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UNSER TÄGLICH BROT

UNSER TÄGLICH BROT


BAND 2

TEXTE AUS DEM WORT GOTTES


UND AUS DEN S CHRIFTEN
EMANUEL SWEDENBORGS

zusammengestellt
von Heinz Grob

SWEDENBORG-VERLAG ZÜRICH
Auflage 2003
© Heinz Grob
Herstellung: Swedenborg-Verlag
Vorwort des Herausgebers

In der Annahme, es könne nicht das Ziel der


ersten Textsammlung sein, immer wieder gelesen
zu werden, habe ich mich daran gemacht, eine
zweite zusammenzustellen, wiederum für ein
ganzes Jahr und unter Beifügung von Bibelstellen
für die beweglichen Festtage. Auch die Gestaltung
ist mit der ersten identisch.
Anders bin ich bei der Auswahl vorgegangen.
Ich habe mir eine Liste von Begriffen zusammen-
gestellt und zu diesen eine Reihe von Zitaten
gesucht und diese wiederum mit den passenden
Stellen aus der Lehre ergänzt, wobei zuweilen
mehrere Werke zum Zuge kamen. Die Anzahl der
Zitate zum einzelnen Begriff, also die Zahl der
„Wiederholungen“ schwankt je nach der
Ergiebigkeit. Es kommt auch vor, daß ein Zitat im
Lauf des Buches ein zweites Mal auftaucht, dann
aber mit einem anderen Lehrtext verbunden.
HG
Abkürzungen der benutzten Werke Emanuel
Swedenborgs
E.L. Eheliche Liebe
Enth. Offb. oder E.O. Enthüllte Offenbarung Johannis
Erkl. Offb. oder O.E. Erklärte Offenbarung Johannis
G.V. Die Göttliche Vorsehung
G.L.W. oder L.u.W. Die göttliche Liebe und Weisheit
H.G. Die Himmlische Geheimnisse
H.u.H. oder H.H. Himmel und Hölle
J.G. Vom Jüngsten Gericht
K.D. Kurze Darstellung der Lehre der
Neuen Kirche
L.v. Gl. oder L.G. Lehre vom Glauben
L.L. Lebens-Lehre *
L.S. Lehre von der heiligen Schrift *
L.H. Lehre vom Herrn *
N.J. Vom Neuen Jerusalem
W.C.R. Die Wahre Christliche Religion

* Zusammengefaßt in „Die vier


Hauptlehren“
1. Januar
So spricht Jehovah, dein Erlöser und dein Bildner
von Mutterleib an: Ich, Jehovah, tue alles, spanne
aus die Himmel, ich allein breite die Erde aus von
mir selbst. (Jes. 44, 24)

Jehovah Gott ist das Sein in sich, den er ist der „Ich bin“,
das Selbst, das Einzige und Erste von Ewigkeit zu Ewigkeit, aus
dem alles seinen Ursprung hat, was da ist, und ohne das nichts
existieren würde. So und nicht anders ist er der Anfang und das
Ende. Man kann nicht sagen, Gottes Sein stamme von sich
selbst, weil dieser Ausdruck etwas Früheres, also eine Zeit vor-
aussetzt. Der Begriff der Zeit aber hat nichts gemein mit dem
Begriff des Unendlichen, das heißt mit der Vorstellung von
„Ewigkeit her“. Zudem würde eine solche Ausdrucksweise
auch einen anderen Gott voraussetzen, einen Gott von Gott
oder die Vorstellung, Gott habe sich selbst gebildet und sei
damit nicht der Unerschaffene. Gott ist also das Sein und
damit auch die Liebe, die Weisheit und das Leben an sich.
(WCR 21)

2. Januar
Und Abraham fiel auf sein Angesicht und lachte
und sprach in seinem Herzen: Soll mir, dem hun-
dert Jahre alten, geboren werden und Sarah soll,
neunzig Jahre alt, gebären? (1. Mose 17, 17)

Der Ursprung des Lachens liegt in der Neigung zum


Wahren oder zum Falschen. Daraus resultiert die Heiterkeit,
die sich beim Lachen im Gesicht äußert. Das Lachen ist zwar
äußerlich und gehört dem Leib an. Im Wort wird aber
Innerliches durch Äußerliches ausgedrückt, die inneren

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Regungen der Seele und des Gemüts im Gesicht, das innere
Sehen und der Verstand durch das Auge, Kraft und Stärke
durch Hand und Arm. … Die Neigung zum Guten, die sich
durch die Vernunft zeigt, äußert sich nicht durch Lachen, son-
dern durch Freude und Vergnügen; denn im Lachen ist
gewöhnlich auch etwas, das nicht so gut ist.
Die Zahl hundert, die das Alter Abrahams angibt, bedeutet
die Vereinigung der Vernunft im menschlichen Wesen des
Herrn mit der göttlichen Kraft. Und Sarahs neunzig Jahre
sagen uns, daß dies bewirkt wurde durch das mit dem Guten
verbundene Wahre oder das göttliche Wahre, das die eigentli-
che Bedeutung Sarahs ist. (HG 2074/75)

3. Januar
Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem
Herzen, sondern sollst deinen Nächsten rügen, daß
du darob keine Sünde tragest. (3. Mose 19, 17)

Unter dem Bruder wird der Nächste verstanden, oder im


abstrakten Sinn das Gute der tätigen Liebe. Im Herzen etwas
gegen den Bruder tragen, bedeutet nämlich Zorn, Feindschaft
oder Haß, sich mit ihm versöhnen, dagegen die darauf folgen-
de Verbindung durch die Liebe. Das zeigt, daß der Bruder für
den Nächsten steht und dieser wiederum für das Gute in sei-
nem vollen Umfang. (OE 746)

4. Januar
Aber die Taube fand keine Ruhe für die Sohle ihres
Fußes, und sie kehrte zu ihm zurück zur Arche,
denn die Wasser waren auf den Angesichten der

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ganzen Erde, und er streckte seine Hand aus und
nahm sie und brachte sie zu sich herein in die
Arche. (1. Mose 8, 9)

Daß «die Taube keine Ruhe fand für die Sohle ihres Fußes»
bedeutet, es habe nichts Gutes und Wahres des Glaubens mehr
Wurzel fassen können. Denn die Taube stellt das Wahre des
Glaubens dar. Wurzel fassen konnte es deshalb nicht, weil die
Falschheiten noch überflossen. (Diese Schilderung betrifft den
Menschen der Alten Kirche.)
Solange im Gemüt des Menschen die Falschheiten
überfließen, können die eingepflanzten Glaubenswahrheiten
keine Wurzeln bilden. Sie hängen an der Oberfläche, das heißt
im Gedächtnis, und der Boden wird nicht fruchtbar, ehe die
Falschheiten zerstreut sind. (HG 875)

5. Januar
Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussen-
den, und sie werden aus seinem Reich zusammen-
lesen alle Ärgernisse und die da Unrecht tun.
(Mat. 13, 41)

Alles Gute gleicher Herkunft verknüpft sich in Bündel und


umgibt sich zugleich mit einer Hülle, um sich auf diese Weise
von anderem Guten zu unterscheiden. Ähnliches vollzieht sich
auch im menschlichen Gemüt, wie aus der fortlaufenden
Entsprechung zwischen allen Teilen des Geistes und des
Körpers hervorgeht. Folglich ist das menschliche Gemüt ein
organisches Gebilde. Sein Inneres besteht aus geistigen
Substanzen, sei Äußeres aus natürlichen und sein Äußerstes
aus materiellen Substanzen. Ein Gemüt, in dem das Böse als
angenehm gilt, setzt sich innerlich aus geistigen Substanzen

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zusammen, die höllisch sind. Das Böse eines Gemütes der letz-
teren Art wird durch Falsches in Bündel zusammengehalten.
(WCR 38)

6. Januar
Da aber der König Herodes das hörte, erbebte er
und ganz Jerusalem mit ihm. Und er versammelte
alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes
und erfragte von ihnen, wo der Christus sollte
geboren werden. Sie aber sagten zu ihm: Zu
Bethlehem in Judäa, denn also ist geschrieben
durch den Propheten: Und du Bethlehem im Lande
Juda, bist mitnichten die kleinste unter den
Fürsten Judas; denn aus dir wird ausgehen der
Fürst, der mein Volk Israel weiden wird.
(Mat. 2, 3-6)

Bethlehem ist das geistig Himmlische in einem neuen


Zustand. Dort gebar Rachel ihren zweiten Sohn, dort wurde
David geboren und zum König gesalbt. Der Herr allein aber
wurde als geistig-himmlischer Mensch geboren, damit er seine
Menschennatur göttlich machen konnte vom untersten Grad
bis zum höchsten, um so alles in Ordnung zu bringen, was in
den Himmeln und in den Höllen ist; denn das geistig
Himmlische ist das Bindeglied zwischen dem natürlichen und
dem vernünftigen oder inneren Menschen. (HG 4594)

7. Januar

Als sie aber den König gehört hatten, zogen sie


hin; und siehe, der Stern, den sie im Morgenland

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gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und
stand oben über der Stelle, da das Kindlein war.
(Mat. 2, 9)

Die Sterne sind Symbole für das Wahre und Gute der
Kirche und für dessen Erkenntnis. Fallen sie vom Himmel,
bedeutet das, sie seien verloren gegangen. Da nun aber auch
die Engel im geistigen Himmel wie Sterne leuchten und all ihr
Wahres und Gutes vom Herrn ist, wird selbst der Herr, der ja
auch Engel genannt wird, als Stern bezeichnet. Es verwundert
deshalb nicht, daß die Weisen aus dem Morgenland einen
Stern über seiner Geburtsstätte sahen. (OE 72)

8. Januar
Und Feindschaft will ich setzen zwischen dir und
zwischen dem Weibe, und zwischen deinem Samen
und zwischen ihrem Samen. Er soll dir den Kopf
zertreten, und du wirst ihm die Ferse verletzen.
(1. Mose 3, 15)
Und die Tage erfüllten sich, daß sie gebären sollte,
und siehe, Zwillinge waren in ihrem Leib. Und der
erste kam heraus, ganz rötlich, wie ein haariger
Mantel, und sie nannten seinen Namen Esau. Und
nachher kam sein Bruder heraus, und seine Hand
ergriff die Ferse Esaus, und man nannte seinen
Namen Jakob. (1. Mose 25, 24-26)

Die Uralten betrachteten den Menschen so: Himmlisches


und Geistiges brachten sie mit seinem Haupt und Gesicht in
Zusammenhang, die Auswirkungen davon, nämlich tätige
Liebe und Barmherzigkeit mit der Brust, die natürlichen
Regungen (die Vernunft) aber mit dem Fuß, ihre unteren

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Bereiche mit dessen Sohle und das Unterste und Leibliche mit
der Ferse. … Die Schlange kann nur das unterste Natürliche
verletzen, nicht aber, sofern es sich nicht um eine Vipernart
handelt, das innere Natürliche im Menschen, vollends nicht
das Geistige oder Himmlische. Diese erhält der Herr und ver-
birgt sie, ohne daß der Mensch etwas davon weiß. (HG 259)
Esau ist ein Symbol für natürlich Gutes aus einer geistigen
Quelle. Wenn nun Jakob bei der Geburt die Ferse Esaus hielt,
heißt das, er habe nur Kontakt zu dessen unterstem
Natürlichen gehabt. Jakob und seine Nachkommenschaft ent-
behrte jeder Beziehung zu den geistigen Bereichen und blieb
vollkommen natürlich, d.h. sie standen im Gegensatz zum
Guten des Himmels und der Kirche. (OE 710)

9. Januar
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch
die Tür in den Schafstall eintritt, sondern anderswo
einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber. … Ich bin die
Tür. So jemand durch mich eintritt, der wird geret-
tet werden und wird eingehen und ausgehen und
Weide finden. (Joh. 9, 1. 9)

Es leuchtet ohne weiteres ein, daß jeder Glaube unecht ist,


der von dem wahren und einzigen Glauben abweicht. Alles
Gute und Wahre der Kirche hat seinen Ursprung in der
Vermählung des Herrn mit der Kirche, folglich entstammt
alles, was seinem Wesen nach Nächstenliebe oder Glaube ist,
dieser Ehe. Im Gegensatz dazu entspringt alles, was
Nächstenliebe und Glaube nicht aus dieser Ehe haben, gesetz-
widrigem Ehebett und ist also entweder Frucht der Viel-
weiberei oder des Ehebruchs. Jeder Glaube, der den Herrn
anerkennt und dabei doch Falsches aus den Irrlehren über-

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nimmt, stammt aus dieser geistigen Vielweiberei. Der Glaube,
der drei Herren der einen Kirche anerkennt, stammt aus geisti-
gem Ehebruch. (WCR 380)

10. Januar
Wehe euch, Pharisäer und Schriftgelehrte, ihr
Heuchler! … Ihr Schlangen, ihr Geschlecht der
Ottern! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle ent-
fliehen? (Mat. 23, 29. 33)

Die List heißt Heuchelei, wenn die Menschen mit dem


Mund fromm sind, im Herzen aber gottlos, oder wenn sie von
tätiger Liebe reden, im Herzen aber Haß hegen, wenn sie sich
wie die reine Unschuld aufführen und in Brust und Seele grau-
sam sind, wenn sie also durch Unschuld, tätige Liebe und
Frömmigkeit täuschen. Diese sind Schlangen und Vipern im
inneren Sinn, weil sie im Licht des Himmels, von den Engeln
gesehen, als Schlangen und Vipern erscheinen, die das Wahre
arglistig verdrehen, um Böses zu tun. Sie verbergen gleichsam
das Gift unter ihren Zähnen und töten dadurch. (HG 9013)

11. Januar
Und ein anderes Zeichen ward im Himmel gese-
hen, und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der
hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf sei-
nen Häuptern sieben Diademe. (Offb. 12, 3)

Der Drache ist eine Art Schlange, die nicht nur auf dem
Boden kriecht, sondern auch fliegt. … Er stellt den ganz und
gar natürlichen und sinnlichen Menschen dar, der aber doch

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einige Kenntnis der geistigen Dinge besitzt, sei es aus dem
Wort oder durch die Predigt und durch die Religion. … Jeder
wird von seinen Eltern als ein sinnlicher Mensch geboren; aber
durch das Leben in der Welt wird er mehr und mehr innerlich
natürlich, das heißt, vernünftig, gemäß seinem sittlichen und
bürgerlichen Leben und dem dadurch erworbenen Licht der
Vernunft. Später jedoch wird er ein geistiger Mensch durch die
Wahrheiten oder Lehren aus dem Wort und durch ein diesen
gemäßes Leben. … Das Wissen und die Fähigkeit vernünftig
zu denken, ist natürlich und auch bei den Bösen, sogar bei den
Schlimmsten vorhanden. Erst in Verbindung mit dem Leben
nach den Wahrheiten aus dem Wort machen sie den geistigen
Menschen. (OE 714)

12. Januar
Fortsetzung
Das Haupt des Drachens stellen besonders diejenigen
Menschen dar, die ihr Leben und ihre Lehre auf einen Glauben
gründen, der von jeder tätigen Liebe getrennt ist. Das Haupt ist
ja das Sinnbild für Einsicht und Weisheit oder im Gegensinn
Wahnwitz und Torheit. Unter den sieben Häuptern ist nun das
Wissen um die heiligen Dinge des Wortes zu verstehen, die
diese Menschen geschändet haben, außerdem der ihnen eige-
ne Wahnwitz und ihre Schlauheit. Denn «sieben» bedeutet
auch hier «alles» und «das Ganze» und wird auf die heiligen
Dinge bezogen. Im entgegengesetzten Sinn gilt es auch für
alles, was geschändet und entweiht worden ist. … Wenn der
Mensch seinen Glauben mit allen Wahrheiten der Kirche und
des Himmels anfüllt, dabei aber auf Liebe und Nächstenliebe
verzichtet, verhindert er die Entwicklung seines inneren
Verstandes. Sie gewinnen daher keine Einsicht in die geistigen
Dinge und verfallen statt dessen in Wahnwitz. (OE 715)

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13. Januar
Fortsetzung
Und Channah betete und sprach: Mein Herz jauchzt
in Jehovah, erhöht ist mein Horn in Jehovah, weit
ist mein Mund über meine Feinde, denn ich bin
fröhlich in deinem Heil. (1. Sam. 2, 1)
Rette mich vor des Löwen Rachen, und von des
Einhorns Hörnern antworte mir! (Ps. 22, 22)
Sowie der obige Text.

Hörner werden im Wort hier und da erwähnt und bedeu-


ten die Macht des Wahren, das aus dem Guten stammt, aber
auch die Macht des Falschen, das dem Bösen entspringt. Die
göttlichen Wahrheiten werden wegen ihrer Höhe Hörner der
Einhörner genannt. Daher heißt es oft, das Horn werde erhöht,
denn Erhöhung bedeutet die Macht aus dem Inneren.
Zehn bedeutet ebenfalls alles oder auch vieles. Zehn
Hörner stellen daher eine bedeutende Macht dar, die dieser
Drache auch besaß. Er stellt ja diejenigen dar, die durch den
Buchstabensinn des Wortes ihren Irrglauben begründeten,
nach dem sie sich nicht um die Werke zu kümmern brauchten.
Von dieser Art Menschen gibt es am Ende einer Kirche viele,
die nur für sich, für die Welt und für das Vergnügen leben wol-
len; nur wenige jedoch leben für den Herrn, für den Himmel
und das ewige Leben. … Zwar hat das dem Bösen entsprin-
gende Falsche gegen das göttliche Gute des Herrn keinerlei
Macht, denn alle Macht gehört dem Herrn. Die Macht der
zehn Hörner besteht aber dennoch, denn das Falsche aus dem
Bösen besitzt Macht über die Menschen, die selbst diesem
Falschen anhängen, und das hat der Mensch von den Eltern
ererbt und durch sein eigenes Leben erworben. Es ist nun sein
eigenes Leben und kann nicht von einem Augenblick auf den
andern beseitigt werden. (HG 2832; OE 716)

15
14. Januar
Fortsetzung
Die sieben Diademe sind das göttliche Wahre in ihrer
äußersten Form, nämlich als die Wahrheiten im Buchstaben
des Wortes, und zwar hier als entweihte und geschändete
Wahrheiten. Diese Bedeutung entstammt dem Material der
Diademe, den Edelsteinen. Der Stein ist ein Symbol für das
Wahre, der Edelstein somit für das göttliche Wahre. Dieses
durchleuchtet die Wahrheiten des Buchstabensinnes mit sei-
nem himmlischen Licht, der nun je nach dem Zusammenhang
seines geistigen Ursprungs in verschiedenem Licht strahlt. Das
ist der Ursprung für die Modifikationen des himmlischen
Lichts, die im Himmel die Farben (auch die der Edelsteine)
bilden. Die Diademe erschienen über den sieben Häuptern des
Drachens, weil die Wahrheiten des Buchstabensinns im Wort
überall leuchten, wo sie auch immer sein mögen, selbst bei den
Bösen, denn ihr geistiges Licht wird nie ausgelöscht, weil es
direkt aus dem Himmel einfließt. (OE 717)

15. Januar

Habt ihr nicht gelesen, was geschrieben steht: Der


Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum
Eckstein geworden. Wer auf diesen Stein fällt, der
wird zerschellen. (Luk. 20. 17)

Der erste Weg, breit und von vielen begangen, Guten wie
Bösen, die wie Freunde miteinander plauderten, weil kein
Unterschied zwischen ihnen zu erkennen war, stellte diejeni-
gen dar, die von außen gesehen ein gleich redliches und
gerechtes Leben geführt und sich augenscheinlich nicht unter-
schieden hatten. Der Stein am Scheideweg, der Eckstein, über

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den die Bösen stolperten und von dem aus sie dann auf dem
zur Hölle führenden Weg weiterliefen, ist das göttliche Wahre,
das alle leugnen, die zur Hölle blicken. Im höchsten Sinn stellt
dieser Stein das göttlich-menschliche Wesen dar. Die
Menschen aber, die das göttliche Wahre und zugleich das gött-
liche Wesen des Herrn anerkannten, wurden auf den Pfad
geleitet, der zum Himmel führt. Der zum Leben führende Weg
heißt nicht deshalb schmal, weil er beschwerlich wäre, sondern
weil ihn nur wenige finden, wie die Worte sagen. (HH 534)

16. Januar
Und Jakob blieb allein übrig, und es rang ein Mann
mit ihm, bis die Morgenröte heraufkam. Und er
sah, daß er nichts über ihn vermochte und berühr-
te ihn an der Hüftpfanne, und die Hüftpfanne
Jakobs verrenkte sich, indem er mit ihm rang. Und
er sprach: Entlaß mich, denn die Morgenröte ist
heraufgekommen. Er aber sprach: Ich entlasse
dich nicht, du segnest mich denn.
(1. Mose 32, 24-26)

Jakob symbolisiert eine Entwicklung: am Anfang stellt er


Natürliches dar, und zwar das Wahre im Natürlichen. Später
wurde ihm Gutes hinzugefügt (s. Laban, der die Verbindung
mit dem natürlich Guten bedeutet), worauf er als Bild für das
Gute des Wahren (oder die Liebe zum Wahren) zu sehen ist.
Dieses ist noch nicht das göttliche Gute selbst, sondern nur
eine Qualität, mit der dieses aufgenommen werden kann. …
Der Ringkampf stellt im inneren Sinn eine Versuchung dar,
wonach Jakob Israel genannt wird, was den himmlisch-geisti-
gen Menschen im Natürlichen, also den natürlichen bedeutet.
… In der Versuchung wird das Wahre von bösen Geistern

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bekämpft und von den Engeln, die den Menschen begleiten,
verteidigt. Bedingung für eine Versuchung ist, daß der Mensch
das Wahre liebt und sich von ihm anregen läßt.
(HG 4234, 4273, 4274)
Die Verrenkung der Hüfte stellt anderseits einen
Unterbruch in der Verbindung der himmlischen und geistigen
Liebe mit dem natürlich Guten dar. Das sagt uns, daß bei Jakob
und seinen Nachkommen diese Verbindung nicht zustande
kam, d.h. der innere oder geistige Mensch konnte nicht mit
dem äußeren oder natürlichen verbunden werden. … Dieses
Volk war überzeugt, es gebe im Menschen nur Äußerliches,
sodaß ihr Gottesdienst als durchaus götzendienerisch zu
bezeichnen ist. Ihre Kirche war deshalb nur das Bild einer
Kirche. (HG 4281)

17. Januar
Und ich sah den Himmel aufgetan, und siehe, ein
weißes Ross, und der darauf saß, heißt Treu und
Wahrhaftig und richtet und kriegt mit
Gerechtigkeit. Und er hat auf seinem Kleid und auf
seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der
Könige und Herr der Herren. (Offb. 19, 11. 16)

Durch das Gewand des Herrn wird das Wort im Hinblick


auf das göttliche Wahre, durch die Hüfte das Wort im Hinblick
auf das göttliche Gute dargestellt. Hüften und Lenden bedeu-
ten die eheliche Liebe, weil diese die Grundlage aller Liebe ist,
und zwar beziehen sie sich speziell auf das Gute dieser Liebe.
Wenn nun von der Hüfte des Herrn gesprochen wird, ist auch
er selbst im Hinblick auf das Gute der Liebe gemeint. Der
Name bedeutet immer die Beschaffenheit; König der Könige
ist der Herr im Hinblick auf das göttliche Wahre der göttlichen

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Weisheit, Herr der Herren im Hinblick auf das göttliche Gute
der göttlichen Liebe. (EO 830)

18. Januar
Fragt doch und sehet, ob das Männliche gebären
kann! Warum sehe ich jeglichen Mann, seine
Hände an seinen Hüften, wie eine Gebärerin, und
alle Angesichte in Blässe verwandelt?
(Jer. 30. 6)

Die Stelle bezieht sich auf den letzten Zustand der Kirche,
wenn das jüngste Gericht eintritt. Fragen und sehen, ob ein
Mannsbild gebären kann, heißt fragen, ob das Wahre des
Wortes ohne das Gute des Lebens in der Kirche etwas hervor-
bringen könne, da doch in der Kirche alles auf die Ehe des
Guten und Wahren zurückgeht. Das Mannsbild stellt das
Wahre dar, seine Gattin das Gute der Kirche. „Ich sehe die
Hände eines jeden Mannes an seinen Hüften wie eine
Gebärende“ will daher fragen, weshalb man denn glaube, das
Wahre könne ohne das Gute in der Kirche irgendetwas zu
Stande bringen. Die Hüften bedeuten die Ehe, im geistigen
Sinn die Ehe des Wahren und Guten, die Hüfte des Mannes
wie bei einer Gebärenden aber etwas wie eine Ehe des Wahren
allein. Die in Blässe verwandelten Angesichte verraten, daß
keinerlei Gutes anwesend ist, nämlich keine Liebe oder tätige
Liebe. Das Gesicht stellt ja die Neigungen der Liebe zum Guten
dar, seine Blässe, daß diese erloschen sind. (OE 721)

19. Januar
Zum Weibe sprach er: Deine Schmerzen will ich dir
vielfach vermehren und deine Empfängnis. Mit
Schmerzen sollst du Söhne gebären. Nach deinem

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Manne sollst du verlangen, und er soll herrschen
über dich. (1. Mose 3, 16)

Mit dem Weib ist hier die Kirche gemeint, da die Rede von
der Nachkommenschaft der Ältesten Kirche die Rede ist, die
das Eigene liebte. … Wenn also die Sinne des Menschen sich
(vom Guten) abwenden und sich dadurch selbst schädigen,
gewinnen die bösen Geister Macht über ihn, und die Engel, die
ihn begleiten, haben zu kämpfen. Dies wird beschrieben durch
das «vielfach Vermehren des Schmerzes». Unter der
Empfängnis und der Geburt der Söhne wird das Denken und
Umsetzen des Wahren verstanden. … Der Mann steht hier
(nachdem die Weisheit durch das Essen vom Baum der
Erkenntnis verloren gegangen ist) für die bloße Vernunft. Sie
ist Kopie oder Imitation der Weisheit. … «Nach dem Mann
verlangen und sich von ihm beherrschen lassen» ist ein Gesetz
der Ehen und besagt, daß die Gattin, deren Verlangen dem
Eigenen angehört, nicht vernünftig handeln kann wie der
Mann. Sie soll daher der Klugheit des Mannes unterstellt sein.
(HG 262, 263, 266)

20. Januar
Und Abimelech sprach: Siehe, mein Land ist vor
dir, wohne, wo es gut ist in deinen Augen. Und zu
Sarah sprach er: Siehe, deinem Bruder gebe ich
tausend Silberstücke. Siehe, das ist für dich eine
Decke der Augen für alle, die mit dir sind, und für
alle. Und sie war gerächt. Und Abraham betete zu
Gott; und Gott heilte Abimelech, sein Weib und
seine Mägde, und sie gebaren. (1. Mose, 20, 15)

Beten heißt geoffenbart werden, wenn der Herr betet, und


Abraham steht für den Herrn. Es betet also im inneren Sinn

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nicht irgend eine Person zu Gott, sondern Gott oder Jehovah
war in ihm und von ihm stammte die Offenbarung. … Daß
Gott den Abimelech heilte, bedeutet die Gesundheit der Lehre
im Hinblick auf das Gute. Daß von diesem die Rede ist, ergibt
sich aus dem Umstand, daß auch sein Weib geheilt wurde.
Wenn ein Gatte als solcher angesprochen und genannt wird,
bedeutet er das Gute, seine Gattin das Wahre. Umgekehrt ver-
hält es sich, wenn der Gatte Mann genannt wird.
(HG 2580, 2581)

21. Januar
Zerbrochen ist der Bogen der Mächtigen, und die
Strauchelnden umgürten sich mit Tapferkeit. Die
Satten verdingen sich ums Brot, und die Hungrigen
hören auf, bis daß die Unfruchtbare gebiert sieben,
und die mit vielen Söhnen verschmachtet.
(1. Sam. 2, 5)

Die Hungrigen sind hier diejenigen, die nach Wahrem und


Gutem der Kirche verlangen,
die Unfruchtbaren sind die Heiden, die die Wahrheiten
nicht kennen, weil sie das Wort nicht haben, die aber zur
Kirche herbeigeführt werden und zu denen die (neue) Kirche
verpflanzt wird, wenn die alte am Ende ist, d. h. wenn die
früheren Angehörigen der Kirche den Glauben verloren
haben, weil sie nicht mehr tätig lieben. Diese letztere Kirche
ist es, die unter der Kinderreichen verstanden wird, die mit
vielen Söhnen verschmachtet. Die Unfruchtbare hingegen ist
die neue Kirche bei den Heiden. Daß sie sieben gebiert,
bedeutet die vollständige Wiedergeburt; denn sieben ist hier
nicht die Zahl, sondern die Vollständigkeit.
(OE 257; HG 9325)

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22. Januar
Schäme dich, Sidon, denn es spricht das Meer,
des Meeres Festung und sagt: Ich kreiße nicht und
gebäre nicht, ich ziehe keine Jünglinge groß und
erziehe keine Jungfrauen. Wie bei dem Gerücht
von Ägypten kreißten sie ob dem Gerücht von Zor
(Tyrus). (Jes. 23, 4. 5)

Wie einer Schwangeren, wenn es nahet, daß sie


gebären soll: sie kreißet, schreit in ihren
Geburtsnöten, also waren wir vor deinem Ange-
sicht, o Jehovah. Wir empfingen, wir kreißten und
gebaren gleich wie Wind; doch kein Heil taten wir
dem Land, und die Bewohner des Erdkreises fie-
len nicht. (Jes. 26, 17. 18)

Sidon und Tyrus sind die Erkenntnisse des Guten und


Wahren aus dem Wort. Nicht kreißen und nicht gebären
bedeutet, die Kirche habe sich durch diese keine Einsicht
und Weisheit verschafft und nichts Nützliches geleistet. Die
Jünglinge sind die Wahrheiten, die Jungfrauen das Gute der
Kirche. Es geht um deren letzte Zeiten, wenn das Falsche und
Böse so weit herangewachsen ist, daß ihre Angehörigen nicht
mehr gebessert und wiedergeboren werden können. Die
Schwangere, die schreit, ist ein Bild für die Schwierigkeiten,
etwas Wahres zu erfassen und zu verinnerlichen. Wind
gebären schildert die leeren Meinungen, die nichts Wahres
enthielten und statt der Wahrheiten empfangen wurden. Das
fehlende Heil ist der Mangel an Nutzen, der aus der Leere
nicht hervorgehen konnte. (OE 721)

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23. Januar
Und ein anderes Zeichen ward im Himmel gesehen
… Und der Drache stand vor dem Weib, da sie
gebären wollte, um ihr Kind, wenn sie geboren
hätte, aufzufressen. (Offb. 12, 4)

Der Drache stellt Menschen dar, die Erkenntnisse aus dem


Wahren des Buchstabensinns besitzen, sie aber im Leben nicht
anwenden. Das Weib dagegen ist das Symbol für die Kirche, in
der die Lehre gilt und daher ein Leben der Liebe zum Herrn
und der tätigen Liebe zum Nächsten geführt wird. Gebären
bedeutet, Dinge hervorzubringen, die zur Kirche gehören,
nämlich die Lehren der Liebe zum Herrn und zum Nächsten.
Daß der Drache das alles zerstören wollte, indem er das Kind
auffraß, symbolisiert den Haß der Menschen, die er darstellt,
gegen die Kirche und ihre Lehre (OE 721)

24. Januar
Josef aber ließ seinen Vater und seine Brüder woh-
nen und gab ihnen Eigentum im Land Ägypten, im
Besten des Landes, im Lande Ramses, wie Pharao
geboten hatte. Und Joseph versorgte seinen Vater
und seine Brüder und das ganze Haus seines Vaters
mit Brot nach dem Munde der Kindlein.
(1. Mose, 47, 11. 12)
„Nach dem Munde der Kindlein“ soll heißen, entspre-
chend der Beschaffenheit des Guten der Unschuld. Diese ver-
leiht vom Innersten aus allem Guten der Liebe und tätigen
Liebe die Eigenschaft. Denn der Einfluß des Herrn in die täti-
ge Liebe bemißt sich nach dem Vorhandensein der Unschuld.

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Was Unschuld ist, kann man wie in einem Spiegel an den klei-
nen Kindern sehen, die ihre Eltern lieben und ihnen vertrauen
und keine andere Sorge haben, als ihnen zu gefallen. Denn weil
sie sie lieben, tun sie aus Neigung alles, was den Eltern ange-
nehm ist, also nicht nur, was diese befehlen, sondern auch, was
sie glauben, daß diese befehlen möchten, und dabei sehen sie
gar nicht auf sich selbst. (HG 6107)
(Solche Kinder möchte S. wohl gehabt haben; immerhin ist
es möglich, daß er ein ähnliches gekannt hat. D. H.)

25. Januar
Und Joseph wohnte in Ägypten, er und das Haus
seines Vaters. Und Joseph lebte hundert und zehn
Jahre. Und Joseph sah von Ephraim Söhne bis ins
dritte Glied, auch die Söhne von Machir, dem Sohn
Manaschehs wurden auf Josephs Knien geboren.
(1. Mose, 50, 22. 23)

Ephraim ist ein Bild für den Verstandesbereich der Kirche.


Söhne und auch Söhne der Söhne (das dritte Glied), die ja von
ihrem Vater abstammen, stellen dar, was von der Sache abge-
leitet ist, die der Vater symbolisiert. Die Worte „Joseph sah“
weisen auf den Aufbau der Kirche aus dem Inneren unter dem
Einfluß des Herrn. Der Verstandesbereich der Kirche aber
besteht darin, aus dem Wort das Wahre des Glaubens und das
Gute der tätigen Liebe innerlich zu erfassen. (HG 6583; 6222)

26. Januar
Erwecke dich, erwecke dich, steh auf, Jerusalem,
die du getrunken aus Jehovahs Hand den Becher
seines Grimms; die Hefe des Bechers des

24
Taumelns hast du getrunken, ausgeschlürft. Es lei-
tet sie keiner von all den Söhnen, die sie gebar;
und keiner faßt sie bei der Hand von all den
Söhnen, die sie großgezogen. Erschöpft liegen sie
an den Häuptern aller Gassen, voll vom Grimm
Jehovahs. (Jes. 51, 17. 18. 20)

Es geht um die Wiederherstellung der Kirche, die in lauter


Falschem aus dem Bösen versunken war. Mit Aufwachen und
Aufstehen ist diese Wiederherstellung gemeint. Der Becher des
Grimms ist das Falsche, die Hefe eine noch stärkere Variante
davon, aus der Böses hervorgeht. Mit Trinken und Aus-
schlürfen wird dessen Aufnahme beschrieben. Die Söhne ste-
hen für die Wahrheiten. Daß keiner sie führt, will sagen, keine
aus dem Wort angelernte Wahrheit sei im Stande, sie vom
Falschen abzuhalten. Ihre Ohnmacht wird ausgedrückt durch
die Erschöpfung der in den Gassen Liegenden.
(OE 724)

27. Januar
Darum gib ihre Söhne dem Hunger hin, und reiße
sie hin in die Macht des Schwertes, daß ihre Weiber
kinderlos und Witwen seien, und ihre Männer in
den Tod hingewürgt, ihre Jünglinge werden vom
Schwerte geschlagen im Streit. (Jer. 18, 21)

Die Kirche wird mit einer Ehe verglichen, in der der Gatte
das Gute, die Gattin das Wahre bedeuten. Ihre Söhne und
Töchter sind die aus dieser Ehe geborenen Wahrheiten und ihr
Gutes. Mit Kinderlosigkeit oder Beraubung der Kinder ist dem-
nach der Umstand gemeint, daß die Kirche ihrer Wahrheiten
beraubt worden sei und daher zu Grunde gehe. (HG 5536)

25
28. Januar
Und geben will ich ihnen ein Herz und einen neuen
Geist will ich geben in eure Mitte und wegnehmen
das Herz von Stein aus ihrem Fleisch und ihnen
geben ein Herz von Fleisch. (Ez. 11, 19)

Die in Kapitel 10 und 11 Beschriebenen sind Menschen,


deren Wahrheiten das Gute fehlt, oder sie stellen überhaupt
nur das Wahre ohne Gutes dar. Das versteinerte Herz aber ver-
weist auf Leute, die das Gute gar nicht zulassen, die also böse
sind, denn das Böse findet da Platz, wo das Gute nicht hinge-
langt. Das Herz bedeutet an sich das Gute der Liebe. Ein ver-
stocktes Herz ist soviel wie ein steinernes Herz, also eines, das
die Liebe und ihr Gutes nicht einläßt. Den Gegensatz dazu bil-
det ein Herz aus Fleisch. (OE 412)

29. Januar
So spricht Jehovah: eine Stimme hört man in
Ramah, eine Klage, bitterliches Weinen: Rachel
weint über ihre Söhne. Sie weigert sich, sich trö-
sten zu lassen über ihre Söhne; denn sie sind nicht
da. So spricht Jehovah: Halt ab deine Stimme vom
Weinen, deine Augen von Tränen! Denn ein Lohn
wird dir für dein Werk, spricht Jehovah, und sie
kommen zurück aus dem Lande des Feindes.
(Jer. 31, 15. 16)

Es geht hier um eine Voraussage des Kindermordes in


Bethlehem. Rachel stellte die innere geistige Kirche dar, Lea die
äußere natürliche, Bethlehem das Geistige und die Knaben das
Wahre aus dieser Quelle. Daß Rahel ihre Söhne beweint, weil
keiner vorhanden war, besagt, es sei nichts geistig Wahres mehr

26
übrig gewesen, was für die Zeit zutraf, als der Herr auf die Welt
kam. Der Trost: halt ab deine Stimme vom Weinen… beruht
auf der Tatsache, daß der Herr geboren wird, von dem eine
neue Kirche gegründet wird, in der wieder Wahrheiten aus gei-
stiger Neigung vorhanden sein werden. Der „Lohn“ ist der
Himmel für alle Menschen, die als Angehörige dieser Kirche
eine geistige Neigung zum Wahren empfinden. Mit dem
„Werk“ aber ist der Kampf des Herrn mit den Höllen und
deren Unterjochung gemeint. Die „Wiederkehr aus dem Land
des Feindes“symbolisiert die Errettung aus der Hölle und die
„Hoffnung“ das Ende der alten Kirche sowie den Beginn einer
neuen. Die zurückkehrenden Söhne schließlich sind die geisti-
gen Wahrheiten der Angehörigen dieser neuen Kirche.
(OE 695)

30. Januar
Und es spielt der Säugling an der Natter Loch, und
in des Basilisken Höhle steckt seine Hand das Ent-
wöhnte. Sie tun nichts Böses, noch verderben sie
auf dem ganzen Berg meiner Heiligkeit.
(Jes. 11, 8)

Die Zugänge zu den Höllen erscheinen wie Löcher in den


Felsen, wie Öffnungen, die zu den Höhlen führen, die von
wilden Tieren in den Wäldern bewohnt werden. Wer darin
wohnt, erscheint im Licht des Himmels als Mißgestalt oder
auch als wildes Tier. In der Hölle, bei denen, die arglistig gegen
die Unschuld handeln, erscheinen sie als Nattern und bei
denen, die sich gegen das Gute der Liebe vergehen, als
Basilisken. Der Säugling als das Gute der Unschuld und der
Entwöhnte als das Gute der Liebe spielen bei den Nattern oder
Basilisken, denn sie brauchen keine Angst vor dem Bösen und

27
Falschen aus der Hölle zu haben, weil sie vom Herrn beschützt
werden. (OE 410)

31. Januar
Keiner ruft nach Gerechtigkeit, keiner richtet nach
Wahrheit. Auf Leeres vertrauen sie und reden
Eitles, sie empfangen Mühsal und gebären
Unrecht. Eier von Basilisken brüten sie aus und
weben das Gewebe von Spinnen. Wer von ihren
Eiern ißt, stirbt. Und drückt man sie zusammen,
wird eine Natter ausgebrütet. (Jes. 59, 4. 5)

Diese Aussage betrifft Menschen, die mit Trug und List


andere in geistigen Dingen verführen. Das heimliche Böse,
zu dem sie andere schlau verlocken, wird durch die
Otterneier dargestellt, das betrügerische Falsche durch das
Spinnengewebe. Wird es aufgenommen, ist der Schaden töd-
lich.
Die Pharisäer, die sich in dieser Kunst auszeichneten, wur-
den deshalb (Mat. 23, 33) Schlangen und Otternbrut genannt.
(OE 581)

1. Februar
Die Väter sollen nicht sterben um der Söhne willen,
und die Söhne sollen nicht um der Väter willen
sterben. Jeder Mann soll für seine Sünde sterben!
(Jes. 24, 16)

Bei den Heiden war es ehemals Sitte, auch die Genossen zu


Mitschuldigen zu machen, wenn ein einziger sündigte, ja sogar
das ganze Haus zu strafen für das Verbrechen eines einzigen

28
Angehörigen; aber ein solches Gesetz stammte von der Hölle
her, denn dort trachten alle miteinander nach dem Bösen. Die
Gesellschaften dort sind nämlich so eingerichtet, daß sie
gemeinsam dem Guten entgegenwirken. … Deshalb werden
sie, wenn sie Böses tun, alle gestraft. Aber in der Welt auch so
zu verfahren, ist ganz gegen die göttliche Ordnung, denn in der
Welt werden die Guten mit den Bösen zusammengesellt, weil
der eine das Innere des anderen nicht kennt und sich auch
meistens nicht darum kümmert. Deshalb ist es ein göttliches
Gesetz für die Menschen, daß jeder für seine eigene Missetat
büßen soll. (HG 5764)

2. Februar
Es zog aber viel Gedränge mit ihm, und er wandte
sich und sprach zu ihnen: So jemand zu mir
kommt und haßt nicht seinen Vater und die Mutter
und sein Weib und die Kinder und die Brüder und
die Schwestern, ja selbst auch seine eigene Seele,
der kann mein Jünger nicht sein. (Luk. 14, 25. 26)

Hier sind nicht Vater und Mutter usw. gemeint, sondern


Interessen, die Teil des Menschen sind und sein Eigenes
genannt werden; denn dieses muß der Mensch verlassen und
hassen, wenn er den Herrn verehren, sein Schüler sein,
Hundertfältiges erhalten und das Erbe des ewigen Lebens
erlangen will. Das Eigene des Menschen ist Ziel seiner Liebe
und seines Lebens, in das er geboren wurde, und es ist böse
und falsch, weshalb er sogar seine Seele hassen soll. Alles was
zur Liebe und zum Leben, zur Neigung und zum Denken, zum
Willen und Verstand des Menschen gehört, ist geformt und
vernetzt wie die von Eltern abstammende Nachkommenschaft,
die man nach Familien und Häusern unterscheiden kann. Die

29
Eltern entsprechen der Selbstliebe, die Kinder den daraus fol-
genden Begierden, die unter sich verbrüdert und verschwistert
sind. Sie alle sind zu verlassen und zu hassen, nicht aber die
leibliche Familie, denn das widerspräche der geistigen Liebe.
(OE 724)

3. Februar
Meinet ihr, ich sei hergekommen, Frieden zu geben
auf Erden? Nein, sage ich euch, sondern
Zerteilung. Von nun an werden fünf in einem Hause
zerteilt sein, drei wider zwei, und zwei wider drei.
Der Vater wird entzweit sein mit dem Sohn und der
Sohn mit dem Vater, die Mutter mit der Tochter und
die Tochter mit der Mutter, die Schwieger mit ihrer
Schnur und die Schnur mit ihrer Schwieger.
(Luk. 12, 51-53)

Auch diese Worte sind nicht buchstäblich zu verstehen,


denn durch die Stiftung von Zwietracht, zwei gegen drei, wird
angedeutet, daß Falsch und Böse gegen Wahr und Gut antre-
ten werde und auch umgekehrt, und zwar immer dann, wenn
der Mensch in Versuchung gerät und umgebildet wird. Der
Vater stellt dann das Böse dar, der Sohn das Wahre, das der
Mensch vom Herrn erhält. Die Mutter aber ist die Begierde des
Falschen, die Tochter hingegen die Neigung zum Wahren.
(OE 724)
4. Februar
So du ausgehst zum Streit wider deine Feinde …
und siehst unter den Gefangenen ein Weib, schön
von Gestalt, und hast Gefallen an ihr und nimmst
sie zum Weibe, so bringe sie hinein in deines
Hauses Mitte und laß sie ihr Haupt scheren und

30
ihre Nägel zurecht machen. Und sie lege ab von
sich das Gewand ihrer Gefangenschaft und sitze in
deinem Haus und beweine ihren Vater und ihre
Mutter einen Monat der Tage. Und darnach gehe
ein zu ihr, werde ihr Gemahl und sie sei dir zum
Weibe. (5. Mose, 21, 10-13)

Das Weib ist auch hier die Kirche und zwar ihre geistige
Neigung zur Wahrheit, oder auch diese Neigung, die der
Angehörige der Kirche besitzt. Beim gefangenen Weib jedoch
geht es um die Religion einer ganzen Völkerschaft, die nach
Wahrheit verlangt. Die geschilderte Behandlung sagt aus, sie
solle ins Innere oder Geistige der Kirche geführt werden und
dort alles Sinngebundene, Böse und Falsche des natürlichen
Menschen ablegen, wobei unter den Haaren dasjenige des
natürlichen, unter den Nägeln aber dasjenige des sinnlichen
Menschen zu verstehen ist. Das Gewand der Gefangenschaft
schließlich bedeutet die Irrtümer der Religion, in denen jeder
gefangen bleibt, der nach Wahrheiten verlangt. Vater und
Mutter soll sie beweinen, heißt, das Böse und Falsche dieser
Religion soll der Vergessenheit anheimfallen, und der Mann,
der dann zu ihr eingehen soll, ist das Wahre, das nun mit ihr
verbunden werden kann. (OE 555)

5. Februar
Er spricht zu ihnen: Um eurer Hartherzigkeit willen
hat Moses euch gestattet, eure Weiber zu entlas-
sen; von Anfang an aber ist es nicht also gewesen.
… Denn es sind Verschnittene, die von der Mutter
Leib so geboren wurden, und sind Verschnittene,
die von den Menschen verschnitten wurden, und
sind Verschnittene, die um des Reiches der Himmel

31
willen sich selbst verschnitten. Wer es fassen kann,
der fasse es. (Mat. 19, 9. 12)

Verschnittene heißen die, die eine himmlische Ehe führen,


und zwar von Mutterleib geboren: die wie die himmlischen
Engel, von den Menschen dazu gemacht: die wie die geistigen
Engel sind. Die sich selbst dazu machten, wie die engelischen
Geister, die weniger aus tätiger Liebe als aus Gehorsam han-
deln. (HG 394)
Stellte man das Postulat auf, der Stand der Ehelosigkeit sei
besser als der der Ehe und untersuchte es, um ihm beistimmen
und es durch Beweise erhärten zu können, käme es zu folgen-
den Behauptungen: Die Ehe sei nichts Heiliges, keusche Ehen
gebe es nicht, beim weiblichen Geschlecht gebe es Keuschheit
nur bei denen, die der Ehe entsagen und ewige
Jungfräulichkeit geloben. Zudem seien unter solchen
Menschen die Verschnittenen zu verstehen die sich um des
Gottesreichs willen zu Verschnittenen machen. Unter diesen
sind geistig Verschnittene zu verstehen, d.h. diejenigen, die sich
in ihrer Ehe des Bösen der Hurerei enthalten. Klar ist, daß mit
ihnen nicht italienische Kastraten gemeint sind. (EL 156)

6. Februar
Du sollst dich nicht gelüsten lassen des Hauses
deines Nächsten, du sollst dich nicht gelüsten las-
sen des Weibes deines Nächsten noch seines
Knechts noch seiner Magd noch seines Ochsen
noch seines Esels noch irgend etwas, das dein
Nächster hat. (2. Mose 20, 14)

Gelüsten lassen entspricht dem Willen oder der Begierde


aus einer bösen Liebe. Eine Begierde aber ist die Fortdauer der

32
Liebe zu sich oder zur Welt. Der Atem der bösen Liebe heißt
Begierde, der Atem der guten Liebe hingegen Verlangen. Die
Liebe aber bezieht sich auf den Willen, die Begierde sogar auf
den Willen und den Verstand. Du sollst dich nicht gelüsten las-
sen… heißt demnach, man habe sich davor zu hüten, daß das,
was der Nächste besitzt, Gegenstand des eigenen Willens
werde, denn der Wille ist der Mensch selbst. (HG 8910)
Ehebrechen und ebenso buhlen und Unzucht treiben
bedeutet im geistigen Sinn: das Gute verkehren und die
Wahrheiten, die zur Lehre vom Glauben und zur tätigen Liebe
gehören, verfälschen. Dazu gehört auch die Verwendung des
Worts zur Begründung von Falschem. … Der Grund für diese
Bedeutung liegt darin, daß die eheliche Liebe aus der Ehe des
Guten und Wahren stammt, die auch die himmlische Ehe
genannt wird. Daraus folgt, daß wer nicht an Gutes und
Wahres glaubt, nicht ehelich lieben kann. (HG 8904)

7. Februar
Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: du
sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch, daß,
wer ein Weib ansieht, um ihrer zu begehren, der hat
schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
… Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es
aus und wirf es von dir, denn es ist dir zuträglicher,
daß eins deiner Glieder verderbe, denn daß dein
ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. Und
ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab, und
wirf sie von dir… (Mat. 5, 27-29)

Begierde ist auch Sache des Herzens. Deshalb heißt es hier,


der habe die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Mit „begehren“
ist hier gemeint: wollen und auch tun, sofern nicht Respekt vor

33
äußeren Einflüssen eine Grenze setzt. Um die Begierde des
Bösen geht es auch beim rechten Auge, das zu Ärgernis Anlaß
gibt, und um die Begierde des Falschen bei der rechten Hand,
die auszureißen bzw. abzuhauen sind. … Die Augen entspre-
chen dem Glauben, das linke dem Wahren, das rechte dem
Guten des Glaubens, oder im entgegengesetzten Sinn dem
Falschen und dem Bösen oder eben der Begierde. Die Hand
aber ist Symbol für die Macht des Wahren aus dem Guten, ent-
gegengesetzt des Falschen aus dem Bösen. Die rechte Hand die
Ärgernis erregt, entspricht also der Begierde nach diesem.
(HG 8910)

8. Februar
(Und Abraham sprach:) Und ich beschwöre dich
bei Jehovah, dem Gott der Himmel und dem Gott
der Erde, daß du meinem Sohn kein Weib nehmest
von den Töchtern des Kanaaniters, in dessen Mitte
ich wohne. (1. Mose 24, 3)

Das Weib, das angetraut werden soll, ist das Wahre, das aus
dem natürlichen Menschen hervorgerufen werden muß; und es
soll dem Guten aus der Vernunft des Herrn beigesellt werden.
Die von Gott geformte Vernunft soll jedoch mit keiner
Neigung verbunden werden, die mit dem Wahren nicht übe-
reinstimmt. „Mein Sohn“, nämlich Jischak, stellt die göttli-
che Vernunft des Herrn dar, die Töchter, von denen das Weib
nicht genommen werden darf, sind Neigungen, und Kanaan
bedeutet das Böse. … Jede Verbindung des Wahren mit dem
Guten geschieht durch die Neigung, denn es geht gar kein
Wahres in die Vernunft des Menschen ein und wird dort ver-
bunden, außer durch die Neigung, denn in der Neigung ist
das Gute der Liebe, das einzig die Fähigkeit besitzt zu ver-
binden (HG 3024)

34
9. Februar
Ein Klagelied ist es, und ein Klagelied sollen
anstimmen die Töchter der Völkerschaften, sie sol-
len es anstimmen; über Ägypten und über alle
seine Volksmenge sollen sie solches anstimmen,
spricht der Herr Jehovah. (Ez. 32, 16)

Die Töchter besonders der heidnischen Völker stellen


Neigungen zum Bösen und Falschen dar, aus denen sich ihre
Religionen bildeten. Somit sind sie Symbole dieser Religionen
selbst. Gemeint sind die Töchter der Philister, Ägyptens,
Edoms, Moabs, Babels, Sodoms und auch die von Tyrus und
Sidon. (HG 3024)

10. Februar

Und die Männer der Stadt riefen Lot und sagten zu


ihm: Wo sind die Männer, die diese Nacht zu dir
gekommen sind? Bringe sie zu uns heraus, daß wir
sie erkennen. Lot aber ging hinaus zu ihnen an den
Eingang und schloß die Tür hinter sich zu und
sprach: Sehet doch, ich habe zwei Töchter, die kei-
nen Mann erkannt haben, laßt sie mich doch zu
euch herausbringen, und tut mit ihnen, was gut ist
in euren Augen, nur diesen Männern tut nichts;
denn dafür sind sie unter den Schatten meines
Daches gekommen. (1. Mose 19, 5-8)
Das ist das Wort, das Jehovah über ihn (Sanherib,
den König von Aschur) geredet hat: Es verachtet
dich und verlacht dich die Jungfrau, die Tochter
Zions, hinter dir her schüttelt das Haupt die Tochter
Jerusalems. (2. Kön. 19, 21)

35
Die Töchter bedeuten hier Gefühle. Daß sie keinen Mann
erkannt haben, heißt, es habe sie nichts Falsches befleckt, denn
der Mann symbolisiert im negativen Sinn vernunftmäßig
Falsches. Es gibt zweierlei Gefühle: eins für das Gute und eins
für das Wahre. Das erste bildet die himmlische Kirche und
wird im Wort Tochter Zions genannt. Das zweite bildet die gei-
stige Kirche und heißt im Wort Tochter Jerusalems. … Aus
dem (geistigen) Inhalt dieses Verses geht hervor, wie rein das
Wort im inneren Sinn ist, obwohl es im Buchstaben anders
erscheinen mag; denn wenn man liest: Sehet doch, ich habe
zwei Töchter… schleicht sich etwas Unreines in die Vor-
stellungen ein, besonders bei denen, die ein böses Leben
führen. Wie keusch aber dennoch diese Worte sind, stellt sich
bei der Erklärung heraus: Gefühle des Guten und Wahren und
deren Genuß bei denen, die das Göttliche und Heilige des
Herrn nicht verletzen. (HG 2362)

11. Februar
Gleich nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne
verfinstert werden und der Mond seinen Schein
nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel
fallen und die Kräfte der Himmel erschüttert wer-
den. Und dann wird erscheinen das Zeichen des
Menschensohnes am Himmel, und dann werden
wehklagen alle Stämme der Erde und des
Menschen Sohn mit Kraft und großer Herrlichkeit
auf den Wolken des Himmels kommen sehen.
(Mat. 24, 29-31)

Durch die einzelnen Worte werden hier geistige Dinge


bezeichnet, Dinge , die die Kirche betreffen und sich auf deren
Zustand am Ende des Zeitlaufs beziehen. Die Sonne stellt die

36
Liebe zum Herrn dar, der Mond den Glauben an den Herrn,
die Sterne die Erkenntnisse des Wahren und Guten. Unter dem
Zeichen des Menschensohnes am Himmel ist die Erscheinung
des göttlichen Wahren im Wort unter Gottes Einfluß zu verste-
hen. Die wehklagenden Stämme der Erde symbolisieren den
Mangel an allem Wahren, das zum Glauben, und an allem
Guten, das zu der Liebe gehört. Die Ankunft des Menschen-
sohnes endlich ist ein Bild für die Gegenwart des Herrn im
Wort und die Offenbarung des geistigen Sinnes im Buch-
staben. (WCR 198)

12. Februar
Und der Tage des Menschen, nachdem er Seth
gezeugt, waren achthundert Jahre, und er zeugte
Söhne und Töchter. (1. Mose 5, 4)

Durch Söhne wird Wahres, durch Töchter Gutes, das sie


innerlich erfaßten, dargestellt. Auch die Kirchen werden
Töchter genannt, z. B. Tochter Zions, Tochter Jerusalems,
Töchter des Volkes, Tochter Tharschisch, Tochter Sidons (alle
bei Jesajah) und Töchter auf dem Felde (Ez.) Hier geht es um
das Wahre und Gute der Ältesten Kirche. (HG 489, 491)

13. Februar
Und der Mensch erkannte sein Weib, Chavah, und
sie empfing und gebar Kain und sprach: Ich habe
einen Mann erworben, den Jehovah. (1. Mose 4, 1)

Der Mensch und seine Gattin bedeuten die Älteste Kirche.


