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Ein Service von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung

Leo Tüftelfuchs und die Mutmaschine


Eine Geschichte von Katja Alves, mit Illustrationen von Sabine Sauter,
erschienen im Arena Verlag.
Tock, tock, tock!

Wenn der Türglocken-Specht dreimal gegen den Blumentopf hämmert, dann

ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass Besuch kommt.

Und Leo Tüftelfuchs liebt Besuch. Mindestens ebenso sehr wie Tüfteleien.

„Hallo, ich bin’s!“, ruft sein Freund Marvin.

„Willkommen im Tüftelschuppen“, freut sich Leo.

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„Willst du meine tollen Erfindungen sehen? Die Immerfluffigund-goldbraun-

Pfannkuchen-Wendemaschine oder zuerst meinen Nie-mehr-nasse-

Fuchsohren-Trockner? Funktioniert bestimmt auch bei Hasenohren.“

„Keine Zeit! Hopp, hopp!“ Marvin hoppelt hinein und stolpert dabei beinahe

über Leos neueste Erfindung: einen hüpfenden Tannenzapfen.

„Ticktack, die Uhr läuft, und ich hab’s eilig. Ich will nämlich zum schönen

grünen Teich. Dort springe ich vom höchsten Sprungstein ins Wasser. Das ist

fast wie fliegen! Auf die Plätze, fertig, platsch!“

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Um Leo zu zeigen, wie das gehen soll, hält sich Marvin mit der Pfote die Nase

zu und macht einen kräftigen Hüpfer.

„Kommst du mit?“

Leo schaut seinen Freund entsetzt an. Schwimmen ist ja toll, aber von einem

hohen Stein springen? Davor fürchtet er sich.

Der Tüftelfuchs schüttelt heftig den Kopf.

„Ähm, eigentlich sehr gern. Aber leider passt das heute überhaupt nicht. Ich

muss eine sehr wichtige Erfindung erfinden.“

„Was musst du denn so Wichtiges erfinden?“, fragt Marvin neugierig. „Sag

schon, sofort und jetzt!“

„Ähm ... also ... eine Lama-Pyjama-gute-Nacht-Maschine!“

„Eine was?“

„Eine Maschine für Lama-Nachtbekleidung!“

Das mit den Lamas ist Leo eingefallen, weil er in seinem genialen

Erfinderbuch für schlaue Füchse ein Lama in einem blauen Blümchenpyjama

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gesehen hat.

„Ich dachte, Lamas gibt es hier gar nicht“, wundert sich Marvin. „Schade, dass

du keine Zeit hast.“

„Ja, vielleicht ein anderes Mal!“, sagt Leo und schaut seinem Freund nach, der

fix davonhoppelt.

Zum Glück mangelt es einem schlauen Tüftelfuchs wie Leo nie an guten

Ideen.

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„Dann bringe ich jetzt Herrn Igel die Stachel-Zähl-und Frisiermaschine, die ich

extra für ihn erfunden habe. Der wird staunen.“

Leo macht sich gleich auf den Weg zur Blätterburg. Herr Igel winkt schon von

Weitem: „Gut, dass du da bist, mein lieber Leo. Ich geh zur Düsterhöhle, um

seltene leuchtende Steine zu suchen. Kommst du mit?“

Leo bleibt ruckartig stehen. „Du meinst, du kriechst in ein dunkles Loch?“

Die Vorstellung gefällt Leo gar nicht. Leuchtende Steine sind ja toll, aber eine

Höhle findet er ziemlich unheimlich.

Zu gruselig für einen Tüftelfuchs.

„Höhlen sind hochinteressante Gebilde, mein Guter“, erklärt Herr Igel wichtig.

„Soll ich dir etwas darüber erzählen? Zufällig bin ich ein Fachigel für ...“

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„Tut mir leid, keine Zeit!“, sagt Leo. „Ich muss etwas Wichtiges erfinden.“

„Sehr bedauerlich“, meint Herr Igel. „Dann bis zum nächsten Mal.“

Leo Tüftelfuchs seufzt. Es sieht fast so aus, als hätte er eine Freunde-

Verschwindemaschine erfunden.

