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Humboldt-Universität zu Berlin

Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät


Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft
Seminar: Golden Atlantic, Black Atlantic. Musik und Macht im Zeitalter globaler Zirkulation
Leitung: Prof. Dr. Sebastian Klotz
Sommersemester 2018

Portugal und der “Golden Atlantic”


Globale Zirkulation und Transkulturalität im lusophonen Raum
am Beispiel von Lissabon als “Resounding City”

Simon Manuel Cabrera (4. Fachsemester) Kernfach: Musikwissenschaft


Kurfürstenstraße 37 Zweitfach: Gender Studies
10785 Berlin Matrikelnummer: 586577
Tel.: 0176 82453743
eMail: simon.manuel.cabrera@hu-berlin.de

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ................................................................................................................................ 2
Aktueller Forschungsstand..............................................................................................3
Hauptteil ................................................................................................................................. 5
“The Golden Atlantic” ......................................................................................................5
“The Resounding City” ....................................................................................................7
Lissabon und der Fado .....................................................................................................9
Kritik und Ausblick ............................................................................................................. 10
Literaturverzeichnis .............................................................................................................11
Abbildungsverzeichnis .......................................................................................................11

Anhang: Eigenständigkeitserklärung


Prüfungsprotokoll


1
Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

Einleitung

In dieser Arbeit widme ich mich den komplexen transkulturellen Beziehungen

kolonialer Hafenstädte in Afrika, Südamerika und Europa widmen. Wie zeigen sich in

ihrer Musik urbane Ängste, Erwartungen und Konflikte? Welche Rolle spielt Musik

bei sozialer Inklusion? Ist Musik Reflex der Transkulturalität oder ihr Agens?

Eine ethnologische Betrachtung unterschiedlicher Kulturen birgt oft die Gefahr in

sich, rassistische und nationalistische Ressentiments oder Ideologien zu bekräftigen,

weswegen es mir wichtig ist, zum einen in der Auswahl der Literatur verstärkt auf

den Hintergrund der Autor*innen zu achten (um zu vermeiden sich überwiegend auf

kulturfremde und womöglich problematische Untersuchungen zu beziehen, also z.B.

Texte weißer europäischer Akademiker über afroamerikanische Kultur o.ä.) und zum

anderen mich bei meiner eigenen Arbeit auf die Methodik und das Forschungs-

interesse der Cultural Studies zu stützen (wonach Kultur “nur im Kontext von Macht

und Politik angemessen analysiert werden kann”)1.

Im ersten Teil zeige ich am Beispiel der Kolonialisierung Brasiliens durch Portugal

in einem historischen Überblick, was mit globaler Zirkulation gemeint ist. Der zweite

Teil befasst sich eher aus soziologischer Sicht mit der Stadt als zentralem Schauplatz

von kulturellem Austausch, von Repräsentationen der Macht und Politik und mit

Musik als zentralem Faktor im Zusammenspiel all dessen. Darauf aufbauend widme

ich mich im letzten Teil Lissabon in der Bemühung, aktuelle qualitative Forschung

globaler Zirkulation von Kulturen kritisch zu betrachten und am gewählten Beispiel

Problematiken und Potentiale aufzuzeigen.

Für das Thema der Kolonialisierung Südamerikas durch Europa interessiere ich

mich schon wegen meiner familiären Herkunft (Kolumbien und Paraguay) sehr. Die

Exkursion nach Lissabon, die im Zusammenhang mit dem Seminar stand, das dieser

Arbeit zugrunde liegt, bot die Gelegenheit, die heutige(n) Kultur(en) vor Ort eigens zu

1 Vgl. Winter 2003, S. 205.

2
Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

betrachten, mich mit den Stadtbewohnern auszutauschen und wichtige Institutionen

zu besuchen, weshalb ich meinen Fokus letztlich auch hier gesetzt habe.

