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2 0 6 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n

6 . M e r k m a l e f i i r d i e Z e i t b e s t i m m u n g : [ u . d i e ] Ve t z e i c h n i B u .
Zeitbestimmung der iltesten Dokumente.
2.. Die Hauptclassen der Dokumente.
4. Grarnmatische Gesichtspunkte.
5 5. Abldirzungen u.1nterpunktion.

[Filr die in dieser uEinIeitung“ feblenden aber im Inhaltsver-


zeichm's S. 192. angefiibrten Paragraphen 3, 4 und 7 but Nietz-
schevermutlichdieentsprecbendenCapital5and26seiner Die vorplatonischen Philosophen
Vo r l e s u n g e n f i b e r I a t e i n i s c h e G r a m m a t i k u e r w e n d e t , B d . [ 1 2 ,
m S . 2 0 5 ff . ; 2 9 7 — 3 1 0 d i e s e r A u s g a b e J [WS 1869—1870123; SS 1872; WS 1875—1876; SS 1876]
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Die vorplatonischen Philosophen.

Vorlesung I
Gewijhnlich wird die griech. Phil. so betrachtet, daB man
sich frigt: wie weit haben, im Vergleich mit den neueren Philos.
d i e G r i e c h e n d i e p h i l o s . P r o b l e m e e r k a n n t u . g e f é r d e r t ? — Wi r
wollen fragen: was lernen wit, aus der Geschichte ihrer Philos.
fiir die Griechen? Nicht, was lernen wir fiir die Philosophie.
Wi t w o l l e n d i e T h a t s a c h e e r k l i i r e n d a g d i e G r i e c h e n P h i l o s o p h i e
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G r i e c h e n , g a r n i c h t v o n s e l b s t v e r s t e h t . We t s i e a l s k l a r e n i i c h -
teme harmonische Praktiker auffaBt, wird nicht erkliren kén-
I O nen, woher ihnen die Philosophie kam. Und we: sie wiederum
nu: als isthetische, in Kunstschwérmereien aller Art schwel‘
gende Menschen versteht, wird sich auch dutch ihre Philosophie
befremdet fiihleu.

Wirklich giebt es auch Neuere, die die griech. Philosophie


1 5 nut als ein importirtes Gewichs gelten lassen, das eigentl. in
Asian u. Aegypten heimisch sei: hie: ist es consequent zu schlie— ‘
Sen, daE die Philos. die Griechen wesentlich nur ruinirt babe, 4

Grunde
zu
ihr
an
sie
dagegangen
seien
(Heraclit
Zoroaste
— I
212 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 213

Pythagoras — Chinesen, Eleaten — Indier, Empedocles — Aegypter, strenge Nothwendigkeit: es fehlt jede Convenienz fiir sie, weil es,
Anaxagoras — Juden). wenigstens damals, keinen Philosophenstand gab3. Jeder ist der
Wi r w o l l e n e r s t e n s a l s o n a c h w e i s e n , d a G d i e G r i e c h e n , a u s erste unmittelbare Sohn der Philosophie. Denken Sie einmal den
sich heraus, Philosophie treiben muBten und wozul? Zwei- Gelehrten aus der Welt weg: da njmmt sich der Philosoph viel
tens wollen wir zusehen, wie sich der ,,Philosoph“ unter den einsamer u. groBartiger aus, als der einzige, der nur der Erkennt—
Griechen ausnahm, nicht nur wie sich die Philosophie unter ih- n i B l e b t . D i e s f i i h r t u n s d r i t t e n s a u f d a s Ve r h l a ' l t n i i g d e s P h i l o s o —
nen ausnahm. Um die Gr. kennen zu lernen, ist es sugars: werth— phen zum Nichtphilosophen, zum Volk. Die Gr. haben einen
voll, dal? unter ihnen einige zum bequren Nachdenken iiber erstaunlichen Sinn fiir alle grofSen Individuen: u. so ist die Stel-
sich gekommen sind: fast noch wichtiger als dies bequte Nach- lung u. der Ruhm dieser Manner unvergleichlich friihzeitig fest.
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denken ist ihre Personlichkeit, ihr Handeln. Die Griechen haben I O Man hat mi: Recht gesagt daB eine Zeit nicht so wohl durch
die Philosophentypen geschaffen: man denke an eine so indi- ihre groBen Manner charakterisirt werde, 2115 in der Art, wie sie
Viduell verschiedene Gesellschaft wie Pythagoras Heraclit, Empe~ dieselben ehIe und erkenne. Das ist das Merkwiirdigste an den
docles, Parmenides, Democrit, Protagoras Socrates. Die Erfind- G r i e c h e n d a g d i e B e d t i r f n i s s e u . d i e Ta l e n t s z u s a m m e n u . 2 11 -
samkeit hierin zeichnet die Griechen vor allen Volkern ausZ: ge- gleich da sind: ein genialer Baumeister, der keine Auftrage be-
1 5 wiihnlich produzirt ein Volk nur einen festbleibenden Philoso- 1 5 kame, Wire bei ihnen unerhért“. Viertens ist zu betonen die
phentypus. Auch die Germanen kénnen sich mit diesem Reich- Originalitat der Conceptionen, an denen alle Nachwelt ihr
thum nicht messen. Alle jene Manner sind ganz, aus einem Stein Geniige hat. Immer wieder gerathen wir in den gleichen Kreis—
gehauen, zwischen ihrem Denken und ihrem Charakter ist lauf: und fast immer ist die altgriechische Form einer solchen
Conception die groBartigste u. reinste, zB. bei dem sog. Materia-
‘ Kann cine Philosophie der Keimpunkt einer Kultur werden? Nein, aber 1 0 lismus. Erst die Kantische Philosophie hat uns fijr den Ernst der
gefa'hrliche Feinde von einer vorhandenen abwehren, — W(agner>.s Em-
piirung gegen die monumentale Kunst. — Es giebt eine unsichtbare Briicke
von Genius zu Genius — das ist die wahrhaft reale Geschichte eines Volkes, 3 Die Alten waren sehr viel tugendhafter, weil sie so viel weniger Mode
alles andere is: schattenhafte unzéihlige Variation in schlechterem Stuff, Ko— batten. Siehe die tugendhafte Energie ihrer Kiinstler u. Philosophen.
pien ungeiibter Hinde. Es ist zu zeigen, wie das ganze Leben eines Volkes Jene griech. Philos. iiberwanden den Zeitgeist, um den Geist des Hellenischen
unrein u. verworren, das Bild wiederspiegelt, das seine hochsten Genien bie- nachempfinden zu kbnnen.
t e n . Es rechtfertigt die Philosophie, daB die Griechen sie getrieben haben: das ist
Wi e p h i l o s o p h i n e n d i e G r i e c h e n i n m i r t e n i h r e r h e r r l i c h e n K u n s t w e i t ? H o r t zwar nur ein Autoritarsbeweis.
das Philosophiren auf, wenn eine Vollendung des Lebens erreicht ist? Neill, Die Sanktion der 7 Weisen gehbrt zu den groBen griech. Charakterziigen:
jem beginnt erst das wahre Philosophiren. Ihr Urtheil iiber das Leben bcsagt‘ . andere Zeiten haben Heilige, dje Griechen haben Weise.
m e h r. 4 Die Frage: was ist ein Philosoph.> ist aus neueren Zeiten gar nicht zu
1 Die Weltgeschichte ist am ki‘zrzesten, wenn rnan sie nach den bedeuten- v; beantworten. Hier erscheint er als zufilliger einsamer Wanderer, als verwege-
den philos. Entdeckungen und der Erzeugung typischer Philosopher! bemiEq ' nes nGenie“. Was ist er inmitten einer kriftigen Kultur, die nicht auf einzel—
u. die der Philos. feindl. Zeirraume bei Seire léKt. Da sehen wir bei den Gri nen ,Genies“ beruht?
Chen eine Regsamkeit u. schopferische Kraft wie nirgends: sie fiillen (I Wa g n e r i i b e r d a s G e n i e . I n r n i t t e n d e r u n n a t i i r l i c h e n G e l e h r s a m k e k .
groBten Zeitraum aus, sie haben wirklich alle Typen erzeugt. Was hat cin Volk vom Philos.? Wie verhélt er sich zur Kultur? jetzt zeigt er
Fortsetzung bis zu den Moosen u. Flechten der dogmat‘ Theologie. sich als Genie, wie der Kiinsder, einsam. Die Genialen-Republik.
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214 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 215

Eleaten das Auge erschlossen: wéhrend selbst die spiteren wenig, aber mit der concentrirtesten Kraft. Es sind eben die Zeit-
griech. Systeme (Aristoteles) die eleat. Probleme zu flach aufge» genossen d6! klaSSiSChen Zcit deS klaSS- GrieChenthumS, VOT-
faBt haben. nehmlich des 6 u. 5t. Jhd., Zeitgenossen der Tragédie, der Perser‘
Nun habe ich speziell noch zu erla'utern, warum ich die “var- r kriege. Die Frage ist anziehend genug: wie haben die Griechen
5 platonischen“ Philosophen als Gruppe zusammenfasse u, nicht 5 in der reichsten u. iippigsten Zeit ihrer Kraft philosophirt? Oder
E t Wa d i e Vo r s o k r a t i s c h e n . P l a t o i s t d e r e r s t e g r o f g a r t i g e M i s c h . n o c h p r i n c i p i e l l e r : h a b e n s i c i n d i e s e r P e r i o d e p h i l o s o p h i r t ? D i e
charakter sowolil in seiner Philosophie als als philos_ Typus, - Beantwortung wird uns wesentlich iiber den hellenischen Cha-
Sokatische, pythagor. u. heraklitische Elemente sind in seiner raktex aufkl'a'ren. An sich ist es ja, weder fiir einen Menschen,
Ideenlehre vereinigt, sie ist nicht ohne Weiteres eine Originalcon- noch fiir ein Volk, nothwendig. Die Romer, so lange sie nur ans
m ception zu nennen. Auch als Mensch hat er die Ziige des kénig- :0 sich wachsen, sind ganz unphilosophisch. Es hingt mit den tief—
lich stolzen Heraclit, des melancholisch geheimru'Bvollen u. legis- s t e n Wu r z e l n e i n e s M e n s c h e n u . e i n e s Vo l k e s z u s a m m e n , o b e r
latorischen Pythagoras u. des seelenkundigen Dialektikers So— philosophirt oder nicht. Es handelt sich datum, 0b er einen sol<
krares in sich vereinigt. Alle spiteren Philosophen sind derartigc Chen UberschuB an lntellekt hat, dafS er ihn nicht mehr nur fur
Mischphilosophen. Dagegen stellt iene Reihe der Vorplatoniker personliche individualle Zwecke verwendet, sondern mit ihm 111
15 die reinen und ungemischten Typen dar, sowohl in der Art der 15 einern reinen Anschauen kommt. Die Rome: sind aus demselben
Philosopheme als der Charaktere. Sokrates ist der letzte dieser Grunde keine Kiinstler aus dem sie keine Philosophen sind5. Das
Reihe. We: will, mag diese Alle die ,,Einseitigen“ nennen. Jeden— Allgemeinste, das sie wahrhaft nachfiihlen, ist das imperium: so-
falls sind sie die eigentlichen ,,Erfindet“: allen Spateren war es bald die Kunst u. die Philosophie bei ihnen beginnt, handelt es
unendlich erleichtert zu philosophiren. Jene batten den Weg vorn sich um ein schongeistiges Naschen: wie Ennius sagt:
2.0 Mythus zum Naturgesetz, vom Bild zum Begriff, von der Reli— zo <(>Neoptolemus<)) philosophari est mihi necesse, at palCicis: nam
g i o n z u r Wi s s e n s c h a f t z u f i n d e n . omnino hai'it placer. dégustandum ex ea, non in eam ingfirgitan-
Es ist ein wahres Ungliick dafi wir so wenig von jenen originalen dun-1 cénseo. Cic. Tuscul. ll I, I. Gellius V 16.
|._.. “ P. . . . 7 . . _ . . . . . . 7 V. . .
nu. I. i'.i“l'i I'" 'l ' " ' I u - .. . . . - ,

gering, wa'hrend uns von Plato ab voluminose Hinterlassenschaf— er muK, vollig frei geworden sein u. Saturnalien feiem. Der frei~
2.5 ten vorliegen. Manche nehmen eine eigene Vorsehung fiir die Bii- 15 gewordene lntellekt schaut die Dinge an: und jetzt zum ersten

cher an, ein farum libellorum: dies miiSte aber sehr boshaft sein, Male erscheint ihm das Alltégliche beachtenswerth, als
wenn es uns den Heraclit entzog, das wunderbare Gedicht des
ein Problem. Das ist das wahre Kennzeichen des philos. Triebs: ‘
die Verwunderung fiber das, was vor allen Iiegt. Das alltz'iglichste
Empedocles, die Schriften des Democrit, den die Alten dem Plato ,
gleichstellen u. uns dafiir durch Stoiker Epikureer u. Cicero ento ' ,
30 schiidigen wollte. Jetzt miissen wir wesentlich die Bilder jener 5 Hier iibet die romische Mythologie. ‘ ‘i
Die Romer eignen sich die Philosophie an, wie die gauze griechische
Ph. und ihrer Lehren nachschaffend ergénzen: die versprengteii
Kulrur: romanischer Begriff der Kunst ui der kiinstlerischen Kulrur v eine w
Lebensnachrichten sind fiir uns eben so wichtig wie die Triimm l vomehme Convention, ein Schmuck, angel-tang: von auBen.
ihrer Systeme. Wahrscheinlich ist uns der groKartigste Theil dEE' '
griech. Prosa verloren gegangen. 1m Ganzen schrieben sie selm I Die alten Griechen ohne normative Theologie. Jeder hat das Reclit zu ‘
dichten und zu glauben, was er will.
216 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 2 1 7

Phénomen ist das Werden: mit ihm beginnt die ionische Philoso- i n B e g r i f f e n . D e r D i c h t e r w a r z u i i b e r w i n d e n , d e r e i n e Vo r —
phie. Das Problem kehrt in einer unendlichen Steigerung bei den s t u f e d e s P h i l o s o p h e r- 1 d a r s t e l l t . Wa r u m f a l l t T h a l e s m i t d e n 7
E l e a t e n Wi e d e r : s i e b e o b a c h t e n n é m l i c h , d a E u n s e r I n t e l l e k t d a s . 4 - Weis en nicht véllig zusammen? Er philosophirt nicht nur spora—
Werden gar nicht begreift u. erschlieKen daher eine metaphysi- disch, in einzelnen Spriichen: er mach: nicht nur eine groige wis-
s c h e We l t . A l l e s p i t e r e n P h i l o s o p h i e n k i m p f e n g e g e n d e n E l e - senschaftl. Entdeckung. Er verkniipft, er will das Ganze7, ein
atismus: der Kampf endet mit der Skepsis. Ein anderes Problem Weltbild. So iiberwindet Thales I) die mythische Stufe der Philo-
ist das der ZweckméBigkeit in der Natur: erst mit ihm wird der sophie. und 2) die sporadisch-spruchméiEige Form der Philoso-
Gegensatz von Geist und Leib in die Philosophie gebracht. Ein phie. 3| die einzelne Wissenschaft. Die erste dutch begriffma’igi-
d r i t t e s P r o b l e m i s t d a s i i b e r d e n We r t h d e r E r k e n n t n i E . D a s We r - ges Denken, die zweite durch Systematisiren, die drirte durch
I O den, der Zweck, die ErkenntniE — Inhalt der vorplatonjschen 1 0 A u f s t e l l u n g e i n e s We l t b i l d e s . D i e P h i l o s o p h i e i s t a l s o d i e K u n s t ,
Philosophie. das Bild des gesammten Daseins in Begriffen darzustellen: dieser
Definition geniigt zuerst Thales. Natiirlich hat eine viel spitere
Zeit dies erkannt. Und schon die Bezeichnung, er sei der erste
Philosoph, ist durchaus nicht im Charakter des Thaletischen
Vorlesung 7.. Zeitalters. Das Wort existirte vielleicht noch gar nicht. Und kei—
nesfalls hatte es jene spezifische Bedeutung. Auch ,,cocpo<;“ heiBt
§ 2.. A15 ersten Philosophen betrachten die Griechen Thales von nichr ohne Weiteres der ,,Weise“ in dem gewbhnl. Sinne. Etymo-
Milet. An sich ist es immer willkiirlich zu sagen, der u. der ist logisch gehort es zu sapio schmecken, sapiens der Schmeckende
‘ 5 der erste, vor ihm gab es keine Philosophen. Denn ein solcller . outphg schmeckbar. Wir reden vorh nGeschmack“ in der Knnst:
Typus ist nicht mit einem Male da. Eine solche Fixirung geht von ‘: 2 . 0 fiir die Griechen ist das Bild des Geschmacks noch viel weiter

einer Definition des Philosophen aus. Diese wollen wir errathen. ausgedehnt. Eine reduplizirte Form Eiolxpog von scharfem Ge—
— Thales stellt ein Princip auf, aus dem er ableitet: er systemati- schmack (activ) sucus gehért dazu (k fiir p wie lupus Mmog) Also i
sirt zuerst. Dagegen ware einzuwenden, daf? wir in den viEl . es s a 2

1 0 ilteren Cosmogonien schon dieselbe Kraft vorfinden. Zu denken L vom Beschaulichen u. Asketischen ist nichts darin enthalten: nur

an die kosmogon. Vorstellungen in der Ilias, dann Theogonieg, : 2 5 ein scharfes Schmecken, ein scharfes Erkennen, nicht ein Kénnen
dann orphische Theogonien, dann Pherecydes aus Syros (dock . ist darin ausgesprochen. Scharf getrennt ist téxvn davon (von i
schon ein Zeitgenosse des Thales) Von diesen unterscheidet Th T E K z e u g e n ) i m m e r e i n , , H e r v o r b r i n g e n “ b e z e i c h n e n d . We n n n u n '
les, daB er unmythisch ist‘. Seine Contemplation vollzieht si
7 J . B u r c k h a r d r : k e i n Wu n d e r d a f Z s e i n f e i n a b w o g e n e r c o n s t r u k t i v e r
Sinn, daG die Fiille von Andeutungen auf das Ganze, dem es einst gedient, ‘ ‘
5 Die Griechen haben in ihrer Mythologie die ganze Natur in Gri _ vcrloren gingen u‘ dag man sich mit moglichster Kraft der dekorativen AusA ‘
aufgelést. Sie sahen gleichsam die Natur nur als Maskerade u. Verldeid ‘ bildung zufrieden gab. Hierin zeigt sich die r'omische Kunsr wahrhaft grail. r i
von Menschengortern an. Sie waren darin ganz das Gegenstiick der Sobald man es vergiBr, wie vial unversrandene u. umgedeurere griechische ‘
sten. Der Gegensatz von Wahrheit u. Erscheinung war tief in ihnen. Formen unter den rbmischen versteckt liegen, wird man die letzteren um
Metamorphosen. ihrer prachtvollen hbchst energischen Wirkung willen bewundern miissen. I
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Die vorplatonischen Philosophen 2 1 9
2 1 8 Vo t l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n

Kiinstler cowoi genanm werden (Phidias ein weiser Bildhauer Ich betone, dag Thales aus ganz anderen Gri’mden als
Polyclet ein weiset Erzgieger, so bezeichnet es nach Aristot. die ootpb; bezeichnet wird als wenn er der erste Philosoph ge-
Vo l l k o m m e n h e i t i h t e r K u n s t ( N i c o m . E t h i k l i b . V I 7 ) a l s o e i n
nannt witd. Wit haben eine mythlsche Votstufe der Philosophie
,,Etzgiel§er von feinstem Geschmack“, GO¢6§ wie sapiens super- u. eine spotadisch-spruchmégige Form unterschieden: welches ist
l a t i v i s c h . Wa r m W l l ' n u n e i n e n M e n s c h e n n i c h t i n e i n e m e i n z e l n e n S
die Votstufe det Uotpiu besset des Gomég? \Vre hat sich all-
Stick tympéq nennen, sagt A., sondern iiberhaupt, so erhellt dag méhlich der Typus des coq>bq tivfw entwickelt, bis zu den 7 0'0—
die Weisheit die vorziiglichste (dh. auch universale) Wissenschaft qu' des delph. Orakels? Dies sind zwei getrennte Fragen: in wel-
sein mug. Der Weise mug nicht nur das aus den Principien abzu- chen embryonischen Formen offenbatt sich die Philosophie, in
leitende kennen, sondern auch diese selbst kennen: diejenige Wis— welchen der Philosoph?
[ 0 senschaft, die die Principien der wissenswiitdigsten Dinge ent-
hélt. Die cotpia ist durchaus zu trennen von der Klugheit: jedes
Wesen, welches in seinen Angelegenheiten das Gute hetausfindet,
wird man klug heiEen: das, was Thales u. Anaxagoras wissen, I t o .3. Die mythische Vorstufe der Philosophie. Die Kraft Die yet-sch.
wrrd man auRemtdenthch, wunderbar, schwrerlg, gottlich nen- . zu systematisxren seht gross 1n der griech W Culte
I S nen, abet unniitz, weil es ihnen nicht um die menschlichen Gil- G6ttergenesis: hier zeigt sich ein nie zur Ruhe gekommenet
tet zu thun ist. Also der Charakter des Unniitzen kornmt der Trieb. Es ist ganz falsch, die Gtiechen ganz autochthonisch zu
o‘oqaia zu. Dazu ist eben ein UberschuE an Intellekt néthig. nehmen u. ihre Géttet aus ihnen allein abzuleiten: wahtscheinl.
Datan werden wit erinnetn bei der wichtigen Weisesprechung 15 sind fast alle entlehnt: es war eine gtoBartige Aufgabe die Rechte
von Seiten des delphischen Orakels. Thales ist der erste Philo— und Ordnung dieser bunten Gétterwelt hetzustellen: die Grie—
2 0 soph und einer der etsten cowois. chen lésen sie mit politischem und religiésem Genie. Der fort-
wéihrenden (986w K9601; tritt eine 966w Kpictq gegeniiber. BCSOD—
8 coqn’u bezeichnet das Wéhlcnde, mit Geschmack ausscheidende: wé'h-
dets schwierig war as die utalten Titanenordnungen in ein Ver-
rend sich die Wissenschaft ohne solchen Feingeschmack auf alles WiKbate
stiirzr. — Das philosophische Denken ist spezifisch gleichanig mit dem wis- m W W H M W J H J W M —
senschaftlichen, abet bezieht sich auf groSe Dinge u. Angelegenheiten. Der
den macht noch einen Vetsuch, etwas ganz Ftemdartiges dem
Begtiff dcr GtéBe isr abet ein wandelbaret, theils isthetisch, Lheils moralisdl. neuen Kult zu assimiliren. In den ungeheuten Contrasten lag die
Die Philosophie enthélt cine Bindigung des Erkcnntnilgtriebes: u. darin liegt Aufforderung zu phantastjschen Etfindungen. Endlich war ein
ihte Kultutbedeutung. Es ist einc Gesetzgebung der GréEe, ein Namengebeil Géttetfriede hetgestellt: vot allem ist wohl Delphi thétig ge»
mit der Philosophie verbunden: ,,Das ist grog“, sag: sie, u. dadutch etheb’t
sie den Menschen. Sie beginnt mit det Gesetzgebung det Moral. "das ist
15 wesen: und dort ist jedenfalls ein Herd philosophirendet Theolo—
moralisch gtoS“ sagen dutch Lehre u. Beispiel die 7 Weisen: von dieset pmk- gie. — Am schwierigsten vielleicht die Stellung der Mysteriengott-
(ischen Seite det Philosophie haben die Rétner sich nie entfetnt. Der Pb. is: heiten zu den olympischen. Dies Problem is: mit besondeter
beschaulich wie der bildende Kilnstler, rnitempfindend wie det Religiiisc, V
kausal wie der Mann der Wisscnschaft: er sucht alle Téne der We]: in
nachklingen zu lassen u. diesen Gesammcklang aus sich hetauszustellen sich verwandelt u. die Besonnenheit behilt, diese Verwandlung in Wane-2|:
Begtiffen, aufschwellend zum Maktokosmos und dabei mit hbchster W projiciren. Das dialektische Denken gieBt er immer als Sturzbad uber sneh
nenhei: sich bettachtend; wie det Schauspielet odet der dramat. Dickens“; B U S .
220 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 221

Weisheit gelost. Einmal Gottheiren, die alles Vorhandene verkléi— Bezeichnung ihrer Principien: oiov Vi'JKw Kai OGpavov f1 Xdog
r e n , a l s f o r t w é i h r e n d e We i e h t e r u n d Z u s c h a u e r a l l e s g r i e c h . D a - 1'1 ’QKmvéV. Davon Chaos auf Hesiod zu beziehen Theogon.
seins, gleichsarn Allragsgotrheiren: dann fiir besonders ernste re- 1 16f., ’stavog auf Homer [1. XIV 201, XV 140. NOE Kai 06~
ligiose Erhebungen, als Entladung aller asketischen und pessimi- pavbg auf eine Theogonie, von der Eudemus berichret (von dem
s t i s c h e n A ff e k r e , d i e M y s t e r i e n m i t i h r e r H o ff n u n g a u f U n s t e r b » es der Neuplat. Damascius de principi p. 382 erzéihlt). Dies die
liehkeit. DaE diese beiden verschiedenen Méichte siéh nicht ein- einfachste Form der orphisehen Theogonienw. Eine zweite
ander schéidigten oder verzehrren, muG besonders weise geordnet setzt Apollonius Argonaut. l 494 ff. voraus: er 1313: seinen Or-
sein. — Es gab uralte Theogonien, die bald der einen Gotterord- pheussingen,wiearnAnfangausderMisehungallerDingeErde
nung, bald der anderen zugehorten. Letztere sind die orphi- Himmel und Meer sich ausscheiden, wie Sonne Mond und Sterne
1 0 schen Theogonien9. Aristot. Meraph. XIV 4 sagt: die épxaiol I O
ihre Bahnen erhielten, Berge, Flusse und Thiere wurden, wie zu—
nomwi und wiederum die jiingsten philosoph. ankéym lassen erst im Olymp Ophion und Eurynome die Okeanide herrschten,
das [Erste] Hochste und Beste nicht der Zeir nach das Erste sein, wie sie von Kronos und Rhea in den Ocean gestiirzt und diese
sondem ein Spiteres als Resultat einer Entwicklung. Diejenigen wieder von Zeus verdréingt werden. (Dazu Preller Rhein. Mus.
welche zwischen Dichtern und Philos. in der Mitre stehen oi pe- N. F. IV 385) Eine dritte orph. Theogonie [Damascus 381)
1 5 u w u é v m u l ’ m b v ( 2 B . P h e r e c y d e s ) b e t r a c h t e n d a s Vo l l k o m m e n e [ 5
srellt Wasser und Urschlamm an die Spitze: der sich zu Erde ver-
als das der Zeit nach erste. Die alten Dichter deutet er an mit dichtet. Aus dieser entsteht ein Drache, mit Flageln an den Schul-
tern und dem Antlirz eines Gottes, auf beiden Seiten ein Lowen—
9 Zu Orpheus Bergk, 1, p 396. Orpheus das irdische Abbild des in dem und ein Stierkopf, genannt Heracles oder Chronos: mit ihm
Hades herrsehenden Dionysus, des Zagreus. Der Name deuret auf das Dun~ sollte die Nothwendigkeit die Adrastea vereint sein: diese breire
kel hm, ebenfalls die Hollenfahrt: Orph. von den Minaden, Zagreus von
1 0
sich unkérperlieh durchs ganze Weltall aus. Chronos—Heraeles
den Titanen zerrissen. Die religiosen Lieder, die mit den uralren orphischen
M y s t e r l e n z u s a m m e n h é n g e n , w a r e n e n r h u s i a s r i s c h e . D i e g e w o h n l . A n s i c h r,
erzeugt ein ungeheures Ei, das sich, in der Mitte zerberstend, mit
i,‘

daG die orphrsche Geheimlehre ersr nach Homer auftrete, ist ganz unsicher.
D a s S e h w e r g e n H o m e r s l i K r s r e h g u t a u s We r s p r u c h e e r l a é r e n , i n 1" Plato betrachtet die—Cedichte des Orpheus als
welchern die orphisehe Dichrung zu dem Geist der homer. Poesie srehr. Bei wichtigbesonderseineStelledesTimaeusp.40B.ersagt,inBetreffderGa:-
Hesiod. Ankliinge: aber er redet aus dunkler Kunde. Dal! tiefer Gehalt darin ter u. ihrer Genealogien miisse man denen Glauben schenken, welche in fru-
lag, bew eis r die unverw iis tl. Lebens kraft. Seir dem A nfang des 6.]hd. des herer Zeit dari‘xber gesprochen, die nach ihrer eignen Aussage von den Got-
r e l i g i é s b e w e g t e n , r r i r t a u c h d i e o r p h i s e h e L e h r e a u s d e m D u n k e l h e r v o r. tem abstammten u. daher ihre Ahnen genau kennen muBren. Darunter kann
Schon vur Onomacritos nimmt man bei Pherecydes von Syros den Einflug er nur Orpheus u. Musaeus meinen. Seine Genealogie hier; 4 Generationen:
j e n e r L e h r e w a h r. O n o m a c r i r u s u . O r p h e u s v o n C r o t o n s u c h e n d a m n d i e Uranos u. Gaia, Ozeanus u. Tethys, Kronos u. Rhea nebst den iibrigen Tita-
orphische behre u. den Volksglauben in Ubereinstimmung zu bringen. Reich: nen, dann die Kroniden. Oceanus srand nicht an der Spitz: der gamen
u. michtige Litteratur. Sehr alt: Heraelid. bezeugt, daB in dem Heiligthum Welrbildung, das beweist auch das Epitheron éuouflrmp, welehes Tethys in
des Dionysus auf dem Haemus alte Aufzeichnungen unter des Orpheus Na- einem Bruchstiick Craryl. 4m. fiihrr: dies war offenbar die zweite Generation
men existiren u. daE Pythagoras dieselben benurzr habe. Schol. Eurip. Alcest. die Kinder des Uranos u. der Gaia. Wahrscheinlich schlossen sich an die 4
968. Die pyrhagoreische Schule sollre eine Riickkehr zu der alten reinen Lehre noch zwei jungere Generationen an, die ii‘mgeren Croniden, wie Apollo u.
des Orpheus sein: gegeniiber dem willkiirlichen Treiben der Orphiker seiner deren Geschlechr; darauf is: wohl der orphisehe Vets irn Philebus 66 zu bezie-
Zeir. Damn betheiligen sich wieder Pythagoreer an der orphischen Poesie. hen: §KITJ B’év yevsf] Kurunnboare KéO'MOV 6.0ng.
* $
222 vorlesungsanlelChm-‘ngen ‘ Die vorplatonischen Philosopher! 223
53m“ Obefen Half“? zum Himmeh mit seiner “mere” 2111' Ede ‘ schwerere Element sink: irnmer tiefer, das leichtere schwebt im—
gestaltet. Diese Theogonie ist vielleicht jungeren Ursprungs. Eine mgr haher, Nun haben wir die 7 Falten, Weltsphéiren: 1 Reid!
vierte, éiltere, mit vielen Bruchstiicken erhalten, stellt Chronos deg Ems Demiurgos, 2. Chthon (absolut verschiebbar) ChronOS,
an die Spitze. Dieser erzeugt den Aether und das Chaos, aus Fens; _ Wasser _ Luft — Erdregiom Wenn man Eros Chthon und
5 beiden bildet er ein silbernes Ei, aus diesem geht alles erleuch- 5 xpévo; zusammenfagt 315 e'me Region, so hat man den newé-
tend
def
CPSTgeborene
GO"
“limes
herVOl’)
def
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MftiS
Ems
Kocuog
. das
Funfweltenreich.
diesen
In Riumen
entwickelt
sic

“Dd ErikaPaios Benanm Wird- MannweibliCh= den“ 31' enthilt die ; ein gewaltiges Gottergeschlecht. Der himmlische Eros wird als
Keime aller Gotter in sich. Phanes erzeugt aus sich die Echidna irdischer geboren und heiEt jetzt Ophioneus, in Schlangengestalt. ‘
oder die Nachr, mit ihr Uranos und Gaea die Stammeltern der 3» mm gegenijber steht die zerstérende Zeit: Kampf def Ophioni_
m m i t t l e r e n G o t t e rg e s c h l e c h t e r, d i e w e s e n t l . n a c h H e s i o d e r z a h l t re den und der Kroniden. Kronos mit seinem Anhang wird in den
werden. Zeus, zur Herrschaft gelangt, verschlingt den Phanes u. Okeanos gestiirzt. Die Erde, im innersten uuxog im Nebel des
Weltalls gelegen, in der Wasser— (Wolken- Dunstregion freischwe-
,-.e I :,- tI‘ fay ‘l . I' ll ' ’ HOlZ unbewet
m’wi TéTUK‘Eut. So wird auch gesagt: El; 2513;, gig ’AfSng, 5E; mit ausgespannten Fittichen in der Luft hangend. Zeus hangt ihr
15 "HMO; air; Atévuooq, gig 9569 52v ndvteo’m (Lobeck p. 440) 15 nach Besiegung des Kronos das Ehrengewand urn, worauf sie
Zeus bringt nun aus sich die letzte Generation hervor. Am Wich- den Namen ram bekam, einen Mantel von reichern prachtvollem 3‘
tigsten die Erza'hlung von Dionysus Zagreus, dem Sohne des Zeug u. stickt darauf mit eigner Hand Land und Wasser und ‘
Zeus und der Persephone, der von den Titanen zerfleischt in dem FluBbetten. Diese Dichtung hat gewiE groEen EinfluB auf die
jiingeren Dionysus wieder auflebt, nachdem Zeus sein unver- Physiologen geiibt: wir finden alle Principien vereinzelt bei ihnen
20 sehrt gebliebenes Herz verschluckt hat. — Bes. bedeutend die er- 20 wieder, die fliissige Urmaterie bei Thales, den théitigen Hauch
ste prosaisehe Kosmogonie des Pherecydes von der Insel Syros, bei Anaximenes, das absolute Warden xpévog bei Heraclit, bei
genannt 'Emduvxog (oder Osoxpuoia Osoyovia Geoloyia) in Anaximander das unbekannte form- und qualitétslose Urwesen i
IO Buchern. Im Anfang srnd 3 Urprmznpien, das wodurch alles to (’instpov. Ubrigens ist unzweifElhaft ein Enmgyptisfher iv
gemacht is: Zeus, der Aether; das woraus alles gemacht ist: Lehren auf Pherecydes, nachgewiesen bei Zimmermann ,,Uber ‘
25 Chthon die Materie u. das, worin alles gemacht wird, Chronos ;5 die Lehre des Pherecydes von Syros“, Ztschr. fiir Philos. u. Kritik
die Zeit. Zeus gleicht dem Hauche, der das All durchdringt, von Fichte und Ulrici XXIV pl 161 usw. (auch in ,,Studien und
C h t h o n d e m Wa s s e r d a s d e m D r u c k n a e h a l l e n S e i t e n n a c h g i e b t : K r i t i k e n “ Wi e n 1 8 7 0 ) .
Wa s s e r h i e r, w i e b e i T h a l e s U r f l i i s s i g k e i t U r s c h l a m m , d a s e r s t e
und daher Beste von Allem, formlos und qualitatslos: — Zeus

§.4.Diesporadisch-spruchmaGigeVorstufederPhilo‘I
30 verwandelt sich, indem er zeugend wird, in Eros, den Schéipfer-
g e i s t i n n e r h a l b d e r We l t . M i r d e r Ve r b i n d u n g d e s E r o s u n d d e r
Chthon beginnt der zweite Chronos, die zeitliche, nicht anfangs- sophie. Homer zeigt bereits eine lange Entwicklung des ethi-
lose Zeit. Die Materie rinnt nun unter Einwirkung des Eros und 30 schen bewuliten Denkens: dessen Niederschlag noch mehr in den ll
d e r Z e i r i n d i e E l e m e n t e F e u e r, L u f t Wa s s e r a u s e i n a n d e r : d a s individuell gegenubergestellten ethischen Personen liegt 315 in
224 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 225

d e n S e n t e n z e n . 1 1 Vo n l e t z t e r e n e r i n n e r e i c h a n d i e b e k a n n t e s t e n Hesiod iibertragen wurde, das ist jedenfalls mit das Werk der
I I . 6 , 1 4 6 o i n n a p o n ? » k a ' y a v s f ] t o i n 5 11 : m i d e p e r. 0 d . 1 8 , delph. Priesterschaft: die hier dieselbe Tendenz zeigt wie spiter
130 obSév éKtSvé‘capov yaiu tpéost dveprbnoto. II. 12., 243 gig bei der Weisesprechung der 7. Wichtig ist abet, daB alle jene
oimvog dpiatog, dpbvsoem ngpi nt’z’rpng. 0d. 8, 546 (Nd ICU.- Sétze (wenigstens die Gedanken) viel éilter sind als die Composi—
myvflmu geivog 0’ iicérng Is TéTUKIuL 11.2, 204 ofJK c’v/aaov tion der Erga: ja selbst Ilias u. Odyssee setzen sie schon voraus.
nokoxotpuvin ' aig Koipavog tam), gig Bacikeb; (Z) ééwke Kpé- Man hat héufig den Widerspruch der homerischen ritterlich he—
vou nui; dyxukopntac). roischen Welt und des gedriickten Bauernthums bei Hesiod be-
D e n a u g e r o r d e m l i c h e n R e i c h t h u m s o l c h e : p o p u l é r e n We i s ~ merkt: das sind jedenfalls nicht zwei aufeinander folgende Zeit—
heit12 zeigt noch mehr Hesiod. Er greift mit vollen Hénden zu: stimmungen, das eine entwickelt sich nicht aus dem anderen.
l 0 von einem Gefiihl daK es ein Eigenthum gébe, weiB er nichts. I D
Wohl abet haben beide Gruppen die hauptséichlichste Spruch—
Dagegen zeigt sich eine Neigung bei ihm, das Sporadische zu weisheit gemeinsam: die also wohl alter ist. Auch die Gnomolo-
verkniipfen: aber sehr éuBerlich, sehr roh. Die Fabel, die zu die- gie [ist] in der Ilias ist Viel diisterer, ais die eigentlichen Helden
s e m B e h u f i n d e n E rg a z u G r u n d e g e l e g t i s t , i s t s o u n g e s c h i c k t erscheinen. Ebenfalls macht das delph. Orakel zahlreichen Ge-
wie moglich: zwei Briider in Erbschaftsprozessen, der eine fiber- brauch von diesen uralten Sittenspriichen Lind 1h.ren Formeln. Es
1 5 vortheilt, der andere will noch einmal eine parteiische Entschei— 1 5
zeigt sich etwas Ahnliches wie bei der homer. Sprache. Dieselbe
dung der Richter provoziren. Da kommt sein Bruder und gjebt enthéilt eine Unzahl feste nralte Formeln, an denen die eigentl.
i h m d i c h t e r i s c h L e h r e n f i b e r Tu g e n d L a n d b a u S c h i ff a h r t d . h . e r Alterthiimlichkeiten der Sprache hingen, Formeln die oft von
stellt alles das hinter einander, was jeder bootische Bauer einzeln den spiteren Siingern sprachlich nicht mehr genau verstanden
im GediichtniB, als Norm, hatte, zuletzt sogar die Gliicks— 11nd w u r d e n u n d a u f d e r e n G r u n d n e u e We n d u n g e n , m i t f a l s c h e r
7 . 0 Ungliickstage. DaB eine solche Masse von Spriichwértem auf 2 0 Analogie, gebildet quden. Diese alten Formeln deuten auf eine
Hymnenpoesie him in ihr standen wohl auch schon jene ethi-
schen Sentenzen, deren Physiognomie diisterer ist als die spitere
1‘ Das griechische Volk besaG einen groKen Schaa von Spruchweisheit.
lauehfegde ... _.1 ,- .9.“ --- --g:- Div I'
D i e R h a p s o d e n m a c h t e n 1 m We t t k a m p f e — G é b r a u c h d a v o n , e m e r w E f t c i n e
Frage auf, ein anderer antwonet. Spéter bei festl. Gelegenheiten Sitte, daB vorausgesetzte ethische Weisheit ist etwas ganz Anderes als cine
die Giste solche Spriiche vonrugen: Theognis Poesie so zu verstehen. 7-5
uralte mysterienhafte symbolisch—orientalische Priesterweisheit,
‘1 Sch: griechisch die GleichniBrede, die die Lehren mehr andeutet als welche mehxere neuere Gelehrte im Hintergmnde des 'dltesten
ausspricht: mire M3791 0618 Kpi’mrsi (HM: (immivst, wie es van Heradh
Griechenlands wittem. Wichtig ist auch die Form, der Hexame-
heiEt: genannt uivog theils an gcwéhnl. Vorfille, [heils an die Thiersage an-
gekniipft. — 2‘ B. wenn der Krebs, de: selbst krumme Wege wandelt, von der
ter, fi‘ir jene Spriiche. Denn hier gerathen wir wieder auf den
Schlange Geradheir fordert é Kaplcivog 035 éqm xukti (Schere) 16v étpw EinfluE Delphi’s Pausan. X, 5 pS'inTT] Bé Kai napd ulsictmv ég
Au6dw 5139M xpf] 16v Ermpov Epuav Kai “1'1 01(th (ppoveiv. 0ft 10g man 3 0 (Ianovénv 86:01 éo-riv, dig npéuawm yévouo f] <I>npovén 101')
das Beispiel ins Kurze u. begniigte sich mit dem Schlufs’verse. Das Spriichwor: 9805 npu’ym Kai nptb‘cov re) égdps‘rpov 1565. Der erste Hexameter
ist ein abgeki‘xrztes Beispiel u. heiBt deshalb nupomiu (db. Beigesang ode? ,
sol] nach Plutarch de Pyth. orac. p. 402. D o‘uwpépets mspd 1’
Schlquers, daher kann es auch Refrain heiBen) npooimov Eingang des Lie-
des oiun. Oder auch anders erkléirt, eine oiu'n eine Erzéhlung, die den Sinai oimvoi Knpov Is péMo‘o‘at (versus Pythius Delphicus theologi—
nur andeutet, nicht direkt auf ihr Ziel losgeht. '1 . r Cus) <5ein.) Die éltesten Weisheitsspriiche sind gewiE als Orakel-
2 2 6 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 2.27

verseertheiltworden132B.solcheVersewieErg.3565(3);amen, Dann wird auf ihn zuriickgefiihn‘ nicht auf die Cotter zu schwé-
fipnuE, 8S: KCLKf], Guvdtow éétaipu. Wenn der Hex. der ilteste ren, sondem auf xfwa Kai Kl'wa Kai Kpiov Kai 61.1010. Schol. Ari»
Tempelvers war, so wurde er auf diese Weise zum Weisheitsvers. stoph. Av. 52.1. — Dann eine Reihe von uralten Singern. ’QM‘W
Ist erst einmal eine solche Gattung geschaffen und verbreitet, e i n Ly k i e r, d e r v o n Ly k i e n a p o l l . H y m n e n n a c h D e l o s , v o n d e n
dannerzeugtsieaussichimmerneueVerse.WiederTempelhym— nach Delphi gebracht haben soll. Gilt auch als Erfinde: des He-
nus, mit dem Mittelpunkte einer Gottenhat, allmiihlich sich zum xarneters. Dann Philammon, der zuerst Jungfrauenchére aufge—
Epos entfaltete, so das Orakel 211m Spruchgedicht. So allein wet» s t e l l t h a b e n s o l l . B a k i s e i n O r a k e l d i c h t e r. E u m o l p u s , S t a m m v a t e r
den wir auch die auBerordentl. ehrwiirdige Stellung von Delphi d e r E u m o l p i d e n . P a m p h u s , z w i s c h e n O l e n u n d H o m e r. L i n u s ,
begreifen: es sind nicht sowohl Voraussagungen als ethische Leh- von dem es eine Koopoyovia gab: Anfang: flv noré 1:01 xpovog
I O
ren, mit Strafe und Lohn in Aussicht, ein Appell an das menschli- 1 0 06mg, év (I) find ndvt’ énsqnl'mst. Wir haben Fragm. Stob. Flori—
Che Gewissen. — Solche Orakelversc wurden an Siulen und sicht- leg. V 22 (C. IX 1) Eclog. lib.I cap. Io, 5. Es scheinen dies
baren Stellen aufgeschrieben, Tausende lasen sic. Wit horen von Unterschiebungen der Pythagoreer zu sein. Musaeus (Laert. Pro-
der Sitte, Grenzsteine mit ethischen Anfschriften zu schmiicken oem. 3 sagt, auch er habe eine Geoyoviu gemacht qxival 1:5
Notang rim creme mmta topowbv évéq rd mivm 'ysvécreat Kai eig tabtc‘w dvakésceai). Aristoph.
15 oder p11 (pion égumiw.
1 5 Frosche 1032f. fiihn aus ’Opipebg pév yap Islatdg 8’ 1'] uiv Kuté-
521:8 (povmv r’ dnéxsallai | Monouioq 5’ éiaxécsig 17:; «Snow
Kai xpncuobg, ‘Hcioéog 5:1; I mg épyaoiag usw. Es gab eine sehr
r e i c h e L i t t e r a t u r z u P l a t o n s Z e i t e n , v o n d e r P. v e r i c h t l i c h r e d e t .
§. 5. Die Vorstufen des corpog dv1'1 p. Zuerst wurden alte R e p . 11 p . 3 6 4 B i n m v 8 : 3 : é q u S o v n a p é x o v t u i M o u o ' a i o o K a i
heroische Fiirsten als ausgezeichnete Weisheitslehrer betrachtet 1 . 0 ’Optpémg, EsM‘lvng 178 Kai Moucdov éyyovcuv 65g (pact, me’ fig
2B. Chiron, von dem imonIKm Xeipmvog im Urnlauf waren. Pin- eunnokofim, neiGov-rsg of) uévov iSIdnmg (iMd Kai nékem, d);
dar kennt sie (fr. 167, I71 Boeckh) Sein Verdienst wird vom Ver- tipa Mame re Kai Kaeapuoi dSiKde'rmv 81(‘1 Gumtbv Kai mnSuig
2 0
fasser der Titanomachie zusammengefan - n t A . . e --
p. 361 Si; 15 SiKmom'wnv vacbv yévog mints Saigon; 65mm); tskerdq Kalobcw, ai‘ 163v éKsi KchBv dnowoumv fwd; w'] 61')-
Kai Bucriag ikapt‘xg Kai oxfmut’ ’Owawu. Dann der Troizene o a v t a g 8 t B a l v d n a p t p é v a l . Wi r h a b e n a l s o 3 Vo r s t u f e n d e s c r o -
11119813;vondemderVetsbeiHesiodErg.37oseinsol]1.11696; tpbg (ivfw: den vielerfahrenen Greis und Fiirsten, den begei-
5’ depi (pilcp eipnuévog épKLog Ecru). Uber ihn Plutarch The- s t e r t e n S i n g e r u n d d e n We i h e p r i e s t e r ( E p i m e n i d e s ) . U n t e r
7-5
seus 3. Schol. Eurip. Hippo]. 264. We auch, nach Theophrast, dem Begriff der 7 Weisen finden wir alle diese Typen wieder.
keyépsvadesSisyphusangefiihrtwerden.DannSchol.Hermog. Diese Weisesprechung ist ein fester Punkt fiir die griech. histor.
T. IV p. 4 3. Aristot. fiihrt einen Spruch des Rhadamanthys an Anschauung: sie datiren darnach. Das delphische Orakel, das
Nic.EthikV5(8)eiKendemrdK’épeée,Sim]K‘ieeiayévono. immer nach neuen Mitteln zur ethischen Reform sucht, weist
auf 7 Méinner hin, als Typen und Vorbilder: als ein lebendiger
"13 1m delphischen Tempe! waren schon vor den 7 Weisen eine Anzahl Katechismus, dem man nachleben konne. Allein die kathol.
Sprucheemgegraben:Aristot.imDialogsnepimiAoo-wiag. Heiligsprechung ist etwas Ahnliches. An Stelle eines Sitten-
228 V Vorlesungsaufzeichnungen Die vorplatonischen Philosophen 229

spruchs tritt ein Mensch. Dabei ist vorauszusetzen, daB es sehr Chilo: dieser habe den Delph. Gott gefragt, wet weiser sei als er:
bekannte Manner waren. Eine gewisse Dunkelheit und Schlau- u. die Antwort erhalten: Myson. — Andere sagen Crésus habe
heit des Orakels zeigt sich darin daB es iiber die 7 nicht véllig den Becher an Pittakus geschickt. Andron erza‘hlt die Argiver
zweifellos redete. Genug, man suchte nach den 7 Weisen: fest h a t t e n d e m We i s e s t e n e i n e n D r e i q u z u m E h r e n g e s c h e n k b e -
5 and sicher war allein Thales Solon Bias und Pittakus: wahr— stimrnt, der Preis sei dem Spartaner Aristodem zuerkannt. Einige
scheinl. waren diese deutlich bezeichnet. Die anderen 3 Ehren- sagen Periander habe dem miles. Fiirsten Thrasybul ein Fracht-
stellen waren zu besetzen: und wir haben einen Wetteifer aller schiff zugesandt: das sei gescheitert u. dort batten die Fischer den
griech. Staaten anzunehmen, einen der ihi'igen in die heilige Liste D r e i f u l g g e f u n d e n . U s w. D i e H a u p t p u n k t e s i n d I ) w e m w i r d d e r
zu bringen. Im Ganzen haben wir 2.2. Manner, denen ein Antecht DreifuB zuerst geschickt (Thales Pittakus Bias) 2) wer bekommt
m zugesprochen wurde. Es war ein groBerWettkampf der Ooqn'u. 1 0 ihn zuletzt 3) was is! die Reihenfolge 4) woher stammt der Drei»
Plato im Protag. 343 nennt Cleobulos, Myson u. Chilon. Fiji- qu 5) W0 aufgestellt? (Milet Delphi Theben) Die Siebenzahl
Myson hat Demetr. Phaler. und Viele Andere den Periander. Oder scheint in der Form dieser Legende [noch nicht] bereits ausge-
Anacharsis oder Epimenides. Letzteren nannte der Milesier Le- pragt zu sein. Wahrscheinl. ist der Grundkern ein oriental. Mahr—
—ander,—der1ug+eidnm—cWolWls Stelle Leophantus hatte. Hermip- chen von den 7 weisen Meistern. Das Charakteristische ist in ihm
15 pus nennt I7 Namen. Pythagoras Pherekydes und Acusilaus o f f e n b a r d i e S e l b s t b e s t i m m u n g d e r We i s e n . D a g e g e n s c h e i n t
kommendaruntervor.MerkwiirdigeEinsichtbeiDicaiarch(La.
I S

historisch zu sein, daS das Delphische Ora kel einige als Weise
I40)(er)nennrdieseManner061:8coqmbg061:8(pilocécpoug, s a n k t i o n i r t e 2 B . M y s o , v o n d e m e s b e i H i p p o n a x h e i E t F r. 7 7
Guveml‘); 52': tlvag Kai vopoeermobg. Dies setzt also einen spezi» Bergk Kai Ml'mow 5v (3)116le | dvainev dvEpdw omcppovécm-
fischenSinnvonampégvoraus,offenbardenaristotelischen,den “cov ndvtmv”. Die verschiedenen Geschichten bei Laert. I 18f.
20 universal-WISsenschaftlicl-ien Kopf. Das waren sie nicht, mit Aus— 2 0 P l u t a r c h S o l o n c . 4 . P o r p h y r. a p . C y r i l l u m c o n t r. J u l i a n u m
nahme etwa des Thales.
I. Buch Schol. zu Aristoph. Plutos v. 9 cf. Menage zu Laert. Ed. I
Schéne, aber variirte Legende 'Liber die Auswahl der 7. Fi— p . 1 8 3 H u e b n e r. M u l l a c h , f r. p h i l . I p 2 0 5 . S e h r w i c h t i g s i n d
scher fischen einen DreifiilLanf, 11nd ‘ ' '
meinde bestimmt ihn fiir den Weisesten. Es kommt namlich bei
25 dem Fange zum Streit: sie schicken nach Delphi u. dort erfolgt 1“ x) Selbstbestimmung der Weisen (Legende)
der Bescheid. jetzt geben sie ihn Thales, der ihn weiter giebt, bis zl das delphische Orakel besLimmt (Verallgemeinerung einzelner Tharv
zu Solon; dieser sagt, der Gort sei der allerweiseste u. schickt ihn sachen)

nach Delphi. — “AleQ Der Arkadier Bathykles hat eine Schale 3) die offentlichen Normen (historisch, abet nur auf Thales bezogen)
La I 2.1 sag: der Phalereer Demetrius babe in der dwuypmpr‘] raw tip-
hinterlassen u. verordnet daK sie dem Weisesten gegeben werde. xévtmv gesagt, Thales sei aIs Damasius zu Athen Archont war 586—5 cooég
30 Jetzt Thales usw. bis sie wieder an Thales zuriickkommt, der sie genannt worden. Das ist der historische Kern. Bewunderung wegen einer
nundemDidyma'ischenApollovermacht.DerSohndesBathy— wissenschaftl. That, Der Ruhm der cowoi scheint an Weissagungen zu han—
cles hat die Schale herumgettagen. ’AM». Einer von den Freunden gen, die in Erfi'illung gehen (Ahnung der Einsichr in die Causalirat der Dinge).

