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ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT

FÜR UMWELT UND TECHNIK

Österreichische Post AG · Sponsoring.Post · Benachrichtigungspostamt 1020 Wien · GZ 02Z034088 S ÖGUT-NEWS 3/2004


ÖGUT-NEWS 1/2005

Die Zukunft gemeinsam gestalten


Österreichische Post AG · Sponsoring.Post · Benachrichtigungspostamt 1020 Wien · GZ 02Z034088 S

Das Handbuch
Öffentlichkeits -
beteiligung

In Zusammenarbeit mit:
Österreichische Gesellschaft
für Umwelt und Technik

Das Handbuch
Öffentlichkeitsbeteiligung
Die Zukunft gemeinsam gestalten

AutorInnen

Kerstin Arbter Büro Arbter


Martina Handler ÖGUT
Elisabeth Purker ÖGUT
Georg Tappeiner Ökologie Institut
Rita Trattnigg Lebensministerium

Impressum:

ÖGUT-News 01/2005
Medieninhaber und Herausgeber:
Österreichische Gesellschaft für Umwelt
und Technik (ÖGUT),
Hollandstraße 10/46, 1020 Wien und
Bundesministerium für Land- und Forst-
wirtschaft, Umwelt und Wasserwirt-
schaft (Lebensministerium),
Stubenbastei 5, 1010 Wien

Projektkoordination Auftraggeber:
Rita Trattnigg, Lebensministerium
Projektleitung: Martina Handler, ÖGUT
Redaktionelle Bearbeitung: Anita Zieher
Gestaltung: A BISS Z PRODUCTIONS,
1090 Wien
Cartoons: Klaus Pitter, 1170 Wien
Druck: just-print-it, 4020 Linz

Copyright:
Bundesministerium für Land- und Forstwirt-
schaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und
Österreichische Gesellschaft für Wien, Jänner 2005
Umwelt und Technik (ÖGUT) 1. Auflage
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Vorwort
Vorwort

Die Öffentlichkeit bei Entscheidungen einzubeziehen, die sie betreffen, ist eine
wichtige Voraussetzung für eine zukunftsfähige Entwicklung und Kernelement
eines modernen Politikverständnisses. Um die Zukunft gemeinsam zu gestalten,
bedarf es der Mitwirkung aller gesellschaftlichen Kräfte: Der Bürgerinnen und
Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und NGOs ebenso wie
der Politik und Verwaltung. Aktives Engagement ist das Fundament für die
Zukunftsfähigkeit unserer Lebensräume.

Dieses Handbuch zeigt, dass verstärkte Öffentlichkeitsbeteiligung vielfachen Nut-


zen bringt – eine höhere Akzeptanz von Entscheidungen, ausgewogenere Lösun-
gen, bessere Entscheidungsqualität, weniger Konflikte und mehr Identifikation der
Bevölkerung mit ihrem Lebensumfeld. Damit entsteht letztlich auch ein größeres
Vertrauen in Entscheidungen und die Politik.

Wenn Betroffene zu Beteiligten werden, können Vorhaben und Projekte wie bei-
spielsweise die nachhaltige Entwicklung von Flusslandschaften, der Ausbau des
Straßen- und Schienennetzes oder innovative Entwicklungs- und Mobilitätskonzep-
te für den ländlichen Raum gelingen und umgesetzt werden. Dabei ist die Balance
entscheidend: Nur der Ausgleich von verschiedenen Interessen und Ansprüchen
kann langfristig zu einer gesunden und lebenswerten Umwelt, wirtschaftlichem
Erfolg und Wohlstand und sozialem Zusammenhalt in der Gesellschaft führen.

Aktuelle Vereinbarungen und Konzepte auf österreichischer und EU-Ebene wie die
Aarhus Konvention, das EU-Weißbuch „Europäisches Regieren“, diverse EU-Richt-
linien und die Österreichische Strategie zur Nachhaltigen Entwicklung setzen auf
die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger und Vertreterinnen und Vertreter
verschiedener Interessen. Damit alle Beteiligten davon profitieren, braucht es
jedoch geeignete Rahmenbedingungen und Qualitätskriterien. Dazu finden Sie in
diesem Handbuch in Form von Check-Listen viele nützliche Anregungen und
Empfehlungen.

Die zahlreichen guten Beispielen aus ganz Österreich – vom Mediationsverfahren


im Naturschutzgebiet über die Gemeinde- und Regionalentwicklung bis hin zum
Integrationsleitbild – zeigen sehr eindrucksvoll die Vielfalt der Anwendungsberei-
che und dass Öffentlichkeitsbeteiligung bereits an vielen Orten gelebt wird.

Das vorliegende Handbuch soll einen Einblick geben, Informationen bereitstellen


und Lust auf die Mitgestaltung unserer Lebensräume machen.Wir möchten Sie
damit auf Ihrem Weg zu einer aktiven Öffentlichkeitsbeteiligung unterstützen.

Ihr Umweltminister
Josef Pröll

2
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Geleitwort
Geleitwort

Unterschiedliche Interessen zusammenführen,


gemeinsam neue Lösungen entwickeln

Es war die Gründungsidee der ÖGUT, Interessensgegensätze zu überwinden


und gemeinsam mit VertreterInnen von Umweltorganisationen,Wirtschaft und
Verwaltung neue und konsensuale Lösungen zu entwickeln.Was vor dem Hin-
tergrund des Konfliktes um das Kraftwerk Hainburg als nahezu unlösbare Auf-
gabe galt, ist heute in vielen Bereichen gelebte Realität.

Mit dem Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung steht ein praxisorientierter


Wegweiser zur Verfügung, der Ihnen einen Überblick darüber bietet, was
Öffentlichkeitsbeteiligung ist und wie sie gelingt. Eine Vielzahl von Beispielen
aus der Praxis zeigt, wie durch die Beteiligung von BürgerInnen sowie weiterer
AkteurInnengruppen konstruktive und vor allem tragfähige Lösungen gefunden
werden können. Sie finden im Handbuch Beispiele aus sehr heterogenen
Anwendungsbereichen und unterschiedlicher Beteiligungstiefe, da es vordring-
liches Ziel war, die bestehende Vielfalt an Beteiligungsprozessen zu zeigen.

Das vorliegende Handbuch ist ein wichtiger Meilenstein der ÖGUT gemein-
sam mit dem Lebensministerium und weiteren ÖGUT-Mitgliedern auf dem
Weg, die Idee von Beteiligung und konsensualer Konfliktlösung sowie das
Wissen darüber in Österreich stärker zu verankern. Es setzt unsere
vielfältigen Aktivitäten zum Thema Partizipation erfolgreich fort, wobei ich vor
allem das Handbuch Umweltmediation und die Einrichtung der Website
www.partizipation.at, auf der Sie eine Fülle von Informationen zum Thema und
Beispiele partizipativer Prozesse finden, hervorheben möchte.

Das Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung entstand in Zusammenarbeit mit den


ExpertInnen aus der ÖGUT-Strategiegruppe Partizipation. Ihnen, sowie den
AutorInnen und jenen Beteiligten, die uns bei den Recherchen zu den Fallbei-
spielen unterstützt haben, möchte ich ganz herzlich für ihre wertvollen Beiträ-
ge danken.Weiters gilt mein Dank dem Lebensministerium – besonders Rita
Trattnigg – und den Sponsoren des Handbuchs. Ohne die genannten Personen
und Institutionen wäre die Erstellung des Handbuches in dieser Form nicht
möglich gewesen.

Ich hoffe, dass Sie das Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung motiviert und


unterstützt, Beteiligungsprozesse ins Leben zu rufen, erfolgreich durchzuführen
und sich an der Gestaltung unseres gemeinsamen Lebensraumes zu beteiligen.
Denn nur gemeinsam getragene Lösungen sind Lösungen im Sinne einer
nachhaltigen Entwicklung Österreichs.

Herbert Greisberger
Generalsekretär

3
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Inhalt
Inhalt

Sich beteiligen heißt die Zukunft mitgestalten 5

Öffentlichkeitsbeteiligung – was ist das? 6

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt 14

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung gelingt 18

Praxisbeispiele aus Österreich 22

• Skaterpark Am Schöpfwerk,Wien.............................................................................................................. 23
• Mediationsverfahren Natura 2000 Verwall im Montafon...................................................................... 24
• Leitbildentwicklung für die Flusslandschaft der Möll............................................................................. 26
• Lebenswert Wohnen – Schwerpunkt im Rahmen des Grazer EU-LIFE Projektes G.O.A.L. ....... 28
• Planungszelle Obere Neutorgasse, Graz .................................................................................................. 30
• Jugenddeklaration zur Nachhaltigen Entwicklung der Bodenseeregion ............................................ 32
• Lokaler Aktionsplan für Beschäftigung und Bildung (LABB) Munderfing .......................................... 34
• Regionalcluster Hartberg – Entwicklung eines regionalen Wirtschaftsraumes............................... 36
• „Nachhaltige Verwaltung“ Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf/Krems............................................... 38
• Gemeinden mobil – Nachhaltige Mobilität – Mikronetzwerk Rheintal............................................. 40
• Lokale Agenda 21 Alsergrund – Verkehrsberuhigung im Grätzel Himmelpfortgrund,Wien ........ 42
• Offener Planungsprozess für die 2.Tunnelröhre der A10 Tauernautobahn...................................... 43
• Strategische Umweltprüfung (SUP) zum Wiener Abfallwirtschaftsplan ............................................ 44
• Verschiedene Herkunft – Gemeinsame Zukunft – „Integrationsleitbild der Stadt Krems“.......... 46

Öffentlichkeitsbeteiligung – auch eine Zukunftsaufgabe 47

Praxismaterial 50
• Nutzen der Öffentlichkeitsbeteiligung – Argumente für verschiedene AkteurInnengruppen ....... 50
• Initiierung von Beteiligungsprozessen – Checkliste................................................................................ 53
• Vorbereitung von Beteiligungsprozessen – Checkliste.......................................................................... 54
• Durchführung von Beteiligungsprozessen – Checkliste........................................................................ 55
• Öffentlichkeitsarbeit in Beteiligungsprozessen – Checkliste .............................................................. 56
• Finanzierung von Beteiligungsprozessen –
Übersicht über regionale, nationale und EU-Förderungen .................................................................. 57

Methoden 58

Glossar 62

Literatur, Internet-Adressen 63

AutorInnenverzeichnis, Dank 64

4
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Einleitung
Sich beteiligen heißt
die Zukunft mitgestalten

Immer mehr Menschen wollen bei der Gestaltung ihres Lebensumfeldes wie etwa ihres
Stadtviertels, ihrer Gemeinde oder Region mitreden. Sie wollen mitbestimmen, wenn
es um zukünftige Entwicklungen und damit um ihre Lebensqualität geht. Auch viele
EntscheidungsträgerInnen aus Politik und Verwaltung sehen den Nutzen des Austausches
und der Zusammenarbeit mit interessierten BürgerInnen immer deutlicher.

Vielleicht ist Ihnen die eine oder Die Beteiligung unterschiedlicher


andere Situation vertraut: gesellschaftlicher AkteurInnen
(Glossar) – BürgerInnen, Interes-
 Als BürgerIn wurden Sie eingela- senvertreterInnen, UnternehmerIn-
den, an einem Beteiligungsprozess nen, PolitikerInnen,VertreterInnen
(Glossar) teil zu nehmen. Oder der Verwaltung – an einer Planung
Sie fragen sich, wie Sie selbst aktiv bedeutet eine Vervielfachung der
werden und Ihre Ideen bei Projek- Ideen und des Wissens. Je mehr Men-
ten einbringen können. schen zusammenkommen, umso mehr
Sichtweisen und Vorschläge werden
 An Sie als PolitikerIn wurde von eingebracht und diskutiert. So können
BürgerInnen der Wunsch herange- umfassende, den vielfältigen Interes-
tragen, eigene Ideen zu einem Vor- sen entsprechende Lösungen ent-
haben beitragen zu können. Oder wickelt werden. Öffentlichkeitsbeteili-
Sie möchten die BürgerInnen Ihrer gung bei der Entscheidungsfindung
Gemeinde an einem Entwicklungs- kann sowohl die Qualität von Projek-
prozess beteiligen. ten oder Beschlüssen als auch ihre
Akzeptanz erhöhen.
 Als VertreterIn der Verwal-
tung sind Sie sowohl von Seiten Dieses Handbuch informiert Sie, wie
der Politik als auch von BürgerIn- Sie sich an der Gestaltung des ge-
nen mit dem Anliegen konfron- meinsamen Lebensraumes wie auch
tiert, Interessierte in die Entwick- an Entscheidungen über gesellschaft-
lung oder in die Durchführung lich wichtige Fragen aktiv beteiligen
eines Projektes einzubeziehen. können.

 Als UnternehmerIn wollen Sie Sie erfahren


Ihre Aktivitäten ausweiten. Sie  was Öffentlichkeitsbeteiligung
möchten Ihr Projekt mit einer bedeutet,
möglichst breiten Akzeptanz  wie Beteiligungsprozesse ablaufen
durchführen und deshalb in Dialog können,
mit den Betroffenen (Glossar)  welche Rahmenbedingungen und
treten. Qualitätskriterien für ein Gelingen
nötig sind
 Als VertreterIn einer Inter- und Sie lernen anhand ausgewählter
essengruppe ist es Ihr Wunsch, Fallbeispiele die Vielfalt der Öffent-
die Interessen derer, die Sie ver- lichkeitsbeteiligung in der Praxis
treten, bestmöglich in Entschei- kennen.
dungsprozesse einzubringen.

5
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Öffentlichkeitsbeteiligung –
was ist das?

Eine neue Straße wird geplant, ein regionales Tourismuskonzept entworfen,


Basiswissen

eine Industrieanlage soll erweitert werden – es gibt viele Beispiele für Vorhaben,
die Auswirkungen auf unsere Lebenswelt haben.

BürgerInnen, UnternehmerInnen und darüber hinaus als BürgerIn oder als


InteressenvertreterInnen wollen vor VertreterIn einer Interessengruppe bei
(politischen) Entscheidungen, die sie Planungen und Entwicklungen im
betreffen, umfassend informiert wer- öffentlichen Bereich zu engagieren,
den. Oder sie wollen bei Entwicklungen wird heute zunehmend als sinnvolle
mitreden, sich aktiv in aktuelle Projekte Ergänzung gesehen, eingefordert und
einbringen und wenn möglich auch mit- gefördert.
entscheiden. All das ist mit Beteiligung
gemeint. Beteiligen sich BürgerInnen als Einzel-
personen oder BürgerInneninitiativen
Beteiligung ist ein Grundprinzip der an einem Vorhaben, um ihre Interessen
Demokratie. Auch die Teilnahme an als Privatpersonen oder als Gruppe
Wahlen, an Volksabstimmungen und von Privatpersonen einzubringen, so
Volksbefragungen und die Unterstüt- sprechen wir von „BürgerInnen-
zung von Volksbegehren sind Formen beteiligung“. Der Begriff der
der Beteiligung. Die Möglichkeit, sich „Öffentlichkeitsbeteiligung“
bezeichnet die Einbindung verschiede-
ner AkteurInnengruppen in einen
Beteiligungsprozess – einzelne Bürger-
BürgerInnenbeteiligung Innen und BürgerInneninitiativen eben-
so wie VertreterInnen von Interessen-
gruppen wie etwa Umweltorganisatio-
nen, Jugendvereine oder Kammern, die
Einzel- BürgerInnen- stellvertretend die Anliegen ihrer
personen initiativen Gruppe einbringen. Diese Interessen-
vertreterInnen werden als „organisier-
te Öffentlichkeit“ bezeichnet. Nach
Interessengruppen Möglichkeit soll ein Beteiligungsprozess
(Vereine, Kammern, Verbände etc.) allen Betroffenen und Interessierten,
also einer „breiten Öffentlichkeit“
offen stehen. Bei manchen Beteiligungs-
Organisierte Öffentlichkeit
verfahren ist das allerdings nicht sinn-
voll oder machbar, weil die Gruppe auf-
Beteiligung von grund der Größe in ihrer Arbeitsfähig-
BürgerInnen und -initiativen keit beeinträchtigt wäre. Dann ist es
+ Interessengruppen die Aufgabe der „organisierten Öffent-
= Öffentlichkeitsbeteiligung lichkeit“, die Interessen aller Betroffe-
nen zu vertreten.

6
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Anwendungsfelder der
Öffentlichkeitsbeteiligung

Was sind mögliche Anwendungsfelder für Beteiligungsprozesse?  Kapitel

Basiswissen
Bei welchen Aufgabenstellungen ist Öffentlichkeitsbeteiligung möglich? Praxisbeispiele
Die Antwort lautet: fast überall! Das zeigt die folgende Übersicht mit einigen S. 22 ff.
Praxisbeispielen aus Österreich.

Verkehr und Mobilität Innerbetriebliche Naturraum


• Gemeinden Mobil – Gemeinde- Partizipation • Mediation zur Nutzung eines
übergreifendes Mobilitätskonzept • „Nachhaltige Verwaltung“ – Inner- Natura-2000-Gebietes im
im Rheintal (S. 40) betrieblicher Entwicklungsprozess Montafon (S. 24)
• Offener Planungsprozess für die der Bezirkshauptmannschaft • Beteiligungsverfahren zum Schutz
2. Tunnelröhre der A10-Tauern- Kirchdorf/Krems (S. 38) der biologischen Vielfalt im Stadt-
autobahn (S. 43) • Mobilitätsmanagement in öster- wald Mödling
reichischen Betrieben unter Einbe- • Ozon-Konsensuskonferenz der
Abfallwirtschaft ziehung der MitarbeiterInnen zur Länder Wien, Niederösterreich
• Strategische Umweltprüfung zum Förderung umweltverträglicher und Burgenland
Wiener Abfallwirtschaftsplan Verkehrsmittel
(S. 44) Gestaltung und Nutzung von
• Mediationsverfahren zur Abfall- Gemeinwesenarbeit Plätzen und Grünräumen
verbrennung im Zementwerk • Entwicklung eines Leitbildes für die • Zukunftswerkstatt mit Mädchen
Leube in St. Leonhard Integration von MigrantInnen in zur Gestaltung des Odeonparks in
Krems (S. 46) Wien Leopoldstadt
Wasserwirtschaft • Lösung eines Konflikts zwischen • Planungszelle zur Neugestaltung
• Partizipative Erstellung des Fluss- Skatern und BewohnerInnen der der Neutorgasse in Graz (S. 30)
leitbilds für die Möll (S. 26) Wohnhausanlage „Am Schöpf-
• „Wasserzeichen“ – Projekt zur werk“ in Wien (S. 23) Wohnen und Wohnumfeld-
Renaturierung der Großen Mühl verbesserung
Regionalentwicklung • „GOAL – Gesund ohne Auto und
Energiewirtschaft • Regionalcluster Hartberg – Lärm“ – Wohnumfeldverbesserun-
• BürgerInnenversammlungen und Entwicklung eines regionalen Wirt- gen in drei Grazer Wohngebieten
Umweltstammtische zum Wind- schaftsraums (S. 36) (S. 28)
kraftprojekt in Oberzeiring • Regionale Agenda 21 Mühlviertler • Fokusgruppe zur Wohnhaussanie-
• Partizipative Erstellung des Alm rung im Rahmen des Programmes
Energiekonzeptes in Güssing „Haus der Zukunft“
Politische/Gesellschaftliche
Tourismus/Freizeit Entwicklungen Dorf- und Stadtentwicklung
• Entwicklung eines Tourismus- • Jugenddeklaration zur Nachhaltigen • Lokale Agenda 21 in Wien Alser-
konzeptes mit der Bevölkerung in Entwicklung der Bodenseeregion grund – Verkehrsberuhigung am
Hinterstoder (S. 32) Himmelpfortgrund (S. 42)
• Mediationsverfahren rund um die • Delphi-Verfahren zum Einholen • Lokaler Aktionsplan Beschäftigung
Errichtung eines Golfplatzes in Telfs von ExpertInnenmeinungen zur und Bildung – Munderfing (S. 34)
künftigen Technologieentwicklung
in Österreich
• Neosokratischer Dialog zu ethi-
schen Fragen der Transplantation  siehe auch
von Tierorganen in Menschen www.partizipation.at

7
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Einsatz der
Öffentlichkeitsbeteiligung

Ein Beteiligungsprozess kann auf unterschiedlichen Ebenen zum Einsatz kommen.


Basiswissen

Politiken und Rechtsakte  Auf der höchsten Entscheidungs-


Geben Ziele und grobe Entwicklungsrichtung vor, ebene, der Ebene der Politiken
meist abstrakt formuliert (Glossar) – etwa bei der Erarbei-
z. B.: Abfallwirtschaftsgesetz des Landes Wien tung von Strategien, Leitbildern,
strategischen Konzepten – und der
Pläne und Programme Rechtsakte, also bei Gesetzen und
Bündel verschiedenster Einzelmaßnahmen zur Erreichung Verordnungen,
eines Ziels, konkreter formuliert
z. B.: Wiener Abfallwirtschaftskonzept  bei Plänen und Programmen
und
Projekte
Detailliert geplante oder  bei konkreten Projekten.
beschriebene Einzelmaßnahmen
z. B.: Dritte Wiener Müllverbrennungsanlage

Um Missverständ-
nissen vorzubeugen:
Ein Beteiligungs-
prozess ist KEIN
Gerichtsverfahren!

8
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Stufen der
Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie weit reichend die Beteiligungsmöglichkeiten und -rechte in einem

Basiswissen
Beteiligungsprozess sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Einerseits bestimmt die Art des Ver-


fahrens – ob es sich also um ein for-
males oder informales Verfahren Mitbestimmung
(S. 10) handelt – oder die gewählte Arbeitsgruppe,
Methode, wie stark die Interessen Runder Tisch,
von BürgerInnen oder Interessen- Planungszelle,
Umweltmediation etc.
vertreterInnen einfließen können. Konsultation
Andererseits ist die Bereitschaft der Öffentliche Diskussionsveranstaltung,
EntscheidungsträgerInnen aus Politik, Befragung,
Verwaltung und Wirtschaft ausschlag- BürgerInnenversammlung,
gebend, inwieweit sie die Ideen von Stellungnahmen etc.
BürgerInnen in Planung und Entschei- Information
dung berücksichtigen. Aushang,
Wurfsendung,
Je nach gegebenen Rahmen- Informationsveranstaltung,
bedingungen Öffentliche Einsichtnahme etc.

 werden Betroffene und Interes-


sierte über das Vorhaben und
seine Auswirkungen informiert, gen der Betroffenen zu Vorschlä-
zum Beispiel durch eine Informa- gen, Plänen oder Entscheidungen
tionsveranstaltung oder durch das zu erhalten, die bei der Entschei-
Auflegen von Plänen zur Einsicht- dung zu berücksichtigen sind.
nahme. Ziel der informativen
Öffentlichkeitsbeteiligung ist  besteht auch die Möglichkeit, dass
es, der breiten Öffentlichkeit Pla- Betroffene und Interessierte bei
nungen oder Entscheidungen der Entwicklung des Vorhabens,
bekannt und verständlich zu seiner Ausführung und Umsetzung
machen, wobei diese kaum Mög- mitbestimmen, wie das zum Bei-
lichkeit hat, die Entscheidung zu spiel bei der Teilnahme an einem
beeinflussen. Runden Tisch oder bei einem
Mediationsverfahren der Fall ist.
 können BürgerInnen und Interes- Der Grad der Mitbestimmung
senvertreterInnen zu vorgelegten reicht von der gemeinsamen Ent-
Vorschlägen Stellung nehmen wicklung von Vorschlägen bis hin
sowie ihre Ideen und Vorschläge zu weitgehenden Entscheidungs-
einbringen, wie zum Beispiel bei rechten der beteiligten BürgerIn-
der Erstellung eines Flächenwid- nen.
mungsplans. Bei der konsultati-
ven Öffentlichkeitsbeteiligung
geht es also darum, Rückmeldun-

9
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Formale und informale


Öffentlichkeitsbeteiligung

Ist die Errichtung von Betriebsanlagen, Straßen oder Einkaufszentren u. a. geplant, so sind  Kapitel
Basiswissen

in fast allen Fällen behördliche Genehmigungsverfahren gesetzlich vorgeschrieben, in denen Methoden


auch die Beteiligungsrechte festgelegt sind. Soll hingegen ein Gemeindekonzept erstellt S. 58 ff.
werden oder über die Chancen und Risiken von Neuen Technologien diskutiert werden, gibt
es keine rechtlichen Vorgaben zur Durchführung des Beteiligungsprozesses.

