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I

Die Krankheitsbilder
von A bis Z

A –4 M – 106

B – 28 N – 140

C – 38 O – 142

D – 42 P – 146

E – 44 Q – 158

F – 46 R – 160

G – 58 S – 176

H – 64 T – 196

I – 72 U – 208

K – 82 V – 210

L – 98 W – 214
4 AC-Gelenkverletzungen (v.a. Luxatio acromioclavicularis)

AC-Gelenkverletzungen arten oder bei Kampfsportarten wie Judo, Ringen und Rugby.
A (v.a. Luxatio acromioclavicularis) Die betroffenen Bänder sind:
4 Lig. acromioclaviculare,
4 Lig. coracoacromiale und
Was ist das? 4 Ligg. coracoclavicularia (Lig. trapezoideum und Lig. conoi-
deum).
Meist eine Luxation im Akromioklavikulargelenk (Schultereck-
gelenk), hervorgerufen durch Bandrupturen. Häufig treten Bei einem Riss aller Bänder tritt das sog. Klaviertastenphä-
diese Rupturen nach einem Trauma auf (7 Kap. Rotatoren- nomen auf, d.h., man kann die hoch stehende Klavikula in
manschettenruptur), z.B. nach einem Reitunfall, bei Ballsport- ihre Ausgangsposition zurückdrücken.

Formen

Gradeinteilung Beschreibung Therapie


Tossy 1 (Rockwood 1) Kontusion bzw. Distorsion der Ligg. acromioclavicularia Konservative Therapie
Tossy 2 (Rockwood 2) Ruptur der Ligg. acromioclavicularia (Subluxation) Ruhigstellung in Gilchrist-,
Desault- oder Hartung-Verband
Tossy 3 (Rockwood 3) Ruptur der Ligg. acromioclavicularia und coracoclavicu- Bandnaht oder Osteosynthese
laria
Rockwood 4 Laterales Klavikulaende verhakt sich im M. trapezius
(hier kein Klaviertastenphänomen)
Rockwood 5 Durch Anhebung der Klavikula kommt es zu einer Über-
dehnung bzw. Zerreißung der dort ansetzenden Muskulatur
Rockwood 6 Klavikula drückt von kaudal an das Korakoid, einherge-
hend mit einem Ödem

Fragen beim Befund Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)


4 Haben Sie Schmerzen? Ziel Therapie
4 Nehmen Sie Medikamente?
4 Gibt es weitere Schäden, z.B. einen Knorpelschaden im Schmerzlinderung Wärme oder Eis, sanfte Massage
Schultergelenk? Schmerzfreies Schlingentisch, Manuelle The-
4 Hat Ihr Arzt Ihnen Limitierungen der Armbewegungen Bewegen nach OP rapie (MT) nach Mulligan,
gegeben? Bewegungsbad
Ökonomisierung PNF, E-Technik
Untersuchung der Muskulatur
4 Schwellung Herstellen des Manuelle Therapie (MT)
4 Bewegungseinschränkung normalen
4 Klavikulahochstand mit Klaviertastenphänomen Bewegungsausmaß
4 Bewegungsausmaß Muskelaufbau MTT (Medizinische Trainings-
4 Nach OP: Umfangmessung therapie)
Postoperative 6 Wochen nur geführte Bewegun-
Komplikationen Regeneration gen bis max. 90° Flexion und
Abduktion, danach isometrische
4 Übersehene Fraktur, auch knöcherner Abriss
Spannungsübungen, Chopping
4 Chronische Instabilität
und Lifting, Pendelübungen,
schließlich aktives Bewegen

! Cave
Die vorgegebenen Bewegungslimits müssen einge-
halten werden!

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_1,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
5 A

. Abb. 1 Triggern des M. pectoralis zur Ver- . Abb. 2 Funktionsmassage aus der Seiten- . Abb. 3 Manuelle Therapie: SCG
hinderung einer Schonhaltung, wahlweise lage
auch Massagetechniken für Musculus pecto-
ralis anwendbar

. Abb. 4 CTÜ im Sitz (Behandlung des ge- . Abb. 5 Abduktion bis 90° im Schlingen- . Abb. 6 Humerus nach dorsal aus der
samten Schultergürtels inklusive Rippenwir- tisch (oder mehr, wenn keine Limitierung Bauchlage; Technik muss schmerzfrei mög-
belgelenke, CTÜ, ACG und SCG) vorliegt) lich sein, sonst andere Technik wählen; Un-
terarm des Patienten liegt auf dem Rücken

. Abb. 7 Manuelle Therapie im Gleno- . Abb. 8 Manuelle Therapie: Behandlung . Abb. 9 Manuelle Therapie nach Mulligan,
humeralgelenk; falls es durch lange Bewe- des ACG nach frühestens 6-8 Wochen, wenn z.B. Schultermobilisation aus dem VFST,
gungslimitierungen zu Einschränkungen in eine Bandnaht vorgenommen wurde nach Aufhebung der Limitierung volle Be-
der Beweglichkeit gekommen ist weglichkeit und Belastbarkeit
6 Achillessehnenruptur

Achillessehnenruptur Komplikationen
A
Was ist das? 4 Mehrmaliges Reißen der Naht

Die Achillessehne ist teilweise oder komplett gerissen und Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
wird ggf. operativ (. Abb. 1) wieder zusammengenäht. Oft
treten bei einer Muskelruptur große Hämatome auf. Man be- Ziel Therapie
merkt die komplette Ruptur durch einen lauten Knall und eine
Anschwellung der Wade. Die Achillessehne reißt bei abrupten Thrombose- Bewegung, Kompression und Anti-
Bewegungen, z.B. beim Start zum 100-m-Lauf. Manchmal prophylaxe koagulation
reißt nicht direkt die Sehne, sondern es kommt zu einer Komplexe Lymphdrainage, Kompression,
Abrissfraktur des Tuber calcanei (Entenschnabelfraktur). Be- physikalische Hautpflege
günstigende Faktoren sind: Entstauung
4 Diabetes mellitus (7 Kap. Diabetes mellitus), Schmerz- Ultraschall und Iontophorese, Eis
4 Ehlers-Danlos-Syndrom (Kollagenfehlbildung) und linderung
4 Hypercholesterolämie (hohe Konzentration von Cho-
lesterol im Serum mit erhöhter Arteriosklerosegefahr). Hausaufgaben- Brunkow, in RL im schmerzfreien
übungen Bereich aktiv bewegen
Die Patienten werden meist mit einer Schiene versorgt, die Mehrdurch- Querfriktionen, wenn ausgeheilt;
den Fuß anfangs in leichter Plantarflexion fixiert, mit der die blutung Eis, Güsse
Patienten aber voll auftreten dürfen.
Beseitigung von Triggern oder Massieren der Wade
Verspannungen und der kurzen Fußmuskulatur
Formen in der Wade (Beachte: Hat der Patient noch
keine Vollbelastung, bekommt er
4 Inkomplette Ruptur (Anriss)
meist noch Heparin)
4 Komplette Ruptur
4 Abrissfraktur des Tuber calcanei Verbesserung der Airex-Matte, Trampolin, Kreisel,
Sensomotorik Kurzer Fuß nach Janda
Fragen beim Befund Beweglichkeit So weit der Patient in RL oder im
Sitz schmerzfrei bewegen kann,
4 Wobei ist es passiert? soll er auch bewegen. Manuelle
Wenn die Sehne bei nichts Außergewöhnlichem rupturiert Therapie (Talus, Kalkaneus etc.
ist, sollte nach der Ursache gefragt werden. Ist der Sehnen- mobilisieren), Dehnung der Wade
apparat intakt, möglichst regelmäßig Sport treiben. bis zur Schmerzgrenze
4 Nehmen Sie Medikamente, Analgetika (Schmerzmittel)
oder Antiphlogistika (Entzündungshemmer)? Verhinderung PNF (verkürzte Diagonale im Sitz)
4 Nehmen Sie Kortikoide oder Zytostatika (MTX o.a.)? von Muskel-
Beachte: Medikamentenbedingter Kollagenabbau
atrophien
Kraftaufbau MTT (z.B. Beinbeuger, Waden-
Untersuchung trainer)

4 Bewegungsausmaß ! Cave
4 Gelenkspiel der Fußknöchelchen nach längerer Ruhig- Die Dorsalextension muss nach und nach erarbeitet
stellung werden. Eine Sehne braucht 300 Tage, um auszuheilen.
4 Narbenmobilität Also Überlastungen in der Frühphase vermeiden, um
4 Wärme und Schwellung ein erneutes Reißen zu verhindern!
4 Trizeps surae-Reflex
4 Ursache der Ruptur suchen: Fehler in der Statik führen zu ! Tipp
einer Mehrbelastung der Achillessehne (Beinlänge, ISG Tipps zur Vermeidung einer erneuten Ruptur geben:
überprüfen, Übergewicht des Patienten). 4 langsam in den Sport einsteigen,
4 Bei Anriss oft fühlbare Delle der Achillessehne 4 gesunde Ernährung,
4 Thompson-Test: Ist im Akutfall nicht abgeklärt, ob die 4 besser aufwärmen etc.
Sehne komplett gerissen ist, prüft man in BL oder Knie-
stand. Der Therapeut drückt breitflächig auf die Wade.
Bewegt sich das OSG in Plantarflexion, ist die Achilles-
sehne nicht komplett gerissen.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
7 A

. Abb. 1 Operative Freilegung der Achilles- . Abb. 2 Fußgewölbe aufbauen mit Kurzem . Abb. 3 SRT: Für mehr Festigkeit in der
sehne Fuß nach Janda, z.B. mit verschiedenen Un- Achillessehne (zu Beginn den betroffenen
tergründen wie Airex-Matte oder Trampolin Fuß weiter vor stellen, um nicht zu weit in
die Dorsalextension zu forcieren)

. Abb. 4 Gentle Friction 3-mal eine Minute. . Abb. 5 Kräftigung der gesamten Bein- . Abb. 6 Talusmobilisation; nach einer
Der Patient bewegt aktiv in den Pausen und muskulatur (erst, wenn die Dorsalextension operativen Rekonstruktion kommt es zu ei-
mehrmals täglich zu Hause im schmerz- freigegeben ist) ner Bewegungseinschränkung im oberen
freien Bewegungsausmaß Sprunggelenk, welche durch eine Talusmo-
bilisation behandelt wird

. Abb. 7 Kalkaneusmobilisation: Der Kalka-


neus wird auf der Unterlage fixiert und alle
anderen Knochen nach lateral und medial . Abb. 8 Rückwärts gehen auf dem Lauf- . Abb. 9 Exzentrisches Training für die
gerollt band zu Beginn (Schonung der Achilles- Wadenmuskulatur (auch an der Kletterwand
sehne), später vorwärts mit langen Schritten möglich), nachdem der Patient auf einem
und starker Neigung (Belastung der Achilles- Bein auf Zehenspitzen stehen kann und
sehne) darf, zu Hause an der Treppe
8 Adduktorenreizung

Adduktorenreizung Untersuchung
A
Was ist das? 4 Stand: Beinachse überprüfen
4 Muskelfunktionsprüfung (MFP) der Adduktoren: Bei Ad-
Nach Überlastung des Hüftgelenks kann eine Reizung der duktion gegen Widerstand Schmerzen in den Adduk-
Adduktoren entstehen. Diese tritt direkt durch ein Stoß- oder toren
Tritttrauma und indirekt (ISG-Fehlstellung [7 Kap. ISG-Blocka- 4 Haben die Adduktoren aktive Triggerpunkte, könnten
den]) auf. Häufig passieren Verletzungen beim Fußball, Reit- auch Schmerzen in Leiste und Knie auftreten:
sport, oder wenn man auf Glatteis ausrutscht und versucht, 5 Triggerpunkte im M. adductor magnus leiten Schmer-
die Beine geschlossen zu halten. Die für die Innervation zu- zen in den anteromedialen Oberschenkel oder ins tiefe
ständigen Segmente sind L2-L4. Das Kennsegment der Ad- Becken.
duktoren ist L2 (zwischen LWK2 und LWK3). Beim norma- 5 Triggerpunkte des M. gracilis bewirken Schmerzen im
len Gehen müssen die Adduktoren die Abduktion abstoppen anteromedialen Oberschenkel.
und geben Stabilität. 4 Bewegungseinschränkung in Abduktion (und Außenrota-
Zu den Adduktoren gehören die in 7 Übersicht 1 aufgelis- tion)?
teten Muskeln. 4 ISG überprüfen
4 Abduktoren: Mögliches Ungleichgewicht zwischen Ab-
duktoren und Adduktoren
. Übersicht 1. Adduktoren
4 M. adductor magnus 4 M. quadratus femoris Komplikationen
4 M. gracilis 4 M. pectineus
4 M. semimembranosus 4 M. obturatorius internus 4 Der Nervenaustritt des N. saphenus kann durch die Ad-
4 M. semitendinosus 4 M. obturatorius externus duktoren behindert werden.
4 M. biceps femoris 4 M. adductor longus 4 Wenn der M. adductor magnus verspannt ist, kann die A.
4 M. gluteus maximus 4 M. adductor brevis femoralis im Hiatus adductorius komprimiert sein.
(tiefer Anteil)
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)

Formen Die Ziele/Therapieinhalte ergeben sich aus dem Befund: Je


nachdem, wo man die Ursache vermutet, beginnt die Behand-
4 Durch ruckartige Überdehnung, z.T. mit Teilruptur und lung (z.B. am ISG). Hinzu kommt immer ein lokales Ausdau-
Einblutungen ertraining der Adduktoren (z.B. 3-mal 30 Wiederholungen
4 Direkter Tritt oder Stoß in die Adduktoren (typisches mit geringer Intensität) zur Verbesserung der Trophik und zur
Fußballtrauma) Heilung.
4 Durch Nervenreizung oder Nervenkompression (Nn. femo-
ralis, obturatorius, tibialis) ! Cave
4 Durch Veränderungen in der Statik, z.B. bei Beinlängen- Überbeanspruchung und ruckartige Überdehnungen
differenz mit ISG-Problematik vermeiden:
4 Durch Verschiebungen im Wasser- und Elektrolythaus- 4 kein Eislauf,
halt hohe Empfindlichkeit der Adduktoren 4 kein Reitsport und
4 Vertebral bedingte Adduktorenirritationen (L2) 4 kein Geräte- oder Bodenturnen.

Fragen beim Befund

4 Sind nach bestimmten Bewegungsabläufen oder abrupten


Dehnungen Schmerzen aufgetreten?
Beachte: Bei Dehnungsschmerzen Dehnungen vermei-
den, nach Teilrupturen keine Knetungen anwenden, Ein-
blutungen könnten verstärkt werden.
4 Seit wann haben Sie die Beschwerden? In der Akutphase
die PECH-Regel (Pause, Eis, C/Kompression, Hochlage-
rung) anwenden.
4 Wann treten die Beschwerden auf? → Erst nach längerem
Gehen (Ursache evtl. eine muskuläre Dysbalance oder
ISG). Schmerz tritt nur bei Anspannung der Adduktoren
auf (Ursache bei den Adduktoren).
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
9 A

. Abb. 1 Heiße Rolle auf L2 . Abb. 2 Triggern der Adduktoren . Abb. 3 Gentle Frictions; Tipp: Als Knie-
rolle dient der Oberschenkel des Thera-
peuten

. Abb. 4 Elektrotherapie . Abb. 5 Dehnungsübung der Adduktoren . Abb. 6 PIR; beginnend in maximaler
auf fester Unterlage, hier in AR; WS in starker schmerzfreier Abduktion spannt der Patient
Hyperlordosierung, dann erst mit Gesäß in sanft in die Adduktion; nach sieben Sekun-
Richtung Ferse gehen den lässt der Patient locker, während der
Therapeut das Bein weiter in Abduktion
zieht

. Abb. 7 PNF; exzentrisches Training für . Abb. 8 Lokales Ausdauertraining in SL . Abb. 9 ISG-Problematik, wenn die Ad-
die Adduktoren mit Hilfe Propriozeptiven oder im Stand, z.B. mit Theraband duktoren beidseits schmerzhaft sind
neuromuskulären Fazilitationen
10 Amputation (mit Prothese)

Amputation (mit Prothese) Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)


A
Was ist das? Ziel Therapie

Zu einer Amputation, Abtrennung eines Körperteils, kommt Gewöhnung an Tragen der Prothese über einen
es durch einen Unfall oder durch internistische Erkrankungen, die Prothese längeren Zeitraum
z.B. Angiopathie (im Rahmen der AVK [7 Kap. AVK] oder als Beinprothese: Stehübungen an der Sprossenwand,
Folgeerkrankung des Diabetes mellitus). Es besteht bei jeder Gehen lernen Gleichgewicht verlagern, Seitwärts-
Verschlusskrankheit in der betroffenen Extremität das Risiko schritte, Gehen mit Stützen
der Amputation, wenn es zu Ischämie und Nekrose kommt. Kräftigung des Bewegungen gegen Widerstand
Sehr selten geworden ist die Amputation nach einer Gas- Stumpfes (Theraband oder Hand des Thera-
brandinfektion. peuten); bei Beinamputation v.a.
in die Extension arbeiten, um den
Formen Gang mit der Prothese zu verbessern
4 Armprothese ADL 4 Beinprothese: Verschiedene
4 Fingerprothese Untergründe, bergauf und -ab,
4 Beinprothese Treppen u.a.
4 Unterschenkelprothese (Beachte: Wurde operativ das 4 Armprothese: Halten, Greifen,
Sprunggelenk anstatt des Knies eingebaut, so können die Geschicklichkeit
Patienten das Knie nur ca. 90° beugen) Pathologien 4 Beinprothese: Manuelle Thera-
4 Sportartspezifische Prothesen (z.B. Schwimmprothese durch Kom- pie des ISG
nach Unterschenkelamputation) pensation 4 Unterarmprothese: Manuelle
verhindern Therapie der Schulter, kranken-
Fragen beim Befund gymnastisches Bewegungs-
programm
4 Seit wann haben Sie die Prothese? Je nach Dauer des Pro-
Beinprothese: Vertrauen zur Prothese aufbauen,
thesetragens muss der Patient lernen, sich mit der Pro-
Gleichgewicht auch bei weichem Untergrund,
these zu arrangieren.
schulen Standbeinaufbau mithilfe von
4 Wie kam es zur Amputation? → Wichtig, wenn es darum
PNF-Armdiagonalen, welche das
geht, ob z.B. das andere Bein auch amputiert werden soll.
Standbein trainieren
Vielleicht kann mit entsprechenden Maßnahmen eine wei-
tere Amputation vermieden oder hinausgezögert werden. Beinprothese: Üben von schnellen Ausweich-
4 Wie kommen Sie mit ihrer Prothese zurecht? Welche Auf- Sturzpro- schritten
gaben müssen Sie mit Ihrer Prothese bewältigen? Ziele phylaxe
festlegen. Beinprothese: Fallen auf Weichbodenmatte,
Falltraining Drehen im Liegen auf der Matte
Untersuchung (Anheben des Beins in der Hori-
zontalen)
4 Bewegungsausmaß der vorhandenen Gelenke testen
4 Funktionstüchtigkeit der Prothese überprüfen (Beinpro- Handprothese: z.B. Federball, Tischtennis
these: Funktioniert die Verriegelung bei voller Streckung?) Sportmöglich-
4 Überprüfung der Kontaktstelle zwischen Körper und Prothe- keiten aufzeigen
se auf Rötung, Schwellung, Wärme, Schmerz, Sensibilität
4 MFP der vorhandenen Muskulatur ! Cave
4 Überprüfung der Muskeln auf Verspannungen Scherbewegungen zwischen Stumpf und Prothese ver-
meiden, weil Gefahr der Stumpfentzündung besteht!
Komplikationen
4 Entzündung/Dekubitus am Stumpf
4 Hohe Sturzgefahr bei Beinprothesen: Je nach Prothesen-
typ kann es sein, dass die Verriegelung im Prothesenknie
bei leicht abschüssigem Gelände nicht zuverlässig funk-
tioniert. Erhöhte Achtsamkeit des Therapeuten und des
Patienten ist erforderlich!
4 Evtl. Phantomschmerz, dann Überweisung an den Schmerz-
therapeuten
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
11 A

. Abb. 1 Junge Sportlerin mit Umkehrpro- . Abb. 2 Verbesserung des Zusammen- . Abb. 3 Auf linkem Bein stehen, rechtes
these links (Z.n. Amputation und Prothesen- spiels beider Beine Bein anwinkeln und in dieser Position mit
versorgung in der Kindheit, ehemaliges OSG dem gesamten Körper in Richtung Trampo-
wurde anstelle des Kniegelenks implantiert). lin kippen. Rechtes Bein fängt das Körper-
Knie kann bis 90° aktiv gebeugt werden. gewicht ab
Dem nicht operierten Bein kommt beson-
dere Bedeutung bei der Sturzprophylaxe zu

. Abb. 4 Linkes Bein tippt im Wechsel auf . Abb. 5 Diese Übung ist mit dem rechten . Abb. 6 Seilzugübungen in verschiedenen
den Boden (Verbesserung der Einschätzung und dem linken Bein möglich. Beide Knie Variationen
Bein-Boden-Abstand) und mit dem Knie ge- sind flektiert. Der Patient versucht, das Brett
gen den Ball (ESTE zu Abb. 1) auszubalancieren

. Abb. 7 Kräftigung aller vorhandenen . Abb. 8 Im Wechsel 10 Wdh. von Abduk- . Abb. 9 Kräftigung aller vorhandenen
Beinmuskeln, hier Kräftigung der Abduk- tion und 10 Wdh. von Flexion in der Hüfte Beinmuskeln, hier Kräftigung der Adduktoren
toren
12 Amputation (ohne Prothese)

Amputation (ohne Prothese) Komplikationen


A
Was ist das? 4 Stürze
4 Muskeldysbalancen am Stumpf
Traumatische und sekundär nachoperierte oder primär ope- 4 Entzündung oder Dekubitus am Stumpf
rative Abtrennung eines Körperteils (z.B. wegen eines primä- 4 Sensibilitätstörungen (Hyperalgesie im Sinne von Phan-
ren Tumors oder einer Metastase). Es ist (noch) keine Prothe- tomschmerz oder Schmerz bzw. Hypästhesie im Stumpf)
se vorhanden (7 Kap. Amputation mit Prothese).
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb.9)
Formen
Ziel Therapie
4 Amputation der Zehe
4 Amputation an der Lysfranc-Linie (zw. den Ossa metacar- ADL Die nicht betroffene Extremi-
palia und Digiti pedis) tät übernimmt die Funktion
4 Amputation an der Chopart-Linie (zw. Kalkaneus und Os (Alltagsbewegung wie z.B.
cuboideum sowie zw. Talus und Os naviculare [Art. tarsi Zähne putzen mit der linken
transversa]) Hand trainieren, wenn rechts
4 Weitere Fußamputationen: amputiert wurde);
5 Bona-Jäger (Trennung zw. Kuboid und Kuneiformia auch Geschicklichkeit des
bei Erhaltung des Kuboids) Stumpfes selbst trainieren
5 Sharp (Talus, Kalkaneus und Os naviculare bleiben Schmerzreduktion Elektrotherapie, Heiße Rolle
bestehen) (über dem Segment), TCM
5 Pirogow (komplette Fußabsetzung, Tuber calcanei wird Beweglichkeit der MT, endgradiges Bewegen
an die Tibiaunterfläche geklappt und heilt als Auftritts- vorhandenen Ge-
und Rollkomponente an) lenke beibehalten
4 Unterschenkelamputation
4 Oberschenkelamputation Beinamputation: Gangschule, Rollstuhltraining
4 Fingeramputation Zurechtkommen mit
4 Unterarmamputation Hilfsmitteln (z.B.
4 Oberarmamputation Stützen, Rollstuhl)
Stumpfdurchblutung Güsse und Bäder, Stumpfmas-
Fragen beim Befund optimieren, Verbes- sage, Bandagierung mit Kurz-
serung der Trophik zugbinden, um Ödembildung
4 Sollen Sie eine Prothese bekommen? zu verringern; Grenzstrang-
4 Wie kam es zur Amputation? → Wichtig, wenn es darum mobilisation mit dem Ziel der
geht, ob z.B. das andere Bein auch amputiert werden soll. nicht-invasiven Sympathiko-
Vielleicht kann mit entsprechenden Maßnahmen eine wei- lyse, möglicherweise Kontrolle
tere Amputation vermieden oder hinausgezögert werden. und Optimierung mittels Puls-
4 Nehmen Sie Medikamente? oxymetrie und Biofeedback
Beachte: Bei Insulin z.B. kann es während der Therapie zu
Muskeldysbalancen Heiße Rolle, PIR (postisome-
einem hypoglykämischen Schock (Unterzucker) kom-
ausgleichen trische Relaxation), Tonussen-
men, immer Traubenzucker bereithalten!
kung mittels Elektrotherapie
4 Wie kommen Sie im Alltag zurecht? Was müssen Sie im
Alltag bewältigen? Einziehungen Narbenmassage
der Stumpfnarbe
Untersuchung verhindern

4 Überprüfung der Beweglichkeit in den vorhandenen Ge-


lenken ! Cave
4 Untersuchung des Stumpfes auf Rötung, Wärme, Schwel- Verhinderung von Muskelatrophien und Dekubitus am
lung, Schmerz, Sensibilität Stumpf!
4 MFP
4 Überprüfung der Muskeln auf Verspannungen
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
13 A

. Abb. 1 Elektrotherapie zur Schmerz- . Abb. 2 Bei Beinamputation: Rollstuhl- . Abb. 3 Falltraining mit dem Rollstuhl
linderung training, Balancieren auf den Rückrädern
kann an der Sprossenwand geübt werden
(mit Seilen), wichtig für Bordsteine

. Abb. 4 Slalomfahren mit dem Rollstuhl, . Abb. 5 Narbenmobilisation am Stumpf, . Abb. 6 Abgewandeltes PNF zur Kräfti-
Drehen auf engem Raum ist wichtig für die Stumpfpflege, Stumpfmassage gung und Koordination des anderen Beins
Wohnung

. Abb. 7 Diagonale Bandagierung eines . Abb. 8 Kräftigung des Stumpfes, be-


Stumpfes (Kornährenverband) sonders der Extensoren; bei älteren Patien-
ten sind diese Übungen aus dem Gehbock
oder Gehbarren besser durchzuführen we-
gen der geringeren Sturzgefahr

. Abb. 9 Gangschule auf verschiedenen


Untergründen, kombiniert mit Übungen zur
Kräftigung der Arme und Schultermuskula-
tur; auf eine Skapuladepression und eine
Retraktion achten
14 Amyotrophische Lateralsklerose (ALS)

Amyotrophische Lateralsklerose (ALS) Komplikationen


A
Was ist das? 4 Verwechslung mit Multipler Sklerose (7 Kap. Multiple Skle-
rose): MS verläuft schubförmig mit Sensibilitäts-, Blasen-
Progressive degenerative Erkrankung des motorischen und Sehstörungen.
Nervensystems. Betroffen sind das erste Neuron im Gehirn 4 Verwechslung mit Rückenmarkstumor oder Verengung
(zentral) und das 2. Neuron im Rückenmark (peripher). Diese im Spinalkanal
Erkrankung tritt im Alter zwischen 40 und 65 Jahren auf und 4 Atemfunktionseinschränkung bis zum Atemstillstand
wird auch bezeichnet als 4 Sturzgefahr
4 Lou-Gehring-Syndrom, 4 Fehlbelastung der Gelenke durch Asymmetrien im Bewe-
4 Motor-Neuron-Disease (MND), gungsapparat
4 myatrophe Lateralsklerose oder 4 Kommunikationsstörungen bis zur Unfähigkeit, sich zu
4 Charcot-Krankheit. artikulieren; psychische Störungen wie Depressionen und
Angstzustände als Folge
Dabei zeigen sich asymmetrische Paresen der proximalen und 4 Kieferklemme (Trismus: der Kiefer kann nicht mehr ge-
distalen Muskulatur und gesteigerte Eigenreflexe. Durch die öffnet werden)
Degeneration motorischer Hirnnervenkerne entwickelt sich
eine sog. Bulbärparalyse (Lähmung im Bereich der Zunge Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
und des Rachens). Ist das Diaphragma betroffen, können
solche Muskellähmungen tödlich verlaufen. Häufig sind Ziel Therapie
Pneumonien, da die Lunge schlecht belüftet wird. Typische
Symptome sind: Pneumonieprophylaxe Atemtherapie
4 Muskelschwäche, Prophylaxe von Motoriktraining der Zunge
4 Muskelschwund (z.B. am Thenar), Sprachstörungen mithilfe von Gummibär-
4 Krämpfe und chen, Lakritze, Cornflakes
4 Muskelzuckungen (z.B. der Zungenmuskulatur). Prophylaxe von Vojta
Schluckstörungen
Formen
Beseitigung von Triggern des M. masseter
4 Mit oder ohne Schluck- und Sprachprobleme (bulbäre craniomandibulären sowie Manuelle Therapie
Symptome) Dysfunktionen (CMD) für den Kiefer
4 Familiäre (genetische) oder erworbene Formen Allgemeine motorische MTT, Gymnastik, Wasser-
4 Armtyp: Schwäche der Handflexoren Aktivierung gymnastik, E-Technik,
4 Beintyp: Schwäche der Peroneus-innervierten Musku- Bobath
latur
Gleichgewicht stabili- Sensomotorisches Training
4 Bulbärtyp: Lähmung der Zungen- und Rachenmuskula-
sieren
tur; zu Beginn erkennt man die Bulbärparalyse an Artiku-
lationsstörungen und später an Schluckstörungen.

Fragen beim Befund ! Cave


4 Wassergymnastik immer nur in Begleitung eines
4 Welche Ausfallserscheinungen sind Ihnen aufgefallen? Therapeuten.
4 Haben Sie häufig Krämpfe verspürt? 4 Psychische Probleme des Patienten ernst nehmen!
4 Können Sie normal essen?
4 Hat sich Ihre Sprache verändert?

Untersuchung
4 MFP im Seitenvergleich
4 Beweglichkeit der großen Gelenke testen, Seitenvergleich
beachten!
4 Atembefund mit Umfangmessung bei maximaler Ein-
und Ausatmung
4 Schluckstörungen, Zungenseitabweichung
4 Ganganalyse (Symmetrie im Gang und Stand testen); häu-
fig Gangstörungen
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
15 A

. Abb. 1 Behandlung des M. masseter bei . Abb. 2 Zungen- und Kiefergymnastik, . Abb. 3 Pneumonieprophylaxe
Symmetrieabweichungen zwischen dem z.B. mit Cornflakes. Cave: Gefahr des Ver-
rechten und dem linken M. masseter, was schluckens
beim Öffnen und Schließen des Mundes
sichtbar und spürbar wird

. Abb. 4 Rumpf und Extremitäten durch- . Abb. 5 Transfer an die Bettkante; der . Abb. 6 Transfer in den Sitz
bewegen; Tipp: Ablegen der Beine auf dem Therapeut hängt sich mit seinem Gewicht
Oberschenkel des Therapeuten – so hat der an das stark gebeugte Knie des Patienten
Therapeut eine Hand frei, um die Knie nach und erleichtert durch die Hebelwirkung die
rechts und nach links zu beugen Bewegung des Gesäßes

. Abb. 7 Transfer in den Stand . Abb. 8 Kniestand mit Festhalten an der . Abb. 9 VFST
Bank
16 Apoplektischer Insult (Schlaganfall)

Apoplektischer Insult (Schlaganfall) Fragen beim Befund


A
Was ist das? 4 Wie lange ist der Schlaganfall her? Je früher die Therapie
beginnt, umso besser die Erfolgschancen.
Ischämie bestimmter Hirnareale. Durch einen ortsständig ge- 4 Wie kommen Sie im Alltag zurecht? Haben Sie ein Ge-
bildeten Thrombus oder einen eingewanderten Embolus kann länder in ihrer Wohnung?
es zur Verstopfung von Blutgefäßen im Gehirn kommen. Am 4 Nehmen Sie Medikamente, z.B. Antikoagulantien (Blut-
häufigsten ist die A. cerebri media betroffen. Ein Schlaganfall verdünner, z.B. Marcumar)?
kann auch durch eine Gefäßruptur (Blutung, Hämorrhagie)
entstehen (ca. 15%). Je früher mit der Therapie begonnen Untersuchung
wird, umso besser sind die Chancen, dass der Patient die ver-
lorenen Fähigkeiten wiedererlernt, denn innerhalb der ersten 4 Neurologische Tests
3 Monate nach Schlaganfall sind die größten Fortschritte zu 4 Wo ist die Grenze zwischen »taub« und »normal empfind-
erzielen. lich« spürbar?
4 Was kann der Patient, und was kann der Patient nicht
Formen mehr?
4 Ganganalyse (in Spätphase)
4 Mit/ohne globale Aphasie (Sprachverlust): Der Patient
kann weder sprechen noch kann er Gesprochenes ver- Komplikationen
stehen.
4 Mit/ohne Broca-Aphasie (motorische Aphasie): Das 4 Absolute Arrhythmie mit Vorhof- (AA bei VF) oder sogar
Sprachverständnis ist vorhanden, der Patient kann aber Kammerflimmern
nur im Telegrammstil antworten; die Motorik ist gestört. 4 Sturzgefahr
4 Mit/ohne Wernicke-Aphasie (sensorische Aphasie): Der 4 Risiko für Rezidiv
Patient kann Gesprochenes nicht verstehen, kann aber 4 Zahlreiche Sekundärerkrankungen, z.B. Pneumonie,
normal sprechen. Kontrakturen, Harnwegsinfekte
4 Mit/ohne amnestische Aphasie: Der Patient hat Wortfin-
dungsschwierigkeiten bei Erinnerungsstörungen. Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
4 Mit/ohne Agraphie: Der Patient kann nicht schreiben.
4 Mit/ohne Alexie: Der Patient kann nicht lesen. Ziel Therapie
4 Mit/ohne Akalkulie: Der Patient kann nicht rechnen.
4 Mit/ohne Apraxie: Der Patient kann einfache Tätigkeiten Prophylaxen Nach Stufenplan der Kliniken
nicht koordiniert ausüben. Fortbewegung er- Rollstuhl, Rollator, Gehbock,
4 Mit/ohne Agnosie (visuelle Agnosie): Der Patient sieht möglichen Einweisung
den Gegenstand, erkennt ihn aber nicht als diesen. Gelenkbeweglich- Passives Bewegen
4 Mit/ohne Anosognosie: Der Patient denkt, er könne auf- keit erhalten
stehen und weiß nicht, dass er einen Schlaganfall hat.
4 Mit/ohne Neglect: Der Patient nimmt eine Körper- und ADL Fingerkoordination, Transfers
eine Raumhälfte nicht wahr. (Bobath)
4 Mit/ohne Harninkontinenz Anbahnen von Be- Vojta, E-Technik, PNF, Bobath,
4 Mit/ohne Wallenberg-Syndrom (Drehschwindel) wegungsabläufen therapeutisches Klettern
4 TIA (transitorische ischämische Attacke): Die Symptome
Finden der eigenen Körperwahrnehmung
bilden sich innerhalb von 24 h zurück.
Mitte
4 PRIND (prolongiertes reversibles ischämisches neurolo-
gisches Defizit): Die Symptome bleiben 24-48 h bestehen.
4 Schwere Insulte (Verschluss oder Blutung) Wichtig
4 Hemiparese (Halbseitenlähmung) Ziel ist es, die Verbindung möglichst vieler Synapsen in
4 Diparese (beide Beine sind gelähmt) verschiedenen Hirnarealen zu fördern. Dabei ist zu be-
4 Tetraparese (beide Arme und beide Beine sind betroffen) achten, dass die Flexibilität im Vergleich zu Kraft, Aus-
dauer oder Schnelligkeit die längste Regenerationszeit
hat (72 h). Wer einmal einen Schlaganfall hatte, lebt mit
erhöhter Gefahr eines Rezidivs.
Die Übungen sollen einfach und auf den Alltag be-
zogen sein.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
17 A

. Abb. 1 SRT im Sitzen. Die linke Hand des . Abb. 2 Gesichtsgymnastik und Mimik- . Abb. 3 PNF in allen Variationen: in SL, zu
Patienten stützt den Rumpf, während die schulung mit einem nassen Wattestäbchen Beginn im Rollstuhl, im Freisitz, im VFST, im
rechte Hand für vielfältige Übungsmöglich- aus der Tiefkühltruhe Kniestand
keiten zur Verfügung steht

. Abb. 4 Greifübungen, die je nach Kraft- . Abb. 5 Fingergeschicklichkeit . Abb. 6 ADL: Zum Beispiel Aufdrehen und
zuwachs in Wiederholungszahl und Schwie- Zudrehen von Flaschen, aber auch Trinken
rigkeit (Festigkeit des Balls) angepasst wer- aus einer Tasse, Greifen des Telefonhörers,
den können Kämmen der Haare, Zähne putzen, auf einen
Tritt steigen etc.

. Abb. 7 Fingerkräftigung mit einem Luft- . Abb. 8 E-Technik nach Hanke in verschie- . Abb. 9 Mattenprogramm: Beginnend aus
ballon denen Ausgangsstellungen der Rückenlage mit PNF-Bewegungen in die
Seit-/Bauchlage, von dort – wie hier zu se-
hen – in den Unterarmstütz, dann in den
Vierfüßlerstand und schließlich in den
Stand; Tipp: Jede dieser ASTEn eignet sich
für weitere Übungen
18 Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)

Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) 4 Haben Sie oft Kopfschmerzen?


A 4 Bei bekanntem Hypertonus: Welche Medikamente neh-
Was ist das? men Sie?
5 Betablocker: Sie hemmen den Sympathikus und sen-
Arterielle Hypertonie oder arterieller Hypertonus ist weltweit ken die Leistungsfähigkeit.
eine der häufigsten Erkrankungen. Die Prävalenz liegt in den 5 Kalziumantagonisten: Die Kalziumkanäle werden
Industrieländern zwischen 10 und 50% der Gesamtbevölke- geblockt, häufiger Hustenreiz und Behinderung der
rung. Man spricht von Hypertonie, wenn der Blutdruck über Atemfunktion.
längere Zeit 140/90 mmHg überschreitet. Der Normalwert be- 5 Diuretika: Salze und Wasser werden ausgeschieden.
trägt 120/80 mmHg (. Abb. 1). Symptome können u.a. sein: Exsikkosegefahr!
4 Schwindel, 5 ACE-Hemmer: Sie hemmen das Enzym Angiotensin,
4 Kopfschmerz, welches das arteriolenverengende Angiotensin II
4 Ohrensausen und bildet.
4 Nasenbluten.
Untersuchung
Formen
4 Blutdruck messen: Zu verschiedenen Tageszeiten und
4 Stressbedingter Hypertonus nach Belastung testen.
4 Familiär bedingter Hypertonus: genetische Disposition 4 Puls tasten: Qualität, z.B. Anschlagstärke (Pulsqualitäten
4 Hormonell bedingter Hypertonus: durch Katecholamine, der TCM) testen.
Glukokortikoide, Aldosteron 4 Gesichtsfarbe: Mund-Nase-Dreieck zeigt eine evtl. Über-
4 Renaler Hypertonus: renininduziert forderung des Patienten.
4 Essentielle Hypertonie: Die Hauptursache ist unklar (mul-
tifaktorielles Geschehen). Komplikationen
4 Sekundäre Hypertonie: Ursache ist eine definierte Krank-
heit, z.B. Nierenerkrankung (renale Hypertonie) oder 4 Schlaganfall (7 Kap. Apoplektischer Insult):
benigner Nebennierenmarkstumor (Phäochromozytom, 5 hämorrhagisch: Niesen, Husten, Pressen
endokrine Hypertonie). 5 thrombotisch: Hypertonie als »silent killer«
4 Isolierte systolische Hypertonie: >140/>90 mmHg 4 Niereninsuffizienz
4 Linksherzinsuffizienz: Ziel ist es, den Blutdruck aggressiv
Der renale Hypertonus wird in drei Schweregrade eingeteilt: auf Normalwerte einzustellen (mit Antihypertonika meh-
rerer Wirkgruppen).
Schwere- Beschreibung 4 Bei lange bestehendem arteriellen Hypertonus schnelle
grad Entwicklung von Arteriosklerose
1 Leichte Hypertonie: 140-159/90-99 mmHg
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
2 Mittelschwere Hypertonie:
160-179/100-109 mmHg
Ziel Therapie
3 Schwere Hypertonie: ≥180/≥110 mmHg
Blutdruck senken Entspannung, Sport, Yoga,
Warmreize, bei Temperatur-
Die isolierte systolische Hypertonie wird in drei Stadien un- wechsel allenfalls milde Kalt-
terteilt: reize einsetzen
Vermeidung hoher Atemtechniken erlernen,
Stadium Beschreibung Spitzenwerte z.B. gähnendes Einatmen
1 Hypertonie ohne Organveränderungen Risikofaktoren MTT, sanftes Ausdauertraining,
2 Hypertonie mit Herzhypertrophie u./o. günstig beein- E-Technik, Entspannung, Yoga
beginnender hypertensiver Retinopathie flussen, z.B. Lipid-
stoffwechsel, Stress
3 Hypertonie mit Organschäden

! Cave
Fragen beim Befund 4 Bei sehr hohen Werten keine starken Kaltreize und
keine intensive Medizinische Trainingstherapie!
4 Sind Ihre Blutfette erhöht? Rauchen Sie, sind Sie Diabe- 4 Erfolge lassen sich mit dem Blutdruckgerät messen.
tiker? Bei starken Schwankungen ist eine 24-h-Messung zu
4 Fühlen Sie sich häufig überlastet? empfehlen.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
19 A

. Abb. 1 Sowohl bei leichtem Hypertonus . Abb. 2 Güsse, z.B. Knieguss, Schenkel- . Abb. 3 Autogenes Training, bevorzugt
als auch bei Hypotonie können regelmäßiges guss oder Unterguss mit geschlossenen Augen
Saunieren oder Winterschwimmen (Eisba-
den) zu einer Normalisierung des Blutdrucks
innerhalb mehrerer Wochen beitragen

. Abb. 4 Qi Gong . Abb. 5 Entspannungsmassage: Jegliche . Abb. 6 Wärme, z.B. Heiße Rolle
Entspannung trägt dazu bei, das vegetative
Nervensystem zu harmonisieren im Sinne
einer Reduktion der adrenergen Reize

. Abb. 7 Bindegewebsmassage . Abb. 8 Sauna, 1- bis 2-mal pro Woche . Abb. 9 Sanftes Ausdauertraining, z.B.
Nordic Walking. Pressatmung verhindern!
20 Arteriosklerose

Arteriosklerose Untersuchung
A
Was ist das? 4 Kleiner Belastungstest (Fahrradergometer)
4 Dopplersonografie
Ablagerungen von Lipoproteinen und Kalksalzen in den
Gefäßwänden der Arterien (. Abb. 1). Diese Ablagerungen Komplikationen
werden in die Intima eingebaut, begleitet von Entzündungs-
prozessen und Fibrosierung. Im Allgemeinen wird übersehen, 4 Ein Aussacken der Gefäße kann tödlich enden (Aneurys-
dass es sich bei der Arteriosklerose um die wahrscheinlich ma als »tickende Zeitbombe«).
häufigste entzündliche Erkrankung weltweit handelt. Die 4 Schwere zerebrale Durchblutungsstörung
Arterien werden spröde und reißen. Somit treten auch konse- 4 Koronare Herzkrankheit (7 Kap. KHK) als kardiale Form
kutive Vernarbungen auf. Passiert dies im Gehirn, kommt es der Arteriosklerose
zur Hirnblutung. Wenn sich durch die Störungen der Gefäß- 4 Niereninsuffizienz als Folge der renalen Gefäßveren-
wandstruktur Aussackungen an den Gefäßen bilden, spricht gungen
man von einem Aneurysma. Durch die verkalkten Fettablage- 4 AVK der Extremitäten, v.a. der Beine, einschließlich
rungen verengen sich die Gefäße, was wiederum die Throm- Wundheilungsstörungen und Ulzera
bose- und die Emboliegfahr steigert. Zu den Risikofaktoren
zählen: Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
4 arterieller Hypertonus,
4 Hyperlipoproteinämie (v.a. der erhöhte LDL-Spiegel), Ziel Therapie
4 Diabetes mellitus und
4 Rauchen. Fetteinlagerung in den Bewegungstherapie,
Gefäßen reduzieren, Nordic Walking, Bewe-
Des Weiteren spielen Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress Körpergewicht redu- gungsbad, Ernährungs-
und genetische Disposition eine Rolle. zieren beratung
Stimulation der Angio- Ausdauertraining
Formen genese
Pressatmung vermeiden Atemtherapie
4 Makroangiopathie: Arteriosklerose an den großen, mitt-
leren und kleinen Gefäßen Stressreduzierung mit Yoga, Qi Gong, Autogenes
4 Mikroangiopathie: Arteriosklerose an den sehr kleinen endokriner Harmonisie- Training, entspannende
Gefäßen/Arteriolen rung Massage

Fragen beim Befund


! Cave
4 Haben Sie Herzstiche? 4 Pressatmung vermeiden. Isometrische Spannungs-
4 Treten häufig Kopfschmerzen oder Schwindel auf? → Dies übungen nur mit Atemanleitung!
deutet auf Zerebralsklerose hin. 4 Arteriosklerose ist prinzipiell reversibel. Bei ent-
4 Ist ein Aneurysma bekannt? sprechender habitueller Umstellung und Physio-
4 Wie ernähren Sie sich? therapie kann der Körper über längere Zeit die Rege-
4 Sind/Waren Sie Raucher? neration vollziehen.
4 Haben Sie ständig kalte Hände und Füße? → Anzeichen
für verengte Gefäße
4 Wie belastungsfähig sind Sie, z.B. beim Wandern?
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
21 A

. Abb. 1 Ein arteriosklerotischer Plaque, . Abb. 2 Ausdauertraining mit Pulskontrolle . Abb. 3 Ausdauertraining mit dem Ziel
bestehend aus Lipoproteinen (v.a. LDL), der Durchblutungsförderung
Kalksalzen und Thrombozyten verengt die
arterielle Strombahn des Blutes

. Abb. 4 Ausdauer als Indoor-Übungen an . Abb. 5 Gymnastik im Wasser . Abb. 6 Gehen im Wasser
Geräten, auch als Hausaufgabe

. Abb. 7 Knieguss . Abb. 8 Schenkelguss

. Abb. 9 Unterguss
22 Asthma bronchiale

Asthma bronchiale 4 Beurteilung des Brustkorbs:


A 5 Trichterbrust (genetisch, schränkt Herz-Kreislauf- und
Was ist das? Atemkapazität ein)
5 Fassthorax (sekundäre Folge eines bereits entstande-
Anfallsweise auftretende Verengung der Atemwege auf- nen Emphysems)
grund eines hyperreaktiven Bronchialsystems. Die Obstruk- 4 Umfangmessungen des Brustkorbs
tion löst dann die Dyspnoe (Atemnot) aus. Auslöser sind 4 Abklopfen (Perkussion) bzw. Abhören (Auskultation) nach
endogene oder exogene Reize wie kalte Luft, Staub, Auspuff- Ein- und Ausatmung, um Diaphragmaaktion und Dia-
gase, Zigarettenrauch, Lösungsmittel, Farben, Umweltgifte phragmastellung zu beurteilen
und Allergene. Die drei Leitsymptome (Herxheimer-Trias, 4 Kutane Lungenzonen beurteilen, evtl. mit BGM behan-
die 3 S) sind wie bei Bronchitis (7 Kap. Chronische Bronchitis) deln
oder COPD 4 Atemgeräusche: Stridor (Oberbegriff für alle hörbaren
4 Spasmus der Bronchien, Ein- und Ausatemgeräusche), Giemen (pfeifendes Aus-
4 Schleim (durch Hyperkrinie), atemgeräusch), Rasselgeräusche (RG, bläschenbedingte
4 Schwellung. Auskultationsgeräusche)

Exspiratorisch tritt ein unterschiedlich starker Bronchiolen- Komplikationen


kollaps auf.
4 Im Notfall Sauerstoffgabe, mitunter Intubation erforderlich
Formen 4 Lungenemphysem (irreversibler Untergang von Alveolen)
4 Status asthmaticus: Der Anfall dauert 12-24 h. Lebens-
4 Allergisches Asthma (»extrinsic asthma«): Das Allergen gefahr!
bewirkt einen Bronchospasmus, ein Schleimhautödem 4 Cor pulmonale: Jede Lungenkrankheit kann das rechte
und ein Überangebot an zähem Schleim (Dyskrinie). Herz überlasten.
Allergene sind z.B. Hausstaub, Pollen und Mehl. 4 Respiratorische Insuffizienz, respiratorische Azidose: un-
4 Nicht-allergisches Asthma (»intrinsic asthma«): Infek- zureichende Zufuhr von O2 und Abfuhr von CO2
tion, Stress, Angst, Abgase, Rauch und kalte Luft.
4 Belastungsasthma Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)

Fragen beim Befund Ziel Therapie


Produktives Training der Hustentechnik
4 Wann hatten Sie ihren letzten Asthmaanfall, und wie
Husten üben
wurde er behandelt? → Wichtig, um bei einem Asthma-
anfall schnell Hilfe leisten zu können. Exspirations- Klopfungen, Phonationsübun-
4 Nehmen Sie Medikamente? fördernde gen: Ausatmen auf a-e-i-o-u
5 (Inhalative) Glukokortikoide mit entzündungshem- Maßnahmen
mender Wirkung, Vermeidung von Körperwahrnehmung
5 Sympathomymetika (verengen die Bronchien), Pressatmung
5 Theophyllin mit bronchienerweiternder Wirkung,
Entspannung, Yoga, progressive Muskel-
5 Antibiotika (bei Infektionen), zusätzlich werden
Stressabbau relaxation nach Jacobson,
manchmal noch Sekretolytika (z.B. Ambroxol®) und
Tai Chi, Akupressur
Mukolytika verabreicht, welche den zähen Bronchial-
schleim verflüssigen. Verbesserung der Ausdauertraining, Nordic
4 Wurde ein Lungenfunktionstest durchgeführt? → Aus- Ausdauer zur Har- Walking, Schwimmen,
kunft über Atemvolumina und -kapazitäten. monisierung der Wandern
4 Wann, wie oft und bei welcher Belastung haben Sie Hus- Atemmechanik
tenanfälle? Optimierung Manuelle Therapie (1. Rippe,
4 Haben Sie Knöchelödeme? → Hinweis für Rechtsherzin- der Thoraxbeweg- Rippenwirbelgelenke C3-C5, ent-
suffizienz (keine Überkopfübungen) als Folge der Lungen- lichkeit sprechend dem Austritt des N.
krankheit (Cor pulmonale). phrenicus)
Schleim lösen Drainagelagerungen: Drehdehn-
Untersuchung lagerung; viel trinken
4 Diaphragma, wahrscheinlich Hochstand Parasympathikus Heiße Rolle auf Wirbelsäule
4 Atmung beobachten: Wo atmet der Patient hin? fördern (C3-C5, Th1-Th11), warme Bä-
4 Interkostalräume: Starker Husten(reiz) induziert Hyper- der, Sauna, Infrarot-A-Bestrah-
algesie. lung, Fango o.a., heiße Packungen
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
23 A

. Abb. 1 Üben einer kontinuierlich kraft- . Abb. 2 Atemerleichternde Stellungen . Abb. 3 Übungen am Seilzug; in den
vollen Ausatmung, z.B. beim Hochpusten (Torwartstellung) Pausen nimmt der Patient atemerleich-
eines Wattetupfers; dabei Vermeiden einer ternde Stellungen ein, wie hier mit Abstüt-
ruckartigen Thoraxbewegung, um ein Air- zen des Oberkörpers auf einem Pezziball
trapping zu verhindern

. Abb. 4 Phonationslaute, z.B. Summen . Abb. 5 Diaphragma mobilisieren . Abb. 6 Atemmassage, z.B. Brustkorb-
»wie eine Biene«, kombiniert mit Klop- schnellen, um evtl. Verklebungen der Pleu-
fungen auf dem Thorax rablätter zu lösen bzw. das Aneinanderglei-
ten der Pleurablätter zu fördern

. Abb. 7 Kinesiotape, dabei 75% Zug beim . Abb. 8 Drehdehnlagerung, kombiniert . Abb. 9 Rippenmobilisation in SL: Beto-
beidseits simultanen Anlegen mit Hänge- und Packegriffen nung der AA

! Cave ! Cave
4 Behandlung nur im anfallsfreien Intervall durchfüh- 4 Ein Nachpressen beim Ausatmen vermeiden (könnte
ren! Während der Therapie sollte das Asthmaspray evtl. einen Spasmus verstärken).
immer bereit liegen. 4 Übungen im Wasser können je nach Wassertiefe den
4 Wenn der Patient besonders kräftig und ruckartig Thoraxwiderstand erhöhen und durch die hohe Luft-
ausatmet, kann es zum Airtrapping (Bronchiole feuchtigkeit eine verbesserte Sekretolyse bewirken.
schnürt sich selbst ab) kommen!
24 Ataxie

Ataxie Untersuchung: (zerebelläre) Ataxietests


A
Was ist das? 4 Finger-Nase-Versuch: Patient in RL, der Arm ist 90° ab-
duziert und gestreckt. Der Zeigefinger soll zur Nase ge-
Ataxie (griech.: »ataxia«) bedeutet wörtlich übersetzt »Unord- führt werden, 3-mal mit geöffneten, 3-mal mit geschlos-
nung«: Der Patient führt keine geradlinigen Bewegungen aus, senen Augen, mit dem anderen Arm wiederholen; auch
weil das muskuläre Zusammenspiel nicht koordiniert werden zur Beurteilung einer Dysmetrie.
kann. Es kommt zu Störungen der Gleichgewichtsregula- 4 Finger-Finger-Versuch: Patient in RL. Beide Zeigefinger
tion und der Bewegungskoordination. Häufigste Ursache sollen sich vor dem Gesicht treffen, mit geschlossenen Au-
von Ataxien sind Erkrankungen des Kleinhirns. Es gibt auch gen wiederholen; Dysmetrie-Beurteilung.
die spinale und die sensible Ataxie. Ein Tumor z.B. kann 4 Knie-Hacke-Versuch: Patient in RL. Die Ferse des einen
Schädigungen des Kleinhirns, des Rückenmarks oder der peri- Beins fährt das Schienbein des anderen Beins entlang,
pheren Nerven verursachen. bis die Kniescheibe erreicht ist; 3-mal mit offenen, dann
3-mal mit geschlossenen Augen, dann Beinwechsel.
Formen 4 Barany-Folgeversuch: Patient in RL. Der Therapeut fährt
mit dem Zeigefinger willkürlich durch den Raum, der Pa-
Form Ursache tient folgt mit seinem Zeigefinger im Abstand von 4 cm.
4 Rebound-Phänomen und Nystagmus
Neurale Ataxie Polyneuritis
4 Beurteilung des freien Sitzes: Patient hat keinen Fußkon-
Spinale Sensible Ataxie bei chronischer takt und stützt sich nicht mit den Händen ab; erschwerend
(Hinterstrang-) Alkoholvergiftung, Multiple Skle- können die Hände des Patienten auch in die Schlafwand-
Ataxie rose, Wirbelkörpermetastasen, Tu- lerposition gebracht werden.
moren im Rückenmark (eher selten) 4 Romberg-Test: Patient stellt die Füße dicht nebeneinander
Vestibuläre Gestörtes Gleichgewicht (oder voreinander=Tandem-Test), Arme in Schlafwand-
Ataxie lerposition. Erst mit geöffneten, dann geschlossenen Au-
Zerebelläre Erworben: z.B. Durchblutungsstörun- gen wird die Standsicherheit über 30 sec getestet.
Ataxie gen, Blutungen, Thromben, Emboli 4 Gekreuzter Romberg-Test: Beine überkreuzt; erst mit
Genetisch bedingt: autosomal-domi- offenen, dann mit geschlossenen Augen.
nante zerebelläre Ataxien 4 Unterberger-Tretversuch: Augen geschlossen. Patient
Zerebrale Ata- Ursache wie bei zerebellärer Ataxie macht ca. 30 Schritte auf der Stelle, Therapeut achtet auf
xie (oft Halb- Rhythmusabweichungen: Rotiert der Patient? Verlässt er
seitenataxie) den Startpunkt?
4 Diadochokinese testen: Wechsel von Agonisten und An-
Friedreich- Autosomal-rezessiver Gendefekt auf
tagonisten.
Ataxie dem 9. Chromosom (Heredoataxie);
nur die Beine sind betroffen
Komplikationen
Ataxia tele- Autosomal-rezessive Heredo-Ataxie,
angiectatica veränderter Genabschnitt auf dem 4 Sturzgefahr: Patient muss evtl. aufgefangen werden.
11. Chromosom
Refsum- Autosomal-rezessiver Gendefekt Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
Syndrom (peroxisomale Stoffwechselstörung
mit Akkumulation einer gesättigten
verzweigt-kettigen Fettsäure, die zu Ziel Therapie
Retinopathia pigmentosa, Nacht- Verbesserung Stereotypes Durchführen einer Gang-
blindheit, Polyneuropathie, grauem des Gangbilds phase mit PNF-Armbewegungen
Star, grünem Star, Hörverlust, Kar-
Tonus der Mus- Therabandübungen
diomyopathie, Fischschuppenhaut,
kulatur erhöhen
Epiphysenmissbildungen etc. führt)
ADL Hohe Wiederholungszahlen einer
Rumpfataxie Stehen und Sitzen ist eingeschränkt,
Bewegung wie z.B. Tasse zum Mund
im Unterschied zur Stand- und
führen
Gangataxie. Es gibt auch eine Ataxie
v.a. bei Zielbewegungen Gleichgewicht VFST auf Matte, Liege mit diago-
verbessern nalem Abheben der Extremitäten;
Gang-, Stand-, Sitzübungen; E-Tech-
Fragen beim Befund nik; Heben von Gegenständen

4 Gibt es Erbkrankheiten in Ihrer Familie? → Ataxien sind


häufig Erbkrankheiten.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
25 A

. Abb. 1 PNF-Mattenprogramm . Abb. 2 VFST mit PNF am Arm kombi- . Abb. 3 Gewichtsverlagerung an der Bank-
nieren, diagonal Arm und Bein abheben, kante für die Behandlung einer Standataxie
Rocking

. Abb. 4 Für Rumpfataxie: Ein Bein nach . Abb. 5 Schinkengang für Rumpfataxie . Abb. 6 Auf Airex-Matte stehen, mit PNF-
hinten auf die Bank legen und wieder nach Armpattern kombinieren. Zur Sicherheit ist
vorne bringen. Variation: Arme dabei zur immer die Bank im Hintergrund
Decke strecken

. Abb. 7 Therabandübungen mit Bank im . Abb. 8 Bank durch den Raum schieben . Abb. 9 Auf zwei umgedrehten Kreiseln
Hintergrund zum Stützen gehen, wobei der Patient die Kreisel am Bo-
den entlangschleift

! Cave
4 Alle Übungen zur optischen Kontrolle vor dem
Spiegel durchführen!
4 Zweckmäßigkeit der Hilfsmittel bedenken (z.B.
besser ein Gehbock als Unterarmstützen)!
26 AVK (Arterielle Verschlusskrankheit)

AVK (Arterielle Verschlusskrankheit) Untersuchung


A
Was ist das? 4 Bei AVK am Arm: Ratschow-Test (. Abb. 1): Hände über
dem Kopf öffnen und schließen, bis Schmerzen auftreten;
Die Arterie ist durch einen Thrombus verstopft. Es entsteht 2/3 der so ermittelten Zeit werden als Belastungszeit in der
eine Sauerstoff- und Substratminderversorgung, einher- Therapie verwendet, ergänzend Wiederdurchblutungstest
gehend mit ischämischen Schmerzen (beim Bein: Claudicatio bei hängenden Armen
intermittens, Schaufensterkrankheit, intermittierendes 4 Bei AVK am Bein: Ratschow-Test (. Abb. 2): Füße im
Hinken) und nach Überschreitung der warmen Ischämiezeit Wechsel von Dorsalextension in Plantarflexion bewegen,
bzw. zu hohem Sauerstoff- und Substratverbrauch mit einer ergänzend Wiederdurchblutungstest im Sitz
Nekrose. Besonders häufig ist die AVK des Beins. 4 Wärme/Kälte der Haut testen
4 Hautelastizität und Hautturgor (Trophik) beurteilen
Formen 4 Hautirritationen
4 Farbe der Haut, auch unter Belastung
4 AVK Bein: häufig Unterschenkel, seltener Oberschenkel 4 Puls und Blutdruck, ggf. EKG-Befund einholen, Bein-
oder Fuß und Fußpulse (bzw. Armpulse) beidseits testen
4 AVK Arm
4 AVK häufig generalisiert: Zerebral-, Nephro- und Koro- Komplikationen
narsklerose, einhergehend mit Verengungen
4 Von einer systemischen Arteriosklerose ist auszugehen.
Die AVK wird in 4 Stadien unterteilt: Zu beachten sind mögliche
5 KHK,
Stadium Beschreibung 5 arterielle Hypertonie,
1 Manchmal schon Irritationen im Bein, 5 Myokardinfarktgefahr,
sonst symptomlos 5 Z.n. Myokardinfarkt bzw. Herzinsuffizienz,
5 erhöhtes Schlaganfallrisiko.
2A Belastungsschmerz bei schmerzfreier
Gehstrecke länger als 200 m
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1– Abb. 9)
2B Belastungsschmerz bei schmerzfreier
Gehstrecke kürzer als 200 m
Ziel Therapie
3 Ruheschmerz. Beachte: Keine Bewegungs-
therapie mehr an betroffener Extremität, Beschwerdefreie Lauf- Gangschule, Stepper,
denn O2-Mangel würde verstärkt werden. strecke verlängern Radfahren
Möglich ist die Therapie anderer Regionen, Stadium 1/2: Kreislauf Güsse
um dort die Thrombosegefahr zu mindern anregen, Gefäßtraining
4 Gangrän oder Amputation (7 Kap. Ampu- Verbesserung der loka- Ausdauertraining,
tation); Physiotherapie zur Stumpfbehand-
len Ausdauer nur aerob!
lung und Hilfsmitteleinweisung
Verbesserung der sys- Wandern, Nordic Walking,
! Cave temischen Ausdauer Schwimmen, Ergometer-
Stadium 1 und 2 sind vorrangiges Behandlungsfeld der bzw. Leistungsfähigkeit training, MTT
Physiotherapie. In Stadium 3 sind lokale Bewegungs- Verbesserung des Haut- Hautpflege (rückfettende
übungen kontraindiziert! zustandes Creme oder Salbe, Bäder, Öl)

Fragen beim Befund


! Cave
4 Welche Medikamente nehmen Sie? → Medikamente allein Keine Dehnungen der Muskulatur und keine Massagen,
erbringen faktisch keine Heilung, können aber akute Bes- wenn klinische Hinweise auf zusätzliche venöse Thromben
serung oder Verringerung der Risikofaktoren erzielen. bestehen.
Echte, wenn auch langsame Reversibilität ist nur mittels
Physiotherapie möglich, da nur durch Sport die Ausbil- ! Cave
dung von Kollateralen und Anastomosen gefördert wird. In der Behandlungskette (Stadium 2) ist die Betreuung
4 Haben Sie Beschwerden in der kontralateralen Extremität? durch den Physiotherapeuten besonders wichtig, die
4 Ernähren Sie sich lipidarm oder lipidreich, sind Sie Dia- Reversibilität ist noch möglich. In die Behandlung sollte
betiker? der gesamte Organismus einbezogen werden, da i.d.R.
4 Kommen AVK und/oder Hyperlipoproteinämie familiär eine generalisierte Arteriosklerose mit Extremitätenprob-
gehäuft vor? lemen und internistischen Defiziten vorliegt.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
27 A

. Abb. 1 Ratschow-Test am Arm: Die Hän- . Abb. 2 Ratschow-Test am Bein: Füße im . Abb. 3 MTT, Laufband: Zeit messen bis
de bei erhobenen Armen im Wechsel öffnen Wechsel von Dorsalextension in Plantarfle- zum ischämischen Schmerz. Von dieser Zeit
und schließen, ergänzend Wiederdurchblu- xion bewegen, ergänzend Wiederdurchblu- 1/3 abziehen und dies als Trainingsparame-
tungstest bei hängenden Armen tungstest im Sitz ter nehmen

. Abb. 4 Wegstreckentraining: Weg mes- . Abb. 5 MTT: Sitzfahrrad: Zeit messen bis . Abb. 6 MTT: Fahrradergometer: Zeit mes-
sen bis zum ischämischen Schmerz. Von der zum ischämischen Schmerz. Von der Zeit 1/3 sen bis zum ischämischen Schmerz. Von der
Strecke 1/3 abziehen und dies als Trainings- abziehen und dies als Trainingsparameter Zeit 1/3 abziehen und dies als Trainingspara-
parameter nehmen nehmen meter nehmen

. Abb. 7 MTT: Stepper: Zeit messen bis . Abb. 8 MTT: Ruderergometer: Zeit mes- . Abb. 9 Ab Stadium 3 Pneumonieprophy-
zum ischämischen Schmerz. Von der Zeit 1/3 sen bis zum ischämischen Schmerz. Von der laxe, Atemlenkung; in dieser Phase hoch lie-
abziehen und dies als Trainingsparameter Zeit 1/3 abziehen und dies als Trainingspara- gende Beine
nehmen meter nehmen
28 Bandscheibenvorfall (LWS)

Bandscheibenvorfall (LWS) sacht durch Reizung von Rezeptoren im Lig. longitudinale,


Druck des Diskus oder seines ausgetretenen Materials (Seques-
Was ist das? ter) auf die Nervenwurzeln (rechts, links oder beidseits), im
schlimmsten Fall durch Druck auf die Medulla spinalis selbst.
B Verschiebung der Bandscheibe (BS, Discus intervertebralis) Weiterhin tragen Irritationen weiterer Bänder, der Dura mater
nach ventral oder nach dorsal, wobei der Nucleus pulposus und der Facettengelenke infolge von Höhenverminderung
durch Schwachstellen in den ihn umgebenden Fasermantel und Lockerung im betreffenden Segment zu den Beschwer-
(Anulus fibrosus) drückt und die Fasern des Anulus fibrosus den bei. Ein Sequester kann sich verlagern, z.B. auf die Höhe
partiell oder komplett zerreißt: eines tieferen Segments abrutschen und dort Druck ausüben.
4 Beim eigentlichen Prolaps (Vorfall) verlagert sich die Die Symptome hängen von der individuell variablen Weite des
Bandscheibe und zerreißt das Lig. longitudinale poste- Spinalkanals ab. Zusätzlich können entzündliche Prozesse
rius bzw. anterius. des Diskus schwere Symptome auslösen (eigenständiger
4 Die Protrusio (Vorwölbung) bezeichnet eine Verlagerung Krankheitsbegriff: Diszitis). Ein BS-Vorfall bzw. eine Vorwöl-
des Discus intervertebralis ohne Zerreißung der Ligg. lon- bung ist in der HWS und LWS häufig, nicht aber in der BWS.
gitudinalia.
Wichtig
Die Symptomatik ist nicht immer mit dem Grad der Verlage- Die häufigsten BS-Vorfälle treten auf in der
rung bzw. dem Auftreten von Protrusio oder Prolaps korre- 4 LWS in Höhe von L4-L5 und L5-S1,
liert, d.h., eine geringe Protrusio kann starke Beschwerden 4 HWS in Höhe von C5-C6 und C6-C7.
verursachen, oder ein Prolaps mit Austritt des Nucleus pulpo-
sus (Sequesterbildung) erscheint schmerzfrei. Die Beschwer- Bei dem seltenen BWS-Vorfall ist der Schweregrad be-
den sind stärker, je deutlicher die Verlagerung und die evtl. sonders hoch (z.B. partielle Querschnittslähmung).
Zerstörung der Bandscheibe ist. Beschwerden werden verur-

Einteilung

Schädigung Beschreibung
Prolaps Die den Anulus durchtretende BS drückt auf einen oder beide Spinalnerven, je nach Rotationsbewe-
gung beim Durchtritt (einseitige Kompression ist häufiger). Ein Teil des BS-Gewebes kann sich ablösen
und in den Spinalkanal wandern (Sequester). In jedem Fall entsteht ein Engpass in mindestens einem
Foramen intervertebrale der Wirbelsäule (WS), der sensible und motorische Störungen verursacht
Protrusion Die BS wölbt sich nach ventral oder dorsal, ohne den Anulus völlig zu zerreißen. Beachte: Protrusion
und Prolaps können bei ventralem Verschieben asymptomatisch verlaufen, da das Lig. longitudinale
anterius wenig Schmerzrezeptoren aufweist.
Pendelprolaps Zeitweise auftretender BS-Vorfall nach endgradiger, ruckartiger Bewegung; im MRT nicht immer
sichtbar, falls zum Diagnostikzeitpunkt die Belastung nicht vorliegt

Infrage kommt eine konservative oder operative Therapie. Bei 4 Haben Sie Beschwerden beim Husten, Niesen, Pressen?
Z.n. OP ist die Kenntnis über die OP-Methode (Nukleotomie: Wenn nicht, besteht evtl. eine andere Ursache.
Diskektomie, Spondylodese, Chemonukleolyse etc.) wichtig.
Ist Rotation erlaubt? Absprache mit dem Arzt. Untersuchungen

Fragen beim Befund 4 Status Bindegewebe (Kiblerfalte)


4 Gibt es sensible oder motorische Probleme? Dermatome
4 Der wievielte BS-Vorfall ist dies? Wurden Sie schon ein- (. Abb. 1, 2) und Kennmuskeln (. Tab. 1), Fußheber sowie
mal an der WS operiert? Wurden bei Ihnen Wirbelseg- einbeinigen Zehenspitzenstand testen
mente versteift (Spondylodese-OP)? → Erklärung für neue 4 Muskeltonus erhöht oder erniedrigt
BS-Probleme 4 MFP
4 Bestehen andere WS-Erkrankungen (z.B. Morbus Bech- 4 Ist die Narbe verklebt?
terew [7 Kap. Morbus Bechterew], Morbus Scheuermann, 4 Lasègue-Zeichen positiv: Schmerzen von der Oberschen-
Osteoporose)? kelrückseite bis in die LWS bei der Dehnung des N. ischia-
4 Wie weit strahlt Ihr Bandscheibenvorfall aus? → Je weiter die dicus (Bein wird gestreckt, in Hüfte gebeugt)
Symptomatik sich von der Wirbelsäule entfernt, umso stärker 4 Testen, ob Schmerzentlastung bei Traktion; wenn nicht,
ist der Druck auf die Nervenwurzel. Die Rückläufigkeit einer Kompression versuchen
Ausstrahlung ist immer ein Zeichen für eine Besserung. 4 ISG
4 Wie lange ist Ihr BS-Vorfall oder Ihre BS-OP her?