des Crosus habe Von ihm fiir den Weisesten einen goldenen Be. B e i E p i m e n i d e s P h e r e k y d e < s > C h i l e i s : e s n o c h g a n z d a s Wa h r s a g e r h a f t e :
Einnahme von Stadten, Niederlagen, Versinken von Schiffen, Inseln, Erdbe-
Cher bekommen. Er habe ihn zu Thales gebracht usw. bis zu ben vorausgesagt.
' — — 1 — — — — — — * r
Die vorplaronischen Philosophen 231
230 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n

nun die Spruchtafeln, die allméhlich den 7 Weisen zugespro— Xikmv 5’ év K01th AuKaSaiuovr W691 Gsau-rév.
C h e n s i n d u n d z w a r s o d a G i e d e r i rg e n d e i n e n K e r n s p r u c h h a t ,
"0g 8%: Képweov Evms, x0101"; xpa‘résw I'Ispiavlipoq.
a n d e n s i c h i m m e r m e h r a n s e t z e n . A u B e r o r d e n t l . D i ff e r e n z , z B .
Hittmcog obSév (wow, 69 em yévog éK Mttulnvng.
yvdwei camév Spruch des Thales, des Chilon, Bias, oder Apollo Tépuu 6’ opév [3161010 26M»: ispuig év ‘A61'1vaig.
11. Phemonoe. cf. Menage zu Laert. p. 197. Drei Redaktionen "I"on nkéovag Kuxioug as Biag t’mécpnvs lenveug.
sind uns erhalren I) die (des) Demetrius Phalereus (Stob.
’Ey'yx'mv weir/aw a: Gum; Mimcnog ni‘JSa.
Floril. III 19) Cleobulus Solon Chilon Pittakus Thales Bias Pe—
riander. Jeder hat 20 u. mehr Spriiche. Als Kernspriiche vorange— ‘1.
s r e l l t u é r p o v a p i c t o v. u n S i - z v é y a v. w e a l c a u t é v. m n p r y v 6 ) 9 i .
I D é:qu mipo. 5’ ("113115. oi Kleicrm t’iv9pmn0i Kaxoi. psléta 1:6 l" §. 6. Thales. Sonderbare Frage ob er ein Grieche oder eigentlieh
116w. Dann Sammlung des Sosiades (Floril. Stob. HI 80) nieht ein Phonizier ist. Herodot 1, I70 sag: von ihm @dleu) dvépog
nach den einzelnen Weisen geschieden. Eine dritte Sammlung gab Miknuiou, to évémGav yévo; éévmg @oivmog. Clemens
Aldus Manutius aus einem alten codex zugleich mit Theocrit und w Quoan 392 nennt ihn (DOTVIE. 'cc') yévog. Nach einem nichtge-
anderen Schrifrstellern 1495 heraus: cf. Mullach p. 215 Perian’ nannten Autor (Laert. I 2.2.) erhielt er das Burgerrecht in Milet,
1 5 der Bias Pittakus Cleobulus Chilo Solon Thales. Eine vierte als er mit Neleus dorthin kam, der Phoenicien verlassen muKte.
Sammlung liegt Laert. Diog. zu Grunde, der bei iedem seine (ino- In dieser Notiz sehen wir Ernst gemacht mit seiner phénizischen
(peéyuam bringt (nach Apollodor Kepi aipécemv) Aber eine viel Abstammung, die fiir die spiteren alexandrin. Gelehrren von
gréKere Masse ist noch zusammenzusuchen, wie dies Mullach 15 principieller Bedeutung war. Laert. fiigt aber selbst hinzu: nach
gethan hat p. “8—135, zugleich mit einer Menge von witzigen den Berichten der meisren war er ein geborener Milesier, aus Exempel!
2 . 0 Anecdoten. Einen versus memorialis hat die Anthologie Planud. einem der glénzendsten Hansen Némlich aus dem der Theliden Samml.

lib. I c. 86. (Ausonius hat ihn ijbersetzt:


(wie Duris u. Democrit bezeugen) Sohn des Examyes u. der Cleo-
é m d 0 ' 0 6 w : 3 é m K a t ’ E n o c n é l w , o i i vu o u , v 1 1' v . buline Ex 1ch @nxiédw, oi aim (Doivucsg, séyevécmrot tGDV
u é r p o v u é v K k a é l i o u h o g 6 A i v S t o g s i u s v a p i o t o v. 2.0 (ms Kc’tSpoo Kai ’Ayr'wopog: dh. also nur seine Vorfahren gehér-
ten zu den bootischen Kadmeern, welche den kleinasiar. Ioniern
15 "Bingen thut wurgen.“ Oder jesus Sirach: ,,biirge werden hat viele beigemischt waren. Phonizier ist er nur in dem Sinn, als sich
reiche Leure verderbet.“ Epicharmus. ,,Bljrgschaft ist die Tochter der Ver- seine Familie auf Cadmus zuriickfiihrte. Diese Familie ist also
blendung, die der Burgschaft aber Schaden.“ V einmal aus Theben nach Ionien ausgewandert.
5 Spriiehe waren nachweisbar an zwei sich gegenuberstehenden Siulen . 2.5 Uber seine Zeit giebt es zwei feste Punkte I) das Zeung
der aus parischem Marmor gearbeiteten Vorderfront des Tempels angei .
bracht. Ferd. Schulz im Philol. Bd. 14, p. 193 Némlich vai caurév. mm.
des Demetrius Phalereus (in der (ivuypatph raw dpxévrmv), daB
(i'yuv. éyyba m’xpa 8’ dta. 96¢ 11pm ,,Gort die Ehre“ u. das rithselhafve B? . er unter dem Archon Damasias 586—58 5 (50(pr (hvoudan; 2)
das man El [35. y,Gotl: du bist.“ Schulz erklirr: dutch ihn rief der Gott hat er eine wiihrend der Regierungszeit des lydischen Kénigs Aly-
Menschen zu: ndu bis: dh. du bis! ein zwar endliches, aber doch dcnken attes eingetrerene SonnenfinsterniG vorausgesagt Herodot I 74.
selbstbequStes Wesen; handle als ein solches, handle als ein denkendes
30 Dariiber sind entscheidend die Untersuchungen von ]. Zech
n i i n f t i g e s We s e n . "
232 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g c n Die vorplaronischen Philosophen 233

,,astron. Untersuch. iiber die wichtigeren Finsternisse, welche D n r c h m e s s e r h a l b i r t w e r d e z ) d a B d i e Wi n k e l a n d e r B a s i s d e s


von den Schriftstellern des klass. Alterth. erwa'hnt werden“. gleichschenkligen Dreiecks gleich sind 3 dalg die Scheitelwinkel
Leipzig 18 5 3. Dazu A. Hansen VII. Bd. der math. physik. Klass. einander gleich sind 4) daB Dreiecke congruent sind, wenn cine
der sichs. Ges. der W. Leipzig 1864. S. 379. Demnach fiel jene Seite u. zwei Winks] des einen den entsprechenden Stiicken des
FinsterniB auf den 28. Mai julianisch, 7.2. Mai gregorianisch andern gleich sind. Ein Aufenthalt in Aegypten wird jedenfalls
585. Er ergiebr sich daE das crong dwoudoen l'u'ermit zusam— vorausgesetzt. Nach Plutarch Solon z fiihrten ihn Handelsge~
menhingt (nicht mit dem Dreiqu). Dies ist ein fester Punkt, wie schafte dorthin. Der éilteste Zeuge ist allerdings nur Eudemus.
wenige. Seine Geburt hat Apollodor in seiner Chronik (Laert. I Selbst kann es Thales nicht bezeugt haben, da er keine Sehriften
37) auf Olymp. 3 5, I (640—639) gesetzt. Also wire er ungefiihr hinterlassen hat. Natiirlich ist, bei der orientalischen Tendenz der
1 0 5 5 jahre alt, bei jener FinsterniE, gewesen. I O spateren Gelehrten, gerade der 5gypt. Aufenthalt am stéirksten
Er muE politisch ein einflugreicher Mann gewesen sein: betont worden. Die griechische Philosophie soll nun einmal nicht
nach Herodot I 170 rieth er den Ioniern vor ihrer Unterwerfung in Griechenland entstanden sein. Der Phi'mizier mul? nun noch
d u r c h d i e P a r s e r, s i c h z u r A b w e h r d e r s e l b e n z u e i n e m B u n d e s ~ bei den Aegyptem in die Schule gehen. An sich wire es unbe-
staat zu vereinigen: nach Laert. I (2.5me er es, er ie Milesier greiflich, daE ein groKes mathem. astron. Tilent damals nicht
1 5 abhielt, sich durch AnschluB an Crésus die geféihrliche Feind- zu den Aegyptern gegangen ware: damals, wo nichts durch Bii‘
[ 5
schaft des Cyrus zuzuziehen. Freilich soll er (nach Herod. I 7 5) c h e r u . a l l e s m i i n d l i c h z u e r l e r n e n w a r. D o r t f a n d e r a l l e i n d i e
den Crésus auf seinem Zuge gegen Cyrus begleitet haben u. ihm Lehrer, aber auch allein die Schiller fin- seine Entdecknngen.
durch Anlegung eines Canals die Uberschreitung des Halys mog- Sonst hat er, wie ausdrijcklich bezeugt wird, keine Lehrer ge-
lich gemacht haben. — Als Mathematiker u. Astronom steht er I -
habt. Wenn er nur einmal (Tzetzes Chiliad. 869) zum Schiller des
a n d e r S p i t z e d e r g r i e c h . Wi s s e n s c h a f t “ . P r o c l u s s a g t ( n a c h d e m
2 . 0
: L o Pherecydes gemacht wird, so ist das wohl nur ein SchluB ans
Aristot<eliker> Eudemus) zu Euclid p. 19 Gulf]; as anJrov at;
seinem Philosophem iiber das Wasser und die schlammihnliche
Aiymttov ékBrbv usrn'yayev gig 1:1‘1v ‘Ekkésa ‘cfw Gempiav
Materie des Pherecydes.
’ n g . H . SE 3 i . wig . lit—hat mcht geschrleben: dies w1rd direkt mehrW
uer ’ aurbv f)(pT]Y1"]O'O.TO, roig uév Kaeokixérepov éch’tva,
allem aber redet Aristoteles von ihm immer nur nach alten, wohl
To i g 5 s a i a e n r m d n e p o v ( i c h v e r m u t h e e i o m r b r e p o v ) . Vi e r S i t - L e
7-5
2 5
s c h r i f t l i c h e n Tr a d i t i o n e n , e b e n s o E u d e m u s . Z u g e s c h r i e b e n ll
. .

besonders werden ihm beigelegt: I) daB der Kreis durch den


wurde ihm cine vaunm‘1 dotpovouiu (Laert. I 2.3) Dieselbe galt
a u c h a l s We r k d e s S a r n i e r s P h o k u s . N a c h P l u t . P y t h . o r a c . 1 8
w a r s i e i n Ve r s e n : w o h l i d e n t i s c h m i t d e n z o o Ve r s e n f i b e r
‘5 Es war ein groBer Mathematiker, mit dem die Philosophie in Grie- --
chenland anhebt. Dorrher stammt sein Gefiihl fiir das Abstrakte, Unmydaia dorpovou. Laert. I, 34. AuBerdem citirt napi tpom’lg, nepi iam-
sche, Unallegorische. Dabei is! es merkwiirdig daB er, bei seiner antimyth'b 3 0 uepiug. nepi épxdav. Galen Comm. in lib. de natur. human. p. 2.6
schen Gesinnung, in Delphi doeh als der ,Weise“ gilt. — Die Orphiker zeigen
sagt ausdriicklich: at 761p 6n 0(1an (inetpnvuto omixeiov po-
friih die Kraft hochsr abstrakre Gedanken allegorisch auszudriickcn. — Die
. vov eivut 16 65mg) éK ouyypdunarog ai’nof) éeixviwm 013K Exo-
Mathematik u. Asrronomie isr ilter 315 die Philosophie: die Wssenschaft
iibemahmen die Grieehen von den Orientalen. u s v.
T __ ,
234 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 235

Er starb in der 58 Olympiade, nach Apollodor (L. I 37) 6 m g m i m ’ r m g d p x n ' y é g ( p i k o u o e i u g d a s Wa s s e r. E r s c h d p f t e


Ungefa'hr 90 Jahre alt. Auf seinem Bildnisse hat man die Verse diese Meinung wahrscheinlich aus der Beobachtung, daB die
gelesen: Nahrung von Allem feucht sei und daB das Warme selbst hieraus

Tévée 9(1an Milntog ’It‘zg Gpéwao’ dvééstésv w e r d e u n d d a s l e b e n d e We s e n h i e r d u r c h s i c h e r h a l t e - d a s , w o r-


aus ein Anderes wird, ist fiir dieses ein Princip — ferner aus der
5 éotpohéycov ndvrmv npecBétarov cotpiq.
Beobachtung daB der Same seiner Natur nach feucht sei: das
Auf seinem Grabmal dagegen: Prinzip abet, vermége dessen das Feuchte feucht sei, sei das Was—
s e r. “ A r i s t o t . i s t d i e e i n z i g e w a h r h a f t e Q u e l l e d e s t h a l e t i s c h e n
1'1 Miyov 1655 6641a. 16 Se Kkéog oépavéunxeg (f. oépavév
Grundsatzes. Was er als Vermuthung giebt, geben Spéitere als die
131021?
gewissen Griinde. Diese fiigen hinzu, daB auch die Pflanzen aus
to) nokucppovrirmp 105170 @dlnrog 6m]. 1 0

3:?)
mm
A-
d e m Wa s s e r u n d s e l b s t d i e G e s t i m e a u s d e n f e u c h t e n D i i n s t e n
:0 (Betont ist der Astronom als coq>ég.)
the Nahrung ziehen, dag alles Absterbende vertrockne. Jedenv
Uber sein eigentl. Philosophiren sagt Aristot. Metaph. I 3: falls ist es eine naturwissenschaftliche Hypothese von groBem

bloE materielle Prinzipien angenommen, und zwar Thales der

er errith daB es beweisbare Sicherheiten sind, von Formen.


Das philosoph. Denken ist mitten in allem wissensch. Denken zu 1 5 Besonders aber hat seine Phantasie die Kraft schnell die Ahn-

15 spiiren, selbst in der niedrigsten wissensch. Thétigkeit, in der lichkeiten zu schauen: die Reflexion miBt nachher alles an
philolog. Conjektur. Es springt voraus auf leichten Stiitzen: festen Begriffen u. sucht die Ahnlichkeiten durch Gleichheiten,
schwerféillig keucht der Verstand hinterdrein und sucht bessere das Nebeneinander Geschaute durch Kausalitéten zu ersetzen.

Stiitzen, nachdem ihm das lockende Zauberbild erschienen ist. — Aber selbst ein unbeweisbares Philosophiren hat noch einen
Zwei Wanderer stehen an einem wilden, Steine mit sich fortwiil- 2 0
We r t h , w i e d a s d e s T h a l e s : s i n d h i e r a l l e S t i i t z e n z e r b r o c h e n ,
2.0 zenden Wildlmch, der Eine springt leichtfiifs’ig hiniiber die Steine wenn die Logik und Starrheit der Empirie hiniiber will zu dem
im Bache benutzend u. sich immer weiter schwingend, ob sie S a t z e , , a l l e s i s t Wa s s e r “ . E s b l e i b t d a s K u n s t w e r k n o c h i i b r i g ,
auch jéh hinter ihm in die Tiefe sinken. Der Andere steht alle wenn der wissenschaftl. Bau zertriimmert ist. Alle Fruchtbar—
Augenblicke hijlflos da: er muK sich erst Fundamente bauen, die keit, alle treibende Kraft liegt in solchen vorausgeworfenen
seinen schweren bedéichtigen Schritt tragen: mitunter geht dies 2 5 Blicken.
25 nicht u. dann hilft ihm kein Got! Liber den Bach. Ist es nur ein Thales lingst vorbei — aber ein Bildner am Wasserfalle ste‘
unendlich rasches Durchfliegen groEer Riume? Ist es nut die hend wird ihm doch recht geben. Der Mensch kommt erst ganz
gréBere Schnelligkeit? Nein, es ist Fliigelschlag der Phantasie da- l a n g s a m d a h i n t e r, w i e c o m p l i c i r t d i e We l t i s t : z u e r s t d e n k t e r
bei, im Weiterspringen von Méglichkeit zu Méglichkeit, die sie sich ganz einfach, dh. so oberfléichlich als er selbst ist. Die
einstweilen als Sicherheit genommen wird. Hier u. da ergreift es 3 : ) Kunst des Bildners nimmt den Menschen auch nur als Ober—
30 im Fluge auch Sicherheiten: eine geniale Ahnung zeigt sie ihm, Héche.
2 36 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vurplatonischen Philosophen 237

We r t h ” . D e r M y t h u s s u c h t e a l l e Ve r é i n d e r u n g e n n a c h A n a l o g i e nen recht, daB ein weniger fester Aggregatzustand den gegenwéir»


m e n s c h l i c h e r H a n d l u n g e n , m e n s c h l i c h e r Wi l l e n s a k t e z u v e r s t e - tigen Verhéltnissen vorausgegangen sein muG. Hie: is: an die
hen. Hier mag die Bildung des T'hierkérpers aus der fliissigen KantvLaplace—Hypothese (,,Mechanik des Himmels“, ,,Welt-
Form von Samen u. Ei zuerst angeregt haben: so konnte ia alles system“) iiber einen gasfbrmigen Zusrand der Welt zu denken.
5 Fests aus weniger Festem entstanden sein. (Unklarheit fiber Ag- In der gesammten Richtung waren die ionischen Philos. jeden-
gregatzusténde u. chemische Qualitéten). Nun suchte Thales falls auf dem rechten Wege. Es geht‘m eine unglaubliche Freiheit
n a c h e i n e m w e n i g e r f e s t e n u n d r e c h t b i l d u n g s f é i h i g e n S t o ff i E r und Kiihnheit dazu. zum ersten Male die gauze so bunte Welt als
fang! einen Weg an, den nachher die ionischen Philosophen prin— eine nur formal verschiedene Entwicklung eines Grundstoffes
z i p i e l l f o r t s e t z e n . Wi r k l i c h g e b e n d i e a s t r o n o m . T ' h a t s a c h e n i h ~ aufzufassen. Dies ist ein Verdienst, das keiner zum zweiten Male
1 0 in dem MaaGe haben kann.

17 Es ist merkwiirdig, daK noch zweimal in der Naturwissenschaft die Uber alles Andere, was man sonst noch von Thales wissen
Theorie von der Verwandlung des Wassers den wichtigsten AnstoB gegeben will, muB man miKtrauisch sein. Denn es gab untergeschobene
h a t . I m 1 6 " J a h r h u n d e r t w u r d e v o n P a r a c e l s u s a l s U r s t o ff d a s Wa s s e r b e - Schriften zB. nepl tipxc'ov (bei Galen in Hippocr. de tumore I, I,
I ). Daher onI die Satze von der Einheit der Welt, die unendliche
in dieser sei: da es zur Ernihrung der Pl’lanzen diene u. daIin organische
I 5 T h e i l b a r k e i t u . Ve r é n d e r l i c h k e i t d e r M a t e r i e , d i e U n d e n k b a r k e i t
Stoffe u. Alkalien bilde, also auch in diesem Element sei u. da es endlich auch
des leeren Raumes, die Vierzahl der Elemente, die Mischung der
einen Elementarbestandteil der élartigen Kéirper u. des Weingeistes abgebe,
w o r a u s e s d u t c h Ve r b r e n n u n g a b g e s c h i e d e n w e r d e n k f m n e . C u r a u t e m t e r- S t o ff e , d i e N a t u r u . U n s t e r b l i c h k e i t c l e r S e e l e , d i e D i m o n e n u .
ram non inter primaria elementa, lice: initio simul creatam, existimem, causa Heroen, zuniichst in der Pseudoplut. Schrift placit. philos. Ari~
est quod tandem convertibilis est in aquam. Kampf gegen die aristot. Ele- s t o t . f i ' l h r t n o c h a n , d a g d i e E r d e a u f d e m Wa s s e r s c h w i m m e
mente. , (Metaphys. I, 3 De coelo H 13), u. Seneca sagt dalS die Erdbeben
2 . 0

Lavoisier ’s (Ende des 18. jhd.) erste Albeit behandelt die Verwandlung
des Wassers in Erde; ex zeigtdie Unrichtigkeit dieser damals [weir] aJlgen-iein
von der Bewegung dieses Wassers herriihren (Sen. natur. VI 6,
verbreiteten Annahme. Er schlith eine gewogene Menge Wasser in ein Glas- [I] I4) VI 6 eine merkwiirdige Stelle: Thales witd némlich wart-
— g e f é & e k g _ w e l c h e u i a m a l s w w d e u N a m e n _ E e U k a n _ b e k a n m _ w a L u e s o _ b e -
schaffen ist dal? eine Réhre, die oben an den Hals angeschmolzen ist, in den grande navigium et grave his aquis, quas premit“. Darauf: super—
Bauch des GefilZes zur'dckfiihn. Er wiegt dasselbe leer u. mit Wasser gefi'illt,
2S v a c u u m e s t r e d d e r e c a u s s a s p r o p t e r q u a s e x i s t i m a t u s w. H i e r
wiegt sogar das Ganze, nachdem er die eine Offnung durch einen Glasstépsel
verschlossen hat u. destillirt dann das Wasser wihrend IOO Tagen. Die Bil»
muE doch nicht die Schrift napi dpxdw gemeint sein? [diese
dung von Erde beginnt schon nach einem Monat, doch fiihrt er mit der De- scheint] Doch diesele Schrift die dann aber auch Aristot. zu
stination fort, bis ihm die gebildete Menge geniigend erscheint. Nun wiegt er kennen u. aus der er jenen Gedanken zu citiren scheint. Er fiihrt
den Apparat von Neuem. Er finder ihn ebenso schwer wie vorher, woraus er noch an de anima I, 2 nnach Thales ist der Magnet beseelt, da
schlieKt, (13.8 keine Feuermaterie eingedruugen sei; denn sonst, meint er,
3 0 er das Eisen anzieht“. Ebenda I 5, Thales glaubte mivm nk'hp'n
miisse das Gewicht vermehrt worden sein. Er 6ffnet nun, wiegt das Wasser
686w slvm. Dies scheinen alles Nachklinge jener Schrift zu sein.
mit der Erde, findet das Gewicht ethéht, das des Glases abet vermindert.
Dies fiil-Irt ihn dazu anzunehmen, dag das Glas dutch das Wasser angegxiffen Laert. I, 24 sagt: ’Aptmotéhng 8e Kai ‘Imtiag (paciv ubtbv Kai
i
w e r d e u . d a B d i e E r d b i l d u n g k e i n e Ve r w a n d l u n g , s o n d e r n e i n e Z e r s e t - tot; dwbxmg 8156vm wuxt‘xg tsxpalpépevov éK mg M600 Iflg
zung sei. uuywiuéog mi 101‘) nléxrpou. Also Hippias verbiirgt bereits die
238 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 239

Existenz einer Thaletischen Schrift: denn was bedeutet eine Tra— Diese Briefe sind fiir die persénliche Geltung eines Philosophen
d i t i o n ? We t s o l l h i e r t r a d i r e n ? I n d e r A r t w i e A r i s t o t . s o l c h e 1m spéiteren Alterthum immer anziehend: mitunter auch, weil
Sitze citirt, zeigt sich dalg sie ziemlich zusammenhanglos als Be- ihre Autoren noch einiges mehr wissen, zB. bei den Heracliti-

-‘‘ia‘ljyl-l‘n‘f‘kmr
1“ ‘
hauptungen neben einander standen, so daG die Griinde erst im- schen Briefen, wie dies jacob Bernays nachgewiesen hat. I 122
mer errathen werden muEten. Also es gab keine Schrift des Tha- ist die Riickantwort des Pherecydes, in der er Thales die Heraus-
l e s , a b e r e i n s e h r a l t e s Ve r z e i c h n i B v o n H a u p t s i i t z e n i n F o r m gabe seiner Schriften iibertréigt u. von seiner L‘alusekrankheit er-
von @01an (2)1161], (Buan étpn, usw. als dnouvnpovebuum, ohne zéhlt. Ein Brief des Anaximenes an Pythagoras II, 4 erzéhlr den
Griinde Oder selten mit Griinden. Nur so verstehen wir den Ein- To d d e s T h a l e s : e r s e i N a c h t s v o n e i n e r K l i p p e g e s t i l r z t . “ Wi r
klang zw is chen S eneca u. A ris toteles . Bes onders aus driicklich als abet, seine Schiller, wollen uns des Marines nicht allein erinnern,
1 0
anoweéwam bezeichnet solche Séitze Aristot. de coelo lib. II 13 1 0 sondem auch noch unsere Kinder und Zuhérer mit seinen Reden
oi 8’ écp’ 66mm; Kain-9m ((paci 1:1‘1v yiiv)‘ robrov yép (ipxcuéw- unterhalten. Thales soll irnmer der Anfang unserer Gespréiche
t o v n u p m k m p a p e v t c ‘ w K é y o v, 6 v ( p a o w e i n s i v 0 9 a n 1 6 v sein.“ I-Iier wird auf Séitze, A6701 des Thales hingewiesen. Eine
Miknoiov, (1); 51d 16 “Amnv elven uévoucuv (“hemp Ebkov i1 a n d e r e A r t s e i n e s To d e s b e i L a e r t . I 3 9 : e r s a h i n h o h e m A l t e r
IOLODTOV §1£pov. D33 es Verzexchnisse von unopvnuov. des Tha- g y m n i s c h e n We t t s p i e l e n z u u . s t a r b v o n H i r z e D u r s t L i n d
’ 5 les gab, beweist endlich auch Plato Theaet. p. r74 A champ Kai 1 5 Schwachheit entkréiftet.
@ u k f l v d c r p o v o u o b v w K a i ( ’ i v m Wy é n o v w, n s o é v w. S i g ( p p é a p ,
@pfnrd TIQ (initiaan Kai xapiacua Gspanawig (ivan’Kdiwm Mys-
ml, 63g tc‘t uév év 013pqu npoGUuoiro siSévul, rd 5’ €|11Ep0698v
(113101") Kai napd néSa; Xavedvm ab‘rév. Endlich Laert. lib. I, 24 §. 7. Anaximander. Wieder ein Milesierls, Sohn des Praxia—
2 0 évrm as Kai ai’m‘w npu‘nov ainaiv tpamv dBQthoug the “timing, des, eine angesehene Stellung verbiirgt die Nociz bei Aelian Var.
ciw écm Xotpikog 6 nomth Also einzelne Sétze werden durch Hist. III 17 daB er Fuhrer der milesischen Kolonie in Apollonia i:

Choirilus Hippias Aristoteles verbiirgt, eine Anekdote durch gewesen sei. Sonst weiE man nichts iiber sein Leben, aber vieler-
2 0 maim- ‘ Lehre.Ger3de—mngekehrt—Wte—bei—'Fhales—Naeh—r‘ ' . i:
den Griinden nur vermuthungsweise. Jene Sammlung von Sétzen Apollodor isr er Olymp. 58, 2 (547—546 v. C.) 64 Jahre alt gewe-
7-5 hehandelt aber Aristot. als glaubwiirdig. Sie mug sehr alt sein. sen”: eine Notiz. die sich auf ein festes EreigniG bezieht, [wahr-
— N e u e s t e S c h r i f t : F. D e c k e r, d e T h a l e t e M i l e s i o , D i s s . H a l l e scheinl.] méglich? wohl die Abfassung u. Vollendung seines Bue
186 5. Dazu Krische Forschungen auf dem Gebiete der alten Phi-
losophie I p. 34. — Bei Laert. finder sich I, 43 ein Briefchen des
Thales an Pherecydes u. an Solon. Bemerkenswerth is: fiir diese ‘3 Uber seine Persénlichkeit wichtige Notiz, bisher iibersehen L. VIII 7:).
3 D pseudepigr. Brieflitteratur, dag Thales ausdriicklich sich als 19 5 8,2
01. 41,3 éyévzto nach I-Iippolyt. dh. nach Apollodor
,,nichtschreibenden“ bezeichnet: er will nach Syros kommen, dz
er schon um Forschungen anzustellen nach Creta u. Aegypten 58,2 16

gesegelt ist: er schreibe nichts sondern durchreise Griechenland 4

u . A s i e n . D a n n l a d e t e r, i m a n d e r e n B r i e f , S o l o n z u s i c h e i n . 64
' — a ' — — — _ _ _ _ H
240 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 241

ches nspi oboamg (wie bei Democrit? Oder Schiefe der Ecliptik? A15 dpxi‘i — ein Ausdruck, den er zum terminus machte — be-
P l i n i u s , I I 8 n e n n t O l y m p . 5 8 ) D i e s e s We r k i s t d a s e r s t e s e i n e r trachtet er to finzipov. Man mufg sich dutch diesen Begriff nicht
Art! Themistius Orat. XXVI p. 317 Harduin sagt éedpmcs verwirren lassen, wie es den Alten gelang, die viel spiter er-
npo'nog — ’Eanwv Mwov éisvsyxsiv nspi (pécramg @778- kannte Probleme an ihn heranhrachten. Es ist schlirnrn daB die

5 y p a u u é v o v. 1 ' 1 i n 5 ‘ 5 g i g 6 v e 1 8 0 ; K a O e u m i K S i 1 : 6 A é y o u g ( m y - e i g e n t l . B e g r i ' m d u n g e n i n d e r S c h r i f t f e h l t e n . D a h e r d i e d i ff e r i -
ypéupsiv Kai 06K évopiCsto wig npéoesv "Elknci. Welcher Art r e n d e n A n s i c h t e n i m A l t e r t h u m e . Wi t s t e l l e n e r s t e i n p a a r f e s t e
aber die Schrift war, zeigt uns der Ausdruck des Laert. H, 2 163v Séitze hin (nach Aristot. Physik HI 4) to (insipov mapiéxsl
5: dpecxévmw (1131.11) nanoin‘rm quiuluioban 1:1‘1v éxBaow, i’gnsp { i n u v m K a i m i v t a K u B s p v Q ' d e d v m o v y d p é o n K a i d v é k e e p o v.
nspié‘ruxs Kai 6 ’AnokkéSmpoq (3 ’Aanaiog. Hier wird nicht D u t c h A u s s c h e i d u n g h a b e n s i c h z u e r s t d a s Wa r m e u n d d a s K a l t e
10 von einem Auszuge seiner Schrift gesprochen, sondern die Schrift 1 0 getrennt. Aus der Mischung dieser beiden sei das Fliissige hervor-
(die h6chst seltene) selbst bezeichnet als die Zusammenstellung gegangen, das Wasser galt ihm als Samen der Welt. Plut. bei Eu-
der Hauptsétze (nichr Darlegung), also 5hnlich wie die vorauszu- seb. praep. evang. I, 8, I. Aristot. nspi perecilpmv II I. Also that
sexzende des Iba as. :11]: dalB er die Eorm erfand ii. in eigner e r z w e i S c h r i t t e i i b e r T h a l e s h i n a u s : a l s P r i n c i p d e s Wa s s e r s

Person redete. Einjge merkwiirdige Reste, durc_h seinen Dialekt Wia'rme und Kilte, als deren Princip n5 awaipov, die letzte Ein—

15 gekennzeichnet haben sich bei Aristot. u. Simplicius erhalten. I s heit, der MutterschooG des fortwéihrenden Entstehens. Dieses
Eine ist allein ewig, unerschépflich, unverderblich: abet nicht
We n n S u i d a s s a g t é y p a w a n s p i ( p é c r s w g , m g n e p i o é o v, n s p i r a w
nur die eine Eigenschaft des Unerschépflichen liegt in seinem
d u k a v c b v K a i m p u i p a v K a i é M a n v d , s o i s t d a s e i n e Ve r w e c h s -
N a m e n a u s g e d r i i c k t . A l l e s A n d r e w i r d u n d v e rg e h t : m e r k w i i r d i g .
lung. Von ihm nia'mlich heiBt es Laert. II 1 Kai yng Kai eakdomg
tiefsinniger Satz (bei Simplic. ad Phys. Aristot. 6, a in: 03v 5‘s
n e p i p e r p o v n p c b r o g e y p a w e v, 6 t h m i c o a i p a v K u r s c x s b a c s ,
2 0 yévsoig €611 wig 06m Kai n‘w (popdiv Sig Imfna yiveoeat, Kurd
10 also eine geographische Karte u. eine Himmelskuge]. Die Erfin-
If) xpedw. Biéévat ydp 0:61:61 ricw Kai. SiKnv trig dSIKiag Kurd
dung der Sonnenuhr reduzirt sich wohl darauf, daB er sie bei
n ‘ l v 1 : 0 6 x p é v o u t d i w. H i e r s e h e n w i r c i n e f a s t m y t h o l o g i s c h e
den Hellenen (in Lakedémon) eingefijhrt hat: yvcbpcov. Die Baby- \

lonier besaBen sie lingst nach Herodot II 109. Plinius II 76


Sein: daher ein Unrecht, daher mit der Strafe des Unterganges
schreibt es dem Anaximenes zu. Wie sein Ve r h é l t n i E zu Thales
1 5 belegt. Hier erkennen wir die Einsicht, daG alles, was wird, nicht
2.; war, kénnen wir fast errathen, wenn er auch nicht émipog
w a h r h a f r i s t . A u c h d a s Wa s s e r w i r d : e r g l a u b t e s w o h l b e i B e -
y v c b p i u o g u s w. b e z e i c h n e t w u r d e . E r m u E t e a l s M a t h e m a t i k e r u . riillrung von W'airme u. Kéilte entstehen zu sehen. Also kann es
Astronom bei seinem beriihmten Landsmann lernen, bei dessen nicht clas Princip, die (1mm sein. Auch Wérme u. Kilte verfliichti—
beriihmter Sonnenfinsternig er in der Mitre der Zwanziger Jahre gen sich, sodann sind sie zwei. Also braucht er eine dahinterste-
war. Dazu zeigt sein philos. Princip clas Weiterdenken des thaleti- 3 0 h e n d e E i n h e i t , d i e n u : n e g a t i v z u b e z e i c h n e n i s t : t o é n a t p o v,
3o schen Gedankens: da dieser aber nicht schrieb, haben wit miind— etwas dem kein Préidikat gegeben werden kann aus der vorhan-
liche Tradition vorauszusetzen. An sich sind die Berichte iiber d e n e n We l t d e s Wa r d e n s , s o e t w a s w i e d a s , , D i n g a n s i c h “ . E s
die éiltesten Siaéoxui sehr willkiirlich mach spé'teren Mustern ge- war dies ein ungeheurer Sprung des Anaximander. Seine Nach-
macht. Philosophenschulen gab es damals nicht. f o l g e r g i e n g e n l a n g s a m e r. D a s l n d i v i d u u m , d a s s i c h v o m " A m a l -
+ 7
242 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplaconischen Philosophen 243

pov losgelést hat, muE endlich dosh wieder an dasselbe zuriick- schen Luft u. Feller Phys. I 4 annehmen: es ist rein willkiirlich,
f a l l e n , i n d e r O r d n u n g d e r Z e i t K u r d r h v t o “ ) x p é v o u t d é w : I l L u ' a n A n a x i m a n d e r z u d e n k e n , j a g e r a d e z u f a l s c h u n d d e m We s e n
f i i r d i e s e I n d i v i d u a l - w e l t g i e b t e s e i n e Z e i t , d a s " A n s t p o v s e l b s t d e s t ’ i n e i p o v Wi d e r s p r e c h e n d . D i e C o m m e n t a t o r e n h a b e n a b e r
i s t z e i t l o s . E i n e h é c h s t e m s t e We l t b e t r a c h t u n g : a l l e s We r d e n d e A r i s t o t . n i c h t v e r s t a n d e n : e r m e i n t e n i c h t A n a x i m a n d e r. D e n n e r
5 u. Vergehende biiBt, muB timg und Sixn 11']; 65min; geben! Wie ,- sagt, alle welche ein solches Mittelwesen annehmen, lassen die
k a n n e t w a s v e rg e h e n , w a s e i n R e c h t h a t z u s e i n ! N u n s e h e n w i r . D i n g e d u t c h Ve r d i c k u n g u . Ve r d i i n n u n g e n t s t e h e n . G e r a d e v o n
a l l e s i m Ve rg e h e n , f o l g l i c h a l l e s i m U n r e c h t . D e m , w a s w a h r h a f t ‘ Anax. sagt er aber Physik I, 4, er habe die Dinge nicht dutch
i s t , k é n n e n Wi ! ’ a l s o n i c h t d i e P r a d i k a t e d e r v e rg e h e n d e n D i n g e 1 Ve r d i i n n u n g u . Ve r d i c k u n g e n t s t e h e n l a s s e n . - E b e n s o i r t t h i i m -
beilegen: es ist etwas anderes, fiir uns abet nur negativ 211 be- lich ist der noch bis jetzt fortgefiihrte Streit, ob Anax. das (11:21-
xo zeichnen. Hier waren eine Mange Probleme wachgerufen: wie lo pov als Mischung pi.pr aller vorhandenen Stoffe oder als unbe-
k a n n d i e I n d i v i d u a l w e l t e n t s t e h e n ? We l c h e K r a f t i s t e s , d i e e i n e » - ‘ s t i m m t e n S t o ff g e f a E t h a b e . D a s R i c h t i g e i s t d a G d a s ( m a i p o v '
Entwicklungausdemeinen"Angipovmiiglichmacht?Wasist3mitkeinerunsbekanntenQualit'aetwas
t gemeinhat,deshalb
d a s We r d e n ? Wa s d i e Z e i t ? D e r E i n f l u B d e r e r s t e n S c h r i f t m u g - - p i a ( p 6 6 1 ; d é p t o t o g i s t , w i e T h e o p h r a s t s a g t : u n b e s t i m m b a r “ ’
ungeheuer gewesen sein: det Anstolg zu der Lehre der Eleaten ' fiir uns, dabei aber an sich natiitlich nicht unbestimtnt. Also ,l =v
IS ebenso als zu der des Heraclit, des Empedocles usw. war hier ' ‘ 15 nicht ein Stoff ohne bestimmte Eigenschaften, noch weniger ein
gegeben. Dazu war hier die Frage nicht mehr rein physikalisch, ' Mischungsprodukt aller bestimmten Eigenschaften der Dinge, i
sondern die Entstehung der Welt, als cine Summe von abzubii- sondern etwas drittes, was fiir uns freilich (’inmpov ist. Nun is: l} I
Benden dSIKiai eréffnete einen Blick in die-tiefsten ethischen Pro- Aristoteles durchaus nicht ganz korrekt in seinen Besprechungen n
b l e m e . T h a l e s w a r h i e r m i t u n e n d l i c h i i b e r b o t e n : i n d e r S c h e i - , d i e s e s P u n k t e s : e r s a g t M e t a p h . X I ] 2 K a i t o D t ’ é c t i t c ‘ ) ' Av u é u -
m d u n g e i n e r e w i g e n , f i i r u n s n u t n e g a t i v z u b e g r e i f e n d e n We l t d e s 2 0 y é p o u E v K a i ‘ E p u t a S o x A é o u g r c ‘ ) p i w u K a i ' Av a é i p d v f i p o u . D i e s _
S e i n s v o n e i n e r w e r d e n d e n u . v e rg e h e n d e n We l t d e r E m p i r i e l i e g t i s t a b e r d i e e i n z i g e S t e l l e , d i e i r r e f i j h r e n k é n n t e : e n t w e d e r i s t e s m i
e i n e u n e r m e B l i c h w i c h t i g e F r a g e s t e l l u n g , m a g n u n d e r We g , e i n s e h r u n g e n a u e r A u s d r u c k , d e r s i c h a u f c i n e g a n z e n t f e m t e l “ .
I' I. I ' I ' v . ' I I' .._ V .1. ‘ u - I I I‘ ' ' I' V I'I. V I‘A I.‘ I I
ben die spateren aristotel. Philosophen den Ernst dieser Frage eine Liicke anzunehmen, in der 1:6 duaipov stand. Ubrigens lag ‘
25 gar nicht begriffen: denn sie streiten sich iiber rechte Nebendinge 25 ein MiEverstéindniE (dutch die Lehre des Anaxagoras) sehr nahe: l;
bei Anaximander: vor allem darijber, was das nun eigentlich fiir ‘ aber cine wértliche Stella des Theophrast (Sirnplic. Physic. 6, 6) :‘l
ein Stoff gewesen sei, das fineipov. Da soil es ein Mittelding zwi- 5 sagt ganz ausdriicklich, Anaxagoras stimme in Betreff des Ur- Ii
s c h e n L u f t u n d Wa s s e r s e i n , z B . A l e x a n d e r A p h r o d i s i e n s i s a d . ' s t o f f e s n u t i n d e m F a l l e m i t A n a x i m a n d e r i i b e t e i n , w e n n s t a t t [
Aristot. Metaph. I, 5 u. I, 6 oder zwischen Luft und Feuer. Ari- 1 einer Mischung aus bestimmten und qualitativ verschiedenen ill
3 0 s t o t e l e s h a t w o h l d e n A n s t o i ? g e g e b e n d e c o e l o I I I 5 é v w i y d p 1 3 0 S t e f f e n e i n S t o f f p i c ( 1 3 6 0 1 4 d é p m t o g o h n e b e s t i m m t e E i g e n s c h a f ~ Vi ,
§ v u é v o v b u o r i O s v t m K u i t o f r r o o i u é v 1 3 5 0 3 9 , o i 5 e d é p u o i ' I , t e n a n g e n o m m e n w e r d e . A n d i e s e a u s d r i i c k l i c h e E r k l a r u n g Vi :
5 e 1 : 1 3 p , o i 5 E B S a n g u é v l s n t é t s p o v, d é p o g 5 : 1 : n q u é t e p o v 6 s c h l i e B e i c h d i e F r a g e n a c h d e r B e d e u t u n g v o n t i ) ( i n s i p o v. D i e
n e p t é x s w ( p a c i m i v w g 1 : o n o b p a v o b g é n e t p o v 6 v. E r s a g : n i c h t , A l t e n u n d d i e N e u e r e n n e h m e n a n d a E e s , , d a s U n e n d l i c h e “ ,
wer diese sind, nennt auch die nicht, die ein Mittelwesen zwi- ' einen der Masse nach unendlichen Stoff bezeichne. Zugegeben
2 4 4 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 245

wird, dag im Begriffe jedenfalls auch In déptmov liege, nicht bracht, und sind jenem Satze von der timg u. (15mm gerecht
aber im Worte: wahrend bei den Pyrhagoreern es dem Worte geworden. Freilich missen wir dann annehmen, dafg If) (inalpov
nach eben nur das Unbestimmte bezeichnet. Der einzige Grund bisher nicht verstanden worden ist. Es heiGt nicht ,,das Unendli-
fiir diese Interpretation ist eine kurze Bemerkung aus dem apho— Che“ sondern ,,das Unbestimmte“. -—
ristisch gehaltenen Buch des A. Stob. Eclog. I, 292 Aé'yet 015v 5 D i e a n d e r e n p h y s i k a l . L e l u ' e n s i n d i m Ve r h é i l m i G z u d e r G r u n d -
5161 If énatpév éonv; iva unBév élksim] 1'1 ya’vemg f1 Swam- b e t r a c h t u n g w en ig er w ich tig : w ir s eh en ih n h ier au f d en S ch u l—
uévn. Dieser Satz setzt Aristot. Physic. III 8 voraus: wo er gegen t e r n d e s T h a l e s . A u s d e m l i n s l p o v d a s Wa r m e u . K a l t e , d a r a u s
den Gedanken polemisirt: der Urstoff miisse unendlich sein, das Wasser: von hier aus ist er nur der Fortsetzer des Thales, mit
wenn es méglich sein solle daB immer neue Wesen daraus her- dem er sagt 66mg: (papevog given 16 MW (cf. Kern Philologus
I 0
vorgeheu. Dieser SchluK ist njcht richtig, aber Aristot. traut ihn IO XXVI 2.81 nach Theophrast nepi Meliccou) Dreierlei sondert
dem Anax. zu. Demnach hat er in jenem Satz 1:6 (malpov als sich aus dem Fliissigen ab: die Erde, die Luft, der Feuerkreis,
,,unendlich“ ,,unendlich grofs’“ verstanden. Aus der Abteilung der das Ganze, wie eine Rinde den Baum, umgiebt. Der feurige
seines Princips folgt aber nur, daG das Charakteristische seines Umkreis zersprang ha‘ufig: das Feuer wurde in radférmige Hill—
Princips gerade f1 uoptctog :1)qu lSt. Die Unendlichkeit ist ein sen von verdichteter Luft eingeschlossen, aus den Naben dieser
1 5 Gesichtspunkt, der viel ferner liegt: es ware wunderlich, wenn 1 5 R i d e r s t r é m t e s a u s . Ve r s t o p f e n d i e s e N a b e n s i c h , s o e n t s t e h e n
nicht nach dem Charakteristischen, sondern nach etwas Acci- Sonnen— u. Mondfinsternisse: Abnahme und Zunal'ime des Mon-
dentiellem das Princip benannt ware. Nun beruht abet jener des hingen damit zusammen. Das Feuer wird dutch die Ausdiin-
Glaube an 1:6 anslpov als ,,unendlich“ eben nur auf jenem Satz, stungen der Erde genéihrt: dutch die Sonnenwéirme wird die Erde
der einmal nicht logisch ist, wie er interpretirt wird und zweitens ausgetrocknet. Die Sterne hat A. 2115 die Gétter bezeichnet (die
1 . 0
noch anders interpretirt werden kann. Der Grundgedanke 20 Bewohner des Himmels): merkwiirdig dieser Zug, der von nun
des Anaxim. war ja: alles Werdende vergeht, kann also nicht a n i m m e r w i e d e r k e h r t : e i n e R e k t i f i k a t i o n d e s Vo l k s g l a u b e n s
Princip sein: alle Wesen mit bestimmten Eigenschaften sind wer- durch die Naturwissenschaft, nicht eine Freigeisterei. Eine volle
a‘n’.cn(a.ri,..,. --.!A‘..i.._ _____ _ ’i ' '
I.
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genschafren nicht haben: sonst wiirde es zu Grunde gehen. Also das ist ein IVItierstéindnjE des analpov: was hat sonst der Feuer—
7-5 ,,warum mug das Urwesen (inalpov, déplarov sein? Damit das 1 5 k r e i s a l s R i n d e d e r We l t k u g e l z u b e d e u t e n ? S i m p l i c . S c h o l . i n
Warden nicht aufhért. Bei jedem bestimmten Wesen wiirde das Arist. 505, 21, x5 rechnet A. zu denen, welche die Welt fiir be-
Werden irgendwann zu Ende sein, weil alles Bestimmte unrer- grenzt hielten. Mir einem MtierstandniK seines Princips hangt
geht. Die Unsterblichkeit des Urwesens liegt nicht in seiner Un- d i e F r a g e z u s a m m e n , w a s e s h e i f s e d a B e r , , u n z é i h l i g e We l t e n “
endlichkeit, sondem daran daB es der bestimmten, zum Unter- angenornmen habe: niimlich so coexistirende oder nach einander
3 0 gang fiihrenden Qualitéten bar ist. Ware das Urwesen 6 p1- 3° existirende. "Angipot Kéo‘pot stand fest: in dem einmal ange-
c r b v, s o w a r e e s a u c h y t y v é p e v o v : d a m i t a b e r w a r e e s n o m m e n e n , , U n e n d l i c h e n “ h a b e n w o h l a u c h n u n z a h l i g e “ We l t e n
zum Untergang verurtheilt. Damit die yévamg nie aufhért, Platz. Z.B. Simplic. de coelo 91, 6, 34 ’AvaiiuavSpog uév ("mel—
muG das Urwesen iiber sie erhaben sein. —Damit erst ha- pov rd) peyéem rhv ripan Bépgvog, énaipoug ég (16:06 III)
ben Wir Einheit in die Erklarung des Anaximander ge- HMGSI Kécpouq notsiv Semi. Zeller I p. 2.00 urtheilt, die zahl-
246 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 247

l o s e n n e b e n e i n a n d e r b e s t e h e n d e n We l t e n s i n d d i e G e s t i r n e . §. 8 Anaximenes. Ebenfalls aus Miler, Sohn des Eurystratus.


