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Tamás Pusztai

Die Mohosvár von Kelemér – eine Burg in Ungarn aus dem 13. und 14.
Jahrhundert

wurde nach 1301, als das ungarische


Königshaus – die männliche Linie
des Árpád-Hauses – ausgestorben
war, nur aus taktischen Gründen der
jeweilige Thronfordernde als König
nominell anerkannt. Dieses auf Ge-
walt gegründete System trug seinen
Untergang bereits in sich. Anfang des
14. Jahrhunderts traten die von den
Baronen unterworfenen Adeligen aus
ihrer Abhängigkeit und widersetzten
sich ihren Herren, indem sie sich als
Unterstützer der königlichen Macht
dem König anschlossen. Das Zerbre-
chen dieses Systems kostete den neuen
Herrscher – Károly Róbert (1308 bis
1342) – einen zwei Jahrzehnte wäh-
renden Kampf. Während dieser Zeit
wurden mehrere im 13. Jahrhundert
erbaute Burgen zerstört oder von ihren
Besitzern für immer verlassen.
Abb. 1. Mohosvár von Kelemér im Karpatenbecken. Einen charakteristischen Burgentypus
Während der mittelalterlichen Ge- und Bedeutung der Großgrundbesit- dieser Periode bilden Festungen, die
schichte Ungarns wurden die meis- zer vor allem in ihren Burgen aus. aus einem kleinen mit einem Graben
ten Privatburgen vermutlich im 13. Zum Ende des Jahrhunderts überstieg umgebenen inneren Kern und einer
Jahrhundert erbaut. Ein Teil des un- die Zahl der Burgen in Privatbesitz auf der äußeren Seite des Grabens lie-
garischen Königreichs war 1241 bis schon mehrfach die der königlichen genden Schanze bestehen. Im Inneren
1242 durch die Tatarenheere unter Burgen. Im Schutz dieser Burgen ließ dieser Burgen fand man mitunter auch
Khan Batu verwüstet worden. In den sich auch erfolgreich den königlichen Reste von Steingebäuden2.
Jahren nach dieser Zerstörung hatte Heeren trotzen. Im Karpatenbecken gibt es viele
der damalige König Béla IV. (1235 Zum Ende des 13. Jahrhunderts ent- Burg-ruinen mit diesem Aufbau. Von
bis 1270) eine Lehre aus der Katas- standen auf dem Gebiet des Landes die der Mehrheit dieser Burgen sind weni-
trophe gezogen: so viele moderne vom König unabhängigen, gegen ihn ge oder keinerlei schriftliche Quellen
steinerne Burgen wie nur möglich und gegeneinander gerichteten Feudal- erhalten.
an den strategisch wichtigen und da- herrschaften. In diesem System wur- Die mit archäologischen Methoden
für geeigneten Stellen zu errichten. den die mit den Baronen verbundenen bestimmten Burgen des 13. Jahrhun-
Steinburgen standen auch schon vor Adeligen nicht durch das aus Westeur- derts sind so zahlreich, dass geradezu
der Tatareninvasion in Ungarn, doch opa bekannte, auf Bodenschenkungen von einer Burgenbau-Welle im 13.
ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhun- basierende feudale Verhältnis an ihren Jahrhundert gesprochen werden kann,
derts wuchs ihre Anzahl deutlich. Herrn gebunden, sondern sie unter- deren Dimension und Komplexität je-
Der Burgenbau wurde vom König warfen sich aus Angst vor dem Groß- doch die Geschichtsschreibung, die
selbst vorangetrieben. In den Jahren herrn bzw. wurden mit offener Gewalt ausschließlich schriftliche Quellen
1250 bis 1260 stützte er sich bei die- dazu gezwungen, in dessen Dienste zu berücksichtigt, nicht fähig ist darzu-
sen Arbeiten vor allem auf die Groß- treten. Der Burgenbau der Adeligen stellen3.
grundbesitzer. Die auffälligste Ent- dieser Ära ist vom Historiker treffend In vorliegenden Beitrag werden wir
wicklung der Geschichte Ungarns im mit dem Satz charakterisiert: „Die als ein Beispiel der oben beschriebe-
13. Jahrhundert aber war der stetige Burg hat eine Nachbarburg geboren“1. nen Burgen des 13. Jahrhunderts die
Machtzuwachs der weltlichen Aristo- In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhun- Ergebnisse der archäologischen Un-
kratie. Ab 1260 traten die staatsschüt- derts hat dieses System es den Baronen tersuchungen der Mohosvár (Mohos-
zenden Intentionen des Burgenbaus ermöglicht, mit bewaffneter privater burg), die neben dem Dorf Kelemér
hinter den Interessen der Machter- Macht ihre Besitznahmen und Eigen- erbaut wurde, aufgezeigt (Abb. 1).
langung, welche bereits gegen den mächtigkeiten zu sichern und innere Kelemér liegt in Nordungarn im Ge-
König gerichtet waren, zurück. Pri- Kriege zur Anerkennung dieser Macht biet eines niedrigeren Hügellandes,
vatherrschaftliche Gesichtspunkte zu führen. Um 1300 teilten auf dem 55 km von Miskolc entfernt (Abb.
bestimmten die Standortauswahl der Gebiet des ungarischen Königreichs 2). Von Miskolc aus führt der Weg
einzelnen Burgen. Im letzten Drittel zehn bis elf Familien die wahre Macht durch das Tal des Sajó-Flusses in die
des Jahrhunderts drückten sich Macht unter sich auf. Von diesen Familien nördlichen Komitate des mittelalterli-

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Die Mohosvár von Kelemér – eine Burg in Ungarn aus dem 13. und 14. Jahrhundert

chen Ungarns. Kelemér liegt in dem


Tal, welches die Täler des Sajó-Flus-
ses und des Szuha-Baches verbindet.
Die Mohosvár wurde auf den Hügeln
oberhalb des Dorfs Kelemér erbaut,
2 km vom Dorf selbst entfernt. Der
durch das Dorf Kelemér führende
Weg wird von schriftlichen Quellen
des Mittelalters als „Magna Strata
– Großer Weg“ erwähnt. Dieser Weg
schloss sich an die mittelalterliche
Hauptstraße, die im Tal des Sajó-Flus-
ses nach Norden führt, an (Abb. 3).
Im Folgenden wird auch untersucht,
welche Rolle der hier vorbeiführende
mittelalterliche Weg für die Burg ge-
habt haben könnte.