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_2,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
29 B

. Abb. 2 Dermatome C1-Th2. Gelb: C1, C2. . Abb. 3 Fango: Je nach Behandlungs-
Orange: C2. Rot: C3. Hellblau: C4. Grün: C5. konzept die Beine hochlagern oder nicht
Braun: C6. Grau: C7. Gelb-orange: C8. (auch in Bauchlage möglich: Fango liegt auf
Rosa: Th1. Lila: Th2 dem Rücken statt unter dem Rücken)

. Abb. 1 Dermatome L1-S5: Vorder- und


Rückseite der unteren Extremitäten. Gelb:
L1. Orange: L2. Rot: L3. Blau: L4. Grün: L5.
Rosa: S1. Lila: S2. Hellblau: S3. Braun: S4.
Weiß: S5. Das jeweilige Dermatom über-
lappt meist das Nachbardermatom um 5%

. Abb. 4 MT nach Mulligan: Extension oder . Abb. 5 Therapie nach McKenzie: Im Akut-
Lateralflexion mithilfe eines Bademantelgür- fall stündlich 10 Wdh., je nach Art des Vor-
tels (wickelt man den Gürtel in ein Theraband, falls Übungen auswählen – hier Vorfall nach
so rutscht es weniger); auch im Stand möglich dorsal

. Abb. 6 Extension im Stand . Abb. 7 Extension mit Gurt, welcher um . Abb. 8 Traktion in allen Formen
ein Brett gewickelt ist

. Abb. 9 Bei HWS-BSV: Schlingentisch . Abb. 10 Elektrotherapie . Abb. 11 Bei Fußheberschwäche als Haus-
für zu Hause: abgeschlossene Tür, Kleiderbü- aufgabe Dorsalextension gegen Widerstand
gel, Koffergurt
30 Bandscheibenvorfall (LWS)

Wichtig
Differenzialdiagnostik (evtl. Arztkonsultation erforderlich): 4 Enger Spinalkanal (s. Röntgenbild) bzw. Osteophyten im
4 Schädigung von peripheren Nerven Spinalkanal
B 4 Verdacht auf Tumor, z.B. in Kombination mit schneller 4 Reithosenphänomen
Gewichtsabnahme (Red Flag!) 4 Beginnende Blasen- und Mastdarmschwäche (Cauda
equina-Syndrom)

Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 3–Abb. 20)

Ziel Therapie
Schmerzlinderung Heiße Rolle auf das Segment, Fango (nach OP Rücksprache mit Arzt), Elektrothera-
pie, Traktion oder Kompression (Beachte: nicht bei Versteifung zweier Segmente)
Stabilisierung Brunkow, bauchwärts mit Oberkörper auf Ball und Rückenspannung aufbauen,
wie im VFST ein Bein und ein Arm abheben (der Ball dient der Unterstützung)
Herstellen der Funktionalität Manuelle Therapie (ISG, LWS), hubfreie Mobilisation, PNF-Beckenpattern, Bewegun-
gen im Wasser (Abnahme der Schwerkraft), Transfers üben, PNF-Mattenprogramm,
Triggern von z.B. M. piriformis
Kräftigung der Rücken- und Gymnastikübungen, bei der die Wirbelsäule keinen extremen Belastungen ausgesetzt
der Bauchmuskulatur ist (Rücksprache mit dem Arzt hinsichtlich Beübung der Rotation)
Vermeidung eines erneuten Haltungswahrnehmung und -schulung, MTT, Training der ADL
Bandscheibenvorfalls

. Tab. 1 Schematische Darstellung von Kennmuskeln, Reflexen und Dermatomen

Kennmuskel Reflex Dermatom

C1 Subokzipitale Muskulatur
C2 M. sternocleidomastoiedus
C3 M. trapezius, M. levator scapulae, Hypästhesie im Schulterbereich
Mm. rhomboidei und Diaphragma
C4
C5 M. deltoideus, M. supraspinatus BSR abgeschwächt Hypästhesie oberhalb des M. deltoideus
C6 M. biceps brachii, M. extensor carpi BSR und Ausfall des Den Radius entlang bis zum Daumen
radialis, M. brachioradialis Radiusperiostreflexes
C7 M. triceps brachii, M. flexor carpi radialis, TSR Dermatom laterodorsal vom C6-Dermatom,
M. opponens pollicis, M. pronator teres zum 2.-4. Finger ziehend (insbes. 3. Finger)
C8 M. abductor digiti minimi, M. flexor carpi TSR Über der Membrana interossea (dorsal)
ulnaris, M. extensor pollicis longus, zum kleinen Finger
M. adductor pollicis, M. abductor pollicis
Th1 Mm. interossei palmares und dorsales,
M. adductor digiti minimi
Th2-Th12 Mm. intercostales externi und interni
L1 M. psoas major
L2 Adduktoren
L3 M. quadriceps femoris PSR fehlt oder ist abgeschwächt Diagonal über den ventralen Oberschenkel
bis zum Condylus medialis
L4 M. tibialis anterior, M. vastus medialis PSR fehlt oder ist abgeschwächt Patella und Innenseite des Unterschenkels
L5 M. extensor hallucis longus Tibialis posterior-Reflex Fußrücken und Großzehe
S1 M. triceps surae und Mm. peronei ASR fehlt oder ist abgeschwächt Ferse, Kleinzehe
S2 M. gluteus maximus, ischiokrurale Gesäß, mediodorsale Seite des Ober-
Gruppe schenkels, Ferse
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
31 B

. Abb. 12 Aktivierung der autochthonen . Abb. 13 Hubfreie Mobilisation . Abb. 14 Schnelle, kleine Bewegungen
Rückenmuskulatur (Arme bewegen sich mit den Armen, wobei der Rumpf sich nicht
schnell auf und ab, der Rumpf soll sich mög- mitdrehen soll. Als Hausaufgabe mit Thera-
lichst nicht mitbewegen) band möglich

. Abb. 15 Rumpfkräftigung . Abb. 16 Seilzugübungen, z.B. PNF-Dia- . Abb. 17 PNF aus VFST
gonalen

. Abb. 18 Klimmzüge: Wenn der Patient . Abb. 19 Rudergerät: Darauf achten, . Abb. 20 Rotation erst nach völliger Be-
nicht kräftig genug ist, dann mit Klimmzug- dass bei LWS-BSV der Sitz möglichst hoch schwerdefreiheit und mit wenig Gewicht
Maschine. Dadurch sind höhere Wiederho- eingestellt ist
lungen möglich (Stoffwechselanregung)

! Cave 4 Für viele Patienten ist es einfacher, aufrecht zu sitzen


Die Vielfalt der symptomauslösenden Faktoren erfordert (z.B. Keilkissen, Sitzhöhe an den Geräten).
eine besonders sorgfältige Differenzialdiagnostik (Mög- 4 Den Oberkörper bei der Beinpresse eher flach ein-
lichkeit der Verwechslung mit z.B. Piriformissyndrom oder stellen, um einen Rundrücken zu vermeiden (Kissen
ISG-Blockierung). in die LWS).
4 Jede Beschwerdezunahme während der Therapie
! Cave sollte sehr ernst genommen werden. Sie kann folgen-
4 Bei allen Übungen auf eine langsame und saubere de Gründe haben:
Ausführung achten. – akute Überforderung,
4 Stauchungsbelastungen vermeiden. – Störung oder Verminderung der Heilung und
4 Bei der MTT die Geräte und Übungen so auswählen, – nicht erkannte pathogenetische Prozesse (Red
dass ein Rundrücken vermieden wird. Flags!).
32 Beckenfrakturen

Beckenfrakturen Komplikationen

Was ist das? 4 Zustand nach Nervenläsionen und Verletzungen im


harnableitenden System und Darm
B Knochenbrüche am Becken passieren oft durch Verkehrsun- 4 Verkalkte Hämatome
fälle, Sturz aus der Höhe (z.B. vom Gerüst oder von der Leiter) 4 Probleme bei Schwangerschaft und Geburt nach Becken-
oder Sturz in der Ebene. Es gibt stabile, rotationsinstabile frakturen junger Frauen/Mädchen
und rotations- sowie vertikal instabile Frakturen; die Eintei-
lung erfolgt nach Lokalisation. Die instabilen Frakturen gehen Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 6–Abb. 9)
manchmal mit Verletzungen von Gefäßen, Nerven und inne-
ren Organen einher. Ziel Therapie

Formen Stabilisierung Brunkow


Dekubitus- und Pneu- Sanfte Umlagerung (nicht
4 Beckenrandfrakturen: monieprophylaxe auf die betroffene Seite),
5 Kreuzbeinbruch (Fractura ossis sacri) Atemtherapie
5 Schambeinbruch (Fractura ossis pubis) Anbahnung Standbein In der Frühphase: PNF mit
5 Sitzbeinbruch (Fractura ossis ischii) ohne Belastung den Armen
5 Darmbeinschaufelbruch (Fractura ossis ilii, Fractura
alae ossis ilii) (. Abb. 1) Mobilität und Funk- Später PNF mit den Beinen
4 Beckenabrissfrakturen: tionalität der Beine,
5 Abrissfraktur der SIAS Standbeinaufbau
5 Abrissfraktur der SIAI Beweglichkeit verbessern Bewegungsbad, Übungen
5 Abrissfraktur des Tuber ischiadicum gegen sanften Widerstand,
4 Beckenringfrakturen: Durch Überfahren werden, Stürze z.B. Extension in der Hüfte
oder Einklemmen, Verletzungen des harnableitenden Sys- mit Theraband
tems oder des Darms sind möglich (. Abb. 2).
Hüftgelenkkapsel weiten Traktion in der Hüfte
5 Sprengung der Iliosakralfugen, hintere Beckenring-
(z.B. nach Azetabulum-
fraktur
fraktur)
5 Symphysenruptur
5 Vordere Beckenringfraktur: Frakturen von Sitz- und Schmerzlinderung Lagerung in 30° Hüftab-
Schambeinast duktion und -flexion (mit
5 Malgaigne-Fraktur: Vordere und hintere Vertikalfrak- Knierolle), Elektrotherapie,
tur (. Abb. 3) TCM, Heiße Rolle
5 Schmetterlingsfraktur: Beidseitige vordere Ringfrak- Mobilität der LWS, PNF-Beckenpattern,
tur, Symphysensprengung möglich (. Abb. 4) exzentrische Toleranz Triggern des M. quadratus
4 Azetabulumfrakturen (Pfannendachfraktur, dorsaler des M. quadratus lumborum
Pfeiler, ventraler Pfeiler [. Abb. 5], Querfraktur) lumborum verbessern

Fragen beim Befund Kraftaufbau MTT, Aquajogging im


tiefen Wasser, Schwim-
4 Um welche Form von Beckenfraktur handelt es sich? men, Bewegungsbad (nur
4 Wie wurde der Bruch versorgt (Art der Osteosynthese)? für versierte Schwimmer,
4 Wie lange ist der Unfall her? Welches Belastungsregime da abrupter Bodenkontakt
wurde festgelegt? riskant ist)
4 Sind bei Ihnen innere Organe/Gefäße/Nerven verletzt Physiologisches Gang- Gangschule, Gehen auf
worden? bild wiederherstellen Laufband

Untersuchung
! Cave
4 Bewegungsausmaß in Hüfte und Rumpf; Sitzen, Stehen, 4 Bei Beckenringfrakturen keine Scherkräfte unter
Gehen testen Last und keine Stauchungen!
4 MFP der Bauch- und Rückenmuskulatur, der Oberschen- 4 Bei Abrissfrakturen anfangs keine Beübung der dort
kel- und der Glutealmuskulatur ansetzenden Muskeln!
4 Mobilität in den ISG
4 Nerventests (N. femoralis, N. ischiadicus)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
33 B

. Abb. 1 Kreuzbeinfraktur (rot), Scham- . Abb. 2 Abrissfraktur der SIAS (grün), . Abb. 3 Malgaigne-Fraktur
beinfraktur (gelb), Sitzbeinfraktur (braun), Sprengung der IS-Fugen (dunkelblau),
Darmbeinschaufelfraktur (ocker) hintere Beckenringfraktur (hellgrün), Sym-
physenruptur (schwarz), vordere Becken-
ringfraktur (weiß)

. Abb. 4 Schmetterlingsfraktur (rot) und . Abb. 5 Dorsaler Pfeiler (gelb) und ven-
Querfraktur (gelb) traler Pfeiler (blau)

. Abb. 6 Zur Verbesserung der lokalen


Ausdauer und Steigerung des Abduktions-
ausmaßes: Hohe Wiederholungszahlen aller
Hüftbewegungen (Rehaphase)

. Abb. 7 Bewegungen im Wasser, bei denen . Abb. 8 PNF-Mattenprogramm . Abb. 9 Symphysendekoaptation nach
gewährleistet ist, dass kein abrupter Boden- völliger Bruchheilung: Patient drückt ca.
kontakt zustande kommt zehn Sekunden in die Abduktion – so stark
er kann – gegen den Widerstand Thera-
peuten; sofort danach drückt er in die
Adduktion (Abb.)
34 Bursitis

Bursitis Es werden auch antiphlogistische Medikamente verabreicht


(Tabletten oder Injektionen). In seltenen Fällen, u.a. bei einer
Was ist das? eitrigen Bursitis, kann eine operative Therapie notwendig wer-
den. Dabei wird der Schleimbeutel teilweise entfernt (Bursek-
B Bei einer Bursitis handelt es sich um die Entzündung eines tomie).
Schleimbeutels (Bursa synovialis). Bursae befinden sich an
Kontaktstellen zwischen Muskeln oder Sehnen und Knochen. Formen
In 7 Übersicht 1 sind die wichtigsten Bursae aufgezählt.
4 Einteilung nach der Lokalisation
4 Infektiöse oder nicht infektiöse/eitrige oder nicht eitrige
. Übersicht 1 Bursae des menschlichen Körpers Bursitis
4 Bursa bicipitoradialis 4 Verkalkte oder nicht verkalkte Bursitis (Bursitis calcarea)
4 Bursa intratendinea olecrani 4 Bursitis gonorrhoica und Bursitis syphilitica
4 Bursa subcutanea olecrani
4 Bursa subdeltoidea Entzündungen können jede der drei Bursatypen betreffen:
4 Bursa subtendinea m. subscapularis 4 Bursa subtendinea,
4 Bursa subtendinea m. infraspinati 4 Bursa subligamentosa und
4 Bursa subtendinea m. tricipits brachii 4 Bursa subcutanea.
4 Bursa subacromialis
4 Bursa subcoracoidea Fragen beim Befund
4 Bursa anserina
4 Bursa iliopectinea 4 Haben Sie Ruheschmerzen?
4 Bursa infrapatellaris profunda
4 Bursa ischiadica m. obturatorius interni Untersuchung
4 Bursa m. semimembranosi
4 Bursa subcutanea infrapatellaris 4 Lokaler Druckschmerz (abhängig von der Lokalisation)
4 Bursa subcutanea praepatellaris 4 Einklemmungstests (z.B. Schertest an der Hüfte zur Provo-
4 Bursa subfascialis praepetellaris kation der B. iliopectinea)
4 Bursa subtendinea m. gastrocnemii lateralis 4 Dekompression der Bursa verbessert die Problematik
4 Bursa subtendinea m. gastrocnemii medialis (Traktion an der Schulter vermindert sonst schmerzhafte
4 Bursa subtendinea m. semimembranosi Bewegung)
4 Bursa subtendinea m. tibialis anerioris
4 Bursa subtendinea praepatellaris Komplikationen
4 Bursa suprapatellaris
4 Bursa tendinis calcanei 4 Chronifizierung
4 Bursa trochanterica m. glutaeii maximi
4 Bursa trochanterica m. glutaeii medii Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)

Ziel Therapie
Bursae sind mit Synovialflüssigkeit gefüllt und schützen so-
wohl Muskeln als auch Knochen vor Druck und Reibung. Oft Schmerzlinderung Eis, Elektrotherapie, TCM
befinden sich Bursae in der Nähe von Ansatz oder Ursprung Schmerzfreies Bewegen Schlingentisch, Rollen
von Muskeln. Bursae bestehen wie Gelenkkapseln und Seh- (nicht bewegungserwei- eines Pezziballs auf Be-
nenscheiden aus einem Stratum fibrosum und einem Stratum ternd, sondern unter 90°) handlungsbank, Manuelle
synoviale. Eine Bursitis kann entstehen durch Therapie nach Mulligan
4 Verletzung,
Räumliche Entlastung Traktion, Schwungbe-
4 Überlastung oder
handlung nach Pölchen
4 Infektion.
Resorption von Extrakorporale Stoß-
Besonders häufig gibt es Bursitiden am Ellenbogen und am Verkalkungen wellenanwendung bei
Kniegelenk durch dort auftretende Dauerbelastungen. Aber Bursitis calcarea
auch andere Bursae können befallen sein. Im Vordergrund der Kaudal- und Dorsalgleiten Manuelle Therapie
Therapie stehen konservative Maßnahmen:
4 kühlende Salben oder Gele,
4 weitere Kälteanwendungen und ! Cave
4 mechanischer Schutz vor erneuten Belastungen (Schaum- Keine Übungen mit hohen Gewichten, keine Übungen
stoffeinlagen, Ellenbogenschützer). über 90° Flexion!
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
35 B

. Abb. 1 Kaudalgleiten mit dem Ziel der . Abb. 2 Querfriktion des M. supraspinatus . Abb. 3 Traktion bei Entzündung der
Entlastung der Bursa subacromialis bei chronischer Entzündung der B. subacro- B. subacromialis
mialis: Durch die Querfriktion wird ein un-
spezifischer Reiz gesetzt, der die Selbsthei-
lung aktivieren kann

. Abb. 4 Eisbehandlung bei Entzündung . Abb. 5 Eisbehandlung bei Entzündung . Abb. 6 Elektrotherapie bei Entzündung
der B. subacromialis der B. subcutanea praepatellaris der B. subacromialis

. Abb. 7 Triggern des M. iliopsoas bei Ent- . Abb. 8 Manuelle Therapie nach Mulligan . Abb. 9 Training der Außenrotatoren zur
zündung der B. iliopsoas (B. subcutanea olecrani): Der Patient übt mit Zentrierung des Humeruskopfs nach kom-
Wand und Hand eine Schubtechnik aus, pletter Ausheilung mit Theraband als Haus-
während er den Ellenbogen beugt und aufgabe
streckt; dabei muss die sonst schmerzhafte
Bewegung schmerzfrei sein
36 BWS-Syndrom

BWS-Syndrom 4 Nahe gelegene Gelenke und benachbarte Wirbelsäulenab-


schnitte mittesten: HWS, LWS, Schulter
Was ist das? 4 Diaphragma auf Kraft überprüfen
4 Stand der Schulterblätter analysieren
B Schmerzen in der Brustwirbelsäule mit ungklärter Ursache. 4 Haut- und Faszienverschieblichkeit
Gemeint ist die Summe von Symptomen, deren Ursachen sehr 4 Rotation der BWS mit Einatmung: Hinweis auf muskulär
vielfältig sein können. bedingte Rippenfehlstellung/Luxation der Rippenwirbel-
gelenke
Formen
Komplikationen
4 Eine Rippe ist luxiert.
4 Ein Wirbel ist lädiert (unfall- oder osteoporosebedingt). 4 Tumorbedingter BWS-Schmerz
4 Die Muskulatur ist verspannt, bzw. es sind aktive Trigger- 4 Fissur: Multiple Verschlimmerungen möglich
punkte vorhanden. 4 Deckblatteneinbruch (Impressionsfraktur)
4 Das Bindegewebe der BWS ist verklebt.
4 BWS-Syndrom im Rahmen von Wachstumsstörungen ! Cave
(bei Kindern und Jugendlichen) 4 Beim Mobilisieren unbedingt Querschnitt verhin-
4 Tumorbedingtes BWS-Syndrom dern (keine Mobilisation bei Spondylolyse)!
4 Beachte: Keine Mobilisation, keine Massage! 4 Keine Mobilisationen bei Z.n. Osteosynthese!
4 Analoge Beschwerden bei entzündlichen Erkrankungen,
z.B. Morbus Bechterew, Spondylarthritis bei RA (7 Kap. Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
Rheumatoide Arthritis)
Ziel Therapie
Fragen beim Befund
Beseitigung der Ursache z.B. 1. Rippe mobilisieren
4 Hatten Sie einen Bandscheibenvorfall? Bandscheiben-
vorfälle der HWS und LWS können durch Statikverände- Tonussenkung Massage, Ultraschall,
rungen auch Beschwerden in der BWS zur Folge haben. Triggern des M. pectoralis
4 Wo genau und wann haben Sie Schmerzen? Entlastung für den Ar- Testen von verschiedenen
4 Haben Sie in letzter Zeit häufig eine ungewohnte Bewe- beitsplatz Stühlen, Pezziball, Exten-
gung durchgeführt? sionsübungen für die BWS,
4 Haben Sie in letzter Zeit oft Stress? kombiniert mit Atem-
4 Was machen Sie beruflich? Wird Ihre Wirbelsäule stark übungen, Kinesiotape für
beansprucht? Haben Sie eine sitzende Tätigkeit? Schulter und Wirbelsäule
4 Sind Sie in letzter Zeit gestürzt? Eine Fissur könnte über-
sehen worden sein! Schmerzlinderung Heiße Rolle, Fango, Elektro-
4 Haben Sie Osteoporose? therapie
Verbesserung der PNF-Mattenprogramm,
Untersuchung neuromuskulären Kletterwand
Koppelung an der BWS
4 Rippe (1. Rippe beim Einatmen in der Klavikulagrube,
Anleitung zur Selbst- Drehdehnlagerung, Selbst-
ansonsten mit Rippentest/Palpation)
mobilisation mobilisation mit Tennis-
4 Wirbel (Beschreibung von Wirbelfehlstellungen: Exten-
bällen in Strumpf
sion, Rotation, Seitneigung)
4 Klopftest über den Dornfortsätzen, um lädierte Wirbel zu Kräftigung der Rücken- MTT
lokalisieren (DD: auch positiv bei Diszitis) muskulatur
4 Muskeltonus
4 Aktive und passive Bewegungsüberprüfung (Störungen ! Cave
der physiologischen Schwingungen beachten) Bei Osteoporose und bei Z.n. Spondylodese keine Mobi-
4 Standardisierte Messungen wie Ott- und Schober-Zeichen lisationstechniken der Wirbel oder der Rippen!
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
37 B

. Abb. 1 MT nach Mulligan: Schmerzhafte . Abb. 2 Extensionsmobilisation . Abb. 3 Mobilisation der BWS
Bewegung suchen, Schubrichtung wie Facet-
tengelenkrichtung, Bewegung (wenn sie
durch den Schub nun schmerzfrei ist) mit
3-mal 10 Wdh. durchführen

. Abb. 4 Rippenmobilisation (mit Hand- . Abb. 5 Funktionsmassage . Abb. 6 Lösen von Verklebungen
kante auf zu mobilisierende Rippe, end-
gradig rotieren, Traktion, dann noch einen
Tick weiter rotieren)

. Abb. 7 Haltungsschulung . Abb. 8 ASTE: WS in Flexion und Schultern . Abb. 9 1. Rippe mit der Ausatmung inter-
in Innenrotation, AA. ESTE: WS in Extension mittierend mobilisieren
und Schultern in Außenrotation, EA, nur
Zehenspitzen drücken gegen die Wand
38 Chronische Bronchitis

Chronische Bronchitis 4 Bronchiektasen: Irreversible Erweiterung der Bronchien,


in denen sich Sekret ansammelt, welches Nährboden für
Was ist das? Infekte ist.
4 Cor pulmonale
Entzündung der Bronchialschleimhaut über einen längeren
Zeitraum. Die WHO-Definition lautet: Die Bronchitis muss in ! Cave
C drei Monaten pro Jahr und zwei Jahre hintereinander vorhan- Ist die chronische Bronchitis schon sehr weit fortgeschrit-
den sein und mit Husten und Auswurf einhergehen. ten, kann die Gabe von Sauerstoff zum Atemstillstand
führen. Bei lange andauernder Bronchitis kann anstelle
Formen des hohen pCO2 der niedrige pO2 zum Atemantrieb ge-
worden sein.
4 Chronisch obstruktive Bronchitis: Zäher, wenig produk-
tiver Schleim wird schnell zum Nährboden für Infekte. Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
Man spricht auch von einer COPD (chronisch obstruktive
pulmonale Dysfunktion). Die COPD ist mit chronischer Ziel Therapie
Atemnot, Atemgeräuschen, beschädigten Flimmerepithe-
lien und überdehnten Lungenabschnitten verbunden. Schleim lösen Heiße Rolle, Inhalation,
4 Chronisch nicht-obstruktive Bronchitis: Reversibel, Infrarot, warme Getränke,
wenn die Ursache, z.B. Rauchen, beseitigt wird. Sie kann Kartoffelwickel, Vibrax
eitrig verlaufen. O2-Versorgung der Einreibungen, Hänge- und
4 Lungenemphysem: Es gibt den Pink Puffer- und den Blue Atemmuskeln Packegriffe, Klopfungen,
Bloater-Typ. Atemmassage

Fragen beim Befund Erleichterung der Atemerleichternde


Atmung Stellungen
4 Sind im Röntgenbild Anzeichen eines Lungenemphysems Sekrettransport Vibrationen, autogene
zu erkennen (Überblähung sowie Veränderung der Tho- Drainage, Drainagelage-
raxform)? rung, Phonationsübungen,
4 Rauchen Sie, oder haben Sie geraucht? Haben Sie mit gifti- schonendes Abhusten
gen Gasen gearbeitet? (möglichst wenig intra-
4 Nehmen Sie Medikamente (Tabletten oder Spray)? thorakalen Druck aufbauen)

Untersuchung Schonung der ent- Hustenunterdrückende


zündeten Bronchial- Techniken
4 Wer mit einem Stethoskop umgehen kann, sollte regel- schleimhaut
mäßig die Lunge abhören, um Verbesserungen bzw. Ver- Thoraxmobilität Drehdehnlagerungen
schlechterungen zu bemerken. Bei der chronischen Bron- verbessern
chitis treten pfeifende, rasselnde und brummende Ge-
räusche auf (evtl. Perkussion). Allgemeinen An das Herz-Kreislauf-Sys-
4 Mm. intercostales auf Schmerzhaftigkeit testen körperlichen Abbau tem angepasste Übungen,
4 Hautfalten anheben: Ventral und dorsal am Thorax, Haut- verringern Konditionstraining, Kreis-
beschaffenheit testen laufgymnastik
4 Thoraxmobilität testen: WS, Rippen, SC- und AC-Gelenk, Verbessern der Abwehr- Güsse in den beschwerde-
1.Rippe kräfte zur Verhinde- freien Monaten, Ausdauer-
4 Wie stehen die Schultern? Sind die Mm. pectorales ver- rung erneuter Infekte training, Sauna
kürzt?
4 Bauchatmung oder Brustatmung: Diaphragma testen und
C4 ! Tipp
4 Umfangmessungen am Brustkorb, auch bei maximaler Wichtig sind eine gute Raumbelüftung bei angenehmer
Ein- und Ausatmung Temperatur und viel Bewegung an der frischen Luft.
4 Nach Abheilen einen Röhrentest durchführen
! Cave
Komplikationen 4 Bei Techniken der Manuellen Therapie für die Wirbel-
säule und Rippen ist zu beachten, dass der Knochen
4 Eitrige Bronchitis und Pneumonie: Frische Luft und evtl. frakturgefährdet ist (schlechte Versorgung).
Atemübungen verbessern die Ventilation und verringern 4 Bei bettlägerigen Patienten immer Thrombosepro-
das Infektionsrisiko. phylaxe und Pneumonieprophylaxe durchführen!

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_3,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
39 C

. Abb. 1 Unterwassermassage zur Ent- . Abb. 2 Drainagelagerung mit Phonations- . Abb. 3 Interkostalräume ausstreichen
spannung der Interkostalräume (UWM bei übungen verbinden
Emphysempatienten kontraindiziert!);
die Wassertemperatur sollte ungefähr 34 °C
betragen

. Abb. 4 Hexenstreichungen: Beide begin- . Abb. 5 Heiße Rolle . Abb. 6 Brustkorbschnellen: Der Patient at-
nen die Streichung auf dem Sternum – eine met gegen den kräftigen Druck des Thera-
Hand bewegt sich dann zur Schulter, die an- peuten; nach mehrmaliger Einatmung lässt
dere kontralateralen Rippenbogen der Therapeut den Brustkorb bei maximaler
Inspiration schnellen. Beachte: Bei COPD er-
höhtes Risiko von Rippenfrakturen (Tech-
niken mit Erhöhung des intrathorakalen
Drucks sind nicht für Emphysem geeignet!)

. Abb. 7 Atemübungen fürs Krankenhaus . Abb. 8 Atemübungen in Verbindung . Abb. 9 Sauna, evtl. mit Aufgüssen
und zu Haus: Tuch kontinuierlich wegpusten mit Thoraxöffnung, mit einem oder beiden
oder lange anhaltend in eine Faschingströte Armen: PNF mit bilateral-symmetrischen
pusten Armdiagonalen
40 Chronische Niereninsuffizienz

Chronische Niereninsuffizienz Untersuchung

Was ist das? 4 Puls/Blutdruck


4 BGM-Zone
Unter-/Fehlfunktion der Nieren. In den Nieren wird der Pri- 4 Belastbarkeit (Mund-Nase-Dreieck)
märharn (ca. 170 l/Tag) aus dem Blut herausgepresst. Die 4 Palpation der Niere(n) mit Testung der Beweglichkeit
C meiste Flüssigkeit wird in das Blut zurückgeleitet. Der Rest, 4 Renale Ödeme
(1,5 l Sekundärharn), angereichert mit Giftstoffen und Harn-
stoff, wird ausgeschieden. Kommt es zu einer Niereninsuffi- Komplikationen
zienz (. Abb. 1), steigen die harnpflichtigen Substanzen im
Körper an. Der Körper produziert weniger Harn als die vor- 4 Linksherzinsuffizienz, KHK, arterieller Hypertonus
gesehenen 1,5 l. Eiweißansammlungen im Harn führen zu 4 Erhöhtes Schlaganfallrisiko, Polyneuropathie (7 Kap. Poly-
Hypoproteinämie und Ödembildung (nephrotisches Syn- neuropathie)
drom). Durch die Niereninsuffizienz kann ihre Hormonpro- 4 Renale Osteopathie, renale Anämie
duktion beeinträchtigt sein. Wichtige Hormone, z.B. Erythro- 4 HIV-Infizierte mit speziellen Dialyseplätzen
poietin (EPO, wichtig zur Bildung von Erythrozyten → renale 4 Hepatitis-Infizierte mit speziellen Dialyseplätzen
Anämie mit Leistungsschwäche) fehlen dem Körper. Es kann
zu Vitamin-D3-Mangel kommen, was zu Hypokalzämie, Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 10)
nachfolgender Parathormonausschüttung und renaler Osteo-
pathie (Entkalkung) führt. Wichtige Komplikationen sind: Ziel Therapie
4 die Linksherzinsuffizienz (als Folge der Tachykardie bei
Anämie und der Hypertonie durch Reninausschüttung) Prophylaxen Thromboseprophylaxe,
und Pneumonieprophylaxe,
4 die Polyneuropathie. Dekubitusprophylaxe, wenn
der Patient viel liegt
Diabetespatienten haben oft eine chronische Niereninsuffi- Stabilisierung des Kreislaufgymnastik, je
zienz, da der ständig überhöhte Blutzuckerspiegel die feinen Kreislaufs nach Zustand des Patienten
Kapillargefäße der Nieren geschädigt hat. Die Patienten (s. Hk) in RL, SL oder im
werden mittels Hämodialyse behandelt. Eine Alternative ist Stand
die Nierentransplantation. Die über lange Zeit und wöchent- Weitere Organsysteme Sanftes Ausdauertraining,
lich 3-mal durchgeführten Dialysen bergen auch Risiken. So schützen um Schlaganfall und Herz-
kommt es bei langjähriger Dialysebehandlung zu einem er- infarkt zu vermeiden
höhten Risiko einer Hepatitis- und einer HIV-Infektion.
Durchblutung und BGM (die angrenzenden
Formen Wohlbefinden des Zonen behandeln, die Nie-
gesamten Körpers för- renzone auslassen), Güsse
4 Mit/ohne Linksherzinsuffizienz dern mithilfe kutivis- bis hin zum Vollguss (nicht
4 Diabetiker oder Nicht-Diabetiker: Gefahr des hypoglykä- zeraler Reflexbögen zu kalt wegen Hypertonus)
mischen Schocks Osteoporosepro- Vitamin-D3-Gabe, Wandern,
4 Anwärter auf Nierentransplantation: Hygiene, Infektions- phylaxe Radfahren, Osteoporose-
risiko minimieren gruppe, SRT

Fragen beim Befund


! Cave
4 Welche Medikamente nehmen Sie? 4 Wie viel darf der Patient trinken?
4 Welcher Hämatokritwert (Hk) wird mit EPO eingestellt? 4 Keine mechanische Reizung im Shunt-Areal!
4 Ist Ihr Blutdruck optimal eingestellt? 4 Infektionsgefahr beachten (HIV, Hepatitis)!
4 Beachte: Bei zu hohem Blutdruck sind Anstrengungen 4 Leistungsfähigkeit des Patienten beachten: Thera-
und starke Kaltreize kontraindiziert! piezeit nicht am Dialysetag oder unmittelbar vor der
4 Sind Sie müde und abgeschlagen? → EPO-Mangel führt nächsten Dialyse.
zu renaler Anämie mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leis-
tungsminderung und Tachykardie.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
41 C

. Abb. 1 Auswirkungen bei Niereninsuffizienz: renaler Hypertonus,


Azidose, renale Ödeme, renale Anämie und zusätzlich renale Osteopa-
thie sowie zusätzlich Polyneuropathie; renale Anämie mit Tachykardie
plus renaler Hypertonus führen zur Linksherzinsuffizienz

. Abb. 2 Anregung der Wadenpumpe mit- . Abb. 3 Kreislaufgymnastik: Knie abwech- . Abb. 4 Kreislaufgymnastik
tels Dorsalextension/Plantarflexion selnd anwinkeln

. Abb. 5 Kreislaufgymnastik . Abb. 6 Kreislaufgymnastik . Abb. 7 Stochastische Resonanz-Therapie


zur Osteoporoseprophylaxe

. Abb. 8 Sanftes Ausdauertraining wie . Abb. 9 Bindegewebsmassage . Abb. 10 Kreislaufgymnastik: schnelles


Nordic Walking zur Osteoporoseprophylaxe Schließen und Öffnen der Hände
42 Diabetes mellitus

Diabetes mellitus Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Treiben Sie Sport? → Bei Diabetikern ist der Verbrauch
von Glukose durch körperliche Arbeit eine wichtige Vo-
Beim Diabetes mellitus handelt es sich um das Unvermögen, raussetzung, um die Dosierung der Medikamente zu sen-
ausreichend Insulin (einziges Hormon zur Senkung des Blut- ken. Die muskuläre Arbeit wirkt auch der Progression der
zuckerspiegels) herzustellen, bzw. um eine verminderte An- Mikroangiopathie entgegen.
sprechbarkeit der Insulinrezeptoren. Insulin wird im Pankreas 4 Nehmen Sie Medikamente?
produziert. Ist die Funktion der Insulin produzierenden B-Zel- 5 Acerbose (alpha-Glukosidase-Hemmer, senkt Glukose-
D len (oder Beta-Zellen) der Langerhans-Inseln gestört, sind aufnahme aus Darm),
starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels mit der Tendenz 5 Glibenclamid (Sulfonylharnstoff, stimuliert Insulin-
deutlicher Anstiege die Folge. Steigt der Blutzuckerspiegel ex- sekretion),
trem an, besteht die Gefahr eines hyperglykämischen Schocks 5 Metformin (Biguanid, Verminderung Glukoseresorp-
(Überzuckerung). Umgekehrt besteht bei übermäßiger Insu- tion und Appetitzügler).
lingabe die Gefahr des hypoglykämischen Schocks (Unterzu- 4 Wann essen Sie, und wann spritzen Sie wie viel Insulin? →
ckerung). Der insulinpflichtige Diabetiker sollte immer Trau- Wichtig für Terminplanung
benzucker verfügbar haben, dies gilt auch für die PT-Praxis 4 Hat sich Ihr Schmerzzustand in der letzten Zeit geändert?
mit Diabetespatienten. → Katecholamine, die bei Schmerzen vermehrt ausge-
Häufigste Ursache des Diabetes mellitus ist jedoch die schüttet werden, erhöhen den Blutzucker.
überhohe Kohlenhydratzufuhr, die zu einer Überlastung der 4 Hat sich Ihre Beweglichkeit verbessert, z.B. nach einer
Fähigkeit des Körpers führt, den Glukosestoffwechsel in einer OP? → Starker Glukoseverbrauch
harmonischen Balance zu halten (»Abnutzung« der Rezepto- 4 Hat sich Ihre früher bestehende Polyurie normalisiert?
ren, allmähliche Überforderung des Pankreas etc.). Der hohe
Zuckergehalt im Blut führt langfristig zu Veränderungen an Untersuchung
den Gefäßwänden der Kapillaren (Mikroangiopathie). Makro-
angiopathien verursachen massive Durchblutungsstörungen 4 Blutzuckermessung (Selbstkontrolle): Tagesprofil; für PT
(7 Kap. AVK), mit Schäden z.B. an der Niere (diabetische Ne- ist immer aktueller BZ wichtig!
phropathie), im Gehirn (erhöhtes Schlaganfallrisiko), am 4 BGM-Zone
Herzen (KHK), im PNS (Polyneuropathie), im Auge (diabeti- 4 Zehen- und Fingernägel: Diabetiker sind anfällig für
sche Retinopathie), im Immunsystem. Vier wichtige Säulen Mykosen.
der Therapie sind:
4 Ernährung, Komplikationen
4 Sport,
4 Medikamente (orale Antidiabetika) und 4 Hyper- oder hypoglykämischer Schock
4 Injektion von Insulin. 4 Polyneuropathie: Missempfindung an den Extremitäten
bis zu Paresen
Formen 4 Wundheilungsstörungen
4 KHK/Herzinfarkt, Ulcus cruris, AVK
4 Diabetes mellitus Typ1 (juveniler Diabetes): Primär insu- 4 Erblindung
linpflichtig (IDDM), meist Autoimmunkrankheit, auch 4 Schlaganfall
nach Zerstörung des Pankreas. 4 Bluthochdruck
5 IRC (»insulin requiring for control«): Insulin muss
gespritzt werden,
5 IRS (»insulin requiring for survival«): Das Spritzen
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
von Insulin ist überlebensnotwendig.
4 Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes, zunehmend Ziel Therapie
auch bei jungen Patienten): Nicht primär insulinpflichtig Verbrauch von Kohle- Ausdauertraining,
(NIDDM), die Langerhans-Inseln bzw. die Insulinrezep- hydraten und Lipiden Walking, Schwimmen,
toren v.a. der Leber und der Skelettmuskulatur sind mit Umwandlung von LDL Wassergymnastik, Rad-
der Zeit ineffektiver geworden. in HDL (von Eiweiß fahren, Laufband
5 NIR (»non-insulin requiring«): Behandlung ist mit umwickelte Fette, die gut
bewusster Ernährung und oralen Antidiabetika mög- transportiert und somit
lich. nicht abgelagert werden)
4 IGT (»impaired glucose tolerance«): Gestörte Glukose-
Verbesserung der Ansteigende Fußbäder,
toleranz; Störungen nur bei extremen Belastungen; eine
Durchblutung in den Wassertreten, Güsse
Form des potenziellen Diabetes mellitus, manchmal auch
Extremitäten
in der Schwangerschaft.

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_4,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
43 D

. Abb. 1 Ausdauersport, im Sitz auch für . Abb. 2 Ausdauersport, hier mit einfachen . Abb. 3 Ausdauersport; auch für relativ
Patienten mit fortgeschrittenen Polyneuro- Mitteln für jeden zu Hause durchführbar immobile Patienten zu Hause mittels Stab-
pathiefolgen gymnastik möglich

. Abb. 4 Güsse, z.B. Knieguss in der typi- . Abb. 5 Wassertreten; dient v.a. zum Ge- . Abb. 6 Laufband: Ausdauersport trägt
schen Reihenfolge fäßtraining und kann auch eine Polyneuro- zur Senkung des Blutzuckerspiegels bei
pathie lindern

. Abb. 7 Rudern als sitzende Ausdauer- . Abb. 8 Radfahren . Abb. 9 BGM im Bereich der Head-Zone
sportart auch für Patienten mit Gehstörun- für das Pankreas
gen

Wichtig ! Cave
Durch kontinuierliche Gewichtsreduktion und regel- 4 Die vielfältigen Diätprogramme sollten möglichst
mäßige Bewegungstherapie kann der Diabetes mellitus, individuell beraten und eingesetzt werden.
auch bei stark übergewichtigen Menschen, sogar aus- 4 Die aktuelle Situation des Patienten muss berück-
heilen. sichtigt werden (z.B. Schmerzrückgang nach erfolgter
OP, Bewegungsfähigkeit nach langer inaktiver Phase,
evtl. Gefahr des hypoglykämischen Schocks bei
Medikamentenumstellung).
44 Epicondylitis bzw. Epicondylopathie

Epicondylitis bzw. Epicondylopathie 4 1. Rippe testen


4 HWS untersuchen
Was ist das? 4 Sotto-Hall-Test (Adson-Wright-Test, Barral 2005)
4 Schulterhochstand, Protraktion: Schlechte Versorgung
Schmerzen im Epicondylus lateralis (Tennisellenbogen) oder des Arms
im Epicondylus medialis (Golferellenbogen). 4 Handfehlstellungen überprüfen:
5 Muskeln mit Ursprung am Epicondylus lateralis und
Formen Ansatz an den Handwurzelknochen sind:
– M. extensor carpi radialis longus (Basis Os meta-
4 Epicondylitis medialis: Schmerzen bei Pronation und carpale 2),
Dorsalextension gegen Widerstand; besonders starker – M. extensor carpi radialis brevis (Basis Os metacar-
E Schmerz bei Widerstand gegen den Mittelfinger pale 3),
4 Epicondylitis lateralis: Schmerzen bei Supination und – M. extensor carpi ulnaris (Basis Os metacarpale 5)
Plantarflexion gegen Widerstand und
4 Akute Epicondylitis: Entlastung und Schmerzlinderung, – M. brachioradialis (Proc. styloideus).
Verbesserung von Kraftausdauer und Koordination 5 Muskeln mit Ursprung am Epicondylus medialis und
4 Chronische Epicondylitis: Durch ständige Überlastung Ansatz an den Handwurzelknochen sind:
kann die akute Epicondylitis nicht ausheilen → Chronifi- – M. flexor carpi ulnaris (Os pisiforme, über Bänder
zierung zum Os hamatum und zur Basis von Os metacar-
pale 5) und
Fragen beim Befund – M. flexor carpi radialis (Basis Os metacarpale 2+3).

4 Haben Sie in letzter Zeit eine ungewohnte Bewegung häu- Komplikationen


fig ausgeführt?
4 Haben Sie viel getragen? 4 Radikulopathie (Nervenwurzelentzündung) an C7/C8
4 Welche Hobbies üben Sie aus? 4 Tendovaginitis stenosans (Sehnen- und Sehnenscheiden-
4 Nehmen Sie Medikamente wie Antiphlogistika (Entzün- veränderungen, 7 Kap. Sehnenscheidenentzündung)
dungshemmer) oder Analgetika (Schmerzmittel)?
4 Arbeiten Sie beruflich viel mit den Händen und Armen? Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)

Untersuchung Ziel Therapie

4 Mögliche Ursachen: Vaskuläres Versorgungs- oder Ent- Schmerzlinderung Heiße Rolle, Fango, Massage,
sorgungsproblem, HWS, Triggeraktivität in den Muskeln ständig Fango an HWS bei
4 Tonusüberprüfung von M. pectoralis minor, Mm. scaleni Behandlung in RL
mit Pectoralis-Test Entlastung Tapeverband
4 Triggerpunkte testen:
Entzündung setzen Triggerstäbchen, Saugglocke,
5 Schmerzen im lateralen Epikondylus können ausge- und somit Durch- lokale wechselwarme Güsse,
löst werden durch Triggerpunkte in blutung fördern Ultraschall
– M. supinator,
– M. brachioradialis, Herstellen eines Hold-Relax, PIR, MT: Ellen-
– M. extensor carpi radialis longus, normalen Bewe- bogen, Schulter, Handgelenk
– M. triceps brachii, gungsausmaßes (Pro- und Supination nicht
– M. supraspinatus, vergessen)
– Mm. extensores digitorum 4+5 und Ökonomisieren der PNF (mit Ellenbogenflexion),
– M. anconeus. Muskelketten PNF-Schulterpattern (wenn
5 Schmerzen im medialen Epikondylus können ausge- die Schulter in Schonhaltung
löst werden durch Triggerpunkte in steht), E-Technik (Kriechen)
– M. triceps brachii,
Muskelkräftigung MTT, PNF
– M. pectoralis major,
– M. pectoralis minor,
– M. serratus anterior und ! Cave
– M. serratus posterior superior. Überlastungen vermeiden, da die Schmerzen chronisch
werden können!

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_5,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
45 E

. Abb. 1 Elektrogerät: Alternierend arbei- . Abb. 2 Triggern des M. supinator . Abb. 3 Triggern des M. pectoralis minor:
tende Saugnäpfe einstellen, Iontophorese Zur Optimierung der vasonervalen Versor-
mit Antiphlogistikum denkbar gung des Ellenbogens (Entlastung von Plexus
und Gefäßen)

. Abb. 4 Triggern der Mm. scaleni zur besse- . Abb. 5 Manuelle Therapie, z.B. 1. Rippe . Abb. 6 MT nach Mulligan an Tür oder
ren Versorgung des Ellenbogens. Zur Palpa- Zimmerecke, als Hausaufgabe 3-mal 10 Wdh.,
tion Kopf zur Gegenseite anheben lassen dabei den Schub in die schmerzfreie Rich-
tung aufrechthalten

. Abb. 7 PNF zur Ökonomisierung der Be- . Abb. 8 Hausaufgabe: Pro- und Supina- . Abb. 9 MTT: Hier auf Körperhaltung und
wegung; der Schwerpunkt sollte auf dem tion werden im Wechsel durchgeführt. Be- Skapuladepression achten
exzentrischen Training liegen troffene Seite wird von nicht betroffener
Seite unterstützt
46 Fazialisparese/Faziale Parese

Fazialisparese/Faziale Parese 4 Konservativ oder operativ versorgte Patienten: Beispiele


für operative Methoden sind die Ausräumung von Häma-
Was ist das? tomen, Tumoroperationen und die OP des Os sphenoida-
le (Felsenbein).
Lähmung des N. facialis (VII. Hirnnerv). Die Ursachen sind
vielseitg und nicht immer bekannt. Am häufigsten ist die sog. Fragen beim Befund
idiopathische Fazialisparese. Mögliche konkrete Auslöser
sind: 4 Wodurch haben Sie Ihre Fazialisparese? Haben Sie einen
4 Nervenanschwellung im Fazialiskanal, Schlaganfall erlitten?
4 Infektionen wie Meningitis, Windpocken, Otitis media 4 Sind ähnliche Symptome schon früher aufgetreten?
(Mittelohrentzündung), Zoster oticus (Herpesinfektion 4 Haben Sie eine Schädelverletzung erlitten?
im Ohrbereich), 4 Läuft Ihnen beim Trinken Flüssigkeit aus dem Mund?
4 Tuberkulose, 4 Tränt Ihr Auge auffallend viel?
4 Tumoren (Akustikusneuronom, Cholesteatom [Tumor im 4 Müssen Sie Ihr Auge nachts feucht halten (Uhrglasver-
F Mittelohrbereich] oder Tumoren der Ohrspeicheldrüse), band)?
4 Traumata oder
4 Autoaggressionskrankheiten. Untersuchung
Eine zentrale Fazialisparese kann bei Schlaganfall (ischä- 4 Schließen und Öffnen beider Augen
misch-thrombotisch oder hämorrhagisch, 7 Kap. Apoplekt- 4 Mund rund stellen, Mund breit ziehen und Mundschluss
scher Insult), Multipler Sklerose, Enzephalitis oder Hirntumor testen
auftreten. Symptome auf der betroffenen Gesichtshälfte sind: 4 Stirn runzeln
4 Schwäche oder Ausfall der mimischen Muskulatur, 4 Beweglichkeit der HWS
4 hängender Mundwinkel, 4 Zungenbeweglichkeit testen
4 inkompletter Mundschluss,
4 Stirnrunzeln auf der betroffenen Seite nicht möglich, Komplikationen
4 kein vollständiger Lidschluss (Lagophthalmus),
4 Aufwärtsbewegung des Augapfels beim Versuch, die Augen 4 Reinnervation nicht geglückt
zu schließen (Bell-Phänomen) und 4 Tinnitus, Hörverlust, Nystagmus
4 herabhängende Wange. 4 Platysmaparese
4 Ulcus corneae, evtl. als Ulcus serpens (das »kriechende«
Je zentraler die Läsion liegt, desto häufiger treten Geschmacks- Geschwür, mit sichtbarer Eiteransammlung in der vorde-
störungen im Zungenbereich, verminderte Speichelsekretion, ren Augenkammer)
Hyperakusis (erhöhte Geräuschempfindlichkeit [. Abb. 1])
und verminderte Tränensekretion auf. Um die Austrocknung Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
des Auges zu vermeiden, sollte der Patient nachts einen Ver-
band tragen. In der Therapie sind neben den konservativen Ziel Therapie
Verfahren wie Applikation von Glukokortikoiden, Physio-
therapie und Logopädie operative Verfahren indiziert. Die Reinnervation Kieferpattern (PNF), Mimikschulung
Fazialisparese heilt in 70% der Fälle vollständig aus. (auch als Hausaufgabe) für Stirn-,
Mund- und Lidmuskulatur
Formen Zungen- Mit Gummibärchen arbeiten (wenn
koordination Geschmack und Speichelsekretion
4 Gesichtslähmung vom peripheren Typ: Periphere Fazialis- betroffen sind)
parese ADL Trinken, Backen aufpusten, Mimik-
4 Gesichtslähmung vom zentralen Typ: Zentrale faziale schulung
Parese nach Schlaganfall, MS, Hirntumor oder Enzepha-
litis; der Lidschlussreflex ist noch vorhanden, und die
Stirn kann noch gerunzelt werden. ! Cave
4 Schlaffe Parese 4 Das Einbringen des Spiegels kann große Vorteile
4 Spastische Parese haben (Eigenkorrektur und Beobachtung von Fort-
4 Ein- oder beidseitige Lähmung, z.B. durch Borreliose schritten), aber auch Nachteile (Patient empfindet es
4 Graduelle Einteilung in leichte, mäßige, mäßig starke und u.U. als unangenehm).
starke Parese sowie als stärkste Form die Paralyse 4 Ist der Stapediusreflex ausgefallen, laute Geräusche
vermeiden!

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_6,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
47 F

. Abb. 1 Stapediusreflex: Schützt das Innen- . Abb. 2 Gesichtsmassage, vor allem der . Abb. 3 Schnute ziehen
ohr vor lautem Schall nicht betroffenen Seite, um einem zu hohen
Tonus der Muskulatur vorzubeugen

. Abb. 4 Gesichtsgymnastik vor dem Spie- . Abb. 5 Stift mit der Oberlippe festhalten . Abb. 6 Flaschendeckel am Auge ein-
gel (Stirn runzeln) klemmen

. Abb. 7 Eisbehandlung mit gefrorenen . Abb. 8 ADL: Strohhalmtrinken, trinken . Abb. 9 Manuelle Therapie der HWS, wenn
Wattestäbchen aus der Flasche kompensationsbedingt Bewegungsein-
schränkungen durch die Lähmung vorliegen
48 Femoralisläsion

Femoralisläsion Untersuchung

Was ist das? 4 MFP der betroffenen Muskeln


4 Sensorische Funktion überprüfen: Hypersensibilität,
Verletzung des N. femoralis wegen Kompression oder im Hyposensibilität. Kann der Patient überhaupt etwas wahr-
schlimmsten Fall wegen Durchtrennung, verursacht durch ein nehmen, kann er einen spitzen von einen stumpfen Ge-
Trauma oder infolge einer Bauch- (Leistenbruch-, Blinddarm-, genstand unterscheiden (epikritischer Anteil der Ober-
Uterus-OP) oder Hüftoperation. Für gute Heilungschancen flächensensibilität)?
bei durchtrenntem Nerven ist eine operative Versorgung mit- 4 Patellasehnenreflex
tels Naht unerlässlich. Bei intakter Nervenscheide ist die Re- 4 Wirbelsäule überprüfen
generation eines durchtrennten Axons prinzipiell möglich. Die 4 Atrophie des M. quadriceps
wichtigsten Symptome sind eine inkomplette oder komplette 4 Ganganalyse
Einschränkung der aktiven Kniestreckung, d.h. Einknicken
des Beins beim Auftreten und abgeschwächte Beugekraft im Komplikationen
F Hüftgelenk. Der Patellasehnenreflex ist gestört, und der Patient
kann sich nur schwer aus dem Liegen aufrichten. Parallel treten 4 Keine Reinnervation mehr möglich
erhebliche sensible Störungen in Arealen des Oberschenkels 4 Irreversible Störung des Gangbilds mit Entwicklung von
auf. Der M. quadriceps ist nicht oder nur partiell innerviert, so Gon- und Koxarthrose
dass es zum Genu recurvatum (7 Kap. Genu recurvatum)
kommt. Mit dem M. quadriceps femoris werden folgende Mus- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
keln vom N. femoralis (. Abb. 1) innerviert:
4 Mm. psoas major und minor (Flexion der Hüfte, Lateral- Ziel Therapie
flexion und Extension der LWS, AR der Hüfte),
4 M. iliacus (Flexion der Hüfte, AR der Hüfte), Schmerzlinderung Fango (mit zeitlichem Abstand
4 M. sartorius (Flexion und IR des Knies, Flexion und AR im Dermatom zu einer OP), Elektrotherapie
der Hüfte) und Reinnervation E-Technik, Trophikverbesse-
4 M. pectineus (Flexion und Add sowie schwache IR in der rung mittels aktiver Übungen
Hüfte). oder Massage, SRT, Güsse
Schulung der PNF, Gangschule, Wassergym-
Formen Motorik nastik (kein Sturzrisiko und Sen-
sibilitätsschulung), Kletterwand
4 Obere Lähmung: Betroffen ist der M. iliopsoas mit be-
trächtlicher Einschränkung beim Gehen und Treppen- Sensibilitäts- Wassergymnastik, Güsse (warm
steigen. schulung und kalt)
4 Lähmung nach Abgang der Äste nach dem M. iliopsoas: Thrombose- Bewegungstherapie
Lähmung des M. quadriceps femoris mit Ausfall des Pa- prophylaxe
tellasehnenreflexes; mühsames Gehen ist noch möglich.
ADL Treppentraining, PNF-Matten-
4 Irritation des sensiblen Asts (N. saphenus): Nach OP des
programm, Schuhe anziehen
Meniscus medialis, nach Stripping der V. saphena magna.

Fragen beim Befund ! Tipp


Wenn der Patient beim Gehen ein Genu recurvatum
4 Wie lange liegt der Unfall oder die Operation zurück? zeigt, sollte eine Schiene getragen werden.
4 Haben Sie Schmerzen in der Lendenwirbelsäule? → Bei
einseitiger Verkürzung des M. iliopsoas entsteht eine Ro-
tationsfehlstellung in der LWS. Mögliche Verwechslung
mit Wurzelkompressionssyndrom L3 und L4.
4 Wie war der bisherige Heilungsverlauf? Zeigten sich lang-
same oder schnelle Veränderungen, oder gab es gar keine
Veränderung der Symptome bzw. sogar eine Verstärkung?
→ Prognose der Heilung
4 Welche Hilfsmittel setzen Sie ein?
4 Haben Sie Knie- und/oder Rückenschmerzen?
4 Wie nehmen Sie Schmerzen und Temperatur wahr? →
Protopathische Sensibilität
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
49 F

. Abb. 1 Durch den N. femoralis versorgte . Abb. 2 Stochastische Resonanz-Therapie . Abb. 3 Schlingentisch: Übungen unter
Hautareale. Motorisch werden versorgt: unterstützt die Reinnervation; trotz thera- Abnahme der Schwere (dafür viele Wieder-
M. quadriceps femoris, M. psoas major, piefördernder Vibration sichere Übung holungen)
M. psoas minor, M. sartorius, M. pectineus, durch seitliche Haltegriffe gewährleistet
M.iliacus

. Abb. 4 Flexion von Hüfte und Knie aus . Abb. 5 Knieextension mit Rolle unter . Abb. 6 Standübungen mit zwei Bänken:
SL, da weniger Kraftaufwand als gegen die dem Knie, wichtige Hausaufgabe, schon an PNF-Beckenpattern, ein Bein steht auf Hocker
Schwerkraft erforderlich den ersten Tagen nach der Läsion möglich
(wenn Kraft noch nicht ausreicht als Mental-
training)

. Abb. 7 Muskelmantelschulung . Abb. 8 Vorteil der Kletterwand: Geringe . Abb. 9 PNF mit Knieextension
Sturzgefahr, da Halt durch Hände
50 Fibromyalgie

Fibromyalgie Untersuchung

Was ist das? 4 Untersuchung der Palpationspunkte


4 Beurteilung von Herz-Kreislauf-Funktionen, auch unter
Chronisches nicht-entzündliches Schmerzsyndrom, das den Belastung
ganzen Körper betreffen kann. Die Erkrankung ist mit mul- 4 Testung des vegetativen Nervensystems, Dermographis-
tiplen Bewegungseinschränkungen verbunden. Die Erkran- mus
kung wird dem rheumatischen Formenkreis zugeordnet, ist 4 Validierte Tests zur Beurteilung von Konzentrationsfähig-
aber nicht mit dem Begriff »Weichteilrheumatismus« gleich- keit und Gedächtnis
zusetzen. Mit den chronischen Schmerzen in Muskeln, Seh- 4 Testung von Ausdauerleistungen: Verminderte Ausdauer
nen, Gelenken oder Knochen gehen Müdigkeit, allgemeine ist häufig.
Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen
sowie Ängstlichkeit bis hin zu Depressionen einher. Über er- Komplikationen
höhte Geräusch-, Licht- und Kälteempfindlichkeit wird in der
F Literatur berichtet. Begleitend sind auch multiple vegetative 4 Burnout-Syndrom
Beschwerden wie Schluckbeschwerden, Atembeschwerden, 4 Depressionen
Kopfschmerzen und funktionelle Herzrhythmusstörungen.
Zur Diagnose werden sog. »Tender points« (Palpations- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
punkte, . Abb. 1) zuhilfe genommen. Besteht bei mindestens
11 von 18 festgelegten »tender points« (gelenknah an den Seh- Ziel Therapie
nen-Muskel-Ansätzen), eine erhöhte Druckschmerzhaftig-
keit, wird die Diagnose gestellt. Die Zahl der positiven »tender Steigerung der Sanftes Ausdauertraining
points« korreliert mit dem Ausmaß des körperlichen und psy- Belastbarkeit (Bewegungsrezeptoren hemmen
chosozialen Disstress. Diagnosekriterien sind das Auftreten die Schmerzrezeptoren),
von Schmerzen im Verlauf von Sehnen und Sehnenansätzen Wassergymnastik
in mindestens drei Regionen über mindestens drei Monate Schmerzlinderung Sanfte Massage (viele Streichun-
und die begleitenden vegetativen und funktionellen Symp- gen), E-Technik, Infrarot-
tome. Die Krankheit kann die Lebensqualität erheblich be- bestrahlung, Fango
einträchtigen und führt nicht selten zur Berufsunfähigkeit. Beeinflussung der Heiße Rolle auf Wirbelsäule
Die sozialmedizinische Beurteilung als auch die Therapie ge- vegetativen Zonen
stalten sich aufgrund der oft unklaren und unübersichtlichen
Befundlage schwierig. Neun Zehntel der Erkrankten sind Entspannung UWM, Yoga, Progressive Mus-
Frauen. kelrelaxation nach Jakobson,
Aromatherapie, Fußreflexzonen-
Formen und assoziierte Syndrome therapie, Kraniosakrale Therapie
Harmonisierung Manuelle Lymphdrainage, SRT
4 Assoziierte Syndrome bzw. Differenzialdiagnosen: Fatigue- des Stoffwechsels
syndrom, Reizdarmsyndrom, chronische Kopfschmerzen
multipler Genese, kraniomandibuläre Dysfunktionen,
prämenstruelle Beschwerden. Wichtig
4 In neueren Studien wird von der ehemaligen Unterteilung Richtwert für die therapeutische Intensität ist die
in primäres und sekundäres Fibromyalgiesyndrom (primä- Schmerzgrenze des Patienten.
re Krankheit oder Begleitkrankheit bzw. Komorbidität)
abgeraten.

Fragen beim Befund

4 Wann und wo haben Sie Schmerzen?


4 Wodurch lassen sich Ihre Schmerzen lindern? → Wärme,
Kälte?
4 Nehmen Sie Medikamente?
4 Was hat Ihnen in der Vergangenheit geholfen? Wann füh-
len Sie sich am wohlsten?
4 Treiben Sie regelmäßig Sport?
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
51 F

. Abb. 2 Wassergymnastik, in nicht zu kal-


tem Wasser

. Abb. 1 Typische Schmerzpunkte bei Fibromyalgie, wobei mindestens 11 von 18 Punkten . Abb. 3 Sanfte Massage, vor allem mit
schmerzhaft sein müssen Streichungen (wenn der Patient es verträgt,
dann auch sanft triggern)

. Abb. 4 Tape, z.B. Space auf die Schmerz- . Abb. 5 Ausdauertraining zeigt bei Patien- . Abb. 6 Elektrotherapie
punkte kleben ten mit Fibromyalgie sehr gute Ergebnisse
in klinische Studien

. Abb. 7 Fango, wenn der Patient gut ge- . Abb. 8 Positional Release: Ein Schmerz- . Abb. 9 Lymphdrainage als wichtigster
wärmt ist punkt wird gedrückt, anschließend ein nahe Bestandteil der komplexen physikalischen
gelegenes Gelenk in angenehme Position Entstauungstherapie
bringen und Druck über mindestens 90 Se-
kunden aufrechterhalten, zuletzt Gelenk
passiv durch Therapeuten in Ausgangsstel-
lung bewegen
52 Frozen Shoulder

Frozen Shoulder 4 schmerzhafte Schultersteife,


4 Duplay-Syndrom,
Was ist das? 4 Immobilisationsarthritis,
4 fibröse Schultersteife oder
Adhäsive Entzündung der Schultergelenkkapsel, die mit 4 Periarthropathia humeroscapularis ankylosans.
Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergeht
(. Abb. 1). Als Synonyme gelten Besonders häufig sind Patienten im Alter von 40 bis 60 Jahren
betroffen. Meist ist die nicht dominante Schulter befallen.