Diese Erkléirung halte ich fiir falsch u. iiberhaupt die Zeugnisse Sonst wissen wir nichts. Das eigentliche Problem ist seine Zeit
fiir eine Coexistenz der (trumpet Kécpm fiir irrthiimlich. Richtig und sein angebl. Schiilerrhum bei Anaximander. Der zutrauens—
s i n d d i e S é t z e , w e l c h e e i n e n We l t u n t e rg a n g v e r b i i rg e n : d a f S d a s werthe Apollodor (Laert. II 3) [macht ihn] sagt er sei geboren
Olymp. 63 (529—52 5 v. Ch.) und gestorben um die Zeit der Er-
Meer allmiihlich abnehmen u. austrocknen, daK die Erde allmiih-
lich durch Feuer zerstért werde. Also diese Welt geht zu Grunde: oberung von Sardes (das ist die Eroberung dutch die Ionier unter
a b e r d a s We r d e n h a r t n i c h t a u f : d i e n i c h s t g e w o r d e n e We l t m u ] ?
Darius Olymp. 70 (499) Demnach wéire er ungefz'ihr 30 Jahr alt
auch zu Grunde gehen. Und so fort. Also giebt es zahllose Wel—
geworden und zeitig gestorben. Nun glaubt kein Mensch an diese
ten. — Die Entstehung der lebenden Wesen dachte sich A. 50. Die
Angabe u. alle nehmen eine VerderbniB an. Nach jener Angabe
1 0 néimlich kann er nicht Schiller des Anaximander sein, der bald
I O Erde bildet sich aus einem flijssigen Zustande, die Feuchtigkeit
vertrocknet durch die Einwirkung des Feuers, der Uberrest salzig nach 58, 2, d. h. 547 v. C. stirbt, also c. 20 Jahre vor der Geburt
des Anaxirnenes. Ist diese Angabe richtig iiberliefert, so leug-
u. bitter geworden rinnt in der Meerestiefe zusammen. Ihre Ge-
nete Apollodor das Schiilerthum, er leugnete die 51(1-
] E...[.u_.l 1.]. L.HE. f
60m des Anaximenes. An SlCl’l miissen Wll' nun gegen diese
der oberen Fliche befinden wir uns. Aus den) Schlamme die
1 5
élteren SlaSOxai héchst miBtrauisch sein: es ist ganz unmetho-
Thiere: auch die Landthiere, sammt dem Menschen, urspri'mglich
1 5
disch, die Angaben zu bevorzugen, die das Schiilerverhéiltnilg
fischartig, seit Abtrocknung der Erde entsteht die spéitere Ge-
méglich machen. Wenn aber die Notiz bei Laert. ganz vereinzelt
stalt.
stiinde, 50 wire man doeh wohl berechtigt einen Fehler der Uber-
Zur Gesammtbeurtheilung. Wichtiger Schritt fiber Tha-
lieferung des Laert. anzunehmen. lch stelle die Frage: giebt es
les hinaus: Annahrne einer metaphysisch wahrhaft seienden ei- 1 . 0 eine Notiz, die jene Zeitbestimmung des Apolloclor unterstiitzt?
2 . 0 n e n We l t i m G e g e n s a t z z u r w e r d e n d e n u . v e r g e h e n d e n p h y s i - Ja: La. 1] 3 ivtot 5: Kai HapusviSOU (paciv (ixoDGm ubtév. Nun
schen. Das qualitativ Unbestimmte als Urstoff: ihm gegenijber ist die Bliithezeit des Parmenides nach Apollodor Olymp. 69.
. I -' '9‘ IIII‘ II. ‘ ‘ I'I'" tit 0‘

h a f t e t , A u f s t e l l u n g d e r F r a g e n a c h d e r We r t h s c h é i t z u n g d e s D a - menes unsinnig u. nur zu vereinigen mit der Geburt Olymp. 63


seins (der erste Philosoph Pessimist). Die einstmalige Vernich- 1-5 db. er hért 20 Jahre alt den Parmenides. Daraus entnehmen wir,
2-5 rung der Welt, die unendlichen Welten nach einander Conse- dalg iene Angabe bei Laert. nicht auf einer Corruprel beruht. Wir
quenzen dieser Betrachtung. Sonst ist er Fortsetzer der physiolog. werden aber sogar sehen, wet der Biirge fiir jene Angabe ist.
T h e o r i e d e s T h a l e s , d a E a l l e s a u s d e m Wa s s e r e n t s t e h t . D a s i s t Nach Laert. 1X 21 bezeugt Theophrast in seiner cpucmcf] (Utopia
nicht seine eigentl. GréBe, sondern die ErkermtniE, daB aus ir- daB Parmenides den Anaximander gehérr habezo. Nun bliiht
gend einem vorhandenen Stoff sich die Urentstehung der Dinge ) 0 Anaximander Ol. 58, z, 64 Jahr alt. II Olympiaden spéter ist
3 0 nicht erkléren lasse: er fliichtete bis in n‘) (iépw'mv. Sein Nach- d i e B l i i t h e d e s P a r m e n i d e s , a l s o 4 4 J a h r e s p i i t e r. N e h m e n w i r
folger P Anaxirnenes ist jedenfalls eine wait geringere u. unorigi-
nellere Natur, als Philosoph u. Metaphysiker, aber weit bedeu— 3° Suidas Hapuzviéng * 6); 8t Gebwpuo‘tog, 'Availptivépou 1:00 Mtk'rr
tender als Naturforscher. o‘iou, dies ist nicht aus Laertius gewonnen, wie Zeller l, p. 468 meinr.
._~
Z48 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g c n Die vorplatonischen Philosophen 249

Parmen. damals als Zuhorer des Anaximander zojéihrig, so bliiht men, um zwischen Anaximander u. Anaxagoras eine Briicke zu
er 44 Jahre spiter, also wiederum 64 Jahre alt, Ol. 69. jetzt fiigt machen. Apollodor mug consequent auch dies geleugnet haben,
sich die Notiz ein, die wir jedenfalls auch Theophrast zutrauen dag s ein Schiiler Anaxagoras war. Denn Olymp. 7o stirbt Anaxi-
miissen, dag nun bei Parmenides wieder Anaximenes home, menes, u. Anaxagoras wird geboren. Also steht, nach Apollo-
dor, Anaxagoras fiir sich, ohne Siaéoxf] (AnschluB an
:0 Jahre alt“.
einen friiheren). Jene, die an die 81(15011'1 glauben, sind geno—
Also 01. 58,2 bliiht Anaximander (64 Jahre alt). Bei ihm thigt, seine Bliithe bereits Olymp. 7o zu setzen: in welchem Jahre
hon zoiéhrig Parmeru'des. er nach Apollodor geboren ist. Also Anaximenes wird zuriickda-
69 bliiht Parmenides (64 Jahre alt). Bei ihm hort tirt, Anaxagoras zuriickdatirt, alles zu Gunsten der ionischen
Anaximenes zojéhrig. I O Siaaoxnzz!
I O Die Zeitbestimmung ist so einheitlich, dag wir sie einer Hier schalte ich gleich eine Tabelle von Zeitanséitzen Apollo-
dors ein:
Quelle zutrauen miissen, Theophrast, fiir uns der éiltesre Zeuge.
Wichtig, weil dieser éilteste Zeuge somit die Siaéoxr‘] Anaximan» 01. 3 5, I Thales geboren,
4o Xenophanes geboren
gemacht, um diese zu erkléiren. Ein fester Punkt war die Erobe- ‘ 5 42, 2 Anaximander n
rung von Sardes: man sah sich nach einer anderen élteren um,
1 5
6 3 Anaximenes u (der also, um Schiiler des Parme-
nach der Eroberung durch Cyrus Olymp. 58; dahin versetzt zB. nides zu sein, in Elea gewesen
Hippolyt Refut. I, 7 seine Bliithe, ebenso Suidas (wo yéyovs = sein 111118),
impinge) u. we fl'ir ve' vn' zu schreiben ist. Um also die 514180111
69 bliiht Parmenides u. Heraclit
zu rechtfertigen, gieng man zu einer élteren Eroberung zuriick u. 1 0 7o Anaxagoras n
2 . 0 versetzte die Bliithe des Anax. dahin. Dann aber fiele die Bliithe 80 Democrit u
des Anaximenes u. des Anaximander zusammen, u. so werden
sie zu Genossen oder Freunden gcmacht Simpl. de coelo 373 b Also hat schon Apollodor (jedenfaUs nach Eratosthenes) die 81a-
Euseb. praep. evang. X 14, 7. Wit halten natiirlich an Theo- 50xm einer scharfen KrEik unterzogen u. wn' miissen uns ihm

phrast und Apollodor fest und leugnen das Schiilerthum. Dagev :


2 5 gen eroffnet sich cine tiefe Perspektive dutch das Schiilerthum ’1 Zu den Zuri'lckdarirenden gehort auch Antisthenes, der IX 52 Dioge-
des Parmenides bei Anaximander. DaB aber Anaximenes den nes zum Schiller des Anaximenes mach: und I'w Sé év mig xpévmg Kurd
Parmenides hone, ist auch nicht gleichgiiltig und wirkungslos ‘ Av u é u y é p u v.
Dieser Diogenes ist also an eine falsche Stelle gekommen u. mit einem
fiir sein Denken geblieben: er ist abet [ebenso] uicht wie Hippo
Diogenes Smyrnaeus verwechselt. Diocles fand Democrit
Idaeus u. Diogenes von Apollonia untergeordneten Ranges and ’,
Diogenes
3 0 ist nur zu einer so [nichtigen] unbegreiflichen Stellung gekom— Anaxarchos,
hatte also ein Ieeres Register sich gemacht.
Die Scheidung der ionischen u. der italischen Philosophie van Dio—
21 Suidas 'Avuélpévng — oi 5e Kai HappeviBou éqxwuv. cles selbst?
2 5 0 Vu r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 2 5 1

anvertrauen. Ganz falsch is: die Methode, nur die Zahlen zu A n a x i m a n d e r I f ) E m a i p o v, A n a x i m e n e s d i e L u f t , H e r a c l i t d a s


bevorzugen, mit deren Hiilfe eine 51(15010‘] méglich wird. — Wir Feuer“. Denn nicht sowohl das, was er als Urstoff hinstellte, ist
scheiden also Anaximenes von Anaximander und glauben, dal; s e i n e T h a t , s o n d e r n d e r G e d a n k e i i b e r d i e E n t w i c k l u n g d e s U r-
e r b e i P a r m e n i d e s g e h é r t h a t . N u n h a t P a r m . , w i e s p i t e r z u e r- stoffs. Damit gehért er einer ji'mgeren Periode an. Erst nach He-
weisen ist, in einer Hélfte seiner Philosophje wesentlich den Ge- raclit und den Eleaten, bevor Wir zu Anaxagoras libergehen, darf
danken des Anaxirnander weiter gedacht: er sucht im 2. Theile von ihm die Rede sein. Wit haben néimlich von Thales bis zu den
seines Gedichts zu zeigen, welche Weltansicht sich auf dem Sophisten u. Sokrates, 7 unabhéngige Rubriken d. h. sieben—
Standpunkt der gewijhnlichen Weltansicht ergiebt: und hier geht mal das Erscheinen unabhéngiger origineller Philosophen. 1)
er von dem durch Anaximander aufgestellten Dualismus Anaximander z) Heraclit 3) Eleaten 4) Pythagoras 5) Anaxago-
1 0 von Warm und Kalt aus, den er auch als Gegensatz von di'mn I O r a s 6 ) E m p e d o c l e s 7 ) A t o m i s t i k ( D e m o c r i t ) . D i e Ve r k n i i p f u n g
und dicht, Licht u. Finsternilg Erde u. Feuei' bezeichnet. An diese derselben durch SmSOXai ist willkiirlich, oder geradezu falsch.
ganz mythischen Gleichstellungen kniipft Anaximenes an, der E s s i n d 7 t o t a l v e r s c h i e d e n e We l t b e t r a c h t u n g e n : d a r i n , w o r i n s i e
z u e r s t b e s t i m m t a n n i m m t , e s s e i a l l e s d u r c h Ve r d i i n n u n g u n d sich beriihxen, worin der cine vom andern lernt, liegt gewéhnlich
’I ' _ ;,l"l' ' , I imlic. -“ I’h sik. z
I 5 é n i 7 6 1 p 1 0 1 3 1 0 1 ) u é v o u ( ’ Av u i i p é v o u g ) O s b i p p a o r o g é v 1 : 1 3 3 letzten Rubriken: er ist jung gestorben u. kann nicht als gleich-
i m o p i q t 1 ‘ 1 v p d v m c w s i p n x s K a i I f l v n é x v c o c n v. D a f i i r a u c h berechtigt neben iene 7 gestellt werden. Er steht ia'hnlich wie Leu—
( i p u i m m g K a i n é w i c i g . M i t d e r Ve r d i i n n u n g i s t i h m d i e E r w é r — clpp zu Democrit, wie Xenophanes zu Parmenides, wie Thales
m u n g , m i t d e r Ve r d i c h t u n g d i e E r k é l t u n g g l e i c h . D u t c h Ve r d i i n - zu Anaximander.
n u n g w e r d e d i e L u f t z u F e u e r, d u t c h Ve r d i c h t u n g z u Wi n d , w e i -
2 . 0
ter zu Gewélke, dann zu Wasser, dann zu Erde, zuletzt zu Stei—
nen. Die Bedeutung jenes Prinzips von der dpuicoctg u. m’mvmmg
liegt in dem Fortgange der Welterkliirung aus mechanischen §. 9. [Heraclit] Pythagoras. Gleich nach Anaximander ist
G r i i n d e n : a l s Vo r s t u f e d e r m a t e r i a l i s t i s c h - a t o m i s t i s c h e n S y s t e m e . 1 0 [seine] Heraklit’s Stelle. Er wird ganz falsch Charakterisirt, wenn
D i e s i s t a b e r e i n e Vi e r j i ' m g e r e S t u t e , d i e H e r a c l i t u . P a r m e m d e s man (Heinze Lehre vom Logos 1). 3) den entschiedenen Fort-
7-5 schon voraussetzt. Gleich nach Anaximander wéire das ein wun- schritt des H<eraclit> darin finder, daE er eine qualitative Veran—
derlicher Sprung: wir haben hier die erste Theorie 'L'iber das Wis? derung des Feuers annahm, im Gegensatz zu denen, welche
der Entwicklun g ans einem Urstoff: damit beginnt er die Epo- d u r c h Ve r b i n d u n g u n d T r e r m u n g , Ve r d i c h t u n g u n d Ve r d i i n n u n g
che des Anaxagoras, Empedocles, Democrit, d. h. eine iiingere 1-5 die Mannichfaltigkeit der Erscheinung erkliiren. Denn jene Theo—
Bewegung der Naturwissenschaft. In der ilteren Periode ist das rien von der tipaimmg néxvmmg, von der 0’")pr10’1‘; und 516mm-
3 0 Problem des Wie? noch gar nicht aufgeworfen. A. ist ein bedeu— o‘tc; sind spéiter u. jiinger als Heraclit. Gerade in ihnen zeigt
tender Naturforscher, der, wie es scheint, die Metaphysik des sich, gegen Heraclit, ein Fortschritt des rnaturwissenschaftlichen
Parmenides abgelehnt hat, aber seine andere Theorie wissen- D e n k e n s . D a g e g e n m u B m a n H e r a c l i t m i t A n a x i m a n d e r v e rg l e i —
schaftlicher zu consolidiren suchte. Es ist aber ganz falsch, ihn so 3 0 Chen. um den Fortschritt zu bestimmen. Das é’mslpov und die
o h n e We l t e r e s i n d i e R e i h e n f o l g e z u s t e l l e n , J h a l e s d a s Wa s s e r, Welt des Werdens waren in unbegreiflicher Weiss nebencinander
252 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 253

gestellt, eine Art von unvermitteltem Dualismus. Heraclit leugnet den Knaben stellte, nicht zugelassen wurde, darauf mit Mannern
die Welt des Seins ganz und behauptet nur die Welt des Werdens: ka'mpfte und siegte. Eratosthenes hielt diesen Pythagoras fiir
das Umgekehrte that Parmenides, um aus dem Problem des Ana- identiSCh mit dem Philosophen (Laert. VIII 47). Es konnte ihm
ximander herauszukommen. Beide versuchen, ienen Dualisrnus nicht in den Sinn ken-mien, in den Wettkampf mit Knaben zu
Z u v e r n i c h t e n , b e i d e a u f e n t g e g e n g e s e t z t e We i s e , w e s h a l b a u c h treten, u. er konnte nicht mit Mannern kampfen, wenn er nicht
Parmenides den Heraclit aufs starkste bekéimpft. Sowohl Heracl.
gerade auf der Grenze des Knaben- u. Mannesalters stand. Bent
a l s d i e E l e a t e n s i n d d i e Vo r a u s s e t z u n g e n f i i r A n a x a g o r a s E m p e -
)ey nimmt daher an, dag er damals 18 Jahr alt war, also etwa
docles Democrit: im Ganzen zeigt sich von Anaximander an aim
606 geboren ist.
gegenseitiges Kennen und Sichvoraussetzen. In diesem Sinne ist z) Bliihte nach zahlreichen Angaben Ol. 62.. Gemeint ist ein H6-
von einer Entwicklung zu reden.
hepunkt seines Lebens, namlich seine Auswandcrung von Samos
1 0

1 0

Ganz allein steht dagegen Pythagoras. Das was man pythagorei- nach Croton. Hier liegt der Bericht des Aristoxenus zu Grunde,
sche Philosophie nennt, ist etwas viel spiiteres, kaum friiher als
daE Pythagoras 4o Jalu' alt, um der Tyrannis des Polycrates zu
die 2‘“ Halfte des 5. Jhd. Zu den altem Philosophen steht er des-
entgehen, Samos verlassen habe. Die Tyrannis begann Olymp
halb in gar keinem VerhéiltniG, weil er gar kein Philosoph war,
62, r u. so li—eE—rrTan ilm—glerch im—ersten. mu'vvwa- ,
1 5 sondern etwas Anderes. Streng genommen konnte man ihn selbst
méglichst bald, um sein Todesiahr nicht zu weit herabriicken zu
aus einer Geschichte der alteren Philosophie 'ausschlieEen: abet I 5
miissen. (Dunkler Trieb, ihn so alt wie nur moglich zu machen,
er hat das Bild einer Art des philosophischen Lebens ge-
schaffen: dies verdanken ihm die Griechen. Dies Bild iibt nicht
so welt wie méglich ihn zuriickzudatieren). Ein hohes Alter hat
er erreicht. Aristox. nennt ihn npeolié’rng. Apollodor macht
auf die Philosophie, abet auf die Philosophen (Parmenides, Em-
2 0 pedocles) einen machtigen EinflufS. Deshalb ist hier von ihm zu
diese Rechnung. Es fiel ihm nicht ein, mit dem Eratosth. Ansatz
zu combiniren: nach Eratosth. ware ja 532 Pythagor. 75 Jahre
reden. Die besten Besprechungen bei ZellerI 2.35 (3. Aufl.) Grote 2 0

II 61.6 E. Rohde (die Quellen des Jamblich in seiner Biographje alt gewesen, viel zu alt fiir den Anfang seiner wesentlichen Thi-
des Pythagoras Rhein. Mus. 26 u. 7.7). tigkeit. Apollodor vielmel'u' leugnete direkt die Identitit mit dem
Z u e r s t d i F Z e i t d e s Wa t c h R o h d e h a t m a n u ‘ b e r d e m B e s t r e -

2 5 ben, die wirkliche Zeit des Philosophen zu ergriinden, den muBte sich fiir eine Lebenszeit entscheiden u. von einem Ge—
Hauptfehler nicht vermieden, die iiberlieferten Notizen zu kom- 1 5
burtsjahr ausgehen. Nun schwanken die Angaben zwischen 75,
biniren: selbst Bentley nicht (Briefe des Phalaris p. 1131‘. 80, 90, 99, nahe 100, 104, rr7]ahren. 0ft sehr naive Berech-
Ribb.). Es sind z unvereinbare Reihen chronologischer Combi- nung 28. So jahre, Heraclides Lernbus giebt sie dem Pythagoras,
n a t i o n e n . D i e a l e x a n d r. G e l e h r t e n g i e n g e n v o n 2 u n v e r e i n b a r e n well so lange ein normales Menschenleben dauere. Apollodor
3 0 D a t e n a n s , z w i s c h e n d e n e n m a n d i e Wa h l h a t t e , d i e a b e t N i e - hatte allen Grund, ihm ein méglichst geringes Alter zu geben:
mand verband. 5 0
auf ihn gehen wohl die 75 Jahre zuriick dh. Olymp. 7o, 4, (497).
I) In einer olympischen (ivcwpatpn war verzeichnet, dafg Ol. Eratosthenes hatte weitern Spielraum: nehmen wir an, class er
48, r (588) Pythagoras aus Samos, als er mit einem Purpurkleid der gewéhnlichen Meinung von 99 Jahren folgte, so setzte er sei-
u. wallendem Haupthaar geschmiickt, sich zum Faustkampfe mit nen Tod ins Jahr 507.
2 5 4 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 255

Dieser einfache Sachbestand wurde bisher nicht erkannt, weil als einen Zustand der Bulge fiir alte Frevel begreifen. Nach einer
man almahm, daB die Austreibung der Pythagoreer bald nach Liuterung im Jenseits wird der Mensch in immer neuen Gestal-
der Zerstérung von Sybaris (510) u. nach dem sehI bald darauf ten wiedergeboren werden. Der Fromme, in geheimntiollen Fei-
erfolgren Tode des Pythagoras [erfolgte] stattgefunden babe. ern geweiht, der sein ganzes Leben hindurch heilige Gebréuche
Nun ist es aber nicht wahr, [daB] was Zeller I z 54 behauptet, b e f o l g t , k a n n a u s d e m K r e i s e e w i g e n We r d e n s a u s s c h e i d e n . D i e
daE die Zerstorung von Sybaris von allen Berichterstattern ohne Tugendhaften werden (wie bei Emped.) als Wahrsager Dichter
Ausnahme in die Zeit unmittelbar vor dem Tode des Pythagoras Arzte u. Fiirsten geboren, die vollige Erlésung ist (pikoootpiag o
gesetzt werde. Rohde hat nachgewiesen, daB die Verbindung der reMléwtog xapnég. Nun mug nach Rohde, auger den theologi—
Kylonischen Unruhen u. der Zerstérung von Sybaris cine pure s c h e n Vo r s t e l l u n g e n d e r O r p h i k e r u . i h r e m R i t u a l g e s e t z d i e
I O
Erfindung des Apollonius von Tyana ist Rh. Mus. 7.6 p. 573. 1 0 Lebensweise der Pythagoreer einen Keim wissenschaftl. Inter—
Wir stellen uns auch hier auf die Seite des Apollodor, weil er e s s e s e n t h a l t e n h a b e n . M e r k w i i r d i g i s t d e r Ta d e l d e s H e r a c l i t ,
dem vorsichtigsten Zeugen fiir alles Pythagorische folgte, dem der weder einen wirklichen Philosophen noch einen reinen
Aristoxenus: also éxuf] Olymp. 62.. Wenn er einmal von dem Orphiker treffen kann, sondem einen zwischen orphischem My-
groKen Eratosthenes abwich, so WM- s t i c i s m u s ( Vo r s i c h t i g e r ! ) u . w i s s e n s c h a f t l . S t u d i e n 2 3 g e t h e i l t e n
1 5 sten Griinden: von dem Faustkiimpfer aber konnte er nachwei- 1 5
D e n k e r. N a c h L a e r t . V I I I 6 , I X 1 , 2 . 11 0 9 0 1 7 6 1 a n M v n o d p x o u
sen, dag er in einem alten Epigramm 6 Kpdrsm (Laert. VII] 49) i c t o p i a v f l c x n c s v v a p c b n w v w i l l o w m i v t m v, K a i é x k s ‘ é é p s -
genannt werde. Der Vater des Philosophen aber hieK Mvrirmp- vog «16mg tdu; ovyypmpdg énomouto Emu-:06 cominv (iro—
xog, ein reicher Kaufmann. Er ist auf Samos geboren. Nach aus- nisch, nachher Ev 'yc‘tp w cocpév) nokupueinv (Vielwisserei und
gedehnten Reisen kehrt er im Alter von 40 Jahren nach Sarnos Betriigerei) KaKo-rsxvinv (keine cotpiu, sondem ‘céxvn ,,betriige-
2 . 0
zuriick u. finder die Insel unter der Tyrannie des Polycrates. Er 1 0
:ische Praktik“). — Hokuuuein véov Exetv 01’) SLBdGKaL ‘Hcrio-
beschloK sein Vaterland zu verlassen. Nach C roton, ausgezeich- 6 0 v d e ( i v m a n g e K a i H u Q a y é p n v, ( 1 6 % ; r e E s v o q a d v e d T S
net durch die korperl. Ausbildung der Biirger u. Vorrrefflichkeit K a i ' E x u m f o v. D i e Wo r t e i n c l . 1 : . 0 ' . m i i s s e n s i c h a u f S c h r i f t e n

seiner Arzte. Dies hing zusammen. Die Theorie u. Praxis des Am- beziehen, die kurz vorher genannt waren: ich denke (doch nicht
res galr als weltere EnthcIElung des gymnasnschen Erziehers.
7-5 Dort gewinnt er ungeheuren politischen EinfluK, als Grijnder ei~ 7-5 das Erforschen durch Nachfragen das von Heraclit verworfen
wird: gewiB ist [dz] zunéichst auch auf Reisen hingedeutet. Denn
nes abgesonderten, an strenge Ritualgesetze gebundenen Ordens:
eine uoluuaGi'n war nicht aus orphischen Biichern zu gewinnen,
eine Anzahl reicher Crotoniaten waren darin. Anderwéirts, z. B.
zu Metaponton, breitete sich das Ordensnetz aus. Er tritt nus sondem wahrscheinlich ist die igyptische Schriftstellerei ge-
m e i n t ? H e c a t a e u s a u s M i l e r i s t e i n g r o K e r R e i s e n d e r, e b e n f a l l s
entgegen als religioser Reformator: ganz sicher ist daB er mit den
Xenophanes: vielleicht wollre sogar Heraclit sagen, aus Hesiod,
3 0 Orphikern in der Lehre von der Seelenwanderung u. gewissen 3 0

Xenophanes u. Hecataeus habe Pyth. seine cotpin u. nicht dutch


religiosen Observaan iibereinstimmte: von physischen u. ethi-
schen Doktrinen quten Aristoteles u. Aristoxenus nichts. In der
13 Der Gegensatz zur nokoimein La. 9, 1 [>o<] Pythag. mime sivm ydp
tieferen Deutung des lingst geheiligten Dienstes der chthoni- Ev to coqxiv, énictuaBm yvt'ounv 7"] TE oiaKiCel So Rohde. [ch erwas anders
schen Cotter sucht er sein Heil. Er lehrte die irdische Existenz E v : 6 c o t p é v é n i o ‘ t a a e a i Wo ' m ' n v a d v - m B i d n c ' i v w v.
25 6 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 25 7

Reisen. Das gilt von den fremdléndischen Gebréuchen, welche merkwiirdiges ZeugniB ist vor allem noch das Auftreten des Em—
die “me nepioéog (Buch 2., Asien und Aegypten und Libyen] em— pedocles: dutch ihn soll das verschwiegene GeheimniE der Schule
hielt. Ahnliche Bemerkungen macht Herodot II 81 Die 5gypti- ans Licht gekommen sein. Aber Emp. hat von der Zahlentheorie
schen Priester tragen ieinene Beinkleider unter den wollenen keine Ahnung, das GeheimniB waren die Lehren der Seelenwan—
Oberkleidern, in den letzteren diirfen sie weder den Tempel be— derung 11. die religjosen Ubungen. Darauf beziehen sich auch alle
treten, noch bestattet werden. Sie kornmen darin mit den sog. élteren Legenden, von seiner Erinnerung an friihere Existenzen,
Orphikem und Bakchikem, die abet in Wahrheit Aegypter sind, seinem Verkehr mit fabelhaften Wesen wie Abaris Zalmoxis, von
iiberein und mit den Pythagoreern. II 123 die Aegypter haben seinen Wunderkréften (Bindigung von Thieren) usw. Dies ist die
zuerst die Unsterblichkeit 11. die Seelenwanderung gelel‘u‘t toétcp ilteste Legendenform der Pythagorassage.
I O 1.1;) Mam) sici oi‘ ‘EMuivcov éxpnauw-ro, oi uév npétepov, oi 8e I O
Mit der Zeit (nicht vor der zweiten Hilfte des fijnften jhd.) ent-
Butepov, (‘0; iéicp éwurdw éévn‘ tdw éyc‘o sitich rd 6v6uuw of) wickelte sich nun in der Schule eine ,,wissenschaftliche“ Rich-
ypt’xqam. Die nokupuein bestand in der Sammlung fremdartiger tung: Rohde aber hat den wichtigen Gedanken durchgefiihrt,
Sitten (zB. der Ritualgesetze, genannt dxobopum oder O'I'JLIBOXG) daG zugleich damit eine Spaltung in der Schule eintrat. Die
und_daswa_r “|1' I.I ' I'III‘I"I' " - --:- :L— -,,,-;--I n'n‘ ‘ ‘l I I I I; I' lib-
I 5 hinter einander zu stellen. Damit wiirde der filteste Zeuge erstens I s
sen Fundamente, die Anderen hieiten an dem Hueayopucbg 'cpé-
gegen die Reisen biirgen, zweitens nichts von einem wissen- no; 106 Biou fest. Nut 50 ist die auffallende Thatsache zu erklé-
schaftlichen Interesse des Pythag. wissen. Unoriginal, ja betriige- ren, daB die physischen Doktrinen der Hueuyépswt (nach Ari-
risch gilt er ihm, bei seiner Ectopin, die sich nicht auf Wissen- stoteles) u. die ethischen (nach Aristoxenus) ohm: allen Zusam-
schaft, sondern auf Gebréuche bezieht. Ein Mathematiker wiirde menhang mit dem religiosen Glauben der Pythag. sind. Nur
2 0 am wenigsten in den Ruf einer noxupaein gekommen sein. ,,Das 2 . 0 zwei ganz diverse Parteien erkliiren den schroffen Widerspruch
dern Pythag. Eigenthiimliche, seine angebl. 60¢i1’] ist nu: eine unserer Zeugen. 213. in Betreff der asket. Enthaltung von Fleisch
uolupaein (betriigerische, abergléubische Prozeduren)“; das ist u. Bohnen. Aristoxenus [leugnet] behauptet sie, Eudoxus und
der Gedanke des Heraklit. Ahnlich wie Herodot. Nut daB er Onesikritus leugnen sie. Aristox. folgte (nach Gellius IV 11) den
sogar die Briicken angiebt, Biicher nimlich, nicht Reiscn. Hier Angaben seiner pyrhag. Freunde u. iibertrug ihre Prams auFPy-
2-S kann auch an Hesiod gedacht werden, an abergléiubische Ge» 1 5 thagoras. Zu gleicher Zeit muE eine Partei sich des Weines, des
bréiuche in den Erga, die mit den Pythagoreern stimmen, dann Fleisches, der Bohnen enthalten haben, woriiber die Dichter der
als Verfasser von pavtuca énrl usw. Xenophanes kommt hjer na— mittleren Komédie spotten. Damit hingen auch die Fabeln von
tiirlich nicht als Philosoph in Betracht, aber wohl sein Kampf einer Scheidung der Exoterischen u. esoterischen zusammen:
gegen den Polytheismus, gegen die Uppigkeit seiner Zeitgenossen Scheidung von wissenschaftl. Gebildeten u. solchen, die sich mit
3 0 u s w. ( D i e d r e i S t e l l e n v e r b u n d e n . ) 3 0
kurzen Lehrformeln begniigen, ganz werthlos fiir die éiltere Zeit
A l s o a u c h H e r a c l i t m e i n t n u r d e n r e l i g i é s e n R e f o r m a t o r, d i e des Pythagoreismus. Jene Fabel entstand, um eine wirklich spiter
wissenschaftlich philosophische Entfaltung kommt auf einer viel eintretende Scheidung zu erklh‘ren u. beiden Theilen ihr Recht
spiteten Stufe. Gerade Heracl. leugnet das wissenschaftliche auf Pythagoras zu lassen. Die Wissensch. Richmng stellte jetzt
P r i n c i p ( a l s o a u c h d i e Z a h l ) b e i P y t h a g . é v 1 : 6 G o t p é v. — E i n ihre Lehre als das altverschwiegene SchulgeheimniB dar, das Phi-
258 Vo r l e s u n g s a u f z x i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 259

lolaus zuerst gebrochen hatte: um aber die Gleichzeitigkeit Zeitgenosse hat aus triiben Quellen geschépft, abet auch nichts
zweier Richtungen zu erkla'ren, bedurfte es der Behauptung dag hinzuerfunden. Ebensowenig Porphyrius. In dem Biog Hueu'yé-
schon Pythagoras zwei Klassen mit ganz verschiedenen Lehrob— pstog des Jamblichos ist nur die Verwirrung das Werk seines
jekten eingerichtet habe. Jene alte Fabel von Philolaus beweist Autors: er benutzt in allem Wesentl. die Schriften des Apollo-
daB die Lehre u. Schrift des Philolaus der Anfang der Zahlen— nius(?) u. Nicomachus, legt Nicomachus (aus alteren Uberliefe—
philosophie ist, er ist aber der etwas altere Zeitgenosse des Soc- rungen) zu Grunde u. fiigt aus dem Roman des Apollonius nur
rates. — Die Weisheit der Akusmatiker galt nun nur als eine Vor- einzelne farbige Abschnitte ein. Dutch Mcom. sind uns wichtige
stufe zur Weisheit der Mathematiker. Niemand hat iibrigens ge- Uberreste der Schriften des Pseudoaristot. Neanthes. Hippobotus
wagt, die ganz junge pythag. Philosophie dem Pythagoras selbst erhalten. Apollonius darf man gar nichts glauben.
I O aufzubinden: das sollten wir denn doch auch nicht thun, selbst I O
Was wissen wir nun eigentlich von Pythagoras’ Leben, nach
nicht in der abgeblaEten Form Zeller ’s. jenen drei Quellen, Legende, rationelle Historic, neuer Aber-
Wi c h t i g i s t a b e r, d a E u n t e r d e n H a n d e n d e t w i s s e n s c h a f t l . glaube? So viel wie nichts: nur die allerallgemeinsten Umrisse u.
Fraktion das Bild des Meisters sich veranderte u. niichterner die sparlichen Notizen von Zeitgenossen sind zu gebrauchen.
" ' ' was wie Geschichte aussieht. So ist Aristoxe-

1 5 hinzu: den geheimntiollen Wunderthater iibersetzen sic in das 1 5


nus zwar hochst glaubwiirdig in allem, was die spiiteren Pytha-
Bild des politischen Aufkléirers, ganzlich falsch. Die andere Par- goreer betrifft, die Notizen iiber sein Leben halt Rohde fiir das
tei, immer mehr abgetrennt von der Philosophie, versinkt immer Allerbedenklichste. An und fiir sich ist also auch jener Zeitansatz
mehr in Aberglauben u. Pythag. wird hier der ,,GroI§meister des des Aristoxenus, dem Apollodor folgt, bedenklich (wegen des
A b e rg l a u b e n s “ w i e R o h d e s a g t , d e n e r d a n n , d e s g r o B e r e n A n s e - Polycrates u. der 4o Jahre). Aber ungefahr muB es die richtige
2 0 hen‘s wegen, bei Agyptern, Chaldaern, Persem, Juden, Thraciem 1 0
Zeit sein, bes. wenn meine Erkliirung der Heraclitstelle die
u. Galliern sich zusammengelesen haben sollte. richtige ist. Dann mug er Xenophanes u. Hecataeus benutzen
A l s o d r e i f a c h e Tr a d i t i o n : I ) a l t e L e g e n d e z ) r a t i o n e l l e H i s t o - konnen, anderseits kennt ihn Xenophanes (Laert. VIII 36), der
r i e 3 ) n e u e r A b e r g l a u b e . D i e s l a g d e n G e l e h r t e n d e r a l e x a n d r. seinen Unsterblichkeitsglauben [kennt] verspottet. jedenfalls ist
Zeit vor: Eratosthenes Neanthes Satyrus Hippobotus — die nichts er also ein )iingerer Zeitgenosse des enop “
1 5 Neues hinzu thaten, sondern nut combinirten (mit Ausnahme 7-5
nach Apollodor geboren ist) Die (km des Hekat. wird auf
des Hermippus, der eine boshafte Satire auf Pyth. daraus ge- Olymp. 6 5 gesetzt. Demnach muB die Bliithe des Parmen. des
macht hat). Ein Bild von der Kenntnifg des Pythagoreism in der Heraclit des Pythagoras ungefahr zusammenfallen: die Olymp.
a l e x a n d r. Z e i t g i e b t u n s L a e r t . D i o g . , o h n e a l l e n e u p y t h a g o r e i - vor Olymp. 69, der (mini von Heracl u. Parmenides, ware er
schen Zuthaten. Allma'hlich aber belebt sich die Lehre neu, das nach Apollodor etwa 68 Jahr alt gewesen: das ist ja die unge—
3 0 M o s a i k d e r A l e x a n d r i n e r g e n i i g t n i c h t m e h r. E i n e a u s f i i h r l i c h 3 0
fahre {mini} eines Philosophen. Nun ist Xenophanes jedenfalls
willkiirlich vollstandige Lebensbeschreibung unternahm Apollo- 9a Jahr geworden, nach eigenem ZeugniB: dh. nach (bald nach)
n i u s v o n Ty a n a m i t v i e l e n e i g e n e n E r f i n d u n g e n . O h n e a b s i c h t - Olymp. 63 gestorben. jedenfalls mug spatestens Olymp. 62 Py—
liche Fair-Chung verféihrt Nicomachus von Gerasa, der auBer Ne- thag. dann schon ein durch seine Lehre beriihmter Mann gewe—
anthes vomehml. Aristoxenus benutzt. Antonius Diogenes sein sen sein. So bekommen wir als Zeit seiner (kph 01. 62—69, also
260 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n
Die vorplatonischen Philosophen 261

iibereinstimmend mit Apollodor und Aristoxenus. Hierin scheint §_10Heraclit.AusEphesus,SohndesBlyson(OderHerakon)


also Aristox. sorgfia'ltig Llnd reservirt gewesen zu sein, Wie dies LetzteresistvielleichteinBeinamedesHeracl'itselbst,wieSimon
auch Rohde an seinen Nachrichten iiber den_ Tod des Pythagoras zuSimonides,KalliaszuCalliadesErgehijrtezumallervornehm—
anerkennt. Den erzéhlt Aristox. so: Kylon aus Croton, ein ge- sten Geschlecht des KodridenAndroklus des Stifters von Ephe-
waltthéitiger vornehmer Mann, weichen Pythagoras unter seine sus,indemdieWirdeeinesOpferkénigs,Bautlebt;forterbte.Er
Freunde aufzunehmen sich geweigert hatte, wurde von da an ein
war ein schonungsloser Bekémpfer der demokrat. Partei (Ber-
erbitterter Feind des Pythag. u. seiner Anhénger. P. ging deshalb nays Heraclit p. 31), in dieser aber lag der Herd der aufstiind-
n a c h M e t a p o n t , w o e r g e s t o r b e n s e i n 5 0 11 . D i e K y l o n e e r a b e r ischenBewegungengegenPersien:H.hattewahrscheinl.Wiesein
Freund Hermodorus (gleich dem Staatsrnann Hecataeus) aus-
setnten ihre Feindschaft gegen die Pythagoreer fort: i11ch eine sichtslose Unternehmungen gegen die Perser widerrathen u.
I D Zeitlang iiberlieBen die Sta'dte, wie bisher, den Pythagoreern gut- 1 0

willig die Staatsleitung. Endlich aber stcckten die Kyloneer das beide waren als Freunde der Perser verschrien, bis Hermodorus
Haus des Milon in Crown, als die Pythagoreer zu politischer durch Ostrakismus verbannt wurde, Heraclit freiwillig die Stadt
Derathung versamrnelt waren, in Brand: nur Archippus und Ly~
verlieB,aufseinMajoratzuGunsteneinesBrudersverzichtend.
V V, V ! : ,I:,:-:- ,ntl D1' Ig'ei‘, -[---. 1.
ErJebte dann in der Einsamkeit desArtemistempels. Darauf be-
ther Fiirsorge fiir die undankbaren Stéidte ab. Arc ippus ging zieht sich der Satz des Heraclit Laert. IX 2. dgtov ’Etpemmg
lenSbvLind’yéuaem1mmKairot;dvfiBotg'n‘wnékwKatali-
1 5 1 5

nach Tarent, Lysis erst nach Achaia, dann naeh Theben, wo er


Lehrer des Epamjnondas wurde und starb. Die iibrigen Pythago—
nsivoi‘cweg‘Eppééwpov(’iv8puécoutdwévfncrovéééfiukov
r e e r v e r s a m m e l t e n s i c h i n R h e g i o n : b e i f o r t d a u e m d e r Ve t - (pdvreghuémvpn8égig6v1’1tcrtogéctu),Si5::ngtoromog,(inn
schlechterung der politischen Zustinde verlieBen sie auBer Ar- IEKaiust’mm.,,Billigwirees,wenndieEphesieralle,soviel
2 0
chytasdemTarentiner,
Italien
ganz
undgiengennach,Hellas
wo m ihrer erwachsen sind, sich erhenkten und die Stadt den Uner-
sre
bis
zum géinzl.
Erlb’schender
Schule
ihre
alten
Gebréuchgund wachsenen hinterlieBen, da sie den Hermodorus den Besten un-
ter ihnen, verbannt u. dazu gesprochen haben ,,Unter uns soll
Studien pflegten. — Ungefiihr 44o ziehen sich die Pythag. nach
Rhegion zun‘ick, etwa 410 gingen die letzten italischen Philoso- niemand der Beste sein ist Jemand es aber, so sei er anderswo u.
phen nach Hellas cf. Rohde Rh. M. 7.6 p. 566 adn. Nach Apollo-
be] Anderen.“ Whit—jam cine Einiadung arm—dim ij
dor und Aristoxenus lebten die letzten Pythag. (Schiiler des Phi- 25seinerVaterstadtzerfallenenHeracl.gerichtetzuhaben,umsich
einenpolitischenSachverstiindigenzugewinnen:erwiesdieEin—
7-5

lolaus‘u. Eurytus) Olymp. 103, I, um 366 v. Ch. G. damit ist


natiirhch nur die philosoph. Partei gemeint. Die asket Pythagori- ladung ab, ebenfalls cine andere von Athen aus Laert. 9, I 5:
die immer noch méchtigen Leiter der von lsagoras gestifteten
sten, an der Spitze Diodor von Aspendos, ijberleben diesen Ter- conservativen Partei konnten in dem ionischen Gesinnungsge—
mm welt.

Jener Bericht des Aristox. iiber den Kylonischen Angriff ist das 3onosseneineVerstéirkunghoffen.MitienemAntragdesDarius
scheint die Zeitbestimmung zusammenzuhéingen cf. Suidas r'w
3 0

Vo r s m h t i g s t e : s o n s t z a h l r e i c h e Va r i a n t e n , i m m e r u n s i n n i g e r v o r
allemdutchEinmischungdesPythagoras.Zusammengestelitbei énimt;évdtngKaiéinxoc‘rf‘g61011116150;éniAapziou101‘)
Zeller I p. 7.82. Uber die Symbole Géttling, ges. Abhandlungen I
'Ta‘rdmcou. Laert. IX 1 setzt die 6mm in diese Olymp. Am with“
278, II 280.
tigstenClem.Strom.I14nachEudemus,,HeraclitderSohndes
262 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 263

B l y s o b e w o g d e n Ty r a n n e n M e l a n k o m a s , s e i n e H e r r s c h a f t n i e . benen Pathos, durch unwillkiirliche Identifikation von sich selbst


derzulegen. Derselbe gab dem Kénig Dareios, welcher ihn einlud und der Wahrheit. Es ist wichtig von solchen Menschen zu erfal'r
nach Persien zu kommen, eine abschla'gige Antwort“. Die ren, man wiirde sie sich schwerljch imaginiren konnen. An sich
Olymp.zahl ist gerade ausgefallen, iedenfalls wollte sie die 61cm] ist ia alles Streben nach ErkenntniB seinem Wesen nach unbefrie—
5 nach ienen Ereignissen (Ol. 69) bestimmen. Melankomas ist der- 5
dig:unddeshalbistjenekéniglicheUberzeugtheitu.Herrlichkeit
selbe, der mit abgekiirzter Forrn Komas in der Lebensgeschjchte etwas fast Unglaubwiirdiges. Man beachte die ganz verschiedene
des von ihm verbannten ephes. Dichters Hipponax vorkommt, Form einer iibermenschlichen Selbstverehrung bei Pythagoras u.
Jedenfalls war dies ein adelsfeindl. Tyrann. Die Bliithe des Hera- Heraklit: der Erste hat sich gewilg fiir eine Inkamation des
clit wiirde dernnach ungefihr gleichzeitig mit dem Ausbruch der Apollo gehalten und behandelte sich selbst mit religiéserWiirde,
m ionischen Revolution gesetzt: vielleicht hangt mit der Erhebung I O
wie nachher Empedocles: die Selbstverehrung des Heraclit hat
g e g e n d i e P e r s e r e b e n s o s e h r d a s E n d e d e s Ty r a n n e n M e l a n k o m a s gar nichts Religiéses, er sieht anBer sich nur die Verkehrtheit,
als die Verbannung des Hermodor zusammen. NOCl'l eine polit. den Wahn, den Mangel an ErkennmiE — aber keine Briicke fiihrt
N o t i z b e i L a e r r. I X 2 A l s i h n d i e E p h e s i e r z u e i n e r G e s e t z g e - zu den anderen Menschen hin, kein iiberméichtiges Gefiihl mitlei-
DI;. 9| ‘I II - .I i I I I n diger Regung \Lerbindet sie mit ihm. Von dem Gefiihl der Ein—
15 schon zu tief in der Stadt eingewurzelt sei. Der siebente uu 15 samkeit, das ihn durchdrang, kann man sich schwerlich eine
neunte pseudepigr. Brief lassen die Verbannung des Hermodor Vorstellung machen: vielleicht macht sein Stil dies noch am deut-
als Folge seiner gesetzgeberischen Thétigkeit eintreten: der achte lichsten, den er selbst mi: Orakelspriichen und rnit der Sprache
g e h t a u s v o n d e r Z u r i i c k w e i s u n g H e r m o d o r. G e s e t z e d u r c h d i e der Sibylle vergleicht. Plut. de Pyth. orac. 18 p. 404 D dwaé of)
Ephesier. Spare: lebt Hermodor in Italien u. hat bei der Gesetzge- to pavreiév éun If) év AaMpoig 0615 kéyat oi'm: pr'mtal and
1.0 bung der Iz Tafeln Dienste geleistet: auf dem Comitium war ihm 1.0 unpaivat. Plut‘ de Pyth. orac. c. 6 ZiBMKu 5%, pmvouévcp cro-
eine Bildsaule errichtet Plin. hist. nat. 34, 2.1 Bernays Heracl. Br. pun me’ ‘Hpmckanov dyélama Kai dxulkcbmcm Kai dpépt-
p. 85. Uber Hermodor Zeller de Hermodoro Ephesio Marburg am weayyopévn xllimv éttbv ééucvsirm n] (pawn Sui tov 986V.
1860. Den Gedanken, die schuldigen Ephesier sollten den un- Denn er, als Grieche, verzichtet auf Helligkeit und kiinstlerischen
schuldigen Kindern die Stadt iiberlassen, hat, als Grundgedan» Schmuck, elnmal aus Menschenverachmrdmtzrgenreefuhl—
2.5 ken einer Reform Plato aufgenommen: éhnlich die Heracl. Anek- 15 seiner Ewigkeit: dann aber redet er in der Verziickung wie die
dote La. 9, 3 H. habe, nachdern er sich in den Tempelbezirk der Pythia 11. die Sibylle, aber Wahrheit. Es ist néimlich nicht der
Artemis zuriickgezogen, dort mit Kindern Knéchel gespielt u. als Stolz der logischen ErkenntniE, sondern der intuitiven Erfassung
d i e E p h e s i e r i h n v e r w u n d e r t u m s t a n d e n , i h n e n z u g e r u f e n : Ti , ( I ) des Wahren: wir miiSSen das Enthusiastische und Verziickte in
Kr'motm, 9nvp¢i§sre; 1‘1 06 erhmv ton-m nou-ziv 1"] [186’ {indiv seiner Natur beachten. Einen solchen groEartigen einsamen und
3° nohraésoem; )0 verziickten Menschen mug man sich in ein abgelegenes Heilig-
Wa s s c h o n a u s s e i n e r n p o l i t i s ch e n Ve r h a l t e n h e r v o rg e h t , z e i g t thum versetzt denken: unter Menschen war er unmbglich, am
jeder Zug seines Lebens: die héchste Form des Stolzes, im siche— besten noch konnte er mit Kindern verkehren. Er branchte die
r e n G l a u b e n a n d i e v o n i h m a l l e i n e r f a B t e Wa h r h e i t . E r b r i n g t Menschen nicht, auch nicht fiir seine ErkenntniB: denn alles, was
diese Form durch ihre excessive Entwicklung bis zu einem etha- man erfragen kann, verachtete er als {staph}, im Gegensatz zu
264 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n
Die vorplatonischen Philosophen 265

behandelt er die Schépfer der populéren Mythologie Homer L].


der aus dem Innem stromenden sowin. Alles Lemen von Ande-
r e n w a r i h m d a s Z e i c h e n e i n e s N i c h r - We i s e n : d e a n d e r We i s s
Hesiod. Diog. La IX 1 Homer sei werth éK 16w a705va éxBal-
halte seinen Blick auf den einen Myyog in Allem geheftet: sein
Mo-BaiKaibaniisoemKai’Apxikoxovbacking.Dasbeziehtsich
eigenes Philosophiren bezeichnete er als ein Sichselbstsuchen
wohl auf Augerungen wie ,,die Gottheit verhéingt nach Belieben
Gliick und Ungliick iiber die Menschen“: was ein Widerspruch
und -erforschen (wie man ein Orakel erforscht) Laen. IV 5 (51(11)-
seigegendieewigeNothwendigkeit:LasalleII455hatesbezo—
5

tov éqm Simoao'eat Kai paesiv navta nap’ éaurot‘x es lautete


é S l C n o a u n v é a a m U I O V. D i e s w a r d i e s t o l z e s t e I n t e r p r e t a t i o n d e s genaufOdyss.18,135andArchilochusFr.72.WeilderVielwis-
delphischen Spruchs (Kai “rcbv év Ashpoig 7paaaarwv Setérarov
ser Hesiod die Nacht den Tag gebaren léBt Theogon. 124, als
eine nicht bloE von ihr gesonderte, sondern unvereinbar gegen-
éSéKal to de)91 oau‘rov Plut. adv. Color. (2. 20). — Wie betrach-
t e t e r n u n d i e r e l i g i o s e n E r r e g u n g e n s e i n e r Z e i t ? Wi t h a b e n b e -
1° iiberstehende Gottheit, so hohnt ihn Heraclit dag der Lehrer der
meisten Menschen, der angeblich das gréBte Wissen besessen,
I O

r e i t s g e f u n d e n , d a B e r b e i P y t h a g o r a s n u r e i n e n t l e h n t e s Wi s s e n
fand, dag er seine oocpin leugnete und als Betriigerei charakteri-
nicht einmal von Tag u. Nacht gequt habe: denn sie seien nicht
sirte. Ebenso gefiihllos war er fiir die Mysterienweihen: wir wis— getrenntzudenken,sondernalsdiegegensa’tzlichenSeiteneines
u. desselben Verbaltnisses. Hippolyt 9, 10. Dann muB er ihn we-
Saabehb
6 33 rd iepa tf]§ ‘Ekaumviag Anpntpog als Familienkult beging. ;5genseinerKalenderregelngetadelthaben.Plut.Vlt.Camillic.19.
I 5

Er prophezeit allen vuxtméhotg payotg BaKxotg Mlvau; (Bac-


Seneca ep. 12, 7. ,,Das Wesen eines Tages ist dasselbe“, die
Gleichheit der Tage gegeniiber der Tagewahlerei. Wir nehmeu
c h a n t i n n e n ) 11 0 6 1111 . ; ( 1 2 1 8 i h n e n n a c h d e m To d e e t w a s b e v e r-
stande, was sie nicht erwarten. Clem. Cohort. c. II p. 30 Si mi iiberall die héchste Starrheit wahr: dem, was ihm wahr ist, tritt
alles als Liige oder Betrug gegeniiber: Dichter behandelt er nicht
Yap Atoviiocp noum‘w énototho Kai Gavsov (Elana aiéoioww 2o als Dichter, sondern als Lehrer des Falschen. Sein Hal?» findet
2 0
avaLSéo'tata
("1v
sipyao‘ro
—(born;
85:
’Ai'ST];
KaiAtévucog, immer das scha'rfste Wort: die religiosen Empfindungen der
0':qu paivovtat Kai anaiéoum. In der dionys. Erregung sieht er
n u r e i n e E n t l a d u n g u n z i i c h t i g e r Tr i e b e d u r c h r a s e n d e F e s t l u s t .
Mengesindihmganzlichunzuginglich,erbeschimpftihreReini‘
Gegen die bestehenden Siihnceremonien wendet er ein ,,urn sieh gungen,ihreGotterverehrung,ihreMysterienkulte.Erbetrachtet
zu reinigen, besudeln sie sich mit [Koth] Blut, ganz so wie wenn
den dionysischen, ‘ ' , ‘ "
Jemand (let in Koth getreten hat, sich mit Koth séiubern wollte.“ 15Ste:Kraftgewesenseinmug,ganzfeindseligandnlinersténd-
7-5

Den Einwand, daS das iiuBere Reinigungsopfer nur ein Symbol


lich. — Unwillkiirlich schuf er das neue Bild eines o‘oqzog, das
der inneren Gemiithsreinheit sein solle weist er zuriick: man
ganz verschieden von dem des Pythagoras war; es ist spiter zum
miisse froh sein, wenn sich eine solche Reinigung bei einem einzi-
Idealbild des stoischen gottihnlichen Weisen benutzt worden,
mit einer Verschmelzung des Sokratesideals. Diese drei mag
gen Menschen finde. Er verglich die sich Reinigenden mit den
T h i e r e n , w e l c h e s i c h m i t S c h m u t z S t a u b u A s c h e w a s c h e n . ( B e r-
30manalsdiereinstenTypenbezeichnen:Pythagoras,Heraklit,So—
5 0

nays Theophrast iiber Friimmigkeit p. 190) Er greift die Bilderv


krates, der Weise als religioser Reformator, der Weise als stolz-
verehmng an Clem. Protrept.(4 p.) 3 3 B: Kai ayakaam toméotm
einsamer Wahrheitsfinder, der Weise als der ewig u. iiberall Su—
chende. Alle anderen Philosophen sind, als Vertreter eines Bio;
ei'ixovmx, éKoiov 5i ng Béaow‘t Moxnvaéotto, 06w ‘YlVdXYKOV-
tag 6301‘); 061:2 1"]pwa; oinvég aim. Mit besonderem Hal? aber
nicht so rein und original. Diese drei Typen haben drei unge—
2 6 6 Vorlesungsaufzeichnungen Die vorplatonischen Philosophen 2 6 7

heure Einheitsvorstellungen gefunden, mit ihnen sind sie ver- m’mbv (sc. chv nolkdw? wohl “raw cotpo‘ov) véog 1’1 (pprnv; Enpmv
wachsen: Pyth. den Glauben an die Identitit der zahllosen 610l5oi0'1 énovrm Kai SLSQO'Kde xpéovtm éuilq), 06K eiSétsq
Menschheitsgeschlechter, ja mehr der Identjtéit alles Beseelten zu 6n nokkoi KaKoi [dyaeoi] 6Mon as dyaeoi. aipéovwl yap Ev
aller Zeit. Sokr. den Glauben an die Einheit und ewig gleiche, d v t i a m i v t c o v o i ( ‘ i p t c r t m ( d e r We i s e n ) K l é o g d é v a o v 9 v m d > v
ijberall fiir alle Zeiten gleich verbindl. Kraft des logischen Den- (héchst ironisch), oi Bé nokloi Kslcéprnvtal 6chnep Krnvsa.
kens. Heraklit endl. die Einheit u. ewige Gesetzméilgigkeit des S o e r s c h e i n t i h m d i e We i s h e i t d e r We i s e n g e r i n g : Vo n a n d e r e n
Naturprozesses. Das véllige Aufgehen dieser Typen in diesen Ein- redet er nu: als von solchen, die imopin getrieben haben. Das
heitsvorstellungen zeichnet sie ans; es macht sie gegen alle ande- w a s a l l e g l e i c h m i l g i g t r i ff t : , , d a l 3 d i e M e n s c h e n i n a l l e m i h r e r n
ren Bestrebungen u. Absichten blind u. ausschlieliend. Herald. Thun u. in jegl. Kunst nur das Naturgesetz nachahmen u. dies
I D
der sich als den Einzigen fand, (is: die einheitliche Gesetzmiiigig~ l o d e n n o c h v e r k e n n e n “ . ( 5 u n k n o w n S l n v z x d ) ; 6 1111 0 0 6 1 1 . 6 7 m ,
keit der Welt erkannt hat, war demnach ausschlielgend gegen alle w i m p S t a c p é p o v t m M a r c . A n t o n . I V, 4 6 , , d a s G e s e t z m i t d e m
Menschen: ihre eigentl. Dummheit liegt darin, daE sie mitten in sie am meisten ol1ne UnterlaB verkehren, gegen dies lehnen sie
dieser GesetzméiBigkeit leben u. sie nicht merken, ja daG sie sich auf“ (jenes ist der Inhalt der Schrift nspi Smitnq). ,,Eins ist
nichts davon verstehen, wenn man ihnen davon erzéihlt. So der gerade 1:6 aorpbv, jenen 1670; zu erkennen, der alles durch alles
x 5 beriihmte Anfang seines Werkes Clem. Strom. V 14 1:01") M3101.) 1 5 lenkt.“
101355 éévtog aiai (wéihrend der logos immer dieser ist dh. der- Zwei ungeheure Betrachtungsarten haben seinen Blick gefes-
selbe bleibt) débvsrm yivovmi (iVBpmnot, Kai npéoBev 1‘1 (incon- selt: die ewige Bewegung, die Negation jedes Dauerns u. Verhar—
O'al Kai dKoécmvtsg 1:6 npa‘yrov. Twouévmv Yap ndvrwv mm rens in der Welt und die innere, einheitliche GesetzméEigkeit je-
tc‘w léyov tév55,&1te{potm éoimm, 1:81 pcbpsvot Kui énémv n e r B e w e g u n g . D a s s i n d z w e i u n g e h e u r e I n t u i t i o n e n : d e r n a t u r-
2 0
Kai ép’ymv Imomémv 61min éyd) Smysfmm, Stalpémv [éxumov] 1 . 0 w i s s e n s c h . Wa g w a r d a m a l s w o h l s e h r k u r z u . u n s i c h e r ; e s s i n d
Kata tpbcw Kai cpptiCmv (5ng éxat. Tong 8:1: «Exxon; (ivadmou; Wa h r h e i t e n , z u d e n e n a b e t d e r v o t i g s i c h g e z w u n g e n f i i h l t , d i e
havedvst 61(6011 éyspaéwag nméoum, mecnsp Encéoa 565w- eine ebenso schrecklich 315 die andre erhebend ist. Um iiberhaupt
‘reg émkavedvovml. Clem. Al. Strum. 5, 14 sagt er von ihnen, einen Eindruck davon zu gewinnen, erinnere ich daran, wie jetzt
,,‘ ; ' ' r v -‘ ., u ' nac em sic as "- e
1 5 gehért haben, den Tauben: von ihnen gilt das Spriichwort 1w.- 1 5 mivw bei ein Hauptsatz. Ein starres Behan'en ist nirgends, schon
psévmg (insivm. ,,Dem Esel ist Spreu liebex als Gold.“ ,,Die w e i l m a n z u l e t z t i m m e r a u f K r i f t e k o m m t , d e r e n Wi r k e n z u -
Hunde bellen jeden an, den sie nicht kennen.“ Offenbar muBte g l e i c h e i n e n K r a f t v e r l u s t i n s i c h s c h l i e B t . Vi e l m e h r l i e g t e s a n
er vorsichtig sein im Aussprechen seiner Wahrheit. Clem. Strom. unserm kleinlichen MaEstabe, wenn der Mensch in der lebenden
5, I3 dkld 1:1‘1 uév mg yvo'xssw; BdBau Kpl’m‘raw dmo’riq d'yuen' N a t u r i r g e n d e i n Ve r h a r r e n z u e r k e n n e n g l a u b t . E i n N a t u r f o r -
3 0 (imcrtin yap Btatpuyydvm (SC. 161 [3&9811) pf] yt'yvcbmcscem. Des— 3 0 s c h e r d e r P e t e r s b u r g e r A k a d e m i e , v. 3 5 1 ' , h a t 1 8 6 0 e i n e R e d e
halb lobte er den Bias aus Priene (offenbar La. I 88 of) nksicov g e h a l t e n , , We l c h e A u f f a s s u n g d e r l e b e n d e n N a t u r i s t d i e r i c h -
3.670; 1”] raw (’1)..ka der verniinftiger ist: weil er gesagt hat oi tige?“ Er bedient sich einer merkwiirdigen Fiktion. Die Schnellig-
nksiatot évepwnot KaKoi). Wahrscheinlich gehért hierher fr. 71 keit des Empfindens u. der willkiirl. Bewegung, also des geistigen
Schleierm. Clem. Strom. V 576 Heraclit. Bern. 32. Ti; 761p Lebens, scheint bei verschiedenen Thieren ungefihr der Schnel-
2 6 8 Vo r l e s u n g s a u h e i c h n u n g e n
Die vorplamnischen Philosophen 269

ligkeit ihres Pulsschlags proportional zu sein. Da nun ZB. beim P u l s s c h i a g u . d i e Wa b r n e h m u n g s f i h i g k e i t u m d a s I o o o f a c h e ,