Aktueller Forschungsstand

Wie zuvor schon erwähnt ist Literatur kulturfremder Autoren kritisch zu betrachten,

weshalb ich meine Quellen dieser Art zuerst vorstellen möchte:

Mark A. Burkholder und Lyman L. Johnson sind US-amerikanische Geschichts-

professoren mit Fokus auf das koloniale Südamerika und haben 1990 gemeinsam das

Buch “Colonial Latin America” veröffentlicht, in dem sie ihr gebündeltes Wissen über

die Kolonialisierung Südamerikas durch Europa chronologisch abhandeln und jeden

Abschnitt mit einer breiten Auswahl an weiterführender Literatur beenden. Der

englische Journalist Peter Fryer, der durch seine Arbeit über den Ungarischen

Volksaufstand und über schwarze Kultur in Großbritannien berühmt wurde,

veröffentlichte 1990 das Buch “Rhythms of Resistance”, in dem er sich den

afrikanischen Ursprüngen beziehungsweise Einflüssen brasilianischer Musikkultur

widmet und mittels ausführlicher Anmerkungen und Belege am Ende jedes Kapitels

einen Anspruch auf wissenschaftliche Methodik und Neutralität erhebt. Im 2015

erschienenen Buch “Noise Uprising” bietet der US-amerikanische Kulturhistoriker

und Professor Michael Denning, der am Centre for Contemporary Cultural Studies mit

Stuart Hall zusammen arbeitete2 und darauf aufbauend das Feld der American Studies

maßgeblich mitbeeinflusste, eine alternative Herangehensweise an Geschichte

populärer Musik und legt im ersten Kapitel den Fokus auf koloniale Hafenstädte als

Ursprung globaler Zirkulation.

In dem 2011 von Geoff Baker und Tess Knighton herausgegebenen Sammelwerk

“Music and Urban Society in Colonial America” finden sich zahlreiche Essays von

Forscher*innen unterschiedlicher Hintergründe, die das koloniale Südamerika aus

2 Hier wurde in den 60er-Jahren der Begriff Cultural Studies erstmalig verwendet und
ausgearbeitet, vgl. Winter 2003, S. 205.

3
Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

musikwissenschaftlichem Interesse betrachten und die Stadt als “resounding city”3

hierbei fokussieren. Das darin enthaltene Kapitel “Chapelmasters and Musical

Practice in Brazilian Cities in the Eighteenth Century” der brasilianischen Wissen-

schaftler Paulo Castagna und Jaelson Trindade und das darauffolgende Kapitel des

brasilianischen Musikwissenschaftlers Rogério Budasz befassen sich dabei speziell mit

den portugiesischen Kolonien in Brasilien.

Der portugiesische Musikwissenschaftler Manuel Carlos de Brito bietet in seinem

Artikel über Lissabon in der Enzyklopädie “Die Musik in Geschichte und Gegenwart”

einen historischen Abriss der Stadt. Der spanische Musikethnologe Iñigo Sánchez legt

in seinem 2017 im Sammelwerk “Towards an Anthropology of Ambient Sound”

erschienenen Essay “Mapping Out the Sounds of Urban Transformation” die

Ergebnisse seiner qualitativen Forschung zu den Auswirkungen des staatlichen

Programms zur Erneuerung des Mouraria-Quartiers in Lissabon auf die lokale

Musikkultur dar. Die portugiesische Musikethnologin Salwa El-Shawan Castelo-

Branco bietet in ihrem Artikel über Portugal in “The Garland Encyclopedia of World

Music” einen Blick auf populäre Musik im Portugal des 20. und 21. Jahrhunderts und

zieht transkulturelle Verbindungen zu Afrika und Südamerika. In dem 2013 veröf-

fentlichten Sammelwerk “The Cambridge History of World Music” findet sich neben

dem Essay “Music, Minas, and the Golden Atlantic” von Suzel A. Reily (Professorin

für Musikethnologie an der Universidade Estadual de Campinas, Brasilien) ein

weiterer Text von Castelo-Branco, “The politics of music categorization in Portugal”,

der Musikkultur in Portugal im Stile der Cultural Studies im Kontext von Macht und

Politik, von Nationalismus und Rassismus betrachtet.


3 Vgl. Baker, S. 224.

4
Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

Hauptteil

Untersuchungen von Musikkultur im Kontext von Macht und Politik ermöglichen

einen differenzierteren Blick auf musikalische Geographien und transkulturelle

Verschiebungen darin, da sowohl konservative als auch progressive Strömungen,

repressive und subversive Interessen zum Ausdruck kommen in der Musikpraxis des

bürgerlichen Alltags und in ästhetischen Beurteilungen der Zeitgenossen.

Musik spielte eine zentrale Rolle in der Kolonialisierung: Zum einen richteten sich

die Conquistadores in Tradition der griechischen Antike nach musikalischen

Konstanten (sowohl strategisch zur Einschüchterung und Unterdrückung der

Ureinwohner als auch in den Zahlenverhältnissen der zeitgenössischen Architektur),

zum anderen nutzten aber auch die Einheimischen Südamerikas und die

afrikanischen Sklaven in den Kolonien Musik für sich selbst als soziales, politisches

und kommunikatives Mittel. Durch globale Zirkulation über Jahrhunderte hinweg

entstand so eine Transkulturalität, die besonders in den kolonialen Hafenstädten noch

bis heute deutlich erkennbar ist.