„Gut, dann besuche ich eben Merle. Sie hat bestimmt keine Lust, von hohen

Steinen zu springen oder in dunkle Höhlen zu schleichen.“

„Hallo, Leo!“, begrüßt ihn Merle freudig. „Wir wollen bei der großen Lichtung

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Mausball spielen. Kommst du mit?“

„Du meinst die Lichtung neben dem Haus von Wildschwein Wotan?“

„Genau die! Frag ihn doch schon mal, ob wir auf seinem Rübenfeld ein Tor

aufstellen dürfen. Ich hole inzwischen meine Cousinen.“

Leo schaut betreten zu Boden. Mausball spielt er total gerne.

Aber Wotan? Der redet immer so laut, und das macht ihm Angst.

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Nein, Leo möchte auf keinen Fall zu Wotan.

„Ähm, mir fällt gerade ein, ich bekomme Besuch und muss genau in die

andere Richtung, tut mir leid, Merle.“

„Wer besucht dich denn?“, fragt Merle erstaunt.

„Erzähle ich dir ein anderes Mal!“, sagt Leo und läuft eilig davon.

Ratlos marschiert Leo zurück zum Tüftelschuppen. Wieso haben seine

Freunde nur so Furcht einflößende Ideen?

Von hohen Steinen springen! Jeder weiß doch, dass ein Fuchs dabei

ausrutschen und womöglich in einem Brennnesselbeet statt im Wasser

landen kann.

Und die Düsterhöhle! Wirklich sehr ungemütlich.

Es könnte doch gut sein, dass in so einer Höhle ein Drache schläft. Da

möchte man nicht der Fuchs sein, der den aus seinem Mittagsschläfchen

weckt.

Und dann dieser schrecklich wilde Wotan mit seinem lauten Grunzen!

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„Wenn meine Freunde lauter Sachen machen wollen, die mir nicht gefallen,

dann spiele ich halt allein!“, beschließt Leo.

„Alleine spielen ist nämlich toll, sehr lustig und absolut nicht langweilig. Es

gibt auch nie Streit, weil ich selbst bestimmen kann, was ich spielen will. Ich

kann … Ballspielen, Fangen oder Verstecken. Und beim Wettrennen gewinne

immer ich!“

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„Bloß, ich will gar nicht immer gewinnen!“

Leo setzt sich betrübt auf seine Lieblingsbank.

„Aber ich will auch nicht vom höchsten Sprungstein springen, in die dunkle

Höhle gehen oder zu Wotan. Dafür kann ich doch nichts! Ich traue mich halt

nicht so richtig.“

Leo heult ein herzzerreißendes Fuchsgeheul.

„Oh, ich armer Fuuuuuchs, so ganz verlassen und alleiiiin. Und nur, weil ich ein

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bisschen Angst habe! Ach, bin ich einsam! Dabei wäre ich gerne mit Marvin

zweisam oder mit Marvin und Herrn Igel dreisam oder mit Marvin, Herrn Igel

und Merle viersam! Uuuuaaah!“

Leo schnappt sich insgesamt siebenunddreißig Schnäuztücher aus seiner

Tuch-Wurfmaschine. Beim achtunddreißigsten kommt er auf eine Idee.

„Moment, ich bin doch ein schlauer Tüftelfuchs! Wenn ich Angst habe, erfinde

ich ganz einfach eine Angst-weg-Mut-mach-Maschine!“

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Schon holt Leo seinen dicksten Notizblock hervor: „Die Maschine muss ich

überallhin mitnehmen können wie einen Rucksack. Nichts einfacher als das!

Und sie muss laut sein. So wie das Grunzen vom wilden Wotan.“

Leo brüllt in eine Blechbüchse, aber er klingt kein bisschen wie Wotan.

„Vielleicht sollte ich Wotans Stimme mit einem Mikrofon aufnehmen“,

überlegt Leo. „Dann bastle ich mir einen Stimmverwandler, damit meine

Stimme genauso wild tönt.“

Leo vergisst völlig, dass er eigentlich gar nicht zu Wotan wollte.

