir seid und ich in euch bin.“(Joh. 14,20) (G.L.W. 359)

3. Dezember
Siehe, ich komme schnell und mein Lohn mit mir,
um Jedem zu vergelten, wie sein Werk sein wird.
(Offb. Joh. 22, 12)

Der „Lohn“ ist im äußeren Sinn die gegenseitige Liebe, im


inneren die Verbindung des Guten und Wahren. Wenige
Christen haben Kenntnis davon, weil sie nicht wissen, was
gegenseitige Liebe ist, noch, daß das Gute mit dem Wahren
verbunden werden muß, damit der Mensch der himmlischen

268
Ehe teilhaftig werden kann. Ich durfte mit sehr vielen
Christen im andern Leben darüber reden, auch mit gebilde-
ten. Aber merkwürdigerweise wußte kaum einer davon,
obwohl sie mit etwas Vernunft vieles hätten erfahren. Sie
kümmerten sich aber nicht um solche Dinge, weil ihnen nicht
am Leben nach dem Tod, sondern nur an dem in der Welt
gelegen war. Was sie aus eigener Kraft sich hätten erarbeiten
können … ist folgendes: Der seines Leibes entkleidete Mensch
hat einen viel helleren Verstand zur Verfügung. Solange er in
seinem materiellen Leib lebt, blockieren leibliche Dinge seine
Gedanken und verdunkeln sie. Hat er sich dagegen vom Leib
getrennt, stört ihn das nicht mehr; er gleicht jetzt denen, die
ihr Gemüt von äußeren Sinnlichkeiten abgewendet haben und
nun verinnerlicht denken. Sie hätten also wissen müssen, daß
der Zustand nach dem Tod viel heller und durchsichtiger ist
als vorher und daß der Mensch beim Sterben gleichsam vom
Schatten ins Licht tritt. (H.G. 3957)

4. Dezember
Irret euch nicht, Gott läßt seiner nicht spotten;
denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer
auf sein eigen Fleisch sät, der wird von dem
Fleisch Verderben ernten. Wer aber auf den Geist
sät, der wird von dem Geist ewiges Leben ernten.
(Gal. 6, 7 f.)

Fortsetzung: Bei Gebrauch ihrer Vernunft könnten sie fer-


ner wissen, daß das in der Welt geführte Leben dem Menschen
folgt, daß er also nach dem Tod ähnlich weiterlebt. Es könnte
ihnen bekannt sein, daß niemand das von Kind auf angeeig-
nete Leben ablegen kann, wenn er nicht ganz stirbt (d.h. nur
dem Leibe nach), und daß es nicht plötzlich verändert oder
gar in ein gegensätzliches verwandelt werden kann. Wer sich

269
als Betrüger betätigt und sich daran ergötzt hat, wird auch
nach dem Tod noch ein Betrüger sein; wer sich selbst am mei-
sten geliebt und andere, die ihm nicht zu Willen waren, mit
Haß und Rache verfolgt hat, wird nach dem Tod weiterhin
Haß und Rache empfinden, weil er das liebt und als Befrie-
digung sucht. Es ist also sein eigenstes Leben, das ihm nicht
weggenommen werden kann, wenn er nicht völlig ausgelöscht
werden soll. (H.G. 3957)

5. Dezember
Es war ein reicher Mann, dem hatte sein Acker
wohl getragen. Und er dachte bei sich und sprach:
Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wo ich
meine Früchte hin sammle. Und er sagte: Das will
ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und
größere bauen und allen meinen Ertrag und meine
Güter allda sammeln und werde meiner Seele
sagen: Seele, du hast nun viele Güter auf viele
Jahre daliegen. Ruhe aus, iß, trink und sei fröh-
lich. Gott aber sprach zu ihm: du Tor, heute nacht
wird man deine Seele von dir fordern. Wessen wird
dann sein, das du bereitet hast? So ist es mit dem,
der sich Schätze sammelt und ist nicht reich in
Gott. (Luk. 12, 16 - 21)

Fortsetzung: Der Mensch könnte drittens wissen, ist, daß er


beim Übertritt ins andere Leben vieles hinter sich läßt, z.B. die
Sorge für Nahrung, Kleidung und Wohnung, auch für den
Erwerb von Geld und Vermögen, weil es dort solche Dinge nicht
gibt. Auch das vorher so beliebte Streben nach Würden gehört
der Vergangenheit an; dafür tritt anderes an dessen Stelle, was
nicht dem irdischen Reich angehört. (H.G. 3957)

270
6. Dezember
Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem
Schatze, der in dem Felde verborgen liegt, den ein
Mensch findet und verbirgt und in seiner Freude
hingeht und alles, was er hat, verkauft und dieses
Feld kauft. (Matth. 13, 44)

Fortsetzung: Viertens könnte bekannt sein, daß einer, der


sich in der Welt nur um materielle Dinge gekümmert hat und
völlig darin aufgegangen ist, nicht taugt, in einer Gesellschaft
zu leben, die sich freut, himmlisch zu denken. Daraus ergibt
sich, daß der von dem besagten Äußeren getrennte Mensch
sich nun so zeigt, wie er innerlich beschaffen war. Hat er sich
innerlich mit Trug und Ränken beschäftigt, wird er weiterhin
an solche Dinge denken, also an Höllisches, auch wenn er seine
Gedanken zu seinem Vorteil vor den Menschen verborgen
hatte, in der äußeren Form ehrbar erschien und daher andere
glauben machte, Gaunereien seien ihm fremd. … Jeder kann
sich im eigenen Verstand vorstellen, wie ein solcher Mensch
den Engeln erscheinen wird. (H.G. 3957)

7. Dezember
Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt
hat, daß ein Jeder, der den Sohn schaut und an ihn
glaubt, ewiges Leben habe, und ich ihn auferstehen
lasse am letzten Tage. (Joh. 6, 40)

Die Wichtigkeit einer richtigen Gottesvorstellung ergibt


sich daraus, daß diese bei allen religiösen Menschen das
Innerste des Denkens bildet, weil das ganze Gebäude der
Religion und des Gottesdienstes auf Gott ausgerichtet ist. Und
weil Gott im allgemeinen und besonderen allen Angelegen-

271
heiten der Religion und Gottesverehrung innewohnt, kann
ohne eine richtige Gottesvorstellung keine Gemeinschaft mit
dem Himmel entstehen. Das ist auch der Grund, weshalb in der
geistigen Welt jedes Volk seine Stelle entsprechend seiner
Vorstellung von Gott als Mensch findet. Denn in dieser und in
keiner anderen liegt die Vorstellung vom Herrn. Nach dem Tod
richtet sich der Zustand des Lebens beim Menschen nach der
Gottesvorstellung, die er in sich begründet hat. Das folgt schon
aus dem Gegensatz, wonach die Leugnung Gottes die Hölle
bedeutet, in der Christenheit jedoch die Leugnung der Gottheit
des Herrn. (G.L.W. 13)

8. Dezember
Jauchzet, ihr Gerechten, dem Herrn! Den
Frommen ist Wonne der Lobgesang. Preiset den
Herrn mit der Laute. … Singet ihm ein neues Lied.
… Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig, und all
sein Walten ist voll Treue. Er liebt Gerechtigkeit
und Recht; die Erde ist voll der Güte des Herrn.
(Ps. 33, 1 - 5)

