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Tutorium Makroökonomie 1

Aufgabenblatt 10
- Bei jeder Multiple-Choice Frage sind Statements vorgegeben. Sie müssen entscheiden,
welche der Statements richtig sind. Alle kombinatorischen Möglichkeiten sind möglich. -
Betrachten Sie während des gesamten Arbeitsblatts eine offene Volkswirtschaft.

Aufgabe 1 (Zahlungsbilanz )

Welche der folgenden Aussagen ist/sind richtig?


(a) Der Saldo der Zahlungsbilanz ist in der Theorie und Praxis immer Null.

In der Theorie müsste der Saldo der Leistungsbilanz immer dem Saldo der Kapitalbilanz
entsprechen, ergo wäre der Saldo der Zahlungsbilanz 0. In der Praxis ergeben sich jedoch
immer statistische Diskrepanzen, wodurch durchaus Unterschiede bestehen können (siehe
deutsche Zahlungsbilanz 2015 in der VL).
⇒Die Aussage ist falsch.

(b) Ein Leistungsbilanzüberschuss entspricht einem Nettokapitalexport

Für den Leistungsbilanzüberschuss (LBÜ) und Nettokapitalexport (NX) gilt folgender Zu-
sammenhang:

LB Ü = S
|{z} + (T − G) −I = N X
| {z }
private Ersparnis öf f entliche Ersparnis

⇒Ein Leistungsbilanzüberschuss geht folglich mit einem Nettokapitalexport einher, die


Aussage ist richtig.

(c) Die Leistungsbilanz besteht aus der Handels- und Dienstleistungsbilanz.

Die Leistungsbilanz besteht aus dem Außenbeitrag (Saldo der Handels- und Dienstlei-
stungsbilanz) und dem Saldo dem Saldo der Primär- und Sekundäreinkommen (SP).

LB = Ex − Im + SP

⇒Die Aussage ist falsch.

(d) Ein Anstieg des Budgetdefizits des Staates geht ceteris paribus mit einer Verschlechterung der
Leistungsbilanz einher.

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LBU = S + (T − G) − I
Nimmt die öffentliche Ersparnis durch einen Anstieg des Budgetdefizits ab (∆T − G < 0),
so nimmt ceteris paribus der Leistungsbilanzüberschuss ab bzw. könnte ggf. sogar ein
Leistungsbilanzdefizit werden.
⇒Die Aussage ist richtig.

(e) Wenn die Differenz von Warenexporten und Warenimporten ungleich Null ist, dann kann die
Leistungsbilanz nicht ausgeglichen sein.

Eine unausgeglichen Waren/Handelsbilanz kann durchaus durch eine entsprechend ge-


genläufig unausgeglichene Leistungsbilanz oder beim Saldo der Primär- und Sekundärein-
kommen ausgeglichen werden. Demzufolge kann ein Handelsbilanzüberschuss beispiels-
weise durch ein Dienstleistungsbilanzdefizit und neutralem Saldo der Primär- und Se-
kundäreinkommen in einer ausgeglichenen Leistungsbilanz resultieren.
⇒Die Aussage ist falsch.

Aufgabe 2 (Wechselkurse und Kaufkraftparität)

Welche der folgenden Aussagen ist/sind richtig?


(a) Wenn die inländische Währung aufwertet, sinkt der Wechselkurs in der Mengennotierung.

Die Mengennotierung des Wechselkurses E legt fest, wie viele Einheiten Fremdwährung
(z.B. $) ich für eine Einheit Eigenwährung (z.B. e) erhält. Wertet die inländische Währung
auf, so erhalte ich zusätzliche Einheiten Fremdwährung für eine Einheit Eigenwährung, E
steigt folglich.
⇒Die Aussage ist falsch.

(b) Die absolute Kaufkraftparität besagt, dass die Preisniveaus aller Länder gleich sind, wenn sie
in derselben Währung gemessen werden.

Im langfristigen Gleichgewicht und unter bestimmten Annahmen (z.B. internationale Han-


delbarkeit aller Güter) müssen die Preisniveaus, gemessen in der selben Währung, gleich
sein, da ansonsten systematische Preisarbitragemöglichkeiten vorhanden wären.
⇒Die Aussage ist richtig.

(c) Aufgrund internationaler Güterarbitrage ist in der Realität die absolute Kaufkraftparität zwi-
schen zwei Ländern meist erfüllt.

In der kurzen Frist ist die absolute Kaufkraftparität häufig nicht erfüllt, weil Handels-
ströme nur langsam reagieren. Zudem gibt es auch Güter- und Warenkategorien, die nicht

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handelbar bzw. mobil sind (u.a. Immobilien, Dienstleistungen). Demzufolge ist die abso-
lute Kaufkraftparität auch in der langen Frist häufig nicht erfüllt.
⇒Die Aussage ist falsch.