Kaninchen der Pulsschlag 4 mal so schnell erfolgt als beim
wéhrte unset Leben, ,,wenn es hochkommt“ 80 000 Jahre, erleb-
Rinde, so wird auch jenes in derselben Zeit 4-mal so schnell ten wir also in einem Jahre so viel wie jetzt in 8—9 Stunden, dann
empfinden, 4 mal so vie! Willensakte ausfiihren kénnen als das
w i i r d e n w i r i n 4 S t u n d e n d e n Wi n t e r h i n w e g s c h m e l z e n , d i e E r d e
5 Rind, iiberhaupt also 4 mal so viel erleben. Das innere Leben aufthauen, Gras u. Blumen emporsprieBen, Baume sich belauben
der verschiedenen Thiergattungen (Mensch inclus.) verlauft in 5

u . F r u c h t t r a g e n u . d a n n d i e g a n z e Ve g e t a t i o n w i e d e r w e l k e n
dem gleichen astronom. Zeitraum mit spezifisch verschiedener
sehen. Manche Entwicklung konnte wegen ihrer Schnelligkeit
Geschwindigkeitz u. darnach richtet sich das vetschiedene sub- gar nicht wahrgenommen werden, zB. ein Pilz stéinde plotzlich
]ektive GrundmaE der Zeit. Nut deshalb, weil bei uns dieses a u f g e s c h o s s e n d a , w i e e i n S p r i n g b r u n n e n . Wi e e i n e h e l l e u . e i n e
m GrundmaB verhaltniKméiEig klein ist, erscheint uns ein organi- m dunkle Minute wechselten Tag 11. Nacht u. die Sonne wiirde mit
sches Individuutn, eine Pfianze, ein Thier, an GréGe u. Gestalt der gro'Gten Eile iiber den Himmelsbogen hinxennen. Wiitde aber
als etwas Bleibendes: denn wir konnen es in einer Minute hun— dies tausendfach verlangsamte Leben noch einmal ums tausend—
dertmal und ofter sehen, ohne iiuBerlich eine Veréinderung zu fache retardirt, konnte der Mensch wa'hrend eines Erdjahrs nur
bemerken. Denkt man sich nun aber den Pulsschlag, die Wahr~
—Tnehmm@f§higkeit, den gelstigen ProzeB des Menschen sehr be-
: 3 Ta g u . N a c h t g a n z h i n w e g , d e r S o n n e n l a u f e r s c h i e n e a l s e i n
deutend entweder verlangsamt oder beschleunigt, so andert sich leuchtender Bogen am Himmel, wie eine rasch im Kreis ge~
das griindlich. Gesetzt etwa, der menschl. Lebenslauf, mit Kind- schwungene gliihende Kohle als feuriger Kreis erscheint: die Ve-
heit, Mannesreife u. Greisenalter, wiirde auf seinen tausendsten getation wiirdc in rasendcr Hast fortwahrend emporschiegen u.
Theil, auf einen Monat reduzirt und sein Pulsschlag crfolgte tau- wieder verschwinden. Genug, alle uns bleibend scheinenden Ge-
2:: sendmal so schnell, so wiirde man eine fliegende Flintenkugel 20 stalten wiirden in der Ubereile des Geschehens zerflieEen u. vorn
sehr geméichlich mit dem Blick verfolgen konnen. Wi‘n'de das
w i l d e n S t u r m d e s We r d e n s v e r s c h l u n g e n s e i n . D a s B l e i b e n , d a s
Leben nochmals auf den tausendsten Theil, auf etwa 4o Minuten pf] beiv ergiebt sich als eine vollkommene Tauschung, als Resul—
eingeschtéinkt, dann wiirde man Gras und Blumen fiir ebenso
tat unserer [beschréinkten] rnenschiichen Lntelligenz: konnten wir
Starr un " ' , ' ' ' ' -
noch vie] schneller percipiren, so wurden wir die Ta‘uschung des
2.5 scheinen; von dem Wachsthum der aufbrechenden Knospe 25 Bleibens noch viel Starker haben; déichte man sich die unendlich
wiirde man zeitlcbens ebenso viel u. so wenig wahrnehmen, wie schnellste abet durchaus menschliche Perception, so hort jede
wir von den groGen geolog. Umgestaltungen des Erdballs: will—
Bewegung auf, alles ware ewig fest. Daehte man sich dagegen
kiirliche Bewegungen der Thiete wiirde man gar nicht sehen kon~ die menschliche Perception unendlich gesteigert nach der Stéirke
nen: sie wéiren viei zu langsam; héchstens kénnte man sic er—
u. Kraft der Otgane, so ware umgekehrt auch nicht im unendlich
30schlieEen,wiewirdieBewegungenderHimmeiskorper.Undbei
30 kleinsten Zeittheil ein Behatrendes zu entdecken, sondern nut
noch weiter gehender Verkiirzung des Lebcns wiirde das Licht
e i n We r d e n . F u r d i e u n e n d l i c h s c h n e l l s t e P e r c e p t i o n h a r t a l l e s
das wir sehen, vielleicht geho'rt. Unsere Tone wiirden unhorbar:
Wetden auf, weil immer nur die menschl. Perception gemeint ist.
— LéiBt man dagegen die Menschenleben sich enorm erweitern u.
Ware sie unendlich stark u. drange in jede Tiefe, so horte fur sie
ausdehnen, welch ein anderes Bild! Verlangsamte sich zB. der jede Form auf: nut filr einen gewissen Grad von Perception giebt
270 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplamnischen Philosophen 271

es Formen. Die Narur ist nach innen ebenso unendlich als nach die Erscheinungsform des Einen, keineswegs eine Tduschung: an-
auEen: wir gelangen jetzt bis zur Zelle u. zu den Theilen del- ders iiberhaupt erscheint das Eine nicht. Bevor ich nun die Lehre
Zelle: aber es giebt gar keine Grenze, wo man sagen kénnte, hie; nach den Sétzen H.’s ausfiihre, erinnere (ich) an das Verhé'ltnifg
ist der letzte Punkt nach innen, das Werden hon: bis ins Unend- d i e s e r S é t z e z u A n a x i m a n d e r.
lich Kleine nie auf. Abe: auch im GréBten giebt es nichts absolut
5
,,Alles mit QualitétenVersehene entsteht u. vergeht: also muE es
U n v e r é n d e r l i c h e s . U n s e r e i r d i s c h e We l t m u g a u s z w i n g e n d e n ein qualitétsloses Sein geben“ war Anaximander’s Lehre. Das
Griinden, einmal zu Grunde gehen. Die Wérme der Sonne kann Werden ist eine dancia u. ist mit der (peopd zu biilgen. Aber wie
nicht ewig wéihren. Es ist keine Bewegung denkbar, durch welche kann aus dem (31:81pm! das mit Qualitéten Behaftete, das Wer—
Wérme erzeugt wird, ohne dal} andere Kréifte verbraucht wiir- dende werclen? Und wie kann eine Welt mit solcher ewigen Ge-
I O den. Man mag iibet die Wéirme der Sonne jede Hypothese auf— m setzrn'a'Bigkeit im Ganzen eine Welt lauter einzelner tiSlKim
stellen, es kommt darauf hinaus, daB die Quelle der Wéirme end- sein? 1m Gegentheil: die Bahnen ieder Sacbe, jedes Individuums
lich ist. Im Verlauf ungeheurer Zeiten muE die gauze uns so un— sind vorgeschrieben u. werden nicht dutch {SBptg iiberschritten.
absehbare Dauer von Sonnenlicht u. Wérme vollig verschwin- Aixn zeigt sich in dieser GesetzméBigkeit. Wenn aber Werden u.
I‘I --u|n .51 I.‘ AII.II I; n‘ n‘ ."|*.V
-v -- \I. ---- *u- Six sind. so giebt es auch keinen
I 5 kung der Naturkréfte ,,wir kommen zu dem unvermeidlichen 15 solchen Dualismus zwischen einer Welt des t’inatpov 11. (let Qua»
Schlusse, daB jede Ebbe und Fluth fondauernd u. wenn auch litéten. Denn die Qualititen siud ja Werkzeuge des Entstehens u.
u n e n d l i c h l a n g s a m , d o c h s i c h e r, d e n Vo r r a t h m e c h a n i s c h e t K r a f t Vergehens, also Werkzeuge der Aim}. Vielmehr muB die tipx’r'],
des Systems verringert, wobei sich die Axendrehung der Planeten das Eine im Entstehen u. Vergehen, also auch in seinen Qualit5«
v e r l a n g s a m e n m u E u . s i e s i c h d e : S o n n e o d e r i h r e Tr a b a n t e n ten im Recht sein: im Gegensatz zu Anaximander muB es dem-
2 0 ihnen néhern miissen. Also kann auch von einer absoluten zo nach alle Prédikate, alle Qualititen haben, weil alle ZeugniB
Strenge unserer astronomischen Zeitskala nicht die Rede sein.“ von Sim] ablegen. Die ganze Welt des Verschiedenen legt also H.
Das ist nun die intuitive Perception Heraclits: es giebt kein dem Einen um, in dem Sinne, daB es in ihnen allen sich offen—
Ding, von dem man sagen konnte ,es ist“. Er leugnet das Sei- bare. Damit abet ist das Warden u. Vergehen die Haupteigen-
e n d e . E r k e n n t n u : d a s We r d e n d e , d a s F l i e B e n d e . D e n G l a u b e n schaft des Princips. Die oeopa 1511 also kemesfanmfsmzfeTSo—r‘
2'5 an das Beharren behandelt er als Irrthum u. Dummheit. Dazu 2.5 stellt Heraclit seinem groBen Vorginger dem Lehret der éSlKia
fiigt er nun den Gedanken: das aber, was wird, ist eines in ewi- der Welt gegeniiber eine Kosmodicee.
ger Umwandlung: und das Gesetz dieser ewigen Umwandlung, Also nichst dem Warden ist der zweite Hauptbegriff die
der M770; in den Dingen, ist eben jenes Eine, to 1:13p. Also das Aixn. Clem. Strom. III 473 ,,man wiirde den Namen der Aim}
e i n e L i b e r h a u p t We r d e n d e i s t s i c h s e l b s t G e s e t z ; d a E e s w i r d nicht kennen, wenn es nicht Gesetze gébe.“ Plutarch de exilio
3 o u . w i e e s w i r d , i s t s e i n We r k . H . s i e h t a l s o n u r E i n e s , a b e t i m 30 cap. 11 1"]th 761p 013x bnsprloetm uérpu' si as pf], ’Epwbsg
entgegengesetzten Sinne als Parmenides. Alle Qualititen der pw AiKng énixoupm éisupho‘ouow. Dann ber‘uhmte Stelle
D i n g e , a l l e G e s e t z e , a l l e s E n t s t e h e n u . Ve r g e h e n , i s t f o r t w é i h - Clem. Strum V 599 xéopov rovés 16v amov émt'xvrmv oi’m: 1:1;
rende Existenzoffenbarung des Einen: die Vielheit, die nach Par— Berbv 06m dvepcimwv énoinosv. (1703 iv; 6151 Kai éomt 1:13p dei-
men. eine Téiuschung der Sinne ist, ist fiir Heraclit das Gewand, Cmov, énrépsvov pé‘rpu Kai r’moaBevvt'msvov uétpu (sich ent-
272 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 273

ziindend nach MaEen und verloschend nach MaGen). Der PtozeE m e n a u s s a g t : s i e s e i e n w i e i n e i n e m K n o t e n i n e i n a n d e rg e s c h l u n - W


dieser AiKn ist der Hékspog, der dritte Hauptbegriff. Bei Sto- gen. ,,In jedem Menschen wirkt 23. die Kraft des Todes wie des
baeus Ed. I, 60 wird die giuuppévn (das gauze Weltgesetz) defi- Lebens in jedem Augenblick seines Daseins. Das Eintreten von
nirt als kéyog éK If]; évavnoSpopiug Snploup-yog ubv (mum L e b e n u . To d 11 . v o n Wa c h e n u . S c h l a f e n i s t n u r d a s s i c h t b a r {
oder nach Plutarch ist sie mkivrponog dpuovin Koapou. Origen. 5 werdende Ubergewicht, welches je die eine Kraft iiber ihren Ge-
c. Cels. VI 42. heiiKt es geradezu: man mul? wissen, dafg der Krieg gensatz gewonnen u. augenblicklich wieder an diesen zu verlie— ‘|
gemeinschaftlich ist und die Aim Streit ist u. daB alles gemiiB [en anféngt. Wirksam sind immer beide Krifte zugleich, da ihr ’
dem Streite geschieht. ewiges Streiten weder Sieg noch Unterdriickung auf die Dauer
D i e s i s t e i n e d e r g r e g a r t i g s t e n Vo r s t e l l u n g e n : d e r S t r e i t a l s
5. zuléilgt. Plut. Consol. ad Apoll. 10. in demselben ist das Lebende j
‘1'
I O d a s f o r t w é h r e n d e Wi r k e n e i n e r e i n h e i t l i c h e n g e s e t z m é i l i i g e n v e r- 1 0 und das To d t e und das Wa c h e n d e u. Schlafende und das Junge ‘\
n i i n f t i g e n A i m ] , e i n e Vo r s t e l l u n g , d i e a u s d e m t i e f s t e n F u n d a - u . A l t e . D e r H o n i g i s t z u g l e i c h b i t t e r u . s i i B . D i e We l t i s t e i n
ment des griechjschen Wesens geschépft ist. Es ist die gute Eris Mischkrug der besténdig umgeriihn werden muB, um sich nicht
Q
H e s i o d s , z u m We l t p r i n c i p g e m a c h t . D i e G r i e c h e n u n t e r s c h e i d e t zu zersetzen. Aus derselben Quelle stromt das sonnige Lebens-
- n . . . n. u .r ' ....=‘

I5
im Entscheiden des Wettkampfes. Jedes Einzelnexkimpft
5
als b es dutch die Beziehung des Menschen zur
1
umgebenden Luft(1:o 1:8— l
allein berechtigt sei: abet ein unendlich sicheres M213 des richterl. ptéxov) Bei Tags, wo dieses naptéxov vom Lebensprincip des .‘
Urtheils entscheidet, wohin der Sieg sich lenkt. Aus den Gymna- Feuers erfiillt sei, ist der Mensch eins mit dem ,,Gemeinsamen“
s i e n , a u s d e n m u s i k a l . A g o n e n , a u s d e m S t a a t s l e b e n h a t t e H . g u v é v, a l s o b e i S i n n e n é m p p m v w a c h u n d l e b e n d i g . I n d e r N a c h t ,
d a s Ty p i s c h e d i e s e s w o k e u o g k e n n e n g e l e r n t . D e r G e d a n k e v o n w o d a s F e u e r v e r l i s c h t , r e i l i t d a s B a n d , d a s d e n M e n s c h e n m i t i
m Holspog — (Sim-l ist der erste spezifisch hellenische Gedanke 10 dem Gemeinsamen zusammen héilt. Der Mensch féillt darm sich i
in der Philosophie, womit nicht gesagt ist, daB er nicht universal, selbst anheim, mufi sich selbst ein Licht anziinden, sinkt in
sondem nur national giiltig sei: sondem vielmehr: nur eiu Grie- Schlaf, wird vergeKlich u. todt. Zum Leben kann er nu: wieder ‘
c h e w a r i m S t a n d e , e i n e m s o e r h a b e n e n G e d a n k e n d e r C o s m o d i - g e w e c k t We i - d e n d u t c h n e u e A n n é h e r u n g a n d a s F e u e r, w i e v e r l é - i
cee zu finden. schende Kohlen zu hellgliihenden gelegt wieder in gemeinsamer
2 5 D a s e w i g e W e r d e n h a t j a z u n é i c h s t e t w a s E r s c h r e c k e n d e s u n d : 5 F l a m e a u f l o d e r n . D i e s e i n B i l d v o m M e n s c h e n l e b e n . Vo n d e r
U n h e i m l i c h e s : a m s t i r k s t e n d e r E m p f i n d u n g z u v e r g l e i c h e n , m i t g a n z e n We l t s a g t L u c i a n ( i n d e r Ve r s t e i g e r u n g d e r P h i l o s o p h e u I
der Jemand, mitten im Meere, ode: auch bei einem Erdbeben, 14) "cine-s u. dasselbe ist Lu5t Unlust Wissen und Unwissen Gro-
alles bewegt sieht. Es gehorte cine erstaunliche Kraft dazu, diese Ees Kleines aufwiirts abwéirts wandelnd und sich vertauschend ‘
Wi r k u n g i n d i e E n t g e g e n g e s e t z t e , d i e d e s E r h a b e n e n u . d e r b e - i n d e r We l t z e i t S p i e l é v I t ] 1 : 0 0 a i d w o g n a i S t f ] . E i n K a u f l u s t i g e r
30 gliickten Verwunderung zu iibertragen. Wenn alles im Warden 30 fragt Ti yap o aicbv éo‘n; Herald. antwortet not; nuiva usa-
ist, so kann dcmnach kein Préidikat an einem Dinge haften, son- cabwv cuvBangpouevog (= év 1:6) Blawépsoem Guiupspéusvog.
Zeus wird in seiner weltenbildenden Thh'tigkeit mit einem Kinde

dem
muE
ebenfalls
Strome
im des
Werdens
sein.
Nun
nahm
lH.
w a h r, d a E d i e e n t g e g e n g e s e t z t e n P r é d i k a t e s i c h n a c h s i c h z i e h e n : v e rg l i c h e n d a s ( w i e I l i a s O 3 6 1 v o n A p o l l o g e s a g t w i r d ) S a n d —
etwa wie Plato irn Phaedon es vom Angenehmen u. Unangeneh- haufen am Strande des Meeres but u. zerstort cf. Rhein. Mus. 7
2 7 4 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n
H
Q
I.- Die vorplatonischen Philosophen 275

p. 109. Bernays. ,,Der Strom des Wardens ununrerbrochen flie- Anaximanders. H. glaubte an (lessen naturwissenschaftl. Autori—
Bend wird nimmer stille stehen u. wiederum ihrn entgegen der tat. Clem. Strom. V 599 nupég tponai, anJ'rov BdMan, 9a-
Strom der Vernichtung, Acheron oder Kokytos genannt von den ).(ioo'ng 5e 1:6 pév mum) yf], 1:6 5g fjme npnothp. Denn das
Dichtern.“ Diese beiden entgegengesetzten Strome sind die évav- Wasser geht theils absteigend in Erde theils aufsteigend in Feuer
noépopia. ,,Aus dem sich Entzweienden entsteht die schonste 5 i i b e r. A u s d e m M e e r e s t e i g e n n u r d i e r e i n e n D i i n s t e a u f , w e l c h e
Harmonie.“ Nic. Ethik VIII 2. [Plan Symp. 187A] Arist. de dem Feuer zur Nahrung dienen, aus der Erde nur die dunkeln,
mundo 5. ,,Verbinde Ganzes und nicht Ganzes Zusammentreten— nebeligen, aus denen das Feuchte seine Nahrung zieht. Die reincn
des u. Auseinandertretendes, Stimmendes u. Nichtstimmendes, Diinste sind der Ubergang des Meeres zum Feuer, die unreinen
und aus allem wird eins u. aus einern alles.“ ,,Indem das All der Ubergang der Erde zu Wasser. Also ein DoppelprozeG 656g
I O
auseinandergehe, komme es wieder mit sich selbst zusammen, IO Kdm) u. (Iva), beide eins u. immer neben einander herlaufend.
wie die Harmonie des Bogens u. der Leyer.“ ,,Das Gute und das Hier sind alle Grundanschauungen von An. entlehnt: das Feuer,
Bose geht in dasselbe zusammen nach Art des Bogens und der das durch die Ausdiinstungen der Erde unterhalten wird die Ab-
Leyer.“ Hjer is: 13108 Riicksicht auf die auBeIe Form der Instru- sonderung der Erde u. des Feuers aus dem Wasser. Uberhaupt
mente enomm :» .-.. _ ‘ .-.7 ; 2’ . g.... '
1 5 bei der Leyer sind die beiden Képum ausgeschweift u. Iaufen ‘ [5 15:, daraus sich alles Andere entwickle. Nur eins ist nicht da,
dann durch Kriimmung nach Innen in das Mittelstiick zusam~ néimlich das Kalte, als Nebenprincip des Warmen. Denn da alles
men. 50 zuerst Bernays: darnach Rettig, Ind. lect. Bern. 1865 Feuer ist, so kann es gar nichts geben, was nicht Feuer, was der
,,wie die beiden widerstrebenden Moments des verloschenden Gegensatz des Feuers ware. Wir miissen also wohl Her. den Ein—
u. sich entziindenden Feuers die Erscheinung bedingen, ebenso wand gegen An. zuschreiben, daE es gar keine absolute Kalte
1 . 0
bedingt das Auseinanderstreben der Leyer u. Bogenarme die z o g e b e , s o n d e r n n u r G r a d e d e s Wa r m e r ) : w a s j a p h y s i o l o g i s c h
Spannung.“ Arist. Rhet. III 11 bezeiclmet einmal das tééov als leicht zu beweisen war. Also entfernte H. zum zweiten Male
(pépuwé dxop509 einen Dualismus aus der Lehre Anaxjmanders. Dabei modifizirte
Der vierte Hauptbegriff ist das Feuer. Wir sahen daB H. er einzelne Lehren, 18. von den Gestirnen. Diese bestanden nach
auf das von Anaxrm<ander> aufgestellte Problem von der (Hindu An. aus radformigen Hi'ilsen, in denen Feuer eingeschlossen war.
2 5 eine Antwort giebt, die der Sim]; zum zweiten Male ist er durch 25 Nach H. waren es Nachen, in denen sich die angesammelten
das Feuer, wie er es faEt, tief abhangig von demselben. Die erste reinen Ausdiinstungen befanden. Dreht sich der Nachen um, so
Stufe der werdenden Welt war ja das Warme u. das Kalte flit entstehen Sonnen— u. Mondfinsternisse. Diese Sonne ist also
An.: daraus das Feuchte, der Mutterschoog aller Dinge. Nun ist e i n e b r e n n e n d e D u n s t m a s s e : d e n Ta g i i b e r v e r z e h r e n s i c h d i e
das Feuer nicht bloB bei H. das sichtbare, sondern das Warme, Dilnste u. morgens erzeugen sic sich wieder: die Sonne ist jedcu
3 0 die trockenen Diinste, der Hauch: so sagt er wvxijot Edvarog 3 0 Ta g n e u .
(3603p78Vé0’9t11,Watt52Grim-tog711vyew-309m-éx1mg8%:65min Eine dritte merkwiirdige Ubereinstimmung mit A.mander
yivswt, éé {350.10g 5i: wux'r']. Die Seele hier nur als der warme liegt in der Annahme von periodischen Weltuntergingen. Die ge—
Athem, als ,,feurig“ verstanden: also drei Stufen der Umwand- g e n w a r t i g e We l t w e r d e s i c h i n F e u e r a u f l o s e n , a u s d e m
lung Warmes, Nasses, Festes (Erde) Dies ist ganz die Anschauung We l t b r a n d e i n e n e u e We l t h e r v o r g e h n : d i e We l t z e r s t o r u n g n e n -
27
6 V o r l e s u n g s a u‘ f z e l c h n u n g e n D i e v o r p l a t o n i s c h e n P h i l o s o p h e n 2 7 7
nen die Stoiker éKnépmm; noch nicht Heraclit. Nach Hippol. l.“ s e l b s t R i c h t e r. C l e m . A l . V 9 p . 6 4 9 P o t t e r b e z e i c h n e t d i e é K -
Refut.
, IX_10: nden 176
é p m1:13p
m g énsleév
a l s prei Kai
w aKurakrjwetm.
81d nupbg Kdeupow tdw Kauai); BeBumcé‘rmv
Bf?! AIL fiver es dle allméihliche Austrocknung des Meeres, also mit Bezug auf ,,Kai Sim] Karahnwstat weuédw Téxtovar; Kai

gefolgt
sehen
H.
EinfluB
so
daB
wir,
der
ist,
5V des
orgéingers
“(19‘1me
5selbst
g“mpme
dieerlangte
dieRemheit'
em allma'hllches Uberhandnehmen des Feurigen. Da ihm hierin pdp‘mpag. Grobes MtiersténdniE: der WeltprozeB ist die

8‘08 351mg W313 Hm ZU Einer nicht logischen Consequenz 111 So endlich gewinnen w'Lr den diistem Gesamtausdruck der
dréngen- Fruhel’ kimpften Schleierm. u. Lasalle dagegen an: aber Heraclitischen Ziige: derentwegen ihn die Spitern als den “wei-
113Gb dem Erscheinen des Hippolyt. Buches (9, I0) ist es auger nenden Philosophen“ bezeichnen. Die merkwiirdigste Stella Plut.
Zweifel, daB H. die Weltperiode, in welcher die Vielheit der - dc SOUEIt- animalium 7. ’EuneSoxlflg Kai ‘dexlsuog — no)»-
m Dinge zur Einheit des Urfeuers hinstrebt, als einen Zustand be— A‘ ‘0 Mm; 650P6H3V01 Kai XOISOPODVTK “1" (WOW 50'; ‘inYKT'IV Kai
gehrender,,Di'1rfn'gkeit“auffaf§texpnouocbvn,dagegendiePg-T567~ELIOV013011":dHWéG55P-Tlaév“715‘SEiMKPWéQEXOUO'OW,
riode (let in das Urfeuer eingegangEnen welt 315 Samba-t Képog‘ (me 816! ROM/aw Kai dSiKcov nathv nepawopévnv 61101) Kai
Wie er nun das Hinaussn-eben in die Vidheit manure, das wissen 1f“! 'yéveo‘w ul’J‘rf‘v éEJ {1311(ng o'uvaxdvew léyoum IQ) Gvnrtg)
‘ ., ..‘. . . . ....

l .Je -, —-: . 7:. . iemerwurxge


15Annahme,daBerdasHinausstrebenBBpLggenannthabe,nach 15 Kpl'JO'IV uékscl 1:01") yewflcavtoq (inocnwuévmg. Das Einzelne ge-
dem Satze tixtet Képog {Slipwz in dem einen satten Feuer bricht h i i r t a l l e r d i n g s E m p e d o c l e s a n . D e r g a n z e We l t p r o z e l g e i n k a —

dieSuchtzurVielheitaus.Fiirxpnopocévnhaterauch11116; thartischer Strafakt, dann ein Képog, dann neue iiliptg u. neue
Reinigung usw. Also die wunderbarste Gesetzmilgigkeit der
gesagt. Hippol. 9, IO 6 986g npépn ngopévu, #:1de Gépog,
We l t , d a r i n a b e t e i n e i h r e e i g e n e ( 1 5 m i n a b b i i B e n d e S i m ] . U n d
nolanog aipflvn Képog Muég. Nach dieser Vorstellung hat er
20 wohl das Feuer fiir ewig gehalten, aber die Welt fiir entstanden: 2.0 das war insoweit consequent, als Heraclit sagen muEte Sim] (1451-
Kiu: die Gegenséitze sind ineinander.
ganz wie Anaxim. Wir finden in der wahrscheinl. Vorstellung Diese ganze Annahme ist zu verwerfen: abet ihre Besprechung
:21:Dam;llndefWaltfmstehungu'“ldemRiChtenhumdesfiihrtindasHerzderheraklit.Anschauung.Erstensistdas
ximanders: die Vielheit behiz'lt auch fiir H. etwas AnstéBiges die ‘ GIEiChseir'l vo‘n ai'xn (Hindu u. Maeév Kaxév' ganz unherakli- ‘
25 Verwandlung des Reine" in das Unre_ . ' h hn ’ I 2.5 nseh. Es lSt dles eme Folgerung, d1e er selbs-t mcht gezogen hat.
H me [St mc t o e Schuld Zn 2 Anstot. Metaph. IV 3. Stellen gesammelt bet Zeller I p. 546. Be—
erklaren. Der ganze Verwandlungsprozelg vollzieht sich nach den ‘ senders beweisend ist daB Hi 01 t “In em“ ihnliChES 3115
9855‘?“j“5i“?daSCimflneIfldi‘fiduumiStalsof’elV0“6‘5"HeraclitsWomenzubehaupterljiuyk’eineranderenStelleseine"“
$1,;heatifsdf:imeltrexggnrgzjdlisemMgég
13715119013“‘.Zufluchtnjmmt9,IO,,dieAnte,welchedieKrankenschneiden'l
30denKerndefDingeverlegtdieeinZZIIlflggh1-61151K“?Wll'd1113c
' brennenu.aufjedeWeisebi‘ispeinigen,maehendannnocbden
endasm. D W l K, ‘ I rsc emung wud davon “ 4 Anspruch, obwohl sne kelneswegs Lohn vel’dlenen,"e1nen selchen
cf 6 IPI‘OZt? lst em ungeheurer Bestrafungsakt, V von den Kranken zu erhalten, 51e welche jene schonen Dlnge u.
Walten der Sun] 11. damn Reinigung KdBapO'tg des Feuers. Die die Krankheiten selbst zu Stande bringen.“ Hippolyt nimmt das l
Emhelt abet des Feuers u. der Siren ist festzuhalten, es ist sich ironische Eryqu ganz ernst: dh. die Arzte betrachten die Ubel,
Y
2 7 8 Vorlesungsaufzeichnungen Die vorplatonischen Philosophen 2 7 9

die sie den Menschen zufiigen als dyaBd. — Vielmehr ist herakli— gedriickt: Stob. Floril. bicécuw Ao’youg flicouo'u, obéaig dipncvai-
risch, dafS dem Gott alles gut erscheint, dem Menschen vieles mi gig 101310 (13015 yi'yvcbcncaw 61:1 croqx'w écm ndvtwv stmpio-
schlecht. Die ganze Fiille von Widerspriichen u. Leiden nahm pévov. ,,das was allein weise ist, die 'yvdmn ist getrennt von 1d
Herald. an, sei in der unsichtbaren Harmonie fiir den beschauen- m i v t a , s i c i s t e i n s i n A l l e m . P l u t . d e I s i d e c . 7 6 v e rg l e i c h t d i e
den Gott verschwunden. Nun war aber eine Hauptklippc, wie Wiirde des Lebendigen mit dem Leblosen: ,,in dem Leblosen , u.
die Erscheinung des einen Feuers in so Vielen u. unreinen Formen sei es Gold u. Smaragd, wohnt die Gottheit nicht: unwertl'ier als
méglich sei, ohne damit in die Dinge etwas zu verlegen von (:61- Leichnam ist alles, was des Lebens bar u. seiner Narur nach un-
Kia. Hierfiir hatte H. ein erhabenes GleichniE: ein Werden u. féihig ist; dagegen das Lebendige, Licht schauende, eigenkriftige
Vergehen ohne jede moralische Zurechnung giebt es nur irn Spiel Bewegung u. Kenntnilg von Eigenem u. Fremdem besitzende We-
[ 0
des Kindes (Oder in der Kunst) Als unkiinstlerischer Mensch griff : 0 sen hat in vollen Ziigen eingesogen Aussm‘jmung u. Theil von
er nach dem Kinderspiel. Hier ist Unschuld u. doch Entstehen- dem das erkennt wie das All gesteuert wird, um mit Heraklit
lassen u. Zerstéren. Es soll kein Tropfen von ii'o'ucia in der Welt zu reden éx 1:00 (ppovoovtog 61m); Kulispvarai 1:6 obpnav, Kae’
zuriickbleiben. Das ewig lebendige Feuer, der uitbv, spielt, baut ‘ H p é x k e t t o v. Wa b r s c h e i n l i c h h a t H . y v o ' m n g e s a g t . B e r n a y s I X
aufund zerstértzderl'léks o 'enes -;-.-n. .o- .7 -, '- {- U I - u'u ' - |.-'c., i, 't;' nu!
I 5 denen Eigenschaften, geleitet von der Aim-l ist nur als kiinstleri- 1 5 weil er nur noch ein beschauliches Erkennen begreift, im Ge-
sches Phinomen zu erfassen. Es ist eine rein éisthetische Weltbe- gensatz zu H. der nur cin wirkendes Erkennen gekannt habe.
trachtung. Ebenso sehr die moralische Tendenz des Ganzen als Dies ist zuviel gesagt: denn es wire doch nu: ein Analogon zu
die Teleologie ist ausgeschlossen: denn das Weltkind handelt Ev ndwu siSévm. Der wichtige Contrast ist vielmehr dieser: das

nicht nach Zwecken, sondern nur naeh einer immanenten Slim. e w i g z u m S p i e l d i e We l t b a u e n d e F e u e r s c h a u t d i e s e n g a n z e n


2 0
Es kann nur zweckmélgig und gesetzmiillig handeln, aber es will 2 0 ProzeB an, 5hnlich wie H. selbst diesen ganzen Prozelg mit an-
nicht dies u. jenesz“. Das ist die Kluft zwischen Heraclit 11. Ana- sieht: weshalb er sich We i s h e i t zuschreibt. Eins zu werden mit

xagoras: und das ist der Punkt, den die neueren Erkléirer gar d i e s e r a n s e h a u e n d e n I n t e l l i g e n z i s t We i s h e i t : n i c h t e t w a m i t d e r
nicht verstanden haben. Das ZeugniB des Hippolyt, das Feuer wirkenden. Es ist zu unterscheiden zwischen der 5qu in der
sei—qrpowpov Kat mg biomnoswg raw 6'va ninov. Eine 'yva'mn Form des Prozesses u. yener alles iiberschauenden Intuition: ]ene
1 5 ist es, welche Alles durch Alles lenkt. Hippolyt IX 9 013K épof) 2-5 immanente Sim] Oder yvdmn, in Gegensé’tzen waltend u. jenc
and rot”) Aéyou dKobcuvtug buoloyéew ooq>év écmv Ev mivta d e n g a n z e n n é l s u o g i i b e r s c h a u e n d e F e u e r k r a f t . Wi r k é n n e n u n s
Eiéévai. Weise ists nicht auf mich sondem auf den 16709 hérend nur an der Thitigkeit des Kiinstlers diese Ansehauung deutlich
zu bekennen, eines wisse alles. Negativ u. sehr emphatisch aust— machen, die immanente Slim u. yvdmn, den nékeuog als deren
Bereich u. wieder das Gauze als Spiel, iiber allem anschauend
3 0 w a l t e n d d e r s c h é p f e r i s c h e K i i n s t l e r, d e r w i e d e r u m i d e n t i s c h i s :
14 Die Stalker haben Heraklit ins Flache umgedeutetr Er selbst hielt
m i t s e i n e m We r k . D a g e g e n w i l l A n a x a g o r a s e t w a s g a n z A n d e r e s .
an Ider héchsten GesetzmiiBigkeit der Welt fest, doch ohne den gemeinen
staischen Optimismus. Wie stark aber die ethische Kraft der Stoiker war, Er meint, ein bestirnmter Willa, mit einer Absicht, nach Art des
zeigt sich darin dag sie ihr Princip zu Gunsten der Willensfreiheit dutch- m e n s c h l i c h e n g e d a c h t , s e i d e r O r d n e r d e r We l t . D i e s e r t e l e o l o g i -
brachen. schen Ansicht halber nennt ihn Aristoteles den ersten niichter—
280 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 281

nen. Eine Féihigkeit, die jeder kennt, namlich bequt zu wol— dem 1670; leben u. ihn erkennen, das macht, weil ihre Seelen
len war hier ins Herz der Dinge verlegt: jener vng ist vielmehr ,,nal§“ sind, im Tode des Feuers. BopBépcp xuipsw ist das Wesen
der Wille in dem populiren Sinne des Wortes: das Wollen nach der Menschen. ,,Schlechte Zeugen sind den Menschen Augen u.
Zwecken. Hier komrnt zum ersten Male der robe Gegensatz von O h I e n , w e n n S c h l a m m d i e S e e l e e i n n i m m t . Wa r u m d a s s o i s t ,
Seele u. Materie in die Philosophie: eine Kraft die erkennt, wird nicht gefragt, ebensowenig, warum Feuer zu Wasser u. Erde
Zweck setzt, aber auch will, hewegt usw. u. ein starter Stoff. Es wird: es soll ja nicht die ,,allerbe5te Welt“ sein, sondern nur ein
ist sonderbar, wie lange sich die griech. Philos. gegen diese Theo- Spiel des aidw. wuxfjo‘t dea‘tog Gypijcn TEVéo‘BuL. An sich gilt
rie straubt: es war eben gar nicht die griechische Anschauung ihm der Mensch als tiloyog: nur durch seinen Zusammenhang
Leib u. Geist zu unterscheiden, als Materie u. Nichtmaterie: wir mit dem Feuer hat er Theil an dem £1)ng Aéyog. Es ist ganz
X O
stehen jetzt diesen Dingen anders gegeniiber. Herald. hat noch I D i r r t h i j m l i c h , g e g e n H e r a c l i t Vo r w i i r f e z u h a u f e n , d a B e r k e i n e
eine urhellenische weil innerliche Betrachtung dieser Dinge. Es Ethik habe: wie Heinze p. 49 ff. ,,Alles geschieht gemaE dem Lo-
fehlt noch ganz der Gegensatz von materiell u. immateriell: u. gos, alles Weltliche ist verniinftig, wie ist es méglich daE dieses
das ist das Richtige. 7 Es ist also verkehrt jene Ansicht von der oberste Gesetz gerade in den héchsten Erscheinungen der Natur
lntelligenz zu verwerfen, weil Anaxagoras erst den mange- so wenig Erfiillung finder? Woher der grelle Widerstreit zwischen
1 5 fiihrt habe nach Aristoteles (so Heinze Logos 9. 3 5). — Wie also 1 5 d e n v e r s t a n d l o s e n u . d e n m i t Ve r s t a n d b e g a b t e n E r z e u g n i s s e n
haben wit die Lehre von der éicm'ipcomg zu beurtheilen? H. d e r s e l b e n N a t u r ? Wa s s o l l d i e S i m ] b e s t r a f e n , w e n n d i e e i p a p -
schloB sich der Wahmehmung Anax.’s an, daB die Erde trockner p é v n u . d e r h é ' y o g a l l e s b e s t i m m e n ? “ D a s s i n d l a u t e r I r r t h i i m e r.
werde: ein Untergang durch Feuer steht bevor. Jenes spielende D e r M e n s c h i s t g a r n i c h t d i e h é c h s t e E r s c h e i n u n g i n d e r N a t u r,
Weltenkind baut u. zertriinunert forrwa‘hrend, aber von Zeit zu d a s i s t d a s F e u e r. E s g i e b t g a r k e i n e n Wi d e r s t r e i t , s o n d e m s o
2 0
Zeit fang: es das Spiel von Neuem an: ein Augenblick der Sitti- 2 0 weir der Mensch Feuer ist, ist er verniinftig, so weit Wasser un-
gung, dann neues BediiirfnifS: das fortwéihrende Bauen u. Zer- verniinftigzi eine Nothwendigkeit, daE er den Aéyog etkennen
triimmern ist eine xpnouom'wn, wie dem Kiinstler das Schaffen m i i s s e , q u a M e n s c h g i e b t e s n i c h t . Wa r u m g i e b t e s Wa s s e r ,
ein Bedi‘u'fnil? ist, die nutStd ist ein BediirfniB. Von Zeit zu Zeit warurn Erde? ist eine viel emstere Frage fiir Heraclit, als die,
trirt ehe—Hbersattigung em: dann giebt es nichts als Feuer d. h. warum die Menschen so dumm smd. Die cum soll rucht straten:
3-5 alles wird von ihm verschlungen. Nicht SHpig, sondern der neuer- 2 5 sie ist die immanente Gesetzma'Bigkeit, die sich in dem dummen
wachende Spieltrieb treibt ietzt wieder zur StuKéopncng. Hie: Menschen ebenso zeigt wie in dem hdchsten Menschen. Die ein—
erreicht die Abneigung gegen jede teleologische Weltbetrachtung zige Frage, die iiberhaupt aufzuwerfen ist ist: warum ist das
ihre Spitze: das Kind wirft das Spielzeug weg: sobald es abet Feuer nicht immer Feuer? Darauf sagt er: ,,- es ist ein Spiel.“
spielt, verfa‘hrt es mi: ewiger Zweckma'Bigkeit u. Ordnung. — Nehrnt‘s nicht zu pathetisch! H. beschreibt nur die vorhandene
3 0 Nothwendigkeit u. Spiel: Krieg und Gerechtigkeit. 3 0 We l t , i n d e r s b u p é o ‘ t n m g , i n b e s c h a u l i c h e r n Wo h l g e f a l l e n a n
Sehr charakteristisch ist nun auch, dal? H. eine Ethik, mit Impe- allem Erkannten: diister, schwermiithig, finster, pessimistisch
rativen, nicht kennt. Alles ist ja siuupuévn, auch der einzelne finden ihn nur die, welche mit seiner Naturbeschreibung des
Mensch. Das Schicksa] des Menschen ist sein angeborener Cha— Menschen nicht zufrieden sind. Im Grunde ist er der Gegensatz
rakter fleog 761p liveptbmp 5aiucov. D28 so wenig Menschen nach des Pessimisten. Andererseits ist er kein Optimist: denn er leug-
2 82 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 283

net nicht das Leiden 11. die Unvernunft hinweg: der Krieg zeigt ihn zuriick. e Apollodor nahm an daE Parm., nach unserer fril—
sich ihm als der ewige ProzeB der Welt. Aber er beruhigt sich bei heren Berechnung, in der timid] etwa 64 Jahr war. Er horte
einer ewigen sipappévn u. nennt sie, weil' sie alles iiberschaut zojahrig Anaximander in dessen c‘uqni Ol. 58, 2. 7 also muB
Koyog yvcbpn; dies ist echt hellenisch. Es ist in ihr cine dpuovia, Parm. ungeféhr Olymp. 53 geboren sein. So nach Theophrast
abet eine die auf dem Gegensatz beruht nakivrportog Erkennbar L'l. Apollod.“ Hiergegen ist die einzige Einwendung dalZ dabei
ist sie nur fur den beschauenden Gott u. fiir den ihm ahnlichen Parmen. nicht in Elea geboren sein kann. Denn dies wurde erst
Menschen. Olympi 6I gegriindet. Nun kann keinesfalls schon Ol. 69 seine
c’nqn‘l sein, wenn er erst nach Ol. 61 geboren ist. Deshalb muB
Apollodor angenommen haben daB er (2. gojahrig erst in Elea
I O
eingewandert ist, daB er also anderswoher stammt: ist er nun
$ 1 1 P a r m e n i d e s u n d s e i n Vo r l i i u f e r X e n o p h a n e s . P a r m . Schiller des Anaximander, so haben wir gewifg an Milet zu den-
u. Herald. sind Zeitgenossen: Apollodor berechnete ihre Bliithe ken. Es ist also wie bei Xenophanes, der ja auch als Eleat allein
I D
auf Ol. 69 (504—500 v. C.). Hier sehen wir daB er bereits Kritik bezeichnet wird, aber aus Colophon stammt. — Die Zeit des Xe—
;’| I. . I r *1 i..|’i‘ u' ' i’ r p: "a I _
gemacht hat. Plato néimlich im Parmen. 127 A Theatet 183 E 15
1(qu mv teooupaxoornv bluumééa yavépevov nuputstmcéval
Sophist 217 C setzt voraus, Sokrates sei mpoSpa véog zu Athen (‘ixpi tdw Aapsiov TE Kai Kt'Jpou xpévmv. Genauer miissen jene
mit Parm. u. Zeno zusammengetroffen, jener c. 6 5, dieser beiden Namen umgestellt werden: Cyrus T01. 62, 4, Darius
[ 5 4o Jahr alt, zum Fest der Panathenaen. Nun hat man berechnet: kommt 64, 4 zur Herrschaft. Um Darius noch erleben zu k611-
war Socrat. damals I5 Jahr alt, dann ist Parmenides c. 519 ode: nen, hat also Apollod. ihn sich c. 96jéihxig gedacht: dh. Zn 0]. 4o
520 geboren. Deshalb haben wohl Eusebius Chron. z. 01. 80 u. , ‘ 1 . 0 hinzugerechnet 2.4 Olymp. (= 96) giebt 01. 64. Damit stimmt das
Syncellus 259 C seine Bliithe um IO Olymp. jiinger angesetzt: Selbstzeugnilg La. [X I 9 Bergk. p. 4803 mu S’étttd r’ éum Kai
sogar als Zeitgenosse von Democrit Gorgias Prodikus u. Hippias égnxovt’ évtuoroi | Bknorpigovrgq épr‘lv tppovrié’ (iv’ ‘EMdBa
2 0 erscheint er. Alle Schliisse, die auf Plato gebaut sind, Sind abet 'Y‘FIV‘ I éK ysvarfg 5e tér’ {wav ésixoat név-re 1:8 npog wig, l
z u v e r w e r f e n u . b e r e i t s v o n A p o l l o d o r v e r w o r f e n w a r d e n : P. i s t clasp éyd) napl IGJVS’ olSa kéysw étoumg. I (ppov-tig der Aus-
eine absolut unhistorische Natur; seine Anachronismen siud 2-5
druck fiir poetische u. philosoph. Meditation, wie lat. cura. also
nicht zu beurtheilen als bequte dichterische Lizenzen; nod: 25 Jahr alt fieng er an seine Gedichte ,,hin u. her zu werfen“ dh.
weniger als ,,geflissentliche Falschung“ (Brandis). Das spitere ‘ als Rhapsode zu verbreiten. Er dichtete dies also gzjahrig. Erst
1 5 Alterthum (Athen. 505 ZB.) behandelt diesen Punkt ganz schief. als ganz alter Mann c. 84 Jahr alt liBt er sich in dem eben ge-
Es ist jene mythische Luft, in der Plato athmet: in ihr kommt auf
irgendwelche histor. Akribie gar nichts an: so ist P. nicht Willem;- I’
das Bild des Sokrates festzuhalten, er produzirt es immer wicdef 25 01. 69
von Neuem, als Gegenbilder seiner eignen Entwicklung. Als 1 2 .

3 o den eleat. Strom in sich aufgenommen hatte, muEte sein 801$ 57 geboren: unmoglich! Drum kann er Anaximander nicht horen
auch bei Parm. in die Schule gehen: kein historischer Sinn hi der bald nach 58, 2 stirbt.
284 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 285

g r i n d e t e n E l e a n i e d e r. D o r t v e r k e h r e n n u n X e n o p h . u . d e r ter so vorstelle, wie er selbst sei, die Neger schwarz u. glannasig,


c . 3 o j é i h r i g e P a r m e n . m i t e i n a n d e r. ( Wi r e P a r m . n . 6 1 g e b o r e n , die Thracier blauéugig Ll. rothhaarig; — wenn die Pferde u. dre
s o h i t t e e r g a r n i c h t m e h r S c h i l l e r s e i n k é n n e n ) . Vo r h e r h a t Ochsen malen kénnten, so wiirden sie lhre Gétter jedenfalls als
Parm. schon Anaximander gehért u. seine Philosophie setzt die Pferde u. Ochsen malen. — Diejenige die sagen ein Gott werde
geboren,si'mdigenebensowiedie,welchemeinen,ersterbe.