Das Weltall ist ein von A bis Z zusammenhängendes Werk


und hängt von dem einen Gott ab, wie der Leib von seiner
Seele. Das Weltall ist so gestaltet, daß Gott allgegenwärtig sein
und es im Gesamten wie in seinen Teilen leiten und zusam-
menhalten kann. D.h. er erhält es fortwährend. … Dieses
große System ist ein zusammenhängendes Werk, weil Gott sich
bei der Erschaffung den Engelshimmel als Ziel gesetzt hatte,
bevölkert von Menschen, dem alle Dinge, aus denen die Welt
besteht, als Hilfsmittel dienen sollten; denn wer den Zweck
will, will auch die Mittel. … Die göttliche Liebe kann keinen
anderen Zweck verfolgen als die ewige Seligkeit der Menschen
auf Grund der göttlichen Kraft, und die göttliche Weisheit

272
kann nichts anderes hervorbringen als Nutzleistungen, die
jenem Zweck als Mittel dienen. (W.C.R. 13)

9. Dezember
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des
Heilsboten, der Frieden hören läßt, Gutes verkün-
det, Heil hören läßt, der zu Zion spricht: dein Gott
ist König! … Brechet aus, jubelt zumal, ihr Oeden
Jerusalems, denn Jehovah tröstet sein Volk, er
erlöst Jerusalem. Jehovah hat entblößt den Arm
seiner Heiligkeit den Augen aller Völkerschaften,
und alle Enden der Erde sehen das Heil unseres
Gottes. (Jes. 52, 7.9.10)

Die echte eheliche Liebe ist ein Bild des Himmels, und ihre
Sinnbilder im andern Leben sind das Schönste, was man mit
den Augen sehen und im Gemüt empfinden kann. Sie wird
dargestellt durch eine Jungfrau von unbeschreiblicher
Schönheit, die von einer weißen Wolke umgeben ist, sodaß
man sie die Schönheit an sich in Wesen und Form nennen
kann. … Ihre Neigungen und Gedanken erscheinen wie dia-
mantartige Luftspiegelungen, die gleichsam aus Rubinen und
Granaten funkeln, und zwar mit Glücksgefühlen, die das
Innerste des Gemüts erregen. (H.G. 2735)

10. Dezember
Lehre uns unsere Tage zählen, daß wir ein weises
Herz gewinnen. (Ps. 90, 12)

Die Vorsehung will, daß der Mensch in Freiheit vernünftig


handelt. Der geistige freie Wille entstammt der Liebe zum ewi-
gen Leben. Zu dieser Liebe und ihrer Freude gelangt nur, wer

273
das Böse als Sünde betrachtet und sich davon weg- und zum
Herrn hinwendet. Sobald der Mensch dies tut, besitzt er jenen
freien Willen. Denn der Mensch kann das Böse nur aus dem
inneren oder höheren freien Willen als Sünde verabscheuen
und meiden, d.h. aus seiner inneren oder höheren Liebe.
Dieser freie Wille erscheint erst allmählich als frei, obwohl er es
schon von der ersten Entscheidung weg ist; dann aber handelt
der Mensch auf Grund des eigentlichen freien Willens ver-
nünftig, indem er das Gute und Wahre denkt, will, redet und
tut. Dieser freie Wille wächst entgegengesetzt zum natürlichen
freien Willen, der sich nun abschwächt und zum Diener wird.
… Jeder gelangt zu dieser Freiheit, sobald er bedenkt, daß es
ein ewiges Leben gibt und daß Annehmlichkeiten und Freuden
des zeitlichen Lebens nur wie ein Schatten sind, verglichen mit
Glücksgefühlen des ewigen Lebens. (G.V. 73)

11. Dezember
Ihr aber seid es (die 12 Jünger), die in meinen
Versuchungen bei mir geblieben sind; und so
bescheide ich euch das Reich, wie mir es mein
Vater beschieden hat; daß ihr essen und trinken
sollt an meinem Tisch in meinem Reich, und sitzen
auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.
(Luk. 22, 28 - 30)

Bekanntlich fördern Einladungen zu Tisch und


Gastmählern in aller Welt Freundschaften und Kontakte; das
ist ja auch weitgehend ihr Zweck. Noch viel mehr gilt dies von
Einladungen, die geistige Verbindungen zum Ziel haben. Die
Gastmähler in den Alten Kirchen waren ebenso Liebesmahle
wie in der christlichen Urkirche. In ihrem Verlauf bestärkte
jeder den andern, dem Herrn weiterhin mit aufrichtigem Her-
zen Verehrung entgegenzubringen. Auch die Opfermahlzeiten

274
der Kinder Israels neben der Stiftshütte betonten die
Einmütigkeit im Dienst Jehovahs, weshalb das Fleisch, das
dabei gegessen wurde, das Heilige heißt. … Wieviel mehr noch
das Brot und der Wein und das Passahfleisch beim Abendmahl
des Herrn, der sich zum Opfer für die Sünden der ganzen Welt
darbrachte! (W.C.R. 727)

12. Dezember
Der gute Mensch bringt Gutes hervor aus dem
guten Schatz des Herzens, und der schlechte
Mensch aus dem schlechten Schatz bringt
Schlechtes hervor. Ich sage euch aber: von jeder
müßigen Rede, die die Menschen reden, müssen
sie Rechenschaft geben am Tag des Gerichts.
Denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt
und aus deinen Worten wirst du verurteilt werden.
(Matth. 12, 35 - 37)

Nachdem der erste Zustand durchlaufen ist, der Zustand


der Äußerlichkeiten, wird der Geist (nach dem Tod, in der
Geisterwelt) ganz den Regungen seines Inneren, d.h. seinem
inneren Willen und Denken untergeordnet, das ihn vor dem
Sterben beherrscht hatte, wenn er, sich selbst überlassen, frei
und ungebunden dachte. … Denn frei denken aus der eigenen
Neigung ist das eigenste Leben des Menschen. … In diesem
zweiten Zustand erscheinen die Geister ganz so, wie ihr Inneres
in der Welt beschaffen war, und es kommt an den Tag, was sie
im Verborgenen getan und gesprochen hatten. Da sie nun von
keinerlei Äußerlichkeiten mehr zurückgehalten werden, reden
sie in aller Offenheit über diese Dinge und versuchen auch,
sich in ähnlichem Stil weiter zu betätigen ohne jede Angst vor
schlechtem Ruf. Um sie Engeln und guten Geistern so zu zei-
gen, wie sie wirklich sind, werden sie in verschiedene Zustände

275
ihres Bösen versetzt,. So wird Verborgenes enthüllt und
Heimliches aufgedeckt. (H.u.H. 502/7)

13. Dezember
Ich muß wirken die Werke dessen, der mich
gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt eine
Nacht, da niemand wirken kann. (Joh. 9, 4)

Der Herr verschließt denen, die unwürdig zum Heiligen


Abendmahl hingehen, den Himmel nicht. Das tut er bei kei-
nem Menschen, der in der Welt lebt. Vielmehr verschließt ihn
der Mensch sich selbst, indem er den Glauben verwirft und
böse lebt. Dennoch wird der Mensch unausgesetzt in einem
Zustand gehalten, in dem ihm Buße und Bekehrung möglich
sind; denn der Herr ist beständig zugegen und dringt darauf,
aufgenommen zu werden. (Vergl. Offb. Joh. 3, 20!) Der
Mensch trägt daher selber die Schuld, wenn er die Tür nicht
öffnet. Anders aber ist es nach dem Tode: Dann ist der Himmel
für diejenigen verschlossen und nicht mehr zu öffnen, die bis
ans Ende ihres Lebens unwürdig zum Tisch des Herrn getreten
sind, denn das Innere ihres Gemüts ist nun unabänderlich fest-
gelegt und begründet. (W.C.R. 720)