Stadien

Phase Dauer Symptomatik Therapie


Phase 1 Ca. 4 Monate Starke Schmerzen, besonders nachts, Beweglichkeitserhalt, Schmerz-
F Freezing Shoulder Bewegungsschmerz therapie
Phase 2 Ca. 4 Monate Keine weitere Schmerzzunahme Hauptziel der Behandlung ist die
Frozen Shoulder (evtl. lässt der Schmerz nach), zuneh- vegetative Dämpfung
mende Bewegungseinschränkung
Phase 3 Ca. 4 Monate Der Schmerzrückgang ist ein Hinweis, Hauptziel ist die Beweglichkeitsver-
Thawing Shoulder dass sich zeitverzögert die Beweglich- besserung; bis zur vollen Beweglich-
keit wieder verbessert keit können Jahre vergehen

Fragen beim Befund Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)


4 Hatten Sie ein Trauma? Ziel Therapie
4 Wachen Sie nachts häufig durch Schmerzen auf? → Bei
Frozen Shoulder erreicht der Schmerz nachts seinen Höhe- Schmerzlinderung Eisbehandlung, Heiße Rolle, Ultra-
punkt. und Durchblutung schall, E-Therapie, Bewegungsbad
verbessern (Phase 1: Beweglichkeit erhalten,
4 Nehmen Sie Medikamente wie Schmerzmittel, Kortison,
Phase 2: Schmerzlinderung, Ent-
Psychopharmarka (Frozen Shoulder gehäuft nach Ein-
spannung, Phase 3: Bewegunger-
nahme von Psychopharmaka)?
weiterung)
4 Wurde Ihre Schulter unter Narkose mobilisiert?
4 Seit wann haben Sie Schmerzen? → Wichtig für realis- Tonussenkung Massage und Wärme (Infrarot,
tische Zielsetzung und Verlaufsprognose Sauna)
4 Was machen Sie beruflich? Entspannung über E-Technik und Wärme auf die Seg-
das Vegetativum mente, z.B. C5 für M. subscapula-
Untersuchung ris, Rückenguss, UWM, segmenta-
les Tape, lokales Tape
4 Positives Kapselmuster (Verhältnis der Einschränkung
Verbesserung Phase 2: Manuelle Therapie mit
von AR:Abd:IR ist 3:2:1) des Bewegungs- dem Ziel der Knorpeltrophikver-
4 Painful Arc ausmaßes besserung im schmerzfreien Be-
4 Beweglichkeit in der skapulothorakalen Gleitebene wegungsausmaß, Vorbereitung für
4 M. subscapularis, M. supraspinatus auf Triggerpunkte un- die 3. Phase, ohne die Beweglich-
tersuchen keitsgrenzen zu überschreiten;
4 MFP auch Pendelübungen als Hausauf-
4 Schonhaltung gabe, Akupressur (Magen 38) bei
4 Recessus axillaris gleichzeitiger passiver Bewegung
der Schulter
Komplikationen Phase 3: MT an der Beweglich-
keitsgrenze, Dehnungen
4 Verklebung des Recessus axillaris Schulterblatt PNF-Schulterblattpattern, Bus-
4 Kontraktur im Glenohumeralgelenk mobilisieren lenker in SL am Schlingentisch,
Friktionen um das Schulterblatt
Besseres Zurecht- MTT
kommen im Alltag
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
53 F

. Abb. 1 Dunkelgrüne Linie: Schmerz- . Abb. 2 Phase 1: Erhalt der Beweglichkeit . Abb. 3 Phase 1: Triggern, z.B. M. sub-
intensität, hellgrüne Linie: Beweglichkeits- (zur vegetativen Dämpfung kann Fango scapularis
einschränkung unter den Rücken gelegt werden)

. Abb. 4 Phase 1: Akupressur von Magen . Abb. 5 Phase 2: Humerus nach dorsal . Abb. 6 Phase 2: Bei länger bestehender
38, ist im Rahmen der TCM für die Mobilisati- Bewegungseinschränkung die Kapsel deh-
on der Schulter hervorragend geeignet: wäh- nen (als Hausaufgabe): durch Druck des
rend der Akupunktur bewegt der Therapeut Ellenbogengelenks gegen eine Wand oder
die Schulter des Patienten Tür wird das Caput humeri nach lateral
gebettet (die Rolle in der Achselhöhle dient
als Hypomochlion)

. Abb. 7 Phase 3: Neu gewonnenes Bewe- . Abb. 8 Phase 3: Manuelle Therapie nach . Abb. 9 Phase 3: Schlingentisch aus der
gungsausmaß mit Übungen halten (im Mulligan im Stand Seitlage kombiniert mit Manueller Therapie
schmerzfreien Bereich Ellenbogen von vorne zur Verbesserung der Abduktion
nach hinten kreisen)

! Tipp
Der Patient sollte darauf hingewiesen werden, dass die
Behandlung der Frozen Shoulder langwierig ist. In der
2. Phase darf der Patient nur unter dem Bewegungslimit
üben.
54 Fußdeformitäten

Fußdeformitäten 4 Klumpfuß (Pes equinovarus, . Abb. 17, 19, 20, . Abb. 23–
25, 7 Kap. Klumpfuß)
Was ist das? 4 Hackenfuß (Pes calcaneus): Häufig bei Kindern mit Spina
bifida
Veränderungen der knöchernen Strukturen des Fußes, vor 4 Polydaktylie (Doppelbildungen)
allem im distalen Bereich des Metatarsus oder im digitalen 4 Krallenzehe
Bereich. Hinsichtlich der Erkrankungen, die auf Gewölbestö- 4 Hammerzehen (. Abb. 18)
rungen beruhen, betreffen knöcherne Ursachen auch die Fuß-
wurzel (Tarsus) und den Mittelfuß (Metatarsus). Neben den Fragen beim Befund
ossären Ursachen spielen auch Veränderungen der Bänder,
Sehnen, Muskeln oder der Nerven eine Rolle. Fußdeformitäten 4 Haben Sie Fußschmerzen beim Gehen?
wirken sich auf die Statik des gesamten Körpers aus; Fehlstel- 4 Haben Sie Knieprobleme?
lungen von Knie, Hüfte, Becken und Wirbelsäule sind möglich. 4 Knicken Sie häufig um? → Talusschiefstellung als Ursache
Bei längerem Bestehen von Fußdeformitäten sind Verände- für Bandläsionen
F rungen der Trabekelstruktur und der Weichteile zu erwarten.
In 7 Übersicht 1 sind die Gelenke des Fußes aufgelistet. Untersuchung
4 Fußinspektion von dorsal, ventral, lateral und medial
. Übersicht 1. Gelenke des Fußes 4 Ganganalyse
4 Oberes Sprunggelenk (OSG, Art. talocruralis) 4 Untersuchung des Knies, falls dort Beschwerden auftreten
4 Unteres Sprunggelenk (USG, mit vorderem und 4 Bewegungsausmaß der Fußgelenke im Seitenvergleich
hinterem USG: Art. subtalaris, Art. talocalcaneonavi- 4 MFP
cularis) 4 Mobilität der Fibula
4 Gelenk zwischen Kalkaneus und Os cuboideum 4 Einbeinstand auf Zehenspitzen
(Art. calcaneocuboidea) 4 Palpation von Tarsus und Metatarsus
4 Gelenk zwischen Talus und Os naviculare (Art. talona-
vicularis) Wichtig
4 Gelenk zwischen Kalkaneus und Os cuboideum Wichtige Muskeln für den Aufbau des Längsgewölbes
bzw. zwischen Talus und Os naviculare (Art. tarsi sind:
transversa), auch Chopart-Linie genannt 4 M. flexor hallucis longus,
4 Gelenk zwischen Os cuboideum bzw. Ossa cunei- 4 M. flexor digitorum longus und
formia und Ossa metatarsalia I-V (Tarsometatarsal- 4 M. tibialis anterior.
gelenk, Art. tarsometatarsalis I-V, TMT-Gelenke)
4 Zehengrundgelenke (Art. metatarsophalangealis I-V, Wichtige Muskeln für den Aufbau des Quergewölbes
MTP-Gelenke) sind:
4 Gelenke zwischen den einzelnen Phalangen (Inter- 4 M. tibialis posterior und
phalangealgelenke), wobei proximale und distale 4 M. peroneus longus.
IP-Gelenke unterschieden werden (PIP und DIP)

Komplikationen
Formen
4 Starke Beschwerden beim Gehen, z.T. mit Knie-, Hüft-
4 Senkfuß (Pes planus), im Extremfall als Plattfuß (. Abb. 1, und Rückenschmerzen
12, 14, 16) 4 Druckstellen bis hin zu Dekubitalulzera
4 Hohlfuß (Pes excavatus, . Abb. 1, 11, 13, 27) 4 Kontraktur, z.B. Spitzfuß nach Fallfuß durch Peroneuslä-
4 Spitzfuß (Pes equinus, . Abb. 17) sion
4 Senkspreizfuß (Pes transversoplanus): abgeflachtes Längs-
gewölbe und flaches Quergewölbe mit Schwielen unter Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 10)
dem Os metacarpale 3, häufig kombiniert mit Knickfuß
(Pes valgus, . Abb. 22), später evtl. Entwicklung eines Die Ziele und Therapieinhalte werden nach der jeweiligen
Hallux valgus Deformität individuell festgelegt.
4 Spreizfuß (Pes transversus, . Abb. 21)
4 Hallux valgus: Valgität der Großzehe, die zunehmend nach ! Cave
lateral abknickt; Luxation des Metatarsophalangealgelenks Unphysiologisches Schuhwerk, z.B. hohe Absätze, ist zu
mit Abweichung der Zehen nach lateral (. Abb. 1, 26) vermeiden!
4 Digitus quintus varus superductus: Der 5. Zeh liegt über
dem 4. Zeh (. Abb. 1)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
55 F

. Abb. 1 Plattfuß, Hohlfuß, Hallux valgus, . Abb. 2 Plattfuß: Kurzer Fuß nach Janda . Abb. 3 Kurzer Fuß nach Janda: Auch auf
Digitus quintus superductus (im Sitz oder Stand) dem Trampolin einbeinig möglich

. Abb. 4 Kräftigung der kurzen Fußmus- . Abb. 5 Bei Varusfehlstellung: Mobilisie- . Abb. 6 Treten durch eine Fehlstellung
kulatur: Kinder können sich in der Tür ein- rung des Talus Schmerzen im Bereich der Ossa metatarsalia
stemmen auf, kann das Os metatarsale I oder V mit
einem Tape korrigiert werden

. Abb. 7 Plattfuß, Hallux valgus, operierte . Abb. 8 Pes varus: Kräftigung der Prona- . Abb. 9 Feinmotorik: Fußgymnastik in
Krallen- oder Hammerzehe: Gegenstände toren mit Theraband allen Varianten
mit dem Fuß aufheben (z.B. Kuli, Stoff ); bei
Gruppenübung Weiterreichen derselben
56 Fußdeformitäten

. Abb. 10 Übungen auf weichen Unterla- . Abb. 11 Starker Hohlfuß bei spinaler . Abb. 12 Pes planus beidseits
gen wie Weichbodenmatte oder Airex-Matte, Heredo-Ataxie
auch barfuß möglich; hier werden Airex-Mat-
te und Posturomed kombiniert
F

. Abb. 13 Starker Hohlfuß bei spinaler He- . Abb. 14 Pes valgoplanus spasticus . Abb. 15 Pes planus links: Extreme Absen-
redo-Ataxie von dorsal kung des medialen Bogens des Fußlängsge-
wölbes bei Zustand nach Kalkaueusfraktur
links

. Abb. 16 Pes valgoplanus et abductus . Abb. 17 Pes equinovarus et adductus . Abb. 18 Hammerzehen: Flexion im MTP-
et transversus, Zustand nach amniotischer (rechts), Pes equinovalgus et planus (links) Gelenk, Extension im PIP-Gelenk
Schnürung (s. verbliebene Schnürfurche)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
57 F

. Abb. 19 Klump-Hohlfuß, Bullenfuß beid- . Abb. 20 Klump-Hohlfuß, Bullenfuß beid- . Abb. 21 Pes transversus, präoperativ
seits: Laterale Ansicht seits: Plantare Ansicht (links) und 2 Monate postoperativ (rechts)

. Abb. 22 Achsenabweichung bei Varus- . Abb. 23 Klumpfuß, hier kombiniert mit . Abb. 24 Kindlicher Klumpfuß präoperativ
oder Valgusfuß Digitus quintus superductus; beim Klump-
fuß zeigt sich eine Kombination der ver-
schiedenen Fußdeformitäten: Spitzfuß, Supi-
nationsfehlstellung, Hohlfuß etc.

. Abb. 25 Klumpfuß am Ende der opera- . Abb. 26 Hallux valgus und Zustand nach . Abb. 27 Röntgenaufnahme eines starken
tiven Korrektur beim Legen der Nähte Amputation der 2. und 3. Zehe wegen der Pes excavatus
starken Fehlstellung
58 Genu valgum, Genu varum, Genu recurvatum

Genu valgum, Genu varum, Untersuchung


Genu recurvatum
4 Observation von dorsal, lateral und ventral
Was ist das? 4 Talus auf Varus- oder Valgusposition überprüfen
4 Palpation und Test der Ligg. collateralia laterale und
Bei diesen Kniefehlstellungen handelt es sich um Beinachsen- mediale
abweichungen (. Abb. 1): 4 Meniskustests
4 Genu valgum bedeutet X-Bein (. Abb. 2), 4 Untersuchung auf Entzündungszeichen
4 Genu varum O-Bein und 4 Bewegungsausmaß von Knie, Fuß und Hüfte
4 Genu recurvatum ein überstrecktes Kniegelenk (Hyper- 4 ISG überprüfen, um Folgeerscheinungen festzustellen
extension). 4 MFP
4 Lachmann-Test
Diese Achsenabweichungen entstehen durch Bandinstabili-
täten (häufig bei Frauen), muskuläre Dysbalancen, knöcherne Komplikationen
Variationen oder Nervenläsionen (N. femoralis → Genu recur-
vatum). Die Bänder des Kniegelenks sind in 7 Übersicht 1 auf- 4 Nach einer Umstellungsosteotomie erhöhte Thrombose-
gelistet. Genu valgum und Genu varum haben häufig ihre Ur- gefahr
G sache in Störungen der Fußgewölbe. Auch Variationen des 4 Alle drei Fehlstellungen bedeuten präarthrotische Defor-
CCD-Winkels können dafür verantwortlich sein. Aufgrund des mierungen.
breiteren Beckens haben Frauen ein physiologisches X-Bein.
Bei allen drei genannten Formen der Beinachsenabweichung Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 3–Abb. 11)
wirkt eine inhomogene Belastung des Tibiaplateaus einschließ-
lich des Gelenkknorpels. Die Entwicklung einer Arthrose im Ziel Therapie
Kniegelenk (7 Kap. Gonarthrose) kann beschleunigt werden.
Stabilisierung Isometrische Spannungsübun-
von Bändern gen, Kraulschwimmen, Skilang-
. Übersicht 1. Bänder des Kniegelenks und Muskeln lauf, Crosstrainer, Beinachsen-
4 Lig. patellae training auf verschiedenen
4 Lig. collaterale mediale, auch Lig. collaterale tibiale Unterlagen
(ist mit dem medialen Meniskus verwachsen) Koordination Propriozeptives Training,
4 Lig. collaterale laterale, auch Lig. collaterale fibulare Kletterwand
4 Retinaculum mediale
4 Retinaculum laterale Schmerzlinderung Elektro, Eis oder Kaltluft (bei
4 Lig. cruciatum anterius (vorderes Kreuzband) Schwellung)
4 Lig. cruciatum posterius (hinteres Kreuzband) Postoperative Thromboseprophylaxe, Narben-
4 Lig. popliteum obliquum Behandlung behandlung, Patellamobilisation,
4 Lig. popliteum arcuatum Muskelaufbau
4 Lig. transversum genus
Verbesserung der SRT, MT, Walkungen, evtl. be-
Knorpeltrophik gleitende Substitutionstherapie

Formen
! Cave
4 Ein- oder beidseitige Achsenabweichung 4 Stauchungsbelastungen vermeiden!
4 Mit oder ohne OP: Umstellungsosteotomie

Fragen beim Befund


4 Treiben Sie Sport? → Extreme sportliche Belastungen
können verfrüht zu einer Gonarthrose und schließlich zu
einem Gelenkflächenersatz führen.
4 Hatten Sie bereits eine Knie-OP? Wurden die Menisken
verletzt?
4 Sind Sie umgeknickt?
4 Hatten Sie schon immer diese Achsenabweichung?
4 Haben Sie noch Ihre Kreuzbänder?
4 Hatten Sie einen Unfall, evtl. mit Verletzung der Knie-
bänder?

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_7,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
59 G

. Abb. 1 Genu recurvatum, Genu valgum, Genu varum . Abb. 2 Genu valgum beidseits

. Abb. 3 Beinachsentraining auf der . Abb. 4 Kräftigung der Ab- oder Adduk-
. Abb. 5 Beinachsentraining mit dem ge-
Slackline toren, hier mit dem Seilzug
bogenen Brett; Tipp: Übung mit Schuhen
ausführen, da sonst die Füße schmerzen

. Abb. 6 Dehnung der Adduktoren . Abb. 7 Manuelle Therapie am Knie, . Abb. 8 Kurzer Fuß nach Janda mit Pezzi-
wenn die Fehlstellung bereits eine medial ball. Der Therapeut schiebt den Pezziball sanft
oder lateral betonte Arthrose bewirkt hat in alle Richtungen, der Patient hält dagegen

. Abb. 9 MT nach Mulligan, wobei sich die . Abb. 10 Bei einem strark ausgeprägten . Abb. 11 Beinachsentraining
Schubrichtung nach den Beschwerden des Genu recurvatum sollte eine Schiene getragen
Patienten richtet werden, die die Hyperextension verhindert
60 Gicht

Gicht Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Wann haben Sie Schmerzen, z.B. im Schlaf?


4 Was tut Ihnen gut, Wärme oder Kälte?
Stoffwechselerkrankung, bei der große Mengen von Harn- 4 Welche Medikamente nehmen Sie?
säure gebildet werden. Die Blutwerte an Harnsäure sind er- 4 Welche Begleitsymptome haben Sie?
höht, man spricht von Hyperurikämie. Harnsäure ist das End- 4 Essen Sie oft Fleisch, Wurst, Geflügel?
produkt des Purinstoffwechsels (. Abb. 1). Die harnsäurebil-
dende Reaktion wird durch die Xanthinoxidase katalysiert. Untersuchung
Die Aufnahme purinreicher Nahrung (zellkernreiche Nah-
rung) und Chemotherapie nach Tumorerkrankungen (Abbau 4 MFP Füße, bes. Großzehengrundgelenke
vieler Zellen und derer DNA-haltiger Zellkerne) verstärken 4 Prüfung auf Gichttophi im Fingerbereich
die Harnsäurebildung. Die schlecht wasserlösliche Harnsäure
lagert sich in kristalliner Form als Gichttophi in den Gelenk- Komplikationen
innenräumen ab. Bevorzugt sind die Zehen- und Fingerge-
lenke sowie direkte Gelenknähe. Am häufigsten ist das Groß- 4 Gichtniere
zehengrundgelenk befallen. Die Kristallablagerungen führen 4 Bildung von Harnsäuresteinen im harnableitenden System
G zur Erosion des Gelenkknorpels und zu entzündlichen Pro-
zessen (Arthritis) mit Beweglichkeitseinschränkungen und Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
Schmerzen. Die Krankheit kann plötzlich auftreten (akuter
Gichtanfall) und chronifizieren. Häufig rezidivierende Ar- Ziel Therapie
thritiden führen zur postarthritischen Arthrose. Die Präven-
tion besteht in purinarmer Ernährung. Da Alkohol die Xan- Schmerzlinderung Heiße Rolle in anfallsfreier
thinoxidase aktiviert, treten Gichtanfälle oft kurz nach Alko- Phase, bei akutem Gichtanfall ist
holgenuss auf. Zur medikamentösen Therapie gehören die Kälte angenehm, Güsse, MT
Verordnung eines Xanthinoxidase-Hemmers (Allopurinol) Durchblutung der Wechselwarme Fuß- und Arm-
und/oder eines Urikosurikums (z.B. Benzbromaron). Im aku- Füße und Hände bäder, isometrische Spannungs-
ten Gichtanfall wird Colchizin gegeben. verbessern übungen, Wassergymnastik,
Ultraschalltherapie, Fango
Formen Erhöhung UV-Ganzkörperbestrahlung för-
der Harnsäure- dert die Harnsäureausscheidung
4 Hyperurikämie: Erhöhte Harnsäurekonzentration im
ausscheidung durch die Niere; Trinkkuren,
Blut generell hohe Wasserzufuhr
4 Akuter Gichtanfall: Akute Schmerzen und Bewegungs-
einschränkungen in einem Gelenk, meist im MTP-Ge-
lenk; akuter Anstieg der Harnsäurekonzentration Wichtig
4 Chronische Gicht: Harnsäurekristalle lagern sich allmäh- Im akuten Gichtanfall ist Colchizingabe angezeigt,
lich in und neben den Gelenken ab sonst tägliche Gabe von Allopurinol, auch zur Sekundär-
4 Gichtniere: Schwerste Komplikation der Gicht prävention.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
61 G
. Abb. 1 DNA und RNA der Nahrung und der körper-
eigenen Zellen enthalten Purine und Pyrimidine.
Das Endprodukt des Purinabbaus ist die Harnsäure

. Abb. 2 Trinkkur, hier Brunnen in Karlsbad . Abb. 3 Eisbehandlung . Abb. 4 Entspannung mit wechselwarmen
Fußbädern, auch zur Durchblutungsanre-
gung

. Abb. 5 Warm-Kalt-Güsse . Abb. 6 Traktion in den Zehen- und


Fingergelenken

. Abb. 7 UV-Lichttherapie . Abb. 8 Wassergymnastik und sonstiges . Abb. 9 Fango segmental für das Gelenk,
allgemeines Herz-Kreislauf-Training das Schmerzen bereitet
62 Gonarthrose

Gonarthrose Untersuchung

Was ist das? 4 Umfangmessungen: Bei Knieschwellung nach der Thera-


pie muss die Intensität verringert werden
Schmerzhafte degenerative Kniegelenkerkrankung. Unter 4 ISG: Möglicherweise Schmerzfreiheit beim Gehen durch
den Arthrosen ist die Gonarthrose neben der 7 Koxarthrose Änderung in der Statik
die häufigste Form. Die Arthrose entsteht durch Über- oder 4 Fuß- und Sprunggelenk in Auswirkung auf das Knie: Evtl.
Fehlbelastung bzw. posttraumatisch. Wichtige radiologische stehen Talus und Kalkaneus in einer Fehlstellung
Arthrosezeichen sind 4 Wärme: Hinweis auf Arthritis
4 eine Hypersklerosierung der überlasteten Stellen, 4 Beinachsen von ventral, dorsal und lateral
4 eine Verschmälerung des Gelenkspalts und 4 Tanz der Patella: Hinweis auf Schwellung
4 die Ausbildung von Osteophyten (Knochenpflanzen).
Komplikationen
Nach zunehmendem Knorpelabrieb kommt es auch zu Kno-
chendefekten bis hin zu Ankylosen (arthrosebedingte Gelenk- 4 Postoperativ: Thrombose, Embolie, Prothesenlockerung
versteifung). Klinische Frühzeichen sind Schmerzen (beson- (7 Kap. Knie-TEP)
ders Anlaufschmerzen) sowie die Einschränkung der Gelenk-
G beweglichkeit einschließlich der Verschlechterung des Gang- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
bilds. Bei Gelenkergüssen treten mitunter sog. Bakerzysten
(mit Gelenkflüssigkeit gefüllte Aussackungen der hinteren Ziel Therapie
Gelenkkapselwand) auf. Therapeutisch empfehlen sich in der
konservativen Therapie physiotherapeutische Maßnahmen Schmerzlinderung Traktion (z.B. mit Skischuh
nach dem Grundsatz: Viel Bewegung, wenig Last. Operative oder Gewichtsmanschette als
Therapie ist der Gelenkersatz (Knie-TEP). Hausaufgabe), Eis, Massage,
Elektrotherapie, TCM, Pendel-
Formen bewegungen (Pendelstuhl)
Erhalt der Beweg- PNF, PIR, MT nach Mulligan
4 Arthrose durch primäre Qualitätsstörungen des Gelenk- lichkeit (Unterschenkel in BL über das
knorpels Bankende herausragen lassen
4 Arthrose durch Trauma zur Extension), Funktions-
4 Arthrose durch Entzündung massagen, Mobilisierung des
4 Arthrose durch Varus- oder Valgusfehlstellung Recessus suprapatellaris
4 Medial betonte Gonarthrose Kraftaufbau für Im Sitz mit leichtem Gewicht
4 Lateral betonte Gonarthrose TEP am Fuß, MTT: Beinpresse,
4 Pangonarthrose (mediale und laterale Knorpelverände- Therabandübungen als Haus-
rung mit femoropatellarer Schädigung) aufgabe
4 Mit oder ohne Arthroskopie: Bei einer Arthroskopie
wird das Gelenk gespült und evtl. der Knorpel geglättet. Physiologisches Gangschule, Aquawalking,
Osteophyten werden abgetragen. Danach wird das Knie Gangbild Treppentraining
1–2 Wochen entlastet, bis die Synovia wieder ihre ur- Bewegung unter Bewegungsbad, PNF, Schlingen-
sprüngliche Zusammensetzung hat. entlastenden Bedin- tisch, sämtliche Übungen in
4 Einteilung nach Knorpelschaden Grad 1–4 gungen SL, BL, RL und Sitz, Radfahren
Eigenständigkeit des Hausaufgabenprogamm mit
Fragen beim Befund Patienten erhalten stabilisierenden und mobilisie-
oder erarbeiten renden Übungen
4 Wobei haben Sie Schmerzen, in Ruhe, bei Bewegungen
etc.? Knorpel erhalten SRT, Wechseldruckbelastun-
4 Wie weit können Sie schmerzfrei gehen? Wiederbefund oder wiederauf- gen, Gehen, Einlagen zur Ent-
nach einem gewissem Zeitraum zur Überprüfung der bauen lastung
Gehstrecke
4 Nehmen Sie Medikamente wie Analgetika (Schmerzhem-
mer), Antiphlogistika (Entzündungshemmer)? ! Cave
4 Wurden Ihnen knorpelaufbauende Präparate gespritzt? 4 Möglichst im schmerzfreien Bereich arbeiten!
4 Tragen Sie speziell pufferndes Schuhwerk oder Einlagen? 4 Keine Sprünge, keine Überlastung des Knies, viel Be-
wegung, wenig Last!
4 Zu empfehlen sind Schuhe mit weichen Sohlen und
flachen Absätzen.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
63 G

. Abb. 1 Manuelle Therapie (besonders . Abb. 2 Gangschule. Beinachse beachten! . Abb. 3 Kraftaufbau im Bein als Vorberei-
Traktion zur Schmerzlinderung und Walkun- tung für eine OP, z.B. mit PNF; der Patient
gen zur Verbesserung der Knorpeltrophik) kann mit einer Gewichtsmanschette am Fuß
die PNF-Bewegung zu Hause auch selber
durchführen

. Abb. 4 Wechseldruckbelastung im Knie, . Abb. 5 Bewegungsbad . Abb. 6 Kniebeugen, z.B. an der Kletter-
Walkungen wand im schmerzfreien Bereich; das Vorteil-
hafte des Trainings an der Kletterwand ist,
dass alle Bewegungen sehr langsam ausge-
führt werden und so genügend Zeit für das
Korrigieren der Beinachse bleibt

. Abb. 7 Bewegung unter entlastenden . Abb. 8 Kniemobilisation nach Mulligan, . Abb. 9 Kräftigung der Muskulatur mit
Bedingungen z.B. als Hausaufgabe täglich 3-mal 10 Wdh; Pezziball
der Patient übt eine Lateralverschiebung
über den Druck der Hände aus und bewegt
dann das Gelenk in die sonst schmerzhafte
Bewegungsrichtung
64 Handwurzelknochen- und Mittelhandfrakturen

Handwurzelknochen- 4 Rolando-Fraktur: Y-förmige Bruchlinie am Os meta-


und Mittelhandfrakturen carpale I; Versorgung mit Schraubenosteosynthese und
anschließendem Gips
Was ist das? 4 Bennet-Fraktur: Fraktur des Os metacarpale I, wobei der
M. abductor pollicis die ulnare Basis in eine Luxationsdis-
Häufige Frakturen (. Abb. 1), wobei 75% dieser Verletzungen lokation zwingt; Versorgung mit Schraubenosteosynthese
das Os scaphoideum betreffen. Die Frakturen führen zu und anschließendem Gips
schmerzhafter Einschränkung der Beweglichkeit und dishar-
monischer Restbeweglichkeit der Hand. Die Diagnose der Fragen beim Befund
Kahnbeinfraktur ist schwierig. Bei ausbleibender oder unvoll-
ständiger Therapie entwickelt sich oft eine Pseudarthrose. 4 Sind bei Ihnen operativ Versteifungen vorgenommen
Gelegentlich kommt es zu einer Kombination von Skaphoid- worden? → Wichtig für manualtherapeutische Techniken
fraktur und skaphoulnärer Dissoziation (Zerreißung der Bän- 4 Wurden bei Ihnen Muskelansätze operativ rekonstruiert?
der zwischen Kahn- und Mondbein, bezeichnet als De-Quer- 4 Hat der Arzt Angaben zum Tragen von schwereren Ge-
vain-Luxations-Fraktur). Therapie der Skaphoidfraktur ist genständen gemacht?
eine Verdrahtung oder Verschraubung (zweiteilige Doppelge- 4 Wie wurde der Bruch versorgt? Röntgenbild?
windeschraube [Herbert-Schraube]) sowie Gips bis maximal 4 Haben Sie Missempfindungen? → Möglichkeit einer Ner-
12 Wochen. In 7 Übersicht 1 sind die Strukturbeziehungen zu venläsion durch den Gips
Muskeln zusammengefasst.
H Untersuchung
. Übersicht 1. Beziehungen von Handwurzel-/
4 Zehnertest der Hand
Mittelhandknochen und Handmuskeln
4 MFP: Alle Muskelgruppen von Handgelenk und Fingern
4 Skaphoideum: M. abductor pollicis brevis testen
4 Lunatum 4 Bewegungsausmaß
4 Triquetrum 4 Schwellung
4 Pisiforme: M. abductor digiti minimi, M. flexor carpi 4 Umfangmessungen an Hand und Unterarm (nach Gips)
ulnaris 4 Verfärbung
4 Trapezium: M. palmaris brevis, M. opponens pollicis,
M. flexor pollicis brevis Komplikationen
4 Trapezoideum: M. flexor pollicis brevis
4 Kapitatum: M. adductor pollicis, M. flexor pollicis 4 Kirschnerdraht könnte wandern
brevis 4 Morbus Sudeck (7 Kap. Morbus Sudeck)
4 Hamatum: M. flexor digiti minimi brevis, M. oppo- 4 Einklemmung von Weichteilen im Frakturspalt
nens digiti minimi, M. flexor carpi ulnaris 4 Pseudarthrose
4 Metacarpalia I-V: Mm. interossei dorsales, M. flexor
carpi radialis (II und III), M. abductor pollicis longus Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
(Basis I), M. extensor carpi ulnaris (Basis V), M. exten-
sor carpi radialis brevis (Basis III), M. extensor carpi
Ziel Therapie
radialis longus (Basis II), M. adductor pollicis (II),
M. opponens digiti minimi (V), M. flexor carpi ulnaris Schmerzlinderung Eis, Kneten mit Fango
(Basis V), M. opponens pollicis (I), M. flexor pollicis (Wärme), Akupressur
brevis (Basis I) Verbesserung der MT, ADL, Eigenübungen
4 Palmaraponeurose: M. palmaris longus, M. palmaris Beweglichkeit (z.B. mit Igelball), Manuelle
brevis Therapie nach Mulligan
Abschwellende Lymphdrainage
Maßnahmen
Formen
Kraft Übungen mit dem Ball,
4 Kahnbeinfraktur: Häufigste Handwurzelfraktur Therapieknete, Klettern an der
4 Subkapitale Fraktur des Os metacarpale V nach Faust- Sprossenwand, PNF, Wasser-
schlag gymnastik (Übungen mit
4 Basisnahe Fraktur des Os metacarpale V beim Kunst- Poolnoodle oder ähnlichen
turnen Geräten), Flexator
4 Basisnahe Luxationsfraktur der Mittelhandknochen: Verbesserung der Übungen mit Qi-Gong-Bällen,
Verplattung mit dem nächstliegenden Handwurzel- Feinmotorik Dosenöffner bedienen,
knochen Pinzettengriff

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_8,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
65 H

. Abb. 2 Manuelle Therapie . Abb. 3 Übungen mit dem Ball

. Abb. 1 Knochen der Hand: Karpus mit


. Abb. 4 Geschicklichkeitsübungen (Büro- . Abb. 5 MT nach Mulligan zur Verbesse-
Skaphoideum (S), Lunatum (L), Triquetrum
klammer an Papier heften) rung der Dorsalextension. Diese Schub-
(T), Pisiforme (unbeschriftet), Trapezium (T),
richtung kann auch mit einem Tape ergänzt
Trapezoideum (T), Kapitatum (C), Hamatum
werden
(H); Metakarpus und Phalangen

. Abb. 6 Kraftübung mit Sandsack oder . Abb. 7 Stift oder Mikado rollen
Therapieknete

. Abb. 8 Häkeln mit den Fingern . Abb. 9 PNF am Seilzug, die Griffe des Seil-
zugs entfernen; zum Greifen eignen sich die
am Seil befestigten Kugeln; so ist eine saubere
Ausführung der PNF-Bewegung möglich
66 Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Haben Sie einen Klappenfehler?


4 Hatten Sie einen Herzinfarkt?
Bei einer Herzinsuffizienz kann das Herz die erforderliche 4 Sind Ihnen Lungenerkrankungen bekannt?
Pumpleistung für den Körper nicht mehr leisten (. Abb. 1). Die 4 Schlafen Sie gut? → Nykturie
Auswurfleistung der linken Kammer (Linksherzinsuffizienz) 4 Haben Sie Herzrhythmusstörungen?
bzw. der rechten Kammer (Rechtsherzinsuffizienz) oder des 4 Ist Ihnen bekannt, ob Sie KHK haben?
gesamten Herzens (Globalinsuffizienz) ist herabgesetzt. 4 Nehmen Sie Medikamente, z.B. Diuretika, Digitalisprä-
parate?
jLinksherzinsuffizienz
4 Haben Sie Bluthochdruck?
Wichtige Ursachen einer Linksherzinsuffizienz können sein:
4 ein lange bestehender arterieller Hypertonus,
4 eine starke Anämie mit Tachykardie,
Untersuchung
4 ein (linksseitiger) Myokardinfarkt (7 Kap. Myokardinfarkt),
4 Ergometer fahren bei geringer Wattzahl: Test zur Leis-
4 Stenosen oder
tungsfähigkeit mit Pulsmessung
4 Insuffizienzen der Mitral- oder Aortenklappe.
4 Puls messen: Abdriften in unökonomische Bereiche ver-
Symptome der Linksherzinsuffizienz sind: meiden. Evtl. Einsatz eines Pulsoximeters (Abfall der O2-
4 Leistungsschwäche und Sättigung in der Peripherie)
H 4 Rückstauungen in die Lunge mit Dyspnoe, Husten, bis hin 4 Blutdruckmessung: Bei Herzinsuffizienz eher niedriger
zum Lungenödem. RR
4 Überprüfung der Gesichtsfarbe (Mund-Nase-Dreieck)
Letzteres Geschehen wird auch als Asthma cardiale be- wegen Überforderung
zeichnet. 4 Messung der 6-min-Gehstrecke
jRechtsherzinsuffizienz 4 Auskultation: Zur Vermeidung von Dekompensation/
Häufige Ursachen einer Rechtsherzinsuffizienz sind schwere beginnendem Lungenödem (blasiges Rasselgeräusch);
Erkrankungen der Lunge, deshalb auch die Bezeichnung Cor evtl. Erkennen einer Klappeninsuffizienz
pulmonale. Kausal können auch rechtsseitige Infarkte und 4 Regelmäßige Umfangmessungen der Knöchel
Klappenfehler der Trikuspidal- und Pulmonalisklappe sein. 4 Bei starken Ödemen tägliche Gewichtskontrolle
Außerdem kann die Rechtsherzinsuffizienz Folge einer länger
bestehenden Linksherzinsuffizienz sein. Symptome der Rechts- Komplikationen
herzinsuffizienz sind:
4 Rückstauungen in den venösen Teil des Kreislaufs mit 4 Überforderung
Aufstauung von Kopf- und Halsvenen, 4 Kreislaufkollaps
4 Stauungsgastritis und -hepatose, 4 Beachte: Bei allen Herzpatienten den Kopf immer hoch
4 Aszites (Bauchwasser) und und die Beine tief lagern!
4 Knöchelödeme. 4 Atemschwierigkeiten
4 Übelkeit
Eine Nykturie (häufiges nächtliches Wasserlassen) kann bei 4 Lymphödem als Folge von Herzinsuffizienz
allen Formen der Herzinsuffizienz auftreten.
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
Formen

4 Kompensierte Herzinsuffizienz (Stadium I): Hyper- Ziel Therapie


trophierter Herzmuskel → langsam steigerndes Ausdauer- Vermeiden von Folgen Pneumonieprophylaxe,
training der Immobilisation bei Thromboseprophylaxe
4 Dekompensierte Herzinsuffizienz (Stadium II): Herz- dekompensierter Herz-
dilatation → Kreislauf entlasten, Atemtherapie insuffizienz
Die Herzinsuffizienz wird von der New York Heart Associa- Sauerstoffversorgung Atemtherapie, assistives
tion (NYHA) in 4 Stadien eingeteilt: des Körpers Bewegen
Zurechtkommen im Kreislauftraining (z.B. Ge-
Stadium Beschreibung
Alltag hübungen), angepasstes
1 Atemnot bei extremer Belastung Ausdauertraining nur in
2 Atemnot bei Belastung Stadium 1
3 Atemnot bei leichter Belastung
4 Atemnot in Ruhe
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
67 H

. Abb. 1 Links: Gesundes Herz; rechts:


Herz mit deutlicher Linksherzinsuffizienz
im dekompensierten Stadium (Stadium der
Dilatation) mit bereits bestehender Mitral- . Abb. 2 Atemübung: Kontaktatmung, . Abb. 3 ASTE: Arme in nicht zu hoher
insuffizienz Einatmung durch die Nase Vorhalte, kombiniert mit Ausatmung

. Abb. 4 ESTE: Arme zurück, kombiniert . Abb. 5 Atemtherapie. Pressatmung ver- . Abb. 6 Einfache Gehübungen in der
mit Einatmung meiden! Ebene mit Pulskontrolle

. Abb. 7 Thromboseprophylaxe und Kreis- . Abb. 8 Pneumonieprophylaxe, vor allem . Abb. 9 Flankenatmung einstudieren;
laufgymnastik in der Klinik bei Linksherzinsuffizienz bei Rechtsherzinsuffizienz als Folge von
COPD, um Ventilation und Distribution zu
verbessern

! Cave
4 Bei Wassergymnastik, Unterwassermassage, Güssen:
Der hydrostatische Druck und das warme/kalte
Wasser können den Patienten überfordern!
4 Bei der dekompensierten Herzinsuffizienz die Arme
nicht über Herzhöhe heben (da erhöhter venöser
Rückstrom):
– Im Sitzen sind Übungen unter 90° Flexion und
Abduktion möglich.
– In RL keine Flexion im Glenohumeralgelenk, maxi-
male Abduktion ist möglich.
68 Humerusfraktur

Humerusfraktur Untersuchung

Was ist das? 4 Bewegungsausmaß


4 MFP des Ellenbogens und der Schulter
Bei der Humersusfraktur (. Abb. 1) bricht der Oberarm- 4 Umfangmessungen des Oberarms
knochen (Anteil: ca. 5% aller Frakturen). Verursacht wird die 4 Schwellung in der Hand
Fraktur durch Traumen, seltener durch Osteolyse (z.B. bei 4 Palpation des M. pectoralis
Tumormetastasen). Die Versorgung erfolgt konservativ, in- 4 HWS-Funktionsuntersuchung
stabile Frakturen werden operativ mit Osteosynthesen (Zug- 4 Sensibilität und Motorik der Hand und der Finger
schrauben, Spickdrähte, retrograde Marknägel von distal nach 4 Tests für ACG, z.B. horizontale Adduktion mit Kompres-
proximal eingebracht, T-Platten sowie spezielle Platten) be- sion ins Glenohumeralgelenk
handelt. Das Metall wird nach angemessener Zeit entfernt. Bei
suboptimaler Gefäßversorgung des Caput humeri ist die Im- Komplikationen
plantation einer Schulter-TEP (7 Kap. Schulter-TEP) indiziert.
4 AVK
Formen 4 Nervenschädigung
4 Humeruskopfnekrose
4 Proximale Humerusfraktur: Humeruskopffraktur, sub- 4 Posttraumatische Arthrose
kapitale Humerusfraktur
H 4 Genauere Charakteristik bei den nach Lokalisation ein- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
geteilten Humerusfrakturen, z.B. stabile eingestauchte
Humeruskopffraktur (konservative Versorgung) Ziel Therapie
4 Humerusschaftfraktur:
5 Querfraktur Schmerzlinderung Sanfte Massage, Fango,
5 Spiralfraktur Heiße Rolle, Eis, Tape
4 Streng genommen zählt die subkapitale Fraktur dazu, da Wiederherstellung der MT, Pendelübungen,
der Humerusschaft betroffen ist. Beweglichkeit in Ellen- PIR, Mulliganmobilisation
4 Distale Humerusfraktur bogen- und Schulterge- (ASTE: VFST, RL oder
4 Extraartikuläre Humerusfraktur: Suprakondyläre Fraktur lenk, Kapseldehnung Stand)
4 Intraartikuläre Humerusfraktur: Kondyläre Fraktur bzw. N. radialis mitbehandeln Nervenmobilisation,
Humeruskopffraktur Elektrotherapie (Strom-
4 Instabile Frakturen: form bedenken!)
5 Dislozierte Mehrfragmentfraktur
5 Abrissfraktur Kraftaufbau MTT, Kletterwand
5 Tuberculum majus nach völliger Ausheilung,
Flexibar, Theraband
Fragen beim Befund Haltungsschulung PNF-Schulterpattern, Auf-
richtungstape
4 Gab oder gibt es motorische oder sensible Ausfälle in
Koordinationstraining PNF-Armpattern, Flasche
Unterarm, Handgelenk oder Fingern?
und ADL öffnen, Haare kämmen,
5 → Hinweis auf Schädigung des N. radialis bei proxima-
Seilzugübungen (aus SL,
len Schaftfrakturen (Nähe des Nervs zum Knochen)
Stand und Sitz, auch mit
5 → Nervenläsionen (N. radialis, N. ulnaris, N. medianus)
BWS-Rotation möglich)
bei intraartikulären distalen Humerusfrakturen (Art.
cubiti)
5 → Nervenläsionen auch durch Operationen möglich
4 Wie kam es zur Fraktur (Art des Traumas)? → Aufschluss ! Cave
über zusätzliche Beschwerden in ACG und SCG Kein frühes Heben und Tragen schwerer Lasten!
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
69 H

. Abb. 1 Darstellung eines frakturierten . Abb. 2 Tape zur Unterstützung einer auf- . Abb. 3 Funktionsmassage
Humerus. Der Humerus hat drei interessante rechten Haltung und damit zur Vermeidung
Winkel. Der Torsionswinkel weist 20° auf. Der einer Schonhaltung
Winkel zwischen der Longitudinal- und der
Kollumachse beträgt 130°. Der Winkel zwi-
schen Longitudinal- und Epikondylenachse
liegt zwischen 76° und 89° (medial gemessen)

. Abb. 4 Passives Bewegen: Der nicht be- . Abb. 5 MT: ACG . Abb. 6 MT: SCG
troffene Arm zieht den betroffenen über das
Seil in zunehmende Flexion

. Abb. 7 Der Patient rotiert den Stab. Die . Abb. 8 Stabilisationstraining nach er- . Abb. 9 MTT: Kraftaufbau
Stellung des Schultergelenks kann variiert folgter Röntgenkontrolle
werden, hier Kombination mit Beinachsen-
training auf der Slackline
70 HWS-Syndrom

HWS-Syndrom Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Haben Sie ausstrahlende Schmerzen, z.B. in den Oberarm,
Schultergürtel, Ellenbogen?
Das HWS-Syndrom beschreibt, ohne genauere Differenzie- 4 Hatten Sie bereits einen Bandscheibenvorfall (7 Kap.
rung, Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule. Kausal Bandscheibenvorfall)?
können darunter Irritationen des peripheren Nervengewebes 4 Haben Sie Arteriosklerose? → Ablagerungen in der A. verte-
verstanden werden, die durch degenerative Veränderungen bralis oder in der A. carotis können eine Gefahr darstel-
in der HWS, durch Blockaden, Bandscheibenvorfälle, Tumo- len.
ren, Spondylolyse sowie nach einem Beschleunigungstrauma 4 Hatten Sie einen Autounfall? → Hinweis auf Beschleuni-
hervorgerufen werden. Die Symptome werden auf der Grund- gungstrauma
lage von Irritationen der Spinalnerven, peripherer Nerven 4 Treten die Beschwerden v.a. morgens nach dem Aufstehen
und Muskeln unterschieden. Innerhalb des Krankheitsge- auf? Wie ist Ihre Schlafposition? → Tipps für gutes Nacken-
schehens zeigen sich motorische, sensible und vegetative Stö- kissen
rungen im Bereich des Schultergürtels, des Halses und der
oberen Extremität. Synonym für den Begriff HWS-Syndrom Untersuchung
werden Zervikalsyndrom, Zervikalgie oder Zervikobrachial-
syndrom (Symptome im Arm) verwendet. Die Ausstrahlung 4 Überprüfen der Muskulatur auf Triggerpunkte
der Beschwerden in die Okzipitalregion ist möglich. Einseitige 4 Funktionsuntersuchung der HWS: Unterscheidung, ob
H Haltung und Fehlhaltungen durch langes Sitzen bei PC-Ar- obere/untere HWS betroffen ist
beit, Schreibtischarbeiten, beim Fernsehen, Autofahren, kom- 4 BWS: Beweglichkeit und isometrische Tests durchführen
biniert mit genereller Bewegungsarmut und fehlendem Bewe- 4 Untersuchen der 1. Rippe
gungsausgleich tragen dazu bei, dass das HWS-Syndrom zu 4 Funktionsuntersuchung der Schulter
einer regelrechten Volkskrankheit geworden ist. Die Vielfalt 4 A. vertebralis-Test, Slump-Test
der Symptome und Ursachen zwingt Ärzte und Physiothera-
peuten zu einer gründlichen und differenzierten Diagnostik. Komplikationen

Formen 4 Beim Mobilisieren der HWS Gefahr des zervikalen Quer-


schnitts!
4 Fehlstellung der 1. Rippe 4 Gefahr eines apoplektischen Insults bei Traktion an HWS!
4 Triggerpunkte: M. trapezius, Mm. rhomboidei, M. levator 4 Hör-, Seh- und Schluckstörungen (Red Flags)
scapulae, M. sternocleidomastoideus, Mm. scaleni (oft in
Zusammenhang mit der 1. Rippe), kurze Nackenmuskula- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
tur (oft in Kombination mit Kopfschmerz)
4 Vertebrale Dysfunktion in den oberen Kopfgelenken (be- Ziel Therapie
sonders Einschränkung von Extension und Flexion, Rota-
tion aus maximaler Flexion eingeschränkt) oder des zer- Schmerzlinderung Elektrotherapie, Fango
vikothorakalen Übergangs (Rotation und Lateralflexion Entspannung der Massage, Wärme, Trigger-
sind eingeschränkt) Nackenmuskeln behandlung, Sauna
4 HWS-Syndrom durch degenerative Wirbelsäulenverände- Vegetative Milde Traktion, Rotations-
rungen inkl. Facettensyndrom oder Spinalkanalstenose Harmonisierung mobilisation aus der Rücken-
4 HWS-Syndrom durch Bandscheibenvorfall (Prolaps) oder lage, Entspannungstechniken,
-vorwölbung (Protrusio) E-Technik, TCM
4 HWS-Syndrom durch Beschleunigungstrauma
4 Myogenes HWS-Syndrom, muskulär bedingt, z.B. M. tra- Beseitigung von Manuelle Therapie, aktive
pezius Dysfunktionen Mobilisationsübungen
4 HWS-Syndrom durch Irritationen peripherer Nerven Verbesserung der Schulterpattern, Theraband
(N. axillaris, N. radialis, N. ulnaris, N. medianus) Haltung
4 Nackenbeschwerden im Rahmen anderer Grundkrank-
heiten, z.B. rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie etc.
! Cave
Die Behandlung sollte stets im schmerzfreien/schmerz-
armen Bereich erfolgen!
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
71 H

. Abb. 1 Fango . Abb. 2 1. Rippe: Lateralflexion und Rota- . Abb. 3 Schlingentisch, hier Kombination
tion einstellen, wenn es für den Patienten aus Traktion und Lateralflexion möglich; der
angenehmer ist Schlingentisch dient als gute Ausgangsstel-
lung für sanfte Mobilisation und Massage-
techniken

. Abb. 4 Rotationsmobilisation im Schlin- . Abb. 5 Manuelle Therapie . Abb. 6 Funktionsmassage der HWS im
gentisch Sitzen (Flexion, Extension oder auch Rechts-/
Linksrotation); der Patient lässt sich dabei
passiv bewegen

. Abb. 7 Nelson-Traktion: Der Patient sitzt . Abb. 8 Dehnung des M. trapezius im . Abb. 9 Cervico-Thoracaler Übergang
dabei mit weit abduzierten, herunterhängen- Schlingentisch (CTÜ): der Daumen des Therapeuten übt
den Beinen, wobei der Rücken des Patienten Druck auf die Dornfortsätze des CTÜs aus im
zum Bankende zeigt; nur so hat der Thera- Sitz
peut einen guten und sicheren Stand
72 Impingement-Syndrom

Impingement-Syndrom Untersuchung

Was ist das? 4 Bewegungsausmaß, Painful Arc (typische Ausweichbewe-


gung): Abd. wird ab ca. 60° mit AR kombiniert
Subakromiales Engesyndrom (Raumenge zwischen unterem 4 Muskelverhärtungen im Seitenvergleich
Rand des Akromions und oberem Rand des Caput humeri) 4 Überprüfung der 3 Phasen von Abduktion und Elevation
am Glenohumeralgelenk. Diese Enge führt zu einer schmerz- (skapulothorakaler Rhythmus)
haften Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit. Ursachen 4 SC-Gelenk
sind: 4 AC-Gelenk
4 Muskelreizungen und Muskelverkalkungen (M. supra- 4 Atrophie der Rotatoren
spinatus, Caput longum des M. biceps brachii),
4 Entzündungen der Bursae (Bursitis subacromialis, Bursitis Komplikationen
subtendinea musculi coracobrachialis,7 Kap. Bursitis),
4 Osteophyten (des Akromions) und 4 Hohe Rezidivneigung
4 Kapselverengungen. 4 Rupturen der Rotatorenmanschette

Das Impingement-Syndrom wird durch chronische Über- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–9)


belastung bei Überkopfarbeiten ausgelöst, z.B. beim Streichen,
Vorhänge aufhängen, Schwimmen oder Tennis spielen. Ziel Therapie

Formen Schmerzlinderung Wärme, Massage, Elektro-


therapie, Heiße Rolle
I 4 Primäres Impingement: Durch anatomische Varianten, Verbesserung des MT, Wassergymnastik,
muskuläre Dysbalancen Bewegungsausmaßes passives Bewegen unter Trak-
4 Sekundäres Impingement: Folge von Bursitis, Sehnen- tion, Schlingentisch, PNF
ruptur (Bizeps oder Rotatorenmanschette), Kapsel- Haltungsschulung Tape, Theraband
schrumpfung oder degenerativen Veränderungen (v.a.
Entwicklung einer ACG-Arthrose mit Osteophyten) Bewegungserhalt, MT: Glenohumerlagelenk,
4 Nach Duchtrennung des Lig. coracoacromiale auch in den benach- AC-Gelenk, Wirbelsäule,
4 Nach Entfernung von Osteophyten (Shaving) barten Gelenken Ellenbogen
4 Nach Defilée-Erweiterung (Akromioplastik nach Neer): Mehrdurchblutung Verlängerter Armguss
Teile des kaudalen Akromions werden zur Raumerweite-
Muskelkräftigung MTT, Flexibar, Theraband
rung abgetragen
4 Nach Bursektomie
! Cave
Fragen beim Befund Wenn die Bursa gereizt ist, keine Abduktion (über 90°)
beüben, sonst Verschlimmerung möglich!
4 Wann haben Sie Schmerzen?
4 Welche Sportart üben Sie aus?
4 Gibt es Arbeitsprozesse mit anstrengender Armarbeit?

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_9,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
73 I

. Abb. 1 Assistives Bewegen: Die gesunde . Abb. 2 Schlingentisch: Der Therapeut be- . Abb. 3 Humerus nach dorsal
Seite (hier links) zieht an der Schnur, um die tont bei der Abduktion das Kaudalgleiten
betroffene Seite assistiv zu bewegen

. Abb. 4 Bei langer Schonung Kapseldeh- . Abb. 5 Elektrotherapie, z.B. TENS . Abb. 6 PNF-Schulterpattern im Wasser
nung mit Handtuch in der Achselhöhle. Der mit Hanteln oder Bleiarmbändern (für sanfte
Patient drückt sich gegen die Wand, wobei Traktion unter Wasser)
der Ellenbogen die Wand berührt

. Abb. 7 Rollen des Balls auf dem Tisch . Abb. 8 Übungen mit dem Stab entspre- . Abb. 9 MT nach Mulligan: Der Humerus-
chend der Beweglichkeit kopf wird in eine für den Patienten möglichst
angenehme Position gezogen, der Patient
geht in die Knie
74 Infantile Zerebralparese (ICP)

Infantile Zerebralparese (ICP) 5 Dystonie: Ständiger Tonuswechsel, besonders in den


Rumpfmuskeln, evtl. in den Gesichtsmuskeln (grimas-
Was ist das? sierende Mimik)
4 Ataktische Form: Extrem niedriger Muskeltonus, die
Erkrankung, bei der Kinder aufgrund einer pränatalen, peri- Agonisten und Antagonisten arbeiten nicht ökonomisch
natalen oder postnatalen Hirnschädigung motorische Störun- miteinander, gesteigerte Muskeleigenreflexe, ausfahrende,
gen entwickeln. Die Häufigkeit liegt bei 1 bis 2 Kindern bezo- überschießende Bewegungen, möglicherweise Inten-
gen auf 1.000 Geburten. Ursache ist oft ein schwerer Sauer- tionstremor.
stoffmangel; diese schwere Form des O2-Mangels wird als
Asphyxie bezeichnet. Aber auch pränatale Infektionen wie Die Symptomatik wird in 4 Schweregrade eingeteilt:
Röteln, Toxoplasmose, Zytomegalie, Meningitis, Enzephalitis,
Schweregrad Beschreibung
ein abgelaufener Kernikterus (drastisch erhöhte Bilirubin-
werte, die bereits toxisch für die Ganglien des ZNS sind) 1 Kaum Beeinträchtigungen
oder zerebrale Blutungen können Ursachen für eine ICP sein. 2 Gehen ist mit Einschränkung möglich
Bei frühgeborenen Kindern (vor der 32. SSW) besteht ein
40-faches Risiko für ICP verglichen mit termingerecht gebore- 3 Freies Gehen ist nicht möglich,
nen Kindern. Die Haltungs- und Bewegungsstörungen mani- Fortbewegung mithilfe von Rollen,
festieren sich im Laufe des 1. und 2. Lebensjahres. Krabbeln, Robben
Die Früherkennung von motorischen Fehlentwicklungen 4 Eigenständige Fortbewegung ist nicht
ist für die weitere Entwicklung des Kindes von sehr großer mehr möglich
Bedeutung. Bei der ICP entwickelt sich die Willkürmotorik
nicht regelrecht, die Neugeborenenreflexe persistieren bzw. Untersuchung
I sind deutlich verstärkt und pathologische Reflexe treten auf,
der Muskeltonus ist inadäquat, es zeigen sich muskuläre 4 Reflexe testen
Dysbalancen, eine gestörte Grob- und Feinmotorik, Gleichge- 4 Untersuchung der Fußgelenke: Durch ständige Spitzfuß-
wichtsstörungen sowie allmähliche Kontrakturen und Fehl- stellung schmerzhafte Fußdeformitäten (7 Kap. Fußdefor-
stellungen von Gelenken. Die ICP wird von anderen Entwick- mitäten)
lungsstörungen begleitet: Wahrnehmungsstörungen, eine 4 Skoliose
retardierte Hör- und Sprachentwicklung, Sehstörungen (v.a. 4 Patella lata (Patellahochstand)
Strabismus [Schielen]), Intelligenzminderung, Apathie, Af- 4 Coxa vara (O-Bein)
fektinkontinenz sowie zerebrale Anfälle. Relativ häufig sind 4 Coxa antetorta: Veränderter Antetorsionswinkel, Femur-
metabolische Veränderungen wie Hypoglykämie. kondylen rotieren vermehrt nach außen

Formen Komplikationen
4 Spastische Form: Der Muskeltonus ist erhöht (. Abb. 1), 4 Kontrakturen und Gelenkfehlstellungen
bei der unteren Extremität besonders die Extensoren, Ad-
duktoren und Innenrotatoren und bei der oberen Extre- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
mität die Flexoren.
5 Spastische Hemiparese: Betrifft nur eine Körperhälfte Ziel Therapie
und tritt auf, wenn die A. cerebri media nicht durch-
gängig ist. Regulation des ge- Wassergymnastik, Shiatsu,
5 Spastische Diparese: Parese beider Beine mit Spitzfuß- störten Muskeltonus Diadochokineseübungen
haltung und Überkreuzungsphänomen (Scissoring), (mit Lied)
häufig bei Frühgeborenen. Verringerung abnor- PNF mit Kindern ab
5 Spastische Tetraparese: Parese beider Beine, beider mer Bewegungsmuster 4 Jahren (Grad 1+2)
Arme und des Rumpfes. Ursache ist meist eine globale
Verbesserung der Becher auf die Füße stecken,
ischämische oder hämorrhagische Unterversorgung
Grob- und Feinmotorik Kind versucht sie zu greifen
des Gehirns.
4 Dyskinetische Form: Die Basalganglien (Kerngebiete des Entwicklung sensomo- Krabbeln auf Weichboden-
Mesenzephalons, z.B. Pallidum, Striatum und Substantia torischer Erfahrungen matte, Würfel, Schaukelbrett
nigra) sind geschädigt, ständiger Tonuswechsel von Ago- Prävention von Passives Bewegen
nisten und Antagonisten, die Symptome verstärken sich Kontrakturen
bei Anstrengung, die Willkürmotorik ist erschwert, und
Stimulation mentaler Nachmachen von Bewe-
das Sprechen kann gestört sein.
Aktivitäten gungen des Therapeuten,
5 Athetose: Langsame wurmartige Bewegungen
Mirroring
5 Chorea: Ruckartige unruhige Bewegungen
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
75 I
! Tipp
Das Kind sollte Freude an der
Therapie haben und nicht über-
fordert werden!

. Abb. 1 Von links nach rechts: Beinbetonte


Hemiparese rechts, Hemiparese rechts,
Diparese, Hemiparese rechts und beinbetonte
Hemiparese links, Tetraparese

. Abb. 2 Spastik lösen durch passives Krei- . Abb. 3 Geh- und Stehübungen mit Hilfe- . Abb. 4 Entwicklung sensomotorischer
sen der Gelenke stellung des Therapeuten Erfahrungen

. Abb. 5 Regulierung des Muskeltonus . Abb. 6 Korrigieren der Ausgangsposition


auf Blöcken (lassen sich leicht in Spiele ein-
bauen), nachfolgend Bein- oder Armübungen

. Abb. 7 In BL auf Ball und zu einem Lied


im Takt wippen; Kinder imitierten gerne
Tiere: Ziel soll die symmetrische Aktivierung
des M. erectar spinae und nebenbei die Prä-
vention von Atemwegsinfekten sein

. Abb. 8 Trainieren des Unterarmstützes, . Abb. 9 Arbeiten mit vielen taktilen Reizen
zusätzlich Wegpusten eines Wattebauschs
durch Strohhalm
76 Inkontinenz

Inkontinenz 4 Inkontinenz durch Schwangerschaft: Platzmangel im


Bauchraum und Druck auf die Blase.
Was ist das? 4 Inkontinenz bei Harnfisteln (röhrenförmige Verbindung
zw. Vagina und Blase): Evtl. tumoröses Geschehen
Unvermögen, Harn/Stuhl zurückzuhalten (Harn-/Stuhlin- 4 Weitere neuroläre Formen: Bei Lähmungen der unteren
kontinenz); die Ursache muss geklärt werden. (keine in der Extremität kann häufig die Blase nicht gesteuert werden,
ICD aufgelistete Krankheit, sondern ein Symptom). Verschie- z.B. bei Spina bifida
dene Ursachen können dazu führen:
4 Druckerhöhung im Bauchraum, Fragen beim Befund
4 schwache Sphinkteren,
4 nervale Störungen, 4 Nehmen Sie harntreibende Medikamente (Diuretika)?
4 Beckenbodenschwäche, 4 Trinken Sie trotz Inkontinenz genug?
4 psychogene Faktoren, 4 Seit wann verlieren Sie Harn? → Hinweis auf potenziell
4 Zystitiden, gefährliche Ursache
4 Blasensteine,
4 Strahlenschäden, Untersuchungstechniken
4 Fisteln und Tumore im Urogenitalbereich.
4 Testen der Mobilität des pubovesikosakralen Bandgefüges
Mit zunehmendem Alter nimmt die Inkontinenzhäufigkeit 4 Testen des Beckenbodens aus SL
zu. Der Therapieansatz ist konservativ: Kräftigung der Be- 4 Blasensegment (sympathische Innervation: L1-L2,
ckenbodenmuskulatur (. Abb. 1). Dieser setzt sich aus einzel- N. splanchnicus lumbalis; parasympathische Innervation:
nen Muskeln zusammen, die in 7 Übersicht 1 aufgelistet sind. S2-S4, Nn. pelvini, skeletal: L2-L4)
I 4 MFP des M. iliopsoas
4 ISG und Beinlänge überprüfen, Palpation der Symphyse
. Übersicht 1. Muskeln des Beckenbodens
Diaphragma pelvis Komplikationen
4 M. levator ani setzt sich zusammen aus:
– M. puborectalis 4 Psychische Belastung
– M. puboperinealis
4 Übersehen von Red Flags (Differenzialdiagnostik der Ur-
– M. pubococcygeus
sache)
– M. iliococcygeus
4 M. coccygeus
4 M. ischiococcygeus
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 10)
Diaphragma urogenitale Ziel Therapie
4 M. transversus perinei profundus
4 M. transversus perinei superficialis Kräftigung des Beckenbodentraining, verschie-
Beckenbodens dene Arten der Elektrotherapie
Schließmuskeln (auch für häuslichen Gebrauch)
4 M. sphincter ani externi
4 M. sphincter ani urethro-vaginalis Vermeiden von Atemtherapie, bessere Husten-
4 M. sphincter urethrae hohem intraabdo- und Tragetechnik
4 M. bulbospongiosus minalem Druck
4 M. ischiocavernosus Sympathikus Entspannungstherapie, BGM
dämpfen
Formen ADL Gutes Zeitmanagement
bei neurolärer Form
4 Stressinkontinenz
5 Grad 1: Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen Wichtig
5 Grad 2: Harnverlust bei Belastung, z.B. Treppensteigen Schwerpunkt jeder konservativen Behandlung ist laut
5 Grad 3: Harnabgang ohne Belastung evidenzbasierter Medizin (EBM) das Training des Becken-
4 Dranginkontinenz: Ständiger Drang zum Wasserlassen bodens (Berghmans et al. 1996; Aukee et al. 2002, 2004;
durch eine schlechte Flexibilität der Blase oder eine Funk- Alewijnse et al. 2003).
tionsstörung des M. detrusor vesicae (er bewirkt, dass auch
bei einer gering gefüllten Blase die Blase entleert wird)
4 Reflexinkontinenz: Nervale Fehlsteuerung bei Zustand ! Cave
nach Schädigung der Spinalnerven oder des Rückenmarks Kein Trampolinspringen! Dabei entstehen extreme
4 Überlaufinkontinenz Drücke, die leicht zum Harnabgang führen können.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
77 I

. Abb. 1 Rot: Diaphragma pelvis. Grün: Diaphragma urogenitale. Blau: Schließmuskulatur

. Abb. 2 Tai Chi, wobei die Bewegungen . Abb. 3 Übung »Beckenboden zwinkern« . Abb. 4 Mattenprogramm mit BB-Anspan-
der Arme und Hände an die Atmung ange- aus Bridging-Position nung kombinieren
passt werden. Gleichzeitig wird der BB aktiv
kontrahiert

. Abb. 5 Beckenkippung und Becken- . Abb. 6 Alle FBL-Übungen können als BB- . Abb. 7 Atemübung auf Pezziball, kom-
aufrichtung, kombiniert mit Atmung und Übungen fungieren, indem man Atmung, BB- biniert mit BB-Anspannung; als Steigerung
Beckenbodenanspannung Anspannung und Bewegungen kombiniert auch mit Wippen auf dem Pezziball

. Abb. 8 BGM in der Umgebung der Re- . Abb. 9 BB-Training an der Kletterwand . Abb. 10 Vibrationstraining auf dem Phy-
flexzone der Blase siomat. Dabei abwechselnd BB-Anspannung
mit Vibrationseffekt, dann Beckenboden
locker lassen
78 Ischiasreizung

Ischiasreizung Untersuchung

Was ist das? 4 Untersuchung des M. piriformis auf Triggerpunkte


4 Hypersensibilität der Dermatome der weiterführenden
Reizung des N. ischiadicus, z.B. durch eine Entzündung, eine Nerven (N. tibialis und N. peroneus)
mechanische Reizung (durch Injektion) oder durch eine 4 Untersuchung von Motorik und Sensibilität
Kompression (Hämatome, hypertoner M. piriformis). Der 4 Testen von Plantarflexion, Abduktion der Zehen, Flexion
N. ischiadicus (. Abb. 1) entspringt aus dem Truncus lumbo- im Knie
sacralis und den Rami ventrales (L4-S3) am kaudalen Rand 4 Lasègue-Zeichen zum Ausschluss einer radikulären Ur-
des M. piriformis. Er tritt durch das Foramen infrapiriforme sache
in die Gesäßregion ein. Der Nerv liegt der Incisura ischiadica 4 Moutard-Martin-Zeichen testen. Dieses ist positiv, wenn
major unmittelbar auf. In der Gesäßregion schneidet der Nerv die Beschwerden beim Anheben des gesunden Beins auf-
den medialen Drittelpunkt zwischen Trochanter major und treten. Ausschluss einer radikulären Ursache
Tuber ischiadicum. Dabei liegt er den Außenrotatoren auf und 4 Minor-Zeichen testen: Dieses ist positiv, wenn der Patient
ist vom M. gluteus maximus bedeckt. Das Caput longum des beim Aufstehen die betroffene Seite entlastet
M. biceps femoris überkreuzt den N. ischiadicus in spitzem 4 Achillessehnenreflex
Winkel. Während der Verlaufsstrecke des Nerven am Ober-
schenkel liegt er der dorsalen Seite des M. adductor magnus Komplikationen
an. Am proximalen Winkel der Kniekehlenraute teilt sich der
N. ischiadicus in den N. peroneus communis und in den 4 Differenzialdiagnosen: Bandscheibenvorfall, Tumor im
N. tibialis auf. In 15% aller Fälle (europäische Population) kleinen Becken, Rückenmarkstumor oder eine Retroflexio
kommt es zu einer sog. hohen Teilung, d.h., der N. tibialis und uteri während der Schwangerschaft
I der N. peroneus teilen sich noch vor dem Durchtritt durch das
Foramen infrapiriforme. Dann ist es möglich, dass der N. pero- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
neus communis durch den M. piriformis läuft oder durch das
Foramen suprapiriforme. Ziel Therapie

Formen Schmerzlinderung Elektrotherapie, Wärme,


z.B. Fango oder Heiße Rolle
4 Reizung durch Kompression: An folgenden Stellen kann Detonisierung PIR, Triggern, Massage, Tape
der N. ischiadicus komprimiert werden: Foramen infra- des M. piriformis
piriforme, Incisura ischiadica major Verbesserung der PNF, propriozeptives
4 Reizung durch häufige Überdehnung Muskelansteuerung Training, SRT
4 Reizung durch OP: Nerv wurde angeritzt, überdehnt oder
durch OP-Lagerung abgedrückt Trophikverbesserung Nervenmobilisation, Tape
4 Reizung durch dorsale Hüftluxation des Nerven

Fragen beim Befund


! Cave
4 Hatten Sie einen Bandscheibenvorfall/-vorwölbung Radikuläre Ursachen ausschließen!
(7 Kap. Bandscheibenvorfall)?
4 Haben Sie Schmerzen beim Husten, Niesen oder Pressen?
→ Hinweis auf radikuläre Ursache
4 Tragen Sie Ihre Geldbörse in der Hosentasche auf der
schmerzhaften Seite? → Kompression als mögliche Ur-
sache
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
79 I

. Abb. 2 Triggern des M.piriformis falls . Abb. 3 Nerventape


eine Kompression des Nervs an dieser Stelle
vorliegt

. Abb. 1 Verlauf des N. ischiadicus an der


Rückseite des Beins

. Abb. 4 ASTE für Nervenmobilisation: . Abb. 5 ESTE für Nervenmobilisation: Knie


Bein strecken und Zehenspitzen ranziehen anbeugen und Kinn auf die Brust
und zur Decke schauen

. Abb. 6 Stufenlagerung ist im Einzelfall . Abb. 7 Nervenmobilisation in RL, ca.


hilfreich 3-mal 15 Wiederholungen zügig ausführen

. Abb. 8 ASTE für Nervenmobilisation als . Abb. 9 ESTE: Zehenspitzen ausstrecken,


Hausaufgabe: In RL Zehenspitzen ranziehen ca. 3-mal 15 Wiederholungen zügig aus-
führen
80 ISG-Blockaden/Sakroiliakale Fehlstellungen

ISG-Blockaden/ 5 In RL: Hinweis auf ISG-Fehlstellung mit S1-Kompres-


Sakroiliakale Fehlstellungen sion (Streeck et al. 2007)
5 In BL: Hinweis auf Arthrose im ISG bei Gelenkkom-
Was ist das? pression (Streeck et al. 2007)

Das Iliosakralgelenk (ISG) ist eine Amphiarthrose zwischen Untersuchung


Ilium und Sakrum. Die Gelenkflächen sind die jeweiligen
Facies auriculares des Os coxae und des Os sacrum. Die Facies 4 Thigh thrust
auricularis des Os coxae befindet sich kranial und medial des 4 Sacral thrust (in 2 Varianten: mit verstärktem Druck auf
Os Ilium und ist kongruent mit der gleichnamigen Gelenk- die Basis ossis sacri und den Apex ossis sacri, dazu jeweils
fläche am Os sacrum. Zu den Bändern des iliosakralen Ge- passend Beine in Ab- oder Adduktion lagern)
lenks gehören 4 Gaenslens-Test
4 das Lig. iliolumbale superius, 4 Distraktionstest (aus RL)
4 das Lig. iliolumbale inferius, 4 Kompressionstest (aus SL)
4 die Ligg. sacroiliaca (dorsalia und ventralia mit tieferen 4 Aktiver SLR mit/ohne Iliumkompression
und oberflächlichen Schichten, mit den Ligg. sacroiliaca
interossea sowie kranialen und kaudalen Zügen), → Von diesen 6 Tests müssen 3 Tests positiv sein, um von einer
4 das Lig. sacrospinale und ISG-Problematik auszugehen.
4 das Lig. sacrotuberale. 4 Einbeinstand: Ipsilaterale Beschwerden sind ein Hinweis
auf eine Entzündung oder ein Kapselproblem.
Durch die Ligg. iliolumbalia kann sich eine ISG-Fehlstellung 4 Palpation der Mm. piriformis und quadratus lumborum
auch in der unteren Lendenwirbelsäule (L4+5) manifestieren. auf Triggeraktivität
I Die Bewegungen geringen Ausmaßes im sakroiliakalen Ge- 4 Beinlängendifferenz: Funktionelle oder anatomische
lenk sind mit einer schraubigen Drehung zu beschreiben Beinlängendifferenz
(Nutation und Gegennutation). Auch eine einseitige Ilium-
bewegung (Ilium nach ventral oder nach dorsal) ist möglich. Komplikationen
Typisch für Gelenke mit geringem Bewegungsausmaß, so
auch für das ISG, sind sog. Blockaden. 4 Differenzialdiagnosen: Morbus Bechterew (7 Kap. Morbus
Bechterew), bei wellenartig auftretenden Beschwerden im
Formen Beckenbereich evtl. Erkrankung der inneren Organe,
Gleitwirbel
4 Ilium anterior: Blockade durch zu hohen Muskelzug des
M. iliacus, M. rectus femoris, Tractus iliotibialis, M. tensor Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
fasciae latae, M. pectineus, M. adductor longus, Mm. ad-
ductor magnus und brevis Ziel Therapie
4 Ilium posterior: Blockade durch zu hohen Muskelzug des
M. psoas major, M. semimembranosus, M. semitendino- Schmerzlinderung Positional Release, Fango,
sus und M. biceps femoris Elektrotherapie, assistives
4 Nutations-/Gegennutationsfehlstellung: Häufig wäh- Bewegen im Schlingentisch
rend Schwangerschaften und nach der Geburt Deblockierung Manuelle Therapie nach
des ISG Mulligan, für Ilium nach
Fragen beim Befund ventral oder dorsal aus BL,
Stand oder VFST, aktives
4 Sind die Beschwerden nach einem akuten Ereignis aufge- Bewegen, Bewegungsbad
treten? Unabhängigkeit Übungen für zu Hause im
4 Sind Sie in letzter Zeit umgeknickt? → Aufsteigende Kette des Patienten vom Falle erneuter Beschwerden,
als Ursache für ISG-Fehlstellung Therapeuten z.B. Patient im Stand, ein Fuß
4 Haben Sie Beschwerden beim Joggen auf unebenem steht auf einem Tisch, Patient
Boden? → Hinweis auf Asymmetrie der ISG-Bewegung führt eine maximale Hüft-
mit Reizung der ISG-nahen Bänder flexion aus (endgradige Be-
4 Wann treten Ihre Beschwerden auf? wegungen)
5 Haben Sie Schmerzen beim Aufstehen aus dem Sitz? →
Hinweis auf ISG-Instabilität: Ist auch der aktive SLR
ohne Iliumkompression positiv (mit Kompression
kann das Bein schmerzfrei angehoben werden), so
kann der Patient einen breiten Gürtel zur Unterstüt-
zung tragen.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
81 I

. Abb. 1 MT nach Mulligan: Aus BL drückt . Abb. 2 Symphyse (zuerst kräftig in Ab- . Abb. 3 M. piriformis und alle anderen
sich der Patient in WS-Extension, und der duktion spannen lassen und dann unmittel- Muskeln triggern, die das Becken in Fehlpo-
Therapeut schiebt (als gehaltene Position) bar danach in Adduktion drücken lassen) sition zwingen
das Ilium auf der Beschwerdeseite nach ven-
tral oder dorsal

. Abb. 4 Beckenpattern oder Automobili- . Abb. 5 Der Patient spannt das flektierte . Abb. 6 Mobilisation in SL: Ellenbogen
sation: Patient steht im VFST, ein Knie hängt Bein gegen den Therapeuten. Dabei geht übt Druck auf Tuber ischiadicum aus, Mobili-
über die Kante, dann Hüfte auf und ab bewe- das Ilium nach dorsal. Sakrum dabei fixieren sation nach posterior
gen; die feststehende Seite wird mobilisiert

. Abb. 7 Mobilisation in SL: Unterarm . Abb. 8 Patient drückt mit dem rechten . Abb. 9 Der Patient mobilisiert das Ilium
übt Druck auf Ilium aus, Mobilisation nach Fuß gegen den Therapeuten durch eine Kontraktion des M. quadriceps
anterior selbst nach anterior (auch zu Hause mit
einem Türrahmen in BL möglich)
82 Karpaltunnelsyndrom

Karpaltunnelsyndrom Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Kommt es zu einer Besserung beim Reiben oder Schütteln?
4 Seit wann treten die Schmerzen auf? → Aufschluss über
Eine Einklemmung des N. medianus durch das Retinaculum das Schmerzgedächtnis
flexorum. Beim Radfahren werden sensible Störungen wie 4 Wann haben Sie Schmerzen? → Vorwiegend nachts
»Ameisenlaufen« beschrieben. Außerdem werden motorische 4 Hatten Sie einen Bruch im Unterarm oder in der Hand? →
Störungen beobachtet. In 7 Übersicht 1 sind die Muskel-/Seh- Muskelirritation durch Achsenabweichung
nen- und Nervenverläufe an der Hand zusammengefasst. 4 Was machen Sie beruflich oder in Ihrer Freizeit?