Formale Verfahren sind verpflich- Informale Beteiligungsverfahren


tend durchzuführen.Wer sich beteiligt, sind nicht auf diese Weise geregelt und
wie weit reichend die Beteiligungsrech- können je nach Anlass unterschiedlich
te sind, wie das Verfahren abläuft und gestaltet sein. Sie basieren auf Freiwillig-
was mit den Ergebnissen geschieht, ist keit und dem Prinzip der gemeinsamen
gesetzlich geregelt. Die stärkste Positi- Aufgabenbearbeitung. Sie haben zum
on in einem formalen Verfahren ist die Ziel, Informationen zu sammeln, Mei-
Parteistellung (Glossar). Als Partei nungen auszutauschen oder gemeinsam
haben Sie weit reichende Gestaltungs- eine Lösung zu finden und manchmal
möglichkeiten. Sie haben das Recht, auch, diese gemeinsam umzusetzen.
 alle verfügbaren Informationen zu Wer sich beteiligt, wie gearbeitet wird
Beispiel erhalten (Akteneinsicht), und welche Spielregeln dabei gelten,
Formales Verfahren  eine Stellungnahme abzugeben, die wird im Vorfeld festgelegt oder von den
Start des erörtert werden muss, Mitwirkenden selbst bestimmt. Die
UVP-Verfahrens
 einen Antrag zu stellen, um bei- Methoden informaler Beteiligung sind
spielsweise ein weiteres Gutachten vielfältig und flexibel, Beispiele dafür
Informaler Prozess einzufordern, sind Runder Tisch, Lokale Agenda 21
Umweltmediation
 Entscheidungen zu beeinspruchen (Glossar), Mediationsverfahren u. a.
oder vor übergeordneten Instanzen Die Verbindlichkeit der in informalen
Formales Verfahren anzufechten. Prozessen erarbeiteten Lösungen hängt
Wiederaufnahme des
UVP-Verfahrens von der Vereinbarung über den Umgang
Zu den formalen Verfahren zählen mit den Ergebnissen ab. Die Ergebnisse
Genehmigungsverfahren, wie Umwelt- haben in der Regel empfehlenden Cha-
verträglichkeitsprüfungen (UVP-Verfah- rakter und dienen der Entscheidungs-
ren) oder Naturschutzverfahren für vorbereitung für Gremien wie den
Betriebsanlagen oder Wasserbaupro- Gemeinderat. Sie können aber auch
jekte, ebenso wie Planungsverfahren durch einen Gemeinderatsbeschluss
zur Erstellung von Flächenwidmungs- Verbindlichkeit erlangen.
plänen oder Regionalprogrammen. Am Formale und informale Verfahren sind
Ende eines formalen Verfahrens liegt oft verschränkt (siehe Grafik). So be-
eine behördliche (z. B. ein Bescheid) steht laut UVP-Gesetz die Möglichkeit,
und/oder eine politische Entscheidung ein UVP-Verfahren auf Antrag der Pro-
(z. B. Gemeinderatsbeschluss) vor. jektwerberIn durch eine Mediation, ein
informales Verfahren, zu unterbrechen.
Das Ergebnis der Mediation – oft in
Form eines zivilrechtlichen Vertrags ver-
bindlich verankert – kann in das wieder
aufgenommene Genehmigungsverfahren
übernommen werden.

10
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Nutzen und Grenzen


der Öffentlichkeitsbeteiligung

Beteiligungsprozesse können für alle Beteiligten von großem Nutzen sein.

Basiswissen
Sie sind aber keine Wundermittel, die Sie immer und überall zur Problemlösung
einsetzen können.

Nutzen der Öffentlichkeits- Als BürgerIn profitieren Sie davon,  Praxisteil


beteiligung im Beteiligungsverfahren Ihre Ideen, Argumente
Meinungen und Vorstellungen zu Nutzen
Ein Beteiligungsprozess führt Perso- einem Thema oder zu einem Vorha- S. 50 ff.
nen mit unterschiedlichen Interessen, ben einbringen zu können. Zudem
Meinungen und Ideen zusammen, die sind Sie über sämtliche Aspekte des
möglicherweise nicht miteinander in Vorhabens besser und aktueller in-
Beziehung getreten wären. Unter- formiert als Außenstehende und
schiedliche Sichtweisen, Bedürfnisse gewinnen Einsicht in Entscheidungs-
und Erfahrungen werden ausge- prozesse.
tauscht, wodurch umfangreicheres
Wissen über die verschiedenen Als PolitikerIn erhalten Sie durch
Facetten des Vorhabens entsteht. Spä- Beteiligungsverfahren besseren Ein-
tere Entscheidungen können darauf blick in die Bedürfnisse unterschiedli-
aufbauen und sind so besser vorbe- cher Bevölkerungsgruppen und kön-
reitet und abgesichert. nen die Kommunikation mit den Bür-
gerInnen verbessern. Beteiligungsver-
Wenn alle Interessierten die Möglich- fahren ermöglichen es, widerstreiten-
keit erhalten, an einem sie betreffen- de Interessen besser zu integrieren
den Vorhaben mitzuarbeiten, erhöht und fördern eine Kultur der Zusam-
das die Identifikation und die Zufrie- menarbeit und des Dialogs. Das wie-
denheit mit dem Ergebnis. Dadurch derum kann das Interesse an der
haben die in einem Beteiligungsver- Politik wecken und BürgerInnen zur
fahren erreichten Ergebnisse oft eine verstärkten Teilhabe ermutigen.
höhere Akzeptanz und eine längere
Haltbarkeit: Die Umsetzung erfolgt Für Sie als MitarbeiterIn der Ver-
rascher, es muss später weniger oft waltung können Beteiligungsverfah-
nachgebessert werden, wodurch wie- ren eine Entlastung bedeuten, weil das
derum Zeit und Geld gespart werden Projekt gemeinsam mit den Betroffe-
kann. Interessenskonflikte im Rahmen nen erörtert oder erarbeitet wurde
eines Beteiligungsprozesses zu behan- und Sie deshalb mit weniger Einsprü-
deln, kann auch dazu beitragen, dro- chen und nachträglichen Beschwerden
hende Rechtsstreitigkeiten abzuwen- rechnen können. Beteiligungsverfahren
den. leisten darüber hinaus einen wichtigen
Beitrag, das Vertrauen in die Verwal-
tung zu stärken.

11
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Nutzen und Grenzen von Öffentlichkeitsbeteiligung

Den Dialog mit betroffenen BürgerIn- Grenzen für Öffentlichkeits-


Basiswissen

nen zu suchen, kann Ihnen als Unter- beteiligung


nehmerIn helfen, Konflikte mit An-
rainerInnen zu entschärfen oder gar Beteiligungsprozesse können wesent-
nicht erst entstehen zu lassen. Die lich zu einer verbesserten, nachvoll-
Bereitschaft zum Gespräch fördert das ziehbaren Entscheidungsfindung bei
gegenseitige Verständnis und Vertrauen. Angelegenheiten von öffentlichem
Das kann in Genehmigungsverfahren Interesse beitragen. Aber sie haben
Berufungen vermeiden helfen und somit auch ihre Grenzen.
Kosten sparen.
Beteiligungsprozesse haben wenig
Für InteressenvertreterInnen bietet Aussicht auf Erfolg, wenn
sich durch die Teilnahme an einem Be-
teiligungsprozess die Möglichkeit, die  die Betroffenen nicht daran teilneh-
Interessen und Ideen der eigenen men wollen, weil sie beispielsweise
Gruppe bekannter zu machen und Angst haben, vereinnahmt zu wer-
deren Chance auf Umsetzung zu er- den, schlechte Erfahrungen mit
höhen. Die Auseinandersetzung mit Beteiligungsverfahren gemacht
anderen Positionen schärft das eigene haben oder andere Möglichkeiten
Profil und kann die Kompetenz für sehen, ihre Interessen besser durch-
zukünftige Interessensaushandlungen zusetzen.
stärken.
 die Unterstützung seitens der Ent-
Wenn Menschen mit unterschiedlichen scheidungsträgerInnen fehlt, etwa
Ideen und Vorstellungen, mit unter- weil die Politik oder die Verwaltung
schiedlichem beruflichen Hintergrund eine Einschränkung ihrer Entschei-
und unterschiedlicher Lebenserfahrung dungsmacht befürchtet.
zusammenkommen, treffen meist
gegensätzliche Ansichten aufeinander.  es keinen Handlungsspielraum gibt,
Deshalb erfordert Beteiligung auch weil die wesentlichen Entscheidun-
Zeit und die Bereitschaft, sich mit gen bereits gefallen sind.
anderen Meinungen auseinanderzu-
setzen und Diskussionen und Konflikte  soziale Ungleichheiten und unter-
auszutragen. In der Gegenüberstellung schiedliche Zugänge zu Beteiligungs-
verschiedener Standpunkte ergeben prozessen nicht ausgeglichen wer-
sich jedoch oft erst tiefere Einblicke in den können; wenn es beispielsweise
Problemstellungen und damit neue nicht gelingt, schwer erreichbare
Ideen zu deren Lösung. Scheuen Sie oder benachteiligte Gruppen (wie
also nicht die Auseinandersetzung, sie z. B. MigrantInnen) zu beteiligen.
bringt Sie einer gemeinsamen Lösung
näher!

12
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Rechtlicher und politischer Rahmen


der Öffentlichkeitsbeteiligung

Der Wunsch, Öffentlichkeitsbeteiligung stärker zu verankern und die Förderung einer

Basiswissen
Nachhaltigen Entwicklung (Glossar) stehen in einem engen Zusammenhang.

Internationale Dokumente wie die fassungsgesetz finden sich Bestim-


Rio-Deklaration, die Charta von Aal- mungen zu Beteiligungsrechten, wie
borg oder die Aarhus-Konvention z. B. zu direktdemokratischer Beteili-
markieren Meilensteine auf dem Weg gung durch Volksbegehren,Volksab-
zu einer Nachhaltigen Entwicklung stimmung und Volksbefragung.
und der Einbeziehung der Öffentlich- Welche rechtlichen Regelungen für
keit in Entscheidungsprozesse. Mitt- einen Beteiligungsprozess Geltung
lerweile haben die dort festgelegten haben, hängt vom konkreten Fall ab.
Ideen Eingang in Gesetze und Politi- Für erste Informationen kontaktieren
ken (Glossar) gefunden – sowohl Sie am besten die zuständigen Stellen
auf österreichischer als auch auf der Verwaltung oder wenden sich an
EU-Ebene. die Umweltanwaltschaft Ihres Bun-
deslandes.
Weitere Beispiele für österreichische
Gesetze, die Regelungen zu Öffent-
lichkeitsbeteiligung enthalten, sind die
Gewerbeordnung, das Wasserrechts-
gesetz oder die Raumordnungsgeset-
ze der Länder. Auch im Bundes-Ver-

Meilensteine in Richtung Nachhaltige Entwicklung und Öffentlichkeitsbeteiligung


Brundtland-Bericht 1987
Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, „die die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne zu riskieren, dass
zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können“. Daher muss sich Nachhaltige Entwicklung an den Prinzipien
orientieren: Bewahrung der Umwelt, wirtschaftliche Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und politische Beteiligung.
UN-Konferenz in Rio de Janeiro 1992
Beschluss der „Rio-Deklaration“ und der „Agenda 21“, des Arbeitsprogramms für das 21. Jahrhundert: Die umfassende Ein-
beziehung der Bevölkerung in politische Entscheidungsprozesse ist wichtige Voraussetzung für eine Nachhaltige Entwicklung.
Ein kommunales Handlungsprogramm, die „Lokalen Agenda 21“ (Glossar), wird formuliert.
Europäische Konferenz in Aalborg 1994
„Charta von Aalborg“: Die unterzeichnenden Städte und Gemeinden verpflichten sich u. a. zur Entwicklung langfristiger Aktions-
pläne für ihre Kommunen im Sinne der Lokalen Agenda 21 unter breiter Einbeziehung der Bevölkerung.
Aarhus-Konvention 1998
regelt den Zugang der Öffentlichkeit zu Informationen über die Umwelt, die Öffentlichkeitsbeteiligung bei bestimmten umwelt-
bezogenen Entscheidungen und den Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten.
Weißbuch „Europäisches Regieren“ 2001
definiert erstmals Grundsätze guter Regierungs- und Verwaltungsführung. Dazu gehört vor allem die Einbeziehung der Öffentlich-
keit in die Politikgestaltung und Entscheidungsfindung auf allen Ebenen der EU (national, lokal etc.).
Österreichische Strategie zur Nachhaltigen Entwicklung 2002
setzt auf eine Politik, die langfristig und ganzheitlich ausgerichtet ist und ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleicher-
maßen integriert.Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung werden als „Schlüssel“ zur Umsetzung der Strategie gesehen.
Aalborg +10 Konferenz 2004
Beschluss der so genannten „Aalborg Verpflichtungen“: Maßnahmen zur Sicherung der Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit von
Städten und Gemeinden in zehn Themenbereichen (u. a. Planung, Mobilität, Gesundheit, Good Governance).

13
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung
beginnt

Was sind nun die konkreten Schritte, um einen Beteiligungsprozess zu initiieren?

Die Initiative für einen Beteiligungs-  Politische EntscheidungsträgerInnen


prozess kann jede/r ergreifen: wollen gemeinsam mit den Bürger-
Innen ihrer Gemeinde ein zu-
 BürgerInnen schließen sich zusam- kunftsweisendes Leitbild zur Ge-
men, um Lärmschutzmaßnahmen meindeentwicklung erarbeiten.
beim neuen Autobahnzubringer
einzufordern.  Ein Projektwerber plant die Erwei-
terung einer Industrieanlage und
Durchführung

 Umweltorganisationen werden will die Rahmenbedingungen vorab


aktiv, um ein Naturschutz- und mit den AnrainerInnen regeln, um
Naherholungsgebiet zu erhalten. die Akzeptanz für das Projekt sicher
zu stellen und Konflikte und Verzö-
 MitarbeiterInnen der Verwaltung gerungen zu vermeiden.
erhalten den Auftrag, ein regionales
Verkehrskonzept auf breiter Basis
zu erstellen und die Zustimmung
der betroffenen Interessengruppen
dafür zu sichern.

14
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt

Informieren Sie sich  Informieren Sie als Projektwerbe-  Checkliste


und andere rIn, als politische Entscheidungs- Initiierung
trägerIn oder als MitarbeiterIn der S. 53
 Holen Sie umfassende Informatio- Verwaltung die Bevölkerung aktiv
nen über die Hintergründe und über ein Projekt bzw. über den
Begleitumstände ein. Gibt es Zugang zu Information. Wichtig
bereits Aktivitäten? Welche Forde- sind konkrete, anschauliche und
rungen, Ideen oder Anregungen allgemein verständliche Informa-
werden von Betroffenen vorge- tionen. Die ausgewogene Darstel-
bracht? Was sind die konkreten lung sowohl der Vorteile als auch
Anliegen und Konfliktbereiche? der möglichen Beeinträchtigungen

Durchführung
Recherchieren Sie in Zeitungen durch das Projekt ist ebenfalls
und im Internet und suchen Sie eine wichtige, vertrauensbildende
das Gespräch mit Personen aus Maßnahme.
Ihrer Gemeinde oder Ihrem
Umfeld. Sie können sich auch bei
BürgerInnenbüros, den Landesum- Klären Sie, ob die Voraus-
weltanwaltschaften oder im setzungen für einen formalen
Gemeindeamt erkundigen. Beteiligungsprozess gegeben
sind
 Wenn Sie als BürgerIn oder Ver-
treterIn einer Interessengruppe  Wenn an die Verwaltungsbehörden
noch Verbündete für eine Initiative ein Anliegen oder Projekt heran-
suchen, machen Sie Ihr Thema getragen wird, wird untersucht, ob
öffentlich: über Zeitungsartikel, Öffentlichkeitsbeteiligung ver-
Veranstaltungen, Plakate, Postwurf- pflichtend vorgesehen ist, bei-
sendungen, Flugzettel oder per- spielsweise in einem UVP-Verfah-
sönliche Gespräche. Gibt es zu ren, bei einer Strategischen Um-
Ihrem Thema noch keine Initiative weltprüfung (SUP Glossar), bei
und haben Sie vor, eine zu grün- einer Flächenwidmungsplanung
den, definieren Sie gemeinsam mit oder bei wasserwirtschaftlichen
anderen Interessierten Ihre Ziele Planungen.
und zwar möglichst konkret: Was
wollen Sie erreichen? Wie soll die  Erkundigen Sie sich als BürgerIn
Situation aussehen, nachdem der oder InteressenvertreterIn, wann
Beteiligungsprozess erfolgreich und in welcher Form Sie Einfluss-
verlaufen ist? Stellen Sie sich Ihre möglichkeiten haben, um keine
Ziele möglichst bildhaft vor, denn Fristen zu versäumen. Das können
Bilder sind ideale Zugpferde. Sie beispielsweise in Ihrem
Wichtig ist, dass Ihre Ziele realis- Gemeindeamt, bei den zuständigen
tisch sind. Sie können auch zwi- Verwaltungsbehörden oder bei
schen Zielen unterscheiden, die den Umweltanwaltschaften tun.
Sie unbedingt erreichen wollen
und solchen, bei denen Sie notfalls
auch Abstriche in Kauf nehmen.

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Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt


Durchführung

Wägen Sie den Nutzen eines Entwickeln Sie Ideen für den
informalen Beteiligungsprozesses Ablauf des Beteiligungsprozesses
ab
 Wenn Sie einen intensiveren Beteili-
 Überlegen Sie, ob die vorgesehenen gungsprozess durchführen möchten,
verpflichtenden Beteiligungsmöglich- überlegen Sie, wie ein solcher Pro-
keiten für die Umsetzung Ihres An- zess für Ihr spezielles Thema aus-
liegens oder Projektes ausreichen sehen könnte.
oder ob nicht ein intensiverer Be-
teiligungsprozess möglicherweise  Schreiben Sie Ihre Ideen nieder und
bessere und nachhaltige Ergebnisse formulieren Sie ein erstes Konzept.
bringt. Damit werden Ihre Ideen auch für
andere Personen nachvollziehbar,
 Ist formal keine Öffentlichkeitsbetei- die Sie von der Sinnhaftigkeit Ihres
ligung vorgesehen, wägen Sie den Vorhabens überzeugen wollen.
Nutzen eines informalen Beteili- Überlegen Sie dabei auch, welchen
gungsprozesses ab; insbesondere Nutzen ein Beteiligungsprozess für
wenn es sich um ein konfliktträchti- andere betroffene Gruppen, die
ges Thema handelt, Sie als Vertreter- politischen EntscheidungsträgerIn-
In der Politik oder Verwaltung mit nen oder die Verwaltung haben kann
der Bevölkerung neue Wege der und wo die Chancen und Risken
Zusammenarbeit suchen, eine liegen.
außergewöhnliche Idee verwirk- Argumente, die Ihnen bei der Über-
lichen oder die größtmögliche zeugungsarbeit helfen können, fin-
Akzeptanz für ein Vorhaben er- den Sie auf Seite 50 (Nutzen von
reichen wollen. Öffentlichkeitsbeteiligung)!

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Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt

 Zur Planung Ihres Beteiligungspro-  Klären Sie, wer die Leitung oder  Praxisteil
zesses können Sie sich auch nütz- Koordination im Beteiligungspro- Finanzierung
liche Tipps und Informationen bei zess übernimmt und wie die S. 57
professionellen ProzessbegleiterIn- Finanzierung aussieht.
nen (Glossar) holen.
 Stimmen Sie das Konzept für den
Beteiligungsprozess mit den Betei-
Klären Sie die Möglichkeiten für ligten ab.
einen Beteiligungsprozess mit
anderen Betroffenen, der Politik
und der Verwaltung ab

Durchführung
Informieren Sie sich
 Kontaktieren Sie als BürgerIn bzw. und andere
InteressenvertreterIn die zuständi-
gen PolitikerInnen oder Verwal-
tungsstellen, um heraus zu finden, Klären Sie, ob die Voraussetzungen für einen formalen
ob diese einen Beteiligungsprozess Beteiligungsprozess gegeben sind
zu Ihrem Anliegen unterstützen
würden. Stellen Sie Ihr Konzept
für einen Beteiligungsprozess vor Wägen Sie den Nutzen eines informalen
und streichen Sie den Nutzen Beteiligungsprozesses ab
(S. 50) des Vorhabens heraus.

 Für BürgerInnen und Interessen- Entwickeln Sie Ideen für den Ablauf
vertreterInnen ist es sinnvoll, als des Beteiligungsprozesses
Gruppe aufzutreten, um zu doku-
mentieren, dass hinter der Idee
Klären Sie die Möglichkeiten für einen
nicht nur einzelne Personen, son-
Beteiligungsprozess mit anderen Betroffenen,
dern viele Menschen stehen.
der Politik und der Verwaltung ab

 Besprechen Sie die nächsten


Schritte, die notwendig sind, um Schritt für Schritt
den Beteiligungsprozess zu starten zum Beteiligungs-
und treffen Sie klare Vereinbarun- Wenn Ihre Überzeugungsarbeit prozess
gen, wer was mit wem bis wann erfolgreich war, kann es mit den
erledigt. Vorbereitungen für die Durch-
führung des Beteiligungs-
prozesses losgehen.

17
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung
gelingt

 Checklisten
Entscheidend für das Gelingen des Beteiligungsprozesses ist eine profunde Vorbereitung und
Vorbereitung. Dadurch schaffen Sie bereits vor dem Beginn der ersten Durchführung
Veranstaltung günstige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Verlauf. Während S. 54 ff.
der Durchführung des Prozesses empfiehlt es sich, kontinuierlich zu reflektieren,
ob die erforderlichen Qualitätskriterien beachtet werden, damit Ihr Vorhaben den Erfolgskurs hält.

Klären Sie Ziele und Aufgaben-  Die Aufgabenstellung muss vom


stellung Ergebnis her offen sein, ein entspre-
chender Gestaltungsspielraum ist
 Allen Beteiligten muss klar sein, notwendig.Wenn bereits in einigen
Durchführung

welches Ziel der Beteiligungspro- Teilbereichen Vorentscheidungen


zess verfolgt und wie die konkrete getroffen wurden – etwa wenn der
Aufgabenstellung lautet. Um die Fra- Bau einer Straße beschlossen ist
gestellung auf den Punkt zu bringen, und es im Prozess nur um die
ist es hilfreich, die momentane Aus- Details der Umsetzung geht – müs-
gangssituation sowie Entwicklungen sen diese Fixpunkte offen gelegt
in jüngster Vergangenheit zu durch- werden.Wichtig für das Gelingen
leuchten, z. B.: Was ist unser Anlie- des Prozesses ist es, dass für alle
gen? Wie ist es entstanden? Wer ist Beteiligten klar ist, über welche
davon betroffen? Themen diskutiert wird und über
welche nicht (mehr).

18
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung gelingt

Laden Sie alle Betroffenen ein, Planen Sie ausreichend Zeit


sich zu beteiligen und Geld ein

 Der Beteiligungsprozess soll für  Für einen Beteiligungsprozess ist


alle interessierten oder vom ausreichend Zeit nötig. Damit
Thema betroffenen Personen oder Betroffene und Interessierte
Gruppen offen sein. Haben viele abschätzen können, ob sie für eine
Personen ähnliche Interessen, kön- Teilnahme genug Zeit zur Verfü-
nen sie eine/n VertreterIn bestim- gung haben, ist ein Zeitplan sinn-
men, der/die ihre Anliegen im voll. Zeit müssen Sie beispielswei-
Beteiligungsprozess vertritt. Um- se für die Teilnahme an Veranstal-

Durchführung
weltinteressen können durch Um- tungen oder Sitzungen, für das
weltschutzorganisationen oder die Lesen von Unterlagen, die Beschaf-
Umweltanwaltschaften der Bun- fung zusätzlicher Informationen,
desländer eine Stimme bekom- für Abstimmungsgespräche oder
men.Wichtig ist, dass alle betroffe- die Organisation von Treffen ein-
nen Interessengruppen zur Teilnah- planen. Der zeitliche Rahmen soll-
me eingeladen werden. Frauen und te ausreichend und realistisch
Männer sollen möglichst in einem bemessen sein, um nicht unnötig
ausgewogenen Verhältnis vertreten Zeitdruck zu produzieren und
sein. einen Zeitpuffer für unvorherseh-
bare zusätzliche Erfordernisse zu
 Für eine erfolgreiche Zusammen- haben.
arbeit im Beteiligungsprozess ist Holen Sie sich
es notwendig, gemeinsam Spielre-  Personen, die in ihrer Freizeit professionelle
geln über den Umgang miteinan- unentgeltlich an Beteiligungspro- Unterstützung
der und mit Informationen festzu- zessen teilnehmen, sollten als Aus-
legen. Darin kann beispielsweise druck der Wertschätzung ihres Jeder Beteiligungsprozess
festgehalten werden, dass alle Teil- Engagements eine Anerkennung profitiert von einer profes-
sionellen Begleitung, die
nehmerInnen die gleichen Rechte erhalten. Denkbar sind neben am besten so genannten
und Pflichten haben, die gleichen finanziellen Entschädigungen ProzessbegleiterInnen
Informationen bekommen, gleich- beispielsweise eine Auszeichnung (Glossar) übertragen
berechtigt zu Wort kommen und beim Abschlussfest des Prozesses wird. Ihre Aufgabe ist die
gleichen Einfluss auf das Resultat mit der/dem BürgermeisterIn, Vorbereitung, Begleitung,
Moderation und Nachbe-
des Prozesses haben. andere öffentliche Ehrungen,
reitung des Beteiligungs-
gemeinsame Ausflüge, Danksagun- prozesses.
 Die Teilnahme an Beteiligungspro- gen mit Fotos der TeilnehmerIn-
zessen ist immer freiwillig! Die nen in den regionalen Zeitungen
Betroffenen werden dann teilneh- oder Vergünstigungen für öffent-
men, wenn sie den Nutzen für sich liche Dienstleistungen (Freibad,
erkennen und mögliche Befürch- öffentliche Verkehrsmittel,
tungen ausgeräumt werden kön- Bücherei, Ausstellungen etc.).
nen.