14. Dezember
So spricht Jehovah, der König Israels und sein
Erlöser, Jehovah der Heerscharen: ich bin der
Erste und ich bin der Letzte und außer mir ist kein
Gott. … Ich, ich bin Jehovah, und kein Heiland ist
außer mir. (Jes. 44, 6; 43, 11)

Wer über die Beschaffenheit der Hölle im Klaren ist und


weiß, bis zu welcher Höhe sie zur Zeit der Ankunft des Herrn

276
die ganze Geisterwelt überflutet hatte, und mit welch unvor-
stellbarer Macht der Herr sie niederwarf und zerstreute, um sie
anschließend zugleich mit dem Himmel neu zu ordnen, der
kann nur staunend anerkennen, daß dies alles ein rein
Göttliches Werk war. … Mit der gleichen göttlichen Macht
bekämpft der Herr auch heute noch die Hölle in jedem
Menschen, der wiedergeboren wird; denn die Hölle fällt diesen
mit teuflischer Wut an, und er könnte der Niederlage nicht
entgehen, wenn der Herr nicht der Hölle widerstände und sie
bändigte. (W.C.R. 123)

15. Dezember
Wendet euch zu mir und laßt euch retten, alle
Enden der Erde; denn ich bin Gott und keiner
sonst. Bei mir hab‘ ich geschworen, von meinem
Mund geht aus Wahrheit, ein Wort, das nicht rück-
gängig wird: Vor mir wird jedes Knie sich beugen,
alle Zunge schwören. (Jes. 45, 22 f.)

Jedem inneren Willenstrieb, d.h. jedem Ausdruck von


Liebe oder Neigung entsprechen äußerliche Handlungen
oder Gebärden, die sich aus der Parallelität von Äußerem
und Innerem ergeben. Der Ehrfurcht, Demut und Anbetung
z.B. entsprechen das Beugen der Knie, das Niederfallen auf
die Knie oder gar das zu Boden Werfen des ganzen Körpers.
In diesem Zustand - vorausgesetzt, die Anbetung stammt
aus ungeheuchelter Demut oder die Demut aus ungeheu-
chelter Ehrfurcht - schwindet die Körperenergie, die Glieder
werden gewissermaßen weich, und zwar vor allem im Über-
gangsbereich, wo das Geistige an das Natürliche grenzt, d.h.
im Gebiet der Knie. Denn die unteren Extremitäten entspre-
chen dem Natürlichen, was drüber ist, dem Geistigen. Daher
symbolisiert das Beugen der Knie die Anbetung. Bei himm-

277
lischen Menschen erfolgt es spontan, bei geistigen jedoch
willkürlich. (H.G. 5323)

16. Dezember
Das Volk stand von ferne, Mose aber trat herzu zu
dem Wolkendunkel, da Gott war. Und Jehovah
sprach zu Mose: So sprich zu den Söhnen Israels:
Ihr habt gesehen, daß ich aus dem Himmel mit
euch geredet habe. Ihr sollt neben mir nicht silber-
ne Götter machen, und Götter von Gold sollt ihr
euch nicht machen. (2. Mose 20, 18 - 20)

„Aus dem Himmel reden“ ist ein Bild dafür, daß Gott sich
an die Angehörigen der Kirche wendet, die unter den
„Söhnen Israels“ zu verstehen sind. Er tut es durch sein Wort
oder das Göttlich-Wahre, das von der göttlichen Kraft aus
dem Himmel in die Kirche gebracht wird. Denn wenn immer
Jehovah redet, ist das Göttlich-Wahre gemeint, d.h. das Wort,
das in der Kirche bekannt ist. Und alles, was er redet,nimmt
den Weg durch den Himmel. Dabei ist wichtig zu wissen, daß
der Himmel nicht an einem bestimmten oder begrenzten
Ort, also nicht irgenwo über uns zu suchen ist, sondern da,
wo die göttliche Kraft herrscht, also bei und in jedem
Menschen oder Geist, der tätige Liebe übt und echt glaubt.
Tätige Liebe und Glaube sind der Himmel, weil sie auf der
göttlichen Kraft beruhen. In diesen beiden wohnen auch
wirklich die Engel. (H.G. 8931)

17. Dezember
Und ich sah den Himmel aufgetan, und siehe, ein
weißes Roß, und der darauf saß, heißt Treu und
Wahrhaftig, und richtet und kriegt mit Gerech-

278
tigkeit. … Und er war umkleidet mit einem Kleid, in
Blut getaucht, und sein Name heißt: Das Wort
Gottes. (Offb. Joh. 11, 13)

Die Entsprechungen, in denen der geistige Sinn des Wortes


enthalten ist, werden gegenwärtig (1750) bekannt gemacht,
weil nun die göttlichen Wahrheiten der Kirche ans Licht treten,
und aus diesen besteht der geistige Sinn des Wortes. Kennt der
Mensch diese Wahrheiten, kann der Buchstabensinn des
Wortes nicht mehr verdreht werden. Dieser kann nämlich in
viele Richtungen gebeugt werden. Wird er aber in Falsches
gewendet, so geht seine innere und damit auch seine äußere
Heiligkeit zugrunde, wird er hingegen in Wahrheit aufgenom-
men, so bleibt sie erhalten. Die Eröffnung des geistigen Sinnes
… wird darunter verstanden, daß Johannes die Himmel offen
und dann ein weißes Pferd sah … (W.C.R. 207)

18. Dezember
Es geschah, als Aharon zur ganzen Gemeinde der
Söhne Israels redete, da blickten sie gegen die
Wüste hin und siehe, die Herrlichkeit Jehovahs
erschien in einer Wolke. (2. Mose 16, 10)

Hier geht es um die Gegenwart des Herrn in einer Form


des Wahren, die dem Menschen zugänglich ist. Die
Herrlichkeit Jehovahs bedeutet die Gegenwart und Ankunft
des Herrn, die Wolke den Buchstabensinn des Wortes … und
das Wahre, soweit es der Fassungskraft angemessen ist. …
Das Göttlich-Wahre hat nämlich nicht nur eine, sondern
viele Abstufungen, deren erste und zweite unmittelbar vom
Herrn stammen und über die Fassungskraft der Engel hin-
ausgehen. Vom dritten Grade, der den innersten oder dritten
Himmel erfüllt, ist der Mensch immer noch überfordert,

279
auch von der vierten Abstufung, die in der Mitte, im zweiten
Himmel anzutreffen ist. Erst die fünfte Abstufung, die für
den untersten oder ersten Himmel, kann einigermaßen von
Menschen, jedoch nur von erleuchteten, verstanden werden.
(H.G. 8443)

19. Dezember
Jakob diente um Rachel sieben Jahre, und sie
waren in seinen Augen wie einige Tage in seiner
Liebe für sie. Und Jakob sprach zu Laban: gib mir
mein Weib; denn die Zeit ist erfüllt. … Und es
geschah am Abend, da nahm er Leah, seine
Tochter, und brachte sie zu ihm hinein. … Und es
war am Morgen - siehe, da war Leah. Und er
sprach zu Laban: Warum hast du mir das getan?
Habe ich nicht bei dir um Rachel gedient … ? Und
Laban sprach: Man tut bei uns nicht also, daß man
die Jüngere gibt vor der Erstgeborenen.
(1. Mose 29, 20 f. 23. 25. 26)