. Übersicht 1. Muskel-/Sehnen-
Untersuchung
und Nervenverläufe an der Hand
4 Warme oder kalte Hände und weitere Sensibilität
Sehnenfächer der Hand 4 Os lunatum: Druck auf Karpaltunnel
4 Fach 1: M. abductor pollicis longus, M. extensor polli- 4 A. radialis abdrücken und Faustschluss: Test, ob die A. ul-
cis brevis naris frei durchgängig ist
4 Fach 2: M. extensor carpi radialis longus, M. extensor 4 Gelenkspiel der Handwurzelknochen testen
carpi radialis brevis 4 Triggerpunkte in den Mm. scalenus anterior, scalenus
4 Fach 3: M. extensor pollicis longus (das Tuberculum posterior und pectoralis minor
von Lister dient als Hypomochlion dieser Sehne) 4 Hoffmann-Tinel-Zeichen: Wenn man auf den Karpaltun-
4 Fach 4: Insgesamt 4 Sehnen des M. extensor digito- nel klopft, kommt es zur Symptomverschlechterung.
rum und M. extensor indicis proprius 4 Flaschen-Test: Der Daumen des Patienten kann nicht weit
4 Fach 5: M. extensor digiti minimi genug retrovertiert werden, deshalb kann der Patient kei-
4 Fach 6: M. extensor carpi ulnaris ne Flasche umfassen (der M. opponens fällt aus).
4 Karpaltunnel: M. flexor capi radialis, M. flexor digi-
K torum profundus, M. flexor pollicis superficialis,
4 C6/C7 untersuchen

M. flexor pollicis longus Wichtig


Muskeln, die den N. medianus irritieren können, sind:
Retinaculum flexorum 4 M. pronator teres,
Das Lig. carpi transversum (Retinaculum flexorum) 4 M. flexor pollicis longus,
spannt sich zwischen der Eminentia ulnaris (wird gebildet 4 M. flexor digitorum superficialis und
aus Os pisiforme und Hamulus ossis hamati) und der 4 M. flexor digitorum profundus.
Eminentia radialis (wird gebildet aus Tuberculum scapho-
idii und Tuberculum trapezii). Unter dieser Bandstruktur
kann der N. medianus im sog. Karpaltunnel komprimiert Komplikationen
werden (Parästhesien auf der Innenseite von Daumen,
Zeige- und Mittelfinger sowie auf der Dorsalseite die 4 Morbus Sudeck (7 Kap. Morbus Sudeck)
Fingerkuppen der genannten Finger). 4 Differenzialdiagnose: Schlaganfall

Loge von Guyon Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)


Um Verwechslungen vorzubeugen, soll hier noch die Loge
von Guyon erläutert werden. Die Loge von Guyon wird
Ziel Therapie
gebildet vom Os pisiforme, dem Lig. pisohamatum und
dem Hamulus ossis hamati. In dieser Loge kann es zu ei- Schmerzlinderung Eis, Heiße Rolle
ner Komprimierung des N. ulnaris kommen (Parästhesien Versorgungs- und Ent- Triggern des M. palmaris
im Digitus 5 und zur Hälfte im Digitus 4). sorgungsprobleme longus, M. pronator teres,
beseitigen, Triggerpunkte M. flexor digitorum su-
bearbeiten, die ähnliche perficialis
Formen Symptome aufweisen
Durchblutung verbessern Güsse
4 Pseudo-Karpaltunnelsyndrom: Der M. flexor digitorum
komprimiert den Nerv. Innervationsschulung des E-Technik, PNF
4 Mit/ohne Muskelatrophie des M. abductor opponens N. medianus
4 Mit/ohne OP: Bei OP wird das Retinaculum flexorum ge- Sensibilitätsschulung des Mit verschiedenen Gegen-
spalten. N. medianus ständen über das entspre-
4 Chronifizierungsgrade 1, 2, 3 chende Areal streichen

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_10,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
83 K

. Abb. 1 Cake-Brake-Technik; eine Hand . Abb. 2 Zur optimalen Heilung: Rumpf- . Abb. 3 Nach OP: Manuelle Lymphdraina-
des Therapeuten fixiert, während die andere nahe Engpässe beseitigen, hier: Triggern der ge und Kompression
Hand des Therapeuten eine Supination Mm. scaleni
durchführt

. Abb. 4 Tape . Abb. 5 Ausdrücken eines Schwamms, . Abb. 6 Dehnung des Retinaculum
dabei gleichzeitige Dorsalextension und flexorum
Fingerflexion

. Abb. 7 Nervenmobilisation der Hand als . Abb. 8 Kräftigung des Thenars . Abb. 9 Nach Beseitigung des Engpasses
Hausaufgabe; die rechte Hand kann zusätz- MTT möglich
lich die linke Schulter in Depression ziehen;
außerdem liegt die HWS in einer Lateralfle-
xion rechts

Wichtig
Die Therapie beginnt am 1. Tag post op. Die Belastung
wird nach 3 Wochen zunehmend gesteigert, und
nach frühestens 6 Wochen kann wieder normal belastet
werden.
84 Kindliche Frakturen

Kindliche Frakturen Fragen beim Befund (an die Eltern)

Was ist das? 4 Können Sie den Ablauf des Sturzes beschreiben?
4 Hat Ihr Kind Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht und
Die Besonderheiten kindlicher Frakturen ergeben sich aus ist deshalb gestürzt?
der unvollständigen Ossifikation des wachsenden Skeletts mit
Epiphysen und Apophysen, aus Problemen der Fixation und Untersuchung
Lagerung sowie aus der bei Kindern oft geringen oder fehlen-
den Compliance. Das kindliche Skelett weist eine hohe Plasti- 4 Beobachtung der Bewegungsabläufe: Hat das Kind Kom-
zität, ein dickes Periost, eine breite Kortikalis und einen kräfti- pensationsmuster einstudiert, um z.B. schmerzfrei krab-
gen Band- und Kapselapparat auf. Bandläsionen mit knöcher- beln zu können?
nen bzw. periostalen Ausrissen treten relativ häufig auf, Dis- 4 Beweglichkeit der angrenzenden Gelenke
lokationen der Frakturfragmente sind selten. Wenn die 4 Vergleichen der Muskulatur mit der kontralateralen Seite,
Frakturlinie durch Epiphysenfugen zieht, können sich in der liegen Atrophien vor?
Folge knöcherne Wachstumsstörungen ausprägen. Dies trifft 4 Sensibilitätsprüfung
auf etwa jede 5. kindliche Fraktur zu. Knöcherne Durchtren-
nungen bei erhaltenem Periost bezeichnet man als Grünholz- Komplikationen
frakturen. Relativ häufig sind auch sog. Stauchungsfrakturen
(Wulstfrakturen), die im Erwachsenenalter kaum auftreten. 4 Nach offenen Frakturen Osteomyelitisgefahr
Besonders häufige Frakturen des Kindesalters betreffen 4 Achsenabweichung bei Mitverletzung der Epiphyse und
4 den Radius, nachfolgende Wachstumsstörung (. Abb. 9)
4 das Cranium (knöcherner Schädel), 4 Beinlängendifferenz nach Bein- oder Beckenfraktur
4 das Becken (7 Kap. Beckenfrakturen) und 4 Zeichen einer Gehirnblutung oder eines Gehirnödems
4 den Humerus. sollen 48 Stunden beobachtet werden (Red Flag)
K 4 Selten Morbus Sudeck
Formen
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
4 Frakturen mit Verletzung der Epiphysenfuge (Einteilung
s.u.) Ziel Therapie
4 Inkomplette Frakturen: Grünholzfraktur oder Wulst-
fraktur Nutritive Rotlichttherapie (IR), Zwei-
4 Abrissfrakturen: Treten bei Kindern häufig auf, denn der Verbesserung zellenbad
Bandapparat ist sehr stabil Muskelaufbau z.B. Parcours mit verschiedenen
4 Spiralfrakturen kraftfördernden Aufgaben
Beüben benach- Passives und aktives Bewegen
Frakturen mit Verletzung der Epiphysenfuge werden nach
barter Gelenke (mit Lied verbinden), MT
Salter in 6 Typen eingeteilt. Die Einteilung nach Aitken ist
etwa analog. Entstauung Lymphdrainage, Massage
Abbau von Kom- z.B. spielerische Übungen im
Typ Beschreibung pensationsmustern Einbeinstand, wenn das Kind
ein Bein weniger belastet
I Abtrennung der Epiphyse von der Diaphyse
direkt in der Epiphysenfuge Sensomotorisches Übungen auf labiler Unterlage,
Training bei Armverletzungen im VFST
II Bruchspalt durchzieht die Epiphysenfuge und
üben, wenn Vollbelastung
setzt sich in der Epiphysenfuge fort
erlaubt ist
III Gelenkfrakturen verlaufen von der Gelenk-
fläche zur und durch die Epiphysenfuge bis an
den Knochenrand ! Cave
4 Vorsicht bei Übungen an der Sprossenwand, hohes
IV Frakturspalt verläuft von der Gelenkfläche Unfallrisiko bei Kleinkindern!
durch die Epiphysenfuge in die Metaphyse
V Kompression der Epiphysenfuge und des ge-
samten Knochens durch eine axiale Stauchung
VI Abscherung eines Teils der Epiphysenfuge
mit nachfolgender Wachstumshemmung auf
der verletzten Seite
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
85 K

. Abb. 1 Übungen im VFST: Kind spielt z.B. . Abb. 2 Propriozeptives Training, z.B. mit . Abb. 3 Einbeinstand interessant gestal-
Löwe und der Therapeut Dompteur Sandsack auf dem Kopf balancieren ten, z.B. auf einem »Energiepunkt« (Sand-
sack) stehen und danach eine Runde durch
den Raum flitzen

. Abb. 4 Massage . Abb. 5 Kniebeugen auf einem Klotz (ist . Abb. 6 Manuelle Therapie nach Aushei-
für Kinder spannender als auf dem Boden) lung einer Fraktur

. Abb. 7 Bei Frakturen an der oberen Ex- . Abb. 8 Greifübungen auf einer Fango- . Abb. 9 Mögliche Spätfolgen von kind-
tremität: Nach Ausheilung der Fraktur Stütz- packung (Tuch auf das Fango legen, da Kin- lichen Frakturen mit Epiphysenbeteiligung
arm aufbauen der Hitze intensiver empfinden) sind Wachstumsstörungen
86 Klavikulafraktur

Klavikulafraktur Komplikationen

Was ist das? 4 Pseudarthrose


4 Instabilität durch Bänderruptur oder -dehnung
Schlüsselbeinbruch, meist nach einem Sturz auf die Schulter. 4 Gefäß- und Nervenverletzungen
Hohe Risiken für das Auftreten dieser Fraktur bestehen bei 4 Infektionen (bei offenen Frakturen)
bestimmten Sportarten, z.B. Handball, Rugby, Radfahren, Mo- 4 Metalllockerungen
tocross. Am häufigsten bricht die Klavikula im mittleren Teil 4 Narbenprobleme
(70-80%), seltener lateral (ca. 15%), sehr selten medial (unter
5%). Die Fraktur wird entweder konservativ mit einem Ruck- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
sackverband über einen längeren Zeitraum (mind. 3-4 Wo-
chen) versorgt oder operativ mit Platten und Schrauben fi- Ziel Therapie
xiert. Eine neue Operationsmethode ist das Fixieren mit einem
TEN (Titanic Elastic Nail). Ein kleiner Schnitt genügt, um bei- Schmerzlinderung und Massage, Heiße Rolle
de Knochenfragmente miteinander zu verbinden. Tonusregulation
Beweglichkeit ver- Manuelle Therapie: ACG,
Formen bessern, Kapsel- SCG und Glenohumeral-
schrumpfung vorbeugen gelenk (nach zeitweiliger
4 Mittlere Klavikulafraktur Schonung der Schulter)
4 Laterale Klavikulafraktur Verbesserung der Kraft PNF-Schulterpattern,
4 Mediale Klavikulafraktur MTT
4 Geschlossene oder offene Fraktur
4 Konservativ (Rucksackverband) oder operativ versorgte Narbenmobilität Narbenmassage
Fraktur (Plattenosteosynthese, Nagelung, Drahtversor- Stützlastarm aufbauen VFST
K gung) (nicht in den ersten
6 Wochen)
Fragen beim Befund
4 Wie ist es passiert?
4 Röntgenkonrolle nach Ausheilung? Zum Ausschluss einer ! Cave
Pseudarthrose (häufig bei lateralen Frakturen) 4 Scherbelastungen auf die Klavikula vermeiden
4 Haben Sie Osteoporose? → Vorsicht bei Manueller Thera- (keine schweren Gewichte am herunterhängenden
pie! Arm, kein Ziehen am Theraband bis Röntgenkontrol-
le erfolgt ist)!
Untersuchung 4 Während der zeitweiligen Fixation durch den Ver-
band sind tägliche Handübungen mit gestrecktem
4 Bewegungsausmaß der Schulter: Pro- und Retraktion, oder gebeugtem Ellenbogen zum Bewegungserhalt
Elevation und Depression empfohlen.
4 Palpation des AC- und SC-Gelenks
4 Schulterblattbeweglichkeit nach langer Ruhigstellung
überprüfen
4 Wird Schonhaltung ausgeübt?
4 Ödem: Ist der Rucksackverband evtl. zu eng?
4 1. Rippe überprüfen
4 Erhöhte Triggeraktivität des M. subclavius (nach völliger
Frakturheilung)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
87 K

. Abb. 1 Klavikulamobilisation aus SL, erst . Abb. 2 Rudergerät nach Ausheilung der . Abb. 3 Bewegen des Schultergelenks un-
nach volliger Frakturheilung Fraktur ter Traktion (nach Ausheilung der Fraktur)

. Abb. 4 Schulterpattern: Zug und Druck . Abb. 5 Schlingentisch . Abb. 6 Seilzugübungen in allen Varia-
regen die Knochenheilung an tionen

. Abb. 7 Manuelle Therapie: ACG . Abb. 8 Manuelle Therapie: SCG . Abb. 9 Vorsichtig Stützlastarm aufbauen
mit PNF auf der kontralateralen Seite, wäh-
rend die betroffene Seite stützt
88 Klumpfuß (Pes equinovarus superductus)

Klumpfuß (Pes equinovarus superductus) Untersuchung

Was ist das? 4 Observation der Fußform und der Bewegungsmuster


4 Palpation
Die häufigste angeborene Extremitätenfehlstellung (1-mal 4 Beweglichkeit testen
auf 800 Geburten, bei Jungen häufiger als bei Mädchen). Der 4 Sensibilität testen
angeborene Klumpfuß ist ein- oder beidseitig und geht mit 4 MFP
einer Verkürzung der Achillessehne und einer Verformung der 4 Ganganalyse mit verfügbaren Hilfsmitteln
Fußknochen einher. Die Fußsohle ist nach medial geneigt. Das 4 Reflexe testen, v.a. Achillessehnenreflex
Muskelungleichgewicht verhindert ein normales Gangbild. Zu
einem Klumpfuß gehören folgende 4 Fußdeformitäten: Komplikationen
4 Pes equinus (Spitzfuß),
4 Pes varus (Supination von Vorfuß und Ferse), 4 Sensibilitätsstörungen: Häufige Dekubitalulzera
4 Pes excavatus (Pes cavus, Hohlfuß) und
4 Pes adductus (Sichelfuß). Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
Die Ätiologie ist noch unklar. Offensichtlich besteht eine Ziel Therapie
erbliche Komponente. In der Pathogenese des angeborenen
und des erworbenen Klumpfußes spielen folgende Faktoren Motorische Fähig- Gangschule, Vojta, PNF, Klettern,
eine Rolle: keiten verbessern Bewegungsbad, Theraband,
4 die pathologische Beziehung der Knochen zueinander, propriozeptives Training auf der
4 die pathologische Knochengröße und -form, Weichbodenmatte, Laufband-
4 Kontrakturen und Verkürzungen der die Knochen ver- training mit hoher Steigung und
bindenden Bänder und der an den Knochen ansetzenden langen Schritten
K Muskeln und Sehnen, Statikver- Manuelle Therapie an OSG und
4 eine mediale Verbiegung am Talushals und Taluskopf so- besserung USG sowie Fibula und Knie
wie Prävention ISG-Fehlstellungen, Beinlängen-
4 die gestörte Knochenbildung und Knochenentwicklung von Spätfolgen differenzen sowie andere statische
der Ossa tarsalia. Veränderungen erkennen und
wenn möglich behandeln (z.B.
Bei Kindern mit Spina bifida besteht gehäuft ein Klumpfuß. Triggern des M. biceps femoris,
um die aufsteigende Kette zu
Formen unterbrechen; Muskelaufbau bei
Genu varum-Fehlstellung)
4 Angeboren: Fehlbildungsklumpfuß
4 Erworben/idiopathisch: Durch Lähmungen (N. peroneus, Sensibilität Warm-Kalt-Reize, mit einer
Hirnschaden), Frakturen der Fußwurzel, Entzündungen verbessern weichen Bürste über sensible
(Arthritis im USG) Bereiche fahren
4 Nach Unfällen: Verletzung der Beinknochen Aktivierung der Elektrotherapie
4 Konservative Versorgung (redressierende Gipsbehand- Mm. peronei
lung)/operative Versorgung
Beweglichkeits- Dehnung der Wade, Manuelle
verbesserung Therapie
Fragen beim Befund
4 Besteht der Klumpfuß seit der Geburt? ! Tipp
4 Welche Beschwerden macht der Klumpfuß? 4 Der Klumpfuß bedarf einer langen physiotherapeu-
4 Wurden bisher regelmäßig Übungen durchgeführt? tischen Behandlung, möglichst bis zum Wachstums-
4 Wurden bisher Hilfsmittel zur Verbesserung des Gangs abschluss.
verordnet und genutzt, z.B. Einlagen, orthopädische 4 Aufgrund der Vielfalt an Operationstechniken ist
Schuhe, Orthesen? es empfehlenswert, sich mit den jeweiligen OP-Unter-
4 Bestehen weitere angeborene Erkrankungen (7 Kap. ICP)? lagen (OP-Berichte, Röntgenbilder usw.) vertraut zu
machen.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
89 K

. Abb. 1 Propriozeptives Training . Abb. 2 Postoperative Narbenmobilisa- . Abb. 3 Fibulamobilisation distal und pro-
tion und Querdehnung der Achillessehne ximal zur Verbesserung der Dorsalextension
des Fußes bei Kindern ab vier Jahre

. Abb. 4 Passives Bewegen in Dorsalexten- . Abb. 5 Über taktile Reize die Dorsalex- . Abb. 6 Mit Theraband Dorsalextension
sion und Pronation tension fördern mit Pronation üben bei Kindern ab sieben
Jahre

. Abb. 7 Fußball mit Innenseite kicken; . Abb. 8 Exzentrisches Training an der . Abb. 9 Im Türrahmen hochklettern (nur
eignet sich gut zum Aufwärmen, z.B. im Kletterwand zur Verbesserung der Belast- bei Kindern möglich, Matte unterlegen, Vor-
Slalom-Parcours barkeit der Achillessehne mit positiver Aus- sicht: Kopf stößt schnell am Türrahmen an)
wirkung auf die Propriozeptoren (alternatv
auch zu Hause mit dicken Büchern unter
dem Vorfuß durchführbar)
90 Knie-TEP

Knie-TEP Untersuchung

Was ist das? 4 Entzündungszeichen, Umfangmessungen, harte Knie-


kehle
Bei einer Knie-TEP wird eine Prothese in das Kniegelenk ein- 4 Bewegungsausmaß
setzt, Gründe sind schwere Arthose (. Abb. 1) oder schwere 4 Beweglichkeit der Patella
Traumata (7 Kap. Gonarthrose). Häufig wird, zumindest bei 4 MFP
der Behandlung von Arthrosen, gleichzeitig mit der TEP ein 4 Ganganalyse, auch auf Treppe
Patellarückflächenersatz implantiert, um die femoropatel- 4 Schonhaltung in der Hüfte? → Wenn ja, Beckenschiefstand
lare Arthrose mitzuversorgen. Der Patient kann nach einer und Wirbelsäule begutachten
zementierten Implantation in der Regel voll belasten.
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
Wichtige Formen
Ziel Therapie
4 Unikondyläre Schlittenprothese: Die mediale oder late-
rale Gelenkfläche wird ersetzt; volle Belastung postoperativ Entstauung Hochlagern und Ausstrei-
beim zementierten Modell. Ersetzt werden der laterale oder chungen, Lymphdrainage,
der mediale Kondylus und der entsprechende Gegenpart an Wadenpumpe
der Tibia, der Bandapperat bleibt erhalten. Nachteil: Die Physiologisches Gang- Gangschule
Prothese lockert sich statistisch nach 5-10 Jahren. bild erzielen
4 Ungekoppelte bikondyläre Prothese: Mediale und late-
Kniestabilität verbessern Propriozeptives Training
rale Gelenkflächen werden ersetzt; oft sofort voll belast-
bar, oft in Zusammenhang mit Bandinstabilitäten. Lösung von Verklebun- Narbenmobilisation, Güsse
4 Achsengeführte Knieendoprothese: Scharnierprothese gen, Durchblutung
K mit einem Stift in der Mitte, die Bänder sind entfernt wor- anregen, Heilungs-
den. Sofort volle Belastung, meist nach schweren Achsen- prozess beschleunigen
abweichungen im Knie und schweren Bandinstabilitäten.
4 Posterior stabilisierte Knieprothese (PS-Knie): Bei Insta-
bilität des vorderen und hinteren Kreuzbands, die Tibia ! Cave
wird bei stärkerer Flexion nach ventral und der Femur Zu Anfang sollten Rotationen im Knie nicht forciert ge-
nach dorsal gezwungen. übt werden!

Fragen beim Befund

4 Seit wann haben Sie Ihre Knie-TEP, mit Bewegungsein-


schränkungen?
4 Müssen Sie zu Hause Treppen steigen? Haben Sie ein Trep-
pengeländer? Haben Sie Probleme beim Treppensteigen?
4 Sind Ihre Seitenbänder und Ihr vorderes Kreuzband (VKB)
noch intakt? → VKB wird beim bikondylären Ersatz selten
entfernt.
4 Ist Ihre Patella noch vorhanden, oder erhielten Sie einen
Patellarückflächenersatz?
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
91 K

. Abb. 1 Röntgenbild einer Knie-TEP . Abb. 2 Übungen auf dem Pezziball, Wa- . Abb. 3 Verbesserung der Knieflexion auf
denpume anregen: Thromboseprophylaxe dem Pezziball. Der Patient kann selbst ent-
neben Kompression und Antikoagulation scheiden, wie stark das Knie flektiert wird

. Abb. 4 Gewichtsverlagerung (ca. 20-mal . Abb. 5 Ein Bein ist Standbein, das andere . Abb. 6 Knieflexion an der Sprossenwand
wiederholen, dann Bein wechseln) kreist in der Luft (20-mal vorwärts, 20-mal oder zu Hause auf einem Stuhl (20-mal ope-
rückwärts) riertes Knie anbeugen, kein Beinwechsel)

. Abb. 7 Übungen auf Airex-Matte für . Abb. 8 Kniegruppe im Bewegungsbad, . Abb. 9 Krafttraining in der geschlosse-
einen stabilen Stand hier Flexionsübung am Beckenrand nen Kette
92 Komatöser Patient

Komatöser Patient 5 CPAP (Continuous Positive Airway Pressure): Zählt


zu den spontanen Ventilationsformen. Die Maschine
Wodurch kann ein Patient in ein Koma fallen? unterstützt die Atmung, der Patient bestimmt Atem-
tiefe und -frequenz sowie Luftdurchfluss
Unter Koma versteht man die schwerste Form einer Bewusst- 4 Medikamente (z.B. Medikament gegen Hirnödem)
seinsstörung. Der komatöse Patient kann auch durch starke 4 Ursache des Komas
Reize, z.B. Schmerzreize, nicht geweckt werden. Das Koma ist
eine schwere Störung von Großhirnfunktionen. Die Ursachen Was ist zu beachten?
sind vielfältig:
4 zentrale Störungen wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trau- 4 Für die physiotherapeutische Behandlung muss der Pa-
ma, Meningitis, Enzephalitis, Hirntumor oder zerebraler tient pflegerisch vorbereitet werden (Tageshygiene und
Anfall, Absaugen).
4 metabolische Störungen wie Unter- oder Überzuckerung, 4 Magensonde, Darmsonde zur Druckentlastung, Öso-
CO2-Überschuss (Hyperkapnie) oder O2-Mangel (Hy- phagusthermometer
poxie), akute oder chronische Niereninsuffizienz mit der 4 Zentralvenöse Zugänge, v.a. V. jugularis interna
Anhäufung harnpflichtiger Substanzen im Blut (Urämie), 4 Arterielle Druckmessung: A. radialis oder A. brachialis
Leberversagen bzw. schwere endokrinologische Umstel- 4 Urinkatheter: Suprapubisch oder Blasenkatheter über die
lungen wie Hypophyseninsuffizienz oder Nebennierenin- Urethra
suffizienz, 4 Am Monitor sind folgende Daten ablesbar: Atemfrequenz,
4 toxische Ursachen oder Puls, EKG, Sauerstoffsättigung, Blutdruck
4 medizinisch indizierte Bewusstlosigkeit, z.B. Narkose 4 Lagerung: 30° Kopfhochlagerung (dabei Hirndruck am
oder sog. künstliches Koma. niedrigsten), Lagerung nach Bobath

Nach der Glasgow Coma Scale (GCS) wird ein Koma differen- ! Cave
K ziert (. Tab. 1). 4 Die Zugänge und Sonden dürfen nicht gereizt und
beschädigt werden! Der Therapeut muss überprüfen,
Formen dass kein Kabel geknickt ist, und dass der Patient
nicht auf Anschlüssen oder Schläuchen liegt.
Die Komatiefe bestimmt den Grad der Bewusstseinsstörung:
Komplikationen
Grad Beschreibung
I Gezielte Abwehr auf Schmerz, intakte Pupil- 4 Herzstillstand, Lungenembolie, Sepsis
lenreaktion, intakter vestibulookulärer Reflex 4 Hirnödem, Lungenödem, nephrotisches Ödem

II Ungerichtete Abwehr auf Schmerz, divergente Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)


Bulbi
III Keine Abwehr, nur noch Fluchtreflexe, kein Ziel Therapie
vestibulocochleärer Reflex, Pupillenreaktion
stark verringert Osteoporoseprophylaxe Passives Bewegen

IV Keine Schmerzreaktion, keine Pupillenreaktion Verhinderung Passives Bewegen


von Kalzifikationen
Kontrakturprophylaxe Passives Bewegen
jSonderformen
4 Künstliches Koma Dekubitusprophylaxe Lagerung nach Bobath
4 Wachkoma (apallisches Syndrom). Pneumonieprophylaxe Abklopfungen, Ein-
reibungen, Vibrax
Welche Parameter aus der Kurve sind für
den Physiotherapeuten interessant?
! Cave
4 Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung Bei Herzinsuffizienz keine Armbewegungen über Herz-
4 Komorbiditäten: Hat der Patient eine Hüft-TEP? höhe!
4 Wird der Patient beatmet, und wenn ja, mit welcher Beat-
mungsmethode?
5 BIPAP (Biphasic Positive Airway Pressure): Eine
druckkontrollierte Beatmung, die es dem Patienten
erlaubt, selbst zu atmen. Wechsel des Druckniveaus
zwischen einem oberen und einem unteren Wert
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
93 K

. Abb. 1 Passives Bewegen ist ein wich- . Abb. 2 USG: Pro- und Supination . Abb. 3 OSG: Die Dorsalextension kann
tiger Bestandteil der Betreuung von Koma- durch den Griff des Therapeuten in die Knie-
patienten. Damit wird vorgebeugt, dass und Hüftflexion integriert werden
(falls der Patient aus dem Koma aufwacht)
die Knochen zu porös werden, um sitzen
oder stehen zu können (Osteoporoseprä-
vention); hier Vorfußmobilisation

. Abb. 4 Knie- und Hüftflexion . Abb. 5 Hüfte: Abduktion . Abb. 6 Fingerflexion, kombiniert mit
Palmarflexion

. Abb. 7 Separates Durchbewegen des . Abb. 8 Ellenbogen: Extension und Flexion, . Abb. 9 Schulter: Kombinationsbewegung
Daumens kombiniert mit Pronation und Supination aus horizontaler Abduktion und Rotation

. Tab. 1 Glasgow Coma Scale (GCS)

Beschreibung Punktewert Beschreibung Punktewert Beschreibung Punktewert

Augen öffnen Motorische Reaktion Verbale Antwort


Spontan 4 Befolgt Aufforderungen 6 Orientiert 5
Auf Ansprache 3 Gezielte Abwehr 5 Verwirrt 4
Auf Schmerzreiz 2 Zurückziehen 4 Unzusammenhängende Wörter 3
Keine Reaktion 1 Beugung 3 Unverständliche Laute 2
Streckung 2 Keine 1

Keine 1

Insgesamt sind 3-15 Punkte möglich. Auswertung/Schweregrad: Leicht 14-15 Punkte. Mittelschwer 9-13 Punkte. Schwer 3-8 Punkte
94 Koxarthrose

Koxarthrose Bei der Koxarthrose werden drei Stadien unterschieden:

Was ist das? Stadium Beschreibung


1 Schmerzen beim Einlaufen oder bei Über-
Degenerative Veränderungen des Hüftgelenks , die mit schreitung einer gewissen Wegstrecke.
einem starken Abrieb des hyalinen Gelenkknorpels einher- Wird längere Zeit in einer Gelenkstellung
gehen (Erläuterungen zum Gelenkknorpel 7 Exkurs). Häufige verharrt, entstehen auch Schmerzen
Ursachen sind andauernde Über- und Fehlbelastungen. Auch 2 Schmerzfreie Wegstrecke verkürzt sich,
Traumata, z.B. Beckenfrakturen und Frakturen des proxima- und ein Hinken stellt sich ein. Die Be-
len Oberschenkels, begünstigen präarthrotische Deformie- wegung ist eingeschränkt, und Aufstehen
rungen und beschleunigen die Ausprägung einer Koxarthrose wird immer schwieriger. Bei langem Stehen
(. Abb. 10). Frühkindliche Krankheiten oder Anlagefehler hat der Patient ebenfalls Schmerzen
(Morbus Perthes, . Abb. 11, Epiphysiolysis capitis femoris, 3 Der Patient hat ständig Schmerzen (Ruhe-
angeborene Hüftdysplasie) können zur frühzeitigen Ausbil- schmerz). Zur Entlastung verändert der
dung einer Koxarthose führen. Radiologische Zeichen sind: Patient ständig die Lage
4 sequenzielle Hypersklerosierung (Knochenverdichtung
im überlasteten Bereich), Fragen beim Befund
4 Verringerung des röntgenologischen Gelenkspalts (Ver-
ringerung der Knorpeldicke), 4 Wie lange haben Sie schon Schmerzen?
4 Osteophyten (vergrößern kompensatorisch die kommu- 4 Wann haben Sie Schmerzen, z.B. beim Anlaufen, bei Be-
nizierende Gelenkfläche) und lastung oder in Ruhe?
4 knöcherne Destruktionen (Zysten, Knochenabrieb und 4 Wo genau treten die Schmerzen auf, in Leiste, Gesäß,
Verschmelzung der Knochen [Ankylose, Versteifung]). LWS, Trochanter major?
4 Wurden bereits knorpelaufbauende Injektionen in Ihr
K Die Therapie besteht in den frühen Stadien aus Gangschu- Hüftgelenk gegeben? → Hierbei könnten Erreger ins Hüft-
lung, Schmerztherapie, anderen konservative Maßnahmen, in gelenk gelangt sein und eine Schwellung wäre die Folge.
späten Stadien im künstlichen Gelenkersatz (Hüft-TEP). 4 Haben Sie Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes oder
Gicht (Stoffwechselerkrankung, bei der Harnsäurekris-
. Übersicht1. Der Gelenkknorpel talle den Knorpel beschädigen können, 7 Kap. Gicht)?
4 Zellen: Chondroblasten, Chondroklasten, Chondro- 4 Nehmen Sie Medikamente, z.B. Analgetika, Antiphlogis-
zyten; arbeiten im anaeroben Milieu. tika, Glukokortikoide, Myotonolytika, Superoxiddismu-
4 Zusammensetzung der extrazellulären Matrix: tase oder andere Chondroprotektiva?
Kollagene Typ II, Proteoglykane, Glykoproteine, GAG, 4 Haben Sie ein Röntgenbild? → Information über die Größe
Hyaluronsäure, Elastin; alles gelöst in Wasser. des radiologischen Gelenkspalts, evtl. Osteophytenbildung
4 Versorgung: Über Diffusion, keine nervale Versor- 4 Haben Sie Rückenbeschwerden? → Durch einen Hyper-
gung, keine Lymphgefäße, teilweise am Rand ein- tonus des M. iliopsoas kann es zu Lumbalbeschwerden
sprießende Kapillaren. kommen.
4 Wachstum: Bis zur Schließung des Grenzstreifens 4 Haben Sie in letzter Zeit vermehrt Krämpfe im Bein?
(ca. 14.-15. Lj.), danach Regenerationsvorgänge. → Durch eine Beugekontraktur können die Muskeln in
4 Protektive Faktoren: Glukosamin, Hyaluronsäure, Versorgungsnot kommen und reagieren mit Krämpfen.
Wechsel von Druck und Zug. 4 Haben Sie eine stehende Tätigkeit?

In . Tab. 1 ist die Befunddarstellung schematisch zusammen-


gefasst.

Formen Untersuchung
4 Direkte Koxarthrose, z.B. durch sportliche Überbelas- 4 Bewegungsausmaß in der Hüfte und den angrenzenden
tung Gelenken
4 Indirekte Koxarthrose, z.B. nach einer Azetabulumfrak- 4 Beckenschiefstand bzw. andere statische Probleme
tur, nach Morbus Perthes oder bei Tumoren 4 Palpation des M. piriformis: Er ist der stärkste Außen-
rotator und behindert evtl. die IR.
4 LWS: Schonhaltung durch verkürzten M. iliopsoas, Rota-
tionsfehlstellungen oder Hyperlordose der LWS als Folge;
bei Beckenschiefstand Beckenverwringung mit Beteili-
gung des ISG: M. iliopsoas testen
4 Bursa iliopectinea testen
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
95 K

. Abb. 1 PNF-Mattenprogramm; vor allem . Abb. 2 Traktion zur Schmerzlinderung . Abb. 3 Schlingentisch: Die Muskeln kön-
im VFST wird das Gewicht auf vier Extremi- nen mit Federn beübt werden, ohne Belas-
täten verteilt, so dass sich das Prinzip »viel tung für das HG; Ext. und Flex. in SL sowie
Bewegung – wenig Last« gut verwirklichen Abd. und Add. in RL
lässt

. Abb. 4 Dehnung des M. iliopsoas . Abb. 5 Propriozeptives Training . Abb. 6 MT nach Mulligan: Patient be-
wegt aktiv in Flexionsrichtung

. Abb. 7 Manuelle Therapie nach Mulligan: . Abb. 8 Triggern der Außenrotatoren der . Abb. 9 Bewegungserhaltung an der Klet-
Patient bewegt in Rotationsrichtung Hüfte, um eine Schonhaltung beim Gang zu terwand
verhindern
96 Koxarthrose

. Tab. 1 Schematische Befunddarstellung

Koxarthrose ISG-Problematik LWS

Symptome 4 Schmerzen bei Belastung 4 Schmerzhafter M. quadratus lumborum 4 Sensibles Dermatom,


und später auch in Ruhe 4 Funktionelle Beinlängendifferenz Ausstrahlung bis in die Füße
4 Schmerzlokalisation: Leiste, 4 Patient steht in entlordosierter Position (radikulär)
Adduktoren bis Knie, ven- (Hinweis auf akute ISG-Entzündung) 4 Motorische Schwäche
traler Oberschenkel 4 ISG-Beschwerden (Asymmetrie) beim Joggen (radikulär)
auf weichem Untergrund
4 Fußballer mit Beschwerden in den Adduktoren

Positive 4 Kapselmuster positiv (IR 4 Thigh thrust 4 Lasègue (Bandscheiben-


Tests am stärksten einge- 4 Sacral thrust (in 2 Varianten: mit verstärktem problematik)
schränkt, gefolgt von Flex., Druck auf die Basis ossis sacri und den Apex 4 Schmerzen beim Husten,
Abd., Ext.) ossis sacri, dazu jeweils passend Beine in Niesen oder/und Pressen
4 Gangbildveränderung: Abd. oder Add. lagern) (Bandscheibenproblematik)
inkomplette Extension, 4 Gaenslens-Test 4 Beschwerden bei LWS-Be-
betroffenes Bein in ver- 4 Distaktionstest (aus RL) wegungen (v.a. bei Rotation)
mehrter AR, positives 4 Kompressionstest (aus SL)
Trendelenburg-Zeichen 4 Aktiver SLR mit/ohne Iliumkompression
nach zunehmender Atro- (zur Differenzierung einer ISG-Instabilität)
phie der Glutealmuskulatur → Von diesen 6 Tests müssen 3 Tests positiv sein,
um von einer ISG-Problematik auszugehen

Alter Über 60 Vorwiegend jüngere Patienten <60 Jahre Gemischte Altersgruppen

K
Komplikationen ! Cave
4 Weiterem Knorpelabbau entgegenwirken.
4 Koxarthritis (Entzündung des Hüftgelenks) 4 In der Therapie mit geringer Belastung und im
4 Hüftkopfnekrose schmerzfreien Bereich arbeiten!
4 Chondrokalzinose (Knorpelverkalkung) und Tendinosis 4 Der Patient steht in einer Schonhaltung in AR, Add.,
calcarea Flex. Vorzugsweise in der geschlossenen Kette arbei-
4 Bursitis iliopectinea ten, da hier das Gelenk zentriert steht.
4 Red Flag: Tumoren und Metastasen ausschließen!

Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9, . Abb. 12–Abb. 18)

Ziel Therapie
Schmerzlinderung Traktion des Hüftgelenks je 2-mal 5 min (abwechselnd Kompression,
nur wenn die Kapsel nicht schmerzt)
Bewegungsverbesserung Kapseldehnung, Triggern des M. piriformis und der Adduktoren,
Dehnungsübungen
Muskelkräftigung vor Hüft-OP Kräftigung des M. gluteus maximus, medius und minimus
Verhinderung von Kompensationsmustern Gangschule mit besonderem Fokus auf LWS, Knie und Gesamtkörper-
haltung
Funktionserhalt der benachbarten Gelenke Immer wieder nachprüfen und mitbehandeln
Stoffwechsel anregen Heiße Rolle auf Tractus iliotibialis und schmerzhaften Regionen,
Wechseldruckbelastungen (Stoffwechsel des Knorpels anregen),
Synoviaproduktion steigern, Elektrotherapie
Ökonomisieren der Muskeln PNF-Beckenpattern
LWS-Entlastung Beckenaufhängung am Schlingentisch
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
97 K

. Abb. 10 Schwere Koxarthrose . Abb. 11 Koxarthrose links nach Morbus . Abb. 12 Rudern zur Verbesserung der
Perthes (a.p.-Röntgenaufnahme) Knorpeltrophik nach dem Prinzip »viel Be-
wegung – wenig Last«

. Abb. 13 Laufband mit extremer Neigung . Abb. 14 Hausaufgabe zur Verbesserung . Abb. 15 Stochastisches Resonanztherapie-
zur Verbesserung der Extension der Flexion; je nach Beweglichkeit des Patien- gerät (SRT): 2-mal pro Woche für mindestens
ten kann ein höherer Tritt gewählt werden 10 Monate
(in der Physiopraxis einfach die Bank höher
fahren und zu Hause z. B. die Fensterbank
anstelle des Stuhls nehmen); 30-mal das Bein
leicht extendieren um dann in eine maximale
Knie- und Hüftflexion zu gehen

. Abb. 16 MT nach Mulligan zur Verbesse- . Abb. 17 MT nach Mulligan zur Verbesse- . Abb. 18 Manuelle Therapie nach Mulligan
rung der Extension. Der Patient muss sich rung der Abduktion zur Verbesserung der Extension im Stand
festhalten können
98 Lig. collaterale mediale

Lig. collaterale mediale Formen

Was ist das? kEinteilung nach Grad I-III:


4 Grad I: Zerrung, Dehnung Band kaum oder geringgradig
Bandverletzung des inneren Seitenbands des Kniegelenks eingerissen, Gelenk bis 5° aufklappbar
durch starke Krafteinwirkung z.B. beim Fußball. Diese Band- 4 Grad II: Teilruptur, Gelenk bis 10° aufklappbar, Druck-
verletzung entsteht durch Kräfte, die den Unterschenkel nach schmerz
außen drücken und ihn gleichzeitig verdrehen. Häufig sind 4 Grad III: Kompletter Riss, Gelenk bis 15° aufklappbar,
das vordere Kreuzband und der mediale Meniskus (7 Kap. massiver Druckschmerz und Gelenkinstabilität
Menikusläsion) mitbetroffen. Die kombinierte Läsion der drei
Strukturen wird »unhappy triad« genannt. Verletzungen des Unhappy Triad. Kombinationsverletzung von Lig. collate-
Lig. collaterale laterale sind auch möglich, aber seltener als die rale mediale, Meniscus medialis und Lig. cruciatum anterius
des Lig. collaterale mediale. Symptome sind:
4 Instabilität, Fragen beim Befund
4 Schwellung,
4 Schmerzen, 4 Wobei ist das Band gerissen?
4 Gelenkerguß und 4 Sind noch andere Strukturen geschädigt worden?
4 evtl. Hämarthros. 4 Wann ist es passiert? → Richtige Behandlung zur richtigen
Zeit
Die Behandlung erfolgt meist konservativ. Eine Ausnahme
bilden Seitenbandläsionen mit knöchernem Ausriss, welche Untersuchung
operativ behandelt werden. Der ausgerissene Knochen wird
mit Drähten, Schrauben oder Pins (kleine Nägel) fixiert. Die 4 Instabilitätstests: Vordere Schublade bei 90° Flexion, hin-
Anatomie des Lig. collaterale mediale ist in 7 Übersicht 1 dar- tere Schublade, Lateralverschiebung der Tibia
gestellt. 4 Patellabeweglichkeit
4 Ödem: Einteilung in Maxi-, Midi- und Mini-Erguss

L . Übersicht 1. Lig. collaterale mediale


Komplikationen
(tibio-femorales Band)
4 Verlauf: Vom Epicondylus medialis femoris zur medi- 4 Beteiligung weiterer Strukturen
alen Tibia, hier wird das Band vom Pes anserinus su- 4 Knöcherne Ausrisse
perficialis bedeckt. Die vorderen Bereiche des Bands 4 Präarthrotische Deformierung
haben häufig Kontakt zu Anteilen des Retinaculums 4 Blutung, Thrombose
longitudinale mediale.
4 Am Ursprung des Lig. collaterale mediale ziehen Fa- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
sern des M. adductor magnus ein.
4 Faserverläufe:
Ziel Therapie
– Tiefer und kurzer Faserverlauf: Meniskofemorale
und meniskotibiale Anteile und Fasern zur Kapsel Entstauung Lymphdrainage
– Oberflächlicher und langer Faserverlauf vom Fe- Schmerzlinderung Elektrotherapie, Eis
mur zur Tibia
Unterstützung der optima- Querfriktionen, Tape
4 Funktion: Stabilisation des Kniegelenks, besonders
len Kollagenausrichtung
bei Valgus- und Außenrotationsbelastungen; unter-
stützt die Muskulatur, die am Pes anserinus ansetzt. Kräftigung der am Pes MTT: Beinbeuger,
anserinus ansetzenden Adduktoren
Muskulatur
Verbesserung der Stoff- SRT, Ausdauer-
wechsellage belastungen
Verbesserung der Wider- Training auf der Weich-
standsfähigkeit des geheil- bodenmatte, sport-
ten Bands artspezifisches Training

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_11,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
99 L

. Abb. 1 Elektrotherapie . Abb. 2 Querfriktionen . Abb. 3 Lymphdrainage und Kompression,


falls Ödem vorhanden

. Abb. 4 Tape zur Stabilisierung des Lig. . Abb. 5 Beinachsentraining . Abb. 6 Kletterwand bei Vollbelastung,
collaterale mediale Vorbereitung für andere Sportarten wie
z.B. Wandern, Joggen auf unebenem Unter-
grund

. Abb. 7 Kräftigung des M. semimembra- . Abb. 8 Vibrationskrafttraining . Abb. 9 Medizinische Trainingstherapie,


nosus, M. semitendinosus und M. gracilis hier mit Airex-Matte zum Training der Pro-
priozeptoren
100 Lipödem

Lipödem Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Wann hat bei Ihnen die Ausbildung der Fett- und Wasser-
einlagerungen begonnen?
Symmetrische Anhäufung von Fettgewebe an Oberschen- 4 Haben oder hatten Sie Herz-, Leber- oder Nierenprob-
keln, Gesäß, Hüften und Oberarmen. Im weiteren Verlauf der leme? → Differenzialdiagnostik: Ausschluss von kardialen,
Erkrankung können auch die Unterschenkel, die Unterarme hepatischen oder renalen Ödemen
und der Nacken betroffen sein. Das Lipödem geht häufig mit 4 Haben Sie oft blaue Flecken?
orthostatischen Wassereinlagerungen (Ödeme) im Intersti- 4 Gab oder gibt es bei Ihren Vorfahren oder Verwandten
tium der unteren und oberen Extremitäten, Hautverände- ähnliche Veränderungen?
rungen, erhöhtem Hämatomrisiko nach nicht adäquaten 4 Hatten Sie häufig Erkrankungen der Beinvenen (Entzün-
Traumata auf der Grundlage von Gerinnungsstörungen sowie dungen, Thrombosen, Krampfadern; OP 7 Kap. Venener-
Druck- und sogar Berührungsschmerzen einher. Die Erkran- krankungen der Beine)?
kung tritt nur bei Frauen auf. Angedacht ist eine genetische
Disposition (bisher keine genaue Klassifikation) und hormo- Untersuchung
nelle Umstellung (z.B. während oder nach Schwangerschaften
oder im Klimakterium). Das primär unveränderte Lymphsy- 4 Tastbefund der ödematösen Bereiche: Proteinarmes/-rei-
stem kann im Verlauf der Erkrankung geschädigt werden, ches Ödem, Stemmer-Zeichen (Differenzialdiagnose:
so dass sich als Übergangsform ein Lipolymphödem ent- Lymphödem)
wickelt. In der Pathogenese wurden ein oxidativer Stress 4 Umfangmessungen oder Plethysmographie (zur Volumen-
(Siems et al. 1999) und ein Selendefizit (Brenke et al. 1999) abschätzung des Ödems)
nachgewiesen. 4 Beurteilung der Haut und einer möglichen Fibrosierung
(visuell und durch Palpation)
Formen 4 Beweglichkeit der betreffenden Gelenke

Je nach Ausdehnung des Lipödems werden 6 Typen unter- Komplikationen


schieden:
L 4 Lipolymphödem
Typ Beschreibung 4 Fibrosierung

I Fettakkumulation an Gesäß und Hüften Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)


(Reithosenphänomen)
II Ausdehnung der Fettakkumulation bis zu den Ziel Therapie
Knien, Innenseiten der Knie
Entstauung, Reduk- KPE: Komplexe Physikalische
III Ausdehnung der Fettakkumulation von den tion des Volumens Entstauungstherapie (Manuelle
Hüften bis zu den Malleolen des Lipödems und Lymphdrainage, Kompression,
IV Befall von Beinen und Armen bis zu den Fibroseprävention Krankengymnastik, Hautpflege,
Malleolen und Handgelenken EBM)

V Lymphsystem ist mitbetroffen (Lipolymph- Thrombose- Kompression, Bewegungs-


ödem), Ödeme an Fuß- und Handrücken sowie prophylaxe therapie
an Zehen und Fingern Erhalt der Mus- Isometrische Spannungs-
kulatur und der übungen, Motomed, Wasser-
Entsprechend der Hautveränderungen gibt es zudem eine Beweglichkeit gymnastik, PNF, aktives Bewe-
symptomatische Einteilung des Lipödems: im Ödemgebiet gen, Brunkow, Gehübungen,
Walking, Nordic Walking, thera-
Stadium Beschreibung peutisches Klettern

1 Orangenhaut Verbesserung der Mirroring als Übungsform,


Trophik und Trai- Elektrotherapie
2 Matratzenhaut ning der Sensibilität
3 Bildung von Fettlappen Nahrungs- Adjuvante Gabe von Selen und
supplementation Antioxidanzien (wahrscheinlich)
Verbesserung der Ausdauertraining auf Crosstrai-
allgemeinen Leis- ner, Fahrrad- oder Ruderergo-
tungsfähigkeit meter, Atemtherapie, Gehen,
Joggen
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
101 L

. Abb. 1 Beim Lipödem eignen sich beson- . Abb. 2 Anziehhilfe für Kompression- . Abb. 3 Kompressionsstrümpfe können
ders gut Kompressionsstrumpfhosen oder strumpfhose zum Schutz vor Löchern in der mit Noppenhaftband gefertigt werden. Dies
Kompressionsstrümpfe bis zur Leiste in Strumpfhose verhindert ein ständiges Rutschen des
Kombination mit einer individuell ange- Strumpfs
passten komprimierenden Hose

. Abb. 4 Komplexe physikalische Entstau- . Abb. 5 KPE: Stehende Kreise . Abb. 6 KPE: Pumpgriff
ung (KPE)

. Abb. 7 KPE . Abb. 8 Anwendung von Ultraschall. . Abb. 9 Trainingstherapie


Stoßwellentherapie ist in Erprobung

Wichtig
Die Wirksamkeit der KPE ist für das Lymphödem, das Lip-
ödem und das Lipolymphödem mittels EBM belegt
(Strössenreuter 2001), mit Benefits für das Ödemvolu-
men, den Hautzustand und die Prävention des Gewebs-
umbaus.
102 Lungenemphysem

Lungenemphysem Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Nehmen Sie Medikamente, z.B. Kortikosteroide, Anti-


trypsin, Antibiotikum?
Irreversible Erweiterung der Lunge. Dies kommt durch eine 4 Haben Sie Herzprobleme? → Häufig liegt eine Rechts-
Auf- bzw. Überblähung der Alveolen (. Abb. 1), bei gleichzei- herzinsuffizienz vor
tiger Zerstörung der Pneumozyten (bilden die Alveolen). Eine 4 Wurde bei Ihnen eine Lungenteilresektion vorgenom-
ursprünglich obstruktive Ventilationsstörung mit erhöhtem men? → Äußeres Narbengewebe beobachten und ggf. mo-
exspiratorischem Druck hat sich in eine restriktive Ventilati- bilisieren
onsstörung, in eine Ventilationsstörung mit verringerter 4 Haben Sie ein Röntgenbild? → Die überblähten Bereiche
Atemfläche, umgewandelt. Das Lungenemphysem gehört ge- sind dunkler als die intakten. Das Zwerchfell steht sehr
meinsam mit der chronischen Bronchitis und dem Asthma tief.
bronchiale zu den COPD (7 Kap. Chronische Bronchitis). In der
Pathogenese spielen Schadstoffe (Nikotin, Silikate) und ein Untersuchung
genetischer Mangel an Antiproteasen (z.B. Alpha-Antitryp-
sin-Mangel) eine Rolle. Symptome sind: 4 Fassthorax: Typisch für Lungenemphysem
4 Dyspnoe, 4 Große Schlüsselbeingrube: Steht die Klavikula besonders
4 Zyanose, hoch?
4 progredienter Fassthorax sowie später 4 Atemtiefe messbar mit Auskultation oder LUFU (Diffe-
4 alle Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz (Cor pulmona- renz zwischen maximaler Inspiration und maximaler Ex-
le) wie spiration, . Abb. 2)
5 Stauung der Kopf- und Halsvenen, 4 Beim Abklopfen fällt auf, dass das Diaphragma sehr tief
5 Stauungsgastritis, steht. Außerdem hört sich der Thorax an, als ob man auf
5 Stauungshepatose, eine Schachtel klopft.
5 Aszites, 4 Bauch- oder Brustatmung
5 Knöchelödeme und 4 Messen des FEV1-Werts (forciertes exspiratorisches Volu-
5 Nykturie. men in einer Sekunde [Tiffeneau-Test])
L
Das Emphysem wird i.d.R. konservativ (symptomatisch) be- Komplikationen
handelt.
4 Pneumothorax
Formen 4 Cor pulmonale durch chronische Hypoxämie

4 Pink Puffer: Normaler bis untergewichtiger Patient, mit Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 3–Abb. 9)
Dyspnoe und trockenem Reizhusten, ist kachektisch (ab-
gemagert), Hämatokrit normal, keine bzw. seltene Zyano- Ziel Therapie
se.
4 Blue Bloater: Übergewichtiger bis adipöser Patient, Hus- Lösen des zähen Heißer Tee, Wärmelampe,
ten mit Auswurf, trotz Zyanose geringere Dyspnoe als Schleims Heiße Rolle, Inhalation
beim Pink Puffer bei Polyglobulie (erhöhte Zahl von Ery- Sekrettransport Drainagelagerungen,
throzyten, erhöhter Hämatokrit-Wert), Gesamt-Sauer- Ausstreichungen
stoff-Transport höher als beim Pink Puffer bei relativer Pneumonieprophylaxe Atemtechniken
Minderbeladung des Hämoglobins mit Sauerstoff.
4 Zentribuläres Emphysem: Neben den Alveolen sind die Hohe intrathorakale Hustentechniken
Bronchioli terminales und Bronchioli respiratorii betrof- Drücke vermindern
fen und zerstört, vorwiegend in den Oberlappen der Lun- Lockerung der Atem- Hänge- und Packegriffe
gen lokalisiert. hilfsmuskulatur
4 Panlobuläres Emphysem: Destruktion der Alveolen di-
Thoraxmobilität Rippenmobilisation,
stal der Bronchioli terminales, die Bronchioli werden spä-
Bewegungen der BWS
ter betroffen, Hauptursache ist Mangel an Alpha-1-Anti-
trypsin.
4 Überdehnungsemphysem: Nach Lungenteilresektionen
dehnt sich der Rest der Lunge stark aus.
4 Altersemphysem: Im Alter verliert das Lungengewebe an
Elastizität.
4 Exobronchiale Obstruktion
4 Endobronchiale Obstruktion
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
103 L

. Abb. 1 Das Lungenemphysem ist durch . Abb. 2 Darstellung von Lungenvolumina. A Atemzugvolumen,
seine irreversible Destruktion von Alveolen- B Totraum, C Exspiratorisches Reservevolumen, D Inspiratorisches
wänden gekennzeichnet. Die kausale ob- Reservevolumen, E Totalkapazität, F Residualvolumen
struktive Ventilationsstörung wird zu einer
restriktiven mit zusätzlicher Diffusionsbe-
hinderung

. Abb. 3 Heiße Rolle . Abb. 4 Interkostalräume ausstreichen . Abb. 5 Rippenmobilisation in SL

. Abb. 6 Diaphragmamobilisation . Abb. 7 Packegriff als Bindegewebstechnik . Abb. 8 Hexenstreichungen

! Cave
4 Ärztliche Anordnungen sind streng einzuhalten.
4 Klopfungen sollten sehr sanft ausgeführt werden.
4 Übungen, bei denen der intrathorakale Druck an-
steigt, sollten vermieden werden.
4 Sauerstoffgabe ist beim Blue Bloater oft kontraindi-
ziert! Der niedrige pO2-Wert hat den hohen pCO2-
Wert als Atemantrieb im Einatemzentrum der Medul-
la oblongata abgelöst.
4 Vertieftes Einatmen wie z.B. beim »Hautfalten weg- . Abb. 9 Atemtechniken, bei denen hoher
atmen« ist kontraindiziert! intrathorakaler Druck vermieden wird
104 LWS-Syndrom

LWS-Syndrom 4 Nehmen die Beschwerden über den Tag gesehen kontinu-


ierlich zu und lassen in Ruhe nach, empfinden Sie Bewe-
Was ist das? gung eher als angenehm im Vergleich zu starrer Haltung?
→ Instabilität, Hypermobilität
Schmerzen im LWS-Bereich. Es ist kein einheitliches Krank-
heitsbild. Die Ursache muss gefunden werden, um die Thera- Untersuchung
pie sinnvoll zu gestalten. Eine größere Zahl von Erkrankungen
kommt kausal infrage, z.B. entzündliche und degenerative Er- 4 Observation: Auf Skoliose achten, Beckenschiefstand
krankungen, harmlose und potenziell gefährliche Krank- überprüfen
heiten, oder Beschwerden innerer Organe strahlen in die 5 Patient hat rechts Schmerzen und steht in Lateralfle-
LWS-Region aus. Bei Kombination mit Leistungsabfall und xion links → Osteophyt im rechten Foramen interver-
Gewichtsverlust ist die sog. Red Flag zu beachten (Tumoraus- tebrale, Facettengelenkarthrose rechts, Druck durch
schluss). Bandscheibe von kanial-rechts
5 Patient hat rechts Schmerzen und steht in Lateral-
Einteilung flexion rechts → Facettengelenkarthritis rechts, Druck
durch Bandscheibe von kaudal-rechts
4 Problem kommt aus LWS (Facettengelenksproblematik, 4 Höhe der SIAS und SIPS: Beckenverwringung erkennbar,
Bandscheibenproblem). aktive und passive Bewegungen im Stand, Sitz und in SL,
4 Problem kommt aus ISG (7 Kap. ISG-Blockaden). resistive Tests
4 Muskuläres Problem 4 Abklopfen der Dornfortsätze
4 Aufsteigende Kette (Ursache in der Peripherie suchen) 4 Hautverschieblichkeit testen
4 Sonstige (Osteoporose, Morbus Bechterew, innere Or- 4 Paravertebraler Strich
gane, statische Asymmetrien) 4 Traktion
4 Palpation des M. rectus abdominis (in Symphysennähe):
Fragen beim Befund Schmerzausstrahlungsgebiet dorsal
4 Palpation der Tubercula pubis: Liegen sie auf einer
4 Haben Sie eine sitzende, stehende oder gehende Tätig- Höhe?
L keit? 4 Palpation des M. quadratus lumborum, M. piriformis, M.
4 Gab es einen Auslöser, der Ihre Beschwerden hervorgeru- erector spinae, der ischiokruralen Muskeln und des M.
fen hat? iliopsoas
4 Hatten Sie schon früher Bandscheibenvorfälle? 4 Diaphragma palpieren, auch bei tiefer Inspiration (Ur-
4 Seit wann haben Sie diese Beschwerden? sprung u.a. an der LWS)
5 Schmerz seit kurzer Zeit, einem bestimmten Ereignis 4 Lasègue-Test
zuordenbar, junger Patient: hohe Wahrscheinlichkeit 5 Radikuläre Ursache, heterolateral positiv: Irritation
einer Facettengelenkproblematik des Ramus ventralis bei rotiertem Wirbelkörper; wenn
5 Schmerz seit Langem, allmählich zunehmend, älterer zusätzlich der gekreuzte Lasègue positiv ist, kann auch
Patient: spricht für degenerative Veränderungen eine Instabilität von L5 vorliegen.
5 Patient 40-45 Jahre alt, beruflich angespannt, vorwie- 5 Kompression des ISG mit Gurt macht positiven Lasè-
gend sitzende Tätigkeit: Kausal sind wahrscheinlich gue-Test schmerzfrei: Instabilität des ISG
Derangement, Protrusio oder Prolaps 4 Hackenfall aus beidseitigem Zehenstand
4 Was verbessert Ihre Situation, was verschlechtert den
Schmerz? Komplikationen
4 Wann treten die Schmerzen auf?
5 Immer nach dem Aufwachen → Schlechte Matratze 4 Gleitwirbel
5 Beim Sitzen → V.a. Gegennutationsfehlstellung 4 Cauda equina-Syndrom durch Prolaps
5 In RL → V.a. Nutationsfehlstellung
5 In BL → V.a. Arthrose des ISG Therapie (. Abb. 1–Abb. 9)
5 Beim Aufstehen und Hinsitzen → V.a. instabiles ISG
und Überlastung der Bänder des ISG Aufgrund der kausalen Vielfalt soll hier kein allgemeingül-
4 Schmerz tritt beim Husten, Niesen, Pressen auf? → Band- tiger Therapievorschlag erfolgen.
scheibenläsion, Dura mater-Irritation
4 Strahlt der LWS-Schmerz ins Bein oder in die Leiste aus? ! Cave
→ Leistenschmerz u.a. durch Koxarthrose, Hernia ingui- Immer den Lasègue-Test durchführen und einen Band-
nalis, gynäkologische Störung scheibenvorfall ausschließen!
4 Helfen Ihnen antientzündliche Medikamente? → Entzün-
dung im ISG, Spondylitis oder Discitis intervertebralis
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
105 L

. Abb. Tape . Abb. 2 Bewegungsprogramm für zu . Abb. 3 LWS mobilisieren; vorher akuten
Hause Bandscheibenvorfall ausschließen

. Abb. 4 Verklebtes Bindegewebe lösen . Abb. 5 PNF-Beckenpattern . Abb. 6 Stabilisationsübung: Knie 2 cm


abheben; hier werden abwechselnd das
rechte und linke Bein abgehoben

. Abb. 7 MT nach Mulligan: Mobilisation in . Abb. 8 Haltungsschulung durch Tape un- . Abb. 9 Schonende LWS-Mobilisation
die eigentlich schmerzhafte Richtung, durch terstützen, zieht in Flexion an der Haut
Druck des Therapeuten jedoch schmerzfrei
106 Mamma-Ca

Mamma-Ca Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Wann erfolgte die OP?


5 1-3. Tag: Atemtherapie und Übungen im Bett, Throm-
Brusttumor, der operativ entfernt wird. Das Mamma-Ca ist boseprophylaxe, Patient hat noch Drainageschläuche,
der häufigste maligne Tumor bei Frauen. Sehr oft liegt der Lymphdrainage (KPE)
Tumor im oberen, äußeren Quadranten der Brust. Ob bei ei- 5 Bis 10.Tag: Übungen im Sitz und im Stand; 10. Tag:
ner OP die ganze Brust und die Brustwarze entfernt werden, Fädenentfernung, Lymphdrainage (KPE)
hängt von der Größe und Lage des Tumors ab. Der Brusttu- 5 Ab 10. Tag: Schultermobilität, Abduktion verbessern,
mor kann auch Männer betreffen (Verhältnis Frauen:Männer Narbenmobilität, Lymphdrainage (KPE)
ist 120:1). Werden auch Lymphknoten bei der OP entfernt,
kommt es häufig zu einer Anschwellung des Arms (7 Kap. Lip- Untersuchung
ödem), zur Ausprägung eines Lymphödems. Die Patienten
bekommen meist eine Strahlentherapie, eine Chemotherapie 4 Bewegungsausmaß der Schulter testen: Beim aktiven Be-
und eine Hormontherapie. wegen Ausweichbewegungen beachten (auch ACG, SCG,
Ellenbogen, HWS und BWS).
Einteilung 4 Narbe, Fibrose
4 Schwellung im Arm jeden Tag messen und dokumentie-
4 Radikale Brustoperation (mit Teilentfernung des M. pec- ren (. Abb. 10)
toralis) 4 Atemrichtung beobachten
4 Brusterhaltende Brustoperation 4 Haut: Oberflächensensibilitätsstörungen oder Hautirrita-
4 Mit/ohne Entfernung der Brustwarze tionen am Arm (Cave: Erysipel)
4 Mit/ohne Entfernung von Lymphknoten, bevorzugt des
»sentinel node« (Wächterlymphknotens) Komplikationen
4 Einteilung nach der Lokalisation entsprechend den Qua-
dranten oder im Mamillarbereich 4 Lymphödem (eiweißreiches Ödem) nach Entfernung von
Lymphknoten
Klassifikation 4 Metastasen

M Maligne Tumoren werden nach dem TNM-System klassifi- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
ziert:
Ziel Therapie
Kategorie Beschreibung
Brustatmung und ver- Kontaktatmung, Nasen-
T0 Kein Tumor nachweisbar tiefte EA, Pneumonie- stenoseübungen, Schulter-
T1 Tumorgröße liegt unter 2 cm prophylaxe retraktion mit EA
T2 Tumorgröße liegt zwischen 2 und 5 cm Thrombose- und Im Bett die Wadenpumpe an-
T3 Tumor ist größer als 5 cm Ödemprophylaxe regen, den Arm in Rückenla-
(bzw. Ödemtherapie) ge immer mit Kissen unterla-
T4 Tumor ist größer als 5 cm, und benach- gern (im Falle eines Ödems
bartes Gewebe ist ebenfalls tumorös sofort Lymphdrainage und
(Brustwand, Haut oder Muskulatur) Kompression), Lymphtape
N0 Keine Lymphknoten betroffen Schultermobilisation PNF bilateral-symmetrisch
N1+2 Nächstgelegene Lymphknoten sind be- oder auch asymmetrisch im
troffen schmerzfreien Bereich, Ma-
nuelle Therapie, Bewegungs-
N3 Auch weiter entfernte Lymphknoten
bad (in kühlem Wasser)
sind betroffen (z.B. die Ncll. inguinales)
Verhindern von Narbenmobilisierung,
M0 Keine Metastasen
Verklebungen Narbentape
M1 Metastasen sind vorhanden (häufig in
Lunge, Leber oder Knochen)

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_12,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
107 M

. Abb. 1 Haltungsschulung nach . Abb. 2 Patient in RL: Hände falten und . Abb. 3 Sitz: Hände falten und auf den
Mamma-Ca vor dem Körper wegstrecken, auf dem Kopf legen, die Hände zur Decke heben und
Bauch wieder ablegen wieder auf den Kopf ablegen, Ellenbogen
weit auseinanderdrücken

. Abb. 4 Die Hände liegen auf der Schulter, . Abb. 5 PNF: Bilaterale symmetrische oder . Abb. 6 FBL
und die Ellenbogen kreisen nach hinten asymmetrische Armdiagonalen

. Abb. 7 Chopping und Lifting . Abb. 8 Bewegungserweiternde Übungen . Abb. 9 Bewegungen unter Abnahme der
Eigenschwere des Arms, hier ideale Kombi-
nationsmöglichkeit mit Atemübungen

! Cave
4 Bei frisch Operierten kann es zu Nachblutungen hinweisen, den Arm möglichst nicht lange hängen zu
kommen. lassen.
4 Immer im schmerzfreien Bereich arbeiten. 4 Übungen auf der nicht betroffenen Seite beginnen.
4 Bildet sich ein Ödem auch noch lange nach der OP, 4 Der Patientin immer etwas zum Greifen in die Hand
sofort den Arzt aufsuchen. geben.
4 Kein Armausschütteln, keine Armpendelbewe- 4 Zur Resorptionsförderung beim Lagern immer da-
gungen, keine Massage (auch keine BGM), keine Wär- rauf achten, dass der Arm etwas höher liegt als das
me auf der betroffenen Seite! Die Patientin darauf Herz.
108 Mamma-Ca

Ödemkompass

Die Schwellung des Arms sollte jeden Tag gemessen und do-
kumentiert werden (. Abb. 10)

. Abb. 10 Wenn möglich, immer zur gleichen Tageszeit messen.