19
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung gelingt

 Kapitel  Eine wichtige Grundvoraussetzung Legen Sie Einflussmöglichkeiten


Praxisbeispiele ist die Sicherstellung der Finanzie- und den Umgang mit den Ergeb-
S. 22 ff. rung des Beteiligungsprozesses.Wel- nissen offen
che Kosten können in einem Beteili-
gungsprozess anfallen?  Allen TeilnehmerInnen muss von
Die Höhe der Kosten ist von der Anfang an klar sein, welchen Einfluss
gewählten Methode, der Dauer und sie auf das Ergebnis haben und wer
Größe des Vorhabens etc. abhängig im Beteiligungsprozess welche Ent-
und im Einzelfall zu kalkulieren. Eine scheidungen trifft.Werden die Teil-
Richtgröße erhalten Sie durch nehmerInnen nur informiert, kön-
Kostenaufstellungen, die zu einzel- nen sie auch Stellungnahmen abge-
Durchführung

nen Praxisbeispielen in diesem ben oder entscheiden sie sogar mit?


Handbuch vorliegen.Wollen Sie  Ebenso muss geklärt werden, was
umfangreichere Leistungen beauf- mit den Ergebnissen des Beteili-
tragen, empfehlen wir Ihnen, Ver- gungsprozesses geschieht, wie ver-
gleichsangebote einzuholen. Zum bindlich sie sind und wie die Ergeb-
Beispiel Honorare für Prozess- nisse in den nachgelagerten forma-
begleiterInnen und Gutachten, Mie- len Entscheidungsstrukturen (z. B.
ten für Sitzungsräume, Kosten für Gemeinderatbeschluss) verankert
Speisen und Getränke bei den Sit- werden.Wird das Ergebnis etwa als
zungen, die Erstellung und Verteilung Empfehlung an den Gemeinderat
von Informationsmaterial, eine zur Beschlussfassung weitergeleitet
Internetseite, eventuelle Aufwands- oder wird es in einem zivilen Ver-
entschädigungen für ehrenamtlich trag zwischen den Beteiligten veran-
Beteiligte etc. kert?

 AnsprechpartnerInnen zur Siche- Verknüpfen Sie den Prozess mit


 Praxisteil rung der Finanzierung der Öffent- bestehenden Entscheidungs-
Finanzierung lichkeitsbeteiligung sind jene Stellen strukturen
S. 57 und Organisationen, die vorrangig
Nutzen aus dem Beteiligungspro-  Für die meisten Aufgabenstellungen
zess ziehen. Das können einerseits im öffentlichen Bereich gibt es for-
die Verwaltung oder die Politik (z. B. male, gesetzlich geregelte Entschei-
der Gemeinderat) sein oder ande- dungsverfahren, beispielsweise für
rerseits betroffene Interessengrup- die Erteilung einer behördlichen
pen oder ProjektwerberInnen. Emp- Genehmigung für eine Industrieanla-
fehlenswert ist jedenfalls, sich um ge. Informale Beteiligungsprozesse
mehrere Finanzierungsquellen zu sind nicht gesetzlich reglementiert
bemühen. Das sichert die Unabhän- und daher haben ihre Ergebnisse in
gigkeit und Glaubwürdigkeit des der Regel nur empfehlenden Cha-
Verfahrens und verhindert, dass der rakter. Öffentliche Unterstützung
Eindruck „wer-zahlt-schafft-an“ ent- kann den Ergebnissen aus dem
steht. Beteiligungsprozess Gewicht verlei-
hen. Es besteht aber in der Regel
kein Rechtsanspruch, dass diese in
der Entscheidung übernommen

20
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie Öffentlichkeitsbeteiligung gelingt

werden. Daher ist es wichtig, dass  Eine gute Dokumentation des  Checkliste
informale Beteiligungsprozesse in Beteiligungsprozesses durch Zwi- Öffentlichkeits-
die formalen Entscheidungsabläufe schenberichte, Protokolle, Fotos arbeit
eingebettet sind (S. 10). etc. macht die Ergebnisse nachvoll- S. 56
ziehbar – auch für jene, die nicht
 Vorab muss die Unterstützung daran teilgenommen haben. Sie
durch die politischen Entschei- erleichtert außerdem die Argu-
dungsträgerInnen und die Verwal- mentation gegenüber Entschei-
tung geklärt werden. Idealerweise dungsträgerInnen, die am Ende des
geben die EntscheidungsträgerIn- Prozesses die Umsetzung des
nen die Zusage, dass die Ergebnis- Ergebnisses beschließen sollen.

Durchführung
se des Beteiligungsprozesses über-
nommen bzw. Abweichungen
davon begründet werden. Eine sol-
che Zusicherung ist ein wesentli- Klären Sie Ziele und Aufgabenstellungen
ches Fundament für den Erfolg der
Öffentlichkeitsbeteiligung und ein
starkes Signal für die Beteiligten, Laden Sie alle Betroffenen ein, sich zu beteiligen
dass Politik und Verwaltung den
Prozess unterstützen und ernst Planen Sie ausreichend Zeit und Geld ein
nehmen.

Sorgen Sie für Informationsfluss Legen Sie Einflussmöglichkeiten und den Umgang
mit den Ergebnissen offen
 Um einen konstruktiven und aus-
gewogenen Beteiligungsprozess zu
garantieren, ist es notwendig, allen Verknüpfen Sie den Prozess mit bestehenden
Beteiligten rechtzeitig und konti- Entscheidungsstrukturen
nuierlich alle für den Prozess rele-
vanten Informationen zur Verfü-
gung zu stellen. Sorgen Sie für Informationsfluss

 Oft besteht großes Interesse am


Mit einer guten
Beteiligungsprozess auch bei Vorbereitung zur
jenen, die nicht unmittelbar invol- erfolgreichen Durch-
viert sind oder sich nicht durchge- führung
hend beteiligen können. Durch
Öffentlichkeitsarbeit sorgen Sie
für Transparenz und können die
Unterstützung des Vorhabens in
der Öffentlichkeit erhöhen.

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Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Praxisbeispiele aus
Österreich

Auf den folgenden Seiten finden Sie einige Beispiele, die den aktuellen Stand der
Beteiligungspraxis in Österreich zeigen.

 siehe auch Es werden insgesamt 14 Beispiele dar- Im Infokasten zu Beginn jedes Beispiels
www.partizipation.at gestellt, die die Bandbreite möglicher können Sie sich über die wesentlichen
Anwendungsfelder von Öffentlichkeits- Eckdaten des Prozesses informieren.
beteiligung aufzeigen – von Verkehrs- Im weiteren Text werden Anlass,
und Mobilitätsfragestellungen, über Zielsetzung, Ablauf und die Ergebnisse
Regionalentwicklung bis hin zu Ansät- kurz beschrieben.Wollen Sie weiterge-
zen in der Gemeinwesenarbeit. Damit hende Informationen, so finden Sie
wird die bestehende Vielfalt an Beteili- einerseits zu jedem Praxisbeispiel
gungsprozessen illustriert. Sie erfahren Ansprechpersonen und Websites und
hier, wie Beteiligungsprozesse in Öster- auf www.partizipation.at eine
reich durchgeführt wurden, welche ausführliche Darstellung der Prozesse.
Methoden zum Einsatz kamen und
welche Ergebnisse damit erzielt Die Praxisbeispiele auf den nächsten
werden konnten. Seiten können nur einen kleinen Ein-
blick in die Vielfalt der österreichischen
Die Auswahl der Fallbeispiele erfolgte Beteiligungspraxis bieten. Sie sollen
Praxisbeispiele

nach unterschiedlichen Kriterien wie Ihnen aber eine Übersicht über mögli-
Aktualität, Stand der Umsetzung, Inno- che Anwendungsfelder und Vorgehens-
vationsgehalt und Übertragbarkeit auf weisen vermitteln und Sie ermutigen,
andere Situationen. Es sind einerseits auch in Ihrem Bereich Öffentlichkeits-
Beispiele aus Anwendungsfeldern, in beteiligung einzusetzen.
denen schon viel Erfahrung mit Öffent-
lichkeitsbeteiligung gesammelt wurde
und andererseits aus Bereichen, in
denen erst einzelne Pilotprojekte
durchgeführt wurden.

Die ausgewählten Beispiele unterschei-


den sich auch hinsichtlich der Beteili-
gungsintensität: Manche setzen vorran-
gig auf der Stufe der Information und
Konsultation an, andere eröffnen den
beteiligten AkteurInnen weitgehende
Mitwirkungsrechte. Auch der Gegen-
stand des Beteiligungsprozesses ist in
den Beispielen unterschiedlich: Bei
manchen stehen sämtliche Aspekte
einer Planung zur Diskussion, bei ande-
ren wiederum wird nur über verschie-
dene Projektvarianten oder begleitende
Maßnahmen zum Projekt ein Beteili-
gungsverfahren durchgeführt.

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Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Eröffnung des
Skaterpark
Skaterplatzes am
24. Juli 2003
Foto: Bassena
Am Schöpfwerk
Ort: Wien
Beteiligte: jugendliche und erwach-
sene BewohnerInnen der Siedlung
Am Schöpfwerk
Begleitung und Beratung:
Stadtteilzentrum Bassena
Kosten/Finanzierung: 46.000 Euro/
Stadt Wien und private Sponsoren
Projektlaufzeit:
01/2003 bis 06/2003
Methode:
moderierte Konfliktgespräche
Ansprechperson:
Renate Schnee,
Leiterin Stadtteilzentrum Bassena
T +43 (0)1 667 94 80
E renate.schnee@bassena.at
Weitere Infos: www.bassena.at

Anlass Bassena Kontakt mit al- Gemeinsam wurde


 Konflikte zwischen len Beteiligten auf. Die schließlich ein geeigne-
sportbegeisterten Ju- Jugendlichen erhielten ter Platz in der Nähe
gendlichen, die in der Gelegenheit, in Radio- der Wohnanlage gefun-

Praxisbeispiele
Wohnanlage skaten, sendungen des „Radio den. Nach einer Platz-
und ruhebedürftigen Schöpfwerk“ – dem ei- begehung durch Skater,
erwachsenen Bewoh- genen Radioprogramm Erwachsene und Magis-
nerInnen, die sich durch der Wohnanlage – auf tratsvertreterInnen und „Die haben es wirklich
den verursachten Lärm ihr Anliegen, dass es zu einem Termin bei der geschafft, den schwierigen
gestört fühlen wenig Freiräume gibt, Bezirksvorsteherin Konflikt nachhaltig aus
hinzuweisen. wurde eine schnelle der Wohnsiedlung zu
Zielsetzung Im Zuge der Recherche Umgestaltung des Plat-
schaffen.“
 Gemeinsame Erar- fand in einer der vom zes zu einem richtigen
beitung einer Lösung, Lärm betroffenen Woh- Skaterplatz beschlos- Ein Bezirkspolitiker
die sowohl das Ruhe- nungen eine „Hörpro- sen. Die Jugendlichen
bedürfnis der Bewoh- be“ statt, wodurch die arbeiteten bei der Pla-
nerInnen berücksichtigt, Skater erfahren konn- nung des Platzes mit.
als auch den Jugendli- ten, welchen Lärm ihre
chen Gelegenheit zur Sportausübung verur- Ergebnisse
Ausübung ihres Sports sacht. Im darauf an-  Einbeziehung der
gibt schließenden Vermitt- Jugendlichen in die
lungsgespräch im Stadt- Gestaltung des neuen
Ablauf teilzentrum wurde ver- Skaterplatzes „Das kann ich anderen
Als der Konflikt zwi- einbart, dass die Jugend-  Eröffnung des Platzes Jugendlichen nur
schen BewohnerInnen lichen nicht mehr in ein halbes Jahr nach-
empfehlen: Ihr müsst
der Wohnanlage und der Anlage skaten. Da- dem der Konflikt akut
den jungen Skatern für halfen die Erwach- geworden war. euch halt zusammentun
akut wurde, nahmen die senen bei der Suche und verhandeln.Wir haben
MitarbeiterInnen des nach einem alternativen da echt was erreicht!“
Stadtteilzentrums Skaterplatz. Ein Jugendlicher

Dank an: Renate Schnee, Stadtteilzentrum Bassena


23
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Mediationsverfahren Exkursion ins


Silbertal: Ver-

Natura 2000 Verwall handlungen an


Ort und Stelle
Foto: Wolfgang Pfefferkorn

Ort: Verwall, Gebiet im Montafon,


Vorarlberg
Beteiligte: VertreterInnen aus den
Bereichen Landwirtschaft, Forstwirt-
schaft, Jagd,Tourismus, Naturschutz,
Bürgermeister der vier betroffenen
Gemeinden,VertreterInnen der
Bezirkshauptmannschaft Bludenz
sowie der Vorarlberger Landesregie-
rung, Landesumweltanwältin
Finanzierung: Amt der Vorarlber-
ger Landesregierung
Begleitung und Beratung:
Planungsbüro Rosinak&Partner, Wien
Projektlaufzeit: 01/2001 bis
10/2003; ab 2004 Treffen des Beirates
Methode: Mediation

Anlass Zielsetzung Ablauf


 Heftige Konflikte  Erarbeitung von Ver- Die Vorarlberger Lan-
zwischen Grundeigen- einbarungen über die desregierung entschloss
tümerInnen, NutzerIn- zukünftige Nutzung des sich auf Vorschlag der
Praxisbeispiele

nen und Behörden im ausgewiesenen Schutz- Umweltanwaltschaft, ein


Gebiet Verwall nach gebietes zwischen den Mediationsverfahren
erfolgter Ausweisung GrundeigentümerInnen, durchzuführen.
als Natura 2000-Gebiet NutzerInnen, verschie- Zunächst führten die
durch die Landesregie- denen anderen Interes- Mediatoren Vorgesprä-
rung sengruppen und den che und hielten Infor-
„Durch kleine Schritte  Konfliktfelder: touris- Behörden mationsveranstaltungen
konnte zwischen den tische und land- und ab, um einen Überblick
TeilnehmerInnen eine forstwirtschaftliche über die Konfliktsitua-
Vertrauensbasis hergestellt Nutzung des Gebietes tion zu gewinnen und
in Verbindung mit Fra- den vorläufigen Kreis
werden – so wurde eine
gen des Naturschutzes der Verfahrensteilneh-
Zusammenarbeit und die  Zunehmende Ver- merInnen festzulegen.
Aufarbeitung von schlechterung des Ge- Am Beginn standen der
schwierigen zurück sprächsklimas zwischen Informationsaustausch
liegenden Ereignissen Behörden und Betroffe- und die Aufarbeitung
möglich. Ohne das nen der bisherigen Ereignis-
se im Mittelpunkt. Nach
Mediationsverfahren
drei Verhandlungsrun-
hätten wir die Umsetzung den, zahlreichen Treffen
des Natura 2000-Gebiets- der Arbeitsgruppen
managements nicht (Landwirtschaft, Forst-
geschafft.“ wirtschaft, Jagd und
Tourismus), Exkursio-
Max Albrecht nen und Begehungen
lag ein gemeinsam

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Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Das hintere
Sitzung des Ver- Silbertal im
handlungsteams Natura 2000
Montafon Gebiet Verwall
Foto: Katharina Lins Foto: Katharina Lins

Ansprechperson:
Max Albrecht,Amt der
Vorarlberger Landesregierung
T: +43 (0)5574/511-24511
E: max.albrecht@vorarlberg.at
Weitere Infos:
www.partizipation.at (ausführliche
Darstellung als Download)

erarbeiteter Gesamt- werden können. Nach Ergebnisse  Einrichtung eines


entwurf für die Verein- Diskussion des Ent-  Vereinbarung mit Beirates, in dem Behör-
barungen vor. Kern der wurfs in den Herkunfts- Festlegungen über die denvertreterInnen, die
Vereinbarungen waren gruppen der im Media- zukünftige Nutzung so- Betroffenen und alle

Praxisbeispiele
Vorschläge, wie die ein- tionsforum Beteiligten wie über das Gebiets- Interessengruppen ver-
zelnen Nutzungen im wurde das Mediations- Monitoring (Bericht treten sind. Der Beirat
Gebiet Verwall mit den verfahren mit einer Ver- über Zustand und Maß- trifft sich ab 2004 ein-
Erfordernissen eines einbarung abgeschlos- nahmenumsetzung an- mal jährlich, um alle
Natura 2000-Gebietes sen. hand von bestimmten wichtigen Angelegenhei-
in Einklang gebracht Indikatoren), auf die in ten das Natura 2000-
der Natura 2000-Ge- Gebiet betreffend und
bietsverordnung ver- die getroffenen Verein-
wiesen wird barungen zu bespre-
 Gebietsverordnung, chen.
die auf den Vereinba-
rungen des Mediations-
verfahrens beruht und
im Oktober 2003 in
Kraft getreten ist
 Zusatzprotokoll, in
dem all jene Positionen
und Vorschläge festge-
halten wurden, über die TIPP:
es im Verfahren keine Mehr zum Thema Parti-
Einigung gab. zipation im Zusammen-
hang mit Schutz und
nachhaltiger Nutzung
der biologischen Vielfalt
finden Sie unter
www.biodiv.at/chm

Dank an: Wolfgang Pfefferkorn und Helmut Hiess, Rosinak&Partner; Max Albrecht, Amt der Vorarlberger Landesregierung
25
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Leitbildentwicklung Revitalisierungs-
maßnahmen –
vor Ort
für die Möll diskutiert
Foto: Inst. f. Hydrobiologie
& Gewässermanagement

Ort: Mölltal, Kärtnen


Beteiligte: BürgerInnen aus dem
Mölltal, NGOs, Interessengruppen
(z. B. Nationalpark Hohe Tauern,
Energieversorgungsunternehmen),
VertreterInnen von Gemeinden,
Land und Bund, Forschungsteam aus
verschiedenen Disziplinen z. B.
Hydrobiologie, Landschaftsplanung,
Landwirtschaft etc.
Begleitung und Beratung:
Universität für Bodenkultur Wien,
Abt. Hydrobiologie; Österr. Institut
für Nachhaltige Entwicklung,Wien
Finanzierung: BMBWK im Rah-
men des Forschungsschwerpunktes
„Kulturlandschaft“

Anlass Ablauf richtlinie erforderliche


 Forschungsprojekt Im Mittelpunkt dieses „gute ökologische Qua-
„Flusslandschaftstypen Forschungsprojektes lität“ zu erfüllen. Auch
Österreichs – Leitbilder stand die Erarbeitung der aktuelle ökologi-
Praxisbeispiele

für eine nachhaltige eines fachlich-wissen- sche Zustand der Möll


Entwicklung von Fluss- schaftlichen Leitbildes und die Nutzungen am
landschaften“ zur Erreichung eines Fluss wurden erhoben.
guten ökologischen Zu-
Zielsetzung stands der Möll. Das  Zukunftsgespräch
 Erarbeitung eines Forschungsprojekt wur- In der Zwischenzeit
fachlichen Leitbildes mit de durch vier partizipa- entwickelten interes-
Zielsetzungen und Maß- tive Elemente ergänzt. sierte MölltalerInnen im
nahmen für die Fluss- Rahmen eines Zukunfts-
„Das beste Leitbild ist landschaft der Möll, das  1. Mölltalwork- gesprächs ein partizipa-
nichts wert, wenn es nicht den Vorgaben der Was- shop tives Leitbild für das ge-
von den Menschen serrahmenrichtlinie ent- Die begleitende Öffent- samte Mölltal. Dieses so
spricht und umweltbe- lichkeitsbeteiligung star- genannte partizipative
entwickelt und getragen
zogene, soziale und tete mit dem 1. Mölltal- Mölltalleitbild enthält
wird, die in der Region wirtschaftliche Aspekte workshop zur Informa- Ziele und Maßnahmen
leben.“ gleichermaßen berück- tion der AkteurInnen in den Bereichen „Le-
Ein Teilnehmer sichtigt; mit begleiten- aus der Verwaltung, aus bensader Möll“, Natur-
der Information der der Praxis sowie aus und Kulturlandschaft,
Öffentlichkeit und der der Region zu den In- Land- und Forstwirt-
Erarbeitung eines parti- halten und Zielsetzun- schaft, Gesellschaft und
zipativen Leitbildes für gen des Forschungspro- Kultur,Wirtschaft und
das gesamte Mölltal jektes. Danach definier- Tourismus.
durch BürgerInnen te das Forschungsteam,
wie die Möll aussehen
müsste, um die nach
der Wasserrahmen-

26
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Naturnaher
StudentInnen- Flussabschnitt
exkursion der Möll
Foto: Inst. f. Hydrobiologie Foto: Umweltbüro
& Gewässermanagement Klagenfurt

Projektlaufzeit: 02/2000 bis


06/2004 (Forschungsprojekt inkl.
BürgerInnenbeteiligungsprozess)
Methoden: Workshops, Zukunfts-
gespräch
Ansprechperson:
Wilhelm Pacher,
Bürgermeister Obervellach
T: +43 (0)4782 3055
E: obervellach@ktn.gde.at
Weitere Infos:
www.flusslandschaften.at

 2. Mölltalwork- den Möllfluss ergänzte Empfehlungen zur Ver- Ergebnisse


shop das partizipative Leit- besserung der Gewäs-  Acht Empfehlungen
Im 2. Mölltalworkshop bild für das gesamte serqualität der Möll auf für konkrete Maßnah-
wurden das „Partizipati- Mölltal. Basis der fachlichen Er- men zur Verbesserung

Praxisbeispiele
ve Mölltalleitbild“, die Das Forschungsteam gebnisse, der Mölltal- des Zustands der Möll
Erhebungen zum aktu- erarbeitete außerdem workshops und von  Übernahme der
ellen Zustand der Möll konkrete wasserwirt- Interviews mit den Empfehlungen in das
sowie Vorgaben der schaftliche Maßnahmen beteiligten Interessen- Gewässerbetreuungs-
Wasserrahmenrichtlinie zur Verbesserung der gruppen. konzept, das wesentli-
präsentiert und disku- Möll (z. B. Rückbau der che österreichische
tiert. Flussverbauungen, mehr Da das Projekt ein rei- wasserwirtschaftliche
Wasser für die Möll aus nes Forschungsprojekt Planungsinstrument.
 Fachliches Leitbild dem flussaufwärts gele- war, gab es keinen ab-
Danach erstellte das genen Speichersee) und schließenden politi-
Forschungsteam ein bewertete diese hin- schen Beschluss zum
fachliches Leitbild für sichtlich ihrer Nachhal- Leitbild für die Möll.
die Möll zur Erreichung tigkeit und ihres Ver- Allerdings wurden die
des erforderlichen gu- hältnisses von Kosten Empfehlungen in das
ten ökologischen Zu- und Wirksamkeit. nachfolgend erstellte
stands. Dieses be- Gewässerbetreuungs-
schreibt die typischen  3. Mölltalwork- konzept für die Möll
Merkmale des Fließge- shop übernommen. Die Um-
wässers sowie die im Im 3. Mölltalworkshop setzung erster Maß-
Fluss lebenden Tiere wurden die Bewer- nahmen ist nach Fertig-
und Pflanzen, die es ge- tungsergebnisse mit stellung des Konzepts
ben würde, wenn der den Beteiligten disku- Ende 2004 vorgesehen.
Fluss vom Menschen tiert und ihre Tendenz
nur geringfügig beein- bestätigt. Anschließend
flusst wäre. Dieses erarbeitete das For-
fachliche Leitbild für schungsteam konkrete