Es war üblich, Namen zu geben und durch Namen Sachen zu
bezeichnen und so ein Geschlechtsverzeichnis zu erstellen;

37
denn was der Kirche angehört, verhält sich ähnlich: das eine
wird empfangen und geboren vom andern und verhält sich wie
bei einer Zeugung. Es ist daher Gebrauch des Wortes, was zur
Kirche gehört, Empfängnisse, Geburten, Sprößlinge, Kinder,
Söhne, Töchter, Jünglinge usw. zu nennen. Vor allem die pro-
phetischen Schriften sind voll davon. (HG 339)

14. Februar
Und Jehovah Gott ließ einen tiefen Schlaf auf den
Menschen fallen, daß er schlief, und er nahm eine
von seinen Rippen und schloß Fleisch zu an deren
Stelle. Und Jehovah baute die Rippe, die er vom
Menschen genommen hatte, zu einem Weibe und
brachte sie zu dem Menschen. (1. Mose 2, 21. 22)

Es heißt, die Rippe sei zu einem Weibe gebaut worden,


nicht aber ein Weib sei geschaffen oder gebildet oder gemacht
worden. Bauen heißt, das aufbauen, was gefallen ist. Im Wort
bedeutet das, Böses aufrichten oder Falsches erneuern. Die
Rippe ist das nicht belebte, das Weib das belebte Eigene, das
zum Menschen gebracht wird, was bedeutet, es sei ihm ein
Eigenes gegeben worden. Dies, weil sie keine himmlischen
Menschen mehr sein, sondern sich selbst führen wollten.
(HG 151, 153)
15. Februar
Und das Weib sah, daß der Baum gut zu essen und
daß er ein Gelüste für die Augen und begehrens-
wert sei, klug zu machen. Und sie nahm von seiner
Frucht und aß und gab auch ihrem Mann bei ihr,
und er aß. (1. Mose 3, 6)

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„Gut zu essen“ ist ein Ausdruck für die (sinnliche)
Begierde, „reizend für die Augen“ einer für die Fantasie, und
„begehrenswert, klug zu machen“ bedeutet die Lust. Diese alle
gehören dem Weib an, dem Eigenen. Daß der Mann mitaß,
bestätigt, die Vernunft habe zugestimmt. Es geht hier um die
vierte Nachkommenschaft der Ältesten Kirche, die sich von
Eigenliebe verführen ließ und den Offenbarungen nicht glau-
ben wollte, wenn sie nicht durch die Sinne oder den Intellekt
begründbar waren. (HG 207, 208)

16. Februar
Und Sarai, Abrams Weib, nachdem zehn Jahre zu
Ende waren, seit Abram im Lande Kanaan wohnte,
nahm die Ägypterin Hagar, ihre Dienstmagd, und
gab sie ihrem Mann Abram ihm zum Weibe.
(1. Mose 16, 3)

Die ältesten Menschen haben zwischen der Neigung zum


Guten und derjenigen zum Wahren eine Ehe angenommen.
Sie nannten die Liebe zum Guten den Menschen als
Ehemann, die Liebe zum Wahren den Menschen als Eheweib.
Sarai bedeutet also die Neigung zum Wahren. Der Wunsch
nach dem Kind ist das Verlangen des Verstandes nach seiner
Frucht. Das Wahre des Verstandes wird nämlich vom Wahren
der Vernunft und dem des Wissens unterschieden wie etwas
Inneres vom Mittleren und Äußeren. Das Wahre des Ver-
standes ist nicht Eigentum des Menschen, sondern gehört
dem Herrn. Von da nimmt er Einfluß auf die Vernunft, wo
nun das Wahre als dem Menschen gehörend erscheint, und
von da auf das Wissen. Der Mensch vermag also durchaus
nicht aus seinem Verstand denken wie von sich, sondern nur
aus der Vernunft und dem Wissen, weil diese als sein
Eigentum erscheinen.

39
Nur der Herr allein dachte aus seinem Intellekt, weil dieser
das mit dem Guten verbundene göttliche Wesen war. Darin
unterschied er sich von jedem Menschen. Weil also er aus der
Liebe zum Wahren des Verstandes dachte, verlangte er auch
nach der entsprechenden Vernunft. Dies wird dadurch darge-
stellt, daß Sarai ihrem Mann die Ägypterin Hagar (Symbol für
die Neigung zum Wissen) zum Weib gegeben habe.
(HG 1904)

17. Februar
Geh aus von der Arche, du und dein Weib, und
deine Söhne und deiner Söhne Weiber mit dir. Und
Noach ging heraus und seine Söhne und sein Weib
und seiner Söhne Weiber mit ihm.
(1. Mose 8, 16. 18)

Wenn die Kirche im Wort beschrieben wird, wird sie ent-


weder durch Mann und Weib oder durch Mensch und Weib
beschrieben. Geschieht es durch Mann und Weib, so wird
durch den Mann der Verstand oder das Wahre und durch das
Weib der Wille oder das Gute dargestellt. Lautet es hingegen
Mensch und Weib, dann steht der Mensch für das Gute der
Liebe oder die Liebe selbst, das Weib aber für das Wahre des
Glaubens oder den Glauben an sich, mit anderen Worten, der
Mensch für das Wesen der Kirche, das Weib für die Kirche
selbst.
In den beiden Versen ist die Reihenfolge und damit auch
der Sinn verschieden: In Vers 16 gibt es zwei Paare: du (der
Mann) und dein Weib – die Söhne und ihre Weiber. Es gibt
also eine Parallele: du und die Söhne (das Wahre) auf der
einen, dein Weib und die Weiber der Söhne (das Gute) auf der
anderen Seite. In Vers 18 hingegen heißen die Paare: (der

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Mensch) Noach und seine Söhne und: sein Weib und seiner
Söhne Weiber, das heißt also: der Mensch der Kirche und die
Kirche selbst. (HG 914)

18. Februar
Und Jehovah Gott bildete den Menschen, Staub
vom Boden, und blies ihm den Odem der Leben in
die Nase; und der Mensch ward zur lebendigen
Seele. (1. Mose 2, 7)
Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit
euch! Gleich wie mich der Vater gesandt hat, so
sende ich euch. Und da er solches gesagt hatte,
hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Nehmet hin
den heiligen Geist. (Joh. 20, 21. 22)

Weil der Verstand der Lunge entspricht und damit das


Denken dem Atmen der Lunge, wird durch Seele und Geist im
göttlichen Wort der Verstand beschrieben, und wenn das Herz
die Liebe des Willens ist, dann bedeuten sie die Weisheit des
Verstandes. Unter dem Geist Gottes, auch als Heiliger Geist
bezeichnet, ist somit die göttliche Weisheit oder Wahrheit zu
verstehen, die den Menschen erleuchtet. Daher heißt es bei
Johannes, Jesus habe die Jünger angehaucht.
Weil die Atmung durch die Nase erfolgt, bedeutet die Nase
auch die Wahrnehmung, und man sagt von einem verständi-
gen Menschen, er habe eine gute Nase. (GLW 383)

19. Februar
Und Jehovah redete zu Mose und sprach: Siehe,
ich habe mit Namen gerufen Bezaleel, den Sohn
Uris, des Sohnes Churs, vom Stamm Judah, und

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habe ihn erfüllt mit dem Geist Gottes, mit Weisheit
und mit Einsicht und mit Erkenntnis und allerlei
Werk. (2. Mose 31, 1-3)
Und Joschua, der Sohn Nuns ward erfüllt mit dem
Geist der Weisheit; denn Mose hatte seine Hände
auf ihn gelegt, und die Söhne Israels hörten auf ihn
und taten, wie Jehovah Mose geboten hatte.
(5. Mose 34, 9)

Damit kann als feststehend gelten, daß „Gott lieben von


ganzem Herzen und ganzer Seele“ bedeutet, ihn mit ganzer
Liebe und ganzem Verstand lieben. Weil mit Geist der Verstand
gemeint ist, heißt es bei Mose, Bezaleel und Joschua seien mit
dem Geist der Weisheit erfüllt worden. (GLW 383)
Unter dem Geist des Menschen ist genau genommen
nichts anderes zu verstehen als sein Gemüt. … Da nun der
Geist des Menschen aus dem Verstand denkt und aus dem
Willen handelt, der Köper aber nicht aus sich, sondern aus
dem Geist, so folgt, daß unter dem Geist des Menschen seine
Einsicht und die Neigung seiner Liebe zu verstehen ist, ebenso
natürlich, was daraus hervorgeht und wirkt. Aus vielen Stellen
im göttlichen Wort geht klar hervor, daß der Geist des
Menschen all das darstellt, was zu seinem Gemüt gehört.
(WCR 156)

20. Februar
Und Abraham nahm wieder ein Weib, und ihr
Name war Keturah. (1. Mose, 25, 1)

Abraham und Sarah stellten den Herrn im Hinblick auf


sein himmlisch göttliches Wesen dar. Abraham und Keturah
tun das im Hinblick auf sein geistig göttliches Wesen. Damit

42
klar wird, was es mit diesen beiden für eine Bewandtnis hat, sei
gesagt, daß der Herr jedem Menschen so erscheint, wie dieser
beschaffen ist; dem Himmlischen erscheint er als Sonne, dem
Geistigen als Mond. Der Himmlische dient der himmlischen
Liebe, d. h. er liebt den Herrn, der Geistige widmet sich der
geistigen Liebe, d. h. der tätigen Liebe dem Nächsten gegenü-
ber. Der Unterschied zwischen diesen beiden gleicht dem
Sonnenlicht und seiner Wärme bei Tag und dem Mondlicht
und seiner schwächeren Wärme bei Nacht und ihrem ver-
schiedenen Einfluß auf das Wachstum. Auf diese Tatsache ver-
weist das erste Kapitel der Genesis mit den Worten: „Und Gott
machte zwei große Lichter, das große Licht zu herrschen des
Tages und das kleine Licht zu herrschen des Nachts“.
(HG 3235)

21. Februar
Fortsetzung
Der Ehemann stellt das Gute dar, die Gattin das Wahre,
weil die Kirche mit einer Ehe verglichen wird und selbst eine
Ehe des Guten und Wahren bildet. Der Ehemann symbolisiert
das Gute, weil dieses an erster Stelle steht, die Gattin das
Wahre, weil dieses an zweiter Stelle kommt. Darum wird der
Herr im Wort Bräutigam, Mann, Gemahl genannt, die Kirche
aber Braut, Weib, Gattin.
Beim Menschen ist das geistig Gute im allgemeinen das
Gute des Glaubens, und dieses wiederum nichts anderes als die
tätige Liebe zum Nächsten. Damit es aber tätige Liebe ist, muß
diese auf dem neuen Willen basieren, den der Mensch vom
Herrn erhalten hat. Das dieser Liebe beigesellte geistig Wahre
heißt Wahres des Glaubens und ist dadurch gekennzeichnet,
daß es zunächst die tätige Liebe als Ziel, danach aber als
Ausgangspunkt betrachtet. Damit der Mensch diese Einsicht

43
oder diesen Glauben erwirbt, muß er ihm durch den vom
Herrn geschenkten neuen Verstand vermittelt werden, und
dieser muß sein Licht vom neuen Willen bekommen.
(HG 3236)

22. Februar
Treulos geworden ist Jehudah, Greuliches geschah
in Israel und in Jerusalem, denn Jehudah hat ent-
weiht die Heiligkeit Jehovahs; denn er liebte und
vermählte sich mit der Tochter eines ausländi-
schen Gottes. (Mal. 2, 11)

Die Tochter eines ausländischen Gottes lieben und sich mit


ihr verloben, heißt zunächst, sich mit dem Falschen verbinden.
Aus der Entsprechung der wahren ehelichen Liebe mit der
himmlischen Ehe ergibt sich aber, daß es auch um die geistigen
Gesetze der himmlischen Ehe geht, z. B. darum, daß der Mann
nur eine Gattin haben sollte. Denn das Gute kann nur mit sei-
nem eigenen Wahren verbunden werden und umgekehrt.
Würde es mit einem anderen Wahren verbunden, könnte das
Gute gar nicht bestehen, sondern würde zerteilt und zu
Grunde gerichtet. (HG 4434)

23. Februar
Und es geschah nach diesen Dingen, daß das Weib
seines Herrn (Potiphar) ihre Augen aufhob zu
Joseph und zu ihm sprach: Liege bei mir. … Und
es geschah eines Tages, daß er in das Haus kam,
um sein Werk zu tun, und kein Mann von den
Männern des Hauses war dort im Haus. Und sie
erfaßte ihn an seinem Kleid und sprach: Liege bei
mir! Er aber ließ sein Kleid in ihrer Hand und floh

44
und ging hinaus. … Und sie legte sein Kleid neben
sich nieder, bis sein Herr in sein Haus kam. … Und
Josephs Herr nahm ihn und gab ihn in das Haus
des Gefängnisses. (1. Mose 39, 7. 11. 16. 20)
Die Gattin Potiphars steht für das natürliche, nicht geistige
Wahre, Joseph für das natürlich geistig Gute. Mit dem Wahren
dieses Guten wollte sich das natürliche, nicht geistige Wahre
verbinden.
Dieses Wahre besteht z.B. in der Meinung, man solle den
Armen, den Witwen und den Waisen Gutes tun, darin bestehe
die im Wort gebotene tätige Liebe. Geistig wahr ist das aber
nicht. Natürlich geistig wahre Menschen bestätigen zwar diese
Ansicht, sagen sich jedoch in ihrem Herzen, nicht alle seien
arm, die sich arm nennen, denn manche lebten nur schlecht
und fürchteten weder Gott noch Menschen und stürzten sich
in Freveltaten, wenn nicht die Furcht vor Strafe sie abhielte. Es
seien vielmehr geistig Arme gemeint, die wüßten, daß sie
nichts Wahres und Gutes aus sich selbst hätten, sondern daß
ihnen alles umsonst geschenkt worden sei. Ein letztes Wahres
ist für den geistigen Menschen, daß alle göttlichen Wahrheiten
aus dem Buchstabensinn begründet werden können. Dieses
letzte und allgemeine Wahre wird auch vom natürlichen
Menschen anerkannt, aber dieser glaubt, es sei alles wahr, was
aus dem Wort begründet werden kann, insbesondere was er
begründen möchte. Das alles hält er dann für göttlich wahr.
Da nun Kleider Wahres darstellen, ist dieses letzte Wahre
das zurückgelassene Kleid. Wenn dieses weggenommen ist, hat
der geistige Mensch nichts mehr, um sich gegen die bloß Natür-
lichen zu verteidigen. Dann geschieht ihm Unrecht, denn bei
allem, was der geistige Mensch dann redet, sagen die bloß
Natürlichen, sie begriffen es nicht, oder es sei nicht so. Wenn
das Innere oder Geistige erwähnt wird, verspotten sie es entwe-
der oder nennen es mystisch. Deshalb ist dann jede Verbindung

45
zwischen ihnen zerrissen, der Mensch leidet Hartes, was auch
dadurch dargestellt wird, daß Joseph, nachdem ihn die Frau vor
ihrem Gatten mit dem Kleid angeklagt hatte, in das Haus des
Gefängnisses geworfen wurde. (HG 5022, 5008)

24. Februar
Ein Weib soll nicht Männertracht tragen, und ein
Mann soll nicht Frauenkleider anziehen; denn ein
Greuel ist dem Herrn, deinem Gott, ein jeder, der
solches tut. (5. Mose 22, 5)

Einige behaupten, Frauen könnten mit der Schärfe ihres


Verstandes ebenso in die Sphäre des Lichts eindringen wie die
Männer und die Dinge von derselben Höhe aus durchschauen.
Zu dieser Ansicht kamen sie auf Grund der Schriften einiger
gelehrter Autorinnen. Doch wurden diese Schriften in ihrer
Gegenwart in der geistigen Welt geprüft und nicht als Produkte
der Urteilskraft und Weisheit, sondern des Scharfsinns und der
Redegabe befunden. … Aber auch Männer können nicht die
für Frauen charakteristischen Pflichten übernehmen und sie
gebührend erfüllen, weil sie nicht in deren Neigungen eintre-
ten können. (EL 175)
(Eins der für Swedenborgs Zeit typischen Urteile. Die
„Prüfung“ soll übrigens in der geistigen Welt, nicht aber in
einem der Himmel stattgefunden haben. D.H.)

25. Februar
Und Noach fing an als Mann des Bodens und
pflanzte einen Weinberg. Und er trank von dem
Wein und ward trunken und war aufgedeckt mitten
in seinem Zelt. (1. Mose 9, 20. 21)

46
Aufgedeckt und nackt von der Trunkenheit vom Wein wird
derjenige genannt, der an Stelle von Glaubenswahrheiten
Verkehrtes besitzt. Die Wahrheiten werden mit den Kleidern
verglichen, die das Gute der tätigen Liebe oder die tätige Liebe
selbst bedecken, denn die tätige Liebe ist der Leib, die
Wahrheiten sind daher die Kleider, oder anders ausgedrückt,
die tätige Liebe ist die Seele, Wahrheiten sind wie der Leib, der
das Gewand der Seele ist. Im Wort werden die Wahrheiten
Kleider und Bedeckung genannt, weshalb in 1. Mose 9, 23.
gesagt: Schem und Japhet hätten ein Kleid genommen und
damit die Blöße ihres Vaters bedeckt. (HG 1073)

26. Februar
Und Jakob gelobte ein Gelübde und sprach: Wenn
Gott mit mir sein und mich behüten wird auf die-
sem Weg, den ich gehe, und mir Brot zu essen und
ein Kleid zum Anziehen gibt, und ich in Frieden
zum Haus meins Vaters zurückkehre, so soll
Jehovah mir zum Gott sein. (1. Mose 28, 20)

Brot essen, heißt die Verbindung mit dem göttlichen


Guten, ein Kleid anziehen, diejenige mit dem göttlichen
Wahren. Göttlich ist es, weil hier vom Herrn die Rede ist. …
Wenn also der Mensch in andächtiger Stimmung an das Brot,
z.B. im heiligen Abendmahl oder im Gebet des Herrn denkt,
dann nehmen die Engel im Umfeld des Menschen dies zum
Anlaß, an das Gute zu denken. Ebenso denken sie an das
Wahre, wenn der Mensch in seiner Andacht sich mit dem Kleid
befaßt. … Auf diese Weise wird der Mensch, der gesammelt
das Wort liest, durch die Entsprechungen mit dem Himmel
und durch diesen mit dem Herrn verbunden, obwohl er nur
den buchstäblichen Sinn des Wortes bedenkt. … Diejenigen,

47
die ein gutes Leben geführt haben, erkennen und erfassen diese
Dinge nach ihrem Hinscheiden; denn jetzt legen sie ihre irdi-
schen Ansichten ab und übernehmen geistige und himmlische
Vorstellungen wie die geistigen Engel. (HG 3735)

27. Februar
Und zu Sarah sprach er (Abimelech): Siehe, dei-
nem Bruder gebe ich tausend Silberstücke. Siehe,
das ist für dich eine Decke der Augen für alle, die
mit dir sind, und für alle. (1. Mose, 20, 16)

Die Wahrheiten der Vernunft sind eine Hülle oder


Bekleidung für die geistigen Wahrheiten. Die Augen stehen für
den Verstand. … Daß aus der Vernunft intellektuelle
Wahrheiten und solche der Sinnenwelt herstammen, ergibt
sich aus der Ordnung des Einflusses: das Innere fließt in das
Äußere, oder das Obere in das Untere, nicht aber umgekehrt.
Scheinbar wird der Mensch durch Sinneserfahrungen und
Wissen vernünftig; allein das ist eine Täuschung. Das Gute
fließt vom Herrn fortwährend in den Bereich der Vernunft ein
und nimmt die Gegenstände des Wissens in sich auf. Und
soweit, wie es das vollbringen kann, soweit wird der Mensch
vernünftig. Ebenso fließt das Gute in die Wahrheiten des
Glaubens ein, und soweit wie es diese in sich aufnehmen kann,
wird der Mensch geistig. (HG 2577)

28. Februar
Fortsetzung
Das Innerste des Menschen gehört seiner Seele an, das
Äußere jedoch seinem Leib. Das Innerste ist das Gute und die
Wahrheiten, aus denen die Seele ihr Leben hat, sonst wäre die

48
Seele nicht Seele. Das Äußere empfängt sein Leben von da, und
es ist wie ein Leib oder eine Hülle oder Bekleidung. Wenn
Engel sich zeigen, leuchtet ihr Inneres aus ihrem Angesicht
hervor, und ihr Äußeres stellt sich sowohl an ihrem Leib wie an
ihrer Kleidung dar, sodaß jeder schon aus ihrem Gewand wis-
sen kann, wie sie geartet sind. … Dasselbe gilt für die
Bundeslade und das umgebende Zelt. Die Lade selbst, das
Innerste, stellte den Herrn vor, denn sie enthielt das Zeugnis,
das Zelt hingegen stand für das Reich des Herrn. Die
Umhüllungen oder Vorhänge und Decken symbolisierten die
äußeren himmlischen und geistigen Dinge in seinem Reich,
nämlich in den drei Himmeln. (HG 2576)

29. Februar
Und ich werde diesem Volk Gnade in den Augen
der Ägypter geben, und es wird geschehen, daß
wenn ihr geht, ihr nicht leer geht. Und ein jegliches
Weib soll sich von ihrer Nachbarin und von ihrer
Hausgenossin Gefäße von Silber und Gefäße von
Gold und Gewänder erbitten und ihr sollet sie auf
eure Söhne und auf eure Töchter legen und den
Ägyptern entreißen. (2. Mose 3, 21. 22)

Gefäße bedeuten Dinge des Wissens, weil sie unzählige


Wahrheiten (Silber) und vielerlei Gutes (Gold) enthalten kön-
nen. Mit dem Wissen verhält es sich beim Menschen wie mit
seinen Reichtümern und seinen Gütern. Diese sind verderb-
lich in der Hand der Bösen, weil sie von ihnen zu bösen
Zwecken verwendet werden. Nützlich sind sie nur bei den
Guten, weil diese sie für gute Zwecke einsetzen. Kommen also
Reichtümer und Güter aus dem Besitz Böser in die Hand
Guter, so werden sie selbst gut. So waren den Ägyptern ver-

49
schiedene der Entsprechungen aus der Alten Kirche verblie-
ben. Sie verwendeten diese aber als Zauber und machten bösen
Gebrauch davon, weshalb es kein wahres, sondern nur noch
falsches Wissen darstellte. Dasselbe gilt für Gebräuche und
Altäre im Land Kanaan. Die Beraubung der Heiden dort hatte
zum Ziel, alle diese Dinge wieder zu heiligem Zweck verwen-
den zu können. (HG 6917)

1. März
Und Ruben kehrte nach der Grube zurück, und
siehe: kein Joseph war in der Grube; und er zerriß
seine Kleider. (1. Mose 37, 29)

Im Wort, hauptsächlich im historischen, liest man oft, sie


hätten die Kleider zerrissen, aber heutzutage weiß man nicht
mehr, daß das ein Symbol des Schmerzes wegen der verlorenen
Wahrheiten war, denn die Kleider bedeuten ja Wahrheiten.
Auch Jakob soll seine Kleider zerrissen haben, als er den Rock
seines Sohnes erkannte, was ebenfalls die Trauer über das zu
Grunde gegangene Wahre bedeutet. Ebenfalls zerriß der Hohe-
priester sein Kleid und sagte: „Er hat Gott gelästert“, denn er
glaubte, der Herr habe sich gegen das Wort und das göttliche
Wahre vergangen.
… Weil das Kleid das Wahre der Kirche und im höchsten
Sinn das göttliche Wahre bedeutet, war es eine Schande, in zer-
rissenen Kleidern aufzutreten, es sei denn in Trauer. (HG 4763)

2. März

Er aber, Johannes, hatte eine Kleidung von


Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine

50
Lenden; seine Nahrung aber war Heuschrecken
und wilder Honig. (Mat. 3, 4)

Johannes trug diese Kleidung, weil er das Wort darstellte.


Das Kamelhaar, der lederne Gürtel und das Essen von
Heuschrecken und wildem Honig symbolisieren den letzten
Sinn der Wortes, der natürlich und sinnlich ist, weil er für den
natürlichen und auf seine Sinne beschränkten Menschen
bestimmt ist. Die Kleidung ist das Wahre, das das Gute
umhüllt. Kamelhaar ist das Äußerste des natürlichen Men-
schen, die Sinne. Die Heuschrecken sind das Sinnliche in
Bezug auf das Wahre, der Honig in Bezug auf das Gute. In den
alten Zeiten, als die Kirchen symbolischen Charakter besaßen,
waren alle Amtsträger gemäß ihren bildlichen Aufgaben
gekleidet, und sie mußten auch die entsprechende Nahrung zu
sich nehmen. (OE 543)

3. März
Wenn du von deinem Genossen das Gewand zum
Pfande nimmst, sollst du es ihm, wenn die Sonne
untergeht, zurückgeben. (2. Mose 22, 25)

Das Pfand ist eine Versicherung für das Gute, das geliehen
wird. Geht es um geistige Dinge, besteht die Mitteilung des
Guten aus Unterricht in den Wahrheiten; die Versicherung
besteht dann im sinnlich Wahren, denn das Kleid ist das
Äußerste des Natürlichen, also die Sinneswahrnehmung. Diese
ist aber voll von Täuschungen, die das Wahre auszulöschen
vermögen. Der innere Sinn des Textes beschreibt deshalb die
Zerstörung von Wahrheiten durch Sinnestäuschungen. Da ein
Kleid immer etwas anderes von außen bedeckt, wird der
Ausdruck für alles verwendet, was weiter außen ist, also auch

51
für den natürlichen Menschen im Vergleich zum geistigen, für
das Wahre des Wissens im Vergleich zu dem des Glaubens, und
für die Sinnesempfindungen im Vergleich zu den Wahrheiten
des Wissens. (HG 9212)

4. März
Und als sie sich Jerusalem nahten und nach
Bethphage an den Oelberg kamen, da sandte
Jesus zwei Jünger aus … sie führten die Eselin und
das Füllen herbei und legten ihre Kleider auf sie,
und er setzte sich darauf. Die meisten des Volkes
aber streuten ihre Kleider auf den Weg; andere
aber schnitten Zweige von den Bäumen und streu-
ten sie auf den Weg. (Mat. 21, 1. 7. 8)

Daß die Jünger auf die Eselin und ihr Füllen ihr Kleider
legten, bedeutete, daß der gesamte Komplex der Wahrheiten
dem Herrn als dem höchsten Richter untergeordnet seien,
denn die Jünger stehen für die Kirche des Herrn im Hinblick
auf das Wahre und Gute. Das Gleiche gilt für die Tatsache, daß
der Volkshaufe seine Kleider auf den Weg breitete, denn auch
der Weg bedeutet Wahres, durch das der Mensch der Kirche
geführt wird.
Der ganze Vorgang war auch beim Aufzug von Richtern
oder Königen üblich, denn das Gerichtswesen entspricht im
Himmel dem göttlich Wahren aus dem Guten, das Königtum
aber dem göttlich Wahren. (HG 9212)

5. März
Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen:
Niemand setzt ein Flickstück von einem neuen

52
Kleid auf ein altes Kleid; sonst zerreißt er das neue,
und mit dem alten stimmt das Flickstück vom
neuen nicht zusammen. (Luk. 5, 36)

Der Herr bediente sich dieses Gleichnisses, um das Wahre


der neuen Kirche und das Wahre der alten Kirche zu beschrei-
ben, denn das Kleid bedeutet das Wahre; das eine an das ande-
re annähen und anflicken heißt, beides zerstören; denn das
Wahre der neuen Kirche ist das innere Wahre, somit das Wahre
für den inneren Menschen, dasjenige der alten Kirche aber ist
das äußere Wahre, also für den äußeren Menschen. Dieses war
das Wahre der jüdischen Kirche, denn diese stellte durch
äußere Dinge die inneren dar. Daß diese zu den äußeren nicht
unmittelbar passen, ist in den Worten des Herrn enthalten.
(HG 9212)

6. März
Nachdem der König eingetreten war, um anzuse-
hen, die zu Tische saßen, sah er einen Menschen,
der nicht mit einem hochzeitlichen Kleid angetan
war, und sagte zu ihm: „Geselle, wie bist du hier
hereingekommen und hast keine hochzeitliche
Kleidung an?“ … Darum wurde er in die äußerste
Finsternis hinaus gestoßen. (Mat. 22, 11-13)

Wer sich nicht an das göttliche Wahre hält, von dem heißt
es, er sei nicht mit einem hochzeitlichen Kleid angetan. Das
Haus, in dem die Hochzeit stattfand, ist sowohl der Himmel als
auch die Kirche, die aus der Verbindung des Herrn mit den
Menschen durch sein göttlich Wahres entsteht. Deshalb heißt
der Herr im Wort Bräutigam und Mann, der Himmel mit der
Kirche Braut und Weib. (HH 180)

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Das Hochzeitskleid bedeutet die Einsicht des geistigen
Menschen, die aus den Erkenntnissen des Wahren und Guten
stammt. Der aber, der nicht mit dem hochzeitlichen Kleid
angetan war, stellt einen Heuchler dar, der durch ein sittliches
Leben ein geistiges vorspiegelt, während es doch nur ein natür-
liches ist. (OE 195)

7. März
Und Jehovah redete zu Mose: Geh, zieh hinauf …
in ein Land, da Milch und Honig fließt; denn ich
werde nicht in deiner Mitte hinaufziehen, dieweil du
ein hartnäckiges Volk bist. Ich möchte dich sonst
verzehren auf dem Weg. Und das Volk hörte das
böse Wort, und sie trauerten, und keiner legte sei-
nen Schmuck an. (2. Mose 1. 3. 4)

Schmuck ist ein Symbol für das göttliche Wesen im


Äußeren, denn er gehört zu den Kleidern, die im allgemeinen
göttliche Wahrheiten darstellen. Im andern Leben erscheinen
sowohl Engel wie Geister mit Kleidern angetan, die ihren
Wahrheiten entsprechen. Diejenigen, die sich an die echten
göttlichen Wahrheiten halten, erscheinen in weiß glänzenden
Kleidern, andere in anderen. Die Geister wissen zwar nicht,
woher ihnen die Kleider kommen, aber sie werden damit aus-
gestattet, ohne daß sie es wissen. Und diese Kleider wechseln
gemäß den Veränderungen ihres Zustandes im Hinblick auf
die Wahrheiten. Man kann sagen, die Bildung ihres Verstandes
drückt sich in der Kleidung aus, denn der Verstand wird durch
Wahrheiten gebildet. Bei den Engeln des Himmels kommen
diese aus ihrem Inneren, daher die weiß glänzenden Kleider.
Der Glanz stammt vom göttlichen Guten, die weiße Farbe vom
Himmelslicht, dem göttlichen Wahren. Die Kleider derjenigen,

54
denen das Innere fehlt, sind trübschwarz und zerrissen, wie bei
den Bettlern auf den Gassen und bei den Räubern in den
Wäldern. (HG 10537)

8. März

Und die Wasser gingen und verringerten sich bis


zum zehnten Monat. Am ersten des zehnten
Monats wurden die Spitzen der Berge gesehen.
(1. Mose 8, 5)

Die Berge bedeuteten bei den Uralten den Herrn, weil sie
seinen Dienst auf den Bergen versahen, und zwar, weil die
Berge die hervorragendsten Stellen der Erde waren. Daher
stellten die Berge Himmlisches dar, das sie auch das Höchste
nannten, also die Liebe und die tätige Liebe, oder Gutes der
Liebe und tätigen Liebe, eben das Himmlische.
Die Häupter der Berge tauchen dann auf, wenn der
Mensch wiedergeboren wird und mit einem Gewissen begabt
wird und durch dieses mit tätiger Liebe. Wer glaubt, er sehe die
Spitzen der Berge oder die Wahrheiten des Glaubens anders-
woher als aus dem Guten der Liebe und der tätigen Liebe, der
befindet sich in einem großen Irrtum. So können es nämlich
die Juden und die profanen Heiden auch sehen.
(HG 795, 859)

9. März
Und der Talgrund Siddim hat Gruben an Gruben
mit Erdharz, und die Könige von Sodom und von
Gomorrah flohen und fielen daselbst, und die Übri-
gen flohen aufs Gebirge. (1. Mose 14, 10)

55
Mich umgaben Wasser bis an die Seele, der
Abgrund umfing mich, Meergras hängte sich an
mein Haupt; ich sank hinunter zu der Berge
Gründe; der Erde Riegel waren über mir in
Ewigkeit, du aber zogst mein Leben aus der Grube
heraus, Jehovah, mein Gott! (Jonas 2, 6.7)

Alles Böse und Falsche entsteht aus der Selbstliebe und


Weltliebe, es gibt keinen anderen Ursprung dafür. Denn die
Liebe zu sich und die zur Welt sind der himmlischen und gei-
stigen Liebe entgegengesetzt, und weil sie Gegensätze sind,
trachten sie, die himmlischen und geistigen Dinge des Reiches
Gottes fortwährend zu zerstören. Aus der Selbst- und Weltliebe
entstehen alle Arten des Hasses, aus dem Haß alle
Rachehandlungen und Grausamkeiten, daraus wieder alle
Heimtücken, kurz, alle Höllen. Diese Selbst- und Weltliebe
wird nun aber im Wort durch Berge dargestellt.
Durch Jonas werden die Versuchungskämpfe des Herrn
beschrieben. … Daß der Herr vom Teufel auf einen hohen
Berg geführt wurde, stellt die alleräußersten Versuchungs-
kämpfe gegen die Triebe der Selbst- und Weltliebe, also gegen
die Höllen dar. (HG 1691)

10. März
Fortsetzung
Versuchungskämpfe sind die Mittel, durch die das Böse
und Falsche aufgelöst und beseitigt wird, die einen Schauder
davor hervorrufen und ein Gewissen schaffen oder stärken,
wodurch der Mensch wiedergeboren wird. … Wer solche
Kämpfe nicht in seinem Leben in der Welt besteht, muß sie in
der anderen Welt nachholen, vorausgesetzt, er ist fähig, wie-
dergeboren zu werden.

56
Allein der Herr hat diese Kämpfe aus eigener Macht
bestanden. Er war von Höllen eingeschlossen und überwand
diese fortwährend. Der Herr ist es auch, der im Menschen
den Kampf austrägt und für Überwindung sorgt. Der
Mensch kann aus eigener Macht gar nichts ausrichten gegen
die bösen oder höllischen Geister, denn diese hängen mit
den Höllen so zusammen, daß, wenn die erste überwunden
ist, die zweite auf ihn hereinstürzen würde, und so in
Ewigkeit fort. Sie sind gleich dem Meer, das auf die einzelnen
Teile des Dammes drückt: würde dieser durchbrochen, und
sei es nur durch eine Ritze oder einen winzigen Kanal, dann
würde das Meer pausenlos hindurchströmen und alles über-
schwemmen. So wäre es, wenn nicht der Herr allein die
Versuchungskämpfe im Menschen aushielte.
(HG 1692)

11. März

Und es kam Jethro, Moses Schwäher, und seine


Söhne und sein Weib zu Mose in die Wüste, wo er
lagerte am Berge Gottes. (2. Mose 18, 5)

„Gelagert am Berg Gottes“ beschreibt die Anordnung des


Guten und Wahren der Kirche neben dem Guten des Wahren:
In seinem ersten Zustand, wenn der Mensch aus dem
Wahren, aber noch nicht aus dem Guten handelt, d. h. aus dem
Glauben, aber noch nicht aus der tätigen Liebe, dann hat er
noch Versuchungen zu erleiden. Durch diese wird er allmäh-
lich in einen anderen Zustand versetzt, in dem er aus dem
Guten, d. h. aus der tätigen Liebe und ihrer Neigung handelt.
Wenn er sich diesem Zustand nähert, heißt es von ihm, er
lagere sich am Berge Gottes. (HG 8658)

57
12. März
Und von Rephidim brachen sie auf und kamen in
die Wüste Sinai und lagerten in der Wüste, und
Israel lagerte sich dem Berge gegenüber.
(2. Mose 19, 2)

Der Berg Sinai bedeutet im höchsten Sinn das göttliche


Wahre aus dem göttlichen Guten, der Berg das Gute und Sinai
das Wahre, im inneren Sinn das Wahre des Glaubens aus dem
Guten. Diese Bedeutung stammt daher, weil von dem Berg
herab das Gesetz des Herrn verkündigt wurde. Das Gesetz ist
aber das göttliche Wahre aus dem göttlichen Guten und auch
das Wahre des Glaubens aus dem Guten. Daher mußten die
Söhne Israels in der Wüste an jenem Berg lagern, denn von
ihm herab wurden ja nicht nur die Zehn Gebote verkündigt,
sondern auch alle Satzungen der Kirche, die das geistige und
himmlische Wahre und Gute des Reiches des Herrn symboli-
sierten. (HG 8753)

13. März
Und Mose stieg vom Berg herab zum Volk.
(2. Mose 19,14)

Wenn Mose, das unter dem göttlichen Einfluß erkennbare


Wahre, herabsteigt, stellt er die Hinwendung zu und die
Vorbereitung auf dieses Wahre dar.
Der Berg Sinai bedeutet auch den Himmel, aus dem die
Wahrheiten vom Herrn herabfließen. Daß Jehovah zu diesem
Berg hinab stieg, bedeutet seine Gegenwart im Himmel und
zugleich die Vereinigung des göttlich Guten mit dem göttlich
Wahren, wodurch der Himmel erst Himmel wird.

58
Das Volk ist die geistige Kirche im Hinblick auf das Gute,
dem die Wahrheiten des Glaubens eingepflanzt werden müs-
sen. Angehörige der geistigen Kirche kennen zwei aufeinander
folgende Zustände: der frühere, wenn sie durch die Wahrheiten
zum Guten geführt werden, der spätere, wenn sie das Gute
angenommen haben und daraus die Wahrheiten erfassen.
Mose stellt demnach eine vermittelnde Funktion dar: er zeigt
unter dem göttlichen Einfluß das Wahre unterhalb des
Himmels auf, das aber mit dem göttlichen Wahren im Himmel
verbunden bleibt und dem Guten der geistigen Kirche einge-
pflanzt werden muß. (HG 8805)

14. März

Und der ganze Berg Sinai rauchte.


(2. Mose 19, 18)

Der Rauch ist das Dunkel des Glaubens derer, die der gei-
stigen Kirche angehören im Vergleich zu den Angehörigen der
himmlischen Kirche. Hier geht es um das Dunkel, in dem sich
das israelitische Volk befand, als es das Zeichen sah. Denn
Jehovah erscheint jedem entsprechend dessen Beschaffenheit,
also als Licht des Wahren für die Guten, als ein Feind und
Rächer für die Bösen. … Das läßt sich mit dem Licht verglei-
chen, dessen Strahlen häßliche Farben annehmen, wenn sie auf
häßliche Gegenstände treffen, schöne Farben hingegen, wenn
sie schöne Gegenstände beleuchten.
Der Rauch sagt auch, das eigentliche Gute des Wahren sei
nur in seiner äußeren Form wahrnehmbar. Seine innere Form,
nämlich Licht und Flamme, wie sie im Himmel erscheinen,
kann im wolkigen oder rauchigen Licht der Welt nicht wahr-
genommen werden. (HG 8819, 8916)

59
15. März
Ihr habt gesehen, daß ich aus dem Himmel mit
euch geredet habe. (2. Mose 20, 19)

Hier wird der Berg Sinai als Himmel bezeichnet, aus dem
das göttliche Wahre kommt. Das rührt daher, daß der Himmel
da ist, wo göttlicher Einfluß wirkt. Der Himmel ist also nicht
an einem bestimmten oder begrenzten Ort, sondern in jedem,
der tätige Liebe übt und einen Glauben besitzt. Denn diese bei-
den gehen vom göttlichen Wesen aus, und in ihnen wohnen
Engel. (HG 8931)

16. März
Und es geschah, da sie auszogen vom Aufgang,
fanden sie ein Tal im Lande Schinear und wohnten
daselbst. (1. Mose 11, 2)

Da die Berge im Wort Liebe und tätige Liebe als oberstes


Ziel oder auch das Zentrum des Gottesdienstes bedeuten, muß
es sich beim dazwischen liegenden Tal um etwas Äußerliches
handeln. Schinear ist tatsächlich der äußere Gottesdienst, der
Unheiliges enthält. Schon daß sie wegzogen vom Aufgang,
zeigt ja, daß sie begannen, sich von der tätigen Liebe zu entfer-
nen. Und je weiter dies fortschreitet, desto stärker nähert sich
der Gottesdienst dem Unreinen und Unheiligen. Daß sie dort
wohnten, will noch sagen, ihr Lebenswandel habe sich ent-
sprechend entwickelt. (HG 1292, 1293)

17. März
Und er (Israel) sprach zu ihm (Joseph): Geh doch
und sieh, wie es deinen Brüdern geht und wie es

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mit dem Kleinvieh geht und bring mir das Wort
zurück. Und er sandte ihn aus dem Talgrund
Chebron, und er kam nach Schechem.
(1. Mose 37, 14)

Gesendet werden, steht für ausgehen und lehren. Der Text


sagt also, er sollte lehren, was die unteren Dimensionen der
Kirche sind, denn die höheren hätten sie nicht begriffen. Wer
Glauben lehrt ohne die tätige Liebe, der kann das eigentliche
Wesen und die Kernpunkte der Kirche nicht erkennen, weil
ihm die Anleitung und Eingebung fehlt, die ihm sagt, ob etwas
wahr und Sache des Glaubens ist. Diese unteren Bereiche
stammen aus dem natürlich und sinnlich Göttlichen des
Herrn. Das heißt nun aber nicht, es sei im Herrn so etwas vor-
handen, denn im Herrn ist alles unendlich. Aber sinnlich ori-
entierte Menschen begreifen nur auf ihre eigene sinnliche
Weise, was im und aus dem Herrn ist, und die natürlichen auf
ihre natürliche Weise. Die Formulierung ist also dem
Charakter des Aufnehmenden angepaßt. (HG 4715)

18. März
Und Mose flehte vor dem Angesicht Jehovahs, sei-
nes Gottes, und sprach: … Warum sollen die Ägyp-
ter sprechen und sagen: zum Übel hat er sie herzu
gebracht, um sie auf den Bergen zu erwürgen und
vom Boden sie wegzutilgen? (2. Mose 32, 11.12)

Durch die Berge werden die charakterisiert, die himmli-


scher, durch Hügel solche, die geistiger Liebe teilhaftig sind.
Die auf den Felsen verfügen über einen Glauben, die in den
Tälern sind noch nicht zum Guten des Glaubens und der Liebe
vorgedrungen. Im abstrakten Sinn stellen somit Berge das

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Gute der himmlischen Liebe und den innersten Himmel dar,
Hügel das Gute der geistigen Liebe und den dazu gehörenden
Himmel, Felsen das Gute des Glaubens und den untersten
Himmel. Die Täler sind die, denen dieses Gute noch fehlt,
sodaß sie noch nicht zum Himmel erhoben worden sind.
(HG 10438)

19. März
Und es kamen herzu zu ihm die Pharisäer, ver-
suchten ihn und sagten zu ihm: Ist es dem
Menschen erlaubt, aus jeglicher Ursache sich von
seinem Weib zu scheiden? Er aber antwortete und
sprach zu ihnen: habt ihr nicht gelesen, daß er, der
sie von Anfang gemacht hat, sie als Mann und
Weib gemacht hat? Und er sprach: Darum soll der
Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem
Weib anhangen. Und die zwei werden ein Fleisch
sein, so daß sie nicht mehr zwei, sondern ein
Fleisch sind. Was nun Gott zusammengefügt hat,
das soll der Mensch nicht trennen. … Sprechen zu
ihm seine Jünger: Ist die Sache des Menschen mit
seinem Weib so, dann ist es nicht zuträglich, zu
freien. (Mat. 18, 3-6. 10)
Die Dauer einmal geschlossener Ehen bis ans Ende des
Lebens in der Welt beruht auf dem göttlichen Gesetz und wird
darum auch von der Vernunft und vom bürgerlichen Gesetz
gefordert. Es ist insofern eine Forderung des göttlichen
Gesetzes, als sie es nicht erlaubt, seine Frau zu entlassen und
eine andere zu nehmen, es sei denn wegen Hurerei. Eine
Forderung des Vernunftgesetzes ist es, weil dieses auf dem gei-
stigen aufbaut. Das göttliche und das vernünftige Gesetz sind
nämlich im Grunde ein einziges. Durch dieses aus jenem kann

62
man erkennen, zu wie vielen Mißständen und Zerrüttungen es
kommen müßte, wenn die Ehen aufgelöst oder die Frauen
nach Belieben der Männer entlassen werden dürften.
(EL 276)
(Wieder nur die Männer. Die Mißstände und
Zerrüttungen sind allerdings Tatsache, vor allem, wenn man
das Ergehen der Kinder in Betracht zieht. D.H.)

20. März
Und Jehovah sprach: … Und es wird geschehen,
wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, so will ich
dich in die Kluft des Felsens stellen und meine
Hand über dich decken, bis ich vorübergezogen
bin. (2. Mose 33, 21. 22)
Da kam die Mutter der Söhne des Zebedäus mit
ihren Söhnen zu ihm, fiel vor ihm nieder und bat
etwas von ihm. Er aber sprach zu ihr: Was willst
du? Sie spricht zu ihm: Sag, daß diese meine zwei
Söhne sitzen in deinem Reich, der eine zu deiner
Rechten, der andere zu deiner Linken.
(Mat. 20, 20. 21)
Der Fels stellt meist den Glauben dar, die Felsenkluft hin-
gegen das Dunkle und Falsche des Glaubens, wie er diejenigen
erfüllt, die das Wort nach dem Buchstaben an Stelle des inne-
ren Sinnes auffassen. Wer so glaubt, empfängt kein Licht, denn
dieses fließt durch das Innere ins Äußere ein. Sie haben vom
Wahren eine materielle und irdische Vorstellung, voll von
Täuschungen.
Jakobus und Johannes besaßen eine solche, weshalb sie
vom Herrn erbaten, zu seiner Rechten und Linken sitzen zu
dürfen. Sie wurden belehrt: Wer unter euch groß sein will, der
soll euer Diener sein. (V. 26) (HG 10582)

63
21. März
Wer nun eins dieser kleinsten Gebote löst und lehrt
die Menschen also, wird der Kleinste heißen im
Reich der Himmel; wer aber tut und lehrt, der wird
groß heißen im Reich der Himmel. Denn ich sage
euch: Es sei denn, daß eure Gerechtigkeit weit
übertreffe die der Schriftgelehrten und Pharisäer,
so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel ein-
gehen. (Mat. 5, 19. 20)
Und er kam nach Kapernaum; und als er zu Hause
war, fragte er sie: Worüber besprachet ihr euch mit
einander auf dem Weg? Sie aber schwiegen stille;
denn sie hatten auf dem Weg unter sich bespro-
chen, welcher der größte sei. (Mark. 9, 33. 34)

Wer nur die Lehren kennt, sie aber nicht ins Leben über-
setzt, weiß nur, daß das Himmelreich den Reichen dieser Welt
darin gleiche, daß er dort groß sei, indem er anderen gebieten
dürfe. Die Freude daran ist die einzige Freude, die er kennt und
die er jeder anderen vorzieht. Auch die Jünger hatten anfangs
keine andere Vorstellung … denn sie wußten nicht, daß himm-
lische Lust nicht die Lust an Größe und Vorrang ist, sondern
die Freude an Erniedrigung und an der Neigung, anderen zu
dienen, also nicht der Größte, sondern der Kleinste sein zu
wollen. (HG 3417)

22. März
Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen
Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Tore
der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und ich will
dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben;
und was du auf Erden binden wirst, das soll in den

64
Himmeln gebunden sein; und was du auf Erden
lösen wirst, das soll in den Himmeln gelöst sein.
(Mat. 16, 18. 19)

Hier ist mit dem Felsen der Herr selbst im Hinblick auf den
Glauben gemeint und auch der Glaube, der vom Herrn
geschenkt wird und den Petrus bildlich verkörpert. Es muß
jedoch klar festgehalten sein, daß die Macht, zu binden und zu
lösen und den Himmel oder die Hölle zu öffnen, allein dem
Herrn gehört. Sie steckt aber auch im Glauben, der ja vom
Herrn stammt und in dem der Herr anwesend ist. Auf diesen
Glauben, also auf den Herrn selbst, nicht aber auf den einzel-
nen Menschen Petrus ist die Kirche des Herrn gebaut worden.
(HG 8581)

23. März
Und die Gemeinde hatte kein Wasser; und sie ver-
sammelten sich wider Mose und Aharon. … Und
Jehovah redete zu Mose und sprach: Nimm den
Stab und versammle die Gemeinde … und rede zu
dem Felsen, daß er sein Wasser gebe. … Und Mose
hob seine Hand empor und schlug den Felsen
zweimal mit seinem Stab. Und viele Wasser kamen
heraus, und die Gemeinde trank und ihr Vieh.
(4. Mose 20, 3. 7. 8. 11)

Mit dem Schlagen des Felsens ist eine inständige Bitte aus
demütigem Herzen gemeint. Mose jedoch schlug den Felsen
mit einer harten Forderung und begehrte heftig nach dem
Wasser und fragte, ob er wohl aus diesem Felsen Wasser für das
Volk hervorbringen könne. Darauf verwehrte ihm Jehovah den
Einzug ins Land Kanaan. (HG 8582)

65
Der Fels stellt den Herrn dar, denn er bedeutet im Wort,
das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre. Daher sollten
Moses und Aharon zu ihm reden und auf diese Weise Jehovah
in den Augen der Söhne Israels heiligen. Auch wird durch das
heraus fließende Wasser das göttliche Wahre und durch das
Tränken des Volkes geistiges Nähren dargestellt, was durch
Belehrung und Unterricht zu erfolgen hatte. (OE 411)

24. März
Und es träumte ihm, und siehe, eine Leiter war auf
die Erde gestellt, und ihre Spitze berührte den
Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen auf
und stiegen nieder. (1. Mose 28, 12)

In der Grundsprache stammt das Wort Leiter von einem Wort ab,
das Pfad oder Weg bedeutet. Dieser hängt mit dem Wahren zusam-
men. Wenn bei den Engeln von Wahrem die Rede ist, wird das sym-
bolisch durch Wege dargestellt. Die Leiter, die von der Erde zum
Himmel führt, steht demnach für die Gemeinschaft des Wahren auf
der untersten mit dem auf der obersten Stufe. Es gibt also ein unterstes
und ein oberstes Wahres und Gutes und zwischen ihnen Stufen wie die
einer Leiter.
Die aufsteigenden und absteigenden Engel beschreiben
eine Ordnung, die zunächst vom Untersten nach oben, und
nach der Umkehrung vom Obersten nach unten führt. Sie ist
ein Bild für die Wiedergeburt.
Der Mensch ist in die Natur seiner Eltern und Großeltern,
wie auch der Ureltern von Jahrhunderten her hineingeboren,
d.h. in das Erbböse von diesen allen, das sich nach und nach
soweit angehäuft hat, daß er nur noch böse ist. Als Folge davon
ist er sowohl im Willen wie im Verstand ganz verdorben, d.h.