Die Messung erfolgt täglich an der betroffenen Seite. Die beidseitige
Messung erfolgt zu Behandlungsbeginn und einmal wöchentlich,
Umfangmessungen
um den Unterschied in Umfang und Volumen festzustellen

Datum eintragen Rechts Links Tag 2 Tag 3 Tag 4 Tag 5 Tag 6 Tag 7

TAG 1
Hand
Dünnste Stelle Handgelenk
Dickste Stelle Handgelenk
Mitte Unterarm
Armbeuge/Ellenbeuge
Mitte Oberarm
Oberarm (Achsel)

Datum eintragen Rechts Links Tag 9 Tag 10 Tag 11 Tag 12 Tag 13 Tag 14

TAG 8
Hand
Dünnste Stelle Handgelenk
Dickste Stelle Handgelenk
Mitte Unterarm
Armbeuge/Ellenbeuge
Mitte Oberarm
M Oberarm (Achsel)

Datum eintragen Rechts Links Tag 16 Tag 17 Tag 18 Tag 19 Tag 20 Tag 21

TAG 15
Hand
Dünnste Stelle Handgelenk
Dickste Stelle Handgelenk
Mitte Unterarm
Armbeuge/Ellenbeuge
Mitte Oberarm
Oberarm (Achsel)
An den Tagen 1, 8 und 15 erfolgt die Umfangsmessung durch den Therapeuten. An allen anderen Tagen sollten die Patienten
möglichst selbst messen. Die Messungen sollten dann zur Langzeitkontrolle monatlich dokumentiert werden (jeweils am Mo-
natsende)

Datum eintragen Rechts Links Monat 2 Monat 3 Monat 4 Monat 5 Monat 6 Monat 7
Hand
Dünnste Stelle Handgelenk
Dickste Stelle Handgelenk
Mitte Unterarm
Armbeuge/Ellenbeuge
Mitte Oberarm
Oberarm (Achsel)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
109 M

Merkblatt nach Brustkrebsoperation

1. Vermeiden Sie hohe Temperaturen/Hitze: Keine Sauna, kein Sonnenbaden, kein Thermalbaden!
Die Blutkapillaren erweitern sich und mehr Lymphflüssigkeit wird gebildet.

2. Vermeiden Sie Hautverletzungen im betroffenen Areal


Es besteht Infektionsgefahr, Folge ist ein sog. Erysipel (Wundrose). Typische Anzeichen sind rote
Pünktchen, die plötzlich auftauchen oder eine scharf abgegrenzte rote Hautfläche. Bitte gehen Sie
zum Arzt!
Die Gefahr einer Hautverletzung gering halten
5 Rasieren Sie sich nicht die Achselhaare.
5 Tragen Sie bei der Gartenarbeit Handschuhe.
5 Versuchen Sie, Insektenstiche zu vermeiden (Insektenschutzfenster, z.B. am Schlafzimmer-
fenster).
5 Akupunktur, Blutentnahme oder Impfungen nicht auf der betroffenen Seite.
5 Vorsicht bei kratzenden Haustieren.

3. Optimieren Sie den Rückfluss der Lymphflüssigkeit


5 Tragen Sie keine Armbanduhren oder Ringe am geschwollenen Arm.
5 Liegen Sie in Rückenlage und lagern den Arm hoch, so können Sie durch das wiederholte Öffnen
und Schließen der Hand den Rückfluss fördern.
5 Lassen Sie sich den Blutdruck am gesunden Arm messen.
5 Vermeiden Sie enge BHs, auch am Rumpf kann es zu einer Schwellung kommen.

4. Haben Sie einen geschwollenen Arm und bekommen Lymphdrainage?


5 In der Entstauungsphase (die ersten 3 Wochen nach Beginn der Lymphdrainage) tragen Sie
konsequent die vom Lymphdrainagetherapeuten professionell angelegte Kompressionsbandage.
Nachts dürfen Sie die Bandagierung abnehmen und die Kurzzugbinden, die Polsterwatte und den
Unterstrumpf aufrollen.
Am nächsten Morgen bringen Sie alles aufgewickelt zu Ihrem Lymphdrainagetherapeuten mit.
Achten Sie darauf, dass Sie gleich morgens einen Termin bekommen, da die Zeit ohne Kompres-
sion möglichst gering gehalten werden muss, um nicht den gesamten bisherigen Erfolg zu gefähr-
den.
Nach ca. 3 Wochen ist der Arm schlank. Es beginnt die Erhaltungphase.
5 In der Erhaltungsphase bekommen Sie zwei Kompressionsstrümpfe (einen zum Wechseln). Tra-
gen Sie diesen Kompressionsstrumpf unbedingt vom Aufstehen bis zur Nachtruhe.
Halbjährlich können Kassenpatienten/innen sich einen neuen Strumpf verordnen lassen. Dies ist
wichtig, denn das Strumpfmaterial lässt nach spätestens 6 Monaten an Kompressionsstärke
nach.
110 Medianusläsion

Medianusläsion Nervenläsion Ausprägung


Neurotmesis Komplette Durchtrennung von Axon
Was ist das?
mit Myelinscheide und Epi-/Perineuri-
um, komplett gelähmte Muskulatur
Periphere Schädigung des N. medianus (. Abb. 1) mit kom-
und sensible Ausfälle, ohne Naht des
plettem oder inkomplettem Funktionsausfall. Mögliche Ursa-
Epi-/Perineuriums geringste Heilungs-
chen sind Quetschung oder Druck durch Entzündung im
chancen
Karpaltunnel (Karpaltunnelsyndrom [KTS], 7 Kap. Karpaltun-
nelsyndrom; Medianus-Kompressions-Syndrom, Brachialgia pa-
raesthetica nocturna). Als Symptome treten auf: Fragen beim Befund
4 Schmerzen (bei KTS besonders stark in der Nacht),
4 Lähmung von M. flexor carpi radialis, M. pronator qua- 4 Spüren Sie Schmerzen an der palmaren Seite des Unter-
dratus, M. pronator teres, M. flexor digitorum profundus, arms?
M. flexor digitorum superficialis, M. palmaris longus, 4 Sind Sie besonderen Belastungen der Hand- und Finger-
Mm. lumbricales I et II, M. flexor pollicis longus, M. flexor beugemuskeln ausgesetzt?
pollicis brevis, M. abductor pollicis brevis, M. opponens
pollicis; Untersuchung
4 Schwurhand,
4 positives Flaschenzeichen, 4 MFP
4 verminderte Pronation, 4 Pronationstest
4 Thenarhypotrophie, 4 Hoffmann-Tinel-Zeichen (Beklopfen der volaren Seite
4 Sensibilitätsstörungen an Pollex, Index, Medius und z.T. des Handgelenks: elektrisierendes Gefühl des über dem
Anularius und geschädigtem Nerv liegenden Hautareals als Zeichen be-
4 trophische Störungen an Haut und Nägeln von Strahl ginnender Regeneration)
I-IV. 4 Schwurhand, Flaschenzeichen
4 Ausprägung des Thenars im Seitenvergleich
Die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und das Elektromyo- 4 Sensibilitätstestung von Strahl I-IV
gramm (EMG) sind pathologisch. 4 Beurteilung der Trophik im Medianusbereich

M Formen Komplikationen
4 Medianusparese bei Karpaltunnelsyndrom 4 Störungen der Durchblutung und Trophik, evtl. musku-
4 Medianusparese durch Frakturen des Ober- oder Unter- läre Atrophien und Hypästhesien
arms 4 Parästhesien
4 Medianusparese durch andere Verletzungen, extrem nach 4 Vegetative Dysfunktion
Durchtrennung
4 Selten hohe Medianusparese durch Trauma an der Innen- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
seite des Oberarms
Ziel Therapie
Ausprägung einer Nervenläsion:
Reinnervation PNF, E-Technik, Bewe-
gungsabläufe imaginär
Nervenläsion Ausprägung
durchführen, Spiegelthera-
Neurapraxie Nervendehnung und Druck auf den pie, Nervenmobilisation
Nerv, Axon mit Myelinscheide und
Verminderung der Elektrotherapie,
Hüllgewebe ist erhalten, gute Heilung,
Muskelatrophie aktives Üben
nur geringe, kurzzeitig auftretende
Parese mit Kribbeln und Kraftverlust Ruhigstellung, Scho- Konservativ bei KTS:
nung, Rückbildung einer nächtliche Schienung
Axonotmesis Axon mit Myelinscheide wurde
Entzündung
durchtrennt, Hüllgewebe (Epi-/Peri-
neurium) ist erhalten, sensible und Wiederherstellung der Postoperative Bewegungs-
motorische Ausfälle. → Solange die Beweglichkeit, falls nach therapie,
Nervenhülle intakt ist, kann das Axon einer OP eine Ein- Manuelle Therapie
ca. 1 mm am Tag regenerieren, Hei- schränkung vorliegt
lung bis zur Regeneration des Axons Wiederherstellung der Schmerzfreie Finger-
6 möglich für den Alltag erforder- übungen, PNF, FBL
lichen Funktionen
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
111 M

. Abb. 1 N. medianus (C5-Th1). Patient . Abb. 2 Nervendehnung als Übung für zu . Abb. 3 Je nach Läsionsstelle: 1. Rippe,
soll Faustschluss ausführen; dabei entsteht Hause mit Hand gegen die Wand (freie Hand Klavikula mitbehandeln, evtl. Mm. scaleni
eine Schwurhand, da Flexion in Strahl I-III drückt die Schulter in Depression)
nicht möglich ist. Sensibilitätsstörungen
(grün dargestellt) äußern sich meist als
Hypästhesien

. Abb. 4 Je nach Läsionsstelle: M. pectora- . Abb. 5 Je nach Läsionsstelle: Lig. carpi . Abb. 6 PNF, in den Pausen Sensibilitäts-
lis detonisieren transversum dehnen (Retinaculum flexorum) schulung und durchblutungsfördernde
Maßnahmen

. Abb. 7 Nerventape . Abb. 8 Fingerübungen . Abb.9 Retinaculum flexorum (gelb) mit


den Anheftungsstellen (Tuberculum ossis
trapezii, Tuberculum ossis scaphoidei, Os pisi-
forme, Hamulus ossis hamati), N. medianus
(grün)
i Tipp
Nach Operation eines KTS ist Physiotherapie nur bei ver-
zögerter Entwicklung der Beweglichkeit erforderlich.
Postoperative Bewegungstherapie darf keine Schmerzen
auslösen.
112 Meniskusläsion

Meniskusläsion Untersuchung

Was ist das? 4 Gelenkerguss, Ödem, Hämatom


4 Palpation der Kniekehle
Läsionen durch permanente oder akute Überlastung der 4 Umfangmessungen im Seitenvergleich
Menisken. Prädestiniert für Meniskusverletzungen sind Ball- 4 Beweglichkeit des Knies und der angrenzenden Gelenke
spieler, Skiläufer, Leichtathleten, Snowboarder, Tennisspieler
und Balletttänzer. Komplikationen
Liegt ein Meniskuseinriss im gefäßversorgten Bereich (am
Rand des Meniskus), ist es in seltenen Fällen möglich, dass der 4 Meniskusnaht reißt erneut
Riss sich wieder regeneriert. In den meisten Fällen muss der 4 Da nur die kapselnahe Zone des Meniskus vaskulär ver-
Meniskus resiziert oder genäht werden, um das Knie wieder sorgt wird, können weiter innen liegende Läsionen
normal belasten zu können. Nach einer Meniskusnaht wird schlecht heilen
üblicherweise in den ersten 4 Wochen eine Schiene angelegt,
die jegliche Flexion im Alltag verhindert. In der Therapie darf Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
diese Schiene abgelegt und die Flexion ohne Belastung geübt
werden. Dennoch sind sehr lange Zeitintervalle nötig, um die Ziel Therapie
volle Flexion wiederzuerlangen. Das Ziel ist es, eine Bewe-
gungseinschränkung durch strukturelle Umbauten der Kapsel Schmerzlinderung Elektrotherapie, Eis
möglichst gering zu halten, welche nach spätestens 8 Wochen Entstauung Hochlagern, Lymphdrainage,
vorliegen kann. Um die strukturelle Bewegungseinschränkung Kompression
zu minimieren, ist unmittelbar postoperativ beginnend, min- Mobilität Manuelle Therapie, Eigen-
destens 3-mal/Wo KG oder ein Hausaufgabenprogramm ohne verbessern übungsprogramm für Extension
Knieorthese (z.B. aus BL oder RL) erforderlich. Nach einer Me- und Flexion, Kapseldehnung
niskusresektion sollte versucht werden, die volle Beweglichkeit über Traktion (auch zu Hause
möglichst schnell wiederzuerlangen. Auch kann nach einer Re- mit Skistiefel an Treppe pen-
sektion das Knie viel früher belastet werden, so dass der Sport- delnd oder auf dem Tisch sit-
einstieg bereits nach ca. 4-6 Wochen nach Op erfolgt. Parallel zend möglich), Patellamobilisa-
empfiehlt sich ein Vibrationstraining (mind. 2-mal/Wo), um tion
M den Knorpel stabil gegen weitere Verletzungen zu machen.
Propriozeption Wackelbrett, Airex-Matte,
Formen verbessern Weichbodenmatte, Beinpresse
mit Wackelpad, Wii Sports, SRT
4 Unhappy Triad: Innenmeniskusläsion und Ruptur des Geschonte Musku- MTT, PNF (anfangs ohne Rota-
Lig. collaterale mediale (7 Kap. Lig. collaterale mediale) latur auftrainieren tion bei Meniskusnaht)
und des Lig. cruciatum anterius
Wiedereingliede- Seilzugübungen auf die entspre-
4 Meniskus verrutscht und bleibt dort fixiert (Meniskusein-
rung in den Sport chende Sportart abändern (z.B.
klemmung)
Tennisschläger in die Hand ge-
4 Meniskusabriss (Meniskuslappenriss) oder Meniskusein-
ben, während Patient Seilzug-
riss
übungen auf der Weichboden-
4 Hinterhorn- oder Vorderhornläsion
matte durchführt), Volleyball-
4 Korbhenkelriss
Schrittkombinationen auf der
4 Mediale Meniskusläsion
Weichbodenmatte üben)
4 Laterale Meniskusläsion

Fragen beim Befund ! Cave


Durch Drehbewegungen mit vollem Körpergewicht
4 Wie kam es zu Ihrer Knieverletzung? kann eine erneute Läsion entstehen (wichtiger Hinweis
4 Gibt es ein ärztliches Belastungs- und Bewegungssche- für alle Patienten mit Meniskusläsion, außer nach Menis-
ma? kusresektion).
4 Welche Probleme haben Sie im Alltag durch die Kniever-
letzung? Ergeben sich Therapieziele wie Treppensteigen,
Fahrradfahren usw.?
4 Welche Vorgaben haben Sie zum Tragen der Schiene/Or-
these?
4 Welchen Belastungen muss Ihr Knie später wieder stand-
halten?
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
113 M

. Abb. 1 Kräftigungsübung . Abb. 2 Extensionsmobilisation, wobei . Abb. 3 Gangschule bei erlaubter Vollbe-
der Patient die Streckung aktiv durchführt lastung

. Abb. 4 Flexionsverbesserung an Spros- . Abb. 5 Schlingentisch (mit leichter Kom- . Abb. 6 Traktion über die Beine des Thera-
senwand, zu Hause mit einem Stuhl oder pression oder leichter Trakton) peuten, kombiniert mit Medial- oder Lateral-
am Fenstersims möglich, 2- bis 3-mal täglich gleiten
20 Wdh.

. Abb. 7 Elektrotherapie . Abb. 8 SRT mit speziellem Meniskuspro- . Abb. 9 Muskelaufbau kombiniert mit
gramm propriozeptivem Training
114 Migräne/Kopfschmerzen

Migräne/Kopfschmerzen Untersuchung

Was ist das? 4 Überprüfen des M. trapezius, Mm. scaleni, M. masseter


auf Druckschmerz und Ausstrahlung bei starkem Druck
Periodisch wiederkehrender, anfallsweise auftretender, pulsie- 4 Blutdruck, Puls
render, pochender oder klopfender Kopfschmerz. Als An- 4 Klassische Funktionsuntersuchung von HWS, Schultern,
fangszeichen einer Migräne können Sehstörungen, evtl. auch BWS und ISG
Sprachausdrucksstörungen (Dysphasie) auftreten. Migräne 4 Statik überprüfen (Beinlängendifferenz, Fußgewölbe,
kann verbunden sein mit: Taillendreieck)
4 Übelkeit, 4 Gleichgewichtstests, z.B. gekreuzter Rombergstand
4 Schwindel,
4 Gleichgewichtsstörungen, Komplikationen
4 Appetitlosigkeit und Erbrechen,
4 Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Photo- und Phono- 4 Differenzialdiagnostik: Ausschluss von Hirntumoren,
phobie) sowie Hirntraumata, Hirnblutungen, Aneurysma und Hirnent-
4 verringerter Leistungsbereitschaft/-fähigkeit. zündungen (Red Flags!)
4 Migränöser Infarkt: Blutmangel im Gehirn, wenn Migrä-
Hält die Migräne länger als 72 h an, spricht man von einem nesymptome länger als 7 Tage andauern
Status migränosus. Migräneanfälle können durch bestimmte 4 Durch Triggerpunkttherapie und auch andere Techniken
Situationen oder Substanzen ausgelöst werden, die als Schlüs- können Beschwerden vorerst verschlimmert werden
selreize bezeichnet werden, z.B. Schlaf, Stress, Menstruations- 4 Herz-Kreislauf-Probleme
zyklus, Nahrungsmittel, Umweltreize. Ein Migräneanfall kün-
digt sich oft durch Vorbotensymptome an, meist als Wahrneh- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 8)
mungsstörungen visueller Art (sog. Migräneaura). 10% der
Bevölkerung sollen unter Migräne leiden, darunter deutlich Ziel Therapie
mehr Frauen als Männer.
Entspannung Massage, Shiatsu, Autogenes
Formen Training, Sauna, Fango, Yoga
Schmerzlinderung Akupressur
M 4 Mit/ohne Aura Haltungs- Optimale Einrichtung des Ar-
4 Regelbedingte Migräne verbesserung beisplatzes, kein Einklemmen
4 Basilarismigräne: Schwerhörigkeit, Doppeltsehen, des Telefonhörers zwischen Ohr
Schwindel und Schulter
4 Ophthalmoplegische Migräne: Augenmuskel gelähmt,
akuter Schmerz Entstauung Lymphdrainage
4 Retinale Migräne: Einseitiger Gesichtsfeldausfall Unspezifische BGM (Kopfzone liegt zwischen
4 Status migränosus Reizung den Schulterblättern)
4 Abdominelle Migräne: Zyklisches Erbrechen
Kausale Therapie Manuelle Therapie, Trigger-
4 Medikamentenbedingter Kopfschmerz mit ähnlicher
punkttherapie, Reduzierung der
Symptomatik
stressauslösenden Faktoren im
Alltag
Fragen beim Befund
4 Wann und wie oft haben Sie Kopfschmerzen? ! Cave
4 Kann die Migräne durch eine bestimmte Kopfbewegung 4 Typische Migräneauslöser wie Käse, Rotwein, Scho-
verstärkt werden? kolade, Stress vermeiden!
4 Wo sind die Schmerzen genau? 4 Während der Therapie auf eine reizarme Umgebung
4 Wie lange halten die Schmerzen an? (abgedunkelten Raum ohne Musik) achten.
4 Haben die Kopfschmerzen mit der Menstruation zu tun?
4 Welche Begleitbeschwerden haben Sie, Lichtempfindlich-
keit, Erbrechen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen?
4 Was haben Sie bisher unternommen?
4 Was verbessert und was verschlechtert die Symptome?)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
115 M

. Abb. 1 Massage, Triggern des M. trape- . Abb. 2 Traktion im Schlingentisch . Abb. 3 Funktionsmassage HWS
zius

. Abb. 4 Manuelle Therapie nach Mulligan: . Abb. 5 Manuelle Therapie nach Mulligan:
C1 Eigenübung

. Abb. 6 Kinesiotape . Abb. 7 Kompression, wenn Traktion nicht


hilft
116 Migräne/Kopfschmerzen

. Abb. 8 a–t Gesichtseigenlymphdrainage: Griff e1: 10 Kreise in der Schlüsselbeingrube. Der Patient soll die Eigenlymphdrainage schon bei
beginnender Migräne täglich mindestens 30-60 min durchführen (optimal 60 min). Dies ist eine vereinfachte Behandlungsform für zu Hause
und ersetzt nicht die von zertifizierten Lymphdrainagetherapeuten ausgeführte Behandlung

. Abb. 8 a Griff 1: 10 Kreise in der Schlüssel- . Abb. 8 b Griff 2: 10 Kreise am Nacken . Abb. 8 c Griff 3: 10 stehende Kreise am
beingrube (Hautverschiebung in Richtung Fingerspit- Hals (Hautverschiebung nach hinten, unten,
zen, Daumen, Schlüsselbein) vorne)

. Abb. 8 d 10mal Schulterkreisen . Abb. 8 e Griff 4: 10 stehende Kreise vor . Abb. 8 f Griff 5: 10 Kreise in der Kiefer-
M und hinter dem Ohr (Hautverschiebung nach
hinten, unten, vorne), Wiederholung der er-
grube, Wiederholung der ersten 4 Griffe in
rückwärtiger Reihenfolge
sten 3 Griffe in rückwärtiger Reihenfolge

. Abb. 8 g Griff 6: 10 stehende Kreise an . Abb. 8 h Griff 7: 10 stehende Kreise vor . Abb. 8 i Griff 8: 10-mal Wiegetechnik
den Wangen (Hautverschiebung nach hin- dem Ohr (Hautverschiebung nach hinten, unter den Augen, Wiederholung der ersten
ten, unten), Wiederholung der ersten unten, vorne; nicht nach oben), Wieder- 7 Griffe in rückwärtiger Reihenfolge
5 Griffe in rückwärtiger Reihenfolge holung der ersten 6 Griffe in rückwärtiger
Reihenfolge
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
117 M

. Abb. 8 j Griff 9: 10 stehende Kreise an . Abb. 8 k Griff 10: 10 Kreise auf den . Abb. 8 l Griff 11: 10 stehende Kreis an
den Augenwinkeln (Hautverschiebung Augenbrauen, Wiederholung der ersten der Stirn. Diese Griffreihenfolgen insgesamt
nach oben, hinten, unten), Wiederholung 9 Griffe 55 min durchführen, dann weiter mit Ab-
der ersten 8 Griffe drainieren

. Abb. 8 m Abdrainieren . Abb. 8 n Abdrainieren . Abb. 8 o Abdrainieren

. Abb. 8 p Abdrainieren . Abb. 8 q Abdrainieren . Abb.8 r Abdrainieren

. Abb. 8 s Abdrainieren . Abb. 8 t Zum Abschluss Schultern kreisen . Abb. 8 u Der Akupressurpunkt kann zur
Linderung von Schmerzen, auch bei Migräne,
eingesetzt werden
118 Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans)

Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) 4 Haben Sie manchmal Knöchelödeme? → Symptom eines
Cor pulmonale bei Distributions- und restriktiver Venti-
Was ist das? lationsstörung

Arthrotische Veränderungen der Wirbelsäule und der Facet- Untersuchung


tengelenke (Synonyme: Spondylarthrosis, Spondylitis ancy-
lopoetica). An der Wirbelsäule bilden sich Ankylosen (Ver- 4 Inspektion: Schulterprotraktion etc.
steifungen, . Abb. 1). Im Röntgenbild sind sichtbar: 4 Wirbelsäulenbeweglichkeit testen: Finger-Boden-Ab-
4 Hypersklerosierungen der Wirbelgelenke, stand, Ott- und Schober-Zeichen
4 Ossifikationen der Bandstrukturen (Bambusstabphäno- 4 Umfangmessung des Thorax bei In- und Exspiration
men), 4 Messung des Abstands zwischen Kopf und Wand, wenn
4 osteoporotisch bedingte Dichteverringerung der Wirbel- der Patient mit dem Rücken an die Wand lehnt (als Test,
körper. den der Patient als Eigenkontrolle immer wieder zu Hau-
se durchführen kann)
Die Krankheit beginnt mit Entzündungen des ISG, der Ge-
lenkfacetten und der Gelenke zwischen Wirbel und Rippen 4 Bewegungseinschränkungen in der Hüfte; besonders Ex-
(Artt. capitis costae, Artt. costotransversariae). Die Wirbel- tension testen, da diese für ein physiologisches Gangbild
säule versteift in unterschiedlichen Kyphosegraden (das Lig. notwendig ist
longitudinale anterius versteift je nach Gewohnheitshaltung 4 Puls im fortgeschrittenen Stadium: → Durch die einge-
in Annäherung), und Ankylosen führen zur Brustkorbstarre. schränkte Atmung kommt es zu Sauerstoffmangel und
Die Ursache ist unklar, man spekuliert über eine erbliche evtl. Pulserhöhung
Komponente, Infektionen oder Stress. Die Spondylitis anky- 4 Ganganalyse: Bei der Gewichtsübernahme auf Dynamik
lopoetica bzw. ankylosans zählt zu den entzündlich-rheuma- der Wirbelsäule achten!
tischen Erkrankungen. Die Erkrankung verläuft schubweise,
schmerzhafte Entzündungsphasen mit Fieber wechseln sich Komplikationen
mit Phasen ohne Symptome ab. Männer sind häufiger betrof-
fen als Frauen, wobei in den letzten Jahrzehnten eine zuneh- 4 Zunehmende Atemfunktionseinschränkung und Cor pul-
mende Inzidenz bei Frauen beschrieben wird. Im Gegensatz munale (7 Kap. Cor pulmonale)
zu anderen Rückenleiden wird der Schmerz bei Bewegung 4 Urethritis und andere Entzündungen der harnableitenden
M besser und in Ruhe stärker. Auffallend ist, dass bei 90% der Wege
Patienten der HLA-B27-Wert (Labordiagnostik) positiv ist.
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
Formen
Ziel Therapie
4 Einteilung nach dem Grad der Kyphose
4 Krankheit im entzündlichen Schub oder im entzündungs- Entzündungshem- Eis, Kältekammer, in der
freien Intervall mung Entzündungsphase auch
4 Progredienter oder schubweiser Verlauf Schlingentisch
Pneumonieprophylaxe Tägliche Atemübungen
Einteilung nach dem Grad der Kyphose:
Durchblutung fördern Güsse
Stadium Klinisches Bild Erhalt der Beweglich- FBL, Dehnung, Manuelle
keit Therapie (bes. Traktion),
1 Fehlstellung der WS ist in Belastung (Sitz,
Positional Release
Stand) aktiv korrigierbar
Verbesserung des Gangschule (z.B. zum Erhalt
2 Fehlstellung der WS ist nur noch in
Gangbilds der Extension ein Laufband
Entlastung (RL, SL, Schlingentisch,
mit maximaler Steigung ver-
Bewegungsbad) aktiv korrigierbar
sehen, der Patient soll ex-
3 Fehlstellung ist fixiert tralange Schritte üben)
Haltungsschulung PNF, MTT, Theraband
Fragen beim Befund
! Cave
4 Haben Sie Atembeschwerden? → Durch eine starke Sko- Keine Mobilisation bei versteiften Gelenken bzw. bei
liose kann es zu Atembeschwerden kommen operativ aufgerichteter Wirbelsäule!
4 Treten die Kreuzschmerzen besonders nachts und früh- Bei Übungen in RL je nach Kyphose Unterlagerung von
morgens auf? Kopf und Knien, in BL Kissen unter die Brust.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
119 M

. Abb. 2 PNF

. Abb. 1 Typische Gelenkeinstellungen bei Morbus Bechterew

. Abb. 3 Kolonmassage bei ständig flek-


tierter BWS

. Abb. 4 Übungen zur Aufrichtung . Abb. 5 Seilzug aus Rückenlage in die . Abb. 6 Seilzug auf Liege oder Matte mit
Extension Rotation

. Abb. 7 Manuelle Therapie nach Mulligan: . Abb. 8 Übung zur Körperaufrichtung . Abb. 9 Triggern des M. pectoralis
Extension in der Hüfte
120 Morbus Parkinson

Morbus Parkinson Untersuchung

Was ist das? 4 Klassische neurologische Untersuchung mit Test zur Be-
urteilung von Tremor (Patient wird aufgefordert, einen
Degenerative Erkrankung der Substantia nigra (Basalgang- Gegenstand zu ergreifen), Rigor (passives Durchbewe-
lion). Es entsteht ein hochgradiger Mangel des dort produ- gen), Akinese (Finger-Nase-Versuch)
zierten Transmitters Dopamin. Ohne dieses Dopamin fällt es 4 Test des Vegetativums (roter und weißer Dermographis-
dem Patienten schwer, Bewegungen zu starten und abzustop- mus), Atmung, Puls, Mimik
pen. Wird Morbus Parkinson diagnostiziert, ist die Substantia 4 Ganganalyse:
nigra meist schon zu zwei Dritteln zerfallen. Die Leitsymp- 5 Macht der Patient typische kleine, schleifende Schritte?
tome sind: 5 Schwingen die Arme mit/nicht mit?
4 Tremor (Zitterbewegungen der Hände und Füße), 5 Verharrt der Patient beim Gehen in einer Position?
4 Rigor (extrapyramidale Tonuserhöhung, evtl. mit Zahn- 5 Wie reagiert er auf Tempowechsel?
radphänomen) und 5 Wie groß ist die Schrittlänge, und wie rollt er ab?
4 Akinese (Hypokinese, Bewegungen laufen nicht mehr au- 5 Hat er Start-/Abstoppschwierigkeiten?
tomatisch ab). 5 Hat er Probleme beim Gehen über eine Schwelle?
5 Hat er Schwierigkeiten beim Treppensteigen?
Dazu entwickeln sich vegetative Störungen (Salbengesicht) 5 Kann der Patient die Spur halten/nicht halten, wenn er
und Bradyphrenie (verlangsamtes Denken). auf einen Stuhl zugeht (Lateropulsion)?
4 Wie ist die Handmotorik? Wie schreibt der Patient? → Die
Formen ersten Buchstaben sind i.d.R. gut leserlich, dann wird die
Schrift unsauber und kleiner (Mikrograpie)
Stadien nach der Hoehn-Yahr-Skala: 4 Kopffalltest: Der Patient liegt in RL. Der Therapeut hebt
leicht den Kopf an und lässt den Kopf schnell zur weichen
Stadium Klinisches Bild Unterlage fallen, wobei die Hände des Therapeuten den
1 Rein unilaterale Symptome Hinterkopf nie verlassen. Besteht ein Rigor in der Nacken-
muskulatur, sinkt der Kopf nur langsam auf die Unterlage.
1,5 Unilaterale und axiale Symptome Zahnradphänomen?
(z.B. Hypomimie [verminderte Mimik]) 4 Koordination: Der Patient wird aufgefordert, auf einem
M 2 Unilateral mit/ohne axiale, aber leichte Bein zu stehen
kontralaterale Symptome 4 Stütz- und Abfangreaktion vorhanden? Testen im Sitz
2,5 Leichte bis mäßige bilaterale Symptome oder Stand mit Weichbodenmatte
ohne posturale Störung
Komplikationen
3 Mäßig ausgeprägte bilaterale Symptome
mit beginnender posturaler Störung 4 Sturzneigung, Risiko von Schädel-Hirn-Trauma (7 Kap.
4 Vollbild, deutliche Behinderung, noch ohne Schädel-Hirn-Trauma), da fehlende Schutzreaktionen
Hilfe steh- und gehfähig, z.T. hilfebedürftig
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
5 Ohne Hilfe rollstuhlpflichtig oder bett-
lägerig, schwer pflegebedürftig
Ziel Therapie
(modifiziert nach Fahn 1988, Ergänzung der Stadien
1,5 und 2,5) Kontraktur- Kreisende Bewegungen am Bewe-
prophylaxe gungsende, endgradiges Bewegen (bes.
Fragen beim Befund Extension in der Hüfte und endgradige
Rumpfrotation, z.B. aus der SL)
4 Neigen Sie zu Stürzen? → Durch fehlende Stützreaktionen Muskelspan- Wärme, Atemtherapie
hohe Sturzneigung, häufig Schenkelhalsbruch oder Hüft- nung senken
TEP Gesichts- Schnelle Abfolge der Vokale »a-e-i-o«,
4 Haben Sie Schwierigkeiten, z.B. beim Treppensteigen gymnastik Backen aufpusten, Augenlider öffnen
(Schritte werden immer kleiner)? und fallen lassen, den Kiefer fallen lassen
4 Nehmen Sie Medikamente? → Die Medikamente sind sehr
wichtig. Morbus Parkinson ist nicht heilbar, eine gute me- ADL Treppensteigen üben, auf Pausen ach-
dikamentöse Einstellung ist dem Patienten sehr hilfreich. ten, Gehen über Unebenheiten, Fahr-
stuhl fahren, um Angst vor schließen-
den Türen zu nehmen, Transfers, PNF-
Mattenprogramm
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
121 M

. Abb. 1 Das Vorrollen eines Pezziballs . Abb. 2 Gangschule: Möglichst aufrecht, . Abb. 3 Hockergymnastik für Arme und
trainiert das Vorneigen beim Aufstehen durch Markierungen auf dem Boden die Beine, rhythmische Bewegungen bei Musik,
und erleichtert die notwendige Gewichts- Schrittlänge vergrößern, Hindernisse über- Kommandos auf den Takt abstimmen
verlagerung. steigen, Arme schwingen

. Abb. 4 Eisenbahn mit Stäben, im Sitz, . Abb. 5 Transfer: Aus RL in den Sitz . Abb. 6 Transfer: Aus Sitz in den Stand
Stehen und Gehen auch mit Keulen möglich und umgekehrt. Der Patient kann auch bei
leicht angehobenem Gesäß verharren, um
das Gleichgewicht zu schulen.

. Abb. 7 Strümpfe anziehen: In vorgeneig- . Abb. 8 Werfen und Fangen im Gehen zur . Abb. 9 Stützreaktionstraining
ter Haltung balancieren und dort verharren Verbesserung der Reaktionsfähigkeit
(Koordinationstraining für jeden Tag und
für zu Hause), auch mit Behandlungsbank
oder Bettkante im Hintergrund. i Tipp
Wichtig ist eine klare und unterstützende Ansprache,
! Cave Rhythmusvorgaben helfen.
Parkinsonpatienten sind sturzgefährdet und verletzen Häufige Wiederholungen einer Bewegung erhalten den
sich beim Sturz aufgrund fehlender Schutzreaktionen Bewegungsablauf.
leicht. Alle Übungen sollten einfach und sehr alltags- Die Pneumonieprophylaxe ist ein wichtiger Bestandteil
orientiert sein. der Therapie
122 Morbus Perthes

Morbus Perthes
. Tab. 1 Aseptische Knochennekrosen
Was ist das?
Betroffener Bezeichnung
Knochen
Aseptische Knochennekrose (7 Kap. Morbus Scheuermann):
Der Hüftkopf des Kindes wird von Geburt an nicht richtig mit Femur Morbus Perthes (Caput femoris),
Blut versorgt, was eine relative Ischämie und eine progrediente Morbus Ahlbäck (an der Kondyle)
Nekrose hervorruft. Dies kann ein- oder beidseitig vorkom-
men. Letztlich kommt es zur Hüftkopfnekrose oder Impression Patella Morbus Sinding-Larsen
des Hüftkopfs. Die Kinder hinken und klagen manchmal über Tibia Morbus Osgood-Schlatter (Tuberositas
Beschwerden. Oft kommt es zur Subluxation. Charakteristisch tibiae), Morbus Blount (mediale proxi-
sind die 5 Stadien, die in wenigen Monaten bis zu ca. 5 Jahren male Epiphyse)
ablaufen. Jungen erkranken 4-mal häufiger als Mädchen. Meist
Os naviculare Morbus Köhler
kommt die Erkrankung im 3.-12. Lebensjahr vor, nach dem
6. Lebensjahr tritt sie eher selten auf. Ein durchgemachter Mor- Vertebrae Morbus Scheuermann
bus Perthes stellt wie auch die frühkindliche Hüftdysplasie ein Os pubis Morbus Pierson
Risiko für eine spätere frühzeitige Koxarthrose dar.
Weitere aseptischen Knochennekrosen sind in . Tab. 1 Humerus Morbus Panner (Capitulum radii)
aufgelistet. Os lunatum, Morbus Preiser
Os scaphoideum
Formen/Stadien Ossa Morbus Dietrich (Caput ossis meta-
metacarpalia carpalis)
Stadium Klinisches Bild
Phalanx medialis Morbus Thiemann (Basis)
Initialstadium Ödembildung, Gelenkentzündung
und Gelenkerguss mit Gelenkspalt-
verbreiterung Komplikationen
Kondensa- Verdichtung des Knochens
tionsstadium (Femurkopf) 4 Ist nur eine Hüfte betroffen, kommt es in 15% der Fälle
M Fragmenta- Teilweises Zusammensintern und
auch zu einem Befall der anderen Seite
4 Frühzeitige Koxarthrose
tionsstadium Zerbröckeln des Hüftkopfs
Reparations- Wiederaufbau des Hüftkopfs oder Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
stadium Ausheilung in deformierter Stellung
Degenerations- Zunehmende atypische Form mit Ziel Therapie
stadium schwerer Funktionsbeeinträchti-
Verhinderung Übungen unter entlasteten
gung
der Hüftdeformität Bedingungen, z.B. in RL mit
Schlingentisch oder Exten-
Des Weiteren wird der Zustand »vor oder nach OP« (Becken- sionsübungen aus der BL
osteotomie, Varisierungsosteotomie, OP nach Salter oder Aufrechterhalten Passives Bewegen, Traktion,
Chiari) unterschieden. der Beweglichkeit Manuelle Therapie
Schonhaltung Tape (detonisierend für
Fragen beim Befund abbauen Flexoren und Adduktoren),
Gangschule, PNF
4 Wie lange ist die OP her? Liegen keine ärztlichen Vorga-
ben vor: Erhalt der Isometrische Spannungs-
5 In den ersten 3 Wochen Gipsschale, keine Belastung Muskelkraft übungen, Wassergymnastik
5 Nach der 3. Woche zunehmende Belastung an Stützen, Stoffwechselanregung Elektrotherapie
Teilbelastung für 2-3 Monate
Aktivierung der Osteo- Rudern, Laufbandtherapie,
4 Wurde bisher eine Schuherhöhung verordnet?
blasten und Chondro- Fahrradergometer, SRT
blasten am Ende des
Untersuchung
Fragmentationsstadium
4 Klassische Funktionsuntersuchung der Hüfte
4 Beinlängendifferenz
4 Ganganalyse
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
123 M

. Abb. 1 Verbesserung der Außenrotation . Abb. 2 Mulligantraktion vierhändig, wo- . Abb. 3 Traktion je nach Röntgenbefund
bei die zweite Person das Becken fixiert

. Abb. 4 Rückenschwimmen und Kraulen . Abb. 6 Bewegungsbad: Beinpresse im . Abb. 5 Bewegungsbad, Seepferdchen
Wasser

. Abb. 7 Schlingentisch . Abb. 8 Radfahren . Abb. 9 Ruderergometer

! Cave
Je früher der Morbus Perthes auftritt, diagnostiziert und
therapiert wird, desto besser sind die Erfolgschancen.
Kein Trampolin springen und auch andere starke
Stauchungen vermeiden
124 Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)

Was ist das? Ziel Therapie

Aseptische Knochennekrose der Deck- und Grundplatten Kräftigung des M. erec- MTT, Flexibar, Theraband,
der Wirbelkörper (juvenile Wachstumsstörung des Achsenor- tor spinae, Haltungs- Hanteltraining
gans, 7 Kap. Morbus Perthes): Während der skeletalen Wachs- schulung, Aufrichtung
tumsschübe wird Nucleus pulposus-Material in die Deck- Schmerzreduktion Fango, Heiße Rolle, TCM,
oder Grundplatten eingedrückt. Die Integrität des Ncl. pulpo- Traktion (im Schlingen-
sus innerhalb des Anulus fibrosus stellt sich reparativ wieder tisch), Reizstrom
her. Die in die Knochen eingedrückten Teile der Bandscheibe Beweglichkeits- Wassergymnastik, FBL,
verkalken ohne optimale Trabekelbildung. Später werden verbesserung Drehdehnlagerung oder
diese als Schmorl-Knötchen bezeichnet. Die Gesamtform der Hockdrehlage, Seilzugübun-
Wirbelsäule kann unverändert bleiben, aber auch Fehlstel- gen aus der RL (mit Hand-
lungen, v.a. Kyphosen durch die Bildung von Keilwirbeln, sind tuchrolle unter BWS zur Ex-
möglich. Der Morbus Scheuermann ist weniger eine aktuelle, tensationmobilisation)
progrediente Erkrankung, sondern eine durchgemachte, ju-
gendliche Wachstumsstörung mit eventuellen Fehlstellungen. Verhindern von Triggern von M. pectoralis,
Besonders häufig sind leptosome Jugendliche mit großer Muskeldysbalancen M. erector spinae und M.
Körperlänge betroffen, begünstigt wird die Kyphose durch trapezius
einen schwachen M. erector spinae. Jungen sind 5-mal häu-
figer betroffen als Mädchen. Nach Beendigung des skeletalen ! Cave
Wachstums schreitet der Morbus Scheuermann nicht mehr Keine Stauchungsbelastungen im Anfangsstadium und
voran. Am häufigsten sind die Schmorl-Knötchen in der un- im floriden Stadium!
teren BWS lokalisiert.

Formen/Stadien

Stadium Klinisches Bild


M Anfangs- Keine Schmerzen, bleibt meist unerkannt
stadium
Florides Vermehrte BWS-Kyphose mit kompensa-
Stadium torischer LWS-Hyperlordosierung
End- Schmerzen durch Fehlstatik und mit mus-
stadium kulären Dysbalancen

Fragen beim Befund


4 Treiben Sie Sport? → Schwimmen empfehlen
4 Haben Sie Beschwerden?

Untersuchung
4 Klassische BWS- und LWS-Untersuchung
4 MFP des M. erector spinae
4 Springing-Test
4 Rippenwirbelgenke: Rotation mit Einatmung

Komplikationen
4 Keine
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
125 M

. Abb. 1 Lesen in BL im Unterarmstütz als . Abb. 2 Rückenstabilisierende Übungen, . Abb. 3 VFST


Übung für zu Hause als Ausgleich für langes z.B. auf dem SRT
Sitzen in der Schule

. Abb. 4 Serratus anterior-Training am Seil- . Abb. 5 Schnelles Auf- und Abbewegen . Abb. 6 Kräftigung der dorsalen Kette
zug zur Vorbeugung einer Scapula alata der Arme in BL

. Abb. 7 Fango: Warmreize aktivieren die . Abb. 8 Klimmzüge . Abb. 9 Kletterwand


Muskeldurchblutung und beugen so Ver-
spannungen und daraus resultierenden
Kopfschmerzen vor
126 Morbus Sudeck

Morbus Sudeck Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Was machen Sie beruflich? → Einstudieren eines be-
stimmten Bewegungsmusters mit der nicht betroffenen
Schmerzhafte trophische Störung, kombiniert mit atro- Hand (z.B. Bedienung der Maus mit links)
phischen Veränderungen von Haut, Unterhaut und Muskula- 4 Wie können Sie sich am besten entspannen? → Über das
tur; auch die Knochen können befallen sein (Synonyme: Algo- vegetative Nervensystem kann der Verlauf der Erkran-
dystrophie, posttraumatische Dystrophie, Sudeck-Syndrom, kung positiv beeinflusst werden.
sympathische Reflexdystrophie [SRD]). Solche metabolischen 4 Trinken Sie genug und ernähren Sie sich gesund? → Vo-
und strukturellen Veränderungen können posttraumatisch raussetzung für Heilungsprozesse
oder postoperativ in und um die verletzte Region auftreten, 4 Wann haben Sie Schmerzen? Diagramm zeichnen lassen,
z.B. nach Kontusionen (Quetschungen), Distorsionen (Ver- wie sich die Schmerzintensität im Verlauf eines Tages oder
stauchungen), Luxationen (Auskugelungen), Frakturen (Kno- seit Beginn der Beschwerden verändert hat
chenbrüche, 7 Kap. Radiusfraktur), Myokardinfarkt, Herzer-
krankungen, Hyperthyreose oder nach länger dauernder Ein- Untersuchung
nahme bestimmter Medikamente.
Die Erkrankung tritt häufig an der oberen Extremität auf. 4 Regionales Bewegungsausmaß, Untersuchung der BWS
In der Pathogenese sind Entzündungszeichen wie Vasodilatia- 4 Schmerzskala/-diagramm (Visuelle Analogskala, VAS)
tion und Ödembildung, der sympathisch unterhaltene vom Patienten schreiben/zeichnen lassen
Schmerz, eine gestörte Thermoregulation und eine verminder- 4 Haut (Farbe/Temperatur)
te Aktivität zentraler Motoneurone bedeutsam (. Abb. 1). 4 Koordinationstest
4 Umfangmessung bei Ödemen
Formen 4 Finger-/Zehennägel (oft brüchig)

Stadium Kinisches Bild Komplikationen


I: Dauerhafte Schmerzen in Ruhe und 4 Dauernder Funktionsverlust der Extremität
Entzündliche bei Bewegungen in Verbindung von
Phase (bis zu Ödem, Funktionseinschränkung, Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
8 Wochen) schweißiger Haut
M Bewegungsempfindlichkeit
Auch nächtliche Schmerzen Ziel Therapie

II: Gewebe dystrophiert bis atrophiert Entstauung Manuelle Lymphdrainage


Ischämische Blasse, kühle Haut Erhalt von Freude an Sanftes Bewegungs-
Phase Schwellung bildet sich zurück Bewegung programm im Bewegungs-
(8 Wochen Schmerzen verringern sich bad
bis zu Temperatur ist wieder normal Beeinflussung der Ver- Tape, aktive Bewegungen
einem Jahr) Auf dem Röntgenbild fleckige Ent- schaltung am Hinter- der Wirbelsäule, Elektro-
kalkung horn im Rückenmark therapie, Segmentmassage
Nagelwuchs gestört durch Reizsummation
Lokaler Haarwuchs verändert:
Alopecia areata oder Haare borstig Verbesserung der Tro- Iontophorese (Diclofenac-
phik und Entzündungs- Präparate)
III: Weichteile sind atrophiert hemmung
Atrophische Ausgeprägte Kontrakturen
Phase Gelenkkapsel ist geschrumpft Reduzierung der Ent- Kältekammer, Kaltluft
Deutliche Bewegungseinschränkung zündungszeichen
Haut dünn und blass Beweglichkeitsver- Aktive und passive Bewe-
Knochen entkalkt (röntgenologisch: besserung und gungen je nach Stadium
deutliche Osteoporose) Funktionserhalt
Veränderungen sind irreversibel Sympatikusdämpfung Segmentale Behandlung;
Dämpfung des Vegetati-
Eine weitere Form ist das CRPS (Complex Regional Pain Syn- vums; Grenzstrang-
drome): mobilisation (endgradige
4 Typ I: SRD, Algodystrophie, Morbus Sudeck BWS-Flexion kombiniert
4 Typ II: Nervenläsionen, wird vom Morbus Sudeck als sog. mit Rotation aus dem
Kausalgie abgegrenzt Langsitz)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
127 M

. Abb. 2 Manuelle Lymphdrainage

. Abb. 1 Die Symptome eines Morbus Sudeck wurden von Laan und Goris (1997) unter-
sucht. Einige Symptome treten bei mehr als 90% aller Fälle auf: fast alle Untersuchten
zeigten Entzündungszeichen und Paresen . Abb. 3 Tape

. Abb. 4 Einbeziehung der Gefäß- und . Abb. 5 Bewegungsprogramm: Es sollte . Abb. 6 Manuelle Therapie nach dem
Nervenstraßen (Mm. scaleni, 1. Rippe, M. den ganzen Körper beanspruchen, um von Mulligankonzept: Eine schmerzhafte Bewe-
pectoralis minor) der betroffenen Stelle abzulenken gung darf unter dem therapeutischen Druck
nicht mehr schmerzhaft sein

. Abb. 7 E-Technik . Abb. 8 Fango für HWS und BW . Abb. 9 Vegetativum beeinflussen, z.B.
Extensionsmobilisation mit dem Ziel der
! Cave Sympathikusdämpfung
Die Therapie darf keine Schmerzen auslösen!
Eine reaktive Hyperämie vermeiden (begünstigt die
Ödembildung)!
128 Mukoviszidose (Zystische Fibrose)

Mukoviszidose (Zystische Fibrose) Untersuchung

Was ist das? 4 Thorax- und Rippenmobilität


4 Haut: marmoriert, blass, manchmal bläulich, Einzie-
Genetische Erkrankung mit Defekt auf dem 7. Chromosom: hungen im Bindegewebe im Bereich der Interkostalräume
Mutation des DNA-Abschnitts für den Chloridtransporter. und der Klavikula
Der gestörte Chloridtransporter verändert die Zusammenset- 4 Trommelschlegelfinger (aufgewölbte, vergrößerte Finge-
zung aller im Körper gebildeten Flüssigkeiten, z.B. von Pankre- renden)
assaft, Schweiß, Bronchialflüssigkeit, Hoden- und Ovarialse- 4 Uhrglasnägel (runde Fingernägel)
kreten und Gallensaft. Diese Flüssigkeiten sind zäher als bei 4 Diaphragma palpieren, C4 überprüfen
Gesunden und werden nur schwer abgegeben. Der Pankreas- 4 Palpation der Muskeln im Schulter-/Nackenbereich und
saft staut sich in das Organ zurück, mit zwei Konsequenzen: zwischen den Rippen
4 Störungen der Verdauung: Folge sind Wachstumsstö- 4 Fassthorax
rungen und retardierte Entwicklung. Vor allem werden 4 Wirbelsäule: → Typisch sind starke LWS-Lordose und
die in der Nahrung enthaltenen Fette nicht resorbiert. BWS-Kyphose.
4 Ansammlung der zähen Flüssigkeit im Pankreas: Es bil- 4 Abhören mit Stethoskop: Rasselgeräusche (RG) bei häu-
den sich zunehmend größere Zysten. Der Druck auf die figer Bronchitis oder Bronchopneumonie
Parenchymzellen bewirkt deren Untergang und eine Fi- 4 Flaschenhals-Zeichen: Folge eines Cor pulmonale
brosierung des schrumpfenden Organs (zystische Fibrose,
CF). Komplikationen
Analoge Prozesse spielen sich in den Bronchien ab. Der sich 4 Bei Belastungen kommt es leicht zur Sauerstoffnot
rückstauende Schleim führt zur obstruktiven Ventilationsstö- 4 Cor pulmonale
rung und schließlich zum Lungenemphysem mit starker Dif- 4 Darmverschluss (Ileus)
fusionsstörung. Die abdominellen und pulmonalen Symp- 4 Bei ständigem Durchfall kann es zum Rektumprolaps
tome stehen im Vordergrund, die schweren Abflussstörungen kommen
können auch andere Organe betreffen (. Abb. 1). Infertilität, 4 Diabetes mellitus
Gallenbeschwerden und Speichelsteine sind die Folge. Die
Prognose ist abhängig von der Ausprägung des Cor pulmo- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
M nale (7 Kap. Cor pulmonale).
Moderne Antibiose (wegen der Lungeninfekte), effektive Ziel Therapie
Nahrungsergänzung (Pankreasenzyme, fettlösliche Vitamine)
und Lungentransplantation haben zu einer deutlichen Erhö- Sekret lösen Warmen Tee trinken,
hung der Lebenserwartung beigetragen. Die Mukoviszidose Atemtherapie
ist die häufigste angeborene Stoffwechselerkrankung nach der Sekret Drehdehnlagerungen,
Hämochromatose. abtransportieren Hustentechniken, autogene
Drainage, atemerleichternde
Formen Stellungen, Klopfungen,
Vibrationen
4 Klinisch Kranke Fitness verbessern Trampolin, lockeres Laufen,
4 Gesunde, aber Genträger Schwimmen, Tanzen
Jedes Jahr kommen in Deutschland 300 erkrankte Kinder auf Peristaltik verbessern Kolonmassage
die Welt (1:2.000), jedoch sind 4% der Bevölkerung gesunde
Genträger, die das mutierte Allel vererben können. Nur wenn
beide Elternteile das mutierte Gen vererben, tritt die Erkran- ! Cave
kung phänotypisch in Erscheinung. Bei Lungenemphysem nur Vibrationen!
Geringe Thrombozytenwerte sind möglich, da die Milz
Fragen beim Befund vergrößert ist (Splenomegalie).

4 Haben Sie/hast Du Fieber, oder bist Du erkältet? i Tipp


4 Wie ist Dein Appetit? Jede Therapie beginnt mit einer Sekretolyse. Immer war-
4 Bist Du oft müde? men Tee (ohne Zucker) und Tücher zum Abhusten bereit-
4 Treibst Du Sport? halten.
4 Sind Herzerkrankungen bekannt?
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
129 M

. Abb. 1 Schematische Darstellung der Dysfunktion und die Auswirkungen

. Abb. 2 Sanfte Klopfungen von kaudal . Abb. 3 Atemerleichternde Stellungen . Abb. 4 Atemerleichternde Stellungen
nach kranial, Quin´sche-Hängelage kombi- (Kutschersitz) (Torwartstellung)
niert mit Phonationsübungen

. Abb. 5 Atemerleichternde Stellungen . Abb. 6 Entspannung auf einer Fango (Be- . Abb. 7 FBL kombiniert mit Phonations-
achte: Kindern ist das Fango zu heiß, daher lauten
ein Tuch darauf legen)

. Abb. 8 Watte pusten . Abb. 9 Atemübungen im Wasser . Abb. 10 Atemübung: Tuch mit Strohhalm
wegpusten
130 Multiple Sklerose

Multiple Sklerose jEinteilung mittels EDSS-Skala (Expanded Disability


Status Scale) nach Kurtzke
Was ist das?
Schwere- Klinisches Bild
Schubweise oder progredient verlaufende Erkrankung, die grad
mit zunehmendem Muskelschwund einhergeht (Synonyme: 0 Normaler neurologischer Befund
Encephalomyelitis sclerosis, Polysklerose, Encephalomyelitis
disseminata). Ursache ist möglicherweise eine Viruserkran- 1 Einige neurologische Auffälligkeiten, aber
kung (Viren befallen das ZNS), diskutiert wird auch eine Au- keine Behinderung des Patienten
toimmungenese. In der weißen Substanz im Großhirn (Cere- 2 Minimale Behinderung in einem funktio-
brum) läuft eine rindennahe Entmarkung ab. Die MS beginnt nellen Teilbereich, z.B. in der Motorik
meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, besonders bei 3 Mäßiggradige Behinderung in einem funk-
Frauen (mehr als 50%). Folgende Symptome können auftre- tionellen Teilbereich, aber voll gehfähig
ten:
4 spastische Paresen, 4 Relativ schwere Behinderung, benötigt
4 Ataxie, minimale Hilfe, gehfähig ohne Hilfe/Geh-
4 visuelle Störungen wie Doppelsehen (N. abducens), retro- pause bei >500 m; Patient ist während
bulbäre Neuritis (Augenveränderungen, Sehnerventzün- ca.12 h pro Tag aktiv
dungen), 5 Schwere Behinderung; gehfähig ohne
4 abgehackte Sprache, Hilfe/Gehpause bei ca. 200 m; tägliche
4 Nystagmus (schnelle horizontale Augenbewegungen), Aktivität beeinträchtigt
4 Schwächegefühl in den Beinen,
6 Benötigt Gehhilfe, um 100 m ohne Pause
4 Abgeschlagenheit,
zu gehen
4 Sensibilitätsstörungen,
4 Lähmungen, 7 An Rollstuhl gebunden; Patient bewegt
4 Blasenstörungen, Rollstuhl selbst, transferiert ohne Hilfe
4 Sphinkterstörungen und 8 An Bett oder Rollstuhl gebunden; Patient
4 selten epileptische Anfälle. pflegt sich selbständig, noch guter Ge-
brauch der Arme
M Bei der Liquoruntersuchung sind IgG vermehrt und sog.
9 Hilfloser Patient im Bett
oliklonale Banden nachgewiesen, im MRT sind entmarkte
Areale sichtbar. 10 Tod infolge MS (Lähmung der Atemmus-
kulatur)
Formen
4 Akute MS: 2% der Fälle, bei Befall der Atemmuskulatur Fragen beim Befund
schnelle Letalität
4 Chronisch-progrediente MS: 9% der Fälle; Alter bei Fest- 4 Was können Sie allein, evtl. gehen, Rollstuhl anschieben?
stellung ca. 20 Jahre 4 Nehmen Sie Medikamente? → Die Patienten bekommen
4 Schubweise verlaufende MS: 89% der Fälle; die anfalls- häufig Immunsupressiva, um die Autoimmunerkrankung
freien Intervalle werden immer kürzer, und die Schübe hinauszuzögern. Bei Gabe von Kortikosteroiden ist mit
hinterlassen im Laufe der Zeit immer größere neurolo- folgenden Nebenwirkungen zu rechnen: Gewichtszunah-
gische Defekte; Alter bei Feststellung ca. 40 Jahre me, Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Diabetes, Osteo-
porose, Pergamenthaut
4 Haben Sie Gesichtsfeldeinschränkungen?
4 Haben Sie Atembeschwerden?
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
131 M

. Abb 1 Beine des Patienten auf einem . Abb. 2 Kontrakturprophylaxe: Beine . Abb. 3 Erhalt der Extension im Hüft-
aufgestellten Bein des Therapeuten able- durchbewegen gelenk
gen. Nun werden die Knie für eine endgradi-
ge Rumpfrotation nach rechts und links
Richtung Unterlage abgesenkt

. Abb. 4 Bank durch den Raum schieben . Abb. 5 Stand an der Bankkante und Ge- . Ab. 6 PNF Beckenpattern: Zwischen zwei
wicht verlagern Bänken oder in einem Gehbarren stehend
ist die Sturzgefahr relativ gering. Ein Bein
steht auf einem Fußhocker

. Ab. 7 Seilzugübungen auf der Bank für . Abb. 8 E-Technik . Abb. 9 Stochastische Resonanz-Therapie
Rollstuhlfahrer (SRT) im Sitzen oder, wenn möglich, im
Stehen
132 Multiple Sklerose

Untersuchung 5 Absinken der Hüfte


5 starrer Rumpf
4 Muskeltonus aller Muskeln: Atemmuskulatur mittels 5 Gleichgewichtsstörungen
LUFU indirekt bewerten 5 Schultern sind oft ungleich hoch
4 Finger-Nase-Versuch und Knie-Hacke-Versuch als Koor- 5 evtl. Skoliose
dinationstests (Kleinhirn) (7 Kap. Ataxie)
4 Pyramidenbahnenzeichen (positiver Babinski-Reflex)? Komplikationen
4 Nystagmus?
4 Bei Flexion in HWS einschießender, elektrisierender 4 Wenn die Atem- oder Herzmuskulatur zu schwach wird,
Schmerz? besteht Lebensgefahr.
4 Beweglichkeit in den Gelenken und Endgefühl testen, um 4 Wenn die Schließmuskulatur nicht gesteuert werden
kapsuläre Einschränkungen von Muskelverkürzungen zu kann, muss katheterisiert werden.
unterscheiden 4 Aufsteigende Harnwegsinfektionen
4 Ganganalyse: 4 Dekubitus
5 typisches Gangbild mit schleifenden Schritten 4 Pneumonie
5 fehlende Dorsalextension im OSG 4 Depressionen

Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 18)

Ziel Therapie
Muskeln erhalten PNF, Gymnastik, MTT, FBL, Wassergymnastik, Schlingentisch
Zurechtkommen im Alltag ADL, Transfers, Gangschule, Training der Grob- und Feinmotorik
Nervenmobilisation Bein wie bei Lasègue und zügiges Bewegen des Fußes bzw. Nervenmobilisa-
tion an der Wand für N. medianus
Gangbildverbesserung Gangschule am Gehbarren, PNF Beckenpattern mit einem erhöhten Bein
auf dem Fußschemel, Treppensteigen üben, Laufband
Spezielles Training des langsamen Im Kniestand das Gesäß nach hinten absenken (Exzentrik des M. quadri-
M Nachlassens (Exzentrik) des M. quadri- ceps), Kletterwand (geringe Verletzungsgefahr durch Festhalten mit den
ceps femoris als Grundvoraussetzung Händen an der Kletterwand, hoher Spaßfaktor), wobei der Patient entlang
für Berg- und Treppabgehen der Wand klettert und im Falle eines Sturzes nicht sehr tief auf eine Weich-
bodenmatte fällt
Wiederherstellen und Erhalten von Vojta, E-Technik, Bobath, PNF
Bewegungsmustern
Desensibilisierung der Fußsohlen Kryotherapie (regelmäßige Kryotherapie und Massage soll das Auslösen von
Spastiken durch Berührung der Fußsohle vermindern)
Kontrakturprophylaxe Passives achsengerechtes Bewegen, Manuelle Therapie, Eigenübungen für zu
Hause, Shiatsu
Pneumonieprophylaxe Atemtherapie, Drehdehnlagerung, Phonationsübungen, Lippenbremse
Thromboseprophylaxe Bewegung, Kompression
Behandlung von Blasenfunktions- BGM, Beckbodenmuskulaturtraining, Elektrotherapie
störungen
Behandlung von Sprech- und Kauübungen, Zungen-PNF, Backen aufblasen, Gurgeln, Mund spitzen
chluckstörungen
Schmerzbehandlung TCM, Akupressur, Elektrotherapie, Triggerpunkttherapie
Behandlung von Depressionen Hippotherapie, SRT, Sauna
Dekubitusprophylaxe Lagerung nach Bobath, Hautpflege
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
133 M

. Abb. 10 Sensibilitätsschulung . Abb. 11 Mobilisation N. ischiadicus . Abb. 12 Mobilisation N. medianus für zu


Hause

. Abb. 13 Manuelle Therapie: Fuß . Abb. 14 Training der Mundmuskulatur . Abb. 15 Training der Mundmuskulatur
ohne Hilfsmittel mit Hilfsmitteln

. Abb. 16 Stirn kräuseln . Abb. 17 Zungengymnastik mit Corn- . Abb. 18 ADL: Schinkengang mit und
flakes ohne Hilfe der Arme

! Cave
Während eines Schubes haben die Prophylaxen oberste
Priorität! Bei guter Regeneration von einem Schub ist es
manchmal möglich, dass ein Patient, der schon im Roll-
stuhl saß, wieder laufen kann.
134 Muskelfaserriss

Muskelfaserriss Untersuchung

Was ist das? 4 Umfangmessungen: Immobilitätsatrophie, Schwellung


messen
Risse vereinzelter Muskelfasern. Der Muskel besteht aus vie- 4 Bewegungsausmaß
len Muskelfaserbündeln, diese wiederum bestehen aus Mus- 4 Krafttest → Mit speziellen Kraftmessplatten ist es möglich,
kelfasern. Die Muskelfasern sind aus Myofibrillen aufgebaut, die intermuskuläre Koordination mittels Kraftdiagram-
vielen aneinandergereihten Sarkomeren. Der Muskelfaserriss men zu messen.
geschieht bei starken Muskelbelastungen, besonders häufig
bei exzentrischen Bewegungen oder schnellen Sprints (100- Komplikationen
m-Lauf). Häufig betroffen sind die Anteile des M.quadriceps
femoris oder des M. gastrocnemius. Muskelfaserrisse gehen 4 Bei Einblutungen in den Muskel steigt das Thrombose-
oft mit Einblutungen in die betroffene Muskulatur einher. Di- risiko .
rekt nach der Verletzung ist es noch möglich, das Hämatom
mittels Lymphdrainage auf eine große Fläche auszuweiten und Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
so die Resorption zu unterstützen. Diese scheinbare Vergrö-
ßerung des Hämatoms wirkt sich positiv auf den Heilungspro- Ziel Therapie
zess aus, da eine größere Fläche das ausgetretene Blut abbauen
kann. Zur Diagnostik von Muskelfaserrissen wird die Sono- Entlastung Tape
graphie genutzt. Größere Risse und Flüssigkeitsansamm- Stoffwechsel anregen Elektrotherapie,
lungen, auch innerhalb der Faszien, sind im Sonogramm Ultraschall
sichtbar. Durchblutung fördern Nur leichte Ausstreichun-
gen, keine Knetungen
Formen (Mikrotraumen werden
verstärkt), Fango
4 Mikrorupturen bei Muskelkater
4 Mit/ohne Einblutungen Lösen von Triggerpunkttherapie
Schonhaltungen
Fragen beim Befund Optimale Kollagen- Leichtes Ausdauertraining
M faserausrichtung in einer ruhigen Ausdauer-
4 Wobei ist es passiert? sportart
4 Wie lange ist es her?
Verbesserung der Lymphdrainage, Kompres-
5 Weniger als 2 h: Lymphdrainage und nasskalter Kom-
Ödem- und Hämatom- sion, Hochlagern
pressionsverband
resorption
5 Weniger als 28 h: Entlastungstape
5 Ab dem 3. Tag: Aktive Bewegung zur besseren Immi-
gration der Muskelstammzellen (deren Zahl beim Er- ! Cave
wachsenen im Vergleich zum Kleinkind auf 5% gesun- Ist ein Muskelfaserriss noch nicht völlig ausgeheilt, so
ken ist) kommt es leicht zur Retraumatisierung. Auf gute Auf-
5 5.-21.Tag (Proliferationsphase): Dehnungen im wärmung achten!
schmerzfreien Bereich, um den Faserverlauf der Narbe
zu optimieren. Somit manifestieren sich nur Fasern,
die in die Belastungsrichtung wachsen.
5 Ab 4. Woche: Lockeres Ausdauertraining (z.B. Ruder-
ergometer, da langsame Bewegung), wenn kein Ödem
mehr vorliegt
5 Ab frühestens 6 Wochen: Volle Sportfähigkeit (Fuß-
ball, Sprints etc.)