Die Burg Mohos wurde auf dem Gip-


fel eines Hügels oberhalb von zwei
Mooren – „Kismohos“ und „Nagy-
mohos“ – errichtet. Der Hügel von Abb. 2. Das Tal des Sajó Flusses, die unmittelbare Umgebung von Mohosvár.
Mohosvár erhebt sich 35 m über das
Niveau des „Kismohos“-Moors (Abb. 15 000 Jahre rekonstruiert werden. auf dem Burghügel stehenden mit-
4)4. Mit den geochemischen und palä- telalterlichen Burg in der Eisenzeit
ontologischen Untersuchungen der erbaut worden waren. Aus diesem
Die historische Rekonstruktion verschiedenen Sedimentschichten Zeitraum stammten nämlich nach-
gelang es, über die paläoökologischen gewiesene Spuren einer bedeutenden
der Burgumgebung
Faktoren hinaus auch die Spuren der Bodenerosion und kräftiger örtlicher
Über die natürliche Umwelt der ar- landwirtschaftlichen und handwerkli- Waldbrände. Es wurde vermutet, dass
chäologisch untersuchten mittel- chen Tätigkeit der einzelnen mensch- durch einen Erdrutsch ein Wall ent-
alterlichen Burgen und über die in lichen Kulturen und der Veränderun- stand, der das Tal abschloss und so
der weiteren Umgebung der Burgen gen durch die auf die Umwelt aus- ein Moor entstehen ließ. Dieser Wall
stattgefundenen, auch vom Benutzer geübten menschlichen Einwirkungen wurde in der Völkerwanderungszeit
der Burgen beeinflussten natürlichen zu erschließen. Die Forschergruppe, erhöht, wodurch ein See aufgestaut
Verläufe wissen wir sehr wenig. Heute die diese paläoökologischen Unter- wurde, der dem Einweichen von Hanf
fehlen noch größtenteils naturwissen- suchungen durchführte, lieferte auch diente. Aus der ständigen Boden-
schaftliche Untersuchungen, deren die historische Interpretation der Er- erosion und der für offene Gelände
Ergebnisse mehr über die Umgebung gebnisse5. Durch diese Arbeit wurde charakteristischen Pollenzusammen-
aussagen könnten. Zu den wenigen die archäologische Forschung auf die setzung wurde eine kontinuierliche
Ausnahmen gehört die Mohosvár Burg neben den Mohos-Seen von Ke- menschliche Einwirkung, die Entste-
von Kelemér. In Verbindung mit die- lemér aufmerksam. hung einer dauerhaft bewohnten Sied-
ser Burg, schon lange vor dem Be- Die Hauptelemente der Interpretation lung (bewohnten Festung) abgeleitet.
ginn der archäologischen Grabungen, sind: Aus den Veränderungen der Umwelt
stand eine Umgebungsrekonstruktion Ausgehend mit der Ansiedlung der ließ sich eine der obigen ähnliche,
zur Verfügung, die auf sehr detaillier- ersten, eine produktive Wirtschaft intensive menschliche Tätigkeit auch
ten naturwissenschaftlichen Untersu- betreibenden neolithischen Völker- in den Zeiträumen vom 10. bis zum
chungen der Sedimentschichten der gruppen ist es gelungen, aus den 15. Jahrhundert ableiten. Es wurde
Mohos-Seen von Kelemér gegründet Veränderungen der Vegetation bzw. angenommen, dass der Ort der mittel-
war. Die paläoökologischen (sedi- aufgrund der geochemischen Ände- alterlichen Mohosvár schon im 10. bis
mentologischen, geochemischen, rungen auf dem Gelände eine wach- 11. Jahrhundert befestigt wurde6.
Radiokarbon-, pollenanalytischen) sende und wechselhafte menschliche Während der Polleninhalt des Sedi-
Untersuchungen der in unmittelbarer Tätigkeit nachzuweisen. Die histori- ments hauptsächlich die Zusammen-
Nähe der Burg liegenden Mohos- sche Interpretation dieser Untersu- setzung und die (durch menschliche
Seen wurden in den 1990er Jahren chungen war beeinträchtigt, weil über Einwirkungen verursachten) mög-
von einer internationalen Forschungs- das betroffene Gelände noch keine lichen Veränderungen der Vegetati-
gruppe durchgeführt. Bei der Mate- qualitativ mit den naturwissenschaft- on im Umkreis von 20 bis 1 000 m
rialanalyse der Bohrproben aus den lichen Untersuchungen vergleichbare um die Moore herum repräsentierte,
Sedimentschichten des Kismohos- archäologische Aufarbeitung durch- stand den Forschern keine archäolo-
See mit einer Zeitschrittweite von geführt worden war. So ließ sich nach gische Datenbasis zur Verfügung, die
100 Jahren konnten die klimatischen der Auswertung der Bohrungen vom über die unmittelbare Umgebung der
und umweltlichen Veränderungen der Kismohos-See nur vermuten, dass Mohosok hinaus qualitativ und quan-
Gegend während der vergangenen Fundamente und Grundstruktur der titativ mit ausreichenden Informatio-

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Abb. 3. Die im Tal unter der Burg verlaufende mittelal-


terliche Straße.
Abb. 4. Der Hügel von Mohosvár und die Mohos-Seen unter
dem Berghügel.

nen hätte dienen können. Es wurde er- Burg neuerlich genutzt wurde. Laut und 120 m lange gerade Terrasse, ihr
forderlich, auch mit archäologischen Protokoll der reformierten Kirche äußerer Rand wird von einer klaren
Methoden nachweisbare Spuren von Szuhafő – dieses ist zwar neu- Kante markiert, unterhalb davon setzt
menschlicher Tätigkeit in der Umge- zeitlichen Ursprungs, wurde aber si- sich der steile Hügelhang fort (Abb.
bung der Mohosok von Kelemér zu cherlich nach den Originalurkunden 6). Die innere Fläche der Burg wies
suchen. Daher begann das Herman zusammengestellt – hat der Vizevogt massive Eingriffe auf. Vor Beginn der
Otto Museum in Miskolc im Jahr 2000 von Gömör, Wza Bereck aus Panith, archäologischen Untersuchung konn-
die archäologische Untersuchung von von 1449 bis 1450 einen Prozess zwi- te anhand des Mikrore-liefs wegen der
Kelemér-Mohosvár. schen den Familien Kakas von Kaza Raub- und Grubenlöcher nicht genau
und der Putnoki zum Fall einer Macht- bestimmt werden, wo früher Gebäude
haberei durchgeführt. Demnach ha- gestanden haben könnten; auf Steinge-
Die Vorbereitung der archäolo- bäude wies nur der an die Oberfläche
ben die Mitglieder der Familie Kakas
gischen Untersuchung gemeinschaftlich mit den Hussiten gelangte Kalkmörtelschutt hin9. Wäh-
Vor der archäologischen Untersu- ausgehend von der Mohosvár, die im rend der neuen Vermessung der Mik-
chung wurde eine Vermessung des Wald von Kelemér gebaut wurde, die ro-Höhenlinien des westlichen und
Mikroreliefs der Burg und ihrer Um- Gegend behelligt8. nördlichen Teils der über der Burg-
gebung vorgenommen7 (Abb. 4). schanze liegenden Terrasse konnten
Kelemér war 1232 das Gut des Ge- Die Burg hat einen ovalen Grundriss. Erscheinungen des Mikroreliefs do-
schlechtes Gut-Keled und blieb dies Der Burgberg wird auf einem durch- kumentiert werden, die äußere Bauten
auch bis zur Mitte des 15. Jahrhun- schnittlich 6 m unter dem Burginne- auf der Terrasse vermuten ließen. Auf
derts. 1338 wurde bei der Besitztei- ren liegenden Niveau mit einem 10 dem Gelände zwischen den Kis- und
lung des Geschlechtes Meister István, bis 15 m breiten, tiefen Graben um- Nagy-Mohos-Seen am östlichen Fuß
Sohn von Lőrinc, Sohn von Dorog, geben, auf dessen äußerer Seite sich des Burghügels wurden während der
Besitzer von Kelemér. Zu dieser Zeit eine Schanze erstreckt (Abb. 5). Die Vermessung der Höhenlinien und der
bestand die Burg nicht mehr. Erwähnt Schanze ist auf der Südostseite nur damit verbundenen archäologischen
wird Mohosvár im 14. Jahrhundert noch als eine Terrasse zu verfolgen. Geländebegehung künstliche Vertie-
(zwischen 1338 und 1387). Dort wird Der Graben und die Schanze fehlen fungen gefunden, die ebenfalls mit der
sie nur noch als Burgplatz genannt. auf der südlichen Seite, die durch ei- Burg in Verbindung gebracht werden
1397 gibt König Zsigmond an Peter, nen steilen Hügelhang in Richtung konnten.
Sohn von Mihály aus Dob, unter an- des Kismohos-Sees begrenzt wird. In
derem das Dorf Kelemér zusammen diesen münden die beiden Enden des Eine der historischen Luftaufnahmen
mit der zerstörten Mohos-Burg als burgumgebenden Grabens. Die Ab- des Geländes, 1952 für militärische
Schenkung. Eine Urkunde aus dem messung des von Schanze und Gra- Zwecke (und in ziemlich schlechter
Jahr 1430 erwähnt auch lediglich die ben umgebenen inneren Raumes der Qualität) angefertigt, konnte nützli-
Burgstelle. Burg beträgt 60 x 35 m, die innere che Informationen liefern. Gegenüber
Gyula Nováki und Sebestyén Sárközy Fläche 0,09 ha. Auf der Nordwest- dem heutigen Zustand war der Burg-
halten es aber für möglich, dass in seite der Burg außerhalb der Schanze hügel 1952 noch nicht mit dichtem
der Mitte des 15. Jahrhunderts die erstreckt sich eine 18 bis 20 m breite Wald bedeckt, was eine Auswertung