66
er will von sich aus nichts Gutes mehr und versteht daher
auch die Wahrheiten nicht. Er nennt gut, was er für sich
begehrt und wahr, was ihm dient. Wer ihn in dieser Einstellung
stört, den haßt er und wünscht ihm Verderben, und diese
Empfindungen bereiten ihm Vergnügen. Diese Natur muß
ausgerottet werden, und zwar noch während der Mensch auf
der Erde lebt.
(HG 3701)

25. März
Fortsetzung
Dieser Vorgang spielt sich so ab, daß der Mensch einen
anderen Willen und einen anderen Verstand erhält, d.h. daß
er ganz erneuert wird. Damit das geschehen kann, muß er
zuerst neu geboren werden wie ein Kind und lernen, was
böse und falsch und was gut und wahr ist, denn ohne diese
Kenntnisse und Erkenntnis kann er mit keinem Guten aus-
gestattet werden.
Es werden ihm nun Erkenntnisse eingeflößt, die seinen
früheren nicht völlig widersprechen. Als Beispiele: jede Liebe
fängt bei sich selbst an, man muß zu allererst für sich selbst
sorgen. Man muß arme und elende Wesen auf jeden Fall
unterstützen, egal, wie sie innerlich geartet sind. Und man
muß Feinden wohltun, wer sie auch immer sein mögen, denn
dadurch verdient man sich den Himmel. Das alles gehört zu
dem untersten Guten und Wahren, womit die Wiedergeburt
beginnt. Weil die Betreffenden dabei Wahrheiten anerkennen,
die dem göttlichen Einfluß näher stehen, kann in ihnen
Falsches ausgerottet werden, das sie vordem für wahr gehalten
hatten. Sie lernen dabei, daß die Wiedergeburt nicht nur vom
Wissen abhängt, sondern Lebenssache ist, und sie beginnen,
die Wahrheiten umzusetzen. (HG 3701)

67
26. März
Fortsetzung
Diesem Anfangszustand, den man als Kindheit bezeich-
nen kann, muß ein Zustand der Jugend und des
Erwachsenseins folgen. Man nimmt nicht mehr um der
äußeren Erscheinung willen Rücksicht auf einen Menschen,
sondern betrachtet ihn entsprechend seinem Guten, zunächst
im bürgerlichen, dann im sittlichen und zuletzt im geistigen
Leben, und es ist dieses Gute, das der Mensch zu lieben
beginnt, und um seinetwillen dann auch die Person. Und als
letztes ist er bestrebt, den Guten entsprechend der Beschaf-
fenheit dieses Guten wohlzutun, und er empfindet eine
Freude dabei. Er wird sich dessen bewußt und bildet daraus
seinen neuen Verstand. Im gleichen Grad, in dem er Lust am
Guten empfindet, widert ihn das Böse seines vorigen Lebens
an, und er ärgert sich an dessen Falschheiten.
Die Wahrheiten der neuen Kindheit (die den Menschen
aus seinen angeborenen Irrtümern herausführen) entsprechen
den Engeln, die wie auf einer Leiter von der Erde zum Himmel
emporsteigen, die Wahrheiten aber seines Erwachsenenalters
(die Wahrheiten eines echt geistigen Lebens) denen, die vom
Himmel herabsteigen. (HG 3701)

27. März

Und des Morgens früh mögt ihr aufstehen und


eures Weges gehen. (1. Mose 19, 2)
Spricht zu ihm Jesus: Ich bin der Weg, die Wahrheit
und das Leben. (Joh. 14, 6)
Laß mich erkennen, Jehovah, deine Wege, lehr
mich deine Pfade! Laß mich eintreten in deine
Wahrheit! (Ps. 25 4, 5)

68
Wenn bei den Engeln im Wort etwas von einem Weg gele-
sen wird, machen sie sich nicht die (materielle) Vorstellung
von einem irdischen Weg, sondern ein geistige oder himmli-
sche. Sie verbinden den Begriff sogleich mit dem Wahren, und
zwar sowohl in den historischen wie in den prophetischen
Büchern des Wortes.
Die Engel kümmern sich kaum noch um Geschichtliches,
weil es ihren Vorstellungen ganz und gar nicht angemessen ist.
Sie setzen an seine Stelle Gedanken, die dem Herrn und sei-
nem Reich gewidmet sind und die auch dem inneren Sinn ent-
sprechen. (HG 2333)

28. März
Und Gott sprach: Siehe, ich gebe euch alles Kraut,
das Samen sät, auf den Angesichten der ganzen
Erde, und jeglichen Baum, an dem Frucht ist; der
Baum, der die Samen sät, sei euch zur Speise.
(1. Mose 1, 29)
„Kraut, das Samen sät“, ist alles Wahre, das auf Nutzen
abzielt. „Der Baum, an dem Frucht ist“, stellt dar, was der Herr
dem himmlischen Menschen gibt, der Same dagegen, aus dem
eine Frucht hervorgeht, was er dem geistigen Menschen gibt.
Daher heißt es, der Baum, der Samen sät, sei euch zur Speise.
Die Frucht vom Baum ist die himmlische Speise. Die gei-
stige Speise wird Kraut genannt, wie es im auf den Text folgen-
den Vers (30) heißt: „… gebe ich alles grüne Kraut zur Speise“.
(HG 57)
29. März
Und Jehovah Gott gebot über ihn dem Menschen
und sprach: Von jeglichem Baum im Garten darfst
du essen. (1. Mose 2, 16)

69
Essen von jeglichem Baum heißt, aus dem innerlichen
Begreifen erkennen und wissen, was gut und wahr ist, denn
dieses Begreifen ist der Baum. Die Menschen der ältesten
Kirche besaßen die Erkenntnisse des wahren Glaubens durch
Offenbarungen, denn sie redeten mit dem Herrn und mit den
Engeln, sowie sie auch belehrt wurden durch Gesichte und
Träume, deren sie ganz wonnevolle und paradiesische hatten.
Wenn sie etwas aus ihrem Gedächtnis hervorholten, wußten
sie sogleich, ob es wahr und gut sei, sodaß, wenn ihnen
Falsches unterkam, sie nicht nur Widerwillen, sondern auch
Schauder davor empfanden. (HG 125)

30. März

Und Abraham zog hin im Land bis an den Ort


Sichem, zum Eichenhain Morch, und der
Kanaaniter war damals in dem Land.
(1. Mose 12, 6)

Im Menschen gibt es Bereiche des Verstandes, der Vernunft


und der Kenntnisse. Das Innerste ist der Verstand, weiter
außen die Vernunft, das Äußerste sind die Kenntnisse.
Zusammengenommen und in dieser Ordnung heißen sie das
Geistige.
Der Verstand wird mit einem Garten von verschiedenen
Bäumen verglichen, die Vernunft mit einem Wald von Zedern
und ähnlichen Bäumen wie auf dem Libanon, seine
Kenntnisse aber mit den Eichenwäldern, und dies wegen ihrer
in einander verschlungenen Äste. Die Bäume an sich entspre-
chen den Wahrnehmungen des Gefühls: die Bäume des
Gartens Eden den innersten, die Bäume des Libanon den mitt-
leren, die Eichen den äußerlichen.

70
Der Eichenwald Morch bedeutet daher das erste Begreifen
des Herrn, der da noch ein Knabe war, dessen Geistiges noch
nicht in die innerste Tiefe reichte. (HG 1443)

31. März
Und Abraham pflanzte in Beerscheba einen Hain
und rief dort den Namen Jehovahs, des ewigen
Gottes an. (1. Mose 21, 33)

In der Alten Kirche wurde der heilige Dienst auf Bergen


und in Hainen verrichtet. Auf Bergen, weil die Berge Symbole
für das Himmlische, in Hainen, weil die das Geistige des
Gottesdienstes bedeuteten. Solange die Einfalt dieser Kirche
anhielt, waren ihr diese Gottesdienste heilig, weil Himm-
lisches, das der Liebe und tätigen Liebe angehört, durch die
Höhe und Erhabenheit von Bergen und Hügeln abgebildet
wurde, Geistiges aber durch Früchte und Laub von Gärten und
Hainen. Als aber diese Symbolik in Götzendienst abglitt, der-
art, daß die Äußerlichkeiten keinen inneren Bezug mehr
besaßen, wurde der Gottesdienst unheilig, und es wurde unter-
sagt, ihn auf Bergen und in Hainen abzuhalten. (HG 2722)

1. April

Auf Abhängen will ich Flüsse öffnen und Quellen in


der Täler Mitte, zum Wasserteich die Wüste
machen und dürres Land zu Ausgängen von
Wassern. Ich gebe in der Wüste die Zeder von
Schittah und die Myrrrhe und den Ölbaum und
setze in die Einöde Tanne und Kiefer und
Buchsbaum zumal. Auf daß sie sehen und wissen

71
und merken und verstehen zumal, daß Jehovahs
Hand dies tut und der Heilige in Israel es schafft.
(Jes. 41, 18-20)

Bäume stellen Züge, Empfindungen und Eigenheiten des


Menschen dar, insbesondere das Innere, das zu seinem
Gemüt gehört, und damit auch geistige Zusammenhänge der
Kirche. Diese Dinge sind sehr mannigfaltig, weshalb viele
Arten von Bäumen genannt werden, von denen jede sich in
ihrem Symbolwert von den anderen unterscheidet.
(OE 109)
So ist die Zeder das innere geistig Wahre oder der innere
Mensch(HG 7918), der Ölbaum, wie auch das Öl, das Gute der
Liebe und tätigen Liebe (HG 886) und die Myrrhe das, was
wohlgefällig ist, weil es der Liebe und dem Glauben entspringt
und deswegen das Lob Jehovahs heißt. (HG 113)

2. April
Fortsetzung
Schittimholz ist das Gute des Verdienstes, nämlich dasjeni-
ge das von der göttlich-menschlichen Kraft des Herrn ausgeht,
das christliche oder geistige Gute des Menschen, durch das er
selig wird. Schittimholz war das Holz einer vortrefflichen
Zeder, durch die das Geistige der Kirche dargestellt wird. Das
Gute des Verdienstes gehört dem Herrn allein an und ist das
einzige Gute, das im Himmel regiert und überhaupt den
Himmel ausmacht. Deshalb ist Schittimholz das einzige
Material, aus dem die Stiftshütte und ihre Teile gebaut wurden,
denn sie ist ja das Symbol für den Himmel. (HG 9472)
Der Ölbaum bedeutet auch die himmlische Kirche, also das
himmlische Gute, das Gute der Liebe zum Herrn. Deshalb

72
wurden die Cherube in der Mitte des Hauses oder Tempels aus
Ölbaumholz gemacht; ebenso die Türen zum Allerheiligsten
(1. Kön. 6, 23-33). Die Cherube, wie auch die Türen bedeute-
ten die Wache und die Vorsehung des Herrn. Das besondere
Holz des Ölbaums sollte zeigen, daß der Zugang zum Herrn
nicht anders als durch das Gute der Liebe stattfinden soll. Auch
wurden ja die Stiftshütte und ihr Altar und ebenso die Priester
und später die Könige mit Öl gesalbt. (HG 9277)

3. April
Fortsetzung
Überall, wo der Feigenbaum im Wort genannt wird, bedeu-
tet er im inneren Sinn das Gute des Natürlichen. Wenn vom
Herrn eine neue Kirche gegründet wird, erscheint zuerst dieses
Gute, das heißt, das Gute in seiner äußeren Form mit seiner
Neigung und seinen Wahrheiten. Es ist nicht das Gute, in das
der Mensch geboren wird oder das er von seinen Eltern hat,
sondern dasjenige, das geistig ist in Bezug auf seinen
Ursprung. Es wird vom Herrn mitgeteilt durch Erkenntnisse
des Guten und Wahren. Deshalb ist der Mensch, bevor er die-
ses Gute, nämlich das geistig Gute, angenommen hat, kein
Mensch der Kirche, wie sehr aus dem angeborenen Guten auch
der Anschein erwachsen mag, daß er es sei. (HG 4231)

4. April
Und der erste Engel posaunte, und es ward Hagel
und Feuer mit Blut vermischt und wurde geworfen
auf die Erde, und der dritte Teil der Bäume ver-
brannte, und alles grüne Gras verbrannte
(Offb. 8, 7)

73
„Der dritte Teil der Bäume verbrannte“ heißt, es seien die
Gefühle und Erkenntnisse des Wahren und Guten durch
Begierden, die aus bösen Liebestrieben entspringen, zu
Grunde gerichtet worden. Wenn von Wahrheiten der „dritte
Teil“ erwähnt wird, ist damit das Ganze gemeint. Die Bäume
stellen das Innere des Menschen dar, das seinem Gemüt
angehört und von den Gefühlen für Wahres und Gutes und
ihren Erkenntnissen gebildet wird. Drei bedeutet dasselbe wie
hier der dritte Teil, nämlich das Volle, das Ganze, alles; es wird
immer von den Wahrheiten ausgesagt. (OE 506)

5. April
Du ließest einen Weinstock aus Ägypten auszie-
hen, vertriebst die Völkerschaften und pflanztest
ihn. Von seinem Schatten wurden Berge bedeckt
und von seinen Reben die Zedern Gottes.
(Psalm 80, 9. 11)

Der Weinstock aus Ägypten ist die geistige Kirche, die


beim Menschen mit Kenntnissen und Erkenntnissen im
natürlichen Bereich anfängt. Der Weinstock ist die geistige
Kirche, Ägypten das Wissen des natürlichen Menschen. Daß
die Völkerschaften vertrieben wurden, heißt, das Böse sei ver-
trieben und die Kirche eingerichtet worden, und zwar aus gei-
stig Gutem (den Bergen) und geistig Wahrem (den Zedern).
Das ganze ist ein anderes Bild für die Herausführung der
Söhne Israels aus Ägypten und ihr Einzug ins Land Kanaan,
wie es im Psalm 114, 2-8 nachzulesen ist. Unter der
Einrichtung der Kirche ist auch die Wiedergeburt des
Menschen der Kirche zu verstehen. (OE 405)

74
6. April
Ihr sollt niemanden auf Erden euren Vater nennen;
denn einer ist eurer Vater, der in den Himmeln.
(Mat. 23, 9)

Jehovah oder der Herr ist eins mit der unendlichen göttli-
chen Liebe, die das Sein alles Lebens ist. Der Mensch wurde
zum Bild und nach der Ähnlichkeit Gottes geschaffen, und
zwar schon im Mutterleib. Daraus folgt, daß der Herr der
himmlische Vater aller Menschen ist und die Menschen seine
geistigen Kinder. Das ist so zu verstehen, daß er der Vater von
allem ist, was unser Leben betrifft, während der irdische Vater
diese Stelle nur einnimmt hinsichtlich der Hülle, d.h. des
Körpers. Im Himmel wird daher nur noch der Herr allein
Vater genannt. (GV 330)

7. April
Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr
finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. … Oder
welcher Mensch ist unter euch, der seinem Sohn,
wenn er ihn um Brot bittet, einen Stein gäbe? …
Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute
Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird euer Vater
in den Himmeln denen Gutes geben, die ihn darum
bitten! (Mat. 7, 7. 9. 11)

Die göttliche Liebe wirkt in allen Menschen, bösen wie


guten, und der Herr kann mit beiden nicht anders verfahren
als ein irdischer Vater mit seinen Kindern, nur in unendlich
höherem Maß, da ja seine Liebe unendlich ist. Er kann sich von
keinem Menschen zurückziehen, weil das Leben eines jeden

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von ihm abhängt. Zwar macht es den Anschein, als ziehe er
sich von den Bösen zurück, doch in Wirklichkeit entfernen
sich diese von ihm, während er sie dennoch liebevoll führt.
(GV 330)

8. April
Ein großer Adler mit großen Flügeln, langen
Schwingen, voll von Federn und gleichsam von
bunter Stickerei kam auf den Libanon und nahm
einen Zweig von einer Zeder. Das Haupt seiner
Schosse pflückte er ab und brachte es in ein Land
des Handels, in die Stadt der Gewürzkrämer brach-
te er es. Er nahm vom Samen des Landes und tat
ihn in sein Saatfeld. Er nahm den Zweig mit zu
großen Wassern, umsichtig setzte er ihn. Und er
wuchs und ward zu einem üppigen Weinstock von
niederem Wuchs, sodaß seine Reben zu ihm hinsa-
hen und seine Wurzeln unter ihm waren. So ward er
zu einem Weinstock, der Reben machte und
Zweige aussandte. Und es war ein anderer großer
Adler mit großen Flügeln und voll von Federn, und
siehe, dieser Weinstock richtete seine Wurzeln zu
ihm und streckte seine Reben aus gegen ihn, daß
er ihn bewässere aus den Beeten seiner Pflanzung,
obgleich er auf gutem Feld bei vielen Wassern
gepflanzt war, Zweige zu machen und Frucht zu
tragen, sodaß er ein Weinstock der Pracht wäre.
(Ez. 17, 1-8)

Es geht um die Einrichtung einer geistigen Kirche durch


den Herrn, und es wird deren Verlauf und die Wiedergeburt
ihrer Menschen vom Anfang bis zum Ende beschrieben. Der

76
erste Adler ist der Verlauf der Wiedergeburt des natürlichen
oder äußeren Menschen durch Kenntnisse und Erkenntnisse
aus dem Wort. Der andere Adler ist der Verlauf der
Wiedergeburt des geistigen oder inneren Menschen durch
Wahrheiten aus dem Guten. Der erste ist also die Einsicht des
natürlichen, der andere die des geistigen Menschen.
Große Flügel, lange Schwingen und voller Federn ist ein
Bild für die Menge von Kenntnissen und Erkenntnissen des
Wahren aus dem Guten, aus denen die erste Einsicht resultiert,
nämlich die Einsicht des natürlichen Menschen. Der Vergleich
mit bunter Stickerei will ebenfalls auf Wissen und
Erkenntnisse hinweisen. (Wie in 2. Mose 26: „das Werk eines
Buntwirkers“ bei der Herstellung der Decke für die Türe des
Zeltes). (OE 281)

9. April

Fortsetzung
Daß er auf den Libanon kam und den Zweig einer Zeder
nahm, bedeutet, er habe aus der Lehre der Kirche, die aus
dem Wort stammt, einige Erkenntnisse des Wahren genom-
men, wobei der Libanon diese Lehre darstellt. Daß es nur die
vornehmsten Erkenntnisse sind, wird durch „ das Haupt sei-
ner Schosse“ ausgedrückt, der Handel hingegen ist wieder
der natürliche Mensch, der einiges Wissen besitzt. Die
Gewürze stehen für Wahrheiten, die angenehm sind, weil sie
aus dem Guten stammen. Der Samen des Landes bedeutet
das Wahre der Kirche, das Saatfeld ist das Gute, aus dem es
wächst, große Wasser die Erkenntnisse des Wahren und
Guten, und umsichtig setzen heißt schließlich, es von
Falschem reinigen. Insgesamt ist das ein Bild für die
Vermehrung.

77
Daß er wuchs, heißt, die Kirche sei im Entstehen begriffen,
indem ihr die Erkenntnisse des Wahren eingeordnet und von
ihr auch angewendet wurden . Der Weinstock, der Reben mach-
te und Zweige aussandte, ist die Anfangsentwicklung der gei-
stigen Kirche und das Wachsen der Wahrheiten.
Soweit geht es um die beginnende Gestaltung der Kirche
im natürlichen oder äußeren Menschen. (OE 281)

10. April
Fortsetzung

Zum anderen Adler richtet der Weinstock seine Wurzeln


und zu ihm sandte er seine Reben. Das heißt die Kenntnisse
und Erkenntnisse streben nach geistiger Einsicht. Sie können
dann angewandt werden und wachsen zu Wahrheiten, die im
inneren oder geistigen Menschen wohnen und ohne die dieser
nicht weise werden kann.
Die Pflanzung auf gutem Feld bei großen Wassern ist ein
Symbol für das Wachstum der Einsicht. Das Feld ist nämlich
die Kirche im Hinblick auf die tätige Liebe, die Wasser sind die
Erkenntnisse des Guten und Wahren. Zweige machen heißt
Wahrheiten vermehren, Frucht tragen dagegen Gutes hervor-
bringen, das Nutzen schafft. Der Weinstock der Pracht endlich
ist die geistige Kirche, das heißt die innere und äußere.
(OE 281)

11. April
Philippus, glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und
der Vater in mir ist? Die Reden, die ich zu euch rede,
rede ich nicht von mir; der Vater aber, der in mir
bleibt, der tut die Werke. Glaubet mir, daß ich im

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Vater bin und der Vater in mir ist; wo nicht, so glau-
bet mir um der Werke willen. (Joh. 14, 10. 11)

Die Vereinigung ist darum wechselseitig, weil keinerlei


Vereinigung oder Verbindung zwischen zweien möglich ist,
wenn nicht beide einander entgegen kommen. Alle Verbin-
dung im ganzen Himmel, in der ganzen Welt und im ganzen
Menschen entsteht nicht anders als dadurch, daß eins dem
anderen entgegen kommt und beide dasselbe wollen. Auf diese
Weise kommt es zu Gleichartigkeit und Sympathie, zu
Einmütigkeit und Übereinstimmung in jedem der beiden.
Eine derartige wechselseitige Verbindung findet sich in jedem
Menschen zwischen Seele und Leib, zwischen seinem Geist
und den Sinnes- und Bewegungsorganen seines Körpers, zwi-
schen Herz und Lunge, Wille und Verstand… Wechselseitig ist
auch die Verbindung der Gemüter bei allen, die einander innig
lieben, denn dies ist aller Liebe und Freundschaft innerlich ein-
geschrieben. (WCR 99)

12. April
Selig ist der Mann, der vertraut auf Jehovah und
dessen Vertrauen Jehovah ist. Er ist wie der Baum,
gepflanzt am Wasser, der seine Wurzeln ausstreckt
nach dem Fluß und fürchtet es nicht, wenn die
Hitze kommt. Sein Blatt ist grün und hat nichts zu
sorgen in dem Jahr der Dürre und lässt nicht ab,
Frucht zu tragen. (Jer. 17, 7. 8)

Ein Mensch, der sich vom Herrn führen läßt, wird mit
einem Baum und seinem Wachstum und seiner Fruchtbarkeit
vergliche, weil durch den Baum im Wort die Erkenntnis und
Empfindung des Wahren und Guten – oder der Mensch, der
diese gewonnen hat – dargestellt wird. Der Baum, gepflanzt an

79
den Wassern, ist der Mensch, der vom Herrn Wahrheiten auf-
genommen hat. Die Wurzeln, die er nach dem Fluß streckt,
sind die Ausdehnung der Einsicht vom geistigen Menschen auf
den natürlichen. Daß er keine Angst vor der Hitze hat (oder
diese gar nicht wahrnimmt), will sagen, er werde von der
Begierde des Falschen nicht mehr erregt. Alles, was er weiß, ist
lebendig (grün) durch die Wahrheiten. Selbst wenn es einmal
an Wahrem und Gutem mangelt, wird er nicht befürchten,
dessen beraubt zu sein, denn auch dann werden Wahrheiten
und Gutes sich wieder befruchten. (OE 481)

13. April
Und am folgenden Tag, da sie von Bethanien aus-
gegangen waren, hungerte ihn. Und er sah von
weitem einen Feigenbaum, der Blätter hatte, ging
hin, ob er wohl etwas auf ihm fände. Und da er
dahin kam, fand er nichts als Blätter, denn es war
noch nicht die Jahreszeit für Feigen. Und Jesus
hob an und sprach zu ihm: Von dir wird nimmer-
mehr jemand eine Frucht essen. Und seine Jünger
hörten es. … Und da sie am Morgen vorüber
kamen, sahen sie den Feigenbaum von der Wurzel
auf verdorrt. (Mark. 11, 12-14. 20)

Natürlich hat der Herr dem Feigenbaum nichts angetan,


nur weil ihn hungerte. Hier geht es um die Kirche, insbeson-
dere die jüdische, im Hinblick auf das natürliche Gute. In die-
ser Kirche war nichts Geistiges mehr übrig, sondern nur noch
einige Wahrheiten aus dem Buchstaben des Wortes. Diese wer-
den hier dargestellt durch die Blätter. Daß bei jenem Volk gar
nichts natürlich Gutes gefunden werde, das der Kirche
angehört, weil sie sich groben Falschheiten und bösen

80
Liebestrieben verschrieben hatten, wird durch die
Prophezeihung ausgedrückt, daß niemand mehr eine Frucht
essen werde und der Feigenbaum verdorrte. „Es war noch
nicht die Jahreszeit für Feigen“ sagt aus, die neue Kirche habe
noch nicht begonnen. Unter dem Feigenbaum wird häufig der
Anfang einer neuen Kirche verstanden. (OE 386)

14. April
Der Weinstock ist verdorrt, und der Feigenbaum ist
welk, der Granatapfelbaum und auch die Palme
und der Apfelbaum, alle Bäume des Feldes sind
vertrocknet, verdorrt ist die Freude von den
Söhnen des Menschen. (Joel 1, 12)

Der Text beschreibt die Verödung des Wahren und Guten


in der Kirche, was auch alle Freude des Herzens mit
einschließt, womit die geistige Freude gemeint ist. Der
Weinstock bedeutet das geistig Gute und Wahre der Kirche, der
Feigenbaum das natürlich Gute und Wahre, der Granatapfel
schließlich das sinnlich Wahre und Gute, also den letzten
Bereich des Natürlichen. Die Palme ist dann die Freude des
Herzens auf Grund des geistig Guten und der Apfelbaum das-
selbe auf Grund des natürlich Guten. Die vertrockneten
Bäume des Feldes stellen die erstorbenen Gefühle des Guten
und Erkenntnisse des Wahren dar. Diese betreffen die Söhne
des Menschen, d. h. die Menschen, die sich durch ihre Liebe
Wahrheiten erworben haben. (OE 458)

15. April
Und mache einen Leuchter von reinem Gold; in
getriebener Arbeit werde der Leuchter gemacht.

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Sein Schaft und seine Röhre, seine Kelche, seine
Knäufe und seine Blumen sollen aus ihm sein.
(2. Mose 25, 31)

Blumen sind die Kenntnisse des Wahren, denn sie sind


Wachstumsstadien, die den Früchten und Samen vorausgehen
und diese erzeugen. Ebenso verhält es sich mit dem Menschen
im Hinblick auf Einsicht und Weisheit. Die Kenntnisse des
Wahren gehen voraus und erzeugen auf ihre Weise alles, was
zur Weisheit gehört, was der Vernunft zur Betätigung dient
und so auf den Weg zur Weisheit führt. Daher kommt es, daß
die Kenntnisse des Wahren den Blüten, das Gute des Lebens
aber, nämlich das Gute der Weisheit, den Früchten gleicht;
denn die gesamte geistige Welt bezieht sich auf den Menschen
und seine Angelegenheiten, weil der Himmel einen Menschen
darstellt und diesem in jeder Einzelheit entspricht. Deshalb hat
auch die ganze natürliche Welt gemäß ihrer Übereinstimmung
mit dem Wesen und den Bedürfnissen des Menschen eine ent-
sprechende und symbolische Bedeutung. (HG 9553)

16. April
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist und wohin
entweichen vor deinem Angesicht? Führe ich
empor zum Himmel, so bist du da, bettete ich mich
in der Hölle, siehe, du bist auch dort.
(Ps. 139, 7. 8)

Wohl zu beachten ist, daß die Wahrnehmung von


Gegensätzen etwas anderes ist als die von Verhältnissen.
Gegensätze sind nämlich außerhalb und stellen sich wider das,
was sich innerhalb befindet; denn ein Gegensatz entsteht,
sobald ein Ding ganz aufhört zu bestehen und ein anderes sich

82
erhebt mit dem Bestreben, im entgegengesetzten Sinn zu wir-
ken, etwas wie ein Rad, das gegen ein anderes Rad wirkt oder
wie ein Strom, der einem anderen zuwiderläuft. Die Verhält-
nisse dagegen ergeben sich aus der Zusammenstellung vieler
und vielgestaltiger Dinge in eine Ordnung, in der sie ein Gan-
zes bilden und miteinander übereinstimmen, etwa wie ver-
schiedenfarbige Edelsteine im Diadem einer Königin oder wie
die verschiedenfarbigen Blumen einer Girlande. In jedem der
beiden am Gegensatz beteiligten Dinge befinden sich also
bestimmte Verhältnisse, im Guten wie im Bösen, im Himmel
wie in der Hölle. Die Verhältnisse in der Hölle sind jedoch
denen des Himmels entgegengesetzt. Da nun Gott aus seiner
eigenen Ordnung heraus alle Verhältnisse im Himmel wie
auch in der Hölle erkennt, so folgt, daß er sowohl in der Hölle,
wie im Himmel, als auch im Menschen allwissend ist.
(WCR 62)

17. April
Und vor dem Thron ein gläsernes Meer ähnlich
dem Kristall… (Offb. 4, 6)

Meer ist ein Symbol für allgemeine Wahrheiten, weil durch


Wasser, Quellen und Flüsse die Wahrheiten bezeichnet werden,
aus denen Einsicht erwächst, und weil das Meer deren gemein-
sames Sammelbecken ist. Die allgemeinen Wahrheiten sind so
beschaffen wie das Wahre im Buchstabensinn des Worts, und
dieser ist natürlich. Das Natürliche aber ist das Sammelbecken
für das Geistige, und es gibt nichts Natürliches auf der Welt,
was nicht aus dem Geistigen hervorgeht; es entsteht wie die
Wirkung aus der Ursache. Es sind tausend geistige Dinge, die
nur ein natürliches erzeugen, und um dieser ausgedehnten
Beziehung willen wird das Natürliche als allgemein bezeichnet.

83
Ein identisches Verhältnis gilt auch für den Buchstabensinn
des Wortes und dessen geistigen Sinn. Die allgemeinen
Wahrheit leuchten – von den Engeln aus gesehen – aus dem
geistig Wahren hervor, weshalb für sie das Bild des gläsernen
Meeres gewählt worden ist. (OE 931)

18. April
Ich werde die Ägypter überantworten in die Hand
eines harten Herrn, und ein strenger König wird
über sie herrschen. Dann werden die Wasser aus
dem Meer versiegen, und der Fluß wird trocken
werden und austrocknen. (Jes. 19, 4.5)

Die Ägypter sind wie immer die natürlichen Kenntnisse


des Menschen. Der harte Herr ist das Böse der Selbstliebe
und der strenge König das Falsche, das diese hervorbringt.
Weil trotz allem Streben nach Kenntnissen und Wissen doch
keine Wahrheiten und keine Einsicht mehr zu finden sind,
gilt das Meer als versiegt und der Fluß als vertrocknet.
(OE 275)

19. April
Singet Jehovah ein neues Lied; denn Wunder hat
er getan. … Singt Psalmen dem Jehovah zur Harfe,
auf der Harfe und der Psalmen Stimme. Mit
Trompeten und Schall der Posaune jauchzet auf
vor dem König Jehovah! Es brause ihm das Meer
und seine Fülle, die Welt und die darin wohnen. Die
Flüsse sollen in die Hände klatschen, der Berge
aufjubeln allzumal. (Psalm 98, 1. 5-8)

84
Diese und ähnliche Stellen handeln vom Kommen des
Herrn. Die Freude darüber schwingt im allgemeinen Jubel mit:
Ströme, Meer, Feld, Wälder und ihre Bäume, Wüste, Berge usf.
Die genannten Dinge sind Symbole für Teile der Kirche:
Ströme für die Einsicht, Meer für Kenntnisse, Feld für das Gute
der Kirche, Wälder für die Wahrheiten des natürlichen
Menschen, Bäume für seine Erkenntnisse, Wüste für das
Verlangen nach dem Wahren, um damit das Gute zu erwerben,
Berge für das Gute der Liebe. Dies alles soll jubeln, jauchzen
und klatschen, wenn es aus dem Himmel stammt; denn dann
ist himmlische Freude darin, und dadurch auch im Menschen.
Der Mensch erfährt nämlich keine himmlische Freude, wenn
nicht sein Wahres und Gutes aus dem Himmel stammt.
(OE 326)

20. April
Und auf jedem hohen Berg und jedem erhabenen
Hügel sind Bäche, Wasserströme am Tag des
großen Würgens, da die Türme fallen.
(Jes. 30, 25)

Das große Würgen ist das letzte Gericht. Dann fallen die
Türme, nämlich die Bösen und Falschen, vor allem die, die es
liebten, durch die heiligen Dinge der Kirche zu herrschen.
(Damit zielt Swedenborg auf die katholische Kirche, die er als
Babylon bezeichnet. Siehe J.G. 55. 56) Den anderen, die den
Nächsten geliebt haben, wird die Fähigkeit verliehen, das
Wahre zu verstehen. Das wird ausgedrückt durch die Bäche
und Wasserströme auf den Bergen und Hügeln, wobei auf den
Bergen diejenigen stehen, die den Herrn, auf den Hügeln die
andern, die den Nächsten geliebt haben. (OE 401)

85
21. April
Erstaunet darob, ihr Himmel, und schaudert, wer-
det sehr öde, spricht Jehovah. Denn zwiefach
Böses hat mein Volk getan: Sie haben mich verlas-
sen, den Born lebendiger Wasser, um sich Gruben
auszuhauen, löcherige Gruben, die kein Wasser
halten. (Jer. 2, 12. 13)

Hier nennt sich der Herr den Quell lebendiger Wasser, was
das Wort, das göttlich Wahre und somit wieder den Herrn
selbst bedeutet. Daß „sie mich verlassen haben…“ will sagen,
sie haben sich Lehren aus eigener Einsicht ausgedacht, in
denen keine Wahrheiten enthalten sind. Das ist gemeint mit
den Gruben (Lehren), die kein Wasser halten. So beschaffen
sind Lehren, die sich nicht auf das Wort und durch dieses auf
den Herrn gründen. (OE 483)

22. April
Er kam nun in eine Stadt von Samarien, genannt
Sychar, nahe bei dem Grundstück, das Jakob sei-
nem Sohn Joseph gegeben hatte. Es war aber
daselbst Jakobs Quelle. Jesus nun, also müde von
der Reise, setzte sich an die Quelle. Da kommt ein
Weib aus Samaria, Wasser zu schöpfen. … Jesus
sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt,
wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser
trinkt, das ich ihm geben werde, wird nicht dürsten
in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm
geben werde, wird in ihm ein Quelle Wassers wer-
den, das ins ewige Leben quillt.
(Joh. 4, 5-7. 13.14)

86
Unter den Samaritern sind die Heiden zu verstehen, die
alles göttlich Wahre vom Herrn aufnehmen wollen. Das
Samaritische Weib stellt die Kirche dar, die aus diesen Heiden
gegründet wird. Der Vorgang spielt sich an der Quelle Jakobs
ab, weil diese das Wort symbolisiert. Das Wasser, das der Herr
gibt, ist natürlich kein Wasser, sondern eben das göttliche
Wahre. (OE 483)

23. April
Und der dritte Engel blies, und es fiel vom Himmel
ein großer Stern, der wie eine Fackel brannte und
fiel auf den dritten Teil der Flüsse und auf die
Wasserquellen. Und der Name des Sterns heißt
Wermut, und der dritte Teil der Wasser ward
Wermut, und viele Menschen starben von den
Wassern, weil sie bitter geworden waren.
(Offb. 8, 10. 11)

Sterne sind das Wahre und Gute aus den Erkenntnissen aus
dem Wort. Wenn sie brennen, heißt das, sie seien aus der Liebe
zu sich selbst verfälscht worden. Die Eigenliebe wird durch
Feuer dargestellt. Eine Fackel ist das Wahre des Wortes, der
Lehre und des Glaubens. Wer immer in Liebe zu sich selbst
befangen ist, verfälscht die Wahrheiten des Wortes, während er
sich mit ihnen beschäftigt.
Dadurch wird das Verständnis des Wahren und damit die
Lehre der Kirche zu Grunde gerichtet, was durch das Fallen
vom Himmel ausgedrückt wird. Der dritte Teil bedeutet hier
wieder das Ganze, und zwar der Flüsse, womit das Verständnis
des Wahren gemeint ist, und der Wasserquellen, die für das
Wort und die Lehre daraus stehen. (OE 517, 518)

87
24. April

Fortsetzung
Der Name Wermut sagt aus, das Wahre sei mit Falschem
des Bösen vermischt. Denn der Name gibt ja Auskunft über die
Beschaffenheit seines Trägers. Die besagte Bedeutung beruht
auf der Bitterkeit, die zwar von der Süße herstammt, jedoch
mit ihrem Gegenteil vermischt ist. Der Geschmack ist Symbol
des Strebens nach Wissen und Weisheit. Schmackhaft sind also
die Annehmlichkeiten der Weisheit, Leckerbissen sind das
Wahre das dieser angehört.
Der dritte Teil ward Wermut, bedeutet, es sei alles Wahre
im Verstand und in der Lehre bitter geworden, weil es mit
Falschem vermischt wurde. Dies geschieht aber, wenn böses
Leben, nämlich Ehebruch, Hurerei, Mord, Haß aller Art,
Feindschaft, Ungerechtigkeit um des Gewinns willen, heimli-
cher und öffentlicher Diebstahl und Raub, List und Betrug
durch den Buchstabensinn des Wortes begründet wird. Das
Gleiche geschieht mit der Religion von Menschen, die sich
selbst lieben und daher in der eigenen Einsicht schwelgen. …
Die Wahrheiten des Buchstabensinns im Wort müssen, wenn
sie Wahrheiten bleiben sollen, zur Begründung eines guten
Lebens und wahrer Grundsätze der Religion angewandt wer-
den. (OE 519, 520)

25. April

Fortsetzung
„Viele“ heißt im Wort: alle so Gearteten. Sterben, auf das
geistige Leben bezogen, bedeutet zu Grunde gehen, verdammt
werden. Alles geistige Leben, das im Wort einfach „Leben“
genannt wird, wie auch das ewige Leben, wird dem Menschen
durch das Wahre zu Teil. Geistiger Tod, also die Verdammnis

88
ereilt den Menschen durch das Falsche des Bösen, hauptsäch-
lich durch dasjenige, in das der Mensch die Wahrheiten des
Wortes verdreht. (OE 521)
So heißt es:

Wehe denen, die vom Bösen sagen, es sei gut, und


vom Guten, es sei böse, die Finsternis zum Licht
machen und Licht zur Finsternis, die bitter zu süß
und süß zu bitter machen. Wehe den Helden zum
Weintrinken und den Männern der Stärke zum
Mischen des berauschenden Getränks.
(Jes. 5, 20. 22)

26. April
Und siehe, ich bringe die Flut von Wassern über die
Erde, zu verderben alles Fleisch unter den
Himmeln, in dem der Geist des Lebens ist. Alles,
was auf Erden ist, soll verscheiden.
(1. Mose 6, 17)

Die Flut stellt die Überschwemmung durch Böses und


Falsches dar. Hier geht es um die Nachkommenschaft der älte-
sten Kirche, die von schnöden Begierden besessen war, denen
sie die Lehren des Glaubens opferte, woraus eigene
Formulierungen auf falscher Grundlage resultierten, die alles
Wahre und Gute austilgten und zugleich den Weg für die
Überreste verschlossen, sodaß diese nicht mehr wirken konn-
ten. Damit verdarb diese Nachkommenschaft sich selbst. Wenn
der Weg für die Überreste verschlossen ist, kann der Mensch
nicht Mensch bleiben, weil er dem Schutz der Engel entzogen
ist und statt dessen von bösen Geistern besessen wird, die
nichts anderes suchen und begehren, als dem Menschen den
Garaus zu machen. (HG 660)

89
27. April
Jesus sprach: Wer zu mir kommt und höret meine
Worte und tut sie, von dem will ich euch zeigen,
wem er ähnlich ist; Er ist ähnlich einem Menschen,
der ein Haus baute, der ausgrub und tief ging und
legte den Grund auf den Felsen. Da aber eine Über-
schwemmung ward und der Strom sich an selbi-
gem Hause brach, vermochte er es nicht zu
erschüttern; denn es war auf den Felsen gegründet.
(Luk. 6, 47. 48)

Der Herr selbst nennt hier die Versuchungen eine Über-


schwemmung, denn auch hier sind es böse Geister, die mit
Einflüsterungen und falschen Grundsätzen Einfluß auf den
Menschen nehmen und ähnliches in ihm anregen. Versu-
chungen sind das aber nur beim Menschen, der in Wieder-
geburt begriffen ist. Beim anderen sind es Verödungen.
(HG 705)
Damit wird auch deutlich, daß ein Leben der Frömmigkeit
nur soweit Wert hat und dem Herrn wohlgefällig ist, wie es mit
deinem Leben tätiger Liebe verbunden ist; dieses nämlich ist
das Erste, und nach seiner Beschaffenheit richtet sich auch die
des Frömmigkeitslebens. Äußere Heiligkeit hat nur Wert und
ist dem Herrn wohlgefällig, wenn sie innerer Heiligkeit ent-
springt. (NJ 128)

28. April

Und Noach war ein Sohn von sechshundert


Jahren, und die Flut der Wasser entstand auf der
Erde. (1. Mose 7, 6)

90
Die Flut wird speziell eine Flut von Wasser genannt, weil
die Versuchung im Bereich des Verstandes angesprochen wird,
der Anfang der Versuchungen, der noch leicht ist. Wasser gilt
immer als Symbol für die geistigen Belange des Menschen, für
den Glauben und die Art und Weise, wie dieser verstanden
wird. Und natürlich gilt es auch für alles, was diesem entge-
gengesetzt ist. (HG 739)

Und es war die Flut vierzig Tage auf der Erde …


(1. Mose 7, 17. 18)
Hier fehlt der Begriff Wasser. Es ist eine Überschwemmung,
die nichts mit Versuchungen zu tun hat. (Verödungen s. o.)
(HG 787)
29. April
An selbigem Tag werdet ihr erkennen, daß ich in
meinem Vater bin und ihr in mir, und ich in euch.
Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der
mich liebt, und wer mich liebt, der wird von mei-
nem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben
und mich ihm offenbaren. … Jesus antwortete ihm
(Judas, nicht Ischariot): Wenn jemand mich liebt,
wird er mein Wort halten; und mein Vater wird ihn
lieben, und wir werden zu ihm kommen und
Wohnung bei ihm machen. (Joh. 14, 20. 21. 23)

Diese Menschen sind es, die beim Lesen des Wortes er-
leuchtet werden, und für die es infolgedessen klar und durch-
sichtig ist, weil es nämlich in allen Einzelheiten einen geistigen
und einen himmlischen Sinn enthält, die beide im Licht des
Himmels leuchten. Durch sie und durch ihr Licht nimmt der
Herr Einfluß in den natürlichen Sinn des Wortes und in dessen
Licht im Menschen, der nun das Wahre aus tieferem

91
Verständnis anerkennt und es danach in Gedanken sieht.
(WCR 231)

30. April
Du sollst den Namen Jehovahs, deines Gottes,
nicht ins Eitle führen; denn Jehovah wird den nicht
ungestraft lassen, der seinen Namen ins Eitle führt.
(2. Mose 20, 7)

Im natürlichen und geistigen Sinn beziehen sich diese


Worte auf den Namen selbst und auf den Mißbrauch, der
damit getrieben wird … Es heißt aber nicht Mißbrauch trei-
ben, wenn aus Anlaß von Krönungen, Einweihungen ins
Priesteramt oder Amtseinsetzungen bei Gott und seiner
Heiligkeit, beim Wort oder Evangelium geschworen wird. …
Der göttliche Name ist das Heiligste des Heiligen und ist des-
halb im Kultus der Kirche ständig zu gebrauchen, z.B. bei
Gebeten, Liedern, geistlichen Vorträgen und in den geistlichen
Schriften. Gott ist nämlich in allem gegenwärtig, was zur
Religion gehört, und wenn er in der rechten Art angerufen
wird, ist er durch seinen Namen gegenwärtig und hört auch
wirklich. (WCR 297)

1. Mai
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
ist groß mein Name unter den Völkerschaften, und
an jedem Ort wird meinem Namen Räucherwerk
und reines Speisopfer dargebracht … ihr aber ent-
weihet meinen Namen, wenn ihr sprecht: der Tisch
Jehovahs, der ist befleckt … und ihr verhöhnt mei-
nen Namen, wenn ihr Geraubtes, Lahmes und
Krankes herbeibringt. (Mal. 1, 11-13)

92
Der Name Gottes umfaßt im geistigen Sinn alles, was die
Kirche aus dem Wort lehrt und wodurch der Herr angerufen
und angebetet wird. Mißbrauch besteht darin, irgendetwas
davon bei leerem Geschwätz falschen Behauptungen, Lügen,
Verwünschungen, Zaubereien und Beschwörungen einzuset-
zen. Unter dem Namen Gottes wird die göttliche Kraft ver-
standen, die von ihm ausgeht und durch die er zugleich verehrt
wird. Der Name Christi hingegen bedeutet alles, was zur
Erlösung und zu seiner Lehre, also zur Rettung des
Menschengeschlechts gehört. Im einzelnen bezieht sich der
Name Jesus auf die Rettung durch die Erlösung, der Name
Christus aber auf die Rettung durch seine Lehre.
(WCR 298)

2. Mai
Johannes findet am ersten seinen eigenen Bruder
Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias
(das ist verdolmetscht: der Christus) gefunden.
(Joh. 1, 42)

Der Herr wird darum Christus genannt, weil er der Messias


war, dessen Kommen im Wort des alten Testaments vorherge-
sagt worden war, denn der Gesalbte heißt Christus in der grie-
chischen Sprache und Messias in der hebräischen, und der
Gesalbte ist der König; dies ist der Grund, weshalb der Herr
der König Israels und der König der Juden genannt wurde, was
er auch vor Pilatus bekannte; und daher wurde auf das Kreuz
geschrieben: der Juden König. (OE 684)

3. Mai
Höre Israel, Jehovah, unser Gott ist ein Jehovah.
Und du sollst lieben Jehovah, deinen Gott, von dei-

93
nem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele.
(5. Mose 6, 4. 5)
Höre Israel, der Herr unser Gott, ist ein Herr. Und
du sollst lieben den Herrn, deinen Gott, von dei-
nem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele.
(Mark. 12, 29)

Unter dem Herrn als Erlöser verstehen wir Jehovah in sei-


nem menschlichen Wesen. Jehovah ist selbst herabgekom-
men, hat Menschennatur angenommen und die Erlösung
vollbracht. Er wird aber Herr genannt, weil der Jehovah des
Alten Testaments im Neuen Testament stets der Herr heißt. Er
hat auch seinen Jüngern geboten, ihn Herr zu nennen, und so
wurde er von den Aposteln in ihren Briefen genannt und
ebenso geschah es später in der Apostolischen Kirche. Der
Grund: die Juden wagten den Namen Jehovahs seiner
Heiligkeit wegen nicht zu nennen, und unter diesem Namen
wurde das göttliche Sein von Ewigkeit her verstanden. Das in
der Zeit angenommene menschliche Wesen war aber nicht
dieses Sein. Der „Herr“ ist somit Jehovah in seiner
Menschennatur. (WCR 81)

4. Mai
Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in
Galiläa; und die Mutter Jesu war daselbst. Aber
auch Jesus und seine Jünger waren auf die
Hochzeit geladen. Und da es an Wein mangelte,
spricht die Mutter Jesu zu ihm; sie haben keinen
Wein. Spricht zu ihr Jesus: Weib was ist mein und
dein? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
(Joh. 2, 1-4)

94
Man glaubt, der Herr sei hinsichtlich seiner Menschen-
natur der Sohn der Maria gewesen, ja sei es noch. Allein die
Christenheit befindet sich hier in einem folgenschweren
Irrtum. Wohl ist er der Sohn Mariens gewesen, aber es nicht
wahr, daß er es noch immer ist. Durch die Erlösungstaten hat
er vielmehr die von der Mutter stammende Menschennatur
abgelegt und das menschliche Wesen vom Vater (von Gott)
übernommen. Daher ist das menschliche Wesen des Herrn
göttlich. In ihm ist Gott Mensch und der Mensch Gott.
(WCR 102)

5. Mai
Gott weiß, daß welches Tages ihr davon (nämlich
von der Frucht des Baumes) essen werdet, eure
Augen sich auftun, und ihr sein werdet wie Gott,
wissend Gutes und Böses. (1. Mose 3,5)

Essen vom Baum des Lebens bedeutet Aufnahme des ewi-


gen Lebens, das Essen vom Baum der Erkenntnis des Guten
und Bösen die Aufnahme der Verdammnis. Die Schlange ist
der Teufel in Bezug auf die Selbstliebe und den Dünkel eigener
Einsicht. Die Selbstliebe ist gleichsam der Besitzer des Baumes,
und Menschen, die den Dünkel der Selbstliebe nähren, stellen
solche Bäume dar. Wer glaubt, Adam sei weise gewesen und
habe das Gute aus sich selbst getan, und das Wesen seiner
Unschuld habe eben darin bestanden, irrt sich gewaltig. Adam
wurde ja gerade wegen dieses Glaubens verflucht. … Der Herr
allein war während seines Erdenlebens weise aus sich selbst
und vollbrachte ebenso auch das Gute aus eigener Kraft,
wohnte doch die Gotteskraft von Geburt an in ihm und war
sein eigen. (WCR 48)

95
6. Mai
Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies
an die Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel
und das Geschlecht Davids, der glänzende
Morgenstern. Und der Geist und die Braut sagen:
Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und
wen dürstet, der komme, und wer es will, der
nehme das Wasser des Lebens umsonst!
(Offb. 22, 16. 17)

Der Herr ist in jedem Menschen gegenwärtig, dringt und


besteht drauf, aufgenommen zu werden. Nimmt ihn der
Mensch auf – und dies geschieht, wenn er ihn als seinen
Gott, d.h. Schöpfer, Erlöser und Heiland anerkennt – so ist
es seine erste Ankunft in dem Betreffenden, die auch als
Morgendämmerung bezeichnet wird. Von dieser Zeit an be-
ginnt der Mensch seinem Verstand nach in geistigen Dingen
erleuchtet zu werden und in immer tiefere Weisheit zu gelan-
gen. So aber, wie er diese Weisheit vom Herrn empfängt,
schreitet er gleichsam durch den Morgen in den Tag hinein,
der bei ihm andauert bis ins Greisenalter, ja bis zum Tod,
und danach gelangt er in den Himmel zum Herrn selbst.
(WCR 766)

7. Mai
Er war das wahrhaftige Licht, das jeden Menschen
erleuchtet, der in die Welt kommt. (Joh. 1, 9)

Der Herr ist in jedem Menschen, dem bösen sowohl wie


dem guten, beständig gegenwärtig; denn ohne seine
Gegenwart lebte kein Mensch. Seine Ankunft hingegen findet

96
nur in denen statt, die ihn aufnehmen, d.h. die an ihn glauben
und seine Gebote halten. Die beständige Gegenwart des Herrn
bewirkt, daß der Mensch vernünftig wird und die Möglichkeit
hat, geistig zu werden. Es ist das Licht, das vom Herrn als der
Sonne in der geistigen Welt ausgeht und das der Mensch mit
dem Verstand aufnimmt, wodurch dies bewirkt wird, und die-
ses Licht ist die Wahrheit, durch die er Vernunft besitzt.
(WCR 774)

8. Mai
Jesus sprach: Ich bin das Licht der Welt, wer mir
nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln,
sondern das Licht des Lebens haben.
(Joh. 8, 12)

Das Licht stammte von Ewigkeit her vom Herrn allein,


denn das göttlich Gute und das göttlich Wahre, aus dem das
Licht besteht, ist der Herr. … Dieses Licht konnte die
Menschheit nicht mehr anregen, weil sie sich vom Guten und
Wahren, das heißt, eben vom Licht weit entfernt und in die
Finsternis gestürzt hatte. Deshalb beschloß der Herr, selbst
durch die Geburt Menschennatur anzunehmen, um so nicht
nur die Vernunft des Menschen, sondern auch seine Natur zu
erleuchten. (HG 3195)
Das Licht in den Himmeln ist geistig, und es ist das göttli-
che Wahre, wie man auch daraus schließen kann, daß der
Mensch ebenfalls ein geistiges Licht und daraus Erleuchtung
hat, soweit er sich in der Einsicht und Weisheit aus dem göttli-
chen Waren befindet. Das geistige Licht des Menschen besteht
im Licht seines Verstandes, und dessen Objekte sind
Wahrheiten, die er in diesem Licht zergliedert und ordnet.
(HH 130)

97
9. Mai
Wenn ihr in mir bleibt und meine Reden in euch
bleiben, so sollt ihr bitten, was ihr wollt, und es wird
euch geschehen. (Joh. 15, 7)

Der Glaube ist seinem Wesen nach Wahrheit, und zwar


Wahrheit in ihrem Licht, weshalb er auch so erworben werden
kann wie die Wahrheit. … Alle Wahrheit, die sich im Wort fin-
det oder aus diesem hervorgeht, hat die Eigenschaft zu leuch-
ten, und die Wahrheit im Licht ist der Glaube. Der Herr, der
das Licht selbst ist, fließt in jeden Menschen ein, und in denen,
welche die Wahrheiten aus dem Wort in sich tragen, bringt er
diese zum Leuchten und macht sie zu Bestandteilen des
Glaubens. (WCR 349)

10. Mai
Da antwortete ihm das Gedränge: Wir haben aus
dem Gesetz gehört, daß Christus in Ewigkeit
bleibt. Und wie sagst du, daß der Menschensohn
erhöht werden muß? Wer ist dieser
Menschensohn? Jesus sprach nun zu ihnen: Noch
eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, so
lange ihr das Licht habt, daß euch die Finsternis
nicht überfalle. Und wer in der Finsternis wandelt,
der weiß nicht, wohin er geht. So lange ihr das
Licht habt, glaubt an das Licht, auf daß ihr Söhne
des Lichts werdet. (Joh. 12, 34-36)

Der Menschensohn ist der Herr in Bezug auf sein göttli-


ches Menschentum und auch in Bezug auf das göttlich Wahre,
das von seinem menschlichen Wesen ausgeht. Er ist auch das-

98
selbe, was unter Licht zu verstehen ist, denn der Herr sagt ja, er
sei das Licht, an das sie glauben sollten. … Wandeln heißt im
geistigen Sinn „leben“. Wird es vom Herrn ausgesagt, bedeutet
es das Leben selbst; denn der Herr ist das Leben, und alle ande-
ren empfangen es von ihm. (OE 63, 97)

11. Mai

Und ein Reis geht aus Jischais Stamm hervor, und


ein Schößling aus seinen Wurzeln. Und auf ihm
ruht der Geist Jehovahs, der Geist der Weisheit und
der Einsicht, der Geist des Rates und der Macht,
der Geist der Kenntnis und der Furcht Jehovahs.
(Jes. 11, 1. 2)
Eigentlich ist der Heilige Geist das göttlich Wahre, also
auch das göttliche Wort. In diesem Sinn ist der Herr selbst
auch der Heilige Geist. Heutzutage (und das gilt immer noch)
wird durch den Heiligen Geist der göttliche Einfluß beschrie-
ben, der die wirkliche Rechtfertigung darstellt. Der göttliche
Einfluß geht nämlich durch das göttliche Wahre, das aus dem
Herrn hervorgeht. Was hervorgeht ist aber immer ein und des-
selben Wesens mit dem, aus dem es hervorgeht, ebenso wie
Seele, Geist und was sie bewirken. Beim Menschen sind diese
rein menschlich, beim Herrn aber zugleich göttlich und
menschlich. … So sind diese drei Elemente, die Vater, Sohn
und Heiliger Geist genannt werden, im Herrn eine Einheit.
(WCR 139)

12. Mai
Wenn aber der Beistand kommen wird, den ich
euch vom Vater senden werde – der Geist der

99
Wahrheit, der vom Vater ausgeht – der wird zeugen
von mir. (Joh. 15, 26)

Unter dem Wirken ist das gleiche zu verstehen wie unter


dem Senden des Heiligen Geistes, weil die Wirkungen – die
Umbildung, Wiedergeburt, Erneuerung, Heiligung, Reinigung
vom Bösen …, die heute dem Heiligen Geist als einem Gott für
sich zugeschrieben werden – Wirkungen des Herrn sind. Sie
gehen aus dem Herrn unter dem Einfluß des Vaters hervor.
Gott Vater wirkt im Sohn und auf den Sohn, nicht aber durch
den Sohn. Der Sohn wirkt aus sich, unter dem Einfluß des
Vaters.
(Es ist dies das Urbild des menschlichen Lebens. Der
Mensch wirkt wie aus sich, aber nur mit dem Leben und den
Kräften, die ihm der Herr schenkt.) (WCR 153)

13. Mai
Und dem Engel der Gemeinde in Thyatira schrei-
be: Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie
eine Feuerflamme, und Füße ähnlich dem Glüherz.
Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deine
Dienstleistung und deinen Glauben und deine
Geduld und deine Werke und daß der letzten mehr
sind als der ersten. (Offb. 2, 18. 19)

Ich kenne deine Werke und deine Liebe bedeutet das


Innere der Angehörigen der Kirche. Werke entstammen dem
Willen oder der himmlischen Liebe. Mit „deine Liebe“ ist hier
die tätige Liebe gemeint, die der geistigen Liebe angehört. Es
gibt diese zwei Liebesarten: die Liebe zum Herrn, die himmli-
sche Liebe, und die tätige Liebe, die Liebe zum Nächsten, die
geistige Liebe. Sie werden so genannt, weil der Himmel in zwei

100
Reiche geteilt ist, das himmlische Reich und das geistige Reich,
in denen die beiden Liebesarten jeweils herrschen.
(OE 154)

14. Mai
Du sollst deinen Gott lieben von deinem ganzen
Herzen und von deiner ganzen Seele. Dies ist das
erste und größte Gebot. Das zweite aber ist ihm
gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze
Gesetz und die Propheten. (Mat. 22, 37-40)

Das göttliche Wesen des Herrn im Himmel ist Liebe, weil


die Liebe alles aufnimmt, was zum Himmel gehört, wie Friede,
Einsicht, Weisheit und Seligkeit. Denn die Liebe nimmt samt
und sonders in sich auf, was mit ihr übereinstimmt; sie sehnt
sich danach, sucht es und zieht es wie von selbst zu sich heran;
denn immer trachtet sie danach, auf diese Weise bereichert
und vervollkommnet zu werden. … Die Liebe zum Herrn und
die Liebe zum Nächsten umfassen alle göttlichen Wahrheiten.
Das Gesetz und die Propheten sind aber das ganze Wort, damit
alles göttliche Wahre. (HH 18. 19)

15. Mai
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei
Gott, und Gott war das Wort. Alles ist durch das-
selbe geworden, und ohne dasselbe ist nichts
geworden, was geworden ist. In ihm war Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter
uns. (Joh. 1, 1-3. 14)

101
Unter dem Wort wird hier offensichtlich der Herr verstan-
den, heißt es doch, das Wort sei Fleisch geworden. Was aber im
Besonderen unter dem Wort verstanden wird, ist noch unbe-
kannt und soll darum gesagt werden: Das Wort ist hier das
göttliche Wahre, das im Herrn und vom Herrn ist. Deshalb
heißt es auch das Licht,und dieses das göttliche Wahre, und
durch dieses ist alles gemacht und erschaffen worden.
(HH. 137)

16. Mai
Fortsetzung
Alle Macht des Himmels gehört dem göttlichen Wahren,
ohne dieses gibt es überhaupt keine Macht. Die Engel nehmen
es auf und besitzen dadurch Macht. Sie alle werden daher auch
Mächte genannt, weil sie soweit Macht haben, wie sie seine
Empfänger sind. Durch das göttliche Wahre haben sie Macht
über die Höllen und über alle, sie sich ihnen widersetzen.
(HH 137)

17. Mai
Und nach sechs Tagen nimmt Jesus zu sich Petrus
und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und
bringt sie hinauf auf einen hohen Berg besonders.
Und er ward verwandelt vor ihnen, und sein
Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine
Kleider wurden weiß wie das Licht.
(Mat. 17, 1. 2)

Das Licht ist das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre.