Der Vortritt der Jüngeren vor der Erstgeborenen stellt


eine Reihenfolge der Neigungen dar. Er sagt, die Neigung
zum inneren Wahren gehe derjenigen zum äußeren Wahren
vor. … Wer den Zustand des Menschen nicht kennt, kann
dem Irrtum verfallen, daß nicht nur äußere, sondern auch
innere Wahrheiten durch Verbindung (mit der göttlichen
Kraft) aktiv würden, wenn der Mensch einiges wisse oder im
Gedächtnis habe. Aber solange er sein Leben nicht nach die-
sen Kenntnissen richtet, findet keine Verbindung statt. …
Alles was dem Menschen vom Kindesalter an eingepflanzt
wird, geht erst in sein Eigentum über, wenn er es ins Leben
überträgt, und zwar aus Neigung. Dann durchdringt es sei-
nen Willen und beeinflußt sein Tun nicht mehr auf Grund

280
von Wissen oder Lehre, sondern aus einem ihm unbewußten
Bedürfnis, gleichsam aus innerer Veranlagung oder Natur.
Jeder Mensch gestaltet sich seine Bedürfnisse durch häufige
Übung oder Gewöhnung an das, was er gelernt hat.
(H.G. 3843)

20. Dezember
Des Friedens wird kein Ende sein auf Davids Thron
und seinem Königreich, es zu befestigen und zu
stützen mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis
in Ewigkeit. Der Eifer Jehovahs der Heerscharen
tut solches. (Jes. 9, 6)

Im geistigen Reich des Herrn gibt es von Gesellschaft zu


Gesellschaft verschiedene Regierungsformen. Sie richten sich
nach der Funktion, die jede Gesellschaft ausübt. … Eine Über-
einstimmung besteht indessen darin, daß sie alle einem Zweck
dienen, nämlich dem öffentlichen Wohl, was identisch ist mit
dem Wohl jedes Einzelnen. Dies geschieht, weil alle Bewohner
der Himmel unter der Obhut des Herrn stehen, der sie liebt
und es in seiner göttlichen Liebe so einrichtet, daß jeder einzel-
ne aus dem allgemeinen Besten empfängt, wessen er bedarf.
Was nun der einzelne empfängt, hängt davon ab, wie sehr er die
Allgemeinheit liebt; denn diese Liebe überträgt sich ja auf jeden
einzelnen. Sie stammt vom Herrn, weshalb er ebenso vom
Herrn geliebt und behütet wird. (H.u.H. 217)

21. Dezember
Jesus sprach: Es sind aber etliche unter euch, die
nicht glauben; denn Jesus wußte von Anfang an,
welche nicht glauben und wer ihn verraten würde.
(Joh. 6, 64)

281
Während seines Erdenlebens, verfügte der Herr sowohl
über Vorhersehen als auch über Vorsehung, und zwar als
Mensch, jedoch stammten diese Fähigkeiten aus seiner göttli-
chen Kraft. Später, als er verherrlicht war, besaß er sie allein aus
der göttlichen Kraft, denn das verherrlichte Menschliche ist
Göttlich. Das Menschliche an sich betrachtet, ist eben nur eine
das Leben von Gott her empfangende Form; das verherrlichte
Menschliche des Herrn jedoch, oder sein Göttlich-
Menschliches, ist hingegen das eigentliche Sein des Lebens, aus
dem das Leben hervorgeht. (H.G. 5256)

22. Dezember
Wie einen seine Mutter tröstet, so will ich euch trö-
sten: ihr sollt getröstet werden in Jerusalem. …
Und sie (die heidnischen Völker) werden alle eure
Brüder aus allen Völkerschaften herbeibringen als
Speisopfer dem Herrn auf Rossen und auf
Streitwagen und auf Sänften und Maultieren und
Dromedaren, auf dem Berg meiner Heiligkeit, gen
Jerusalem, spricht der Herr, wie die Söhne Israels
das Speisopfer in reinem Gefäß in das Haus des
Herrn bringen. (Jes. 66, 13 - 20)

Wer wie die Juden nur den Buchstabensinn kennt, muß


glauben, im obigen Text sei von Jakobs Nachkommen die
Rede; sie würden von denen, die sie Heiden nennen, auf
Rossen und Wagen und in Sänften etc. nach Jerusalem
zurückgebracht. Mit den Brüdern sind jedoch die Guten
gemeint, mit den Rossen, Wagen, Sänften etc. die Dinge des
Wahren und Guten und mit Jerusalem das Reich des Herrn.
(H.G. 2360)

282
23. Dezember
Und siehe, es kam einer herzu und sprach zu ihm:
Guter Meister, was soll ich Gutes tun, auf daß ich
ewiges Leben habe? Er aber sagte ihm: Was
heißest du mich gut? Niemand ist gut, denn der
eine Gott. Willst du aber ins Leben eingehen, so
halte die Gebote. (Matth. 19, 16 f.)

Der Mensch hat aus der göttlichen Allmacht auch selbst eine
gewisse Macht gegen das Böse und Falsche, und desto mehr, je
besser er sein Leben gemäß der göttlichen Ordnung führt. Das
gründet sich darauf, daß niemand dem Bösen und dem daraus
entspringenden Falschen widerstehen kann als Gott allein. Alles
Böse und sein Falsches entstammt nämlich der Hölle, sie bilden
dort eine Einheit, ebenso wie im Himmel alles Gute und die dar-
aus hervorgehenden Wahrheiten. Der ganze Himmel ist vor
Gott wie ein Mensch, und umgekehrt stellt die Hölle ein riesiges
Ungeheuer dar. Wer es daher mit irgend einem Bösen und dem
von diesem produzierten Falschen aufnimmt, bekommt es mit
jenem Ungeheuer, der Hölle, zu tun. Diesen Kampf aber kann
niemand bestehen als Gott, denn nur er ist allmächtig. D. h., der
Mensch vermag ohne die Hilfe Gottes, des Allmächtigen, gegen
das Böse und Falsche nicht mehr als ein Fisch gegen den Ozean,
der Floh gegen den Wal und ein Staubkorn gegen eine Lawine.
(W.C.R. 68)

24. Dezember
Die Geburt Christi aber war also: Als nämlich
Maria, seine Mutter, dem Joseph verlobt war, fand
sich‘s, ehe sie zusammen kamen, daß sie vom hei-
ligen Geist empfangen hatte. Joseph aber, ihr

283
Mann, da er gerecht war und sie nicht beschimpfen
wollte, war willens, sie insgeheim zu verlassen.
Während er aber also gedachte, siehe, da erschien
ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach:
Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, dein
Weib zu dir zu nehmen; denn das in ihr Gezeugte ist
von dem heiligen Geist. (Matth. 1, 18 - 20)