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der Oberflächenmuster mit archäo- rere Pfosten- und Pfahllöcher doku- angeschlossen und mit dieser ver-
logischer Zielrichtung ermöglichte10. mentiert werden. zahnt war. Die Wände des Gebäudes
Auf dieser Luftaufnahme sind der Die größten Durchmesser des von der waren größtenteils abgebrochen, am
Graben und die Schanze gut zu erken- Mauer umgebenen Geländes sind: 20 höchsten waren sie auf der westli-
nen. Wichtiger aber ist, dass auf dem bzw. 15 m, die Größe der Fläche inner- chen Seite erhalten geblieben. Dort
Foto auf dem zentralen Gelände der halb der Mauer beträgt 0,029 ha (294 war die Turmmauer im Verhältnis
Mohosvár eine helle, regelmäßig qua- m²), die von dem Graben umgebene zum damaligen Laufhorizont 0,9 m
dratische Musterung mit einer Grund- innere Fläche (0,09 ha) wurde also hoch. Die Wand des Gebäudes war
fläche von ca. 25 x 23 m zu sehen auch durch die Steinmauer deutlich 1,7 m dick, sein innerer Raum hatte
ist (Abb. 7). Dieses Muster war mit eingeengt. Da die nördliche Seite eine Grundfläche von 3,8 x 4,5 m. Das
den Ergebnissen der archäologischen nicht freigelegt wurde, konnte hier Innere des quadratischen Turms muss
Grabung, wovon unten berichtet wird, nur mit Hilfe eines Suchgrabens der einmal erneuert worden sein. Auf dem
vergleichbar. Verlauf der inneren Mauer bestimmt Fußbodenniveau der ersten Periode
werden. Wenn man die Ergebnisse der sind in der Nordwest- und der Süd-
Freilegung auf die Luftaufnahme von westecke je ein aus Lehm gebauter
Die archäologische Untersu- 1952 projiziert, erkennt man, dass die Ofen freigelegt worden. Dieses Fuß-
chung der Burg Ausweitung der auf der Luftaufnahme bodenniveau wurde später mit einer
Die archäologische Untersuchung in der Mitte der Burg sichtbaren hellen 40 cm dicken Lehmschicht aufgefüllt.
von Mohosvár neben dem Dorf Ke- Muster mit dem von der Steinmauer Auf der mit gebrannten, verkohlten
lemér wurde vom Herman Otto Mu- umgebenen Gelände übereinstimmt. Körnern bedeckten Oberfläche dieser
seum zwischen den Jahren 2000 und Deshalb kann der Verlauf der Mauer Auffüllung wurden die verkohlten
2006 durchgeführt11. auch auf der nicht freigelegten Flä- Eichenbalken des oberen Geschosses
Die archäologische Untersuchung che mit großer Genauigkeit bestimmt oder der Dachkonstruktion des Tur-
umfasste vier Bereiche (Abb. 8): werden (Abb. 8). mes gefunden. Der verbrannte Schutt
1. Das Burginnere. Mittig auf der Fläche stand ein runder enthielt Dutzende von Pfeilspitzen.
2. Die Durchschneidung der Schanze: Turmmit einem Durchmesser von 9 m Im Erdgeschoss des westlichen Tur-
Um die Konstruktion und die Bau- und einer Mauerdicke von 3 m. Der mes wurden in dessen äußerer Mauer
perioden der Schanze bestimmen zu innere Laufhorizont des Turmes wur- keine Spuren eines Eingangs gefun-
können, wurde diese auf der westli- de durch spätereEingriffe vernichtet. den. Ein Teil der Richtung Burg-
chen Seite der Burg durchschnitten. Vom Mauerwerk existierten auf der inneres weisenden Mauer wurde
3. Die äußere Terrasse: Das außerhalb Nordwestseite des Turmes etwa 2 m, nachträglich abgebrochen, die übrig
der Burgschanze liegende Gebiet wur- der Wandkern bestand aus „vergos- gebliebenen Wandabschnitte zeigen,
de mit dem Ziel untersucht, eventuell senen“ Steinen, die Außenseiten aus dass der Verkehr zwischen Turm und
vorhandene Gebäude auf dem Plateau grob behauenen (Abb. 10). Burginnerem nicht im Erdgeschoss
hinter der Schanze nachzuweisen. Im Winter 2006 wurde der Rest ei- stattgefunden haben kann. Diagonal
4. Kalkbrennerei: Die Vertiefungen, nes anderen, quadratischen Turmge- zur westlichen Mauer des Turmes
die unter dem Burghügel neben dem bäudes freigelegt (Abb. 11), das an wurde das Loch eines 7 m langen, 35
Nagymohos-See während der Ver- die westliche Seite der Burgmauer x 30 cm dicken Balkens gefunden. Die
messung der Höhenlinien und der ar-
chäologischen Geländebegehungen Abb. 5. Die Schanze und der Graben von Mohosvár.
gefunden worden waren, wurden auf
ihre Funktion hin untersucht.
1. Die Frreilegung des Burginneren
Von 2000 bis Ende 2006 wurden etwa
75% des Burginneren freigelegt. Der
nördliche Teil wurde ohne Freilegung
in seinem ursprünglichen Zustand er-
halten (Abb. 9).
Der Hügelgipfel wurde vor dem Burg-
bau abgetragen, um eine waagerechte
Fläche zu erhalten. Aus dem Graben
kam keine Erde auf das Gelände des
Burginneren; das gesamte Material
wurde für den Bau der an die äußere
Seite des Grabens angeschlossenen
Schanze verwendet. Das Burginnere
war entlang der Seiten eines unre-
gelmäßigen Rechtecks mit abgerun-
deten Ecken von einer 1,50 bis 1,60
m breiten Steinmauer umgeben. Am
südlichen Abschnitt der Burgmauer
entlang der Innenseite konnten meh-

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Abb. 7. Luftaufnahme des Geländes


von Mohosvár von 1952.
Turmwand wurde derart aufgebaut,
dass der Balken die Wand diagonal
durchstieß und an beiden Enden in
einer Länge von 40 bzw. 50 cm aus
der Gebäudewand herausragte. Die-
ser Balken könnte ein Teil des zum
Obergeschoss des Turmes führenden
Torbaugebäudes gewesen sein.
Die Vermutung des Verfassers, dass
der Eingang zum Burginneren an
dieser Stelle gelegen haben könnte,
wird auch dadurch gestützt, dass am
westlichen Rand des vom Graben um-
gebenen Burghügels Reste einer sich
mindestens über 8 m erstreckenden
Palisadenwand gefunden wurden, die
vermutlich die Aufgabe hatte, den
Turm zu schützen. In dem für die Pa-
lisaden ausgehobenen, gebogen ver-
laufenden, 0,9 m tiefen, 0,4 m breiten
Graben wurden dicht nebeneinander
gestellte, 25 bis 28 cm dicke verkohl-
te Reste von Balken gefunden. Auf
dem mit einem Graben umgebenen
Burghügel, an die Außenseite der
Steinmauer angeschlossen, wurden
an mehreren Stellen einzelne, ohne
System stehende Pfosten- und Pfahl-
löcher gefunden. Ein Teil der Pfahl-
löcher kann von einem Baugerüst
herrühren, das für die Errichtung der

Abb. 6. Die Hauptmaße der heute


sichtbaren Überreste von Mohosvár.