! Cave
Rezidivgefahr bei zu früher Wiederaufnahme von hoch-
frequenten Sportarten, z.B. Hürdenlauf!
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
135 M

. Abb. 1 Ultraschall . Abb. 2 Tape . Abb. 3 Tape: Auf das in Abbildung 2


gezeigte aufgelegte Tape kommt ein Space
(blau). Ein zusätzliches Tape von der media-
len Seite des Knies zur Crista iliaca ermöglicht
den frühen Wiedereinstieg in das Training

. Abb. 4 Sanftes Ausdauertraining: Ruder- . Abb. 5 Manuelle Lymphdrainage . Abb. 6 Kompression


ergometer (sehr langsame Bewegungen)
ermöglichen eine gute Durchblutung der
Muskulatur, ohne dabei die Muskulatur er-
neut zu retraumatisieren

. Abb. 7 Intramuskuläre Koordination . Abb. 8 Anspannen des M. quadriceps . Abb. 9 Skippings mit Manschetten als
aus maximaler Extension in kurzen Zeitinter- Vorbereitung für Sprints
vallen und mit viel Kraft, Vorbereitung für
Lauftraining und Sprints nach völliger Aus-
heilung
136 Myasthenie

Myasthenie 4 Graduierung nach dem Bessinger Score (Beurteilung des


klinischen Verlaufs)
Was ist das? 4 Sonderform: Amyotrophe Lateralsklerose (7 Kap. ALS)

Gruppe von Erkrankungen, die mit Muskelermüdung und Fragen beim Befund
Muskelschwäche einhergehen, abhängig von der Belastung.
Zu den klassischen Symptomen zählen: 4 Sind Ihre Beschwerden tageszeitabhängig? → Bei Myas-
4 Muskelkater, thenie ist der Patient morgens am leistungsfähigsten,
4 Schluckstörungen, abends sind die Beschwerden am stärksten.
4 Exantheme, 4 Welche Muskeln empfinden Sie als besonders schwach? →
4 Ödeme, Bei Extremitätenbefall sind die Arme meist stärker betrof-
4 Gelenkschmerzen, fen als die Beine; eher kleinere Muskeln, z.B. mimische
4 periorbitale Ödeme und Muskulatur.
4 Entzündungen der Haut (Dermatitis). 4 Wie schlafen Sie? Ist die Atemmuskulatur betroffen und
schlafen Sie daher lieber im Sitzen?
Die Myasthenia gravis (pseudoparalytica) macht sich v.a. 4 Haben Sie Gleichgewichtsstörungen, Gedächtnisverlust
durch die schnelle Muskelermüdung bei wiederholten Bewe- und Sensibilitätsstörungen? → Spricht eher gegen eine My-
gungen bemerkbar. Ursache ist eine gestörte Signalübertra- asthenie
gung zwischen Nerv und Muskel (. Abb. 1), d.h. eine behin-
derte Weiterleitung des Aktionspotenzials auf die Muskulatur Untersuchung
durch Behinderung der Azetylcholinrezeptoren, die sich post-
synaptisch an der motorischen Endplatte befinden. Dies kann 4 Unterberger Tretversuch
im Sinne einer Autoimmunerkrankung durch Bindung poly- 4 Finger-Nase-Versuch
klonaler IgG-Antikörper an die Azetylcholinrezeptoren zu- 4 Mehrfaches Anheben der Mundwinkel
stande kommen. Das Ausmaß der Störungen wird durch Um- 4 Mehrfaches Öffnen und Schließen der Augen
welteinflüsse, Infektionen, Thymushyperplasie, Entzün- 4 Übungen zur Erkennung von Bildern
dungen sowie körperlichen und psychischen Stress beein- 4 Akkomodationstest (schneller Wechsel zwischen Nah-
flusst. Zur Diagnostik werden angewendet: und Fernsicht)
4 Tensilontest (Gabe von Cholinesterase-Hemmern mit
M Anstieg des Azetylcholins im synaptischen Spalt), Komplikationen
4 Elektromyographie (EMG),
4 Nachweis von Azetylcholinrezeptor-Antikörpern (AChR- 4 Aspirationspneumonie durch Schluckstörungen
AK) und 4 Akutes Versagen der Atemmuskulatur (myasthene Krise)
4 Simpson-Test (Test auf Ermüden der Augenlider).
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2 –Abb. 9)
Therapeutisch werden Cholinesterase-Hemmer eingesetzt,
um durch eine erhöhte Azetylcholinkonzentration die Auto- Ziel Therapie
antikörper gegen die Rezeptoren zu verdrängen. Weitere The-
rapieformen sind: Aufrechterhaltung einer Entspannungstherapie
4 Gabe von Glukokortikoiden, hohen Azetylcholinkon-
4 Thymektomie (Entfernung des Thymus), zentration
4 Plasmapherese zur Entfernung der Autoantikörper aus Pneumonieprophylaxe Atemtherapie
dem Blut und Neubildung von Synapsen Gesichtsgymnasik,
4 hoch dosierte Immunglobulingabe. Zungengymnastik
Formen Bei bettlägerigen/beatme- Passives/assistives oder
ten Patienten: Osteoporo- aktives Bewegen
4 Myasthenia gravis: Angeboren oder erworben se- und Kontrakturpro-
4 Botulismus-bedingte Myasthenie phylaxe, Vorbeugung von
4 Lambert-Eaton-Rooke-Syndrom (primäre Bildung von Sehnen- und Muskelnver-
Autoantikörpern gegen Kalziumkanäle) kalkung
4 Polymyositis: Entzündung der Skelettmuskeln mit starker
lymphozytäer Infiltration (5 Formen der Polymyositis ! Cave
einschließlich paraneoplastische Form und kindliche Überlastung, Stress und Unterversorgung mit Sauer-
Dermatomyositis) stoff vermeiden!
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
137 M

. Abb. 2 Kombinierte Übung für Lippen


und Schluckmuskulatur

. Abb. 1 Reizweiterleitung. Blau umrandet: Normale Reizweiterleitung. Rot umrandet: Ge-


störte Reizweiterleitung durch Blockierung der Andockstellen des Azetylcholins durch Anti-
körper. Bei der Myasthenie beobachtet man auch eine deutliche Strukturveränderung der
postsynaptischen Membranen mit Verminderung der Fältelung des Sarkolemnas

. Abb. 3 Lippenübungen (auch diagonal


von rechts oben nach links unten)

. Abb. 4 Augen zwinkern . Abb. 5 Zungengymnasik . Abb. 6 Zungengymnastik mit Cornflakes,


wenn dem Patienten zuzutrauen ist, dass er
sich nicht am Kornflakes verschluckt

. Abb. 9 Atemtherapie
. Abb. 7 Bei Erkrankung der Extremitäten . Abb. 8 PNF-Armpattern
sind die Arme wesentlich häufiger betroffen
als die Beine: Fingerübunge
138 Myokardinfarkt

Myokardinfarkt
. Tab. 1 Behandlungsplan nach Myokardinfarkt
Was ist das?
Behandlungs- Therapie
stufe
Herzinfarkt. Drei Ereignisse charakterisieren einen Myokardin-
farkt: Verschluss, Ischämie und Nekrose. Durch einen Throm- Unkomplizierter trans- oder intramuraler Infarkt
bus wird ein Herzkranzgefäß verschlossen (Okklusion). Der A: ca. 2. Tag Übungen im Bett, Bewegen der kleinen
dazugehörige Bereich des Myokards (kontrahierende Schicht Gelenke, Arme nicht über Herzhöhe!
des Herzens) wird nicht ausreichend mit Sauerstoff und energie-
B: ca. 3.-4. Tag Übungen im Liegen und Sitzen
liefernden Substraten versorgt (Ischämie). Wenn eine kritische
Zeit der Mangelversorgung überschritten ist, die sog. warme Is- C: ca. 5.-10. Tag 15 min Hockergymnastik, 2-10 min gehen
chämiezeit, stirbt das nicht versorgte Gewebe ab (Nekrose). D: ca. 11.-18. Tag 15 min Hockergymnastik und Treppe
Im Akutfall hat der Patient starke Brustschmerzen (retro- steigen
sternaler Vernichtungsschmerz), die in den linken Arm, evtl.
Reinfarkt oder komplizierter transmuraler Infarkt
in den Nacken oder in den Bauch ausstrahlen können (EKG-
Befund nach Myokardinfarkt, . Abb. 1). Die akute Behand- A: ca. 2.-9. Tag Bettruhe, Thromboseprophylaxe
lung besteht in einer Lyse-Therapie. Dabei wird Metaplase B: ca. 10.-13. Tag Wie Stufe A und Sitzen mit Rückenlehne
oder ein anderes Streptokinase-ähnliches Präparat i.v. verab-
C: ca. 14.-22. Tag Übungen im Liegen, ab 18. Tag am Bett-
reicht, um den Thrombus aufzulösen und das betroffene arte- rand (30 min), 22. Tag ums Bett gehen
rielle Blutgefäß wieder durchlässig zu machen (Rekanalisa-
D: 23.-29. Tag 1 h sitzen, leichte Hockergymnastik, 28.
tion). Als weitere Therapiemaßnahmen kommen Blutdruck-
Tag vorsichtig Treppe
stabilisierung, Schmerzreduktion, Antikoagulation und
Sedierung zur Anwendung. Im Rahmen der Sekundärpro- E: 30.-33. Tag 2 h sitzen, Hockergymnastik und
10-30 min gehen
phylaxe können Ballondilatation, Stentimplantation, Bypass-
Anlage (ACVB, aorto-koronarer Venen-Bypass) und eine
Herzschrittmacherimplantation vorgenommen werden. Der Untersuchung
Physiotherapie in Form von aerobem Ausdauertraining
kommt eine bedeutsame Rolle bei der Rehabilitation zu. 4 Puls und Blutdruck messen
4 Gesichtsfarbe, Mund-Nase-Dreieck beobachten
M Formen 4 Atmung: Bauch- oder Brustatmung
4 Evtl. Umfangsmessung am Unterschenkel
4 Ohne OP, mit OP: Ballondilatation, Stent, Bypass
4 Vorderwandinfarkt 40%, Hinterwandinfarkt 40%, Seiten- Komplikationen
wandinfarkt 20%
4 Transmuraler Infarkt (die ganze Wand ist betroffen), in- 4 Reinfarkt
tramuraler Infarkt (Innenschichtinfarkt) 4 Herzinsuffizienz (evtl. mit Lungenödem, 7 Kap. Herzinsuf-
4 Stummer Infarkt: 20% der Infarkte verlaufen unbemerkt fizienz)
4 Herzwandruptur
Fragen beim Befund 4 Papillarmuskelabriss
4 Herzwandaneurysma
4 Wie lange ist der Herzinfarkt her? → Behandlungsplan 4 Postmyokardinfarktsyndrom
siehe . Tab. 1 4 Embolie
4 Haben Sie einen Herzschrittmacher?
4 Nehmen Sie Medikamente, z.B. Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 10)
5 Antiarhythmika: bei Herzrhythmusstörungen,
5 ASS, Ziel Therapie
5 Marcumar,
Prophylaxe Thrombose- und Pneumo-
5 Nitrate gegen Angina pectoris-Symptome,
nieprophylaxe
5 Betablocker: gegen Herzrhythmusstörungen und Hy-
pertonie, Stressabbau und Yoga, Ausgleich zum
5 ACE-Hemmer, um die Pumpleistung zu verbessern, Entspannung Alltag finden, Autogenes
5 Digitalispräparate, um die Herzkraft zu steigern, Training
5 Lipidsenker? Belastbarkeit verbessern, Ausdauer trainieren (keine
4 Beachte: Patienten nehmen bis zu 6 Monaten Antikoagu- Verbesserung des Sauer- vollständigen Pausen, da
lantien, Kontraindikationen bei der Therapie beachten stoffangebots des Herz- sonst beim Wiederanfan-
(keine Klopfungen, BGM oder ähnliche Hämatom verur- muskels, Risiko senken, gen der Puls zu hoch wird,
sachende Methoden anwenden) einen erneuten Herzin- besser lohnende Pausen)
farkt zu bekommen
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
139 M

. Abb. 1 EKG-Veränderungen nach einem Myokardinfarkt in den verschiedenen Phasen

. Abb. 2 Kreislaufgymnasik im Kranken- . Abb. 3 Stepper mit Pulsuhr . Abb. 4 Fahrradergometer mit Pulsuhr
haus vor dem Aufstehen, dabei Puls messen

. Abb. 5 Nordic Walking mit Pulsuhr . Abb. 6 Ruderergometer mit Pulsuhr . Abb. 7 Treppentraining

. Abb. 8 Yoga als Möglichkeit der Entspan- . Abb. 9 Autogenes Training zur Entspan- . Abb. 10 Kreislaufgymnastik im Sitz:
nung nung zügiges Öffnen und schließen der Hände

! Cave ! Cave
Kommt es zu einem Reinfarkt, sofort den Notdienst alar- 4 Auf ein angepasstes, stressfreies Training achten,
mieren und den Oberkörper hochlagern (keinesfalls wie ständige Pulskontrolle.
bei Schocklagerung die Beine hochlagern, der vermehrte 4 In der Akutphase sollen die Arme unter Herzhöhe beübt
Rückstrom des Blutes überfordert das Herz)! werden, um eine Überforderung des Herzens zu vermeiden.
140 N. phrenicus-Läsion

N. phrenicus-Läsion
– Foramen venae cavae (Durchtritt der V. cava in-
Was ist das? ferior, des R. phrenicoabdominalis dexter)
– Larreysche Spalte (Durchtritt der A. und der V. epi-
Läsion des Atemnervs. Der N. phrenicus innerviert moto- gastrica superior)
risch das Diaphragma (Zwerchfell, 7 Übersicht 1). Zu seinem Schwachstellen
sensiblen Versorgungsgebiet gehören die Pleura parietalis, das 4 Bochdalek-Dreieck zwischen Pars lumbalis und Pars
Perikard und das Peritoneum (v.a. der Leber und des Magen- sternalis
eingangs): 4 Larreysche Spalte zwischen Pars costalis und Pars
4 Bei einseitigem Ausfall des N. phrenicus kommt es zu sternalis
einer Lähmung der betroffenen Diaphragmahälfte mit
konsekutivem Zwerchfellhochstand und leichteren bis
starken Atemstörungen. Formen
4 Bei beidseitigem Ausfall kommt es zu schweren, evtl. le-
bensbedrohlichen Atemproblemen. 4 Ein- oder beidseitige Lähmung
4 Kausal bedingt: Prolaps, Entzündung (Pleuritis), iatrogen
Eine N. phrenicus-Läsion kann durch eine Bandscheibenpro- (z.B. Laparoskopie), zentrale Ursache
blematik in den Segmenten C3-C5 entstehen, und sie tritt als
Symptom bei Multipler Sklerose auf (7 Kap. Multiple Sklerose). Fragen beim Befund
Auf iatrogene Weise ist eine Reizung des N. phrenicus durch
eine Laparoskopie möglich. Dabei kommt es häufig zu Tho- 4 Sind bei Ihnen Bandscheibenvorfälle bekannt?
rax- und Schulterschmerzen. Eine Reizung des Nervs bei einer 4 Wurde bei Ihnen in letzter Zeit eine Bauchoperation
Pleuritis führt i.d.R. zum Singultus (Schluckauf, spontane durchgeführt?
Kontraktionen des Diaphragmas). 4 Haben Sie manchmal Luftnot?
4 Werden Sie häufig von Schluckauf (Singultus) geplagt?

. Übersicht 1. Das Diaphragma Untersuchung


Ursprung
4 Pars sternalis: 4 Perkussion und Auskultation der Lunge
– Innenfläche des Proc. xiphoideus, Rektusscheide 4 Klassische HWS-, BWS- und LWS-Untersuchung (LWS
4 Pars costalis: wird auch untersucht, da der Muskelursprung des Pars
– Cartilago costalis der 12.-6. Rippe lumbalis in der LWS liegt und eine Rotationsfehlstellung
N 4 Pars lumbalis, Crus dextrum: verursachen kann)
– Pars medialis: Corpus der 1.-3. Lendenwirbels so- 4 Untersuchung von BWS und Rippenwirbelgelenken
wie Disci intervertebrales 4 Diaphragmapalpation aus Sitz und RL
– Pars lateralis: Ligg. arcuata mediale (Psoasarkade)
und laterale (Quadratusarkade) Komplikationen
4 Pars lumbalis, Crus sinistrum:
– Pars medialis: Korpus des 1.-4. Lendenwirbels, 4 Atemstillstand
Disci intervertebrales 4 Starke Schmerzen bei Reizung des N. phrenicus
– Pars lateralis: Ligg. arcuata mediale (Psoasarkade)
und laterale (Quadratusarkade) Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
Ansatz
4 Centrum tendineum Ziel Therapie
Innervation
Pneumonieprophylaxe Atemtherapie, Vibrax
4 N. phrenicus C3-C5
Funktion Thoraxmobilisierung Mobilisierung der Rippen-
4 Atrmung, Bauchpresse wirbelgelenke, Eigenübungs-
Besonderheiten programm für den Patienten,
4 Durchtrittsstellen im Zwerchfell: je nach Vitalität des Patienten
– Hiatus aorticus (Durchtritt der Aorta und des Duc- mit Theraband oder Seilzug,
tus thoracicus) Atemmassage
– Hiatus oesophageus (Durchtritt des Ösophagus, Vegetative Dämpfung Wirbelsäulenmobilisierung,
der Nn. vagi, des R. phrenicoabdominalis des N. phrenicus TCM
sinister)
6 Aktivieren des Güsse, TCM, Moxibustion
N. phrenicus

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_13,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
141 N

. Abb. 1 Pneumonieprophylaxe . Abb. 2 Hexenstreichung aus der Atem- . Abb. 3 Ausstreichen der Interkostal-
massage räume

. Abb. 4 Hautfalte wegatmen . Abb. 5 Rippenmobilisation aus Seitlage . Abb. 6 Atemlenkung

. Abb. 7 Nach einer überstandenen Pleuri- . Abb. 8 Wirbelsäulenmobilisierung: Deh- . Abb. 9 Brustkorbschnellen (Patient at-
tis: Mobilisierung der Pleura pulmonalis nung des M. pectoralis major met tief gegen den Widerstand des Thera-
(Pleura visceralis) und der Pleura costalis peuten ein, bei maximaler Inspiration lässt
(Pleura parietalis) der Therapeut den Druck am Thorax los)

! Cave
Überlastung des Patienten absolut vermeiden!
142 Omarthrose

Omarthrose Die Einteilung nach dem Röntgenbild muss sich jedoch nicht
zwingend im Beschwerdebild des Patienten widerspiegeln.
Was ist das?
Fragen beim Befund
Arthrose im Schultergelenk durch längere Fehl- oder Über-
belastung. Traumatische Einflüsse, lange Entlastung oder Im- 4 Wann haben Sie Schmerzen, in Ruhe oder bei bestimmten
mobilisation können die schnelle Entwicklung einer Omar- Bewegungen?
throse induzieren. Bereits nach wenigen Tagen Immobilisa- 4 Haben Sie Probleme, den Arm über den Kopf zu heben?
tion kommt es zu Versorgungsdefiziten des Knorpels. Neben 4 Welche Medikamente helfen Ihnen am besten? → Wenn An-
den Knorpelzellen spielt die extrazelluläre Matrix eine ent- tiphlogistika helfen, Hinweis auf entzündliche Komponente
scheidende Rolle. Diese wird durch einen sinkenden pH-Wert
(bei jeder Entzündung), durch Temperaturerhöhung, Mine- Untersuchung
raldefizite, Wassermangel, Aktivierung der Hyaluronidase
und vermehrte Einwanderung von Plasmaproteinen (Abbau 4 Klassische Funktionsuntersuchung der Schulter, HWS und
zu abnormen Peptiden), negativ beeinflusst. des Ellenbogens (bei Bedarf auch BWS-Untersuchung)
Generell sind die Anfangsschädigungen des Knorpels re- 4 Typische Alltagsbewegungen, wie BH schließen, Haare
versibel. Voraussetzung ist ein normaler Turnover des Gewe- kämmen und zur gegenüberliegenden Schulter greifen
bes (Auf- und Abbau) und somit die Vermeidung von Über-
/Fehlbelastung, zumindest solange, bis die Reparatur/Regene- Komplikationen
ration des Knorpels abgeschlossen ist. Experimentellen Daten
zufolge sind dies relativ kurze Zeiten (ca. 2 Wochen): die 4 Frozen Shoulder (7 Kap. Frozen Shoulder)
Turn over-Rate der Glukosaminoglykane (GAG) beträgt 7- 4 Ankylose
10 Tage, die der Hyaluronsäure ist mit 3-4 Tagen noch gerin-
ger. Allerdings bildet sich nur ein frischer, »juveniler« Knor- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
pel mit erneuerten Proteoglykanen, Glykoproteiden und
Hyaluronsäure-Anteilen, bei dem eine insuffiziente Kollagen- Ziel Therapie
struktur vorhanden ist. Die Neubildung von Kollagen, die zur
Komplettierung eines völlig erneuerten, »reifen« Knorpels Schmerzlinderung Traktion, Wärme, Elektrothera-
erforderlich ist, hat eine Erneuerungszeit von 300-500 Tagen. und Beseitigung pie, TCM, Armpendelbewegun-
Die Hauptsymptome der Omarthrose sind Bewegungsein- von muskulären gen, Funktionsmassage, Trig-
schränkung und Schmerz, obwohl der Knorpel sehr spärlich Dysbalancen gerpunkttherapie, Aufrichtung,
mit Nozizeptoren bespickt ist. Wahrscheinlich ist eine Schmer- Retraktion und Skapuladepres-
zentstehung durch Kapselreizung bei Schwierigkeiten im sion (somit Verlagerung der
Roll- und Gleitverhalten, durch eine Reizung von Nozizep- Muskelurspünge und -ansätze
toren im subchondralen Knochen bei stark fortgeschrittener an die für ihre Funktion wichti-
O Arthrose und durch muskuläre Dysbalancen. gen Positionen)
Verbesserung der Triggern der Mm. scaleni und
Formen Versorgung Mobilisation der 1. Rippe
Erhalt des Bewe- Manuelle Therapie,
4 Mit/ohne OP gungsausmaßes, Dehnung
Dehnung der Kapsel
jAllgemeine röntgenologische Einteilung
von Arthrosen Mobilisierung des Buslenk er im Schlingentisch
skapulathorakalen
Schweregrad Röntgenbild Gleitlagers
0 Normal Zentrierung des E-Technik, Training des
I Gelenkspaltverschmälerung, Glenohumeral- M. infraspinatus
Sklerosierung gelenks (AR-Training) und des
M. supraspinatus
II Wie Grad I, Osteophyten und
Randzacken Verbesserung Kompression, Bewegungspro-
der Knorpel- gramm, Vibrationstraining (Pa-
III Wie Grad II, Zysten (im Negativ des
regeneration tient kniet vor dem SRT und
Röntgenbilds dunkel auf dem Rönt-
stützt die Hände oder die Ellen-
genbild zu sehen, klinisch als »Auf-
bogen auf das Gerät. Beim Un-
hellung« bezeichnet)
terarmstütz kann eine weichere
IV Wie Grad III und zerstörte Konturen Unterlage sinnvoll sein.)

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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
143 O

. Abb. 1 Funktionsmassage; dabei wird . Abb. 2 Manuelle Therapie nach Mulligan . Abb. 3 Kaudalgleiten oder Dorsalgleiten
das Schulterblatt zur Wirbelsäule bewegt; im VFST im Sitz
nun fixiert die andere Hand des Thera-
peuten die Muskulatur zwischen Schulter-
blatt und Wirbelsäule. Das Schulterblatt
wird wieder nach lateral gezogen

. Abb. 4 Schlingentisch . Abb. 5 Muskelkräftigung im Bewegungs- . Abb. 6 ACG, falls auch hier Verschleißer-
bad scheinungen aufgetreten sind

. Abb. 7 Manuelle Therapie: Traktion mit . Abb. 8 Seilzug mit BWS-Mobilisation . Abb. 9 Dosierter Druck auf den Knorpel,
Dorsalgleiten hier kombiniert mit Propriozeptionstraining

! Cave
Das skapulothorakale Gleitlager in die Therapie mitein-
beziehen!
144 Osteoporose

Osteoporose Schweregrad T-Score


Normal ≥-1
Was ist das?
Grad 1 >-2.5 und <-1
Stoffwechselerkrankung des Knochens mit abnehmender Grad 2: Osteoporose ≥-2.5
Knochendichte. Die Knochen entkalken, sie werden zuneh-
mend porös und weniger stabil, Spontanfrakturen sind mög- Grad 3: Klinisch manifeste Osteoporose ≤-2.5 mit
lich. Die Ursache für die Entstehung von Osteoporose ist ein Fraktur
starker Abfall der Östrogenkonzentration postmenopausal.
Diese Sexualhormone hemmen die Osteoklasten. Der starke Fragen beim Befund
postmenopausale Östrogenabfall (auf ca. 10% der prämeno-
pausalen Konzentration) führt zu einer hohen Aktivität der 4 Ernähren Sie sich gesund? → 1 g Kalzium pro Tag braucht
Osteoklasten und zu einem starken Knochenabbau. Apatite der Mensch.
werden abgebaut, und die frei werdenen Kalzium- und Phos- 4 Nehmen Sie Medikamente, z.B.
phationen verlassen den Knochen. Als Risikofaktoren für 5 Fluoride zur Anregung der Osteoblasten,
Osteoporose gelten: 5 Calcitonin zur Hemmung von Osteoklasten,
4 hoher Nikotinkonsum, 5 Östrogene,
4 Kalziummangel (Fehlernährung, Leber-, Nieren- und 5 Anabolika?
Darmerkrankungen), 4 Haben Sie sonstige Erkrankungen, evtl. Leber- oder Nie-
4 Untergewicht und renerkrankung (Aktivierung von Vitamin D)?
4 Alkoholismus. 4 Sind Sie täglich für mind. 20 min der Sonne mit Gesicht
und Unterarmen oder Unterschenkeln ausgesetzt? Tages-
Therapeutisch kommt eine Hormonersatztherapie (HET) licht ist wichtig für Umwandlungsvorgänge des Vit. D.
infrage, deren Nebenwirkungen (erhöhtes Risiko für Throm-
bose, Infarkt, Embolie und Tumoren) sind zu beachten. Eine Untersuchung
Kalziumsupplementation bringt nur Nutzen, wenn ein Kal-
ziumdefizit besteht. Medikamentöse Therapie ist die Gabe 4 Gesamtstatik
von Bisphosphonaten. Die besten Behandlungserfolge sind 4 Ott und Schober
mit einer Bewegungstherapie zu erzielen, da beim Sehnen- 4 Funktional Reach Test
zug Peptidhormone freigesetzt werden, die die Osteoblasten 4 Klassische Funktionsuntersuchung der Hüften, LWS und
aktivieren. Somit bietet Physiotherapie die geeigneten Strate- BWS
gien für Prävention und Therapie: Muskelaufbau und Zug-
und Druckbelastungen für den Knochen. Komplikationen

Formen 4 Spontanfrakturen: Schenkelhalsfraktur (7 Kap. Schenkel-


O halsfraktur), distale Radiusfraktur und Wirbelfrakturen
jEinteilung nach Ursachen (Deck- und Grundplatteneinbrüche)
4 Postmenopausal
4 Postoperativ (Ovarektomie wegen Ovarialkarzinom) Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
4 Tumoren (Myelome)
4 Lange Immobilisation Ziel Therapie
4 Kortikoid-, Heparinmedikation
4 Hyperparathyreoidismus Aktivieren von Bewegungstherapie, SRT, MTT,
4 Marfan-Syndrom Osteoblasten Slingtrainer
4 Morbus Crohn Schmerztherapie TCM, Elektrotherapie, Schlingen-
4 Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit) tisch (bei Deck- und Bodenplatten-
4 Vitamin-B12-Mangel einbrüchen)
4 Folsäuremangel Aufrichtung, Haltungsschulung, Theraband-
4 Rheumatoide Arthritis Haltungs- übungen, Manuelle Therapie nach
verbesserung Mulligan aus dem VFST
jEinteilung mittels DXA-Messung (T-Score)
Der T-Score beschreibt die Abweichung der BMD (»bone Sturzprophylaxe Gangschule, propriozeptives Trai-
mineral density«, Knochenmineraldichte) eines Patienten mit ning (mit Kreisel, Airex-Matte oder
Osteoporose von der Vergleichs-BMD eines 30- bis 35-jäh- Schaukelbrett), Einbeinstand mit ge-
rigen Gesunden. schlossenen Augen auf Posturomed,
Reaktionsschnelligkeitstraining
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
145 O

. Abb. 1 SRT: Die Veränderung der Kno- . Abb. 2 Muskelaufbau, kombiniert mit . Abb. 3 Muskelaufbau und propriozep-
chenmineraldichte ist nur langfristig zu er- Sturzprophylaxe tives Training
warten. Demzufolge ist eine Kontrolle der
Messwerte erst nach längeren Thera-
piezeiten sinnvoll (nach ca. 1 Jahr)

. Abb. 4 Wassergymnastik . Abb. 5 Krafttraining ohne Stauchung: . Abb. 6 Bei Osteoporose prägt sich oft
Ruderergometer eine starke BWS-Kyphose aus, wenn es zu
Grund- und Deckplatteneinbrüchen sowie
Keilwirbel-Bildung kommt

. Abb. 7 Krafttraining . Abb. 8 Powerblade-Übungen für zu Hause . Abb. 9 Laufband

i Tipp ! Cave
4 Starke Widerstände proximal ansetzen. Sprünge (kein Trampolin) und kräftige, passive, exogene
4 Bei starker BWS-Kyphose können alle Übungen mit Rippenmobilisation vermeiden!
Atemtechniken ergänzt werden.
146 Patellaluxation

Patellaluxation Untersuchung

Was ist das? 4 Klassische Funktionsuntersuchung Knie und Hüfte


4 Messungen: Schwellung oder Muskelatrophie (verglei-
Verrutschen der Kniescheibe nach lateral oder medial. Zur chen mit gesundem Bein) nach OP
Luxation kommt es, wenn die Tibia fixiert ist und das Femur 4 Tanz der Patella
ruckartig rotiert. Häufig sind Patellaluxationen bei Sportarten 4 Varus- und Valgustest
wie z.B. Fußball. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. 4 Ganganalyse
Kausale Faktoren sind: 4 Foramen obturatum
4 Disposition, 4 Fußuntersuchung (Gesamtstatik)
4 Genu valgum (7 Kap. Genu valgum), 4 Beinlängendifferenz (Gesamtstatik)
4 Patellahochstand,
4 muskuläre Dysbalance zwischen medialen und lateralen Komplikationen
Extensorenfasern (M. vastus medialis plus Retinaculum
mediale vs. M. vastus lateralis plus Retinaculum laterale) 4 Retraumatisierung
und 4 Schwere Femoropatellararthrose
4 Innervationsprobleme (z.B. posttraumatisch).
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
Die habituelle Luxation ist Folge abnormer Form (Abfla-
chung, . Abb. 1) der aufeinandergleitenden Flächen (Patel- Ziel Therapie
larückseite und femorale Facies patellaris.
Muskelaufbau PNF, MTT, Trampolin (keine
Formen Drehung) mit abruptem Ab-
stoppen, Strecksprünge auf
4 Luxation nach lateral (wesentlich häufiger) Weichbodenmatte
4 Luxation nach medial (sehr selten) Kniesicherung Isometrische Spannungsübungen
4 Habituelle Patellaluxation
Ansteuerung des Patella mobilisieren mit aktivem
4 Patellahochstand
M. quadriceps Gegenspannen, auch als Haus-
4 Mit OP: In Form eines Lateral Release (Spaltungen im Re-
aufgabe, Trainieren des M. vastus
tinaculum laterale, evtl. mit zusätzlicher Raffung des Re-
medialis, Muskelmantelschulung
tinaculum mediale), später, wenn erforderlich, als Verset-
zung der Tuberositas tibiae (OP nach Blaut oder OP nach Schmerzlinderung TENS, Eis
Bandi) Wiederherstellung Manuelle Therapie (passive
der physiologi- Patellakaudalisierung im Wech-
Fragen beim Befund schen Gelenkbe- sel mit aktiver Anspannung des
weglichkeit nach M. quadriceps, Gleiten nach
4 Wann trat die erste Patellaluxation auf? OP medial aus SL)
P 4 Wann ist die aktuelle/letzte Luxation aufgetreten? → Un-
mittelbar nach Luxation mit halbem Körpergewicht bela-
sten und bis 90° beugen, dann mehr Beugung bei gleicher ! Cave
Belastung, schließlich Vollbelastung und komplette Bewe- Zum Schutz des Gelenkknorpels Knieentlastung bei
gungsfreigabe intraartikulären Ergüssen!
4 Wobei ist es passiert? → Abschätzung der Schwere des
Traumas mit Differenzierung zwischen traumatischer
oder habitueller Patellaluxation, evtl. therapeutische Kon-
sequenzen erforderlich
4 Haben Sie Befunde über den Zustand der Menisken und
Seitenbänder des Knies?

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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
147 P

. Abb. 1 Wiberg I, II, III und der sog. Jägerhut

. Abb. 2 Kräftigung der Abduktoren . Abb. 3 Kräftigung der Adduktoren . Abb. 4 Kräftigung des M. quadriceps
femoris

. Abb. 5 PNF . Abb. 6 Forciertes Training des M. vastus . Abb. 7 Beinachsentraining auf dem
medialis des M. quadriceps am Seilzug Posturomed

. Abb. 8 Beinachsentraining auf der Slack- . Abb. 9 Beinachsentraining auf dem ge-
line bogenen Brett
148 Patellaspitzensyndrom (Jumper‘s Knee)

Patellaspitzensyndrom (Jumper’s Knee) Komplikationen

Was ist das? 4 Nekrose des Lig. patellae

Überlastung des Lig. patellae, mit einer lokalen Entzündung Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
einhergehend. Dabei kann es zu einer Reizung des R. infrapa-
tellaris des N. saphenus (dieser verläuft an der Apex patellae) Ziel Therapie
und einer Entzündung des Hoffa-Fettkörpers kommen. Das
Patellaspitzensyndrom trifft häufig Sportler, besonders Läu- Optimale Heilung Sportpause, Eistherapie, Detoni-
fer, Springer (intensiver, kurzer Anlauf) und Ballsportler. in der Akutphase sierung des M. rectus femoris,
Tape, Elektrotherapie, Heiße Rol-
Formen le oder Fango für M. quadriceps
femoris, Stoßwellentherapie
4 Akutes Patellaspitzensyndrom Behandlung eines Querfriktionen, mit dem Ziel ei-
4 Chronisches Patellaspitzensyndrom chronischen Pa- ner erneuten Reizung der Patella-
tellaspitzensyn- sehne. Dadurch kommt es zu ei-
Fragen beim Befund droms nem beabsichtigten akuten Patel-
laspitzensyndrom, Therapie s.o.
4 Haben Sie in letzter Zeit vermehrt Sport getrieben? Durchblutung SRT
verbessern
Untersuchung
Nach völliger Exzentrisches Training des M.
4 Resistive Knieextension positiv Ausheilung Stär- quadriceps femoris, SRT, Kraul-
4 Passive Knieflexion schmerzhaft kung der Struktu- schwimmen, Dehnung des
4 Passive Beweglichkeit in Knie und Hüfte ren, um eine er- M. quadriceps femoris, Stabilisie-
4 MFP neute Reizung zu rung der gesamten Beinachse,
4 Beckenschiefstand verhindern Herstellen einer ausgewogenen
4 Ganganalyse Kraftverteilung von Agonisten
4 Palpation des Lig. patellae und Antagonisten
4 Vergleich der Breite von rechter/linker Patellasehne (je
nach Seitendominanz ist auch die Patellasehne deutlicher ! Cave
ausgeprägt) In der Akutphase Überlastung vermeiden!
4 Patellabeweglichkeit

P
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
149 P

. Abb. 1 Querfriktion des Lig. patellae . Abb. 2 Elektrotherapie . Abb. 3 Triggern des M. rectus femoris

. Abb. 4 Tape Teil 1 . Abb. 5 Tape Teil 2: Mit Ligamenttechnik . Abb. 6 Tape Teil 3: Wie Teil 1
auf Lig. patellae

. Abb. 7 PIR für M. quadriceps . Abb. 8 SRT . Abb. 9 Laufband nach kompletter Aus-
heilung: Rückwärtsgehen mit starker Nei-
gung des Laufbands
150 Peroneusläsion

Peroneusläsion Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Wie lange besteht die Nervenläsion schon? → Ca. 3 Jahre
besteht die Chance der Reinnervation
Periphere Läsion des N. peroneus (. Abb. 1) durch Kom- 4 Tragen Sie eine Peroneusschiene?
pression oder Trauma (z.B. Spreizen im OP-Bereich). 4 Sind Sie schon häufiger gestürzt?

Formen Untersuchung

4 Verletzung des N. peroneus profundus: 4 Dermatome auf Sensibilität testen, Wärmesensibilität,


5 Motorischer Ausfall von M. tibialis anterior (L4-L5), Spitz-Stumpf-Unterscheidung
M. extensor hallucis longus (L4-S1), M. extensor digi- 4 Motorik testen: isometrisch Dorsalextension, Plantarfle-
torum longus (L5-S1), M. extensor digitorum brevis xion (5-mal im Einbeinstand auf Zehenspitzen stehen),
(L5-S1), M. extensor hallucis brevis (L5-S1), M. pero- Pro- und Supination
neus tertius (L5-S1); keine Dorsalextension, keine Pro-
nation, keine Zehenextension, verschlechterte Supina- Komplikationen
tion
5 Hautäste des N. peroneus profundus: N. cutaneus 4 Dekubitus, Ulcus cruris
hallucis lateralis, N. cutaneus digiti secundi medialis
4 Verletzung des N. peroneus superficialis: Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
5 Motorischer Ausfall von M. peroneus longus (L5-S1),
M. peroneus brevis (L5-S1); Quergewölbe des Fußes Ziel Therapie
flacht ab, keine Pronation und verschlechterte Plantar-
flexion Thrombose- Wadenpumpe, Kompression
5 Hautäste des N. peroneus superficialis: N. cutaneus prophylaxe
dorsalis medialis, N. cutaneus dorsalis intermedius Entstauung Beine hochlegen, Kompressions-
4 Verletzung des N. peroneus communis: strümpfe wie immer bis hoch zum
5 Hautäste des N. peroneus communis: N. cutaneus su- Oberschenkel, Lymphdrainage
rae lateralis, R. communicans fibularis Reinnervation E-Technik, PNF, Wackelbrett, Koor-
4 Kompression des Nervs: Die Ursache der Kompression
dinationstraining, SRT, Beseitigung
muss beseitigt werden (z.B. ein Hämatom muss abklin- der Nervenkompression z.B. durch
gen). Abklärung, ob der betroffene Nervenabschnitt noch Manuelle Therapie an der Fibula
intakt ist (Gefahr der Nekrose). Die Reinnervation dauert
zwar sehr lange, der Vorteil ist jedoch, dass die Nerven- Schmerz- Lokale Wärme oder Wärme aufs
scheide noch erhalten ist. linderung Segment (bei Hyperalgesie)
4 Durchtrennung des Nervs: Mittels OP muss die Nerven- Sensibilitäts- Verschiedene Oberflächen, Wärme
scheide genäht werden, um dem Nerv die Möglichkeit zu schulung und Kälte im Wechsel (Hypästhesie)
P geben, nachzuwachsen. Eine Reinnervation ist prinzipiell
Sonstige Exzentrisches Training der Waden-
möglich, tritt evtl. nicht ein oder dauert sehr lange. Für
Muskulatur muskulatur, Beinachsentraining,
Abschätzungen der Regenerationsgeschwindigkeit scheint
erhalten Aquawalking, Laufband, Fahrrad-,
sich die Wachstumsgeschwindigkeit von 1 mm/Tag zu be-
Ruderergometer
stätigen.
4 Motorische Ausfälle, aber Sensorik bleibt erhalten
4 Motorische und sensorische Ausfälle
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
151 P

. Abb. 1 N. peroneus communis, N. pero- . Abb. 2 Propriozeptives Training an der . Abb. 3 Sensomotorisches Training an der
neus superficialis, zwischen 1. und 2. Zehe: Beinpresse (mit gerollter Matte) Beinpresse (mit Wackelkissen)
N. peroneus profundus

. Abb. 4 Fibula mobilisieren, falls hier eine . Abb. 5 Tape: Im Vordergrund steht die . Abb. 6 SRT: Vibrationstraining
Einklemmung oder Verklebung vorliegt Aktivierung der Rezeptoren, eher als Folge
dessen bekommt der Patient eine bessere
Fußstabilisation

. Abb. 7 PNF-Mattenprogramm . Abb. 8 PNF, auch als Spiegeltherapie . Abb. 9 Dorsalextension gegen Wider-
möglich stand nach erfolgter Reinnervation
152 Polyneuropathie

Polyneuropathie Untersuchung

Was ist das? 4 DMS (Diagnostik von Motorik und Sensibilität)


4 Diadochokinese (schneller Wechsel von Agonisten und
Störungen peripherer Nerven aufgrund toxischer Ereignisse. Antagonisten, z.B. bei Pro-/Supination)
Die Toxizität kann ausgelöst werden durch 4 Muskelfunktionsprüfungen, resistive Tests
4 Abbauprodukte von Äthylalkohol (v.a. Azetaldehyd),
4 Überschuss von Glukose oder Komplikationen
4 harnpflichtige Stoffwechselprodukte.
4 Ausfall von Muskeln oder Muskelgruppen
Somit sind Polyneuropathien häufig bei Patienten mit Diabe- 4 Befall der Atemmuskulatur
tes mellitus, chronischer Niereninsuffizienz oder Alkoholabu- 4 Verminderung viszeraler Innervationen, z.B. Störung der
sus. In seltenen Fällen sind andere toxische Substanzen krank- Darminnervation mit Komplikationen wie Ileus, Ausfall
heitsauslösend, z.B. bei Patienten mit Dysfunktion der Leber. der Innervation endokriner Organe mit endokrinolo-
Symptome sind motorische und/oder sensible Fehl- oder gischer Fehlfunktion (Unter- oder Überfunktion)
Dysfunktionen: 4 Zentralnervöse Ausfälle
4 Motorische Symptome sind Muskelschwäche bis zur
schlaffen Lähmung, evtl. Krampfneigung bzw. Tremor, Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
gestörte Feinmotorik oder Myoklonien.
4 Das sensible Symptombild ist charakterisiert durch Ziel Therapie
Missempfindungen (Parästhesien), Hypästhesien (ver-
minderte Sensibilität) oder Hyperästhesien/Algesien Verbesserung der Sandbad, Elektrotherapie,
(Überempfindlichkeit/Schmerzen). Sensibilität Warm- und Kaltreize, BGM
Optimierung der PNF, Fingergymnastik
Formen Feinmotorik
Muskulärer MTT, PNF-Mattenprogramm
4 Diabetische Polyneuropathie (typische Komplikation Kraftzuwachs
beim Diabetes mellitus, durch Mikroangiopathie)
4 Renale Polyneuropathie (bei chronischer Niereninsuffizi- Verminderung des Schnellkrafttraining der
enz) Sturzrisikos Beine, Posturomed, Kreisel,
4 Alkoholbedingte Polyneuropathie (Reaktion von Azetal- Trampolin, Gangübungen auf
dehyd mit neuronalen Proteinen) weicher Unterlage (Weich-
4 Hepatische Polyneuropathie (v.a. bei Patienten mit Leber- bodenmatte)
zirrhose) Erhaltung/ Gangschule, Treppentraining,
Verbesserung des exzentrisches Training auf der
Fragen beim Befund Gangbilds Treppe
Verbesserung der MTT, Gerätetraining, Ergo-
P 4 Wann sind Ihre Beschwerden erstmalig aufgetreten?
Durchblutung und meter, Motomed, Laufband,
4 Sind Sie öfter gestürzt? → Hinweis auf motorische Defizi-
der Ausdauer Aquawalking, Bewegungsbad,
te
Walking
4 Hat man Ihnen schon einmal ein Liponsäure-Präparat
verordnet? → Pharmakologischer Ansatz auf der Basis an-
tioxidativer Wirkung der Liponsäure (in EBM verifiziert: ! Cave
Mijnhout et al. 2010, Shay et al. 2009, Ruessmann 2009, Bei Thermoanwendungen ist zu beachten:
Maczurek et al. 2008, Singh & Jialal 2008, Ziegler 2008, 4 Eis immer bewegen,
Tang et al. 2007, Ziegler 2006, Ziegler et al. 2006, Packer 4 Wärme, besonders Infrarotstrahler, gut dosieren
et al. 2001, Packer et al. 1995) (Missempfindungen des Patienten beachten)!
4 Sind Ihnen Werte zur Evaluierung Ihrer Leberfunktion
bekannt?
4 Treten Ihre sensiblen/motorischen Probleme permanent
oder in bestimmten Phasen auf?
4 Können Sie gut schlafen? → Schlafstörungen bei nächt-
lichen Kribbelparästhesien oder »unruhigen« Beinen
(7 Kap. Restless Legs)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
153 P

. Abb. 1 Fuß- und Beingymnastik auf . Abb. 2 Sensibilitätsschulung mit ver- . Abb. 3 Sturzprophylaxe auf beweglichen
einem Hocker oder Gymnastikball schiedenen Oberflächen, z.B. Tuch oder weichen Unterlagen, hier auf dem Po-
sturomed

. Abb. 4 Feinkoordinationstraining . Abb. 5 Gezielte Pro- und Supination im . Abb. 6 Feinkoordinationstraining: Büro-
Wechsel (Diadochokinese) klammern auf ein Blatt Papier heften

. Abb. 7 Ultraschall oder sonstige Elektro- . Abb. 8 Thermoanwendungen, z.B. mit . Abb. 9. MTT Auch bei instabilem Stand
therapie Kälte und Wärme im Wechsel kann der Patient z.B. Sitzfahrrad fahren
154 Polytrauma

Polytrauma Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)

Was ist das? Ziel Therapie

Multiple Weichteil- und Knochenverletzungen durch trau- Prophylaxen Thromboseprophylaxe: Kom-


matische Ereignisse, z.B. Autounfälle, Stürze, Sport-/Freizeit- pression, Bewegungstherapie
unfälle, betriebliche Unfälle durch Maschinen in Industrie und bei längerer Immbobili-
und Landwirtschaft sowie durch Naturkatastrophen (Ver- sation Pneumonieprophylaxe
schüttungen bei Erdbeben, Lawinenunglück). Nach der ope- (Atemtherapie)
rativen und intensivmedizinischen Erstversorgung werden Bei Teilbelastung: Isometrische Spannungs-
physiotherapeutische Maßnahmen zur Optimierung der Hei- Erhalt der vorhande- übungen, Motomed, Wasser-
lungsprozesse an Bändern, Muskeln, Nerven, Haut und Un- nen Muskulatur gymnastik, PNF, aktives
terhaut eingesetzt. Ziel ist die Wiederherstellung von Mobili- Bewegen in den erlaubten
tät und Stabilität des Bewegungsapparats. Limits, Brunkow
Bei Vollbelastung: Gangschule auf dem Lauf-
Formen Muskelaufbau, Erar- band und verschiedenen
beitung eines physio- Untergründen, MTT, Kletter-
Bei einem Polytrauma entsteht eine Mischung der Verlet- logischen Gangbilds wand, Manuelle Therapie
zungstypen: (strukturadaptiert)
4 Frakturen mit Osteosyntheseversorgung
4 Prellungen Wiederherstellung Elektrotherapie, Mirroring als
4 Zerreißungen, Zerquetschungen der Oberflächen- und Übungsform
4 Luxationen Tiefensensibilität
Entstauung KPE
Begleitend treten Hämatome, Wundinfektionen, Sepsis,
Zusätzlich bei Z.n. SRT, Kreisel, Trampolin, ge-
Schock oder Bewusstlosigkeit auf.
Schädel-Hirn-Trau- kreuzter Romberg-Versuch
ma: Verbesserung als Übungsform, Kletter-
Fragen beim Befund von Koordination wand, Übungen auf der
und Gleichgewicht, Weichbodenmatte (auch mit
4 Sind bei Ihrem Unfall schwere innere Verletzungen aufge-
Sturzprophylaxe geschlossenen Augen)
treten, z.B. Milzruptur, Pneumothorax, Verletzung eines
großen Blutgefäßes oder Blasenperforation? Verbesserung der Ausdauertraining auf dem
4 Wurde bei Ihnen ein Schädel-Hirn-Trauma diagnosti- allgemeinen Crosstrainer, Fahrrad- oder
ziert? Lag eine längere Bewusstlosigkeit vor? Haben Sie Leistungsfähigkeit Ruderergometer, Atemtherapie
Schwindel?
4 War bei Ihnen die Wirbelsäule mitbeteiligt? Wurden Wir- ! Cave
bel osteosynthetisch behandelt? Kurz nach dem Trauma sollten die möglichen isome-
P 4 Gibt es Festlegungen zur Belastbarkeit einzelner Gelenke, trischen Spannungsübungen nicht länger als 7 sec gehal-
z.B. 20-kg-Teilbelastung des Beins? ten (um anaerobe Energiegewinnung zu vermeiden) und
4 Haben Sie Missempfindungen, ein Kribbeln in den Zehen mit Atemtechniken kombiniert werden.
oder Fingern?

Untersuchung
4 Bewegungsausmaß aller vom Arzt freigegebenen Bewe-
gungen testen
4 Beinlängendifferenz
4 Atmung bei Thoraxverletzungen
4 Muskelfunktionsprüfung bei erfolgter und röntgenolo-
gisch kontrollierter Frakturheilung
4 Mirroring

Komplikationen
4 Übersehenes Schädel-Hirn-Trauma (auf verwaschene
Sprache, Schwierigkeiten bei Gleichgewichtsübungen etc.
achten, 7 Kap. Schädel-Hirn-Trauma)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
155 P

. Abb. 1 Kreislaufgymnastik im Kranken- . Abb. 2 Isometrische Spannungsübung . Abb. 3 Kräftigungsübung (auch mit Teil-
haus nach erfolgter Operation (je nach Ver- mit koordinativem Aspekt belastung möglich)
letzung mit Auslassung der verletzten Struk-
tur)

. Abb. 4 Kräftigungsübung (auch mit Teil- . Abb. 5 Thomas-Handgriff zur Erarbei- . Abb. 6 Brunkow (mit Ausatmung bei An-
belastung möglich) tung der Hüftextension spannung)

. Abb. 7 Stabilisationstraining auf dem . Abb. 8 Stabilisationstraining auf ver- . Abb. 9 Bei Vollbelastung: Kletterwand
Posturomed schiedenen weichen Unterlagen mit Hilfestellung
156 Postoperative Zustände

Postoperative Zustände Untersuchung

Was ist das? 4 Puls, Blutdruck, Gesichtsfarbe


4 Atmung
Zustand nach einer Operation. Nach dem Erwachen aus der 4 pO2-Wert (falls ein Monitor vorhanden ist)
Narkose ist das selbständige Aufstehen des Patienten (Mobili-
sation) wichtig. Dieses kann begleitet sein von Kreislauf- Komplikationen
schwankungen mit kurzzeitigem Bewusstseinsverlust (ortho-
statische Dysregulation), weshalb ein Physiotherapeut vor Ort 4 Postoperative Sepsis
sein sollte. Weitere Gefahren in den ersten Tagen nach einer
Operation sind Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
4 Darmatonie,
4 Blutzuckerschwankungen und Ziel Therapie
4 schmerzbedingte Schonhaltung mit oberflächlicher At-
mung. Pneumonieprophylaxe Atemtherapie
Thromboseprophylaxe Wadenpumpe im Liegen,
Zudem treten häufig eine starke Anämie, eine kompensato- Gehübungen, Kompression
rische Tachykardie und ein erhöhter Sympathikotonus auf. Hilfsmitteltraining Einweisung in Handhabung
Therapieinhalte einer physiotherapeutischen Begleitung
von Rollator oder Gehstützen
während der postoperativen Tage sind:
4 Kreislauf- und Atemgymnastik im Liegen für immobile Kreislaufstabilisierung Kreislaufgymnastik
Patienten (Intensivtherapiestation); Sturzprophylaxe Hinweis auf festes Schuh-
4 Kreislaufgymnastik im Sitzen, vor dem Aufstehen oder als werk geben, Übungen am
Teilziel, falls der Stand noch nicht erreicht werden kann; Bettende mit Festhalten, die
4 kurze Standphase vor dem Bett mit Kontrolle der Kreis- der Patient selbst durchfüh-
laufstabilität (Therapeut gibt sichernde Hilfestellung), ren kann (z.B. einbeiniger
4 kurze Gehübungen im Zimmer des Patienten (z.B. Toilet- Zehenspitzenstand nach
tengang); Wirbelsäulenoperation)
4 Gehübungen auf dem Stationsflur (zwischendurch immer
Selbständigkeit Vorbereitend für zu Hause
wieder Puls messen und ggf. Pausen einlegen),
des Patienten kann z.B. die Treppe mit der
4 Treppentraining (Voraussetzung ist ein stabiler Kreislauf,
entsprechenden Geländer-
Therapeut hat sichernde Funktion),
seite geübt werden
4 Kolonmassage bei postoperativer Darmatonie (Antibioti-
ka tragen dazu bei, da sie die Darmflora negativ beeinflus-
sen). ! Cave
Im Vorfeld ist abzuklären, wie stark der Patient belastet
Formen werden darf. Ggf. Rücksprache mit dem Arzt halten.
P
4 Mobilisierung im Liegen
4 Mobilisierung an der Bettkante
4 Mobilisierung in den Stand
4 Mobilisierung zur Toilette
4 Mobilisierung im Flur
4 Mobilisierung nach Herzoperationen: Der Patient darf
die Arme nicht über Herzhöhe anheben, um den Blut-
rückfluss in Richtung Herz nicht zu erhöhen und somit
das Herz nicht unnötig zu belasten.
4 Mobilisierung nach Wirbelsäulenoperationen: In der
Anfangszeit soll der Patient die Wirbelsäule nicht rotie-
ren, sondern en bloc bewegen, sowohl beim Transfer RL-
Sitz als auch beim Gehen (keine Rumpfrotation, kein Mit-
schwingen der Arme).
4 Mobilisierung nach Schädeloperationen: Gefahr von
Krampfanfällen (generalisierte Anfälle fokaler Genese),
nützlich ist eine 30°-Hochlagerung des Oberkörpers
(niedrigster intrazerebraler Druck).
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
157 P

. Abb. 1 Wadenpumpe, 40-mal wiederho- . Abb. 2 Hüfte im Wechsel flektieren, 20- . Abb. 3 Zehen im Wechsel hochziehen,
len mal wiederholen. Beachte: Bei Patienten mit 20-mal wiederholen
frisch operierter Hüft-TEP das Bett entspre-
chend hoch einstellen

. Abb. 4 Knie strecken und beugen, 20- . Abb. 5 Hände schnell öffnen und schlie- . Abb. 6 Hände auf die Schultern und wie-
mal wiederholen ßen, 20-mal wiederholen der auf den Oberschenkel legen (oder klat-
schen, aktiviert M. quadriceps)

. Abb. 7 Hände greifen zur Decke, und der . Abb. 8 Patient kommt in den Stand . Abb. 9 Gehen (auf Katheter und Redon-
Patient atmet tief ein; Arme wieder auf den flasche achten)
Oberschenkel und ausatmen, 7-mal wieder-
holen. Beachte: Nicht bei herzkranken Pati-
enten!
158 Querschnittslähmung

Querschnittslähmung Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)

Was ist das? Ziel Therapie


Dekubitusprophylaxe Fachgerechtes Umlagern
→ Verletzung des Rückenmarks. Die exakte Benennung der
Querschnittslähmung erfolgt nach der Höhe der Läsion, z.B. Pneumonieprophylaxe Atemtherapie
Querschnitt bei C5 bedeutet, dass das Rückenmark unterhalb Obstipation verhindern Kolonmassage
von C5 Störungen aufweist. Verursacht werden Querschnitts-
Zunehmende Transfers je nach Befund
lähmungen durch
Selbständigkeit mit oder ohne Hilfe
4 traumatische Wirbelverletzungen,
4 spontane Wirbelfrakturen bei Osteoporose (pathologische Mobilität erarbeiten Rollstuhltraining, Fahren
Frakturen), auf den Rückrädern (ist
4 Tumoren/Metastasen, wichtig, um Gehsteige und
4 iatrogen (z.B. bei Periduralkatheter-Anlage) langgezogene Treppen mit
4 Multiple Sklerose (seltener, 7 Kap. Multiple Sklerose). breiten Stufen zu bewälti-
gen)
Bei der primären Therapie stehen intensivmedizinische Be- Kontrakturprophylaxe Passives endgradiges
handlung des spinalen Schocks sowie operative Verfahren zur Durchbewegen,
Dekompression und Stabilisierung des traumatisierten Bereichs Manuelle Therapie
im Vordergrund. Auf dieser Grundlage ergeben sich auch echte Erhalt der Strukturen bis Bei zu erwartender Rück-
Erfolgschancen für eine weiterführende Physiotherapie. zur Funktionsrückkehr kehr von Funktionen kann
(nur sinnvoll wenn di- täglich (mind. 2x pro Wo-
Formen rekt nach dem Unfall che) mittels SRT und Ner-
mit der Therapie begon- venmobilisation versucht
4 Plegie: Vollständige Lähmung ohne Motorik, keine Sen- nen wird, solange die werden die Knochen, Ner-
sibilität im Gebiet unterhalb der Verletzungsstelle Muskeln noch nicht ven, Bänder und Muskeln
4 Parese: Unvollständige Lähmung, erst durch die Untersu- atrophiert sind), Verhin- an einem Abbau zu hin-
chung können genaue Aussagen gemacht werden derung von Spätschäden dern
4 Paraplegie: Symmetrischer Ausfall der Beine und schnellerer Regene-
4 Tetraplegie: Symmetrischer Ausfall beider Arme und bei- ration falls Reinnerva-
der Beine (Verletzung auf Höhe C0-Th1) tion erfolgt
4 Hemiplegie ist ausgesprochen selten
Anbahnen, wiederher- Vojta, Bobath, PNF
4 Cauda equina-Syndrom (Kauda-Syndrom): Spinalreizung
stellen von physiologi-
unterhalb knöcherner Höhe L1/L2; dort befindet sich kein
schen Bewegungen bei
Rückenmark mehr, aber ein dichtes Bündel von Spinal-
Restfunktionen
nerven (Pferdeschweif, Cauda equina), das für die Versor-
gung von Blasen- und Mastdarmverschluss sowie Motorik Aktivierung aller Mus- Becken- und Schulterpat-
und Sensibilität von Damm, Genitale, Perianalregion und keln mit noch erhaltener tern, Elektrotherapie,
Beckenboden zuständig ist (Sonderform) Funktion Schlingentisch, Motomed
(wenn möglich) für Beine
Q Fragen beim Befund und Arme, aktive Übun-
gen (Theraband, Geräte-
4 Wie ist es zu Ihrer Querschnittslähmung gekommen? training, PNF)
4 Wie kommen Sie im Alltag zurecht? → Transfers zeigen Erleichterung für den Training der Arme, wenn
lassen (z.B. Rollstuhl-Liege, Rollstuhl-Boden-Rollstuhl) Alltag der Patient im Rollstuhl
4 Was können Sie allein, und wobei brauchen Sie Hilfe? sitzt und sich häufig aus
4 Welche beruflichen Tätigkeiten können Sie ausführen? dem Rollstuhl stemmen
muss
Untersuchung Prophylaxe von Sekun- Haltungsschulung, Übun-
därschäden gen zur Aufrichtung, Deto-
4 Test von Motorik und Sensibilität: Erfassung von Quer-
nisierung des M. pectora-
schnittshöhe und Restfunktionen unterhalb der Läsions- lis, Massage des Schulter-
stelle Nacken-Bereichs
4 Erfassung vegetativer Funktionen unterhalb der Läsions-
stelle Integration in eine Interessen erfragen und
4 Passives Bewegen aller Gelenke: Test auf Spastik Sportgruppe entsprechende Sportarten
4 Palpation des Diaphragmas vorschlagen

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_16,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
159 Q

. Abb. 1 SRT im Sitzen, währenddessen . Abb. 2 Rollstuhltraining; zwei Seile hin- . Abb. 3 Falltraining
kann ein Stützarm erarbeitet werden dern den Rollstuhl vor dem Zurückkippen,
wenn der Patient auf den Hinterrädern ba-
lanciert

. Abb. 4 PNF-Beckenpattern . Abb. 5 Dehnung des M. iliopsoas . Abb. 6 Latissimuszug aus Rollstuhl

. Abb. 7 Seilzug auf der Bank, wenn Rest- . Abb. 8 Seilzug auf der Bank mit Rumpf- . Abb. 9 Atemwegsmassage
funktion der Beine vorhanden ist, mit aufge- rotation
stellten Beinen

! Cave ! Cave
Bei einem spinalen Schock kann es zur hypotonen Dauert die Therapie länger als 1 h auf Lagewechsel
Krise (rasanter Blutdruckabfall) mit Multiorganversagen achten, um einem Dekubitus vorzubeugen
kommen.
160 Radialisläsion

Radialisläsion Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Was ist passiert?


4 Wie lange ist es her?
Läsion des N. radialis (. Abb. 1, Abb. 2) durch Trauma (z.B.
Oberarmschaftfraktur: Nerv wird im Frakturspalt einge- Untersuchung
klemmt) oder Kompression. Der M. supinator komprimiert
den Nerv, der durch seinen Muskelbauch verläuft. Andere Ur- 4 Motorik testen
sachen sind: drückende Oberarmstützen, Operationen, Radi- 4 Sensorik testen
usfrakturen und Radiusluxationen. 4 Gefühl für Wärme oder Kälte prüfen
Die typischen Symptome einer Läsion des N. radialis sind 4 Muskelatrophien aller ausgefallenen Muskeln dokumen-
motorisch die sog. Fallhand, da der Nerv die Extensoren ver- tieren
sorgt, und sensibel Hypästhesien oder Parästhesien palmar
im Bereich des Thenars und dorsal im Bereich des Daumens Komplikationen
bis zur Hälfte des 4. Fingers. Hinzu kommen sensible Stö-
rungen am dorsolateralen Oberarm und an der Streckseite des 4 Morbus Sudeck (7 Kap. Morbus Sudeck)
Unterarms. 4 Posttraumatische Arthrosen und evtl. Ankylosen beteilig-
ter Gelenke
Formen
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 3–Abb. 9)
4 Motorische Ausfälle von M. triceps brachii (C6-C7),
M. anconeus (C7, C8), Mm. extensor carpi radialis longus Ziel Therapie
und brevis (C6, C7), M. extensor digiti minimi (C6-C8),
M. extensor digitorum (C6-C8), M. extensor carpi ulnaris Reinnervation E-Technik, PNF, Elektro-
(C7, C8), M. abductor pollicis longus (C7, C8), M. brachio- therapie, Vojta
radialis (C5, C6), M. supinator (C5, C6), M. extensor in- ADL Kämmen, schreiben und
dicis (C6-C8), M. extensor pollicis longus (C7, C8), andere Fingerübungen
M. extensor pollicis brevis (C7-Th1); je nach Höhe der Sensibilitätsschulung Mit verschiedenen Gegen-
Nervenschädigung ist der M. triceps noch funktionsfähig ständen über die Hautareale
und Streckung im Ellenbogen z.T. möglich streichen, Erraten von
4 Sensorische Ausfälle Gegenständen mit geschlos-
4 Kombinierte sensorische und motorische Ausfälle senen Augen, Igelbälle
4 Obere Radialislähmung: In Kombination mit Plexus bra-
chialis-Lähmungen kommt es zu folgenden motorischen Muskelkräftigung, PNF, Therapieknete
Ausfällen: Extension im Ellenbogengelenk, Fallhand, Mit- Ergonomisieren der
telstellung zwischen Pro- und Supination, Supination ist Bewegung
nur bei flektiertem Ellenbogen mithilfe des M. biceps bra- Durchblutung fördern Schulterguss, Tape
chii möglich, Abduktion und Extension des Daumens
sind nicht ausführbar.
4 Mittlere Radialislähmung (distales Oberarmdrittel): Der
M. brachioradialis ist gelähmt, der M. triceps bleibt funk-
tionsfähig, Fallhand, Daumenabduktion geht verloren.
R Wird der Nerv durch den M. supinator komprimiert, sind
die Mm. brachioradialis und extensor carpi radialis intakt
(Supinatorlogensyndrom).
4 Untere Radialislähmung: Fallhand, Fingerextension und
Daumenabduktion bleiben erhalten.