Gott nahm das Menschliche gemäß seiner göttlichen


Ordnung an, die sowohl das Weltganze als auch alle seine
Teile umfaßt. … Da nun Gott herabkam und selbst die Ord-
nung ist, so mußte er, um auch in der materiellen Welt
Mensch zu werden, empfangen, im Mutterleib getragen,
geboren und erzogen werden, er mußte nach und nach
Kenntnisse in sich aufnehmen, um Zugang zu Einsicht und
Weisheit zu erlangen. Darum war er zunächst ein Kind wie
ein anderes, ein Knabe wie jeder andere und so weiter. Der
einzige Unterschied bestand darin, daß er diese Entwicklung
schneller, umfassender und vollkommener durchlief als
andere. Dazu steht bei Lukas: “Der Knabe Jesus wuchs und
erstarkte an Geist und nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade
bei Gott und den Menschen“ (2,40. 52); und weiter unten,
daß er schon als Knabe von zwölf Jahren im Tempel inmitten
der Lehrer saß, ihnen zuhörte und Fragen stellte, sodaß alle,
die ihn hörten, über seine Einsicht und seine Antworten
staunten; Luk. 2 , 46 f.; 4, 16 - 22. 32. (W.C.R. 89)

25. Dezember
(Der Engel des Herrn sprach zu Joseph:) Sie wird
einen Sohn gebären und seinen Namen sollst du
Jesus heißen, denn er wird sein Volk von seinen
Sünden retten. Dies alles ist aber geschehen, auf
daß erfüllt würde, was vom Herrn durch den

284
Propheten gesagt worden ist, der spricht: Siehe, die
Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären;
und sie sollen seinen Namen heißen Emmanuel,
das heißt: Gott mit uns. (Matth. 1, 21 - 23)

Jehovah, der Herr von Ewigkeit, kam in die Welt, um die


Höllen zu unterwerfen und sein Menschliches zu verherrli-
chen. Anders hätte kein Sterblicher gerettet werden können;
und wer an ihn glaubt, wird gerettet. … Er kam herab, um
Ordnung in den Himmel, in die Hölle sowie in die Kirche zu
bringen, denn die Macht der Hölle übertraf die des
Himmels, wie auf Erden die Macht des Bösen die des Guten
überwog. Es drohte daher eine vollständige Verdammnis.
Diese hat Jehovah Gott durch sein Menschliches, das
Göttlich-Wahre, abgewehrt und so Engel und Menschen
erlöst. Anschließend vereinigte er in seinem Menschlichen
das Göttlich-Wahre mit dem Göttlich-Guten, die göttliche
Weisheit mit der göttlichen Liebe und kehrte so in sein gött-
liches Wesen zurück, das von Ewigkeit her das Seine war.
(W.C.R. 2, 3)

26. Dezember
Auf hohen Berg steige, du Freudenbotin Zion!
Erhebe mit Macht deine Stimme, du
Freudenbotin Jerusalem! Erhebe sie ohne Furcht!
Sprich zu den Städten Judas: Siehe da, euer Gott!
Siehe, der Herr Jehovah kommt mit Stärke und
sein Arm schafft ihm den Sieg. Siehe, die er
gewonnen, kommen mit ihm; die er sich erwor-
ben, gehen vor ihm her. Er weidet wie ein Hirte
seine Herde, sammelt die Lämmlein in seinen
Arm und trägt sie an seinem Busen; die Mutter-
schafe leitet er sanft. (Jes. 40, 9 - 11)

285
Es gibt mehrere Ursachen, weshalb Gott die Menschen nicht
anders erlösen, d.h. sie der Verdammnis und der Hölle entreißen
konnte als durch die Annahme des Menschlichen. … Die Erlö-
sung bestand in der Unterjochung der Höllen, der Neuordnung
der Himmel und der Gründung einer Kirche. Dies konnte Gott
aus seiner Allmacht nur durch die Menschennatur verrichten,
ähnlich wie jemand eine Handarbeit nicht ohne Arm verrichten
kann. Diese Menschennatur wird im Wort der „Arm Jehovahs“
genannt. Auch kann niemand eine befestigte Stadt angreifen
und die darin befindlichen Götzentempel zerstören ohne die
geeigneten Mittel. Aus dem Wort wird ebenfalls klar, daß die
göttliche Allmacht bei diesem Werk durch die Menschengestalt
wirkte. Gott, der absolut verinnerlichte und reine, konnte auf
keine andere Weise bis in jene äußersten Bereiche durchdringen,
wo er die Höllen und die Menschen jener Zeit hätte erreichen
können, so wie z.B. die Seele nichts ohne den Körper auszurich-
ten vermag, oder wie niemand Feinde besiegen kann, die er
nicht zu Gesicht bekommt, oder denen er nicht mit irgendwel-
chen Waffen, also Speeren, Schilden oder Gewehren beikommen
und sich nähern kann. Die Erlösung ohne Menschengestalt zu
bewirken, war Gott ebenso unmöglich, wie es dem Menschen
unmöglich gewesen wäre, die Indianer zu unterjochen, ohne
vorher Soldaten dahin transportiert zu haben. … So wie
Jehovah an sich ist, kann er aus seiner Allmacht weder mit einem
Teufel in der Hölle noch mit einem auf Erden in Berührung
kommen, um ihn und seine Wut in Schranken zu halten und
seine Gewalt zu zähmen, solange er nicht im Letzten ist wie im
Ersten. Im Letzten aber ist er in seiner menschlichen Gestalt.
(W.C.R. 84)

27. Dezember
Wenn meine Söhne mein Gesetz verlassen und
nicht in meinen Rechten wandeln, wenn sie meine

286
Ordnungen entweihen und meine Gebote nicht hal-
ten, so will ich mit der Rute ihre Übertretungen
heimsuchen und mit Plagen ihre Missetat. Aber
meine Barmherzigkeit werde ich nicht bei ihnen
zunichte machen und meine Wahrheit nicht zur
Lüge machen. Ich werde nicht meinen Bund ent-
weihen und nicht ändern, was meine Lippen
gesprochen. (Ps, 89, 31 - 33)

Wer sieht nicht, daß es kein Kaiser- oder Königreich, kein


Herzogtum, keine Republik, keine Stadt und kein Haus gibt, die
nicht durch Gesetze erhalten werden, die die Ordnung und Form
der Regierung darstellen? In jedem Fall nehmen die Gesetze der
Gerechtigkeit die oberste Stelle ein, dann folgen die Gesetze
betreffend die Verwaltung und an dritter Stelle diejenigen, die
sich mit wirtschaftlichen Gegebenheiten befassen. Vergleicht
man diese Rangordnung mit einem Menschen, so bilden die
Gesetze der Gerechtigkeit sein Haupt, die Verwaltungsgesetze
seinen Leib, die Wirtschaftsgesetze die Kleider, weshalb diese
auch wie die Kleider gewechselt werden können. (W.C.R. 55)

28. Dezember

Den Überwinder will ich zur Säule in meines Gottes


Tempel machen, und er soll nicht mehr hinausge-
hen, und ich will auf ihn schreiben den Namen
meines Gottes und den Namen der Stadt meines
Gottes, des Neuen Jerusalem, das aus dem
Himmel von meinem Gotte herabsteigt, und mei-
nen neuen Namen. (Offb. Joh. 3, 12)

Fortsetzung: Die Ordnung, in die Gott die Kirche eingesetzt


hat, besteht darin, daß Gott in der Kirche als Ganzem wie in

287
ihren Teilbereichen gegenwärtig ist als der Nächste, demge-
genüber die Ordnung beobachtet werden soll. Es gibt in dieser
ebensoviele Gesetze wie Wahrheiten im Wort. Die Gott betref-
fenden Gesetze sollen in der Kirche das Haupt bilden, die
Gesetze über den Nächsten den Leib, die Gebräuche die
Kleider. Würden die ersteren nicht durch religiöse Gebräuche
in ihrer Ordnung zusammengehalten, so glichen sie einem
nackten Leib, der abwechselnd sommerlicher Hitze und win-
terlicher Kälte ausgesetzt würde, oder wie wenn man aus einem
Tempel Wände und Decken herausbräche und damit das inne-
re Heiligtum, den Altar und die Kanzel unter freiem Himmel
den Unbilden der Witterung preisgäbe. (W.C.R. 55)

29. Dezember
Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die
Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn
sie viel Worte machen. So seid denn ihnen nicht
ähnlich; denn euer Vater weiß, was ihr bedürfet,
ehe denn ihr bittet. (Matth. 6, 7 f.)