Abb. 8. Bereiche der archäologischen


Untersuchung in Mohosvár.

Abb. 9. Die im Burginneren freigeleg-


ten Strukturen.

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Steinmauer benutzt wurde. Nur der an rere Säcke verbrannten Getreides ge- kann man annehmen, dass die Dicke
die westliche Seite des Burginneren funden. Unter dem Getreide lagen Ei- der beim Blockhausbau verwendeten
angebaute Turm wurde nach dem heu- senwerkzeuge: Axt, Hacke, Picke. Im Balken mit einem runden Querschnitt
tigen Kenntnisstand von einer durch- dicken, verbrannten, lehmigen Schutt, ca. 20 cm betrug. Neben dem Ofen
gehenden Palisadenwand geschützt. der über dem Getreide lag, fanden sich sind im nördlichen Raum Werkzeu-
Zwischen der Wand und dem Turm kindskopfgroße Quarz-Kieselsteine ge aus Eisen: Hacke, Messer, sowie
war ein 3 bis 3,5 m breiter, flacher mit verbrannter Oberfläche, bisher Trense und Hufeisen zum Vorschein
äußerer Laufhorizont (Wehrgang?). noch mit unbestimmter Funktion. Die gekommen.
Die gesamte Oberfläche wurde von Nutzungszeit des freigelegten Gebäu- Die Zisterne zum Sammeln des wich-
den Resten einer verkohlten, mit sehr deteils kann man aufgrund eines auf tigen Wassers lag östlich des mittleren
wenigen Nägeln angefertigten Holz- dem Fußboden des Gebäudes gefun- runden Turmes. Im Jahr 2006 ist es
konstruktion bedeckt. Auf dem vom denen weißen, auf einer manuellen gelungen, die gesamte Zisterne frei-
Westturm in nördlicher Richtung lie- Drehscheibe angefertigten, mit ein- zulegen. Die Öffnung der 6 m tief
genden Gelände, auf dem „Außen- geritzter Schneckenlinie verzierten ausgegrabenen Zisterne ist 3 m breit
hof“ zwischen der Steinmauer und Keramikfragments auf das 13. Jahr- und nach unten trichterartig verjüngt;
der Palisade, wurde der verbrannte hundert datieren. Ein Wiener Dinar, danach endet sie in einem sich ver-
Schutt eines ebenfalls verkohlten, datierbar auf 1282 bis 1308 lässt uns breiternden Hohlraum. Die Zisterne
mit ziemlich vielen Nägeln errichte- die Nutzungszeit um das Ende des wurde im 20. Jahrhundert während ei-
ten Bauwerks gefunden. Unter dem 13. bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts ner Raubgrabung vollkommen ausge-
Schutt, eingetieft in die waagerecht vermuten (Abb. 13). raubt, archäologisches Fundmaterial
gestaltete Oberfläche, wurden regel- An die Innenseite der südlichen Burg- wurde hier nur zerstreut gefunden. Es
mäßig angeordnete Pfahllöcher ge- mauer schließt sich ein kleineres Bau- gibt auch keine Belege darüber, ob die
funden. Die hier an der äußeren Seite werk mit ziegelbelegtem Fußboden Zisternenwand im kiesig-lehmigen
der Steinmauer gefundenen Holzkon- und einer Wand in Holzkonstruktion Untergrund mit einer wasserundurch-
struktionen gehörten vermutlich zu an. lässigen Schicht ausgekleidet war.
den Wirtschaftsgebäuden der Burg Auch in der Südwestecke fanden Im Schnitt, der auf dem Gelände des
(Unterbringung der Tiere). sich verkohlte Überreste eines vier- Burginneren angelegt wurde, sind
eckigen, aus mindestens zwei Räu- neolithische Keramikfragmente als
An der inneren Seite der steinernen men bestehenden Gebäudes in Holz- Streufunde freigelegt worden.
Burgmauer haben sich Gebäude in konstruktion. Im nördlichen Raum
Holzkonstruktion angeschlossen. Die dieses Gebäudes wurde ein aus Lehm 2. Die Durchschneidung der Schanze
bisherige Untersuchung hat Spuren gebauter, komplett erhaltener Ofen
von drei Gebäuden ergeben. In der gefunden (Abb. 14). In die Ofenwand Die äußere Befestigung der Burg
Südostecke wurden die verkohlten eingedrückt wurden übereinander bis wurde so gestaltet, dass die Schanze
Balken und der Fußboden eines Ge- zu einer Höhe von etwa 80 cm die ver- aus dem Material des Grabens und
bäudes in Blockhausbauweise gefun- kohlten Balken der Blockhauswand des davor liegenden Geländes aufge-
den (Abb. 12). Entlang der nördlichen des Hauses gefunden. Aufgrund der füllt wurde. Spuren einer sonstigen
Wand des Gebäudes könnten Gefäße aus den Zwischenräumen der Balken Konstruktion, die auf der Schanze ge-
aufbewahrt worden sein, die zerbro- stammenden gebrannten Lehmreste standen haben könnte, wurden nicht
chen am Wandfuß freigelegt wurden. gefunden.
Auf dem Bodenhorizont wurden meh- Abb. 11. Der an die westliche Burgmauer angebaute Turm mit quadratischem
Grundriss.
Abb. 10. Die Überreste des zentralen
runden Turmes.

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Abb. 12. Ein abgebranntes Blockhaus an der inneren Seite Abb. 14. Aus Lehm gebauter Ofen, seitlich die verkohlten
der Burgmauer. Balken der Mauer des Gebäudes.