AH.-
wv—A
Uhiylw
Probleme An.’s voraus. Von einer eleat. selbsténdig erwachsenen
Schule, die mit Xenoph. anféngt, ist nicht die Rede. Beide, P. n.
X., miissen in einem wesentl. Punkte zusammengetroffen sein, H a u p t s é i t z e : C l e m . S t r. V p . 6 0 1 I
j e d e r v o n g a n z a n d e r e n P u n k t e n a u s g e h e n d . X . i s t e i n D i c h t e r,
aig 656g Ev 128 Bsoim Kai évepdmotm usywtog
0615 Séuag evntoicnv 6poi‘ioq 061:5 vénpu
ein Rhapsod, dabei ein durch Reisen viel belehrter Mann: wes—
I D h a l b i h m H e r a c l i t n o k u p a e i n z u s c h r e i b r. E r i s t k e i n e s o l c h e u m - Sextus adv. Math. 9, 144 cf. Ka. 9, I9
wéilzende Persénlichkeit, wie Pythagoras, aber wesentlich reli~
oéxog bpfg, oBlog 1:8 vosi, oBkog Sé t’éucobal
g i é s u . b e i s e i n e n Wa n d e r u n g e n a u f B e s s e r u n g u . R e i n i g u n g d e r Simpl. in Arist. Physik. 6 I
Menschen bedacht: er tadelt u. kéirnpft, sein Hintergrund ist eine
5003 dudvaues névoto véou (ppsvi névm Kpuvaet
religiése, auf die Gottheit gerichtete Mystik. ibid. ’
1 5 Man weiB nicht Viel von X. Geboren in Colophon, is: er nach aiai 8’ év 1610169 TE usvew Kwoupsvov cum
Apollodor Sohn des Orthomenes, nach andern des Dexios oder 061$ petépxeceai pw émnpéuet dMon-z film.
Dexinos. Er ist aus seiner Va t e r s t a d t verbannt worden u. hat in
Diese religiésen Ansichten sind aus dem BediirfniE entsprnngen,
Zankle Catana u. Elea gelebt. Uber die Griindung Colophons
das Anthropomorphische abzustreifen: aber sie ze1gen unmer
schrieb er ein Gedicht in 2000 Versen, ebenso iiber die Griindung
noch die hellenische Urempfindung den Géttern gegeniiber.
E l e a ’s . S e i n [ l e t z t e s ] H a u p t w e r k w a r n e p i ( p é a s m g : d a r i n b e —
1 . 0
Diese sind die Auflésung der Natur in lebendig wirkende Gestal-
kz'impfte er (dvuSoédcat) Thales (den er als Astron. bewunderte
20 ten: nahm man diese Gestalten weg, so blieb die Verehrung bei
La. I, 2.3) n. Pythagoras, auch Epimenides: jedenfalls war er ein
Gegner der Seelenwanderung (cf. La. 8, 36). Von Epim. sagte er
der einen Natur stehen, die nun mit den reinsten Prédikaten be-
L a . 1 , I I I , e r s e i 1 5 4 j a h r a l t g e w o r d e n : o ff e n b a r b e h a n d e l t e e r
legt Mummischen Ges amtauffassung
d a s T h e m a v o n d e m 5 7 j 5 h r. S c h l a f e i n d e r H é h l e . O d e r e r b e -
der Natur: diese ungeheure Einheit bricht: wo sollte sie hin wan-
dern? Sie ist ganz ErkenntniK, ganz Wirken. So verstanden selne
7-5

stritt die Mantik Cic. de divinat. I, 3, 5. Sein Hauptkampf aber


war gegen Homer u. Hes. gerichtet: darin zeigt er sich verwandt 2.5SétzePlatoSoph.2.42Du.AristotelesMetaph.I,5.Esistalso
mit der religiés-ethjschen Bewegung seines jahrhunderts. Er be-
nicht etwa die Lehre Von einem [un]persénlichen, auger der Welt
s t r e i t e t d e n p o l y t h e i s t i s c h e n Vo l k s g l a u b e n , e i n u n g e h e u r e r stehenden Gott, der etwa reiner Geist wire: sondern es fehlt bier
3 0 K a m p f , d e s s e n t w e g e n e r w o h l v e r b a n n t w o r d e n i s t . S e x t . a d v. ganz cler Gegensatz Von Geist u. Materie, von Welt Gott. Er
Math. IX I93 mivm Ssoig évéQnKev "Opnpo; 8’ 'Ho'ioBég IE I hebt die Identitiit von Gott u. Mensch auf, urn nun w1eder Gott
66cm nap’ dvepc’motcw 5x15116801 Kai wéyog éctiv | Kai nksim’ 30 u. Natur gleichzusetzen. Dabei leitet ihn ein erregtes ethisches
écpeéyéavm Gscbv desuiona Epya [ dintsw “017(9me 1:5 Kai BewuBtsein, das von den Gértem alles Menschl. u. Unwiirdige
ékkflkouq dnateéew. I Nun bemerkte er dag jeder sich die G6:- fern zu halten sucht: es zeigt sich hier ein Kampf gegen das spen-
286 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 287

f i s c h H e l l e n i s c h e , w i e a u c h i n s e i n e n a n d e r e n e t h i s c h e n Vo r s t e l - wieder in Schlamm verwandelt werde. Die Erdkérper machen


lungen. Er war der erste, der an der leidenschaftl. Lust des Volks einen periodischen Ubergang aus Wasser in Erde u. Erde in Was~
a n t i f f e n t l . S p i e l e n A n s t o l Z n a h m A t h e n . 4 1 3 F. I n e i n e m i h m ser dutch [iiber] wobei das Menschengeschlecht zugleich mit sei-
wahrscheinl. zugehbrigen Fragm. Galen. protrept. II 14 sagt er: nem Wohnsitz in’s Wasser versinke. — Wolken Regen 11. Winds
wenn die Thiere einmal in Olympia Zutritt erlangen, so wiirde
5 erklérte er aus den Di’msten, die von der Sonnenhitze dem Meere
leicht dem Esel die Ehre widerfahren, daB es in der dvuyparpi‘] entzogen werden. Sonne Mond Gestime Regenbogen Kometen
der Sieger heiGe: ,,Es war die u. die Olymp. dafg der Esel da im Blitze usw. sind nichts als brennende feurige Diinste: sic erld
Pankration iiber Manner siegte.“ Rh. Mus. 4, 297. lm 501mb; schen beim Untergange u. bilden sich neu beim Aufgang. Diese
wijrde das Pferd siegen, im Stadion der Hase usw. Er beklagt die Dunstmassen bewegen sich in unendlicher gerader Bahn 'L'iber der
I o Ehren, die kérperl. Stirke u. Gewandtheit ertheilt werden, er :0 Erdc hin: wenn uns ih: Lauf kreisférmig erscheint, so ist dies
verwirft den Eid, weil er darin einen Preis fiir die Gottlosigkeit eine optische Tziuschung, wie bei den ijbrigen Wolken: woraus
finder. Er miBbilligt die Unterhaltung mit den Mythen der Dich— folgt daE immer neue Gestirne in unsem Gesichtskreis eintreten
t e r. D a b e i w i r d e r s e l b s t a l s D i c h t e r s e h r u n g i i n s t i g b e u r t h e i l t missen u. daE verschiedene weit von einander entfernte Theile
Cic. Acad. II 2.34 74 le ihm minus bonos versus bei. ir haben ' htet werden. Alle der—

1 5 in ihm den ethjs chen Lehxer noch auf der S tufe des Rhaps oden: 15 artigen Ansichten verrathen einen engen Zusarnmenhang mit
in spiterer Zeit hétte er ein Sophist gewesen sein miissen. Eine Thales; das eigentlich Originalle ist die Ahnung der Welteinheit:
auKerordentl. Freiheit des Individuellen miissen wir hier voraus- as war ein éihnl. Dualismus, wie bei Anaximander’s finalpov.
setzen: bes. da er sich nicht wie Heraclit in die Einsamkeit 2n- Hier die Welt des Werdens u. Vergehens: dort der ewig gleiche
r i i c k z o g , s o n d e r n m i t s e i n e n A n g r i ff e n s i c h e b e n v o r d a s P u b l i - ruhende gi‘mliche Urstoff. La. IX 19 sagt updnég re (’ms‘mivato
2 0 k u m d e r We t t s p i e l e b e g a b . S e i n e w i g e s Wa n d e r l e b e n b r a c h t e i h n 20 613 miv If) yvyvéusvov q>6aptév éc‘n hier beriihrt er sich mit
mit den beriihmtesten Menschen zusammen: so is: es doch gewiE seinem Zeitgenossen Anaxirnander. Diese Verwandtschaft macht
aus persé'ml. Erinnerung an Pythagoras erzéihlt La. 8, 36 nun, daB Parm. bei beiden lemen konnte. Er verschmolz das
Emmpov mit dem Xenophan. Gott und suchte den Dualismus
m beiaen WEEbetrachtungen zu beseitigeTWie
(paciv énom‘rsipm mi 1655 quicBm énog'
2.5 m'o'glich, wenn das wahxhaft Seiende nur ist? Einen ahnungsvol—
nuGoul pnéé fx'th, énai 1'1 (yikou tivépo; écti
2'5
len Schritt that schon Xenoph., er meinte, wir seien dem Wahne,
(90301 If“! éyvcov <p957§apévng dfmv.
dem Meinen preisgegeben, es gibe fur uns keine absolute Wahx—
Wenn er Ansichten gegen Thales aufstellte, so muE er ilm kennen heit. Also er regte eine Kritik unseres ErkenntniBappai-ats an.
gelernt haben. Jedenfalls ist fiir eine Anzahl physikal. Sétze Tha- fr. 14
l e s s e i n e i n z i g e r Vo r g é n g e r. X . h a t z u e r s t Ve r s t e i n e r u n g e n M u - 30 mi If) pév 06v uagoég 0611; c’wflp yévst’ ' 068$ 11.; écstm
3 0 scheln auf Gebirgen und dergl. wahrgenommen Hippolyt. I, I4, siSc‘og, dpwi 6)er rs Kai ficdu kéyco nspi ndvmv '
wo Syrakus, Paros u. Melite als die Stitten seiner Beobachtung ei yap mi willow 161m tsrslaapévov sincbv,
genannt werden. Er schloB dag die Erde aus einem fliissigen Zu— m’nc‘x; E)me oinc oiSs ' BéKog 6’ éni nae-t Té‘EDKtal
s t a n d i n e i n e n f a s t e n i i b e rg e g a n g e n s c i u . d a g s i e m i t d e r Z e i t (zu meinen ist allen beschieden).
288 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n
Die vorplatonischen Philosophen 289

P a r m e n i d e s z e i g t e i n e d r e i f a c h e E i n w i r k u n g : A n a x i m a n d e r, Seins u. einer Welt des Werdens (Nichtseins) hervor: letztere lie]?


Xenophanes u. ein Pythagoreer Ameiru'as, in dieser Reihenfolge.
er aus dem dualist. Princip von Warm u. Kalt hervorgehen. A.
U n g e f é i h i - s e i t G r i ' m d u n g E l e a ’s i s t d e r E i n f l u S d e s P y t h a g o r a s macht nun den Versuch, dieses schroffe Auseinandetfallen so 211
auf der Hohe: jedenfalls erst als Eleate kommt Parm. zu einer verhi'iten, daf§ er in der vorhandenen Welt die entgegengesetzten
Beriihrung mit dem Pythagor. Die Wirkung zeigt sich hie: nur SphérendesSeinsu.desNichtseinsimmanentfand:erverlegte
als Biog Hueayopstog: der Biog Hapusvitistog Ceb. tab. 12.2 in das dualistische Princip der Welterkl'arung den Gegensatz von
H v e a y é p a t é v T W O . K a i H a p p e v i é e x o v é C n t h d ) ; B i o v. Vo n e i n e r Sein u. Nichtsein. Diese beiden Kategorientafeln, von denen
pythagor. Philosophie ist gar nichts zu finden. Die Wirkung wird Anaxim. nut ein Paar, Warm u. Kalt entdeckt hatte lauten
La. IX 7.1 geschildert yévoug TE bndpxwv Kaunpm) Kai nkoémog
das Seiende das Nichtseiende
im’ ’Apswiou dM’ 013x into Esvotpc'tvong sit; fwuxiuv upo-
[ O

etpdnn. Er war der Sohn des Hf)an (prpng). Sein Einflul? muE
I O
Feuet Licht das Dunkle, Nacht .‘
spite: sehr grofg gewesen sein, denn er soll den Eleaten Gesetze
Feuer Erde l 1
gegeben haben, die diese jedes Jahr neu beschworen haben sol— Wa r m Kalt “1 ‘
len. Plut. adv. Coloten 32., 2. Speusipp bei La. IX 23. E: nimmt
di'mn dicht M
eine ahnl. Stellung ein, wie Empedocles: das personl. Gewicht ist
1 5

ungeheuer, dazu kommt noch das geheimnilgvolle Ansehen, des- 1 5


das Thi'itige das Leidende 1“
Mannliches We i b l i c h e s ‘
s e n d i e P y t h a g o r e e t g e n o s s e n . D i e p y t h a g o r. We l t b e t r a c h t u n g
bricht hier u. da dutch Simpl. Phys. 9“ sagt von der weltregieren— Das was diese Elements verbindet, bezeichnet er als die Gottm,
den Gottheit des P. Kai rag (pi)de népnsw 1:015; pév (3:1: 1:01") ép-
welche in der Mitre der Welt thront,
2 . 0 qmvoég eig to datBég, note 5i: dvdmkiv cpnm. Hierin die Lehre
von der Seelenwanderung. new"; 7619 cwyspoio TéKou Kai pigtog dpr]
Um das Spezifische des Parm. aufzufassen, muB man sich zwei 7 . 0
néwtouc’ t'ippsw 9mm piyfwat, évavtiu 5’au9t;
W
t r a c h t u n g b e i i h m e r z e u g t h a t . Z u e r s t e i n e We i t e r f i i h x u n g d e s
Alles Werden ist demnach eine Geschlechtsverbindung des Seien-
Anaximanderschen Systems, zuzweit die teine Seinslehre. Letz—
7-5

t e r e n o t h i g t e i h n j e d e a n d e r e A u ff a s s u n g z u v e r w e t f e n , a l s e i n e
den u. des Nichtseienden, auch P. glaubt mitAn. daB‘ alles was
Ta ' u s c h u n g d e r S i n n e , a l s o a u c h s e i n e e i g n e é i l t e r e . A b e r e r
entsteht vergeht: offenbar muB es an dem Nichtseienden Zn
h a l f s i c h z u s a g e n : w e n n m a n e i n m a l s i c h a u f d e n a n d e r e n We g
2.5Grundegehen.AberernimmtdieEwigkeitderbeidenzueinan-
begiebt, so ist meine altere Ansicht die allein berechtigte. Nut
derhingetriebenenElementean:diesenTriebnezeichneterals
so begreifen wir psychologisch die sorgsame Ausfiihrung dieser
’AtppoBi'mKuBepmtu;Sim}(ivc'LyKn.Nunabetistvonentschei—
3 0

anLLeren Ansicht: sie bildete spater das zweite Buch nepi (pno'amg:
dender Wichtigkeit Cic. d. nat. deor. I c. 11 quippe gui bellum
offenbar hat er das erste spate: hinzugedichtet. Die Erfindungen quidiscordiamquicupiditatemceteraquegenetiseiusdemad
zeigen ihn hier noch in voller Jugendkraft: manches ist mythisch. 3,0deumrevocet,quaevelmorbovelsomnoveloblivionevelvetu—
— B e i A n a x . t r a t z u m e r s t e n M a l d e r G e g e n s a t z e i n e r We l t d e s state delentur. Also diesele Gottheit auBert sich ebenfalls itn
290 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die votplatonischen Philosophen 291

néleuog in otdolg, in épmg dh. das Sichanziehen u. das Sich— Die innetste u. éuBetste bestehen aus dem dunkeln schweten Ele—
a bstoEen beider Elemente ist das We t d e n det We l t . Im Zustand ment, um die innerste u. unter det iiuGetsten liegen Kteise ge—
des Schlafs, det Krankheit usw. u. vor allem des Todes tritt cine
mischt aus Dunklem und Feurigem. Die Etde ist det Kern, der
g e g e n s e i t i g e Z e t s t b r u n g e i n , d a s Ve r g e h e n . — Ve r g l . w i t d i e s e Stetnenhimmel die gemischte Sphéite: die Sterne sind feutige
Weltbettachtung mit Hetaclit, so ist gemeinsam daf§ entgegenge— Dunstmassen nilnputu nupéq. Um das Sternenteich herutn liegt
setzte Qualitéten in jedem Ding das witd, théitig sind u. daG also ein Feuerkteis, datum wieclet eine feste Schicht. In der Mitte
d a r a n a u c h d a s D i n g z u G t u n d e g e h t . Wi h r e n d a b e t H . i n a l l e n des Weltganzen hat die Saluwv ihren Sitz: ich denke abet dabei
Q u a l i t é t e n n u t u n e n d l i c h e Wa n d l u n g e n d e s e i n e n F e u e r s s i e h t , nicht an den innetsten Etdkern, sondern an die mittlete Sphéte,
n i m t n t P a t t n i i i b e t a l l d i e Wa n d l u n g e n z w e i e t e n t g e g e n g e s e r z t e n wie das Stobaeus Ecl. I 482. ausdriicklich sagt to'av 8e cupptycbv
l o Elemente waht. Der néksuog bei H. ist ein Spiel, hiet das Zei- 1 0 thv ugomtdtnv dudsmg toKéu mian K‘Vf‘O'Emg Kai yavéoemg
chen des Hasses: zugl. abet haben die sich hassenden Elemente Gndpxsw, ijvnvu Kai Saipova usw. énovoudqst. Besttitten von
eine Begietde zu einandet. Dies ist eine sehr bedeutende Con~ Krische Fotschungen p. 105 u. Zeller p. 485. Der Mensch muB
natiitlich aus dem waran u. kalten Element entstanden sein.
La. 9,2.2sagtzwarnutyévsmvavaommvéénAWV—'Ji
c a p t i o n : d i e We l t H e t a k l . ’ s w a r o h n e B e g i e r d e : E r k e n n e n u .
Nichtetkennen, Feuet u. Wasser, det Kampf — abet nichts ist in
‘ 5 iht, was den Trieb, die Begierde etkléitt. Es ist eii'ie 'a'sthet. Weltbe~ I S
yevéch: Steinhart abet (Encyclop. Grubet Etsch) hat Recht
trachtung. Hiet, bei Patrn., hijrt alles Aesthetische auf, H38 und ftkiou ts Kai iMJO; zu lesen. Das Leben u. das Vetniinftige liegt
L i e b e s i n d k e i n S p i e l : s o n d e m Wi t k u n g e n d e t s e l b e n S a i u m v. I n im Warmen: Schlaf u. Alter etklért sieh dutch Abnehmen det
dieset Saiumv sehen wit das Bestreben, den Dualismus zu iibet-
Warme. Die Vorstellungen indetn sich, je nachdetn das Eine Ele~
winden: abet es geschieht nut auf eine mythische Weise. — Sel'ir ment iiberwiegt. Die (ppévnmg hat er, wie Theophtast bemerkt
2 0 b e d e u t e n d i s t s o d a n n d i e C o n c e p t i o n , d a s We r d e n u . Ve r g e h e n 2 . 0
de sensu 3 u. Aristot. Metaph. IV 5, rnit det u‘io‘Gncng noch zu-
auf einen Kampf u. eine Liebe des Seienden u. Nichtseienden sammenfallen lassen. Wit miissen uns immet datan etinnetn, daB
zuriickzufiihren: eine gewaltige Absttaktion! in det Kategorientafel ein Gegensatl von ,,Geistig“ u. ,,tnateti-
a. .. . . u. I C ' '. 'V n . ‘ I . u “ -i-=";--.."-1..-VI;‘I I “ 'VCI-
abzuleiten: es tnuG etwas hinzukommen u. das kann nut ihr vol- loten gegangen.
7-5 l e r G e g e n s a t z s e i n , d i e We l t d e s N i c h t s e i n s . E i n d t i t t e s g i e b t e s 2 5
Ein solches System, mit so bedeutenden Etfindungen, kann
nicht. Nun that er den Schtitt, diesen Gegensatz nicht géinzlich nicht etdacht sein aus Akkommodation an das Wihnen det
a b s t t a k t a u f z u s t e l l e n , s o n d e t n i n d e r v o t h a n d e n e n We l t d i e G e - Menge: es ist das Resultat det ersten Petiode und hat nachhet in
g e n s é t z e z u f o r m u l i r e n u . s i e a u f j e n e n U rg e g e n s a t z z u u b e r t t a - Empedocles u. den Pythagoreern méichtig weiter gewitkt. Nun
gen: ein Schtitt, der spéitet die pythagoteische Philosophie még— abet fordetten die zum ersten Male eingefiihtten Begtiffe des
3 0 lich gemacht hat. Seins u. des Nichtseins in einer spiteren Periode ihr Recht. Wit
Der Ausbau seiner Physiologic ist sehr mit Anaxim. verwandt: miissen bei Parm. eine ganz auBetotdentl. Kraft det Absttaktion
dieset hatte dtei Sphéiten urn einandet angenotnmen, die innetste voraussetzen. Der Kardinal-Einfall war: ,,nut das Seiende ist,
Etde, datum Luft, datum det Feuerkreis. Fiit Parm. ist das Gauze
das Nichtseiende kann nicht sein“. Es ist die gréSte Vetkehtt—
aus mehreten um einandet gelagerten Kugeln zusammengesetzt. heir, von einem Sein des Nichtseienden zu teden. Die Ausdtiicke
292 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonisehen Philosophen 293

sind so scharf als méglich, denn er fiihlt an sich selbst, wie lange sollte es sich bewegen, wenn es allen Raum ausfiillt, wenn es eins
er von dem Elemente des Nichtseienden geredet hat, als von ei- dutch u. durch u. sich selbst gleichartig u. ungetheilt ist? Es darf
nem Seienden. Hier wo es ihm auf reinliche Scheidung der Ge— nicht unvollendet sein, dnatpov: denn das ware ein Mangel, ein
genséitze ankam, war ihm das System Heraclits mit seinen Anti- Bedijrfnifgz datum mug es begrenzt sein. Er vergleicht dieses
nomien doppelt verhaEt: v. 46 bekémpft er ihn, wie dies Bernays ewige unverinderliche nach allen Seiten hin im Gleichgewicht
e r k a n n t h a t R h . M u s . 7 , 11 5 . D i e H e r a k l i t e e r w e r d e n B i x p a v o t schwebende auf allen Punkten gleichméilgig vollkommene Ganze
,,zweik6pfige“ genannt, solcher Satze wegen eipev ts Kai 06K mit einer Kugel. Diese ungebeure Abstraktion des Seienden fand
slusv f. 71 Schl. Eine solche das Gesetzte gleich wieder aufhe- Parm. analog dem mythisch einen Gotte des Xenophanes: nur in
b e n d e A u s d r u c k s w e i s e g e h t a u s R a t h l o s i g k e i t d p n x a v i n h e r v o r. diesem Sinne beriihren sie sich. Die Wurzel ist eine ganz verschie-
I O Sie werden 8118612; o65év genannt, ahnlich wie Plato am 1 0
dene fiir beide: hier die ewige Einheit eines Pantheismus, dort die
Schlusse des Cratylus ausfiihrt daE bei dern ewigen Flusse keine abstrakte Behauprung von der Einheit alles Seienden. Letztere
Stetigkeit der ErkenntniB, also kein Wissen méglich sei. (popofw- Behauptung ist vollkommen wahr; wir, vermége unserer Organi—
mt heiGt es von ihnen, nach dem m’xvta (pépzoam, wie Plato im sation, kénnen uns das Nichtseiende nicht denken: so weit wir
Theaetet p. 179 cpépov-ccu sagt, wortspielerisch. reennétsg das d i e We l t a u s d E h n e n , b e ! a l l e m l e e r e n m e , '
1 5 spezifische Staunen, irn Grunde sind sie taub 'u. blind u. verste- I S
die Existenz, das Sein des Raumes wieder an. Qua seiend, ist
hen nicht zu unterscheiden: Parm. hebt den Satz hervor ,,Sein u. die ganze Welt eins, gleichartig, ungetheilt, ungeworden, unver-
Nichtsein ist zugl. dasselbe u. nicht dasselbe“: zuletzt sagt er, mit ginglich — vorausgesetzt daB unser Lntellekt das M313 der
deutlicher Anspielung «(ivth 5% naMthonog éori Kékaueoq Dinge ist. Wir kénnen nur das Seiende denken. Von einem
und denen der Pfad aller Dinge ein umwendender ist (wie nakiv- Nichtsein haben wir keine Vorstellung. Vorstellungen haben u.
1 0 tponog (ipuovla Kécuou) Die Polemik wendet sich also nicht 2 0
an das Sein glauben fallt zusammen. — Es mag mm werden, was
gegen die Ansicht der Masse, also auch nicht gegen sich selbst. Er da will: die eine iiberall vorauszusetzende Einheit des Seins wird
hagt denjenigen, der den Unterschied zwischen Sein u. Nichtsein dadurch nicht beriihrt. Nun schloK Parmen. weiter: also gehéirt
— s p t e l e n d g e l t e n — l a l § t — u . — a u ¥ h e b t . das W Wa n denn es kann we-
Nun die Consequenzen des Seienden: was wahrhaft ist, ist in der der Welt des Seins angehéren, noch dem Nichtsein, da letzte»
7-5 e w i g e r G e g e n w a r t , v o n i h m k a t m n i c h t g e s a g t w e r d e n , e s w a r, 2‘5 res nicht existirt. Zu diesem Zwecke machte er nun zuerst eine
es wird sein. Der Zeitbegriff hat nichts mit ihm zu thun. Das wichtige Kritik des Erkenntnigapparats. Der Phil. sagt v. 55 Kar—
Seiende kann nicht geworden sein: denn woraus? Aus dem sten ,,um zur Wahrheit zu gelangen, solle man nicht dem bléden
Nichtseienden? Aber dies ist nicht u. kann nichts hervorbringen. Auge folgen, nicht dem schallenden Gehbre oder der Zunge, son-
Aus dem Seienden? Dies wiirde nichts anderes als sich selbst er- dern mit der Kraft des Denkens ké'm) miisse man greifen“. Hier
3 0 zeugen. Ebenso steht es mit dem Vergehen. Uberhaupt: was ge— 3 0
ruht die nic‘nog iaxOg daB auEer dem Seienden [noch] etwas
wesen is: u. sein wird, das ist nicht — vorn Seienden kann man andres nicht sein kénne, hier die Klan; élnef]; dutch die Wer—
a b e r n i c h t S a g a n , d a E e s n i c h t s e i . D a s S e i e n d e i s t u n t h e i l b a r, den u. Vergehen unmbglich sind. Also der M370; erkenm das
denn es giebt nichts Zweites, was es theilen kénnte, aller Raum wahre Wesen der Dinge, dh. die Abstraktion u. die Sinneswahr»
wird von ihm allein ausgefiillt: es ist unbeweglich: denn wohin nehmungen sind nur Tauschungen. Die Grundta'uschung abet sei
2 9 4 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 295

daB auch das Nichtseiende sei. Sehr merkwiirdiger Schritt: die pov, als qualitétenlos fiir unsere Erkenntnisse bCSChrieb. Das
abgezogensten Allgemeinheiten, die durch Fallenlassen aller an~ Ding an sich wiirde Parm. gerade abgelehnt haben, well es mm
deren Bestimmungen gewonnen werden, sollen wahrhaft sein, 315 ein Nichtseiendes vorgekornmen wire: das doch nicht seln
alleniiherenBestimmungen,dh.dieganzeFiillederVielheir,der diirfe. Es ist also weder eine mythische Uberzeugung von der
Prédikate usw. nur eine Téuschung. Hier haben wir eine unna- pantheistischen Einheit, noch eine ethische Verachtung der Welt
tiirliche AuseinanderreiBung des Intellekts: die Consequenz muE a l s e i n e < s > f l i i c h t i g e n Tr a u m s , n o c h e n d l i c h d e r K a n t i s c h e I d e a -
endlich sein Geist (Vermégen derAbstraktion) u. Korper (niede- lismus: sondem eine sehr kiihle Abstraktion aus dem Begriff des
rer Sinnesapparat) und bereits erkennen wir die ethischen Conse— Seienden. Der Beweis ist nicht etwa hinterdrein gesucht fiir eine
quenzen bei Plato, die Aufgabe des Philosophen, sich moglichst inruitiv gefundene Anschauung: sondem die naivere Einfiihrung
1 0
von dem Kérper dh. von den Sinnen zu befreien. Der geféihrlich- m des Seienden u. des Nichtseienden im éilteren System hat ihn auf
sre Irrweg! Denn aus jenen leeren Hiilsen kann keine wahre Phi- den einen Gedanken gebracht: ,,daf§ das Nichtseiende nicht sein
losophie sich aufbauen: die vielmehr immer von dem Anschauen k é n n e . “ Wi i h r e n d e r f r i i h e r d a s We r d e n a l s e i n e Ve r b i n d u n g d e s
des Wirklichen auszugehen l'iatz6 u. je mehr sie aus befruchten—
den Einzelagpcrgu’s besteht. um so u > - . - - : a - - . ' Seienden u. des Nichtseienden erkléirt hatte u. dabei nnter dem
’i‘i"!*’i’l’l l I
I S
dung ist abet, als Kritik des Erkenntnifgvermégens, von hochstem :5 verstanden hatte dh. das Lebende u. das Nicht-an-sich—Le—
Wenh: von don her stammt zunéchst die Dialektik (aber es giebt ben habende: hatte er jetzt die gauze Kategorientafel fiir eine
keine Philosophie ans Combination von Begriffen), spite: die
Logik dh. man entdeckt den Mechanismus unsrer Abstraktion in Téiuschung der Sinne erkliirt. denn nur was man denken lunn,
Begriffen, Urtheilen, Schliissen. Sodann steckt darin die ganze ist: [was er] das Werden kann man nicht denken. Also ist es
nicht. Somit sind seine Elemente eine Té'uschung. Darmt aber
2 0
vorhandeneWeltfiireineTéiuschungzuerkléren,alsGramo'atng 2 0 w a r d a s P r o b l e m d e s We r d e n s n o c h n i c h t b e s e i t i g t : d e n n i m
1'006101),eineerstaunlicheKiihnheit,dieauchFriichtegetragen
hat. Nur hat man die Parmenideische nicht mit der buddhaisti- Denken hatte er noch Werden u. Vergehen, hier war er noch
n i c h t m a c r o b m g : u . d a n n w o h e r d e r S c h e i n ? Wo h e r d i e Ta u -
schen zu verwechseln u. noch weniger mit dem Kantischen Idea—
s e h u a g ?
lismus. Walla ist es die Ctl‘llSCll religiése Uberzeugung von
1 5
der Nichtigkeit, dem Elend, der Vergé'nglichkeit der Dinge: die Nach seiner éilteren Theorie entstand das Werden, wenn das Le—

Welt ist ein Traum des Buddhai Bei Kant ist der Gegensatz von 25 bende das Nichtlebende ergreift. Nach der ii'mgeren war es nur
Dingansichu.WeltderErscheinungauseinerfastumgekehrten eine Phantasmagorie der Sinne. Damit ist gar nichts erklz’irt. Und

Kritik der Erkenntnilg hervorgegangen. Gerade die Pridikate, die deshalb bemiihen sich die jijngeren Naturphilosophen, das Wer-
Parm. seinem Seienden iibrig gelassen hatte, Zeit u. Raum, Sub- den im AnschJuB an die éiltere Theorie zu begreifen: Anaxagoras
3 0
stanz, betrachtete er als unsere nothwendige Voraussetzung der durch N00g (Lebende) u. Homoeomerien (Nichtlebende), Empe-
Welt der Vorstellung, wéhrend er das Ding an sich mehr als ("11:51- 30 dokles una vaiicog (Lebende) u. 4 Elements (Nichtlebende), die
Pythagoreer das Begrenzte (Lebende) u. das Unbegrenzre. Der

15 die anschaul. ErkenntniK ist die unerschfipfliehe Quelle unsrer Eini Dualismus der Principien geht hindurch von Anaximnnder an:
sichten:dasEigenthumderBegriffeistdahergeborgt, Monist ist allein Heraklit u. Parmenides, Pluralisten emmal CllC
2 9 6 Vo t l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die votplatonischen Philosophen 297

Atomisten, andrerseits Platon. Von allen Standpunkten abet ist def? er in Athen zu Zeiten Pericles sich aufgehalten hat: dieset
det spitete des Patmenides det inhaltleerste, weil er gar nicht abet Ol. 77, 4 beginnt die Staatsleitung. Darnach hat viell. Apol-
erklért, det unftuchtbatste: AIistot. nennt ihn mit Recht doom- lodot berechnet, dessen Angabe doch wohl bei Laert. vorliegt.
Kog. Es ist auch det Einzige, det ohne Intuition zu Stande ge- Die Betiihtung mit Pericles ist eben eine and]. Nun witd zwar
kommen ist, Beweis fijt dialektischen Schatfsinn, abet nicht Hit andetetseits die ganze Angabe bezeifelt La. IX 2.8: et habe aus
Tiefsinn u. Contemplation: weshalb auch seine Schule sofort in Anhénglichkeit an seine Heimat nut in Elea gelebt, ohne Athen
etistische Dialektik iiberging. Um so méchtiget wirkt sein etstes auch nut zu besuchen. Abet nut bei det falschen Lesatt ODK
System nach: das abet war nut eine Ausfiihrung von Anaximan- émén mch to nuptian npég mitotig: das tichtige ist 1:6. nokld.
ders Dualismus. Dutch diesen ist némlich das Problem des Er ist nicht oft in Athen gewesen (re) napdnuv ist wohl nut eine
I 0
Wetden’s in die Philosophie gekommen, nicht etst dutch die Ele- Conjektut von Cobet.) Man weiK iiber sein Leben nichts u. sein
aten. DaE sie es leugnen, ist der kiitzeste, abet unbelehrendste To d ist ein Prunkthema der Rhetorik schon in friiher Zeit. Auf
Ausweg. Damit ist allet Natutbetrachtung, allem Lernenwollen einem Unternehmen gegen einen Tyrannen ist et ergriffen u.
von den Dingen ein Ende gemacht. Dann bleibt der principielle standhaft untet Mattem gestorben. Es scheint Elea untetdtiickt
Fehlet fiber, daK dann det Appatat det Sinne nicht zu etkléiren wotden zu sein. Der Tyrann heiBt Diomedon oder Neatchus oder
1 5 15:: et bewegt sich, er is: in Vielheit: wenn er selbst eine Tau— anders.
schung ist, wie kann er Ursache einer zweiten Tiuschung sein? Bei Plato wird des Genaueten eine Schtift beschtieben (315 1:6
Die Sinne ttiigen: wenn abet nun die Sinne nicht existiten! Wie o07ypauua: doch als die Einzige, die es gab), die in mehrete
konnensiettiigen?—SogewiBabetdieVielheitundBewegung 16701 zetfiel (Themata), deten jedet wiedet mehrete énoeéosu;
det Sinne existitt, so gewiB kann alles andete Bewegte u. Viele e n t h i e l t , u m d i e A u f s t e l l u n g d i e s e t Vo t a u s s e t z u n g a d a b s u t d u m
2 0 s e i n .
zu fiihten (indirekte Beweise). Offenbat kamen Ftagen u. Ant-
worten vot: deshalb sagt Atist. einmal Kai é dnoxpwopevog Kill
6 épcottbv Z'r ’woav: deshalb konnte man spitet sagen, er sei der
etste Verfasser von Dialogen gewesen Laert. III 48. Dagegen wird
Mus—WWW}, Apollodor et von Anstot. als Etfmdet det Dialektik bezeichnet, w1e Empe-
sogat Adoptivsohn des Patmenides. Seine Zeit bei Laert. IX 7.9 docles det Rhetotik. Plato im Phaedtus 2.61 nennt ihn den ,,elea-
in Olymp. 79 vctlegt (Suid. Ol. 78). Nach det Berechnung Pla- tischen Palamedes“. Also die Kunst der Untetredung, in Grund
tons fteilich, auf die wit nichts geben, war er 2.5 Jaht jiinger, u. Ll. Gegengtund, in Frage u. Antwort ist von ihm zuerst in die
1-5
455—450 ungeféhr 4o Jab: alt dh. et muBte 495—490 Olymp. 70 Philosophie eingefiihrt worden: eine génzlich neue Begabung!
u. 71 geboten sein. Offenbat sind solche Betechnungen maBge- Die bishetige Phjlosophie wat wesentlich monologisch. A Andete
bend gewesen zB. bei Euseb. wo Olymp. 80 seine down is: dh. Schriften giebt es nicht: wenn Suidas anfiihrt éplasg, ééfrynmg
also 40 Jahr, eben jenet Zeittaum nach Plato; dasselbe hat (viel- ’Euneéoxkéoug, npég 1:on qnlooéooog, nep‘t (960'an so ist
leicht, wahtscheinl. nichr) auch Ol. 79 u. 78 zu bedeuten. Diese alles unmoglich (viell. mit Ausnahme der épiSag). Wit miissen
3 0
Zeitangabe ist fiit uns haltlos. Wenn Olymp. 69 die (1ij des a n e i n e n a n d e t e n Z e n o d e n k e n : d e t S t o i k e r p a K t n i c h t , w e i l Wi t
Patmenides ist, so haben wit keine weitere Zeitbestimmung als seine Schriften kennen: es wire méglich der Schiiler des Chrysipp
2 9 8 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplamnischen Philosophen 2 9 9

BLBMa pév olive: yaypaqxbg, paentdg SE: Kleic'roug Kamls-


I"f
‘ Vielen, um zu sein, eine GréBe haben, ihre Theile miissen mithin
lomrbg; am besten abet der achte Ztédwmg to yévog, anmmpoq l von einander entfemt sein dh. es mijssen andere Theile dazwi—
’meoopsiog Kai vofmm Kai épunvm‘mm on:th La. VII 35. schen liegen: von diesen gilt aber das Gleiche: auch sie mijssen
Also cine Verwechslung der ‘Opcbvupm bei Suidas. So schrieb der cine GréEe haben u. durch weitere von den anderen getrennt
Epikureer Hermarchos 22 Biicher napi ’Euneéoxléoug (Bernays 5 sein u. sofort bis ins Unendliche: so erlangen wir unendlich viele
Theoph. ijber Frommigkeit p. 3) im feindseligen Sinne. Es sind GréBen oder eine unendliche GroBe.
d i e e n t g e g e n g e s e t z t e n We l t b e t r a c h t u n g e n , E m p e d o c l e s u . E p i k u r. 3) Das Viele muE der Zahl mach ebensowohl begrenzt als unbe-
— Als die erste Hypothesis bezeichnet Plato: ,,wenn die scienden grenzt sein. Begrenzt, denn es ist so vieles als es ist, nicht mehr
Dinge eine Vielheit wiren, so m'L'lBten sic sowohl gleich als un- u. nicht weniger. Unbegrenzt: denn zwei Dinge sind nur dann
I O gleich sein (gleich als seiende, ungleich als viele), das ist unmog- IO zwei, wenn sie von einander getrennt sind: damit sic getrennt
lich, da weder das Ungleiche gleich, noch das Gleiche ungleich sind, muE etwas zwischen ihnen sein: ebenso zwischen diesem
g e n a n n t w e r d e n k a n n : a l s o i s t e i n e Vi e l h e i t u n m o g l i c h : d e n n u. iedem von den zweien usw. Immer also wird zwischen zwei
wére sie, so miifgte von ihr etwas Unmogliches ausgesagt wer- getrennten ein drittes eingeschoben usw. Die Alten nennen diese
3:1«93 ' a: a: {$516 :13}in k iii a E: l ' 4mm. (dth die Atomisten: die
1 5 Vielheit gebe. Es sei nur die Umkehrung des Satzes des Pal-meni— [5 Gr'o'Een sind nicht unendlich theilbar).
'r
des Ev given to ndv.
4) Wenn 31165, was ist, im Raum ist, so muG auch der Raum
Der Begriff, den nun Zeno hinzuerfunden hat zu dem ,,Seienden“ 1', selbst wieder in einem Raum sein so f. ins Unendliche. Da dies
des Parmenides, ist das ,,Unendliche“ par nobile fratrum! Damit undenkbar ist, kann das Seiende iiberhaupt nicht im Raume sein.
bekia'mpft er die Vielheit der Dinge, sodann ihre Bewegung. Die i'3 ‘ (Denn dann ist der Raum auch etwas, was ist: also thte er
2 . 0 B e w e i s e g e g e n d i e Vi e l h e i t : 4 ( d e r e r s t e b e i P l a t o ) . 3] 7 . 0 d a n n w i e d e r i n e i n e m R a u m s e i n u s w. ) .
z) wenn das Seiende Vieles w'zire, so miilgte es zugleich unendlich Die Beweise gegen die Bewegung. I) Ehe der bewegte K6:-

MW
klein u. unendlich groS sein. Dies ein Widerspruch, also — | Un~

che Einheit ist untheilbar: was untheilbar ist, kann keine GréEe
,. 3 per am Ziel ankommen kann, muE er erst in der Mitre des Wages
I . , I i. I , . 1 l I. l
ersten Hélfte; ehe er dahin kommt, in der Mitte des ersten Vier—
1 5 haben: denn alles was eine Groge hat, ist ins Unendliche theilbar. 2.5 tels usw. jeder Korper miiBte dahet, um von einem Punkt zum
D i e e i n z e l n e n T h e i l e , a u s d e n e n d a s Vi e l e b e s t e h t , h a b e n a l s o andern zu kommen, unendlich viele Réume durchlaufen. Das
keine GroBe. Es wird nicht groBer, wenn man 516 zu ihm hjnzu— Unendliche 158: sich aber in keiner Zeit durchlaufen. Es ist mit-
t h u t , n i c h t k l e i n e r, w e n n m a n s i e n i m m t : w a s a b e r z u a n d e r e m hin unmoglich, von einem Punkt zum andem zu gelangen, die
hinzukommend es nicht vergréBért, u. von ihm hinweggenom- Bewegung ist unmoglich. — Populate Form dafiir der sogen.
3 0 men es nicht verkleinert, ist uichts: das Viele ist also unendlich 30 Achilleus. Die Schildkrote das langsamste, kann vom schnell-
klein: denn alle Bestandtheile sind so klein, daB sie nichts sind. sten, von Achilles nicht eingeholt werden, wenn sie einen Vor-
Unendlich groE miissen aber wieder diese Theile sein. Denn sprung hat. 2.) Jedes Bewegte hat in jedem Zeitpunkte cine feste
da dasjenige, was keine Gr613e hat, nichts ist, so miissen die bestimmte Lage, in der es ruht: Nun kann abet die Bewegung
300 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 301

nicht zu Stande kommen aus lauter einzelnen Momenten der e i n e n Wi d e r s p r u c h z w i s c h e n i h n e n u . u n s e r e r d u r c h a u s r e l a t i v i -


Ruhe. Der fliegende Pfeil ruht in jedem Augenblick seines Flugs: schen gewohnl. Betrachtungsart: nun leugnet in Folge dessen
wenn man fragt wo ist in diesem Augenblick der Pfeil: so kann Zeno die Berechtigung letzterer. Wit, seit Kant, sagen im Gegen—
man nicht sagen: ,,im Ubergang von Raum A 211 Raum B“, son- theil: die populate Betrachtungsart von Raum u. Zeit ist im
; dern nut: in Raum A. Lauter zusammen addirte Momente der
Ruhe geben keine Bewegung, ebensowenig wie die Linie aus zu—
sammenaddirten Punkten entstehen kann. Der einzelne Moment
der Flugbahn ist unendlich klein: man ist nicht im Stande, auch
(5 R e c h t : e s s i n d e m p i r i s c h e Wi r k l i c h k e i t e n f i i r u n s . D a g e g e n i s t
die unendliche Zejt, der unendliche Raum u. iiberhaupt die
gauze absolute Realitéit derselben etwas géinzlich Unerweisliches.
Die Widerspriiche kommen dadurch hinein, daE man das hochst
nur die kleinste Bewegung entstehen zu lassen, weil man durch
relativ Gemeinte zu Weltgesetzen dogmatisch umdeutet. Z. B. die
10 unendlich viele Addiren des Unendlich Kleinen immer noch IO Bewegung von einem Ding zu einem anderen ist unméglich,
keine GroBe bekommt.
wenn dazwischen ein absolut realer Raum liegt: dann liegt nim-
Alle diese Beweise sind unter der Hypothesis gemacht, daB
lich ctwas Unendliches dazwischen. Thatséichlich nun bewegt
Raum u. Zeit absolute Realit'at haben. Dies wird widerlegt u. sich ein Ding zum andern: aber die Realitéit dieses Dinges in
zusamt der Sprung gemacht daK sie damn ar keine Realitiit —
—seiner Bewegung ist in keiner Béziehung mehr real als der Raum
1; ben. Hier blieb nocl'i eine weseml. Mogliehkeit iibrig, die
allerdings nur aus einer tiefen Kritik des Intellektes zu erkennen [S zwischen ihnen. Das Eine wie das Andere ist unsere Vorstellung:
wir wissen an sich weder, ob es ein Ding oder ob es eine Bewa-
war: némlich die Realitit von Ram 11. Zeit in unserer Vorstel-
lung, [die] als nothwendigen Denkformationen. Nun scheint es g u n g o d e r o b e s e i n e n R a u m g i e b t . We n n m a n i rg e n d e t w a s d a n n
dogmatisch festha'lt u. das andere nicht, so ist man ebenso im
zwar als ob hier ein Widerspruch stecke. Wir sind einmal geno-
zo thigt, dutch unsere Organisation, alles unter der Form von Zeit Unrecht, wie wenn man die dogmatische Realit‘alt Aller behaup-

u. Raum zu begreifen: wie ist es méglich, dag dieselbe Organisa» zo tet. Aber wichtig ist allerdings die Erkenntniii, aus der die alte

tion uns einen Gegenbeweis gegen die absolute Realitat ermég— Philosophie nichts mehr zu machen qute, daB alle Betrach-
licht? Dies geschieht mit Hiilfe solcher Abstraktionen, wie das t u n g s a r t e n u n s e r e r Vo r s t e l l u n g e n a l s a e t e m a e v e r i t a t e s a u f Wi -
—Seiende,—das—Hmrd-ljche: dieTekonnen Wir uns gar nicht mehr ] "1H ‘3‘ II E , .l ._ ‘,
25 vorstellen, es sind rein negativ zu erfassende Begriffe, clutch Weg- nen Raum; giebt es absoluten Raum, so giebt es keine Bewegung:
lassen aller bestimmten Pra'dikate. Die vorhandene Welt giebt 2.5 giebt es ein absolutes Sein, so giebt es keine Vielheit. Giebt es

=7:F
uns weder etwas absolut Seiendes, noch etwas Unendliches. Sie e i n e a b s o l u t e Vi e l h e i t , s o g i e b t e s k e i n e E i n h e i t u s w. D a s o l l t e
giebt uns Leben u. Behatren, sehr relativ: sie giebt uns begrenzte Einem doch klar werden, wie [sehr] wenig wir mit solchen allge-
Zahlen: ein absolutes Beharren u. Nichtvergehen, eine Zahl de- meinen Begriffen das Herz der Dinge beriihren: und wenn ein
30 ten Ende wir uns nie néihern, ein Raum, der nie zu Ende kéme, Keirn von Tiefsinn im Eleatismus gewesen wire, so hatte er von
eine Zeit, die nie il'u-e Grenzen erreichte, sind Vorstellungen dog- 30 hier aus das Kantische Problem ahnen mi'lssen. So aber verlor er
matischer, nicht empirischer Natur, in denen wir die Relativitit sich in Eristik u. Dialektik: bis zu der Argumentationsweise, wie
aller unserer Vorstellungen-Bildet iibersehen. Gehen wit aber im Parmenides; iedem Dinge kommt jedes Préidikat u. sein Ge-
von diesen dogmat. Vorstellungen aus, so entdecken Wit dann gensatz zu.
3 0 2 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n
Die vorplaronischen Philosophen 303

§ I3 Anaxagotas aus Clazomenae. Sohn des ’Hynciboukog erzé'hlt Anax. habe auf die Frage, weshalb das Leben einen Werth
(Oder EBBoulog)”, aus einer vornehmen und reichen Familie.
habe, gesagt 101‘) Bempncm (évsKu) 16v orbpavbv Kai 'cfw nspi
Gemeinhin wird er als Schiller des Anaximenes bezeichnet: ganz Ibv Mov Kéo’pov Idélv. La. II 7 man Wirft ihm vor ,,du bekiim—
unméglich, da nach Apollodor Ol. 70 Anaxim. stirbt u. Anaxag. m e r s t d i c h n i c h t u m d e i n Va t e r l a n d “ : e r s a g t : , , e f n p ' r ’ ] u s i , é u o i
geboren wird. Dessen Angaben sind fiir Anaxag. geboren Ol. 70, yap Kai 0(p65po. uélat 1171:; nutpiéog“ Baiéag Ic‘w oépavév. Wenn
beim Ubergang des Xerxes nach Griechenland war er 2.0 Jahr er nun als ganz junger Mensch in Athen anfing philos. Vortréige
alt, also Ol. 70, I (500 v. Chr.) geboren. Gestorben Ol. 88, I
zu halten, so war das ein EreigniE, das man in den Listen zu
(42.8 oder 427 in einem Alter von 72 Jahren). Ganz bestirnrnte
notiren hatte: wéhrend ich, bei der gewéhnl. Auffassung u. Cor—
Angaberi: sehr mit Unrecht bezweifelt sie H. F. Hermann de phj~
r e k t u r d e r S t e l l e , n i c h t b e g r e i f e , w o z u d a s n o t i r t w a r. F r e i l i c h
1 0
losoph. Ioniorum aetatibus Ioff. Freilich, wer an der StuSOx'r']
z i e h t m e i n e A u ff a s s u n g e i n e C o n j e k t u r n a c h s i c h . A n a x . i s t e r s t
festhielt, muBte zuriickdatireri.28 Alle anderen vermeinten
I O

Griinde zuriickgewiesen von Zeller de Hermodoro p. 10 Mar- wenig Jahre vor seinem Tode von Athen weggegangen. Unter den

burg 1859 und I p. 7833. Nur eins an der Angabe des Anaxag. Angriffen gegen Pericles unmittelbar vor Ausbruch des pelo-

wird gewéhnlich miEverstanden. La. ll 7 Flpéato Be Mogul); p o n n . K r i e g s w a r a u c h e i n e Ve r k l a g u n g d e r A s p a s i a u . d e s A n a -


I 5 ’AGrjvqmv éni Kalliov, értbv sixom 6w, (5g (pncn Anm’lrptog é xagoras. Hermipp Elagte die Aspasia wegen Theilnahme an den

@aknpsbg év If] 16w épxéwwv dvayparpij ‘ éi/Ga Kai (paclv (11’)- [ 5 Gottlosigkeiten des Anaxag. an: sie wird durch Pericles’ Redc
tc‘w éto‘av Biutpiwm tpu’ncovw. Es ist nicht néthig dafiir wohl freigesprochen. Aber er wagte nicht, es bei Anaxag. auf eine Un-
noch KaMudEou zu conjiciren: das sind dieselben Namen; 480 tersuchung ankommen zu lassen: dieser zog sich aus Athen zu—
war KaAMdBng Archon. Was aber notirte Demerr. oder fand riick, nach Lampsacus, wo er bald darauf starb. Die niheren
1 0
notirt? Doch gewiE nicht, dad? in dem entfernten Clazom. ein Umstinde sehr mannichfaltig erz‘alhlt Laert. II 12 Plut. Pericles
Jiingling zu philos. anfing? Sondern, was dasteht, aber nie ge» 2 0
c. 16—32. Plut. Nikias c. 23. Demnach aber hat er sich nicht drei-
glaubt wird: daB er zu Athen anfing, éffentl. zu philosophiren: Big Jahre in Athen aufgehalten, sondern fiinfzig: ders. l. c. évea
Wir haben also ein ingenium praecox: aber wie kam er nach K a i ( p a m v m ’ r r b v é r d w 5 l t l ‘ t p i Wa l N ( n s v n i x o v m ) : e i n e g a n z
We n Apollodor. Er fliichtete offenbar leichte Emendation. 50 1st An. der eigentl. athemens. Haupt-
1 5
vor den Persern. Zeller wundert sich, warum er nach Athen ge— p h i l o s o p h : u n w i l l k i i r l i c h b e t r a c h t e n i h n d i e K o m i k e r a l s d e n Ty -
gangen sei, um dort zu philosophiren, das doch jahrzehnte lang 2 5 pus philos. Freigeisterei: der Sokrates des Aristoph. bekommt
keinen namhaften Philos. beherbergt habe? Es war keine Bil~ wesentl. Ziige von Anaxagoras. Er ist der Genosse der edelsten
dungsreise, sondern eine Flucht. Natiirlich trat er als Naturfor- u. héchsten Gesellschaft: Pericles Phidias Aspasia. GroEe Wi'u'de
scherauf:daswarseinTalent:ervernachléssigteseinEigenthum wird an ihm geriihmt: Pericles soll seinen Ernst aus seinem Um~
3 O
u. trat es dann seinen Verwanclten ab. Aristot. Eth. End. 1, 5 gang haben: nie lacht er. Auf die Bemerkung éctspneng ’AGn-
3 0 vaimv sag: er oi) pév 013v, diM’ éxsivm @4106. A15 man ihn be-
klagt, dag er in der Verbannung sterben miisse, sagt er ,,es sei
17 oder Euphemus Theophemus Iocaste Epicaste Scamon. ijberall gleich weir vorn Hades.“ Hieraus sieht man immerhin,
13 Van Ol. 88, r Stcrbeiahr sagt Hippolyt. lib. l 8 {incline-av. dag er als Athener betrachtet wurde.
304 Vo r l e s u n g s a u f z a i c h n u n g e n Die vorplaronischen Philosophen 305

Die ganze jiingere Naturforscher—generation geht von einer be~ '5. Elearen. In der Bedeutung vom 6v stimmen sie iiberein: aber
stimmten Ansicht 'uber das Werden aus: ein eigentl. Werden u. nach Anaxag. giebt es zahllose 6vrai Aristot. Met. I 3. Davon

151m-
2:-ml:
Vergehen leugnen sie: es karm nicht etwas aus Nichts werden: es geht seine Schrift aus. Es giebt kein Werden u. Vergehen, son-
kann nichts, was is: vergehen. Was also wahrhaft ist, muE ewig dern alles ist, zu aller Zeit dasselbe. Alle Verschiedenheit beruht
sein. Simpl. in Ar. Phys. f. 34b. Nur ein cuppio'yeoem und ein auf dem Bewegen: die Bewegung ist also das eigentliche Leben—
Sluxpivsoeut 158: er gelten. Der erste, der [dies] eine Theorie d i g e . N u n z e i g t s i c h a b e t i n d e r v o r h a n d e n e n We l t n i c h t e i n
vom Werden u. Vergehen aufstellte, aber nur ungefa'hr(,) ist Chaos, sondern Ordnung und Schonheit, bestimmte Gesetzma—
Anaximenes: pdvcuotg u. nOKvuxng Verdiinnung u. Verdichtung: B i g k e i t e n u s w. D e r Z u f a l l k a n n s o e t w a s n i c h t e r k l a ' r e n , s a g t
die zweite Hypothese ist piélr; u. Builcptclg. Nun aber war die A n a x a g . Wa s i s t e s a l s o , w a s d i e , , e w i g S e i e n d e n “ s o o r d n e t u .
[ 0
altere Theorie, daB ein Element alle Dinge erklare: daB alle Qua— I O GesetzmaBigkeit gruppirt? Natiirlich auch etwas ,,ewig Selen-
lita'ten im Grunde auf eine Qualitat zuriickgehen, sei es Luft oder des“, da wir fortwahrend seine Thétigkeit sehen: aber nicht zu-
Feuer. Dagegen behauptet nun Anaxag. nach seiner Theorie von sammenfallend mit den anderen (Mira, da er diese eben ordnet,
der men; 1.1. 51de10'lQ: durch noch so viel Zusammenmischungen also unabhangig. Ein solches Wesen nun ist der Intellekt v60;
des Gleichen kann ni ‘ ' " véo weder Intellekt noch Ve r s t a n d noch Ve r n u n f t : echt rie-