Deshalb bedeuten die hier genannten Kleider die Wahrheiten

102
und die daraus bewirkte Einsicht. Auch die Engel im Himmel
sind bekleidet, und so erschienen sie auch, wenn sie in der Welt
gesehen wurden, z. B. von den Propheten oder von denen, die
sie am Grab des Herrn erblickten. „Ihr Anblick war wie der
Blitz…“ (HH 180)
Ich bin unterrichtet worden, daß der Herr damals das Wort
vorgestellt habe; durch das Angesicht, das wie die Sonne glänz-
te, sein göttlich Gutes, durch die Kleider, die wie das Licht
geworden seien, sein göttlich Wahres. (LHS 48)

18. Mai

Wehe, wehe die große Stadt, die gkeleidet ist mit


Byssus und Purpur und Scharlach, überzogen mit
Gold und Edelstein und Perlen. (Offb. 18, 16)

Das einzelne bedeutet hier, wie leicht einzusehen ist, etwas


himmlisch Göttliches. Byssusgewänder stellen die Gerechtigkeit
der Heiligen dar, weil alle diejenigen, die sich dem Wahren aus
der göttlichen Kraft verschrieben haben, die Gerechtigkeit des
Herrn anziehen, denn ihre Kleider sind hell und glänzend im
Licht, das vom Herrn ausgeht. Das Wahre wird im Himmel des-
halb durch Helligkeit dargestellt. Daher erscheinen diejenigen,
die aus dem Zustand der Verwüstung in den Himmel erhoben
werden, weiß gekleidet; denn sie legen jetzt ab, was der eigenen
Gerechtigkeit dient und nehmen an, was der Gerechtigkeit des
Herrn angehört. Damit das Wahre der göttlichen Kraft in der
jüdischen Kirche ein Symbol fand, wurde befohlen, daß
Baumwollstoff oder Byssus in den Kleidern Aharons verwendet
werden mußte wie auch in den Vorhängen, die um die
Bundeslade gehängt wurden. (HG 5319)

103
19. Mai
Ich kleidete dich in Stickerei, beschuhte dich mit
Dachsfell, umband dich mit Byssus und bedeckte
dich mit Seide. (Ez. 16, 10)

Das himmlisch Gute ist es, das nicht bekleidet wird, weil es
das innerste und unschuldig ist; hingegen das geistig himm-
lisch Gute wird zuerst bekleidet, dann das natürlich Gute, denn
es ist mehr äußerlich und wird mit den Kleidern verglichen,
wie in der angeführten Stelle, wo es um die Alte Kirche geht.
Das äußerlich Gute also, das geistig und natürlich himmlisch
ist, heißt Kleid, weshalb auch diejenigen, die mit Gutem der
tätigen Liebe beschenkt sind, im Himmel mit glänzenden
Kleidern angetan erscheinen. (HG 297)

20. Mai
Und Gott sprach: Es lasse das Wasser hervorwim-
meln das Kriechtier, eine lebendige Seele und das
Geflügel fliege über der Erde, über die Angesichte
der Ausbreitung der Himmel. (1. Mose 1, 20)

Wenn die großen Lichter angezündet und in den inneren


Menschen gesetzt sind und der äußere von da Licht empfängt,
dann erst fängt er an zu leben; vorher kann man kaum sagen,
er habe gelebt, denn er meinte, das Gute habe er aus sich getan
und das Wahre aus sich gesprochen.
Das Kriechtier aus dem Wasser bedeutet Kenntnisse, die im
äußeren Menschen angesiedelt sind. Vögel jedoch sind Dinge
der allgemeinen Vernunft und des Verstandes, wovon die letz-
teren dem inneren Menschen angehören.
Alles Eigene des Menschen hat kein Leben in sich und zeigt
sich in der Darstellung hart, knöchern, schwarz. Was aber

104
Leben vom Herrn besitzt, in dem ist Geistiges und
Himmlisches, und es erscheint als menschlich lebendig. Es ist
eine „lebendige Seele“ und hat eine leibliche Gestalt, hier das
Kriechtier. (HG 41)

21. Mai
Und Jehovah Gott bildete aus dem Boden alles
Tier des Feldes und allen Vogel der Himmel und
brachte sie zum Menschen, zu sehen, wie er sie
nenne. Und alles, was sie der Mensch nannte, die
lebende Seele, das war sein Name. Und es nannte
der Mensch Namen allem Tier und dem Vogel der
Himmel und allem Wild des Feldes; aber für den
Menschen, der wie bei ihm wäre, fand er keine
Hilfe. (1. Mose 2, 19. 20)

Durch die Tiere werden himmlische Triebe oder


Angelegenheiten des Willens, durch die Vögel der Himmel gei-
stige Triebe oder Dinge des Verstandes dargestellt. Sie mit
Namen nennen bedeutet, ihm zu wissen geben, wie sie
beschaffen sind. … Die Alten gaben ihren Söhnen und
Töchtern Namen nach Maßgabe dessen, was sie darstellten,
denn jeder Name hatte etwas Besonderes, aus dem man den
Ursprung und die Beschaffenheit erkennen konnte.
Daß er „Namen nannte“ will schließlich sagen, er habe ihre
Beschaffenheit erkannt. (HG 142-44)

22. Mai

Vom Vogel nach seiner Art und vom Vieh nach sei-
ner Art, von allem Kriechtier des Bodens nach sei-

105
ner Art sollen Paare zu dir hereinkommen, auf daß
sie am Leben bleiben. (1. Mose 6, 20)

Daß es bei jeder Gattung heißt „nach seiner Art“, rührt


daher, daß es in jedem Menschen von den Inhalten des
Verstandes wie des Willens unzählige Arten gibt und noch viel
mehr Unterarten, die unter sich sehr verschieden sind, obwohl
der Mensch das nicht weiß. Allein in der Wiedergeburt des
Menschen nimmt der Herr alles und jedes in seiner Ordnung
hervor, scheidet und ordnet es, daß es zu Wahrem und Gutem
gewendet und mit diesem verbunden werden kann, und dies
passend zu den Zuständen, von denen es ebenso unzählige
gibt. Dies alles kann jedoch auch in Ewigkeit nie vollendet wer-
den, weil jede Art, Unterart und jeder Zustand Unzähliges
umfaßt, sowohl in den Einzelheiten als auch in den
Zusammenhängen. (HG 675)

23. Mai
Sie und alles Wild nach seiner Art und alles Tier
nach seiner Art und alles Gewürm, das auf der
Erde kriecht, nach seiner Art und aller Vogel nach
seiner Art, alles Geflügelte und alles Befiederte.
Und sie gingen zu Noach in den Kasten, je zwei
und zwei von allem Fleisch, in dem der Geist des
Lebens war. (1. Mose 7, 14. 15)

Daß „Wild“ alles geistig Gute darstellt, kann aus der


Sachfolge abgeleitet werden: Zuerst werden „sie“ genannt, d.h.
der Mensch der Kirche, danach das „Wild“, etwas Würdigeres
und Edleres als einfach „Tier“, denn es stellt in der hebräischen

106
Sprache ein Wesen dar, in dem eine lebende Seele wohnt. Es ist
also auch hier kein wildes Tier gemeint. Da es nun von den
genannten Dingen so viele Gattungen und Arten gibt, nämlich
vom geistig Guten, vom natürlich Guten, vom Sinnlichen und
vom Körperlichen, deshalb steht auch hier bei jedem „von sei-
ner Art“.
Der Vogel bedeutet das geistig Wahre, Geflügel das natür-
lich Wahre und Befiedertes das sinnlich Wahre.
(HG 775, 776)

24. Mai
Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die
euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und
betet für die, die euch beleidigen und verfolgen, auf
daß ihr Söhne werdet eures Vaters in den Himmeln;
denn er läßt seine Sonne aufgehen über Schlechte
und Gute und läßt regnen über Gerechte und
Ungerechte. (Mat. 5, 44. 45)

Zweierlei bildet das Wesen Gottes: Liebe und Weisheit.


Zum Wesen seiner Liebe aber gehört dreierlei: andere Wesen
außer sich lieben, eins mit ihnen sein und sie aus sich
beglücken zu wollen. Das erste dieser Elemente, andere Wesen
außer sich zu lieben, wird erkennbar an der Liebe Gottes zur
ganzen Menschheit, um deretwillen Gott alle Dinge liebt, die er
erschaffen hat; denn alle diese Dinge sind Mittel, und wer den
Zweck liebt, liebt auch die Mittel. Gottes Liebe erstreckt sich
auch nicht nur auf die Guten und das Gute, sondern ebenso
auch auf die Bösen und das Böse, also nicht nur auf Michael
und Gabriel, sondern auch auf den Teufel und Satan.
(WCR 43)

107
25. Mai
Bin ich doch Jehovah, dein Gott vom Land Ägyp-
ten her, und einen Gott außer mir kennest du nicht;
und ohne mich ist kein Heiland. (Hos. 13, 4)

Die Erlösung bestand darin, daß die Höllen unterworfen,


die Himmel neu geordnet und danach die Kirche gegründet
wurde. Dies konnte Gott aus seiner Allmacht nicht anders als
durch Menschennatur bewirken, ähnlich wie niemand eine
Handarbeit verrichten kann, wenn er nicht einen Arm hat.
Gott, der in seinem Innersten und damit in vollkommener
Reinheit ist, konnte auf keine andere Weise bis zu jenem
Äußersten hindurch dringen, das die Höllen charakterisiert
und das auch das Leben der Menschen jener Zeit formte. Es
wäre herausgekommen wie bei einem Fischer, der seine Netze
in die Luft statt ins Wasser wirft. Denn Jehovah in seiner
eigentlichen Gestalt kann aus seiner Allmacht weder mit einem
Teufel der Hölle noch mit einem von der Erde in Berührung
kommen, wenn er nicht genauso im Letzten wie im Ersten ist.
Das Letzte aber ist für ihn seine menschliche Natur. Daher
wird er im Wort auch der erste und letzte, der Anfang und das
Ende genannt. (WCR 84)

26. Mai
Und Abraham stand früh am Morgen auf und sat-
telte seinen Esel und nahm seine zwei Jungen und
seinen Sohn Isaak mit sich und spaltete Holz zum
Brandopfer und machte sich auf und ging an den
Ort, den ihm Gott gesagt hatte. (1. Mose 22, 3)

Mit Abraham ist hier der Herr gemeint im Zustand des


Friedens, was aus der Wendung „früh am Morgen“ hervorgeht.

108
Die Frühe ist im umfassenden Sinn ein Symbol für den Herrn
und sein Reich, also für die himmlische Liebe. Der Frieden im
Himmel gleicht dem Zustand der Morgenröte auf der Erde.
Beide stehen für Wohlsein, Glück und Seligkeit, für alles was
dem Menschen angenehm und fröhlich erscheint.
Daß Abraham den Esel sattelte, will sagen, daß er (der
Herr) den natürlichen Menschen vorbereitete. Zweierlei macht
den natürlichen Menschen aus: das natürlich Gute und das
natürlich Wahre. Das natürlich Gute ist das aus der tätigen
Liebe und dem Glauben entspringende Angenehme, das
natürlich Wahre sind die Kenntnisse daraus.
(HG 2780-81)

27. Mai
Und Jehovah deckte Bileam die Augen auf, und er
sah den Engel Jehovahs mit seinem gezückten
Schwert in seiner Hand, der sich in den Weg
gestellt. … Wäre die Eselin nicht vor mir ausgewi-
chen, so hätte ich dich sicherlich getötet.
(4. Mose 22, 31. 33)

Bileam war ein Zauberer und wurde von Balak, dem König
Moabs, berufen, das Israelitische Volk zu verfluchen. Dies ver-
hinderte aber Jehovah und begabte ihn, prophetisch zu reden.
Aber dennoch gab Bileam dem Balak den Rat, dieses Volk mit
List zu verderben. Daher werden nun unter Bileam diejenigen
verstanden, die Wahrheiten lehren, deren Verstand erleuchtet
ist, die es aber dennoch lieben, die Menschen der Kirche mit
List zu verderben. Die Eselin, auf der man reitet, stellt den
erleuchteten Verstand dar.
Der Engel mit dem gezogenen Schwert bedeutet das göttli-
che Wahre, das ebenfalls erleuchtet und gegen das Falsche

109
kämpft. Die Eselin, die dreimal vom Weg abwich, zeigt, daß der
erleuchtete Verstand mit dem Denken des Zauberers nicht
übereinstimmte. Die Rede des Engels wurde von Bileam so
gehört, als ob die Eselin gesprochen hätte. Das hat sie aber
nicht getan, es wurde nur so gehört. Daß das so ist, wurde mir
durch lebendige Erfahrung öfters gezeigt. Es wurde mir gege-
ben, Pferde wie redend zu hören, was aber nur wie von ihnen
geschah.
Die Geschichte mit Bileam geschah wirklich so, damit im
inneren Sinn beschrieben werden konnte, wie der Herr dieje-
nigen schützt, die wahr und gut sind, damit sie nicht Schaden
nehmen von solchen, die gleichsam aus Erleuchtung reden
und doch die Absicht haben zu verführen. (OE 140)

28. Mai
Und ich sah den Himmel offen, und siehe, ein
weißes Roß, und der darauf saß, heißt Treu und
Wahrhaftig und richtet und kriegt mit
Gerechtigkeit. (Offb. 19, 11)

In den prophetischen Schriften des Wortes wird häufig des


Pferdes und der Reiter erwähnt, aber bis jetzt war es niemandem
bekannt, daß das Pferd den Bereich des Verstandes und der Reiter
ein verständiges Wesen bedeutet. Die Bedeutung des Pferdes
stammt aus der Symbolik im anderen Leben. Häufig werden dort
in der Geisterwelt Pferde gesehen, und zwar sehr verschiedene,
wie auch Reiter auf den Pferden, und sooft sie erscheinen, stellen
sie dar, was zum Verstand gehört. Diese Symbolik bewirkt, daß
Geister und Engel, die sich beim Menschen aufhalten, sogleich
wissen, daß vom Verstand die Rede ist, wenn im Wort Pferde
erwähnt werden. (HG 2761-62)

110
29. Mai

Und sie brachten ihre Viehherden zu Joseph, und


Joseph gab ihnen Brot für die Pferde und für die
Viehherden von Kleinvieh und für die Viehherden
von Rindern und für die Esel, und er versorgte sie
in diesem Jahr mit Brot für all ihre Viehherden.
(1. Mose 47, 17)

„Für ihre Pferde“ bedeutet das Wissen aus dem Verstand.


Was das ist, muß besonders erklärt werden: Der Mensch
besitzt einen Verstand und einen Willen, und zwar nicht nur
im Inneren, sondern auch im Äußeren. Der Verstand des
Menschen vermehrt sich und wächst von Kindheit an bis zu
seinem Mannesalter und besteht in der Anschauung der
Dinge auf Grund dessen, was die Erfahrungen und Kennt-
nisse bieten, ferner in der Betrachtung der Ursachen, wenn
man von den Wirkungen zurückschaut, und in der Ein-
schätzung der Folgen aus den ursächlichen Verknüpfungen.
Somit besteht der Verstand im Begreifen und Wahrnehmen
der Begebenheiten des bürgerlichen und sittlichen Lebens,
und er entsteht durch den Einfluß des Lichtes aus dem
Himmel, was jedem Menschen ermöglicht, seinen Verstand
zu entwickeln.
Der Verstand wird einem jeden entsprechend der
Anwendung, entsprechend seinem Leben und seiner Veran-
lagung gegeben und fehlt keinem, wenn er nur ein gesundes
Denkvermögen hat. Und er wird dem Menschen gegeben,
damit er in freiem Willen und in freier Wahl sich für das Gute
oder das Böse entscheiden kann. Hätte er keinen Verstand, so
könnte er dies nicht aus sich selbst tun und es könnte ihm nie
etwas angeeignet werden. (HG 6125)

111
30. Mai
Dan wird richten sein Volk wie einer der Stämme
Israels. Dan wird sein eine Schlange auf dem Weg
wie die Hornschlange auf dem Pfad, die beißt in die
Fersen des Pferdes, daß rücklings fällt sein Reiter.
(1. Mose 49, 16-18)

Unter Dan werden diejenigen verstanden, die sich Gutes


des Lebens aus dem Wahren angeeignet haben, jedoch noch
nicht aus dem Guten. Das Gute liegt bei ihnen noch tief im
Wahren verborgen, gibt ihnen aber die Neigung zum Wahren
und treibt sie an, nach dem Wahren zu leben. Die Schlange
hingegen bedeutet Argumentationen auf Grund der
Sinneserfahrungen, weil diese das Unterste im Menschen sind
und allem, was irdisch ist, und den Kriechbewegungen glei-
chen. … Die „Hornschlange auf dem Pfad“ beschreibt nun das
kluge Gerede über das Gute aus dem Wahren.
Daß die Schlange beißt, will sagen, sie hefte sich an und
stifte Schaden, wobei die Fersen des Pferdes Sinnestäu-
schungen im untersten Natürlichen darstellen, denn dort ist
keinerlei Licht, wenn nicht in dem Wahren auch Gutes ist,
denn das Gute ist wie die Flamme, die das Licht aussendet. Wo
dann das Gute auf etwas Wahres stößt, da erleuchtet es nicht
nur dieses, sondern führt es auch zu sich in das eigene Licht
hinein. (HG 6396-6400)

31. Mai
Und Oholah buhlte neben mir und es gelüstete sie
nach ihren Buhlen, … Statthalter und Heerführer,
allesamt hübsche Jünglinge, Reiter, die auf Pferden
ritten. Ihre Schwester Oholibah gelüstete es nach

112
den Söhnen Aschurs, Statthaltern und Heer-
führern, die sich ihr nahten, herrlich gekleidet,
Reiter reitend auf Pferden, allesamt begehrenswer-
te Jünglinge. (Ez. 23, 5. 6. 12)

Pferde und Reiter bedeuten im entgegengesetzten Sinn das


verkehrte Verständnis und das daraus stammende Falsche.
Oholah ist die verkehrte geistige Kirche, nämlich Samaria, und
Oholibah die verkehrte himmlische Kirche, nämlich
Jerusalem. Denn die Israeliten in Samaria stellten die geistige
Kirche dar, aber die Juden in Jerusalem die himmlische Kirche;
die Assyrer und Söhne Aschurs wiederum sind die Argumente
gegen die Glaubenswahrheiten. Die Reiter auf den Pferden rei-
tend endlich symbolisieren das verkehrte Verständnis aus dem
Falschen. (HG 6534)

1. Juni
Und Jehovah Gott machte dem Menschen und sei-
ner Gattin Röcke von Fell und kleidete sie.
(1. Mose 3, 21)

Daß es heißt, sie seien mit einem Rock von Fell bekleidet
worden, rührt daher, daß die Uralten der Unschuld wegen
Nackte hießen. … Später, als die Unschuld verloren ging,
wurde von ihnen gesagt, sie hätten wahrgenommen, daß sie
böse seien, was auch nackt genannt wird. Damit alles in einem
geschichtlichen Zusammenhang erscheint, gemäß der
Redeweise bei den Alten, heißen sie hier bekleidet, damit sie
nicht nackt oder im Bösen erschienen. Die Felle von Böcken,
Schafen, Ziegen, Dachsen, Widdern sind das geistig und natür-
lich Gute. (HG 295)

113
2. Juni
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht
der Menschen. (Joh. 1, 4)

Das „Leben“ steht für die göttliche Liebe des Herrn, das
„Licht“ für seine göttliche Weisheit. Die göttliche Liebe gehört
der göttlichen Weisheit, die göttliche Weisheit der göttlichen
Liebe an.
Im Menschen erscheinen dagegen Liebe und Weisheit
getrennt, obwohl sie in sich eine immerhin unterscheidbare
Einheit bilden, denn im Menschen ist die Weisheit so beschaf-
fen wie seine Liebe und diese so wie seine Weisheit. Eine
Weisheit, die nicht mit ihrer Liebe eins ist, erscheint nur als sol-
che, ist es aber nicht, und für die Liebe gilt umgekehrt dassel-
be. Denn jede zieht wechselseitig ihr Wesen und Leben aus der
anderen. (GLW 38, 39)

3. Juni
Jesus sagte: Wenn aber jener, der Geist der
Wahrheit, kommen wird, so wird er euch in alle
Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selber
reden, sondern was er hören wird, wird er reden.
(Joh. 16, 13)

Da die göttliche Kraft durch die geistige Wärme und das


geistige Licht im Engel wie im Menschen gegenwärtig ist, sagt
man, von Gott entbrannt sei, wer die Wahrheiten der göttlichen
Weisheit anerkennt und sich dem Guten der göttlichen Liebe
verschrieben hat, wer davon angeregt wird und darüber spricht.
Zuweilen wird das auch wahrgenommen und empfunden, etwa
wenn ein Prediger mit Eifer spricht. … Wo dies geschieht,
nennt man die Betroffenen von Gott erleuchtet, weil der Herr

114
durch die von ihm ausgehende göttliche Kraft nicht nur ihren
Willen mit geistiger Wärme entzündet, sondern auch ihren
Verstand mit göttlichem Licht erleuchtet. (GLW 148)

4. Juni
Und der Mensch erkannte sein Weib Chavah und
sie empfing und gebar Kain und sprach: Ich habe
einen Mann erworben, den Jehovah.
(1. Mose 4, 1)

Von der Ältesten Kirch ist bekannt, das sie ein himmlischer
Mensch war, und daß sie keinen anderen Glauben anerkannte,
als den, der auf der Liebe zum Herrn und zum Nächsten
basierte. …
Heutzutage ist es ganz anders, denn der Glaube geht heut-
zutage voran. Aber durch den Glauben wird vom Herrn tätige
Liebe geschenkt, und dann wird die tätige Liebe zur Haupt-
sache. Daraus ist zu erkennen, daß in der ältesten Zeit die
Lehre verfälscht worden ist, als man sich zum Glauben
bekannte und so den Glauben von der Liebe trennte. Kain ist
der Name für Menschen, die es so halten oder sich zum bloßen
Glauben bekennen.
Daß Chavah sagte, sie habe einen Mann erworben, den
Jehovah, will sagen, der Glaube sei bei denen, die Kain genannt
werden, als etwas für sich bestehendes erkannt und anerkannt
worden. (HG 337-38)

5. Juni
Und sie fuhr fort und gebar seinen Bruder Habel;
und Habel ward ein Hirte des Kleinviehs und Kain
war ein Bebauer des Bodens. (1. Mose 4, 2)

115
Ein Hirt der Herde ist, wer das Gute der tätigen Liebe aus-
übt. Im Wort wird Hirt genannt, wer lehrt und leitet; die
gelehrt und geleitet werden sollen, heißen Herde. Beides gilt
nur für Menschen, die sich dem Guten der tätigen Liebe
zuwenden, ob sie nun dazu anleiten oder geleitet werden.
Der Bauer des Bodens hingegen ist ohne tätige Liebe, wie
sehr er auch immer dem von der Liebe getrennten Glauben
anhängen mag, der kein Glaube ist. Von denen, die auf das
Leibliche und Irdische sahen, wurde gesagt, sie bauten den
Boden, was auch daraus hervorgeht, daß gesagt wurde, der
Mensch sei aus dem Garten Eden entlassen worden sei, um den
Boden zu bebauen. (HG 341-45)

6. Juni
Und Adah gebar Jabal, dieser war der Vater des
Zeltbewohners und der Viehzucht. (1. Mose 4, 20)

Zelte bewohnen bezieht sich auf die heiligen Dinge der


Liebe, nämlich auf unsträflichen Wandel und das Ausüben von
Gerechtigkeit, wie es auch gesagt wird vom Wohnen auf dem
Berg der Heiligkeit. Das hat seinen Grund darin, daß die Alten
ihren heiligen Gottesdienst in Zelten abhielten, bevor als Folge
verschiedener Entweihungen die Stiftshütte und später der
Tempel erbaut werden mußten.
Der Vater der Viehzucht bedeutet das Gute aus diesen heili-
gen Dingen. Er wird hier nicht Hirt, sondern Vater, und seine
Pflegebefohlenen nicht Herde, sondern Vieh genannt. Und diese
Bezeichnung folgt unmittelbar nach dem Zelt. Gemeint sind
damit die Wohnung oder der Stall des Viehs und der Vater derje-
nigen, die das Zelt oder die Ställe des Viehs bewohnten, und dies
sind die Güter aus den himmlischen Dingen der Liebe
(HG 414-15)

116
7. Juni
Jesus sprach zu ihnen (den Pharisäern): Wenn ihr
blind wäret, hättet ihr keine Sünde, nun sagt ihr
aber: Wir sind sehend, so bleibt denn eure Sünde.
(Joh. 9, 41)

Die erste Art von Entweihung begehen Menschen, die mit


dem Wort oder mit den göttlichen Bindungen der Kirche
Scherz treiben oder darüber spotten. Die zweite Art geschieht
von Seiten jener, die die göttlichen Wahrheiten verstehen und
anerkennen, doch im Gegensatz dazu leben. Die dritte Art fin-
det sich bei denen, die den Buchstabensinn des Wortes dazu
benützen, um ihre bösen Leidenschaften und falschen
Argumente zu begründen. Die vierte Art begehen Menschen,
die mit dem Mund fromme und heilige Dinge äußern und
dazu in Ton und Gebärden liebevolle Neigungen heucheln,
obgleich sie im Herzen weder glauben noch lieben. Die fünfte
Art besteht darin, sich selbst göttliche Kräfte zuzuschreiben.
Die sechste Art ist die, das Wort anzuerkennen, das göttliche
Wesen des Herrn aber zu leugnen. Die siebente Art begehen
jene, die zuerst die göttlichen Wahrheiten anerkennen und
auch entsprechend leben, später aber abfallen und leugnen.
Diese ist die schlimmste Art, weil diese Menschen die heiligen
Dinge derart mit den profanen vermischen, daß sie sich nicht
mehr trennen lassen. (GV 231, Überschriften)

8. Juni
Jedes Reich, das mit sich entzweit ist, wird verwü-
stet, und keine Stadt und kein Haus, das mit sich
selbst entzweit ist, wird bestehen bleiben … Wer
nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht
mit mir sammelt, der zerstreut. (Mat. 12, 25. 30)

117
Im Inneren des Menschen kann Böses und Gutes nicht bei-
sammen sein, daher auch nicht das Falsche des Bösen und das
Wahre des Guten. Der Herr kann das Gute und dessen Wahres
nur soweit in das Innere des Menschen einfließen lassen, wie
das Böse und dessen Falsches daraus entfernt ist. Würde das
Gute mit seinem Wahren früher einfließen, würde sich der
Mensch vom Guten zurückziehen und wieder seinem Bösen
zuwenden. Ist der Mensch böse, können seinem Verstand viele
Wahrheiten beigebracht und im Gedächtnis verankert werden
ohne dadurch entweiht zu werden. Der Herr trägt jedoch
durch seine göttliche Vorsehung die größte Sorge, daß sie nicht
früher und nicht in größerem Maß in den Willen des Men-
schen aufgenommen werden, als dieser das Böse in seinem
äußeren Menschen wie von sich aus entfernt hat. Geschähe das
vorher und in größerem Maß, würde der Wille das Gute ver-
kehren und der Verstand das Wahre verfälschen, da dann das
Gute mit dem Bösen und das Wahre mit dem Falschen ver-
mischt würde. Aus diesen Gründen läßt der Herr den
Menschen nur so tief ins Wahre der Weisheit und ins Gute der
Liebe eindringen, wie er bis ans Ende seines Lebens erhalten
werden kann. (GV 232, Überschriften)

9. Juni
Wer da glaubt und getauft wird, wird gerettet wer-
den, wer aber nicht geglaubt hat, der wird ver-
dammt werden. (Mark. 16, 16)

Weil hier nur vom Glauben allein die Rede ist, kann das
Gemüt in Zweifel geraten an der Wahrheit der Lehre, daß die
himmlische Liebe, die durch die Glaubenswahrheiten
eingeflößt wird, die Kirche ausmache. Wenn aber jene rein
kognitive Wahrheit, d. h. das Wahre des Buchstabensinnes ver-
innerlicht wird, ergibt sich deutlich, daß sie dennoch mit dem

118
Wahren der Lehre übereinstimmt, denn getauft werden bedeu-
tet im inneren Sinn wiedergeboren werden. Wer also nicht
geglaubt hat, kann gar nicht getauft werden, weil er nicht wie-
dergeboren werden kann. Die Taufe ist das Symbol der
Wiedergeburt und somit der Einführung in die Kirche, d.h. in
das Gute durch die Wahrheiten aus dem Wort. (HG 9032)

10. Juni
Und wenn Männer miteinander hadern und ein
Mann den Genossen schlägt mit einem Stein oder
mit der Faust und stirbt nicht, fällt aber aufs Lager,
so soll, wenn er aufsteht und mit einer Stütze auf
der Straße geht, der ihn schlug, ungestraft bleiben,
nur seine Versäumnis soll er ihm geben und ihn
heilen lassen. (2. Mose 21, 18. 19)
Weil Krankheiten und Körperbeschwerden, wie auch
Heilungen und Heilmittel im Wort nicht vom natürlichen
Leben ausgesagt werden, sondern von einem anderen Leben,
das vom natürlichen verschieden ist, so ergibt sich daraus für
den, der einigermaßen nachdenkt, daß der Mensch ein anderes
Leben hat, das seinem inneren Menschen angehört.
Der obige Text will nun im inneren Sinn sagen: Wenn eine
Wahrheit der Glaubenslehre der Kirche durch eine rein
kenntnismäßige Wahrheit aus dem Buchstabensinn des
Wortes geschwächt , jedoch nicht vernichtet wird, dann muß
sie ersetzt und wiederhergestellt werden, und zwar durch die
richtige Auslegung. (HG 9032)

11. Juni
Und so ein Mann eine Grube öffnet, oder so ein
Mann eine Grube gräbt und sie nicht bedeckt, und

119
es fällt ein Ochse oder ein Esel hinein, so soll der
Herr der Grube Ersatz geben und seinem Herrn das
Silber zurückgeben; das Tote aber gehört ihm.
(2. Mose 21, 33. 34)
Der Herr der Grube ist derjenige, der die Falschheiten ver-
breitet. Der Herr der Tiere ist derjenige, dessen Gutes oder
Wahres im natürlichen Bereich verkehrt wurde, denn der Ochse
bedeutet das Gute, der Esel das Wahre im natürlichen Bereich.
Sind diese in die Grube gefallen, d.h. verkehrt worden, müssen
sie durch Wahres verbessert werden. Innerhalb der Kirche
geschieht das durch das Wahre aus dem Wort oder aus der Lehre,
die aus dem Wort geschöpft ist. Das Wahre lehrt nämlich, was
böse und was falsch ist; dadurch kann es der Mensch sehen und
anerkennen. Tut er das, dann kann es verbessert werden, denn
der Herr fließt im Menschen in das ein, was der Mensch weiß,
nicht aber in das, was er nicht weiß. Deswegen verbessert er auch
das Böse und Falsche nicht eher, als bis der Mensch belehrt wor-
den ist, daß es böse und falsch ist. (HG 9087-88)

12. Juni
Und Jehovah redete zu Mose und sprach: Und du
sollst ein Becken von Erz und sein Gestell von Erz
machen zum Waschen, und es zwischen das
Versammlungszelt und den Altar stellen und
Wasser darein tun. (2. Mose 30 17. 18)
Wer nicht weiß, daß die Wasser Wahrheiten des Glaubens
bedeuten, kann nicht wissen, was die Taufe bedeutet, denn er
glaubt, daß dieses Äußere den Menschen selig mache, da doch
das Äußere nichts hilft, sondern das Innere, das hier gemeint
ist, nämlich die Wiedergeburt durch die Wahrheiten des
Glaubens. Denn die Angehörigen der Kirche werden von den

120
übrigen auf dem Erdkreis durch die Taufe unterschieden, weil
diese durch die Wahrheiten des Glaubens wiedergeboren wer-
den können, nicht aber, die außerhalb der Kirche sind, denn
innerhalb der Kirche ist das Wort, in dem die Wahrheiten des
Glaubens enthalten sind. (HG 10238)

13. Juni
Und der zu Reinigende wasche seine Kleider und
schere all sein Haar ab und bade im Wasser, so ist
er rein, und nachher komme er ins Lager, bleibe
aber sieben Tage außerhalb seines Zeltes. Und am
siebenten Tag schere er all sein Haar, sein Haupt
und seinen Bart und seine Augenbrauen und all
sein Haar schere er und wasche seine Kleider und
bade sein Fleisch im Wasser, und er ist rein.
(3. Mose 14, 8. 9)
Wer glaubt, daß die, die ihr Fleisch oder ihre Hände und
Füße oder ihre Kleider waschen, rein und geheiligt, das heißt,
gereinigt worden seien, nämlich von Sünden, befindet sich in
großem Irrtum. Denn die Sünden werden nicht wie der
Schmutz mit Wasser, auch nicht durch Wasser abgewaschen
und weggewischt, sondern sie werden abgewaschen, das heißt
entfernt, durch Wahrheiten und durch ein Leben nach diesen.
Das war es, was durch die Waschungen bloß bildlich dargestellt
wurde, denn die Wasser bedeuten Wahrheiten, und die
Wahrheiten reinigen den Menschen, wenn er nach ihnen lebt.
(OE 475)

14. Juni
Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr
Heuchler! Ihre reiniget das Äußere des Kelches und

121
der Schüssel; inwendig aber sind sie voll Raubes
und Unmäßigkeit. Blinder Pharisäer, reinige zuerst
das Innere des Kelches und der Schüssel, auf daß
auch das Äußere derselben rein werde.
(3. Mose 14, 25. 26)

Die Juden wurden keineswegs von geistigem Schmutz, das


heißt, vom Bösen, das aus dem Herzen hervorgeht, durch
Waschungen geheiligt und gereinigt, weil dieses Böse inwendig
seinen Sitz hat und nichts gemein hat mit dem Schmutz in der
Welt, der dem Körper anklebt. Es wird gesagt, man solle zuvor
das Innere des Bechers und der Schale reinigen, auf daß auch
das Äußere rein sei; denn das Äußere kann beim Menschen
nicht gereinigt werden, bevor das Innere sauber ist, weil das
Innere durch das Äußere gereinigt wird. Durch Becher und
Schüssel wird das Innere und das Äußere des Menschen dar-
gestellt, welches das Gute und Wahre aufnimmt, denn der
Becher ist das Gefäß für den Wein, die Schale für die Speise.
Wein steht aber für das Wahre, die Speise für das Gute.
(OE 475)

15. Juni
Abraham aber sprach: Gedenke, Kind, du hast
dein Gutes in deinem Leben empfangen, und
Lazarus dagegen Böses: Nun aber wird er getrö-
stet, du aber gepeinigt. Und über alles dies ist eine
große Kluft befestigt zwischen uns und euch,
sodaß die, so wollten von hinnen zu euch hinüber
gehen, nicht können, und auch nicht die von dan-
nen zu uns herüberkommen. (Luk. 16, 26)

Das Böse selbst ist die Hölle und das Gute selbst der
Himme;, anders ausgedrückt: das Böse selbst ist der Teufel,

122
und das Gute selbst ist der Herr. Der Mensch, in dem das Böse
herrscht, ist eine Hölle in kleinster Form, herrscht in ihm hin-
gegen das Gute, ist er ein Himmel in kleinster Form. Wie
könnte unter diesen Umständen der Himmel in die Hölle ein-
treten, zwischen denen doch eine so ungeheure Kluft besteht,
daß man nicht von einer Seite zur anderen gelangen kann?
Folglich muß durchaus zuerst die Hölle entfernt werden,
damit der Herr mit dem Himmel in den Menschen eintreten
kann. (GV 100)

16. Juni
Ich bitte dich, Vater Abraham, daß du den Lazarus
sendest in das Haus meines Vaters, denn ich habe
fünf Brüder, damit er ihnen Zeugnis gebe, auf daß
sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen.
Abraham aber sprach: Sie haben Mose und die
Propheten; sie sollen auf sie hören! Der aber sagte:
Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den
Toten zu ihnen käme, so würden sie Buße tun.
Jener aber antwortete: Wenn sie auf Mose und die
Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht
überzeugt werden, wenn einer von den Toten auf-
ersteht. (Luk. 16, 27-31)

Das Reden mit Verstorbenen hätte dieselbe Wirkung wie


die Wunder. Der Mensch würde dadurch nämlich nur für
kurze Zeit überzeugt und zur Gottesverehrung angehalten
werden, weil er auf diese Weise seine Vernunft verlöre und sein
Böses nur abgekapselt würde. Würde diese Verzauberung, bzw.
diese innere Bremse gelöst, bräche das eingeschlossene Böse
mit Gotteslästerung und Entweihung hervor. Aber das
geschieht nur, wenn die Geister etwas Dogmatisches der

123
Religion anführen, was niemals von Seiten eines guten Geistes,
geschweige denn eines himmlischen Engels geschieht.
(GV 134)
17. Juni
Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: du
sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch, daß
wer ein Weib ansieht, um ihrer zu begehren, der hat
schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
(Mat. 5, 27. 28)
Da bei den Bösen die Begierden zusammen mit ihrer
Hinterlist das Innere des Denkens bilden und die Reize der
Begierden mit ihren Machenschaften das Äußere des Denkens,
so ergibt sich, daß das Innere nur von seinen Begierden gerei-
nigt werden kann, soweit das Böse aus dem äußeren Menschen
entfernt ist. Es ist der innere Wille des Menschen, der seinen
Begierden zugrunde liegt und sein innerer Verstand, der die
Basis seiner Hinterlist bildet. Dem äußeren Willen aber liegen
die Anreize der Begierden zugrunde und dem äußeren
Verstand die Machenschaften der Hinterlist. Die Begierden
können demnach nur aus dem Inneren vertrieben werden,
wenn das Äußere von seinem Bösen gereinigt wird. Die
Begierden bringen durch ihre Lüste das Böse hervor. Wird aber
das Böse für erlaubt gehalten, was geschieht, wenn Wille und
Verstand darin übereinstimmen, dann bilden Lüste und Böses
eine Einheit. Wie man weiß, kommt eine solche Übereinstim-
mung der Tat gleich. (GV 111)

18. Juni
Es waren aber zur selben Zeit etliche da, die sag-
ten ihm an von den Galiläern, deren Blut Pilatus
mit ihren Opfern vermischte. Und Jesus antworte-

124
te und sprach zu ihnen: Meint ihr, diese Galiläer
seien Sünder gewesen vor allen Galiläern, dieweil
sie solches erlitten haben? Nein, sage ich euch,
sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle
auch also umkommen. (Luk. 13, 1-3)

Wer in einem von der tätigen Liebe getrennten Glauben


lebt und sich darin durch das Wort des Paulus an die Römer
bestätigt sieht:
So halten wir denn dafür, daß der Mensch durch
den Glauben gerecht gesprochen werde, ohne
Werke des Gesetzes… (Röm. 3, 28)
– der betet diese Worte geradezu an, vergleichbar Men-
schen , die die Sonne anbeten. Man weiß nämlich nicht, daß
Paulus dort unter den Werken des Gesetzes keineswegs die
Zehn Gebote versteht, sondern die jüdischen Ritualgesetze, die
in den fünf Büchern Mose beschrieben und dabei stets als
„Gesetz“ bezeichnet werden. Um diesem Mißverständnis vor-
zubeugen, fügt der Apostel in Vers 31 desselben Kapitels hinzu:
Heben wir also das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei
ferne: Vielmehr halten wir das Gesetz aufrecht.
Wer sich durch den obigen Ausspruch in den Glauben
ohne Werke verstiegen hat, dem geht es beim Betrachten die-
ser Stelle wie beim Blick in die Sonne, und er sieht nicht , daß
dort, wo Paulus die Gesetze des Glaubens aufzählt, er damit die
Werke der tätigen Liebe meint. (GV 115)

19. Juni
Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an; wenn
jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, so
gehe ich zu ihm ein und halte das Abendmahl mit
ihm und er mit mir. (Offb. 3, 20)

125
Der Herr reinigt den Menschen erst dann von seinen
Begierden seines Bösen, wenn der Mensch das Böse wie aus
eigener Kraft entfernt, weil es vorher nicht geschehen kann.
Das Böse ist nämlich im äußeren Menschen, die Begierden des
Bösen aber sind im inneren Menschen, und beide hängen
zusammen wie der Stamm mit seinen Wurzeln. Wird daher das
Böse nicht entfernt, ist eine Öffnung unmöglich, weil es die
Tür versperrt und abschließt, die der Herr nur mit Hilfe des
Menschen öffnen kann. Wenn daher der Mensch gleichsam
aus eigener Kraft die Tür auftut, rottet der Herr gleichzeitig
auch die Begierden aus. (GV 119)

20. Juni
Eure Rede sei : Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist,
das ist vom Übel. (Mat. 5, 27)
Eine solche Redeweise ist im dritten Himmel üblich, da
dort niemand über die göttlichen Dinge räsoniert, ob sie sich
so oder so verhielten. Diskussionen über göttliche Dinge, ob
sie sich so oder nicht so verhalten, beruhen darauf, daß der
Haarspalter sie nicht vom Herrn aus, sondern aus eigener Sicht
beurteilen will. Und was er auf diese Weise erreicht, ist böse.
Dennoch aber will der Herr, daß der Mensch über die göttli-
chen Dinge nachdenkt und spricht und sie auch untersucht,
um zu erkennen, wie sie sich verhalten. Solange solches
Denken, Reden und Untersuchen den Zweck verfolgt, die
Wahrheit zu erkennen, kann man sagen, daß es im Menschen
unter dem Einfluß des Herrn geschieht. (GV 219)

21. Juni
Wer da hat, dem wird gegeben, wer aber nicht hat,
dem wird genommen, was er hat. (Mark. 4, 25)

126
Der Mensch kann in die Weisheit der geistigen Dinge und
auch in die Liebe zu ihnen eingelassen werden, ohne dadurch
umgebildet zu werden. Tritt der Mensch später davon zurück
und geht zum Gegenteil über, profaniert er das Heilige.
(Damit daraus keine Katastrophe entsteht…), sorgt der
Herr dafür, daß Böses wie Gutes gesondert für sich bleiben,
damit sie getrennt werden können. Jeder Mensch ist sowohl
böse wie gut – von sich aus böse und unter dem Einfluß des
Herrn gut. … Der eine gehorcht innerlich dem Herrn und
äußerlich sich selbst, der andere umgekehrt, äußerlich dem
Herrn, aber innerlich sich selbst. Dieser ist böse, jener gut.
Dieser Böse besitzt noch das Gute des bürgerlichen und sittli-
chen und auch äußerlich einiges des geistigen Lebens. Durch
dieses wird auch er vom Herrn geführt. Aber der Herr hält das
Gute und das Böse getrennt, damit es sich nicht vermischt.
Nach dem Tod werden sie tatsächlich getrennt: Denen, die
innerlich böse und nur äußerlich gut waren, wird das Gute
genommen, und sie werden damit ihrem Bösen überlassen.
Das Umgekehrte geschieht denen, die innerlich gut gewesen
sind, in ihrem Äußeren aber wegen ihrer Neigung zur Welt in
vieler Hinsicht den Bösen glichen. … Bei ihnen wird das Böse
vom Guten abgetrennt. (GV 227)

22. Juni
Und von Rephidim brachen sie auf und kamen in
die Wüste Sinai und lagerten in der Wüste, und
Israel lagerte sich dem Berg gegenüber und Mose
stieg hinauf zu Gott, und Jehovah rief ihm vom
Berg und sprach: So sollst du sprechen zum Haus
Jakob und ansagen den Stämmen Israels.
Und Mose kam und rief die Ältesten des Volkes und
legte ihnen alle diese Worte vor, die ihm Jehovah
geboten hatte. (2. Mose 19, 2.3. 7)

127
Mit denen, die in einem noch nicht durch die Wahrheiten
gebildeten Guten sind, verhält es sich so: Sie werden vom
Herrn zuerst durch die Hauptwahrheiten gebildet, d.h. durch
allgemeine Wahrheiten, in denen und von denen die übrigen
sind. Hauptwahrheiten sind: Gott ist einer; der Herr wurde als
Mensch geboren, um die Menschheit selig zu machen; es gibt
einen Himmel und eine Hölle; in den Himmel kommt, wer
gut, in die Hölle, wer schlecht gelebt hat; die Liebe zu Gott und
die Liebe zum Nächsten sind die Gebote, von denen alle übri-
gen abhängen, und diese Liebe kann nur durch den Glauben
gegeben werden. (HG 8773)

23. Juni
Und acht Tage alt werde von euch alles Männliche
beschnitten in eueren Geschlechtern, der im Haus
geboren und der mit Silber erworben ist von
irgendwelchem Sohn des Auslands, der nicht dei-
nes Samens ist. (1. Mose 17, 12)

Hier geht es um die Kirche des Herrn im allgemeinen


Sinn, weshalb mit dem Sohn des Auslands Menschen gemeint
sind, die nicht der Kirche angehören, wie die Heiden. Diese
können Wahrheiten besitzen, aber nicht die des Glaubens.
Ihre Wahrheiten sind dann wie die Vorschriften der zehn
Gebote, daß man die Eltern ehren, daß man nicht morden,
nicht stehlen nicht die Ehe brechen, nicht begehren soll, was
anderen gehört und auch, daß man die Gottheit verehren soll.
Die Wahrheiten des Glaubens aber sind alle Lehren vom ewi-
gen Leben, vom Reich des Herrn und vom Herrn selbst. Diese
können sie nicht haben, da sie das Wort nicht haben.
(HG 2049)

128
24. Juni
Und sie kamen zu Jakob, ihrem Vater, ins Land
Kanaan, und sagten ihm alles an, was ihnen
begegnet war, und sprachen: Der Mann, der Herr
des Landes, redete uns hart an und gab uns für
Kundschafter des Landes aus.
(1. Mose 42, 29. 30)

Hier ist von Joseph die Rede. Mann heißt er in Bezug auf
das Geistige, Herr in Bezug auf das Himmlische, denn Mann
bedeutet im inneren Sinn das Wahre und Herr das Gute, und
das Wahre aus der göttlichen Kraft ist es, was geistig genannt
wird. Das Gute aus der göttlichen Kraft jedoch wird himmlisch
genannt. Das Land, nämlich Ägypten, ist das natürliche
Gemüt.
Im natürlichen Bereich gibt es zweierlei, nämlich
Kenntnisse und Wahrheiten der Kirche. Die Kenntnisse müs-
sen zuerst in Ordnung gebracht werden, weil die Wahrheiten
der Kirche von diesen aus begriffen werden sollen; denn nichts
kann in den Verstand des Menschen eingehen ohne
Vorstellungen, die von diesen Kenntnissen herstammen, die
der Mensch sich von Kind auf erworben hat. (HG 5510)

25. Juni
Fortsetzung
Was das für Vorstellungen sind, wird gewöhnlich im ande-
ren Leben denen, die es wünschen, in lebendiger Wirklichkeit
gezeigt; denn solche Dinge stellen sich im Licht des Himmels
deutlich sichtbar dar, und dann zeigt sich auch, mit welchem
Schatten oder mit was für Lichtstrahlen das Wahre bedeckt

129
war, das sie von der Lehre der Kirche her hatten. Bei einigen
erscheint es unter Falschem, bei anderen unter Dingen, die zur
Kurzweil dienen, auch unter Ärgernissen oder Sinnes-
täuschungen, bei wieder anderen unter Scheinwahrheiten.
Wenn der Mensch ein Leben der tätigen Liebe geführt hatte,
werden aus jenem Guten wie aus einer vom Himmel kom-
menden Flamme die Wahrheiten erleuchtet und die
Sinnestäuschungen, in denen sie stecken, erhalten einen Glanz.
Und wenn vom Herrn Unschuld eingeflößt wird, erscheinen
sie als Wahrheiten. (HG 5510)

26. Juni
Und Gott redete alle diese Worte und sprach: Ich
bin Jehovah, dein Gott … (2. Mose 20, 1. 2)

Was Gott redet ist nichts als Wahres. Daher wird das gött-
lich Wahre das Wort genannt, und das Wort ist der Herr, und
das aus dem Grund, weil der Herr selbst das göttlich Wahre
war, während er in der Welt weilte, und nachher, als er verherr-
licht wurde, zum göttlich Guten ward, und weil jetzt aus ihm
alles göttlich Wahre hervorgeht.
Dieses Wahre ist das Licht der Engel, und dieses Licht ist es
auch, das unser inneres Auge, nämlich den Verstand erleuchtet.
Weil aber dieses Auge nicht das Natürliche, sondern das
Geistige sieht, entstehen im Verstand Bilder der geistigen
Wahrheiten, welche die des Glaubens genannt werden. Im
natürlichen Bereich jedoch siedeln sich die Wahrheiten des
bürgerlichen Lebens an, die sich auf die Gerechtigkeit bezie-
hen, und auch die Wahrheiten der Moral, deren Kern die
Redlichkeit und Rechtschaffenheit sind. Ganz außen finden
sich schließlich die natürlichen Wahrheiten, die erschlossen
werden aus den Gegenständen der körperlichen Sinne, beson-
ders des Gesichts. (HG 8861)

130
27. Juni
Du sollst keine anderen Götter haben vor meinem
Angesicht. (2. Mose 20, 3)

Das erste, was zerstören würde, fände statt, wenn man über
die Wahrheiten anderswoher denken wollte, als aus dem
Herrn. … Der Herr ist nicht in den Wahrheiten beim
Menschen, wenn dieser ihn selbst und seine göttliche Kraft
leugnet, und auch wenn er ihn zwar anerkennt, aber dennoch
glaubt, das Gute und Wahre sei nicht vom Herrn, sondern aus
ihm selbst, und wenn er daher sich selbst Gerechtigkeit
zuschreibt. (HG 8867-68)

28. Juni
Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen; denn mit
sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden
Ohren hören sie nicht, und sie verstehen es nicht.
(Mat. 13, 13)

Falsch ist alle Einsicht und Weisheit, der die Anerkennung


der göttlichen Kraft fehlt. Wer an deren Stelle die Natur aner-
kennt, denkt nämlich ausschließlich körperlich und sinnlich,
wie sehr er auch in der Welt als gebildet und gelehrt erscheinen
mag. Seine Bildung erhebt sich nicht über das Sichtbare. Dieses
hält sein Gedächtnis fest und zwingt ihn dazu, alles unter
materiellen Gesichtspunkten zu betrachten, auch wenn er sich
mit denselben Wissenschaften befaßt, die den wahrhaft
Verständigen zur Ausbildung ihrer Vernunft dienen, nämlich
mit der Physik, Astronomie, Chemie, Mechanik usw. usw.
Auch die Geistlichen, die den göttlichen Einfluß leugnen, erhe-
ben ihre Gedanken nicht über die Sinne, die dem äußeren
Menschen angehören. Sie können deshalb nichts Wahres und

131
Gutes erkennen, denn es liegt für sie in der Finsternis, das
Falsche und Böse dagegen im Licht. (HH 353)

29. Juni
Auch Finsternis macht finster nicht vor dir; und
Nacht leuchtet wie der Tag, Finsternis ist wie das
Licht. Denn du besitzest meine Nieren, mich
bedecktest du in meiner Mutter Leib. Es war dir
nicht verhohlen mein Gebein, da im Verborgenen
ich gemacht ward, da ich gewirkt ward in der Erde
untern Räumen. (Psalm 139, 12. 13. 15)

Finsternis bedeutet das Falsche und Licht das Wahre. Die


Nieren besitzen heißt, Falsches und Wahres beim Menschen
kennen. Daher wird gesagt: „Es war dir nicht verhohlen mein
Gebein…“ Nichts Falsches, was entstand, konnte verborgen
bleiben. Weil die Nieren die vom Falschen gereinigten
Wahrheiten bedeuteten, wurde bei den Opfern nur das Fett
und die Nieren verbrannt. Es geschah deshalb, weil die
Fettstücke das Gute der Liebe darstellten und die Nieren das
Wahre des Glaubens, das läutert, reinigt und das Falsche aus-
scheidet. Das letztere geht auf die Entsprechung zurück, denn
alle Teile des Körpers entsprechen einer geistigen Tätigkeit.
(OE 167)
30. Juni
Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia
schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige,
der den Schlüssel Davids hat, der auftut und nie-
mand verschließt, und verschließt und niemand tut
auf. Ich weiß deine Werke. Siehe, ich habe vor dir
eine geöffnete Tür gegeben, und niemand kann sie

132
verschließen, weil du eine kleine Kraft hast, und
hast mein Wort gehalten und meinen Namen nicht
verleugnet. (Offb. 3, 7. 8)