Unter vielen Kräften und Einflüssen, die von Gott ausge-


hen, ist die göttliche Vorsehung die Hauptsache, denn sie ver-
wirklicht sich unausgesetzt in dem Zweck, zu dessen
Verwirklichung das Weltall erschaffen wurde. Die Gesamtheit
der Auswirkungen bei der Erfüllung des Zweckes durch die
nötigen Mittel bilden die göttliche Vorsehung. Da nun die
Kraft, die von Gott ausgeht, er selbst ist, und das Wichtigste von
allem die Vorsehung ist, so wäre logischerweise eine Handlung
gegen die Gesetze der Vorsehung ein Verstoß gegen sich selbst.
Man kann also sagen: der Herr ist die Vorsehung, oder anders:
Gott ist die Ordnung, denn die göttliche Vorsehung besteht in
der göttlichen Ordnung, vor allem im Hinblick auf das Heil des
Menschen. … Die Tätigkeit der göttlichen Vorsehung beginnt

288
mit der Geburt des Menschen, dauert zunächst bis zu seinem
irdischen Ende und setzt sich anschließend in Ewigkeit fort.
Diese Aktivität erleidet keinen einzigen Unterbruch; die Mittel
beruhen auf reiner Barmherzigkeit. Es gibt aber trotzdem keine
Errettung von einem Augenblick auf den anderen. Diese
Vorstellung gleicht einem fliegenden Drachenungeheuer in der
Kirche. (G.V. 331)

30. Dezember
Ich will mein Angesicht nicht mehr verbergen vor
ihnen, weil meinen Geist ich über das Haus Israels
ausgießen werde, spricht der Herr Jehovah.
(Ez. 39, 29)

Man weiß von der Existenz der göttlichen Vorsehung, aber


nichts über ihre Beschaffenheit. Es gibt nämlich geheime
Gesetze, die bis jetzt in der Weisheit der Engel verborgen lagen,
nun aber offenbar werden sollen, damit dem Herrn gegeben
wird, was ihm gehört, und nicht dem Menschen, was ihm nicht
gehört. Die meisten irdischen Menschen schreiben alles sich
und ihrer Klugheit zu; geht etwas über diese hinaus, nennen sie
es „Zufall“ oder Schicksal. Sie ahnen nicht, wie hohl die
menschliche Klugheit ist und daß Zufall und Schicksal nur
leere Worte sind. (G.V. 70)

31. Dezember
Und geben will ich ihnen ein Herz, und einen neuen
Geist will ich geben in eure Mitte, und wegnehmen
das Herz von Stein aus ihrem Fleisch und ihnen
geben ein Herz von Fleisch, damit sie in meinen
Satzungen wandeln und meine Rechte halten und
sie tun. (Ez. 11, 19 f.)

289
Die Göttliche Vorsehung hat das Unendliche und Ewige
vor allem deshalb im Auge, … weil ihr Zweck der von Men-
schen bewohnte Himmel ist. Dazu bedarf es besonders der
Umbildung und Wiedergeburt des Menschen, auf die sich die
göttliche Vorsehung konzentriert; denn aus den Erlösten oder
Wiedergeborenen bildet sich der Himmel. Den Menschen wie-
dergebären heißt aber, das Gute und Wahre, bzw. die Liebe und
Weisheit bei ihm vereinigen, wie sie in der göttlichen Kraft ver-
einigt sind, die vom Herrn ausgeht. Darauf zielt daher die gött-
liche Vorsehung bei der Erlösung des Menschengeschlechts vor
allem ab. Das Bild des Unendlichen und Ewigen liegt beim
Menschen allein in der Vermählung des Guten und Wahren in
ihm. Dies wird im Menschen bewirkt durch die göttliche Kraft,
wie das Beispiel derer zeigt, die – erfüllt von der göttlichen
Kraft – geweissagt haben, und von denen im Wort die Rede ist.
Bekannt ist es ebenso durch die Erleuchteten, die die göttli-
chen Wahrheiten im Licht des Himmels sehen, was vor allem
für die Engel gilt, die die Gegenwart des Herrn, seinen Einfluß
und die durch ihn bewirkte Verbindung mit den geistigen
Sinnen wahrnehmen, dabei aber auch erkennen, daß die
Verbindung nur in etwas besteht, das man als Anschluß
bezeichnen kann. (G.V. 58)

290
Anhang: Bewegliche Festtage

Palmsonntag
Am folgenden Tage, da viel Volks, das zum Feste
gekommen war, hörte, daß Jesus nach Jerusalem
komme, nahmen sie Zweige von Palmen und gin-
gen hinaus ihm entgegen und schrien: „Hosianna!
Gesegnet sei, der da kommt, im Namen des Herrn,
der König Israels! (Joh. 12, 12. 13)

Unter König wird im Wort der Herr verstanden. Sein


Name steht für alles, wodurch er verehrt wird, nämlich alles
Göttlich-Gute und -Wahre. Gesegnet sei, der da kommt,
bedeutet daher, er solle verherrlicht werden, weil von ihm alles
Göttlich-Wahre und -Gute stammt. (Erkl. Offb. 340)

Gründonnerstag

Und er ging hinaus und nach seiner Gewohnheit


ging er hin an den Oelbeg. Es folgten ihm aber
auch seine Jünger nach. ...Und er trennte sich von
ihnen, ungefähr einen Steinwurf weit, fiel auf die
Knie und betete. Und er sprach: Vater, bist du wil-
lens, so laß diesen Kelch an mir vorübergehen!
Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!
(Luk. 22, 39. 41. 42)
Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen.
... Glaubt mir, daß ich in dem Vater bin und der
Vater in mir. (Joh. 14, 9. 11)

291
Aus den Evangelien wissen wir, daß der Herr seinen Vater
Jehovah anbetete und anflehte, und zwar als jemanden, der von
ihm verschieden war, obwohl Jehovah in ihm weilte. Der Herr
befand sich damals in einem Zustand der Erniedrigung, so daß
ihn die menschliche Schwäche überwältigte, die er von der
Mutter geerbt hatte. Aber je mehr er diese zugunsten des
Göttlichen ablegte, desto stärker verwandelte sich sein Zustand
in den seiner Verherrlichung. In dem früheren Zustand betete er
zu Jehovah wie zu einem Fremden, obwohl dieser wie gesagt in
ihm war, aber im Stande der Verherrlichung redete er mit
Jehovah wie mit sich selbst, denn er war Jehovah. Diese Tatsache
kann man freilich nicht fassen, wenn man nicht weiß, was das
Innere ist und wie es auf das Äußere wirkt, wie beide voneinan-
der verschieden und dennoch verbunden sind. Verdeutlicht wer-
den kann das durch das Innere des Menschen und seinen
Einfluß auf das Äußere. Durch sein Inneres ist der Mensch erst
Mensch und unterscheidet sich von den unvernünftigen Tieren.
Durch dieses Innere lebt er nach dem Tode in Ewigkeit und
kann vom Herrn unter die Engel erhoben werden. Es ist die
eigentliche Urform, kraft deren er zum Menschen wird und ein
Mensch ist. Durch dieses Innere vereinigt sich der Herr mit dem
Menschen...Des Herrn Inneres aber war Jehovah selbst, weil er
empfangen worden war von Jehovah. (H.G. 1999)