Daran erinnert er sich erst wieder, als er vor ihm steht. „Was willst du, kleiner

Fuchs?“, begrüßt ihn das Wildschwein.

„N...nichts!“, stammelt Leo.

„Nichts ist nicht viel“, grunzt Wotan laut, aber freundlich. „Also, falls du zu den

Mäusen willst: Die sind nicht hier. Sie haben zuerst Mausball gespielt und

sind dann schwimmen gegangen.“

„D...danke, Herr Wotan“, stammelt Leo.

„Stets zu Diensten, kleiner Fuchs“, sagt Wotan.

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Leo freut sich. „Jetzt habe ich Wotans Stimme in meinem super

Aufnahmekästchen. Als Nächstes brauche ich eine Lampe, die alles sehr hell

ausleuchtet, damit ich mich im Dunkeln nicht mehr fürchten muss. Hatte Herr

Igel nicht so eine?“

Eilig läuft Leo zur Höhle. Vorsichtig steckt er seinen Kopf in den Eingang.

„Herr Igel? Bist du noch da?“ Weil Herr Igel nicht antwortet, geht Leo in die

Höhle, immer ein bisschen tiefer, bis er einen Lichtschein sieht.

„Hallo, Herr Igel, dürfte ich mir deine Lampe ausleihen?“, fragt Leo außer

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Atem. „Ich bräuchte sie dringend für meine neue Erfindung.“

„Natürlich.“ Herr Igel sucht in seiner Tasche. „Ich habe noch eine

Ersatzlampe. Soll ich dir etwas über Lampen erzählen? Ich bin nämlich ...“

„Ist schon gut“, sagt Leo und läuft zur Höhle hinaus.

Leo befestigt die Lampe an seiner Mutmaschine.

„Jetzt kommt das Schwierigste. Wenn man sich nicht traut, ins Wasser zu

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springen, hilft keine Lampe und auch keine grunzende Wotanstimme.“

Leo beschließt, den hohen Sprungstein beim Teich näher zu erforschen. Alles,

was er dazu braucht, packt er in den Tüftelrucksack.

Leo kommt unterwegs ganz schön ins Schwitzen.

Schon von Weitem sieht er seine Freunde im Wasser toben.

„Leo! Komm zu uns!“, rufen sie.

„Hallo! Ich komme!“, ruft Leo zurück. Er lässt seinen Mutmaschinen-Rucksack

am Ufer fallen und läuft los.

Platsch! Schon landet er mit einem Riesensprung im kühlen Wasser. So ein

Spaß!

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„Du bist gesprungen!", jubelt Marvin. „Ruck, zuck!“

„Ich stelle fest, du hast ganz vergessen, dass du Angst hast. Genau wie in der

Höhle“, sagt Herr Igel.

„Und beim wilden Wotan warst du auch?“, kichert Merle.

„Dank meiner genialen Mutmaschine“, erklärt Leo. „Die kann laut grunzen wie

ein Wildschwein, leuchten wie die hellste Lampe und hilft auch bei

Wassersprüngen von Sprungsteinen. Wo ist eigentlich dieser hohe Stein?“

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Marvin zeigt auf den Stein am Ufer, von dem Leo gesprungen ist.

„Sag ehrlich: Kennst du wirklich ein Lama?“, fragt er neugierig.

„Hier gibt es keine Lamas, das weiß doch jeder“, erklärt Herr Igel.

Leo wird rot. „Stimmt, ich habe mir das nur ausgedacht, weil ich ein bisschen

Angst hatte. Aber wenn eines vorbeikäme, würde ich ihm natürlich etwas

erfinden.“

„Weil du eben ein genialer Tüftelfuchs bist“, ruft Merle, und Leo nickt

zufrieden.

Leo Tüftelfuchs und die Mutmaschine


Autor: Katja Alves
Illustration: Sabine Sauter
Verlag: Arena
Alterseinstufung: ab 3 Jahren
ISBN: 978-3-401-71526-1

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