I s nung u. Verdichtung verandern die Qualitat nicht. Die Welt ist I 5 chisch” die Mach: der Sprache!) in allem, was Leben hat: er
voll der verschiedensten Qualititen: diese sind: also miissen sie b e w e g t e s a l l e i n : a l s o m u E a u c h d i e B e w e g u n g i n d e r u n o rg a n i -
ewig sein. Er nimmt also die vorhandene Welt als Wahrhaft sei- s c h e n We l t d i e N a c h w i r k u n g e i n e s s o l c h e n I n t e l l e k t s s e i n . S o
end: alle ihren Qualititen miissen immer sein. Es giebt nie mehr, nimmt er an, dalg der V601; den AnstoE der Bewegung gegeben
nie weniger Simpl. 1. c. 33". Hier sehen wir die Wirkungen der habe: er brachte an Einem Punkte der Masse eine Kreisbewegung
2 0 hervor f] nsptxépnmg, welche sofort sich ausbreitet u. immer
2 0
Dutch An. ganz neue Stellung: Ersatz der Religion im Kreis der groEere Theile in sein Bereich ziehen wird u. noch ferner weitere
Gebildeten. ergreifen wird. Zuerst treten die Dinge nach den allgemeinen
Die Philosophie als Geheimkult der Wissenden, im Gegensatz U n t e r s c h i e d e n d e s D i c h t e n u . D i i n n e n , K a l t e n u . Wa r m e n , D u n -
zur Voila-Religion. keln—u.HEHen,Feuchtern1.—Trocknenin—zwei—Mzssen—meirmn——
Der voOg als Baumeister u. Bildner, wie Phidias. 2 5 der: Aether nermt er alles warme lichte di‘mne, Luft alles kalte
dunkle schwere. Das Dichte u. Feuchte wird in die Mitte getrie-
7-5 Majesta't der Einfachheit, unbewegte Schonheit — Perikles als
Redner. ben, das diinne u. warme nach auEen, bei dem Umschwung: wie

Moglichst einfache Mittel. j a a u c h s o n s ! i n Wa s s e r w i r b e l n d a s S c h w e r e r e i n d i e M i t t e g e -


fiihrt wird. Aus der unteren Dunstmasse scheidet sich das Wa s -
Viele oval: unzahlig viele. Es geht nichts verloren.
ser, aus ihm die Erde aus, aus der Erde durch Wirkung der Kalte
Dualismus der Bewegung. 3 0

das Gestein: Einige Steinmassen, durch die Gewalt des Um-


3 0 Der gauze voOg bewegt.
Gegen Parmen.: er rechnet die Sinne, den Willen mi: zum vonqD ” xaips vc’xp er freute sich im Herzen 0d. 8, 78 [1610; véov oi81’zvs1
muB abet jetzt eine neue Scheidung vornehmen, Zorn schwellt die Seele ll. 9, 554/m15t1] 6 v60; cpépsl dahin geht sein
vegetative u. animale Wunsch, Willen Her. 9, no. Kath vofw nach Willen.
306 Vo r l e s u n g s a u f z e i c l m u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 307
‘.

einzelnen Dingen war Anaxag. weit entfernt: 11. dies ist der
Mm.,.
s e h w u n g s v o n d e r E r d e f o r t g e r i s s e n , i m A e t h e r g l i i h e n d g e w o r-
den, beleuchten die Erde: das sind Sonne u. Gestirne. Die Erde Punkt, wo ihm Plato (irn Phaedon) u. Aristot. Vorwiirfe machen.
ist ursprijnglich schlammartig: durch die Sonnc wird sic ausge- Er habe nicht verstanden sein Princip zu benutzenz es sei nur ein
t r o c k n e t , d a s z u r i i c k g e b l i e b e n e Wa s s e r w i r d b i t t e r u . s a l z i g . — 926g éK pnxavfm. Wir hingegen sehen darin die Strange seines
H i e r i s t n i rg e n d s v o n e i n e m , , We r d e n “ d i e R e d e : a l l e s s c h e i d e t 5
naturwissensch. Verstandes: er wollte die vorhandene Welt erkla-
sich nur aus, erst die allgemeineren Qualitéten, dann die speziel- ren mit Anwendung von méglichst wenig unphysikal. Theov

:::;I*-n-1L'
~W-#5:“
va3-E
leren: aber alle, auch die speziellsten sind von Anfange an ricn. Es geniigte ihm jene Kreisbewegung: hatte er sofort einen
in der Urmasse vorhanden. Die um sich greifende Kreisbe- voflg mit fortwahrenden Zweckabsichten gebildet, so wéire das
wegung bringt in diese chaot. Masse das ordnende Princip: das ein mythologisches Wesengeworden, ein Gott: was er eben ver-
I n ist der wichtige Gedanke des Anaxag. dafg die Kreisbewegung I O wies. 1m Menschen 11. im lebenden Wesen fand er als das Bewe-
ausreicht, um alle Ordnung u. Regelmafiigkeit der Welt zu erklé- gende den [Intellekt] vobg (nicht etwa den bequten Intellekt:
ren. Nur durch diese wirkt der N00; die Ordnung: so sagt Ar. denn auch bei Pflanzen u. Thieren finder er ihn). Es war cine
M e t . I 4 A n a x . z i e h e s e i n e Ve r n u n f t a l s A u s k u n f t s m i t t e l b e i d e r gefahrliche Unterscheidung: alles was eigentlich bewegt im Men-
Entstehung der Welt herbei, sonst aber fiihrt er als Ursache alles schen, nannte er voBg. Diesen vofyg dachte er sich, weil er ist,
1 5 Andere eher an als den vovg. 5150 1st er eigentlich mcht ohne swig: er ist das einzige, was Bewegung in sich hat, also zu [Benutv
1 5
Weiteres mit den Teleologen zu verwechseln: er sagt nicht eine zung] benutzen ist zur Bewegung des ewig starren Chaos der
ZweckmaGigkeitsabsicht bei dem voBg voraus, der v01"); wirkt Dinge. Alles Andere wird bewegt, der vobg bewegt sich selbst.
nicht in jedem einzelnen Falle, sondern die Ordnung ist eine Sein Verhéiltnilg zum Leibe gilt ihm als Exemplum der ganzen
Folge einer einzigen ewig fortgesetzten Zweckma'fgigkeit, der Welt; nic ht alles hat den voGg, das unterscheidet ihn principiell
2 0 kreisférmigen Bewegung: daraus folgt alles iibrige. Nu: in von Allem Anderen. Alles Andere ist gemischt: jedes hat von
7 . 0

diesem Sinne ist der vo6g zugleich [Zweck] wirkende Ursache Allem etwas in sich. Nut der voGg ist nicht eingemischt. Wenn er
(caussa efficiens) und Endursache (caussa finalis) nach Aristot. einem beigemischt wire, 50 wire er allem beigemischt. Der
Met. I 4 ,,der Ansieht (des Anaxag.) zufolge wiirde diejenige Ur»
[Geist] voGg verhilt sich anders zu dem Leib, als irgendein anderes
sache vermége deren die Welt gut ist u. diejenige welche die be—
wegende fiir sie ist, zugleich zum Princip des Seienden gemacht.
7-5
2 5
sich: es heiBt nach dem Uberwiegenden Gold, Silber usw. Der
660 Ipt’mot 111g airing (Arist. de part. anim. I 1) 1:6 06 .‘évexa Kai
I f ) é g d v d y x n g . Vo n e i n e r d i r e k t e n Z w e c k a b s i c h t b e i a l l e n
[Geist] VOGQ ist rein u. ungemischt. Keinem Dinge ist [Geist] vofig
beigemischt: sondern wo er sich finder, beherrscht u. bewegt er das
Den ,,Geist“, das GehirnerzeugnifS, als iibernatiirlich zu be« Andere. Der [Geist] voGg ist liberal] ganz gleichartig: nur dem
t r a c h t e n u n d g a r z u v e r g é t t e r n ‘ w e l c h e To l l h e i t ! D e r M e n s c h MaaE nach unterscheiden sie sich: ,,Alle lebenden Wesen haben
3 0 nimrnt die Wirkungen cler complicirtesten Mechanismen, des Ge- 3O
den thatigen [Verstand] voBg, aber nicht alle den leidenden“ Pla-
hirns, als seien die Wirkungen seit Uranfang gleicher Art. Wei] cit. V 2.0, 3. Zeller I 8233 leugnet dies mit Unrecht: alle Erklarer
dieser complicirte Mechanismus etwas Versta'ndiges in kurzer Zeit fassen den vofig nicht richtig: er ist das Leben, nicht das bequte
hervorbringt, nimmt er das Dasein der Welt fiir sehr jung: es kann Erkennen: das Princip des Bewegcns ist der thiitige vobg der lei-
dem Schépfer nicht so viel Zeit gekostet haben, meint er. dende voGg ist das Erkennen. Das haben nur wenige. Von dem
308 Vorlesungsaufzeichnungen
Die vorplatonischen Philosophen 309

VOGQ,derdieBewegunghervorbrachteistnurgemeintdaSer griff vobg (und woxh) zusammengefaEt: beide sind die Wirkun-
der thétige voBg sei: hier sehen wir, daE Anax. den ,,W;illens-

rs‘113'd-HXW’EHJ-1
gen der Lebenskraft, die eine ist in alien Dingen. dh. das ein—
21kt“meint,alsdieHauptéiulgerungdesvol-M;aufdasAndere zig ganz gleichartige, alles Andere ist ungleichartig, sondern
When”weereinHandelnsicht,dasnichtmechanischistzB.aucli
beiderPflanzenimmterdenthétigenV0134;an.]ebesserdie zusammengesetzt. Der véog ,,pon0g new; dup’ éwvrof) étm“.
Datum kann die Weltgenesis einmal anfangen, weil der VOGQ un-
werkzeuge sind, um so meht kann der voGg hervortreten u. sich endliche Zeit unthitig sein konnte L1. in einem bestimmten Mo-
zeigen233.Ar.depart.anim.IV106161toxsfpagifxawtppovtuo's-

51:51:
tugb-
.5. pkiwi.
m e n t d i e 6 v t a b e w e g e n k o n n t e . E r i s t d a s e i n z i g Wi l l k i i r l i c h e .
eurov swat 163v Cq'mw tithpumov.30 Das nVei'stz'indigsteWesen“ Beziehung zu Anaximander: das é’tnapov néher bestimmt als das,
lStdas,indemderv01");sichambestenéiuKemkann.Dennim was alle Qualitiiten ungeschieden durch einander gemischt hat:
I O

GrundeistesiiberalldergleicheV009DieDifferenzendes[Intel-
lekts]voGr;werdenalsodurchdieMateriehervorgebracht:der I O Anfang der Genesis durch den voBg: der Weg ist ein allméhliches
Ausscheiden. Anfang mit einem Dualismus.
voGglJeherrschtsie,aberjezweckméBigersiezumHandelnge- B e z i e h u n g z u H e r a c l i t : d a s We r d e n w i r d g e l e u g n e t , e s i s t n i c h t
baut ist, um so besser handhabt er sie. Die Keime der belebten d a s Ve r t a u s c h e n v o n e i n e r Q u a l i t é i t m i t d e r A n d e r e n , n i c h t e i n
Wesen,derPflanzensindnatiirlichauchewig:ihreEntstehung
1 5
héngt wander Eeptxtbpno'tg—ab, WilesAndere. Er nimmt die Element lebt. Ein Dualismus: der Staff

bendige, wie bei dem herakl. Feuet. Er ist der wahre Antagonist.
ist nicht zu leich das Le-

Enriglfeit des Menschen, der Pflanze usw. in gleicher Weise an 1 5

Beziehung zu den Eleaten: Ubereinstimmung iiber das Seiende,


wediedesGoldes.DieFortpflanzungisteineUbertragungdes, Leugnung alles Nichtseienden. Es kann nichts werden, nichts
vof); des Lebens auf neue Wesen. Im Grunde aber indert sich v e rg e h e n : d e r [ G e i s t ] v o B g b e w e g t s i c h : f i i r a l l e s m u E e r U r —
nichts,wederdieDingenochder[Geist]voSg:esistimmergleich sprung aller Bewegung sein.
2 0
Vlel Geist in der Welt. Er kann ja nicht untergehen. Von einer Entweder haben die Eleaten Recht: dann giebt es keine Viel-
l’ersonlichkeit des Geistes zu reden ist Thorheit: der Geist der
1 0

heir u. keine Bewegung: oder Anaxagoras: dann giebt es zahl—


Jetzt in allen lebenden Wesen ist, ist es natijrlich a’uch lose oval (unvergéinglich starr u. ewig) (Arist. Phys. IV 6), dann
der einstmals den AnstoE zur Bewegung gab. Das Gesetz’ g i e b t e s k e i n e n l e e r e n R a u m , d a n n g i e b t e s B e w e g u n g . Vo n s e i -
von der Erhaltung der Kraft und von der Unzersto'rbarkeiLdes
7-5
Stoffs Jst von ihm entdeckt.Alle Bewegung ist entweder eine di- ‘ u ; ‘ . “‘ ";".3 2‘3' "2 “ “‘
von ihnen nicht gesagt werden: ,,es war“ ,,es wird sein“. Sie
rekteodereineindirekte:dieFormderdirektenBewegungist 7-5

kénnen nicht geworden sein, sie konnen nicht vergehen. Dage-


organischesLebenodermechanischeBewegung:dieindirekteist gen kann ein 6v ins Unendliche getheilt werden fr. 5 ,,es ist un—
immermechanisch.DabeiistimmerfestzuhaltendageinGegen- méglich, daG das Seiende dutch unendliche Theilung zu nichten
satz von Materie u. Geist bei ihm nicht existirt: der vofu; ist nu: w e r d e “ . D i e E l e a t e n b e h a u p t e t e n f i i r d a s e i n e 6 v d i e U n t h e i l b a r-
3 O
von‘allenovaldaslamétutovu.Kaeupdnutovu.hatyvdmnv keit: denn was sollte es theilen? Consequent behauptet nun Ana—
nept nyavtbg mic-11v icxst. Das Erkennen ist eine Eigenschaft 3 0

xag. die Theilbarkeit seiner vielen 6vra ins Unendliche. Es giebt


dieses 0v.Vorstellung und Begierde sind beide in dem einen Be- nichts aulger dem Seienden, also ist die Masse der 6vm unendlich
groE. Anax. fiihrt den Begriff des Unendlich—Kleinen u. des Un»
V6hErhatsxchdiebestenWerkzeugegebaut,weilerammeistenvondem
” . .

og at e n d l i c h — Vi e l e n e i n , v o n d e n E l e a t e n h e r. N a c h d e n E l e a t e n w a r
3 5 e s d e r v 0 6 ; ( s p e z . d i e ( l i c e n s i n g ) d i e d i e Ti u s c h u n g v o n d e n
3 1 0 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 311

nohkd und dem Werden hervorbringt: nach Anaxagor‘ ist es b e i H i p p o l y t . I X . 1 0 . Wa h r s c h e i n l i c h i s t a u c h , , G e s c h m a c k “ m i t


wirklich selbst der vet); der die starren 1107041 bewegt und das einbegriffen. Alle diese unter sich verschiedenen Samen der
Leben hervorruft. Alle Bewegung in der Welt wird als Resul- Dinge sind so vollstandig in then kleinsten Theilen gemischt,
tat des organischen seelischen Lebens gedacht: gegen die dag die Spezialitéit von Keimen bemerkbar ist. Dies schildert
Eleaten konme er einwenden, dal? auch sie die Lebendigkeit des Anax. u. schlieBt touréwv 6i: 0t";er éxévtmv év 1(7) obnnuvn
vng iibrig behjelten, die sich nicht in die starre unbewegte todte xp‘h 50Ké21v§v sival ndvtu xpflputu. Diese Einheit erinnert
Einheit auflosen lieB. Was aber jetzt lebt und daher ist, muS an das angipov des Anaximander: und Theophrast macht auf
auch in allen Ewigkeiten gelebt haben und gewesen sein. diese Ahnlichkeit aufmerksam (bei Simpl. 6b); die Mischung von
Damit ist aber der ProzeG der Weltbewegung erkla‘rt. So hat b e s t i m m t e n u . q u a l i t a t i v v e r s c h i e d e n e n S t e ff e n k o m m t t h a t s i i c h -
I O
recht eigentlich Anax. die eleat. Lehre zum Hintergrund. I O lich hinaus auf einen Stoff ohne bestimmte Eigenschaften uia
Das Resultat des v01"); ist Bewegung u. das Resultat der Bewe- (photg dopto‘rog: das abet ist das (inaipov des Anaxim. Arist.
gung Ordnung. Wis war, vor der Wirkung des vng, die Masse Met. I 8 sagt: ,,ehe eine Absonderung vor sich gegangen ist, lieG
jener (Swot? Unbewegt u. ungeordnet, ein Chaos. Da nun jeder sieh von jener Substanz offenbar gar nichts aussagen: sie konnte
StoffinsUnenmmhemeUbarWemr' :s a . r . . w .-
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HM.“
,
A A.
u.‘ ‘I'
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n .
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1 5 nung identisch mit dem Durcheinander von allem in allem. 1 5 sein, sonst hatte sie eine dieser Farben haben m'Lissen. Ebeuso
Simpl.adPhys.33"(Spot)min/mxp'l'wamflv,(IntaipaKainkleDQ
.‘tuna-74
__
war sie geschmacklos u. hatte auch nicht irgend eine andere der-
taxi optxpétnta ' Kai ydp to ouncpov anelpov 11v, Kai miv'rcov artige Eigenschaft: denn weder quantitativ noch qualitativ
oi’mf) éévrwv obSév EvSnkov 11v 6116 opikpomrog. Hde Yap konnte sie bestimmt, noch konnte sie em Etwas sein. Sonst wire
unp ta Kai aieflp KaTSIXS, dpoé‘rspa cinema éévw ' mow ydp ihr irgend eine einzelne bestimmte Form zugekommen, was un-
2 0
uéyto'ra Evson év roig 6611mm Kai Times? Kai ueyaee‘i. Die 2 0 moglich war, so lange sich noch alles im Zustand der Durchein—
Welt ist unendlich, Luft u. Aether erstrecken sich in’s Unendllche: andermischung befunden: andemfalls hatte eine Absonderung
dies sind die gréEten Bestantheile des utspriingl. Chaos: alles ist schon stattgefunden, was Anaxag. leugnet.“
in unendlichen kleinen Theilen dutch einander gemischt. Und so Aber auch in den jetzigen Dingen sind noch alle anderen Sa-
ist das Chaos endlos seiner GroKe und seiner Kleinheit nach. m e n e i n g e m i s c h t : n u r s o e r k l a r t s i c h a u c h j e t z t d a s We r d e n , a l s
7-5
mimeog ist hier nicht ,,Anzahl“ sondern Ausdehnung im Raum, 7-5 e i n S i c h a u s s c h e i d e n z B . b i l d e n s i c h b e i d e r E m é h r u n g d i e v e r-
Breite, Weire: wie zB. Herod. I 203 opog Mmeei uéylotov Kai s c h i e d e n e n i m K é r p e r e n t h a l t e n e n S t o ff e a u s d e n g l e i c h e n N a h -
usydesi éwnkowrov. Kai nherei’ Kai peydesi’ ist = nach Ausdeh- rungsmitteln dh. diese Nahrungsmittel miissen alle die verschie-

:LtnginBreiteu.Hohe.nlljeogKaicuiKpot.,,Grolgeu.Klein—
ext.“
denen Ingredienzen enthalten, aber nicht wahrnehmbar wegen
Lhrer Kleinheit Placit. I 3, 8 Aristot. Physik III 4 u. I 4. Auch im
3 0
ToL'mnv5:1:061mg()mexm‘1Soxéswéveivat(évmitSchom?) 3 0 Schnee sei Schwarzes, denn das Wasser, aus dem er bestehe, sei
nokkd 1:5 Kai navroia év Tram Ioiot coyxpivouévmm Kai onép- es (Cic. Acad. II 2.3 u. 31). So sagt Aristoteles Phys. I, 4 Std (pact
putts mivrwv xpnudrmv Kai iSéag nuvtoiug Exovm Kui xpou‘tg n d v é v n u v t i p a p i x e m , 6 1 6 11 n d v é K n a v r o g é é p m v y w é p s v o v.
Km néovdg. Die ,,Sarnen aller Dinge“ haben also mannigfache Wi t n e n n e n a b e t d i e D i n g e é K r o t " ) d e G B ‘ i m e p é x o v r o g 5 1 d
Gestalt, Farbe und Geruch. Dies ist IiEow'l wie zB. bei Heraclit nkI‘leog iv 11‘] uiéat chv dnaipmv. Diese kleinen Urtheilchen in
-,,-
‘7.
T

3 1 2 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplaronischen Philusophen 3 1 3

allen Dingen nenm Arist. buompepf]. Lucrez gebraucht zuerst Die Sinnesempfindung wird nimlich nicht durch das Verwandte,
(Sumouepiu I 830 nunc et Anaxagorae scrutemus homoeome- s o n d e m d u r c h d a s E n t g e g e n g e s e t z t e h e r v o rg e r u f e n — n a c h H e r a -
riam/ quam Grai memorant usw. Der vobg hat also keinesfalls C l i t ’s Vo r g a n g e . G l e i c h a r t i g e s m a c h e a u f G l e i c h a r t i g e s k e i n e n
eine absolute Ordnung hergestellt, keine Véllige Trennung, son- E i n d r u c k . Wi r s e h e n 2 B . d i e A b s p i e g e l u n g d e r G e g e n s t a ‘ n d e i m
5 dern nur eine Bewegung, bei der nach allgemeinen Unterschieden Augapfel: diese bildet sich aber nut in dem andersgefarbten; da
sich die Dingue geschieden haben, nach warm u. kalt, hell u. licht: d i e A u g e n d u n k e l s i n d , s e h e n w i r a r n Ta g e . Wi r e m p f i n d e n d a s
er hat ein Ubergewicht eines Stoffes hervorgebracht, nicht SiiBe mit dem Sauern, das Ungesalzene mit dem Salzigen in uns.
mehr. Von irgend einer Zweckméilgigkeit dabei ist nicht die Rede, — Dies alles ist offenbar der leidende v01”); Der thatige ist der
sondern nur von Bewegung. Diese Bewegung ist eine re gelmz‘i- b e w e g e n d e , v o r n e h m l i c h i r n Wi l l e n b e m e r k b a r.
IO Bige u. das ist der Ursprung aller Ordnung: eine urn sich grei- I O Zum Schlulg sei erwéihnt daB Anax. einen Vorga'nger gehabt
fende Kreisbewegung, die in aller Ewigkeit fortdauert, was das haben sol] Arist. Metaph. l 3: schon Hermotimos aus Clazome-
All unendlich ist. Kai éxoia spells éoaoeat mi éxoia flv Kai nae soll den Satz vom voog aufgestellt haben. Es gab in Clazom.
(Sierra vfw ‘Eou mi 61(qu éami, mivta Slexéounue véog Kai ein dem H. errichtetes Heiligthum: er habe die Gabe gehabt, daG
TT]V nsptxmpnow 1116th iiv VDV 1:891me seine Seele oft lange Zeit den Kérper verlieE u. zuriickkehrend
:5 mm; Kai f] (5511‘an Kai 6 ('11‘1p Kai 6 aieflp oi dnoxptvépsvm. ‘ 5 von entfernten Dingen zu erzéhlen qute. Seine Feinde benutzen
I“; St napixmpnmt; ai’rrn énoince duoxpivscem Simpl. Phys. einen solchen Zustand, um seinen Kérper zu verbrennen. Die
gob/endfjpgatoévéogKwéetv,(indtooKweouévovnuvtég(16 S e e l e d e s P y t h a g . s e l l i n i h m w a h r e n d i h r e r f r i i h e r e n Wa n d e r u n -
um supple) anexpivsro, Kai 660v éKianE é véog, ndv IoDto gen gelebt haben. Offenbar haben wir es mit einer Ausdeutung
SteriGn ' xiveopévwv 511: mi Staxpwopévmv 1‘] napixcbpnmg zu thun, die Anaxagoras selbst seiner polularen heimischen
1c 1107.169 pa}.on énoiss Smicpivsceai. Simpl. Phys. 67“. Vom v01”); 2 . 0 Sage gab: er exemplificirte darin die Scheidung des vobg vom
heiBt es frt. 33" 6 5% véog 560 éatm ts Kai v0v écn Kai 1iv. K é r p e r. ( C a r u s n a c h g e l . We r k e I V 3 3 0 f f . ) . D i e M y t h e n a u s d e u —
Die Entstehung der lebenden Wesen dachte er sich so: die tung ist gerade bei Anaxagoreern heimisch: er selbst sell 23. ge-
sagt haben daG Homer eine Dichtung sei mapi éparng mi 51-
Keime der Pflanzen kommen aus der Luft: sie vereinigen sich
my haleusseurepdeWI—Aeheriedwdeep—
— m 1 r d e m — V Va s s e r — r b i l d e n d i e P f l a n z e . D i e K e i m e d e r T h i e r s e e l e
2 5 kommen aus dem Aether, sie vereinigen sich mit der schlammarv 2 5 erkannt haben usw. Dies wird am starksten fortgesetzt von sei'
n e m S c h i i l e r M e t r o d o r. D i e p h y s i k a l . A u s d e u t u n g ( n A g a m e m -
tigen Erde. So sagt der Anaxagor. Euripides Chrys. fr. 6 ,,die
non sei der Aether“) ist jetzt ein Zeichen von Aufldarung. Homer
Seele stamme ans aetherischen Samen und kehre nach dem Tod
u. die Mythologie wird nur als bildl. Umschreibung philosoph.
in den Aether zuriick, wie der Leib zur Erde, aus der er stamrne. Lehren behandelt. Die physikal. Principien werden so andachtig,
Nach dieser Urzeugung geschieht alle andere Zeugung éé (ill- 3 O ja fast religibs behandelt, so daG der Aether die Wolken usw. dem
3 0 t i l m v.
Volke als neue Gottheiten erscheinen: was 2B. in den aristophan.
Die sinnliche Empfindung theilt A. auch den Pflanzen zu: er
Wo l k e n a rg v e r s p o t t e t w i r d . E s g e h é r t a b e r j e d e n f a l l s d a s b e g e i -
schreibt ihnen ein 113536m u. ein Amraicem zu. Merkwiirdige sterte Erfassen der Naturphanomene zum 1390:; des Anaxagoras:
Theorie daB alle Sinnesempfindung mit einer Art Unlust verbun- wirklich hat sich auch das religiijse Gefiihl in dieser Form bei
den ist. Theophr. de sensu I § 29 anacuv S’u’iceno—w para Mung. 3 5 ihm entladen: wie auch bei Pericles, Euripides usw.
3 1 4 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonlschen Phllosophen 315

§. I4 Empedocles stammt aus dem glinzenden Agrigent. Sein féihr in sein 35" Jahr verlegt. Damit ist auch im Einklang, daB
Geschlecht ist dies: Simpl. Phys. 6" sagt, er sei nur um weniges ji'mger als Anaxago~
ras gewesen, der 5oo geboren ist: also c. 8 jahre.
Exainetos

Nach Apollodor: Nach Neanthes


Empedocles siegt zu Olymp. Ol. 71 Kélntl 5 geboren c. 475 c.492
v i a
bliiht c. 444 c.456
5 Meton u. Exainetos siegt Ol. 71 1:600] oder Spéucp stirbt c. 416 Oder vorher, 60 Jahre alt c. 415aber 77jéihrig.]
l l Aristot. sagt ausdriicklich Metaph. I 3 ’Avaiayépag 6f»; — 113 MW
Callikratides : Emp edocles P
rikuciqz npétgpog (1w 1:061:00, mfg E’Epymg 6515px.“
| |
m Nach Apollodors Berechnung war Empedocl. ungefé'hr 25 blue
Tochter Exainetos siegt Ol .92. in Olymp. nach jiinger. Das 6618')ch heilSt jedenfalls: ngereifter, fortgeschntte-
I Diodor 13,82 ner“; es zeigt die herrschende Mngunst gegen Emped. bei Arr
Empedocles tragicus cf. Suid. stot.; er hat an jener Stella Emped. einfach zu den friiheren Phy-
siologen gerechnet und setzt hinter ihn, unchronologisch, abcr
xo Héiufig ist er mit seinem GroEvater verwechselt worden, viell.
15 nach Griinden des Werthes, Anaxagoras.
auch, in Betreff der Tragédien, mit seinem Enkel. Sehr vomehme
u. reiche Familie: die Rossezueht wird besonders gerijhmt, auch
415 wa‘re er c. 90 jéihrig gewesen
spricht fijr den Reichthum des Emped. daB er eine FluGcorrek-
tion des Hypsas auf eigene Kosten untemommen hat. GroKes dh. geboren
Anaxag. 500 gebor. 505
15 Ansehen, da GroKvater u. Onkel ’Okuumovixm waren. Seine
ducm‘] ist nach Apollod. Ol. 84. Welcher Zeitpunkt damit gemeint Emped. 49o geb. E ab
20 430 geborben 445 gestorben ungeféihr
ist, ergiebt sich aus La. VIII 52: er besucht Thurii bald nach der
415 navtekthg émpysynpambg
75 Jahre ?
dag E. den Krieg der Syrakusaner gegen Athen (a. 415 usw.) mit- Emp. 495 geboren Ol. 72 geb. 84 (ixpfl
20 gemacht habe, weil er damals schon todt oder hochbejahrt war. 4 3 5 gestorben 48 Jahr alt c’nqn’}
Denn nach Aristoteles starb Emped. (ebenso wie Heraclit) im 25 415 wire er 8o Jab: gewesen
60"“ Jahre I [Demnach hat Apollodor angenommen, daB er un—
geféihr 475 geboren ist Oder friiher. Demnach wire die Zeit sei- Er ist jiinger als Anaxagor. u. war 415 sehr alt geworden.
ner éuqu‘] bereits auf 30—34Jahre angesetzt von Apollodor. D3- 48 Jahr dK. La. II 2 (3mm des Anaximander nach Apollodor
25 gegen sagt Neanthes (nicht Favorin wie Zeller meint), er sei Aristot. Rhet. H 14 dehnt die duqnj des Geistes bis mm 49 Jahrc
77 Jal'u‘ alt geworden: dann setzte er jedenfalls die Geburt friiher aus. Gemeint ein hitpunkt aus 30—49 Jahren.

an, etwa 492. Damit stimmen die Anséitze der and] bei Euseb.
zu Ol. 81, ebenso Syncell., né'mljch auch so is! seine (itcpr unga- 3‘ Theophrast sagt auch of) 1mm Ku'rémv 1:01") ’Avaéayépou ysyovdg.
316 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 317

Alles, was wir iiber seine Lehre wissen, kommt darin zusam—
mannichfacher Krankheiten Heilspriiche zu h6ren, nachdem sie
men daE er alle philosoph. Beriihmtheiten vor ihm eifersijchtig lange durch grausame Martern gequéilt waren33. — Aber was ver—
b e t r a c h t e t . Vo n P a r m e n i d e s s a g t T h e o p h r a s t ( L a . 8 , 5 5 ) , e r s e i weile ich dabei, als ob es etwas GroEes ware, wenn ich fiber die
sein Cnerhg gewesen Kai uninth év toig nominal. Nach Her- armseiigen Sterblichen hervorrage 5i evnrrhv napielm nolutpeo-
mipp (La. VIII 56) nicht des Parmenides, sondern des Xenopha— 5 péow dv9po’mmv. Nun suchte er die Einheit alles Lebens auf
nes plpnrflg (prunqaceul rhv énonmiuv) Nach dem Ephesier das Eindringlichste einzupra‘gen: wie das Fleischessen cine Art
Diodor (La. VIII 7o) éCnlchet den Anaernander, rpm/1be von Sichselbstverspeisen sei: ein Morden der nachsten Verwand-
dGde tl‘Jcpov Kai csuvhv (ivukaBdw éGBnm. Nach Alcidamas i ten. Er wollte eine ungeheure Reinigung der Mcnschen: auch
(La. VIII 56) hat er von Pythagoras 1:1‘1v oeuvémw Cnldxsm 1:013 ‘ Enthaltsamkeit von Bohnen u. Lorber. Arist. Rhet. I, 13: Kai (be
1 7 5 B i o u K a i 1 : 0 0 c x n u u t o g , v o n A n a x a g o r a s r f w ( p u m o l o y i u v. m ’EunESOKMg Myst napi 101‘) M1 Kteivew Tb éuwuxov 100m
Er stammr aus einer agonalen Familiezn er erreichte auch wirk- " yap of) not uév SiKulov, noi 5’ of) Sixalov, ,,sondern dies ist
Iich in Olympia das allergréBte Aufsehen. VIII 66. Er gieng um- das Gesetz Von Allem dureh den weiten Aether hin ausgebreitet
her im Purpurgewand, mit goldenem Giirtel, in Schuhen von Erz u. durch den unermeElichen Glanzhimmel.“ Ausfiihrlich Theo-
u einedelphiseheKrene : -. .. 1-: -. , . :. c . .' Liebe u. die verwandtschaftliche
seine Ziige waren immer gleichmaBig Einster: W0 er auftrat, folg— 15 Empfindung in allen Wesen waltete, da mordete begreifh'cher-
t e n i h m i m m e r D i e n e r. I n O l y m p i a t r u g e i n R h a p s o d e s e i n e weise Niemand irgend ein Geschépf usw.“ Das gauze Pathos
KaBuppoi vor: bei einem Siegesopfer opfert er einen aus Mehl u. des Empedocl. tub: in diesem Punkte daB allcs Le be nde eins
H o n i g g e b a c k e n e n S t i e r, u m n i c h t g e g e n s e i n P r i n c i p z u v e r s t o - sei, Gétter u. Menschen u. Thiere sind darin eins34. Sext. Emp.
Ben (Zeller p. 659 adn. im Unrecht) Es war offenbar ein Versuch, i adv. Math. IX I27 ist recht ausdriicklieh, Ev nvsbpa sei in den“
die gesammten Hellenen zu der neuen pythagoreischen Lebens- 20 ganzen Welt die Seele: das vereinige uns auch mit den Thieren.
weise (und) Weltanschauung zu bringen: auEerlich war es eine Die ,,Einheit des Lebens“ ist der ungleich produktiver gestaltete
Reform des Opferdienstes. Diese KaOappoi fiengen an 315 GruB Gedanke des Parmenides von der Einheit des Seieuden: das in—
an die agrigent. Freunde ,,lebt wohl! Nicht mehr ein Sterblicher, nerste Mitleben mit der ganzen Natur, ein iiberstrémendes Mit-
sondern ein unsterblicher Gott wandere ich herum, unter allen leidsgefiihl ist hier dazugekommen: als die Aufgabe seines Ba-
g e e h r t , w i e s i c h ’s g e z i e m t , m i t B i n d e n u n d g r i ' m e n d e n K r i i n z e n
geschmiickt. Und sobald ich in die bliihenden Stadte komme,
33 Goethe an Lavarer: ,Gegen die geheimen Kiinste bin ich miGtrauisch.
w e r d e i c h v o n M a n n e r- n u . F r a u e n v e r e h r t : s i e a b e r f o l g e n m i r Unsere moralisehe u. politische Welt ist mit unterirdischen Gangen Kellern
z u v i e l e n Ta u s e n d e n , e r f o r s c h e n d , w o h i n d e r We g z u m H e i l u. Kloaken minim, wie eine grog: Stadt zu sein pflegt an deren Zusammen-
f i j h r t , d i e e i n e n We i s s a g u n g e n b e g e h r e n d , d i e a n d e r n w i i n s c h e n hang u. ihre bewohnenden Verhéilmisse wohl niemand denkt u. sinnt: nur
wird es dem, der davon einige Kundschaft hat, viel begreiflicher, wenn da
einmal der Baden einsti'irzt, dort einmal ein Ranch aufgeht u. hier wunder-
32 Sophokles der Dichter der Leiden des agonalen Individuums. Der Phi- bare Stimmen gehért warden.“
loktet das Lied vom Exilr 3‘ Goethe ,,und so ist jede Kreatur nur ein Ton, eine Schamrung einer
I Die Mittel gegen die maGlose Selbsrsucht der Individuen: die Heimarhs- groEen Harmonie, die man im GroBen u. Ganzen studiren muK, sonst ist
mstmkte die Offenrlichkeit der Wettkampf Die Liebe. jedes Einzelne ein todter Buchstabe.“
3 1 8 Vorlesungsaufzeichnungen Die vorplatonischen Philosophen 3 1 9

seins tritt hervor, das wieder gut zu machen, was das vsTKog Ubergang zur Volksregierung erlebt der junge Emped. Nach dem
schlimm gemacht habe, innerhalb der Welt des veiKog den Ge- To d e s e i n e s Va t e r s b e g i n n e n w i e d e r t y r a n n i s c h e R e g u n g e n . D i e
danken von der Einheit in der Liebe zu verkiindigen u. selbst zu Hauptautoritat lag in dem Senate von 1000: auBerdem abet m6-
helfen, wo er das Leiden, die Folge des veixog findet. Schwer gen bes. die nach dem Sturze des Gelonischen Hauses in Sicilien

.mmlrmu‘
W"«-mug-ur-
dome
wandelt er in dieser Welt der Qual, des Gegensarzes: daB er in z u r i i c k k e h r e n d e n Ve r b a n n t e n e i n e f e i n d s e l i g e O p p o s i t i o n g e -
ihr ist, kann er sich nur aus einem Fehltrirt erkléren: in irgend m a c h t h a b e n . E i n e n Ve r s u c h z u r Ty r a n n i s u n t e r d r i i c k t e E m p . o f -
einer Zeit mug er einen Frevel, einen Mord einen Meineid began- fenbar als junger Mann: es war sein erstes polit. Auftreten, si-
gen haben. Am Dasein in einer solchen Welt haftet eine Schuld. cherl. zugleich als Redner. E. wird von einem der dpxovts; (der
Sonderbarer Weise erkléirt sich aus dieser Stimmung auch I o o o ) z u m S y m p o s . e i n g e l a d e n u . a rg e r t s i c h , d a E m a n m i t d e m
I O
seine politische Gesinnung. Nach dem Siege von Himera wur— I O M a b l e w a r t e t — a u f d e n I o v “ m g B O U M ‘ ] ; é n n p é m v. A l s e r
den die mit Gelon verbiindeten Stadte iiberreichlich durch Beute kommt, wird er zum counoo'iapxor; gemacht. Dieser befiehlt die
belohnt: besonders Agrigent bekam grenzenlos viel Staatsskla- é m l o x p u o i a v, i e d e n f a l l s w e i l e r a u f Wi d e r s p é i n s t i g e s t é B t : e n t —
ven: es beginnt die gliicklichste Zeit A.’s von 70 jahren, einzelne
Privatleute hahen ' '
v

weder zu trinken oder begossen zu werden. Vielleicht war au-


I 5 Iich groBartig gebaut: E. sagt von ihnen (La. VIII 63) ,,die 1 5 a m a n d e m Ta g z i e h t e r b e i d e v o r G e r i c h t u n d v e r u r t h e i l t s i e
Agrigent. iiberlassen sich den Vergniigungen, als sollten sie mor-

Wm."-
-‘.,-JE-4,:.n
&,.
b e i d e z u m To d e . H i e : e r k e n n e n w i r d e n l e i d e n s c h a f t l i c h e n H a E
gen sterben u. bauen Hauser aJs wijrden sie ewig leben.“ Gelon g e g e n d i e Ty r a n n i s . E r g e h t a b e r w e i t e r 11 . l o s t d e n R a t h v o n
war damals Herr von Sytakus u. Gela, Theron zu Agrigent u. 1000 auf, offenbar weil er verd‘a‘chtig geworden war. Eine hochst
sein Sohn Thrasyda'us zu Himera. Nach Gelons Tode £51k that- h i n r e i B e n d e B e r e d s a m k e i t s t a n d i h m d a b e i z u G e b o t e , Ti m o n
1 0
séchlich Hieron die Gewalt zu; ein groGer Beschiitzer der Kiinste 2 0 P h l i a s i u s n e n n t i h n d y o p a i m v 1 7 1 7 m t h é n é m v. D o r t e n t s t a n d d i e
Pindar, Simonides, Bacchylides, Epicharmus [Empedocles] Ae- Rhetorik, wie Aristoteles sagt, der von ihm sagt npdnov (3111:0-
schylus. Dutch den Tod des Theron 472 traten wichtige Veranda- pudw KeKwnKévm, im Dialog Sophist cf. La. VIII 57 Sext. Emp.
rungen in Sicilien ein. Sie erlebt der etwa zojihrige Empedokles V I I 6 . Vo n i h m l e r n t G o r g i a s . P o l o s i n A g r i g e n t e n t w i r f t c i n e
rmt. Thrasyda'us, nun auch Herr von Agrigent, entwickelt seine Iéxvn. Mit ihrer Hiilfe Liberredet er die Agrigentiner {comm
1 5 gewalttha'tigen u‘ blutigen Instinkte er vermehrt sein Séldnerheer 1 5 K 0 7 » t h w a d c x s i v L a . V I I I 7 2 . D a e r s e h r r e i c h w a r, s o k o n n t e
bis auf 20 000 Mann. Unkluger Weise fordert er seinen Nachbar er die armeren BiiIgerinnen ausstatten: offenbar strebt er auf eine
Hieron heraus: ungeheures Blutbad, zooo auf Seiten der Syra- Aufhebung der Vermogensdifferenzen hin. Er witd so popular,
kus. 4000 auf Seiten der Agrigentiner erschlagen, allermeist Hel- daE man ihm die Baclleiu anbietet: die er ausschla'gt. [Dabei
lenen nach Diodor XI 53. Thrasydéius vollig geschlagen fli'ichtet aber ist sein ganzes Auftreten derartig, daK er auf lingere Zeit
3 0 nach Megara im eigentl. Griechenland, wo er zum Tode verm- 3 0 nicht unverdichtigt bleiben kann] Nun abet will er auch den
theilt wird. Hieron betrachtet die beiden Stia‘dte als unterworfen anderen Stadten zu Hiilfe kommen nachdem er Agrigent geord-
u. schickt viele in Verbannung. Die Agrigentiner setzen jetzt cine net hat. Er verlaBt Agrigent, um nun herum zu wandem: in
demokratische Regierung ein, offenbar ist Meton jetzt einer der Olympia tragt er die Kaeappoi vor, in denen er sein Lebewohl
einfluGreichsten Griinder dieser Regierung La. VIH 72. Diesen an die Agrigentiner ausspricht. Er erscheint in Thurii, Messene,
320 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosopher) 321

Peloponnes, in Athen, in Selinunt: hier vertreibt er eine Pest, in- 1 brochen u. sei daran gestorben. Aber auch hier stirbt er in Sici-
dem er zwei Fliisse auf seine Kosten mit dem Hypsas verbindet i lien. In Megara wurde sein Grab gezeigt, natiirlich im sicilischen.
( S c h l e m m s y s t e m ) . D i e S e l i n u n t e r, f e i e r n e i n F r e u d e n f e s t a m Die gléiubige Legende léiBt ihn verschwinden, die ironische stiirzt
Flusse: als er unter ihnen erscheint, fallen sie vor ihm nieder u. ihn in den Aetna, die pragmatische léiIKt ihn die Rippe brechen
5 beten ihm wie einen Gott an. Mi‘mzen darauf abgebildet bei Kar- 5 u. bei Megara begraben sein.
sten p. 23: er hélt das Gespann des Apollon als Wagenlenket an. Er ist der tragische Philosoph, der Zeitgenosse des Aeschylus.
Nun sagt Timaeus La. VIII 67 Smepov péVTOI. 101") ’Axpdyavtog Bei ihm ist das Auffallendste sein auEerordentl. Pessimismus, der
oimqopévou évtécmcav (113106 11”] meeting oi tcbv éxepGJv (imi- aber in ihm hbchst aktiv wirkt, nicht quietivisch. Wenn seine
' Y O V O I ‘ 5 1 6 n m S i g H s k o n é v v n o o v d u o x w p n c a g é r s l s b t n c s v. politischen Ansichten demokratisch sind, so ist der eigentl.
10 Was ist der Grund, weshalb er nicht heimkehren darf: ich vermu- w Grundgedanke doch, die Menschen hiniiberzuleiten bis zu dem
the (113101”) ’AKpdyavm oixttpouévoo ,,weil er Agrigent fiir be- Kowd 103v (pikcov der Pythagoreer, also eine sociale Reform mit
mitleidenswerth etklérte“? Oder bezieht es sich auf die Riick- Aufhebung des Eigenthums. Die Allherrschaft der Liebe zu be-
kehr der friiher Ve r b a n n t e n dh gri‘mden zieht er als Wanderprophet umber, als ihm dies in
:; 1-. ' u ;v nen ist. Sein EinfluB gehért in das Bereich
15 Fiihrer derselben zuriickrief“? Uber seinen Tod giebt es Legenden 15 der pythagoreischen Einfliisse, die in diesem Jahrhundert bliihen
aller Art: gewiE ist, daK man nicht angeben konnte, wo er begra- (doch nicht in Sicilien). Irn Jahre 44o ziehen sich die Pythagoreer,
ben sei. Jedenfalls, wie Tim<éius> meint, im Peloponnes, nicht in iiberall vertrieben, nach Rhegion zuriick: offenbar ist die Nieder—
Sicilien. Im Allgemeinen gilt von ihm, was er v. 384 f. Karst. sagt lage der Pythagoreer im Zusammenhang mit der Verbanming des
eig 5E: tékoq uévretg 13 mi pronéhot Kai inrpoi | Kai Empedokles u. seinem Ende im Peloponnes. Dabei ist recht wohl
zo npépor dvepdmoww émxeoviowt uékovwi I éveev (immu- zo méglich, daB er ohne direkte Verbindung mit den Pythagoreern
c’roficn 680i minim (pépto'tot. Dies war sein Glaube: er ist schon war: spiter wurde er beschuldigt das eigentliche GeheimniB aus-
in den Gott iibergegangen: die Fabeln bezeichnen dies zum Theil gesprochen zu haben. Es ist auch wahr: er verhéilt sich zur py—
ernsthaft, theils ironisch. Er ist Seher Dichter Arzt und Fiirst thag. orphischen Mystik, wie sich etwa Anaxagoras zur hell. My—
( e i n a l l g e m e i n e r e s Wo r t : n i c h t r é p a w o g ) n u n i s t e r, s e i t s e i n e r thologie verhilt. Er knupft lene religiosen Instinkte an nam-
1. 5 Wanderung, auch 6569, ofncé-n evntég. Wie geht er nun iiber zu 25 senschaftl. Erklérungen u. verbreitet sic in dieser wissenschaftli—
d e n a n d e r e n G é t t e r n , u m a n i h r e m Ti s c h e s o r g e n l o s , o h n e To d cheren Form. Er ist der Aufkl'alrer u. ist bei den Gliubigen des-
u. Alter zu leben? (v. 387—8) In den Aetna stiirzt er sich, weil er
halb unbeliebt. Dabei iibernimmt er noch die gesammte Gétter
die Meinung bestérken will ein Gott zu sein: das unmittelbar u. Déimonenwelt, an deren Realitit er nicht weniger glaubt 3.15
vorhergehende EreigniB ist entweder die Anbeturig der Selinun- an die der Menschen. Er selbst fiihlt sich als ein verbannter Gott:
3 : : t i e r o d e r d i e H e i l u n g d e r A g r i g e n t i n e r i n P a n t h e i a . Ti m a e u s w i - 3a er seufzt dariiber, aus welchem Gipfel der Ehre u. des Gliicks er
derspricht, weil er nicht aus dem Peloponnes zuriickgekehrt sei. herabgefallen sei: nich weinte u. wehklagte, als ich den unge-
Das am wenigsten Mythische (deshalb aber noch gar nicht wohnten Ort sah.“ Er verflucht den Tag, an dem er mit den
Glaubwiirdige) erzéhlt Neanthes (VIII 73), er sei zu einer Fest- 7 Lippen die blutige Mahlzeit beriihrte dies scheint seine Frevel-
versammlung nach Messana gefahren, habe dort eine Rippe ge- that, seine Besudelung durcl-i <pévoq (v. 3) zu sein. Er schildert
3 2 2 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n D i e v o r p l a r o n i s c h e n P h i l o s o p h e n 3 2 3
die Leiden jener Urfrevler: der Zorn des Aethers treibt sie ins vsiKog iiberwinden: er nennt sie (pilérng crooyf] 'Kl'mptg
Meer, ans Land wieder spelt sie das Meer; das Land stoBt sic zu ’Aippoi‘airn‘Appovin.DasInnerstediesesTriebesistdieSehn-I
den Flammen der Sonne hinauf u. diese wieder zum Aether: so
sucht zum Gleichen: bei allem Ungleichen entsteht Unlust, bei
fingr der Eine vom Andern sie auf, aber jeder haKt sie. Endlich allem Gleichen Lust. In diesem Sinne ist alles beseelt, insofern es
5 scheinen sie zu Sterblichen zu werden ,,o du elendes, ganz unseli- den Trieb zum Gleichen u. die Lust am Gleichen empfinder,
ges Geschlechr der Srerblichen, aus welcher Zwierracht, aus wel— ebenso die Unlust am Ungleichen. Erde schauen mlt der Erde w1r
c h e m We h k l a g e n s e i d i h r e n t s t a n d e n ! D i e S t e r b l i c h e n s c h i e n e n an,WassermitWasser,AethermitAether,FeuermitFeuer,Liebe
ihm demnach gefallene u. bestrafte Gotter zu sein! Die Erde ist nur mit Liebe, HaB nur mit H38. Nun ist der eigentlich Empe-
e i n e f i n s t e r e H é h l e , d i e Wi e s e d e s U n h e i l s k a l u d w 6 1 m g ; h i e r dokl. Gedanke die Einheit alles Liebenden: es ist ein Theil
10 wohnen Mord Groll u. andere Keren, Krankheiten, Faulnilg. Er I 0
in allen Dingen, der sie zur Mischung u. Vereinigung hindréngt;
s t i ‘ l r z t i n e i n e n H a u f e n v o n e n rg e g e n g e s e t z t e n D é m o n e n h i n e i n ,
aber ebenso eine feindselige Macht, die sie auseinanderreiBt:
Deris u. Harmonie, Callisto und Aischre, Thoosa und Denaie,
beide Triebe kémpfen mit einander. Dieser Kampf ergiebr alles
N e m e r t e u n d A s a p h e i a . u s w. , P h y s o u . P h t h i m e n e ( N a t u r u . U n - Werden u. Vergehen. Es ist eine fiirchterliche Strafe, dem vsiKog
lA-n . r. .. .. . . .. ..
, . - n. o - a in vsiKE'l' awopévm niouvoq. Die Wanderung
15 Gliedem: viel Unheil droht und macht stumpf. Einen kleinen 1 5 durch alle Elemente ist das naturwissenschaftl. Seitensriick zur
Theil eines nicht zu lebenden Lebens durchkéimpft man, dann MetempsychosedesPythagoras:erselbstbehauptetSchonVogel
raffr sie ein friihes Geschick dahin u. zerstreut sie wie Rauch.
Strauch Fisch Knabe und Médchen gewesen zu sein. In solchen
Nur das, worauf sie gerade stoEen, halten sie fiir wahr; jeder F'a'llen bedient er sich des mythischen Ausdrucks der Pythago-
aber riihmt sich das Gauze gefunden zu haben, eitler Weise: das reer. Das macht sein Verstéindnig so schwierig, daf§ das mythi-
2.0 aber ist fiir Menschen nicht zu sehen u. zu héren u. nicht mit zo sche u. das wissenschaftl. Denken bei ihrn neben einander her
dem Sinn zu erfassen. Diese Unwissenheit schildert E. auf das gchen: er reitet auf beiden Pferden, bin 11. herspringend. Hier u.
Heftigste ut interdum mihi furere vidcatur, sagt Cicero Acad. ll da ist schon ersichtlich die Allegorie an Stelle des Mythus: so
5. Plutarch schildert den ganzen Charakter seiner Dichtung de glaubt er an alle Gotter, aber seine naturwiss. Elemente nennt er
Genio Socratis p. 580 (VIII p. 297., Reiske) outfittith Kai uwav rnit diesen Namen. Besonders merWig—MW
2 . 5 K a i 5 8 1 m 5 a i p o v i a ; a v d n k e m g K a i 11 a n B e B a K x e u u é v n . 1 5
tion des Apollo: den er als den Geist verstand Ammon. de inter-
I n d i e s e r We l t d e r Z w i e r r a c h t , d e r L e i d e n , d e r G e g e n s é t z e pretat. 199 ,,man kann ihm nicht nahen, nicht mir Hinden .ihn
f in d er e r n u r e i n P r i n c i p , w e l c h e s e i n e g a n z a n d e r e We l t o r d n u n g erreichen; nicht ragt ihm ein Haupt iiber den Gliedern, nicht
ihm verbiirgt: er findet die Aphrodite, ieder kennt sie, aber laufen zwei Zweige ihm vom Riicken herab, nicht Fiifge, nicht
niemand als kosmisches Princip. Das Geschlechtsleben ist ihm schnelle Knie, nicht die Scham: sondern er wurde nur heiliger
3 0 d a s B e s t e u . E d e l s t e , d e r g r o E t e G e g e n s a t z g e g e n d e n Tr i e b d e r 30u.unaussprechlichgroGerGeist((ppf'lv),derdieganzeUWeltmlt
Enrzweiung. Hier zeigt sich das Zusammenstreben der getrenn- schnellen Gedanken durcheilt.“ Dagegen sind alle Cotter ge—
ten Bestandtheile, um etwas zu erzeugen, am deutlichsten. Das wordene u. aucl-i nicht ewig lebende (sie sind nur uaxpaimvsg).
Zusammengehérige ist irgendwann von einander gerissen u. Jene (ppfw is! aber nicht etwa das Bewegende, nach derVorstel-
sehnt sich nun Wieder zusammen. Die (plum. will das Reich dcs lung des Anaxagoras, sondern er reicht aus, wenn er, um alle
324 leesungsaufzeichnungen Die vorplatomschen Phllosophen 3
Bewegung zu verstehen, Hass u. Liebe annimmt. Hier sehen wir, den,unzerstérbar,unveréinderlich.WiihrendaberAnax.alle
im Vergleich mit Anaxag. dag er danach strebt, ein Minimum Qualitéten315real,u.demnachalsewigannabmifisndetlimpe-
vom v06; anzunehmen, um daraus bereits alle Bewegung zu er~
docles nu: vier walue Realitéten, also auch Quahtafen , ernn
klia'ren: der v06; war ihm noch zu vieldeutig u. voll. Lust u. Un- Mischungen:néimlichErdeFeuerWixsserL,uft.2809I
5 lust, die letzten Phéinomene des Lebens, reichten aus: beides als "HpnTStpEpécBmg1’15’'AiémvsbgNndug
~Z/eusFeuerl,‘.t(H
R e s u l t a t e v o n Tr i e b e n d e r A n z i e h u n g u n d A b s t o B u n g . We n n s i e neusErde,HereLuft,NestisWasser,emeSlcxhschcGene1d.
sich der Elemente beméichtigen, so etkléirt sich alles daraus, auch p.
I1180Eustath.)vonvdo)flieBe,vfwoqdle‘schw1mlmenN:
das Denken. Es ist von Emp. an Stelle des unbestimmten voOg nkamjénivqu)(x3)Ndéog=Ntho;.aneug,Nn—t'ag.6
d a s b e s t i m m t e r e ( p 11 . u . v e i K . g e s e t z t w o r d e n . S o d a n n f r e i l i c h ben
diesen
mythischen
Bezeichnungenlkom‘mt auEhgdr.
1,1:
p
lo hebt er alle mechanische Bewegung auf: wé‘hrend Anax. :0{11109nkémmp'Hcpawmg.7.aieflpoupavog.3yfo}7%owaxe;
nut den Anfang der Bewegung dem vobg zuschrieb u. alle welte- {3803péquognéwogOdkuaca.Dlese4GrundstoeaisenII
ren Bewegungen als indirekte Wirkungen auffaBte. Dies war Stoffinsich,derselbekanndutch
derPhysik sichwedervermehren
zooojahre nocvernan
verblleben.Alleer-
c o n s e q u e n t : d e n n w i e s o l l t e c t w a s To d t e s , e i n s t a r r e s 6 v a u f