Im Folgenden untersuche ich die Auswirkungen globaler Zirkulation auf

Musikkulturen in Portugal (speziell Lissabon) und in den portugiesischen Kolonien.

“The Golden Atlantic”

Die portugiesische Krone, für welche Pedro Álvares Cabral 1500 bei seiner Landung

im heutigen Porto Seguro das Land in Besitz nahm, importierte anfänglich haupt-

sächlich Brasilholz (daher auch der spätere Name des Landes) und beschränkte daher

finanzielle Mittel auf ein Minimum (zu Gunsten des lukrativeren Handels im Fernen

Osten), was sich mit dem Aufkommen von Zuckerrohrplantagen und entstehenden

Siedlungen aber allmählich änderte.4 Da die einheimische Bevölkerung, die

überwiegend als Sklaven für ihre Besetzer arbeiten musste, bis Anfang des 17.

Jahrhunderts aufgrund gewaltsamer Konflikte mit den Kolonialmächten und durch

4 Vgl. Burkholder & Johnson, S. 68f.

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Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

Epidemien europäischer Krankheiten dezimiert wurde, brachten die Conquistadores

verstärkt afrikanische Sklaven nach Südamerika und bis Ende des 17. Jahrhunderts

befanden sich in Brasilien fast so viele Schwarze wie in allen spanischen,

französischen und britische Kolonien Südamerikas zusammen genommen.5

Die Entdeckung von Gold in Brasilien im späten 17. Jahrhundert verstärkte den

Handel und Verkehr zwischen Hafenstädten portugiesischer Kolonien um ein

Vielfaches. Die europäischen Obrigkeiten bemühten sich die afrikanischen und

indigenen Kulturen zu unterdrücken, doch über Musik und Tanz bot sich auch der

ungebildeten Masse unterschiedlicher kultureller Hintergründe ein Kanal und eine

Sphäre des Austauschs, der sozialen Interaktion und globalen Zirkulation, aus der die

heutige authentisch-brasilianische populäre Kultur hervorgeht.6

In Anlehnung an Paul Gilroys black Atlantic, der transkulturelle Verschiebungen

aufgrund des Sklavenhandels darstellt, konzipiert Suzel A. Reily einen golden

Atlantic7: Die Entdeckung von Gold und anderen Bodenschätzen richtete das

wirtschaftliche Interesse und die koloniale Aufmerksamkeit auf Minas Gerais, die

Minenregion Brasiliens, und Rio de Janeiro, die nächstgelegene Hafenstadt, im Süden

des Landes. Nicht nur europäische Siedler kamen in immer größeren Zahlen, auch

indigene und/oder afrikanische Sklaven wurden (sowohl innerhalb des Landes als

auch über den Atlantik) für die Arbeit in den brasilianischen Minen umgesiedelt.

Zudem war die weiße Bevölkerung Brasiliens überwiegend männlich, weshalb viele

weiße Männer sich schwarze Frauen nahmen, was wiederum zu einer rasant

wachsenden Bevölkerung gemischter Abstammung führte. Bereits im späten 18.

Jahrhundert hatte diese die Zahl der weißen überstiegen (mit einer mehr als doppelt

so großen Zahl der schwarzen Bevölkerung).8

5 Vgl. ebd., S. 135f.

6 Vgl. ebd., S. 273-275.

7 Vgl. Suzel, S. 224.

8 Vgl. ebd., S. 227f.

6
Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

Da indigene, afrikanische und portugiesische Musikkulturen deutliche Parallelen

zueinander aufweisen9 und der Zugang dazu zum Teil kaum (europäische) Bildung

voraussetzte, gelang es der nicht-weißen Bevölkerung Brasiliens als Musiker*innen

professionelle Anerkennung und eine bessere soziale Stellung zu erreichen sowie in

den sogenannten irmandades (deutsch: Bruderschaften) lesen und schreiben zu lernen

und Führungspositionen einzunehmen.10 Finanziell am attraktivsten waren die

religiösen Stadtfeste der irmandades, die auch bei der Bevölkerung aufgrund der

breiten öffentlichen Einbindung auf großen Enthusiasmus stießen und somit einen der

Höhepunkte des sozialen Lebens darstellten. 11

Die Musik bot nicht nur eine demokratischere Sphäre zur Verhandlung von Macht-

positionen, sondern auch eine Möglichkeit in der Öffentlichkeit über geheime Sprach-

codes, Geschichten und Bilder zu kommunizieren und eigene kulturelle Traditionen

zu bewahren12, die sich wiederum im Kontext der feierlichen katholischen Prozes-

sionen mit europäischen vermischen. Die Verhältnisse von Macht und Politik zeigen

sich besonders deutlich in der Urbanität der Kolonien Südamerikas.