Alle Macht, welche die Engel und die Menschen vom


Herrn haben, stammt aus dem Guten der Liebe. Und weil das
Gute der Liebe nicht aus sich handelt, sondern durch das
Wahre, darum hat das Gute der Liebe alle Macht durch das
Wahre, und die Geistigen haben Macht aus dem Guten der
tätigen Liebe durch die Wahrheiten des Glaubens, denn das
Gute nimmt seine Beschaffenheit durch das Wahre an, weil das
Gute ohne das Wahre keine Beschaffenheit hat, und wo keine
Beschaffenheit ist, da ist keine Kraft oder Macht.
Der Text handelt also von Menschen, die den Glauben aus
der tätigen Liebe besitzen, denn „sie halten mein Wort“, sie ver-
nehmen und kennen nicht nur die Wahrheiten, sondern sie
wollen und tun sie und machen sie zur Sache ihres Lebens.
Dadurch haben sie vom Herrn Macht wider das Böse und
Falsche. (OE 209)

1. Juli
So wird wegtreiben Aschurs König die
Gefangenschaft Ägyptens und Kuschs (Äthiopi-
ens) Verbannte, junge und alte, nackt und barfuß
mit aufgedecktem Gesäß, die Blöße Ägyptens.
Daß sie entsetzt und beschämt werden ob Kusch,
auf den sie vertrauten und auf Ägypten, ihren
Schmuck. Und sprechen wird an jenem Tag, der
auf dieser Insel wohnt: Siehe, so ist unsere
Zuversicht, zu der wir flohen um Beistand, zur
Errettung vor Aschurs König! Und wie sind wir ent-
ronnen? (Jes. 20, 4-6)

133
Auch diese Erzählung ist nicht irgend eine finstere Historie,
sondern handelt von der Kirche. Der König von Aschur stellt
die verdrehte Vernunft dar, insbesondere das Gerede aus feh-
lerhaftem Wissen, das die Reize natürlicher Liebestriebe för-
dert. Das Wegtreiben der Verbannten zeigt, daß die gestörte
Vernunft die Kenntnisse des natürlichen Menschen für sich
beansprucht und sich durch diese und die Verlockungen,
denen sie günstig sind, bestärkt. Unter Ägypten sind die
Kenntnisse, unter Kusch die Reize zu verstehen. Daß das Gute
des Wahren im natürlichen Menschen darunter leidet, wird
ausgedrückt durch die Worte „daß sie entsetzt und beschämt
werden…“ Der auf der Insel wohnt, ist das Gute des Wahren
im natürlichen Menschen oder der natürliche Mensch, in dem
das Gute des Wahren vorhanden ist. (OE 406)

2. Juli
Und die zwölf Tore zwölf Perlen. Ein jedes der
Tore war aus einer Perle, und die Straße der Stadt
reines Gold wie durchscheinendes Glas.
(Offb. 21, 21)

Das reine Gold ist das Gute der Liebe, aus dem alles zum
Himmel und zur Kirche Gehörige entspringt. Man kann das
Gute der Liebe vom Herrn nicht sehen, wenn es nicht gezeigt
wird, und daher weiß man auch nichts davon. Das Gute geht
nicht wie das Wahre ins Denken ein, denn das Wahre stammt
aus dem Licht des Himmels, in dem es gesehen wird; das Gute
dagegen wird nur gefühlt, weil es aus der Wärme des Himmels
stammt. Wer über seine Gedanken reflektiert, achtet selten auf
das, was er fühlt, sondern nur auf das, was er sieht. Dies ist ein
Grund dafür, daß Wissenschaftler mehr dem Denken als dem

134
Gefühl zugeschrieben haben und die Kirche dem Glauben an
Stelle der Liebe, während doch das Wahre, das Glaube genannt
wird, nur eine Form des Guten ist, das der Liebe angehört.
(OE 1317)
3. Juli
Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des
Monds daß sie in ihr scheinen; denn die Herr-
lichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Leuchte
ist das Lamm. Und die Völkerschaften derer, die
gerettet werden, werden in ihrem Licht wandeln
und die Könige der Erde ihre Herrlichkeit und Ehre
in sie bringen. Und ihre Tore werden nicht
geschlossen werden des Tages (denn Nacht wird
da nicht sein). Und sie werden die Herrlichkeit und
die Ehre der Völkerschaften in sie bringen.
(Offb. 21, 23-26)

Die Menschen der Neuen Kirche werden nicht sich selber


lieben und nicht auf die eigene Einsicht bauen, sie werden also
nicht in einem natürlichen, sondern in einem geistigen Licht
wandeln; sie bedürfen nicht der natürlichen Gestirne, sondern
werden vom Herrn erleuchtet. Und in diesem Licht werden
diejenigen wandeln, die ein gutes Leben führen. Das sind die
Völkerschaften, die gerettet werden, und die Könige der Erde,
nämlich alle, die die Wahrheiten der Weisheit aus dem geistig
Guten anerkennen, den Herrn bekennen, und ihm alles Wahre
und Gute in ihnen zuschreiben.
Diese alle werden fortwährend aufgenommen, weil es hier
keinen Irrtum des Glaubens gibt, weshalb die Tore nicht
geschlossen werden.
Wer hier eingeht, bringt das Bekenntnis, die Anerkennung
und den Glauben mit sich, daß der Herr der Gott des

135
Himmels und der Erde sei und alles Wahre der Kirche und
alles Gute der Religion von ihm stamme. Kirche und Religion
sind nicht dasselbe. Die Kirche vertritt die Lehre, die Religion
das Leben nach dieser Lehre. Jeder Teil der Lehre ist eine
Wahrheit, und auch ihr Gutes ist Wahrheit, weil nur sie es
lehrt. Jeder Teil des Lebens, das gemäß den Lehren geführt
wird, ist dagegen Gutes. Wo aber Lehre ohne Leben ist, kann
weder von Kirche noch von Religion die Rede sein.
(OE 1328-32)

4. Juli
Und ich errichte meinen Bund mit euch; und es soll
nicht mehr ausgerottet werden alles Fleisch von
den Wassern der Sintflut, und es wird nicht mehr
eine Sintflut sein, zu verderben die Erde.
(1. Mose 9, 11)

Der Bund ist die Gegenwart des Herrn bei allen, die nur
immer tätige Liebe üben. Das gilt auch für Heiden. Der
Mensch der Kirche meint aber, niemand von denen, die
außerhalb der Kirche stehen, könne selig werden, weil diese
keine Glaubenserkenntnisse haben und daher nichts vom
Herrn wissen. Es gibt sogar viele, die einer Ketzerei huldigen,
die meinen, niemand, der nicht denkt wie sie, könne selig wer-
den. Der Herr übt aber Barmherzigkeit gegenüber der gesam-
ten Menschheit und will alle selig machen und zu sich ziehen.
Diese Barmherzigkeit erstreckt sich auf den ganzen Erdkreis.
Wer außerhalb der Kirche und damit in Unwissenheit geboren
ist, trägt daran keine Schuld. Welcher Gutdenkende wird
behaupten, der Herr lasse eine so große Menge Menschen
geboren werden, damit sie des ewigen Todes sterben? Dies
widerspräche dem göttlichen Wesen und der Barmherzigkeit.
(HG 1032)

136
5. Juli
Und einer von ihnen, ein Gesetzlehrer, fragte ihn,
um ihn zu versuchen, und sprach: Lehrer, welches
ist das große Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach
zu ihm: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit
deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen
Seele und mit deinem ganzen Gemüte. Dies ist das
erste und große Gebot. Das zweite aber ist ihm
ähnlich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze
Gesetz und die Propheten. (Mat. 22, 35-40)

Gottes Verbindung mit dem Menschen ist eine geistige


Verbindung im Natürlichen, und diejenige des Menschen mit
Gott eine natürliche Verbindung unter geistigem Einfluß.
Diese Verbindung ist das Ziel, für das der Mensch zugleich
zum Bürger des Himmels und der Welt geschaffen wurde. Als
Bürger des Himmels ist er, wie gesagt, geistig, als Bürger der
Welt natürlich. Wird nun der Mensch geistig-vernünftig und
zugleich geistig-moralisch, so ist er mit Gott verbunden und
erlangt das Heil und das ewige Leben. Bleibt er hingegen ledig-
lich natürlich-vernünftig und natürlich-moralisch, so besteht
zwar eine Verbindung zwischen Gott und ihm, aber nicht zwi-
schen ihm und Gott. Das Ergebnis ist für ihn der geistige Tod,
der an und für sich nichts anderes als natürliches Leben ohne
geistiges ist. (WCR 369)

6. Juli
Fortsetzung
Weil aber der Mensch immer äußerlicher wurde, ergab er
sich immer mehr der Welt und dem Körper. Wenn er so gewor-

137
den ist, kümmert er sich nicht mehr um die himmlischen
Dinge; denn diese liegen ihm so fern, daß er nicht einmal an
ihre Existenz glaubt, weil ihn dann die Lust der irdischen
Liebestriebe ganz beherrscht und mit diesen alles Böse, was
ihn durch jene Triebe befriedigt. Dann ist das, was er vom
Leben nach dem Tod, vom Himmel und von der Hölle hört,
wie Spreu im Wind, die auf den ersten Blick verfliegt.
Daher kommt es auch, daß die Lehre von der tätigen Liebe,
die bei den Alten einen so hohen Wert gehabt hatte, heutzuta-
ge unter die verlorenen Dinge gehört; wer weiß denn noch, was
tätige Liebe im echten Sinn und was der Nächste im echten
Sinn ist, während doch diese Lehre reich ist an so vielen und so
großen Geheimnissen, daß sie nicht zum tausendsten Teil
beschrieben werden kann. Die ganze Heilige Schrift, das
„Gesetz und die Propheten“, ist nichts anderes als die Lehre
von der Liebe und der tätigen Liebe. (HG 6631-32)

7. Juli
Fortsetzung
Die tätige Liebe und der Glaube im Menschen verhalten
sich wie die Bewegung des Herzens, die wir Zusammen-
ziehung und Erweiterung nennen, und wie die der Lunge, die
wir das Atemholen nennen. Diese wiederum entsprechen auch
dem Willen und Verstand , also der Tätigen Liebe und dem
Glauben. Deshalb werden der Wille und seine Neigung im
Wort unter dem Herzen verstanden, der Verstand und sein
Denken aber dem Leben oder dem Geist. Den Geist aufgeben
heißt ja auch, nicht mehr atmen. Aus all dem folgt, daß es kei-
nen Glauben geben kann ohne tätige Liebe, so wie das Atmen
der Lunge ohne den Herzschlag nicht bei einem lebendigen
Menschen, sondern nur bei einem Automaten stattfinden
kann. Die tätige Liebe bringt durch den Glauben den Nutzen

138
hervor wie der Herzschlag durch den Atem die Tätigkeit. Die
Übereinstimmung ist so groß, daß man in der geistigen Welt
den Glauben eines jeden am Atemholen und seine tätige Liebe
am Herzschlag erkennt. (LvG 19)

8. Juli
Fortsetzung
Der Nächste im natürlichen Sinn ist der Mensch in
Gesellschaft und als Einzelwesen. Der Mensch in Gesellschaft
ist die Kirche, das Vaterland und die Allgemeinheit. Der
Mensch als Einzelwesen ist der Mitbürger, der im Wort Bruder
und Genosse heißt. Aber der Nächste im geistigen Sinn ist das
Gute, und weil der Nutzen das Gute ist, so ist der Nächste im
geistigen Sinn der Nutzen. Wer liebt denn den Nächsten als
Person? Man liebt ihn für sein Inneres, von dem seine
Eigenschaften herrühren, man liebt überhaupt seine
Eigenschaften, denn diese sind der Mensch. Was geliebt wird,
ist die Nützlichkeit, d.h. das Gute.
Es ist aber nicht dasselbe, ob man den Nächsten liebt
wegen des Guten, das für uns oder das für ihn gut ist. Den
Nächsten lieben wegen des Guten oder des Nutzens für sich
selbst, das kann auch der Böse; aber ihn lieben um seines
Nutzens willen, das kann nur der Gute, denn dieser liebt das
Gute um des Guten willen; oder aus der Neigung, Nutzen zu
schaffen, liebt er den Nutzen. (LvG 20-21)

9. Juli
Fortsetzung
Die Liebe zum Nächsten basiert auf dem Bestreben, alle
Arten von Mord zu fliehen. Unter Mord hat man
Feindschaft, Haß, Rache zu verstehen, die den Tod atmen,

139
denn in ihnen ist der Tod verborgen wie das Feuer im Holz
unter der Asche. Daher kommt es, daß man sagt: von Haß
entbrennen oder vor Rache glühen. Dies sind Morde im
natürlichen Sinn, aber unter den Morden im geistigen Sinn
werden all die mannigfaltigen und vielfachen Arten verstan-
den, wie man die Seelen der Menschen tötet und verdirbt.
Diese Arten von Mord liegen inwendig im Menschen von
Geburt an verborgen, allein er lernt von Kindheit an, sie zu
verhüllen durch ein dem bürgerlichen und sittlichen Gesetz
gemäßes Leben, das er unter den Menschen in der Welt
führen muß. So ist der Mensch an sich ein Mörder; da er
nach dem Tod das Äußere mit dem Körper ablegt, und nur
das Innere zurückbehält, ist klar, welcher Teufel er dann
wäre, wenn er nicht wiedergeboren würde. (LL 67, 68)

10. Juli

Und Gott sah das Licht, daß es gut war, und Gott
schied zwischen dem Licht und der Finsternis. Und
Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis
nannte er Nacht. (1. Mose 1, 4. 5)

Das Licht heißt gut, weil es vom Herrn kommt, der das
Gute selbst ist. Finsternis ist, was aussieht wie Licht, ehe der
Mensch von neuem empfangen und geboren wird, weil so
lange das Böse wie Gutes und das Falsche wie Wahres
erscheint; dabei ist es jedoch Finsternis und das Eigene des
Menschen, das bleibt. Alles was dem Herrn gehört, wird mit
dem Tag verglichen, weil es dem Licht angehört, und alles
Eigene des Menschen wird mit der Nacht verglichen, weil es
der Finsternis angehört. (HG 21)

140
11. Juli
Und es geschah am Ende von vierzig Tagen, und
Noach öffnete das Fenster des Kastens, das er
gemacht hatte. (1. Mose 8, 6)

Die vierzig Tage beschreiben die Dauer des früheren


Zustands; das „Ende“ sagt aus, es beginne nun ein neuer
Zustand. Früher (7, 12), als es noch um Versuchungen ging,
hieß es noch „vierzig Tage und vierzig Nächte“. Jetzt ist vom
Zustand nach der Versuchung die Rede, und es werden vierzig
Tage, nicht aber Nächte erwähnt. Nun erwacht nämlich die
tätige Liebe, die im Wort mit dem Tag verglichen und auch Tag
genannt wird. Der Glaube hingegen, der vorangehen muß und
noch nicht mit der tätigen Liebe verbunden ist, gleicht der
Nacht und wird auch so genannt. Das geschieht deshalb, weil
der sein Licht von der tätigen Liebe erhält wie der Mond von
der Sonne. Daher wird der Glaube oft auch mit dem Mond
verglichen und Mond genannt. (HG 862)

12. Juli
Und die Wasser kehrten zurück von der Erde, sie
gingen und kehrten zurück, und die Wasser verrin-
gerten sich am Ende von hundertundfünfzig Tagen.
(1. Mose 8, 3)

Das verringern am Ende von hundertfünfzig Tagen stellt


das Ende eines Zustands dar, denn fünfzig und hundert bilden
eine Zeitgrenze.
Gehen und Zurücktreten bedeutet die Schwankungen zwi-
schen dem Wahren und Falschen. Die Wasser der Flut stellten
Versuchungen dar, und da es sich hier um den ersten Zustand

141
nach den Versuchungen handelt, kann das Hin und Her der
Wasser nur diese Schwankungen darstellen. Ist die Versuchung
himmlischer Art, erfolgt die Schwankung zwischen dem Guten
und Bösen, ist sie geistiger Art, erfolgt sie zwischen dem Wah-
ren und Falschen. Ist sie aber natürlicher Art, dann schwankt
sie zwischen dem, was Gegenstand der Begierden ist und deren
Gegensätzen.
Die verschiedenen Versuchungen dürfen nicht miteinander
vermengt werden. Himmlische Versuchungen können nur auf-
treten bei denen, die den Herrn lieben, geistige bei denen, die
den Nächsten durch Taten lieben. Die natürlichen haben mit
diesen nichts zu tun und sind nicht eigentliche Versuchungen,
sondern bloß Bangigkeiten auf Grund der Anfechtung der
natürlichen Neigungen durch Unglücksfälle, Krankheiten und
böse Beschaffenheit des Blutes oder der Körpersäfte.
(HG 847)

13. Juli
Es sei ferne von dir, so zu tun, sterben zu lassen
den Gerechten mit dem Gottlosen, und daß so der
Gerechte sei wie der Gottlose; ferne sei es von dir,
wird der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben?
(1. Mose 18, 25)

Der Richter der ganzen Erde ist im inneren Sinn das Gute,
aus dem das Wahre kommt, was in jener Kirche symbolisiert
wurde durch die Priester, die zugleich Richter waren. Als
Priester stellten sie das göttliche Gute dar, als Richter das gött-
liche Wahre. Der Richter der ganzen Erde aber steht für beides
wegen der Bedeutung der Erde, die ein Bild des gesamten
Menschen ist. (HG 2258)

142
14. Juli
Denn ich kenne ihn, daß er befehlen wird seinen
Söhnen und seinem Hause nach ihm, daß sie
bewahren den Weg Jehovahs, zu Gerechtigkeit und
Recht, auf daß Jehovah kommen lasse auf
Abraham, was er geredet hat über ihn.
(1. Mose 18, 19)

Oberflächlich gesehen hängt Gerechtigkeit mit gerecht,


Gericht aber mit Recht zusammen. Gerecht ist, was nach dem
Gebot des Guten gerichtet wird, und zwar gemäß dem Wissen,
recht aber wenn nach dem Gesetz gerichtet wird, und zwar
gemäß dem, was am Gesetz gerecht ist, d.h. auch gemäß dem
Gewissen.
Im inneren Sinn aber stammt Gerechtigkeit vom Guten ab
und Gericht vom Wahren. Gut ist, was zur Liebe und zur täti-
gen Liebe, wahr, was zum Glauben aus der Liebe gehört.
(HG 2235)

15. Juli
Der da mehret das Fürstentum, und des Friedens
ist kein Ende auf Davids Thron und seinem
Königreich, es zu befestigen und zu stützen mit
Recht und Gerechtigkeit von nun an und bis in
Ewigkeit. Der Eifer Jehovahs der Heerscharen tut
solches. (Jes. 9, 6)

Weil die Regierung aus dem Guten, wie sie im himmli-


schen Reich des Herrn besteht, Gerechtigkeit heißt, die
Regierung aus dem Wahren im geistigen Reich des Herrn

143
jedoch Gericht, wird auch im Wort Gottes von Gerechtigkeit
und Gericht gesprochen, wo vom Himmel und von der Kirche
die Rede ist. Mit Gerechtigkeit wird das himmlische Gute
bezeichnet, mit Gericht das geistige Gute, das seinem Wesen
nach das Wahre ist. (HH 216)
Weil der Vater im Herrn ist und der Vater und der Herr eins
sind, und weil man an ihn glauben soll und wer an ihn glaubt,
das ewige Leben hat, so ist offenbar, daß der Herr Gott ist, wie
er an vielen Stellen lehrt. … Wer zur Kirche gehört und im
Licht aus dem Himmel ist, sieht das Göttliche im Herrn. Wem
aber das Licht aus dem Himmel verdeckt ist, sieht nur das
Menschliche im Herrn. (NJ 284)

16. Juli
Dan wird richten sein Volk wie einer der Stämme
Israels. Dan wird sein eine Schlange auf dem Weg …
(1. Mose 49, 16)

Richten weist auf das Wahre im Amt hin. Das Volk sind
Menschen, die das Wahre lieben, aber das Gute noch nicht
kennen. Die Stämme Israels sind das Wahre im allgemeinen,
und es sind ja nun die Wahrheiten, die Recht sprechen. Im
Wort liest man, daß die vierundzwanzig Ältesten auf Thro-
nen sitzen und die Heiden und Völkerschaften richten wer-
den, ferner, daß die zwölf Apostel ebenfalls auf Thronen sit-
zen werden, um zu richten die zwölf Stämme Israels. Diese
vierundzwanzig Ältesten, die zwölf Apostel und die Throne
bedeuten die Wahrheiten in ihrer Gesamtheit, nach denen
das Urteil gefällt wird. Und diese Wahrheiten sind letztlich
der Herr allein, denn von ihm gehen alle Wahrheiten aus.
(HG 6397)

144
17. Juli
Im Schweiß deines Angesichts wirst du Brot essen,
bis du zurückkehrst in den Boden, weil aus ihm du
genommen bist; denn Staub bist du, und zum
Staub wirst du zurückkehren. (1. Mose 3, 19)

Unter Brot ist alles Geistige und Himmlische zu verstehen,


das die Speise der Engel ist, nach deren Entzug sie nicht leben
könnten, sowenig wie die Menschen, wenn ihnen das Brot
oder die Speise verweigert würde. Auch ist der Herr das Brot,
weil alles Geistige und Himmlische von ihm kommt. Daß
Adam das Brot im Schweiß des Angesichts essen werde, sagt
aus, er werde sich vom Himmlischen abwenden. (HG 276)

18. Juli
Eure Väter haben Manna gegessen in der Wüste
und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom
Himmel herabkommt, damit, wer von demselben
ißt, auch nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot,
das vom Himmel herabgekommen ist, wenn
jemand essen wird von diesem Brot, der wird leben
in Ewigkeit. (Joh. 6, 49-51)

Was geistige und himmlische Speise sei, kann man am


besten im anderen Leben wissen. Der Herr allein ist das Leben
aller, von ihm kommt alles und jedes, was die Engel und
Geister denken, reden und tun; nicht allein, was die Engel und
die guten Geister, sondern auch was die bösen Geister unter-
nehmen. … Gegenstände, die von der Sonne Licht aufnehmen,
geben dieses in verschiedener Weise zurück, manche verwan-
deln es je nach ihrer Form und der Anordnung ihrer Teile in

145
widrige und häßliche Farben, andere in angenehme und schö-
ne. So lebt der Himmel und die gesamte Geisterwelt von allem,
was aus dem Mund des Herrn ausgeht, und jeder hat sein
Leben von ihm, nicht allein der Himmel und die Geisterwelt,
sondern auch die gesamte Menschheit. (HG 681)

19. Juli
Und Joseph sah Benjamin mit ihnen, und sprach
zu dem, der über sein Haus war: Bringe die Männer
herein ins Haus und schlachte und bereite; denn
die Männer sollen mit mir essen am Mittag. … Und
er wusch sein Gesicht und kam heraus und hielt an
sich und sprach: Setzet Brot auf.
(1. Mose 43, 16. 31)

Brot bedeutet im inneren Sinn also alles, was himmlische


Speise genannt wird. Auch bei Brandopfern und Schlacht-
opfern, die von Lämmern, Schafen, Ziegen, Böcken usw. dar-
gebracht wurden, wird von „Brot der Feuerung für Jehovah“
gesprochen. Und so sagt Joseph: „Setzet Brot auf“ und meint
damit, man sollte den Tisch zurichten. Brot steht also auch hier
für alle Speisen. (HG 2165)

20. Juli
Und er nahm Butter und Milch und den Sohn des
Rindes, den er zubereitet, und setzte es ihnen vor,
und er stand vor ihnen unter dem Baum; und sie
aßen. (1. Mose 18, 8)

Butter ist das Himmlische der Vernunft, Milch ihr


Geistiges, der Sohn des Rindes hingegen das dazu passende
Natürliche. Essen bedeutet mitgeteilt werden, verbunden wer-

146
den, wie auch dadurch belegt wird, daß Aharon, seine Söhne,
die Leviten und zuletzt das Volk die geheiligten Stücke des
Opfers an heiligem Ort essen sollten, wodurch Verbindung
und Aneignung der himmlischen Güter dargestellt wird.
(HG 2187)

21. Juli
Viele werden kommen vom Aufgang und vom
Niedergang und mit Abraham, Jischak und Jakob
zu Tische liegen im Reich der Himmel.
(Mat. 8, 11)

Natürlich werden sie nicht im Himmel mit ihnen essen.


Denn Abraham stellt das Innerste der himmlischen Liebe dar,
Jischak deren Vernunft und Jakob deren Natürliches. Mit
ihnen zu Tische liegen heißt demnach, daß sie die durch die
drei symbolisierten himmlischen Güter genießen.
(HG 2187)
Bei allen Völkern in der ganzen Welt, die einer Religion fol-
gen, finden sich Vorschriften wie die der zehn Gebote. Und alle
diejenigen, die aus Religion danach leben, werden selig, und im
Gegensatz dazu werden alle verdammt, die nicht danach leben.
Die ersteren werden nach dem Tod von Engeln unterrichtet
und nehmen das Wahre auf und erkennen den Herrn an, denn
sie fliehen das Böse als Sünde und lieben das Gute und aus die-
sem das Wahre. (LL 65)

22. Juli
Da sprach Laban zu ihm: Wahrlich, du bist mein
Bein und mein Fleisch; und er wohnte bei ihm

147
einen Monat von Tagen. Und Laban sprach zu
Jakob: Weil du mein Bruder bist, solltest du mir
umsonst dienen? Sage mir an, was dein Lohn sein
soll. (1. Mose, 29, 14. 15)

Fleisch bedeutet im höchsten Sinn das Eigene des göttlich


Menschlichen des Herrn, nämlich das göttliche Gute, als Ent-
sprechung auch das Eigene im Willen des Menschen, das lebt
unter dem Einfluß des göttlich Guten vom Herrn. Dieses
Eigene wird das himmlisch Eigene genannt, das an sich dem
Herrn gehört, aber denen zugeeignet wird, die sich um das
Gute bemühen und daher die Wahrheiten lieben. Ein solches
Eigenes besitzen die Engel in den Himmeln und die Menschen,
die in Bezug auf ihr Inneres im Reich des Herrn weilen.
(HG 3813)

23. Juli
Und Jakob brachte ein Opfer dar auf dem Berg
und rief seine Brüder, das Brot zu essen, und sie
aßen das Brot und übernachteten auf dem Berg.
(1. Mose 31, 54)
Die Opfer stellten in der jüdischen Kirche die himmlischen
Dinge dar, die zum Reich des Herrn in den Himmeln, auf
Erden oder in der Kirche gehören, und auch zum Reich des
Herrn oder seiner Kirche in jedem einzelnen, der den Herrn
und den Nächsten liebt. (HG 2165)
Man aß vom Fleisch der Opfer, um damit das himmlische
Gastmahl abzubilden, d.h. die Verbindung mit den himmli-
schen Dingen durch Liebe und tätige Liebe. Das alles umfaßt
jetzt das heilige Abendmahl, denn dieses trat an die Stelle der
Opfer und Gastmähler. Es ist das Äußere der Kirche und
schließt das Innere mit ein und verbindet ebenso durch das

148
Innere den Menschen der Liebe und tätigen Liebe mit dem
Himmel und durch diesen mit dem Herrn. Wenn ein Mensch
in heiliger Stimmung durch das heilige Abendmahl die himm-
lische und geistige Liebe sich aneignet, wird das im Himmel
wahrgenommen. (HG 4211)

24. Juli
Und sie nahmen alle Habe von Sodom und
Gomorrha und all ihre Speise und zogen davon.
(1. Mose 14, 11)
Unter der Habe Sodoms und Gomorrhas wird im inneren
Sinn das Böse und Falsche verstanden, nämlich unter der Habe
das Bösen und unter der Speise das Falsche. Geistige Reich-
tümer sind bei den Guten nur Gutes und Wahres, mit dem sie
vom Herrn beschenkt und begütert wurden, bei den Bösen
aber im Gegenteil Böses und Falsches, das sie sich selbst ange-
eignet haben.
Die Speise der höllischen Geister ist das, was der Weisheit
Verständigkeit und wahren Kenntnissen entgegen steht, näm-
lich alles Falsche. Durch diese Speise werden auch sie erhalten,
denn sie bedürfen der Gelegenheit, das Wahre zu tadeln, ja zu
lästern, sonst können sie nicht leben. Es wird ihnen aber nur
erlaubt, sich mit Falschem zu befassen, das zu ihrem eigenen
Bösen paßt und nicht etwa diesem widerspricht, denn das wäre
Betrug. (HG 1694, 95)

25. Juli
Als ich hinblickte, siehe, da war eine Hand von
einem Geist gegen mich ausgestreckt, und in ihr ein
Buchrolle, die sich vor meinen Augen entfaltete. Sie
war von vorn und hinten beschrieben. (Ez. 2, 9. 10)

149
Da die Engel eine aus Wörtern bestehende Sprache haben,
kennen sie auch die Schrift, durch die sie ihre Empfindungen
und Gedanken ebenso ausdrücken können wie durch ihre
Sprache. Es wurden mir mehrmals beschriebene Blätter zuge-
stellt, ganz so wie beschriebene oder bedruckte Blätter in der
Welt, und ich konnte sie auch ebenso lesen. Doch durfte ich
ihnen nicht mehr als einen oder zwei Gedanken entnehmen,
weil es der göttlichen Ordnung widerspräche, durch Schriften
aus dem Himmel unterrichtet zu werden. Dies soll vielmehr
durch das göttliche Wort geschehen. (HH 258)

26. Juli
Wahrlich, ich sage euch, bis daß Himmel und Erde
vergehen, soll kein Jota noch Strichlein vom
Gesetz vergehen, bis daß alles geschehe.
(Mat. 5, 18)

Im innersten Himmel besteht die Schrift aus vielerlei einge-


bogenen und gekrümmten Zügen, die nach der Form des
Himmels verlaufen. Durch sie drücken die Engel Geheimnisse
ihrer Weisheit aus, wie auch manches, das sie nicht in Worten
auszusprechen vermögen, und – was wunderbar ist – die Engel
beherrschen diese Schrift ohne Mühe und Lehrer; sie ist ihnen
eingepflanzt wie die Sprache. Das ist so, weil sich deren Gedan-
ken und Gefühle und somit auch alle Mitteilungen ihrer
Einsicht und Weisheit nach der Form des Himmels ausbreiten.
So kommt es, daß sich in diese auch ihre Schrift ergießt. Auch
die Angehörigen der Ältesten Kirche auf der Erde sollen eine
solche Schrift besessen haben, ehe die Buchstaben erfunden
wurden, und diese Schrift sei in die Buchstaben der hebräischen
Sprache übergegangen, die in den alten Zeiten alle gekrümmt
gewesen seien und nicht in Linien auslaufend wie jetzt. Daher

150
kommt es, daß im Wort göttliche Dinge und himmlische
Geheimnisse selbst in den Jota, Strichlein und Häkchen liegen.
(HH 260)

27. Juli
Ich werde mein Gesetz in ihr Gemüt legen und auf
ihr Herz es schreiben, und es soll nicht mehr einer
seinen Genossen lehren, noch jemand seinen
Bruder, indem er spricht: Erkennet den Jehovah!
Denn sie alle sollen mich erkennen, vom kleinsten
bis zum größten derselben. (Jer. 31, 33. 34)

Die Engel des dritten Himmels legen die Wahrheiten nicht


in ihrem Gedächtnis nieder und machen also auch nicht
irgendein Wissen daraus, sondern sobald sie sie hören, neh-
men sie sie in sich auf und wenden sie aufs Leben an. Daher
kommt es, daß die göttlichen Wahrheiten bei ihnen wie einge-
schrieben haften. Bemerkenswerterweise werden sie durch das
Gehör vervollkommnet, und nicht durch die Augen. Was sie in
der Predigt hören, geht bei ihnen nicht ins Gedächtnis, son-
dern wird unmittelbar begriffen und erfaßt, geht damit in den
Willen über und wird zu einer Sache des Lebens. Was aber
diese Engel mit ihren Augen sehen, nehmen sie in ihr
Gedächtnis auf und treten darüber in Erörterungen ein und
sprechen miteinander. (HH 271)

28. Juli
Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie
die Tauben. (Mat. 10, 16)

Die Unschuld der Weisheit ist echt, weil sie innerer Art ist.
Sie liegt im Gemüt und im Willen und daraus auch im

151
Verstand. Wenn darin Unschuld ist, so ist diese auch Weisheit,
denn Weisheit gehört dem Gemüt und dem Willen an. Die
Engel lieben alles Gute und freuen sich an allem Wahren, denn
sie wissen und empfinden: das Gute lieben und es daher auch
wollen und tun, heißt den Herrn lieben; und das Wahre lieben
bedeutet, den Nächsten zu lieben. Sie sind zufrieden mit dem,
was sie haben, es sei wenig oder viel, weil sie wissen, daß sie
soviel empfangen, wie für sie gut ist, wenig, wenn ihnen wenig,
viel, wenn ihnen viel bekömmlich ist. Darum machen sie sich
keine Gedanken um die Zukunft, die sie als“Sorge für den
morgigen Tag“ bezeichnen. Diese, so meinen sie, entspringe
dem Kummer über Verlust oder Mangel an Dingen, die für die
Bedürfnisse des Lebens nicht wirklich nötig seien. … In der
äußeren Gestalt erscheinen sie meistens einfältig, der inneren
Gestalt nach sind sie weise und klug. (HH 278)

29. Juli

Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret


ihnen nicht, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich der Himmel
nicht aufnimmt wie ein Kind, der wird nicht hinein-
kommen. (Mark 10, 14. 15)

Die kleinen Kinder stellen die Unschuldigen dar. Das Gute


ist nur soweit gut, wie ihm Unschuld innewohnt, weil alles
Gute vom Herrn stammt und die Unschuld darauf beruht,
daß man vom Herrn geführt werden will. Auch kann das
Wahre mit dem Guten und umgekehrt durch nichts anderes
verbunden werden als durch Unschuld. Daher kann kein
Engel des Himmels ohne Unschuld existieren. Auch hat wahre
eheliche Liebe ihren Ursprung in der Unschuld, denn auch sie

152
beruht auf der Verbindung des Guten mit dem Wahren in den
Gemütern der beiden Ehegatten. (HH 281)

30. Juli
Danach aber bestellte der Herr noch siebzig ande-
re und sandte sie zu je zweien vor seinem
Angesicht in jede Stadt und jeden Ort, dahin er
selbst kommen wollte. Er sprach dann zu ihnen: …
In welches Haus ihr aber eintretet, so sprecht
zuerst: Friede sei diesem Haus. Und wenn allda ein
Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm
ruhen. (Luk. 10, 1. 5. 6)

Der Herr heißt der „Fürst des Friedens“, weil die himmli-
schen Freuden die Quellen des Friedens sind, und sagt, daß
Friede von ihm ausgehe und Friede in ihm sei. Darum heißen
auch die Engel Friedensengel und wird der Himmel als
Wohnung des Friedens bezeichnet. Weil der Friede den Herrn
und den Himmel, wie auch die himmlische Freude und das
Angenehme des Guten bedeutet, so begrüßte man sich im
Altertum mit den auch jetzt noch gültigen Worten: „Friede sei
mit euch!“ Und weil unter dem Frieden die Vereinigung des
göttlichen Wesens mit dem göttlich-menschlichen Wesen des
Herrn zu verstehen ist, ebenso unter der Kirche die
Verbindung des Herrn mit dem Himmel und dessen Bewoh-
nern und mit denjenigen Gliedern der Kirche, die ihn aufneh-
men, darum wurde als Zeichen der Sabbat eingesetzt und nach
der Ruhe bzw. nach dem Frieden benannt. (HH 287)

31. Juli
An jenem Tag wird eine Straße führen von Ägyp-
ten nach Aschur, und Aschur wird nach Ägypten

153
kommen und Ägypten nach Aschur, und die Ägyp-
ter werden Aschur dienen. An jenem Tag wird
Israel der dritte sein für Ägypten und Aschur, ein
Segen inmitten des Landes, das segnen wird
Jehovah der Heerscharen und sprechen: Gesegnet
sei mein Volk Ägypten, und Aschur, meiner Hände
Werk, und Israel, mein Erbe. (Jes. 19, 23-25)

Die Engel denken hier an den Menschen der geistigen


Kirche, der hier beschrieben wird. Sein geistiger Bereich wird
durch Israel, der natürliche durch den Ägypter und die
Vernunft, also die Mitte, durch Aschur dargestellt; dennoch
bilden beide eine Einheit, weil sie einander entsprechen. Wenn
daher die Engel in der genannten Weise geistig denken und der
Mensch natürlich, so sind sie miteinander verbunden, beinahe
wie Seele und Leib. In der Tat ist auch der innere Sinn des
Wortes dessen Seele und der Buchstabensinn dessen Leib. Von
dieser Beschaffenheit ist das Wort durchgehend. Damit ist klar,
daß das Wort als Mittel zur Verbindung des Himmels mit dem
Menschen dient und sein Buchstabensinn als Stütze und
Grundlage. (HH 307)

1. August

Und Noach baute dem Jehovah einen Altar und


nahm von allem reinen Vieh und von allem reinen
Geflügel und opferte Brandopfer auf dem Altar.
(1. Mose 8, 20)
Dies ist die Beschreibung des Gottesdienstes in der Alten
Kirche. Der Mensch der Ältesten Kirche hingegen hatte keinen
anderen Dienst als den inneren, wie er im Himmel üblich ist.

154
Denn bei ihnen hatte der Himmel Gemeinschaft mit den
Menschen. Diese beruhte auf dem inneren Begreifen und
Erfassen. Sie waren also engelische verinnerlichte Menschen
und fühlten zwar die äußeren Ansprüche des Körpers und
der Welt, kümmerten sich aber kaum darum. Bei jedem
Objekt der Sinne gewahrten sie Göttliches und Himmlisches.
Das erinnert daran, daß die allgemeine Gestimmtheit alles
Besondere, das die Sinne wahrnehmen, beeinflußt. Wer in der
Seele vergnügt ist, dem erscheint alles, was er hört und sieht,
heiter und lachend, im Gegensatz zu dem, der in der Seele
traurig ist. (HG 920)

2. August
Aber Jehovah sprach: Fürwahr, wer Kain erwürgt,
das soll siebenfach gerächt werden. Und Jehovah
setzte ein Zeichen an Kain, auf daß wer ihn fände,
ihn nicht erschlüge. (1. Mose 4, 15)

Als aber die Kirche abwich, ging das Gespür für das
Himmlische verloren, die Welt nahm überhand. Der Mensch
geriet in die Gemeinschaft mit der Hölle, anstelle des unmittel-
baren Erfassens traten die Lehren. Die Generationen, die Kain
und Chanoch hießen, sammelten diese Lehren. Diese enthiel-
ten nur noch Bezeichnungen und dadurch rätselhafte Angaben,
was die auf der Erde befindlichen Dinge bedeuteten, z.B. daß
die Berge Himmlisches und den Herrn darstellten, die Bäume
und ihre Früchte aber den Menschen und sein Himmlisches.
Ihr Gottesdienst, den sie auf Bergen und in Hainen abhielten,
beruhte auf diesen Lehren, und die Altäre und die Brandopfer
wurden ihre Hauptbestandteile. (HG 920)

155
3. August
Und die Söhne Noachs, die von der Arche ausgin-
gen, waren Schem und Cham und Japhet; und
Cham war der Vater Kanaans. (1. Mose 9, 18)

Wie in jeder Kirche, gab es auch in der Alten verinnerlich-


te Menschen, verdorbene innerliche und äußerliche. Die
Verinnerlichten sind die, welche die tätige Liebe zum
Schwerpunkt des Glaubens machen; die verdorbenen
Innerlichen sind die, welche sich einem Glauben ohne tätige
Liebe hingeben, und die Äußerlichen sind die, welche sich
wenig um einen inneren Menschen scheren, gleichwohl aber
tätige Liebe üben und die Gebräuche der Kirche gewissenhaft
pflegen.
Die Innerlichen werden nun Schem genannt, die verdorbe-
nen Innerlichen Cham (und Kanaan), die Äußerlichen Japhet.
(HG 1062)

4. August
Und er sprach: verflucht sei Kanaan! Der Knecht
der Knechte soll er seinen Brüdern sein.
(1. Mose 9, 25)
Verflucht werden heißt sich abkehren, denn der Herr ver-
flucht ja niemanden. Er zürnt nicht einmal, sondern der
Mensch ist es, der sich dadurch verflucht, daß er sich vom
Herrn abwendet. Ein Geheimnis ist auch, daß hier nicht Cham
verflucht wird, während er doch derjenige war, der die Blöße
seines Vaters sah und den Brüdern anzeigte, sondern Kanaan,
sein Sohn, der nicht sein einziger und auch nicht sein
Erstgeborener war, sondern der Ordnung nach der vierte. Das
hat seinen Grund darin, daß Cham den von der tätigen Liebe
getrennten Glauben in der geistigen Kirche darstellt, die nicht

156
verflucht werden kann, sofern dem Glauben dieser Kirche
noch Heiligkeit innewohnt, weil nämlich Wahrheit der tätigen
Liebe beigefügt werden kann, sodaß sie gewissermaßen deren
Bruder ist, auch wenn sie selbst ohne die tätige Liebe kein
Glaube ist. So wurde also nicht Cham sondern Kanaan ver-
flucht. Dazu kommt, daß auch die Einwohner Kanaans ihren
Gottesdienst größtenteils auf Äußerlichkeiten aufbauten.
(HG 1093)

5. August
Und die Philister nahmen die Lade Gottes und
brachten sie von Ebeneser nach Aschdod hinein.
Und die Philister nahmen die Lade Gottes und
brachten sie in Dagons Haus und stellten sie neben
Dagon. … Und am morgenden Tag standen sie
frühe am Morgen auf, und siehe, Dagon war auf
sein Gesicht zur Erde gefallen vor der Lade
Jehovahs, und der Kopf Dagons und seine beiden
Hände abgehauen auf der Schwelle. Nur Dagon
verblieb. (1 Sam. 5, 1-4)

Was alles auf der Erde existiert, Bäume, Vieh, Vögel aller
Art, Fische und übriges, entspricht himmlischen Dingen. Die
Alten, denen diese Entsprechungen vertraut waren, machten
sich Bilder und stellten sie nicht nur in den Tempeln sondern
auch in ihren Häusern auf, um sich der himmlischen Dinge zu
erinnern, die sie darstellten. So gab es auch in Ägypten und
anderswo viele Abbilder von Kälbern, Rindern, Schlangen,
Knaben, Greisen, Jungfrauen usw. Nachdem nun das Wissen
um diese Entsprechungen in Vergessenheit geraten war, fingen
die Nachkommen an, die Bilder als etwas Heiliges und zuletzt
sogar als Gottheiten zu verehren. Ebensolches geschah bei

157
anderen Völkern, z.B. bei den Philistern in Aschdod. Dagon
war oben wie ein Mensch und unten wie ein Fisch. Man hatte
dieses Bild erfunden, weil der Mensch die Einsicht, der Fisch
aber die Kenntnisse bedeutet, die zusammen eine Einheit bil-
den. Das Wissen von den Entsprechungen hat aber in mehre-
ren Morgenländern bis zur Ankunft des Herrn weiter gedau-
ert, wie man an den Weisen aus dem Morgenland sehen kann,
die zum Herrn kamen. (LHS 23)

6. August
Und Jesus kam zu ihnen, redete mit ihnen und
sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und
auf Erden. Darum gehet hin und macht zu Jüngern
alle Völkerschaften und taufet sie im Namen des
Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
(Mat. 28, 18. 19)

Die beiden Sakramente der Taufe und des Heiligen


Abendmahls sind in der christlichen Kirche wie zwei Kleinode
im Zepter des Königs. Kennt man ihre Bedeutung nicht, so
sind sie lediglich wie zwei Figuren von Ebenholz an einem
Stab. Diese beiden Sakramente gleichen in ihrem Nutzen
einem Tempel, der infolge Alters in die Erde versunken ist und
bis ans Dach mit Trümmern bedeckt daliegt, über die Jung und
Alt hinweg geht, im Wagen fährt oder reitet, ohne etwas zu
ahnen ….
Man kann diese beiden Sakramente aber auch mit einem
doppelten Tempel vergleichen, einer über dem andern, in
deren unterem den Menschen das Evangelium von der neuen
Ankunft des Herrn sowie von der Wiedergeburt und
Beseligung durch ihn verkündet wird. Um den Altar herum
aber führt ein Gang in den oberen Tempel hinauf, in dem mit

158
ihnen das Heilige Abendmahl gefeiert wird, und von dort geht
der Übergang in den Himmel, wo der Herr sie aufnimmt.
(WCR 669)

7. August
Mein Gott, warum hast du mich verlassen?
(Mat. 27, 46)

Der Mensch wird in Versuchungen scheinbar ganz auf sich


allein gestellt, aber Gott ist gerade dann aufs unmittelbarste in
seinem Innersten gegenwärtig und unterstützt ihn. Wer daher
in der Versuchung überwindet, wird aufs innigste mit Gott ver-
bunden, und ebenso wurde der Herr dadurch aufs innigste mit
seinem Vater vereinigt.
Die Seele leidet bei körperlichen Beschwerden des
Menschen nicht eigentlich, sondern empfindet nur Betrübnis.
Nach dem Sieg aber nimmt Gott diese Betrübnis hinweg und
wischt sie ab, wie man Tränen von den Augen abwischt.
(WCR 126)

8. August
Fortsetzung
Nur wer wiedergeboren wird, gerät in geistige
Versuchungen, denn diese, die von bösen Geistern eingeleitet
werden, sind Schmerzen des Gemüts, die nur von denen emp-
funden werden, die sich um das Gute und Wahre bemühen.
Sobald diese bösen Geister das vorhandene Böse aufwühlen,
entsteht eine Angst, die aus der Verführung stammt. Der
Mensch weiß aber nicht, woher das kommt oder weshalb ihm
so bange ist.
Denn bei jedem Menschen sind böse und gute Geister.
Nähern sich die bösen, aktivieren sie das Böse, und umgekehrt

159
geht es mit den guten. Das Resultat ist eine Kollision und ein
Streit, woraus die Beängstigung resultiert, die Versuchung
heißt. Versuchungen sind also ein Produkt der Hölle. Gott ver-
sucht niemanden, wie auch der Glaube der Kirche bestätigt.
(NJ 187)

9. August
Fortsetzung
In der Versuchung wird um die Herrschaft des Guten über
das Böse oder umgekehrt gestritten. Das Böse, das herrschen
möchte, ist im äußeren Menschen angesiedelt, das Gute im
inneren oder geistigen. Wenn es Sieger bleibt, herrscht
anschließend der geistige Mensch.
Dieser Streit wird durch das Wahre des Glaubens ausge-
fochten, das aus dem Wort stammt. Mit dieser Waffe muß der
Mensch wider das Böse und Falsche streiten. Tut er es anders,
kann er nicht siegen, weil der Herr in nichts anderem als im
Wahren zu ihm kommt. Weil das nun so ist, gerät der Mensch
nicht eher in diesen Streit, als bis er die nötigen Erkenntnisse
des Wahren und Guten besitzt und aus ihnen einiges geistiges
Leben erlangt hat, wozu das Alter eines Erwachsenen gehört.
(NJ 190, 191)

10. August
Und alsbald trieb ihn der Geist hinaus in die Wüste.
Und er war allda in der Wüste vierzig Tage, versucht
von dem Satan, und er war mit den wilden Tieren;
und die Engel dienten ihm. (Mark. 1, 12. 13)

Bekannt ist in der Kirche, daß der Herr den Tod, unter
dem man die Hölle zu verstehen hat, besiegte und

160
anschließend mit Herrlichkeit in den Himmel stieg. Aber
noch nicht bekannt ist, daß der Herr durch Kämpfe, nämlich
Versuchungen, den Tod oder die Hölle besiegt und zugleich
dadurch seine Menschennatur verherrlicht hat, und daß das
Leiden am Kreuz der letzte Kampf oder die letzte Versuchung
gewesen ist, durch die er gesiegt und sich verherrlicht hat.
Hiervon ist oft die Rede bei den Propheten und bei David,
aber nicht so oft bei den Evangelisten. Bei diesen wurden die
Versuchungen, die er von Kindheit an aushielt, auf einmal
zusammengedrängt beschrieben durch die Versuchungen in
der Wüste. (LvH 12)

11. August

Zwölf Jahre hatten sie Kedorlaomer gedient, und


im dreizehnten Jahr empörten sie sich.
(1. Mose 14, 4)
Daß sie zwölf Jahre gedient hatten beschreibt die ganze
Zeit, solange ein Gutes und Wahres da ist, denn zwölf bedeutet
im inneren Sinn alles, was dem Glauben der tätigen Liebe
angehört (Kedorlaomer ist ein Bild für das scheinbar Gute und
Wahre im Herrn, also den äußeren Menschen). Solange ein
solches Gutes im Menschen ist, sei es in seinem Knabenalter
oder in seiner übrigen Lebenszeit, kann das Böse und Falsche
nichts ausrichten, d.h., die bösen Geister mucksen nicht, etwas
zu tun oder etwas Böses zuzufügen, wie sich das deutlich an
den Kindern zeigt, gutartigen Knaben und solchen, die einfäl-
tigen Herzens sind. Wenn sich bei diesen auch böse Geister
oder die ärgsten aus der höllischen Rotte befänden, so würden
sie doch gar nichts ausrichten können, sondern wären unter-
jocht, was hier dadurch beschrieben wird, daß sie zwölf Jahre
dem Kedorlaomer gedient hatten. (HG 1667)

161
12. August
Jesus aber, voll des Heiligen Geistes kehrte zurück
vom Jordan und ward vom Geist in die Wüste
geführt und ward vierzig Tage vom Teufel versucht
und aß nichts in selbigen Tagen; und als sie voll-
endet waren, hungerte ihn. Und der Teufel sprach
zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich zu die-
sem Stein, daß er Brot werde. Und Jesus antwor-
tete ihm und sprach: Es ist geschrieben: Der
Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von
jeglicher Rede Gottes. (Luk. 4, 1-4)

Die Liebe von jemandem zerstören heißt, dessen eigentli-


ches Leben zerstören, denn die Liebe ist das Leben. Das Leben
des Herrn war die Liebe zur gesamten Menschheit, und zwar
so groß und stark, daß sie nichts als lauter Liebe war. Gegen
dieses Leben wurden fortwährende Versuchungen zugelassen
vom ersten Knabenalter bis zur letzten Stunde in der Welt. Die
Liebe, die das eigenste Leben des Herrn war, wird dadurch
beschrieben, daß ihn hungerte und der Teufel zu ihm sprach.
(HG 1690)

13. August
Und der Teufel führte ihn auf einen hohen Berg
und zeigte ihm alle Reiche des Erdkreises in
einem Augenblick der Zeit. Und der Teufel sprach
zu ihm: All diese Gewalt will ich dir geben und
ihre Herrlichkeit; denn mir ist sie übergeben, und
ich gebe sie, wem ich will: So du nun vor mir
anbetest, soll es alles dein sein. Und Jesus ant-
wortete ihm und sprach: Gehe weg hinter mich,

162
Satanas. Es ist geschrieben: Du sollst den Herrn
deinen Gott anbeten und ihm allein dienen.
(Luk. 4, 5-8)

Daß er gegen die Weltliebe und alles, was zu dieser gehört,


kämpfte, geht daraus hervor, daß ihn der Teufel auf einen
hohen Berg führte und ihm alle Macht und Herrlichkeit anbot.
Jesus aber wies ihn ab mit den Worten: Gehe hinter mich,
Satanas, denn es steht geschrieben: du sollst anbeten den
Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen. (HG 1690)

14. August
Und er führte ihn gen Jerusalem und stellte ihn auf
die Zinne des Heiligtums und sprach zu ihm: Bist
du Gottes Sohn, so wirf dich von hinnen hinab;
denn es ist geschrieben; er wird seinen Engeln über
dir gebieten, daß sie dich bewahren. Und auf den
Händen sollen sie dich tragen, daß du deinen Fuß
nicht an einen Stein stoßest. Und Jesus antwortet
und sprach zu ihm: Es ist gesagt: du sollst den
Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.
(Luk. 4, 9-12)

Er kämpfte auch gegen die Selbstliebe und alles, was zu die-


ser gehört. Das sehen wir daraus, daß ihn der Teufel ermunter-
te, sich von der Zinne des Tempels zu stürzen und auf diese
Weise die Hilfe Gottes herauszufordern. Er aber sprach: Du
sollst den Herrn, deinen Gott nicht versuchen.
Der Herr wurde also vom ersten Knabenalter an bis zu sei-
ner letzten Stunde in der Welt von allen Höllen angegriffen. Er
bezwang, unterjochte und besiegte sie fortwährend, und zwar
einzig und allein aus Liebe zur gesamten Menschheit. Weil aber

163
diese Liebe nicht menschlich sondern göttlich war, und weil
die Stärke der Versuchung der Größe der Liebe angepaßt ist, so
wird deutlich, wie schwer die Kämpfe waren und wie groß die
Unbändigkeit der Höllen. (HG 1690)

15. August

Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast,


habe ich ihnen gegeben, auf daß sie eins seien, wie
wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf daß sie
vollendet seien in eins und daß die Welt erkenne,
daß du mich entsandt und sie geliebt hast, wie du
mich geliebt hast. Ich habe ihnen deinen Namen
kundgetan und werde ihn kund tun, auf daß die
Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei
und ich in ihnen. (Joh. 17, 22. 23. 26)

Der Herr sprach von seiner Verbindung mit den


Menschen wie von seiner Verbindung mit dem Vater, d.h. von
der Verbindung seines menschlichen mit dem göttlichen
Wesen, das in ihm war. Er tat das, weil der Herr nicht mit dem
Eigenen des Menschen verbunden wird, sondern mit dem
Seinigen im Menschen. Der Herr entfernt das Eigene und gibt
dem Menschen von dem Seinigen und wohnt darin. Daß das
so ist, drückt die Kirche beim heiligen Abendmahl mit den
folgenden Worten aus: Wenn wir mit einem wahrhaft
bußfertigen Herzen und lebendigen Glauben dieses heilige
Sakrament empfangen, dann essen wir das Fleisch Christi und
trinken sein Blut geistig; dann wohnen wir in Christus und er
in uns, und wir sind eins mit Christus und er mit uns.
(OE 254)

164
16. August
Und da die Tiere Herrlichkeit und Ehre und
Danksagung dem gaben, der auf dem Thron sitzt,
der da lebt in die Zeitläufe der Zeitläufe, fielen die
vierundzwanzig Ältesten vor dem auf dem Thron
Sitzenden nieder und beteten ihn an, der in die
Zeitläufe der Zeitläufe lebt, und warfen ihre Kronen
vor den Thron und sprachen: Herr, du bist würdig,
zu nehmen die Herrlichkeit und die Ehre und die
Kraft, denn du hast alle Dinge geschaffen, und
durch deinen Willen sind sie und wurden sie
geschaffen. (Offb. 4, 9-11)