(d) Sowohl die absolute als auch die relative Kaufkraftparität gehen von konstanten, realen Wech-
selkursen aus.

Während die absolute Kaufkraftparität einen konstanten, realen Wechselkurs von  = 1 im


langfristigen Gleichgewicht annimmt, sind auch die realen Wechselkurse in der relativen
Kaufkraftparität konstant, können sich jedoch von 1 unterscheiden (abhängig von struk-
turellen Faktoren).
⇒Die Aussage ist richtig.

(e) Bei Gültigkeit der absoluten Kaufkraftparität gibt ein realer Wechselkurs von  = 1, 3 an, dass
die inländische Währung im Vergleich zur ausländischen Währung überbewertet ist.

Allgemein gilt:
P ∗ P∗
=E· ⇔ E =
P∗ P

Da  = 1, 3 > 1 ist der nominale Wechselkurs E > E , das heißt die inländische Währung
ist überbewertet im Vergleich zur ausländischen Währung (Ausgleich langfristig wiederum
durch hohe Nettoimporte und dadurch verstärkte Nachfrage nach ausländischer Währung).
⇒Die Aussage ist richtig.

Aufgabe 3 (Marshall-Lerner-Bedingung)

Gehen Sie für die Aufgabe davon aus, dass der reale Wechselkurs gegeben sei als:  ≡ EP
P ∗ , wobei
E den nominalen Wechselkurs, P das inländische Preisniveau und P ∗ das ausländische Preisniveau
bezeichnen sollen. Die Nettoexporte seien zudem gegeben als:
Im(Y, )
N X = X(Y ∗ , ) −

Welche der folgenden Aussagen ist/sind richtig?
(a) Die Marshall-Lerner Bedingung beschreibt die Voraussetzungen für eine Normalreaktion der
Leistungsbilanz. Sie besagt, dass eine Abwertung des realen Wechselkurses eine Verbesserung
der Leistungsbilanz genau dann zur Folge hat, wenn die Summe der Elastizitäten der Import-
und Exportnachfrage > 1 ist.

Eine reale Abwertung (Aufwertung) hat drei Wirkungen auf die Handelsbilanz:

1. Die Exporte steigen(sinken)

2. Die Importmengen sinken(steigen)

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3. Der Importwert steigt (sinkt) bei gegebener Importmenge

1 und 2 sind Mengeneffekte, 3 ist der Werteffekt. Die Marshall-Lerner-Bedingung be-


schreibt die Bedingung, dass bei einer realen Wechselkursänderung die Mengeneffekte den
Werteffekt überwiegen, sodass eine normale‘ Reaktion der Nettoexporte zustande kommt.

Für eine reale Abwertung, etwa, heißt dies, dass die Nettoexporte steigen. Bei unveränder-
tem Saldo der Primär- und Sekundäreinkommen verbessert sich dadurch auch die Lei-
stungsbilanz. Formal lässt sich die Marshall-Lerner-Bedingung aus ∂N X
∂ < 0 herleiten und
lautet:
∂X  ∂Im 
∂ X + ∂ Im > 1.

⇒Die Aussage ist richtig.

(b) Der Werteffekt (= Im(Y,)


2
) trägt dabei der Tatsache Rechnung, dass eine Aufwertung der
Heimwährung Importe real verbilligt.

Werteffekt bei realer Aufwertung: Durch die Aufwertung sinkt der relative Preis ausländi-
scher Güter in Einheiten inländischer Güter, d.h. dieselbe Menge an Importgütern kostet
nun in Einheiten inländischer Güter weniger. Für eine gegebene Importmenge sinkt somit
der Importwert.
⇒Die Aussage ist richtig.

(c) Dem J-Kurveneffekt zufolge, kann es nach einer realen Abwertung vorübergehend zu einem
Rückgang der Nettoexporte kommen.

Bei einer Änderung des realen Wechselkurses tritt der Werteffekt sofort ein, die Mengen
passen sich jedoch erst mit einiger Verzögerung an. Dadurch können bei einer Abwertung
vorübergehend die Nettoexporte sinken, wenn  sinkt und sich die Mengen X und Im
noch nicht (oder noch kaum) verändert haben. Langfristig allerdings werden die Mengen
sich anpassen und – wenn die Marshall-Lerner-Bedingung gilt – den Werteffekt mehr als
ausgleichen, sodass die Nettoexporte steigen.

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⇒Die Aussage ist richtig.

(d) Eine reale Abwertung führt langfristig immer zu steigenden Nettoexporten, wenn die Marshall-
Lerner Bedingung erfüllt ist.

Nicht zwangsläufig. Falls das ausländische Einkommensniveau Y ∗ in erheblichem Maße


sinkt, kann dies trotz einer realen Abwertung dazu führen, dass die Nettoexporte nicht
zunehmen oder sogar abnehmen im Vergleich zum Zustand vor der realen Abwertung mit
höherem Y ∗ .
⇒Die Aussage ist falsch. Unter einer Ceteris-Paribus-Annahme wäre die Aussage jedoch
richtig.