“The Resounding City”

In der Einleitung des Sammelwerks “Music and Urban Society in Colonial America”

stellt Baker einen besonderen Fokus auf die Stadt als Ideal der iberischen

Conquistadores fest und sieht daher auch bei der musikwissenschaftlichen

Untersuchung des kolonialen Südamerikas einen urbanistischen Blick als

unabdingbar.13 Er stützt sich dabei auf das Buch “The Lettered City”, in welchem

Angél Ramas die kolonialen Städte Südamerikas nicht nur den europäischen

nachempfunden versteht, sondern zudem auch als Ordnungsideal, das über eine

9 Vgl. Fryer, S. 2.

10 Vgl. Suzel, S. 237-242.

11 Vgl. ebd, S. 225f.

12 Vgl. ebd, S. 246.

13 Vgl. Baker, S. 1.

7
Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

Ölgemälde der Corpus Christi Prozession in Cusco, Künstler unbekannt (~1674-1680).

konstruierte symbolische Ebene die Ordnung des sozialen Umfelds (civitas) und der

physischen Ebene (urbs) bestimmen soll.14

Baker führt Ramas Gedanken weiter, indem er musikalisch-fundierte Grundsätze

der konstruierten urbs und civitas aufzeigt 15: die physische Ebene konstituierte sich

durch eine Architektur, die auf musikalisch-fundierten Zahlenverhältnissen nach

Pythagoras basiert, und auf sozialer Ebene nutzte man oft bildliche Vergleiche zur

Musik, um Richtlinien gesellschaftlicher Harmonie zu erklären und zu begründen.

Da Musik jedoch im Gegensatz zur Schrift ein demokratischeres Medium für die

multiethnische, oft ungebildete Bevölkerung der Kolonien war, wurde in der Realität

des Alltags aus dem urbanen Ideal vielmehr ein urbaner Dialog16 zwischen den

Interessen der Kolonialmächte und denen der Bevölkerung. Diese Urbanität, die

Baker in Anlehnung an Ramas als resounding city bezeichnet, ermöglichte es indigenen

und afrikanischen Bürger*innen Brasiliens auf gewaltfreie Art über das Medium der

Musik für die Realisierung ihrer Wünsche und Ziele zu kämpfen und festigte eine

authentische Transkulturalität, die sich auch am Beispiel von Lissabons Fado zeigt.

14 Vgl. ebd., S. 2.

15 Vgl. ebd., S. 2-5.

16 Vgl. ebd., S. 17f.

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Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

Lissabon und der Fado

Die Entdeckung der brasilianischen Bodenschätze half der portugiesischen Krone aus

ihrer finanziellen Not, wodurch auch Portugal als Land an Attraktivität gewann und

so die besten, im Vatikan ausgebildeten Musiker nach Lissabon locken konnte. 17

Schon vor der Kolonialzeit zeigte sich in Portugal Transkulturalität durch arabische

Elemente der Musikkultur, die aus der Zeit der muslimischen Herrschaft stammen.18

Die ersten Kolonien brachten durch den Sklavenhandel zudem afrikanische

Traditionen nach Europa, die sich in Portugal wiederum mit europäischen und

arabischen vermischten, über die lusophonen Hafenstädte weiter nach Südamerika

gelangten und dort zu neuen Musikstilen und -formen führten.19 Diese fanden – den

Kreislauf der globalen Zirkulation schließend – auch wieder ihren Weg zurück zu den

Hafenstädten Portugals, wo sie abermals transkulturell integriert und weiter-

entwickelt werden – so z.B. der Fado in Lissabon:

Fado entstand in Lissabon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und vereinigte

verschiedene Musikformen wie z.B. den Fandango, einen portugiesischen Tanz

spanischer Herkunft, und den Lundu, einen brasilianischen Tanz afrikanischer

Herkunft (wobei Lissabons Fado auch als Tanz begann, Gesang kam später hinzu).20

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde Fado als Musikkategorie aus

unterschiedlichen politischen Interessen instrumentalisiert21 : Während Salazars

Diktatur wurde (eine stark zensierte und regulierte Variante des) Fado zum

“Nationallied”, was ihm auch nach dem Ende der Diktatur 1974 ein negatives Bild in

der Öffentlichkeit einbrachte, das in den Jahrzehnten danach (speziell in Lissabon)

sowohl durch restaurative Bemühungen des Staates als auch transnationale Musik-

experimente diverser Künstler*innen wieder korrigiert werden konnte. 