Die hier beschriebene Anbetung bedeutet die Demütigung


und zugleich die Anerkennung, daß vom Herrn das ewige
Leben sei. Demütigung und Anerkennung von Herzen heißt
es, weil der Glaube, daß vom Herrn alles Gute und alles Wahre
und daher auch alle Einsicht, Weisheit und Seligkeit kommt,
sich nur in denen findet, die demütig sind; denn diese sind weit
von ihrem Eigenen. Das Eigene des Menschen aber nimmt und
erkennt nichts Gutes und Wahres vom Herrn an, denn es ist
nichts als Böses. Das Böse aber verwirft alles Gute und Wahre
des Himmels und der Kirche. (OE 291)

17. August
Gott hat ihn vergessen lassen die Weisheit, und hat
ihm keine Einsicht gewährt; zu welcher Zeit er sich
in die Höhe erhebt, verlacht er das Roß und seinen
Reiter. (Hiob 39, 17. 18)

Hier geht es um einen Vogel, der die Einsicht aus dem


Eigenen symbolisiert, die eigentlich gar keine Einsicht ist, denn

165
der Mensch sieht aus dem Eigenen nur Falsches und nichts
Wahres; und die Einsicht kommt doch aus dem Wahren, nicht
aber aus dem Falschen. Daher heißt es, Gott habe den Vogel die
Weisheit vergessen lassen. Daß er das Roß und seinen Reiter
verlache, will sagen, er achte das Verständnis des Wahren und
den Verständigen gering. (OE 355)

18. August
Und da das Haus gebaut wurde, ward es aus ganzen
Steinen, wie sie herbeigeführt wurden, gebaut, und
es wurden weder Hämmer noch Axt, irgendwelche
eiserne Geräte im Haus während des Bauens gehört.
(1. Kön. 6, 7)
Segnen wird Jehovah Zebaoth, sprechend: Geseg-
net ist mein Volk Ägypten, und das Werk meiner
Hände, Aschur und mein Erbe Israel.
(Jes. 19, 25)

Der Altar und der Tempel waren wesentlichste Symbole für


den Herrn im Hinblick auf das göttliche Gute und das göttli-
che Wahre. Daher stellten die Steine, aus denen sie gebaut wur-
den, die Wahrheiten der Lehre, der Religion und des Gottes-
dienstes dar. Auch bedeuten Steine im Wort das Wahre. Den
Wahrheiten der Lehre, also dem Gottesdienst, durfte nichts aus
eigener Einsicht hinzugefügt werden; das wird dadurch ausge-
drückt, daß die Steine, aus denen sie gebaut wurden, ganz sein
sollten und unbehauen; denn das Werk des Meisters und
Künstlers bedeutete Eigenes. Meißel, Hammer und Beil und
das Eisen ganz allgemein stehen für das Wahre in seiner letzten
Erscheinungsform, und dieses wird aus dem Eigenen des
Menschen häufig verfälscht; denn dieses Wahre ist identisch
mit dem Buchstabensinn des Wortes. Wo aber die Werke der

166
Hände dem Jehovah, d. h. dem Herrn zugeschrieben werden,
stellen sie den gebesserten oder wiedergeborenen Menschen
dar, auch die Kirche und insbesondere ihre Lehre vom Wahren
und Guten. (OE 585)

19. August
Und wenn jemand ihnen schaden will, so wird
Feuer ausgehen aus ihrem Mund, und wird ihre
Gegner verzehren; und wenn jemand ihnen scha-
den will, muß er auf diese Weise getötet werden.
Diese haben Macht, den Himmel zu verschließen,
so daß es nicht regnet in den Tagen ihrer Weis-
sagung; und haben Macht über die Wasser, sie zu
verwandeln in Blut und zu schlagen die Erde mit
aller Plage, so oft sie nur wollen.
(Offb. 11, 5. 6)

Das Wasser in Blut verwandeln heißt, das Wahre des


Wortes und der Lehre aus dem Wort zu verfälschen. Blut ver-
gießen bedeutet, der tätigen Liebe Gewalt antun. Die Erde mit
aller Plage schlagen heißt, die Kirche durch die Liebe zum
Bösen zu zerstören. Das sind die Konsequenzen der Liebe zum
Eigenen, das an sich betrachtet nur böse und falsch ist. Man
muß aber wissen, daß der Mensch, sobald er den Herrn aner-
kennt und nach seinen Geboten lebt, über sein Eigenes erho-
ben wird. Diese Erhebung verläuft aus dem Licht der Welt in
das des Himmels. Daß dies vor sich geht, weiß er nicht, solan-
ge er in der Welt lebt, weil er es nicht fühlt. Es geschieht aber
dennoch und damit verbunden ein Zug des inneren Verstandes
und Willens zum Herrn, und die Folge davon ist die
Hinwendung seines geistigen Angesichts zum Herrn als zum
gemeinschaftlichen Mittelpunkt. (OE 645-46)

167
20. August
Johannes an die sieben Gemeinden in Asien:
Gnade sei euch und Friede von ihm, der da ist und
der da war und der da kommt und von den sieben
Geistern, die vor seinem Thron sind. Und von
Jesus Christus, der da ist der treue Zeuge, der
Erstgeborne aus den Toten und der Oberste der
Könige der Erde, der uns liebt und uns in seinem
Blut von unsern Sünden gewaschen.
(Offb. 1, 4. 5)

Daß das Blut des Herrn die Wahrheiten aus dem Guten,
somit die Wahrheiten aus dem Herrn bedeutet, kann nicht
leicht gefaßt und geglaubt werden. Und außerdem erscheint es
als weit hergeholt, Wahrheiten vom Herrn zu verstehen anstatt
seines Bluts, aber dennoch wird unter dem Blut des Herrn im
Himmel nichts anderes verstanden, weil der Herr dort das
göttliche Wahre ist, vereinigt mit dem göttlichen Guten. Daher
denkt niemand dort an sein Blut und Fleisch. Das Denken
daran nennen sie materiell; auch sagen sie, sie wüßten nicht,
daß Fleisch und Blut im Wort genannt wird, weil das, was dem
Buchstabensinn des Wortes angehört, sich bei ihnen in
Geistiges verwandelt, weil sie selbst geistig sind. Das Fleisch
und das Blut werden im Buchstabensinn des Wortes genannt,
weil man dadurch entsprechendes Geistiges im Himmel erfah-
ren soll; denn alles Geistige läuft in Natürliches aus und hat in
diesem seine letzte Grundlage. (OE 30)

21. August
Und die zehn Hörner, die du gesehen auf dem Tier,
diese werden die Hure hassen und werden sie wüst

168
machen und bloß und ihr Fleisch essen und sie mit
Feuer verbrennen. (Offb. 17, 16)

Das Fleisch ist das Gute des Wortes und der Kirche, im ent-
gegengesetzten Sinn aber deren Böses. Hier ist das Böse
gemeint, das in geschändetem Guten besteht. Essen = verzeh-
ren oder sich einverleiben steht hier (im Gegensatz) für gänz-
lich verwerfen, denn es ist von den Protestanten die Rede, wel-
che die Werke oder das Gute Babels verworfen haben, das vor-
wiegend in Gaben für die Götzenbilder und für die religiösen
Institutionen bestand. Daher enthalten diese Worte auch die
Erklärung, daß sie ohne alles Gute sind. Fleisch hat also im
Wort verschiedene Bedeutungen: es ist das Eigene des
Menschen, sein Gutes oder Böses und damit auch der ganze
Mensch. Es bedeutet im höchsten Sinn aber das göttliche
Menschliche des Herrn und namentlich das göttliche Gute der
Liebe. (OE 1082)

22. August
Und die Stimme, die ich aus dem Himmel gehört
hatte, redete abermals mit mir und sprach: Geh
hin, nimm das Büchlein, aufgetan in der Hand des
Engels, der auf dem Meer und auf dem Land steht.
Und ich ging hin zu dem Engel und sagte zu ihm:
Gib mir das Büchlein, und er spricht zu mir: Nimm,
iß es auf. Und deinen Leib wird es bitter machen,
aber in deinem Munde süß sein wie Honig.
(Offb. 10, 8. 9)

Nimm und iß es auf, will sagen: lies das Wort, erfasse und
begreife es, erforsche es, wie es innerlich und äußerlich
beschaffen ist. Gemeint ist: finde heraus, wie es mit dem

169
Verständnis des Wortes in der Kirche steht. Essen oder ver-
schlingen bedeutet also mit sich verbinden oder sich aneignen,
wie das Wort mit dem Menschen durch lesen und begreifen
verbunden werden soll. Essen steht hier auch für erforschen,
nämlich wie das Büchlein innerlich und äußerlich beschaffen
sei, innerlich im Bauch (wo es Bitterkeit verursacht) und
äußerlich im Mund, wo es süß wie Honig schmeckt.
(OE 617)

23. August
Und der Mensch sprach: diesmal ist es Gebein von
meinen Gebeinen und Fleisch von meinem Fleisch,
deswegen wird sie Gattin (Männin) heißen, weil
vom Mann sie genommen ist. (1. Mose 2, 23)

Gebein von Gebeinen und Fleisch von Fleisch bedeutet das


Eigene des äußeren Menschen; Gebein das weniger belebte
Eigene, Fleisch das belebte Eigene. Der Mann aber ist der inne-
re Mensch, und weil dieser mit dem äußeren Menschen ver-
knüpft ist („Darum wird ein Mann seinen Vater und seine
Mutter verlassen und wird seiner Gattin anhangen, und sie
werden ein Fleisch sein“), darum wird dieses Eigene, das vor-
her Weib hieß, jetzt Gattin genannt. „Diesmal“ weist darauf
hin, daß der Zustand verändert worden sei. (HG 156)

24. August

Und es starb hin alles Fleisch, das sich regt auf der
Erde, am Vogel und am Tier und am Wild und an
allem Gewürm, das auf der Erde kriecht.
(1. Mose 7, 21)

170
Die Nachkommenschaft der Ältesten Kirche wird hier
Fleisch genannt, weil sie ganz sinnlich und körperlich geworden
war, voller Selbstberedungen und Begierden. Das Sinnliche und
Körperliche wurde von den Uralten mit Gewürm verglichen.
Wenn gesagt wird „Fleisch, das sich regt auf der Erde“, wird
somit ein Mensch beschrieben, der durch und durch sinnlich
und körperlich geworden ist. (HG 800)

25. August
Und Gott segnete Noach und seine Söhne und
sprach zu ihnen: … Nur das Fleisch in seiner Seele,
sein Blut, sollet ihr nicht essen. (1. Mose 9, 1. 4)

Das Fleisch, noch war es zwischen ihren Zähnen,


noch war es nicht zermalmt, und der Zorn Jehovah
entbrannte gegen das Volk, und Jehovah richtete in
dem Volk eine sehr große Niederlage an und nann-
te den Namen jenes Ortes Gräber der Lüsternheit,
weil sie daselbst begruben das Volk, das lüstern
gewesen war. (1. Mose 11, 33. 34)

Fleisch als Symbol für den verdorbenen Menschen, bedeu-


tet hier insbesondere seinen Willensbereich oder sein Eigenes,
das nichts als böse ist. Denn es besteht aus Begehrlichkeiten
und Begierden.
Natürlich wurde im Volk keine Niederlage angerichtet, weil
es nach Fleisch lüstern gewesen war, denn nachdem der
Mensch in der Wüste lange Zeit kein Fleisch mehr hat essen
können, ist eine gewisse Gier eine ganz natürliche
Erscheinung. Hier geht es darum, daß das Volk verschmähte,
was durch das Manna symbolisiert wurde, nämlich
Himmlisches, und statt dessen nach Fleisch rief, dessen

171
Bedeutung oben beschrieben wurde. Außerdem ist damit die
Haltung einer ganzen Kirche charakterisiert, deren Untergang
mit der großen Niederlage gemeint ist. (HG 999)

26. August
Laban sprach zu ihm (Jakob): Wahrlich, du bist
mein Bein und mein Fleisch, und er wohnte bei
ihm einen Monat von Tagen. (1. Mose 29, 14)

Das Eigene zeigt zwei verschiedene Seiten: die eine höllisch,


die andere himmlisch. Der Mensch kann es aus der Hölle oder
vom Himmel empfangen. Das weiß er aus der Lehre des Glau-
bens, aber kaum einer unter Tausenden glaubt es. Daher eignet
er sich das Böse an, das aus der Hölle einfließt, und macht es
zu seinem Eigenen. Das Gute, das vom Herrn kommt, regt ihn
dagegen nicht an, weshalb es ihm nicht zugerechnet werden
kann.
Von diesem Einfluß will der Mensch nichts wissen, weil er
sich selber liebt und daher unwillig wird, wenn ihm klar
gemacht wird, daß alles dem Einfluß zugeschrieben werden
muß. Er nimmt es aber sofort an, wenn er den Nächsten und
den Herrn liebt, denn diese Liebe bewirkt, daß er vom Herrn
ein himmlisches Eigenes empfängt. (HG 3812)

27. August
Und die Furcht vor euch und der Schrecken vor
euch sei über allem Tier der Erde und über allem
Geflügel des Himmels. (1. Mose 9, 2)

Der Zustand des Menschen vor seiner Wiedergeburt


besteht darin, daß Begierden und Falschheiten, die dem äuße-

172
ren Menschen angehören, beständig vorherrschen, weshalb ein
Kampf andauert. Wenn er aber wiedergeboren ist, herrscht der
innere Mensch über den äußeren, also über die Begierden und
Falschheiten. Jetzt hat der Mensch Furcht vor dem Bösen und
Schrecken vor dem Falschen, denn beide sind gegen das
Gewissen gerichtet. Gegen das Gewissen zu handeln, bedeutet
für ihn aber Schrecken. (HG 986)

28. August
Und Abimelech stand des Morgens früh auf und rief
alle seine Knechte und redete alle diese Worte vor
ihren Ohren, und die Männer fürchteten sich sehr.
(1. Mose 20, 8)

Fürchten oder Furcht schließt, wie jede Gemütsbewegung


verschiedenes in sich, obwohl es ganz einfach erscheint, näm-
lich den Verlust des Lebens, des guten Namens, der Ehre, des
Einkommens in weltlichen Dingen, oder auch den Verlust des
Guten und Wahren und daher des Lebens in himmlischer
Hinsicht. Und weil es auch um diese Dinge geht, schließt es
ein Grauen davor mit ein, daß sie zerstört werden könnten,
und zwar desto intensiver, je weiter der Mensch in seiner
Neigung zum Guten und Wahren gekommen ist. Der Neigung
selbst steht ein Widerwille entgegen, weshalb unter „sich
fürchten“ auch ein Widerwille gegen das Böse verstanden
werden kann. (HG 2543)

29. August
Und Jakob erwachte von seinem Schlaf und
sprach: Fürwahr, Jehovah ist an diesem Ort, und
ich wußte es nicht. Und er fürchtete sich und

173
sprach: Wie furchtbar ist dieser Ort! Hier ist nichts
denn Gottes Haus; und dies ist das Tor des
Himmels. (1. Mose 28, 16. 17)

Es gibt eine unheilige und eine heilige Furcht, die erste eine
Erregung der Bösen, die andere der Guten. Diese ist eine heili-
ge Furcht, eine bewundernde Scheu vor der göttlichen Kraft,
und sie ist Sache der Liebe. Liebe ohne diese Furcht ist gleich-
sam fade oder eine Speise ohne Salz und Geschmack. Aber
Liebe mit Furcht ist eine gesalzene Speise, der man jedoch das
Salz nicht anmerkt. Sie hat zum Ziel, weder den Herrn noch
den Nächsten zu beleidigen, also weder das Gute noch das
Wahre, nicht das Heilige der Liebe und des Glaubens, nicht die
Religion. Aber diese Furcht schwankt in ihrem Maß von
Mensch zu Mensch. Je stärker seine Liebe ist, desto mehr emp-
findet er Furcht vor der Verletzung des Guten und Wahren,
ohne daß ihm das allerdings bewußt wird. Wer aber Gutes und
Wahres nicht liebt, der fürchtet dieses nicht, empfindet dafür
aber deutliche Furcht vor der Hölle. (HG 3718)

30. August

Und er sprach zu Abram: Das sollst du wissen, daß


Fremdling sein wird dein Same in einem Land, das
nicht sein ist; und wird ihnen dienen, und man wird
sie drängen vierhundert Jahre. (1. Mose 15, 13)

Solches habe ich zu euch geredet, auf daß ihr in


mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber
seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
(Joh. 16, 33)

174
Angst – Trübsal – Drangsal. Alle drei stellen Verfolgung
und damit Versuchungen dar. (HG 1846) Friede ist ein inneres
Wohlgefühl aus der Verbindung mit dem Herrn, auch Himmel
und ewige Freude. Diesem Frieden steht die Angst oder Trüb-
sal entgegen, die aus Anfechtung von Bösem und Falschem
resultiert, die von denen erduldet wird, die bereits in der Welt
göttlichen Frieden haben. Sie bestehen ja immer noch aus
Fleisch; und dieses begehrt, was zur Welt gehört, und verur-
sacht damit Angst und Trübsal. Der Herr aber hat während sei-
nes Erdenlebens Macht über die Höllen gewonnen und sagt
deshalb: Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
(OE 365)

31. August
Und die Boten kehrten zurück zu Jakob und spra-
chen: Wir sind zu deinem Bruder, zu Esau, gekom-
men, und auch er zieht dir entgegen und vierhun-
dert Mann mit ihm. Und Jakob fürchtete sich sehr
und er ward bedrängt; und er verteilte das Volk, das
bei ihm war, und das Kleinvieh und die Rinder und
die Kamele in zwei Lager. (1. Mose 32, 6. 7)

Furcht und Angst sind der Anfang der Versuchungen.


Wenn das Gute den ersten Platz einnimmt und sich das Wahre
unterordnet, was geschieht, wenn der Mensch geistige
Versuchungen erleidet, dann hat das Gute, das vom Inneren
einfließt, sehr viele Wahrheiten bei sich, die im Menschen in
seinem Inneren verborgen liegen. Sie können nicht zur
Anschauung und zum Verständnis bei ihm kommen, bevor
das Gute die erste Rolle spielt, denn dann beginnt der natürli-
che Bereich vom Guten erleuchtet zu werden. Dadurch wird
deutlich, was damit übereinstimmt und was nicht, und daraus

175
entsteht die Furcht und die Angst, die der geistigen Versuchung
vorangehen; denn diese wirkt auf das Gewissen, das Sache des
inneren Menschen ist. Deshalb weiß auch der Mensch nicht,
woher ihm die Furcht und die Angst kommt; aber die Engel,
die beim Menschen sind, wissen es wohl, denn die Versuchung
kommt daher, daß die Engel den Menschen im Guten und
Wahren halten, die bösen Geister aber in Bösem und Falschem.
(HG 4249)
1. September
Und Jehovah Gott rief dem Menschen zu und
sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Deine
Stimme hörte ich im Garten und fürchtete mich,
weil ich nackt bin und verbarg mich.
(1. Mose 3, 9. 10)

Es ist die gewisseste Wahrheit, daß der Mensch durch


Geister und Engel vom Herrn regiert wird; wenn die bösen
Geister anfangen zu herrschen, dann bemühen sich die Engel,
das Böse und Falsche abzuwenden, daher entsteht ein Kampf;
dieser Kampf ist es, der durch das innere Begreifen, die innere
Stimme und das Gewissen empfunden wird. Aus ihnen sowie
aus den Versuchungen hätte der Mensch deutlich wissen kön-
nen, daß Geister und Engel bei ihm sind, wenn er nicht im
Fleischlichen so ganz leibte und lebte, daß er nichts glaubte,
was man von Geistern und Engel sagt. Daher würden Mensch
dieser Art, wenn sie auch hundertmal Kämpfe verspürten,
doch immer wieder sagen, es seien Fantasien, verursacht von
einer Psychose. (HG 227)

2. September
Und Jehovah sprach: nicht wird mein Geist hinfort
den Menschen zurechtweisen, darum weil er

176
Fleisch ist; und es werden seine Tage sein hundert
und zwanzig Jahre. (1. Mose 6, 3)

Die Menschen hatten die Lehren oder Wahrheiten des


Glaubens von Begierden überwuchern lassen, so daß sie nicht
mehr belehrt werden oder wissen konnten, was böse ist. Alles
innere Erfassen des Wahren und Guten war durch selbstfabri-
zierte Argumente ausgelöscht, und sie hielten nur noch für
wahr, was dazu paßte. Nach der Sintflut war der Mensch ver-
ändert; er besaß jetzt ein Gewissen an Stelle des inneren
Erfassens und konnte dadurch wieder gelenkt werden. Durch
die Zurechtweisung vom Geist Jehovahs wird daher die innere
Einwirkung dargestellt, das Gewissen, wobei der Geist
Jehovahs der Einfluß des Guten und Wahren ist.
(HG 573)

3. September
Es sprach aber einer zu ihm: Herr, sind es wenige,
die gerettet werden? Er aber sprach zu ihnen: …
Da wird sein Heulen und Zähneknirschen, wenn ihr
sehen werdet Abraham und Isaak und Jakob und
alle die Propheten im Reich Gottes, ihr aber werdet
hinausgeworfen. Und kommen werden vom
Aufgang und Niedergang und von Mitternacht und
Mittag und im Reich Gottes zu Tische liegen. Und
siehe, es sind Letzte, die Erste sein werden, und
sind Erste die Letzte sein werden.
(Luk. 13, 23. 28-30)

Es wurde gesagt, daß auch den Heiden ein Gewissen fürs


Rechte und Gute je nach ihrer Religion geschenkt werde; damit
verhält es sich so:

177
Im allgemeinen gibt es ein wahres, ein unechtes und ein
falsches Gewissen. Das wahre Gewissen wird vom Herrn aus
den Glaubenswahrheiten gebildet; wenn der Mensch mit die-
sen begabt ist, fürchtet er sich, gegen die Glaubenswahrheiten
zu handeln, weil er sich damit gegen das Gewissen vergehen
würde. Dieses Gewissen kann niemand empfangen, der sich
nicht die Wahrheiten des Glaubens zu eigen gemacht hat, also
nur wenige Christen, denn die meisten erheben eigene Grund-
sätze zur Wahrheit. Immerhin empfangen die Wieder-
geborenen ein Gewissen, wenn sie tätige Liebe üben, denn die
Grundlage des Gewissens ist die tätige Liebe.
Ein unechtes Gewissen bildet sich bei den Heiden aus der
Religion, in der sie geboren und erzogen sind. Verstöße gegen
diese sind auch Verstöße gegen ihr Gewissen. Wenn dieses auf
tätiger Liebe, Barmherzigkeit und Gehorsam basiert, dann
können sie im anderen Leben ein wahres Gewissen empfan-
gen.
Das falsche Gewissen ist das Produkt der Selbst- und
Weltliebe. Es gibt Menschen, die meinen, gegen ihr Gewissen
zu handeln, wenn sie sich gegen den Nächsten etwas zu Schul-
den kommen lassen. Sie glauben aber nur, ihr Leben, ihre Ehre,
ihr Ruf, ihr Vermögen oder Erwerb seien in Gefahr. Manche
besitzen diese Empfindung infolge Vererbung, andere erwer-
ben sie sich. Allein es ist ein falsches Gewissen. (HG 1033)

4. September
Und er sprach zu ihm (Abram): hole mir eine drei-
jährige Färse und eine dreijährige Ziege und einen
dreijährigen Widder und eine Turteltaube und eine
junge Taube. Und er holte sich sie alle und zer-
stückte sie in der Mitte und legte jedes Stück dem
andern gegenüber, den Vogel aber zerstückte er

178
nicht. Und es kam der Raubvogel herab auf die
Leiber her; Aber Abram scheuchte ihn weg.
(1. Mose 15, 9-11)
Der letzte Satz will sagen, der Herr habe das Böse und
Falsche aus der Kirche weggetrieben, die zwar von der tätigen
Liebe abzuweichen beginnt, aber noch nicht so weit von ihr
entfernt ist, daß die Gemüter ihrer Glieder nicht noch lenk-
bar wären.
Der Herr treibt fortwährend, wo weit es noch möglich ist,
das Böse und Falsche weg, aber er tut es durch das Gewissen.
Wenn dieses erschlafft, gibt es kein Mittel mehr, durch das
der Herr einwirken kann, denn sein Einfluß auf den Men-
schen geht durch die tätige Liebe in sein Gewissen; in jenem
Fall aber tritt an dessen Stelle ein neu gebildetes, aber äußeres
Mittel, nämlich die Furcht vor dem Gesetz, die Furcht vor
dem Verlust des Lebens, der Ehre, des Vermögens und des
guten Rufs. Diese alle gehören nicht zum Gewissen, sie sind
nur äußere Fesseln, die bewirken, daß der Mensch in
Gesellschaft mit anderen leben und als ein Freund erscheinen
kann, wie er auch immer innerlich beschaffen sein mag. Aber
dieses Mittel hat gar keine Bedeutung im anderen Leben;
denn das Äußere wird dort entfernt, und er bleibt, wie er
innerlich beschaffen war. (HG 1835)

5. September
Beschnitten, ja beschnitten soll werden der
Geborene deines Hauses und der um dein Silber
Erkaufte; und es soll sein mein Bund in eurem
Fleisch zum ewigen Bund. (1. Mose 17, 13)

„Mein Bund in eurem Fleisch“ ist die Verbindung des


Herrn mit dem Menschen in seiner Unreinheit. Die Wahr-

179
heiten, die der Mensch sein eigen nennt, sind Schein-
wahrheiten verbunden mit Sinnestäuschungen und Begierden.
Trotz ihrer Unreinheit verbindet sich der Herr mit dem
Menschen, indem er ihn mit Unschuld und tätiger Liebe belebt
und so das Gewissen bildet. Dessen Wahrheiten sind verschie-
den, je nach der Religion. Der Herr will sie nicht verletzen,
sofern sie dem Guten des Glaubens entsprechen, weil der
Mensch von ihnen erfüllt ist und sie für heilig hält. Das
Gewissen ist aus Glaubenswahrheiten gebildet, woraus deut-
lich wird, daß es seinen Platz im Verstand des Menschen hat.
Deshalb hat der Herr den Verstand sauber vom Willen
getrennt. (HG 2053)

6. September

Und Jehovah erschien ihm (Abraham) in den


Eichenhainen Mamres, und er saß am Eingang des
Zeltes, als der Tag heiß ward. (1. Mose 18, 1)

(Eichenhaine sind ein Bild für einen Vorgang, den


Swedenborg perceptio nennt. Das heißt zugleich Empfangen
und Erfassen, ist also aktiv und passiv zugleich. Es wurde lange
Zeit mit Innewerden übersetzt, ein seit längerem ausgestorbe-
ner Ausdruck. Wir wollen es hier als spontanes Begreifen
bezeichnen, ein Geschehen also, das wir nicht selbst steuern
können.)
Die Urmenschen wußten aus diesem Begreifen jederzeit,
ob etwas gut und daher auch, ob es wahr ist. Sie erlebten einen
Einfluß vom Herrn durch den Himmel, der ihnen, sobald sie
an Heiliges dachten, klar machte, ob etwas so ist oder nicht.
Diese Fähigkeit verlor sich, als der Mensch sich mehr und
mehr von himmlischen Vorstellungen ab- und dafür weltli-
chen und körperlichen Vorstellungen zuwandte. An ihre Stelle

180
trat das Gewissen, das auch eine Art von innerlichem Begreifen
ist. Denn entgegen oder gemäß dem Gewissen handeln, ist
auch eine Art und Weise zu vernehmen, ob etwas so ist oder
nicht und demnach so geschehen soll oder nicht. Aber der
Einfluß des Gewissens stammt nicht aus dem Guten, sondern
aus dem Wahren, das gemäß dem Heiligen des Gottesdienstes
der Vernunft von Kindheit an eingepflanzt und später gefestigt
worden ist. Wenn durch diesem Einfluß vom Herrn Unschuld
und tätige Liebe eingepflanzt wird, entsteht das Gute des
Gewissens. (HG 2144)

7. September
Und es kamen die zwei Engel gen Sodom des
Abends, und Lot saß im Tor von Sodom, und Lot sah
sie und erhob sich ihnen entgegen und bückte sich
mit dem Angesicht zur Erde. (1. Mose 19, 1)

Daß unter „und Lot sah sie“ das Gewissen zu verstehen ist,
basiert auf der Bedeutung von sehen, was eigentlich einsehen
heißen muß und im inneren Sinn identisch ist mit Glauben
haben. Wer nun Glauben hat, besitzt auch ein Gewissen, denn
die beiden sind nicht zu trennen, und zwar so wenig, daß es auf
eins herauskommt, ob man von Glauben oder von Gewissen
spricht. Denn der Glaube entsteht aus der tätigen Liebe und ist
somit die tätige Liebe selbst, denn ohne sie ist er ja kein
Glaube. (HG 2325)

8. September
Und die Männer streckten ihre Hand hinaus und
führten Lot zu sich herein ins Haus, und die Pforte
verschlossen sie. (1. Mose 19, 10)

181
Im anderen Leben wird der Zugang dadurch verschlossen,
daß die Guten von den Bösen getrennt werden, damit sie von
den Sphären der Argumente des Falschen und der Begierden
des Bösen nicht angefochten werden können. Bei Leibesleben
wird der Zugang bei denen verschlossen, die gut sind, indem
die Engel in ihrer Umgebung die Einflüsse des Bösen und
Falschen zu etwas Wahrem und Gutem umlenken. Der
Mensch besitzt während dieser Zeit noch eine so dunkle
Vorstellung und Empfindung, daß er kaum weiß, ob er selber
Gutes der tätigen Liebe besitzt oder nicht, weil er nämlich auch
nicht weiß, was tätige Liebe und was der Nächste ist.
Dies zu wissen, ist jedoch wichtig. Gutes der tätigen Liebe
besitzt, wer ein Gewissen hat, d. h. wer vom Gerechten und
Billigen, vom Guten und Wahren nicht abweichen will. Und
wer so vom Nächsten denkt, der will ihm wohl, selbst wenn
dieser sein Feind ist, und zwar ohne ein Entgelt zu erwarten. So
jemand besitzt Gutes der tätigen Liebe, egal ob er der Kirche
angehört oder nicht. (HG 2380)

9. September
Denket nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz
oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht
gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn
wahrlich sage ich euch: Bis daß Himmel und Erde
vergehen, soll kein Jota noch ein Strichlein vom
Gesetz vergehen, bis daß alles geschehe.
(Joh. 5, 17. 18)

Viele glauben heutzutage, die Aussage, der Herr habe das


Gesetz erfüllt, sei so zu verstehen, daß er alle Vorschriften der
zehn Gebote erfüllt, sich dadurch zur Gerechtigkeit gemacht
und die Menschen in der Welt durch den Glauben daran
gerechtfertigt habe. Allein nicht dies ist gemeint, sondern daß

182
er alles erfüllt habe, was von ihm im Gesetz, und den
Propheten, d.h. in der ganzen heiligen Schrift geschrieben
steht, denn diese handelt ausschließlich von ihm. Der Irrtum
kommt daher, daß die Mehrheit die Schrift nicht erforscht hat,
um sich zu vergewissern, was unter „Gesetz“ zu verstehen sei.
Im engeren Sinn, sind es die Vorschriften der zehn Gebote, im
weiteren Sinn, was in den fünf Büchern Moses aufgeführt ist,
und im umfassenden Sinn der gesamte Inhalt des Wortes.
(LvH 8)

10. September
Und will sich mehren lassen deinen Samen wie die
Sterne der Himmel und will geben deinem Samen
alle diese Länder; und es werden gesegnet werden
in deinem Samen alle Völkerschaften der Erde.
Darum, daß Abraham meiner Stimme gehorcht
hat und meine Verordnung, meine Gebote, meine
Satzungen und meine Gesetze gehalten hat.
(1. Mose 26, 4. 5)

Im ersten Satz geht es um die Vereinigung des göttlichen


Wesens des Herrn mit seiner Menschennatur durch Versu-
chungen. (Abraham ist die menschliche Seite des Herrn.)
Es macht also keinen Sinn, anzunehmen, der Herr habe
diese Verordnungen und Gesetze gehalten, denn er ist ja von
Ewigkeit her das Wort, und sämtliche Vorschriften stammen
von ihm selbst. Er hätte gewissermaßen sich selbst halten müs-
sen. Es geht hier vielmehr um eine Offenbarung seines Selbst,
das eben in der Vereinigung begriffen war. Er ist also selbst die
Verordnung, das Gebot, die Satzung und das Gesetz, und zwar
so, daß er ihr Ursprung ist und zugleich auch ihr Zweck und
Ziel, zu dem sie zurückführen; der erste und der letzte.
(HG 3382)

183
11. September
Und Pharao sprach: Ich will euch entlassen, daß ihr
Jehovah, eurem Gott, opfert in der Wüste. Nur sollt
ihr nicht zu weit gehen; flehet für mich! Und Mose
sprach: Siehe, ich gehe weg von dir und werde zu
Jehovah flehen.
(2. Mose 8, 24. 25)

Den Bösen erscheint zuweilen das Wahre aus der göttlichen


Kraft, und zwar durch die Gegenwart eines Engels bei ihnen.
Aber dieses Wahre dringt nicht durch ihr Inneres in sie ein wie
bei den Guten, denn ihr Inneres ist verschlossen; das Wahre
regt also nur ihr Äußeres an. Das geschieht, wenn sie sich
fürchten und gedemütigt fühlen; denn die Gegenwart der
Wahren aus Gottes Kraft erschüttert sie und jagt ihnen eine Art
von Todesfurcht ein. Wenn aber das Wahre wieder entfernt
wird, kehren sie in den vorigen Zustand zurück und verlieren
ihre Angst. Sobald Mose, der das göttliche Gesetz oder das
göttliche Wahre darstellt, von Pharao weggeht, vergißt dieser
seine Versprechungen, er wolle das Volk entlassen, daß sie dem
Jehovah opfern, und sein Herz verstockt. (HG 7463)

12. September
Er wird aber vielen den Bund bestärken eine
Woche und in der Hälfte der Woche das
Schlachtopfer und Speisopfer zu Ende bringen,
und auf den Vogel der Greuel die Verwüstung, und
bis zur Vollendung und Entscheidung wird es sich
ergießen über die Verwüstung. (Dan. 9, 27)

Die christliche Kirche wurde schon an ihrer Wiege von


Spaltungen und Irrlehren angefallen und zerteilt, und im Lauf

184
der Zeit wurde sie geradezu zerrissen und zerfleischt, kaum
anders als jener Mensch, der von Jerusalem nach Jericho hinab
stieg und von dem man liest, er sei von Räubern überfallen
worden, die ihn auszogen und blutig schlugen, beraubten und
halbtot liegen ließen. Aus der Kirchengeschichte geht klar her-
vor, daß die christliche Kirche von ihrer Kindheit an in dieser
Weise erschüttert und auseinandergerissen wurde. Dies gesch-
ah schon zur Zeit der Apostel durch den Simon, einen gebür-
tigen Samaritaner, der das Gewerbe eines Zauberers ausübte,
wie in der Apostelgeschichte 8, 9ff nachzulesen ist.
(WCR 378)

13. September
Spricht zu ihm Petrus: In Ewigkeit sollst du die
Füße mir nicht waschen! Jesus antwortete ihm:
Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keinen Teil
an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht
meine Füße allein, sondern auch die Hände und
das Haupt. Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist,
der bedarf mehr nicht, denn die Füße zu waschen;
sondern er ist ganz rein… (Joh. 13, 8-10)

Es ist eine geistige Waschung gemeint, d.h. die Reinigung


vom Bösen, mit dem Waschen des Hauptes und der Hände die
Reinigung des inneren, mit dem Waschen der Füße die
Reinigung des äußeren Menschen. Wenn der innere Mensch
gereinigt ist, muß aber noch der äußere gereinigt werden, wie
die Worte zeigen: Wer gewaschen ist, bedarf nur noch an den
Füßen gewaschen zu werden.
Erst wenn das Innere und das Äußere umgebildet sind, ist
der Mensch wirklich umgebildet. Weil nun aber niemand
umgebildet werden kann, der sich nicht prüft, sein Böses
erkennt, es anerkennt und schließlich davon läßt, so folgt, daß

185
nicht nur das Äußere, sondern auch das Innere erforscht wer-
den muß. Prüft nämlich der Mensch nur sein Äußeres, sieht
lediglich, was er tatsächlich begangen hat, z.B. daß er nicht
gemordet, nicht die Ehe gebrochen, nicht gestohlen hat, so
erforscht er nur das Böse, das er mit dem Körper getan oder
nicht getan hat, nicht aber das Böse seines Geistes. Und doch
muß gerade dieses erforscht werden, damit man umgebildet
werden kann. Denn der Mensch lebt nach dem Tod als Geist
fort, und alles Böse in diesem bleibt. (GV 151, 52)

14. September
Du sollst den Namen deines Gottes nicht entwei-
hen (ins Eitle ziehen) (2. Gebot)
Geheiligt werde dein Name. (Gebet des Herrn)

Profanierung im allgemeinen Sinn ist jede Art von


Gottlosigkeit. Unter den Entweihern sind diejenigen die
schlimmsten, die Gott bekennen, die Heiligkeit des Wortes
und die spirituellen Dinge der Kirche anerkennen, meist aber
nur mit dem Mund. Das Heilige aus dem Wort ist in und bei
ihnen, aber sie entweihen es mit einem Teil ihres Verstandes
und Willens.
Was heißt nun aber der „Name Gottes“? In der geistigen
Welt wird jeder nach der Beschaffenheit seiner Liebe und
Weisheit benannt. Sobald nämlich jemand in eine Gesellschaft
oder Gemeinschaft anderer kommt, erhält er einen passenden
Namen. Die Benennung erfolgt nach den Regeln der geistigen
Sprache, in der jeder Buchstabe eine Sache darstellt. Mehrere
Buchstaben, im Namen zu einem Wort verbunden, schließen
den ganzen Zustand der betreffenden Person in sich. Der
Name Gottes im Wort zeigt also Gott mit all seinen göttlichen
Eigenschaften und Kräften, die aus ihm hervorgehen, somit

186
das Wort selbst, das damit der Name Gottes ist. Dazu gehören
auch alle spirituellen Dinge der Kirche, die aus dem Wort her-
vorgehen. (GV 230)

15. September
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner
Gerechtigkeit, und alles andere wird euch hinzuge-
fügt werden. (Mat. 6, 33)

Seine Gerechtigkeit suchen heißt, sein Gutes suchen. Wer


in der Welt das Beste des Vaterlandes mehr als sein eignes, und
das Beste des Nächsten wie sein eigenes liebt, der sucht und
liebt im anderen Leben das Reich des Herrn. Denn dort nimmt
dies die Stelle des Vaterlandes ein. Die anderen aber, die gern
den Mitmenschen um des Guten willen Gutes tun, die lieben
den Nächsten. Denn dort ist das Gute der Nächste. Alle so
Gearteten befinden sich im Großmenschen, das heißt im
Himmel. (HH 64)

16. September

Und Jehovah sprach zu Mose: Steige herauf zu mir


auf den Berg und sei da, und ich werde dir die stei-
nernen Tafeln und das Gesetz und das Gebot
geben, das ich zu ihrer Unterweisung geschrieben
habe. (2. Mose 23, 12)

Im Wort wird unterschieden zwischen Geboten, Rechten


und Satzungen; Gebote beziehen sich auf das Leben, Rechte
regeln den bürgerlichen Stand, Satzungen geben Anweisungen
für die Durchführung der Gottesdienste. Dies alles wird mit

187
dem Ausdruck Gesetz zusammengefaßt. Wenn im Wort gesagt
wird Gesetz und Gebot, ist das Wahre im allgemeinen und im
besonderen gemeint. (HG 9417)

17. September
Ist aber ein Unfall geschehen, sollst du geben Seele
um Seele, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand
um Hand, Fuß um Fuß. (2. Mose 21, 23. 24)

Seele um Seele geben usw. bedeutet, es solle dir geschehen,


wie du dem anderen getan hast. Dieses Gesetz wurde den
Söhnen Israels gegeben, weil das gleiche Gesetz in der geistigen
Welt besteht: wer dort einem anderen Herzen Gutes tut, emp-
fängt das gleiche Gute; wer aber dem anderen Böses tut, emp-
fängt dadurch das gleiche Böse; denn das Gute aus dem Her-
zen ist mit seiner Belohnung verbunden und das Böse aus dem
Herzen mit seiner Bestrafung. Daher empfangen die Guten
den Himmel und die Bösen die Hölle. (HG 9049)

18. September
Wenn du meinem Volk, das elend ist bei dir, Geld
leihst, so sollst du ihm nicht sein wie ein Wucherer;
ihr sollt ihm keinen Zins auferlegen. Wenn du das
Kleid deines Genossen zum Pfand nimmst, sollst
du’s ihm, ehe die Sonne untergeht, zurückgeben.
(2. Mose 22, 24. 25)

Die Gesetze, die Rechte genannt wurden, fanden ihr Ende


wie die Opfer und übrigen Bräuche, als der Herr in die Welt
kam und das Innere des Gottesdienstes und überhaupt das
Innere des Wortes aufschloß. Das Gesetz will sagen, man solle

188
dem Nächsten Gutes tun von Herzen und glauben, es sei kein
Verdienst in dem, was man aus sich tut, sondern nur in dem,
was man in der Kraft des Herrn tut, die in den Menschen ist,
denn allein der Herr selbst hat verdient und ist allein die
Gerechtigkeit. Daher kommt es auch, daß, wer vom Herrn
geführt wird, gar nicht an den Lohn denkt und dennoch von
Herzen dem Nächsten Gutes tut.
Wenn nun der Mensch auf sein Inneres hört, verliert das
Gesetz seine Gültigkeit zugleich mit allen anderen, die Rechte
genannt wurden, denn die israelitische Völkerschaft war
äußerlich und als solche ein Symbol für das Innere. Für sie also
war das Gesetz verbindlich, nicht aber für die Christen, denen
sein innerer Gehalt vom Herrn offenbart worden ist. Wegen
seines inneren Gehalts ändert das aber an der Heiligkeit des
Gesetzes nichts. (HG 9211)

19. September
Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den
Gemeinden sagt: Dem Überwinder will ich von
dem verborgenen Manna zu essen geben und will
ihm einen weißen Stein geben, und auf dem Stein
einen neuen Namen geschrieben, den niemand
erkennt, als der ihn empfängt. (Offb. 2, 17)

Der vom Herrn gegebene weiße Stein bedeutet Einfluß und


Aufnahme vom Herrn, und dabei handelt es sich um Weisheit
und Einsicht, wie bei allen, die vom Herrn einen Einfluß auf-
nehmen, und auf die er einwirkt. Daß hierfür ein weißer Stein
das Symbol ist, kommt daher, daß bei den Gerichten die
Stimmen in Form von Steinen gesammelt wurden, bejahende
Urteile durch weiße, verneinende durch schwarze Steine.
(OE 147)

189
20. September
Du sollst nicht zweierlei Steine in deinem Beutel
tragen, einen großen und einen kleinen, und nicht
zweierlei Epha, ein großes und ein kleines, in dei-
nem Haus haben. Ganze und gerechte (Gewichts-)
Steine sollst du haben, und ein ganzes, gerechtes
Epha sollst du haben, auf daß deine Tage verlän-
gert werden auf dem Boden, den Jehovah, dein
Gott, dir gibt. (5. Mose 25, 15)

Die Verlängerung der Tage hat nichts mit langem Leben in


der Welt zu tun, sondern bedeutet den Zustand des Lebens in
der Kirche, somit im Himmel; denn „verlängern“ wird vom
Guten und seiner Zunahme ausgesagt, und „Tag“ bedeutet den
Zustand des Lebens. Weil aber der ganze und gerechte Stein,
der das Gewicht war, und das ganze und gerechte Epha, das ein
Maß vorstellte, das Wahre und Gute und dessen
Beschaffenheit, und beides zusammen die Gerechtigkeit
bedeuten, der Stein das Wahre und das Maß das Gute, und weil
„nicht betrügen“mit dem Gewicht und Maß gerecht ist, des-
halb werden sie das Leben der Kirche haben und nachher das
Leben im Himmel. (OE 730)

21. September
Und die Kaufleute der Erde weinen und trauern
über sie, weil niemand mehr ihre Ware kauft, die
Ware von Gold und Silber und kostbarem Stein und
Perlen und Byssus und Purpur und Seide und
Scharlach und allerlei Citrusholz und Geräte von
Elfenbein und Gefäße von kostbarem Holz und von
Erz und von Eisen und von Marmor.
(Offb. 18, 11. 12)

190
Waren von Gold und Silber bedeuten das Gute und Wahre
des Wortes, der Lehre und der Kirche, einfach alles, was von
ihnen (die Könige der Erde und die Kaufleute der Erde) ent-
weiht wurde, somit überhaupt alles Böse und Falsche, das
ihnen Gewinn brachte. Die Entweihung geschah durch
Verfälschung und Schändung und durch ein Leben in diesem
Sinn. So, wie das Gute und Wahre nicht vom Menschen selbst
stammt, sondern vom Herrn als der Sonne des Himmels,
deren Licht das Wahre der göttlichen Weisheit und deren
Wärme das Gute der göttlichen Liebe ist, so stammt auch das
Böse und Falsche nicht vom Menschen selbst, sondern aus der
Hölle. (OE 1142)

22. September
Fortsetzung
Edelsteine sind Erkenntnisse des Wahren aus dem Wort,
Perlen jedoch Erkenntnisse des Guten. Diese Erkenntnisse
gehören in den Bereich des Wissens oder des natürlichen
Menschen. Daher stellen die Edelsteine die Wahrheiten dar,
kraft deren das Gute erkannt wird, und die Perlen das Gute,
durch das die Wahrheiten lebendig werden. Weil Wahres und
Gutes auf diese Weise verbunden ist und gleichsam eine Ehe
schließen, werden ihre Abbilder meist paarweise aufgeführt:
Gold und Silber, Edelstein und Perle usw. Hier allerdings
bedeuten sie das entweihte Gute und Wahre, somit Böses und
Falsches. (OE 1142)

23. September
Fortsetzung
Byssus und Purpur stellen ebenfalls entweihtes Gutes und
Wahres dar, jedoch solches aus himmlischem Ursprung, denn
sie werden ja ebenfalls als Waren von Babylon bezeichnet .

191
Dieses Wahre und Gute findet man bei denen, die den Herrn lie-
ben. Es wird himmlisch genannt und von dem anderen Guten
und Wahren unterschieden, das geistigen Ursprungs ist und
Seide und Scharlach genannt wird. Das himmlische Wahre und
Gute wird dadurch entweiht, daß die besagten Leute die göttli-
che Macht des Herrn, die Menschheit selig zu machen, für sich
selbst reklamieren und daß sie entsprechend als seine Statthalter
und Diener geliebt werden wollen. Der Herr kann aber nicht
geliebt werden, wenn er die Macht, selig zu machen, nicht selbst
besitzt. Jene Leute sagen zwar, der Herr werde geliebt, weil er den
Menschen solche Macht verliehen habe, insbesondere werde er
von denen geliebt und in hohen Ehren gehalten, welche diese
Macht erhalten hätten. Von den übrigen werde er verehrt. Diese
Liebe, über den Himmel und die Kirche zu herrschen ist aber
reine Selbstliebe, sie ist teuflisch und verhindert jede Liebe zum
Herrn, ja sie ist in Wirklichkeit Haß auf den Herrn und zeigt sich
auch als solcher, wenn die Leute Geister werden und ihnen die
Herrschaft genommen wird. (OE 1143)

24. September
Fortsetzung
Seide und Scharlach sind das Gute und Wahre aus geistigem
Ursprung, hier also auch dasjenige, das durch Babylon entweiht
worden ist. Das geschah dadurch, daß die geistige Liebe, nämlich
die tätige Liebe, also die Liebe zum Nächsten, verkehrt wurde.
Die, welche wie die Babylonier sich selbst lieben, können den
Nächsten nicht wirklich lieben; sie tun es nur um ihrer selbst wil-
len. Das Ziel ist also immer ihr eigenes Ich, der Nächste ist nur
Mittel zum Zweck. Sie entledigen sich seiner, sobald er ihnen
nicht mehr dient, das zeigt sich deutlich in allen ihren Werken.
Die Liebe zum Nächsten ist aber im geistigen Sinn die
Liebe zum Nutzen, aber nur, wenn dieser nicht ausschließlich
ein Eigennutzen ist. (OE 1144)

192
25. September

Fortsetzung
Citrusholz steht für das Gute, das im natürlichen Menschen
mit dem Wahren verbunden ist, wie ja Holz im allgemeinen
Gutes des natürlichen Menschen darstellt. Das Wort Citrus
stammt nun vom griechischen „zwei“ ab, und zwei bilden eben
die genannte Verbindung. Es gibt drei Lebensgrade im
Menschen, die der Reihe nach himmlisch, geistig und natürlich
genannt werden; die gleiche Reihenordnung gilt aber für die hier
aufgezählten Dinge oder Waren. Es gilt also auch für das
Citrusholz das entweihte Gute oder das mit dem Falschen ver-
bundene Böse. Dieses resultiert , weil es ja zum natürlichen
Bereich gehört, hauptsächlich aus der Verehrung von Gebeinen
und Gräbern, wie auch aus der Heilighaltung vieler Dinge, die
zum Gottesdienst gehören, aus dem Betrieb bei den
Prozessionen, überhaupt aus dem Götzendienerischen, das dem
natürlichen Menschen angenehm ist und daher als gut empfun-
den und als wahr bezeichnet wird. Das Holz bedeutet aber des-
halb das Gute, weil es vom Baum stammt, der Früchte bringt,
und weil es entzündet werden kann, um Wärme zu spenden, weil
es zum Bau von Häusern und zu vielen anderen nützlichen
Zwecken verwendet werden kann, auch weil aus diesem Holz ein
Öl gepreßt wird, welches das Gute der Liebe darstellt.
(OE 1145)

26. September

Fortsetzung
Gefäße sind Kenntnisse, weil alles Wahre im natürlichen
Menschen ein Wissen ist, das als Behälter für die vernünfti-
gen und geistigen Wahrheiten dient. Wenn diese durchdacht
und begriffen worden sind, werden sie als Kenntnisse im

193
Gedächtnis aufbewahrt. Elfenbein ist das Wahre der
Vernunft, weil das Kamel (hier statt des Elefanten genannt,
vermutlich weil dieser als Tier sonst nirgends erwähnt wird)
die Grundsätze des Natürlichen bedeutet. Elfenbein, aus
dem dessen Zähne bestehen und das deshalb eine gewisse
Macht repräsentiert, das weiße widerstandsfähige Material
stellt also das Wahre der Vernunft dar, das vorzüglichste
Wahre des natürlichen Menschen,
(HG 1146)

27. September

Fortsetzung
Erz bezieht sich auf das natürliche Gute, Eisen auf das
natürliche Wahre. Der natürliche Bereich des Menschen ist
in drei Abteilungen gegliedert: die Vernunft, die Natur und
die Sinne, wovon die Vernunft zuoberst steht, die beiden
andern folgen der Reihe nach. Die Vernunft entsteht durch
einen Einfluß aus der geistigen, der Sinnesbereich durch
einen aus der natürlichen Welt. Der mittlere Naturbereich
gehört anteilsweise zu beiden. Diese Dreiteilung erkennt
man an den Menschen in der geistigen Welt, die entweder
vernünftig oder sinnlich sind oder zwischen beiden stehen.
Besonders ihre Auffassung der bürgerlichen, moralischen
und geistigen Gesetze verrät, von welcher Art sie sind. Die
Vernünftigen sind im Stand, sich über materielle Belange zu
erheben; die Sinnlichen denken und empfinden materiell,
und ihre Gedanken stammen aus ihrem Gedächtnis. Ihre
geistige Stufe ist auch an ihrem Verständnis des göttlichen
Wortes zu erkennen. Während die Vernünftigen aus dem
Buchstabensinn schöpfen, was zur Lehre gehört, verharren
die Sinnlichen im rein Buchstäblichen. (HG 1147)

194
28. September
Fortsetzung
Marmor stellt den untersten Bereich im Denken und
Wollen des Menschen dar, den der Sinne. Diese Bedeutung
besitzt der Marmor, weil er das Wahre in seiner letzten
Auswirkung und vor allem auch den Anschein des Wahren
symbolisiert. Er steht hier für den Stein an sich, weil es um die
äußere Erscheinung des Wahren der Kirche aus dem Wort
geht. Dieses sinnlich Wahre wurde gleichfalls entweiht, wie sich
an der Verehrung der Gräber, der Gebeine und Leichname
derer zeigt, die sie Heilige nennen, während diese doch der
Verwesung anheimfallen und daher der Hölle entsprechen.
Allein schon das Körpergefühl würde solche Dinge verab-
scheuen, wäre nicht das Heilige der Kirche bis zu diesem Punkt
entweiht worden. (HG 1148)

29. September
Mache dir einen Kasten vom Holz Gopher, mit
Kammern sollst du den Kasten machen und sollst
ihn verpichen inwendig und auswendig mit Pech.
(1. Mose 6, 14)

Das Holz Gopher ist ein Material, das viel Schwefel enthält,
wie zum Beispiel die Tanne und mehrere dieser Gattung; vom
Schwefel schreibt es sich her, daß es Begierden darstellt, weil es
leicht Feuer fängt. (HG 643)

30. September
Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie wer-
den Gott schauen. (Mat. 5, 8)

195
Und an die ausgesonderten Söhne Israels legte er
nicht seine Hand, und sie schauten Gott und aßen
und tranken. (2. Mose 24, 11)

Der Mensch wird vom Herrn erleuchtet, und zwar derjeni-


ge, der das Wahre liebt, weil es wahr ist, und es auf das Leben
anwendet. Für andere gibt es im Wort keine Erleuchtung. Wer
das Wahre liebt und anwendet, ist im Herrn, und der Herr ist
in ihm; denn der Herr ist selbst das göttliche Wahre. Von die-
sen heißt es, sie seien reinen Herzens. (LvH 57)
Gott schauen bedeutet den Glauben, denn unter „schauen“
ist ein geistiges Sehen zu verstehen, das aus dem Glauben
erfolgt. Daß sie den Herrn sahen, geschah, weil die vom Berg
Sinai herab verkündigten Gesetze im weitesten Sinn das Wort
als Ganzes darstellen und das Wort das göttliche Wahre vom
Herrn ist, das im höchsten Sinn vom Herrn allein handelt,
weshalb auch die Erleuchteten beim Lesen des Wortes den
Herrn sehen, was aus dem Glauben und der Liebe heraus
erfolgt. (HG 9411)

1. Oktober
Und Leah empfing und gebar einen Sohn und
nannte seinen Namen Ruben, denn sie sprach:
Jehovah hat gesehen meine Trübsal, denn nun
wird mein Mann mich lieben. (1. Mose 9, 32)