” E r k l i r u n g d e r B e w e g u n g , s o n d e m n u r c i n e a u s Tr i e b e n , a u s B e -
seelungen. Nur sie bewegen: also nicht einmal, sondern fortwéh— ‘5
2:23;:
in
die
Zwischenr'alume zwischen die
Theile
des
ands:1
eintreten:auchbeidervollstéindigstenMlschunghatmin}:.
rend u. iiberall. Nun aber ist sein Hauptproblem die geordnete
We l t d o c h a u s j e n e n e n t g e g e n g e s e t z t e n T r i e b e n , o h n e a l l e GrundenureinGemengevonTheilchen.Ebensoumgele.rtl;
Zwecke, ohne allen v00; entstehen zu lassen: und hier geniigt wenneinKérperauseinemandementsseht,soverwanetSICS
2.0 ihm der groBartige Gedanke, daE unter zahllosen MiBformcn u. 2.0nichtdereineindenandem,sonderndieStnffs-tretenhnursing—
Unméglichkeiten des Lebens auch einige zweckmzliEige u. zum ihrerbisherigenVerbindungheraus.81ndzwe_1Korper1rerf
-
Leben mégliche Formen entstehen: hjer wird die ZweckmiGig- stanznachvoneinandergetrenntu.wukensxetrotzdembau
keit des Bestehenden auf den Bestand des ZweckmiBigen zu— anderein,sogeschiehtdiesnufdutch
Ablosungunsmnt213'cc]:-
riickgefiihrt. Diesen Gedanken haben die materialistischen Sy- r Theilchen welchc in ' h .
:. 5 steme nie wieder aufgegeben. jetzt haben wir eine Spezialanwen- 2.5
31:
vollstiindiéer
die
Offnungen
eincs
Kérpfrs
den
Alasflusfsgxdli:
dung in der Darwinschen Theorie. Also die Liebe verfihrt bei der Theileneinesandementsprechen,umsofanlger'wxre1:‘h
Ve r b i n d u n g n i c h t e r w a z w e c k m i a ' E i g , s o n d e m n u r v e r b i n d e n d : s i c Mischungmitihmsein:sosagterdasG}e1chart1geu.e1;:1Zn
kuppelt alles an einander: Leiber von Stieren mit menschlichem
vermischendescisichbefreundet,dasGle-ncnebegehrenac.em
Haupte, Menschen mit Stierhz'iuptern, zugleich minnliche u. Gleichen;wassich
nicht
mischen lassei
sen
Slch-femd.Dase-lgi‘nt-
3 0 w e i b l i c h e We s e n u . a l l e m é g l i c h e n U n g e h e u e r. A l l m i i h l i c h f i n d e n 3°
lich
Bewegendebleibt
aber immer(mind
u.
vemog, Idh.
ZWLSC en
sich nun auch die Glieder harmonisch zusarmnen, immer von ihrenWixkungenu.derFormderDmgeb-estehte1annotwe:l
d e m Tr i e b e n a c h d e m G l e i c h e n g e f i i h r t . digeBeziehung:dieStoffemtissensogemlschtu.g_e03m:5?“;
Das sind die Machte der Bewegung: das abet, was bewegt daEsicéhnlichsindu.sichentsprechen:dannhtnt-t1e(plz
w i r d , s i n d é v m n a c h d e r Vo r s t e l l u n g d e s P a r m e n i d e s : u n g e w o r -
hinzu. Das abet, was die Dinge formt, lst ursprunghch der u-
326 Vorlesungsaufzeichnungen Die vorplatonischen Philosophen 327 !

fall,diedvdyxn,nichtirgendeineKlugheit.AuchdieQ)thist kla'rt im Grunde Emp. gar nichts: man weiB nicht, was u. um
dumm:SlehatnureineneinzigenTrieb,zumGleichartigen.Alle wie viel es michtiger ist, von den beiden Kraften. Uberhaupt
Bewegungen sind also, nach Empedokles unmechanisch ent~ is: zwischen den verschiedenen Grundconceptionen des Emped.
standen, aber fiihren nur zu einem mechanischen Resultat: eine k e i n e r e c h t e E i n t r a c h t : d i e Vi e l h e l t d e r D i n g e w i r d e b e n s o w o h l
5sqnderbareVereinigungvonmaterialist.Anschauungenu.ideali— 5 auf die ana. 315 das vsixog zurilckgefiihrt. Der Pessimismus ge-
strschen.HiersehenwirdieNachwirkungdesAnaxagoras:alle hért entschieden zu der Betrachtung, daG die Erde nur der
Dlnge nur Gemenge von Urstoffen; aber nicht mehr von zahllo- S c h a u p l a t z d e s v e i x o g i s t . D i e Vo r s t e l l u n g e i n e s p a r a d i e s i s c h e n
sen, sendem von 4 épmopepfj. Dann aber einVersuch jenen Zeitalters der Menschheit paGt nicht dazu, noch iiberhaupt zu
DuallsmusderBewegung,denAnaxagorasannahm,aufzu- seiner Cosmogonie. Ganz unbesn'rnmt ist das Reich des Zufalls. ‘
mheben:BewegungalsWirkungdesvngu.BewegungalsStoK 10 Die Lehre von den dmopponi setzt einen leeren Raum voraus:
Dennganzmi:RechtsahEmped.ein,dal?zweiabsolutverschie: eben diesen leugnet er mit Anaxagoras. Dagegen liegt seine
dene 6vra auf sich keineWirkung des StoKes ausiiben kéinnen GréBe darin, daB er den strengen Atomismus vorbereitete: er
Alia:esgelangihmnichtrecht,jeneUrbewegungskraftinjeder ging welt iiber Anaxagoras hinaus. Es war elne natiirliche Conse-
spateren Bewegung wieder zu erkennen: iiberall nur una u vai- ] ]<.ll.l.][|];l,
—r5—Iee¢als—bewegemjg—Principien. Der 5cHlul§ ist dieser: '
sichdietptll’aalleinthing,soistnacheinerkurzenAiling? 15 zuriickzufiihren auf cine in den Dingen gelegene Kraft: u.

befvegungwiederallesinRuhe.DenktmansichvsiKo;allein Schwere und Gestalt fand Demokrit ausreichend. Ebenfalls war


nothwendig, nachdem einmal die dnoppoui erfunden waren, den
thatlg, so ist, nach einer absoluren Trennung, wieder alles in leeren Raum anzunehmen: wie dies Demokrit that. Besonders
Rube. Beide miissen also mit einander kampfen: bier berijhrt er glanzend war die Entstehungshypothese des Zweckrnalgigen. Er
:0 srch rnit Heraklit’s Verherrlichung des Hékauog als des Vaters 1.0 hat alle Grundconceptionen des Atomismus gefunden: dh. die
derDmge.DenktmansichaberihreKriftegleichu.gleichzeitig Grundhypothese der wissenschaftlichen Naturbetrachtung
thatlg,soentstehtwiederkeineBewegung:alsomiissenPerioden
desUbergewichtswechseln.Immpaipogherrschturspriinglich der Alten, die, griindlich fortgesetzt, sich iiber sich selbst hinaus—
Harmonie u. Ruhe: dann begann das vaixo sich z - hebr: wie wir dies bei unsean modernen Naturwissenschaften

25 flieht ausexnander: jetzt Liebe: es bildete sich ein Wirbel in wel- er 3 en. 0 a er, im e amp mi axagoras,en sc ie—
7.5 den gesiegt”. Nur in einem Punkte hat er Anaxag. zwar iiberbo-
chem die Elemente sich mischten u. die einzelnen Natllrwesen
hervorbrachten.AllméihlichnimmtderHal?abu.158:derLiebe 3’ Gegen Anaxagoras:
dle Oberhand usw. Nun ist dabei vielerlei nicht klar: ist dasAlm- warurn unzihlige évta, wenn man unendliche Theile annehmen kann?
lrche eine Folge der tplkia oder tritt die (ptlia ein, an dem Alm- Also verringere die Zahl der wahren Qualititen.
3o llcnen? Woher aber stammt dann das Ahnliche? Offenbar sind warum v01); 11. nichr nur Willa, wenn es nur auf die Bewegung ankommt? l ‘
Kexmeemerreinatomistisch-marerial.BetrachtunginEmped. w i e B e w c g u n g , w e n n n i c h t i n a l l e n We s e n d i e K r a f t d a z u i s t ? I
hierhmgehbrtdieTheorievondenzufa'lligenBildungendh Zwecke sind nicht néthig zur Erklz'irung dcr Zweckmalgigkeit, also ist kcin "
allenrnfiglichenunsinnigenVerbindungenderElemente,vonde: val”); nbthig. Das Lebensfahige. ‘1
Die Bewegung is: nicht ausreichend, um einen Organismus zu erldaren. Der ,
nen’elmge zweckma‘Eig u. lebensfahig sind. Well die Kraft der voOg wird bei Anax. zu Hiilfe genommen. Besser alle Dinge einheidich
3; (prim u. des vaixog gar nicht gemessen werden kénnen, so er- erldiren.
3 2 8 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 329

ten, aber nicht iiberwunden: seine Principien von q). und vaiKog, let sein. Offenbar hat man nur von dem Bekannten auf den Un-
um die dualist. Bewegung zu beseitigen. Bei An. war nur einmal bekannten geschlossen. Wenn er als Eleat bezeichnet wird (Theo—
ein Sprung gemacht in das unerkléirliche Walten eines V009: Emp. phrast Simpl. Phys. 7a nennt Parmenides seinen Lehrer), so ist
nahm ein solches unerklarliches u. undurchdringbares, unwis- die Beziehung des Atomismus zu den Eleaten unzweifelhaft: nur
senschaftliches Walter) fortwahrend an: ohne sich selbst damit braucht es gerade kein LehrverhéiltniB vorauszusetzeni Arist. de
geniigen zu kénnen. Wenn man alle Bewegung auf das VVIrken Melisso c. 6 wird citirt (32v toig Aeuxinnou Kakoupévmg Kin/01;:
unfaGbarer Krifte zuriickfiihrt, auf Neigung u. Abneigung, so ist d a m i t i s t o ff e n b a r e i n e k u r z e A u f z é i h l u n g s e i n e r L e h r s a ‘ t z e g e -
im Grunde die Wissenschaft in Magic aufgelést. Auf dieser meint, keine eigentliche Schrift: wie wir etwas Gleiches fiir Tha~
Grenze steht abet fortwahrend E.: u. fast in allen Dingen ist er l e s a n n a h m e n . N a c h L a . I X 4 6 h a t T h e o p h r. d e n p é y a g B u i x o c -
I O
eine solche Grenzfigur. Er schwebt zwischen Arzt u. Zauberer, I O pog auf Leucipp bezogen. Der Versuch ist noch nicht gemacht,
zwischen Dichter u. Rhetor, zwischen Gott u. Mensch, zwischen ob Arist. an den Stellen, wo er Leuclpp citirt, ihn scharf abschei-
Wissenschaftsmensch u. Klinstler, zwischen Staatsmann u. Prie- det von Democrit. Aus einer Stelle hat man geschlossen, Arist.
ster, zwischen Pythagoras u. Demokrit: er ist die buntgefa’rbteste behaupte absolute Gleichheit aller ihrer Urtheile: das steht nicht
Gestalt der alteren PhilosophieLmir ' l . ,II’8.§:§\ ,2 ‘ .i) ‘
I S des Myrhus, der Tragédie, des Orgiasmus, aber zugleich er~ 1 5 Sleepixacn Aémmmog Kai Anpéxpnog ,,sie haben alle Erschei-
scheinr in ihm der neuere Grieche, als demokratischer Staats- nungen streng wissenschaftl. aus den gleichen Principien er-
mann, Redner Aufkla'rer Allegoriker, wissenschaftl. Mensch. In kléirt“. Dann ist zu fragen, woher die Berichte iiber die Lehre des
ihm ringen die beiden Zeitalter, er ist dutch und dutch agona- Leucipp zB. bei La. IX 30 stammen. Vorausgesetzt daE das Werk
ler Mensch.
des Theophrast 1'1 qJDO'le] icwpia die Quelle ist, so giebt Theo—
2 0 p h r. v i e l l e i c h t d e n A u s z u g d e s p é y u g S t d x o a p o g d a r i n : w a s z u
beachten ist.
w

Democrit aus Abdera oder lVlilet (wird wohl heiBen, seine


2 0
§. 15 Leucipp und Democrit. Von Leucipp weiE man nichts: F a m i l i e s e i v o n d e n e i n g e w a n d e r t ) . S e i n e Va t e r ‘ H y n c i m p m o g
er soll entweder aus Abdel-a oder Milet sein: Aristot. Metaph. I, A a u d m m o g ( V c r w. m i t B e i d e n A d p u o o g ) ’ A e n v é x p n o g : o f f e n -
4 nennt Democrit den étaipog des Leucipp, ein etwas allge— 7-5 bar hatte man den Namen verloren. Die Zeitbestimmung wird
memes Wort. Auch Democrit soll entweder aus Abdera oder Ml— w o h l b e i d i e s e n V i t e r n a m e n m i t s p i e l e n : Ve r w e c h s e l u n g v o n
GroBvater u. Enkel. Wir richten uns nach Apollodor. Er sagt dal?»
Das Leben is! nichts ewiges, sondem wean gewisse Atome zusammenkom- Dem. Ol. 80 geboren ist: dh. 4o Jahre nach Anaxagoras. Dieser
men eneugt es sich. Chemisches Auftreten der neuen Qualitat Leben. Zeitansatz ist gemacht mit Hiilfe von Democ. Angabe im WIDE);
Die ldentitit alles Lebendigen, Wie abgeleitet bei limped? Es ist die eine 3 0 Aldxocuo; La. IX 41 yéyovs 5S: wig xpévotg ((bg ul’Jtég (pncnv
Qualitit, die sich am seltensten erzeugt.
é v 1 : 6 ) p u c p d f ) a m m o - p u p ) v é o q m m n p e a B b t n v ’ Av a l g a y é p a v,
Der Zustand der Urmischung ist der seligste Hi: Emp. fiir Anax. das Chaos.
Das Periodische bei Emp.: was geschieht bei Anax. wenn der vofig fertig ist E r e c t v e r b r e p o g ( 11 3 1 0 6 r e t r a p d m o v w. c u v r s r c ’ l e i m a s ( p n c n 1 6 v
mit der Scheidung? u u c p b v E l d x o a u o v E t s c w 6 c t s p o v t f i g ’ I M O U ( 11 . 6 3 0 e r t p u ' l -
Das Leben liegt nut in der Form, in der Gruppierung der Atome. Kovta Kai éntaxocrimc, Denken wir uns Anaxagoras sechzigjz'ih- l‘
330 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosopheu 331

rig, 440, so war damals Democrit zojéhrig: wenn Empedoc, m e n . D e r B e g r i ff d e r Z a h l h a t f i i r i h n n i c h t d i e B e d e u t u n g w i e


wahrsch. bereits im niichsten Jahrzehnt starb, so muE jedenfalls bei Philolaus, seinem Zeitgenossen: mit dem, wie es scheint, die
Democrit Emped. studirt haben: aber nicht umgekehrt. Denn er pythagor. Philosophie anfingt. Uber sein Leben ist wenig be-
bezeugt selbst daB er alle beriihmten Ménner des Geistes aufge» z e u g t : a b e r e i n e M e n g e F a b e l n . U n g e h e u r e R e i s e n , Ve r a r m u n g ,
sucht u. kennen gelernt habe. Clem. Alex. Strom. I, p. 3 57 Port. Auszeichnung durch seine Iintbiirger, groBe Einsamkeit u. Ar-
(p. 121 Sylb): £2de 6% 16w Km’ éuemutov dvepdmcov 'yfw beitskraft“. Spit isr die Meinung, daG er Liber alles gelacht habe.
nksiotnv énenkavncdunv icropéwv rd minaret (das weitesr Sotion bei Stob. Flori]. 2.0, 53 Horaz epist. II I V. 194 u. a. — Er
entfernte) Kai tiépag ts Kai yéug Meir-3w; 5i80v Kai loyiwv i s t e i n g r o B e r S c h r i f t s t e l l e r : D i o n y s v. H a l i c . ( d e c o m p . v e r b .
évepu’mmv Maitrer émixouou Kai ypaupéwv goveémog ue-t’ c. 24) nennt ihn nebst Plato u. Aristoteles als Musterschriftstel-
I O duoSéétog obaaig xd) p5 napriklaés 0136’ oi Aiyumimv mksé- [ 0 ler. Wegen seines Schwunges u. des ornatum genus dic. stellt ihn
psvm ‘Apnséovdmar 60v mic-8’ éni mist én’ étea éyéwxovra Cicero mit Plato zusammen, de Oratore I, II, de divinat. II 64
éni gaivng éyaw‘genv. (éninum lese ich ,,mit denen alien zusam- wird seine Klarheit geriihmt, Plut. Sympos. V 7, 6 bewundert
men“ inscr. Cret. Bockh. tom. [1 p. 409, 18) ,,iiber eine Zeit von il'u’en Schwung. Uber das VerzeichniB seiner Schriften bei La.
BoJahren hin“. edenfalls hat Clem. die Z h nichLauf S c h l e i e r m . G e s . W 3 . A b t h . I H 11 3 ff . M e i n P r o g r a m m 1 8 7 0
1 5 den égypt. Aufenthalt bezogen: denn er féihrt fort: ém'mee 'yt‘lp I S p. 2.2. [Bd. I 2, S. 224—231 dieser Ausgabe] Sie sind von dem Py-
BaBuMMi T8 Kai l'lepoiéu mi Ai'YDTETOV wig TE pdyotg Kai. wig t h a g o r. T h r a s y l l n a c h Te t r a l o g i e n g e o r d n e t : I 3 Te t r a l o g i e n , u m —
iapefmt unanteéwv. Sons: heiGt éni mien ,,zu alledem, oben- fassend 56 einzelne Biicher: also eben so viel wie bei Plato: nu:
drein“. Ich nehme an, daB dies der 8oi§hrige Mann schreibt: db. dort 9 Tetralogien. Die gesamte Masse ist in 5 Rubriken getheilt:
im Jahre 380. Vorausgesetzt daB es eine Stelle des kleinen 516K. Democrit sei einem Fi’mfkéimpfer vergleichbar La. IX 37 Tiemd,
2 0
wére, so wiirde demnach die trojanische Aera Democrits 380 + 2 0 (pDOth, paenuu‘tmd, uououcd, tsxvuct‘l. Sehr zu ermuthigen zu
730 sein, dh. I 110 v. C. G. Jane Stelle aber heigt nut, ,,mit jenen emeuter Fragmentensammlung. Auch das Problem der Pseudepi—
alien zusammen bin ich, wéihrend eines Lebens von 80 )ahren, in graphie gar nicht gelost: Rose hilt zB. alle 1’19uct'1 fiir unicht.
fremdem Lande gewesen“. Gewéhnlich Mullach Dem. I9 wird Die Ausgangspunkte des Demokrit u. Leucipp sind die Sitze
v e r m u t h e r 1 t , w e l c h e s n s v t a b e d e u t e t s e l m i t Tc d e m Z a l e e i c h e n der Eleaten. Nut geht Demoknt aus von der Realitat der Be-
1 5 fiir 80, verwechselt worden: dann sagt Diodor I 98 Demokrit 2 5 wegung u. zwar weil das Denken eine Bewegung ist. Dies ist in
habe sich 5 Jahre in Aegypten aufgehalten“. Bei dieser Gelegen- d e r T h a t d e r A n g r i ff s p u n k t : , , e s g i e b t e i n e B e w e g u n g : d e n n i c h
heir von Anaxagoras redend erzéihlte er wohl auch, was Favorin denke: u. das Denken hat Realitit.“ Giebt cs aber Bewegung, so
La. IX 34 f. berichtet, dafg D. die Lehren von der Entstehung 11. mug es auch leeren Raum geben: oder ,,das Nichtseiende is: so
vom v00; scharf angreife u. sich feindlich gegen ihn benehme.
3 0 Von Lehrern wissen wir nichts, denn mit Leucipp hat es eine
3‘ Goethe iiber Oeser: ,,Wie siiB ist es, mit einem richtigen, verstindigen,
unbekannte BewandtniE. Dag er einen Pythagoriker gehort klugen Menschen umgehen, der weiE, wie es auf der Welt aussieht, u. was
habe, soll Glaucus aus Rhegium, sein Zeitgenosse behauptet ha- er will, u. der, um dieses Leben zu genieBen, keinen superlunarischen Auf—
ben (La. IX 38); es finder sich ijbrigens weder bei ihm noch bei schwung nothig hat, sondem in dem reinen Kreise sittlicher u. sinnlicher
Empedocles irgend etwas, was an pythagor. Philosophie erin— Reize lebt.“
332 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 333

real als das Seiende“, das oBSi-zv ist um nichts weniger als das mi Kevov. finsp vouiCewt pév aivm Kai éoédiewi rd aioenrd,
8Ev37. bei absoluter Raumfiillung is: die Bewegung unmoglich. 06K Eon 8%: 1(qu dknesmv tabw, (170.6. 16; (Irena pévov Kai
Griinde I) die raumliche Bewegung kann nu; im Leeren stattfin- Kavov. Sie heiBen auch i5ém Oder oxnpam. Alle Qualititen sind
d e n , d e n n d a s Vo i l e k i i n n e k e i n A n d e r e s i n s i c h a u f n e h m e n . vépwp, nur quantitativ sind die owe verschieden. So sollen alle
Wenn z Kérper in demselben Raume sein konnten, dann konn— Qualitaten auf Quantitétsverschiedenheiten zuriickgefiihrt wer—
ten eben so gut unza'hlige darin sein, u. der kleinste Kérper den. Sic unterscheiden sich allein durch buapc‘); (oxnua), 81(16171‘1
k é n n t e d e n g r é B t e n i n s i e h a u f n e h m e n . 2 ) Ve r d i j n n u n g u . Ve r - (11151;), ‘rpom‘1 (Gémg): es unterscheidet sich A von N 0111110111,
dichtung ist nur dutch den lecren Raum zu erklaren. 3) das AN von NA 1:61:81, Z von N 99581. Der Hauptunterschied die
Wa c h s t h u m e r k l é r t s i c h n u r d a r a u s d a B d i e N a h r u n g i n d i e l e e ~ Gestalt, deshalb auch oxhuaw, damit ist Verschiedenheit an
I O ren Zwischenréiume des Kérpers eindringe 4) Ein Gefalg mit I D Gr68e u. Schwere gegeben. Die Schwere kommt iedem Korper
Asche gefijllt fath noch eben so viel Wasser als wenn es leer sei, als solchem zu (als MaEverhéiltniE fiir jede Quantitit): da alle
so (1218 die Asche in die leeren Zwischenriiume des Wa s s e r s ver- évw gleichartig sind, mufs sie allen Kérpern gleichartig zukom»
s chw in d e. D as N ich ts eien d e is t als o — d as Vo ile v ao r év ( Wicca) men dh. bei gleicher Masse gleiche Schwere. Also das 6v wird
f e s t d r i i c k e n ) = o t z p s é v. D a s Vo l l e i s t s o z u c h a r a k t e r i s i r e n , d a B b i e r We s t a l t e t , s c h w e r : K é r p e r u . d i e s e P r a —
‘ 5 es absolut nichts vom Kevov in sich enthéilt. Ware jede GroGe ins 1 5
dikate sind identisch. Hier haben wir die Unterscheidung, die bei
U n e n d l i c h e t h e i l b a r, d a n n b l e i b t i i b e r h a u p t k e i n e G r é B e m e h r Locke wiederkehrt: prima're Eigenschaften, welche den Dingen
zuriick: dann gabe es kein Seiendes. Wenn es iiberhaupt etwas an sich zukommen, auGerhalb unserer Vorstellung: solche die
Vo l l e s d h . S e i e n d e s g e b e n s o l l , m u B d i e T h e i l u n g n i c h t i n s U n - man an ihnen nicht wegdenken kann: Ausdehnung, Unduxch—
endliche gehen. Die Bewegung abet beweist ebensowohl das Sei— dringlichkeit, Gestalt Zahl. Alla iibrigen als sekundéir, als Er-
2 - 0 ende als das Nichtseiende. Ware das Nichtseiende allcin, so géibe 2 0 zeugnisse der Einwirkung jener priméiren Eigenschaften auf un-
es keine Bewegung. So bleiben die (trope; iibrig. Das Seiende ist sere Sinnesorgane, folgen als bloEe Empfindungen in diesen,
d i e u n t h e i l b a r e E i n h e i t . — We n n a b e t d i e s e S e i e n d e a u f e i n a n d e r Farbe Ton Geschmack Geruch Harte Weiche Glam: Rauhigkeit
wirken sollen durch 5:08, so miissen sie durchaus gleichartig usw. Es wird also von der Beschaffenheit der Dinge abgerechnet,
sein: D. had: also fest, was Parm. sagt, daE das ov absolut gleich- was Aktion der Nerven der WEEK—ISL
2 5 artig in jedem Punkte sein miisse. Das Sein kommt keinem 2 5
Ein Ding entsteht, wenn sich ein Atomencomplex bildet, es
P u n k t e m e h r a l s d e m a n d e r n z u . Wa r e d a s c i n e A t o m e t w a s , vergeht, wenn er sich 165:: es verandert sich, wenn Lage u. Stel—
was das andere nicht, so ware dies ein Nichtseiendes dh. etwas lung wechseln ode: ein Theil durch andere ersetzt wiId, es
Wi d e r s p r e c h e n d e s . N u : u n s e r e S i n n e z e i g e n u n s D i n g e v o n q u a — wa'chst wenn neue Atoms hinzutreten. Jede Einwirkung eines
l i t a t i v b e s t i m m t e n Ve r s c h i e d e n h e i t e n : v é p q o y l m c b , v é p q o m - Dings auf das anderc dutch StoE der Atome: bei raumlicher
3 0 Kpr, voucp espuov, véuqu wuxpov, véuqa xpou']. étsf} 8E: (irouu 3 o
Trennung kam die Theorie von den dnoppoai zu Hiilfe. Uber-
haupt sehen wir eine griindliche Benutzung des Empedokles:
dieser hatte den Dualismus der Art der Bewegung bei Anaxag.
‘ 37‘Alcaeus fr. 76 Zenob. im Er. M. 639 glaubt an dieseAbleitung. Sci; erkannt u. die magische Einwirkung ergriffen: Demokrit stellte
55v mxt Geiva verwandt; fiber 0658mm eine falsche Analogie. 065E: cl; is: ne
unus quidem. C. St 51‘] Saline 511m. sich auf die umgekehrte Seite. Dieser hatte 4 Elemente aufge—
334 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 335

stellt: D. bemijhte sich sie zu charakterisiren aus seinen gleichar- n e h m e d i e M a t e r i e a l l e r We l t i n e i n e r a l l g e m e i n e n Z e r s t r e u u n g


tigen Atomen. Das Feuer besteht aus kleinen runden Atomen: in an u. mache aus derselben ein vollkommenes Chaos. Ich sehe
den anderen sind verschiedenartige Atome gemischt, die Ele- nach den ausgemachten Gesetzen der Attraktion den Stoff sich
mente unterscheiden sich nur dutch die GréGe ihrer Theile: wes- bilden u. dureh die Zuriickstolgung ihre Bewegung modificiren.
halb Wasser Luft Erde auch durch Ausscheidung auseinander Ich genieKe das Vergnijgen, ohne Beihiilfe Willkiixlicher Erdich-
entstehen kénnen. Mit Emped. glaubt D. daE nu: das Gleiche tungen, unter der Veranlassung ausgemachter Bewegungsgese’cze
auf das Gleiche wirkt. Dutch die Theorie der Poren u. der (inop- sich ein wohlgeordnetes Ganzes erzeugen zu sehen, welches dem-
poai war die Theorie des stév vorbereitet. Mit Emped. u. jenigen Weltsystem so éhnlich sieht, (das wir vor Augen haben),
Anax. gemeinsarn ist der Ausgangspunkt vOn der Realitéit der daG ich mich nicht entbrechen kann, es fiir dasselbe zu halten. —
Bewegung: wahrscheinlich auch die Ableitung aus der Realitit 1 0 Ich werde es nicht in Abrede stellen, daB die Theorie des Lucrez
d e s D e n k e n s . M i t A n a x a g o r. d i e ( i n e i n U r s t o ff e . B e s o n d e r s e i n - oder dessen Vorgéingers des Epicur Leucipp u. Democrit mit der
flulireich u. alle Grundvorstellungen beherrschend ist natiirlich meinigen viele Ahnlichkeit babe. — Mich diinkt, man ké'mnte hier
P a r m e n j d e s . S e i n é l t e r e s S y s t e m ( 1 3 8 d i e We l t a u s S e i e n d e m u . in gewissem Verstande ohne Vermessenheit sagen ,,gebt mir Ma-
Nichtseiendem bestehe kommt bier wieder zum Recht. Mi -\’l~ . . “ ,2"; 1!:-

raklit stimmt der unbedingte Glaube an die Beyvegung: daB jede I 5 Alb. Lange ,,Geschichte des Materialismus.“
Bewegung einen Gegensatz voraussetze: daB der Streit der Vater Die Weltbildung dachte D. sich so: im unendlicheu Raume
der Dinge sei. 7 schweben die Atome in ewiger Bewegung: dieser Ausgangspunkt
Vo n a l l e n é l t e r e n S y s t e m e r i i s t d a s d e m o k r i t i s c h e d a s c o n s e - wird 0ft im Alterthum getadelt: aus dem ,,Zufall“ concursu quo-
quenteste: es wird die allerstrengste Nothwendigkeit in allen dam fortuito N. D. I, 2.4 sei die Welt bewegt u. entstanden. Der
Dingen vorausgesetzt: es giebt keine plétzlichen oder fremdarti- 2 . 0 ,,blinde Zufall“ herrsche bei den Materialisten. Dies ist eine ganz
gen Unterbrechungen des Naturlaufs. Jetzt erst ist die gesammte uuphilosophische Ausdrucksweise: es soll heiBen, die zwecklose
a n t h r o p o m o r p h . We l t b e t r a c h t u n g d e s M y t h u s i i b e r w u n d e n , j e t z t Causalitéit, die dvdym] ohne Zweckabsichten: es giebt eben hier
erst hat man eine streng wissenschaftlich brauchbare Hypo- gar keinen Zufall, sondern strengste GesetzmiBigkeit, nur nicht
these: als solche lst der Materialismus immer von Héchstem
nach verni'mftigen Gesetzen.
Nutzen gewesen. Es ist die niichternste Betrachtung: sie geht von Alle Bewegung leitet nun D. von dem leeren Raum u. der
3-5
wirklichen Eigenschaften der Materie aus, sie iiberspringt nicht Schwere her”: die schweren Atome sinken nieder u. treiben
gleich, wie dutch den V013; oder die Zweckursachen des Aristote-
beim Drucke die kleineren empor. Die urspriinglichste Bewegung
les die einfachsten Kréfte. Es ist ein groGer Gedanke, jene ganze ist natiirlich die senkrechte. Ein gleichmiBiger ewiger Fall in der
Welt der Ordnung u. ZweckmiiGigkeit, der unzia'hljgen Qualita- Unendlichkeit des Raumes: die Geschwindigkeit kann nicht an—
ten auf AuEerungen einer Kraft niederster Gattung zuriickzu-
3 o gegeben werden, da bei der Unendlichkeit des Raumes u. der
fiil'u'en. Die nach den allgemeinsten Gesctzen sich bewegende
M a t e r i e b r i n g t d u r c h c i n e b l i n d e M e c h a n j k F o l g e n h e r v o r, d i e
d e r E n t w u r f e i n e r h b c h s t e n We i s h e i t z u s e i n s c h e i n e n . M a n l e s e
33 Kritik: was heilit Schwere in einem leeren unendljchen Raume? So-
K a n t , , N a t u rg e s c h i c h r e d e s H i m m e l s “ p . 4 8 R o s e n k r. , i c h dann bei unendlicher Zeit hat die Bewegung nie angefangen (Stillstandl.
336 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 337

volligen Gleichrnéifiigkeit des Falles gar kein MaaB fiir sie be- Masse der Urkorper sich absondernde Gauze ist eine Welt: es
s t e h r. D i e s c h e i n b a r e R u h e d e r E r d e l i e g t i n d e r G e m e i n s a m k e i t giebt unzihlige Welten. Sie sind entstanden, aber auch dem Un—
der Bewegung (Epikur.) Es giebt genau genommen kein Oben u. tergang unterworfen. — Eine einzelne Welt entsteht nun so: dumb
k e i n U n t e n . Wi e k a m e n n u n d i e A t o m e d a z u , S e i t e n b e w e g u n g e n , den ZusammenstoB verschiedenartiger Atome hat sich eine
Wirbel zu machen in der GesetzméKigkeit sich lésender u. neuge- Masse ausgeschieden, in welcher die leichteren Theile nach oben
s t a l r e t e r Ve r b i n d u n g e n ? We n n a l l e s m i t d e r s e l b e n S c h n e l l e f i e l e , getrieben werden: dutch die zusammentreffende Wirkung der
50 wire dies der absoluten Ruhe gleich; bei der ungleichen Ge- entgegengesetzten Krifte ist die Masse in Drehung gerathen, die
s c h w i n d i g k e i t t r e f f e n s i e a u f e i n a n d e r, e i n i g e p r a l l e n a b , s o e r - aufwéirts gedréingten Korper lagern sich von auBen an, als eine
zeugt sich cine Kreisbewegung”. Genauer beschreibt es Laert. Art Haut. Die Umhijllung verdiinnt sich immer mehr, indem
I O 1X 3 I. Dutch den Wirbel wird zunéchst das Gleichartige zusam- Theile derselben durch die Bewegung mehr u. mehr in die Mitte
m e n g e f i i h r t . We n n d i e i n G l e i c h g e w i c h t s t e h e n d e n w e g e n i h r e r gefijhrt werden. Aus den Atomen in der Mitte bildete sich die
Menge nicht mehr herumgetrieben werden konnen, so sammeln Erde, aus denen die aufwéirts steigen Himmel Feuer Luft. Davon
sich die leichteren in die iuSere Leere, gleichsam hinaussprin- ballten sich hier und da dichtere Massen zusammen: die Luft
hrq. I” . 1.. Ive? abet, d-ie sie “ ‘ ' " ' it elbewe un :
1 5 wickelt u. machten einen Klumpen. Die Bewegung nach oben in ihr trockneten sie allmiihlich aus und entziindeten sich
nannte er 606g“, die cuunloxf] der Atome bezeichnete er als durch schnelle Bewegung (Gestirne). So werden aus dem Erd—
é n d k h a i l ; ( D u r c h k r e u z u n g Ve r s c h r é n k u n g ) . J e d e s a u s d e r kérper durch Winde u. Gestime die kleineren Theile herausge—
driickt, die als Wasser in den Vertiefungen zusammenrinnen.
Die Erde wurde so immer fester. Allméhlich nimmt sie eine feste
3’ Beriihmte Consequenz Epikurs. Er uahm eine geringe Abbiegung vom Stellung in Mitten der Welt ein: anfangs da sie noch klein u.
senkrechten Fall an, eine willkiirliche Seitenbewegung. Denn in einem Zn- leicht war, hatte sie sich bin 11. her bewegt. Sonne u. Mond seien
stande, in dem noch kein Atom dem anderen beigemischt war u. noch keins
auf einer friiheren Stufe ihrer Bildung von den um den Erdkem
mehr gefallen war als ein anderes, miissen alle Atome in einer ebenen Fli-
che neben einander Plat: gehaht haben, ohne sich zu stoEen. Wenn sie jetzt schwingenden Massen ergriffen u. so in unset Weltsystem einge‘
von einem Zeitmomentc an alle zu fallen anfangen, wijrde es trotzdem keinen reiht worden.
SIDE geben: sic Wiirden sich nie berijhren, wéil sie an einander vorbei ins Die Entstehung der beseelten Geschépfe. Das Wesen der
Unendliche fallen wiirden dh. jedes Atom miiEte hei senkrechtem Falle eine
Seele liegt in der belebenden Kraft: sie ist das, was die beseelten
unendlich lange Linie durch den unendl. Raum beschreiben. Wie is: es mog—
lich, daK ein anderes Atom in diese Linie gerathe? An sich nur, wenn in
Geschopfe bewegt. Das Denken ist eine Bewegung. Die Seele
derselben Linie zwei Atome wiren. Wenn diese gleich schwer sind, werdcn mug also aus dem beweglichsten Stoffe, aus feinen glatten und
sie sich nie erreichen: also miiKten sie, um auf einander zu stoBen, ungleich runden Atomen gehildet sein (aus Feuer) Diese Feuertheilchen
sein an Schwere, dh. das obere miiGte schwexer sein als das untere. Das aber sind dutch den ganzen Kérper verbreitet: er schiebt zwischen
is: widersinnig: denn wie kénme das leichtere Atom bereits weiter u. tiefer
jede z Korperatome ein Seelenatom. Sie sind in fortwéhrender
unten sein als das Schwezere? — Also k‘onnen in denselben Linien nichl: 2
Atom: sein. Also kénnen sie sich nie stoRen, bei senkrechtem Falle.
Bewegung. Wegen ihrer Feinheit u. Beweglichkeit entsteht nun
‘ 0 6 6 0 ; 6 6 0 m m h e f t i g b e w e g e n ( G e g e n s a t z b u n ] , n a c h u n t e n ) , u r s p r. die Gefahr, dag dieselben von der umgebenden Luft aus dem
cbfog in compo; heftig, subidus aufgeregt (insubidus securus). Korper gedrilckt werden. Dagegen schiitzt uns die Einathmung,
T
E

3 3 8 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 339

dieimmerneuenFeueru.Seelenstoffhinzufijhrt,dieabgegange- anim. I 7 Anpéxpttog oiépsvog 5i yévouo Kevov re, “swab,


nen Atome ersetzend, die im Kérper befindlichen dutch Gegen— opdoem 5w (impth mi si popuné év rip oGpavq) sin. Aucl1
strémung am Austritt verhindernd. Geréith der Athem ins Stok— Spiegelbilder erkléirt er durch Ausfliisse. Also stellt das Ange die
ken, so entweicht das innere Feuer. Es erfolgt der Tod. Dies ge- Dinge noch so dar, wie sie sind. — Beirn Tone geht von dem tonen-
schieht nicht in einem Augenblick; es kann vorkommen daf§ die
Lebensthz'itigkeit wieder hergesrellt wird, nachdem ein Theil des
5 den Korper ein Strom von Atomen aus, welcher die vor ihm lie—
Seelenstoffes verloren gegangen war. Schlaf — Scheintod. In
gende Luft in Bewegung setzt. In dieserAtomstromung finden SlCh
die gleichgestalteten Atome zusarnrnen: diese gelangen an die See—
der Schrift nspi 103v év (1600 behandelt er das Problem ncbg tov lenatome. Die Tone dringen in den ganzen Ko'rper ein, vornehm-
dnoeavévra min dvaBubvat évvutév; — Die Seele ist ihm am lich aber in das Gehb'r, wéihrend die iibrigen Kérpertheile zu we-
Menschen das Wesentliche, der Leib ist ihr GeféiB oxflvog. Das
(
I 0

3: IO nige Atome durchlassen, um wahrgenommen zu werden.


Warme u. Seeljsche ist nun durch die ganze Welt verbreitet: in D a s Wa h m e h m e n d e u n d d a s D e n k e n d e i s t d a s s e l b e . A r i s t . d e
der Luft ist sehr viel, denn wie konnten wir sonst Seelisches aus an. I z éxeivog uév yap dnlég mom wt)an Kai vofiv to yap
ihr einathmen?
d l n B é g e i v a i t o c p u w é u s v o v. 8 1 6 K a m g n o t f l o ' m 1 6 v O u n p o v,
Theorie der Sinneswahrnehmunen. Ari - - -.
» .4 ~’ =.:== - - :.:==v
1 5
ndvta rd: aioGntd (11nd notobow Unterarten des Tastsinnes, der 15 vobvtw; Kai 1013; nupuwpovoovtug Metaph. IV 5). Beides sind
(1(pr Die Beriihrung keine unmittelbare, sondern dutch die m e c h a n i s c h e Ve r i n d e r u n g e n d e s S e e l e n s t o f f s : w i r d d i e S e e l e
dnoppoui vermittelt. Diese dringen durch die Sinne in den Kor- d u r c h d i e s e B e w e g u n g i n d i e r i c h t i g e Te m p e r a t u r v e r s e t z t , s o
per ein u. verbreiten sich durch alle Theile desselben: dadurch w i r d s i e d i e G e g e n s t i n d e r i c h t i g a u ff a s s e n , d a s D e n k e n i s t g e —
enrsteht die Vorstellung der Dinge. Zweierlei ist dazu nothig, s u n d . Wi r d e s d u r c h d i e B e w e g u n g i i b e r m é c h t i g e r h i t z t o d e r e r-
7 . 0
einmal eine gewisse Stérke des Eindrucks, dann eine entspre- 20 kéltet, so wird es unrichtiges vorstellen u. krankhaft sein. — Hier
chende Beschaffenheit des entgegenkommenden Organs: nur t r e t e n i m m e r d i e e i g e n t l . Ve r l e g e n h e i t e n d e s M a t e r i a l . e i n , w e i l
GleicheswirdvonGleichemempfunden,wirnehmenjedesDing hier er sein TrpCiHIOV “156509 ahnt. Alles Objektive, Ausgedehnte,
mit dem ihm verwandten Theile unseres Wesens auf. Consequenr Wi r k e n d e , a l s o a l l e s M a t e r i e l l e , d a s d e m M a t e r. a l s s o l i d e s t e s
ist—erdaB manthes Wihrnehmbare von uns nicht wahrgenom- Fundament gilt — ist doch nur ein héchst mittelbar Gegebenes,
2 5 men wird, weil es unseren Sinnen nicht entspricht u. daK es We- 2 5 h o c h s t r e l a t i v Vo r h a n d e n e s : i s t d u r c h g e g a n g e n d u r c h d i e M a -
sen mit anderen Sinnen geben konne als den unsrigen. Uber das schinerie des Gehirns u. eingegangen in die Formen Zeit Raum
Sehen sagt er daB von den sichtbaren Dingen Ausl’liisse sich abla— u. Causalitét, vermége deren es sich darstellr als ausgedehnt im
sen, welche die Gestalt derselben beibehalten: sie spiegeln sich Raume u. wirkend in der Zeit. Aus einem solchermaBen Gegebe—
im Auge. Da aber der Raurn zwischen den Gegensté‘nden u. uns nen will nun der Mat. das einzig unmittelbar Gegebene, die Vor-
3 0 durch Luft ausgefiillt wird, so kénnen die sich ablosenden Bilder 3o stellung, ableiten. Es ist eine ungeheure petitio principii: plotzlich
nicht direkt an unset Auge gelangen, sondern was dieses selbst
zeigt sich das letzte Glied als der Ausgangspunkt, an dem sci-ion
beriihrt, ist nur die Luft, die von jenen Bildern bewegt u. zu das erste Glied der Kette hing. Man hat deshalb den Materiali—
einem Abdruck derselben gemacht ist. Zugleich gehen von unse- sten mit dem Fr. von Mi'mchhausen verglichen, der, zu Pferde im
rem Ange Ausfliisse (3115) u. modificiren das Bild. Arist. de Wa s s e r s c h w i m m e n d , m i t d e n B e i n e n d a s P f e r d , s i c h s e l b s t a b e r
3 4 0 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplaronischen Philosophen 341 l
an seinem nach vorne iiberhangenden Zopfe empor in die Héhe Um die Grundprincipien zu verstehen, muB man einmal vom
zieht. Die Absurditét besteht darin, daB er vom Objektiven aus- Eleatismus ausgehen. Wie ist eine Vielheit méglich? Nur dadurch
geht: wéhrend in Wahrheit alles Objektive, dutch das erken-
nende Subjekt in mannigfacher Weise bedingt ist, mithin ganz ver- dal§ auch das Nichtseiende ein Sein habe. Das Nichtseiende setz- “
ten sie nun dem dneipov des Anaximander gleich, das absolut ‘
5 schwindet, wenn man das Subjekt wegdenkt. Dagegen ist der Ma- Unbestimmte, das was gar keine Qualititen hat: dem steht entge-
ter. eine werthvolle Hypothese von relativer Wahrheit: auch nach-
gen das absolut Bestimmte népug. Aus ihnen aber besteht die
dem das up. w. entdeckt ist: eine erleichternde Vorstellung fiir die Eins dh. von ihr kann man aussagen, sie sei gerade u. ungerade,
Naturwissenschaft: alle deren Resultate behalten dann fijr uns
b e g r e n z t u . u n b e g r e n z t , o h n e Q u a l i t a t e n 11 . m i t Q u a l i t é t e n . A l s o
noch Wahrheit, wenngleich keine absolute. Es ist eben unsere
— gegen den Eleatismus — sagten sie: wenn das Eine seiend ist, so
zo Welt, an deren Produktion wir immer thétig sind. I O ist es iedenfalls aus zwei Principien geworden: dann abet giebt
es auch eine Vielheit: aus der Einheit erzeugt sich die Reihe der
arithmetischen (monadischen) Zahlen, dann die geometrischen
Zahlen, oder die GroGen (die Raumgebilde) Also: die Einheit is:
§. 16. Pythagoreer. Ihre Philosophie ist. nach Aristomles’
etwas Gewordenes, also giebt es auch eine Vielheir. Hat man erst
Anordnung, am SchluE aller bisherigen u. vor der platonischen
Punk: Linien Flachen u. K‘orper, so hat man auch die materiellen
Ideenlehre zu besprechen. Die Metaphysik (13>B.) beweist die 1 5

Objekte; die Zahl ist das eigentliche Wesen der Dinge. Die Ele—
auEerordentlich mannichfaltige Entwicklung ihrer Grundgedan-
IS ken u. ih.re Kraft, jedes neue System zu beeinflussen. Dabei ist aten sagen: ,,es giebt nichts Nichtseiendes, also ist alles eine Ein-

ihre Entsrehung vielleicht etwas alter als die Atomistik: genug heit.“ Die Pythagorean die Einheit selbst ist das Resultat von

WHYIV
V.‘«
daB weder Empedocles noch die Atomistik von ihr etwas wissen etwas Seiendem u. Nichtseiendem, also giebt es jedem‘alls Nicht—

konnen. Das Erste is: wohl durch die Schrift des Philolaus be— 2 0
s e i e n d e s , u . d a n n a u c h Vi e l h e i t .
kannt geworden napi (p136st in 3 Biichern, spater mit dem my— Dies ist eine zuna'chst ganz fremdartige Spekulation. Ihr Aus»
gangspunkt scheint mir nicht mehr zu sein als eine Apologie
zo s'tischen Namen dexm bezeichnet. Er stammt aus Tarcnt 11. ha]:
—sleh1nderrletzteu—fahrzmnm65 5. Ihd. m Theben auf. Gleich—
zeitig etwa Lysis u. Timaeus. Als Schiiler des Philolaus Eurytus. innern uns der Dialektik des Parmenides. Da wird von der Ein—

Mi: den Schiilern des Philolaus u. des Eurytus stirbt die wissen- 7-5 heit (gesetzt daG nicht Vieles ist) gesagt: I) Sie hat keine Theile,
schaftl. Schule aus La. VIII 46 nach Aristoxenus, der sie zum much is: sie ein Ganzes 2] dann hat sie auch keine Begrenzung 3)
25 Theil noch sah. Xenopl'n'los Phanton Echekrates Diocles Polym- dann is: sie nirgend vorhanden 4) kann sich weder bewegen noch
nastus; davon ist Echekrates der im Phaedon vorkommende. Es r u h e n u s w. u n d w i e d e r u m : I ) a l s s e i e n d e B i n s e r g i e b t s i c h d a s
sind ungeféihr 2. Generationen. Boeckh Philol<aos> des Pythago- Sein u. die Eins, also die Verschiedenheit u. dann viele Theile u.
reers Lehren nebst den Bruchstiicken s. Werkes Berlin 1819. 3 C d i e l a b ] 11 . d i e Vi e l h e i t d e s S e i n s , d a n n d i e B e g r e n z t h e i t u s w.
Schaarschmidt die angebliche Schriftstellerei des Philolaus Bonn Das ist etwas Ahnliches: man greift den Begrif‘f der seienden Ein-
30 1864. Einzelne Séitze auch von Zeller angefochten, alles von Val. heit an, als einen dem die entgegenges. Préidikate zukommen dh.
Rose.
als ein sich widersprechendes Ding, als ein Unding. Die mathem.
Y
342 Vnrlesungsaufzeichnungen
Die vorplatonisclien Philosophen 343

Pythagoreer glaubten an die Realitiit ihrer entdeckten Gesetze:


M338 der Saitenlénge die Zahlen 6 8 9 12.. Da die Quinte um
ihnen geniigte es daB die Existenz der Eins behauptet wurde, um
einen Ganzton héher ist als die Quarte, so ersah Pythag. aus
seinem Kanon auch das ZahlenverhéiltniB des Ganztons Iovog,
d a r a u s a u c h d i e Vi e l h e i t a b z u l e i t e n . U n d z w a r g l a u b t e n s i e d a s
wahre Wesen jedes Dings in seinen Zahlbeziehungen erkannt zu 8 : 9 énéySoog ké'yog.
haben. Es giebt also im Gtunde keine Qualitéten, sondern nur
Q u a n t i t i t e n : a b e r n i c h t Q u a n t i t é t e n v o n E l e m e n t e n ( Wa s s e r
Feuer usw.) sondern Begrenzungen des Unbegrenzten, des Emai-
pov: das ist etwas Ahnliches wie das nur potentialle Sein der

aqssunpHEUQ
67m bei Aristot. So entsteht alles aus zwei Faktoren: aus zwei
[ 0 G e g e n s é t z e n . H i e r i n w i e d e r D u a l i s m u s . M e r k w i i r d i g e Ta f e l A r.
Metaph. I, 5 Grenze Unbegrenztheit Ungerades Gerades. Eins
Vieles, Rechts Links. Méinnliches Weibliches. Ruhendes Beweg—
tes Geradliniges Gebogenes. Licht FinsterniE. Gutes Béses Qua-
—dLaI_leongum_HleI_kuldeLd1e_einLSette:_Greuze,_llngemdes,
I S Eins, Rechts Minnliches Ruhendes Geradliniges Licht Gutes

avia-rum
i .
Q u a d r a t , d i e a n d e r e U n b e g r e n z t h e i t G e r a d e s Vi e l e s L i n k s We i b —
liches Bewegtes Gebogenes FmsterniB Béses Oblongum. Dies er- 5
Hieraus leiten sich die heiligen Zahlen 50 ab. Die Zahlen I 2.
innert an die votbildl. Tafel des [Pythag.] Parmenides. Seiendes 3 4 enthalten die consonirenden Intervalle cupcpcovu, niimlich
als Licht diinn warm thétig, als Nichtseiendes Nacht dicht kalt
1 : z Oktave, 2. 2 3 Quinte, 3 : 4 Quarte. Sie zusammen blldeten
2 0 leidend. die tmpumbq. Addirte man die in ihnen enthaltenen Einheiten,
Der Ausgangspunkt fur die Behauptung, alles Qualitative sei so ergab sich die Semi; Reehnete man zu jenen Zahlen noch die
nur quantitativ, liegt in der Akustik. [Er] Man nahm zwei Saiten 1 0 Zahlen 8 u. 9, welche das Ganzton(-)Intervall enthielten, so er-
von gleicher Linge u. Dicke u. beschwerte sie beide nach einan— gab sich I + z + 3 + 4 + 8 + 9 = 27: die einzelnen Summanden
der mit verschiedenen Gewichten u. ersah daE die Téne sich auf samrnt er ‘ . A I
7-5 bestimmte Zahlenverhiiltnisse zuriickfiihren lassen. Darm zahl geht Plato in der Construktion der Weltseele 1m Tlmaeus
brachte man unter einer einzigen aufgespannten Saite einen be- aus. cf. Westphal Rhythmik u. Harmonik p. 64.
weglichen 5th an (paydétov) u. schob denselben an zwei ver- I S
Die Musik giebt in der That das beste Exempel fiir das, was
schiedene Stellen. Theilte er die Saite in 2 gleiche Hilften, so die Pythagoreer meinen. Musik ist, als solche, nur in unseren
gab jede derselben die héhere Oktave der ungetheilten Saite an: Gehi’imerven u. Gehirn vorhanden: auGerhalb oder an sich (1m
3 o verhielten sich die beiden Theile wie 2. : 3 (Mton qutéktog), so Sinn Lockes) besteht sie aus lauter Zahlenverhéilmissen: nimlich
hiirte man die Quinta Sui TtéVTS — wie 3 :4 (énitpttog) die zunichst, ihrer Quantitiit nach, hinsichtlich des Taktes: dann ih-
Q u a r t e 5 1 d t s o c d p m v. D a s I n s t r u m e n t h i e B K a v é s v. P y t h a g o r a s zo rer Qualitéit nach, hinsichtlich der Stufen der Tonleiter, also so—
soll die unter der Saite befindliche Fléche in 12 Theile getheilt wohl in ihrem rhythmischen als harmonischen Element. Irn glei-
haben u. erhielt hierdurch fiir Oktave Quart Quinte 11. Prime als
chen Sinne wire das gauze Wesen der Welt, deren Abblld die
344 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g c n Die vorplatonischen Philosophen 345