17 Vgl. ebd., S. 249.

18 Vgl. Fryer, S. 2.

19 Vgl. ebd., S. 2-5 und Denning, S. 38f.

20 Vgl. Fryer, S. 128-133 und Castelo-Branco 2000, S. 583 f.

21 Vgl. Castelo-Branco 2000, S. 583-585 und Castelo-Branco 2013, S. 663-666.

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Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

Kritik und Ausblick

Die vorliegende Arbeit bietet einen Überblick über die Kolonialgeschichte Portugals

und versucht mittels musiksoziologischer und ethnologischer Untersuchungen die

transkontinentalen Verschiebungen innerhalb lusophoner Musikkulturen zu erklären.

Die unterschiedlichen Erwartungen und Ängste der Bevölkerungen und daraus

resultierenden urbanen Konflikte zeigen sich in den öffentlichen Festlichkeiten und

Prozessionen, in deren Musik die Grenzen sozialer Inklusion und Exklusion laufend

neu verhandelt werden. Musik ist hier somit nicht bloßer Reflex sondern Agens der

Transkulturalität, ein “Medium aktiver Ermächtigung zu Haltungen und zu sozialen

Handlungen im urbanen Raum. Sie wird zur Realisierung von Zielen eingesetzt –

nicht schlechthin nur gehört” (Klotz 2016, S. 169).

Das Forschungsfeld urbanistischer Musikologie ist noch jung und bietet noch viele

Bereiche für weiterführende Untersuchungen. Hierfür wäre es auch wichtig, in einem

transdisziplinären Dialog geeignete Methoden auszuarbeiten, um die komplexen

globalen Beziehungen auch besser in der Totale betrachten zu können – dies würde

aber den Rahmen einer Hausarbeit im Bachelorstudium bei weitem übersteigen. 


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Portugal und der “Golden Atlantic” S. M. Cabrera

Literaturverzeichnis

Baker, G., “The resounding city”, in: Music and Urban Society in Colonial Latin America,
hrsg. von Baker, G. & Knighton, T., Cambridge: Cambridge University, 2011, S.
1-20.
Burkholder, M. A. & Johnson, L. L., Colonial Latin America, New York: Oxford
University, 52004.
Castagna, P. & Trindade, J., “Chapelmasters and musical practice in Brazilian cities in
the eighteenth century”, in: Music and Urban Society in Colonial Latin America, hrsg.
von Baker, G. & Knighton, T., Cambridge: Cambridge University, 2011, S. 132-150.
Castelo-Branco, S. E., “The politics of music categorization in Portugal”, in: The
Cambridge History of World Music, hrsg. von Bohlman, P. V., Cambridge: Cambridge
University, 2013, S. 661-677.
Castelo-Branco, S. E., “Portugal”, in: Europe, hrsg. von Bohlman, P. V., London:
Routledge, 2000 (Garland Encyclopedia of World Music, Bd. 8), S. 576-587.
Denning, M., Noise Uprising. The Audiopolitics of a World Musical Revolution, London:
Verso, 2015.
Fryer, P., Rhythms of Resistance. African Musical Heritage in Brazil, London: Pluto, 2000.
Klotz, S., “Urbanität der Moderne und der Postmoderne”, in: Musiksoziologie, hrsg.
von Kalisch, V., Regensburg: Laaber, 2016, S. 164-175.
Reily, S. A., “Music, Minas, and the Golden Atlantic”, in: The Cambridge History of
World Music, hrsg. von Bohlman, P. V., Cambridge: Cambridge University, 2013, S.
223-252.
Winter, R., “Cultural Studies”, in: Qualitative Forschung. Ein Handbuch, hrsg. von Flick,
U. et al., Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 22003, S. 164-175.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 & 2: Ölgemälde der Corpus Christi Prozession in Cusco, 


Künstler unbekannt (~1674-1680).

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