Dank an: Susanne Muhar, Sabine Preis, Universität für Bodenkultur, Abt. Hydrobiologie; Alfred Strigl, Österreichisches Institut für Nachhaltige Entwicklung;
Gregory Egger, Institut für Ökologie und Umweltplanung; Josef Kaufmann, Gemeinde Winklern im Mölltal; Angelika Staats,Wasserschule Nationalpark Hohe Tauern 27
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Lebenswert Wohnen –
G.O.A.L., Graz LAMA in
Diskussion

Ort: Graz
Beteiligte: BürgerInnen aus drei
Grazer Stadtteilen, Lokale Agenda
21 MAnagerInnen (LAMA), Umwelt-
amt Graz
Kosten/Finanzierung:
ca. 140.000 Euro/
50 % Stadt Graz, 50 % EU-LIFE
Begleitung und Beratung:
ARGE Müllvermeidung, Graz
Projektlaufzeit:
01/2001 bis 06/2003
Methoden: Informationsveranstal-
tungen, Befragungen, Aktivierung,
Arbeitsgruppen

Anlass Zielsetzung Ablauf


 G.O.A.L. – Gesund  Im Modul „Lebens- Das Projekt G.O.A.L.
Ohne Auto und Lärm: wert Wohnen“: Ge- umfasste insgesamt sie-
Aktionsprogramm zur meinsame Erarbeitung ben Schwerpunkte, die
Praxisbeispiele

Senkung der Lärm- und von Maßnahmen zur sich mit unterschiedli-
„Das war das erste Mal, Schadstoffbelastung Steigerung der Lebens- chen Möglichkeiten zur
dass die Stadt in meine durch eine Reduktion qualität in drei Grazer Verkehrs- und Lärmver-
Siedlung gekommen ist!“ des motorisierten Ver- Siedlungen mit aktiver meidung und zur Ver-
kehrs und zur Erhö- Einbeziehung der Be- besserung der Lebens-
Ein Bewohner einer hung des persönlichen völkerung und Unter- qualität beschäftigten.
Siedlung Wohlbefindens und der stützung durch ehren- Ein besonders innovati-
körperlichen Fitness amtliche Mitarbeiter- ver Weg wurde mit
Innen der Stadt Graz dem Schwerpunkt
„Lebenswert Wohnen“
gewählt. In drei Wohn-
„Die Ausbildung zum gebieten – im Stadtteil
LAMA ist der ,Einstieg’ in Lend, in der Neue Hei-
mat-Siedlung Laudon-
einen fortlaufenden (Lern-)
gasse/Starhemberggasse
Prozess, in dem wir LAMAs
unsere Rolle und unser
Tätigkeitsfeld gemeinsam
mit unseren Mitbewoh- Die LAMAs
LAMAs sind BewohnerInnen rund um die ausgewählten Wohngebiete, die als VermittlerInnen zwischen Bewohne-
nerInnen noch weiter rInnen, Siedlungsgenossenschaften und der Stadtverwaltung auftreten.
kennenlernen, das dazu Insgesamt 14 Interessierte erhielten für ihre ehrenamtliche Tätigkeit als LAMA eine kostenlose Ausbildung in
nötige Wissen vertiefen und Moderation, Konfliktmanagement, Öffentlichkeitsarbeit etc., die mit einem Zertifikat der Stadt Graz öffentlich
anerkannt wurde. Zudem haben sie laufend die Möglichkeit, sich in verschiedenen Schwerpunktthemen weiter-
dann verstärkt einsetzen zubilden. Die Praxisarbeit in der eigenen Siedlung wird durch ein begleitendes Coaching unterstützt. Der LAMA-
werden!“ Stammtisch bietet den LAMAs die Möglichkeit, ihre Erfahrungen auszutauschen und zu reflektieren.
Lisbeth Postl, LAMA Ein Ausweis der Stadt – die LAMA Card – weist die LAMAs als ehrenamtliche MitarbeiterInnen der Stadt aus.

28
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Agendafest
Fotos: Andrea Grabher

Ansprechperson:
Peter Gspaltl,
Agenda 21-Koordinator,
Umweltamt Stadt Graz
T: +43 (0)316 872-4303
E: peter.gspaltl@stadt.graz.at
Weitere Infos:
www.goal-graz.at

und in der Terrassen- und Lärmproblematik), Ergebnisse


haussiedlung – ent- die Belastung durch  Verbesserung des  Durchführung von
wickelten Lokale Agen- Verkehrs- aber auch Verhältnisses zwischen Wohnumfeldverbesse-
da MAnagerInnen Nachbarschaftslärm so- Siedlungsgenossenschaf- rungen, z. B. Erarbeitung

Praxisbeispiele
(LAMAs) gemeinsam wie Probleme zwischen ten und MieterInnen, eines Leitfadens zum
mit und für Bewohne- Siedlungsverwaltung z.B. durch die transpa- lärmarmen Umbau von
rInnen, Siedlungsgenos- und MieterInnen. rentere Darstellung der Wohnungen in der Ter-
senschaften und Stadt- In jeder Siedlung wurde Jahresabrechung der rassenhaussiedlung;
verwaltung Maßnah- ein G.O.A.L.-Komitee Mietkosten oder Be- Aufstellen von „Hunde-
men, die zu einer höhe- gegründet, das aus der wohnerInnenbeteiligung stationen“, Energiespar-
ren Lebensqualität bei- Projektleitung,Vertre- im Rahmen von Sanie- projekt, Bepflanzungs-
tragen und das Mitein- terInnen von Politik rungsvorhaben aktion
ander fördern sollen. und Verwaltung, Bewoh-  Initiierung von Me-  Durchführung eines
nerInnen und BürgerIn- diationsverfahren zum „Verkehrs- und Lärm-
Die Arbeit der neninitiativen sowie den Thema Lärm in Lend gipfels“ in der Terras-
LAMAs LAMAs bestand. Diese und zum Thema Skaten senhaussiedlung
Die LAMAs und die Komitees konkretisier- in St. Peter  Fortführung und
Projektleitung infor- ten entsprechend den  Initiierung eines Eis- Weiterentwicklung des
mierten die Bewohne- vorliegenden Wünschen laufplatzes, Unterstüt- Projektteils „Lebens-
rInnen in den drei Sied- und Problemen für jede zung bei der Akzeptanz wert Wohnen“ von
lungen über die Pro- Siedlung Arbeitsschwer- für einen Skaterpark im G.O.A.L. als fixer Be-
jektidee und führten punkte und garantier- Volksgarten,Trainings- standteil der LA21-Ak-
siedlungsspezifisch Be- ten eine hohe Verbind- kurse für Jugendliche in tivitäten der Stadt Graz
fragungen und Grup- lichkeit für die Umset- Hip Hop, Streetball und  Durchführung eines
pengespräche zum The- zung. LAMAs und Be- Fußball weiteren Ausbildungs-
ma Lebensqualität wohnerInnen erarbeite- lehrgangs für LAMAs.
durch. Zentrale Themen ten dann in Arbeits-
in den Siedlungen wa- gruppen Verbesserungs-
ren der Umgang mit ideen und Maßnahmen-
Jugendlichen (Drogen- vorschläge.

Dank an: Peter Gspaltl, Umweltamt Stadt Graz; Andrea Grabher, ARGE Müllvermeidung
29
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Planungszelle
Obere Neutorgasse, Graz Intensive
Kleingruppen-
arbeit

Ort: Graz
Beteiligte: AnrainerInnen,
Geschäftsleute, Interessenvertrete-
rInnen (Kammern, politische Manda-
tarInnen, NGOs), BürgerInnen
Begleitung und Beratung:
Forum b – Büro für Beteiligungs-
verfahren, Fürstenau, Deutschland
Kosten/Finanzierung: 40.000 bis
50.000 Euro/Stadt Graz
Projektlaufzeit:
11/2002 bis 03/2003
Methoden:
Planungszelle, Informations-
veranstaltung, Zielgruppenwerkstatt,
Runder Tisch

Anlass Zielsetzung Ablauf


 Einstimmiger Be-  Entwicklung von Vor- Der Beteiligungsprozess
schluss des Grazer Ge- schlägen zur Verkehrs- startete mit einer Infor-
meinderates, die Fuß- beruhigung der Oberen mationsveranstaltung
Praxisbeispiele

gängerzone in der Neutorgasse für die breite Öffent-


Oberen Neutorgasse in lichkeit zur Erläuterung
Graz zu erweitern und des geplanten Verfah-
dazu ein BürgerInnen- rens. Danach sammel-
beteiligungsverfahren ten AnrainerInnen und
durchzuführen Geschäftsleute in einer
Zielgruppenwerkstatt
Ideen zur Verkehrsberu-
higung in der Neutor-
gasse. Interessenvertre-
terInnen ergänzten die-
se Vorschläge in einer
„Engagierte BürgerInnen Diskussion am Runden
Tisch.
konnten sich einmal kreativ
bei der Gestaltung ihres
Der Ablauf
Lebensraums einbringen –
damit gelang der positive VORPHASE BETEILIGUNG PLANUNGS- RÜCKKOPP-
Umschwung vom passiven Gemeinderatsent- ZIELGRUPPEN ZELLEN LUNG
scheidung zur + INTERES- • Vier Planungszel- Diskussion der
,Jammern‘ zum aktiven Durchführung des SENVERTRE- len zur Erstellung Ergebnisse mit
Mitgestalten.“ Beteiligungspro- TER/INNEN eines Ideenkon- den Interessen-
zesses • Informations- zeptes vertreterInnen
Peter Schmidl, veranstaltung
ein Bürgergutachter • Zielgruppen-
werkstatt
• Runder Tisch

30
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Gestaltungs-
ideen werden
Begehung erarbeitet
vor Ort Fotos: forum b

Ansprechperson:
Kurt Hörmann,
BürgerInnenbüro Graz
T: +43 (0)316 872-5602
E: buergerbuero@stadt.graz.at
Weitere Infos:
BürgerInnengutachten unter
www.graz.at/buergerinnenbuero//

Inzwischen wurden 65 und veranschaulichten gerInnengutachten zu- Ergebnisse


GrazerInnen nach dem ihre Vorstellungen sammen, das von Ver-  Vorschläge zur Ver-
Zufallsprinzip für vier durch Gestaltungspläne. treterInnen aus den kehrsberuhigung und
Arbeitsgruppen, die so Insgesamt arbeiteten vier Planungszellen Umgestaltung der

Praxisbeispiele
genannten Planungszel- sie einen Abend und nochmals gegengelesen Oberen Neutorgasse:
len, ausgewählt. Ihre Ar- zwei ganze Tage an Lö- wurde. Anschließend konsensuale Empfeh-
beit startete mit einer sungen für eine ver- präsentierten die Bür- lung, die auch neue,
Einführung und einer kehrsberuhigte Neutor- gerInnen ihre Ergebnis- innovative Ideen
Ideensammlung. Exper- gasse. Dafür bekamen se den Entscheidungs- beinhaltet
tInnen der Stadt- und sie eine Aufwandsent- trägerInnen der Stadt  Präsentation der
Verkehrsplanung ver- schädigung. Graz, u. a. dem zustän- Ergebnisse im Stadt-
mittelten ihnen Grund- Die Ergebnisse aus den digen Stadtrat. Dieser senat, Unterstützung
lageninformation, die sie Planungszellen wurden stellte die Ergebnisse durch alle Fraktionen
durch eine Ortsbege- mit den Interessenver- im Stadtsenat vor. Die des Grazer Gemeinde-
hung in der Neutorgas- treterInnen am Runden Empfehlungen der Bür- rats sowie Verankerung
se ergänzten. Auf dieser Tisch diskutiert. Der gerInnen wurden von der Maßnahmen im
Basis erstellten die Bür- Prozessbegleiter fasste allen im Gemeinderat Budget
gerInnen Ideenkonzepte die Ergebnisse im Bür- vertretenen Fraktionen  Umsetzung der
mitgetragen und bei ersten Maßnahmen ab
den Budgetverhandlun- Herbst 2004.
gen verankert.
BÜRGER- BESCHLUSS UMSETZUNG
GUTACHTEN • Präsentation im • Information
• Erstellung Stadtsenat über die Umset-
• Rückkopplung • Verankerung im zung
mit den Planungs- Budget • erste Umset-
zellen zungsschritte
• Übergabe an po-
litische Entschei-
dungsträgerInnen

Dank an: Kurt Hörmann und Petra Gradwohl, BürgerInnenbüro Graz; Peter Schmidl, ein Bürgergutachter
31
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Jugenddeklaration Übergabe der

Bodenseeregion Deklaration an
Vorarlberger
PolitikerInnen

Ort: Bodenseeregion
(Deutschland, Fürstentum Liechten-
stein, Österreich, Schweiz)
Beteiligte: 1.200 Jugendliche aus
Baden-Württemberg, Bayern,
Vorarlberg und mehreren
Schweizer Kantonen
Begleitung und Beratung:
Jugenddornbirn
Finanzierung: Bodensee Agenda 21,
Büro für Zukunftsfragen, Jugend-
abteilung des Landes Vorarlberg
Projektlaufzeit:
08/2002 bis 12/2003
Methoden: Konferenzen,Work-
shops, Projektmärkte, Runde Tische,
Internetpartizipation

Anlass Ablauf wurden, wiederum via


 1998 gründete die Die Jugenddeklaration Internet, weiter ausge-
Internationale Boden- wurde auf verschiede- arbeitet und mit einem
seekonferenz (IBK), ein nen Veranstaltungen mit konkreten Forderungs-
Praxisbeispiele

Zusammenschluss der SchülerInnen,Vertreter- katalog versehen.


Länder der Bodensee- Innen von Jugendparla-
region zur Lösung der menten und -gemein- Insgesamt arbeiteten
Umweltprobleme die- deräten, Jugendverbän- über 350 Jugendliche
ser Region, die Boden- den und -organisatio- aus der Region am De-
see Agenda 21; Schwer- nen vorbereitet. klarationsentwurf aktiv
punkt 2003 waren Kin- Zunächst wurden The- mit. Dieser wurde dann
„Die Vorarlberger der und Jugendliche men, die Jugendliche in den 1. Internationa-
Jugendlichen wurden das und ihre Vorschläge für besonders interessie- len Jugendgipfel einge-
eine Nachhaltige Zu- ren, zusammengetragen bracht, nochmals von
erste Mal von den
kunft und eine Liste mit 18 den TeilnehmerInnen in-
Politikern angehört. Jetzt Themenbereichen ent- tensiv diskutiert, kon-
kennen sie unsere Zielsetzung wickelt. Diese wurde kretisiert und schließ-
Wünsche und Forderungen  Kinder und Jugend- zur Abstimmung ins In- lich verabschiedet. Da-
und können diese in ihre liche erarbeiten eine ternet gestellt. bei wurde von Anfang
Entscheidungen einfließen Jugenddeklaration zur an Wert darauf gelegt,
lassen. Ich habe schon das Nachhaltigen Entwick- Die Themen dass die Jugendlichen
lung der Bodensee- • Politische Beteili- selbständig ohne Ein-
Gefühl, dass sie uns ernst
region gungsmöglichkeiten fluss von Erwachsenen
nehmen.“ • Menschenrechte ihre Themen und For-
Ein jugendlicher • Arbeitsmarkt derungen formulieren
Teilnehmer • Energie und Klima- können und die Diskus-
probleme sionen selbst moderier-
• Wasser ten.
erhielten dabei die
meisten Stimmen und

32
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Vorbereitungen
zum Jugendgipfel
Fotos: Büro f. Zukunftsfragen

Ansprechperson:
Florian Schiemer
T: +43 (0)650 7902065
E: florian.schiemer@gmx.at
Weitere Infos:
www.bodensee-agenda21.net/

Ergebnisse Maßnahmen formu- Steuern vor allem auf der Umsetzung abzu-
Internationaler liert): Schadstoffe und schädli- wägen.
Jugendgipfel am  Politische Beteili- che Auswirkungen Die Jugendlichen der
14.11.2003 in gungsmöglichkeiten:  Wasser: Enge Ein- Region haben weiterhin

Praxisbeispiele
Friedrichshafen: Einführung direktdemo- bindung der BürgerIn- die Möglichkeit, sich in
Die Jugenddeklaration kratischer Elemente nen in regionale Ent- den Diskussionsprozess
zur Nachhaltigen Ent- (Referendum, Initiative), scheidungsprozesse zur zum Thema Zukunft
wicklung wurde von Ju- Einbindung jugendlicher Verwendung des Was- der Bodenseeregion
gendlichen vorgestellt VertreterInnen in die sers, stärkere Überwa- und zu den Forderun-
und diskutiert. Die Entscheidungsfindung chung der regionalen gen der Deklaration
mehr als 1.200 anwe- im Gemeinderat Industrie, kein Verkauf einzubringen. Dazu
senden Jugendlichen  Menschenrechte der Wasserversorgung steht ihnen sowohl die
verabschiedeten die und Integration: oder Wasserrechte an Internetplattform als
Deklaration und über- Weltweite Achtung Fremdfirmen anderer auch Unterstützung bei
gaben diese stellvertre- der Menschenrechte, Staaten. Diskussionsveranstal-
tend für die politischen Wichtigkeit von tungen oder Projekten
EntscheidungsträgerIn- sozialer Akzeptanz und In Vorarlberg wurde zur Verfügung. Außer-
nen der Region Boden- Integration. diese Deklaration von dem wurde in Vorarl-
see dem Baden-Würt-  Arbeitsmarkt: den Jugendlichen selbst berg ein fortlaufender
tembergischen Umwelt- Bessere Schulbil- noch einmal überarbei- Dialogprozess zwischen
und Verkehrsminister. dung, „Arbeiten muss tet und auf die spezifi- den Jugendlichen und
sich lohnen“, Aufklä- sche Situation im Land den zuständigen Politi-
Die 1. Jugenddeklara- rung und Information abgestimmt. Mit der Ju- kerInnen vereinbart.
tion zur Nachhaltigen  Energieträger und genddeklaration haben
Entwicklung der Boden- Klimaprobleme: Ver- sich bisher mehrere Po- Im Jahr 2005 findet
seeregion umfasst fol- stärkte Verlagerung des litikerInnen befasst und der 2. Internationale
gende Themen und bei- Schwerverkehrs auf die Fachabteilungen beauf- Jugendgipfel statt, bei
spielhafte Forderungen Schiene, Förderung der tragt, ExpertInnenstel- dem der Stand der
(in der Deklaration Forschung im Bereich lungnahmen zu verfas- Umsetzung diskutiert
wurden dazu konkrete erneuerbare Energien, sen und Möglichkeiten werden wird.

Dank an: Bertram Meusburger und Doris Fink, Büro für Zukunftsfragen, Land Vorarlberg; Florian Schiemer, teilnehmender Jugendlicher
33
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Lokaler Aktionsplan für


Beschäftigung und Bildung
Ort: Gemeinde Munderfing, Ober-
österreich
Beteiligte: VertreterInnen aus den
Bereichen Wirtschaft, Politik,
Verwaltung, Interessensvertretungen,
Bildungseinrichtungen/Schulen,
BürgerInnen
Finanzierung: Land Oberöster-
reich, Europäischer Fonds für
Regionale Entwicklung
Begleitung und Beratung: Institut
Retzl, Institut für Gemeindeforschung
und Unternehmensberatung, Linz
Projektlaufzeit: 11/2003 – laufend
Methoden: Zukunftskonferenzen,
Arbeitsgruppen,Veranstaltungen,
Netzwerkaufbau etc.

Anlass Zielsetzung Ablauf


„Uns wurde während der  Fortsetzung der po-  Mit dem „Lokalen VertreterInnen aus Poli-
Konferenz bewusst, sitiven Erfahrungen mit Aktionsplan für Be- tik,Wirtschaft,Verwal-
Öffentlichkeitsbeteili- schäftigung und Bil- tung, Bildungseinrich-
welches enorme Potenzial
Praxisbeispiele

gung im Rahmen der dung“ (LABB) soll die tungen, lokalen, regiona-
in der Gemeinde und bei Lokalen Agenda 21 in Vernetzung von Wirt- len und überregionalen
den beteiligten ExpertInnen der rund 2.700 Einwoh- schaft, Politik,Verwal- Organisationen und in-
vorhanden ist. Diese nerInnen zählenden tung, Bildungseinrich- teressierte BürgerInnen
eigenen Stärken bewusst Gemeinde Munderfing tungen, Sozialpartnern erarbeiteten gemeinsam
und in Kooperation mit  Förderung einer zu- und BürgerInnen vor den „Lokalen Aktions-
kunftsfähigen Wirt- Ort intensiviert wer- plan für Beschäftigung
anderen zu nutzen, ist in
schaftsentwicklung in den. Unter Einbindung und Bildung“ zur För-
Zukunft eine der der Gemeinde und von lokalen und regio- derung der lokalen Be-
wichtigsten Aufgaben.“ Erhaltung der Wettbe- nalen SchlüsselakteurIn- schäftigungspolitik. Die
Erwin Moser werbsfähigkeit unter nen sollen Kooperatio- Gemeindeverwaltung
den gegebenen Rah- nen gestärkt und neue führte zahlreiche Vorge-
„Ohne einen organisierten menbedingungen (z. B. Impulse für Beschäfti- spräche, um alle wich-
Prozess ist es für Einzelne Globalisierung, Struk- gungs- und Wirtschafts- tigen PartnerInnen ins
turprobleme im länd- wachstum erzeugt wer- Boot zu holen (Unter-
sehr schwierig, Neues
lichen Raum) den. Besonderes Augen- nehmen, Arbeitsmarkt-
einzubringen und merk erhalten weiche service,Wirtschafts-
erfolgreich umzusetzen. Standortfaktoren wie kammer, Schulen, El-
Der Prozess alleine erzeugt Lebensqualität (Um- tern, interessierte Bür-
allerdings keine Wirkung, welt, Betreuungsange- gerInnen etc.).
wenn er nicht durch bote für Kinder usw.)
Menschen mit ihren Ideen,
Visionen und ihrem Wissen
ausgefüllt wird.“
Ein Prozessbegleiter

34
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

LABB
Konferenz
Fotos: Gemeinde Munderfing

Ansprechperson:
Erwin Moser, Amtsleiter
der Gemeinde Munderfing
T: +43 (0)7744 62 55
E: erwin.moser@munderfing.ooe.gv.at
Weitere Infos:
www.munderfing.at
www.institut-retzl.at

 Konferenz für Sehr intensiv gestaltete Ergebnisse • „Kooperationsdreieck


Beschäftigung und sich der Aufbau eines  Entwicklung des über Schule – Wirtschaft –
Bildung lokalen Netzwerkes, die Gemeinde hinaus ge- Eltern“, um junge Men-
Die „Lokale Konferenz das sich aus jenen Per- henden Netzwerkes schen gezielt auf das

Praxisbeispiele
für Beschäftigung und sonen zusammensetzt, „Lokales Bündnis für Be- Berufsleben vorzu-
Bildung – Munderfing", die nachhaltig an der schäftigung und Bildung“ bereiten
an der mehr als 50 Per- Umsetzung des LABB (Koordination und Un- • „Munderfinger Wirt-
sonen teilnahmen, mar- arbeiten wollen. terstützung durch Netz- schaftsgespräche“ (3x
kierte den offiziellen werkmanagement in Ge- im Jahr) als Plattform
Beginn des Prozesses.  Fortsetzung der meindeverwaltung und zum Informationsaus-
Im Mittelpunkt stand Konferenzen Netzwerkbeirat) tausch und zur Vernet-
die Suche nach Wegen Auch in Zukunft sollen  Beschluss des Ge- zung
und Lösungen, um die diese Konferenzen meinderats Munderfing • „Regionale Schulun-
Beschäftigungssituation stattfinden und einen zur Unterstützung des gen“, um Unternehmer-
vor Ort im Interesse immer größeren Perso- LABB Innen und Beschäftigten
der Wirtschaft und der nenkreis einbeziehen:  7 Projekte, die in Ei- die Möglichkeit zu ge-
BürgerInnen zu gestal- Engagierte BürgerInnen genverantwortung der ben, sich in der Nähe
ten. Es wurden Stan- können sich über die über 50 beteiligten ihres Wohnortes qualifi-
dards für eine zukunfts- Netzwerkaktivitäten in- NetzwerkpartnerInnen zieren zu können
fähige kommunale Be- formieren und eigene umgesetzt werden: • „Haus der Generatio-
schäftigungs- und Wirt- Ideen einbringen. Auf • „Wirtschaftsservice nen“ zur Schaffung von
schaftspolitik definiert diese Weise soll die Ak- der Gemeinde“ als ers- alternativen Betreuungs-
und Strategien festge- zeptanz und Unterstüt- te Anlaufstelle für loka- angeboten für Kinder in
legt, z. B. zur Vernetzung zung seitens der Bevöl- le Unternehmen der Gemeinde
von Unternehmen und kerung für den LABB • „Netzwerk Einstieg“, • „Mietbüro Munder-
Schulen im Ort. Nach gesichert werden. um Arbeitslosen und fing“ zur Vermittlung
einem weiteren Arbeits- WiedereinsteigerInnen von Betriebs- und
treffen standen sieben den Zugang zum loka- Büroflächen für Unter-
konkrete Projekte fest. len/regionalen Arbeits- nehmerInnen.
markt zu erleichtern

