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Walter Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“

Walter Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“ tergrund seiner Parlamentarismuskritik bilde
daher der national-konservative Kapp-Putsch
Veranstalter: Christian Volk, Institut für So- von 1920, der durch den (größten deutschen)
zialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Generalstreik beantwortet wurde und schei-
Berlin terte.
Datum, Ort: 12.02.2021–12.02.2021, Berlin Im Anschluss an Hannah Arendts berühm-
Bericht von: Simon Clemens / Simin Jawab- tes Benjaminportrait bezeichnete Volk das Le-
reh / Jonathan Stahl, Humboldt-Universität ben Benjamins als eine „Folge von Scher-
zu Berlin benhaufen“ und zeichnete die letzten Jah-
re seines Lebens nach. Bereits 1933 wur-
Obwohl „von höchst irritierender Subtilität“ de Benjamin mit der Machtübernahme der
(Axel Honneth), gilt Walter Benjamins Schrift Nazis seiner Berliner Heimat beraubt. Be-
„Zur Kritik der Gewalt“ (1921), die zentral um dingt durch das zwischen Deutschland und
die Verbindung von Gewalt und Recht sowie dem Vichy-Regime geschlossene Waffenstill-
die Quellen und Formen von Gewalt kreist, standsabkommen von Compiègne, das jüdi-
als einer der relevantesten Texte des 20. Jahr- sches Leben auch in Frankreich der Depor-
hunderts. Anlässlich seines 100-jährigen Ju- tation preisgab, sah er sich sieben Jahre spä-
biläums rückte der Forschungs- und Lehrbe- ter gezwungen, sein Pariser Asyl zu verlas-
reich „Theorie der Politik“ den Text in den sen. Ausgestattet mit nahezu allen nötigen Vi-
Mittelpunkt eines Symposiums. Zu Beginn sa scheiterte seine Flucht 1940 im französisch-
formulierte CHRISTIAN VOLK (Berlin) das spanischen Grenzort Portbou, da das Franco-
zentrale Anliegen der Veranstaltung, nämlich Regime die Durchquerung Spaniens nicht
die historische und geistesgeschichtliche Ver- mehr gestattete. Volk zitierte Arendt dazu wie
ortung des Textes und die Beantwortung der folgt: „Benjamin nahm sich in der Nacht das
Frage, „welche Aktualität Benjamins Rechts- Leben, und seine Begleiter wurden daraufhin
und Gewaltanalyse angesichts jüngster De- von den Grenzbeamten, auf die der Selbst-
batten um Polizeigewalt, gewaltsame Protes- mord doch einigen Eindruck gemacht hatte,
te oder die gewaltsame Niederschlagung von nach Portugal durchgelassen. Die Visumsper-
Protesten heute noch hat“. Auch die abschlie- re wurde nach einigen Wochen wieder aufge-
ßende, von Tim Wihl (Berlin) moderierte Po- hoben. Einen Tag früher wäre er anstandslos
diumsdiskussion mit Hannah Franzki (Bre- durchgekommen, einen Tag später hätte man
men), Daniel Loick (Amsterdam) und Karin in Marseille gewußt, daß man zur Zeit nicht
Stögner (Passau) legte ein besonderes Au- durch Spanien konnte.“
genmerk auf die Aktualität von Benjamins Ein zweites wiederkehrendes Element be-
Schrift. stand in der Herausarbeitung der gedankli-
Historizität: Revolution und Faschismus in chen Genese und ideengeschichtlichen Bezü-
Deutschland ge. Eiland und Jennings verorteten den Text
Mit Blick auf die historischen Konstellatio- innerhalb eines größer angelegten Projekts
nen war ein erstes Motiv des Symposiums die und verwiesen für ein besseres Verständnis
biografische Kontextualisierung. JULIA NG auf Benjamins theologisch-politischen Schrif-
(London) verwies auf Benjamins Erleben der ten. Ng präsentierte in Vergessenheit gerate-
deutschen Revolution von 1919 und pointier- ne „archival evidence“ – eine derzeit noch
te den konterrevolutionären Streik des medi- nicht veröffentlichte Literaturliste. Sie enthal-
zinischen Personals, der sich in Opposition te Überlegungen Benjamins für eine weiter-
zur vermeintlichen Gefahr des Spartakusbun- entwickelte Kritik der Gewalt und umfas-
des formierte. Ähnlich beschrieben die Ben- se Texte bis einschließlich 1928 aus den Be-
jaminbiografen HOWARD EILAND (Mas- reichen Natur- und Verfassungsrecht. Insbe-
sachusetts) und MICHAEL W. JENNINGS sondere habe es den Anschein, dass Benja-
(Princeton), dass Benjamin während der Ent- min die Debatte zwischen Hans Kelsen und
stehungszeit des Textes von Bern, wo er sich Carl Schmitt nachvollzog, die in den 1920ern
dem Kriegsdienst entzogen hatte, in seine einen staatsrechtlichen Methodenstreit führ-
Geburtsstadt Berlin zurückkehrte. Den Hin- ten, in dessen Mittelpunkt Positivismus (Kel-

