Sie sind auf Seite 1von 2

3.

Die Körpersprache im interkulturellen Vergleich

Wir haben bereits festgestellt, dass Mimik, Gestik, die Körperhaltung und die
Körpersprache als solche wirksame Ausdrucksmethoden sind. Jedoch werden diese
in verschiedenen Kulturen sehr unterschiedlich gebraucht und wahrgenommen. Auf
diese kulturellen Unterschiede soll in diesem Kapitel eingegangen werden und an
Hand von Beispielen aus aller Welt verdeutlicht werden.
Dass durch das Unwissen über diese kulturellen Unterschiede Nachrichten
fehlverstanden und missliche Situationen entstehen können, soll folgendes Beispiel
verdeutlichen:
„Ein amerikanischer Teenager fuhr in Nigeria per Anhalter. Ein mit Ortsansässigen
voll beladener Wagen hielt mit kreischenden Bremsen an. Die Ortsbewohner
sprangen heraus und setzten dem Besucher kräftig zu. Warum? Weil in Nigeria die
Geste, die in Amerika üblicherweise von Anhaltern gebraucht wird (ein nach oben
gestreckter Daumen), als sehr unhöfliches Zeichen angesehen wird“ (Axtell 1994,
S.20).
Aber auch in noch alltäglicheren Situationen sind deutliche Unterschiede zu
erkennen, sei es beim Begrüßen, Verabschieden oder Winken.
Um dies zu verdeutlichen soll zunächst auf unterschiedliche Begrüßungsarten
eingegangen werden. Bereits im Römischen Reich wurde sich mit einer
Umklammerung von Hand und Unterarm begrüßt. In Deutschland versteht man
zumeist unter einer Begrüßung einen festen Händedruck und einen geraden Blick in
die Augen. In bestimmten Teilen Asiens, wie Indien und Thailand, werden zur
Begrüßung die Hände in Brusthöhe mit den Handinnenflächen aneinandergelegt und
eine leichte Verbeugung des Oberkörpers ausgeführt. Es gibt noch viele weitere
verschiedene Art und Weisen sich zu begrüßen, aber bei all den Unterschieden gibt
es auch Gemeinsamkeiten. Alle Zeichen signalisieren Offenheit, was vermutlich
daher rührt, dem Gegenüber zu zeigen das man unbewaffnet ist. Des Weiteren ist
allen Menschen, gleich bei der Begrüßung gemeinsam, gleich welcher Kultur oder
Nationalität, bei der Begrüßung gemeinsam, dass wir unsere Augen weiter als
gewöhnlich öffnen und unsere Augenbrauen dabei nach oben bewegen, sodass
unsere Stirn in Falten gezogen wird. Diese Bewegungen scheinen instinktiv
ausgeführt zu werden und ebenfalls Offenheit zu signalisieren (Axtell 1994, S.41ff).
Eine ebenso interessante Feststellung ist, dass es einige Kulturen gibt, die
Körperkontakt suchen, und einige, die ihn meiden. So ist es z.B. in Ländern des
mittleren Osten nicht ungewöhnlich, „wenn ein Mann den Ellbogen eines zweiten
Mannes stützt, sie Arm in Arm gehen oder sogar Hände halten. Korea, Indochina,
Griechenland und Italien werden ebenfalls als ‚berührungsfreundliche‘ Länder
angesehen. In diesen Ländern signalisiert man durch solch einen offen gezeigten
Körperkontakt normalerweise Freundschaft“ (Axtell 1994, S.74). Hingegen schult
man z.B. in den Vereinigten Staaten Büropersonal und Lehrer, zufällige Berührungen
zu vermeiden, da diese von den Angestellten oder Schülern als sexueller Schritt
missdeutet werden könnten (Axtell 1994, S.76).
Ein weiteres Beispiel für missgedeutete Körpersprache ist die ‚OK-Geste‘, wie
Amerikaner und viele andere sie kennen. Prominentestes Beispiel für diese
missverstandene Geste ist Richard Nixon, der bei seiner Ankunft in Südamerika
einen Kreis aus Daumen und Zeigefinger formte. Die wartenden Menschen jedoch
reagierten empört, da dies in der lateinamerikanischen Kultur als Beleidigung gilt. In
Frankreich interpretiert man dieses Zeichen als ‚Null‘ oder ‚Wertlos‘. In Japan
verwendet man es als Symbol für Geld (Axtell 1994, S.81f.).
Diese Beispiele sollen veranschaulichen, wie unterschiedlich Körpersprache im
interkulturellen Vergleich ist und wie schnell Missverständnisse auftreten können,
wenn man um die nationalen oder kulturellen Eigenheiten nicht weiß.
Hingegen gibt es eine Geste, welche rund um die Welt verbreitet und absolut
universell verständlich ist. „Primitive Stämme und Weltspitzenpolitiker kennen und
gebrauchen diese Geste gleichermaßen“ (Axtell 1994, S.169). Gemeint ist das
Lächeln. Dieses bringt wie keine andere Geste erfreuliche Eigenschaften mit sich.
Wissenschaftler glauben sogar, dass ein Lächeln bei unserem Gegenüber eine
Endorphinausschüttung und somit ein angenehmes Wohlgefühl bewirkt. Daher die
einheitliche und unmissverständliche Bedeutung und Wirkung in allen Teilen der
Welt.

Literatur:

Axtell, Roger E. (1994): Reden mit Händen und Füßen. Körpersprache in aller Welt.
München.