Dank an: Erwin Moser, Gemeinde Munderfing; Matthias Raßbach, Institut Retzl
35
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Regionalcluster Zukunftskonfe-

Hartberg renz Hartberger-


land „Taten
folgen Visionen“

Ort: Bezirk Hartberg, Steiermark


Beteiligte: UnternehmerInnen,
regionale Bevölkerung,VertreterIn-
nen aus dem öffentlichen Bereich
(z. B. Gemeinden, Bezirkshauptmann-
schaft etc.), Schulen sowie zahlreiche
lokale und regionale Organisationen,
Verbände und Vereine
Beratung und Begleitung:
Österreichisches Institut für Nach-
haltige Entwicklung (Wissenschaft-
liche Leitung),Wien; Entwicklungs-
förderungsverband Bezirk Hartberg,
Hartberg; Ökologische Landen-
twicklung Steiermark, Hartberg;
Wallner & Schauer, Graz/Wien;
Integrierte Ländliche Entwicklung,
Hartberg/Graz

Anlass Gewerbe, Industrie, Verwaltung und dem


 „Regionalcluster“ als Tourismus und anderen Vorstand des Entwick-
Pilotprojekt zur Stär- Dienstleistungsberei- lungsförderungsver-
kung der regionalen chen) bands bildeten das Pro-
Praxisbeispiele

Wirtschaft mit dem Ziel  Steigerung der Re- jektteam, das gemein-
einer höheren Lebens- gionsexporte (Motto: sam ein Prozessdesign
qualität in der Region „Nicht PendlerInnen, erarbeitete.
sondern Produkte und
Zielsetzung Dienstleistungen expor-  Start-Veranstal-
 Anregung einer nach- tieren!“) tung
haltigen Entwicklung In einem Start-Work-
der Regionalwirtschaft Ablauf shop des Projektteams
 Vernetzung von Un- Im gesamten Beteili- und einer Start-up Ver-
ternehmerInnen aus al- gungsprozess waren zir- anstaltung wurde das
len Bereichen der Wirt- ka 150 TeilnehmerInnen Projekt mit Ablauf, In-
schaft im Bezirk, der re- aktiv engagiert (Zu- halten, Zielen und Nut-
gionalen Bevölkerung kunftskonferenz und Ar- zen vorgestellt und der
sowie VertreterInnen beitsgruppen) und bis Regionalcluster ins Le-
„Die Zukunftskonferenz aus dem öffentlichen zu 1.400 weitere Perso- ben gerufen. Damit ent-
ist eine phantastische Bereich nen in den Prozess in- stand bei den Beteilig-
Methode, um allen  Vernetzung der Pro- volviert. Die Kerngrup- ten eine hohe Motiva-
Beteiligten ein möglichst duzentInnen in der Re- pe bildeten ausgewählte tion, sich für die Stär-
hohes Maß an Mitarbeit gion Hartberg (Zusam- ProjektpartnerInnen, die kung der Region einzu-
menarbeit von Produ- sich regelmäßig zur Ab- setzen.
und Mitbestimmung in
zentInnen und Konsu- stimmung und Planung
den Ergebnissen zu mentInnen) von konkreten Maßnah-  Zukunfts-
ermöglichen.“  Reduktion der Regi- men wie z.B. Regional- konferenz
Ferdinand Zisser onsimporte zugunsten clusterforen trafen.Alle In der zweitägigen Zu-
regionaler Produkte ProjektpartnerInnen, kunftskonferenz erar-
(aus Landwirtschaft, VertreterInnen aus der beiteten über 60 Perso-

36
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Regionalcluster
Forum im
Ökopark Hartberg
Fotos: Entwicklungsförde-
rungsverband Bezirk Hartberg

Finanzierung: BMWA,WKÖ,
Steiermärkische Landesregierung,
Gemeinden des Bezirkes Hartberg,
private Sponsoren
Projektlaufzeit: 10/2002 –
04/2004: 1. Aufbauphase
Methoden: Zukunftskonferenz,
Maßnahmengruppen,Arbeitsgrup-
pen, Informationsveranstaltungen
Ansprechperson:
Ferdinand Zisser, Projektkoordinator
und Geschäftsführer Entwicklungs-
förderungsverband Bezirk Hartberg
T: +43 (0)3332 63914
E: office@regionalcluster.at
Weitere Infos:
www.regionalcluster.at

nen eine gemeinsame Ergebnisse Mit der Realisierung Erstellung eines „Aktiv-
Vision für die Entwick-  Erstellung eines Leit- der in den Arbeitsgrup- kunden Schnelltests“
lung der Region und bildes für die Region pen entwickelten Pro- sowie der Aufbau einer
Themenschwerpunkte und Festlegung konkre- jekte wurde im Laufe Plus/Minus-Rückmelde-

Praxisbeispiele
für die Umsetzung der ter Ziele und Maßnah- des Jahres 2003 begon- möglichkeit für Konsu-
Ziele. men nen. mentInnen.
 Förderung des Zu- Konkrete Beispiele: • Barrierefreies
 Regionalcluster- sammenspiels Unter- • Energieautonomes Hartberg: Es werden
foren nehmerInnen, Gemein- Hartbergerland: Maßnahmen zur Besei-
Die Regionalclusterfo- den und KonsumentIn- Durch Forcierung der tigung von Hindernissen
ren stellen den Motor nen erneuerbaren Energien und Barrieren für be-
für eine kontinuierliche  Durchführung von in der Region wird eine hinderte Menschen ge-
Arbeit dar. Die attrakti- Veranstaltungen wie Unabhängigkeit von En- setzt (im Alltags- und
ve Gestaltung der Fo- z.B. Innovationspreis, Ju- ergie-Importen ange- Berufsleben; u. a. bauli-
ren sorgte für eine gendredewettbewerb strebt. che Maßnahmen).
starke Beteiligung aus  Sensibilisierung von • Gründung einer • Nachhaltigkeit
der Region. Jugend und Schule für KonsumentInnen- macht Schule: Durch
Regionalwirtschaft plattform: Die Platt- verschiedene Aktionen
 Regionale Arbeits-  Förderung des Inno- form bietet die Mög- werden LehrerInnen
gruppen vationsbewusstseins lichkeit für einen inten- und SchülerInnen sowie
Auf Basis der in der und Unterstützung kon- siven Austausch zwi- Schulerhalter mit dem
Zukunftskonferenz er- kreter UnternehmerIn- schen den ProduzentIn- Thema Nachhaltigkeit
arbeiteten Themen- neninitiativen nen und KonsumentIn- und den Auswirkungen
schwerpunkte wurden  Institutionalisierung nen der Region (z. B. auf die Region konfron-
unterschiedliche Maß- des Regionalclusters über die Bedürfnisse tiert.
nahmengruppen zur (Bildung Personen- von KonsumentInnen
Ideensammlung gebil- komitee aus Politik/ u. Ä.). Eine weitere
det. Wirtschaft/Verwaltung; Maßnahme ist die Erar-
Aufbau Mitglieder- beitung eines regiona-
system etc.) len Einkaufskatalogs, die

Dank an: Ferdinand Zisser und Susanne Beyer, Entwicklungsförderungsverband Bezirk Hartberg; Birgit Neges und Karl Resel,Wallner&Schauer
37
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Nachhaltige Verwaltung
Kirchdorf/Krems Präsentation
des Entwick-
lungskonzepts

Ort: Bezirk Kirchdorf an der


Krems, Oberösterreich
Beteiligte: MitarbeiterInnen der
Bezirkshauptmannschaft
Finanzierung: Land OÖ – Referat
Bildung und Personalentwicklung;
Oberösterreichische Akademie für
Umwelt und Natur
Begleitung und Beratung:
SPES Akademie, Schlierbach
Projektlaufzeit:
Herbst 2002 bis Herbst 2004
Methoden:
Vorträge,Arbeitsgruppen

Anlass Ablauf • Wie und wodurch


 „Regionale Agenda  Sensibilisierung kann die BH die Ent-
21“ im Bezirk Kirchdorf und Recherchen wicklung des Bezirks in
als auslösender Impuls Nach Vorgesprächen Richtung Nachhaltigkeit
Praxisbeispiele

für die Bezirkshaupt- mit Entscheidungsträge- fördern bzw. behindern?


mannschaft (BH), daran rInnen der BH Kirch- • Ökonomie – Ökolo-
einen innerbetriebli- dorf an der Krems be- gie – Soziales: Was sind
chen Entwicklungspro- gann das Pilotprojekt die wichtigsten Güter,
„Die gemeinsame Arbeit zess anzuschließen „Nachhaltige Verwal- Grundlagen und Werte,
hat uns gezeigt, wie wir die  Stärkung der part- tung“ mit einem Vortrag die wir im Bezirk schüt-
nerschaftlichen Bezie- zum Thema „Der zen und bewahren soll-
Beziehungen zu den
hungen zwischen den Mensch im Mittel- ten?
Bürgerinnen und Bürgern BürgerInnen des Be- punkt“. Ziel war es, • Was kann das Ziel
des Bezirkes unter dem zirks und den Mitarbei- dafür zu sensibilisieren, „Nachhaltige Entwick-
Gesichtspunkt der terInnen der BH dass Nachhaltigkeit von lung“ beispielsweise für
Nachhaltigkeit und im Menschen gelebt und die Anlagenabteilung,
Einklang mit unserer Zielsetzung umgesetzt wird – so Amtsleitung oder
Bezirksidentität gestalten  Weiterentwicklung auch von den Mitarbei- Sicherheitsabteilung
eines Leitbildes für die terInnen der BH. Die bedeuten?
können.Als Orientierung
BH unter Beteiligung TeilnehmerInnen wur- • Was kann ich persön-
galt, dass die neuen aller MitarbeiterInnen; den aufgefordert, eine lich zur Förderung ei-
Leitlinien die wichtig war die Frage Internetrecherche zum ner nachhaltigen Ent-
Arbeitsprozesse verbessern nach der praktischen Thema durchzuführen. wicklung beitragen?
und erleichtern sollen.“ Relevanz „Nachhaltiger  Großgruppen- • Wo können wir sek-
Entwicklung“ für die arbeit torübergreifend besser
Bezirkshauptmann tägliche Arbeit einer Der nächste Schritt bzw. mehr zusammen-
Knut Spelitz BH im Kontakt mit den war die Arbeit in der arbeiten?
BürgerInnen („Was Großgruppe zu ver- • Modellregion Nach-
kann ich persönlich schiedenen Frage- haltigkeit: In welchen
tun?“) stellungen wie z. B. Punkten sollten wir

38
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Eröffnung des
BürgerInnen-
büros
Fotos: BH Kirchdorf

Ansprechperson:
Karl Schachinger,
BH Kirchdorf/Krems
T: +43 (0)7582 685-303
E: Karl.Schachinger@ooe.gv.at
Weitere Infos:
www.bh-kirchdorf.ooe.gv.at

Vorbild sein? Was be- umgesetzt werden Ergebnisse  Beispiel für Maßnah-
deutet das auf der kann. Diese Maßnah-  Leitbild der BH men: Die MitarbeiterIn-
ökonomischen, ökolo- men wurden in einer Kirchdorf, das von den nen der BH überlegen
gischen und sozialen Folgeveranstaltung MitarbeiterInnen ge- sich, wie sie ihren Ar-

Praxisbeispiele
Ebene? präsentiert. meinsam erarbeitet beitsprozess und damit
wurde – von den rund ihre Beziehung zu den
 Arbeit in Teams 100 Bediensteten haben BürgerInnen so gestal-
Nach der Arbeit in der sich über 80 Prozent ten können, dass Wege
Großgruppe wurden elf am innerbetrieblichen zur BH eingespart wer-
abteilungsspezifische Prozess beteiligt den. Damit wird die Le-
Teams gebildet, die ent-  Qualifizierung der bensqualität der Bürge-
sprechend ihren Aufga- MitarbeiterInnen:Team- rInnen erhöht, ein Bei-
bengruppen zusammen- arbeit, ganzheitliches trag zur Verkehrsreduk-
gestellt wurden. Die Denken, Stärkung der tion und CO2-Einspa-
einzelnen Teams legten Selbstorganisation, Per- rung geleistet und die
ihre Hauptaufgaben im sönlichkeitsentwicklung MitarbeiterInnen der
Sinne einer „Nachhalti- usw.; Bewusstseinsbil- BH freuen sich über die
gen Verwaltung“ (Was dung zum Thema Nach- positiven Rückmeldun-
braucht die meiste haltige Entwicklung gen der BürgerInnen.
Zeit? Wo ist die Verant-  Entwicklung einer
wortung sehr groß?) neuen „nachhaltigen
und die Messgrößen für Wertordnung“: Leit-
ihren Erfolg (Anhand linien und Werte im
welcher Ergebnisse Sinne einer Nachhalti-
sieht man, dass wir er- gen Entwicklung, die in
folgreich sind?) fest. Je- der täglichen Arbeit
des Team benannte drei umgesetzt werden
bis sechs Maßnahmen,
wie Nachhaltigkeit im
jeweiligen Fachbereich

Dank an: Peter Jungmeier, SPES-Akademie; Knut Spelitz und Karl Schachinger, Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf an der Krems
39
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Gemeinden mobil –
Mikronetzwerk Rheintal Zukunfts-
werkstatt in
Frastanz (A)

Ort: Rheintal: Gemeinden Frastanz


(A), Grabs (CH), Mäder (A), Mauren
(FL), Schaan (FL)
Beteiligte: BürgerInnen,Vertrete-
rInnen aus Verwaltung und Politik
Begleitung und Beratung:
Österreichisches Ökologie-Institut,
Wien
Kosten/Finanzierung:
285.000 Euro/50 % Interreg-Förde-
rung, 50 % Gemeinden
Projektlaufzeit:
08/2002 bis 08/2004
Methoden: Zukunftswerkstätten,
Arbeitsgruppen, Zeichenwettbe-
werb, Diskussionsveranstaltungen,
Befragungen, Netzwerktreffen

Anlass Ablauf über 3.000 Arbeitsstun-


 Aufzeigen der Zu-  Zukunftswerk- den ehrenamtlich ins
sammenhänge zwischen stätten in den Projekt eingebracht.
regionalen und überre- Gemeinden
Praxisbeispiele

gionalen Verkehrspro- Jede der fünf Projektge-  Treffen der


blemen und Formulie- meinden lud ihre Be- 14 Projektteams
rung von Handlungsvor- wohnerInnen zu einer Eineinhalb Jahre lang ar-
schlägen für die Region eintägigen Zukunfts- beiteten die 14 Teams
werkstatt ein, bei der an ihren Projekten, ent-
Zielsetzung diese Probleme benen- warfen Maßnahmen und
 Entwicklung ökolo- nen, Zukunftsbilder ent- setzten sie um. Um den
gisch orientierter und werfen und Wünsche Austausch sowohl zwi-
sozialverträglicher Maß- deponieren konnten. schen den Projektge-
nahmen zur Reduktion Die daraus entstande- meinden als auch den
des Individualverkehrs nen Ideen wurden in einzelnen Teams zu ge-
 Optimierung des einer moderierten währleisten, wurden
„Bewährt hat sich die kommunalen Verkehrs- Abendveranstaltung in Treffen für alle Projekt-
gemeinde- und länder- managements der jeweiligen Gemein- beteiligten und eigene
übergreifende Arbeit:  Errichtung eines ge- de weiterbearbeitet TeamleiterInnen-Treffen
Wir konnten erfahren, meinde- und grenz- und zu konkreten organisiert.
überschreitenden Netz- Projekten weiterent-
dass auch anderswo
werkes zum Erfahrungs- wickelt.  Zeichenwett-
sehr ähnliche Probleme austausch, zur gemein- 14 Arbeitsteams bilde- bewerb
existieren bzw. samen Suche nach neu- ten sich: je zwei in Die Bürgermeister der
interessante Lösungen en Lösungswegen und Grabs und Mäder, je fünf Gemeinden des
bereits umgesetzt wurden.“ Schaffung von Synergien drei in Frastanz und Mikronetzwerkes „Ge-
bei der Umsetzung Schaan und vier in meinden mobil“ lancier-
Ein Bürgermeister Mauren mit insgesamt ten im Herbst 2003
65 beteiligten BürgerIn- einen Zeichenwettbe-
nen. Diese Teams haben werb, damit sich auch

40
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Projektidee einer
Pförtneranlage in
Zukunfts-
Schaanwald, erstellt
werkstatt in
von den TeilnehmerIn-
Schaan (FL)
nen der Zukunftswerk-
Fotos: Österreichisches
statt in Mauren (FL) Ökologie-Institut

Ansprechperson:
Rainer Siegele, Bürgermeister
der Gemeinde Mäder
T: +43 (0)5523 5286012
E: r.siegele@maeder.at
Weitere Infos:
www.ecology.at/projekt/

Kinder und Jugendliche  Abschluss- Ergebnisse  Mobilitätsvideo


mit den „Verkehrs- veranstaltung Beispiele umgesetzter (DVD) „Umsteigen
knacknüssen" befassen. Am 9. Juli 2004 wurde oder in Umsetzung be- macht Spaß“ als Sensi-
in Grabs eine interna- findlicher Maßnahmen: bilisierungsmaßnahme

Praxisbeispiele
 Anforderungs- tionale Fachtagung ver-  Flächendeckend Tem- zum Thema Verkehr für
katalog an die Politik anstaltet. Dort präsen- po 30 im Siedlungsbe- Betriebe und Schulen
Alle 14 Projektgruppen tierten die Projektgrup- reich  Kreisverkehr und
erarbeiteten gemeinsam pen den politisch Ver-  Streckenführung für Straßenraumgestaltung.
einen Anforderungska- antwortlichen auf kom- einen neuen Ortsbus
talog an die Politik zur munaler, regionaler, (Expertise beauftragt)
Realisierung nachhalti- überregionaler und  Errichtung einer ge-
ger Verkehrssysteme grenzüberschreitender meindeübergreifenden
auf regionaler und Ebene neben den Ar- Radwegverbindung
grenzüberschreitender beitsergebnissen einen  Analyse der Gefah-
Ebene. Der Katalog Forderungskatalog. renstellen im Straßen-
enthält Forderungen zu bereich und Maßnah-
folgenden Themen: menkatalog (Schutz-
Sanfte Mobilität,Ver- wege,Verkehrsspiegel,
kehrssicherheit, Lei- Markierungen, Geh-
tideen für koordinierte steige)
Raumplanungs- und  „Mittagstisch zur Ver-
Verkehrskonzepte, Um- kehrsvermeidung“ –
weltverbund,Verbesse- SchülerInnen essen mit-
rung des öffentlichen tags in der Schule
Verkehrsangebotes,  Maßnahmenpaket
Bewusstseinsbildung, „Die Straße als Lebens-
Radwege- und Fuß- raum“
wegenetz.

Dank an: Rainer Siegele, Gemeinde Mäder; Karin Klas, Österreichisches Ökologie Institut
41
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Verkehrsberuhigung am Feiern nach

‚Himmelpfortgrund‘ gelungener
Umsetzung
Foto: Marc Diebäcker

Ort: Wien, 9. Bezirk (Alsergrund)


Beteiligte: BürgerInnen,Vertreter
der Wirtschaftskammer,VertreterIn-
nen aus Verwaltung und Politik
Begleitung und Beratung:
Lokale Agenda 21 Alsergrund;
Martin Forstner,Verkehrsexperte
Finanzierung: LA 21 Alsergrund
Projektlaufzeit:
09/2003 bis 06/2004
Methoden: Arbeitsgruppe,
BürgerInnenversammlung,Workshop
Ansprechperson:
Marc Diebäcker, Projektleiter LA 21,
T: +43 (0)1 315 78 76
E: buero@agenda21.or.at
Weitere Infos:
www.agenda21.or.at

Anlass Zielsetzung eine Arbeitsgruppe, einem Workshop mit


 Starke Zunahme des  Änderung der Ver- nahmen mit weiteren PolitikerInnen der Be-
Durchzugsverkehrs im kehrsorganisation und BewohnerInnen des zirksverkehrskommis-
Grätzel Himmelpfort- damit Verkehrsberuhi- Viertels Kontakt auf sion und einem Vertre-
Praxisbeispiele

grund; immer mehr Au- gung des Grätzels mit und erhoben in einem ter der Wirtschafts-
tofahrerInnen benutzen intensiver Beteiligung ersten Schritt die Ist- kammer präsentiert
„Schleichwege“ von und der betroffenen Bevöl- Situation. Unterstützt und diskutiert. Die Ver-
zu einer stark befahre- kerung von einem Verkehrs- kehrskommission ent-
nen Durchzugsstraße experten erarbeiteten schied sich daraufhin
 AnrainerInnen klagen Ablauf die Betroffenen ver- mehrheitlich für die
über gefährliche Ver- Einige BewohnerInnen schiedene verkehrsor- präsentierte Lösungs-
kehrssituationen und des Stadtviertels wand- ganisatorische Lösungs- variante. Im Juni 2004
starke Lärm- und Ab- ten sich mit dem Anlie- varianten. Ziel war es, wurde die neue Ver-
gasbelastung gen der Verkehrsberuhi- eine Neuregelung zu kehrslösung probeweise
gung in ihrer Wohnum- finden, die im betroffe- für ein halbes Jahr um-
gebung an das LA21- nen Wohngebiet mög- gesetzt. Sollte sie sich
Büro am Alsergrund. lichst breit Anerken- bewähren, wird sie
Dort wurden sie er- nung findet, ohne das dauerhaft so belassen.
„BürgerInnen haben muntert, die Lösung des Problem auf die angren-
gemeinsam eine allgemein Problems selbst in die zenden Gebiete zu ver- Ergebnisse
Hand zu nehmen. Einige lagern. Die erarbeiteten  Durch die Umdre-
akzeptierte Lösung für das
Jahre zuvor war es ei- Varianten wurden in hung einiger Einbahnen
Viertel erarbeitet, was nem vom Bezirk beauf- einer BürgerInnenver- wurde der Durchzugs-
Verkehrsexperten und tragten Planungsbüro sammlung vorgestellt verkehr unterbunden
MitarbeiterInnen des nicht gelungen, eine all- und diskutiert. Alle an- und eine deutliche Ver-
Magistrats einige Jahre gemein akzeptierte wesenden AnrainerIn- besserung der Lärm-
zuvor noch unmöglich Neuregelung der unbe- nen sprachen sich und Abgassituation im
friedigenden Verkehrsi- einstimmig für eine Wohngebiet erzielt.
erschien.“
tuation zu finden. Die Lösungsvariante aus.
Marc Diebäcker BürgerInnen bildeten Der Vorschlag wurde in

Dank an: Paul Angeli, Anrainer; Martin Forstner,Verkehrsexperte; Marc Diebäcker und Sabine Haslinger, Lokale Agenda 21 Alsergrund
42
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Arbeits-
gruppen-
Offener Planungsprozess
sitzung in
Flachau
Foto: ÖSAG
2.Tunnelröhre der A10
Ort: Tauern Autobahn von Hüttau/Pongau (S)
bis Seeboden (K)
Beteiligte: VertreterInnen von 10 Gemeinden,
Landesumweltanwaltschaft Salzburg,VertreterIn-
nen der Landesregierungen Salzburg und Kärn-
ten, ZT Spirk & Partner, Salzburg (als Berater
der Gemeinden), Planungsteam der ÖSAG
Begleitung/Beratung: keine externe
Moderation
Finanzierung: ASFINAG
Projektlaufzeit: 08/1999 bis 08/2004
Methoden: Lokale Arbeitsgruppen,
Regionale Informationsforen
Ansprechpersonen:
Alexander Walcher, Projektleiter und Leiter
Geschäftsfeld Planung, ÖSAG-Wien,T: +43 (0)1
53134-14445, E: walcher.alexander@oesag.at;
Veronika Pfeifenberger,Verein für ein lebens-
wertes Zederhaus,T: +43 (0)664 1403062,
E: direktion@vs-zederhaus.salzburg.at
Weitere Infos: www.partizipation.at

