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Stahlbau Arbeitshilfe

27.2 im Geschossbau, Teil 2


Fenster und Fassaden
Eine Gemeinschaftsorganisation von
stahlerzeugenden Unternehmen und dem
Deutschen Stahlbau-Verband DSTV

Mindestluftwechselrate, • der Luftgeschwindigkeit und Sommerlicher Wärmeschutz


Fugendurchlässigkeit und Schlagregenschutz der Luftfeuchte im Raum, gemäß EnEV
Nach DIN EnEV, Anhang 4, sind Mindestluft- • der Aktivität und Bekleidung und
wechsel und Fugendurchlässigkeit neu defi- • dem persönlichen Empfinden der Personen. kein Flächenanteil des

nein
Nachweis
niert worden. Die Bewertung der Behaglichkeit ist die Vor- erforderlich
Gebäudes über 30 %
Klassen der Fugendurchlässigkeit von außen hersage der Situation im Raum. ja
liegenden Fenstern, Fenstertüren und Dach- Es ist daher schwierig, einen allgemein gülti- Nachweis nach DIN 4108-2
flächenfenstern gen Maßstab für die Behaglichkeit zu finden. erforderlich
Nachweis raumbezogen
Aus den äußeren Bedingungen, den Gebäude-

unterschritten
Zeile Anzahl der Klasse der
Vollgeschosse Fugendurchlässigkeit eigenschaften und dem Nutzverhalten ergeben kein Grenzwerte Fensterflächenanteile
des Gebäudes nach DIN EN 12207-1: sich einige weitere zeitabhängige Faktoren. Nachweis nach Tabelle 7 DIN 4108-2 je Raum
2000-06 • Bewölkung, Sonnenstand erforderlich nach Orientierung und Neigung

1 bis zu 2 2 • Aufbau der Aussenbauteile überschritten


2 mehr als 2 3 • Größe, Orientierung (Nord, Süd, Ost,
West) und Neigung der transparenten maximal zulässigen vorhandenen
Prüfungen zu den Beanspruchungsgruppen des
Schlagregenschutzes werden nach DIN 18516 Flächen (Fenster) Sonneneintragskennwert Sonneneintragskenn-
durch ein DIBt anerkanntes Institut durchgeführt. • Gesamtenergiedurchlaßgrad der Verglasung Smax ermitteln wert S ermitteln
• Wirksamkeit und Einsatz der Sonnen- Zuschlagwerte ∆Sx g-Wert
schutzvorrichtungen für Klimaregion Bauart Sonnenschutz Fc
Sonnenschutz • Raumgröße und wirksame Wärmespeicher- des Raumes Nachlüftung, Fensterfläche Aw
Orientierung Raumfläche AG
Zwischen den im Winter und den Übergangs- fähigkeit der Innenbauteile
zeiträumen Herbst und Frühjahr durch die • Luftwechsel und Art der Lüftung, Bedingung: S < S max
eingestrahlte Sonnenenergie als angenehm insbesondere in der zweiten Nachthälfte
empfundenen Raumtemperaturen und der • Grösse der internen Wärmequellen Bild 2:
Einstrahlung der Energie im Sommer sind (z. B. Computer, Personen, etc.) Nachweisschema sommerlicher Wärmeschutz
gegensätzliche Realisierungsvorstellungen zu
verwirklichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die direkte Der Sonneneintragskennwert ist definiert:
Die in der Bilanzierung auftretenden Energie- solare Einstrahlung und diese hängt stark ∑ i (A w, j · g total, j)
S=
gewinne sind dem Behaglichkeitsempfinden von der Fensterorientierung und der Tages- AG
Dabei ist
entsprechend eingestuft. zeit ab. Aw die Fensterfläche in m 2. Es werden die Maße der
Die Behaglichkeitsempfindungen innerhalb lichten Rohbauöffnungen angesetzt.
eines Raumes im Sommer sind von einer Die genaueste Methode ist, das Verhalten gtotal die Gesamtenergiedurchlassgrade der Verglasungen
einschließlich Sonnenschutz. Berechnung von gtotal
Vielzahl von Faktoren abhängig: eines Raumes mit Hilfe von Gebäude- bzw. nach Gleichung (2) bzw. nach E DIN EN 13363-1
• Raumtemperatur und Aussenlufttemperatur, Raum-Simulationsprogrammen rechnerisch AG die Nettogrundfläche des Raumes oder
• der Temperatur der Raumoberflächen, zu „simulieren“. Hierzu wird der Raum mit des Raumbereichs in m2.
• evtl. direkte Bestrahlung von Flächen seiner Hülle geometrisch und thermisch detail- Die Summe des Produktes, Fensterfläche · Gesamt-
energiedurchlassgrad (Awj · gtotal,j), erfasst alle Fenster
durch die Sonne, liert abgebildet und dann bei vorgegebenen des Raumes oder des Raumbereichs.
Randbedingungen das Verhalten des Raumes Zur Berechnung des Gesamtenergiedurchlassgrades der
in Zeitschritten berechnet. Verglasung einschließlich Sonnenschutz gtotal stehen
zwei Berechnungsverfahren zur Verfügung, vereinfacht
nach Gleichung (2) oder alternativ nach Anhang B der
Die Klagen der Nutzer im Sommer über zu DIN V 4108-6: 2000-11
gtotal = g · FC (2)
Einfall hohe Raumtemperaturen sind bei großen Dabei ist
100 Transmission transparenten Flächen sehr häufig. Aus die- g der Gesamtenergiedurchlassgrad der Verglasung
77 sem Grunde sieht der Wärmeschutz bei nach DIN EN 410
FC der Abminderungsfaktor für Sonnenschutz-
Reflexion Gebäuden mit einem Fensterflächenanteil vorrichtungen nach Tabelle 2
8 von > 30 % einen höchstzulässigen Sonnen- Der maximal zulässige Sonneneintragskennwert ist:
g-Wert einstrahlungskennwert vor. Smax = S0 +∑∆Sx (3)
mit
S0 der Basiswert des Sonneneintragkennwertes für
11 4 Aus den Erfahrungen der Vergangenheit Gebäude, S0 = 0,12
sollten vereinfachte Verfahren, die auf Basis ∆Sx die Zuschlagswerte nach Tabelle 3
sekundäre Wärmeabgabe
von Prozentsätzen den Energiedurchlass
abschätzen, nur als 1. Näherung betrachtet
Bild 1: Verteilung der Sonnenenergie in % für werden, den Sonnenschutz zu dimensio- Bild 3:
Einfachscheiben (ca.-Werte für 8 mm Glasdicke) nieren. Sonneneintragskennwertermittlung
Stahlbau Arbeitshilfe 27.2 Fenster und Fassaden im Geschossbau