Karfreitag
Es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten
ihn... Da es aber die sechste Stunde geworden,
ward eine Finsternis über das ganze Land bis zur
neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schrie
Jesus mit großer Stimme und sprach: Elohi, Elohi,
lamma sabachthani! (Das ist verdolmetscht: Mein
Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?)
(Mark. 15, 25. 33. 34)

292
Das Leiden am Kreuz war die letzte Versuchung, die der
Herr als der größte Prophet bestand, und es war das Mittel zur
Verherrlichung seines Menschlichen, d.h. zur Vereinigung mit
dem Göttlichen seines Vaters, nicht aber die Erlösung. ... Die
Vereinigung selbst wurde darum durch das Leiden am Kreuz
vollendet, weil es die letzte Versuchung darstellte, der sich der
Herr in der Welt unterzog, und weil bestandene Versuchungen
eine Verbindung bewirken. Der Mensch bleibt in den
Versuchungen zwar scheinbar auf sich gestellt, aber Gott ist
gerade jetzt unmittelbar in seinem Innersten gegenwärtig und
unterstützt ihn. Wer sich daher in der Versuchung überwin-
det, wird aufs innigste mit Gott verbunden - so wie der Herr
auf das innigste mit seinem Vater vereinigt wurde. Daß der
Herr in seinem Leiden am Kreuz sich selbst überlassen war,
zeigt sein Ausruf: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich
verlassen?“ Daraus geht hervor, daß der Herr nicht seiner
göttlichen, sondern der menschlichen Natur nach gelitten hat
und daß darauf die innigste, das heißt die vollständigste
Vereinigung folgte. ... Der Glaube, das Leiden am Kreuz sei die
Erlösung an sich gewesen, ist ein grundlegender Irrtum der
Kirche; er hat zusammen mit dem ebenfalls irrigen Postulat
von drei göttlichen Personen von Ewigkeit die ganze Kirche
zugrunde gerichtet. (W.C.R. 126, 132)

Karsamstag
Und als sie an den Ort hinkamen, den man heißt
Schädelstätte, kreuzigten sie ihn allda und die Übel-
täter, den einen zur Rechten, den andern zur
Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen,
denn sie wissen nicht, was sie tun. (Luk. 23, 33 f.)

Viele Stellen des Alten Testaments bezeichnen das Leben des


Herrn als eine fortwährende Versuchung vom ersten Knabenalter

293
bis zur letzten Stunde und ebenso als einen fortwährenden Sieg.
Lukas erzählt, daß die Versuchung in der Wüste nicht die letzte
war: „Nachdem der Teufel alle Versuchungen vollendet hatte,
stand er von ihm ab eine Zeit lang“ (4, 13). Und er wurde ver-
sucht bis zum Kreuzestod, also bis zur letzten Lebensstunde in
der Welt. Daraus folgt, daß das ganze Leben des Herrn in der
Welt vom ersten Knabenalter an aus fortwährender Versuchung
und fortwährendem Sieg bestand, bis er zuletzt am Kreuz für
seine Feinde betete, d. h. für die ganze Welt. Die Evangelisten
erwähnen in ihren Berichten vom Leben des Herrn außer der
letzten nur die Versuchung in der Wüste. Mehr ist den Jüngern
nicht enthüllt worden, und was enthüllt wurde, erscheint im
Buchstaben so einfach, als ob es kaum der Rede wert wäre. Denn
so zu reden und zu antworten (wie die Bibel berichtet), bedeutet
keine Versuchung, während sie doch (in Wirklichkeit) schwerer
wog als menschliche Gemüter sich vorstellen und glauben kön-
nen. Niemand kann ermessen, was eine Versuchung ist, außer
wer eine erlebt hat. Die Versuchung, die bei Matthäus (4, 1 -11),
sowie bei Markus und Lukas erwähnt wird, faßt sämtliche ande-
ren zusammen, den ganzen Kampf, den er aus Liebe zu den
Menschen wider die Triebe der Selbst- und Weltliebe führte, von
denen die Höllen angefüllt waren. Jede Versuchung richtet sich
gegen die Liebe, die den Menschen erfüllt, und nach dem Grad
dieser Liebe ist die Versuchung bemessen. Die Liebe eines
Menschen zerstören heißt, dessen Leben zerstören, denn die
Liebe ist das Leben. Das Leben des Herrn aber war die Liebe zur
Menschheit... und gegen dieses Leben wurden fortwährend
Versuchungen zugelassen. (H.G. 1690)

Oster - Sonntag

Solches redete Jesus und hob seine Augen auf gen


Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekom-

294
men. Verherrliche deinen Sohn, auf daß dich auch
dein Sohn verherrliche. Wie du ihm Gewalt über
alles Fleisch gegeben hast, auf daß er ewiges Leben
gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber
das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren
Gott und den du gesandt hast, Jesus Christus,
erkennen. Ich habe dich auf Erden verherrlicht, ich
habe das Werk vollbracht, das du mir zu tun gege-
ben hast. Und nun verherrliche mich, du Vater, bei
Dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte,
ehe denn die Welt war. (Joh. 17, 1 - 5)

Der Herr hat bis zum letzten Augenblick seines Lebens, als
er verherrlicht wurde, in stetigen Schritten alles von der Mutter
ererbte Menschliche abgelegt, bis er schließlich nicht mehr als
ihr Sohn gelten konnte, sondern der Sohn Gottes geworden
war... Der äußere Mensch ist nur materiell oder funktionell und
hat als solcher kein Leben in sich. Er empfängt es vom inneren
Menschen. Es scheint nur so, als ob der äußere Mensch aus sich
zu leben vermöchte. Nachdem der Herr die Organe seines
menschlichen Leibes gereinigt hatte, konnten sie das Leben
direkt empfangen, sodaß der Herr im Äußeren genau so das
Leben wurde, wie er es im Innern war. Unter diesem Vorgang
verstehen wir die Verherrlichung. ... In den Kämpfen gegen die
Versuchungen hat der Herr seinen gesamten Organismus in
eine göttliche Ordnung gebracht, und zwar bis zu dem Grad,
daß von den mütterlichen Erbanteilen gar nichts übrig blieb. Er
wurde also nicht wie andere ein neuer Mensch, sondern ganz
und gar göttlich. Wer unter den Menschen nämlich durch die
Wiedergeburt erneuert wird, verliert weder die Neigung zum
Bösen noch das Böse selbst; er wird lediglich unter dem Einfluß
eines Lebens in Liebe vom Herrn davon abgehalten , und zwar
mit einer sehr starken Kraft... (H.G. 2649, 1608)