Anlass betroffenen Anrainerge- Beteiligten im Planungs-


 Entscheidung zum meinden Gelegenheit prozess zu mehr Ver-
Bau der zweiten Tunnel- zur Mitarbeit an der ständnis für die unter- „Kompromissbereitschaft
röhre durch Tauern und Planung der Umwelt- schiedlichen Interessen. wurde allen Seiten immer

Praxisbeispiele
Katschberg. entlastungsmaßnahmen wieder abverlangt. Die
erhalten. Die Teilneh- Ergebnisse Glaubwürdigkeit dieses
Zielsetzung merInnen erarbeiteten  Gemeinsam erarbei- Verfahrens hängt von der
 Erarbeitung von Um- in insgesamt zirka 60 tete Lärmschutzmaß- schnellen Realisierung der
weltentlastungsmaßnah- Sitzungen Vorschläge für nahmen
ausverhandelten Entlas-
men gemeinsam mit Entlastungsmaßnahmen  Unterfertigung einer
den Anrainergemeinden und diskutierten die „Gemeinsamen Erklä- tungsmaßnahmen ab, sonst
Vor- und Nachteile un- rung zur Umsetzung fühlen wir uns als positive
Ablauf terschiedlicher Lösun- von Umweltentlas- Anrainer-Multiplikatoren
Die Planung des Aus- gen. Komplexe Sachver- tungsmaßnahmen", in missbraucht.“
baus der zweiten Tun- halte wurden ergänzend der Art, Umfang und
nelröhren hat bereits in durch Planungsausstel- Ort der zu errichten- Veronika Pfeifenberger
den 80er Jahren begon- lungen vertieft. In Re- den Maßnahmen festge-
nen und war von Be- gionalforen konnte sich legt wurden (unter-
ginn an von massivem die betroffene Bevölke- zeichnet von fast allen
Widerstand der Bevöl- rung über den Stand Bürgermeistern der An- Während des Planungsprozes-
kerung begleitet. 1999 der Planungen informie- rainergemeinden, dem ses wurde das UVP-Gesetz*
gab das Verkehrsminis- ren. Verkehrsminister, den novelliert und der Ausbau der
terium die Umsetzung Wenn auch Begleitum- Landeshauptleuten von Tunnelröhren wurde seitens
des Projekts schließlich stände des Prozesses Salzburg und Kärnten, des BMVIT als nicht UVP-
pflichtig eingestuft. Die Be-
in Auftrag. Die Bevölke- (s. Kasten) für Unmut ASFINAG, ÖSAG)
schwerde der Landesumwelt-
rung sollte in einem of- in den betroffenen Ge-  Einrichtung eines Bei- anwaltschaft bei den Höchst-
fenen Planungsprozess meinden sorgte, führte rates, der für die Um- gerichten blieb erfolglos.
kontinuierlich infor- die jahrelange intensive setzung der Erklärung Daher wurde keine UVP
miert werden und die Zusammenarbeit der verantwortlich ist. durchgeführt.
*) Umweltverträglichkeitsprüfungs-Gesetz

Dank an: Brigitte Peer, Landesumweltanwaltschaft Salzburg;Veronika Pfeifenberger, Arbeitskreis für ein lebenswertes Zederhaus; Alexander Walcher, ÖSAG
43
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

SUP* zum Wiener


Abfallwirtschaftsplan Kern-
formulierungen
zur SUP

Ort: Wien
Beteiligte: VertreterInnen der Wie-
ner Stadtverwaltung, Umweltorgani-
sationen, externe BeraterInnen und
WissenschafterInnen, insgesamt 20
Dienststellen bzw. Organisationen
Begleitung und Beratung:
Büro Arbter – Technisches Büro für
Landschaftsplanung,Wien
Kosten / Finanzierung: ca. 330.000
Euro für Abfallwirtschaftsplan und
SUP / Stadt Wien – MA 48 u. MA 22
Projektlaufzeit: Vorbereitungs-
phase: 02/1999 bis 06/1999; Durch-
führungsphase: 06/1999 bis 10/2001
Methode: SUP am runden Tisch

Anlass Zielsetzung Wiener Abfallwirt- gen sowie Maßnahmen


 Steigende Abfallmen-  Erstellung des Wie- schaftsplans mit. zur Abfallvermeidung.
gen und Kapazitätseng- ner Abfallwirtschafts-  Erarbeitung des Die Alternativen wur-
pässe bei den bestehen- plans unter Berücksich- Abfallwirtschafts- den hinsichtlich ihrer
Praxisbeispiele

den Abfallbehandlungs- tigung von Umwelt- plans Auswirkungen auf Um-


Anlagen in Wien aspekten und mit Betei- Die Arbeit im SUP- welt,Wirtschaft und
 Klärung der Frage, ligung der relevanten Team begann mit der Gesellschaft überprüft.
ob Wien zusätzliche Interessengruppen Definition der Ziele des Nach mehrmaliger Op-
Abfallbehandlungsanla- Wiener Abfallwirt- timierung der Alternati-
gen benötigt oder ob Ablauf schaftsplans. Dabei wur- ven fand das SUP-Team
intensivierte Maßnah-  Vorbereitung den auch Umweltziele weitgehend Konsens
men zur Abfallvermei- In der Vorbereitungs- festgelegt (z. B. Emissi- zum aus seiner Sicht
dung und -verwertung phase wurden die orga- onsreduktion). Ein ers- besten Maßnahmenbün-
ausreichen nisatorischen und finan- ter Schritt waren eine del für die Wiener Ab-
ziellen Rahmenbedin- Bestandsaufnahme und fallwirtschaft. Das Er-
gungen für die SUP ge- die Diskussion der der- gebnis, der Wiener Ab-
„Besonders bewährt hat klärt, das Ziel des Pro- zeitigen Probleme der fallwirtschaftsplan, wur-
sich, dass Meinungen zesses definiert sowie Wiener Abfallwirtschaft. de im Umweltbericht
das SUP-Team zusam- Danach erarbeiteten die festgehalten und als
gehört und diskutiert
mengestellt. Die SUP Beteiligten Lösungs-
wurden und nicht darüber zum Wiener Abfallwirt- möglichkeiten, um
hinweggegangen wurde, schaftsplan war ein die eingangs festge- Der Ablauf
außerdem der Erfahrungs- Team-Prozess unter ko- legten Ziele des VORPHASE VORBEREI-
austausch und die damit operativer Beteiligung Wiener Abfallwirt- Entscheidung für TUNGSPHASE
verbundene Erweiterung der Verwaltung, von schaftsplans zu errei- eine SUP zur Er- Planung des Pro-
Umweltorganisationen chen. Diese Alterna- stellung des Wie- zessablaufs mit
der eigenen Sichtweise und
und externen ExpertIn- tiven umfassten viel- ner Abfallwirt- Öffentlichkeits-
das ,Lernen’ von den nen. Alle Beteiligten fältige Maßnahmen, schaftsplans beteiligung
anderen.“ wirkten gleichrangig an wie etwa neue Ab-
Ein Teilnehmer der Erarbeitung des fallbehandlungsanla-

*) Strategische Umweltprüfung
44
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

SUP-Team vor
dem gemein-
samen Ergebnis
Fotos: Florian Gerlich

Ansprechperson:
Sonja Sciri, Stadt Wien – MA 22
T: +43 (0)1 4000-88313
E: sci@m22.magwien.gv.at
Weitere Infos:
Wissenschaftliche Begleitstudie
unter
www.lebensministerium.at/Umwelt
Unterpunkt Umweltverträglich-
keitsprüfung (UVP) – SUP,
Umweltbericht unter
www.wien.gv.at/ma22/pool/abfall.htm
ExpertInnenbericht unter
www.wien.gv.at/ma48/sup/index.htm,
www.partizipation.at

Empfehlung an den tragen und angenom- Genehmigung der neu- Ergebnisse


Wiener Gemeinderat men. en Müllverbrennungsan-  Wiener Abfallwirt-
weitergeleitet.Auch  Umsetzung lage. Durch die vorgela- schaftsplan: Katalog mit
wenn die Ergebnisse Die angenommenen Er- gerte SUP konnte die Maßnahmen zur Abfall-

Praxisbeispiele
nicht rechtsverbindlich gebnisse der SUP wur- UVP spürbar entlastet vermeidung, zur stoffli-
waren, entstand inner- den in das verpflichtend werden. Das Genehmi- chen Verwertung und
halb des SUP-Teams ei- zu erstellende Wr. Ab- gungsverfahren für die zur Behandlung des Ab-
ne starke Identifikation fallwirtschaftskonzept neue Biogasanlage ist falls in unterschiedli-
mit dem Wiener Abfall- integriert. Gleich nach bereits positiv abge- chen Anlagen.
wirtschaftsplan. Abschluss der SUP schlossen. Außerdem
 Beschluss startete die Umsetzung kontrolliert eine eigens
Der Wiener Gemeinde- der ersten empfohlenen dafür eingesetzte Moni-
rat nahm den Wiener Maßnahmen (Gründung toringgruppe die Um-
Abfallwirtschaftsplan einer Strategiegruppe setzung der SUP und
mehrheitlich zur Kennt- Abfallvermeidung, Eig- die tatsächlichen Aus-
nis. Die politische Füh- nungszonensuche für wirkungen des Abfall-
rungsebene hat den neue Abfallbehandlungs- wirtschaftskonzeptes
Großteil der empfohle- anlagen). Danach folgte auf die Umwelt.
nen Maßnahmen mitge- das UVP-Verfahren zur

DURCHFÜHRUNGS- BESCHLUSSPHASE UMSETZUNGSPHASE


PHASE Annahme des Wiener Monitoring zur Umsetzung
• Zielfestlegung Abfallwirtschaftsplans im der Maßnahmen
• Analyse Ausgangssituation Gemeinderat
• Entwicklung von Alterna-
tiven
• Analyse der Auswirkun-
gen dieser Alternativen
• Umweltbericht

Dank an: Sonja Sciri, Stadt Wien, MA 22


45
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Verschiedene Herkunft – TeilnehmerInnen


des Lehrgangs

Gemeinsame Zukunft Interkulturelle


Pädagogik
Foto: Maria Zwicklhuber

Ort: Krems/Donau, NÖ
Beteiligte: Kremser BürgerInnen,
VertreterInnen der politischen Par-
teien, des Magistrats, der Sozialpart-
ner sowie sozialer Einrichtungen
und Vereine
Finanzierung: Mittel des EU-Pro-
gramms EQUAL und Stadt Krems
Begleitung und Beratung:
Interkulturelles Zentrum Wien,
Institut für Konfliktforschung Wien
Projektlaufzeit:
12/2002 bis 08/2005
Methoden: Informations-
veranstaltung, Arbeitsgruppen
Ansprechperson:
Sandra Kern, Stadträtin,
T: +43 (0)699 12207944,
E: kern.training@aon.at
Weitere Infos: www.krems.at

Anlass nem Maßnahmenkata- Insgesamt beteiligten  Durchführung eines


 Teilnahme am log durch KremserIn- sich etwa 100 Men- dreisemestrigen Lehr-
EQUAL-Projekt „Ver- nen (MigrantInnen und schen an der Leitbild- gangs „Interkulturelle
schiedene Herkunft – Nicht-MigrantInnen) erstellung. Sie erarbei- Pädagogik“
Praxisbeispiele

Gemeinsame Zukunft“ sowie VertreterInnen teten in sechs Arbeits-  „Interkulturelle Tref-


zur Verbesserung des von Politik und Verwal- gruppen mit jeweils fen“ in unterschiedli-
interkulturellen Zusam- tung, Interessenvertre- zehn bis 25 Personen chen Institutionen für
menlebens tungen, sozialen Einrich- konkrete Maßnahmen Kremser BürgerInnen
 Weiterentwicklung tungen und Vereinen für verschiedene The- und für MigrantInnen
der bereits in den 90er menfelder wie z. B.Ver- zum Kennenlernen der
Jahren begonnen Inte- Ablauf waltung, Bildung, Kultur, unterschiedlichen Insti-
grationsarbeit in Krems Mit einem Gemeinde- Gesundheit und Ar- tutionen
ratsbeschluss bekräftig- beitswelt. Die Ergebnis-  Veranstaltung eines
Zielsetzung te die Stadt Krems an se aller Arbeitsgruppen ersten interkulturellen
 Gemeinsame Ent- der Donau die Teilnah- wurden zu einem ge- Festes und eines inter-
wicklung eines Integra- me am Projekt „Ver- meinsamen Leitbild zu- kulturellen Kinderspiel-
tionsleitbildes mit ei- schiedene Herkunft – sammengetragen, das festes
Gemeinsame Zukunft". vom Gemeinderat mit  Bildung eines Migran-
Der erste Schritt war den Stimmen aller poli- tInnen-Vertrauenskomi-
eine Analyse der Ist- tischen Parteien be- tees, das eine Brücken-
„Durch den langen
Situation, um mögliche schlossen wurde. funktion zwischen
Diskussionsprozess bin Benachteiligungen der Stadtverwaltung und
ich viel sensibler in zugewanderten Krem- Bisherige Ergebnisse MigrantInnen erfüllt
meiner Wahrnehmung ser Bevölkerung aufzu-  Anstellung einer in-  Einrichtung eines
bei interkulturellen zeigen. In einer öffentli- terkulturellen Mitarbei- interkulturellen Begeg-
Begegnungen geworden.“ chen Auftaktveranstal- terin für den Kinder- nungsraumes im Stadt-
tung wurden die Ergeb- gartenbereich teil Lerchenfeld
Helma Spannagl-Schmoll, nisse präsentiert und  Einrichtung einer  Aufbau eines kran-
eine Teilnehmerin alle Interessierten zur Fachstelle für Integra- kenhausinternen Dol-
Mitarbeit eingeladen. tion in der Stadt Krems metschsystems.

Dank an: Maria Zwicklhuber und Azem Olcay, Interkulturelles Zentrum Wien; Sandra Kern, Stadträtin, Simone Göls, Fachstelle Integration Krems
46 Brigitte Halbmayr, Institut für Konfliktforschung,Wien
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Öffentlichkeitsbeteiligung –
auch eine Zukunftsaufgabe

Die Beteiligung der Bevölkerung ist eine wichtige Zukunftsaufgabe für das
21. Jahrhundert – so wurde es in der UN-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro
festgeschrieben. Die vielen gelungenen Beteiligungsprozesse weltweit – und auch in
Österreich – beweisen, dass die Umsetzung bereits begonnen hat. Damit dieser
erfolgreiche und nachhaltige Weg fortgesetzt werden kann, ist es wichtig, auch künftig
an der Verbesserung von Beteiligungsrechten und -möglichkeiten zu arbeiten.

Öffentlichkeitsbeteiligung ist Zur Beteiligung ermutigen und


Zusammenarbeit und Dialog motivieren

Die Förderung von Öffentlichkeits- Demokratische Teilhabe meint die


beteiligung zählt zu den zentralen Mitwirkung möglichst vieler Men-
Grundsätzen eines modernen Politik- schen und Bevölkerungsgruppen an
und Verwaltungsverständnisses. Gute der Gestaltung von Lebensräumen
Regierungs- und Verwaltungsführung und -bedingungen. Das geht über die
auf allen Ebenen bedeutet, in Zukunft Wahrnehmung gesetzlich geregelter
besonders darauf zu achten, dass Rechte, wie etwa dem Wahlrecht
neue Formen der Zusammenarbeit oder der Initiative für ein Volksbegeh-
zwischen Politik,Verwaltung, Bürge- ren hinaus und bezieht sich auf viel-
rInnen,Wirtschaft und NGOs fältige Anwendungsfelder, wie die Bei-
(Glossar) entstehen. Dies gilt für spiele aus ganz Österreich zeigen.
alle Ebenen der Politikgestaltung – Beteiligung ist der Ausdruck freiwilli-
von konkreten Projekten, über Pläne gen, ehrenamtlichen und bürger-
und Programme bis hin zur Strategie- schaftlichen Engagements. Es ist die
und Politikentwicklung. Aufgabe von Politik und Verwaltung
zur Beteiligung zu motivieren und sie
zu ermöglichen – denn sie stärkt das
Gemeinwesen und die demokratische
Kultur und fördert die Entwicklung Perspektiven
von Verantwortungsbewusstsein für
die Gemeinschaft.

Beteiligung anerkennen und


unterstützen
„Die Zukunft wird nicht
durch neue Strukturen In zahlreichen Projekten und Organi-
oder Modelle, sondern sationen sind Menschen Tag für Tag
durch Menschen mit ihrem zusätzlich zu Beruf und Alltagspflich-
Wissen, ihren Ideen und ten engagiert. Es sind Menschen aus
Visionen lebendig.“ allen Bevölkerungsgruppen, junge
Menschen, Ältere, Frauen und Män-
Ambros Pree* ner, die in Bereichen wie Umwelt,
Soziales, Gesundheit oder Kultur tätig
sind. Öffentlichkeitsbeteiligung, Frei-

*) OÖ.Technologie- und Marketinggesellschaft


47
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Öffentlichkeitsbeteiligung – auch eine Zukunftsaufgabe

willigenarbeit und ehrenamtliches Enga- Kleine Einheiten und globale


gement erfordern Interesse, Motivation Zusammenhänge
und Einsatzbereitschaft der Menschen.
Zugleich brauchen engagierte Men- Beteiligung beginnt im Kleinen – im un-
schen aber auch Strukturen, die Gele- mittelbaren Wohnumfeld, im Stadtteil,
genheiten für ihr Engagement und in der Gemeinde: Hier sind Entschei-
Gestaltungsmöglichkeiten bieten.Wich- dungsprozesse für jede/n Einzelne/n
tig sind Orte und Treffpunkte, die es noch nachvollziehbar, hier wird auch
ermöglichen, auch einmal Neues auszu- greifbar, welche Wirkung das eigene
probieren, Orte, wo demokratische Engagement hat. Unmittelbare Rück-
Teilhabe praktiziert und wo gemeinsam meldungen und die Sichtbarkeit von
gelernt werden kann. Dazu sind auch Erfolgen machen den Einsatz für das
Fachkräfte erforderlich, die unterstüt- Gemeinwohl zu einem persönlichen
zen und qualifizieren, begleiten und Gewinn. Eine Stärkung der lokalen und
anerkennen. Dabei erwarten die Men- regionalen Mitwirkungsmöglichkeiten
schen, dass es sich für sie in ihrer kann also die Bereitschaft zur Beteili-
jeweiligen Lebenssituation lohnt, sich gung erhöhen. Hier entsteht ein
zu engagieren, dass sie gemeinsam Gegengewicht zur fortschreitenden
Erfolg haben und ihr Einsatz auch Spaß Globalisierung: eine Stärkung der klei-
macht. nen Einheiten, ohne die größeren
Zusammenhänge aus dem Blick zu ver-
lieren. Auch kleine Initiativen können
Vom Einzelinteresse zum große Wirkung erzielen, so wie tägliche
Gemeinwohl Entscheidungen jeder/s Einzelnen über
Gemeindegrenzen hinaus Wirkung
Die persönliche Motivation eines zeigen.
Menschen ist für sein Engagement aus-
schlaggebend. In der Diskussion mit
anderen und der gemeinsamen Ausein-
andersetzung entsteht Verständnis für
Perspektiven

andere Standpunkte. Individuelle


Ansprüche und Interessen können zu
einem gemeinsamen Ganzen zusam-
mengeführt werden, das allen dient.
Dabei entsteht ein Mehrwert, der vor-
her vielleicht nicht denkbar war. So
kann durch das gemeinsame Engage-
„Viele kleine Menschen an ment ein Netz an persönlichen Bezie-
vielen kleinen Orten, die hungen entstehen, das den sozialen
Zusammenhalt in einem Stadtviertel
viele kleine Dinge tun,
oder einer Gemeinde auch längerfristig
verändern das Angesicht stärkt.
der Welt.“
Afrikanisches Sprichwort

48
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Öffentlichkeitsbeteiligung – auch eine Zukunftsaufgabe

Vom „Verwalten“ zum Beteiligten umzusetzen. Es geht viel-


„Mitgestalten“ mehr darum, die Qualität und Akzep-
tanz von Entscheidungen durch Betei-
Ziel ist der Aufbau einer wechselsei- ligung zu erhöhen. Das kann nur
tig unterstützenden Partnerschaft von gelingen, wenn Beteiligung nicht nur
Politik,Verwaltung, BürgerInnen und zum Schein zugelassen wird und ein
InteressenvertreterInnen aus Wirt- Gefühl der gegenseitigen Unterstüt-
schaft und NGOs, von der alle profi- zung und des Vertrauens entsteht.
tieren. Dafür ist ein neues Selbstver- Politik soll im Dialog mit allen Betrof-
ständnis der Verwaltung im Umgang fenen und Interessierten so gestaltet
mit den BürgerInnen erforderlich, um werden, dass gemeinsam entwickelte
einander auf „gleicher Augenhöhe“ zu Vorhaben umgesetzt werden und die-
begegnen.Wichtig ist auch zu klären, se letztlich zu mehr Umwelt-, Stand-
in welcher Form die Zusammenarbeit ort- und Lebensqualität beitragen.
zwischen den demokratisch gewähl-
ten Gremien (z. B. dem
Gemeinderat) und der
Öffentlichkeit ablaufen soll.
Die gewählten VertreterIn-
nen werden keinesfalls in ihren
Aufgaben beschnitten. Sie sind
weiterhin verantwortlich dafür,
Entscheidungen zu treffen
und sie gemeinsam mit allen

Perspektiven

49
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Nutzen der
Öffentlichkeitsbeteiligung –
Argumente für verschiedene
AkteurInnengruppen

Öffentlichkeitsbeteiligung kann Als politische Entscheidungs-


allen Beteiligten nützen. Sie profi- trägerIn profitieren Sie darüber
tieren von Beteiligungsprozessen, hinaus von einem Beteiligungs-
weil... prozess, weil...

 durch den Austausch von Sichtwei-  die Kommunikation und der Infor-
sen und die gemeinsame Bearbei- mationsaustausch mit BürgerInnen
tung von Fragestellungen ein Inter- und InteressenvertreterInnen ver-
essensausgleich möglich wird; bessert wird;
 innovative Ideen und neue Lösungs-  Sie eine Kultur der Zusammen-
möglichkeiten für bestehende Pro- arbeit und des Dialogs mit Bürger-
bleme entstehen; Innen und InteressenvertreterInnen
 durch Dialog- und Konsensbereit- fördern und so die lokale Demokra-
schaft die Beziehungen zu den ande- tie stärken;
ren TeilnehmerInnen verbessert  Sie einen besseren Einblick in die
werden; Interessen und Bedürfnisse ver-
 persönliche Beziehungen aufgebaut schiedener Bevölkerungsgruppen
werden können, die zukünftige Kon- erhalten;
takte erleichtern;  Sie durch die Einbindung der unter-
 durch die Argumente und Sichtwei- schiedlichen Interessengruppen in
sen der anderen Beteiligten bei den Prozess Erwartungsdruck und
allen umfassenderes Wissen ent- Lobbying reduzieren können;
steht;  Sie so genannte „Randgruppen“
 durch „vervielfachtes“ Wissen Ent- durch einen Beteiligungsprozess in
scheidungen besser vorbereitet das Gemeinwesen integrieren
werden; können;
Praxismaterial

 sich die Kompetenz für zukünftige  Sie das Vertrauen in politische


Aushandlungen erhöht; Entscheidungen stärken können;
 Sie als PolitikerIn, BürgerIn, Projekt-  politische Entscheidungen, die auf
werberIn etc. Anerkennung und der Grundlage eines Beteiligungs-
Sympathie gewinnen können. prozesses getroffen werden, stärker
legitimiert sind;
 Sie Ihr Image durch größere Bürger-
Innennähe verbessern können;
 Sie erreichen können, dass sich (wie-
der) mehr Menschen mit ihrer Ge-
meinde oder Region identifizieren;
 möglicherweise sogar einzelne kom-
munale Aufgaben durch selbstorga-
nisierte, aktive BürgerInnen über-
nommen werden.

