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Tutorium Makroökonomie 1

Aufgabenblatt 7
- Bei jeder Multiple-Choice Frage sind Statements vorgegeben. Sie müssen entscheiden,
welche der Statements richtig sind. Alle kombinatorischen Möglichkeiten sind möglich. -

Aufgabe 1 (Lohn- und Preissetzung)

Gehen Sie von folgender Produktionsfunktion aus: Y ≡ Y (N ) = A · N , wobei N die Anzahl der
eingesetzten Arbeitseinheiten und A einen Technologieparameter darstellt. Die Unternehmen setzen
einen Gewinnaufschlagsfaktor (1 + µ) auf die Grenzkosten und zahlen einen Lohn in Höhe von W
pro Arbeitseinheit.
1. Welche der folgenden Aussagen ist/sind richtig?
(a) Bei der gegebenen Produktionsfunktion ist die Grenzproduktivität der Arbeit gleich A.

Die Grenzproduktivität eines Inputfaktors beschreibt, wie sich der Output als Reak-
tion auf eine marginale Änderung der eingesetzten Menge dieses Inputfaktors ändert
und entspricht mathematisch der partiellen Ableitung der Produktionsfunktion nach
dem Inputfaktor.
∂Y
=A
∂N
⇒Die Aussage ist richtig.

(b) Unternehmen mit Preissetzungsmacht setzen zur Gewinnoptimierung ihren Preis stets
gleich ihren Grenzkosten.

Verfügen Unternehmen auf Gütermärkten über Marktmacht, so setzen sie Preise


oberhalb der Grenzkosten, d.h. sie verlangen einen Aufschlag (Mark-Up) auf ihre
Kosten. Die Preissetzung kann durch folgende Gleichung beschrieben werden:
W
P = (1 + µ) · ,
| {z } A
|{z}
1+mark-up
Grenzkosten

wobei µ den Aufschlag auf die Grenzkosten darstellt.


⇒Die Aussage ist falsch.

(c) Bei vollständiger Konkurrenz setzen die Unternehmen ihren Preisaufschlagsfaktor µ mit
Null gleich.

Im Falle vollständiger Konkurrenz, entspricht der Preis den Grenzkosten, ergo ist
der Mark-Up 0.
⇒Die Aussage ist richtig.

(d) Im Falle von Preissetzungsmacht der Unternehmen liegt der Reallohn der Arbeitnehmer
unterhalb ihrer Grenzproduktivität.

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Durch Umformen der Preissetzungsgleichung der Unternehmen, erhält man folgende
Gleichung für den Reallohn:
W A
=
P 1+µ
W
Da bei Preissetzungsmacht µ > 0 gilt, liegt der Reallohn P dann unterhalb der
Grenzproduktivität A.
⇒Die Aussage ist richtig.

(e) Es ergibt sich folgende Preissetzungsgleichung der Unternehmen: P = (1 + µ) W1·A .

⇒Die Aussage ist falsch (siehe (b)).

2. Unterstellen Sie folgende Lohnsetzungsgleichung: W = P e · F (u, z). Welche der folgenden


Aussagen ist/sind dann wahr?
L
(a) Die Gleichung W = P e · F ( N , z) ist eine alternative Darstellungsweise derselben Lohn-
setzungsgleichung.

Der einzige Unterschied zur Lohnsetzungsgleichung in der Angabe ist, dass die Ar-
beitslosenquote u durch den Quotienten aus Erwerbspersonen (L) und Erwerbstäti-
gen (N ) ersetzt wurde.
u ist definiert als das Verhältnis von Erwerbslosen zu Erwerbspersonen:
U
u=
L
zudem gilt: L = U + N
U L−N N
⇒u= = =1−
L L L
⇒Die Aussage ist falsch.

(b) In der Regel wird ein negativer Zusammenhang von Nominallöhnen W und der Arbeits-
losenquote u unterstellt. Das heißt, dass sich ein Anstieg der Arbeitslosenquote auch in
niedrigeren Löhnen bemerkbar macht.

Im Aggregat betrachtet, führt eine erhöhte Arbeitslosenquote zu einer Schwächung


der Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer, die deswegen nur noch geringere Nomi-
nallohnforderungen erheben können.
⇒Die Aussage ist richtig.

(c) Je höher das erwartete Preisniveau P e , desto höher ist auch der erwartete Reallohn der
Arbeitnehmer.

Insofern das erwartete Preisniveau (unabhängig von seiner absoluten Ausprägung)


dem tatsächlichen Preisniveau entspricht oder sogar niedriger ist, bleiben die Re-

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allöhne konstant bzw. sinken.
⇒Die Aussage ist falsch.

(d) Die Variable z steht für alle Faktoren jenseits von u, welche die Höhe des geforderten
Lohns beeinflussen.

z ist eine Sammelvariable und steht für alle Faktoren jenseits von u und P e , wie
beispielsweise die Höhe der Arbeitslosenunterstützung, der Organisationsgrad der
Gewerkschaften, etc.
⇒Die Aussage ist falsch.

(e) Gemäß den Angaben aus beiden Teilaufgaben ergibt sich ein kurzfristiges Preisniveau
von P = (1 + µ) · P e ·F1(u,z) .

Einsetzen der Lohnsetzungsgleichung (1.2) in die Preissetzungsgleichung (1.1) liefert:

P e · F (u, z)
P = (1 + µ) ·
A
⇒Die Aussage ist falsch.

Aufgabe 2 (Unterschiede kurze und mittlere Frist)

Welche der folgenden Aussagen ist/sind richtig?


(a) Als Produktionspotenzial bezeichnet man das Outputniveau, das sich ergibt, wenn (unter
gegebenen Rahmenbedingungen) die Volkswirtschaft unter normaler Auslastung arbeitet.