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sen) und Dezisionismus (Schmitt) aufeinan- das Mark fährt. Beide wiesen darauf hin, wie
derprallten. Laut Ng liege darin eine Alter- Benjamins Kritik der Gewalt mit bestechender
native zur Antinomie von positivem und Na- Zeitlosigkeit die Grenzen des Denkens testet
turrecht, die Benjamin noch in seiner Schrift oder gar „sprengt“ (Geulen). Wie Tomba be-
„Zur Kritik der Gewalt“ als Ausgangspunkt merkte, findet sich in „Zur Kritik der Gewalt“
gedient hatte. eine neue, nicht kantische Art der Kritik. Die-
Ein drittes Moment der historischen Veror- se verfahre nicht immanent, sondern breche
tung war durch rezeptionsgeschichtliche Be- die Grenzen des Bestehenden. Benjamin wen-
züge gekennzeichnet. Unter erneuter Refe- de sich damit auch an das lesende Subjekt und
renz auf Arendt erläuterte Volk, dass sie und rühre dessen innere Ordnung gehörig auf. Je-
Benjamin zwar gute Freund:innen gewesen ne Erfahrung der Verwirrung, so Tomba, er-
seien (wie der Briefwechsel oder die Heraus- öffne eine Art der Kritik, die sich der Zweck-
gabe von Benjamins Werk durch Arendt il- Mittel-Rationalität widersetzt, indem sie das
lustrieren), sich im Arendtschen Werk jedoch Werdende antizipiert. Dies exerziere Benja-
keine expliziten Referenzen zur Gewaltschrift min mit seiner Kritik an der Gewalt durch,
finden, obwohl sie sich in „On Revolution“ indem er die Temporalität der rechtssetzen-
und „On Violence“ des Themas explizit an- den Gewalt herausstellt, die als Mittel nach
nahm. Nichtsdestotrotz wies Volk auf einen der erfolgreichen Staatsbildung als Zweck le-
ähnlichen Umgang mit dem historischen Ma- gitimiert wird. Zudem müsse sich der Zweck
terial hin und machte deutlich, dass es (wenn immer wieder durch die rechtserhaltende Ge-
auch nicht benannte) Auseinandersetzungen walt behaupten. Benjamin, der dabei repressi-
bei Arendt gebe; so sei etwa ihre Analyse der ve staatliche Gewalt vor Augen habe, kontras-
europäischen Polizei in „Elemente und Ur- tiert sie mit der göttlichen Gewalt. Sie werde
sprünge totaler Herrschaft“ von Benjamin in- nicht ausgeübt, um einen Zustand zu schaffen
spiriert. oder zu erhalten, sondern trage den begehrten
Auch Eiland und Jennings warfen eini- Zustand bereits in sich oder antizipiere ihn.