Basis: Arbeitsblätter zur Partizipation, Nr. 2 der ÖGUT-Strategiegruppe Partizipation  www.partizipation.at


50
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Nutzen der Öffentlichkeitsbeteiligung –


Argumente für verschiedene AkteurInnengruppen

Als MitarbeiterIn der Verwaltung Als BürgerIn oder Mitglied einer


nützt Ihnen ein Beteiligungs- BürgerInneninitiative profitieren
prozess, weil... Sie von einem Beteiligungspro-
zess, weil...
 durch weniger Einsprüche, Stel-
lungnahmen und nachträgliche  Sie eigene (Wert-)Vorstellungen,
Beschwerden nachfolgende Behör- Ideen und Interessen einbringen
denverfahren oft schneller abge- und umsetzen können;
wickelt werden können und Sie  Sie Entscheidungen, die Ihre
dadurch entlastet werden; Lebensqualität betreffen, aktiv mit-
 Sie über Bedenken und Vorbehalte gestalten und beeinflussen können;
gegen ein Projekt oder einen Plan  Sie (besseren) Zugang zu relevan-
bereits früh informiert sind und ten Informationen erhalten;
aktiv damit umgehen können;  Sie bessere Einsicht in Entschei-
 Sie durch die Einbindung der dungsprozesse erhalten und erfah-
unterschiedlichen Interessengrup- ren, wie Politik und Verwaltung
pen in den Prozess Erwartungs- funktionieren;
druck und Lobbying reduzieren  durch die Möglichkeit der Selbst-
können; organisation neue Handlungsspiel-
 Sie damit eine Kultur der Zusam- räume geschaffen und genutzt
menarbeit und des Dialogs mit werden können;
BürgerInnen und Interessenvertre-  Sie Anerkennung und Wertschät-
terInnen fördern und so die lokale zung für Ihr Engagement und für
Demokratie unterstützen; Ihr Wissen als „ExpertIn vor Ort“
 Sie einen besseren Einblick in die erfahren können.
Interessen und Bedürfnisse von Praxismaterial
Bevölkerungsgruppen erhalten;
 durch die Einbeziehung von Inter-
essierten und Betroffenen die
Abwägung und Zusammenführung
unterschiedlicher Interessen „Es geht darum, Ziele zu
erleichtert wird; erreichen, die eine/r allein
 möglicherweise sogar einzelne nicht erreicht hätte.“
Aufgaben von selbstorganisierten,
aktiven BürgerInnen übernommen Fritz Ammer*
werden;
 Sie das Vertrauen in die Tätigkeit
der Verwaltung stärken können.

*) SPES Akademie, OÖ
51
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Nutzen der Öffentlichkeitsbeteiligung –


Argumente für verschiedene AkteurInnengruppen

Für Sie als VertreterIn einer Inter- Auch Sie als ProjektwerberIn
essengruppe bringt ein Beteili- profitieren von Beteiligungs-
gungsprozess Nutzen, weil... prozessen, weil...

 Sie (Wert-)Vorstellungen, Ideen und  die Ergebnisse von Beteiligungsver-


Interessen einbringen und umsetzen fahren meist höhere Akzeptanz
können; erfahren und dadurch längerfristig
 Sie die Bedeutung Ihrer Organisa- „haltbare“ Lösungen entstehen;
tion stärken können;  die Chance auf eine rasche Realisie-
 Sie bessere Einsicht in Entschei- rung von Projekten durch weniger
dungsprozesse erhalten; nachträgliche Beschwerden und
 ein Beteiligungsprozess die Chancen Gerichtsverfahren steigt;
erhöht, Interessen und Positionen  dadurch größere Rechssicherheit
einzubringen, die sonst oft ungehört entsteht und sich das unternehmeri-
bleiben; sche Risiko verringert;
 Sie (besseren) Zugang zu relevanten  Sie mehr Verständnis – z. B. für die
Informationen erhalten; wirtschaftlichen Erfordernisse Ihres
 Sie die Kompetenz und das Profil Betriebes – erzielen können;
Ihrer Organisation sowohl gegen-  Sie Ihr Unternehmen in der Ge-
über Mitgliedern Ihrer eigenen meinde bzw. Region besser veran-
Organisation als auch gegenüber kern können;
der Öffentlichkeit verdeutlichen  Sie eine Vertrauensbasis für künftige
können; Kooperationen herstellen und auch
 eine Vertrauensbasis für künftige das Vertrauen in Produkte und
Kooperationen entstehen kann. Dienstleistungen Ihres Betriebes
stärken können;
Praxismaterial

 Sie das Image Ihres Unternehmens


verbessern können.

52
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Initiierung von
 Beteiligungprozessen

Bereits in der Initiierungsphase können ganz wesentliche Maßnahmen getroffen werden,


die den erfolgreichen Verlauf eines Beteiligungsprozesses begünstigen. Die folgende
Checkliste hilft Ihnen, die wichtigsten Schritte zu bedenken.

JA NEIN
Informationen
 Haben Sie alle relevanten Quellen (z. B. Gemeindeamt, BürgerInnenbüro, Internet, Zeitungen,  
Landesumweltanwaltschaft etc.) genutzt, um zu Ihrem Thema Informationen einzuholen?
 Ist geklärt, welche Aktivitäten es zu diesem Projekt bzw.Thema bereits gegeben hat (z. B. erste  
Vorplanungen, bereits durchgeführte Befragungen etc.)?
 Sind andere Betroffene und die Öffentlichkeit z.B. durch Flugzettel, Inserate in Zeitungen oder
Ähnliches über die Initiative zu einem Beteiligungsprozess informiert, um möglicherweise noch  
weitere engagierte PartnerInnen zu finden bzw. sich mit anderen Initiativen zu vernetzen?

Voraussetzungen
 Ist geklärt, ob eine Öffentlichkeitsbeteiligung gesetzlich vorgeschrieben ist (z. B. durch das UVP-  
Gesetz, die Raumordnungsgesetze der Länder oder das Wasserrechtsgesetz)?
 Wurden alle Betroffenen kontaktiert und informiert (ganz besonders wichtig bei gesetzlich  
vorgeschriebenen Beteiligungsprozessen!)?
 Haben Sie sich als Betroffene/r bei den Behörden über allfällige Fristen informiert?  
 Wurde überlegt, ob ein informaler Prozess einen verpflichtend vorgesehenen Beteiligungsprozess  
eventuell ergänzen und unterstützen könnte?

Konzept
 Haben Sie Ihre Ideen für einen Beteiligungsprozess – eventuell mit der Unterstützung professio-  
neller ProzessbegleiterInnen – schriftlich festgehalten?
 Haben Sie überlegt, welchen Nutzen der Beteiligungsprozess für andere Betroffene haben kann  
und wie Sie diese für eine Mitarbeit gewinnen können?
 Haben Sie überlegt, auf welcher Stufe (Information, Konsultation, Mitbestimmung) der   Praxismaterial
Beteiligungsprozess am sinnvollsten angesiedelt ist?
 Sind Sie sich im Klaren darüber, was Sie mit dem Beteiligungsprozess erreichen wollen?  
 Sind Sie sich der Chancen und Risiken eines Beteiligungsprozesses bewusst?  

Von der Initiierung zur Vorbereitung


 Haben Sie die (politischen) EntscheidungsträgerInnen kontaktiert und über Ihre Ideen für eine  
Beteiligung informiert?
 Wissen Sie, welche die nächsten Schritte sind, um den Beteiligungsprozess zu starten und  
haben Sie die anderen Betroffenen darüber informiert?
 Ist geklärt, wer welche Aufgabe bei der Vorbereitung und Durchführung des Beteiligungs-  
prozesses übernimmt?
 Ist die Finanzierung des Prozesses geklärt oder gibt es zumindest Finanzierungszusagen?  
 Haben alle wichtigen AkteurInnengruppen (EntscheidungsträgerInnen in Politik und Verwaltung,  
BürgerInnen, InteressenvertreterInnen, ProjektwerberInnen) zugesagt, sich an dem Verfahren zu
beteiligen oder es zu unterstützen?

53
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Vorbereitung von
 Beteiligungsprozessen

Die Qualität eines Beteiligungsprozesses hängt ganz wesentlich von einer guten
inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung ab. Die folgende Checkliste
hilft Ihnen, wichtige Punkte für das Gelingen eines Prozesses vorab zu bedenken.

Ziele und Aufgabenstellung I K M *)


 Ist allen Beteiligten das Ziel und die Aufgabenstellung des Beteiligungsprozesses klar? x x x
 Ist das Verfahren vom Ergebnis her offen, sodass genügend Gestaltungsspielraum besteht? x x
TeilnehmerInnen
 Haben alle potenziell Interessierten ausreichend Informationen zu Inhalt und Ablauf des Verfahrens bekommen, um sich x x x
für oder gegen eine Teilnahme daran entscheiden zu können?
 Sind alle relevanten Bevölkerungs- bzw. Interessengruppen (ev. durch benannte VertreterInnen) in ausgewogener x x
Zusammensetzung (z. B. Frauen, Männer, Eltern, Jugendliche etc.) vertreten?
 Wurde versucht, auch schwer erreichbare Gruppen über den Beteiligungsprozess zu informieren und dafür zu x x x
interessieren?
Ergebnisse
 Sind alle Beteiligten über ihre Einfluss- und Aktionsmöglichkeiten informiert? x x x
 Ist geklärt, wer welche Entscheidungskompetenz im Verfahren und danach hat? x x x
 Sind die Beteiligten darüber informiert, was mit den Ergebnissen des Verfahrens geschehen wird und welchen Grad an x x x
Verbindlichkeit sie haben werden?
 Ist die Unterstützung durch EntscheidungsträgerInnen aus Politik und Verwaltung sichergestellt und haben sie zugesagt, x x x
die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses zu übernehmen bzw. Abweichungen davon zu begründen?
Zeit + Geld
 Ist für den Beteiligungsprozess ein ausreichend bemessener zeitlicher Rahmen (inkl. Zeitpuffer) vorgesehen? x x x
 Gibt es einen genauen Zeit- und Ablaufplan für den Beteiligungsprozess? x x x
 Wurde der Zeitaufwand für alle Beteiligten, v. a. auch für ehrenamtliche TeilnehmerInnen, annähernd abgeschätzt und x x
allen Beteiligten mitgeteilt?
 Gibt es eine Aufwandsentschädigung für die TeilnehmerInnen bzw. wurde überlegt, wie die Wertschätzung für x x
unentgeltlich geleistete Arbeitsstunden ausgedrückt werden kann (z. B. durch öffentliche Anerkennungen,
Danksagungen, Vergünstigungen für öffentliche Dienstleistungen etc.)?
 Sind der finanzielle Aufwand (inkl. Spielraum) für den gesamten Beteiligungsprozess (z. B. für Prozessbegleitung, x x x
Praxismaterial

Informationsarbeit, Gutachten etc.) kalkuliert und die Finanzierung sichergestellt?


 Werden der Finanzbedarf und die Vergabe der Finanzmittel offen gelegt? x
 Sind die GeldgeberInnen und die Art und Höhe ihrer Zuwendungen allen Beteiligten bekannt? x
Prozessgestaltung
 Wurde für die Begleitung des Beteiligungsprozesses eine allparteiliche, kompetente Prozesssteuerung beauftragt? x x x
 Wurden Vorgespräche mit Gruppen und Einzelpersonen über das Prozess- und Rollenverständnis, über Nutzen und (x) x
Grenzen des Beteiligungsprozesses geführt?
 Ist das Veranstaltungs- bzw. Prozessdesign an das spezielle Thema und die verfügbaren zeitlichen und finanziellen x x x
Ressourcen angepasst?
 Sind die Schnittstellen zwischen formalen und informalen Beteiligungsprozessen geklärt, z. B. wenn eine UVP durch ein x x x
Mediationsverfahren unterbrochen wird?
Organisation
 Ist die personelle Zuständigkeit für die organisatorischen Aufgaben geklärt? x x x
 Sind die Räumlichkeiten und die erforderliche technische Ausrüstung (Flipchart, Overhead, Mikrofon etc.) für x x x
Veranstaltungen vorhanden?
*) Legende siehe S. 55

54 Basis: Arbeitsblätter zur Partizipation, Nr. 1, der ÖGUT-Strategiegruppe Partizipation  www.partizipation.at


Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Durchführung von
 Beteiligungsprozessen

Welche Punkte bei der Durchführung von Beteiligungsprozessen zu bedenken sind, hat
viel mit der gewählten Methode bzw. dem Prozessdesign zu tun, und damit, ob eine
kompetente Prozesssteuerung den Prozess begleitet und für die Qualitätssicherung
sorgt. Folgende Punkte sollten Sie während des Verfahrens jedenfalls beachten:

I K M *)
TeilnehmerInnen
 Sind die Rollen aller Beteiligten (z. B. wer vertritt welche Gruppe mit welcher Handlungsbefugnis) x x x
geklärt?
 Ist die personelle Kontinuität bzw. die Integration neuer TeilnehmerInnen gewährleistet? x

Spielregeln
 Gibt es klare Vereinbarungen über den Ablauf des Verfahrens, über Rechte und Pflichten der Beteilig- x
ten und über die Art wie Entscheidungen getroffen werden (z. B. konsensuale Entscheidungen oder
Mehrheitsentscheidungen)?
 Haben Prozesssteuerung und Beteiligte gemeinsam Spielregeln über den Umgang miteinander und x
über die Kommunikation nach außen festgelegt?
 Haben alle Beteiligten die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern und sich an Diskussionen zu beteiligen? x x
 Wird auf die Einhaltung des Zeit- und Ablaufplans geachtet? x

Informationen
 Erhalten die Beteiligten rechtzeitig alle für den Prozess relevanten Informationen in anschaulicher und x x x
allgemein verständlicher Form?
 Wird bei Bedarf ergänzendes ExpertInnenwissen eingeholt, damit Entscheidungen auf einer soliden x x x
Basis getroffen werden können?
 Gibt es eine kontinuierliche, mit den anderen Beteiligten abgestimmte Information der Öffentlichkeit (x) (x) x
über den Prozess und seinen Verlauf? (Siehe auch Checkliste Öffentlichkeitsarbeit, S. 56)
 Wird der Prozess nachvollziehbar dokumentiert (Protokolle, Zwischenberichte etc.)? x x x

Ergebnisse Praxismaterial
 Haben sich alle Beteiligten dazu verpflichtet, das Ergebnis als gemeinsame Leistung zu präsentieren? x
 Werden Strukturen geschaffen, um die Umsetzung der Ergebnisse kontrollieren und nachvollziehen zu x
können?

*) In den einzelnen Spalten ist markiert, welche Qualitätskriterien besonders wichtig sind für
I informative Öffentlichkeitsbeteiligung
K konsultative Öffentlichkeitsbeteiligung über Stellungnahmen
M Öffentlichkeitsbeteiligung über Mitbestimmung (vgl. Stufen der Öffentlichkeitsbeteiligung, S. 9)
(x) = trifft zu, wenn es sich um längerfristig angelegte, prozesshafte Beteiligungsverfahren handelt,
nicht aber für punktuelle Veranstaltungen

Basis: Arbeitsblätter zur Partizipation, Nr. 1, der ÖGUT-Strategiegruppe Partizipation  www.partizipation.at 55


Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Öffentlichkeitsarbeit
 in Beteiligungsprozessen

Die Information der breiten Öffentlichkeit über einen geplanten Beteiligungsprozess


ist von besonderer Bedeutung, da auf diese Weise Betroffene und Interessierte von
dem Vorhaben und den Möglichkeiten der Teilnahme erfahren. Durch Öffentlichkeits-
arbeit können interessierte BürgerInnen den Prozess mitverfolgen, auch wenn sie
sich selbst nicht daran beteiligen.

JA NEIN
Informations- und Pressearbeit
 Stehen ausreichend finanzielle Mittel für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung?  
 Ist die personelle Zuständigkeit für die Informations- und Pressearbeit geklärt?  
 Ist geklärt, welches Ziel mit Öffentlichkeitsarbeit erreicht werden soll (Erstinformation über das  
Vorhaben,Aktivierung von TeilnehmerInnen, laufende Berichterstattung etc.) und mit welchen
Informationsangeboten es am besten erreicht werden kann?
 Ist geklärt, welche Zielgruppen (Jugendliche, MigrantInnen etc.) angesprochen werden sollen und  
mit welcher Botschaft das am ehesten gelingen kann?
 Gibt es ein aktives Informationsangebot für die Bevölkerung (Amtliche Mitteilungen, Newsletter,  
Postwurfsendung, Beiträge im TV oder Radio, Inserate in Zeitungen etc.)?
 Gibt es ein passives Informationsangebot (Öffentliche Planeinsicht,Ausstellung, Informations-  
veranstaltung, Homepage, Hotline, BürgerInnentelefon, Sprechstunden etc.)?
 Gibt es für BürgerInnen die Möglichkeit ihre Meinung zum Vorhaben mitzuteilen (Briefkasten,  
E-Mail-Adresse, Hotline, Diskussionsveranstaltung etc.)? Ist klar, was mit diesen Meinungs-
äußerungen oder Fragen passiert?
 Werden alle geeigneten Medien (Tageszeitungen, Bezirkszeitungen, Fachmedien,Vereinsmedien,  
Internet, Radio,TV etc.) zur Information der Öffentlichkeit genutzt?
 Wird die Information der Presse und der Öffentlichkeit inhaltlich und zeitlich mit den Beteiligten  
abgestimmt?
 Haben alle Beteiligten gemeinsam Spielregeln für den Umgang mit der Presse und der  
Öffentlichkeit festgelegt (Anfragebeantwortung, Presseaussendung, Organisation von Presse-
konferenzen etc.)?
Praxismaterial

 Ist geklärt, welche Informationen über den Beteiligungsprozess dem Grundsatz der Vertraulich-  
keit unterliegen und welche an die Presse und die Öffentlichkeit weitergegeben werden können?
 Haben sich alle Beteiligten dazu verpflichtet, keine vertraulichen Inhalte nach außen zu geben  
und einseitige Presse- und Öffentlichkeitsinformation zu unterlassen?
 Werden zu bestimmten Veranstaltungen, bei denen öffentliche Aufmerksamkeit gewünscht ist,  
JournalistInnen eingeladen?

56
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Finanzierung von Beteiligungsprozessen


Übersicht über Förderungen

Eine ausreichende Finanzierung ist für einen Beteiligungsprozess sehr wichtig.


Üblicherweise werden jene, die Interesse an dem Prozess haben, ihn auch finanzieren.
Ist das Budget zu knapp oder die Finanzierung noch unsicher, kann es sich auszahlen,
sich um zusätzliche Förderungen zu bemühen.

 Länderförderungen  Nationale Förde- z. B. LEADER+  Im Folgenden finden Sie


Je nach Bundesland gibt es rungen www.leader-austria.at weitere Stellen aufgelistet,
verschiedene Förderungs- z. B. Bildungsförderungs- Leader+ ist ein EU-Pilot- die für Sie bei der Suche
strategien für Aktivitäten in fonds für Gesundheit und programm (2000 –2006) für nach zusätzlichen Finanzie-
Bereichen wie Wasser, Nachhaltige Entwicklung innovative Strategien in der rungsquellen interessant
Umwelt,Verkehr, Energie, des BMBWK und des ländlichen Entwicklung mit sein könnten:
Wirtschaft, Gesellschaft Lebensministeriums – dem Ziel, den ländlichen
etc.Wenden Sie sich an www.umweltbildung.at/ Raum als Lebens- und z. B. Wirtschaftskammer
Ihre Gemeinde oder an die bildungsfoerderungsfonds Wirtschaftsraum zu erhal- Österreich
für Ihr Thema zuständigen Im gemeinsamen Fonds zur ten und zu entwickeln. www.wko.at/foerderungen
Stellen des Landes. Förderung und Finanzie- Förderung und Finanzie-
rung von Bildungsinitiativen z. B. LIFE rung von Vorhaben im
Für die Durchführung von zur Nachhaltigkeit in den www.europa.eu.int/comm/e Bereich Wirtschaft und
Lokale Agenda 21-Prozes- Bereichen Umwelt und nvironment/life/home.htm Gesellschaft, Infrastruktur,
sen gibt es spezielle Förde- Gesundheit können ent- EU-Programm zur Förde- Verkehr und Energie, For-
rungsmodelle, die je nach sprechende innovative Pro- rung von Umwelt- und schung und Innovation und
Bundesland unterschiedlich jektideen im schulischen Naturschutzprojekten. Regionalpolitik.
gestaltet sind. und außerschulischen Be- Finanziert werden in erster
www.nachhaltigkeit.at, reich unterstützt werden. Linie Vorhaben, die auf den z. B. Kommunalkredit
Register LA21 Erhalt und die Wiederher- Austria AG
 EU-Programme stellung natürlicher Lebens- www.kommunalkredit.at/
Darüber hinaus gibt es z. B. INTERREG räume abzielen. Förderung von Vorhaben in
länderspezifische EU-För- www.interreg.at vielfältigen Bereichen wie Praxismaterial
derungen zur Entwicklung Die Gemeinschaftsinitiative z. B. EQUAL z. B. im Bereich der Was-
des jeweiligen Bundes- INTERREG fördert die ver- www.equal-esf.at serversorgung und Abwas-
landes. Das können z. B. stärkte Zusammenarbeit EQUAL ist eine europäi- serentsorgung, Altlasten-
Förderungen über den zwischen den Regionen der sche Gemeinschaftsinitia- sanierung etc., außerdem
Europäischen Sozialfonds Europäischen Union. tive mit dem Ziel der Be- Umweltförderungen mit
(ESF) sein, über den Ziel von INTERREG III kämpfung von Diskriminie- dem Ziel der Vermeidung
Europäischen Fonds für (2000 –2006) ist die Stär- rung und Ungleichheiten im oder Verringerung von
Regionale Entwicklung kung des wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Belastungen in Form von
(EFRE) oder andere EU- und sozialen Zusammen- Arbeitsmarkt. Luftverunreinigungen,
Regionalförderungspro- halts in der Europäischen klimarelevanten Gasen,
gramme wie z. B. Ziel 2. Union durch die Förderung Lärm und Abfällen.
Welche für Ihre Region grenzübergreifender, trans-
bzw. Ihr Vorhaben geeignet nationaler und interregiona-
sind, erfahren Sie bei den ler Zusammenarbeit und
zuständigen Stellen Ihres ausgewogener räumlicher
Bundeslandes. Entwicklung.

57
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Methoden
Legende

Stufe der Beteiligung Es gibt eine Vielzahl von Methoden zur Öffentlichkeitsbeteiligung.
Information Diese Methoden können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten,
Konsultation • Beteiligungsprozesse strukturiert und effizient durchzuführen,
Mitbestimmung
• sie abwechslungsreich und interessant zu gestalten und
Dauer (Durchführung, • abseits der gängigen Wege nach neuen Lösungen zu suchen.
ohne Vorbereitungszeit!)
 1 Tag bis max.
1 Woche
 einige Wochen
 mehrere Monate Im Folgenden finden Sie einen Überblick über einige erprobte Methoden.
Eine umfassendere Beschreibung finden Sie u. a. auf www.partizipation.at.
Beteiligte:
☺ bis etwa 15 Per- Die Auswahl der passenden Methode für Ihren Beteiligungsprozess klären Sie
sonen am besten mit Ihrer/Ihrem ProzessbegleiterIn.
☺☺ etwa 15–30 Per-
sonen
☺☺☺ auch für große
TeilnehmerInnen-
kreise geeignet

Aktivierende Befragung
Konsultation Dauer:  bis  Anzahl der Beteiligten: ☺☺☺

In einer Aktivierenden Geeignet Ablauf TeilnehmerInnen


Befragung werden • um Interessen und • Befragung der BürgerIn- interessierte BürgerInnen
Bedürfnisse von Menschen nen in ihrem Wohnumfeld
BürgerInnen nach in einem bestimmten durch geschulte Inter-
ihren Meinungen und Wohngebiet kennen zu viewerInnen
Einstellungen gefragt lernen • Auswertung der Befra-
und gleichzeitig dazu • zur Förderung des selbst- gung
angeregt und ermutigt, bestimmten Engagements • Bildung von Interessen-
von BürgerInnen oder Aktionsgruppen
für ihre Interessen ein-
zutreten und bei der
Entwicklung von
Lösungen in ihrem
Wohnumfeld mitzu-
wirken.

BürgerInnenversammlung
Information, Konsultation Dauer:  Anzahl der Beteiligten: ☺☺☺

Eine BürgerInnenver- Geeignet Ablauf TeilnehmerInnen


sammlung bietet die • zur Information der • Information der Öffent- interessierte BürgerInnen,
Methodenüberblick

Öffentlichkeit über ein lichkeit über das geplante VertreterInnen von Interes-
Möglichkeit, Interes-
geplantes Projekt oder eine Projekt bzw. die angestreb- sengruppen,VertreterInnen
sierte und Betroffene Planung auf kommunaler te Planung von Politik und Verwaltung,
über ein Vorhaben zu Ebene, wenn Meinungen • anschließend Diskussion, ev. FachexpertInnen
informieren und die und Vorschläge von Bürger- ev. Arbeit in Kleingruppen
Aspekte des Vor- Innen eingeholt werden
habens öffentlich zu sollen
erörtern.