unseren Tagen 50 bis 60 cm dicke von Oberflächenbauten wurden auf


Schicht der Schanze könnte während diesem Gelände nicht gefunden. Auf
einer ihrer Erneuerungen entstanden dem nördlichen Plateau, unmittelbar
sein. In dieser Schicht wurden Ke- an der Grenze des Schanzenfußes
ramik aus der Wendezeit des 13./14. und des sich daran anschließenden,
Jahrhunderts sowie Ziegel, die auch flach gestalteten Geländes, wurde der
als Fußbodenbelag der Gebäude des Schutt eines aus in Lehm gelegten
Burginneren verwendet worden wa- Steinen bestehenden, auf einer unre-
ren, gefunden. Die Entstehungszeit gelmäßigen Grundfläche errichteten
dieser Schanzenerhöhung – ob sie Gebäudes gefunden. Die Steine lagen
noch um 1300 erfolgte, also in einer nur an der Oberfläche, Spuren eines
Etappe der Nutzung der Burg, oder sich unter der Oberfläche fortsetzen-
danach – kann nicht bestimmt werden. den Fundaments waren nicht zu ent-
Von den im 15. Jahrhundert in diese decken. Weil die Maße und die Kon-
Gegend gekommenen Hussiten wur- struktion des Burginneren bekannt
de die zuvor schon zerstörte Schan- sind, müssen auf diesem Gelände die
ze der Burg vorübergehend nutzbar Burgställe vermutet werden.
gemacht. Fundmaterial aus dem 15.
Jahrhundert im Burginneren – ein Be-
weis für die dauerhafte Anwesenheit 4. Die Untersuchung der Vertiefun-
Abb. 13. Das in der Burg gesicherte der Hussiten – konnte nicht entdeckt gen am Fuß des Berghügels
Fundmaterial aus dem 13./14. Jahr- werden. Während der geodäsischen Vermes-
hundert. sung des Burghügels wurden an seinen
östlichen und südöstlichen Hängen
Während der westlich der Burg in Ost- 3. Die Untersuchung des Plateaus mehrere Vertiefungen entdeckt. Zwei
West-Richtung geöffneten Schanzen im Umkreis der Schanze von ihnen können als die Überreste der
durchschneidung konnte festgestellt Außerhalb der Schanze wurden zwei beim Burgbau benutzten Kalkbrenne-
werden, dass auf dem jetzigen Pla- Schnitte vorgenommen, um zu unter- reien identifiziert werden. Unter dem
teau zuvor eine neolithische Siedlung suchen, ob auf diesem Gebiet wäh- dünnen Waldboden lag eine mit ge-
angelegt war, deren gesamte Über- rend der Nutzungszeit der Burg oder brannten, verschmolzenen Schlacken-
reste aber im 13. Jahrhundert in der zu anderer Zeit Gebäude gestanden stücken vermischte Kalk- bzw. rot ge-
mittelalterlichen Schanze aufgingen. haben. brannte Lehmschicht. Das aus diesen
In den unteren Schichten kamen Auf dem Gelände des auf dem westli- Schichten gewonnene Fundmaterial
ausschließlich die Fundmaterialien chen Plateau eröffneten Schnittes un- ist auf das 13. Jahrhundert datierbar.
dieser Siedlung (Keramik, Obsidian- mittelbar unter dem heutigen dünnen Die Freilegung der Kalkbrennereien
Klingen, geschliffene Steinaxt) zum Waldboden fand sich ein während des ist noch nicht abgeschlossen.
Vorschein. Das neolithische Fundma- Schanzenbaues gebildeter kiesiger
terial ist in die Bükk-Kultur einzu- Grundboden mit verhältnismäßig ebe- Der Vergleich der naturwissen-
ordnen. Über dieser Schicht lag eine ner Oberfläche. Die in diesem Gebiet schaftlichen Untersuchungen
fundlose, lehmige Auffüllung, auf während der geodäsischen Vermes- und der Ergebnisse der archä-
deren durch Laufen stark verdichte- sung beobachteten Erhöhungen wa- ologischen Ausgrabung
ter bzw. aschiger, poröser Oberfläche ren teilweise natürlichen Ursprungs,
Keramik aus dem 13./14. Jahrhun- teilweise entstanden sie durch das Durch das Ergebnis der Freilegung
dert gefunden wurde. Die oberste, in Zugrundegehen der Schanze. Spuren konnte nachgewiesen werden, dass

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Die Mohosvár von Kelemér – eine Burg in Ungarn aus dem 13. und 14. Jahrhundert

Abb. 15. Nach der geodäsischen Vermessung der Burgum- Abb. 16. Die aus dem digitalen Reliefmodell konstruierte
gebung erstelltes digitales Reliefmodell. Neigungskategorie-Analyse.

auf dem Standort der Burg schon im digitales Reliefmodell des Geländes hern. Dieses Gelände ist identisch mit
Neolithikum eine Siedlung der Bükk- erstellt (Abb. 15). Mit Hilfe dieses demheutigen aus westlicher Richtung
Kultur existiert hat. Es liegen keine Reliefmodells sollten Untersuchun- in die Burg führenden Spazierweg.
archäologischen Befunde vor, die auf gen erfolgen, die in der Siedlungsar- Wie schon oben beschrieben, wurde
die eventuelle Befestigung dieser ne- chäologie schon praktizierte Metho- der Untergang der Burg von einem
olithischen Siedlung hinweisen. Die den sind (Reliefanalyse, Analyse der starken Feuer – vermutlich durch ei-
während der naturwissenschaftlichen Neigungskategorien, Ausrichtungsa- nen Angriff von außen – verursacht.
Untersuchung der Schichten des nalyse), in der Forschung der mittel- Da der Burggraben verhinderte, dass
Kismohos-Sees gewonnenen histori- alterlichen Burgen werden diese mor- Richtung Westen, Norden und Osten
schen Informationen – nach denen phologischen Untersuchungen jedoch Funde aus dem Burginneren herausge-
die Forscher auf diesem Gebiet von noch wenig angewendet12. Die „3D- schwemmt wurden, müssen die Um-
einer bedeutenden keltischen Festung Rekonstruktionen“ sind schon von stände, unter denen das in diesen Be-
sowie von einer weiteren aus dem 10. vielen Burgen bekannt. Ein Teil dieser reichen aufgefundene archäologische
bis 11. Jahrhundert ausgehen – wur- Rekonstruktionen geht aber nicht über Material an diese Stellen gelangte,
den von den bisherigen Ergebnissen das Niveau einer Internet-Präsentation aufmerksam untersucht werden. Bei
der archäologischen Freilegung nicht (die Burg „sieht gut aus“ in der Publi- der systematischen Durchsuchung
unterstützt. Die unmittelbaren Grün- kation) hinaus, die von der Raumin- der Burgumgebung mit einem Me-
de der die Mohos-Seen betreffenden formatik angebotenen geografischen tallsuchgerät wurden ziemlich viele
menschlichen Einwirkungen müssen Analysemöglichkeiten werden von Pfeilspitzen auf dem Gelände gefun-
so etwas ferner gesucht werden. den Forschern meistens nicht ausge- den (dem Westhang des Burghügels),
Der Burgbau könnte aufgrund des nutzt. Bei der Umgebungsanalyse der welches hinsichtlich der Neigungs-
hier gewonnenen Fundmaterials in Mohosvár von Kelemér wurde dies steilheit am geeignetsten war, sich
den Zeitabschnitt nach der Verwüs- jedoch versucht. der Burg zu nähern. Diese Tatsache
tung durch die Tataren 1241 bis 1242 kann nur bedingt mit den Umständen
gefallen sein. Der Grund dafür, dass Die Untersuchung der Nei- des Untergangs der Burg verbunden
das Gelände 1338 bei der Besitz- gungskategorien werden. Mit Hilfe der Analyse der
teilung des Geschlechts Gut-Keled Die aus dem digitalen Reliefmodell Neigungssteilheit-Verhältnisse kann
schon nicht mehr erwähnt wurde, generierte Karte der Neigungssteil- auch für die Bereiche um die Burg
lag vermutlich darin, dass es Anfang heit-Neigungskategorien kann gut herum bestimmt werden, woher das
des 14. Jahrhunderts während der mit den Ergebnissen der archäologi- in die Kis- und Nagymohos-Seen
Kämpfe, die mit dem Herrschaftsbe- schen Untersuchung der Burg ver- eingeschwemmte Sediment stammen
ginn von König Károly Róbert (1308 glichen werden (Abb. 16). Teilweise könnte.
bis 1342) verbunden waren, zerstört sind verhältnismäßig flache Gelände
worden war, möglicherweise war es bestimmbar, die für eine Ansiedlung Die Funktion der Mohosvár
abgebrannt. oder die Errichtung von Gebäuden als
geeignet angesehen werden können, Während der Untersuchung der Be-
d. h., die eine archäologische Untersu- ziehung zwischen der Mohosvár und
Die Verbindung zwischen der ihrer Umgebung muss auch die Funk-
Burg und ihrer Umgebung im chung erfordern. Außerdem kann das
Gelände mit relativ kleinen Neigungs- tion der Burg bestimmt werden. Nach
Mittelalter der weit verbreiteten, teilweise auf
steilheit-Indexen bestimmt werden,
Auf der geodäsischen Vermessung der auf denen die geringste Energie be- die romantische Betrachtung des 19.
Burgumgebung basierend, wurde ein nötigt wird, um sich der Burg zu nä- Jahrhunderts zurückführbare Inter-

Burgen und Schlösser 3/2007 9


Tamás Pusztai

Abb. 18. Das auf das digitale Relief projizierte rekonstru-


ierte Volumenmodell von Mohosvár.