ge Schlaglichter auf die Rezeptionsgeschich- Diese neue Art der Kritik, die den Rah-
te des Gewaltessays. Neben Herbert Marcu- men des herkömmlichen Kritikbegriffs gewal-
se und Giorgio Agamben gingen sie dabei auf tig sprengt, wird auch von Geulen als sol-
Jacques Derrida ein, der Benjamin als Den- che aufgenommen. Der Text, der die staat-
ker des Anti-Parlamentarismus sah und ihm lich legitimierte Gewalt radikal in Frage stellt,
eine fast faschistoide Tendenz zur Gegenauf- zeichne sich, so Geulen, nicht durch Aktuali-
klärung unterstellte. Dem gegenüber hoben tät aus, sondern vielmehr durch seine Über-
sie Werner Hamachers Rezeption in den „Mi- zeitlichkeit in Form der „bleibenden Provoka-
nima Philologica“ (1991) hervor, die deutlich tion“. Diese bestehe in seiner Kritik am staat-
mache, dass sich die Parlamentskritik gegen lichen Gewaltmonopol, das Benjamin als Ma-
die Repression von kommunistischem Auf- nifestation mythischer Gewalt versteht. An-
begehren richte und keinesfalls als protofa- schließend verschiebe er den Fokus auf eine
schistisch gelten dürfe – womit gleicherma- der mythischen Gewalt vorzuziehende gött-
ßen der Bogen zum eingangs präsentierten liche Gewalt, die beim Lesen konsterniert,
historischen Kontext gespannt wurde. wenn doch eigentlich eine gewaltlose Welt als
Überzeitlichkeit: „Bleibende Provokation“ Ziel gilt. Wie könne eine Welt durch göttli-
und textimmanente Bezüge che Gewalt strukturiert sein, und wie wer-
Im Gegensatz zur werk- und rezeptions- de sichergestellt, dass diese heilige Ordnung
geschichtlichen Einordnung zu Beginn des fortbesteht? Geulen wies, ganz im Sinne von
Symposiums wandten sich MASSIMILIANO Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“, auf die
TOMBA (Santa Cruz) und EVA GEULEN Ungereimtheiten und losen Enden des Tex-
(Berlin) der textimmanenten Argumentation tes hin, bei dem die Antworten wohl absicht-
Benjamins zu und arbeiteten die Überzeitlich- lich im „Opaken“ (Tomba) bleiben. Einen klei-
keit derselben heraus. Zum Gegenstand ihrer nen Hinweis gibt es aber doch, auf den Geu-
Beiträge machten sie den Ruck, der den Le- len eindrücklich aufmerksam machte – Ben-
ser:innen bei der Lektüre dieses Textes durch jamins Konzeption der erzieherischen Gewalt