Sonnenschutzvorrichtung FC a) Es können nur fest installierte Sonnenschutzvorrichtungen Zu den jeweiligen Orientierungen gehören Winkelbereiche
Ohne Sonnenschutzvorrichtung a) 1,0 berücksichtigt werden. Übliche dekorative Vorhänge gelten von ± 22,5°. Bei Zwischenorientierungen ist
Innenliegend oder zwischen den Scheiben b) nicht als Sonnenschutzvorrichtungen der Abdeckwinkel β ≥ 80° erforderlich.
b) Für innen und zwischen den Scheiben liegende
– weiß oder reflektierende Oberfläche
mit geringer Transparenz c) 0,75 Sonnenschutzvorrichtungen kann eine genauere Ermittlung
– helle Farben oder geringe Transparenz c) 0,8 vorgenommen werden. Dies ist zu empfehlen, da sich er-
– dunkle Farbe oder höhere Transparenz c) 0,9 heblich günstigere Werte ergeben können Süd Ost
c) Als gering gilt, eine Transparenz der Sonnenschutz- West
Außenliegend d) vorrichtung unter 20 %
– drehbare Lamellen, hinterlüftet 0,25 d) Bei der Verwendung von Markisen muss näherungsweise
– Jalousien und Stoffe mit geringer Transparenz c) 0,25 sichergestellt sein, dass keine direkte Besonnung des Fens- β β
– Jalousien, allgemein 0,4 ters erfolgt. Eine direkte Besonnung wird ausgeschlossen ϒ
– Rolläden, Fensterläden 0,3 wenn
– Vordächer, Loggien 0,5 – bei Südorientierung der Abdeckwinckel β ≥ 50° ist,
– Markisen d), oben und seitlich ventiliert 0,4 – bei Ost- oder Westorientierung der Abdeckwinkel Vertikalschnitt Horizontalschnitt Vertikalschnitt
d)
– Markisen , allgemein 0,5 entweder β ≥ 85° oder ϒ ≥ 115° ist.