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_17,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
161 R

. Abb. 1 Hautareal blau dargestellt, palma- . Abb. 2 Hautareal blau dargestellt, Hand- . Abb. 3 Nervenmobilisation des N. radialis
re Ansicht der linken Hand rücken-Ansicht der linken Hand

. Abb. 4 PNF . Abb. 5 Stift kreisen lassen . Abb. 6 Geschicklichkeit/Koordination mit


Klangkugeln

. Abb. 7 Häkeln mit den Fingern und . Abb. 8 Öffnen einer Schere für eine ver- . Abb. 9 Beim Supinatorlogensyndrom:
einem Seil, Spreizübungen fördern die Kraft besserte Daumenabduktion Triggern des M. supinator
der Extensoren
162 Radiusfraktur

Radiusfraktur Komplikationen

Was ist das? 4 Begleitende Radiusköpfchenfraktur → Bei kindlicher


Fraktur besteht Gefahr der Wachstumshemmung des Ra-
Fraktur v.a. im distalen Radius; häufigste Fraktur beim Men- dius und der Lateralisation des Unterarms bei Supination,
schen überhaupt. Als Symptome treten auf: dadurch Dehnung des N. ulnaris, Risiko einer Spätläsion
4 Druckschmerz, des Nervs
4 Fehlstellung, 4 Morbus Sudeck
4 Bewegungseinschränkung und 4 Essex-Lopresti-Verletzung als seltene Kombinationsver-
4 Schwellung. letzung mit Radiusköpfchenfraktur, Läsion der Membra-
na interossea und Verletzung des Art. radioulnaris dista-
Formen lis

4 Distale Radiusfraktur, als: Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)


5 Extensionsfraktur (Colles-Fraktur bzw. distale Radius-
fraktur loco typico), vermutlich aufgrund reflekto- Ziel Therapie
rischer Extension beim Sturz, Fourchette-Stellung mit
dorsaler Abknickung und Bajonettstellung mit radialer Schmerzfreiheit Wärme, Fango auf folgendes
Abknickung Segment, Elektrotherapie
5 Flexionsfraktur (Smith-Fraktur), palmare Abkni- Entstauung Manuelle Lymphdrainage,
ckung Hochlagern, Bewegen von
4 Proximale Radiusfraktur (sehr selten) Hand und Fingern (verbessert
4 Distale Radiusfraktur mit/ohne Riss der Membrana inte- den venösen Rückstrom)
rossea Verbesserung der Manuelle Therapie, auch/be-
4 Galleazi-Fraktur: Bruch des Radius mit Luxation der dis- Beweglichkeit sonders der angrenzenden
talen Ulna und Defekt der Membrana interossea Gelenke (bereits mit Gips
4 Barton-Fraktur: Intraartikuläre Fraktur am dorsalen Rand möglich)
des distalen Radius, Mitbeteiligung der Art. radiocarpea
hinsichtlich Kapsel und Subluxation oder sogar Luxation Ökonomisieren der PNF, E-Technik, Ballspiele,
4 Umgekehrte Barton-Fraktur: Intraartikuläre Fraktur am Muskulatur Geschicklichkeitsübungen,
palmaren Rand des distalen Radius, ebenfalls mit Beteili- Alltagsbewegungen
gung der Art. radiocarpea Kraftaufbau MTT, Aufbau eines Stützarms
4 Meißelfraktur: Keilförmige Abspaltung, Einriss des Ra- (z.B. in BL weit vorne auf der
diusköpfchens Bank liegen und die Arme in
4 Radiusköpfchentrümmerfraktur einen Pezziball stemmen, der
4 Epiphysenlösung beim Kind vor der Bank liegt)
4 Aitken-1-Fraktur: Epiphysenlösung mit metaphysärem
Fragment

Fragen beim Befund


4 Wie ist es passiert?
R 4 Wann ist es passiert?
4 Wurde operiert?
4 Haben Sie ein kribbelndes Gefühl im Arm?

Untersuchung
4 Bewegungsausmaß
4 Umfangmessungen
4 Wärme-/Kälteempfindlichkeit
4 Dermatome auf Sensibilitätsstörungen testen
4 Ist der N. ulnaris betroffen?
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
163 R

. Abb. 1 Aufwärmübung: Stabkreisen, da- . Abb. 2 Manuelle Therapie . Abb. 3 Manuelle Therapie: Distales Radio-
bei immer stärker in die Schulterabduktion ulnargelenk
und -adduktion bewegen

. Abb. 4 Manuelle Therapie: Mobilisation . Abb. 5 PNF im VFST (späte Rehaphase); . Abb. 6 ADL
des Radius gegen die proximale Handwur- es ist sowohl möglich, mit dem betroffenem,
zelreihe geheilten Arm die Diagonale auszuführen
als auch ihn als Stützarm einzusetzen

. Abb. 7 Kräftigung, auf Skapuladepres- . Abb. 8 Ball mit etwas Druck vor- und zu- . Abb. 9 Therapeut und Patient halten ein
sion achten rückrollen, dabei das Handgelenk stabil hal- Blatt an einer Seite fest und versuchen, es
ten (Übung für zu Hause) dem anderen aus den Fingern zu ziehen
164 Reizkolon

Reizkolon Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Seit wann treten bei Ihnen Bauchschmerzen und Verän-
derungen des Stuhlgangs auf?
Gruppe von Darmerkrankungen mit abdominellen Schmer- 4 Zeigen Sie bitte die Region, in der die Schmerzen am häu-
zen und abnormalem Stuhlgang ohne nachweisbare struktu- figsten auftreten!
relle und biochemische Veränderungen (Synonyme: Reiz- 4 Wurde bei Ihnen eine Bauchoperation durchgeführt?
darmsyndrom, irritables Darmsyndrom, Colon irritabile). 4 Hatten oder haben Sie eine gynäkologische Erkrankung?
Aus diesem Grund wird von funktionellen Darmerkran- 4 Wurde bei Ihnen eine Fibromyalgie (7 Kap. Fibromyalgie)
kungen gesprochen. Häufig treten Unwohlsein sowie körper- diagnostiziert?
liche und geistige Erschöpfung auf. Nach den Konsensuskri-
terien der internationalen gastroenterologischen Fachgesell- Untersuchung
schaften spricht man von Reizdarmsyndrom, wenn folgende
Kriterien erfüllt sind: 4 Abdominelle Palpation
4 Innerhalb der letzten 12 Monate traten während minde- 4 Abdominelle Auskultation der Peristaltik, Beurteilung des
stens 12 Wochen abdominelle Schmerzen oder Unwohl- Einflusses des vegetativen Nervensystems auf die Darm-
sein mit zwei der folgenden drei Eigenschaften auf: motilität
5 Linderung der Beschwerden durch Stuhlgang, 4 Kontrolle der »tender points« → Differenzialdiagnose bzw.
5 Beginn der Schmerzen war verbunden mit einer Ver- Ausschluss von Fibromyalgie
änderung der Stuhlhäufigkeit,
5 Beginn der Schmerzen war verbunden mit einer Ver- Komplikationen
änderung der Stuhlkonsistenz.
4 Organische Grunderkrankungen, die nicht sicher ausge-
Als Nebenkriterien gelten: schlossen wurden
4 abnormale Stuhlhäufigkeit,
4 abnormale Stuhlkonsistenz, Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
4 schleimiger Stuhl,
4 Blähungen (Flatulenz). Ziel Therapie

Bedeutsam ist der Ausschluss organischer Grundkrankhei- Harmonisierung der Heiße Rolle, Kolonmassage,
ten, z.B.: Darmmotilität Einreibungen (z.B. mit
4 Tumoren, Schwarzkümmelöl), Ent-
4 chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, spannungstechniken, Bewe-
4 Ulzera, gungstherapie, Walking,
4 Lebererkrankungen, Jogging
4 Zöliakie, Stabilisierung des vege- Entspannungstechniken,
4 Laktoseintoleranz und andere tativen Nervensystems Autogenes Training
4 allergische Krankheiten. Kräftigung der Bauch- Isometrische Muskel-
muskulatur, mit dem übungen, therapeutisches
In der Ätiologie des Reizkolons spielen eine Rolle: psychische Ziel der Erhöhung des Klettern, Mattenprogramm,
Faktoren, Immunreaktionen, Veränderungen des vegetativen abdominellen Drucks Übungen im Bewegungsbad,
Nervensystems (beeinflussen die Darmmotilität), Aromafak- MTT (an Geräten), Elektro-
R toren, abgelaufene Entzündungen, Abusus von Laxantien therapie
(Abführmitteln) u.v.m. Zur Therapie gehören diätetische
Maßnahmen, Medikamente (u.a. Antiphlogistika), physiothe- Erhöhung des Alle Arten der Bewegungs-
rapeutische und psychische Methoden. Es gibt zahlreiche Bewegungsumfangs therapie, Bewegungsbad,
Hinweise der internationalen Forschung dafür, dass Ernäh- allgemein Walking, Ergometertraining,
rung und Bewegung die wichtigsten Faktoren für eine gesun- fakultativ Freizeitsport
de Darmmotilität sind. Optimierung der Ernährungsberatung, Sup-
Ernährung und damit plementation
Formen des Darminhalts
Entstauung Manuelle Lymphdrainage
4 Diarrhoeprädominantes Reizkolon (Durchfälle dominie-
ren) Verbesserung der allge- Ausdauertraining auf dem
4 Obstipationsprädominantes Reizkolon (Verstopfung do- meinen Leistungsfähig- Crosstrainer, Fahrrad- oder
miniert) keit (Schwerpunkt: Ruderergometer, Atemthe-
4 Reizdarmsyndrom mit wechselnden Stuhlgewohnheiten Ausdauer) rapie
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
165 R

. Abb. 1 Brunkow . Abb. 2 Heiße Rolle oder heiße Pa- . Abb. 3 Atemtherapie
ckungen. Beachte: Der Bauch ist empfind-
licher auf Hitze als z.B. der Rücken, dies be-
ruht auf der regionalen Verteilung der Ther-
morezeptoren

. Abb. 4 Entspannung zur Harmonisierung . Abb. 5 Yoga . Abb. 6 Aktivierung der Bauchmuskeln
des vegetativen Nervensystems zur Erholung des intraabdominalen Drucks,
mit dem Ziel der Aktivierung der Peristaltik

. Abb. 7 Ausdauertraining . Abb. 8 Bauchtiefdrainage . Abb. 9 Bauchtiefdrainage


166 Restless Legs-Syndrom (RLS)

Restless Legs-Syndrom (RLS) 5 Morbus Parkinson


5 Nebenwirkungen von Medikamenten (Antidepressiva,
Was ist das? Dopaminantagonisten)
4 Idiopathische Form:
Neurologische Erkrankung, die mit Gefühlsstörungen (Pa- 5 Genetische Prädisposition
rästhesien), Bewegungsdrang und häufig mit unwillkürlichen 5 RLS bei Hypothyreose
Bewegungen in den Beinen und Füßen einhergeht (Syno-
nyme: Syndrom der ruhelosen Beine, Wittmaack-Ekbom- Fragen beim Befund
Syndrom, Anxietas tibiarum). Die Krankheit gehört zu den
extrapyramidalen Hyperkinesien. Die Symptome sind abends 4 Wann begannen die Gefühlsstörungen und unwillkür-
und nachts beim ruhigen Sitzen oder Liegen am stärksten und lichen Bewegungen in den Beinen?
tragen erheblich zu Schlafstörungen bei. Das Bewegen der be- 4 Haben Sie neurologische oder internistische Erkran-
troffenen Extremitäten, z.B. Gehen, Fahrradfahren, Kniebeu- kungen durchgemacht?
gen, bringt i.d.R. sofortige Linderung. Die Beschwerden keh- 4 Haben Sie bestimmte Medikamente über längere Zeit ein-
ren in der nächsten Ruhesituation wieder zurück. Begleitsymp- nehmen müssen?
tome von Restless Legs sind 4 Sind bei Ihnen Störungen der Schilddrüsenfunktion be-
4 periodische Zuckungen der Beine (manchmal auch der kannt? → Hypothyreose ist häufig Auslöser der idiopa-
Arme) im Schlaf (»periodic limb movements«), thischen Form des RLS
4 wiederholtes kurzes Aufwachen während des Schlafs
(»arousals«), Untersuchung
4 Schlafstörungen und Schlafdefizit, daraus resultierend
4 Müdigkeit am Tage, 4 Motorik und Sensibilität der Beine
4 Erschöpfung,, 4 Motorik und Sensibilität der LWS
4 Antriebslosigkeit, 4 Immobilisationstest (Fixation der Beine löst Symptome
4 Vergesslichkeit, aus bzw. verschlimmert sie)
4 chronobiologische Störungen, 4 Periphere Pulse tasten → DD: AVK (7 Kap. AVK)
4 Depressionen und chronische Schmerzen.
Komplikationen
Die klinisch-neurologische Diagnostik kann durch einen me-
dikamentösen Test gestützt werden: Die einmalige Gabe von 4 Schwere neurologische Grunderkrankungen, die in der
L-Dopa oder Apomorphin bessert die Symptome fast immer. DD nicht erfasst oder übersehen wurden
Der Immobilisationstest (Fixation der Beine) löst die Symp- 4 Augmentation (Verstärkung des Krankheitsbilds) bei
tome aus bzw. verschlimmert sie. Differenzialdiagnostisch Dauergabe von Dopaminvorstufen
müssen ausgeschlossen werden: 4 Toleranzentwicklung bei Medikamentengabe
4 Polyneuropathie,
4 radikuläre LWS-Syndrome, Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
4 funikuläre Myelose (bei Vitamin-B12-Mangel),
4 schweres Venenleiden, Ziel Therapie
4 AVK (Claudicatio intermittens),
4 Wadenkrämpfe und Entspannung, Aktive Entspannungstechniken
4 Myoklonien neurologischer Genese. Harmonisierung wie Progressive Muskelentspan-
des vegetativen nung in aktive Übungen einbetten,
Nervensystems Autogenes Training in aktive
R Kausal ist eine Störung im Stoffwechsel von Transmittern, v.a.
Übungen einbauen, TCM, Tai Chi,
von Dopamin, die sich im Bereich des EPS auswirkt. Zumin-
dest bei einigen Patienten gibt es eine Disposition mit einem Qi Gong, Pilates, Yoga, Massagen
autosomal-dominanten Vererbungsgang. Therapeutisch sind Stabilisierung des Isometrische Spannungsübungen,
Medikamente (v.a. Dopaminagonisten oder L-DOPA sowie Wechselspiels von PNF, Dehngymnastik, Motomed,
Opiate), Eisensubstitution, Schlafhygiene, TCM und Physio- Agonisten und Wassergymnastik, MTT-Geräte-
therapie bedeutsam. Antagonisten training
Optimierung Entspannungstechniken, Hypno-
Formen des Schlafs therapie (medizinische Hypnose)
4 Sekundäre (symptomatische) Form: Wiederherstel- Elektrotherapie, Mirroring als
5 Eisenmangel/Eisenmangelanämie lung der Oberflä- Übungsform, Kiesbad, Maisbad,
5 Perniziöse Anämie chen- und Tiefen- Sandbad, Güsse bei variabler
5 Urämie und chronische Niereninsuffizienz sensibilität Temperatur, auch kalte Güsse
5 Rheumatoide Arthritis
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
167 R

. Abb. 2 Mirroring als Übungsform. Der


. Abb. 1 Guss (Unterguss) Therapeut stellt eine Extremität ein, wäh-
rend der Patient blind versucht, die andere
Extremität in die gleiche Position zu bringen

. Abb. 3 PNF-Mattenprogramm . Abb. 4 PNF-Mattenprogramm: Drehen . Abb. 5 PNF-Mattenprogramm: Drehen

. Abb. 6 PNF-Mattenprogramm: Transfer in . Abb. 7 PNF-Mattenprogramm: Transfer in . Abb. 8 PNF-Mattenprogramm: Übungen


den VFST den VFST im VFST

! Cave . Abb. 9 Stabilisierung im einbeinigen


Jede Immobilisation verstärkt die Symptome! Kniestand
168 Retropatellararthrose (Chondropathia patellae)

Retropatellararthrose Untersuchung
(Chondropathia patellae)
4 Ganganalyse
Was ist das? 4 Tanz der Patella?
4 Bewegungseinschränkungen?
Arthrose auf der Rückfläche der Patella. Bei Flexion kommt 4 Zohlen-Zeichen positiv (+, ++, +++)?
es durch den erhöhten Anpressdruck zum Knorpelverlust und 4 Crepitatio bei Kniebeuge?
zu Schmerzen. Mögliche Ursachen sind:
4 Sturz aufs Knie, Komplikationen
4 zu flacher/steiler Patellawinkel i.S. einer Inkongruenz der
gegenüberliegenden Gelenkflächen, 4 Übersehener Morbus Ahlbäck (aseptische Knochen-
4 berufliche Dauerbelastung (Fliesenleger) oder nekrose)
4 häufige Luxationen.
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
Die Retropatellararthrose tritt gehäuft bei Frauen auf.
Ziel Therapie
Formen
Schmerzlinderung Wärme auf M. quadriceps
4 Einteilung der Inkongruenz nach Wiberg: femoris, Elektrotherapie, Tape,
5 Grad I: Normale Gelenkflächen Schlingentisch
5 Grad II-IV: Geringe bis starke Inkongruenz, wobei sich Ergussminderung MLD, Hochlagern
der Anteil der lateralen Patellafläche erhöht (7 Kap. Bewegungsausmaß Patellamobilisation, Wasser-
Patellaluxation)
erhalten gymnastik
4 Einteilung nach Ausmaß des Knorpelabriebs:
5 Leicht Knorpeltrophik Minikniebeugen (30° Knie-
5 Mittelgradig verbessern flexion), viel bewegen mit we-
5 Schwer (bis zum kompletten Knorpelabrieb) nig Last, Fahrradfahren oder
Motomed mit verstellbaren
Fragen beim Befund Pedalen (kleiner Radius, damit
der Anpressdruck gering gehal-
4 Seit wann haben Sie Schmerzen? ten wird)
4 Treiben Sie Sport? Gewichtsreduktion Nordic Walking, Ausdauersport

R
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
169 R

. Abb. 1 Mobilisation im Schlingentisch . Abb. 2 Mobilisation im Schlingentisch . Abb. 3 Mobilisation des Recessus supra-
bei starken Schmerzen bei starken Schmerzen patellaris

. Abb. 4 Mobilisation der Patella nach late- . Abb. 5 Manuelle Therapie: Mobilisation . Abb. 6 Lateral- und Medialverschiebung
ral und medial nach distal (Patient dreht sich dazu um)

. Abb. 7 Patellapumping, wenn es der Pa- . Abb. 8 SRT, kombiniert mit Minikniebeu- . Abb. 9 Elektrotherapie
tient toleriert gen und anderen Übungen auf dem SRT zur
Optimierung der Beinachse
170 Rheumatoide Arthritis (RA)

Rheumatoide Arthritis (RA) 4 Sind Sie Mitglied einer Selbsthilfegruppe (Rheumaliga)?


4 Verbessert Kälte Ihre Beschwerden?
Was ist das? 4 Bekommen Sie Kortison?

Autoaggressive, entzündliche Erkrankung verschiedener Untersuchung


Gelenke (ehemalige Bezeichnung: primäre chronische Poly-
arthritis [PCP]). Autoantikörper greifen die innere Schicht 4 Bewegungsausmaß aller betroffenen und angrenzenden
(Tunica synovialis) einer Vielzahl von Gelenken an. Offen- Gelenke testen
sichtlich wird die Bildung von Autoantikörpern als Folge un- 4 Geschicklichkeit der Hände?
terschiedlicher Infektionen (Angina tonsillaris o.a.) ausgelöst. 4 Warme, gerötete Gelenke?
Die Erkrankung befällt vorrangig die kleineren Gelenke der
Hände und Füße (die Hand ist die »Visitenkarte des Rheuma- Komplikationen
tikers«, . Abb. 1). Die RA verläuft schubförmig, hoch ent-
zündliche Phasen wiederholen sich regelmäßig. Durch die 4 Postarthritische Arthrose vieler Gelenke und Ankylosen
häufigen Entzündungen kommt es zu degenerativen Verände- (7 Kap. Rhizarthrose)
rungen der betroffenen Gelenke (postarthritische Arthro-
sen). Die fortschreitenden Veränderungen, die mit Schmer- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
zen und Bewegungseinschränkungen einhergehen, führen zu
massiven Gelenkdeformierungen. Im Endstadium sind die Ziel Therapie
strukturell stark veränderten Gelenke dann sogar schmerzfrei
(»ausgebrannte RA«). Im Bereich der Fingergelenke findet Schmerzlinderung Kalte Wickel, Kaltluft, kal-
man u.a. Knopfloch- und Schwanenhalsdeformitäten. Die während der Entzün- te Fangopackungen, Kälte-
Therapie umfasst: dungsphase kammer, kalte Güsse
4 Gabe von Antiphlogistika, Beweglichkeitserhalt Passives Durchbewegen
4 Bewegungstherapie, mehrmals täglich unter
4 Anwendung von Kältereizen während der entzündlichen leichter Traktion, Bewe-
Phasen und gungsbad, PNF, Manuelle
4 evtl. chirurgische Interventionen (Synovektomie, Gelenk- Therapie nach Mulligan,
rekonstruktion, Bänderoperationen, Arthrodesen oder Schlingentisch ( wenn
künstlicher Gelenkersatz). Schultern, Knie und Hüf-
ten betroffen sind)
Die RA ist die häufigste Erkrankung des rheumatischen For- Alltagserleichterung Hilfsmitteltraining
menkreises. (Trinken aus speziellen
Tassen, Essen mit speziel-
Formen lem Besteck)
4 Entzündlicher Schub, Akutphase Schulung von Feinmoto- Übungsprogramm für
4 Nicht-entzündliche Verlaufsphase, Remissionsphase rik und Koordination zu Hause (Musik-, Kunst-
4 Sonderformen: therapie)
5 Felty-Syndrom: RA mit Splenomegalie (große Milz), Verbesserung der Rollstuhltraining,
Lymphknotenschwellung und Leukopenie Fortbewegung Gangschule
5 Caplan-Syndrom: Kombination aus RA und Silikose
R (Quarzstaublunge)
5 Juvenile idopatische Arthritis: Beginn der RA im Kin- ! Cave
des- und Jugendalter In der Akutphase wird von Wärmetherapie an den be-
5 Psoriasisarthropathie: Hautzeichen der Schuppen- troffenen Gelenken und Massage an Sehnenansätzen
flechte und Gelenkbefall als Spätsymptom abgeraten!

Fragen beim Befund


4 Wie häufig treten bei Ihnen die akuten Entzündungspha-
sen auf?
4 Welche Gelenke sind v.a. betroffen?
4 Wurde bereits eine Synovektomie oder eine andere Ope-
ration durchgeführt?
4 Macht Ihnen die rheumatoide Arthritis an den Füßen Be-
schwerden beim Gehen?
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
171 R

. Abb. 1 Typische Verformungen an den . Abb. 2 Schreibübungen . Abb. 3 Stift drehen


Händen einer Patientin mit RA

. Abb. 4 Büroklammern aufstecken . Abb. 5 PNF mit dem Seilzug: Ohne Griffe . Abb. 6 Geschicklichkeitsübung für die
(stattdessen an den Stopperkugeln) können Füße mit dem Hüpfseil
die Gelenke genauer eingestellt werden

. Abb. 7 Stab auf dem Boden des Wasser- . Abb. 8 Bewegungsbad . Abb. 9 Schwimmbrett mit dem Fuß auf
beckens rollen den Boden des Wasserbeckens drücken und
wieder ein Stück auftreiben lassen
172 Rhizarthrose

Rhizarthrose Komplikationen

Was ist das? 4 Ankylose

Arthrose im Daumensattelgelenk (Art. carpometacarpalis I) Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)


mit Schmerzen bei Opposition des Daumens und Kraftlosig-
keit. Die Schmerzen strahlen in den Unterarm aus. Bei länger Ziel Therapie
dauernder Schonung kommt es zur Thenaratrophie. Die Inzi-
denz der Erkrankung ist besonders hoch bei Verbesserung der Walkungen,
4 bestimmten Sportarten (Volleyball, Handball), Knorpeltrophik Bewegungstherapie
4 Schreibkräften, Lösen von Verspannungen Handmassage
4 Küchenangestellten und im Durchblutung verbessern Wechselwarme Bäder bis
4 Rahmen der rheumatoiden Arthritis. zum Unterarm, Wärme
Formen Bewegung erhalten Fingergymnastik, PNF,
Traktion
4 Mit Deformierung (Verdickung des Gelenks)
4 Mit Schmerz bei beginnender Bewegung, Schmerz lässt ! Cave
aber nach Therapie nach dem Grundsatz: Viel Bewegung, wenig
4 Mit Ruheschmerz Last!
4 Rhizarthrose im Rahmen der rheumatischen Grunder-
krankung (7 Kap. Rheumatoide Arthritis)

Fragen beim Befund

4 Haben Sie auch in Ruhe Schmerzen?


4 Wird die Hand stark beansprucht?

Untersuchung

4 Passive Tests (besonders Kapselprovokationstest, . Abb. 1)


4 Resistive Tests in vier verschiedene Richtungen
4 Palpation der Thenarmuskulatur
4 Öffnen einer Flasche und andere alltägliche Bewegungen
testen

R
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
173 R

. Abb. 1 Kapselprovokationstest . Abb. 2 Kneten mit Therapieknete oder . Abb. 3 Traktion des Daumensattelge-
Fango (wenn Wärme als angenehm empfun- lenks
den wird)

. Abb. 4 Wechseldruckbelastungen (Trak- . Abb. 5 Bewegungstherapie . Abb. 6 Bewegungstherapie


tion und Kompression im Wechsel aus ver-
schiedenen Gelenkstellungen

. Abb. 7 Walkungen mit großamplitudigen . Abb. 8 Bewegungstherapie . Abb. 9 Bewegungstherapie


Bewegungen
174 Rotatorenmanschettenruptur

Rotatorenmanschettenruptur Untersuchung

Was ist das? 4 Ohne Operation:


5 Hämatom (im Akutfall)?
Ein- oder Abriss von Teilen der Rotatorenmanschette. Das 5 Klassische Funktionsuntersuchung
Schultergelenk ist knöchern nur geringgradig gesichert, umso 4 Nach Operation:
wichtiger ist die muskuläre Sicherung durch die Muskeln der 5 Passives Testen des vorgegebenen Bewegungsaus-
Rotatorenmanschette (7 Übersicht 1). Kausal ist i.d.R. ein maßes
Trauma. Bei älteren Menschen kommt es auch durch degene- 5 Wärme?
rative Veränderungen ohne stärkeres Trauma zu Rupturen. Zu 5 Ödem (auch an den Handgelenken) ausmessen
den Symptomen gehören: 5 Frühestens nach ca. 6 Wochen erste Kraftmessungen
4 Schmerzen und möglich
4 Bewegungseinschränkungen.
Komplikationen
Die Behandlung erfolgt sowohl konservativ als auch operativ:
Nahttechniken, Wiederanheftungen am Knochen sowie Seh- 4 Rezidivierende Ruptur nach OP
nen- und Muskelersatzplastiken. 4 Impingementsyndrom (7 Kap. Impingementsyndrom)
4 Frozen Shoulder (7 Kap. Frozen Shoulder)

. Übersicht 1. Muskeln der Rotatorenmanschette Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)


4 M. supraspinatus: Abduktion und Außenrotation
(C4-C6, N. suprascapularis) Ziel Therapie
4 M. infraspinatus: Wichtigster Außenrotator
(C4-C6, N. suprascapularis) Kapsel trotz fehlender Manuelle Kapseldehnung,
4 M. subscapularis: Innenrotation und Adduktion Schulterbeweglichkeit Schlingentisch
(C5-C8, N. subscapularis) weit halten
4 M. teres minor: Außenrotation und Adduktion Zentrierung und damit Kraft- und Koordinations-
(C5-C6, N. axillaris) Stabilisierung des verbesserung der noch
4 (M. deltoideus): Der M. deltoideus kann fakultativ zur Schultergelenks vorhandenen Muskeln der
Rotatorenmanschette gezählt werden, da er eben- Rotatorenmanschette
falls zur Stabilisierung des Humeruskopfs in der
Lösen von Verklebungen Evtl. Narbenmobilisation
Fovea glenoidalis beiträgt
Bessere Durchblutung Eis, segmental angewen-
und Verbesserung der dete Wärmebehandlung,
Heilung Elektrotherapie
Formen ADL Flasche öffnen, Stützen auf
Ellenbogen in BL, PNF-
4 Abriss (durch Trauma oder degenerative Rupturen) Mattenprogramm
4 Einriss oft mit Sehnenverdickungen (sichtbar im MRT)
Kräftigung Übungen im VFST, Stützen
4 Mit/ohne OP
auf Pezziball im Unterarm-
stütz, frühestens nach
Fragen beim Befund 6 Wochen MTT
R
4 Wie kam es zu dieser Verletzung?
4 Nehmen Sie Medikamente? ! Cave
4 Wurde die Sehne operativ wieder befestigt? → Einhalten 4 Eine Überlastung der lädierten Sehne vermeiden
der vorgegebenen Bewegungsgrade, erneute Ruptur ver- (keine hängenden Übungen an Kletter- oder Spros-
hindern senwand)!
4 Nach einer Operation soll das vorgegebene Bewe-
gungslimit eingehalten werden!
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
175 R

. Abb. 1 Elektrotherapie . Abb. 2 Schlingentisch im Sitz, assistives . Abb. 3 Stabilisations- und Koordinations-
Bewegen mit Atmung verbinden; hier auf übung
Skapuladepression achten. Variation: Schul-
terpattern

. Abb. 4 Kräftigungsübung für zu Hause . Abb. 5 Koordinationstraining in Verbin- . Abb. 6 Kräftigung der noch intakten
mit einer wassergefüllten Flasche als Trai- dung mit einem Ganzkörpertraining Muskeln (oder nach Ausheilung einer Band-
ningsgewicht (nach OP, Vollbelastung ist naht)
frühestens nach 6 Wochen erlaubt)

. Abb. 7 Kräftigung der noch intakten . Abb. 8 Kräftigung der noch intakten . Abb. 9 Der Schlingentisch ermöglicht ein
Muskeln (oder nach Ausheilung einer Band- Muskeln (oder nach Ausheilung einer Band- relativ schmerzfreies Bewegen
naht) naht am Seilzug)
176 Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

Schädel-Hirn-Trauma (SHT) Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)

Was ist das? Ziel Therapie

Intrakranielle Verletzungen (Blutungen und/oder Verlet- Bei immobilen Patien- Bettgymnastik und
zungen des Hirngewebes) aufgrund starker Gewalteinwir- ten: Thrombose- und Atemtherapie
kungen auf das Cranium, z.B. bei schweren Unfällen. Symp- Pneumoniepro-
tome sind: phylaxe, Lagerung
4 Bewusstseinsstörungen, Transfers verbessern Bobath, PNF-Matten-
4 Kopfschmerzen und Schwindel, programm
4 Gleichgewichtsstörungen, Alltägliche Bewegun- Häufiges Üben einer Bewe-
4 einseitige Änderungen der Pupillengröße, gen wiederherstellen gung, zu Beginn passiv, dann
4 Sehstörungen, assistiv und später aktiv (z.B.
4 Krämpfe, Glas zum Mund führen),
4 Übelkeit und Erbrechen, Forced Use der lädierten
4 Amnesie und/oder Halluzinationen. Seite, PNF, Schinkengang
Die Klassifizierung des Schädel-Hirn-Taumas wird häufig nach Gangbildverbesserung Gangschule, Gehbarren
der Glasgow Coma Scale (GCS, . Tab. 1) vorgenommen. Die Linderung des TCM, Gesichtslymph-
Symptome können sich auch erst spät nach dem Trauma entwi- Kopfschmerzes drainage, Tape
ckeln, diese »Zwischenzeit« wird als Latenzzeit bezeichnet.
Aufbau von Kraft und Kletterwand (Vorteil: Ist ein
Ausdauer Bein für den Patienten
Formen schwer kontrollierbar, sichert
der Therapeut dieses gegen
4 Gedecktes SHT
Seitabweichungen, und der
4 Offenes SHT:
Patient kann sich selbst mit
5 Grad 1: Commotio cerebri (Gehirnerschütterung)
den Armen sichern)
5 Grad 2: Contusio cerebri (Gehirnprellung)
5 Grad 3: Compressio cerebri (Gehirnquetschung)

Fragen beim Befund


. Tab. 1 Glasgow Coma Scale (GCS)

4 Haben Sie Gedächtnisprobleme? Reaktion Punktewert


4 Wurden Sie wegen des SHT operiert?
4 Was bereitet Ihnen im Alltag Schwierigkeiten? Augen öffnen

Spontan 4
Untersuchung Auf Ansprache 3
Auf Schmerzreiz 2
4 Gleichgewichtstests Keine Reaktion 1
4 Finger-Nase-Versuch
Motorische Reaktion
4 Knie-Hacke-Versuch
4 Diadochokinese: Test für Kleinhirnbeteiligung, Wechsel- Befolgt Aufforderungen 6
spiel von Agonisten und Antagonisten Gezielte Abwehr 5
4 Pupillenreaktivität auf Hell- und Dunkelreize testen Zurückziehen 4
Beugung 3
4 Romberg-Versuch, gekreuzter Romberg-Versuch
S 4 Rebound-Test
Streckung
Keine Reaktion
2
1
4 Unterberger Tretversuch
Verbale Antwort
Komplikationen Orientiert 5
Verwirrt 4
4 Infektionen bei Z.n. offenem SHT Unzusammenhängende Wörter 3
4 Neglect und dauerhafte motorische Ausfälle Unverständliche Laute 2
4 Rückfall in Bewusstlosigkeit (Nachblutungen, 7 Kap Koma) Keine Reaktion 1
4 Liquorfistel mit allmählicher Hirndrucksteigerung (Intra- Insgesamt sind 3-15 Punkte möglich. Auswertung/Schwere-
kranielle Druckerhöhung) grad: Leicht 14-15 Punkte. Mittelschwer 9-13 Punkte. Schwer
4 Posttraumaitsche Enzephalitis und Meningitis (septisch 3-8 Punkte
oder aseptisch)

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_18,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
177 S

. Abb. 1 Im Akutfall: 30°-Kopfhochlage- . Abb. 2 Transfer RL-Sitz . Abb. 3 Transfer Sitz-Stand


rung, um einen möglichst niedrigen Hirn-
druck zu erreichen

. Abb. 4 Transfer Stand-Kniestand . Abb. 5 VFST . Abb. 6 Schinkengang ohne Festhalten


(für mehr Rumpfstabilität)

. Abb. 7 Ein Bein abspreizen . Abb. 8 ADL: Flasche öffnen . Abb. 9 Ausdauertraining auf dem Sitz-
fahrrad

! Cave
Zu vermeiden ist eine sympathoadrenerge Reaktionslage
(Stress, Überanstrengung, zu tiefer Kopf, zu hoher Blutdruck,
zu langes Fernsehen, Computerarbeit, Schlafmangel)!
178 Schenkelhalsfraktur

Schenkelhalsfraktur Untersuchung

Was ist das? 4 Bewegungsausmaß der Hüfte testen


4 Ganganalyse
Bruch des Schenkelhalses (Collum femoris), z.B. nach einem 4 M. piriformis untersuchen
Sturz. Auch eine Spontanfraktur ist möglich, z.B. bei Kno-
chenzysten, Metastasen oder primären Knochentumoren. Je Komplikationen
nach Bruch und Alter des Patienten wird die Bruchstelle ope-
rativ mit Platten, Schrauben, Gammanagel oder Hüft-TEP 4 Septische/aseptische Lockerung des Osteosynthesemate-
versorgt (. Abb. 1, 7 Kap. Hüft-TEP). rials bzw. der TEP
4 Verklebungen im Narbenbereich
Formen 4 Z.n. Verletzungen größerer arterieller Gefäße
4 Thrombose- und Pneumoniegefahr durch lange Immobi-
4 Medialer (am häufigsten), lateraler, intermediärer Bruch lisation
4 Einteilung nach Bruchwinkel: 30°, 30-70°, >70° bedeuten 4 Pseudarthrose
Grad I, II und III nach Pauwels. Die Einteilung nach Pauwels
gilt streng genommen nur für die medialen Schenkelhals- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
frakturen. Je flacher der Bruch verläuft, umso eher wird
der Bruch konservativ versorgt. Ist der Bruch eher steil, Ziel Therapie
können die Knochen rutschen und die A. profunda femo-
ris bzw. andere Gefäße und weitere Weichteile beschädigt Den Alltag bewältigen ADL, Treppensteigen üben,
werden. Ist der Ramus für die Hüftkopfversorgung beschä- Bücken üben (für das An-
digt, besteht die Gefahr der Hüftkopfnekrose. ziehen von Strümpfen,
4 Einteilung nach Hergang der Frakturierung: Schuhen), Gangschule
5 Stabile Abduktionsfraktur: Mit geringen Symptomen Schmerzlinderung Fango, Heiße Rolle, z.B. auf
verbunden, entspricht i.d.R. einer Pauwels-I-Fraktur Adduktoren oder Mm. glutei
5 Instabile Adduktionsfraktur: Meist mit erheblichen
Beweglichkeit der Narbe Narbenmobilisation
Symptomen wie Schmerzen, Bewegungseinschrän-
kung, Fehlstellungen (Beinverkürzung oder Außenro- Verbesserung der Massage, Manuelle Thera-
tation) verbunden Beweglichkeit pie, Bewegungsbad, PNF
Muskelaufbau Motomed, Ergometer,
Fragen beim Befund MTT, Bewegungsbad
Entstauung Manuelle Lymphdrainage
4 Wie lange liegt das Frakturereignis zurück? → Frühe Mo-
(KPE) mit Kompression
bilisation nach 2-3 Tagen, anfangs mit Teilbelastung. Die
Belastungszunahme ist abhängig von der Art der Osteo- Thromboseprophylaxe Bewegung, Kompression
synthese, z.B. bei
5 zementierter Hüft-TEP ist sofortige Vollbelastung er-
laubt, ! Cave
5 zementfreier Hüft-TEP nur ein allmählicher Belas- Scherkräfte und lange Hebel möglichst vermeiden!
tungsaufbau.
4 Haben Sie Schmerzen?
4 Wissen Sie, ob größere arterielle Gefäße beschädigt wur-
den?

S
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
179 S

. Abb. 1 Differenzialdiagnostisch ab- . Abb. 2 Thomas-Handgriff für mehr Ex- . Abb. 3 Dehnung des M. iliopsoas
zugrenzen sind die subtrochantären Frak- tension auf der operierten Seite
turen; hier subtrochantäre Fraktur links mit
operativer Hybrid-TEP (Brehmschaft) mit
Trochanter-Hakenplatte und Accord-Cercla-
gen-Versorgung

. Abb. 4 Gangschule . Abb. 5 Eigenübung zur Verbesserung der . Abb. 6 Wassergymnastik


Hüftflexion

. Abb. 7 PNF-Mattenprogramm . Abb. 8 Kräftigung der Abduktoren . Abb. 9 MTT


180 Schulterluxation

Schulterluxation Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Ist bei Ihnen eine einmalige oder mehrfache Auskugelung
aufgetreten?
Schulterkapselinstabilität, in deren Folge das Caput humeri 4 Beschreiben Sie bitte, wodurch und wie die Luxation auf-
aus der Cavitas glenoidalis gleitet. Da die knöcherne Siche- getreten ist!
rung der Art. glenoidalis gering und die ligamentäre Stabilität 4 Ist bei Ihnen ein Knorpeldefekt festgestellt worden?
nur schwach ausgeprägt ist (7 Übersicht 1), hängt viel von der
muskulären Sicherung des Gelenks ab (muskelgesichertes Untersuchung
Gelenk). Jede Überforderung der Muskulatur in Richtung der
Außenrotation und Abduktion birgt bei Krafteinwirkung von 4 Beweglichkeit aktiv testen
vorne das Risiko der Luxation. Typischerweise tritt die Schul- 4 Beachte: Bei passiven Tests in AR und Abduktion erneute
terluxation bei Wurfsportarten, Handball und Kampfsportar- Luxation möglich. Nach einer OP die Bewegungslimits
ten (Judo, Karate) auf. Eine einmal aufgetretene Luxation er- beachten!
höht das Risiko rezidivierender Luxationen. Ursache sind 4 Sensibilitätstests an der Hand
verbliebene Schäden am Kapsel-Band-Apparat und ein teil- 4 Nach OP: Umfangmessungen
weise auftretender Abriss des Labrum glenoidale (Bankart- 4 Resistive Tests
Läsion). Wichtig ist die schnelle Reposition unter Analgose-
dierung. Anschließend soll eine 1- bis 3-wöchige Ruhigstel- Komplikationen
lung im Gilchrist- oder Desault-Verband erfolgen (Ausnahme:
ältere Patienten wegen der Gefahr der schnellen Schulterver- 4 Erneute Luxation
steifung). Eine operative Therapie ist indiziert bei 4 Omarthrose (7 Kap. Omarthrose)
4 Bankart-Läsion, 4 Plexusläsion
4 Hill-Sachs-Delle (Impression des Caput humeri),
4 Gefäß- und Nervenverletzungen sowie Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
4 häufigen Rezidiven.
Ziel Therapie
. Übersicht 1. Schultergelenk: Den Humerus Schmerzlinderung Elektrotherapie, Eis
sichernde Bänder und mögliche Luxationslücken Kräftigung des Unterarmstütz
Den Humerus sichernde Bänder M. pectoralis
4 Lig. glenohumerale superius (rot)
Nach OP: Wieder- Manuelle Therapie nach
4 Lig. glenohumerale inferius (blau)
herstellung der Beweg- Mulligan aus einer gesicher-
4 Lig. coracohumerale superius (grün, oben)
lichkeit im erlaubten ten Position, z.B. aus dem
4 Lig. coracohumerale inferius (grün, unten)
Bewegungslimit VFST)
Mögliche Luxationslücken Koordination zur Propriozeptives Training
4 Foramen nach Weitbrecht (rechtes Dreieck) Vorbeugung einer
4 Foramen nach Rouviere (linkes Dreieck) erneuten Luxation

! Cave
Formen Kontraindikation: Bewegungserweiternde Übungen im
schmerzhaften Bereich!
4 Habituelle Schulterluxation
4 Traumatische Schulterluxation
S 4 Vordere Schulterluxation (Luxatio subcoracoidea): Häu-
figste Form, Luxationslücken sind die Foramina nach
Weitbrecht oder Rouviere
4 Hintere Schulterluxation (Luxatio infraspinata)
4 Untere Luxation (Luxatio infraglenoidalis, Luxatio axilla-
ris)
4 Luxatio erecta: Sonderform der unteren Luxation, z.B.
beim Handball, Basketball oder Volleyball (Arm senk-
recht nach oben gehalten)
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
181 S

. Abb. 1 Unterarmstütz auf dem Pezziball, . Abb. 2 Stabilisationsübungen auf dem . Abb. 3 Propriozeptives Training auf der
wobei der Patient die Ellenbogen leicht vor- SRT (Stochastisches Resonanz-Therapie-Ge- Slackline
und zurückschiebt rät) bei geringster Stufe

. Abb. 4 Unterarmstütz auf der Airex-Matte . Abb. 5 Seilzugübungen . Abb. 6 Manuelle Therapie nach Mulligan
aus dem VFST

. Abb. 7 Innenrotation mit Hantel . Abb. 8 Außenrotation mit Theraband zur . Abb. 9 Skapuladepression am Latissi-
Gelenkzentrierung (wenn die AR vom Arzt muszug
freigegeben ist)
182 Schulter-TEP

Schulter-TEP Komplikationen

Was ist das? 4 Luxation der Schulter


4 Lockerung des Implantats
Künstlicher Ersatz des Schultergelenks. Meist greift diese
Maßnahme nach schweren Frakturen oder nach Schulterge- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
lenkarthrose. Des Weiteren gibt es kongenitale Gelenkerkran-
kungen/Fehlbildungen, die eine TEP erfordern. Ziel Therapie

Formen Schmerzlinderung Kryotherapie


Entstauung des Komplexe physikalische Ent-
4 Humeruskopf wird ersetzt (häufiger als Pfannenprothe- operierten Arms stauung (KPE)
se): Hemiprothese (Hemiarthroplastik) (. Abb. 1) Tonussenkung Triggerpunkttherapie, Massage
4 Cavitas glenoidalis wird ersetzt: Hemiprothese
4 Humeruskopf und Cavitas glenoidalis werden ersetzt: Ökonomisierung PNF, E-Technik, Atemtherapie
Vollprothese (Totalarthroplastik) der Muskulatur kombiniert mit Armbewegun-
4 Cup-Prothese: Oberflächenersatz gen
4 Bipolare Schulterprothese: Duokopfprothese Mobilisation Passives/assistives Bewegen,
4 Invers-Prothese: Pfanne wird als Kopf geformt, der Kopf PIR, Schlingentisch, VFST (mit
als Pfanne dem Gesäß zurück zu den Fer-
4 Prothese mit Erhaltung (meist)/ohne Erhaltung der Rota- sen bewegen), Manuelle Thera-
torenmanschette pie (HWS, BWS, Rippenwirbel-
4 Zementierte/zementfreie Systeme gelenke, Ellenbogen, ACG,
SCG)
Fragen beim Befund Narbenmobilisation Anhakstriche, Narbe abheben,
bei nicht-entzündli- Zirkelungen
4 Wann wurde Ihre Schulter operiert? → In den ersten 6
chen Heilungsstö-
Wochen passive Übungen, keine Rotation gegen Wider-
rungen
stand und keine Außenrotation!
4 Wurde die Rotatorenmanschette erhalten? Kräftigung (der Ro- MTT, isometrische Spannungs-
4 Welchen Beruf üben Sie aus? Welchen Belastungen muss tatorenmanschette) übungen, Bewegungsbad,
Ihre Schulter standhalten? Übungen im VFST (ab der
6. Woche)
Untersuchung ADL Stützen am Treppengeländer,
aus Schrank etwas herausneh-
4 Bewegungsausmaß aktiv und passiv testen men, Unterarmstütz
4 Palpation der Muskulatur: M. deltoideus, M. trapezius,
M. supraspinatus, M. subscapularis
4 Auf Schwellungen achten, besonders im Handbereich ! Cave
4 Narbe beurteilen Manuelle Therapie an den benachbarten Gelenken
4 Schürzen-, Hinterkopf- und Überohrgriff nach 6 Wochen durchführen; ab der Schulter selbst genau auswählen,
im Seitenvergleich testen welche Technik auch mit einem künstlichen Gelenk er-
4 Hautfarbe, Temperatur erfassen, besteht evtl. eine Entzün- laubt und sinnvoll ist.
dung?
4 Schulterstand visuell beurteilen, z.B. Schulterhochstand ! Cave
S oder protrahierte Schulter Schwerpunkt der Behandlung ist u.a. die Skapuladepres-
4 Skapula bei Schulterbewegungen tasten: Ab wann bewegt sion. Bel allen Übungen auf die Position des Schulter-
sie bei Abduktion mit? blatts achten!
4 HWS-, BWS- und Ellenbogenbeweglichkeit testen
4 1. Rippe palpieren
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
183 S

. Abb. 1 Zustand nach Implantation einer . Abb. 2 Schulterabduktionskissen . Abb. 3 Assistives Bewegen mit dem Pez-
zementierten Oberarmkopfprothese links ziball auf der Behandlungsbank
bei einer 83-jährigen Patientin mit schwerer
Omarthrose. Ab dem 1. postop. Tag kran-
kengymnastische Mobilisation mit Pendel-
übungen und Abd. bis maximal 60°, ab dem
5. postop. Tag Anlage eines Schulterabduk-
tionskissens für Tag und Nacht

. Abb. 4 Passives Bewegen in Eigenarbeit . Abb. 5 Bewegungs- und Koordinations- . Abb. 6 PNF-Schulterpattern
für zu Hause im erlaubten Bewegungsaus- übung ohne großen Kraftaufwand
maß

. Abb. 7 Bewegungsbad . Abb. 8 Stabilisierungsübungen mit dem . Abb. 9 MTT (Variation: z.B. den Griff nur
Pezziball auf der Behandlungsbank mit den Fingerspitzen festhalten oder die
Hände von außen geöffnet gegen den Griff
pressen)
184 Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis, Peritendinitis)

Sehnenscheidenentzündung Formen
(Tendovaginitis, Peritendinitis)
4 Serös
Was ist das? 4 Fibrinös
4 Eitrig/Phlegmonös (mit Erregern)
Entzündung der Sehnenscheide (Vagina synovialis, Vagina 4 Nekrotisierend
tendinis), der Struktur, die die jeweilige Sehne schützend (vor 4 Sonderform:
umgebendem Gewebe, z.B. Sehnen, Knochen) umgibt. Eine 5 Morbus de Quervain: Betroffen ist das 1. Sehnenfach
Sehnenscheide besteht aus der Tunica synovialis und der Tu- (Sehnenscheiden für Sehnen der Mm. abductor polli-
nica fibrosa und ist ähnlich aufgebaut wie die Gelenkkapsel. cis longus und extensor pollicis brevis)
Die Tunica synovialis bildet auch Synovialflüssigkeit, die zum
besseren Gleiten der Sehne beiträgt. Sehnenscheiden sind be- Fragen beim Befund
sonders dort ausgeprägt, wo viele Muskeln nebeneinander
verlaufen, und wo sich eine Bewegungsumkehr der Sehne 4 Helfen Ihnen entzündungshemmende Medikamente?
vollzieht (z.B. an der Flexionsseite des Handgelenks). 4 Was machen Sie beruflich?
Die Entzündung kann durch Überlastung von Muskel
und Sehne hervorgerufen werden. Sehnenscheidenentzün- Untersuchung
dungen treten am häufigsten an Sprung- und Handgelenken
auf (. Abb. 1). Besonders häufig davon betroffen sind Men- 4 Passive Tests
schen, die viel am Computer arbeiten, Verkäufer, Lagerarbei- 4 Resistive Tests
ter und Sportler (Ruderer, Tennisspieler). Symptomatisch 4 Druckschmerz an der Sehne?
gibt es Ähnlichkeiten zu anderen entzündlichen Erkrankun- 4 Triggerpunkte im Verlauf des Muskels?
gen, z.B. zu Engesyndromen (7 Kap. Karpaltunnelsyndrom). 4 Finkelstein-Test
Wichtige Sehnenscheiden an der Hand sind in 7 Übersicht 1
zusammengefasst. Komplikationen
4 Chronifizierung durch irreversible Sehnenverdickungen
. Übersicht 1. Wichtige Sehnenscheiden an der Hand 4 Entwicklung eines Impingements
Dorsale Sehnenscheiden (Vaginae tendinum carpales
dorsales) Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
4 Vagina tendinis musculi extensoris carpi ulnaris
4 Vagina tendinis musculi extensoris digiti minimi Ziel Therapie
4 Vaginae tendinum musculorum extensoris digitorum
et extensoris indicis Schmerzlinderung Eis, Elektrotherapie, sanfte
4 Vaginae tendinum musculorum abducis longi et ex- Dehnungen
tensoris pollicis brevis Abschwellung Schonung, Hochlagerung, KPE
4 Vagina tendinis musculi extensoris pollicis longi
Ruhigstellung Tape, Bandage
4 Vagina tendinum musculorum extensorum carpi ra-
dialium Lösen von V Ultraschall (segmental und im
erklebungen Wasserbad), Dehnungen, Trig-
Palmare karpale Sehnenscheiden (Vaginae tendinum gerpunkte
carpales palmares) Entzündungs- Iontophorese mit Anti-
4 Vagina tendinis communis musculorum flexorum hemmung phlogistikum
4 Vagina tendinis musculi flexoris
Verbesserung der Theraband, PNF, Spaceball
4 Vagina tendinis musculi flexoris pollicis longi
S Belastbarkeit der
Sehne
Digitale Sehnenscheiden (Vaginae synoviales digito-
rum manus)
4 Pars anularis vaginae fibrosae ! Cave
4 Pars cruciformis vaginae fibrosae In der akuten Phase ist eine Überlastung kontraindiziert!
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
185 S

. Abb. 2 Triggerpunkttherapie

. Abb. 1. M. abductor pollicis longus (orange), M. extensor pollicis brevis (hellblau),


Mm. extensor carpi radialis longus (türkis) und brevis (hellbraun), M. extensor pollicis longus
(blau), M. extensor indicis (dunkelorange), M. extensor digitorum (rot), M. flexor digitorum
superficialis (grün), M. flexor digitorum profundus (gelb), M. palmaris longus (dunkelblau),
M. flexor carpi radialis (lila), M. flexor pollicis longus (braun), M. flexor carpi ulnaris (rosa),
M. extensor carpi ulnaris, M. extensor digiti minimi (dunkelbraun)

. Abb. 3 Tape (Kombination aus Lymph-


tape und Muskelanlage)

. Abb. 4 Elektrotherapie (Beachte: Vaku- . Abb. 5 Exzentrisches Training nach Aus- . Abb. 6 Stab kreisen
umpumpe auf geringste Stufe stellen) heilung zur erhöhten Widerstandsfähigkeit
der zuvor gereizten Sehne

. Abb. 7 PNF am Seilzug . Abb. 8 PNF mit einem Sandsack für zu . Abb. 9 Nach kompletter Ausheilung:
Hause Kletterwand zur Verbesserung der Belast-
barkeit
186 Skoliose

Skoliose Untersuchung

Was ist das? 4 Wirbelfehlstellungen?


4 Rippenfehlstellungen (»Berg und Tal« beim Vorneigen)?
Dreidimensionale Fehlstellung der Wirbelsäule. Die Ursa- 4 Palpation des Bauchraums
chen können vielfältig sein, z.B. 4 Inspektion: Beckenschiefstand, Schulterhochstand, Tail-
4 ständige Fehlbelastung der WS, lendreieck?
4 Beckenschiefstand, 4 Hautverschieblichkeit testen, paravertebraler Strich
4 Atlasfehlstellung,
4 schwere Lungenerkrankung oder Komplikationen
4 Unfall.
4 Wiederkehrende Skoliose
In der Behandlung hat sich ein frühzeitiger Beginn bewährt, 4 Lungenfunktionsstörungen (Distributionsstörungen)
da im Kindes- und Jugendalter das Wachstum und die Ent-
wicklung der Wirbelsäule günstig beeinflusst werden können. Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
Die nicht-invasive Therapie ist über einen langen Zeitraum
durchzuführen, da die Wirbelsäule in ihre ursprüngliche Fehl- Ziel Therapie
haltung zurückfällt. Bei besonders ausgeprägter Skoliose wird
eine operative Aufrichtung mittels Fixateur interne (Stäbe Erhaltung Theraband, Schwimmen, Pilates,
unterschiedlichen Materials) durchgeführt. Wenn sich eine Rückenschule, Rudern (Skullen
schwere Skoliose herausgebildet hat oder längere Zeit besteht, oder Ruderergometer)
kann diese Fehlhaltung starke Auswirkungen auf die intra- Aufrichtung Verkürzte Seite dehnen, andere
thorakalen Organe haben, z.B.auf Lunge und Herz (. Abb. 1). Seite kräftigen; PNF, Rotations-
Bei starker Skoliose (Cobb-Winkel über 90°) besteht eine übungen, SRT, Interkostalräume
hohe Letalität an Rechtsherzinsuffizienz (Cor pulmonale). ausstreichen und Rippen mobili-
sieren, Manuelle Therapie,
Formen Schlingentisch, Atemtherapie
Kräftigung der MTT, Schroth-Therapie, FBL,
4 Neuropathische Skoliose Rumpfmuskulatur Kletterwand
4 Kongenitale Skoliose, z.B. bei Marfan-Syndrom
4 Myopathische Skoliose Nach Operation Prophylaxen, stabilisierende
4 Skoliose bei neurologischen/internistischen Erkrankun- Übungen, isometrische Span-
gen, z.B. Neurofibromatose nungsübungen
4 Skoliose nach Unfall
4 Skoliose durch schwere Kontrakturen
4 Metabolische skeletale Erkrankungen wie Rachitis
4 Idiopathische Skoliose:
5 Säuglingsskoliose
5 Infantile Skoliose
5 Juvenile Skoliose
5 Adoleszentenskoliose

Fragen beim Befund


4 Was machen Sie beruflich, arbeiten Sie in einer ungüns-
S tigen Haltung?
4 Haben Sie Atembeschwerden?
4 Treiben Sie Sport? → Regelmäßiger Sport ist wichtig. Bei
der Sportwahl sollte die Position der Wirbelsäule berück-
sichtigt werden, z.B. kann man einem Patienten mit einer
rechtskonvexen Skoliose das Riemenrudern (in diesem
Fall »backbord«) empfehlen.
4 Haben Sie ausstrahlende Schmerzen? → Bei starker Sko-
liose kann es zu einer Reizung der Spinalnerven mit dazu-
gehörigen Beschwerden kommen.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
187 S

. Abb. 1 Skoliose bei drei Frauen im Alter . Abb. 2 FBL . Abb. 3 Rotationsmobilisation
von 25-45 Jahren. Bei starker Skoliose gibt
es evtl. Raumminderungen der Lungen, Ge-
fahr der Rechtsherzinsuffizienz

. Abb. 4 Rückenstabilisierende Übungen . Abb. 5 Spannungsübungen an der . Abb. 6 MTT: Kräftigung der Rotatoren
Sprossenwand. Je nach Fehlstellung eine
Hand höher greifen lassen als die andere

. Abb. 7 SRT: Halteübungen . Abb. 8 Klettern mit Betonung der Lateral- . Abb. 9 Kletterwand mit Betonung der
flexion Rotation
188 SLAP-Läsion

SLAP-Läsion Fragen beim Befund

Was ist das? 4 Wie ist der Unfallmechanismus abgelaufen?

Verletzung des Labrum glenoidale am oberen Rand der Untersuchung


Schultergelenkpfanne (Ein-/Abriss des Labrum-Bizepsseh-
nen-Komplexes, SLAP: Superior Labrum Anterior to Poste- 4 Biceps load-Test I nach Kim
rior, . Abb. 1). Der Verletzungsmechanismus passiert meist 4 Biceps load-Test II nach Kim (Sensitivität 89,7%, Spezifi-
durch plötzlichen, unerwarteten Zug oder Druck der vorge- tät 96,6%; Kim et al. 2001)
spannten Bizepssehne, z.B. bei(m) Anheben schwerer Gegen- 4 Yergason-Test: In Supination und Flexion drücken gegen
stände, bestimmten Sportarten wie Windsurfen, Speerwurf Widerstand
und Sturz auf den Arm bei gestrecktem Ellenbogen. Feinme- 4 Relokationstest nach Jobe
chanische Ursachen einer SLAP-Läsion sind: 4 Anterior slide-Test nach Kibler
4 Sturz auf den ausgestreckten, leicht flektierten und abdu- 4 SLAP-Prehension-Test nach Berg und Cuillo
zierten Arm, der durch Kompression und Subluxation des 4 Crank-Test
Caput humeri zur Abscherung des superioren Labrum 4 Speed-Test nach Bennett
nach kranial führt, 4 O’Brien-Test
4 Begleitverletzung bei einem Außenrotations-Abduktions- 4 Sulkusschmerz nach Morgan
Trauma, mit dem Ergebnis einer vorderen Instabilität,
4 Mikrotraumata bei sich wiederholenden Bewegungsab- Bei der Diagnostik steht die arthroskopische Untersuchung im
läufen. Vordergrund. Die Therapie erfolgt konservativ (Typ I) oder
operativ (Typ II-X; meist arthroskopisches Débridement).
Formen
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
jEinteilung nach Snyder
Phase Therapie
Typ Klinisches Bild
Phase 1: Beweglich- Passives Bewegen, Schlingen-
I Beginnende Läsion des oberen Labrums und keit freigegeben bis tisch, Eisbehandlung, Lymph-
des Bizepsankers ohne Ablösung 60° Flexion drainage, PNF Skapulapattern
II Abriss des Labrum-Bizepssehnen-Komplexes Phase 2: Beweglich- Siehe Phase 1; zur Trophikver-
vom superioren Glenoid nach kranial keit freigegeben bis besserung ist eine Walkung aus
III Korbhenkelläsion des superioren Labrums bei 90° Flexion und 90° 90° Abduktion möglich
intakter Bizepssehneninsertion Abduktion
IV Längsspaltung der langen Bizepssehne mit Dis- Phase 3: Bewegungs- PIR für Abduktion und Flexi-
lokation eines Labrum-Bizeps-Anteils nach limits aufgehoben on, leichte Traktion, Humerus
kaudal in den Gelenkspalt nach dorsal, Mulligan (aus
dem VFST schiebt der Patient
das Gesäß zurück auf die Fer-
jEinteilung von Kombinationsverletzungen sen, während der Therapeut
Typ V-VII (nach Maffet) und Typ VIII-X (nach Nord) einen Humerusschub in die
schmerzfreie Richtung gibt),
Typ Klinisches Bild Erarbeiten des Unterarm- und
V Kombination von SLAP-Läsion und Bankart- Handstützes, z.B. Liegestützen
Läsion auf einem Pezziball
S
VI Ablösung der Bizepssehneninsertion plus ante- Phase 4: Kräftigung, Gerätetraining
rior bzw. posterior gestielter instabiler superi- vorerst ohne Bizeps-
orer Labrum-Flap (abgelöster Teil des Labrums) training, nach frühe-
stens 6 Wochen auch
VII SLAP-Läsion bis in das mittlere glenohumerale
(leichtes) Bizepstrai-
Band
ning
VIII, Fortsetzung der Labrumläsion am gesamten
Phase 5: Vorberei- Seilzugübungen an Sportart
IX Glenoid
tung für Wett- anpassen, z.B. übt ein Tennis-
X SLAP-Läsion plus posteroinferiore Labrum- kampfsport spieler am Seilzug den Ten-
läsion nisaufschlag
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
189 S

. Abb. 1 Abriss des Labrum glenoidale im . Abb. 2 Eisbehandlung, dabei das Eis im- . Abb. 3 Elektrotherapie
Bereich des Tuberculum supraglenoidale mer bewegen
mit Sehne des Caput longum des M. biceps
brachii; darüber AC-Gelenk mit Akromion
und Klavikula; medioventral der Bizepsseh-
ne befindet sich der Proc. coracoideus

. Abb. 4 Kräftigung der Außenrotatoren . Abb. 5 Manuelle Therapie, z.B. Kaudal- . Abb. 6 Trizepstraining
mit Seilzug zur Schulterstabilisation (wenn oder Dorsalgleiten
Freigabe vom Arzt)

. Abb. 7 Manuelle Therapie nach Mulligan, . Abb. 8 Kräftigung der Außenrotatoren . Abb. 9 MTT
nach Freigabe der jeweiligen Bewegung

! Cave
Übungen, bei denen der M. biceps brachii stark ange-
spannt ist, sollten in den ersten 6-8 Wochen vermieden
werden!
190 Spondylolisthesis

Spondylolisthesis jErworbene Formen


4 Traumatische Form
Was ist das? 4 Degenerative Form (verschleißbedingt)
4 Postoperaitve Form (nach Wirbelsäulenoperationen)
Instabilität der Wirbelsäule (Wirbelgleiten), wobei das obere 4 Pathologische Form (durch Knochenerkrankungen)
Teilstück mit dem sog. Gleitwirbel in Relation zum darunter-
liegenden Wirbel abgleitet (Ventrolisthesis). Bei der Spondy- jEinteilung nach Meyerding (MD)
lolisthesis liegt eine fehlende Verbindung der Pedikuli zum
Wirbelkörper vor. Ist nur ein Pedikulus in seiner Kontinuität Schweregrad Röntgenologisches Bild
unterbrochen, spricht man von einer Pseudospondylolisthe- MD I Verschiebung eines Wirbelkörpers in
sis. Beim selten vorkommenden Abgleiten des Wirbelkörpers der Sagittalebene um weniger als 25%
nach hinten greift der Begriff Retrolisthesis. Die Spondylolis- (100% bedeutet die komplette sagittale
thesis führt i.d.R. zur Verengung des Spinalkanalinnenraums Breite des Wirbelkörpers)
und zur Überdehnung, evtl.auch zur Einklemmung von Spi-
nalkanalnerven. Folgen sind: MD II Verschiebung von 25-50%
4 Lähmungen der Beine, MD III Verschiebung von 50-75%
4 evtl. Lähmungen von Blase und Mastdarm, MD IV Verschiebung von mehr als 75%
4 Bandscheibenvorfälle und
4 häufig starke Schmerzen.
Fragen beim Befund
Radiologische Zeichen sind:
4 Abrundung der Vorderkante der Deckplatte des unten lie- 4 Wann haben Sie Schmerzen?
genden Wirbels, 4 Hatten Sie einen Unfall, wodurch es zu Ihren Beschwer-
4 Osteochondrose (Verringerung des Abstands zwischen den kam?
zwei Wirbeln mit Läsion der dort liegenden Bandschei- 4 Haben Sie einen Hohlkreuz-betonten Sport betrieben, z.B.
be), Turnen, Delphinschwimmen o.Ä.?
4 Verschiebung in der Sagittalebene (gemessen nach der
Meyerding-Skala, . Abb. 1). Untersuchung
In der Therapie spielt die Haltungsschulung eine entschei- 4 Testen, ob Traktion Linderung verschafft
dende Rolle, des Weiteren schmerzlindernde Maßnahmen. 4 Klassische Funktionsuntersuchung
Die operative Therapie besteht in einer Spondylodese (Ver- 4 Palpation des M. iliopsoas
blockung mehrerer Wirbel, . Abb. 2), für die entweder ein
ventraler (HWS) oder ein dorsaler Zugang (LWS) gewählt Komplikationen
wird.
4 Querschnittslähmung durch Abrutschen (Defekt höher
Formen als L1)

jAngeborene Formen Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 3–Abb. 9)


4 Dysplastische Form (mit Gefügestörung des lumbosakra-
len Übergangs): Ziel Therapie
5 Erster Subtyp: Die dysplastisch axial ausgerichteten
Gelenkfortsätze können das Abgleiten nicht verhin- Schmerzlinderung Elektrotherapie, Fango
dern. Entlastung durch Traktion Schlingentisch
5 Zweiter Subtyp: Die sagittal ausgerichteten Facettenge-
S lenke ermöglichen ein ventrales Gleiten.
Sanfte Übungen mit
wenig Last
PNF aus SL oder RL,
Bewegungsbad
4 Isthmische Form (mit fehlender Verknöcherung der In-
terartikularportion des Wirbelbogens, selbige ist nur ver- Detonisierung des Triggertherapie, PIR
knorpelt): M. iliopsoas
5 Erster Subtyp: Häufig wiederholte Flexions-/Exten-
sionsbewegungen verursachen den Lysespalt und das ! Cave
Abgleiten. Zum Schutz der Wirbelsäule vermeiden:
5 Zweiter Subtyp: Durch rezidivierende, mehrmals ver- 4 ruckartige Bewegungen,
heilte Fraktur des Arcus vertebralis, bedingt durch äu- 4 Heben von schweren Gegenständen sowie
ßere Belastung. 4 lange Hebel und hohe Gewichte!
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
191 S

. Abb. 1 Dorsale Spondylodese bei Spon- . Abb. 2 Spondylolisthesis auf Höhe L5-S1 . Abb. 3 Schlingentischbehandlung
dylolisthesis (Meyerding I mit Osteochondrose) und L4- mit Traktion durch Spanngurte, wenn nicht
L5 (Meyerding II). Bei der Patientin liegt eine operiert würde
deutliche Verengung des Spinalkanals mit
Spinalnervenreizung vor

. Abb. 4 Triggern des M. iliopsoas . Abb. 5 Dehnung des M. iliopsoas . Abb. 6 Patient liegt mit dem weichen
Bauchraum auf einer Handtuchrolle und
atmet tief ein, solange der Therapeut das
Kreuzbein fixiert

. Abb. 7 Patient liegt mit dem Kreuzbein . Abb. 8 Elektrotherapie . Abb. 9 Rückenstabilisierende Übungen
auf einem Ball
192 Supinationstrauma

Supinationstrauma Untersuchung

Was ist das? 4 Beweglichkeit testen: OSG und beide USG


4 Palpation des fibulotalaren Bandapparats
Sprunggelenkverletzung, bei der Talus und Fibula in einer 4 »Schublade« des Sprunggelenks: → Bei Ruptur des Lig. fi-
ungünstigen Position fixiert sind. Beim Umknicken des Fußes bulotalare anterius entsteht eine sog. positive vordere
in Supination kommt es zu einer gewaltsamen Überdehnung Schublade im Sprunggelenk, d.h., ein deutlicher Vor-
des lateralen Halteapparats (Anteile des fibulotalaren Band- schub des Fußes bei fixiertem Krus ist möglich.
apparats, Gelenkkapsel sowie knöchern die Fibula [an sich 4 Palpation des Lig. collaterale laterale genus
und als Bestandteil der Malleolengabel]). Das Supinations- 4 Palpation der Muskelspannung im M. biceps femoris →
trauma ist seit Jahrzehnten die häufigste Sportverletzung; Evtl. Triggerpunkte als mögliche Folgeerscheinung einer
betroffen sind Fußballer, Handballer, Volleyballer, Basketbal- Fibulaverschiebung
ler, Tennis- und Badmintonspieler, Läufer, Springer, Bergstei-
ger u.a. Aber auch als Alltagsverletzung kommt ein Supinati- Komplikationen
onstrauma sehr häufig vor.
Infolge des Supinationstraumas kommt es zu Überdeh- 4 Sprunggelenkarthrose
nungen bzw. Rupturen von Ligamenten des fibulotalaren Ap- 4 Chronische Instabilität
parats und der Kapsel mit nachfolgender Instabilität des obe- 4 Fehlstellungen des Fußgewölbes (7 Kap. Fußdeformi-
ren Sprunggelenks (Art. talocruralis), was auch als Distorsion täten)
bezeichnet wird. Wichtige Symptome sind:
4 Stabilitätsverlust, Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
4 Schmerzen,
4 Schwellung und Ziel Therapie
4 Hämatom.
Wiederherstellung Pinguin und Tripptrapp,
Über die Verletzungen der Weichteile hinaus kann es zur knö- einer symmetrischen PNF-Standbeinaufbau,
chernen Verletzung, einer Abrissfraktur des distalen Fibula- Beinachse E-Technik, Training mit
endes (Weber-A-Fraktur) kommen. Bei einer Bandruptur ist Selbstkontrolle vor dem
zunächst das Lig. talofibulare anterius betroffen. Die Ruptur Spiegel
dieses Bandes ist die häufigste Bandruptur überhaupt. Mobilisation von Fibula Manuelle Therapie
und Talus
Formen Verbesserung der Sensomotorisches Trai-
Gelenkstabilität ning, Airex-Matte, Tram-
4 Distorsion der Art. talocruralis ohne Bandruptur polin, Seilspringen auf
4 Fibulotalare Bandruptur (ein oder mehrere Ligamente weichem Untergrund
gerissen, v.a. das Lig. talofibulare anterius)
4 Sprunggelenkfraktur (einfachste Form: Weber-A-Fraktur, Entstauung des Knö- Hochlagern, Lymph-
Außenknöchelfraktur) chels drainage
Durchblutung fördern Knieguss, Eis, Wärme,
Fragen beim Befund Weichteiltechniken,
Bewegungsbad
4 Sind Sie nach außen umgeknickt (Supinationstrauma)? →
Wiederherstellung eines PNF, Laufbandtraining mit
Umknicken nach innen (Pronationstrauma) ist selten.
physiologischen Ganganalyse
4 Haben Sie Schmerzen im Knie? → Das Lig. collaterale la-
Bewegungsmusters
terale genus kann betroffen sein. Es wird auf Dehnung
S gebracht, wenn die Fibula sich ruckartig nach distal be-
wegt. ! Cave
4 Haben Sie Schmerzen beim Gehen? → Der Talus kann in Die Belastung muss der Heilungsphase angepasst wer-
der Malleolengabel blockiert sein. den, um Überlastungen zu vermeiden.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
193 S

. Abb. 1 Klassische Versorgung mit stabili- . Abb. 2 Talusmobilisation nach Mulligan . Abb. 3 Talusmobilisation
sierender Schienung. Nachteil: Rezeptoren bei eingeschränkter Dorsalextension
werden wenig beansprucht. Empfehlung:
Tapen statt schienen

. Abb. 4 Kalkaneus rollen. Tipp: Knie des . Abb. 5 Fibulamobilisation . Abb. 6 Fibulamobilisation
Therapeuten liegt angewinkelt unter dem
Knie des Patienten; so braucht man keine
Knierolle

. Abb. 7 Fibulamobilisation . Abb. 8 Stabilisationsübungen auf dem . Abb. 9 Stabilisationsübungen auf der
Posturomed Slackline
194 Supraspinatussyndrom

Supraspinatussyndrom Komplikationen

Was ist das? 4 Komplettabriss der Sehne

Reizung der Ansatzsehne des M. supraspinatus (. Abb. 1), Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
bedingt durch Osteophyten, anlagebedingte anatomische
Enge, Myositis mit Schwellung des Muskels, Bursitis oder Ziel Therapie
muskuläre Überlastung. Die Hauptsymptome sind:
4 Schmerzen bei Abduktion und Außenrotation, Mobilität der Schulter Skapulamobilisation im
4 Kraftverminderung und verbessern Schlingentisch, PNF-
4 Schmerzen bei starrer Haltung in ungünstigen Schulter- Skapulapattern
blattstellungen (z.B. längeres Schreiben auf der Tastatur). Zentrierung des Hume- E-Technik (Kriechmuster),
ruskopfs im Gleno- Stabilisationsübungen auf
Es bestehen große Analogien zum Impingementsyndrom humeralgelenk verschiedenen Unterlagen,
(7 Kap. Impingementsyndrom), wobei hier nur der M. supra- PNF, Haltungsschulung,
spinatus eine Läsion aufweist. Rippen- und BWS-Mobili-
sation, Tape
Formen Tonusregulation Heiße Rolle, Massage,
Triggerpunkttherapie,
4 Mit/ohne Kalkablagerungen der Ansatzsehne → Häufig Tape
Tendinosis calcarea
4 Multiple Partialrupturen der Ansatzsehne Schmerzlinderung Elektrotherapie (Inter-
4 Akutes/chronisches Supraspinatussyndrom (ab 6 Wo- ferenz, Ultraschall),
chen) Wärme, Massage, Trigger-
punkttherapie
Fragen beim Befund Bei akutem Supraspina- Berufliche Auszeit, Trai-
tussyndrom: Schonung ningskarenz (kein/e Ten-
4 Haben Sie Schmerzen am Ellenbogen? → M. supraspinatus des M. supraspinatus nis, Golf, Turnen, Wurf-
kann auch Schmerzen am Ellenbogen verursachen. disziplinen, Fahrradfah-
4 Was machen Sie beruflich? ren), Heilungsoptimie-
4 Seit wann haben Sie Beschwerden in der Schulter, sind sie rung: Massage, Ultraschall,
akut oder chronisch? Lymphdrainage, Fango an
der Wirbelsäule
Untersuchung Bei chronischem Supra- Querfriktionen auf der
jVom Arzt abzuklären spinatussyndrom: Reak- Ansatzsehne des
tivieren der Entzündung M. supraspinatus
4 Ausschluss von Rupturen der Rotatorenmanschette
mit anschließender kör-
4 Ausschluss einer Bursitis → Typisches Zeichen ist ein
pereigener Regenera-
starker Ruheschmerz.
tionsphase (s. akutes
4 Ausschluss einer Radikulopathie C5-C6
Supraspinatussyndrom)
jPT-Untersuchung
4 Beurteilung von Gesamthaltung, BWS-Kyphose und Stel- ! Cave
lung der Skapulae Kontraindikation: Überlastung in der Akutphase!
4 Klassische Funktionsuntersuchung von Schulter, HWS/
S BWS und Ellenbogen
4 1. Rippe überprüfen
4 Palpation des M. supraspinatus auf Druckschmerz → Der
Ansatz kann unterhalb des Akromions palpiert werden,
wenn der Patient die Hand in Nierenhöhe auf dem Rücken
ablegt.
4 Palpation von M. infraspinatus und Pars descendens des
M. trapezius → Muskeln enthalten meist auch aktive Trig-
gerpunkte.
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
195 S

. Abb. 1 M. supraspinatus. Ursprung: Fossa . Abb. 2 Massage des M. supraspinatus . Abb. 3 Humeruskopfkorrekturtape
supraspinata, Ansatz: Tuberculum majus,
Innervation: N. suprascapularis (C4-C6),
Funktion: zentriert den Humerus im Gleno-
humeralgelenk

. Abb. 4 Manuelle Therapie: Traktion mit . Abb. 5 Humerus nach dorsal . Abb. 6 PNF-Schulterpattern für eine bes-
Hebeltechnik über das Ellenbogengelenk sere Ausrichtung der Cavitas glenoidalis

. Abb. 7 Kaudalgleiten im Schlingentisch . Abb. 8 Kräftigung der Außenrotatoren . Abb. 9 Haltungsschulung, z.B. am Ruder-
zug. Auf Skapuladepression achten
196 Thoracic Outlet-Syndrom

Thoracic Outlet-Syndrom Untersuchung

Was ist das? 4 Beweglichkeitstests der Schultern, HWS und BWS


4 Roos-Test
Kompression von A. subclavia und Plexus brachialis, entwe- 4 Palpation von 1. Rippe, Mm. scaleni und M. pectoralis
der in der hinteren Skalenuslücke (zwischen M. scalenus an- minor
terius, M. scalenus medius und 1. Rippe) oder im Korakopek- 4 Soto-Hall-Test
toralraum durch den M. pectoralis minor. Für die A. subclavia 4 Gesamtstatik: BWS, Beckenschiefstand
und den Plexus brachialis gibt es drei Engstellen: 4 Sensorik und Temperatur der oberen Extremitäten
4 die hintere Skalenuslücke,
4 den Kostoklavikularraum (zwischen 1. Rippe und Klavi- Komplikationen
kula) und
4 den Korakopektoralraum (zwischen Proc. coracoideus 4 Keine
und M. pectoralis minor).
Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
Dieses Engesyndrom verursacht Kribbeln in den Händen und
kalte Hände. Es kommt häufig vor nach Klavikulafrakturen, Ziel Therapie
oder wenn der Patient häufig mit protrahierter Schulter arbei-
tet (Friseur, Kanuten, Kletterer), und tritt ein- oder beidseitig Gute Durchblutung Optimierung der Schlafpo-
auf. Häufig werden die Symptome eines vermeintlich beidsei- während des Schlafens sition und des Kopfkissens
tigen Thoracic Outlet-Syndroms durch Veränderungen der Bewegung unter Abnah- Schlingentisch für HWS
HWS und/oder der BWS ausgelöst. me der Schwerkraft, bei und Arm
entspannten Muskeln
Formen Beseitigung der Enge Triggern der Mm. scaleni,
Mobilisation der 1. Rippe,
4 Neurologisch: Der Plexus brachialis wird komprimiert. Triggern oder PIR für
4 Lymphatisch: Der Lymphabstrom aus dem Arm wird M. pectoralis minor, Mobi-
komprimiert. lisierung der 1. Rippe nach
4 Vaskulär: Die A. subclavia wird komprimiert. Mulligan als Übung für zu
Hause
Fragen beim Befund
Ökonomisieren der Schulterpattern aus SL
4 Was genau kribbelt bei Ihnen? → Typischerweise kribbelt Muskulatur (auch im Schlingentisch
beim Thoracic Outlet-Syndrom die ganze Hand. Falls der möglich)
Patient ein dermatombezogenes Kribbeln angibt, muss Haltungsverbesserung Seilzugübungen, Thera-
weiter nach der Ursache geforscht werden. band, Dehnungen, FBL
4 Haben Sie in letzter Zeit eine ungewohnte Bewegung häu-
fig ausgeführt?
4 Hatten Sie einen Autounfall? → Der Gurt oder die Kräfte ! Cave
des Aufpralls können Triggerpunkte aktiviert haben. Übungen zur Pectoraliskräftigung sollten vermieden
4 Was machen Sie beruflich? Wäre es möglich, zwischen- werden!
durch Übungen durchzuführen?
4 Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Arm abends dicker ist als
morgens? Um dies festzustellen, soll der Patient zu Hause
selbst Messungen vornehmen.