58
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Methoden

Internet-Forum
Konsultation Dauer:  bis  Anzahl der Beteiligten: ☺☺☺

Internet-Foren sind Geeignet Ablauf TeilnehmerInnen


• als zusätzliches Informati- • zu einem bestimmten interessierte BürgerInnen
online-Diskussions-
ons- und Kommunikations- Thema wird ein Internet- mit Internetzugang
plattformen, die Bür- angebot für BürgerInnen Forum eröffnet
gerInnen die Möglich- unabhängig von Ort und • InternetnutzerInnen
keit bieten, sich zu Zeit geben online Kommentare
einem bestimmten • zur Erkundung der öffent- ab und können auf die
Thema schriftlich zu lichen Meinung zu einem Beiträge anderer reagieren
bestimmten Thema oder
äußern und mit ande- Vorhaben
ren zu diskutieren.

Konsensus-Konferenz
Konsultation, Mitbestimmung Dauer:  Anzahl der Beteiligten: ☺ bis ☺☺☺

Bei einer Konsensus- Geeignet Ablauf nehmerInnen und intensive


Konferenz erarbeiten • für die Bearbeitung bri- • Auswahl von etwa zehn Erörterung des Themas,
santer Themen durch inter- bis 30 interessierten Bür- BürgerInnen erstellen einen
ausgewählte heterogen essierte Laien mit Unter- gerInnen schriftlichen Bericht mit
zusammengesetzte stützung durch ExpertInnen • Einarbeitung der Bür- ihren im Konsens erzielten
BürgerInnengruppen in • Einholen der öffentlichen gerInnen in das Thema Stellungnahmen und Emp-
intensivem Dialog mit Meinung zu einer bestimm- (durch zur Verfügung fehlungen und deren Be-
ExpertInnen eine Ant- ten Fragestellung gestelltes Informationsma- gründungen, Präsentation
terial wie Stellungnahmen, des Berichts vor den Ent-
wort auf eine politisch
Hintergrundberichte, Zei- scheidungsträgerInnen
oder gesellschaftlich tungsausschnitte etc.)
kontrovers diskutierte • Durchführung einer TeilnehmerInnen
Frage. 3-tägigen Konferenz: ausgewählte BürgerInnen,
umfassende Darstellung des ExpertInnen, Entscheidungs-
Themas durch die Sachver- trägerInnen aus Politik und
ständigen, Befragung der Verwaltung
ExpertInnen durch die Teil-

Mediation
Mitbestimmung Dauer:  bis  Anzahl der Beteiligten: ☺ bis ☺☺☺

Eine Mediation (=Ver- Geeignet Ablauf – 4 Phasen: • Durchführung: Darstellung


mittlung) ist ein frei- • bei latenten oder offenen • Initiierung: Überzeugung der unterschiedlichen Inter-
Konflikten bei konkreten aller Konfliktparteien vom essen und Bedürfnisse, Ein-
williges, klar struktu- Planungsverfahren und Pro- Nutzen einer Mediation, holen von fehlenden Infor-
riertes Verfahren, bei blemstellungen Suche nach geeigneten mationen, Lösungssuche
dem die von einem • um Konfliktparteien zu MediatorInnen und Entscheidungsfindung
Konflikt Betroffenen unterstützen, die eine ein- • Vorbereitung: Analyse des • Vereinbarung: Erstellung
gemeinsam nach einer vernehmliche Konfliktlö- Konflikts durch Einzelge- eines schriftlichen Media-
Methodenüberblick

sung erzielen wollen spräche, Festlegen des Teil- tionsvertrages über die
dauerhaften Lösung
nehmerInnenkreises, Ausar- erzielten Ergebnisse und
suchen und dabei von beitung einer Arbeitsverein- deren Umsetzung
professionellen Media- barung, die Ablauf, Ziel,
torInnen unterstützt Inhalte etc. des Mediations- TeilnehmerInnen
werden. verfahrens festhält betroffene BürgerInnen,
InteressenvertreterInnen,
VertreterInnen von Politik
und Verwaltung

59
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Methoden

Open Space Konferenz


Konsultation, Mitbestimmung Dauer:  Anzahl der Beteiligten: ☺☺☺

Bei einer Open Space Geeignet Ablauf TeilnehmerInnen


• wenn es darum geht, mit • Vorstellung des Leitthe- interessierte BürgerInnen,
Konferenz (open space
einer großen Zahl an Betei- mas und Sammlung interes- InteressenvertreterInnen,
= engl. für offener ligten komplexe Fragestel- santer Fragestellungen dazu VertreterInnen von Politik
Raum) gibt es ein Leit- lungen zu bearbeiten • Bearbeitung der Fragen in und Verwaltung
thema, aber keine fest- • als Initialzündung für ein sich immer wieder neu for-
gelegten ReferentIn- Vorhaben, das mit einer mierenden Kleingruppen,
nen oder vorbereite- Ideensammlung auf breiter für die jeweils ein Gruppen-
Basis beginnen soll protokoll erstellt wird
ten Arbeitsgruppen. • Veröffentlichung aller Pro-
Die TeilnehmerInnen tokolle
bestimmen selbst, wer
wie lange zu welchen
Themen arbeiten will.

Planungszelle
Mitbestimmung Dauer:  Anzahl der Beteiligten: ☺☺ bis ☺☺☺

Geeignet Ablauf • Diskussion und Bearbei-


In einer Planungszelle • für Planungsaufgaben auf • Auswahl von zirka 25 tung der Aspekte des Vor-
erstellen zufällig ausge- lokaler und regionaler BürgerInnen nach dem habens in Kleingruppen mit
wählte, nicht organi- Ebene, Entwicklung von Zufallsprinzip und Freistel- wechselnder Zusammenset-
sierte BürgerInnen zu Konzepten lung von ihren alltäglichen zung
einer bestimmten Fra- • wenn die ausgewogene Verpflichtungen,Vergütung • Zusammenfassung der
Teilnahme von VertreterIn- des Verdienstentfalls, Orga- Ergebnisse in einem Bürge-
gestellung ein „Bürger-
nen möglichst aller Bevöl- nisation von Kinderbetreu- rInnengutachten, Übergabe
Innengutachten“, das kerungsgruppen gewährleis- ungsmöglichkeiten für an die AuftraggeberInnen
auf ihren eigenen Er- tet sein soll Eltern
fahrungen und ihrem • wenn Alltagswissen der • umfassende Information TeilnehmerInnen
Wissen basiert. In Betroffenen und ExpertIn- aller TeilnehmerInnen über ausgewählte BürgerInnen,
Fachfragen werden sie nenwissen einander ergän- das Vorhaben; Möglichkeit, ExpertInnen
zen sollen mit den von dem Vorhaben
dabei von ExpertInnen Betroffenen, FachexpertIn-
unterstützt. nen, den Behörden etc.
zu sprechen; ev. Orts-
begehung

Runder Tisch
Mitbestimmung Dauer:  bis  Anzahl der Beteiligten: ☺☺ bis ☺☺☺

An einem Runden Geeignet Ablauf TeilnehmerInnen


Tisch diskutieren Ver- • zur Klärung kontrovers Runde Tische haben keinen VertreterInnen von Interes-
diskutierter Fragen mit standardisierten Verfahrens- sengruppen, ExpertInnen,
treterInnen der von unterschiedlichen Interes- ablauf.Wichtig für einen VertreterInnen von Politik
einem Vorhaben senvertreterInnen erfolgreichen Verlauf sind und Verwaltung
Methodenüberblick

betroffenen Interes- • wenn sich bereits Konflik- neutrale ModeratorInnen,


sengruppen gleichbe- te abzeichnen die Protokollierung der
rechtigt ein Sachpro- Diskussion und die Vertre-
tung jeder Gruppe durch
blem und versuchen
die gleiche Anzahl stimmbe-
eine gemeinsame rechtigter Personen unab-
Lösung zu finden. hängig von ihrer (faktischen/
politischen) Stärke

60
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Methoden

SUP* am runden Tisch


Mitbestimmung Dauer:  Anzahl der Beteiligten: ☺ bis ☺☺

Eine SUP am runden Geeignet Ablauf TeilnehmerInnen


für die Erarbeitung umwelt- • Festlegen der Ziele des InteressenvertreterInnen,
Tisch ist eine Sonder-
gerechter Pläne und Pro- Plans oder Programms ExpertInnen,VertreterInnen
form der SUP ( gramme • Beschreibung der aktuel- von Politik und Verwaltung
Glossar), bei der ein len Situation im Planungs-
Plan oder Programm gebiet
(z. B. Verkehrskonzept, • Festlegen des Untersu-
Abfallwirtschaftsplan chungsrahmens
• Entwicklung von Alternati-
etc.) unter aktiver ven, um die definierten
Beteiligung der betrof- Ziele zu erreichen
fenen Interessengrup- • Analyse und Bewertung
pen sowie von Vertre- der unterschiedlichen Alter-
terInnen der Verwal- nativen hinsichtlich ihrer
Umweltauswirkungen
tung und externen
• Erstellung eines Umwelt-
ExpertInnen gemein- berichts, in dem die Ergeb-
sam erarbeitet wird. nisse dokumentiert werden

Zukunftswerkstatt
Mitbestimmung Dauer:  Anzahl der Beteiligten: ☺ bis ☺☺

In einer Zukunfts- Geeignet Ablauf – 3 Phasen: TeilnehmerInnen


werkstatt werden die wenn Visionen entwickelt • Kritikphase: Analyse der BürgerInnen, Interessenver-
werden sollen, z. B. bei der aktuellen Situation und treterInnen, ev. ExpertIn-
TeilnehmerInnen Erstellung von Leitbildern, Erfassung der Probleme nen,VertreterInnen von
durch eine kreati- Entwicklungsszenarien, • Fantasiephase: Entwick- Politik und Verwaltung
vitätsfördernde Zukunftsprojekten, etc. lung von Ideen und Lös-
Atmosphäre angeregt, ungsvorschlägen, die zu-
fantasievolle und unge- nächst durchaus utopisch
sein dürfen, Sachzwänge
wöhnliche Lösungen
werden ausgeblendet
für aktuelle Fragestel- • Realisierungsphase: Unter-
lungen zu entwickeln. suchung, wie die Vorschläge
realisierbar gemacht wer-
den können und wie die
Umsetzung aussehen kann

Zukunftskonferenz
Mitbestimmung Dauer:  Anzahl der Beteiligten: ☺☺☺

Bei einer Zukunfts- Geeignet Ablauf TeilnehmerInnen


konferenz erarbeiten • bei langfristigen Planungen • Reflexion der Vergangen- BürgerInnen, Interessenver-
und Projekten auf kommu- heit und der Entwicklungen treterInnen, ExpertInnen,
ausgewählte Teilneh- naler Ebene oder in Orga- der Gegenwart VertreterInnen von Politik
Methodenüberblick

merInnen aller betrof- nisationen • Zukunftsentwürfe ent- und Verwaltung


fenen Interessengrup- • für zukunftsorientierte wickeln, konsensuale Eini-
pen nach einem fest- Fragestellungen gung auf einen Entwurf,
gelegten Ablaufschema konkrete Maßnahmen
planen
Maßnahmen- und Akti-
onspläne für zukünfti-
ge Vorhaben.

*) Strategische Umweltprüfung
61
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Glossar

Agenda 21, verstehen. Der Begriff NGO ProzessbegleiterIn-


Lokale Agenda 21, Beteiligungsprozess be- Engl. für „Non-Govern- nen/ModeratorInnen
Regionale Agenda 21 zeichnet das Zusammen- mental Organisation“, d.h. Personen, die auf Grund
Umfassendes, weltweites wirken von Entscheidungs- Nicht-Regierungsorganisa- einer professionellen Aus-
Aktionsprogramm für eine trägerInnen und Betroffe- tion. NGOs sind Organisa- bildung, ihrer praktischen
zukunftsfähige Entwicklung nen bzw. Interessierten, das tionen, die regierungsunab- Erfahrung und ihrer Allpar-
(Agenda = lat. für „was zu von Informationsaustausch hängig sind und sich meist teilichkeit (= allen Beteilig-
tun ist“) im 21. Jahrhun- bis hin zur aktiven Mitge- für das Gemeinwohl einset- ten gleich verpflichtet) dazu
dert. Zentrales Anliegen ist staltung des gesellschaft- zen.Viele NGOs arbeiten geeignet sind, einen Beteili-
die Balance zwischen wirt- lichen Zusammenlebens im Umwelt- oder Sozialbe- gungsprozess zu organisie-
schaftlichen, sozialen und reichen kann. reich, beispielsweise Green- ren und zu leiten. Sie unter-
ökologischen Erfordernis- peace, Caritas, Ärzte ohne stützen die Beteiligten beim
sen und ein Ausgleich zwi- Betroffene Grenzen etc. Erarbeiten von Lösungs-
schen reicheren und ärme- Alle, deren Interessen mög- möglichkeiten, nehmen die-
ren Ländern. In offenen licherweise von einem Vor- Parteistellung sen jedoch keine Entschei-
Beteiligungsprozessen sol- haben (Projekte, Pläne, Pro- In einem Behördenverfah- dung ab.
len BürgerInnen, AkteurIn- gramme, Politiken, Rechts- ren haben jene BürgerIn-
nen aus Politik,Verwaltung akte) berührt werden, so- nen und juristischen Perso- Strategische Umwelt-
und Wirtschaft gemeinsam wohl Einzelpersonen als nen Parteistellung, die nach prüfung (SUP)
auf lokaler Ebene (Lokale auch Interessengruppen, den Bestimmungen des Die Strategische Umwelt-
Agenda 21) bzw. regionaler z.B. AnrainerInnen, Unter- österreichischen Allgemei- prüfung (SUP) dient dazu,
Ebene (Regionale Agenda nehmen,Vereine, Politike- nen Verwaltungsverfahrens- Umweltaspekte bei der
21) Strategien für eine rInnen,VertreterInnen der gesetzes (AVG) sowie nach Erstellung von Politiken,
Nachhaltige Entwicklung Verwaltung, etc. den einzelnen Materienge- Plänen und Programmen
ihres Lebensraums erarbei- setzen (z.B. UVP-Gesetz) gleichrangig wie soziale und
ten und umsetzen. Nachhaltige Entwick- berechtigt sind, die Partei- wirtschaftliche Aspekte zu
lung enrechte (Einwendungen, berücksichtigen. Anders als
AkteurInnen Meint eine Entwicklung, die Akteneinsicht, Anhörung, bei der UVP geht es nicht
An einem Geschehen be- den Bedürfnissen der heuti- Berufung etc.) wahrzuneh- um ein Einzelprojekt, son-
teiligte, handelnde (Privat-) gen Generation entspricht, men. dern um die Klärung stra-
Personen oder VertreterIn- ohne die Möglichkeiten tegischer Grundsatzfragen
nen von Institutionen. künftiger Generationen zu Politiken im Planungsbereich unter
gefährden, ihre eigenen Politiken sind strategische Beteiligung der Öffentlich-
Beteiligte Bedürfnisse zu befriedigen. Entscheidungen der Regie- keit.
Jene Personen, die an Der Begriff der Nachhalti- rung, des Parlaments oder
einem Beteiligungsverfahren gen Entwicklung oder der Verwaltung auf höchs- Umweltverträglich-
als Privatperson oder als Nachhaltigkeit bezieht sich ter Ebene mit eher langfris- keitsprüfung (UVP)
VertreterIn von Interessen- gleichermaßen auf den lang- tigem Charakter wie stra- Für bestimmte Projekte, bei
gruppen teilnehmen. fristigen Schutz von Um- tegische Konzepte, Leitbil- denen erhebliche Auswir-
welt und Ressourcen als der oder Strategien, bei- kungen auf die Umwelt
(Beteiligungs-) auch auf die Verwirklichung spielsweise die Österreichi- erwartet werden, schreibt
Prozess wirtschaftlichen Wohlstands sche Strategie zur Nachhal- das österreichische Um-
Ist im Zusammenhang mit und sozialer Gerechtigkeit. tigen Entwicklung, die weltverträglichkeitsprü-
Beteiligung nicht im recht- Österreichische Klimastra- fungs-Gesetz (UVP-G) vor,
Glossar

lichen Sinne als gerichtliche tegie oder der Nationale eine Prüfung der Umwelt-
Verhandlung, sondern als Aktionsplan für Beschäfti- verträglichkeit unter Betei-
eine Entwicklung, eine gung. ligung der Öffentlichkeit
Abfolge von aufeinander durchzuführen.
aufbauenden Schritten zu

62
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Literatur,
Internet-Adressen
Literatur DIEBÄCKER, Marc (Hg.) KOLLMANN, Gerhard; Nützliche
(2004): Partizipative LEUTHOLD, Margit; Internet-Adressen
ARBTER, Kerstin (2004): Stadtentwicklung und PFEFFERKORN,Wolfgang;
SUP – Strategische Agenda 21. Diskurse – SCHREFEL, Christian www.partizipation.at
Umweltprüfung für die Methoden – Praxis,Wien. (Hg.) (2003): Partizipa- Basisinformationen, wei-
Planungspraxis der Sammlung von Aufsätzen tion. Ein Reiseführer für terführende Literatur, Ver-
Zukunft, Wien – Graz. zu unterschiedlichen Grenzüberschreitungen in anstaltungsempfehlungen,
Erläutert das neue Instru- Schwerpunkten, z. B. Me- Wissenschaft und Pla- Arbeitsblätter und Fall-
ment der Strategischen thoden, Prozessbegleitung, nung, Schriftenreihe Inte- beispiele zu Beteiligung
Umweltprüfung mit Fallbei- Gemeinwesenarbeit sowie grativer Tourismus & Ent- bzw. Beteiligungsprozes-
spielen aus der österreichi- Praxisbeispiele aus der wicklung, Band 6, Mün- sen in Mittel- und Ost-
schen Planungspraxis sowie Agenda 21 in Wien Alser- chen,Wien. europa
das partizipative Modell grund Hintergrundinformationen,
der SUP am runden Tisch Beispiele und Methoden www.municipia.at
FISCHER, Corinna; sowie Internet- und Litera- Dokumentation innovati-
BECKMANN, Jens; KECK, SCHOPHAUS, Malte; turtipps zum Thema Beteili- ver Projekte in der
Gerhard (1999): Beteili- Matthias TRENEL; Annet- gung. Raumplanung, Stadt- und
gungsverfahren in Theorie te WALLENTIN (2003): Regionalentwicklung, u. a.
und Anwendung, Stutt- Die Kunst, sich nicht über LEY, Astrid; WEITZ, Lud- zum Thema Beteiligung
gart. den Runden Tisch ziehen wig (2003): Praxis Bürger-
Detaillierte Beschreibung zu lassen. Ein Leitfaden beteiligung. Ein Metho- www.mitarbeit.de
von über 30 verschiedenen für BürgerInneninitiativen denhandbuch, Bonn. Publikationen,Veranstal-
Methoden und Verfahren in Beteiligungsverfahren, Umfassende Darstellung tungshinweise und Pro-
zur Beteiligung mit Hinwei- Bonn. von 30 Ansätzen zur jektdokumentationen zu
sen zu Einsatzbereichen, Praxisnahe Tipps für die Gestaltung von Beteiligungs- Beteiligung, Demokratie-
Ablauf, Aufwand etc. erfolgreiche Gestaltung von prozessen in Theorie und entwicklung von unten,
Beteiligungsprozessen (Pro- anhand von Praxisbeispielen bürgerschaftlichem Enga-
BISCHOFF, Ariane; SELLE, zess- und Sitzungsgestal- gement
Klaus; SINNING, Heidi tung, Gesprächs- und Ver- Österreichische Gesell-
(2001): Informieren, handlungsführung, Ziel- schaft für Umwelt und www.nachhaltigkeit.at
Beteiligen, Kooperieren – bestimmung etc.) Technik in Zusammenar- Hintergrundinformatio-
Kommunikation in Pla- beit mit dem Bundes- nen und Nachrichten zu
nungsprozessen. Eine HINTE,Wolfgang, ministerium für Land- und aktuellen Entwicklungen
Übersicht zu Formen,Ver- LÜTTRINGHAUS, Maria; Forstwirtschaft, Umwelt zum Thema Nachhaltig-
fahren, Methoden und OELSCHLÄGEL, Dieter und Wasserwirtschaft keit in Österreich, LA21-
Techniken, Dortmund. (2001): Grundlagen und (2001): Das Handbuch Register
Erläutert eine Vielzahl von Standards der Gemein- Umweltmediation. Kon-
Beteiligungsverfahren sowie wesenarbeit, Münster. flikte lösen mit allen www.wegweiser-
Techniken zur Arbeit mit Grundlagentexte zur Theo- Beteiligten,Wien. bürgergesellschaft.de
Gruppen rie und Entwicklung der Informationen zur Konflikt- Praxishilfen, Hinter-
Gemeinwesenarbeit sowie bearbeitung durch Media- grundinformationen,Ver-
Leitstandards und Literatur- tion, zu Vorbereitung und anstaltungshinweise, Hin-
Literaturverzeichnis

tipps Durchführung von Media- weise zu Fachliteratur,


tionsverfahren sowie nütz- Förderprogrammen und
liche Adressen, Internet- und Kontaktstellen zum
Literaturtipps. Thema bürgerschaftliches
Engagement
Weitere Literaturempfehlungen finden Sie auf www.partizipation.at

63
Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

AutorInnenverzeichnis
Dank

Kerstin Arbter Wir danken


Expertin für Strategische Umweltprüfung ganz besonders allen Mitgliedern
und Partizipation, der ÖGUT-Strategiegruppe Partizi-
Geschäftsführerin des Büros Arbter – pation, einer interdisziplinären
Technisches Büro für Landschaftsplanung ExpertInnengruppe, für ihre konti-
office@arbter.at nuierlichen Beiträge und vielen
Denkanstöße, die uns bei der
Erstellung und Gestaltung dieses
Handbuchs unterstützt haben:

Martina Handler Thomas Alge, Ökobüro


Themenleiterin Partizipation in der Karolina Begusch-Pfefferkorn, BM
ÖGUT; Politikwissenschafterin, für Bildung,Wissenschaft und Kultur
Projektleitung des Handbuchs Dieter Beisteiner, Lebens-
Öffentlichkeitsbeteiligung ministerium
martina-handler@oegut.at Andrea Binder-Zehetner,
Lokale Agenda 21 Wien
Jens Dangschat, TU Wien
Oliver Frey, TU Wien
Herbert Greisberger, ÖGUT
Elisabeth Purker Barbara Hammerl, Joanneum
Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Research ForschungsgesmbH
Themenbereichs Partizipation in der Felix Heckl, Umweltbundesamt
ÖGUT; Raumplanerin Peter Iwaniewicz, Lebensministerium
lisa-purker@oegut.at Ulrike Kozeluh, Zentrum für
Soziale Innovation
Fritz Kroiss, Ökobüro
Maria Nicolini, IFF – Klagenfurt
Michael Ornetzeder, Zentrum für
Soziale Innovation
Georg Tappeiner Wolfgang Pfefferkorn, Rosinak &
Kompetenzfeldleitung stadt.bau.region Partner
am Österreichischen Ökologie-Institut; Astrid Rössler, Mediatorin
Raumplaner, Mediator und Trainer Sonja Sciri, Stadt Wien, MA 22
tappeiner@ecology.at
Wir danken
weiters allen, die in der einen oder
anderen Weise die Entstehung des
Handbuchs begleitet und unter-
stützt haben:
AutorInnenverzeichnis

Rita Trattnigg
Expertin für Nachhaltige Entwicklung Monika Auer, ÖGUT
und Partizipation im Lebensministerium, Margarete Endl, freie Journalistin
Politikwissenschafterin, Moderation und Elisabeth Freytag, Lebensministerium
Begleitung von Beteiligungsprozessen Daniela Ingruber, ÖGUT (bis 12/03)
Rita.Trattnigg@ Inge Schrattenecker, ÖGUT
lebensministerium.at Anita Zieher, PR,Training & Theater.

64
Öffentlichkeitsbeteiligung

 fördert das Verständnis für andere Meinungen und den Interessens-


ausgleich. Damit steigt die Chance, konsensuale und nachhaltige
Lösungen zu finden.

 fördert den Informations- oder Erfahrungsaustausch unter den


Beteiligten und ermöglicht eine Vernetzung mit Gleichgesinnten.

 kann zu besseren Entscheidungen führen, weil das Wissen der


beteiligten Menschen genützt wird.

 erhöht die Chance auf gemeinsam getragene Lösungen und damit


deren Akzeptanz.

 erhöht die politische Legitimation von Entscheidungen und macht sie


besser nachvollziehbar.

 kann Zeit und Geld ersparen, weil Verzögerungen und Kosten durch
Einwände bei der Projektumsetzung und durch Gerichtsverfahren
vermieden werden können.

 ist ein bewährtes Instrument, um Interesse an der Politik und an


demokratischer Teilhabe zu wecken, um Orte zu schaffen, an denen
Menschen gemeinsam Demokratie lernen und praktizieren können.

mit freundlicher Unterstützung von

www.partizipation.at