Tabelle 2: Abminderungsfaktor der Sonnenschutzvorrichtung

Gebäudelage bzw. Bauart, Fensterneigung und Orientierung ∆Sx a) Alternativ kann die wirksame Wärmespeicherfähigkeit nach DIN V 4108-6 Die Klimaregionen A, B, C
Klimaregion: Gebäude in Klimaregion A = 0, B = - 0,01, C = - 0,025 bestimmt werden, um im Zweifelsfall eine Bauart einzuordnen. berücksichtigt regionale Unter-
a) b) fgew = (Aw + 0,3 x AAW + 0,1 x AD) AG mit: schiede der sommerlichen
Bauart: – Extrem leichte Bauart : z. B. zwei oder mehr Kombinationen einer Klimaverhältnisse in Deutsch-
leichten Bauart bzw. bei vorwiegend Innendämmung, große fgew = gewichtete Außenfläche bezogen auf die Nettogrundfläche, land. Es wird unterschieden
Halle, kaum raumumschließende Flächen – 0,089 + 0,07 x fgewb) Aw = Fensterfläche (einschließlich Dachfenster), AAW = Außenwandfläche nach sommerkühle (A), gemä-
– Leichte Bauart a): z. B. Holzständerkonstruktion, leichte AD = Dachfläche, AG = Nettogrundfläche ßigte (B), und sommerheiße (C)
Trennwände, untergehängte Decken – 0,098 + 0,125 x fgewb) Die Gewichtsfaktoren berücksichtigen die Relationen zwischen den Regionen. Die Einteilung erfolgt
sommerlichen Wärme durchgängen üblicher Außenbauteile. nach den 15 Klimaregionen
– Schwere Bauarta) – 0,098 + 0,14 x fgewb) c) nach DIN V 4108-6 bzw. nach
Bei Ein- und Zweifamilienhäusern kann i. d. R. von einer erhöhten
Erhöhte Nachtlüftungc) während der zweiten Nachthälfte n ≥ 1,5 h-1 Nachtlüftung ausgegangen werden. dem Höchstwert der mittleren
– bei leichter a) und extrem leichter a) Bauart + 0,02 d) Als gleichwertige Maßnahme gilt eine Sonnenschutzvorrichtung, die die monatlichen Außentemperatur
– bei schwerer Bauarta) + 0,03 und der entsprechenden Grenz-
diffuse Strahlung permanent reduziert und deren gtotal < 0,4 erreicht. raumtemperatur.
Sonnenschutzverglasung, g ≤ 0,4d) + 0,03 e) fneig = Aw, neig/AG mit: Aw, neig = geneigte Fensterfläche, Ag = Nettogrundfläche
Fensterneigung: 0° ≤ Neigung > 60° (gegenüber der Horizontalen) – 0,12 x fneige) f) fnord = Aw, nord /Aw, gesamt mit: Aw, nord = Nord-, Nordost- und Nordwestorien-
Orientierung: Nord-, Nordost- und Nordwestorientierte Fenster soweit tierte Fensterfläche soweit die Neigung gegenüber der Horizontalen > 60° Tabelle 3: Zuschlags-
die Neigung gegenüber der Horizontalen > 60° ist sowie Fenster, die ist sowie Fensterflächen, die dauernd vom Gebäude selbst verschattet sind werte zur Sonnen-
dauernd vom Gebäude selbst verschattet sind – 0,10 x fnord f ) Aw, gesamt = gesamte Fensterfläche
schutzermittlung

Sonnenschutz-Varianten: Es gibt viele Möglichkeiten, den gewünschten sommerlichen Wärmeschutz durch Einsatz geeigneter Gläser oder Fensterabdeckungen
zu erreichen. Je nach System erfüllt der Sonnenschutz noch zusätzliche Aufgaben zur Erhöhung des Nutzungswertes von Gebäuden.
starrer Sonnenschutz beweglicher Sonnenschutz
Bezeichnung Absorptions- Sonnen- Folie Blende, Vor- Innenrollo Innenjalousie Rollo Außen- Außenrollo, Rolläden, Kastenfenster- Kastenfenster-
system mit
glas 1) schutzglas dach, Loggia, zwischen raffstore Markisen Fensterläden system mit Sonnen- und
siehe Bild 1 siehe Bild 1 Balkon den Scheiben Sonnenschutz Blendschutz

100 100
35 41
5 30

45 15 26 3

Abminde- 1,0 1,0 0,3 – 0,75 1,0 0,6 – 0,73) 0,5 – 0,7 0,5 – 0,63) 0,25 0,4 – 0,5 0,3 0,15 – 0,25 0,15 – 0,25
rungsfaktor F 0,4 – 0,54) 0,3 – 0,44)
Gesamt- 0,5 0,2 – 0,5 0,25 – 0,6 (0,25)5 0,5 – 0,63) 0,4 – 0,6 0,4 – 0,53) 0,2 0,3 – 0,4 0,25 0,1 – 0,2 0,1 – 0,2
energiedurch- 0,3 – 0,44) 0,25 – 0,34)
lassgrad g Total
In den Sonnenschutz integierbare Aufgaben (Bewertung: + gut, ++ sehr gut)
Wärmeschutz + + + + + + + + ++ ++ ++ ++
Schallschutz + + + + + + + + + ++ ++ ++
Einbruch- + + + + + + + + ++ ++ ++ ++
sicherung

1) Absorptionsgläser nur mit Sicherheitsglas herstellen,


da Floatglas den hohen thermischen Belastungen
nicht standhält
2) Sonnenschutz mit Zwei-Scheiben-Isolierglas (g = 0,8)
3) normal
4) reflektierend Wünschen Sie, z. B. im frühen Entwurfs-
5) nur bei defuser Strahlung
stadium, eine firmenneutrale Hilfe, steht
Ihnen BAUEN MIT STAHL gern mit Rat und
3. überarbeitete Auflage 5/03

Tabelle 4: Anhaltswerte für Abminderungs- Information zur Verfügung.


faktoren bei unterschiedlichen Beschattungs- • Diese Stahlbau Arbeitshilfe entstand in Sohnstraße 65 · 40237 Düsseldorf
systemen in der Fassade Zusammenarbeit mit: Postfach 10 48 42 · 40039 Düsseldorf
Dipl.-Ing./Dipl.-Ing. Architekt Telefon (02 11) 67 07-828
Dietmar Kallinich, Telefax (02 11) 67 07-829
Poppenbütteler Bogen 25, Internet: www.bauen-mit-stahl.de
22399 Hamburg, Tel. (040) 6 06 33 91 E-Mail: zentrale@bauen-mit-stahl.de