Abb. 17. Die Maße des Burginneren.

pretation werden Burgen oft nur als die Räume der oberen Geschosse des nicht längere Zeit in der Burg auf-
militärische Einrichtungen gesehen, Turmes auch mit einer 3 m dicken gehalten.
die normalerweise eine Funktion der Mauer begrenzt waren oder ob dort Die im 13. bis 14. Jahrhundert viel-
Straßenkontrolle oder Grenzabschlie- mit dünner gestalteten Mauern geräu- leicht nicht einmal ein halbes Jahr-
ßung haben. Gleichzeitig ist bekannt, migere, auch dem Wohnen dienende hundert lang genutzte Burg scheint im
dass eine Burg als Zentrum eines Gu- Räume erschlossen waren. Verhältnis zu unserer Vorstellung ei-
tes oder als ein Wohn- oder Repräsen- Der quadratische Turm, der sich an die ner Burg ziemlich klein zu sein, doch
tationsort des Besitzers dienen konnte Westseite der Steinmauer anschließt, untersucht man ihren Aufbau, zeigt es
bzw. auch als Aufbewahrungsort von war von seiner Grundfläche her ge- sich, dass sie über die Konstruktions-
Gütern. sehen schon eher für Wohnzwecke elemente verfügt, die es ermöglichen,
Die Größe der Fläche, die von der geeignet. Im Erdgeschoss dieses Tur- die Macht ihres Besitzers zu sichern.
das Burginnere umfassenden Mauer mes standen auch zwei Backöfen. Das Mit Hilfe der inneren Wohngebäude
umgrenzt wird, ist kaum größer als obere Geschoss des mit einer inneren sowie der wirtschaftlichen Einrich-
die Wohnfläche eines dreistöckigen Holzkonstruktion erbauten Turmes tungen, die sich auf der äußeren Seite
Einfamilienhauses: 294 m² (0,0294 verfügte wohl über den Eingang. der Steinmauer und auf dem die Burg
ha). Der zentrale kreisförmige Turm Falls das Obergeschoss des Turmes umgebenden Plateau befanden, war
nimmt von der Fläche des Burginne- bewohnt gewesen wäre, hätten seine die Versorgung einer Dauerbesatzung
ren 63 m² ein. Neben diesem haben Bewohner auch den aus den beiden gesichert.
entlang der Burgmauer auch weitere Öfen des Erdgeschosses ausströmen-
Gebäude Platz gefunden, wodurch der den Rauch ertragen müssen. Nach Meinung des Verfassers könnte
innere freie Raum nochmals verrin- Aufgrund der bei der Freilegung gesi- die Mohosvár von Kelemér der Auf-
gert wurde (Abb. 17). Zwischen den cherten Befunde – sorgfältig gebaute bewahrung von Gütern (Wertgegen-
Holzgebäuden, die mit dem mittleren Blockhäuser, darin die Bedarfsgegen- ständen, rechtssichernden Urkunden)
Turm, mit der Zisterne und mit der stände des alltäglichen Lebens – und des Besitzers gedient haben.
Innenseite der Burgmauer verbunden des Ofens war die Burg mit Sicherhiet Die Errichtung der Steinmauer, der
waren, blieb für den Verkehr ein kaum durchgehend bewohnt. Türme bzw. der die Burg schützen-
1 bis 1,5 m breiter Bereich übrig. Die- Die Burg zeigt mit ihrer Schanze, mit den Schanze und des Grabens war
se Bebauung hat auch die Aufnah- ihrem heute schon teilweise verfüllten, mit erheblichem Aufwand verbunden.
mefähigkeit des inneren Burgkerns aber immer noch tiefen Graben, ihrer Insofern kann Mohosvár als Mittel
bestimmt. Der mit einer 3 m dicken dicken Steinmauer und ihren Türmen der Repräsentation des Gutsbesitzers
Mauer umgebene innere Raum des das Bild einer markanten Festung. Im gesehen werden. Wenn man berück-
im Burgzentrum stehenden Turmes Fundmaterial gibt es keine bedeuten- sichtigt, dass nach den Erkenntnissen
war zum Wohnen vermutlich nicht deren Gegenstände, die die Burg vom der archäologischen Ausgrabungen
geeignet, auf diese Nutzung deuten Niveau des Fundmaterials der dama- ein Teil der Bevölkerung der umlie-
auch keine archäologischen Spuren ligen Dörfer unterscheiden würden. genden Gebiete im 13. Jahrhundert
hin – auf eine Wohnfunktion des Tur- Außer den zwei Türmen neben den noch in ausgehöhlten Grubenhäusern
mes hätten Reste einer Heizungsanla- Blockhäusern wurde auch kein be- wohnte, kann mit heutigem Maßstab
ge oder eines Ofens bzw. eines Aborts deutenderes Steingebäude – „Palast“ betrachtet Mohosvár trotz seiner ge-
eindeutig hingewiesen. Für die Be- gefunden13. Der Burgbesitzer – zu- ringen Größe auch als Machtsymbol
zeichnung des Turmes trifft „Berg- mindest wenn man die Einfachheit seines Besitzers angesehen werden.
fried“ zu. Allerdings ist hier Vorsicht des archäologischen Fundmaterials Daran knüpft sich die Frage, gegen
geboten, denn es ist nicht bekannt, ob betrachtet – hätte sich vermutlich wen dieses Machtsymbol gerichtet

10 Burgen und Schlösser 3/2007


Die Mohosvár von Kelemér – eine Burg in Ungarn aus dem 13. und 14. Jahrhundert

war. An diese Frage schließt sich


direkt auch eine weitere an: Welche
Gebiete konnten von der Burg aus
gesehen werden, d.h., wenn sie eine
Straßenkontrollfunktion hatte, wie
kam diese zur Geltung und wodurch
war sie wirksam? Die Antworten auf
diese Fragen könnten leicht gegeben
werden, wenn die Burg noch stehen
würde und ihre Deckungsverhältnis-
se den mittelalterlichen Verhältnissen
ähnlicher wären. Im Gegensatz zum
13./14. Jahrhundert, als der Berghügel
und die unmittelbare Umgebung der
Burg sicherlich nicht bewaldet waren,
können heute die Sichtverhältnisse
der Burg wegen des dortigen Wal-
des auf dem Gelände nicht untersucht
werden.

Die Sichtverhältnisse der Burg


und ihrer Umgebung
Um die Frage zu beantworten, von
welchen Bereichen aus die Burg ge-
sehen werden konnte und welche Ge-
biete von der Burg aus zu überblicken
waren, müsste man die Größe bzw.
Höhe des Burgturmes kennen. Die-
se kann jedoch nur aus dem Durch-
messer des Turmgrundrisses von
9 m erschlossen werden. Seine Höhe
überstieg bestimmt seinen Durchmes-
ser. Ausgehend von der Höhe noch
existierender, zu gleicher Zeit erbau-
ter Türme in Ungarn, kann man auf
einen Turm von 3 bis 4 Geschossen
schließen, der mit Dach mindestens
20 m hoch war.