Daß „sehen“ im inneren Sinn der Glaube vom Herrn ist,


ergibt sich daraus, daß der innere Verstand keine anderen
Gegenstände kennt, als diejenigen, die dem Wahren und
Guten angehören; denn diese sind die Gegenstände des Glau-
bens. Dieser innere Verstand, oder das innere Gesicht, deren
Ziel die Wahrheiten sind, die zum Glauben gehören, stellen

196
sich nicht so dar, wie der Verstand, der sich mit den
Wahrheiten des bürgerlichen und sittlichen Lebens befaßt. Sie
nämlich sind im Licht des Himmels, das im Dunkel leuchtet,
solange der Mensch nur das Licht der Welt zur Verfügung hat.
(HG 3863)

2. Oktober
Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden
Gottes Söhne heißen. (Mat. 5, 9)
Wie viele ihn aufnahmen, denen gab er Macht, Söh-
ne Gottes zu sein, denen, die an seinen Namen glau-
ben, die nicht aus dem Geblüt noch aus dem Willen
des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes
geboren sind. (Joh. 1, 12. 13)

Der Wille des Fleisches steht der Liebe und der tätigen
Liebe entgegen wie der Wille des Mannes dem Glauben aus der
Liebe. Der Wille des Fleisches und der Wille des Mannes sind
die Bestrebungen, die trennen, die Liebe aber und ihr Glaube
sind das, was verbindet. Menschen, die Liebe üben und aus ihr
auch glauben, heißen „aus Gott geboren“ und werden daher
auch Söhne Gottes genannt. (HG 1608)

3. Oktober
Fortsetzung
Gegenüber den Höllen bewährt sich der himmlische Friede
als ein Zustand des Schutzes vor dem Bösen und Falschen, das
nicht von dort aufsteigen und eindringen kann. Er läßt sich in
vieler Hinsicht mit dem natürlichen Frieden vergleiche; z.B. mit
dem Frieden nach einem Krieg, der jedermann Sicherheit vor
den Feinden verschafft, sodaß er ohne Furcht in seiner eigenen

197
Stadt, seinem Haus, seinen Gütern und Gärten leben kann. Der
himmlische Friede kann auch durch den Vergleich mit den
Stunden gemütvoller Erholung nach angestrengter Arbeit ver-
deutlicht werden, ebenso mit der tiefen Befriedigung einer
Mutter nach der Geburt ihres Kindes, wenn die Mutterliebe
erblüht, oder mit der Heiterkeit des Firmaments nach einem
Sturm, einem Wolkenbruch oder Gewitter. (WCR 304)
4. Oktober
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt
werden, denn das Reich der Himmel ist ihrer.
(Mat. 5, 10)
Das Wort Gottes versteht unter den Gerechten jene, die
nach der göttlichen Ordnung gelebt haben, denn die göttliche
Ordnung ist die Gerechtigkeit. Sie selbst, deren Verkörperung
der Herr durch seine Erlösungstaten geworden ist, kann den
Menschen nicht anders zugeschrieben, eingeschrieben,
angepaßt und verbunden werden als das Licht dem Auge, der
Schall dem Ohr, der Wille den Muskeln eines Schaffenden, der
Gedanke den Lippen eines Redenden, die Luft der atmenden
Lunge, die Wärme dem pulsierenden Blut usw. Daß dies alles
einfließt und sich anfügt, ohne sich zu verbinden, merkt jeder
an sich selbst. Die Gerechtigkeit aber erwirbt sich der Mensch
in dem Maß, wie er sie übt, das heißt wie er aus Liebe zum
Gerechten und Wahren mit seinem Nächsten verfährt. In dem
Guten bzw. im Nutzen, den der Mensch vollbringt, wohnt die
Gerechtigkeit; sagt doch der Herr, jeder Baum werde an seiner
Frucht erkannt. (WCR 96)
5. Oktober
Selig seid ihr, wenn sie euch schelten und verfol-
gen und reden allerlei Übles wider euch um mei-
netwillen, so sie daran lügen. Freut euch und

198
frohlocket, denn viel ist eures Lohns in den
Himmeln; denn also verfolgten sie die Propheten,
die vor euch gewesen. (Mat. 5, 11. 12)

Diese Menschen leiten ihre Zuversicht, ewigen Lohn zu


empfangen, nicht von irgendeinem Verdienst, sondern von
ihrem Glauben an die Verheißung der göttlichen Gnade ab.
Die Freude, ihrem Nächsten Gutes zu tun, ist ihr Lohn, und
eben diese Freude haben auch die Engel im Himmel. Sie ist
geistig und ewig und übertrifft unendlich jede natürliche
Freude. Wer sie empfindet, will nichts von einem Verdienst
hören, sondern liebt das Tun und empfindet darin seine
Glückseligkeit. (WCR 440)

6. Oktober
Es sprach der Feind, ich will sie verfolgen, ich will
sie erreichen, ich will die Beute teilen, sättigen soll
sich an ihnen meine Seele. (2. Mose 15, 9)

Verfolgen bedeutet Anfechtung. Wenn Böse (oder die


Höllen) Gute verfolgen, heißt es, diese werden angefochten
und sollen unterjocht werden. (HG 8290)

7. Oktober
Darum meinet nicht, daß ich gekommen bin,
Frieden zu bringen auf die Erde: Ich bin nicht
gekommen, Frieden zu bringen, sondern das
Schwert. (Mat. 10, 34)
Das Schwert draußen und die Pest und der Hunger
drinnen; wer auf dem Feld ist, wird durch das
Schwert sterben, und wer in der Stadt ist, den wird
der Hunger und die Pest fressen (Ez. 7, 15)

199
Es wird eine große Not auf Erden sein und Zorn in
diesem Volk, denn sie werden fallen durch den Mund
des Schwertes und werden gefangen geführt werden
unter alle Heiden, endlich wird Jerusalem zertreten
werden von den Heiden. (Luk. 21, 23. 24)
An jenem Tag wird heimsuchen Jehovah mit sei-
nem harten und großen und starken Schwert den
Leviathan, die längliche Schlange, und den
Leviathan, die krumme Schlange, und wird töten
die Getiere im Meer. (Jes. 27, 1)

Das Schwert bedeutet im echten Sinn das kämpfende


Wahre (Zitat 1) und im entgegengesetzten Sinn das kämpfen-
de Falsche (Zitat 3), außerdem die Verwüstung des Wahren
(Zitat 2) und die Strafe des Falschen (Zitat 4). Der Ursprung
dafür liegt in den Vorbildern im anderen Leben. Wenn dort
jemand etwas redet, von dem er weiß, daß es falsch ist, dann
fallen sogleich etwas wie Schwertchen auf sein Haupt und
lösen Schrecken aus. Das kämpfende Wahre wird durch
geschärfte Gegenstände dargestellt, wie Degen, weil nämlich
das Wahre ohne das Gute so beschaffen ist. In Verbindung mit
dem Guten aber ist es abgerundet und sanft. Daß der Ausdruck
Messer kaum im Wort vorkommt, hängt damit zusammen,
daß es im anderen Leben Geister gibt, die Massakrierer heißen,
an deren Seite herabhängende Messer erscheinen, weil sie eine
wilde Natur haben, sodaß sie jeden mit dem Messer stechen
wollen. (HG 2799)

8. Oktober
So spricht Jehovah: Wenn ihr zunichte macht mei-
nen Bund des Tages und meinen Bund der Nacht,
daß Tag und Nacht nicht sei zu seiner Zeit, soll

200
auch mein Bund mit David, meinem Knecht
zunichte sein, daß er nicht seinen Sohn habe, der
König sei auf seinem Thron, und mit den Leviten,
den Priestern, die mir Dienst tun.
(Jer. 33, 20. 21)

Der Bund des Tages und der Nacht ist die Gesamtheit der
Satzungen der Kirche, die den Söhnen Israels im Wort vorge-
schrieben waren, wodurch sie Verbindung mit dem Himmel
und durch diesen mit dem Herrn hatten. Sie heißen Bund des
Tages und der Nacht, weil sie für den Himmel und für die
Kirche Gültigkeit haben. Für den Himmel gelten die geistigen
Dinge, die durch Symbole dargestellt sind, für die Kirche die
natürlichen, die als Symbole Verwendung finden. Bund des
Tages und der Nacht sind also die Satzungen des Himmels und
der Erde. Geht der Bund mit David zu Ende, heißt das, es finde
keine Verbindung mit dem Herrn mehr statt, d.h. es gebe keine
Aufnahme des göttlich Guten und Wahren mehr.
(OE 527)

9. Oktober
Und sie sprachen, ein Mann zu seinem Genossen:
Wohlan, laßt uns Ziegel streichen und zu einem
Brand brennen; und es war ihnen der Ziegel statt
des Steins, und das Erdpech war ihnen statt des
Lehms. (1. Mose 11, 3)

Daß die Steine das Wahre bedeuteten, kam von den Uralten
her, die ihre Grenzen mit Steinen markierten und Steine auf-
richteten als Zeugen dafür, daß etwas so oder wahr sei. Der
Stein ist gewachsen, der Ziegel jedoch vom Menschen herge-
stellt. Er stellt daher das Falsche dar, was sich der Mensch selbst

201
erdenkt. Wenn nun Ziegel statt des Steins verwendet werden,
heißt das, das Falsche habe jenen Leuten (jener Kirche) für
wahr gegolten. (HG 1296, 98)

10. Oktober
Und er sah, und siehe, ein Brunnen auf dem Feld,
und siehe, dabei waren drei Herden Kleinvieh gela-
gert; denn von diesem Brunnen tränkten sie die
Herden; und ein großer Stein war auf der Mündung
des Brunnens. (1. Mose 28, 2)

Das Wort heißt verschlossen, solange es nur nach dem


Buchstabensinn verstanden und alles, was darin steht, für eine
Lehre angesehen wird; am meisten, wenn als Lehre gilt, was die
Begierden der Selbst- und Weltliebe begünstigt; denn dieses
hauptsächlich wälzt einen großen Stein auf die Öffnung des
Brunnens. Was es heißt, das Wort sei verschlossen, kann man
hauptsächlich an den Juden sehen, die alles und jedes nach
dem Buchstaben erklären und daher glauben, sie seien vor
allen im ganzen Erdkreis auserwählt und der Messias werde
kommen, der sie ins Land Kanaan einführen und sie über alle
Nationen und Völker der Erde zu Herren einsetzen werde. Sie
sind verstrickt in irdischen, körperlichen Liebestrieben, die das
Wort in Bezug auf den inneren Gehalt völlig verschließen.
(HG 3769)

11. Oktober
Der Sohn einer Fruchtbaren ist Joseph, der Sohn
einer Fruchtbaren an der Quelle, einer Tochter, die
auf der Mauer einherschreitet. Es erbittern ihn und
schießen und grollen ihm die Meister der Pfeile.

202
Aber sie wird sitzen in der Tüchtigkeit seines
Bogens; und gestärkt werden die Arme seiner
Hände von den Händen des Gewaltigen Jakobs.
Von dort her ist der Hirte, der Stein Israels.
(1. Mose 49, 22-24)

Die Schilderung gilt dem Kampf des Herrn gegen das


Falsche, und seiner Überlegenheit in seiner göttlich-menschli-
chen Gestalt.
Der Hirte ist der, der durch das Glaubenswahre zum Guten
der tätigen Liebe führt. Israel ist die geistige Kirche, deren
Wesen das Gute des Wahren ist. Im höchsten Sinn ist damit das
geistige Reich des Herrn gemeint. Von dort her kommt der
Hirte, will also sagen, dem geistigen Reich werde von dort her
(vom Herrn) alles Gute und Wahre zuteil. Daß der Stein Israels
im höchsten Sinn der Herr ist, und zwar im Hinblick auf das
Wahre seines geistigen Reiches, kommt daher, daß durch den
Stein im Allgemeinen der Tempel dargestellt wird, im
Besonderen dessen Grund. Der Tempel aber bedeutet das gött-
lich-menschliche Wesen des Herrn. (HG 6426)

12. Oktober

Und die Gründe der Mauer der Stadt waren mit


allerlei kostbaren Steinen geschmückt; der erste
Grund war ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der
dritte ein Chalcedon, vierte ein Smaragd, der fünf-
te ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebte
ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein
Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein
Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst.
(Offb. 21, 19. 20)

203
Die zwölf Grundpfeiler stellen dar, was zur Lehre gehört, die
Mauer ist das Wort in seinem buchstäblichen Sinn, ebenso die
kostbaren Steine, sie jedoch seine Durchsichtigkeit im geistigen
Sinn. Im Allgemeinen sind es zwei Farben, die in den
Edelsteinen durchleuchten, rot und weißglänzend (womit „was-
serklar“ gemeint sein dürfte). Die übrigen Farben, grün, gelb,
himmelblau und andere sind aus diesen zusammengesetzt mit-
tels des Schwarzen. (S. kannte die Newtonsche Farbenlehre noch
nicht. Selbst Goethe hat noch mit Verspätung behauptet, die
Farben seien etwas „Schattiges“, sie enthielten also schwarz.
Schwarz ist allein der Onyx, und der läßt überhaupt kein Licht
durch. Wir müssen hier also wohl von einer Rangfolge der
Farben ausgehen.)
Rot bedeutet das Gute der Liebe, denn es hat seinen
Ursprung im Feuer der Sonne, und dieses Feuer in der geisti-
gen Welt ist die göttliche Liebe des Herrn. Klar dagegen bedeu-
tet das Wahre der Weisheit, weil es seinen Ursprung im Licht
hat, das von der Sonne ausgeht. Schwarz dagegen stammt aus
dem Schatten jener beiden und stellt die Unwissenheit dar.
(OE 1324)

13. Oktober
In Eden, dem Garten Gottes, warst du, jeglicher
kostbare Stein war deine Bedeckung, Rubin,
Topas, Diamant, Tharschisch, Schoham und
Jaspis, Saphir, Chrysopras und Smaragd und
Gold, das Werk deiner Pauken und deiner Pfeifen
war in dir; am Tag, da du geschaffen wurdest, wur-
den sie bereitet. (Ez. 28, 13)

Im Wort wird das Wahre des Glaubens durch Edelsteine


dargestellt, wie im Brustschild des Gerichts und auf den

204
Schulterstücken des Ephods Aharons. Am Brustschild bilde-
tet das Gold, die Hyazinthfarbe, der Purpur, der zweimal
gefärbte Scharlach und die Baumwolle das, was zur Liebe
gehört, die Edelsteine das, was zum Glauben aus der Liebe
gehört; ebenso die zwei Steine der Erinnerung auf den
Schulterstücken des Ephods, die aus Schoham waren, umge-
ben mit Fassungen von Gold. Es ist hier die Rede von einem
Menschen, der himmlischen Reichtum, Einsicht und
Weisheit besitzt. (HG 114)

14. Oktober
Und Kain erkannte seine Gattin, und sie empfing
und gebar den Chanoch; und er war der Erbauer
einer Stadt und nannte den Namen der Stadt nach
dem Namen seines Sohnes Chanoch.
(1. Mose 4, 17)

Wo immer im Wort eine Stadt genannt wird, geht es nicht


um eine Siedlung, sondern um eine Lehre oder Irrlehre. Die
Engel haben keinerlei Vorstellung von einer (gebauten) Stadt,
da sie ihren geistigen und himmlischen Gedanken nicht ent-
spricht, jedoch verbinden sie mit ihnen, was sie geistig bedeu-
ten, so mit der heiligen Stadt oder dem heiligen Jerusalem das
Reich des Herrn, mit der Stadt oder dem Berg Zion das
Himmlische bzw. das Geistige des Glaubens. Solche Dinge
werden auch beschrieben durch Paläste, Häuser, Mauern,
Gründe der Mauern, Außenwerke, Tore, Riegel und den
Tempel in der Mitte. In diesem Fall wurde die Stadt nach
Chanoch benannt, weil dieser eine Spaltung oder Irrlehre dar-
stellt. (HG 399, 402)

205
15. Oktober
Denn siehe, ich gebe dich heute zur befestigten
Stadt, zur eisernen Säule und zur ehernen Mauer
wider das ganze Land, wider die Könige Jehudah,
wider dessen Obersten, wider dessen Priester und
wider das Volk des Landes. (Jer. 1, 18)

Dies wurde zum Propheten gesagt, weil alle Propheten die


Lehren des göttlichen Wahren darstellen, und weil hier von der
Kirche, der die göttlichen Wahrheiten verfälscht worden sind,
gesprochen wird. Die befestigte Stadt ist die Lehre des Wahren,
die eiserne Säule das Wahre, das sie stützt, die ehernen Mauern
das schützende Gute und das Land die Kirche. Die Könige
Jehudahs jedoch und die Obersten sind die verfälschten
Wahrheiten, die Priester das geschändete Gute und das Volk
des Landes das Falsche im allgemeinen. Von diesen wird nun
gesagt, sie werden gegen die echten Wahrheiten streiten, dabei
aber nicht obsiegen. (OE 219)

16. Oktober
Selig sind, die im Geiste arm sind; denn das Reich
der Himmel ist ihrer. (Mat. 5, 3)

An vielen Stellen im Wort wird der Ausdruck „Geist“


gebraucht, und wenn es dabei um den Menschen geht, wird
durch Geist das dem Verstand eingeschriebene Gute und
Wahre bezeichnet und folglich das Leben, das er führt. Das
beruht darauf, daß der Mensch im Inneren Geist ist. Anderseits
bedeutet Geist, wenn vom Herrn die Rede ist, das aus seinem
göttlich Guten ausgehende Wahre, das, wenn es zum
Menschen kommt und von diesem aufgenommen wird, der

206
Geist der Wahrheit ist, der Geist Gottes, der Heilige Geist. Im
angeführten Text geht es nun eindeutig um das Leben des
Verstandes oder das Leben des Wahren. Das läßt sich auch
daran erkennen, daß Geist im natürlichen Sinn der Atem des
Menschen ist; und dieser, der Sache der Lunge ist, entspricht
dem Leben des Wahren. (HG 9818)

17. Oktober
Wenn du meinem Volk, das arm ist bei dir, Silber
leihst, so sollst du ihm nicht wie Wucherer sein; ihr
sollt ihm keine Zinsen auferlegen.
(2. Mose, 22, 24)

Das Äußere der tätigen Liebe ist, was im äußeren oder


buchstäblichen Sinn des Wortes dadurch beschrieben wird,
daß man den Armen und Bedürftigen wohltun soll; aber das
Innere der tätigen Liebe besteht darin, was im inneren oder
geistigen Sinn beschrieben wird, denn in diesem Sinn ist der in
Armut befindliche innere Mensch gemeint, dem man wohltun
soll. Unter den Armen werden in diesem Sinn diejenigen ver-
standen, die an Mangel und Unkenntnis des Guten und
Wahren leiden und dennoch nach beidem verlangen.
(HG 9209)

18. Oktober
Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen
getröstet werden. (Mat. 5, 4)

Alle, die vom Herrn wiedergeboren werden, haben


Versuchungen zu bestehen, aber danach haben sie freudige

207
Gefühle. … Wenn das geistige Gemüt aufgeschlossen wird,
entstehen Versuchungen, weil dann der Himmel, das heißt der
Herr durch den Himmel, durch das geistige Gemüt des Men-
schen in sein natürliches Gemüt einfließt. Es gibt keinen
andern Weg des Himmels in den Menschen; und wenn der
Himmel einfließt, dann räumt er weg, was ihm entgegensteht,
nämlich das Böse und Falsche, das im natürlichen Gemüt oder
im natürlichen Menschen seinen Wohnsitz hat; und dieses
kann nur entfernt werden, wenn der Mensch es wahrhaft
erkennt und tiefen Schmerz darüber empfindet. Daher kommt
es, daß der Mensch in den Versuchungen von Beängstigungen
ergriffen wird, die aus dem Bösen und Falschen in seine
Gedanken aufsteigen. Und je mehr der Mensch dann seine
Sünden anerkennt, sich als schuldig fühlt und den Herrn um
Befreiung bittet, desto mehr Nutzen gewähren ihm die
Versuchungen. Sobald aber das Böse und Falsche des
Menschen entfernt ist, sind die Versuchungen überstanden,
und dann fließt Freude ein vom Herrn durch den Himmel und
erfüllt das natürliche Gemüt. Diese Freudigkeit ist es, die hier
unter den Tröstungen verstanden wird. (OE 897)

19. Oktober
Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das
Land ererben. (Mat. 5, 5)

Erblich besitzen heißt Leben vom Herrn empfangen, und


das ist das ewige Leben oder der Himmel, was auch unter dem
Ausdruck „Land“ zu verstehen ist. (HG 2658)
Sanftmütig aber ist, wer sich im Guten der tätigen Liebe
übt. (OE 304)
Durch das Land oder die Erde wird die Kirche bezeichnet,
denn unter diesem Begriff wird oft das Land Kanaan verstan-

208
den, in dem sich die Kirche befand (s. „himmlisches Kanaan“).
Wenn also Erde oder Land gesagt wird, denken die geistigen
Engel nicht an das Land selbst, sondern an die darauf lebende
Menschheit und an deren Zustand, der aber derjenige der
Kirche ist. (EO 285)

20. Oktober
Selig sind, die da hungert und dürstet nach
Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.
(Mat. 5, 6)

Der Herr ist dadurch die Gerechtigkeit geworden, daß er


seine Menschennatur durch seine eigene Macht göttlich mach-
te. Dieses göttliche Wesen ist im Menschen, der es aufnimmt,
die Gerechtigkeit des Herrn und ist eigentlich das Gute der
tätigen Liebe zum Nächsten. Denn der Herr wohnt im Guten
der Liebe und dadurch im Wahren des Glaubens, weil der Herr
die göttliche Liebe selbst ist. Satt werden heißt aber, von
Wahrheiten erfüllt werden. (HG 9263)

21. Oktober
Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden
Barmherzigkeit erlangen. (Mat. 5, 7)

Unter Geist Gottes wird die Barmherzigkeit des Herr ver-


standen, von der es heißt, sie schwebe, wie es die Henne über
ihren Eiern zu tun pflegt, über dem, was der Herr im
Menschen verbirgt und was da und dort im Wort Überreste
genannt wird.
Die Barmherzigkeit des Herrn hat zum Ziel, die
Menschheit selig zu machen; sie umfaßt auch die Gnade. Die

209
beiden sind aber zu unterscheiden: Die Barmherzigkeit wird
angewendet auf die, welche himmlisch, die Gnade aber auf die,
welche geistig sind. Die demütigen Herzens sind, erflehen die
Barmherzigkeit, die demütig denken, bitten um Gnade.
(HG 598)

22. Oktober
Und Gott segnete Noach und seine Söhne und
sprach zu ihnen: seid fruchtbar und mehret euch
und erfüllet die Erde. (1. Mose 9, 1)

In jedem Menschen ist der Herr gegenwärtig, aber nur so


nah, wie der Mensch sich der tätigen Liebe genähert hat. Daß
Gott „segnete“ bedeutet seine Gnade, nicht aber seine
Barmherzigkeit, und das hat seinen Grund. Himmlische Men-
schen sprechen nicht von Gnade, sondern von Barmherzigkeit,
denn sie anerkennen, daß die Menschheit unrein und höllisch
und als Auswurf zu bezeichnen ist; für diesen Zustand erflehen
sie die Barmherzigkeit des Herrn. Die geistigen Menschen wis-
sen das zwar auch, erkennen es jedoch nicht an, weil sie ihr
Eigenes mehr lieben. Um Barmherzigkeit zu bitten widerstrebt
ihnen daher, wogegen sie der Gnade gegenüber keine
Hemmungen haben. (HG 981)

23. Oktober

Da antworteten einige der Schriftgelehrten und


Pharisäer und sprachen: Lehrer, wir wollten ein
Zeichen von dir sehen. Er aber antwortete und
sprach zu ihnen: Ein schlechtes und ehebrecheri-
sches Geschlecht trachtet nach einem Zeichen,

210
und es soll ihm kein Zeichen gegeben werden,
denn das Zeichen Jonas, des Propheten. Denn wie
Jonas drei Tage und drei Nächte im Bauch des
Walfisches war, so wird des Menschen Sohn drei
Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.
(Mat. 12, 38-40)

Unter dem Zeichen ist eine Versicherung zu verstehen, damit


sie sich überzeugen und glauben sollten, der Herr sei der Messias
und der Sohn Gottes. Denn die Wunder, die der Herr in Menge
getan hatte und die sie miterlebt hatten, waren für sie keine
Zeichen, und zwar deshalb, weil die Wunder nur Zeichen sind
für die Guten. Das Zeichen des Jonas aber ist ein Bild für das
Begräbnis und die Auferstehung des Herrn, also für die voll-
ständige Verherrlichung seiner Menschennatur. (OE 706)

24. Oktober
Und alsbald versammelten sich viele, sodaß sie
auch an der Tür nicht mehr Platz hatten, und er
redete zu ihnen das Wort. Und da sie wegen dem
Gedränge ihm nicht nahe kommen konnten, deck-
ten sie das Dach ab, wo er war, und gruben es auf
und ließen das Tragbett hinab, auf dem der
Gichtbrüchige darniederlag. … Was ist leichter, zu
dem Gichtbrüchigen zu sagen: Dir sind die Sünden
vergeben, oder zu sagen: Mache dich auf, nimm
dein Tragbett auf und wandle? … Und alsbald
machte er sich auf, nahm sein Tragbett auf und
ging vor allen hinaus, sodaß sie alle außer sich
waren, Gott verherrlichten und sprachen: So etwas
haben wir noch nie gesehen.
(Mark. 2, 2. 4. 9. 12)

211
Was Jesus zu diesem Kranken sagte, bedeutet die Lehre und
das Leben nach dieser. Das Bett steht für die Lehre, wandeln
für das Leben. Der Kranke dagegen stellt diejenigen dar, die das
Gebot übertreten und gesündigt haben. Deshalb sagt Jesus zu
dem Kranken am Teich Bethesda (Joh. 5): Siehe, du bist
gesund geworden, sündige nicht mehr, und zu dem
Gichtkranken: Was ist leichter zu sagen: Deine Sünden sind dir
vergeben, oder: Mache dich auf, nimm dein Bett und wandle?
Wer nichts vom inneren Sinn weiß, glaubt, die Worte, die der
Herr geredet hat, hätten nichts weiter zu bedeuten, als was der
Buchstabensinn verrät. (Also ein Wunder.) Aber der Herr hat
aus der göttlichen Kraft geredet. (OE 163)

25. Oktober
Und es waren die Tage des Menschen, nachdem er
den Scheth gezeugt, achthundert Jahre, und er
zeugte Söhne und Töchter. (1. Mose 5, 4)

Tage stehen für Zustände im allgemeinen, Jahre für


Zustände im besonderen. Im Wort bedeuten Zeiten Zustände.
Da nun – insbesondere in der Schöpfungsgeschichte – die
Zeiten mit Tagen bezeichnet werden, bedeuten also auch die
Tage Zustände. Die Uralten hatten dafür Zahlen, durch die sie
verschiedene Angelegenheiten der Kirche beschrieben, z.B.
drei, sieben, zehn, zwölf und andere, die sie aus diesen
Grundzahlen zusammensetzten; mit diesen faßten sie die
Zustände der Kirche zusammen. (HG 487)

26. Oktober
Und Jakob kam am Abend vom Feld, und Leah
ging hinaus ihm entgegen und sprach: Zu mir sollst

212
du kommen, denn ich habe dich mit meines
Sohnes Dudaim gedungen. (1. Mose 30, 16)

„Dingen“ ist eine Übereinkunft, die aus der Vorsorge des


Herrn vollzogen wird, wobei es um die Verbindung des Guten
mit dem Wahren geht, nämlich mit dem Guten, das dem
Menschen angeeignet wird, denn das Gute im Menschen ist
erst wirklich gut, wenn es mit den Wahrheiten verbunden ist.
Die Vorsehung des Herrn beschäftigt sich hauptsächlich mit
dieser Verbindung. Durch sie wird der Mensch ein Mensch
und unterscheidet sich von den unvernünftigen Tieren und
wird im dem Maß ein Mensch, wie er den Herrn in sich wir-
ken läßt. Es gibt kein anderes Gutes, und auch das Gute des
äußeren Menschen, das die Annehmlichkeiten des Lebens bil-
det, solange der Mensch in der Welt lebt, ist nur soweit gut, wie
es etwas von jenem in sich trägt. Soweit also wie z.B. der
Reichtum das Wohl des Nächsten, des Vaterlandes oder das
öffentliche Wohl oder dasjenige der Kirche zum Ziel hat, solan-
ge ist er gut. (HG 3952)

27. Oktober
Und es geschah nach drei Tagen, als sie in
Schmerzen waren, nahmen die beiden Söhne
Jakobs, Schimeon und Levi, die Brüder Dinahs,
jeder sein Schwert und gingen kecken Mutes in
die Stadt … und alle ihre Reichtümer und alle
ihre Kinder und ihre Frauen nahmen sie gefan-
gen und machten sie zur Beute und alles, was im
Hause war. (1. Mose, 34, 25. 29)

Alle ihre Kinder bedeutet alle Unschuld; ihre Frauen


bedeutet die tätige Liebe; nahmen sie gefangen… will sagen,

213
sie hätten sie beraubt und verstört. … Die Reichtümer aber
stellen Kenntnisse dar, die sie sich erworben hatten, und zwar
geistige Kenntnisse, denn es sind auch immer nur geistige
Reichtümer gemeint.
(Das Ganze steht im Zusammenhang mit der Verwüstung
der Alten Kirche, die durch Jakob dargestellt wird. Dinah, die
Ursache des Streits, ist die Neigung der verdorbenen Kirche
zum Falschen.) (HG 4508)

28. Oktober
Daß du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden
und bedarf nichts, und du weißt nicht, daß du
elend und jämmerlich und arm und blind und nackt
bist. Ich rate dir, kaufe von mir Gold, durch Feuer
geläutert, auf daß du reich werdest und weiße
Kleider, auf daß du umkleidet werdest und die
Schande deiner Blöße nicht offenbar werde.
(Offb. 3, 17. 18)

Hier ist die Rede von einer Kirche, die ihre gesamten
Interessen auf nackte Erkenntnisse setzt und sich damit über
andere erhebt, während doch die Erkenntnisse nichts weiter sind
als Mittel zur Besserung und Vervollkommnung des Lebens. Wer
sie also besitzt, ohne ein ihnen gemäßes Leben zu führen, der ist
elend, jämmerlich, arm, blind und nackt. Gold kaufen, das durch
Feuer gereinigt ist, heißt, sich vom Herrn das echte Gute ver-
schaffen, und weiße Kleider bedeuten die echten Wahrheiten, die
aus diesem Guten zu erwerben sind. (HG 10227)

29. Oktober
Die Männer Jerichos sagten zu Elisa: Siehe, die
Lage der Stadt ist gut, aber die Wasser sind böse

214
und das Land unfruchtbar; da sagte Elisa, sie soll-
ten in einer neuen Schale Salz bringen und es
sofort in den Ausfluß des Wassers werfen, da wur-
den die Wasser geheilt , und es kam nicht mehr
Tod oder Unfruchtbarkeit. (2. Kön. 2, 19-21)

Alle Wunder, die im Wort vorkommen, schließen in sich,


was sich im Reich des Herrn oder in der Kirche begibt. Elisa
stellt den Herrn dar im Hinblick auf das Wort. Die Wasser sind
wie immer Wahrheiten des Glaubens. Die bösen Wasser stehen
daher für das Wahre ohne das Gute, das unfruchtbare Land für
das Gute der Kirche, das nicht lebendig war. Die neue Schale
sind die Kenntnisse und Erkenntnisse des Guten und Wahren,
das Salz das Verlangen des Wahren nach dem Guten, der
Ausfluß der Wasser das Natürliche des Menschen, das die
Erkenntnisse des Wahren und Guten aufnimmt und das durch
das Verlangen des Wahren nach dem Guten gebessert wird.
Es geht also um die Besserung der Kirche und des Lebens
durch das Wort vom Herrn, somit durch das Verlangen des
Wahren nach dem Guten. Diese Besserung tritt ein, wenn das
Natürliche des Menschen durch solches Verlangen die
Wahrheiten aus dem Wort aufnimmt. (HG 9325)

30. Oktober
Ein jeder, der von Rindern oder Schafen ein
Brandopfer als Gabe für Jehovah darbringt, soll die
Hand auf das Haupt des Brandopfers legen, dann
wird es mit Wohlgefallen von ihm angenommen
werden zu seiner Versöhnung. (3. Mose 1, 2-4)

Durch das Auflegen der Hände auf das Brandopfer und auf
das Schlachtopfer wurde der ganze Gottesdienst dessen, der

215
das Opfer brachte dargestellt, nämlich die Anerkennung seiner
Sünden, das Bekenntnis und daher die Reinigung, die
Einpflanzung des Guten und Wahren, somit die Verbindung
mit dem Herrn, was alles durch Mitteilung, Übertragung und
Aufnahme geschah. Unter der Übertragung und Aufnahme
wird verstanden, was als Tragen der Missetat bezeichnet wird.
Dies alles geschieht durch Auflegen der Hände, wie es auch bei
den verschiedenen Heilungen beschrieben wird: bei der
Tochter des Vorstehers (Mat. 9), dem Blinden (Mark. 8), der
Blutflüssigen (Luk. 8) und anderen. (HG 10023)

31. Oktober
Und sie taten also, und Aharon streckte seine Hand
aus mit seinem Stab und schlug den Staub der
Erde, und die Läuse waren an Mensch und Vieh;
aller Staub der Erde ward zu Läusen im ganzen
Land Ägypten. Und es taten die Wahrsager auch
also mit ihren Zauberformeln, um Läuse hervorzu-
bringen; und sie vermochten es nicht, und die
Läuse waren an Mensch und Vieh. Und die
Wahrsager sprachen zu Pharao: Dies ist der Finger
Gottes! (2. Mose 8, 13-15)

Dadurch, daß Aharon die Hand ausstreckte, zeigte sich die


Macht des inneren Wahren; es förderte das Verdammte ans
Licht, und das innere und äußere Böse der Begierden wurde
offenbar. Die Wahrsager versuchten umsonst, Gottes
Ordnung zu verändern. „Sie sprachen zu Pharao“ heißt, sie
empfanden und begriffen das Böse und teilten das mit. Und
sie bezeichneten den Vorgang als Finger Gottes, d.h. als die
göttliche Macht, denn der Finger ist ein Teil der Hand, und die
stellt die Macht dar. So heilte Jesus einen Tauben:
(HG 7410-30 Zus.fassung)

216
Und sie bringen ihm einen Tauben, der kaum reden konn-
te, und flehen ihn an, daß er die Hand auf ihn legte. Und er
nahm ihn beiseite vom Gedränge besonders, legte ihm seine
Finger in seine Ohren und spuckte und berührte seine Zunge.
Und er blickte auf zum Himmel, seufzte und sprach zu ihm:
Ephatha, das ist: tue dich auf. (Mark. 7, 32-34)

1. November
Und er kommt nach Bethsaida; und sie bringen zu
ihm einen Blinden und flehen ihn an, daß er ihn
berühre. Und er nahm den Blinden bei der Hand,
führte ihn hinaus aus dem Flecken und spuckte in
seine Augen, legte die Hände auf ihn und fragte
ihn, ob er etwas sehe. Und er blickte auf und
sprach: Ich sehe die Menschen wie Bäume umher-
wandeln. Da legte er ihm abermals die Hände auf
seine Augen und hieß ihn aufblicken, und er war
wieder hergestellt und sah alles deutlich.
(Mark. 8, 22-25)

Bethsaida bedeutet die Verdammnis infolge Nichtannahme


des Herrn, und der Blinde ist geistig blind, d.h. er kennt und
versteht die Wahrheiten nicht, weil er außerhalb der Kirche
geboren ist. Der Speichel – in der Erzählung bei Joh. 9 mit Kot
vermischt – zeigt die Absicht, durch Wahrheiten aus dem
Buchstabensinn des Wortes eine Besserung herbeizuführen.
(Kot bedeutet die unterste Grundlage der göttlichen Kraft.)
Nun rührte er die Augen an, was sagen will, er habe ihn mit
dem göttlichen Einfluß erleuchtet. Jetzt sah der Blinde die
Menschen wie Bäume wandeln, d.h. er begann das Wahre aus
dem Buchstabensinn im allgemeinen und ungefähr zu begrei-
fen, denn Bäume sind oft auch Erkenntnisse. Nachher, als er

217
vom Herrn von Neuem berührt wurde, sah er alles klar. Das
zeigt, daß er infolge Belehrung und Erleuchtung vom Herrn
die Wahrheiten völlig verstanden habe. (OE 239)

2. November
Und als er zu seinen Jüngern kam, sah er viel
Gedränge um sie her und Schriftgelehrte, die sich
mit ihnen befragten. Und alsbald, da all das
Gedränge ihn sah, wurde ihnen bange, und sie lie-
fen herbei und begrüßten ihn. Und er fragte die
Schriftgelehrten: Worüber befraget ihr euch mit
ihnen? Und einer aus dem Gedränge antwortete
und sprach: Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir
hergebracht, der hat einen sprachlosen Geist. Und
wo er ihn übernimmt, reißt er ihn und er schäumt
und knirscht mit den Zähnen und zehrt ab. Und ich
sprach mit deinen Jüngern, daß sie ihn austrieben,
und sie vermochten es nicht. Er aber bedräute den
unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser
und tauber Geist, ich befehle dir, geh aus von ihm
und geh nimmer in ihn ein. (Mark. 9, 14-18. 25)

Daß er mit den Zähnen knirschte, will das Bestreben zei-


gen, das Wahre durch Falsches zu zerstören. Das wird im Wort
so ausgedrückt, weil die Zähne Falsches im Äußersten bedeu-
ten und das Knirschen die Heftigkeit des Kampfes illustriert.
Eine Entsprechung ist auch der taube Geist. Alle Geister stam-
men von den Menschen. Dieser gehörte zu der Gattung, die
gegen das Wahre und für das Falsche kämpften. Das ist auch
der Grund, weshalb der Besessene schäumte und mit den
Zähnen knirschte. Er wird vom Herrn taub und stumm
genannt, weil er das Wahre nicht begreifen und verstehen woll-

218
te, denn Taube und Stumme stellen solche dar. Weil er gegenü-
ber dem Wahren störrisch und verstockt gewesen war und sich
im Falschen verrannt hatte, konnte er von den Jüngern nicht
ausgetrieben werden; denn sie waren noch nicht im Stande,
sein Falsches zu zerstören. Es war aber der Geist so übel gestal-
tet, nicht der Besessene; deshalb heißt es, er habe diesen geris-
sen, und der Herr verbot ihm, wieder in ihn hinein zu gehen.
(OE 556)

3. November
Fortsetzung
Der Herr heilte diesen und auch die anderen entsprechend
ihrem Glauben, weil die Hauptsache der neu zu errichtenden
Kirche war, daß die Menschen glaubten, der Herr sei der all-
mächtige Gott, denn ohne diesen Glauben kann keine Kirche
errichtet werden. Zum Beispiel sagte der Hauptmann: ich bin
nicht wert, daß du unter mein Dach gehest, aber sprich nur ein
Wort, und mein Knecht wird gesund.
Dieser Glaube ist der sogenannte historische Glaube, der
damals zugleich ein Wunderglaube war. Durch diesen taten
damals viele Menschen Wunder. Sie glaubten, der Herr sei all-
mächtig, weil er eben aus sich Wunder vollbringen konnte.
Daher ließ er ihre Anbetung zu, im Gegensatz zu den Propheten,
die nicht angebetet wurden. Dieser Glaube war ein Vorläufer des
seligmachenden Glaubens, wenn der Mensch die Wahrheiten
aus dem Wort erlernt und nach ihnen lebt. (OE 815)

4. November
Fortsetzung
Drei Ursachen gibt es, daß der Glaube an den Herrn zu hei-
len vermochte: Erstens: Sie anerkannten seine göttliche Macht

219
und daß er Gott war. Zweitens: Der Glaube ist zugleich Aner-
kennung, und diese bewirkt Anschauungen, und jede Anschau-
ung auf Grund einer Anerkennung stellt den andern als gegen-
wärtig dar, was in der geistigen Welt ganz selbstverständlich ist.
Hier fand die Anschauung auf Grund der Anerkennung der
Allmacht des Herrn statt, und deshalb sollten sie (die Menschen
in der Zeit des Umbruchs) zuerst den Herrn anschauen, als
eine neue Kirche von ihm gegründet wurde. Drittens: alle
Krankheiten, die der Herr heilte, stellten geistige Krankheiten
dar, die den natürlichen entsprachen. Diese geistigen
Krankheiten können nur vom Herrn geheilt werden, und zwar
durch den Blick auf seine göttliche Allmacht und zugleich
durch die Buße des Lebens. Deshalb sagte er einige Male: Deine
Sünden sind dir vergeben, gehe hin und sündige nicht mehr.
Dieser Glaube wurde durch jenen Wunderglauben symbolisch
dargestellt. Der wahre Glaube aber, durch den vom Herrn die
geistigen Krankheiten geheilt werden, ist nur möglich durch die
Wahrheiten und das Leben nach diesen. (OE 815)

5. November
Und da er hinauskam auf den Weg, lief einer herzu,
fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter
Lehrer, was soll ich tun, daß ich das ewige Leben
ererbe? Jesus aber blickte ihn an und liebte ihn
und sprach zu ihm: Eins mangelt dir. Gehe hin,
verkaufe, was du hast und gib es den Armen, so
wirst du einen Schatz im Himmel haben; und
komm her , folge mir nach und nimm das Kreuz
auf dich. (Mark. 10, 17. 21)

Darunter ist zu verstehen, daß die Angehörigen der gei-


stigen Kirche Versuchungen zu erleiden haben. Man muß

220
aber wissen, daß in den Versuchungen nicht der Mensch
kämpft, sondern der Herr allein für den Menschen, obgleich
es scheint, als ob der Mensch selbst kämpfe, und wenn der
Herr für den Menschen kämpft, siegt der Herr in jeder
Beziehung. Heutigen Tages werden nur wenige in
Versuchungen geführt, weil die meisten nicht ein Leben des
Glaubens führen und daher auch kein Gewissen oder
Bewußtsein des Wahren besitzen. Wem dieses aber fehlt, der
würde unterliegen, wodurch dann der folgende Zustand
schlimmer wäre als der vorausgehende. (HG 8159)

6. November
Gleich wie der Vater das Leben in sich selbst hat,
so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in
sich selbst zu haben. (Joh. 5, 26)

Jesus sprach zu ihr (Martha): Ich bin die


Auferstehung und das Leben. (Joh. 11, 25)

Spricht Jesus zu ihm (Thomas): Ich bin der Weg


und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt
zum Vater denn durch mich. (Joh. 14, 6)

Verirrt sich ein Mensch in seinem Denken soweit, daß er


sich nicht für ein Gefäß des Lebens, sondern für das Leben
selbst hält, so kann man ihn nicht von dem Gedanken abbrin-
gen, Gott zu sein. Daß der Mensch es so empfindet, als wäre er
ein Leben in sich selbst, und daß er dies daher auch glaubt,
beruht auf Täuschung; denn in der realen Erscheinung wird
der (geistige) Urgrund nicht anders wahrgenommen, als ob er
mit dieser identisch sei. (GLW 4)

221
7. November
Er maß die Mauer des heiligen Jerusalem, 144
Ellen, das Maß eines Menschen, das heißt eines
Engels. (Offb, 21, 17)

Ein Engel ist ein Himmel in kleinster Gestalt, weil er ein


Empfänger aller himmlischen Dinge ist. In dem Maß, wie der
Mensch den Himmel in sich aufnimmt, ist er ebenfalls ein sol-
cher Empfänger, ein Himmel und ein Engel. Jerusalem ist hier
die Kirche des Herrn und im höheren Sinn der Himmel, die
Mauer das Wahre, das gegen den mutwilligen Angriff des Fal-
schen und Bösen schützt. Die Zahl 144 stellt das Wahre und
Gute in seiner Gesamtheit dar, das Maß dessen Beschaffenheit.
Im Menschen ist all dies angelegt, in ihm ist der Himmel. Weil
der Engel dadurch auch Mensch ist, heißt es: das Maß eines
Menschen, das heißt eines Engels. (HH 73)

8. November
Bleibet in mir, und ich in euch. Gleich wie die Rebe
keine Frucht bringen kann von ihr selber, sie blei-
be denn am Weihstock, so auch ihr nicht, ihr blei-
bet denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die
Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der trägt
viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in mei-
ner Liebe bleiben. (Joh. 15, 4. 5. 10)

Weil die Engel nicht ein unschaubares Gottwesen anerken-


nen, das sie als formlos bezeichnen, sondern ein schaubares in
menschlicher Gestalt, darum pflegen sie zu sagen, der Herr sei
allein Mensch, sie aber nur Menschen aus seiner Kraft. Und

222
weil der Himmel auf Grund des göttlich-menschlichen Wesens
des Herrn im Ganzen wie in seinen Teilen einen einzigen
Menschen darstellt, sagen die Engel, sie seien im Herrn, und
einige auch, sie seien in seinem Leib, womit sie das Verweilen
im Guten seiner Liebe meinen. (HH 80, 81)

9. November
Segne Jehovah, meine Seele! Jehovah, mein Gott,
du bist sehr groß. Majestät und Ehre hast du ange-
zogen! Er umhüllt sich mit Licht wie mit einem
Gewand, er spannt die Himmel aus wie einen
Teppich. (Ps, 104, 1. 2)

Das Licht in den Himmeln ist geistig, und es ist das göttli-
che Wahre, wie man auch daraus schließen kann, daß der
Mensch ebenfalls ein geistiges Licht und daraus Erleuchtung
hat, soweit er sich in der Einsicht und Weisheit aus dem göttli-
chen Wahren befindet. Das geistige Licht des Menschen
besteht im Licht seines Verstandes, und dessen Objekte sind
Wahrheiten, die er in diesem Licht zergliedert und ordnet, in
das Verhältnis von Grund und Folge zueinander setzt und aus
denen er der Reihe nach Schlüsse zieht. (HH 130)

10. November
Und alsbald war ich im Geist; und siehe, ein Thron
war gestellt im Himmel … und rings um den Thron
vierundzwanzig Throne; und auf den Thronen sah
ich sitzen die vierundzwanzig Ältesten, die waren
umkleidet mit weißen Kleidern und hatten goldene
Kronen auf ihren Häuptern. (Offb. 4, 2. 4)

223
Die Kleider der Engel erscheinen aber nicht bloß als solche,
sondern sind auch wirklich Kleider. Dies zeigt sich daran, daß
sie sie nicht nur sehen, sondern auch bei der Berührung
fühlen, sowie daran, daß sie mehrere Gewänder haben, die sie
bei Bedarf anziehen und bei Nichtbedarf aufbewahren. Auf
meine Frage, woher sie ihre Kleider hätten, antworteten sie:
Vom Herrn. Und sie würden damit beschenkt, ja zuweilen
ohne ihr Wissen bekleidet. Sie erklärten auch, ihre Kleidung
wandle sich je nach ihren Zustandsveränderungen, und zwar
trügen sie in ihrem ersten und zweiten Zustand schimmernde
und weiß glänzende Gewänder, im dritten und vierten etwas
dunklere. (HH 181)

11. November
Die Stadt liegt viereckig, und ihre Länge ist so groß
wie ihre Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr
zu 12 000 Stadien, und die Länge , Breite und
Höhe der Stadt sind gleich. (Offb. 21, 16)

Die Maße stellen Dinge dar, die zur neuen Kirche gehören:
die Länge das Gute ihrer Liebe, die Breite das Wahre aus die-
sem Guten, die Höhe das Gute und Wahre nach den Graden,
die 12 000 Stadien das Gute und Wahre in ihrer Gesamtheit.
Hieraus läßt sich ersehen, daß im Himmel nichts nach den
Räumen, sondern nur nach den Zuständen eingeschätzt wird,
obwohl es dort Räume gibt wie in der Welt. (HH 197, 198)

12. November
Als er sich auf dem Ölberg niedergesetzt hatte,
kamen die Jünger zu ihm … und Jesus sprach zu

224
ihnen: … Wer auf dem Dach ist, steige nicht hinab,
etwas aus seinem Haus zu holen, und wer auf dem
Feld ist, kehre nicht hinter sich, um seine Kleider
zu nehmen. (Mat. 24, 3. 17. 18)

Weil die Verbindung der Himmel allein durch einen


Einfluß vom Herrn besteht, wird auch die größte Vorsicht
angewandt, daß kein Engel eines oberen Himmels herabblickt
in eine Gesellschaft eines unteren Himmels und dort mit
jemandem spricht. Sobald dies geschieht, wird der betreffende
Engel seiner Einsicht und Weisheit beraubt. Jeder Engel hat
nämlich drei Stufen des Lebens, wie es auch drei Stufen des
Himmels gibt. Denen im innersten Himmel ist die dritte oder
innerste Stufe geöffnet, die zweite und erste aber verschlossen.
Sobald einer nun in eine Gesellschaft des zweiten Himmels
hinabblickt und dort mit jemandem redet, wird seine dritte
Stufe verschlossen, wodurch er seiner Weisheit beraubt ist.
(HH 208)

13. November
Wer unter euch groß werden will, der sei euer
Diener, und wer unter euch der erste sein will, der
sei euer Knecht; gleich wie des Menschen Sohn
nicht gekommen ist, sich dienen zu lassen, son-
dern zu dienen. (Mat. 20, 27. 28)

Die Vorgesetzten zeichnen sich vor anderen in Liebe und


Weisheit aus, sie wollen aus Liebe allen wohl und wissen aus
ihrer Weisheit heraus zu bewirken, daß solches auch geschieht.
Derartige Vorgesetzte herrschen und befehlen nicht, sondern
verwalten und dienen. Solche Vorgesetzte machen sich auch
nicht größer als andere, sondern kleiner, weil sie die erste Stelle

225
dem Wohl der Gesellschaft und dem Nächsten einräumen,
ihrem eigenen aber die zweite. (HH 218)
Dienen wird vom Guten der Liebe ausgesagt. Es heißt dem
Jehovah dienen und lieben. Darum wird auch vom Herrn
gesagt, er werde selbst dienen. Hieraus kann man nun erken-
nen, daß durch den Dienst alles bezeichnet wird, was aus dem
Guten der Liebe geschieht, also das Gute der Liebe selbst.
(OE 155)

14. November
Der Engel streckte seine Hand aus wider
Jerusalem, es zu verderben, allein Jehovah gereu-
te das Böse, und er sprach zum Engel, der das Volk
verderbte: Es ist genug, laß nun deine Hand ab!
(2. Sam. 24, 16)

In der geistigen Welt aber ist die Macht der Engel so groß,
daß es den Glauben überfordern hieße, wollte ich alles vor-
bringen, was ich davon gesehen habe. Widersetzt sich dort
etwas , was entfernt werden soll, weil es gegen die göttliche
Ordnung geht, so wird es von ihnen durch die bloße Kraft
ihres Willens und ihren Blick niedergeworfen und zerstört. So
sah ich, wie Berge, die von Bösen besetzt waren, umgestürzt
und aufgehoben wurden, dabei zerbarsten sie zuweilen von
einem Ende zum anderen wie bei einem Erdbeben. Nichts ver-
mag die Menge wider die Engel, nichts alle Künste, Schlauheit
und Aufruhr. Sie sehen alles und schlagen es augenblicklich
nieder. (HH 229)

15. November
Und ich hörte eine große Stimme im Himmel, die
sagte: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich

226
unseres Gottes und die Gewalt seines Christus
geworden. Denn hinab geworfen ist der Verkläger
unserer Brüder, der Tag und Nacht sie vor unserem
Gott verklagte. (Offb, 12, 10)

Tag und Nacht stehen für alle Zustände des Lebens, Tag für
eine Zeit, in der das Gemüt klare Vorstellungen besitzt, Nacht
für eine Periode dunkler Vorstellungen. Diese beiden Zustände
ergeben zusammen die Kontinuität. In der geistigen Welt gibt
es nämlich keine Einteilung der Zeiten in Jahre, Monate,
Wochen, Tage und Stunden, sondern an ihrer Statt Verän-
derungen des Zustands; denn die Engel befinden sich abwech-
selnd in klaren und dunklen Vorstellungen. Im einzelnen aber
folgen ihre Zustände in verschiedener Weise aufeinander,
gleichsam von einem Gefühl ins andere übergehend.
(OE 747)

16. November
Die Einsichtsvollen werden leuchten wie der Glanz
des Himmels, und die, welche viele zur Gerechtigkeit
führen, wie die Sterne immer und ewig. (Dan. 12, 3)

Man könnte daraus schließen, die Weisen würden im


Himmel Herrlichkeit und Vorrang vor den Einfältigen
genießen. Die Einsichtsvollen und die, die zur Gerechtigkeit
führen, sind nicht die Gebildeten oder gar die Theologen, die
sich durch Lehre und Predigt vor anderen hervorgetan oder
gar viel zum Glauben bekehrt haben. Die himmlische Einsicht
ist eine tiefer gehende Einsicht. Sie entspringt der Liebe zur
Wahrheit, nicht der Liebe zum irdischen oder himmlischen
Ruhm, vielmehr der Liebe zur Wahrheit um ihrer selbst willen.
Wer sich von ihr anregen läßt, der wird vom Licht des

227
Himmels angeregt und erfreut, vom göttlichen Wahren also,
und dieses ist der Herr (HH 346, 347)

17. November
Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne im
Reich meines Vaters. (Mat. 13, 43)

Unter denen, die viele zur Gerechtigkeit führen, sind die


Weisen zu verstehen, also diejenigen, die das Gute lieben. Gut
sind aber dort die Engel, die die göttlichen Wahrheiten
zugleich ins Leben umsetzen. Sie werden Weise genannt, weil
die Weisheit eine Angelegenheit des Lebens ist. Die anderen
heißen dagegen nur Einsichtige, weil sie die göttlichen
Wahrheiten nicht so leicht aufs Leben anwenden, sondern
zuerst im Gedächtnis niederlegen, um sie erst später wieder
hervorzuholen und ins Leben einzufügen. Die Angehörigen
des himmlischen Reiches des Herrn, also des dritten oder
innersten Himmels, heißen gerecht, weil sie sich selbst keine,
dem Herrn aber alle Gerechtigkeit zuschreiben. Sie leuchten
wie die Sonne, weil diese das Symbol ist für die Liebe, die sie
dem Herrn gegenüber empfinden. (HH 348)

18. November
Wenn jemand sagen sollte: Siehe, hier ist Christus
oder da, so glaubet es nicht; denn es werden
falsche Christi und falsche Propheten aufstehen
und große Zeichen und Wunder tun, um, wenn es
möglich wäre, auch die Auserwählten irre zu
führen. (Mat. 24, 23-26)

Der Herr ist auch nicht in den Wahrheiten, die zwar aus
dem Wort entnommen werden, besonders aus dem

228
Buchstabensinn, aber zugunsten der eigenen Herrschaft und
des eigenen Gewinns ausgelegt und dadurch verdreht werden.
Diese sind zwar an sich Wahrheiten, weil sie aus dem Wort ent-
nommen wurden; sie sind aber dennoch nicht wahr, weil sie
falsch ausgelegt und dadurch verkehrt werden. (HG 8868)