⇒Die Aussage ist richtig (siehe Vorlesung).

(b) In der mittleren Frist sind die Löhne und Preise flexibel und das volkswirtschaftliche Angebot
ist völlig elastisch.

Löhne und Preise sind in der mittleren Frist flexibel, allerdings ist das volkswirtschaftliche
Angebot völlig unelastisch. Im (Y, P )-Diagramm ist eine Senkrechte bei YN .
⇒Die Aussage ist falsch.

(c) In der kurzen Frist wird die Produktion allein von der Nachfrage bestimmt.

Kurzfristig sind Preise und Löhne konstant (Die Lösungen in Aufgabe 2 (c) und (e) gelten
für ein Modell mit kurzfristig horizontaler Phillipskurve) und die Produktion wird aus-
schließlich von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage bestimmt.
⇒Die Aussage ist richtig.

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(d) Schwankungen der Nachfrage haben mittelfristig ausschließlich Preiseffekte.

Da in der mittleren Frist das Angebot völlig unelastisch ist, ist dort die gleichgewichtige
Produktion allein durch das Angebot bestimmt. Ändert sich die Nachfrage, so hat dies
keine Effekte auf die Produktion, sondern ändert lediglich das Preisniveau.
⇒Die Aussage ist richtig.

(e) In der kurzen Frist werden Preiseffekte durch Nachfrageschwankungen hervorgerufen.

In der kurzen Frist sind Preise und Löhne konstant (siehe (c)), dementsprechend führen
Nachfrageschwankungen lediglich zu Änderungen der Produktion.
⇒Die Aussage ist falsch.

Aufgabe 3 (Arbeitslosigkeit)

Welche der folgenden Aussagen ist/sind richtig?


(a) Die Arbeitslosenquote ist das Verhältnis der Arbeitslosen zur Bevölkerung im erwerbsfähigen
Alter (Arbeitskräftepotenzial).

Die Arbeitslosenquote ist als Verhältnis zwischen Arbeitslosen und Erwerbspersonen de-
finiert. Letztere sind nicht alle Personen im erwerbsfähigen Alter. So fallen beispielsweise
Personen, die zwar im Stande wären zu arbeiten, allerdings nicht nach einer Beschäftigung
aktiv suchen (z.B. Frührentner, Studierende) nicht in die Kategorie der Erwerbspersonen.
⇒Die Aussage ist falsch.

(b) Zwei Arbeitsmärkte mit der selben Arbeitslosigkeit können strukturell stark voneinander ab-
weichen. In einem sklerotischen Arbeitsmarkt gibt es tendenziell weniger Langzeitarbeitslose.

Arbeitsmärkte mit identischer Arbeitslosenquote können tatsächlich strukturell stark von-


einander divergieren (z.B. Fluktuation in und aus Arbeitslosigkeit). Ein sklerotischer Ar-
beitsmarkt ist beispielsweise geprägt von geringer Fluktuation und einer hohen Zahl an
Langzeitarbeitslosen.
⇒Die Aussage ist falsch.

(c) Die Verhandlungsmacht eines Beschäftigten bei den Lohnverhandlungen hängt ab von:

1. der Höhe der Kosten, die dem Unternehmen entstehen, wenn es den Arbeitnehmer erset-
zen will und
2. der Wahrscheinlichkeit, dass der Beschäftigte eine alternative Beschäftigung findet.

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1. Entstehen dem Unternehmen recht hohe Kosten, wenn es den Arbeitnehmer ersetzen
will, ist es für das Unternehmen womöglich günstiger Forderungen des Arbeitneh-
mers nach einem höheren Lohn nachzugeben anstatt ihn zu entlassen und Ersatz zu
suchen. Folglich hat der Arbeitnehmer eine hohe Verhandlungsmacht, er kann einen
relativ hohen Lohn verlangen.

2. Ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Arbeitnehmer eine alternative Beschäftigung


findet, höher, so ist er eher dazu geneigt das Unternehmen zu verlassen. Um ihn zu
halten, muss letzteres ihm deshalb einen höheren Lohn zahlen. Seine Verhandlungs-
macht ist also höher.

⇒Die Aussage ist richtig.

(d) Man spricht von Effizienzlöhnen, wenn die Unternehmen besonders niedrige Löhne entspre-
chend dem Reservationslohn vergeben.

Genau das Gegenteil ist der Fall: Effizienzlöhne sind Löhne oberhalb des Reservations-
lohns, die Unternhemen zahlen, um Arbeitnehmer an sich zu binden oder besonders zu
motivieren.
⇒Die Aussage ist falsch.

(e) Bei vollkommenem Wettbewerb wäre die natürliche Arbeitslosigkeit nicht vorhanden. Aber
durch Rigiditäten, die nur auf der Arbeitsnachfrageseite entstehen, kann keine quasi Voll-
beschäftigung (ohne konjunkturelle Einflüsse) entstehen.

Es ist richtig, dass es bei vollkommenem Wettbewerb keine natürliche Arbeitslosigkeit


gäbe. Im Gleichgewicht würde sich dann die effiziente Beschäftigung N ∗ einstellen. Ebenso
stimmt, dass strukturelle Rigiditäten dazu führen, dass die gleichgewichtige Beschäftigung
NN sich bei einem geringeren Niveau als N ∗ einstellt (z.B. durch strukturelle Arbeitslo-
sigkeit).
Allerdings können Rigiditäten auch auf der Arbeitsangebotsseite (den Arbeitnehmern)
entstehen, beispielsweise durch starke Verhandlungsmacht der Gewerkschaften.
⇒Die Aussage ist falsch.

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