295
Oster - Montag
Fürwahr, er trug unsere Krankheiten und lud auf
sich unsere Schmerzen. Wir aber achteten ihn als
einen Geplagten, von Gott Geschlagenen und
Gepeinigten. Er ist durchbohrt um unserer Übertre-
tungen willen, zerstoßen ob unserer Missetaten. Die
Züchtigung zu unserem Frieden liegt auf ihm, und
durch seine Striemen wird uns Heilung zuteil.
(Jes. 53, 4. 5)

In der Kirche wird bekanntlich formuliert, der Herr habe


die Sünden für das Menschengeschlecht getragen. Man weiß
aber nicht, was unter diesem Tragen zu verstehen ist. Einige
meinen, er habe die Sünden des Menschengeschlechts auf sich
genommen und geduldet, daß man ihn zum Tode am Kreuz
verurteilte. Weil auf diese Weise die Verdammnis für die Sünden
ihm aufgehalst wurde, seien die Menschen davon befreit wor-
den. Und weiter: die Verdammnis sei vom Herrn aufgehoben
worden durch seine Erfüllung des Gesetzes; denn das Gesetz
hätte einen jeden verdammt, der es nicht erfüllte. Das alles ent-
spricht jedoch nicht dem Tragen der Schuld. Denn jeden
Menschen erwarten nach dem Übergang in die geistige Welt
seine Werke, nach deren Beschaffenheit er gerichtet wird, ent-
weder zum (himmlischen) Leben oder zum (höllischen) Tod.
Diese Beschaffenheit gründet auf der Liebe und dem Glauben,
denn diese beiden bilden die Werke des Menschen. Sie können
darum niemals weggenommen werden durch Überwälzung auf
einen anderen, der sie tragen soll. Daraus folgt, daß man unter
dem Tragen der Schuld etwas anderes verstehen muss. Was das
nun aber ist, kann man aus den Taten des Herrn selbst erken-
nen: der Herr trägt nämlich des Menschen Schuld, indem er für
ihn gegen die Höllen kämpft. Aus sich kann der Mensch das
nicht; an seiner Stelle tut es allein und ständig der Herr je nach

296
der Aufnahme des Göttlich-Guten und -Wahren. Als der Herr
in der Welt war, kämpfte er gegen alle Höllen und unterjochte
sie völlig. Dadurch wurde er zur Gerechtigkeit und erlöste die-
jenigen von der Verdammnis, die das Göttlich-Gute und -
Wahre von ihm aufnahmen. (H.G. 9937)

Himmelfahrt
Die elf Jünger aber gingen hin nach Galiläa auf den
Berg, wohin sie Jesus beschieden hatte. Und da sie
ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber
zweifelten. Und Jesus kam zu ihnen, redete mit
ihnen und sprach: mir ist gegeben alle Gewalt im
Himmel und auf Erden … Und siehe, ich bin bei
euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitlaufs.
(Matth. 28, 16 - 18. 20)

Im Hinblick darauf, daß dem Menschensohn alle Gewalt in


den Himmeln und auf Erden gegeben wurde, muß man sich
klar machen, daß der Herr über alles in den Himmeln und auf
Erden Gewalt hatte, bevor er in die Welt kam, denn er war Gott
von Ewigkeit und Jehovah, wie er selbst deutlich bei Johannes
sagt: „Nun verkläre du mich, Vater, bei Dir selbst mit der
Klarheit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war“ (17, 5), und
ebenfalls bei Johannes: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe
Abraham war, bin ich“ (8, 58). Er war der Jehovah und Gott
der Urkirche, die vor der Sintflut bestand, und ist jenen
Menschen erschienen; er war auch der Gott der alten Kirche,
die nach der Sintflut bestand. Und er war es, den alle
Gebräuche der jüdischen Kirche darstellten und den man ver-
ehren sollte. Daß er aber sagt, ihm sei alle Gewalt im Himmel
und auf Erden gegeben worden, als ob dies eben erst geschehen
wäre, hat seinen Grund darin, daß unter dem Sohn des
Menschen sein menschliches Wesen verstanden wird. Als die-

297
ses mit dem göttlichen vereinigt war, gehörte es ebenfalls zu
Jehovah und verfügte also über die Gewalt. Vor der Verklärung
war das nicht möglich, denn erst nach der Vereinigung des
menschlichen Wesens mit dem göttlichen „hatte er das Leben
in sich“ und war so in gleicher Weise göttlich und Jehovah
geworden, wie er es selbst bei Johannes (5, 26) ausdrückt.
(H.G. 1607)

Pfingst - Sonntag
Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote. Und
ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen
anderen Beistand geben, daß er bei euch bleibe
ewiglich, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht
empfangen kann, weil sie ihn nicht schaut und
nicht erkennt. Ihr aber erkennet ihn, dieweil er bei
euch bleibt und in euch sein wird … Der Beistand
aber, der heilige Geist, den der Vater in meinem
Namen senden wird, der wird euch alles lehren und
euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
(Joh. 14, 15 - 17. 26)

Der heilige Geist ist die göttliche Wahrheit, ebenso auch die
göttliche Kraft und Wirksamkeit, die aus dem einen Gott her-
vorgeht, in dem eine göttliche Dreieinheit besteht, d.h. aus
dem Herrn, unserem Gott und Heiland … Die göttliche Kraft
wirkt durch das Göttlich-Wahre, das aus dem Herrn hervor-
geht und – wie alles, was hervorgeht – ein und desselben
Wesens ist mit dem, aus dem es hervorgeht. Das gilt auch für
den Menschen: Seele, Leib und was er wirkt, machen eins aus,
natürlich nur Menschliches, während es beim Herrn zugleich
göttlich und menschlich ist, vereinigt nach der Verherrlichung
wie das Frühere mit dem Späteren oder das Wesen mit seiner

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Form. So sind die drei Wesenselemente, die Vater, Sohn und
Heiliger Geist genannt werden, im Herrn eins. … Es leuchtet
ein, daß der „Beistand“ die vom Herrn ausgehende göttliche
Wahrheit ist, denn es heißt, der Herr selbst sage ihnen „die
Wahrheit“ und versprach, wenn er hinweggehe, ihnen den
Beistand, den Geist der Wahrheit, zu senden. … (vergl. dazu
auch Joh. 16, 7.13 f., Anm. d. Hrsg‘s)
(W.C.R. 138 f.; Erkl. Offb. 183)

Pfingst - Montag
Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott, der
Allmächtige, der da war, der da ist und der da
kommt. (Offb. Joh. 4, 8)

Die göttliche Allmacht kann nicht gegen die Ordnung


steuern, die sie selbst geschaffen hat, sondern wird immer nur
gemäß dieser Ordnung vorgehen. Hieraus folgt, daß niemand
aus sich selbst fähig ist, sich in die Ordnung einzufügen, also
ohne die Hilfe dessen, von dem die Ordnung stammt. Es ist
allein Sache der göttlichen Allmacht, den Menschen der
Ordnung gemäß zu führen, und zwar fortwährend, vom
Anfang seines Lebens bis in Ewigkeit. Die Zahl der Gesetze der
Ordnung übersteigt jeden Begriff, solange der Mensch sich
führen läßt; maßt er sich jedoch an, sich selbst führen zu kön-
nen, sperrt er sich gegen die Ordnung. Die göttliche Allmacht
würde sich daher gegen die eigene Ordnung vergehen, wollte
sie einen solchen Menschen zum Himmel zwingen. Eines der
Gesetze der Ordnung besagt nämlich, daß der Mensch aus
Vernunft und Freiheit handeln soll. (Erkl. Offb. 689)

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