Musik ist, allerdings auf det einen Seite, rein in Zahlen auszu— das Ungerade, von denen jenes unbegrenzt, dieses begrenzt sci,
driicken. Und dies ist, jetzt streng das Gebiet der Chemie u. der wéhrend die Einheit aus diesen beiden bestehe, indem sie sowohl
Naturwissenschaften: iiberall fiir die absolut undurchdringbaren gerade als auch ungerade sei. Aus dieser Einheit sei die Zahl
Krifte die mathemat. Formeln zu finden. In diesem Sinne ist un- entstanden u. aus diesen Zahlen bestehe das We l t a l l . Alle Zahlen

s e r e Wi s s e n s c h a f t p y t h a g o r e i s c h . I n d e r C h e m i e h a b e n w i r e i n e theilen sich in gerade (Hptlog) u. ungerade und jede gegebene


Verbindung von Atomistik und Pythagoreismus, Wie sic im Zahl léEt sich theils in gerade, theils in ungerade (napio‘oég)
Alterthum Ecphantus angebahnt haben 501]. Elemente auflo'sen. Hieraus schlossen sie, daG Gerad u. Ungerad
So haben die Pythag. in der Hauptsache etwas héchst Wichtiges die allgemeinen Bestandtheile der Dinge seien: nun setzten sie
hinzuerfunden: die Bedeutung der Zahl, also die Moglichkeit ei- das Ungerade dem Begrenzten, das Gerade dem Unbegrenzten
I D
ner ganz genauen Untersuchung in physischen Dingen. In den ‘ 0 gleich, weil nimlich jenes der Zweitheilung eine Grenze setzt,
anderen physik. SYStelTlEl‘l war immer von Elementen u. deren dieses nicht: also besteht alles aus Begrenztem u. Unbegrenztem.
Verbindung die Rede. Durch Zusammensetzung oder Ausschei- D a s B e g r e n z t e u . U n g e r a d e g i l t a l s d a s Vo l l k o m m e n e ( s o d i e
dungen sollten die verschiedenen Qualitéten entstehen: jetzt end- Vo l k s b e d e u t u n g d e r u n g e r a d e n Z a h l e n ) D i e s e u n g e r a d e n n a n n -
lich wird das Wort gesprochen, daE nur in Differenzen der Pro- ten sic auch yvtbuovsg: ein Gnomon diejenige Zahl, welche einer
1 5 portionen die verschiedenen Qualitéten when. Nun war von der 1 5 Quadratzahl beigefiligt, wieder eine Quadratzahl ergiebt: dies
Ahnung dieses Verhéiltnisses bis zur strikten Dutchfiihrung noch abet ist die Eigenschaft aller ungetaden Zahlen 1" + 3 = 2"; 2.2
ein ungeheurer Wag. Einstweilen begniigt man sich mit phanta- + 5 = 3‘; 3‘ + 7 = 4‘. Dutch die Hinzufiigung der ungeraden
stischen Analogien. Arist. Metaph. I 5 schildert cs 50: ,,in der Zahlen zur Einheit entstehen nun lautcr Quadratzahlen, also
Mathematik sind die ZahJen ihrer Natur nach das Erste u. in den Z a h l e n v o n e i n e r G a t t u n g I + 3 = 2 2 ; I + 3 + 5 = 3 ‘ u s w. :
2 . 0 Zahlen glaubten sie eine Mange Ahnlichkeiten mit dem, was ist 2 . 0 w o g e g e n m a n a u f j e d e m a n d e r e n Wa g e Z a h l e n d e r v e r s c h i e d e n -
u. geschieht zu finden, mehr als im Feuer, in der Erde, im Wasser. stem Art erhia'lt, also dutch Hinzufiigung der Geraden zur Einheit
Daher sie cine Zahl mit bestimmten Eigenschaften fiir die Ge— Oder Summierung von geraden u. ungeraden. — W0 nun die Py-
rechtigkeit hielten, cine andere fiir die Seele u. die Vernunft, Cine thagoreer entgegengesetzte Eigenschaften wahmahmen, da be-
mam den Zahlen die m m m m m m m u . m , m
7-5 Ve r i i n d e r u n g e n u . Ve r h é i l t n i s s e d e r H a r m o n i e b e r u h e n . D a s i e 7-5 Schlechtere als ein Begrenztes u. Gerades. Wenn abet die Grund—
also in allen Dingen ihrer Natur nach ein Abbild der Zahlen bestandtheile der Dinge von entgegengesetzter Beschaffenheit
erkannten 11. die Zahlen fiir das Erste in der ganzen Natur hiel— sind, so war ein Band nothig, werm irgend etwas aus ihnen ent-
ren, so nahmen s ie an, die Elements der Zahlen s eien die Ele— stehen sollte. Dies ist nach Philolaus die Harmonie: Eon *{dp
mente alles Seienden u. das gauze Weltall sei Harmonie u. Zahl. (ipuovia nolumyémv évmmg Kai Sixa (ppoveévrcuv oomppaotg
3O Da ihnen 13. die Zehnzahl fiir das Vollkommene u. fiir den Inbe— 3O (Einheit des Mannichfaltigen u. Zusammenstimmung des zwie—
griff des ganzen Wesens der Zahlen galt, so behaupten sie auch, spiltig Gesinnten. Wenn in allem der Gegensaiz der Elemente ist,
der am Himmel sich bewegenden Kérper gébe es zehn: weil abet so auch in allem Harmonie: alles ist Zahl, alles ist Harmonie:
davon nur 9 zu sehen sind, so machen sic als zehnten die Gegen- denn jede bestimmte Zahl ist eine Harmonie des Geraden u. des
erde dazu. Als Elemente der Zahl gelten ihnen das Gerade u. Ungeraden. Die Harmonie wird abet charakterisirt als Oktave.
346 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 347

In der Oktave haben wir das Verhéiltnil? von I : z, den Urgegen- 06K (iv éSl’Jvato, 8i uh dutpoiv wiv (pécaotv uzteixz. Bei der
s a t z z u r H a r m o n i e g e l é s t . I n d i e s e r Vo r s t e l l u n g b e m e r k e n w i r Ableitung der geometrischen GrbBen setzten sie die Einheit dem
den EinfluE Heraklits.
Punkt, die Zweiheit der Linie, die Dreiheit der Fléche, die Vier-
Z u r C h a r a k t e r i s t i k i h r e r Ve r g l e i c h u n g s m e t h o d e s e i e r w é h n t , zahl dem K6tpet gleich. Mir der Figut aber glaubten sie das Kér—
daG die Gerechtigkeit aus dem gleich mal gleichen besteht, dh. perliche selbst abgeleitet zu haben. Von der Gestalt der Kérper
Q u a d r a t z a h l : d e s h a l b Wu r d e d i e 4 o d e r b e s o n d e r s d i e 9 ( e r s t e s o l l t e n u n i h r e e l e m e n t a r i s c h e B e s c h a ff e n h e i t a b h i n g e n . Vo n d e n
ungerade Quadratzahl) Gerechtigkeit genannt. Die Fiinfzahl (die fiinf regelméfgigen Kérpem wies er der Etde den Kubus zu, dem
Ve r b i n d u n g d e r e t s t e n m i n n l i c h e n u . d e r e t s t e n w e i b l i c h e n Z a h l ) F e u e r d e n Te t r a e d e r , d e r L u f t d e n O k t a e d e r , d e m Wa s s e r d e n
heiBt die Ehe, die Einheit Vernunft. weil sie unveréindetlich, die I k o s a e d e r, a l l e n i i b r i g e n E l e m e n t e n d e n D o d e k a e d e t , d h . e r
1 0 Zweiheit Meinung, weil sie veranderlich u. unbestimmt ist. Die— 1 0 nahm an, dag die kleinsten Bestandtheile dieser verschiedenen
ser u. iener Begriff hat seinen Platz in der Welt in dieser u. jener S t o ff e d i e a n g e g e b e n e G e s t a l t h é i t t e n . D i e F i i n f z a h l d e r G r u n d -
Region zB. die Meinung in der Region der Erde (weil die Erde stoffe setzt eine Petiode nach Empedocles voraus, dh. die Ein-
in der Reihe der Himmelskérper die zweite Stelle einnimmt): der wirkung des Empedokles auf Philolaus. Die Kosmogonie dach-
Kmpég in der Sonne (beide dutch die 7 Zahl ausgedriickt). Die n sie sich so: zuerst entsteht das Feuer im Kern des We l t anzen

I 5 Wi n k e l d e s Q u a d r a t e s s i n d d e r R h e a D e m e t e r H e s t i a , d e n E r d — (genannt das Eins odet die Monas, der Herd des Weltalls, die
1 :

gottheiten geweiht, weil das Quadrat die Begrenzungsfléche des Wache der Burg des Zeus). Von hier sollen die nichstgelegenen
Wi j r f e l s b i l d e t , d e r Wi i r f e l a b e t n a c h P h i l o l a u s d i e G r u n d f o r m Theile des énetpov angezogen u. dadui'ch begrenzt u. bestimmt
der Erde sein soll. Der Winkel des Dreiecks den zerstérenden worden sein (ich erinnere an den anaximandr. Begriff des (11:81-
Gottheiten Hades Dionysus Ares u. Kronos geweiht, weil das pov). Diese Wirkung setzt sich immer fort, bis das Weltgebiiude
2 0 v o n 4 g l e i c h s e i t i g e n D r e i e c k e n b e g r e n z t e Te t r a e d e r G r u n d f o r m 2 0 zum AbschluG kommt (das Heraklit. Feuer angewendet, um aus
d e s F e u e r s i s t . B e s o n d e t s w i c h t i g d a s d e k a d i s c h e S y s t e m . We i ] d e m a n a x i m a n d r. ( i n a l p o v d i e b e s t i m m t e We l t h e r v o r g e h e n z u
i h n e n a l l e Z a h l e n n a c h Z e h n n u t a l s Wi e d e r h o l u n g e n d e r I O machen) Dieses Weltgebii'ude ist eine Kugel (Empedocleisch ode:
ersten erschienen, so schjenen in der Dekas alle Krifte der Zahl P a r m e n i d . ) , i m M i t t e l p u n k t d a s C e n t r a l f e u e r, h e r u m s c h l i n g c n
—zuszmmengefzsstrsre—he13tgm8—allgewalngraHeSTOlHnmgend, z e h n h i m m l i s c h e K é r p e t , v o n We s t n a c h O s t , i h r e n R e l g e n , I n
3-5 Anfang u. Fiihrerin des géttlichen u. irdischen Lebens. Sie ist 1 5 der weitesten Entfernung der Fixsternhimmel, ihm zunéichst die
d a s Vo l l k o m m e n e : d e s h a l b z e h n g l i e d r i g e A u f z é i h l u n g e n , w e d i e fiinf Planeten (Saturn Juppiter Mats Venus Merkur), hierauf die
G e s a m m t h e i t d e s Wi r k l i c h e n b e z e i c h n e t w e r d e n s o l l ( Ta f e l d e t S o n n e d e r M o n d , d i e E r d e 11 . 2 11 5 z e h n t e s d i e G e g e n e t d e : d i e
G e g e n s i t z e S y s t e m d e r We l t k i i t p e r ) . Vo n d e r t a t p m c n ' ) ; w i r d g e - EuBerste Grenze dutch das Feuer des Umkreises gebildet. Um
s a g t : 1 m d e é s v d o u ( p i n t o ; i n c h u u t ’ é x o v c a v, m a n s c h w é r t o f ) das Centralfeuer bewegt sich die Erde u. zwischen beiden die
3 0 mi 16v dustépq. YEVECI nupaSévm Istpux‘tév. Man liebt es die 3 0 Gegenerde, in der Art dag die Erde der Gegenerde u. dem Cen-
Dinge in 4gliedrige Reihen zu ordnen, 2B. Thrasyll. Die Einheit tralfeuer immer die gleiche Seite zukehrt u. deshalb kénnen Wit,
ist das erste, aus dem alle Zahlen entstanden sind, in dem daher die wir auf der andem Seite wohnen, die Strahlen des Central-
auch die entgegengesetzten Eigenschaften vereinigt sein sollen f e u e r s n i c h t u n m i t t e l b a r, s o n d e r n e r s t m i t t e l b a r d u t c h d i e S o n n e
dpticp ptv yi‘xp npoc‘taeév neplttbv notei, ueptttrg) 5e (’zp‘nov, 6 wahrnehmen. Die Gestalt der Erde dachten sich die Pyth. kugel—
348 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 349

férrnig: hochst bedeutende astronomjsche Fortschritte: wihrend Bei den Pythagoreem ist zuerst der Begriff von oben u. unten
friiher die Ruhe des Erdkorpers vorausgesetzt wurde, u. der in der Welt aufgegeben, vielmehx gr68ere oder geringere Entfer-
Wechsel der Tageszeiten von der Bewegung der Sonne hergeleitet nung von der Mitte. Das was der Mitre néiher liegt nannten sie
w u r d e , h a b e n w i r h i e r d e n Ve r s u c h , i h n a u s d e r B e w e g u n g d e r das Rechte, das entfemtere das Linke: die Bewegung der Him—
E r d e z u e r k l é i r e n . G a b m a n n u r d a s C e n t r a l f e u e r a u f , [ s o ] v e r- melskérper geschieht nimlich vorwéirts von West nach Ost: die
schmolz man die Gegenerde mit der Erde, so wurde die Erde urn Mitre hat den Ehrenplatz auf der rechten Seite der Weltkorper.
ihre eigene Axe bewegt. Kopernikus soll seinen Grundgedanken D i e o b e r e n T h e i l e d e r We l t h i e l t e n s i e f i i r d i e v o l l k o m m e n e r e n :
geradezu aus Cie. Acad. II 39 u. Plutarch de placit. philos. III sie unterschieden den éiuBeren Feuerkreis von den Stemkreisen
c. 13 (iiber Philolaus) (entnommen haben.) u. unter diesen die iiber u. unter dem Mond: bluunog éuEerster
1 0 Eine Folge von der Bewegung der Gestirne ist die Lehre von Umkreis, Kécuog Sternenhimmel u. Uranos untere Region. In I
der Sphirenharmonie. Jeder schnell bewegte Kérper erzeugt ei- die Elemente in aller Reinheit (némlich Begrenztes u. Unbegrenz-
n e n To n i D i e G e s t i r n e b i l d e n z u s a m m e n e i n e O k t a v e o d e r, w a s tes), 2. ist der Ort der geordneten Bewegung, 3 des Werdens u.
dasselbe ist, eine Harmonie. Also nicht Harmonie in unserem Vergehens. — Wenn die Gestirne einmal wieder den ganz gleichen
S i n n e , s o n d e r n d i e g e s t i m m t e S a i t e d e s a l t e n H e p t a c h o r d s . Vi e l -
Personen, sondem
I 5 mehr giebt es doch, wenn alle Tone der Oktave zugleich erlclin—
auch die gleichen Handlungen wieder auftreten.
gen, keine ,,Harmonie“. Dal; wir sie nicht héren, erkléirten sie
Uber Seelisches u. ErkenntniBtheoretisches wenig zu sagen.
so: es ergehe uns wie den Bewohnern einer Schmiede: wir horten
Wenn Philolaus die physikal. Beschaffenheit auf die Fi'mfzahl zu-
das gleiche Geriiuseh von Geburt an: wit kommen nie dazu, sein
Vo r h a n d e n s e i n a m G e g e n s a t z d e r S t i l l e z u b e m e r k e n . D i e s e Vo r- riickfiihrt, die Beseeltheit auf die Sechszahl, die Vernunft die Ge-
sundheit und to im’ (161013 keyéusvov (pct); auf die Sieben, die
2 . 0 stellung bezog sich iibrigens urspriinglich nur auf die Planeten:
Liebe Freundschaft, Kiugheit u. Erfindungsgabe auf die 8. Dann
denn sonst hitten sich IO Tone ergeben, zur Harmonie abet ge—
der beriihmte Satz dag die Seele eine Harmonie sei, nimlich die
h é r e n , n a c h d e m H e p t a c h o r d , 7 . Wa s d i e A u g e n i n d e r B e o b a c h -
tung der Sterne sehen, das h6ten die Ohren im Einklange det Harmonie ihres Kiirpers. Die Vernunft hat ihren Sitz im Gehirn
I“ AV E Fl .H ’1..,g uvl.,,
Ti m e . — D a s F e u e r d e s U m k r e l s e s h a t t e d i e A u f g a b e d i e We l t
7-5 zusammenzuhalten: deshalb nannten sie es die dvéyxn. Boeckh (pumg (Wurzelung u. Keimung) im Nabel, die Zeugung in den
Geschlechtstheilen. Im ersten liege der Keim des Menschen, im
hat bewiesen [ist] daE sie die MilchstraEe meinten. Jenseits des
Feuerkreises liegt das duetpov. Arehytas hatte gefragt, [wenn] oh zweiten der des Thieres, im dritten der der Pflanze, im vierten
m a n a m R a n d e d e r We l t d e n A r m o d e t e i n e n S t a b a u s s t r e c k e n der aller Wesen. Ohne Zahl is! kein Wissen mbglich: sie nimmt
ki'mne: wenn man es aber konne, so rniisse es auEerhalb etwas keine Unwahrheit in sich auf, sie allein macht die Verhia'lmisse
5 0 g e b e n , n i m l i c h ( « B u d ( 11 : 8 1 p m 11 . t i m e ; w a s a u f e i n s h i n a u s - der Dinge erkennbar. Alles miisse entweder begrenzt Oder unbe~
komme. Ein zweitet Grand: wenn cine Bewegung stattfinden grenzt oder beides sein: ohne Begrenzung wire aber nichts er—
solle, so miiKten, um fi'u' die sich bewegenden K6rper Raum zu k e n n b a r.

s c h a ff e n , a n d e r e i i b e r d i e G r e n z e d e s We l t g a n z e n a u s t r e t e n , d i e Fragen wir nach der Verwandtschaft der pythag. Philos., so


We l t m i i s s e i j b e r w a l l e n K u u a v s t w M o v. finden wir einmal das altere System des Parmenides, der alle
350 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 351

Dinge aus einer Zweiheit der Principien entstehen lieE: dann das §. 17 Socrates. Demokrit ist 01. 8o geboren, war also
(inetpov des Anaximander bewegt u. begrenzt durch das Feuer c. 10 Jahre iiinger als Socrates. Von diesem sagt ausdriicklich La.
Heraklits. Das sind aber offenbar nur Hiilfsphilosopheme: der 11 4 4 4 1 e r w u r d e n a e h A p o l l o d o r u n t e r A p s e p h i o n g e b o r e n 7 7
Ursprung ist die Erkenntnilg von Zahlenanalogien in der Welt, O l . 4 J a h r, a m s e c h s t e n T h a rg e l i o n , 6 1 : 5 K u e a i p o u m t f l v n é l w
5 ein ganz origineller Gesichtspunkt. Um diese gegen die Einheits— ’Aenvaiot (Artemis geboren) (also im 11. Regierungsmonat des
l e h r e d e r E l e a t e n z u s c h i i t z e n , m u K t e n s i e d e n B e g r i ff d e r Z a h l Archonten). La. ibid. er starb im ersten Jahr der 95. Olymp.
entstehen lassen, auch die Eins muEte geworden sein: hier nah— ya‘yovrbg étcbv éBSoMKovm. Kai tufmi (pnm Kai Anm'uplog 5
r n e n s i e d e n H e r a k l i t . G e d a n k e n v o n d e m n é l s u o ; a l s d e m Va t e r (17117111950; (unter dem Archonten Laches, am Ende des Tharge—
der Dinge u. der éppovia, die die entgegenges. Eigenschaften lion, in dessen elftem Monat), dh. im Thargelion 399 hat er sein
Io verbindet: Parmen. nannte dieselbe Macht ’AtppoSi-m. Sie syru. 1 0 7otes Jahr angetrete n: geboren 468 mach Apollodor. Ich traue
bolisirte das Verhéiltnilg der Entstehung jedes Dings in der 0k» ihm, bes. auch seinem Gewéihrsmann Demetrius (épx. 1’zvuwp.)42

tave. Die beiden feindl. Elemente, aus denen die Zahl entsteht, Polemik gegen seineri Ansatz bei Boeckh (C. I. II p. 32.1 und C. E
zerlegten sic in Gerade u. Ungerade. Diese Begriffe identifizirten Hermann Plat. Phil. p. 666 Uberweg p. 86. Diese gehen von der
sie mi erei s einge iirge en p ios. erminis. as ra e as . ans—1" D, weer sagt—er mam
éBéouflxovm demnach miiEte er gewiK vor 469 geboren sein.
15 anstpov nennend: dies ist der gréEte Sprung, den sie machen: I 5

nut weil die yvdmoveq die ungeraden eine begrenzte Reihe von Sodann Crito p. 52 E sprechen die Gesetze Athens ,,w§hrend ei—
Zahlen entstehen lassen, die Quadratzahlen. Sie schlagen damit
41 Das Alterthum (hat) nur eine Angabe darijber. Ubersehens ZeugniE
c i n e B r i i c k e z u A n a x i m a n d e r, d e r h i e r z u m l e a t e n M a l e a u f —
des Apollodor Laert 9, 41 fiir 01. 77, 4 (we es heiEt daB Democrit ein jab:
taucht. Das Begrenzende aber identifiziren sie mit dem Heraklit.
é i l t e r a l s S o c r a t e s w a r.
2.0 Feuer: dessen Aufgabe jetzt ist, das Unbestimmte in lauter be- ‘2 Demetrios aus Phaleron, Schiiler des Theophrast geb. c. 345.
stimmte Zahlenverhéilmisse aufzulésen: es ist wesentlich eine Dali dies 1min: sich auf das Geburtsjahr mit bezieht, geht aus dem Fol-
rechnende Kraft: wenn sie den Ausdruck Ké'yog von Heraclit genden hervor: val 7119 éifpcovm éu’év Iakemnom abro’v (91mm (dh. als
tinxowoirmc sexagenarius) Also soil die vorhetgehende Notiz den 7oj§lr
I .. ’ l .. I ;
rigen charaktetisieren.
verstanden (némlich proportionenschaffend, wie népag Grenze- 77,4 unter Apsephion am 61. Thargelion (im 11" Monat
25 setzend) Der Grundgedanke ist: die ginzlich qualititslos 9 5,1 unter Archon Lashes im 12.“ Monat) Mai oder Juni 399
gedachte Materie wird nur durch Zahlenverha’ltnisse 78 79 80 81 82. 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92. 93 94 db. 17X4=68
diese u. jene bestimmte Qualitét. So wurde Anaximanders I z 3 4 5 6 7 8 9 101112131415161701.
Jahr 77,4 6 Thargel (69 Jahr) bis 95,1 6 Thargelion
Problem beantwortet. Das Wa r d e n erschien als ein Rechnen.
Jahr 94,1, vom 6. Tharg, his Ende, also einige 2.0 Tage
Dies erinnert an den Spruch des Leibniz (epistol. collectio Kor— m 69 Jahre zo Tage:
30 tholti ep. 154.) die Musik sei exercitium arithmeticae occultum Wire er geboren 77,3, 50 wiird er 7o Jahr 2.0 Tage
7 7 , 7 . 7 1 J a h r e 2 . 0 Ta g e
n e s c i e n t i s s e n u m e r a r e a n i m i . D i e s h é n e n d i e P y t h a g o r. w o h l
77,1 72. jahre 2.0 Ta g e
a u c h v o n d e r We l t s a g e n k é n n e n : f r e i l i c h n i c h t , w a s e i g e n t l i c h
D i e A n g a b e n P l a t o s : z u r Z e i t d e r Ve r u r t h e i l u n g ( M o n a t M u n y c h i o n ) m e h r
rechne. als 7:) Jahre (nach Apollodor war er noch nicht ganz 69) im Crito 7o Jahre
352 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 353

nes Zeitraums von 70 Jahren stand es dir frei, Sokrates, Athen m a t h e m a t i s c h e r F i g u t e n f i i h r e . D i e g a u z e P h y s i k s c h a ff t e e r a b “ :


zu verlassen, wenn du mit uns unzufrieden warst.“ Auch dies ,,denl(en diese Forscher daB sie genug die menschlichen Verhiilt-
fiihre auf ein Alter von mehr als 7o jahren. Also sei O]. 77, I nisse kennen, dag sie anfangen, sich in die gottlichen zu mi-
oder 7. als Geburtsiahr anzunehmen. Sodann wird auf die Zu- schen? Denken sie daB sie im Stande sein werden, nach Belieben
sammenkunft des Socr. mit Parm. bei den groEen Panathena'en Winde u. Regen zu erregen, oder wollen sie nur miiBige Neugier
gerechnet: damals sei er 2. 5 Jahr nach Synesius gewesen Ol. 83, befriedigen? Sie sollten sich daran erinnern, wie die gréEten
3, also geboren 77, 2. Vom letzten Argument ist gar nicht zu Manner in ihren Erfolgen abweichen u. Meinungen aufstellen
reden. Das zweite aus Crito spricht doch eben fiir 7o Jahre u. w i e d i e Wa h n s i n n i g e n . S o c r a t e s h a t n i e P h y s i k k e n n e n g e l e r n t :
das erste ist eine Ubertreibung Platons in einer Vertheidigungs- denn das, was Plato im Phaedon c. 97 D ff. usw. fiber Anaxago-
1 0 rede. Wie kann Platons ZeugniB gegen Demetrius aufkommen! ras’ Studium erzéihlt, ist jedenfalls nut Plato’s Entwicklungsge—
Darin besteht ja eben der Werth Apollodors, daE er zwischen schichte. Ebenso hielt er nichts von der Kunst: er faKte sie nut

den verschiedenen Uberlieferungen nach ihrem Werthe wéhlte. von der praktischen u. annehmlichen Seite auf, er gehorte zu den

Wir haben nur zu betonen dag hier einmal das ysyovd); streng Veriichtern der Tragédie. So sagt Aristoph. Frosche, 1491 Xu-
' * i...; .7 7 in. _.
nachgerechnet werden kann: 7o Jahre heiEt: er hat den 69 Ge—
v ‘vvv- in II '1': vv - '1 6 - v'IIl

burtstag gefeiert u. beginnt das 7o]ahr. Es stehen also die pouomnv | rd re péytcta nupakmévta I we rpaycpEIK‘ag
1 5
réxvngv I m 6’ éni Geuvoimv M37010! | Kai oxupupnopoio't
25 Tage, die er in das 7o Jahr hinein Iebte, fiir das 7o Jahr: das '
(axapupno'por; ein ungenauer SchattenriB abstrakt) kr'lpmv | 51a-
unvollendete jahr wird als voll angerechnet. [(Nach ei-
tptB'hv dpyc‘w (thatigen Mi'iEiggang) noteion I nupmppovoBV-
nigen éojéihrig gestorben geboren Ol. 80, 2 Laert. II 4 5]
tog (iv5pég ,,ist fiir verdrehte Kéiuze.“ Die kréiftige Bildung des
Sein Vater Sophroniskos, aus der Gens der Daidaliden, seine
Geistes u. Herzens durch Poesie ist der beliebten philosoph. Ab-
1 0
Mutter Phainarete, cine Hebamme. Er unterscheidet sich von al-
richtung durch Sokrates weit vorzuziehen: deshalb siegt Aeschy—
len friiheren Philosophen durch seine plebeiische Abkunft und
lus, deshalb unterliegt Euripides.
durch cine ganz geringe Bildung. Gegen die ganze Kultur u.
S o k r a t e s i s t P l e b e j e r, e r i s t u n g e b i l d e t u . h a t a u c h n i e d u t c h
—Kmrsrwam1nmrerfe1ndseig,—Ebenso gegen die Naturwxssen—
Autodidaktik den verséumten Jugendunterricht nachgeholt. Er
schaft. Die Astronomie rechnete er unter die gottlichen Geheim- ist sodann spezifisch haBlich u. wie er selbsr gesagt hat, mit den
7-5 nisse, denen nachzuforschen Wahnsinn sei: Es sei zwar ein Vor— heftigsten Leidenschaften von der Natur begabt. Platte Nase,
theil dabei die Bewegung der Himmelskérper zu wissen, als Fiih- dicke Lippen, hervorstehende Augen: seine Neigung zurn Jah-
rer bei See- u. Landreisen u. Nachtwachen. So viel konne man z o r n b e r i c h t e t A r i s t o x e n u s ( d e s s e n Va t e r S p i n t h a r o s m i t S o c r a t e s
leicht von Steuerma'nnern u. Wachtern erhalten, alles dariiber bekannt war). Er ist ein ethischer Autodidakt: ein moralischer
hinaus sei Vergeudung werthvoller Zeit. Die Geometric sei in so S t r o m g e h t v o n i h m a u s . U n g e h e u r e Wi l l e n s k r a f t a u f e i n e e t h i -
3 0 weit nothwendig, als sie Jedermann in Stand setze, bei Kauf Vera
kauf u. Theilung von Land richtig zu verfahren — ein Mensch
43 Apol. c. HI Von Physik u. Astronomie verstehe er nichts oiS‘re lepov
mit gewohnlicher Aufmerksamkeit leme dies ohne Lehrer — abet
0615 péyu. Nie habe ihn jemand dariiber sprechen héren. Dies als ZeugniB
albem u. werthlos, wenn es zum Studium zusammengesetzter Pl. 5. gegen Xenoph.
35 4 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 355

sche Reform gerichtet. Das ist sein einziges lnteresse (Stu tot durch die er sie erlernte. Dariiber dagegen was ist Gerechtigkeit?
év peydpomi Kcncév r ’ dyal-lév TE IéTUK‘tm. Das Merkwiirdige Wa s i s t F r é m m i g k e i t ? Wa s i s t e i n e D e m o k r a t i e ? Wa s i s t e i n G e -
ist abet das Mittel dieser ethischen Reform: diese selbst erstre- setz? glaubte Jederrnann eine Meinung zu haben: Sokrares fand
ben ia auch die Pythagoreer. Aber das Mitre] die émmnpn zeich- aber nur Diinkel u. dpaeiu. Sokrates behauptet die Rolle eines
n e t i h n a u s . D a s E r k e n n e n a l s We g z u r Tu g e n d — u n t e r s c h e i d e t Lernenden, aber er iiberzeugt seine Mitunterredner von der eig-
seinen philosoph. Charakter: die Dialektik als der einzige nen Unijberlegtheit. Seine nachste Forderung war also, eine Defi—
Weg, die éna’ymymoi X6701 u. das opiCeoem. Der Kampf gegen nition aus moralisch social-polit. Bereiche zu bekommen: sein
die Lust, die Begierdea den Zorn usw. richtet sich gegen eine zu Ve r f a h r e n d a b e i d i a l e k t i s c h o d e r e p a g o g i s c h . D i e g a u z e We l t d e r
Grunde liegende dquiu. Er ist der erste Lebensphilosoph und dvepdmwa zeigte sich ihrn als eine Welt der t’zpaGiu: es gab
1 0 alle von ihm ausgehenden Schulen sind zuna'chst Lebensphiloso- Worte, aber keine fest damit verbundenen Begriffe. Sein Bestre—
phien. Ein vom Denken beherrschtes Leben! Das Denken dient ben war diese Welt zu ordnen: in der Meinung, daB wenn sie
dem Leben, wahrend bei allen friiheren Philosophen das Leben geordnet sei, der Mensch nicht anders kénne als tugendhaft zu
dem Denken u. Erkennen diente: das richtige Leben erscheint leben. Eine moralische Giiterlehre ist das Ziel aller seiner Schu—

len,dh.eiae;9d=t ' .
I S sokrat. Philosophie absolut praktisch: sie ist rfeindselig gegen Die gauze altere Philosophie gehiirt noch in die Zeit der unge-
alles nicht mit ethischen Folgen verkniipfte Erkennen. Sie ist fiir brochenen ethischen Instinkte: hellenische Sitrlichkeit athmet
Jedermann 11. popular: denn sie halt die Tugend fi'lr lehrbar. Hetaklit Anaxagoras Demokrit [Pythagoras] Empedokles, doch
Sie appellirt nicht an den Genius u. die hbchsten ErkenntniB— nach den verschiedenen Formen hellen. Ethik. Jetzt bekommen
kra‘fte. Bis dahin geniigten die einfachen Sitten u. religiosen Vor- wir eine Forschung nach der rein menschlichen, auf Wissens-
2 0 s c h r i f t e n : d i e P h i l o s . d e r s i e b e n We i s e n w a r n u r d i e i n F o r m e l n griinden beruhenden Ethik: sie wird gesucht. Bei den Friiheren
gebrachte iiberall in Griechenland geachtete u. lebendige prakti- war sie da, 315 lebendiger Hauch. Diese gesuchte rein menschli-
sche Moral. Jetzt tritt die Lésung von den moralischen Instinkten che Ethik tritt zuna'chst in Feindschaft gegen die traditionelle hel‘
ein: helle Erkenntnifg soll das einzige Verdienst sein, aber mit der lenische Sitte der Ethik: die Sirte soll wieder zu einem Erkennt-
h e l l e n E r k e n n t n i G h a t d e r M e n s c h a u c h d i e Tu g e n d . D e n n d a s niSakte aufgelost werden. Man muB auch sagen, daE fi‘ir die
7-5 ist der eigentl. sokrat. Glaube, daE Erkennen u. sittlich sein zu- Zeitalter der Auflésung die sokrat. Ethik ihrem Ziele entspro-
sammenfallen. Nun ist die Umkehrung dieses Satzes im hochsten Chen hat: die besten u. nachdenkenden Manner lebten nur nach

Grade umwéilzend: iiberall wo nicht helles Erkennen ist, ist to philosophischer Ethik. Es bricht also aus Sokrates ein sittli‘
c h é v. H i e r w i r d S o c r a t e s z u m K r i t i k e r s e i n e r Z e i t : e r u n t e r- Cher Strom hervor: darin ist er prophetisch u. priesterlich. Er hat
sucht, wie weir sie aus dunkeln Antrieben, wie weit sie aus Er- das Gefiihl einer Mission.

3 o kenntnilg handelt. Dabei ergiebt sich das demokxatische Resultat, O ff e n b a r i s t e s d e r w i c h t i g s t e P u n k t i m L e b e n d e s S o c r a t e s ,


daE die niedrigsten Handwerker héher stehen als Staatsmanner als der enthusiast. Chairephon in Delphi die Anrwort bekommt.
Redner Kiinstler seiner Zeit. Man nehme einen Zirnmermann Apol. Socr. p. 21 A Sokrat. erbieret sich das ZeugniB des Bruders
K u p f e r s c h m i e d S t e u e r m a n n Wu n d a r z t u . p r i i f e s e i n e F a c h k e n n t - d e s C h a i r e p h o n b e i z u b r i n g e n , u m d i e Wi r k l i c h k e i t d i e s e r F r a g e
nisse — er kann die Personen angeben, von denen, die Mittel, und Antwort zu bezeugen. 1’1pato yap 611 ai rig éuof) sin
3 5 6 Vo r l e s u n g s a u f z e i e h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 3 5 7

coqxbtepog' dvefkev 013v 1‘] l'lueia unséva cozprhtepov eivai; u. bei weitem auf. — So komrnt er zu dem Glauben, Apollo habe
nachher 1i 06v 1:015 Aéyet (p616me éw‘s croqxbtarov eivat. Der sagen wollen, menschliche Weisheit ist von geringem Belange;
Ve t s w i r d L a . I I 3 7 2 1 1 5 n e p u p s p é p e v o v b e z e i c h n e t d w é i p a w der welcher von seiner Werthlosigkeit in Bezug auf Weisheit
( m a v m w Z p r d t n g c o q x b t u t o g . ( S t e l l e n b e i G . Wo l f f , d e P o r - iiberzeugt ist, ist wirklich der weiseste. In Folge davon lebt er
phyrii ex oraculis philosophia p. 76. 77). Genauer in Schol. zu in groBer Armuth, iiberall verhaKt. Bis zum Tode will er dabei
Platon Apolog. 21 A xpnaubg nepi Zprdtoug 3008i; Xm- verharren, sein Amt der Philosophie u. der Priifung zu erfiillen,
peqxbv-n trip Ecpn‘r‘tiq) ampéq Eowoxlng, aoqm’yrepog 5’ Ei’th- euer Warner zu sein, wie eine Bremse euch auf dem Nacken zu
n i a n g , a v é p c ’ b v 8 ’ a n a w m v ) 3 . 0 ' . ( S c h o l . A r i s t o p h a n . Wo l k e n sitzen. Wenn ihr mich verdammt, werdet ihr es erleiden. Still-
144). [Natiirlich ist der Anapist in zweiter Stelle falsch: er fingf schweigen von meiner Seite wiire Ungehorsam gegen den Gott.
I o an 20¢0K7Lf1q o‘ocpég, cocpdotepoq-1 bereits Apollonius M0- I D Das gréEte Gliick, das sich einem Mann ereignen kann, jeden
lon (I J. v. C. G.) bestritt seine Achtheit. Anapéist. Eigennamen Tag Erérterungen iiber Tugend u. anderes zu machen. — Leben
(Porson) (;) in WI. 89 unbedingt auch im 2.. u. I. FuB. Die Jam— ohne solche Untersuchungen ist gar kein Leben. Er fiihlt, wie
ben waren nothwendig bei 2 solchen Namen. — GroBe Verlegen- unglaublich u. seltsam das Alles klingt. — Das Erkennen als der
h e i r u . p e i n l i c h e Ve r w i r r u n g : e n d l i c h b e s c H l i e B t e r m a t Weg zur Tugend; aber nEht als GelEhrter, sondern wie ein fiber-
1 5 anderer an der seinigen zu messen. Er wz'ihlt einen beriihmten I S
fiihrender Gott 986; (IN 11g éksyxtucég Plat. Soph. c. 1, herum-
Staatsmann, der als weise gilt u. legt ihm priifende Fragen vor. Er gehend u. priifend. Das Suchen nach Weisheit erscheint in der
entdeckt daB die angebliche Weisheit des Marines gar keine Weis— Form des Suchens nach den Goqmi: es is: iotopia damit verkniipft,
heit ist. Er versucht es dem Politiker zu beweisen, wie viel ihrn noch wéhrend die heraklitische comm selbstgenugsam war und alle
an der Weisheit fehle: dies war unméglich, er machte sich nur ver- icropiu verachtete. Der Glaube an ein angebl. Wissen erscheint als
1 0 haBt. ,,Weder ich, noch er wuBten was gut u. ehrenhaft sei: der 2 0 das Schlimmste 1‘1 (mama aim] 1‘] énovsiéimog 1‘] 101‘) ole.ch ii
Unterschied war aber daE er glaubte, er wisse es, wéhrend ich 06K OIBEV (Apol. Socr. c. 17 p. 29 B) Nach Xenoph. Memor. III 9,
m e i n e r U n w i s s e n h e i t g a n z b e w u l g t w a r. A u f d i e s e A r t w a r i c h 6 16 5E; dyvoeiv éambv Kai (‘i pf] ng oiSe éoédzew Kai oieceat
weiser—alser,weiliehvendiesem
wiederholt diese Erfalu'ung zuerst an Politikern u. Rednern, Hier verstehen wir nun auch die Polemik gegen die Sophi-
7-5 dann an Dichtern u. Ki‘mstlern. Er erkennt 6n of) oo¢pia nouoTev 7-5
sten: das war eine kiihne Stellung eines Einzelnen. Uber die So~
6. notoiev, ISLAM (pl'JO'eL 'ctvi Kai évBovdeoweg, (Bonep oi 920- phisten hat Grote im 67. Capitel aufgeklirt (4. Bd. M.) Nach den
pdvretg Kai oi xpncucpiioi. Kai yap 06101 kéyouot uév mud gewéhnlichen Begriffen sind sie eine Sekte: nach ihrn eine Klasse,
Kai mm, {cast at oéBév 63v Aéyouct. Sodann merkt er daB sie ein Stand. N. d. gew. Ansicht verbreiten sie demoralisirende Leh—
wegen ihrer Dichtungen glauben auch in anderer Beziehung zu ren, ,sophistische Grundsiitze“. Nach G. waren sie die regelmi-
5 0 den weisesten Menschen zu gehéren. Nun geht er zu den Hand— 3 0 Bigen Sittenlehrer, weder iiber noch unter dem Niveau der Zeit.
werkern: mit mehr Befriedigung. Diese wissen mehr als er u. sind Nach der gewéhnl. Ans. waren Plato u. seine Nachfolger die
weiser als er. Nur leiden sie auch am Hauptirrthum: well ieder in autorisirten Lehrer, die etablirte Clerisei der griech. Nation —
seinem Geschiifte gut unterrichtet ist, glaubt er auch in anderer u. die Sophisten die Andersdenkenden. Nach Grote waren die
Beziehung weise zu sein. Dieser lrrthum wog ihre Fertigkeiten Sophisten der Klerus und Plato die Andersdenkenden — der So-
3 5 8 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 35 9

cialist, welcher die Sophisten angriff (wie er die Dichter u. Staats- u. Plebejischen. ZeugniE des Spintharos (frag. 28 Aristox. bei
ménner angriff), nicht als eine besondere Sekte, sondern als einen Miiller) 61:1 01’) nolkoig afrrég 'ys nleavmrépmg éwstoxnx®g
der bestehenden Stinde der Gesellschaft. Fiir die ungebildete sin. Towu'rrnv eivai If“! 176 (pmth Kai to orbital Kai w émcpawé-
Masse fiel Sokrates mit den Sophisten zusammen: die ganz naive nevov 7190:; Kai npég midi t8 wig simpévotg thv 101') eiBoug
Sitte brancht iiberhaupt keine Lehrer, fiir diese war der hohere e.} iété‘mm. W0 ihm eine Disposition entgegenkam, da entstand
Lehrer anstogig. Da reichte die Tragodie u. die Komédie aus: eine wahre Bezauberung, ein Gefijhl als ob man ein Sklave sei
das ist der Standpunkt des Aristophanes. Er entwirfr in Sokrates (Mem. IV 2.. Pl. Symp. c. 39), querste Besch'a‘mung, und dann,
das Bild des Aufkléirers: Ziige der Sophisten u. des Anaxagoras als Folge, ein Schwangersein von guten Gedanken. Die umsu-
sind auf ihn iibertragen. — Aber sie unterscheiden sich dadurch, nm‘] téxvn bei dem Gebéren zu unterstiitzen u. den Ankomm-
I O
dafs’ die Sophisten vollkomrnen den Bediirfnissen entsprechen, 1 0 ling genau zu priifen u. ihn, wean er verkriippelt ist, mit der
daB sie leisten, was sie versprechen: dagegen konnte niemand Hérte einer lykurgischen Amine wegzuwerfen.
sagen, warum Sokrates lehre, er selbst ausgenommen. Wohin er Dagegen hatte sich eine ungeheure Feindschaft allmz'ihlich an-
kam, da erzeugte er das Gefiihl von dna9ia, er erbitterte die g e h i i u f t - z a h l r e i c h e p e r s o n l i c h e F e i n d e , Vi t e r d i e i h r e r S o h n e
Menschen u. machte sie nach dem Wissen gieri. Man f‘ u A‘:.' Iigr.‘l " ' 'ul I;'I 01.! o
1 5 etwas wie von der Beriihrung eines Zitteraals. Er bereitet eigent— 1 5 in der Apol. Socr. p. 23 A sagt Kai 1001’ éoriv 43 épé aip1'1051,
lich nur die Belehrung vor, indem er das Zeitalter von seiner édvnsp aipi‘] — of) Mélntog 065%. ~Avutoq all’ 1% tdw 7:03.)»th
duaBia zu iiberfijhren sucht. Der gauze Strom des Wissens wird StuBoM‘i Kai cpeévog. Der hohe Stand jener ihm Feindseligen
auf diese von ihm gelehrte Balm gelenkt: die von ihm aufgewor- m a c h t e n o c h g r o B e r e G e f a h r. D i e e r s t a u n l i c h e L i b e r a l i t é i t A t h e n s
fene Kluft verschlingt alle die von den iilteren Philosophen her— u. seiner Dernokratie, eine solche Mission so lange zu dulden!
2 . 0
kornmenden Stromungen. Es ist merkwiirdig zu sehn, wie alles 2 . 0 Freiheit der Rede wurde dort heilig gehalten. Die Untersuchung
allméhlich in dieselbe Bahn einmiindet Er hagte alle vorléiufi- u. der Tod des Sokrates beweist wenig gegen diesen allgemeinen
gen Ausfiillungen dieser Kluft. Sarz. Anytos war seines Sohnes wegen erbittert, sodann weil er
Und deshalb haBte er die naiven Vertreter der Bildung u. Wis- Sokrates als Erzieher des Alcibiades u. des Critias betrachtete.
'l I. I‘ III '-.:-_-g»v.= ,_..=. a“;
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.A

1 5 einer pavia ist, so sind die Lehrer einer solchen eingebildeten 7-5 A n y t o s ) l e h r t e j u n g e L e u t e d i e b e s t e h e n d e p o l i t i s c h e Ve r f a s s u n g
Weisheit gleichsam Wahnsinnigmachende. Im Kampf mit ihnen verachten (als Beispiel der riuberischeste der 30 u. der Schimpf
war er am unerrniidlichsten. Hier hatte er die volle griechische der Demokratie Alkibiades). Dann leme die jugend Diinkel iiber
Bildung gegen sich: héchst merkwiirdig, wie er ihr gegeniiber i h r e e i g n e We i s h e i t u . d e n G e b r a u c h d i e V é t e r z u b e l e i d i g e n .
doch nie den Eindruck eines Pedanten macht. Seine Mittel sind Dann pflege S. Stellen aus den besten Dichtern schédlich auszule—
3 0 einmal die Ironie in der Rolle eines Lemenden u. Fragenden, ein 3 0 g e n . D a n n d i e E i n f i i h r u n g n e u e r G o t t h e i t e n 11 . d i e Ve r n a c h l é ' s s r
allméihlich kunstvoll ausgebildetes Kunstmittel. Dann die indi- gung der alten (doéBeta, wie bei Anaxagoras) (Das warnende
rekte mit Umschweifen verbundene Weise, [nit dramatischem In— Déimonion) S. hat, wie Xenophon Mem. IV 8, 4 berichtet, von
teresse, dann eine hochsr einnehmende Stimme, endlich das Ex- v o r n h e r e i n a n s e i n e Ve r u r t h e i l u n g g e g l a u b t , s i c h n i c h t v o r b e r e i -
centrische seiner silenischen Physiognomie. Selbst seine Aus— tet (durch das 5111p. verhindert). Er glaubte némlich, es sei der
3 5 drucksweise hatte einen Beigeschmack des anreizend-Hilglichen 3 5 rechte Zeitpunkt fiir ihn zu sterben; wenn er linger lebe, so
360 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n Die vorplatonischen Philosophen 361

werde sein Alter ihm seine gewohnte Lebensweise unméglich erreicht: spiter werde ich die sokratischen Schulen in ihrer Be-
m a c h e n ; s o d a n n d e r G l a u b e , d u t c h e i n e n s o l e h e n To d e i n e e i n - deutung fiir das hellenjsche Leben besprechen.
drucksvolle Lehre zu geben. So muB man seine groEanige Ver—
t h e i d i g u n g s r e d e b e t r a c h t e n : e r s p r i c h t v o r d e r N a c h w e l t . Wi e Nachtréige: zu Parmenides die eigene bildreiche Schilderung sei—
merkwiirdig die ganz geringe Maioritéit, mit der er verurtheilt ner Genesis vgl. Rhein. Mus. IXX 513 zu Sokrates
wurde! Bei 5 57 Personen etwa 6—7 fiber die Hilfte! Wahrschein— Lichtenberg I 6 5.
lich empfanden sie vor allem den Stachel der Beleidigung des Imperative: zu Thales: genaue Beobachtung der Thatsachen zu
Gerichtshofs. Mem. IV 4 sagt Xenoph. ausdrijcklich ,,obgleich Anaximander: das Metaphysische in jedem hand-
er leicht von den Dikasten losgelassen sein wiirde, wenn er etwas greifl. Phénomen.
I O derartiges nur méiigig getan hitte.“ Sokrates hat absichtlich jenen zu Anaxagoras. Das Unendlich Kleine. Mangel jedes
Spruch iiber sich gebracht. — Die auferlegte Strafe wurde nun festen MaaEes.
durch einen besonderen Spruch der Dikasten bestimmt: der An- Lichtenberg I 58. 52.
kléger nennt die ihm angemesscne Strafe zuerst: hier nimmr er
Wire es undenkbar daB die organische Welt mit dem Menschen
e i n e n n o c h s t o l z e r e n To n a n u . e m p f i e h l t S p e i s u n g i m P r y t a -
angefangen habe und dag ills IVIET'ISCDEH 11113315, HUS It“?! e"
15 neion. Als Geldstrafe nennt er eine NIine, Plato u. seine Freunde .
. .. . .. r . Pilanzen geworden smd?
empfehlen 3o Mmen u. verburgen ste. Harte er nut diese 3o, ‘
ohne weitere Beleidigungen, vorgeschlagen, er wé're freigespro- Quellen des Laertius u. des Suidas ‘
Chen. Aber der Gerichtshof fijhlte sich tief verletzt. Sokrates Die Pseudcpigraphie ‘
w u B t e , w a s e r t h a t e r w o l l t e d e n To d . E r h a t t e d i e h e r r l i c h s t e D i e 5 m 8 0 1 a i .
z o G e l e g e n h e i t s e i n U b e r g e w i c h t f i b e r m e n s c h l i c h e F u r c h t u . D i e C h r o n o l o g i e n a c h A p o l l o d o r.
S c h w a c h h e i t z u z e i g e n u . a u c h d i e Wi i r d e s e i n e r g é t t l i c h e n M i s -
sion. Grote sagt, der Tod nahm ihn in voller GroBartigkeit u. “magmas
Glorie hinweg,
Instinkte
wie die Sonne
sinWbermnden: die
der Tropenléinder
geisnge Hemgkeit
untergeht.
regiert
Die
das
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2 . 5 b e n u . w é h l t d e n To d ; a l l c M o r a l s y s t e m e d e s A l t e r t h u m s b e m i i - 3 0 1 8 O d e r 7 1 0 7 - [ 5 0 0 g e b o m n ] 4 8
hen sich, die Héhe dieser That zu erreichen oder zu begreifen. 01- 84 mm (440)
Sokrates als Beschwérer der Todesfurcht ist der letzte Typus des dann geboren Ol. 74 (480) nach Apollodor
Weisen, den wir kennen lemen: der Weise als der Besieger der gestorben 01. 102. Oder 101 (410 ?)
Instinkte durch ooq>iu. Damit is: die Reihe von originalen und Wo h e r d i e E i n t h e i l u n g i n ( p m . i m v m f ] u . ' I t a h m ’ ] ?
3 o typisehen coqmi erschépft man denke an Heraclit, Parmenides, Ende Chrysipp Epicur Kleitomachus Theophrast.
Empedocles Demokrit Socrates. Jetzt kommt ein neues Zeitalter Laert. II 2. dKudoavtd 1”] “612.1610. 1(qu Hokmcpdm gegen
der 6000i, mit Plato anhebend, die complicirteren Charaktere, Bergk c. 48—50
aus der Vereinigung der Stréme, die von den originalen u. cinsei— Die Schijlerverhéltnisse bei Simplcius sind nicht nach Theo—
tigen cocpoi herstrémen, gebildet. So ist fiir diesmal mein Ziel phrast.
362 Vo r l e s u n g s a u f z e i c h n u n g e n

das einzige Positive, Parmen. (ixofmut Anax., steht nicht darin.


Vo r s i c h t i g s a g : T h e o p h r a s t v o n P a r m .
toétcp 5’é1n'yav6usvog
nach ihm lebend.
Empedocles als
nlno'lamf]; des Parmcn. ist Unsinn.
Parm. bliiht 01. 69/01. 77. wird abet erst Emped. geboren. Das
Rechte steht La. VIH 5 5 némlich ein CnMnf];

Geschichte der griechischen Beredsamkeit.

[WS 1871-1873]