19. November
Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir,
denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig,
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn
mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
(Mat. 11, 29. 30)

Der Mensch kann äußerlich leben wie ein anderer, er kann


reich werden, ausgezeichnet speisen, wohnen und sich klei-
den, je nach seinen Verhältnissen und seiner Funktion, er
kann Lust und Freude genießen und sich seiner beruflichen
Pflichten und Geschäfte oder eines seelischen und körperli-
chen Lebens wegen mit weltlichen Dingen befassen, wenn er
nur die göttliche Ordnung anerkennt und seinem Nächsten
wohl will. Damit wird klar, daß es nicht so schwer ist, den Weg
des Himmels zu betreten, wie viele meinen. Die einzige
Schwierigkeit besteht darin, der Selbstsucht und Weltliebe zu
widerstehen und sie so zu zügeln, daß sie nicht vorherrschen.
Sanft ist das Joch des Herrn und leicht ist seine Last, denn der
Mensch wird im gleichen Maß, wie er dem Bösen seiner
Selbst- und Weltliebe widersteht, vom Herrn und nicht von
sich selbst geführt. (HH 359)

20. November
Sie haben weder seine Stimme jemals gehört noch
seine Gestalt gesehen. (Joh. 5, 37)

229
Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und bela-
den seid, und ich will euch Ruhe schaffen.
(Mat. 11, 28)

Die Engel in den Himmeln wissen und anerkennen kein


anderes göttliches Wesen als die göttlich-menschliche
Erscheinung des Herrn, denn an diese können sie denken und
diese können sie lieben. An die göttliche Eminenz aber, die
Vater genannt wird, können sie nicht denken und sie daher
auch nicht lieben, weil, was nicht gesehen und gehört werden
kann, unbegreiflich bleibt. Ein Gegenstand muß angemessen
sein, wenn er mit dem Glauben und mit der Liebe erfaßt wer-
den soll. Nun wird aber dieses unbegreifliche Gottwesen, das
der Vater genannt wird, zugleich mit verehrt, wenn der Herr als
göttlicher Mensch verehrt wird. Und dieses göttlich-menschli-
che Wesen umfaßt alles im Himmel und ist das eigentlich
Heilige dort. (HG 10267)

21. November
Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr
gehe, als daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.
(Mat. 19, 24)
Dieser Reiche stellt die Reichen in beiderlei Sinn, im natür-
lichen wie im geistigen, dar: Reich im natürlichen Sinn ist, wer
sein Herz an den materiellen Überfluß hängt, im geistigen, wer
sich vom Überfluß an Wissen und Kenntnissen verführen läßt,
sich aus eigener Einsicht der Dinge im Himmel und in der
Kirche zu bemächtigen. Weil das gegen die göttliche Ordnung
verstößt, heißt es, ein Kamel könne eher durch ein Nadelöhr
gehen. Hier steht nämlich das Kamel für das Erkennen und
Wissen im allgemeinen, das Nadelöhr aber für das geistige
Wahre. (HH 365)

230
22. November
Nichts ist verborgen, das nicht aufgedeckt, und
nichts heimlich, das man nicht wissen werde.
Darum, was ihr im Finstern gesprochen habt, das
wird man im Licht hören, und was ihr ins Ohr
gesagt habt, wird auf den Dächern ausgerufen wer-
den. (Luk. 12, 2. 3)

Jedem bösen Geist werden all seine bösen, ruchlosen Taten,


Räubereien, Kunstgriffe und Betrügereien handgreiflich vorge-
führt. Sie werden seinem eigenen Gedächtnis entnommen,
und so wird er schließlich überführt. Es bleibt ihm keine
Möglichkeit zur Leugnung, weil alle Umstände zur gleichen
Zeit auftauchen. (HH 462a)
Wir haben nicht darüber zu urteilen, wie ein Mitmensch
im Inneren seines Gemüts oder seiner Seele beschaffen ist, wie
also sein geistiger Zustand und damit sein Los nach dem Tod
sein wird. Das dürfen wir nicht, weil dies allein Sache des
Herrn ist. Er läßt es auch erst nach dem Hinschied des Men-
schen offenbar werden, damit jeder bei dem, was er tut, in
Freiheit ist und eben dadurch das Gute oder Böse, das er tut,
aus ihm selbst und somit auch in ihm selbst ist und er daher
für sich und als sein eigenes Ich in Ewigkeit lebt. Das Innere
des Gemüts, das in der Welt verborgen bleibt, wird deshalb
nach dem Tod offenbar, weil es das Interesse und Wohl der
Gesellschaft, in die der Mensch dann eintritt, erfordert, da dort
alle geistig sind. (EL 523)

23. November
Es wird nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, ins
Reich der Himmel kommen, sondern der den

231
Willen tut meines Vaters in den Himmeln. Viele
werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr,
haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und
in deinem Namen Dämonen ausgetrieben, und
haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder
getan? (Mat. 7, 21. 22)

Der Mensch ist nach dem Tod so, wie sein Leben in der
Welt war. Das ist jedem Christen aus dem Wort Gottes
bekannt. Zudem kann jedem klar sein, der als Grundlage sei-
ner Gedanken jenes Gute annimmt, das wirklich gut und wahr
ist, daß nämlich in den Himmel kommt, wer ein gutes Leben
führt, in die Hölle aber , wer böse lebt. Wer sich nun aber dem
Bösen verschrieben hat, will nicht glauben, daß sich sein
Zustand nach dem Tod nach seinem Leben in der Welt richtet.
Er denkt vielmehr, jedermann komme in den Himmel aus
purer Barmherzigkeit, gleichgültig wie er gelebt habe; es hänge
allein von Glauben ab. (HH 470)

24. November
Ihr seid übertünchten Gräbern gleich, die von
außen schön erscheinen, inwendig aber voller
Totengebeine und allerhand Unreinheit sind.
(Mat. 23, 27)

Sobald der Geist (nach dem Tod) in den Zustand gelangt,


in dem sich seine inneren Bereiche befinden, liegt offen zutage,
was für ein Mensch er innerlich auf Erden gewesen ist. Dann
handelt er nämlich aus seinem eigentlichen Wesen heraus. Wer
in der Welt innerlich dem Guten ergeben war, handelt dann
vernünftig und weise, ja noch weiser als in der Welt, weil er
jetzt vom Körper und damit zugleich auch von den irdischen

232
Zwängen entbunden ist, die etwas wie eine Verdunkelung, ähn-
lich einer vorbeiziehenden Wolke, bewirkt hatten. Doch wer in
der Welt dem Bösen ergeben war, handelt unverständig und
unvernünftig, ja noch unvernünftiger als in der Welt, weil er
jetzt frei und ohne Schranken ist. Solange er in der Welt lebte,
verhielt er sich in äußeren Dingen vernünftig, weil er dafür gel-
ten wollte. Sobald nun diese Notwendigkeit wegfällt, werden
seine Tollheiten offenbar. Der Böse, der nach außen den guten
Menschen spielt, läßt sich mit einem äußerlich glänzenden,
fein polierten und verhüllten Gefäß vergleichen, in dem alle
Arten von Unrat verborgen sind. (HH 505)

25. November

Und Abraham war alt, in die Tage gekommen, und


Jehovah hatte Abraham in allem gesegnet. Und
Abraham sprach zu dem ältesten Knecht seines
Hauses, der über alles, war er hatte, herrschte:
Lege doch deine Hand unter meine Hüfte.
(1. Mose 24, 1. 2)

Diejenigen, die zu etwas verpflichtet wurden, was der ehe-


lichen Liebe angehörte, legten nach altem Brauch die Hand
unter die Hüfte desjenigen, dem sie sich verpflichteten. Sie
wurden auf diese Weise vereidigt. Die Hüfte bedeutet nämlich
das Gute der ehelichen Liebe, die Hand die Kraft (Siehe HG
878). Im größten Menschen entsprechen alle Teile des Körpers
geistigen und himmlischen Dingen, was den Uralten bekannt
war, und von diesen stammte auch der genannte Brauch. Er
wurde deshalb angewandt, weil es um die Verlobung Isaaks mit
einer Tochter aus der Familie Abrahams ging, die der Knecht
ausrichten sollte. (HG 3021)

233
26. November
Ich werde Wunderzeichen geben am Himmel und
auf Erden, Blut und Feuer und Rauchsäulen. Die
Sonne wird sich in Finsternis verwandeln.
(Joel 3, 3. 4)
Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist
weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis
führt, und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und
die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum
Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.
(Mat. 7, 13. 14)

Das höllische Feuer ist Begierde und Lust, die der Selbst-
und der Weltliebe entspringen. Das damit zusammenhängen-
de Böse aber besteht aus der Verachtung anderer, aus Groll und
Feindschaft gegen alle, die einem nicht gewogen sind, aus
Neid, Haß und Rachsucht und daraus aus Härte und
Grausamkeit. Im Hinblick auf die göttliche Liebe besteht die-
ses Böse aus der Leugnung und daraus aus Verachtung,
Verspottung und Lästerung der heiligen Dinge der Kirche.
Nach dem Tod, wenn der Mensch ein Geist wird, verwandelt
sich diese Haltung in Erbitterung und Haß. Das wird im Wort
unter dem Feuer verstanden. (HH 570)

27. November
Und es kam der Schriftgelehrten einer herzu, der
ihre Besprechung gehört hatte, und sah, daß er
ihnen fein geantwortet hatte, und fragte ihn:
Welches ist das erste Gebot von allen? Jesus aber
antwortete ihm: Das erste Gebot von allen ist: Höre
Israel, der Herr unser Gott ist ein einiger Herr.
(Mark. 12, 28. 29)

234
Wer sich seinen Gemütszustand unter dem Einfluß Gottes
gestaltet hat, dem erscheint die Heilige Schrift wie ein Spiegel,
in dem er Gott erblickt; aber jeder erkennt ihn darin auf seine
Weise. Aber die Heilige Schrift lehrt nicht allein , daß Gott exi-
stiert, sondern auch, daß er einer ist. Dies ist ebenfalls ersicht-
lich aus den Wahrheiten, die untereinander in einem Verband
zusammenhängend, besagten Spiegel bilden und auf diese
Weise bewirken, daß der Mensch sich Gott nur als einen vor-
stellen kann. Die Engel können nicht einmal den Mund auf-
tun, um das Wort „Götter“ auszusprechen; dem widerstrebt
die Himmelsluft, in der sie leben. (WCR 6)

28. November
Jesus antwortete (den Juden): Abraham, euer
Vater, frohlockte, daß er meinen Tag sehen sollte,
und er sah ihn und freute sich. Da sagten zu ihm
die Juden: Du hast noch keine fünfzig Jahre und
hast Abraham gesehen? Jesus spricht zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ehe denn
Abraham ward, bin ich. (Joh. 8, 56-58)

Es ist der Kirche bekannt, daß beim Volk Israel und Juda
der ganze Gottesdienst rein äußerlich war, daß er zugleich aber
auch den inneren Gottesdienst voraus zeigte, den der Herr
eröffnete. Der Gottesdienst vor der Ankunft des Herrn bestand
also in Symbolen und Gleichnissen, die den wahren
Gottesdienst in angemessener Weise bildhaft darstellten.
(WCR 109)
Das unendliche Selbst, das über allen Himmeln und über
dem Inwendigsten im Menschen ist, kann nicht offenbart wer-
den, außer durch das göttlich Menschliche, das allein im Herrn

235
ist. Eine Gemeinschaft des Unendlichen mit dem Endlichen ist
anderswoher nicht möglich; und dies ist auch die Ursache, daß
Jehovah, wenn er den Menschen der Ältesten Kirche und nach-
mals denen der Alten Kirche, die nach der Sintflut bestand,
dann später dem Abraham und den Propheten erschien, sich
ihnen als Mensch offenbarte. (HG 1990)

29. November
Niemand nimmt das Leben von mir, sondern ich
lasse es von mir selber. Ich habe Macht, es zu
lassen, und ich habe Macht, es wieder zu neh-
men. Dies Gebot habe ich von meinem Vater
empfangen. (Joh. 10, 18)

Daraus geht klar hervor, daß der Herr nicht als Gott, son-
dern als Mensch gelitten hat, und daß darauf die innigste, das
heißt die vollständige Vereinigung folgte. Dies läßt sich auch
durch die Tatsache beleuchten, daß die Seele bei körperlichen
Leiden des Menschen nicht eigentlich leidet, sondern nur
Betrübnis empfindet. Nach dem Sieg aber nimmt Gott diese
Betrübnis hinweg und wischt sie ab, wie man Tränen von den
Augen abwischt. (WCR 126)

30. November
Furcht ergriff alle, und sie lobten Gott und spra-
chen: Ein großer Prophet ist unter uns erweckt
worden. (Luk. 7, 16)

Der Herr wollte bis zum Leiden am Kreuz versucht werden,


weil er der Prophet an sich war. Propheten stellten ehemals die

236
Lehre der Kirche aus dem göttlichen Wort dar und waren
Symbole für den Zustand der Kirche, und dies auf ganz ver-
schiedene Weise, zuweilen durch ungerechte, harte und frevel-
hafte Dinge, die ihnen von Gott auferlegt worden waren. Er
selbst, der sowohl das Wort als auch der Prophet war, zeigte
durch sein Leiden die Entweihung des Wortes durch die jüdi-
sche Kirche. (WCR 129)

1. Dezember
Lobsinge, du Tochter Zions, rufe laut, Israel, sei
fröhlich und jauchze von ganzem Herzen, Tochter
Jerusalems. (Zeph. 3, 14)
Mit Trompeten und Schall der Posaune jauchzet
auf vor dem Könige Jehovah! (Ps. 98, 6)

Weil das vom Herrn durch die Himmel herabkommende


göttliche Wahre die Herzen erfreut und das Heilige des
Gottesdienstes einflößt, darum wurde an Freudentagen die
Posaune geblasen. Es gilt der Herstellung der Kirche durch den
Herrn. … Sich freuen gilt vom Guten und von der Liebe oder
Neigung dazu und bedeutet die freudige Empfindung der
Liebe; fröhlich sein aber gilt vom Wahren und von der Liebe
und der Neigung dazu und bedeutet die Anmut der Liebe zum
Wahren. (OE 502, 660)

2. Dezember
Als Jehovah den Menschen ausgetrieben hatte, ließ
er östlich vor dem Garten Eden die Cherube wohnen
und die Flamme des sich hin und her wendenden
Schwertes, um den Weg zum Baum des Lebens zu
hüten. (1. Mose 3, 23. 24)

237
Der Buchstabe bildet eine Wache für die echten innen ver-
borgenen Wahrheiten, indem er sich nach verschiedenen
Richtungen auslegen und je nach dem Fassungsvermögen der
Ausleger erklären läßt, dabei aber in seinem inneren Gehalt
nicht beeinträchtigt oder verletzt wird. Es schadet nichts, wenn
der Buchstabe von verschiedenen Menschen verschieden ver-
standen wird, sondern nur, wenn Falsches hineingetragen
wird, das im Gegensatz zu den göttlichen Wahrheiten steht.
Dieses Wächteramt des Buchstabens wird im Wort durch die
Cherube dargestellt und durch die Flamme des sich wenden-
den Schwertes, die für das Wahre im äußersten Bereich steht.
(WCR 260)

3. Dezember
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei
Gott, und Gott war das Wort. (Joh. 1, 1)

Gewöhnlich denkt man, der Herr habe durch das Wort die
Menschen erleuchtet und belehrt. Aber deswegen kann er
nicht „das Wort“ genannt werden. Nun ist aber jeder Mensch
identisch mit seiner besonderen Art von Willen und Verstand
oder mit seinem Guten und Wahren, und er unterscheidet sich
genau durch diese von anderen. … Diese beiden machen ihn
zum Menschen.
Der Herr aber ist Liebe und Weisheit oder das Gute und
Wahre selbst, und er ist es dadurch geworden, daß er alles Gute
und Wahre im Wort erfüllt hat. Wer nämlich nichts anderes
denkt und redet als das Wahre, wird schließlich selbst zu die-
sem Wahren. Und ähnlich geht es ihm mit dem Guten. Der
Herr ist also das Gute und Wahre selbst geworden, und in die-
ser Weise ist er auch das Wort. (WCR 263)

238
4. Dezember
Da Jesus aber in die Gegend von Cäsarea Philippi
kam, fragte er seine Jünger und sagte: Wer sagen
die Menschen, daß des Menschen Sohn sei? Sie
aber sagten: Die einen sagen, du seiest Johannes
der Täufer, andere aber Elias; aber andere,
Jeremias oder der Propheten einer. Spricht er zu
ihnen: Wer sagt aber ihr, daß ich sei? Simon Petrus
aber antwortete und sprach: Du bist Christus, der
Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus antworte-
te und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon Bar
Jona: denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offen-
bart, sondern mein Vater in den Himmeln. Und ich
aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen
werde ich meine Kirche bauen, und die Tore der
Hölle sollen sie nicht überwältigen.
(Mat. 16, 13-18)

Wenn der Herr sagte, auf diesen Felsen wolle er seine


Kirche bauen, so meinte er: auf die Wahrheit und das
Bekenntnis, daß er der Sohn Gottes sei. Der Fels bedeutet
nämlich die Wahrheit und ist ebenso eine Entsprechung für
den Herrn als das göttliche Wahre. Wer daher die Wahrheit
verneint, daß er der Sohn Gottes ist, bei dem ist die Kirche
nicht.
Jeder, der also wahrhaft Christ sein und von Christus
gerettet werden möchte, muß glauben, daß Jesus der Sohn des
lebendigen Gottes ist. Wer dies nicht glaubt, sondern meint, er
sei nur der Sohn der Maria, züchtet damit in sich die ver-
schiedensten Vorstellungen, die ihm selbst schaden und sein
Heil zerstören. (WCR 342)

239
5. Dezember
Jeder, der meine Worte hört und danach tut, den
will ich mit einem klugen Mann vergleichen, der
sein Haus auf einen Felsen baute …, jeder hinge-
gen, der meine Worte hört und nicht danach tut,
der wird mit einem törichten Mann verglichen wer-
den, der sein Haus auf Sand baute.
(Mat. 7, 24. 26)

Der Glaube im Menschen wird durch dreierlei gebildet:


erstens dadurch, daß er sich an den Herrn wendet, zweitens
dadurch, daß er die Wahrheiten aus dem Wort lernt, und drit-
tens dadurch, daß er danach lebt. Da diese nun drei verschie-
dene Dinge sind, folgt, daß sie auch getrennt werden können.
Der Mensch kann sich ja an den Herrn werden, auch wenn er
außer den historischen Wahrheiten nichts Gott und vom
Herrn weiß; er kann ferner eine Menge von Wahrheiten aus
dem Wort wissen, ohne danach zu leben. Bei einem Menschen
jedoch, in dem diese drei Dinge getrennt sind, das heißt eins
ohne das andere ist, findet man nicht den heilbringenden
Glauben. Dieser bildet sich nämlich nur, wenn alle drei ver-
bunden werden. (WCR 348)

6. Dezember
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen (den
Sadduzäern): Die Söhne dieses Zeitlaufs freien und
lassen sich freien. Die aber gewürdigt werden,
jenen Zeitlauf und die Auferstehung von den Toten
zu erlangen, die werden weder freien, noch sich
freien lassen. Noch können sie sterben, denn sie
sind den Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da

240
sie Söhne der Auferstehung sind. … Gott aber ist
nicht der Toten, sondern der Lebendigen; denn sie
leben ihm alle. (Luk. 20, 34-36. 38)

Zweierlei hatte der Herr durch diese Worte gelehrt: erstens,


daß der Mensch nach dem Tod aufersteht, und zweitens, daß er
sich im Himmel nicht verheiratet. Aus den anschließenden
Worten „noch können sie sterben“ ergibt sich klar, daß hier von
geistigen Hochzeiten die Rede ist. Damit ist die Verbindung mit
dem Herrn gemeint, und diese vollzieht sich auf der Erde.
Wenn sie hier vollzogen ist, dann gilt das auch für den Himmel.
Deshalb wird dort nicht (noch einmal) geheiratet. (EL 41)

7. Dezember

Du hast Eisen und Ton vermischt gesehen; sie wer-


den sich durch Menschensamen vermischen; allein
sie werden nicht zusammenhängen. Aber in jenen
Tagen wird der Gott der Himmel ein Reich erstehen
lassen, das in Ewigkeit nicht untergehen wird. Es
wird alle jene Reiche aufreiben und verzehren,
selbst aber in Ewigkeit bestehen.
(Dan. 2, 43. 44)

Als ich emporblickte, sah ich den ganzen Himmel über uns
in Licht getaucht, und von Ost bis West vernahm man eine
lange Reihe von Verherrlichungen. Der Engel erläuterte: Es
handelt sich hier um die Verherrlichung des Herrn wegen sei-
ner Ankunft. Sie wird dargebracht von den Engeln des östli-
chen und westlichen Himmels. … Nachdem ich all dies gehört
und verstanden hatte, schlug mein Herz hoch auf, und ich ging
freudig nach Hause, wo ich aus meinem geistigen Zustand wie-
der in den körperlichen zurückkehrte, in dem ich das Gehörte

241
und Gesehene aufschrieb. Dem füge ich nun noch bei, daß
vom Herrn nach seiner Ankunft die eheliche Liebe wieder
erweckt wird, wie sie bei den Alten war. Denn allein diese Liebe
ist vom Herrn, und sie findet sich bei den Menschen, die von
ihm durch das Wort geistig werden. (EL 81)

8. Dezember
Und Gott sprach: Lasset uns den Menschen
machen in unser Bild, nach unserer Ähnlichkeit,
und laßt sie beherrschen die Fische des Meeres
und die Vögel der Himmel und das Vieh und die
ganze Erde und alles Kriechtier, das auf der Erde
kriecht. (1. Mose 1, 26)

Daß in Gott Unendliches ist, kann jeder bei sich bejahen,


wenn er nur glaubt, daß Gott Mensch ist. Und weil Gott
Mensch ist, hat er auch einen Leib und alles, was dazu gehört.
Er hat also Antlitz, Brust, Unterleib, Lenden und Füße; denn
ohne all dies wäre er nicht Mensch. So hat er denn auch Augen,
Ohren, Nase, Mund und Zunge, sowie die zum Menschen
gehörenden inneren Organe, also Herz und Lunge und was
von diesen abhängt. Alles zusammengenommen macht ja, daß
er Mensch ist. (GLW 18)

9. Dezember
Und Jesus kam zu ihnen, redete mit ihnen und
sprach: … Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis
zur Vollendung des Zeitlaufs. (Mat. 28, 18. 20)

Der oberste, der sogenannte dritte Himmel erscheint


über dem zweiten, und dieser wiederum über dem ersten.

242
Nicht als ob die Himmel voneinander getrennt wären, das
scheint nur so. Der Herr ist nämlich ebenso gegenwärtig bei
denen im untersten wie bei denen im dritten Himmel. Der
Anschein eines Abstandes entsteht in den Engeln, die den
Herrn verschieden aufnehmen. Mit natürlichen Vorstel-
lungen läßt sich das schwer vereinen, weil sie in Räumen
befangen sind, wohl aber mit geistigen Vorstellungen, die
nicht von Räumen behindert sind. Soviel aber läßt sich
immer verstehen, nämlich daß Liebe und Weisheit oder der
Herr als die göttliche Liebe und Weisheit nicht durch
Räume fortschreiten kann, sondern daß er bei einem jeden
gemäß seiner Aufnahme gegenwärtig ist.
(GLW 110, 111)

10. Dezember
An jenem Tag wird das Licht des Mondes wie das
Licht der Sonne sein, und das Licht der Sonne wird
siebenfältig wie das Licht von sieben Tagen sein.
(Jes. 30, 26)

Die Gotteskraft drang zwar auch herab bis zum untersten


Grad, doch vor Annahme einer menschlichen Natur wurde der
göttliche Einfluß in diesen durch die Engelshimmel vermittelt,
nach der Ankunft des Herrn stammte er jedoch unmittelbar
von ihm.
Die durch den Engelshimmel vermittelte Erleuchtung der
Menschen vor der Ankunft des Herrn kann mit dem Licht des
Mondes verglichen werden, das ja mittelbares Sonnenlicht ist.
Weil die Erleuchtung nach der Ankunft zur unmittelbaren
wurde, heißt es bei Jesajah, das Licht des Mondes sei wie das
der Sonne geworden. (GLW 233)

243
11. Dezember
Und du sollst lieben Jehovah, deinen Gott, von dei-
nem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele
und mit deiner ganzen Kraft. (5. Mose 6, 5)

Jehovah wird der Herr von Ewigkeit genannt, weil Jehovah


eine menschliche Natur angenommen hat, um die Menschen
von der Hölle zu retten und weil er den Jüngern gebot, ihn
Herr zu nennen. Jehovah heißt daher im Neuen Testament
„der Herr“, wie sich daran zeigt, daß die Stelle in 5. Mose, 6 „du
sollst lieben Jehovah, deinen Gott“ im Neuen Testament lautet:
„du sollst lieben den Herrn, deinen Gott“. Dasselbe gilt für
viele andere Stellen, die die Evangelisten aus dem Alten
Testament zitieren. (GLW 282)

12. Dezember
Der gute Mensch bringt Gutes hervor aus dem
guten Schatz seines Herzens, der böse Mensch
aber bringt Böses hervor aus dem bösen Schatz
seines Herzens. Denn aus dem Überfließen des
Herzens redet der Mensch. (Luk. 6, 45)

In jedem seiner Werke ist der Mensch seiner Gesinnung


und wesentlichen Beschaffenheit nach ganz und gar gegen-
wärtig. Unter der Gesinnung ist die Neigung seiner Liebe und
das ihr entsprechende Denken zu verstehen, die seine Natur
und allgemein sein Leben ausmachen. Betrachten wir die
Werke unter diesem Gesichtspunkt, so sind sie wie
Spiegelbilder des Menschen. … Erst nach dem Tod stellt sich
beim Menschen in aller Lebendigkeit heraus, daß seine
Lebensäußerungen samt und sonders so sind, wie er seinem

244
inneren Menschen nach beschaffen ist; denn dann lebt er als
innerer und nicht mehr als äußerer Mensch.
(WCR 373)

13. Dezember
Und sie kamen nach Marah und vermochten nicht
das Wasser zu trinken vor Bitterkeit; denn es war
bitter; deshalb nannte man seinen Namen Marah.
Und das Volk murrte über Mose und sagte: Was
sollen wir trinken? Und er rief zu Jehovah, und
Jehovah zeigte ihm Holz; und er warf es in das
Wasser, und das Wasser ward süß. Daselbst setzte
er ihnen Satzung und Recht und versuchte sie
allda. (2. Mose 15, 23-25)

Die Neigung zum Wahren besteht darin, daß man wissen


will, was wahr ist um des Lebens in der Welt und um des ewi-
gen Lebens willen. In Versuchung gerät dabei, wer Mangel an
Wahrheiten erleidet oder wem die erwünschten Wahrheiten
widerwärtig erscheinen. Diese Versuchung hat ihren Ursprung
im Unterbruch der Verbindung mit dem Guten, was der Fall
ist, wenn der Mensch sich in seinem Eigenen verfängt und
dadurch in Selbst- und Weltliebe versinkt. Aus diesem Zustand
muß er wieder erhoben werden, damit ihm die Wahrheiten
wieder gefallen. Dieser Vorgang wird dadurch beschrieben,
daß ein Stück Holz, ein Symbol für das Gute ins Wasser gewor-
fen wird, worauf dieses süß schmeckt, d.h. die Wahrheiten wie-
der als angenehm empfunden werden.
Satzung oder Gesetz stellt das äußere Wahre der Kirche dar,
Recht dagegen das innere Wahre. Jemandem Gesetz und Recht
stellen bedeutet daher, etwas nach den Wahrheiten ordnen
oder diese offenbaren. (HG 8352-57)

245
14. Dezember
Und die Schlange sprach zum Weib: Ihr werdet
nicht des Todes sterben, denn Gott weiß, daß wel-
ches Tages ihr davon esset, eure Augen sich auf-
tun, und ihr seid wie Gott und wisset, was Gutes
und Böses ist. (1. Mose 3, 4. 5)

Alle, die den Herrn im Herzen und in Gedanken als bloßen


Menschen betrachten und nur mit den Lippen als Erlöser und
Heiland ehren, sprechen und lehren wie mit honigsüßem
Mund, obwohl ihr Herz dabei wie ein Schlauch voll Galle ist.
Ihre Worte sind wie Zuckerbrote, ihre Gedanken aber wie Gift,
oder auch wie Pasteten, in denen sich Nattern verbergen. Sind
solche Menschen Geistliche, so ähneln sie Seeräubern, die die
Flagge eines im Friedenszustand befindlichen Landes zeigen,
die aber, sobald sich ihnen ein Schiff vertrauensvoll naht, statt
dessen die Räuberflagge aufziehen und sich des Schiffs und sei-
ner Besatzung bemächtigen. (WCR 380)

15. Dezember
Des Leibes Leuchte ist das Auge. Wenn nun dein
Auge einfältig ist, so ist dein ganzer Leib licht.
(Mat. 6, 22)

Die Ursprünge von Willen und Verstand haben ihren Sitz


im Haupt des Menschen, von wo aus sie bis in den Körper
hinab geleitet werden, ebenso wie der Wille in die Taten und
das Denken in die Reden. … Das gleicht einem Kristallgefäß,
das von einem darin brennenden Feuer erwärmt und zugleich
durchleuchtet wird. So kann denn auch bei einem Menschen
das geistige Sehen des Gemüts zusammen mit dem natürli-

246
chen Sehen des Körpers infolge des durch den Himmel vom
Herrn her einfließenden Lichts mit einer afrikanischen
Baumfrucht verglichen werden, die bis in die Mitte hinein
durchsichtig ist. (WCR 403)

16. Dezember
Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen
Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich
aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die
euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen,
und betet für die, die euch beleidigen und verfol-
gen, auf daß ihr Söhne seid eures Vaters, der in
den Himmeln ist. (Mat. 5, 43-45)

Ehe der Herr in die Welt kann, wußte kaum jemand, was
der innere Mensch und die Nächstenliebe ist. Deshalb lehrt
er an so vielen Stellen die Liebe, d.h. die Nächstenliebe. Dies
macht auch den Unterschied zwischen dem Alten und
Neuen Testament bzw. Bund. So lehrt der Herr bei
Matthäus, man solle auch dem Widersacher oder Feind aus
Nächstenliebe wohltun. Und ich habe aus dem Himmel
gehört, der Herr vergebe jedem Menschen seine Sünden und
räche nie, ja rechne nicht einmal zu, weil er die Liebe und
das Gute selbst ist, aber die Sünden seien dadurch noch nicht
abgestreift, weil dies nur durch die Buße geschehen kann.
(WCR 409)

17. Dezember
Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun,
das sollt auch ihr ihnen tun, denn darin besteht
das Gesetz und die Propheten.
(Mat. 7, 12)

247
Wer nur aus seinem äußeren Menschen heraus denkt, muß
sich wundern, daß die sieben Gebote der zweiten Tafel von
Jehovah auf dem Berg Sinai unter so großen Wunderzeichen
verkündet wurden, obwohl sie doch in allen Königreichen der
Erde, folglich auch in Ägypten, von wo die Kinder Israels eben
erst gekommen waren, als Vorschriften des Gesetzes der bür-
gerlichen Gerechtigkeit galten. Denn ohne sie kann kein Reich
bestehen. Jehovah hat sie jedoch deshalb verkündet und mit
seinem Finger auf steinerne Tafeln geschrieben, weil sie nicht
nur Vorschriften der bürgerlichen Gesellschaft und somit des
natürlich-sittlichen Lebens sein sollten. Denkt man über das
Wesen des sittlichen Lebens nach, so kann man erkennen, daß
es zugleich mit den menschlichen und den göttlichen Gesetzen
in Einklang steht. (WCR 444)

18. Dezember

Du machst der Völkerschaft viel, hast die Fröhlich-


keit groß gemacht. Sie sind fröhlich vor dir, wie
man in der Ernte fröhlich ist, wie man frohlockt
beim Teilen der Beute. (Jes. 9, 2)

Die sich gegen das Gute und Wahre des Glaubens nicht
bestärkt haben, wie dies bei denen der Fall ist, die außerhalb
der Kirche sind, und doch in einer Art von Glauben und täti-
ger Liebe nach ihrer Religion gelebt haben, konnten nicht
durch Verneinungen des Wahren und durch Begründungen
des Falschen gegen das Wahre des Glaubens aus dem Wort den
eigenen inneren Menschen verschließen. Deshalb wird minde-
stens im anderen Leben ihr Inneres nach oben geöffnet, das
heißt gegen den Himmel und zum Herrn. Das ist einer der
Gründe, weshalb eine neue Kirche immer bei Menschen

248
gegründet wird, die außerhalb der Kirche stehen und
„Völkerschaften“ genannt werden. (HG 9256)

19. Dezember
Jesus antwortete ihm und sprach: Wahrlich, wahr-
lich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von
neuem geboren werde, so kann er das Reich
Gottes nicht sehen. (Joh. 3, 3)

Der Herr ist unausgesetzt tätig, um den Menschen wieder-


zugebären, da er ja unausgesetzt tätig ist, ihn zu retten. Und
nach des Herrn eigenen Worten bei Johannes kann niemand
gerettet werden, der nicht wiedergeboren ist. Die Wiedergeburt
ist also ein Mittel zur Rettung, während Nächstenliebe und
Glaube Mittel zur Wiedergeburt sind. … Die Tätigkeit (des
Herrn) und die Mitwirkung (des Menschen) lassen sich an
jedem Gegenstand feststellen, der sich in einer gewissen
Tätigkeit und Bewegung befindet. Die Tätigkeit des Herzens
und aller Arterien ist von dieser Art. Dabei ist das Herz tätig,
während sich die Arterien vermöge ihrer Hüllen oder Häute
mitwirkend verhalten. So entsteht der Blutkreislauf.
(WCR 577)

20. Dezember
Die Geburt Christi war also: Als nämlich Maria,
seine Mutter, dem Joseph verlobt war, fand sich,
ehe sie zusammen kamen, daß sie von dem heili-
gen Geist empfangen hatte. Joseph aber, ihr Mann,
da er gerecht war und sie nicht beschimpfen wollte,
war willens, sie insgeheim zu entlassen. Während er
aber also gedachte, siehe, da erschien ihm der

249
Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph,
Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, dein Weib
zu dir zu nehmen: denn das in ihr Gezeugte ist von
dem heiligen Geist. (Mat. 1, 18-20)

Daraus ist klar zu erkennen, daß das göttliche Wesen im


Herrn durch die Empfängnis herabgekommen und sein Leben
aus der Kraft des Vaters war. Dieses Leben ist identisch mit der
Seele. Diese Erkenntnis geht auch aus dem Bekenntnis des
Athanasius hervor und wird Wahrheit, wenn man dabei
bedenkt, daß die drei, nämlich Vater, Sohn und heiliger Geist
im Herrn in einer einzigen Person vereinigt sind. Fehlt jedoch
dieses Denken, dann kann man sagen, daß die Christen im
Unterschied zu allen Völkern auf Erden, die mit Vernunft
begabt sind, als einzige drei Götter verehren. (OE 1104)

21. Dezember
In den Tagen des Herodes, Königs von Judäa, war
ein Priester mit Namen Zacharias, von der
Abteilung Abiah, und sein Weib war von den
Töchtern Aharons, und ihr Name war Elisabeth. …
Und es geschah, als er nach der Ordnung seiner
Abteilung den Priesterdienst hatte vor Gott, daß ihn
nach der Gewohnheit des Priestertums das Los
traf, zu räuchern, und er ging hinein in den Tempel
des Herrn.… Es erschien ihm aber der Engel des
Herrn, der stand zur Rechten des Rauchaltars. Und
Zacharias erbebte, als er ihn sah, und eine Furcht
fiel auf ihn. (Luk. 1, 5. 8-9. 11-12)

Durch Schrecken und Angst werden im Wort mancherlei


Gemütsbewegungen dargestellt, die durch das Einwirken von
Dingen entstehen, die Entsetzen erregen, allerdings auch ver-

250
bunden mit Freude. Durch Schrecken wird im geistigen Sinn
die Angst vor dem Bösen und Falschen aus der Hölle symboli-
siert, denn dieses erschreckt den geistigen Menschen, weil es
dem Guten und Wahren entgegengesetzt ist. Es gibt aber auch
einen heiligen Schauer, der die inneren Bereiche des Hauptes
einnimmt, erschüttert und durchzuckt, wenn Gottes Kraft sich
bemerkbar macht und sie erfüllt. Auch dieser heißt im Wort
Furcht, Schrecken und Scheu. (OE 677)

22. Dezember
In den Tagen der Stimme des siebenten Engels,
wann er posaunen wird, wird vollendet das
Geheimnis Gottes, wie er seinen Knechten, den
Propheten, verkündigt hat. (Offb, 10, 7)
Und Jesus sprach zu ihnen (den Jüngern): Geht
hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller
Kreatur. (Mark. 16, 15)

Daß das Geheimnis vollendet werden solle, heißt, es solle


jetzt erfüllt werden, was früher nicht erfüllt wurde, nämlich
daß das Reich des Herrn errichtet werde. Denn dies wurde von
den Juden nicht erfüllt, weil sie den Herrn nicht anerkannten;
und es wurde auch nicht von den Christen erfüllt, weil auch sie
den Herrn nicht als Gott des Himmels und der Erde in seiner
menschlichen Erscheinung anerkannten und ihn mit anderen
Menschen gleich setzten, ungeachtet er doch Jehovah selbst ist,
der in die Welt gekommen war. Diese Ankunft wird dargestellt
durch das Verkündigen der frohen Botschaft. (EO 478)
23. Dezember
Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht,
Maria: denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Und
siehe, du wirst empfangen im Leib und einen Sohn

251
gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen.
Der wird groß sein und der Sohn des Höchsten
heißen, und der Herr Gott wird ihm den Thron
Davids, seines Vaters, geben. Und er wird König
sein über das Haus Jakobs in die Ewigkeiten und
seines Königtums wird kein Ende sein.
(Luk, 1, 30-33)

Mit dem vom Engel erwähnten Jakob kann unmöglich


das Volk Jakobs gemeint sein, folglich auch nicht an allen
anderen Stellen, wo vom Samen, von den Kindern, vom
Land oder Erbe Jakobs die Rede ist; nicht einmal, wenn es
heißt der König Jakobs oder Gott Jakobs. (Das gleiche gilt
für die Erwähnungen Israels und seiner Söhne oder beider
gemeinsam.)… Hier wird überall im höchsten Sinn der Herr
verstanden und im bildlichen Sinn das Reich des Herrn und
die Kirche, die durch die Lehren des Wahren und das Leben
des Guten Kirche ist. Jakob sind hierbei diejenigen, welche
die Kirche eher äußerlich auffassen, Israel jene, die tiefer
eindringen. (HG 3305)

24. Dezember
Er füllt die Hungernden mit Gutem und schickt die
Reichen leer hinweg. (Luk. 1, 53)

Der Hunger stellt die Beraubung in Bezug auf die himmli-


schen Erkenntnisse oder die Erkenntnisse des Guten dar, aus
der Falsches und Böses entsteht. Daß der Herr die Hungrigen
mit Gutem füllt, will sagen, er habe ihnen himmlisch Gutes
und dessen Erkenntnisse gegeben. (HG 1460)
Die Reichen sind diejenigen, die viel wissen, denn
Reichtümer sind im geistigen Sinn Kenntnisse, Lehren, auch

252
Erkenntnisse des Guten und Wahren. Leere Reiche aber sind
Menschen, die das alles wissen, aber nicht in die Tat umsetzen.
Die Wahrheiten, die sie kennen, sind nicht wahr, weil ihnen das
Gute fehlt. (HG 4744)

25. Dezember
Und plötzlich war bei dem Engel die Menge der
himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und
sprachen: Ehre sei Gott in den Höhen und Friede
auf Erden, unter Menschen ein Wohlgefallen.
(Luk. 2, 13. 14)

Heer ist ein Bild für Lehrsätze, die dem Wahren angehören
oder niedrigere Wahrheiten sind, denn der Heerdienst weist im
Wort auf geistigen Dienst. Dasselbe tun auch die Waffen. Mit
diesen werden geistige Kämpfe ausgefochten. Weil also durch
das Heer Wahrheiten dargestellt werden, werden die Söhne des
Reiches und auch die Engel im Hinblick auf die Wahrheiten,
die ihnen anvertraut sind, Heere des Himmels genannt.
(HG 3448)

26. Dezember
Das Volk, das wandelt in der Finsternis, hat ein
großes Licht gesehen. Über die, so im Land des
Todesschattens wohnen, erglänzet ein Licht.
(Jes. 9, 1)

Der Glaube an sich betrachtet ist ein Verstandesglaube und


ein Willensglaube. Das Wahre, das Sache des Glaubens ist, wis-
sen und verstehen, heißt Verstandesglaube, hingegen das

253
Wahre, das Sache des Glaubens ist, wollen, heißt
Willensglaube. … Ein großes Licht sehen bedeutet, die
Wahrheiten, die Sache des Glaubens sind, annehmen und
glauben; es wird gesagt, über diejenigen, die im Glauben sind,
strahle ein himmlisches Licht aus, denn das Licht des Himmels
ist das göttliche Wahre vom göttlichen Guten. (HG 3863)

27. Dezember
Und da sie alles nach dem Gesetz des Herrn vollen-
det hatten, kehrten sie zurück nach Galiläa in ihre
Stadt Nazareth. Das Knäblein aber wuchs und ward
mächtig am Geist, erfüllt mit Weisheit, und die
Gnade Gottes war auf ihm. (Luk. 2, 39. 40)
Da nun Gott herab kam und die Ordnung selbst ist, mußte
er, um auch wirklich – das heißt im Letzten – Mensch zu wer-
den, empfangen, im Mutterleib getragen und schließlich
geboren und erzogen werden; er mußte nach und nach
Kenntnisse in sich aufnehmen und so Zugang zur Einsicht
und Weisheit erhalten. Darum war er in seinem menschlichen
Wesen ein Kind wie jedes andere, ein Knabe wie jeder andere
usw. Der einzige Unterschied bestand darin, daß er diese
Entwicklung schneller, umfassender und vollkommener als
andere durchlief. (WCR 89)

28. Dezember
Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz
des Moses voll waren, brachten sie ihn hinauf gen
Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen. Wie im
Gesetz des Herrn ist geschrieben: Jegliches
Männliche, das den Mutterschoß auftut, soll dem
Herrn geheiligt heißen. (Luk. 2, 22. 23)

254
Das Gesetz von der Lösung der Erstgeborenen vom
Menschen wurde zu dem Zweck gegeben, damit sie nicht ihre
Söhne opfern sollten, was bei den Heiden in Gebrauch kam,
bei denen die Satzungen der Alten Kirche geblieben, aber im
Lauf der Zeiten völlig verfälscht worden waren. … Dieses
Gesetz wurde erklärt nach seinem entsprechenden Sinn in der
geistigen Welt, nach dem nicht die Wahrheiten des Glaubens
heilig sind (also auch nicht geheiligt oder geweiht werden sol-
len), sondern das Gute des Glaubens. Die Heiligung faßte man
später so auf, daß man den Erstgeborenen vor Jehovah bringen
oder darstellen müsse. (HG 8080)

29. Dezember
Und siehe , da war ein Mensch in Jerusalem mit
Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht
und gottesfürchtig und wartete auf den Trost
Israels; und der heilige Geist war auf ihm. Und ihm
war vom Heiligen Geist eine Antwort geworden, er
werde den Tod nicht sehen, ehe er den Christ des
Herrn gesehen habe. (Luk. 2, 25. 26)

Weil nun Christus und Messias das gleiche ist und Christus
in der griechischen Sprache und Messias in der hebräischen
Sprache den Gesalbten bedeutet, so wird klar, das Christus das
gleiche ist, was der Gesalbte, dann auch das gleiche, was der
König, denn die Könige wurden im allgemeinen die Gesalbten
genannt. (HG 3008)

30. Dezember
Da nahm er ihn in seine Arme und segnetet Gott
und sprach: Nun entlässest du deinen Knecht im

255
Frieden, o Herr, nach deiner Rede. Denn meine
Augen haben dein Heil gesehen, welches du dem
Angesicht aller Völker bereitet hast.
(Luk. 2, 28-31)

Gott segnen steht hier für verherrlichen und danken, daß


der Herr in die Welt gekommen ist, um alle selig zu machen,
die ihn aufnehmen. Daher nennt er den Herrn das Heil, das
seine Augen sehen und das er allen seinen Völkern bereitet.
Seine Völker heißen die, die sich den Wahrheiten aus dem
Guten verschrieben haben, somit auch wieder diejenigen, die
ihn aufnehmen. (OE 340)

31. Dezember
Er sandte seinem Volk Erlösung, er gebot auf ewig
seinen Bund. Heilig und furchtbar ist sein Name.
(Ps. 111, 9)

Der Text handelt von der Wiedergeburt, die hier Bund


genannt wird, weil gegeben und entgegengenommen wird. Die
aber nicht wiedergeboren sind oder einen Gottesdienst bege-
hen, der sich in Äußerlichkeiten erschöpft, die sich selbst und
ihre Wünsche und Gedanken hoch einschätzen und sich als
Götter fühlen, von denen wird bei Jer. 22, 9 gesagt, sie brechen
den Bund. (HG 666)

Palmsonntag
Ich sage euch, daß ich nicht trinken werde von nun
an von diesem Gewächs des Weinstocks bis zu
jenem Tag, da ich es neu trinken werde mit euch
im Reich meines Vaters. (Mat. 26, 29)

256
Unter dem Gewächs des Weinstocks oder dem Wein, den
der Herr mit den Jüngern neu trinken wollte im Reich seines
Vaters oder wenn das Reich Gottes kommen werde, wird ver-
standen, daß von seinem nun göttlichen Menschenwesen alles
göttliche Wahre im Himmel und in der Kirche ausgehen
werde. Daher nennt er es neu; auch nennt er es das Neue
Testament in seinem Blut, das ausgegossen wird für viele;
denn das Blut des Herrn bedeutet das gleiche wie der Wein.
Nachdem nun der Herr auferstanden sein wird, wird die
gesamte göttliche Kraft von ihm ausgehen. Deshalb sagt er, er
werde es mit ihnen trinken, wenn das Reich Gottes komme.
Und das würde ja nun der Fall sein, wenn er auch das Letzte
in den Himmeln und in den Höllen in Ordnung gebrachte
habe. (OE 376)

Gründonnerstag
Es traten aber seine Mutter und seine Brüder herzu
zu ihm und konnten vor dem Gedränge nicht zu
ihm gelangen. Und man sagte ihm an: Deine
Mutter und deine Brüder stehen draußen und wol-
len dich sehen. Er aber antwortete und sprach zu
ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind die, so
Gottes Wort hören und tun. (Luk. 8, 19-21)

Daß nicht das Wissen und Verstehen der göttlichen


Wahrheiten die Kirche macht und den Himmel bildet beim
Menschen, sondern das Wissen, Verstehen und Tun, lehrt der
Herr an sehr vielen Stellen. Hier bedeutet hören einfach hören,
das heißt, wissen und verstehen. Auch in der wörtlichen Rede
bedeutet hören dasselbe, wenn man sagt: etwas hören. Es
bedeutet aber sowohl verstehen als auch tun, wenn gesagt wird:
auf jemanden hören, das heißt gehorsam sein, ebenso aufhor-
chen. Außerdem sind diejenigen, die das Leben vom Glauben

257
getrennt haben, gleich denen, von denen der Herr bei
Matthäus sagt: Sehend sehen sie nicht, und hörend hören sie
nicht und verstehen nicht. (OE 108)

Karfreitag
Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter
und die Schwester seiner Mutter , Maria, des
Klopas Weib, und Maria aus Magdala. Da nun
Jesus die Mutter sah, und den Jünger, den er lieb
hatte, dabei stehen, spricht er zu seiner Mutter:
Weib, siehe, dein Sohn! Dann spricht er zu dem
Jünger: Siehe, deine Mutter. Und von selbiger
Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
(Joh. 19, 25-27)

Der Herr anerkannte nicht Maria, sondern die Kirche als


Mutter. Deshalb nennt er Maria Weib und Mutter des Jüngers.
Das letztere tat er, weil dieser, Johannes, die Kirche in Bezug auf
das Gute der tätigen Liebe darstellte. Das aber ist die Kirche in
ihrer eigentlichen Wirkung. Deshalb heißt es auch, der Jünger
habe Maria zu sich genommen. (EL 119)

Karsamstag
Einer aber der Übeltäter, die gehängt waren, läster-
te ihn und sprach: Wenn du der Christus bist, so
rette dich selbst und uns. Der andere aber antwor-
tete und bedräuete ihn und sagte: Fürchtest du
dich nicht vor Gott, der du doch in gleicher
Verurteilung bist? Und wir zwar gerechter Weise;
denn wir empfangen, was unserer Taten wert sind;

258
dieser aber hat nichts Ungehöriges getan. Und zu
Jesus sprach er: Gedenke meiner, Herr, wenn du in
dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm:
Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im
Paradiese sein. (Luk. 23, 39-43)

Die im getrennten Glauben sind, können nicht anders glau-


ben, als daß ein jeder in den Himmel aus Gnaden eingelassen
werden könne, wie immer er auch gelebt habe, daß somit nicht
das Leben, sondern der Glaube den Menschen nach dem Tod
erwarte; sie begründen es aus dem Buchstaben des Wortes,
während doch aus seinem geistigen Sinn hervorgeht, daß der
Herr Barmherzigkeit gegen jeden beweist. … Sie können auch
nicht vom Glauben abrücken, daß sie mit ihrem Leib auferste-
hen würden, und das nicht vor dem Tag des Gerichts, was sie
ebenfalls anhand des Buchstabens an mehreren Stellen des
Wortes begründen. Sie denken aber nicht an das, was der Herr
dem Schächer am Kreuz gesagt hat. (HG 4783)

Ostersonntag
Spät aber am Sabbath, als schon der erste
Wochentag dämmern wollte, kam Maria von Mag-
dala und die andere Maria, die Grabstätte zu be-
schauen. Und siehe, da geschah ein großes Erd-
beben; denn der Engel des Herrn stieg vom Himmel
herab, kam hinzu, wälzte den Stein weg von der Tür
und setzte sich darauf. (Mat. 28, 1-2)

Die Erdbeben deuten an, der Zustand der Kirche sei verän-
dert worden; denn der Herr hat durch seine letzte Versuchung
in Gethsemane und am Kreuz die Höllen überwunden und die
Verhältnisse dort und in den Himmeln in Ordnung gebracht

259
und gleichzeitig seine Menschennatur verherrlicht, das heißt,
göttlich gemacht. Daß der Vorhang im Tempel von oben an bis
unten aus zerriß, sagt, seine Menschennatur sei göttlich
gemacht worden, denn hinter dem Vorhang stand die Lade mit
dem Zeugnis, und durch dieses wurde der Herr im Hinblick
auf sein göttlich Menschliches dargestellt. Der Vorhang war ein
Symbol für das Äußere der Kirche, das bei Juden und Israeliten
galt und ihre Augen trübte, sodaß sie den Herrn und das gött-
liche Wahre oder das Wort in seinem Licht nicht sahen. Nun
wurde also der Zustand der Kirche völlig verändert, denn der
Herr auferstand und übernahm als der verherrlichte Mensch
die Herrschaft über den Himmel und die Erde. Daß der Engel
den Stein von der Tür wälzte und darauf saß, will zeigen, der
Herr habe alle Falschheiten, die den Zugang zu ihm erschwer-
ten, beseitigt und das göttlich Wahre zugänglich gemacht.
(OE 400)

Ostermontag
Während sie aber solches redeten, stand Jesus
selbst in ihrer Mitte und sprach zu ihnen: Friede sei
mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich
und meinten, einen Geist zu schauen. Und er
sprach zu ihnen: Was erbebet ihr, und warum stei-
gen solche Gedanken in eueren Herzen auf? Sehet
meine Hände und meine Füße, daß ich selbst es
bin; betastet mich und sehet, ein Geist hat nicht
Fleisch und Bein wie ihr sehet, daß ich habe.
(Luk. 24, 36-39)

Der Herr ist nicht nur mit seinem Geist, sondern auch mit
seinem Körper auferstanden, weil er in der Welt seine ganze
Menschennatur verherrlicht, das heißt göttlich gemacht hat.
Die Seele nämlich, die er vom Vater hatte, war aus sich heraus

260
das göttliche Wesen selbst, und der Leib wurde zum Ebenbild
der Seele, das heißt des Vaters, folglich ebenfalls göttlich. Aus
diesem Grund ist er im Unterschied zu jedem Menschen mit
Leib und Seele auferstanden. (HH 316)

Himmelfahrt
Jesus sprach: Von nun an werdet ihr sehen, den
Sohn des Menschen sitzen zur Rechten der Macht,
und kommen auf den Wolken des Himmels.
(Mark. 14, 62)
Der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte,
ward aufgehoben in den Himmel, und sitzet zur
Rechten Gottes. (Mark. 16, 19)

Sitzen zur Rechten der Macht bedeutet die göttliche


Allmacht des Herrn über die Himmel und über die Erden,
nachdem er die Höllen unterjocht und seine Menschennatur
verherrlicht hat. Die Wolken des Himmels sind das göttliche
Wahre in den Himmeln… und im Wort. Sitzen zur Rechten
Gottes bedeutet das gleiche, nämlich seine Allmacht durch das
göttliche Wahre. Sitzen heißt sein, und sitzen zur Rechten heißt
allmächtig sein. Deshalb bedeutet sitzen auf dem Thron, König
sein und regieren. (OE 687)

Pfingsten
Und als der Tag der Pfingsten erfüllt ward, waren
sie allen einmütig beisammen. Da geschah plötz-
lich ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltig
daher fahrenden Windes, und erfüllte das ganze
Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen

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Zungen wie Feuer, die sich verteilten, und der
Heilige Geist setzte sich auf jeden von ihnen, und
alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und fingen
an, mit anderen Zungen zu reden, je nachdem der
Geist sie antrieb zu sprechen. (Apg. 2, 1-4)

Durch das Feuer wurde die Liebe zum Wahren bezeichnet


und dadurch, daß sie erfüllt wurden vom Heiligen Geist, die
Aufnahme des göttlichen Wahren vom Herrn. Die neuen
Zungen aber waren Symbole für die Bekenntnisse aus der
Liebe zum Wahren oder aus Eifer; denn alle göttlichen
Wunder, also alle Wunder, die in der Bibel berichtet werden,
schlossen geistige und himmlische Dinge in sich, das heißt sie
bezogen sich auf die Kirche und den Himmel. Und eben
dadurch unterschieden sich die göttlichen Wunder von nicht
göttlichen. Die Zungen bedeuten also nicht Sprachen oder
Reden im gewöhnlichen Sinn, sondern Bekenntnisse aus den
Wahrheiten der Kirche. (OE 455)

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