Das Verhältnis zwischen der Abb. 19. Die Sichtbarkeitsverhältnisse der Burg und ihrer Umgebung.
Burg und der mittelalterlichen
Straße „Magna Strata“ Eine Sichtanalyse zeigt, von welchen den Straße darzustellen. Diese Straße,
Die Wahl des Standorts war dadurch Gebieten aus die Burg zu sehen war von der Burg 1,3 km entfernt, verläuft
bestimmt, dass das die Burg erbau- und umgekehrt. entlang des Kelemér-Baches und wird
ende Geschlecht Gut-Keled nach den Zur Analyse wurde das auf der de- in den mittelalterlichen Quellen als
schriftlichen Quellen vom Anfang des taillierten geodäsischen Vermessung „Magna Strata“ erwähnt.
14. Jahrhunderts in diesem Gebiet drei der engeren Burgumgebung basie- Der mittelalterliche Straßenverlauf ist
nebeneinander liegende Dörfer (Kele- rende digitale Reliefmodell sowie das nicht bekannt, es wird aber behaup-
mér, Poszoba und Fancsal) besaß. Die aus den Daten des 10 x 10 m großen tet, dass die Spurlinie der auf den
Burg könnte also innerhalb der Gren- Messpunkt-Gitternetzes aufgrund der historischen Karten der Gegend aus
zen dieser Siedlungen gebaut worden Karte der weiteren Region mit dem dem 18./19. Jahrhundert dargestell-
sein. Bei der Untersuchung geeigneter Maßstab 1:50 generierte Reliefmodell ten Straße Ort und Linienführung der
Standorte für die Errichtung der Burg (DDM10) verwendet. Auf dieses Mo- mittelalterlichen Straße bewahrt hat.
kommen – ausgehend von der Stel- dell wurde eine Burg mit einem 20 m Vor diesem Hintergrund wurden auf
lung ähnlicher Burgen dieses Gebiets hohen Turm gestellt (Abb. 18). den betreffenden Kartenblättern der
– vor allem die Hügelgipfel in Frage, 1. militärischen Vermessung, die An-
die besser geschützt werden können Neben der Darstellung der Lage zu fang des 19. Jahrhunderts angefertigt
und sich aus ihrer Umgebung erheben. den umliegenden Siedlungen war es wurde, die noch heute vorhandenen
Im Falle der drei untersuchten Dörfer dabei mindestens ebenso wichtig, das Geländeobjekte herausgesucht, um
sind es die Hügelgipfel, die sich 300 m wechselseitige Verhältnis zu der im so die historische Karte der heuti-
über dem Meeresspiegel befinden. Tal unter dem Burghügel verlaufen- gen Karte anzupassen. Nach dieser

Burgen und Schlösser 3/2007 11


Tamás Pusztai

Abb. 20. Das prä- von welchen Dörfern aus wurde Mo-
diktive Modell der hosvár gesehen? Untersucht man, ob
Bestimmung des aus den Dörfern des Geschlechts Gut-
mittelalterlichen Keled Mohosvár zu sehen war, ergibt
Dorfs „Fancsal“. sich für jedes Dorf ein anderes Bild
(Abb. 19).
Das Dorf Poszoba lag – zufolge der im
Dorf gefundenen Keramikfragmente
aus dem 13. Jahrhundert – an der Stel-
le des heutigen Dorfes Gömörszőlős.
Von dort konnte die Burg Mohos gut
aus den im Besitz gesehen werden. Die Standorte der
des Geschlechts mittelalterlichen Häuser des Dorfes
befindlichen Dör- Kelemér sind nicht bekannt. Das
fern, sondern auch Dorf zog sich vermutlich entlang der
von der hindurch- hier hindurchführenden Straße in di-
führenden Straße rekter Nähe zur (heute immer noch
aus sollte die Burg vorandenen) Kirche mittelalterlichen
möglichst zu sehen Ursprungs. Auch heute befindet sich
sein. Anders aus- dort das Zentrum von Kelemér. Wenn
gedrückt: Die Burg dies zutrifft, war aus dem größten Teil
hätte auch auf den des Dorfes die Burg nicht zu sehen,
Berggipfeln, die nur von dem Hügel aus, auf dem die
an den nördlichen Kirche stand (oder das mittelalterliche
Grenzen des Dorfs Dorf nahm mehr Fläche ein).
Poszoba liegen, Vom Dorf Fancsal ist nur sein Ge-
erbaut werden kön- biet, nicht aber seine genaue Lage
nen. Von dort aus bekannt.
hätte aber niemand
die Burg gesehen!
Daher war die Eine neuere Möglichkeit, den
Nähe der mittelal- Ort des zur Burg gehörenden
Anpassung wurde die Spurlinie der terlichen Straße wohl einer der Haupt- mittelalterlichen Dorfes Fanc-
Straße, die auf der historischen Karte gründe dafür, dass aus den ansonsten sal zu bestimmen
vom Tal des Kelemér-Baches einge- für den Burgbau geeigneten Plätzen Die genaue Lage des Dorfes Fancsal
zeichnet war, digitalisiert und dann der Hügel über den Mohos-Seen für – im Besitz desselben Geschlechts wie
auf das digitale Reliefmodell der Ge- die Baustelle ausgewählt wurde. Die auch die Burg – ist nicht bekannt. Soll-
gend übertragen. Wahl der Ausrichtung beim Bau der te die Sichtbeziehung zur Burg eine
Auf diesem Modell wurden die Be- Burg bedeutet nach Ansicht des Ver- Rolle gespielt haben, könnte damit
reiche, die von einem Beobachtungs- fassers, dass es dem Bauherrn wichtig eine neue Möglichkeit zur genauen
punkt in einer bestimmten Höhe aus war, seine Macht nach außen darzu- Lagebestimmung des mittelalterli-
sichtbar bzw. nicht sichtbar waren, stellen. chen Dorfes Fancsal gegeben sein.
mit unterschiedlicher Kolorierung Nicht untersucht wurde die Frage, ob Auf das Gelände des damaligen Dorfes
dargestellt. Es war festzustellen, dass neben der Standortwahl der Burg in deuten die geografischen Namen des
in dem untersuchten Gebiet die Burg Bezug auf die mittelalterliche Stra- Gebietes (Flurbezeichnungen?) hin,
über den auf dem südlichen Gebiet ße andere Gesichtspunkte – z.B. die und durch die Grenzen der benach-
des Dorfes Kelemér liegenden Mo- Kontrolle dieser Straße – auch eine barten Siedlungen können auch die
hos-Seen auf den Hügelgipfeln (d.h. Rolle gespielt haben könnten, weil Grenzen von Fancsal bestimmt wer-
an ihrer gegenwärtigen Stelle) erbaut es dafür keine archäologischen oder den. In Kenntnis der mittelalterlichen
von der mittelalterlichen Straße aus topografischen Anhaltspunkte gibt. Topografie der Gegend ist die Mög-
am besten zu sehen ist (Abb. 19). Innerhalb der Güter des Geschlechtes lichkeit groß, entlang eines Baches
Im Tal des Sajó-Flusses befinden sich Gut-Keled ist es der archäologischen oder nahe dem Zusammenfluss zweier
viele mittelalterliche Burgen. Die Ge- Forschung bislang nicht gelungen, Bäche während einer archäologischen
schichtsforschung hat diese Tatsache außer der Mohosvár eine andere Fes- Geländebegehung Siedlungsreste an
auf das 13. Jahrhundert bezogen so tung zu finden. Die Burg war nicht der Oberfläche zu finden. Mohosvár
formuliert, dass von der Burg eine dazu geeignet, im Falle einer Gefahr wurde außerdem vermutlich so ge-
Nachbarburg geboren wurde. Für die die Bevölkerung der drei Dörfer zu baut, dass die Burg auch von Fancsal
Burgenbauer dieser Zeit konnte es also schützen; dies hat das in der Burg aus gesehen werden konnte.
wichtig sein, dass die Burgsilhouette zur Verfügung stehende freie Gelände • Auf das digitale Reliefmodell wur-
nicht nur ihren eigenen Leibeigenen, nicht ermöglicht. den die möglichen Grenzen der
sondern auch den Nachbarbesitzern Siedlung Fancsal projiziert. Inner-
und der Außenwelt die Macht ihres Welche Dörfer wurden von den Be- halb diesen Grenzen ist ein fließen-
Besitzers signalisierte. Aber nicht nur wohnern von Mohosvár gesehen und des Gewässer zu finden.