(e) Wenn der Gesamtwert der Nachfrage nach inländischen Gütern genau dem Gesamtwert der
inländischen Nachfrage entspricht, dann sind die Nettoexporte des Inlandes ausgeglichen.

Die inländische Güternachfrage ist gegeben durch C + I + G. Die Nachfrage nach inländi-
schen Gütern ist C+I +G+X– Im  . Sind beide gleich, d.h. gilt C+I +G = C+I +G+X–  ,
Im

müssen folglich die Nettoexporte X– Im  ausgeglichen sein. ⇒Die Aussage ist richtig.

Aufgabe 4 (IS-LM in offener Volkswirtschaft)

Betrachten Sie folgendes graphisches Modell einer offenen Volkswirtschaft mit flexiblem Wechsel-
kurs. Der Euroraum (EU) ist das Inland, die USA sind das Ausland. In den USA kommt es nun zu

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einem Boom, welcher die Nachfrage nach im Euroraum produzierten Produkten schlagartig erhöht.
Es herrschen über alle Perioden konstante Erwartungen über den zukünftigen nominalen Wech-
selkurs (Et [Et+1 ] = konst.∀t). Gehen Sie zudem davon aus, dass die Marshall-Lerner Bedingung
erfüllt ist.

Welche der folgenden Aussagen ist/sind richtig?


(a) Dies führt unmittelbar zu einer nominalen Abwertung des Euros.

Bei freier Kapitalmobilität muss Zinsparität bestehen, d.h. folgende Gleichung muss erfüllt
sein:
1 + it e
E= E .
i + i∗t
Wenn sich also weder inländischer noch ausländischer Zinssatz noch der erwartete Wech-
selkurs ändern, ändert sich auch der nominale Wechselkurs nicht. Der Boom in den USA
(Anstieg von Y ∗ ) verändert keine dieser Größen.
⇒Die Aussage ist falsch.

(b) Der Boom in den USA führt zu einem Anstieg der Produktion im Inland, sodass Y > Yn .

Der Anstieg von Y ∗ lässt die Nettoexporte und somit die Nachfrage nach inländischen
Gütern steigen. Im Gütermarkt-GG ergibt sich für jeden Zinssatz eine höhere Produktion.
Die IS-Kurve verschiebt sich nach rechts.
⇒Die Aussage ist richtig.

(c) Mittels expansiver Fiskalpolitik lässt sich im Inland die Produktion wieder auf Y = Yn stabi-
lisieren.

Expansive Fiskalpolitik würde die IS-Kurve nur noch weiter nach rechts verschieben und
somit die gleichgewichtige Produktion Y noch weiter erhöhen.
⇒ Die Aussage ist falsch.

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(d) Alternativ zu Scenario (c) könnte die Zentralbank Eurolands jedoch auch den Leitzins i00 > i0
erhöhen. Dies zöge ceteris paribus eine Aufwertung des Wechselkurses und in Folge dessen
einen Rückgang der Nettoexporte nach sich.

Eine Erhöhung des Zinssatzes wirkt über zwei Kanäle: Zum einen führt ein höherer Zinssatz
zu geringeren Investitionen. Zum anderen induziert er einer Aufwertung der inländischen
Währung (siehe Gleichung zur Zinsparität in Aufgabe 4 (a)) und lässt somit – da die
Marshall-Lerner-Bedingung erfüllt ist – die Nettoexporte sinken. Beide Effekte (Investi-
tionsrückgang und Sinken der Nettoexporte) reduzieren die Nachfrage nach inländischen
Gütern und die Produktion. Grafisch entspricht gerade beschriebener Vorgang einer Ver-
schiebung der LM-Kurve nach oben und einer Bewegung auf der IS-Kurve. Ist der Zinsan-
stieg groß genug lässt sich die Produktion Y also wieder auf das Niveau Yn zurückbringen.
⇒Die Aussage ist richtig.

(e) Angenommen, die Zentralbank wolle sich nun vom Wechselkurs unabhängig machen und ihre
Währung an den Dollar koppeln. Dies wäre nur möglich, wenn sie strenge Kapitalverkehrs-
kontrollen einführte.

Wenn die Zentralbank weiterhin (zumindest teilweise) autonome Geldpolitik betreiben


will, muss sie bei fixen Wechselkursen die freie Kapitalmobilität beschränken. Dann ist die
Aussage richtig.
Verzichtet die Zentralbank aber auf autonome Geldpolitik, dann ist es nicht notwendig bei
fixen Wechselkursen die Kapitalmobilität einzuschränken. Dann wäre die Aussage falsch.
(siehe Unmöglichkeitsdreieck, VL-Folie 522)

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