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Walter Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“

als eine Art der göttlichen Gewalt. Zu ei- nen Hauch Gerechtigkeit versprechen, wenn
ner abschließenden Interpretation dieser Aus- sie nicht nur die Gewalt der Vergangenheit
sage wollte sich Geulen jedoch ausdrücklich adressieren, sondern auch die ihrer Ordnung
nicht hinreißen lassen. Ist die erzieherische und des Einsatzes des Rechts selbst.
Gewalt göttlich, weil sie außerhalb des rechtli- Aktualität: Differentielle Gewaltsysteme im
chen Zweck-Mittel-Zusammenhangs stattfin- Kontext von Imperialismus und rassifizierter
det? Weil sie eine Art menschliche Lebens- Staatsgewalt
form darstellt, die dem niederen bloßen Leben M. TY (Wisconsin) betrachtete die Gewalt,
entgegensteht? Auch hier bleibt die abschlie- die Geflüchtete an Grenzen erfahren und
ßende Antwort bei den Lesenden. die als scheinbar natürlich und schicksals-
Wohl zeige sich aber der Charakter der gött- haft verhandelt wird („death by desert“, „de-
lichen Gewalt, die sich nicht vorhersehen und ath by sea“) und fragte damit nach jener
nicht instrumentalisieren lässt. Es sei gerade Gewalt, die sich gegen „diejenigen richtet,
das Göttliche an dieser Art der Gewalt, dass die als außerhalb des Staates stehend figurie-
sie sich nur im Moment ihrer Ausübung fin- ren, die entweder kategorisch von der Sphä-
det. Dieser Zustand, in dem keine „verlässli- re des Rechts ausgeschlossen sind oder denen
che“ Einheit (wie der Staat samt Gewaltmo- strategisch eine partielle Persönlichkeit zuge-
nopol) existiert, beunruhige. Geulen bemerk- standen wird, sodass sie kriminalisiert wer-
te an dieser Stelle, dass der Text sehr wohl zu den können“. Die im westlichen Denken ver-
einer anarchistischen, gar nihilistischen Lesart breitete Fehlkonzeption einer Natur-Kultur-
einlade, dies jedoch nicht im Sinne Benjamins Unterscheidung führe weitergehend zu einer
wäre. Genug Hinweise gibt es, dass Benjamin Invisibilisierung der Gewalt, die die Staats-
eine bessere Ordnung im Sinn hat, der Text al- macht exkludierend an ihren und durch ih-
lerdings, so bemerkte Tomba, zeige nur den re Außengrenzen verhandelt und die täg-
Weg hinaus aus der derzeitigen Misere. lich auf den Körpern Fliehender ausgetragen
Wie dieser Weg hinaus für das Straf- wird. Benjamins Polizeikritik, die die Auf-
recht aussehen könnte, untersuchte HAN- hebung der Gewaltenteilung innerhalb der
NAH FRANZKI (Bremen), indem sie nach Polizei kritisiert, da sie dem Recht gegen-
den Implikationen von Benjamins Rechtskri- über eine zweifache Funktion ausübe, indem
tik für die strafrechtliche Aufarbeitung von sie sowohl rechtserhaltend als auch rechtsset-
Systemverbrechen fragte. Wie Eiland und Jen- zend wirkt, gelte dabei genauso für Grenz-
nings konsultierte auch Franzki die Kritik truppen. Scheinbare Naturgewalten („zones
Derridas, der in „Zur Kritik der Gewalt“ ei- of probable death“) müssten zukünftig in die-
ne Versuchung erahnte, die Shoah als gött- sem Kontext Berücksichtigung finden. Auch
liche Gewalt zu inszenieren. Auch im An- Julia Ngs Schlussappell, Benjamin auf den eu-
schluss an Bettine Menke, die darin einen Ver- ropäischen Imperialismus zu beziehen, reihte
such sieht, die Unbrauchbarkeit des Rechts sich in eine Kritik, die den vor allem west-
für eine Verurteilung zu konstatieren, fragte lich inspirierten Benjamin auf jene Subjekte
sich Franzki, wie solch eine Verurteilung im beziehen möchte, die von ihm unberücksich-
Sinne Benjamins produktiv ausschauen könn- tigt blieben.
te. Konkreter: „Wie können wir auf die Ge- DANIEL LOICK (Amsterdam) erinnerte
walt des Ausnahmezustands einer Diktatur ebenfalls an eine differentielle Wirkung der
reagieren, ohne den Ausnahmezustand des Staatsmacht und setzte „Zur Kritik der Ge-
Kapitalismus zu normalisieren?“ Anhand ei- walt“ in einen Dialog mit abolitionistischer
ner argentinischen Erzählung verwies Franz- Theorie und Bewegung. Sowohl Abolitio-
ki mit Christoph Menke auf eine Dialektik nist:innen als auch Benjamin sprächen sich
des bürgerlichen Privatrechts von einer nor- für eine politische Vision des Überwindens
mativen Ordnung gleicher Freiheit zur Verde- der Staatsgewalt aus. Abolitionist:innen heu-
ckung und Ermöglichung sozialer Herrschaft. te, in der Tradition des transnationalen Kamp-
Mit Benjamin gebe es zwar keine Rechtferti- fes gegen die Sklaverei stehend, fokussieren
gung für die Anwendung eines Rechts, Straf- sich allgemein auf die Abschaffung jener In-
prozesse könnten aber, so Franzki, dann ei- stitutionen des Strafens, die der Produktiv-