12 Burgen und Schlösser 3/2007


Die Mohosvár von Kelemér – eine Burg in Ungarn aus dem 13. und 14. Jahrhundert

• Es wurde eine Karte erstellt, die gestützt. Im Zusammenhang mit die- Als Ergebnis der archäologischen
die auf die Himmelsrichtungen be- sem Widerspruch stellt sich die wich- Grabung haben wir ein detailliertes
zogene Ausrichtung innerhalb der tige Frage, wo die archäologischen Bild eines charakteristischen, an der
Dorfgrenzen analysiert. Überreste sind, die auf menschliche Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert
• Auf diese Karte wurden die Sicht- Tätigkeiten hindeuten, die während existierenden Burgtyps erhalten. Über
verhältnisse der Burg (mit einer der naturwissenschaftlichen Unter- die detaillierte Aufarbeitung des ar-
Turmhöhe von 20 m gerechnet) suchungen entdeckt wurden und die chäologischen Fundmaterials hinaus
projiziert; so konnte das engere aus Zeiträumen stammen, die mit der wird die naturwissenschaftliche Un-
Gebiet abgegrenzt werden, in dem Existenz von Mohosvár im 13. bis tersuchung der in der Burg gefunde-
die Wohngebäude der Siedlung zu 14. Jahrhundert nicht in Verbindung nen verkohlten organischen Materia-
erwarten sind (Abb. 20). gebracht werden können. Diese Frage lien, Holzreste und Körner noch sehr
kann mit der archäologischen Unter- viele Möglichkeiten bieten. Der Zeit-
Die archäologische Untersuchung der suchung der neueren Siedlungs- oder punkt der Schanzenerneuerung kann
Mohosvár von Kelemér trägt noch Festungsspuren, die während der sys- vermutlich mit der OSL-Methode
sehr viele Möglichkeiten in sich. Die tematischen archäologischen Gelän- bestimmt werden. Mehr Daten über
historische Interpretation der natur- debegehung der weiteren Burgumge- die Umstände des Burgbaues liefert
wissenschaftlichen Untersuchung der bung entdeckt wurden, beantwortet die weitere Freilegung der am Fuß
Sedimentschichten der Mohos-Seen werden. des Burghügels in den Vertiefungen
wurde dabei nicht in allen Punkten liegenden Kalkbrennereien.

Anmerkungen
1
Fügedi Erik, Castle and society in me- Hungary, in: Varia Arcaeologica Hungaria Dezső Diószegi ließ zum Schloss- und
dieval Hungary (1000-1437), Budapest XIX, Budapest, 2005, S. 25–39. Stallbau um die Wende des 19. zum 20.
1986. 6
Sümegi Pál, A középkori Kárpát-medence Jahrhundert die restlichen Steine der Bur-
2
In den gleichen Kreis lassen sich auch éghajlati és környezeti viszonyai, in: A gruine abtransportieren (Nováki/Sárközy
die Burgen einordnen, die am Ende eines középkori magyar agrárium. Tudomány- 1999 [wie Anm. 8], S. 339). Bei der Auf-
länglichen Bergrückens erbaut wurden. os ülésszak Ópusztaszeren, Redaktion: zeichnung seiner im Jahre 1966 durch-
Die Burg wurde hier mit einem den Berg- Bende L./Lőrinczy G. Ópusztaszer 2000. geführten Geländebegehung hat László
rücken durchschneidenden Graben von 7
Die erste mit archäologischer Zielsetzung Dobossy geschrieben, dass noch Überres-
der Außenwelt abgetrennt. angefertigte Vermessung der Höhenlinien te eines gewölbten Raumes am östlichen
3
Bei den archäologisch-topografischen des Burggeländes wurde 1992 von Gyu- Teil der Burg sichtbar sind (Dobossy 1975
Untersuchungen der Burgen des 13. Jahr- la Nováki durchgeführt. Gemeinsam mit [wie Anm. 8], S. 27). In den zwischen
hunderts muss die Tätigkeit von Gyula György Sándorffy hat er die schnelle und 2000-2006 freigelegten Bereichen wurde
Nováki, György Sándorffy und Zsuzsa genaue Methode der geodäsischen Ver- kein solcher Gebäuderest gefunden, der
Miklós hervorgehoben werden. Zusam- messung von Burgen in Ungarn ausgear- die Existenz des von László Dobossy ver-
menfassend über diese Burgen in Ungarn: beitet, die schon bei der Vermessung vie- muteten gewölbten Gebäudes beweisen
Várak a 13. században – Burgen im 13. ler Burgen verwendet wurde. Die neuere, könnte.
Jahrhundert (Gyöngyös-Mátra Museum, detailliertere Mikrorelief-Vermessung 10
Das Fotonegativ wird im Tóth Ágoston
1990), sowie Zsuzsa Miklós/György Terei, der Burg und ihrer weiteren Umgebung Institut für Kartographie der Ungarischen
Beiträge zu Verbindungen der Burgen und (62 ha) hat im Jahr 2000 die Fa. Tocsolya Armee in Budapest aufbewahrt.
Siedlungen im 13. Jahrhundert in Ungarn, Bt. im Auftrag des Nationalparks Aggte- 11
Untersuchungsleiter ist Tamás Pusztai,
in: Castrum bene 7, Nitra 2004, S. 171– lek gemacht. Diese zwei Vermessungen Archäologe. Mitgearbeitet haben Klára
202. bilden die geodäsische Grundlage der im Fischl und Gábor András Szörényi, Ar-
4
Es werden während der Niederschreibung Jahr 2000 begonnenen archäologischen chäologen, Viktor Gaál Mlakár, Archä-
der Namen der beiden Moore die Bezeich- Ausgrabungen. ologie-Student, Dezső Nagy, Ökologe.
nungen Moor und See (Mohos-Moor, Mo- 8
Die allererste archäologische Beschrei- Die pflanzlichen Überreste werden von
hos-See) von der Forschung abwechselnd bung der Burg stammt von László Do- Andrea Toma aufgearbeitet.
verwendet. Beide Bezeichnungen werden bossy, Várak és őrhelyek Ózd környékén. 12
Über die Verwendung der Rauminfor-
in diesem Absatz auch abwechselnd be- Borsodi kismonográfiák I. 1975; die auf matischen Methoden (GIS) in der Land-
nutzt. die Burg bezogenen historischen Daten schaftsarchäologie hat Henry Chapman
5
Magyari E./Sümegi P./Braun M./Jakab haben Gyula Nováki und Sebestyén Sár- detailliert geschrieben: Henry Chapman,
G., Retarded hydrosere: anthropogenic közy veröffentlicht: Nováki Gyula/Sár- Landscape archaeology and GIS. Tempus
and climatic signals in a Holocene raised közy Sebestyén, Várak a magyarországi Publishing Limited, 2006.
bog profile from the NE Carpathian Ba- Gömörben — Burgen im ungarischen 13
Die Möglichkeit, dass auf der nicht frei-
sin, in: Journal of Ecology 89, 2002, S. Gömör, in: HOMÉ (Jahrbuch des Her- gelegten nördlichen Seite des Burginne-
1019–1032; Mihály Braun/Pál Sümegi- man Ottó Museums, Miskolc-Ungarn) ren ein namhafteres Steingebäude zum
Albert Tóth/Katerine Jane Willis-Imre XXXVII (1999), S. 329–348. Vorschein kommt, kann aber noch nicht
Szalóki/Zita Margitai-Andrea Somogyi, 9
Die Steine der Burg ließ der Besitzer von ausgeschlossen werden.
reconstruction of long-term enviromental Kelemér, Fridrik Pogány, in den 40er Jah-
changes at kelemér-Kis-Mohos-tó. Envi- ren des 19. Jahrhunderts in die Mauer sei-
romental archaeology in North-Eastern ner Kurie einbauen. Der spätere Besitzer

Burgen und Schlösser 3/2007 13