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machung und Aufrechterhaltung eines ras- mit einhergehenden Transformation von Ge-
sialen Kapitalismus dienlich sind. Besonders walt, erscheint Benjamins Analyse gleicher-
der differentiell wirkende und damit rassi- maßen als Kulminationspunkt eines Span-
fizierte Charakter staatlicher Gewalt ist da- nungsfeldes: Sie verweist innerhalb einer De-
bei Analyseschwerpunkt und ergänzt Benja- batte, die verstärkt globale Zusammenhän-
mins Schrift um eine Perspektive des Zusam- ge in den Blick nimmt, auf die notwendige
menspiels legaler und extra-legaler Gewalt, Beschäftigung mit etatistischer Gewalt, wäh-
wie sie nicht zuletzt in feministischen Ausein- rend sie gleichermaßen darüber hinausweist
andersetzungen durch die Auslagerung von und Möglichkeiten zur Thematisierung von
Gewalt in eine vermeintlich „private“ Sphä- räumlich (scheinbar) unverorteter Gewalt er-
re thematisiert wird. Neben unsichtbar ge- öffnet.
machter Staatsgewalt (z.B. Segregation) seien Darüber hinaus zeigte sich die Vielschich-
es auch Perspektiven auf die Staatsmacht als tigkeit des Textes auch in seiner Anschluss-
Subjektivierungsregime, um die es Benjamin fähigkeit für rechts-, geschichts- und kultur-
zu ergänzen gilt. Pflege Benjamin zur Auflö- wissenschaftliche sowie philosophische Be-
sung des Rechts mit seiner göttlichen Gewalt trachtungsweisen. Benjamins neuartiger Be-
eher ein deontologisches, messianisches, ahis- griff „göttliche Gewalt“ stand dabei als Polar-
torisches Vorgehen, in dem die Gewalt quasi stern über all diesen Perspektiven, indem er
von außen kommt, setzen Abolitionist:innen unerbittlich den ungewissen Weg weist und
von innen in Form eines dialektischen Argu- „unaufhaltsam in die Zukunft treibt“ (Ben-
mentes an: abolitionistische Demokratie als jamin). Dieser Ausgang aus der ungerechten
Negation der Negation strafender Geografi- und von autoritärer Gewalt durchsetzten Welt
en (Ruth Wilson Gilmore). Es geht um Res- ist der zentrale Antrieb der Gedanken Benja-
sourcenumverteilung und den direkten Auf- mins, der sich in jedem der Beiträge auf spezi-
bau gegenhegemonialer Projekte. Der Aboli- fische Weise wiederfand. Noch nach 100 Jah-
tionismus bereichere Benjamin schlussendlich ren behauptet sich der Text als Quelle system-
um ein klareres Bild für eine mögliche Auf- kritischer Inspiration und utopischer Hoff-
hebung des Rechts. – Auch die Podiumsdis- nung, die nicht nur theoretisch ansprechend,
kussion widmete sich jenen abolitionistischen sondern ebenso für Kämpfe sozialer Gerech-
Konzepten, die rund um den Sammelbegriff tigkeit nötiger denn je sind.
„transformative Gerechtigkeit“ kursieren, um
Konferenzübersicht:
das Überkommen staatlicher Gewalt zu dis-
kutieren. Christian Volk (Berlin): Begrüßung und Ein-
Zukünftigkeit: Göttliche Gewalt und utopi- führung
sche Hoffnung
Howard Eiland (Massachusetts) / Michael W.
Walter Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“
Jennings (Princeton): Walter Benjamin and his
zeigte sich als hervorragende Grundlage für
Critique of Violence
eine umfang- und perspektivenreiche Be-
trachtung. Die Beiträge, die diverse wissen- Deutungen
schaftliche Disziplinen abdeckten, offenbar-
Massimiliano Tomba (Santa Cruz): Benja-
ten eindrücklich die Vielschichtigkeit des Tex-
min’s Divine Violence: One has to Learn how
tes. So trugen zum Beispiel literaturwissen-
to Master „Gewalt“
schaftliche Analysen von Benjamins Reimen
zum erhöhten Verständnis des Textes bei (Ge- Julia Ng (London): Benjamin on Self-Defense
ulen). Auch Bezüge zu heutigen sozialen Be- and Modern State
wegungen ließen sich herstellen (Loick), wo-
Eva Geulen (Berlin): Fünf Anmerkungen zu
bei „Zur Kritik der Gewalt“ erstaunliche Weit-
Walter Benjamins „Kritik der Gewalt“
sicht hinsichtlich der Probleme des vergange-
nen Jahrhunderts und der Gegenwart erken- Aktualisierung
nen ließ. Mit der zunehmenden Dislozierung
Daniel Loick (Amsterdam): Benjamin und Ab-
staatlicher Gewalt, manifestiert etwa in trans-
olition
und internationalem Polizieren und der da-

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Walter Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“

M. Ty: To Break With Fate


Hannah Franzki (Bremen): Ahndung von
Staatsverbrechen im Lichte der Kritik der Ge-
walt
Podiumsdiskussion
Hannah Franzki (Bremen), Daniel Loick
(Amsterdam), Karin Stögner (Passau)
Moderation: Tim Wihl (Berlin)

Tagungsbericht Walter Benjamins „Zur Kritik


der Gewalt“. 12.02.2021–12.02.2021, Berlin, in:
H-Soz-Kult 21.05.2021.

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