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_19,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
197 T

. Abb. 1 Behandlung der 1. Rippe . Abb. 2 Triggern der Mm. scaleni . Abb. 3 Heiße Rolle auf M. pectoralis minor

. Abb. 4 Triggern des M. pectoralis minor . Abb. 5 Mobilisation der 1. Rippe nach . Abb. 6 Nervenmobilisation für zu Hause
Mulligan als Übung für zu Hause

. Abb. 7 Dehnung des M. pectoralis . Abb. 8 Dehnung des M. pectoralis bei . Abb. 9 Übung an der Wand zur Aufrich-
gleichzeitiger BWS-Mobilisation tung und Haltungsschulung. Der Patient
versucht, LWS und Hinterkopf gleichzeitig
an die Wand zu drücken
198 Tinnitus

Tinnitus 4 Treten die Geräusche zeitweilig oder immer auf?


4 Haben Sie solche Geräusche schon früher wahrgenom-
Was ist das? men?

Störung der Hörfunktion, bei der neben dem normalen Schall Untersuchung
zusätzliche Geräusche wie Zischen, Rauschen, Klopfen,
Brummen, Knacken oder Pfeifen gleicher oder variabler In- Seitens der PT neben der Anamnese keine besonderen Unter-
tensität wahrgenommen werden. Die Störung ist als Tinnitus suchungstechniken, außer bei Tinnitus in Kombination mit
aurium in der ICD als eigene Krankheit klassifiziert, tritt aber 4 CMD: Mobilisation des Kiefergelenks, vorher Prüfung der
häufig auch als Symptom bei verschiedenen anderen Erkran- Gelenkmechanik, Tonus des M. masseter
kungen auf. 10-20% der Bevölkerung sind dauerhaft betrof- 4 Schmerzen (Kopf, HWS): Triggerpunkttestung (auch
fen, bei über einem Drittel aller Menschen tritt Tinnitus min- M. sternocleidomastoideus, Mm. scaleni)
destens einmal im Leben auf. Als kausal werden angesehen: 4 Wirbelfehlstellungen in der HWS
4 Otitis media (Mittelohrentzündung),
4 Otitis externa (Entzündung des äußeren Ohrs), Komplikationen
4 Otosklerose (Sklerosierung),
4 Hörsturz, 4 Organische Ursachen wie z.B. Akustikusneurinom oder
4 Lärm- und Knalltraumata, Gefäßmissbildungen
4 Morbus Menière (plötzliche Drehschwindelattacke mit 4 Unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen mit Verstär-
Ohrensausen und Übelkeit), kung des Tinnitus
4 Schwerhörigkeit, 4 Depressionen
4 Tauchunfälle, 4 Oft diskutiert: Suizid → Eine retrospektive Studie zeigte
4 Akustikusneurinom (benigner Tumor, der von den keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Tinnitus
Schwann-Zellen des vestibulären Anteils des N. vestibulo- und Suizid (Lewis et al. 1994)
cochlearis ausgeht),
4 Gefäßmissbildungen u.a., Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
doch oft ist die Ursache unbekannt. Häufig gibt es eine psy- Ziel Therapie
chosomatische und stressinduzierte Verstärkung. Mögliche
Folgen sind Angstzustände, Depressionen, oft auch Schlafstö- Abbau von negativen PT-Begleitung der Tinnitus-
rungen. Die subjektive Kompensation der Geräusche bezeich- Stimmungslagen und Retraining-Therapie durch
net man als Habituation. Die Therapie sollte möglichst als von Ängsten Entspannungsmaßnahmen,
kausale Therapie erfolgen. Symptomatisch gibt es verschie- Massage oder Wellness
dene medikamentöse Ansätze: Vitamin E, Magnesium, Korti- Linderung von Phobien Kognitive Verhaltensthera-
son oder auch Lokalanästhetika. Das Präparat Neramexane und Linderung bzw. pie, begleitet von Entspan-
befindet sich in Erprobung. Des Weiteren können durchblu- Vermeidung von nungstechniken, z.B. Prog-
tungsfördernde Maßnahmen, Magnetstimulation oder die Depressionen ressive Muskelentspannung
Implantation eines Hirnschrittmachers hilfreich sein. Emp- nach Jacobson; Vorschlag:
fehlenswert ist auch die sog. Tinnitus-Retraining-Therapie. gemischtes Team von Psy-
Alternativ werden hyperbarer Sauerstoff, Hypnotherapie, chotherapeuten und Physio-
Neuraltherapie, Gabe von Nootropika (z.B. Ginkgo-Präpa- therapeuten für Gruppen-
rate), Softlasertherapie, Tomatis-Therapie (Form der Musik- therapien
therapie), evtl. Kieferkorrektionstherapie bei kraniomandibu- Korrektur einer CMD KG, CMD-Therapie,
lärer Dysfunktion (CMD) angewendet. oder anderer skeletaler Manuelle Therapie
Fehlstellungen (nach Mulligan)
Formen
Habituation Musiktherapie
T 4 Akuter Tinnitus (bis 3 Monate) »Ablenkung« von Therapeutisches Klettern,
4 Subakuter Tinnitus (ältere Bezeichnung von Tinnitus zwi- Zusatzgeräuschen kombiniert mit kognitiven
schen 3-6 Monaten) durch Konzentration Aufgaben (z.B. nur alle
4 Chronischer Tinnitus (über 3 Monate) auf motorische Abläufe roten Griffe dürfen berührt
werden)
Fragen beim Befund Begünstigung der Balancetraining, koordina-
Habituation tives Training mit paralleler
4 Was für Geräusche nehmen Sie wahr?
Kommunikation
4 Ist die Geräuschintensität gleichbleibend oder wechsel-
haft?
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
199 T

. Abb. 1 Heiße Rolle . Abb. 2 Behandlung der HWS, falls hier . Abb. 3 Manuelle Therapie nach Mulligan:
eine Läsion vorliegt C1-Mobilisation, falls hier eine Läsion vorliegt

. Abb. 4 Entspannungstechniken wie z.B. . Abb. 5 E-Technik . Abb. 6 Traktion im Schlingentisch


Yoga

. Abb. 7 Traktion nach Mulligan . Abb. 8 Kompression: Hilft dieTraktion . Abb. 9 Bewegungsbad (Entspannung)
nicht, kann mit Kompression gearbeitet
werden

Wichtig
4 Alle Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Habitua-
tion zu begünstigen. Ängste sollen abgebaut und
Depressionen verhindert werden.
200 Tortikollis

Tortikollis Komplikationen

Was ist das? 4 Chronischer Kopfschmerz


4 Protrusio/Prolaps (7 Kap. Bandscheibenvorfall) in HWS-
Fehlhaltung des Halses, auch Schiefhals genannt. Es handelt Bereich oder HWS-BWS-Übergang
sich um eine neurologische Erkrankung mit unkontrollierten
Bewegungen und Fehlhaltungen (Dystonie) von Hals, Nacken Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
und Kopf. Ursache sind überaktive Muskeln im Hals- und
Nackenbereich, mit Fehlkoordination zwischen Agonisten Ziel Therapie
und Antagonisten.
Dehnung und Kräfti- Manuelle Therapie,
Formen gung des M. sterno- Massage
cleidomastoideus
jEinteilung nach symptomatischen Gesichtspunkten Behandlung nach Isometrische Spannungs-
4 Rotatorischer Tortikollis Operation an übungen, Manuelle Thera-
4 Laterokollis (zur Schulter kippend) M. sternocleidoma- pie, sanfte Massagen, Ent-
4 Anterokollis (nach vorne geneigt) stoideus oder HWS stauung/manuelle Lymph-
4 Retrokollis (nach hinten überstreckt) drainage, Entspannungs-
4 Symptomatischer Tortikollis (Schonhaltung bei schmerz- techniken
haften Erkrankungen von Hals, Nase und Ohren) Harmonisierung des Speziell auf die Fehlstellung
Zusammenspiels zwi- abgestimmtes Muskelauf-
jEinteilung nach ätiologischen Gesichtspunkten
schen Agonisten und bautraining, MTT, Kletter-
4 Angeborener skelettbedingter Tortikollis Antagonisten wand, Manuelle Therapie
4 Angeborener muskulärer Tortikollis (Verkürzung des (strukturadaptiert), Hal-
M. sternocleidomastoideus) tungsschulung, Wärme-
4 Neurologisch bedingter Tortikollis (apoplektische Insulte, therapie
Tumoren, Hirnverletzungen, Entzündungen, Gefäßmiss-
bildungen, Stoffwechselerkrankungen, Nebenwirkungen Optimierung der Bewegungsübungen der
von Medikamenten) Augenbeweglichkeit Augäpfel
4 Okulär bedingter Tortikollis (bei Parese des N. trochlearis Behandlung neurolo- Neurophysiologische Tech-
[IV. Hirnnerv]) gischer Ursachen niken wie Bobath und Vojta
Verbesserung der allge- Ausdauertraining auf dem
Fragen beim Befund meinen Leistungsfähig- Crosstrainer, Fahrrad- oder
keit (bei Jugendlichen Ruderergometer, Atem-
4 Seit wann hat Ihr Kind den Schiefhals?
und Erwachsenen) therapie
4 Wie ist die bevorzugte Hals- und Kopfhaltung Ihres Kin-
des?
! Cave
Untersuchung Beim kongenitalen muskulären Tortikollis steht zu Beginn
aller Therapien die Physiotherapie, mit dem Ziel der Deh-
4 Motorik und Sensibilität von Hals und Kopf (obere Kopf- nung des M. sternocleidomastoideus. Diese sollte noch
gelenke, HWS) prüfen vor Vollendung des 1. Lebensjahres beginnen, um Spät-
4 Schulterhochstand? folgen zu vermeiden, und um ohne Operation therapeu-
4 Beweglichkeit des Schultergürtels, v.a. der Schulterge- tische Erfolge zu erzielen.
lenke?

T
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
201 T

. Abb. 1 Intermittierende Traktion bei im- . Abb. 2 Kinderfango: Fango mit einem . Abb. 3 Stabilisation im Unterarmstütz
mer weniger werdender Lateralflexion Tuch bedecken, da die normale Fango-
temperatur für Kinder zu heiß ist

. Abb. 4 Triggern des M. sternocleidoma- . Abb. 5 Traktion: Nelson-Traktion . Abb. 6 Massage: Tonisierung der hyper-
stoideus und der Mm. scaleni (bei Erwach- tonen Muskulatur
senen)

. Abb. 7 Tortikollis mit linksseitiger . Abb. 8 Rechtsseitiger Schiefhals bei . Abb. 9 Starker Tortikollis mit ansonsten
Kontraktur des M. sternocleidomastoideus 6-jährigem Jungen mit gleichzeitigem gut kompensierter Thoraxstruktur
Schultertiefstand und schweren Asym-
metrien des Schultergürtels
202 Trisomie 21

Trisomie 21 Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)

Was ist das? Ziel Therapie

Dreifaches Vorhandensein des 21. Chromosoms, durch un- Erarbeiten und Einglie- Bobath und Vojta
typische Verteilung der Chromosomen während der Meiose dern von Reflexen
(Trennungsstörung oder Translokation). Je älter eine Frau ist, Frühförderung Koordination, Gleichge-
umso häufiger tritt diese Anomalie auf (Risiko: 1% bei einer wicht, auch mit Gedächt-
35-jährigen Schwangeren, 3% bei einer 40-jährigen Schwan- nisübungen verbinden
geren). Mithilfe einer Fruchtwasseruntersuchung (Amnio- (z.B. unterschiedlich ge-
zenthese) kann die Trisomie 21 bereits vor der Geburt erkannt färbte Bälle auf die Spros-
werden. Die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes senwand legen und den
ist retardiert. Farben Nummern oder
Tiere zuordnen: »Hol mir
Formen mal den Vogel, das Pferd,
die Nr. 4!«)
4 Die motorische und geistige Retardierung kann sehr un- Sprachverbesserung und z.B. Gummibärchen auf
terschiedlich ausfallen. Zungenkoordination die Zunge legen, und die
Zunge von rechts nach
Fragen beim Befund links bewegen
4 Sind Organschäden diagnostiziert worden? → Diese müs- Koordinationsverbesse- PNF, Kletterwand, Pezzi-
sen bei der Therapie berücksichtigt werden. rung, leichtere Umset- ballübungen, Bewegungs-
4 Nimmst Du, nehmen Sie Medikamente? → Aufschluss zung von verbalen bad, Trampolin
über Begleiterkrankungen Informationen in
Bewegungsmuster,
Untersuchung Körperwahrnehmung,
Geschicklichkeit
4 Gleichgewicht testen Gewichtsreduktion und Ausdauertraining
4 Koordinationstests Adipositasprophylaxe
4 Beweglichkeit testen → Meist hypermobil
Haltung verbessern Schultern: Retraktion erar-
4 Reflexe testen → Hinweise für motorische Retardierung
beiten, z.B. mit Theraband
des Säuglings
4 Neurologische Tests, z.B. Mirroring
! Cave
Komplikationen Das Motivieren der Patienten erfordert besonderes Ge-
schick des Therapeuten. Es gilt: Nichts erzwingen, ggf.
4 Trisomie 21 und andere Erkrankungen (eigentlicher die Übung wechseln.
Grund, warum diese Patienten im Erwachsenalter zur
Therapie kommen) i Tip
4 Internistische Komorbidität: Leukämie Mit kleinen Kindern begleitend zu den Übungen singen,
viel sprechen, Rhythmus und Musik einbauen.

T
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
203 T

. Abb. 1 Therapeutisches Klettern . Abb. 2 Übungen mit dem Pezziball, Ziel: . Abb. 3 Entspannungsübung mit Gymnas-
Koordination und Gleichgewicht tikball unter dem Kreuzbein

. Abb. 4 Goldfisch zur Bewegungserfah- . Abb. 5 Partnerübung mit dem Theraband . Abb. 6 Der Therapeut schiebt den Pezzi-
rung und -schulung ball in alle Richtungen, der Patient lässt sich
nicht aus dem Gleichgewicht bringen

. Abb. 7 Übungen mit Theraband . Abb. 8 Trampolin . Abb. 9 Bewegungsbad


204 Zustand nach Tumoroperation

Zustand nach Tumoroperation Kategorie Beschreibung


N3 Auch weiter entfernte Lymphknoten
Was ist das?
sind betroffen
Zustand nach operativer Entfernung eines Tumors (Prosta- M0 Keine Metastasen vorhanden
ta-Ca, Magen-Ca, Bronchial-Ca, Ovarial-Ca). Die drei klas- M1 Metastasen sind vorhanden (häufig in
sischen Säulen der Therapie maligner Tumore sind: Lunge, Knochen oder Leber)
4 Operation,
4 Bestrahlung (Radiatio) und
4 Chemotherapie. Fragen beim Befund
Auch wenn sich in den letzten Jahren in der Chirurgie die 4 Wurden bei Ihnen Metastasen festgestellt?
minimal-invasiven Verfahren etabliert haben, kommt es in 4 Werden bei Ihnen regelmäßig Tumormarker kontrolliert?
der Tumorchirurgie darauf an, den Tumor vollständig, mit all → Auskunft über aktuelle Existenz von Tumorgewebe
seinen Ausläufern, zu entfernen. Häufig müssen befallene re- 4 Vertragen Sie die Chemotherapie? In welchen Zeitabstän-
gionale Lymphknoten mitentfernt werden (. Abb. 11). Bei der den wurde die Chemotherapie durchgeführt? Ist eine neue
operativen Entfernung von Nodi lymphatici werden immer Therapieserie geplant?
die mit den Lymphknoten verbundenen Lymphgefäße durch-
trennt. Es besteht das Risiko der Ausbildung eines sekundären Untersuchung
chronischen Lymphödems.
Probleme in der postoperativen Phase können sich erge- 4 Umfangmessungen (. Abb. 10)
ben durch 4 Bewegunsausmaß des Schultergelenks nach Mamma-Ca
4 die Immobilität, 4 Inspektion und Palpation der Narbe oder des bestrahlten
4 die Thromboseneigung, Gebiets
4 die Wundheilung,
4 Nebenwirkungen der Narkose, Komplikationen
4 lymphatische Stauungen und
4 hohe Anforderungen an das Immunsystem. 4 Tumorrezidiv
4 Metastatische Streuung
Radiatio und Chemotherapie sind ebenfalls mit multiplen 4 OP- und tumorbedingte Thrombose und Embolie
Problemen verbunden, u.a. mit einer hohen Sauerstoffradikal-
bildung im gesunden Gewebe, Fibrosierungen, hohen Anfor- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9, Abb. 12–17)
derungen an den Stoffwechsel von Leber und Nieren sowie
mit Zerstörung gesunder, sich schnell teilender Gewebe (Kno- Ziel Therapie
chenmark, Schleimhäute des Verdauungstrakts, Haarwur-
zeln). Thromboseprophylaxe Kompression und
Bewegungstherapie
Formen Pneumonieprophylaxe Atemtherapie
Frühmobilisation Gangschule unter
jGenerelle Unterteilung solider maligner Tumoren
Pulskontrolle
4 Karzinome, Sarkome, Lymphome und Melanome
Entstauung bei Ödem KPE
jKlassifikation maligner Tumoren nach dem TNM-System Beweglichkeitserweite- Dehnung des Recessus
rung nach Mamma-Ca axillaris, Bewegungsbad,
Kategorie Beschreibung Manuelle Therapie
T0 Kein Tumor nachweisbar Psychoonkologische Entspannungstherapie,
T1 Tumorgröße liegt unter 2 cm Betreuung alternative Sportarten wie
T z.B. Schwimmen statt
T2 Tumorgröße liegt zwischen 2 und 5 cm
Mountainbike fahren
T3 Tumor ist größer als 5 cm
Stärkung des Ausdauersportarten,
T4 Tumor ist größer als 5 cm, und benach- Immunsystems Wechsel von Warm- und
bartes Gewebe ist ebenfalls tumorös Kaltreizen, Nahrungs-
N0 Keine betroffenen Lymphknoten supplementation
(z.B. Vitamin C)
N1+2 Nächstgelegene Lymphknoten sind be-
troffen, in unterschiedlicher Zahl
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
205 T

. Abb. 1 Bronchial-Ca: Bauchatmung ein- . Abb. 2 Bronchial-Ca: Hautfalte weg- . Abb. 3 Bronchial-Ca: Vertieftes Einatmen
studieren atmen bei Lateralflexion

. Abb. 4 Bronchial-Ca: Drehdehnlagerung . Abb. 5 Bronchial-Ca: Zur Vertiefung der . Abb. 6 Bronchial-Ca: PNF zur Flanken-
Einatmung gegen den Druck des Thera- öffnung, auch asymmetrisch
peuten einatmen

. Abb. 7 Pneumonieprophylaxe . Abb. 8 KPE: Manuelle Lymphdrainage bei . Abb. 9 Mamma-Ca: Hände werden auf
Entnahme der inguinalen Lymphknoten dem Kopf abgelegt und von dort, soweit die
Beweglichkeit es zulässt, angehoben

! Cave
4 Kenntnis über Metastasenfreiheit ist Voraussetzung
bei Mobilisationen/Manipulationen und bei Manu-
eller Lymphdrainage.
4 Bei Z.n. Operation eines Magen-Ca besteht die
Gefahr des Dumping-Syndroms (Kollabieren des
Patienten). Die Zeit zwischen Bewegungsübungen
und letzter Mahlzeit soll mindestens 2 h betragen!
206 (Z.n.) Tumoroperation

Ödempass nach Entfernung der Leistenlymphknoten

Wichtige Messpunkte Datum eintragen (rechts) Datum eintragen (links)


Fuß
Knöchel (dünnste Stelle)
15 cm unterhalb des Gelenkspalts
Patellaspitze
Patellaoberkante
20 cm über dem Gelenkspalt
Oberschenkelabschluss
Wichtige Messpunkte Datum eintragen (rechts) Datum eintragen (links)
Fuß
Knöchel (dünnste Stelle)
15 cm unterhalb des Gelenkspalts
Patellaspitze
Patellaoberkante
20 cm über dem Gelenkspalt
Oberschenkelabschluss
Wichtige Messpunkte Datum eintragen (rechts) Datum eintragen (links)
Fuß
Knöchel (dünnste Stelle)
15 cm unterhalb des Gelenkspalts
Patellaspitze
Patellaoberkante
20 cm über dem Gelenkspalt
Oberschenkelabschluss

. Abb. 10 Messpunkte nach Entfernung der Leistenlymphknoten


Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
207 T

. Abb. 11 Das Lymphsystem mit seinen 4


Quadranten, den wichtigsten Lymphwegen
und einigen Gruppen von Lymphknoten

. Abb. 12 In der ca. 25-tägigen Entstau- . Abb. 13 Pumpgriff am Unterschenkel . Abb. 14 Schöpfgriff am Unterschenkel
ungsphase mit täglich ML ist wegen der Vo- (Schubphase)
lumenabnahme ein Strumpf nicht sinnvoll.
Wickeln durch den Lymphtherapeuten ist
erforderlich

. Abb. 15 Bauchbehandlung als fester Be- . Abb. 16 An der medialen Seite des Knies . Abb. 17 Bearbeitung der poplitealen
standteil jeder Lymphdrainage konzentrieren sich ca. 80% der Lymphab- Lymphknotenstation
stöme des Fußes und des Unterschenkels
208 Ulnarisläsion

Ulnarisläsion Untersuchung

Was ist das? 4 MFP der oben genannten Muskeln


4 Hoffmann-Tinel-Zeichen?
Läsion des N. ulnaris. Die mechanische Behinderung des 4 Krallenhand (. Abb. 1, . Abb. 2)?
Nervs kann vor allem im Canalis n. ulnaris des Handgelenks 4 Hypothenar im Seitenvergleich prüfen
oder in der Nähe des Ellenbogengelenks am Epicondylus 4 Sensibilitätstestung
humeri medialis verursacht werden. Die Ulnarisläsion, auch 4 Beurteilung der Trophik
Ulnarisparese genannt, zeigt dann typische Symptome:
4 verminderte Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), Komplikationen
4 sog. Krallenhand,
4 motorische Schwäche bzw. kompletter Ausfall der vom 4 Schmerzen
N. ulnaris innervierten Muskeln, 4 Störungen der Durchblutung und Trophik
4 Schmerzen am Hand- und/oder Ellenbogengelenk. 4 Parästhesien
4 Vegetative Dysfunktion
Vor allem nachts kann es zu Parästhesien von Digitus mini-
mus und Anularius (Ringfinger), an der kleinfingerseitigen Ziel/Therapieinhalte (. Abb. 3–Abb. 9)
Handkante sowie an der ulnaren Seite der Kubitalregion kom-
men. Bei einer signifikanten Verminderung der NLG ist i.d.R. Ziel Therapie
die operative Therapie zwecks Beseitigung einer Enge, Über-
dehnung oder anderweitigen mechanischen Läsion indiziert Koordination PNF, mit der Daumenspitze je-
(z.B. Ulnarisverlagerung am Epicondylus humeri medialis). weils nacheinander die anderen
Fingerspitzen berühren und
Formen kurz halten, Geschwindigkeit
steigern
jNach Symptomatologie Kraftaufbau Aktive Übungen mit Bällen,
4 Motorische Ausfälle von M. flexor carpi ulnaris (C7-C8), Therapieknete, Seilzug, Han-
M. flexor digitorum profundus (C7-Th1), M. opponens teln; Faust schließen und öff-
digiti minimi (C8-Th1), M. palmaris brevis (C8-Th1), nen, Finger spreizen und zu-
M. abductor digiti minimi (C8-Th1), M. flexor pollicis sammenführen, Schwimmen
brevis (Caput profundum C8-Th1), M. adductor pollicis (bewusst Finger zusammenhal-
(C8-Th1), M. flexor digiti minimi (C8-Th1), Mm. lum- ten), Bewegungsbad
bricales III et IV (C8-Th1), Mm. interossei dorsales I-IV Wiederherstellung Fingerübungen (z.B. Flexator,
(C8-Th1), Mm. interossei palmares I-III (C8-Th1) der für den Alltag Igelball), Flasche öffnen und
4 Sensorische Ausfälle erforderlichen schließen, Gegenstände greifen,
4 Kombinierte sensorische und motorische Ausfälle Funktionen Schreiben auf Tastatur
jNach Lokalisation/Mechanismus der Schädigung Verbesserung von Elektrotherapie, Warm-Kalt-
4 Ulnarisläsion durch Druck und Überlastung Trophik und Reize, Nervenmobilisation,
4 Ulnarisläsion durch Schnittverletzung Sensibilität Wahrnehmungsschulung mit
4 Distales Kompressionssyndrom des N. ulnaris in der Loge Steinen, Sand, Tüchern, Watte,
de Guyon Bürsten; posttraumatische bzw.
4 Ulnarissyndrom in der Hohlhand postoperative Narbenbehand-
4 Ulnarisreizung bei Golfer-Ellenbogen (Epicondylitis hu- lung, entstauende Maßnahmen
meri ulnaris) wie Manuelle Lymphdrainage
4 Spätläsion des N. ulnaris nach kindlicher Radiusköpf-
chenfraktur (7 Kap. Radiusfraktur) mit radialer Wachs-
tumshemmung

Fragen beim Befund


U
4 Beschreiben Sie den Schädigungshergang!
4 Haben Sie als Kind eine distale Radiusfraktur (mit Radius-
köpfchenfraktur) erlitten?
4 Haben Sie Beschwerden im Hand- oder Ellenbogenbe-
reich?

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_20,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
209 U

. Abb. 1 Typische Krallenhand: Ansicht . Abb. 2 Typische Krallenhand: Ansicht . Abb. 3 Training der Mm. interossei
von dorsal von palmar dorsales I und III

. Abb. 4 Eigenübung für Mm. interossei . Abb. 5 Training der Mm. interossei . Abb. 6 Eigenübung für Mm. interossei
dorsales I und III dorsales II und IV dorsales II und IV

. Abb. 7 M. opponens digiti minimi . Abb. 8 Training des M. adductor digiti . Abb. 9 Koordinationsübungen mit
minimi Klangkugeln
210 Venenerkrankungen der Beine

Venenerkrankungen der Beine 4 Haben Sie eine stehende Tätigkeit?


4 Tragen Sie Stützstrümpfe?
Was ist das? 4 Hatten Sie bereits Entzündungen im Beinbereich, z.B.
Thrombophlebitis, Erysipel?
Phlebologische Erkrankungen. Dazu zählen: 4 Nehmen Sie die Pille oder andere Hormonpräparate?
4 Varikosis (Krampfaderleiden),
4 Thrombophlebitis, Untersuchung
4 tiefe Beinvenenthrombose (mit Risiko der Lungenembo-
lie) und 4 Kalte/warme Füße, Beine?
4 postthrombotisches Syndrom (Zustand nach durchge- 4 Umfangmessungen
machter Phlebothrombose). 4 DD: Pulse messen oder Abhören der Arterien mittels
Dopplersonographie
Einzubeziehen ist auch die chronisch-venöse Insuffizienz
(CVI). Eine Anfälligkeit für Venenerkrankungen besteht bei Komplikationen
Menschen, die lange Zeit stehen müssen (Bäcker, Stahlarbei-
ter, OP-Schwester, Zahnarzthelferin), Patienten mit Bindege- 4 Ulcus cruris (offenes Bein)
websschwäche, bei langer Immobilisation (z.B. Bettlägerig- 4 Lungenembolie
keit), nach Operationen (7 Kap. Postoperative Zustände) oder 4 Starke Blutungen, wenn Krampfadern platzen
großen Blutungen sowie bei starken Rauchern. Die Varikosis
hat manchmal auch einen genetischen Hintergrund. Haupt- Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 1–Abb. 9)
ursache der Entstehung von Varizen aber ist die Dysfunktion
der Venenklappen durch Traumata oder Entzündungen. Ziel Therapie

Formen Venösen Abtransport Wadenpumpe anregen,


verbessern Güsse
4 Varizen Nach OP: Neubildung Radfahren, Wandern
4 V. saphena magna-Varizen von Varizen verhindern
4 V. saphena parva-Varizen Postoperative Throm- Kompression, Bewegungs-
4 Besenreiser boseprophylaxe therapie
4 Thrombophlebitis: Durch Entzündungen (evtl. auch post-
traumatisch, z.B. durch Kanülen), Schwangerschaft, Tumo- Verhinderung eines KPE (Manuelle Lymphdrai-
ren, Insektenstiche; alle Entzündungszeichen treten auf. Ödems nage, Kompression, Kran-
4 Phlebothrombose: Durch einen hohen Blutverlust bei kengymnastik und Haut-
OP bildet sich ein Thrombus in einer tiefen Beinvene pflege)
(auch die Pilleneinnahme erhöht das Risiko einer Phle- Verbesserung der Ver- Manuelle Lymphdrainage,
bothrombose). Dieser kann zur Lungenembolie führen, und Entsorgung bei Kompression, Bewegungs-
deshalb unbedingt Thromboseprophylaxe durchführen! Ulcus cruris und therapie, CO2-Bäder
4 Postthrombotisches Syndrom: Haut und Unterhaut sind postthrombotischem
verhärtet, leicht bräunlich gefärbt; die gesamte Trophik Syndrom
hat sich nie normalisiert, die Entsorgung des Gewebes
bleibt permanent gestört.
4 Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI): Stauungszeichen Wichtig
aufgrund verminderten venösen Abstroms mit Neigung 4 Wichtig ist, dass keine weiteren Klappen beschädigt
zum Lymphödem werden, z.B. durch Friktionen. Bürstungen nur in
Herzrichtung durchführen, und nur sehr sanft!
Wichtig 4 Bei Thrombophlebitis aktive Bewegung der Beine!
Die drei Säulen der Thrombose- und Embolieprophylaxe 4 Bei Phlebothrombose Ruhigstellung der Beine (Em-
sind: boliegefahr)!
4 Bewegung,
4 Kompression und
4 Antikoagulation. ! Cave
4 Es sollen alle Sportarten vermieden werden, die zu
einer weiteren Aussackung der Venen führen. Dazu
V Fragen beim Befund gehören Joggen, Trampolinspringen und Step-
Aerobic.
4 Jucken Ihre Beine? 4 Wärmeanwendungen sind bei Thrombophlebitis,
4 Haben Sie sonstige Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Varikosis und Phlebothrombose kontraindiziert!

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_21,


© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2011
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
211 V

. Abb. 1 Die alten klassischen Verfahren . Abb. 2 Wassertreten: Auch heute gehören . Abb. 3 Kompression mit Zehenmull-
der Kneipp-Therapie haben nichts von ihrer kalte Güsse und Wassertreten zu den effek- binden, Schlauchverband, Polsterwatte und
Wirksamkeit eingebüßt: z. B. kalte Güsse tivsten Formen des Gefäßtrainings mehreren Kurzzugbinden verschiedener
Breite

. Abb. 4 Wichtig für die Kompression ist, . Abb. 5 Nur dann ist gewährleistet, dass . Abb. 6 Zu jeder Kompression gehört ein
dass sie von einem zertifizierten Lymphdrai- optimaler Druck, optimaler Pumpeffekt und Bewegungsprogramm
nagetherapeuten angelegt wird, da hierfür Rutschfestigkeit z.B. am Knie gesichert sind
umfangreiche Spezialkenntnisse nötig sind

. Abb. 7 Fachmännisches Behandeln bein- . Abb. 8 Thromboseprophylaxe: Waden- . Abb. 9 Fahrradfahren (mit Kompression
haltet die richtige Sequenz: Entstauungspha- pumpe anregen empfohlen)
se über ca. drei Wochen mit morgendlicher
MLD und nachfolgender Bindenkompression,
Erhaltungsphase mit 1-2 MLD pro Woche und
nachfolgender Strumpfkompression
212 Vordere Kreuzbandruptur

Vordere Kreuzbandruptur Untersuchung

Was ist das? 4 Bewegungsausmaß im erlaubten Bewegungsbereich tes-


ten, Patellabeweglichkeit
Teil- oder kompletter Riss des vorderen Kreuzbands. Durch 4 Umfangmessungen, besonders am Oberschenkel →
übermäßige Rotation von Ober- gegen Unterschenkel wird M. quadriceps femoris atrophiert in der Anfangszeit nach
das Kreuzband so stark gedehnt, dass es an- oder komplett einer OP
reißt. Diese Verletzung tritt meist bei Sportlern auf. 4 Ganganalyse zu Beginn mit Stützen, bei Vollbelastung
ohne Stützen
Formen
Komplikationen
4 Kreuzband angerissen
4 Kreuzband komplett gerissen 4 Der Meniskus (7 Kap. Meniskusläsion) und evtl. das Lig. col-
4 Operative (Semitendinosusplastik, Grazilisplastik, Patel- laterale mediale sind beschädigt (Unhappy Triad).
lasehnenplastik) oder konservative Behandlung 4 Beachte: In den ersten 6 Wochen nach einer Meniskus-
naht keine Sprünge und Drehbewegungen im Knie mit
Fragen beim Befund vollem Körpergewicht!
4 Länger andauernde Schwellungen und/oder Infektion
4 Wobei ist das passiert (z.B. beim Fußball spielen oder Ski- 4 Knorpelschäden
fahren)?
4 Gibt es Anweisungen vom Arzt? → Der Nachbehandlungs- Ziele/Behandlungsplan (. Abb. 1–Abb. 9)
plan variiert je nach OP-Methode. Auch bei konservativer
Behandlung ist i.d.R. die Knieflexion für mindestens 4 Von Beginn an BGM Verklebungen verhindern
8 Wochen auf 90° limitiert. 4 Intensität und Ausgangsstellung (z.B. RL oder Stand) sind
abhängig vom Kniezustand → Soll reizfrei sein

jMöglicher Nachbehandlungsplan nach Semitendinosus- und Grazilisplastik (ohne Meniskus-OP)

Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4


Schwerpunktziele Abschwellung Abschwellung Lokales Ausdauer- Gangschule
training
Belastung 20 kg 20 kg Halbes KG VB
Bewegungslimit schmerzabhängig 40° 40° 90°
Hausaufgaben- 3-mal/Tag Übungen für 3-mal/Tag wie in 3-mal/Tag auch im 3-mal/Tag auch
programm Knieextension in RL 1. Woche Stand (halbes KG) Gangübungen
PNF RL RL Halbsitz Stand
Gerätetraining Pezziball gegen die Wie 1. Woche Theraband Beinpresse
Wand stemmen

Woche 5 Woche 6 Woche 7 Woche 8


Schwerpunktziele Stabilität und Stabilität, Koordina- Koordination und Koordination und
Beweglichkeit tion, Beweglichkeit Mobilisation Mobilisation
Belastung VB VB VB VB
Bewegungslimit 100° 110° 120° Kein Limit
Hausaufgaben- 3-mal/Tag auch Gang- 3-mal/Tag z.B. 3-mal/Tag 3-mal/Tag
programm übungen ohne Stützen auch Kniebeugen
und Übungen für Flexion einbeinig
PNF Stand mit Seilzug und
V instabilen Unterlagen
Gerätetraining Beinpresse, Beinpresse, Gerätetraining Gerätetraining
Crosstrainer Laufband
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
213 V

. Abb. 1 Die Orthese wird in der Therapie . Abb. 2 Erarbeiten der Extension aus BL . Abb. 3 Hausaufgabe zur Verbesserung
immer abgelegt. Nachts wird die Schiene (Hausaufgabe: Liegen an der Bettkante oder der Flexion: Erst aktiv anbeugen, dann
auf 0° umgestellt, tagsüber soll der Patient auf dem Tisch, an dem operierten Bein hän- mit dem Gurt passiv bis zur Schmerzgrenze
das freigegebene Bewegungsausmaß be- gen ca. 0-2 kg) nachziehen. Keine aktive Anspannung in die
üben Streckung, sonst vordere Schublade

. Abb. 4 Traktionstechnik bei gleichzeitiger . Abb. 5 Kräftigungsübung, auch als Haus- . Abb. 6 Koordination auf dem Trampolin
Druckausübung auf die Oberschenkelrücksei- aufgabe (bereits bei 90° erlaubtem Bewe-
te, zunehmend Extension im Knie einstellen gungslimit und halbem Körpergewicht)

. Abb. 7. Operiertes Bein steht auf einem . Abb. 8 Stabilisationstraining, wobei an . Abb. 9 Beinachsentraining auf dem
mit einer gerollten Matte unterlagerten Brett beiden Beinen Manschetten (ca. 2 kg) befes- Physiomaten
tigt sind, so dass die Übungen mit häufigeren
Beinwechseln kombiniert werden können

! Cave
4 In geschlossener Kette arbeiten: Die Belastung für
das Kreuzband ist geringer, und die vordere Schub-
lade wird vermieden.
4 Handelt es sich nicht um einen Akutfall, ist es ratsam,
vor der OP den M. quadriceps femoris aufzutrainie-
ren, um dessen Volumenverlust nach einer OP gering
zu halten.
214 Weber A-, B- und C-Fraktur

Weber A-, B- und C-Fraktur Komplikationen

Was ist das? 4 Ist das Syndesmoseband gerissen, wird das gesamte OSG
instabil.
Frakturen der distalen Fibula. Diese Sprunggelenkfrakturen 4 Wurde das Syndesmoseband operativ fixiert, besteht die
treten auf, wenn der Fuß fixiert bleibt und der Unterschenkel Gefahr eines Rezidivs. Ein Band braucht 300 Tage, bis es
gedreht wird. Gleichzeitig luxiert das obere Sprunggelenk, vollständig durchbaut ist.
deshalb wird die Kombination auch Luxationsfraktur genannt. 4 Drucknekrose
Selbst einfache Stürze können solche Frakturen hervorrufen. 4 Osteomyelitis
4 Pseudarthrose
Formen 4 Arthrose

4 Weber A: Fraktur des Malleolus lateralis unterhalb des Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
Syndesmosebands (konservative Therapie); die Syndes-
mose ist hier intakt. Ziel Therapie
4 Weber B: Fraktur des Malleolus lateralis in Höhe der Syn-
desmose; die Syndesmose ist häufig verletzt (. Abb. 1). Entstauung KPE, Hochlagerung
4 Weber C: Fibula frakturiert über dem Syndesmoseband; Thrombose- Aktives Bewegen und
Syndesmoseband und Membrana interossea sind immer prophylaxe Kompression
verletzt. Erhalt der Bewegungsbad, Pezziball gegen
Muskulatur bei die Wand drücken (vorher mit
Sonderformen 20-kg-Teil- Waage an der Wand üben, wie
belastung stark man bei 20 kg einstemmen
4 Hohe Weber-C-Fraktur (Maisonneuve-Fraktur): Fraktur
kann), isometrische Spannungs-
der proximalen Fibula mit Riss von Syndesmoseband, übungen
Membrana interossea und evtl. Lig. deltoideum, z.T. be-
gleitend ein knöcherner, dreieckiger Ausriss der Tibiahin- Optimale Fraktur- Dosierter Druck (wenn erlaubt)
terkante (Volkmann-Dreieck) heilung, Anregung auf den Unterschenkel und das
4 Bimalleoläre Fraktur: Auch der Innenknöchel ist fraktu- der Osteo- und gesamte Bein (Patient ermuti-
riert. Chondroblasten gen, 20 kg zu belasten und nicht
4 Trimalleoläre Fraktur: Beide Malleolen und das Volk- weniger), Walkungen aus BL,
mann-Dreieck sind betroffen. SRT (bei Teilbelastung im Sitz)
Wiederherstellung Aktives Bewegen im schmerz-
Fragen beim Befund des Bewegungs- freien Bewegungsausmaß, bei
ausmaßes Vollbelastung: Manuelle Thera-
4 Wie ist es passiert? pie, Dehnung
4 Wann ist es passiert?
Koordination/ Kreisel, Airex-Matte, Wippe, aus
4 Hat man Ihnen eine Stellschraube eingebaut?
Gleichgewicht RL Pezziball gegen die Wand
4 Wurden die Außen- oder/und Innenbänder beschädigt
erbessern drücken und Gesäß anheben,
und/oder operiert?
Beinachsentraining
Untersuchung Physiologisches Gangschule, Laufband (bei Teil-
Gangbild belastung mit Unterarmstützen
4 Umfangmessungen, Ödem erarbeiten am Laufband), Aquajogging,
4 Bewegungsausmaß testen Triggerpunkttherapie
4 Hämatom, Wärme? Muskelaufbau MTT

! Cave
Bei einer Feststellschraube darf nur eingeschränkt
Supination und fast keine Dorsalextension ausgeführt
werden, da der Talus die Malleolengabel weitet und die
Schraube gelockert werden kann!

! Cave
W Erst nach erfolgter Röntgenkontrolle darf voll (also ohne
Orthese) belastet werden!

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_22,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
215 W

. Abb. 1 Osteosynthese nach Weber-B- . Abb. 2 PNF bei Teilbelastung im Sitz . Abb. 3 Manuelle Lymphdrainage und
Fraktur (Tipp: Statt Airex-Matte einfach Waage unter Kompression
den Fuß stellen)

. Abb. 4 Ballgymnastik zur Mobilisierung . Abb. 5 Manuelle Therapie zur Wiederher- . Abb. 6 Flurprogramm: Die Übung wird
des Sprunggelenks, bereits bei Teilbelastung stellung der Beweglichkeit über die Länge des Flurs durchgeführt, hier
möglich Standbeintraining bei Vollbelastung

. Abb. 7 Flurprogramm: Große Schrittstel- . Abb. 8 Flurprogramm: In Schrittstellung . Abb. 9 Flurprogramm: Hier gleichzeitiges
lung, hinteres Knie berührt fast den Boden, die vordere Ferse anheben, nächster großer Standbein- und Gleichgewichtstraining
nächster großer Schritt usw. Schritt usw.
216 Wirbelkörperfraktur

Wirbelkörperfraktur Komplikationen

Was ist das? 4 Einengung des Rückenmarks durch verschobene Frag-


mente
Verletzung des Wirbelkörpers (. Abb. 1) durch knöchernen 4 Nervale Ausfälle
Einriss (Fissur), Abriss oder Wirbelkörpereinbrüche. 4 Nervenwurzelreizung durch Enge
4 Evtl. Querschnittslähmung (7 Kap. Querschnittslähmung)
Formen 4 Densfraktur:
Beachte: Besondere Vorsicht, da Gefahr von hoher Quer-
schnitt- und N. vagus-Lähmung, Lebensgefahr!
jEinteilung nach dem frakturauslösenden Mechanismus
4 Kompressionsfrakturen Ziele/Therapieinhalte (. Abb. 2–Abb. 9)
4 Distraktionsverletzungen
4 Rotationsverletzungen Ziel Therapie
4 Wirbelfrakturen aufgrund von Osteoporose oder Tumor
Erhalt der Muskulatur Isometrische Spannungs-
jEinteilung nach der Lage der Frakturlinien trotz eingeschränkter übungen, Brunkow
4 Vordere Säule (WK-Vorderkante, Lig. longitudinale an- Mobilität in der An-
terius, vorderer Anteil des Anulus fibrosus) fangsphase
4 Mittlere Säule (hintere WK-Hälfte, Lig. longitudinale Unterstützung der Hei- Mehrdurchblutung (Fan-
posterius, hinterer Anteil des Anulus fibrosus, Pediku- lung, Schmerzlinderung go), Infrarotbestrahlung
lus) Verbesserung der durch PNF, Schrittstellung mit
4 Hintere Säule (hinterer Anteil des Arcus [Lamina],
Kompression des Spinal- Absenken des hinteren
Lig. flavum, Ligg. interspinalia und supraspinale) nerven entstandenen Knies bis zum Boden (Auf-
Funktionsstörungen in heben eines Gegenstands),
jEinteilung bei signifikanter Einengung
den Extremitäten Seilzugübungen, Thera-
des Wirbelkanals
band, FBL
Schweregrad Beschreibung
Verhinderung von Ver- Nervenmobilisation, Nar-
0 Keine Einengung des Spinalkanals klebungen benmobilisation nach OP
1 Einengung bis zu einem Drittel Mobilisierung der an- Manuelle Therapie nach
2 Einengung bis zu zwei Drittel grenzenden Facettenge- Mulligan
lenke (bei stabilem kon-
3 Einengung um mehr als zwei Drittel servativ versorgten Wir-
bel nach frühestens 6
Fragen beim Befund Wochen)
Muskelaufbau Rückenstabilisation, MTT,
4 Haben Sie Kribbeln in den Extremitäten oder eine unge-
Kletterwand
wöhnliche Schwäche bei sich festgestellt?
4 Haben Sie Rückenschmerzen?
4 Haben Sie bereits rückengerechtes Aufstehen, Tragen und ! Cave
Sitzen gelernt? Die ärztlichen Anweisungen sind genau zu beachten
(Gefahr der Querschnittslähmung)!
Untersuchung

4 Ausschluss von Wirbelfrakturen → Wenn Arzt Röntgen-


kontrolle für nicht erforderlich hielt oder auf dem Rönt-
genbild keine erkennbare Fraktur vorhanden war, soll der
Patient (mit Rückenschmerzen nach einem Sturz) eine
resistive Lateralflexion im Stand und eine resistive Rotati-
on im Sitzen durchführen.
4 Beweglichkeitsüberprüfung (nach ärztlicher Freigabe)
4 Sensibilitätstests im dazugehörigen Dermatom
4 MFP der Rumpfmuskulatur und der dazugehörigen Ex-
tremitätenmuskeln
W
Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
217 W

. Abb. 1 Aufbau eines Wirbels: Pedikulus, . Abb. 2 Bewegungsbad: Training zu . Abb. 3 Nervenmobilisation: ASTE, bei
Lamina (Pedikulus und Lamina bilden zu- Anfang unter entlasteten Bedingungen Frakturen in der LWS
sammen den Arcus), Foramen vertebrale,
Proc. transversus, Proc. spinosus, Procc. arti-
culares superior et inferior

. Abb. 4 Nervenmobilisation: ESTE, bei . Abb. 5 Schrittstellung zwischen zwei . Abb. 6 Seilzugübungen, kombiniert mit
Frakturen in der LWS Stühlen, bei Frakturen in der LWS mit ein- PNF (hier: obere Extremität), frühestens
seitiger muskulärer Schwäche im Bein 6 Wochen nach Frakturdatum

. Abb. 7 Konservative Therapie: Manuelle . Abb. 8 Übung für zu Hause: LWS und . Abb. 9 Theraband: Übung aus dem VFST
Therapie nach Mulligan nach kompletter Hinterkopf an die Wand drücken, dann ein (mit PNF-Bewegungen möglich)
Ausheilung der Fraktur und erfolgter Bein anheben
Röntgenkontrolle (ärztliche Anweisungen
beachten)
208 Ulnarisläsion

Ulnarisläsion Untersuchung

Was ist das? 4 MFP der oben genannten Muskeln


4 Hoffmann-Tinel-Zeichen?
Läsion des N. ulnaris. Die mechanische Behinderung des 4 Krallenhand (. Abb. 1, . Abb. 2)?
Nervs kann vor allem im Canalis n. ulnaris des Handgelenks 4 Hypothenar im Seitenvergleich prüfen
oder in der Nähe des Ellenbogengelenks am Epicondylus 4 Sensibilitätstestung
humeri medialis verursacht werden. Die Ulnarisläsion, auch 4 Beurteilung der Trophik
Ulnarisparese genannt, zeigt dann typische Symptome:
4 verminderte Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), Komplikationen
4 sog. Krallenhand,
4 motorische Schwäche bzw. kompletter Ausfall der vom 4 Schmerzen
N. ulnaris innervierten Muskeln, 4 Störungen der Durchblutung und Trophik
4 Schmerzen am Hand- und/oder Ellenbogengelenk. 4 Parästhesien
4 Vegetative Dysfunktion
Vor allem nachts kann es zu Parästhesien von Digitus mini-
mus und Anularius (Ringfinger), an der kleinfingerseitigen Ziel/Therapieinhalte (. Abb. 3–Abb. 9)
Handkante sowie an der ulnaren Seite der Kubitalregion kom-
men. Bei einer signifikanten Verminderung der NLG ist i.d.R. Ziel Therapie
die operative Therapie zwecks Beseitigung einer Enge, Über-
dehnung oder anderweitigen mechanischen Läsion indiziert Koordination PNF, mit der Daumenspitze je-
(z.B. Ulnarisverlagerung am Epicondylus humeri medialis). weils nacheinander die anderen
Fingerspitzen berühren und
Formen kurz halten, Geschwindigkeit
steigern
jNach Symptomatologie Kraftaufbau Aktive Übungen mit Bällen,
4 Motorische Ausfälle von M. flexor carpi ulnaris (C7-C8), Therapieknete, Seilzug, Han-
M. flexor digitorum profundus (C7-Th1), M. opponens teln; Faust schließen und öff-
digiti minimi (C8-Th1), M. palmaris brevis (C8-Th1), nen, Finger spreizen und zu-
M. abductor digiti minimi (C8-Th1), M. flexor pollicis sammenführen, Schwimmen
brevis (Caput profundum C8-Th1), M. adductor pollicis (bewusst Finger zusammenhal-
(C8-Th1), M. flexor digiti minimi (C8-Th1), Mm. lum- ten), Bewegungsbad
bricales III et IV (C8-Th1), Mm. interossei dorsales I-IV Wiederherstellung Fingerübungen (z.B. Flexator,
(C8-Th1), Mm. interossei palmares I-III (C8-Th1) der für den Alltag Igelball), Flasche öffnen und
4 Sensorische Ausfälle erforderlichen schließen, Gegenstände greifen,
4 Kombinierte sensorische und motorische Ausfälle Funktionen Schreiben auf Tastatur
jNach Lokalisation/Mechanismus der Schädigung Verbesserung von Elektrotherapie, Warm-Kalt-
4 Ulnarisläsion durch Druck und Überlastung Trophik und Reize, Nervenmobilisation,
4 Ulnarisläsion durch Schnittverletzung Sensibilität Wahrnehmungsschulung mit
4 Distales Kompressionssyndrom des N. ulnaris in der Loge Steinen, Sand, Tüchern, Watte,
de Guyon Bürsten; posttraumatische bzw.
4 Ulnarissyndrom in der Hohlhand postoperative Narbenbehand-
4 Ulnarisreizung bei Golfer-Ellenbogen (Epicondylitis hu- lung, entstauende Maßnahmen
meri ulnaris) wie Manuelle Lymphdrainage
4 Spätläsion des N. ulnaris nach kindlicher Radiusköpf-
chenfraktur (7 Kap. Radiusfraktur) mit radialer Wachs-
tumshemmung

Fragen beim Befund


U
4 Beschreiben Sie den Schädigungshergang!
4 Haben Sie als Kind eine distale Radiusfraktur (mit Radius-
köpfchenfraktur) erlitten?
4 Haben Sie Beschwerden im Hand- oder Ellenbogenbe-
reich?

C. Mayer, W. Siems, 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, DOI 10.1007/978-3-642-17267-0_20,


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Behandlungsideen nach Krankheitsverlauf
209 U

. Abb. 1 Typische Krallenhand: Ansicht . Abb. 2 Typische Krallenhand: Ansicht . Abb. 3 Training der Mm. interossei
von dorsal von palmar dorsales I und III

. Abb. 4 Eigenübung für Mm. interossei . Abb. 5 Training der Mm. interossei . Abb. 6 Eigenübung für Mm. interossei
dorsales I und III dorsales II und IV dorsales II und IV

. Abb. 7 M. opponens digiti minimi . Abb. 8 Training des M. adductor digiti . Abb. 9 Koordinationsübungen mit
minimi Klangkugeln
B

Anhang
Glossar – 220

Literatur – 227

Stichwortverzeichnis – 237

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220 Anhang

Glossar

A oder Falithrom (fangen Vitamin K und bremsen so die Gerin-


Abhärtung Wiederholte Exposition gegenüber natürlichen nungskaskade an den vier Stellen, wo Vitamin K benötigt
Reizen, mit der Folge einer Steigerung der physischen Leis- wird); Antikoagulantien werden in der Bevölkerung fälsch-
tungsfähigkeit und Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen- licherweise als »Blutverdünner« bezeichnet, was inhaltlich
über Krankheiten; damit führt Abhärtung zu einer höheren falsch ist, aber verständlich machen kann, dass das Blut bei
gesundheitlichen Stabilität und Leistungsfähigkeit insgesamt ihrer Anwendung besser fließt
und nicht nur zu einer geringeren Häufigkeit gegenüber In-
fekten der oberen Luftwege Antiphlogistika Antientzündliche Medikamente, z.B. Volta-
ren, Ibuprofen, Kamille
Aktin Fibrilläres (fadenförmigen) Muskeleiweiß; ist eigent-
lich ein globuläres Monomer, doch viele Aktinmonomere fü- Antitussivum Medikament zur Unterdrückung von Husten-
gen sich fadenförmig als Polymer zusammen, dieses Polymer reiz und Husten, z.B. Kodein
ist dann am Z-Streifen des Sarkomers befestigt; ist dünner als
Myosin, ein anderes wichtiges fibrilläres Muskeleiweiß; das Anulus fibrosus Äußere Schichten einer Bandscheibe (Discus
Aktinpolymer besitzt Andockstellen für die Myosinköpfchen intervertebralis); umhüllen den Nucleus pulposus; beschrie-
der Myosinfilamente, Aktin und Myosin gleiten aneinander ben werden 10-20 Lamellen, deren Hauptkollagenrichtung
vorbei (Gleitfilamenttheorie als elementare Basis für die Mus- sich von innen (vertikale Anordnung) nach außen (vorrangig
kelkontraktion und Muskelarbeit) horizontale Anordnung) ändert, mit dem Ergebnis einer extre-
men Festigkeitszunahme des Anulus (Rings); bei Überlastung
Adaptation Anpassung an eine neue Situation; Adaptationen der Bandscheibe werden die Lamellen des Anulus fibrosus von
der Zellen an veränderte Bedingungen können mit einer ge- innen nach außen rupturiert; prinzipiell ist die Regeneration
steigerten oder auch herabgesetzten Funktion einhergehen; zerrissener Lamellen möglich, allerdings erst innerhalb von
die Adaptation des Gesamtorganismus an neue Bedingungen Wochen bis Monaten (Geschwindigkeit der Kollagenbildung)
kann durch gezielte verträgliche/milde Exposition gegenüber
Reizen trainiert werden (s.a. Abhärtung) Aplasie Fehlende Ausbildung eines Organs, obgleich die An-
lage vorhanden ist; Ersatz der fehlenden Gewebe- und Organ-
Analgetika Schmerzmittel, z.B. Tramal, Novalgin, Morphium substanz durch Binde-/Fettgewebe

Aneurysma Aufweitung eines arteriellen Gefäßes, mit der Apoplex Schlag, Schlaganfall, auch apoplektischer Insult
Gefahr der Ruptur des Aneurysmas mit konsekutiv innerer,
z.T. je nach Lokalisation des Aneurysmas, lebensbedrohlicher Apoptose Bezeichnet als eine Form des Untergangs von
Blutung Zellen den programmierten Zelltod; verschiedene Signale
können die Apoptose auslösen, oft (oder immer) im Interesse
Ankylose Natürliche Versteifung eines Gelenks des Gesamtorganismus

Antibiotikum Medikament zur Hemmung der Zellteilung Arteriosklerotischer Plaque Ansammlung von Fetten (Lipi-
von Bakterien; wird bei bakteriellen Infektionskrankheiten den) und Kalzium an den Innenwänden arterieller Blutgefäße;
eingesetzt es kommt nicht nur zu einer Anlagerung an die Innenwand
(Tunica interna) und damit zu einer zunehmenden Gefäßver-
Antidiabetika Medikamente gegen einen Diabetes mellitus engung, sondern auch zu einem gewissen »Einwachsen« und
(Zuckerkrankheit), z.B. Metformin, Glibenclamid zu Entzündungsreaktionen

Antihypertonika Medikamente gegen zu hohen Blutdruck Arthrodese Künstliche (iatrogene) Versteifung eines Ge-
(arteriellen Hypertonus), z.B. Beta-Blocker, Diuretika, alpha-1- lenks
Rezeptor-Hemmer, Kalziumantagonisten
Arthrose Degeneration eines Gelenks, wobei es durch Über-/
Antikoagulantien Medikamente zur Verringerung der Ge- Fehlbelastung, endogene Faktoren etc. zu einem progredienten
rinnsel- (Koagel-)bildung; dazu gehören die sog. Thrombo- Schaden/Verschleiß des Gelenkknorpels kommt; radiologische
zyten-Aggregations-Hemmer wie Aspirin (ASS, Azetylsalizyl- Zeichen einer Arthrose sind Hypersklerosierung (vermehrte
säure), die Heparine als Prothrombin-Hemmer (hemmen die Apatiteinlagerung in Überlastungszonen), verminderter Ge-
Umwandlung von Prothrombin in Thrombin und bremsen so lenkspalt (Osteochondrose), Osteophytenbildung und letztlich
die Gerinnungskaskade) und die Coumarine wie Marcumar Ankylosezeichen
221
Glossar

Arthroskopie Inspektion eines Gelenkbinnenraums zu diag- mit geringerem Lipidanteil und höherem Proteinanteil, bei
nostischen und/oder therapeutischen Zwecken schlechter Einwicklung von LDL (»low-density lipoproteins«)
mit hohem Lipidanteil und niedrigerem Proteinanteil; die
Ataxie Störung der Koordination von Bewegungsabläufen; LDL tragen zur Arterioskleroseentstehung bei, ein hoher
Zeichen einer Ataxie können Störungen der Okulomotorik HDL-/LDL-Quotient ist prognostisch günstig
(Bewegung der Augäpfel), Dysarthrie (pathologische Gelenk-
beweglichkeit), Intentionstremor, Stand-, Gang- und Rumpf- Bulbärparalyse Neurologische Störungen, die durch bilaterale
beweglichkeitsstörungen sein, auch eine gestörte Diadocho- Schädigung motorischer Hirnnervenkerne in der Medulla ob-
kinese longata entstehen; kausal können Blutungen, Embolien, gene-
tische Veränderungen, degenerative Veränderungen etc. sein
Atrophie Verkleinerung von Geweben oder Organen; bei
einer Atrophie kann kausal eine Zellgrößen- und/oder Zell- Bypass Überbrückung einer fast oder komplett verschlos-
zahlverminderung vorliegen; einfache Atrophie: Zellverklei- senen Blutgefäßstelle, um die Durchblutung von Gewebe wie-
nerung durch Hemmung des Zellstoffwechsels, numerische derherzustellen, z.b. ACVB (aorto-koronarer Venenbypass),
Atrophie: Verkleinerung eines Gewebes oder Organs mit/ femoro-poplitealer Bypass etc.
durch Zellzahlverminderung, diese kann auch im Alterungs-
prozess eines Organismus auftreten; eine pathologische Atro- C
phie kann durch Inaktivität, Druck, lokale Mangeldurchblu- Chronobiologie Rhythmen unseres Körpers; bekannt sind
tung auftreten v.a. zirkadiane Rhythmen (vollziehen sich im Verlauf von ca.
24 h, also eines Tages); darüber hinaus gibt es ultradiane und
Autoaggressionskrankheit Angriff auf körpereigene Struk- infradiane Rhythmen; berühmte Rhythmen: Herzrhythmus,
turen, die nur geringfügig modifiziert sind; das Immunsystem Hormonrhythmen, Rhythmen der Reaktionsgeschwindigkeit,
des Körpers bildet Autoantikörper gegen die vermeintlich Rhythmus der Lymphangiomotorik etc.
fremden, in Wirklichkeit aber nur veränderten körpereigenen
Strukturen (in der Regel Eiweiße) und nachfolgend kommt es Commotio Erschütterung, z.B. Commotio cerebri (Hirner-
zur Bildung von Antigen-Antikörper-Komplexen (Immun- schütterung)
komplexe), welche durch Phagozyten abgebaut werden; Auto-
aggressionskrankheiten sind z.B. rheumatoide Arthritis, All- Compliance 1. Bereitschaft und Engagement eines Patienten,
ergien, Glomerulonephritis, Psoriasis, Neurodermitis, Schild- am Prozess der Diagnostik, Therapie und/oder Rehabilitation
drüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis) u.a. mitzuwirken, auch Bereitschaft des Patienten zur Zusammen-
arbeit mit Arzt und Therapeuten. 2. Maß für die volumenab-
B hängige Dehnbarkeit von Lungen und Thorax
Ballondilatation Methode zur Aufweitung von Blutgefäßen,
wobei ein Katheter in die kritische Position gebracht wird und D
ein dort befindlicher »Ballon« regelmäßig aufgeweitet und Dekubitus Trophische Störung von Geweben mit nekro-
wieder verdünnt wird, um die kritische Gefäßstelle wieder zu tischen Arealen, evtl. infiziert und entzündet; hervorgerufen
erweitern durch Druck und lokale Ischämie; tritt häufig bei längerer
Immobilisation an Körperstellen auf, an denen die Haut dem
Basalganglion Synonym: Stammganglien; subkortikale Kern- Knochen unmittelbar anliegt, mitunter auch unter engen
gebiete des Groß- und Mittelhirns, z.B. Putamen, Substantia Gipsverbänden oder bei schlecht angepassten und schlecht
nigra, Pallidum; spielen eine wichtige Rolle im sog. extrapyra- sitzenden Prothesen; regelmäßige Umlagerungen bei Bett-
midalen System (der Motorik) lägerigen dienen der Dekubitusprophylaxe

Biopsie Gewebeentnahme, mit dem Ziel der Untersuchung Deltaband Bandapparat an der Innenseite des Sprung-
des Gewebes durch einen Pathologen; ein diagnostisches Ver- gelenks; besteht aus vier Anteilen: Pars tibiotalaris anterior,
fahren Pars tibiotalaris posterior, Pars tibiocalcanearis und Pars tibio-
navicularis; kann überdehnt werden oder bei einem Eversions-
Blue Bloater Patient mit Lungenemphysem des bronchi- trauma sogar (anteilig) reißen
tischen Typs; übergewichtig, ausgeprägte Zyanose mit Polyglo-
bulie, kaum Dyspnoe, hat Husten und Auswurf im Rahmen Dermographismus Hautreaktion nach mechanischer Rei-
einer chronischen Bronchitis, hat respiratorische Globalinsuf- zung der Haut, z.B. mit einem Stift, Spatel, Finger; zeigt sich
fizienz (Hypoxämie und Hyperkapnie), zeigt frühzeitige Ent- üblicherweise durch Vasodilatation als roter Dermographis-
wicklung eines Cor pulmonale mit Rechtsherzinsuffizienz mus, aufgrund neurovegetativer Dysregulation durch Vaso-
konstriktion auch als weißer Dermographismus
Blutfette Die im Blutplasma »schwimmenden« Lipide, sind
in Eiweiße (Plasmaproteine) »eingewickelt«; bei guter Ein- Diadochokinese Schnelle Abfolge von antagonistischen Be-
wicklung spricht man von HDL (»high-density lipoproteins«) wegungen, z.B. von Pro- und Supination; Dysdiadochokinese
222 Anhang

beschreibt Störungen der Diadochokinese, können im Rah- des gesamten Organs bzw. der betroffenen Organstellen;
men von Ataxien auftreten Krankheiten, bei denen die Fibrosierung zu schweren Ver-
änderungen führt, sind z.B. Leberzirrhose, zystische Fibrose
Dialyse Synonyme: Hämodialyse »künstliche Niere«; Metho- des Pankreas (Mukoviszidose), Schrumpfniere (chronische
de zur Reinigung des Blutes v.a. bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz), chronisches Lymphödem, Morbus Boeck
Niereninsuffizienz, bei der das Blut des Patienten im Gegen- (Sarkoidose, mit massiven schrumpfenden Prozessen in den
strom an einem optimal zusammengesetzten Dialysat vorbei- Lungen)
fließt und zum einen harnpflichtige/toxische Verbindungen
des Blutes zunehmend in das Dialysat übergehen, zum ande- Fibulotalarer Bandapparat Bandapparat an der Außenseite
ren nützliche Verbindungen des Dialysats in das Blut diffun- des Sprunggelenks, besteht aus den Ligg. talofibulare anterius,
dieren talofibulare posterius und talocalcaneare; kann überdehnt
werden oder bei einem Supinationstrauma sogar (anteilig)
Diastole Arbeitsphase des Herzens, in der das Blut aus den reißen, wobei das Lig. talofibulare anterius am ehesten reißt;
Vorhöfen in die Kammern (Ventrikel) nachläuft; in der Dias- Rupturen dieses Teilbands sind die häufigsten Bandrupturen
tole ist die Kammermuskulatur erschlafft, aufgrund der beim Menschen überhaupt
schlaffen Kammermuskulatur sind die arteriellen Gefäße in
der Muskelschicht des Herzens (Myokard) geöffnet, so dass G
der Herzmuskel mit Sauerstoff und Substraten versorgt wird Ganglion 1. Nervenknoten, in den Verlauf von Nerven ein-
geschaltete Anhäufung von Ganglienzellen, die zu einer Ver-
Distorsion Verrenkung, Verstauchung; Distorsionen sind dickung an dieser Stelle führt, ist von bindegewebiger Kapsel
eine häufige Sportverletzung umhüllt. 2. Überbein, Gallertzyste; Flüssigkeitsaustritt (Syno-
vialflüssigkeit) aus einem Gelenk, z.B. an der Hand, am Fuß-
Diuretikum Arzneimittel zum Ausschwemmen von Flüssig- rücken, Knöchel; Therapie: Punktion, Exstirpation
keit aus dem Körper über die Niere, z.B. Furosemid
Gelenk, echtes und unechtes Bewegliche Verbindung von
E zwei oder mehr Knochen (lat. Articulatio, gr. Arthros); die
Epiphyse 1. Proximale und distale Endstücke der langen artikulierenden Gelenkflächen sind mit Knorpel überzogen,
Röhrenknochen; in der knorpeligen Gewebeschicht zwischen die Sicherung des Gelenks erfolgt knöchern, ligamentär und
Epiphyse und Metaphyse (Epiphysenfuge) spielt sich das muskulär; z.B. ist das Schultergelenk (Art. glenohumeralis)
enchondrale Knochenwachstum ab. 2. Zirbeldrüse (Glandula knöchern schlecht, ligamentär gering bis mittelgradig und
pinealis); befindet sich am dorsalen Teil des Zwischenhirns muskulär stark gesichert, das Hüftgelenk ist knöchern stark
(Diencephalon); die Parenchymzellen der Epiphyse werden gesichert etc.; im Gegensatz zu einem unechten hat ein echtes
Pinealozyten genannt und sind der Bildungsort von Melato- Gelenk eine komplette umhüllende Gelenkkapsel, die eine
nin, einem wichtigen Hormon der Chronobiologie innere und äußere Schicht aufweist (Membrana synovialis
und Membrana fibrosa)
Erysipel Wundrose; schwere akute Hautentzündung, meist
durch Streptokokken verursacht, die über kleine Hautver- Glukokortikoide Hormone der Nebennierenrinde; auch als
letzungen eindringen können; scharf begrenzte, ödematöse, Medikamente verwendet, v.a. mit starker antiphlogistischer
schmerzhafte Rötung mit Ausläufern, zentrale Rückbil- oder immunmodulierender Wirkung (z.B. gegen Autoaggres-
dungstendenz, hohes Fieber, Entzündungsparameter im Blut sionskrankheiten)
deutlich erhöht: Leukozyten, Blutsenkungsgeschwindigkeit,
C-reaktives Protein; Therapie: Ruhigstellung, Antibiotika- H
gabe, lokal desinfizierende Maßnahmen, kühlende Verbände; Hämatom Bluterguss, Stelle im Gewebe, vor allem im Binde-
hohe Rezidivrate gewebe, in die Blut ausgetreten ist; das Hämatom ändert im
Laufe von einer bis zwei Wochen seine Farbe; diese Farbände-
Exzentrik Bewegung eines Muskels »aus dem Zentrum he- rung beruht darauf, dass der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin),
raus«, exzentrische Muskelarbeit; Ursprung und Ansatz des der sich als Sauerstofftransporter in den mit der Blutung aus-
Muskels entfernen sich voneinander, der Muskel wird gleichzei- getretenen roten Blutzellen (Erythrozyten) befindet, beim
tig gedehnt, während er arbeitet; Gegensatz ist die Konzentrik Abbau seine Farbe ändert

F Heredo-Ataxie Heredoataxia spinalis, Friedreich-Ataxie;


Fibroblast Parenchymzelle des Bindegewebes Ataxie: Störung der Koordination von Bewegungsabläufen;
hier: autosomal-rezessiv vererbte Form der spinozerebellaren
Fibrosierung Exzessive Wucherung von Fibroblasten, vor Ataxie; vor allem spinale Degeneration und meist nur gering-
allem dort, wo die normalen Parenchymzellen eines Organs fügige zerebellare (Kleinhirn-)Degeneration nachweisbar; in
untergehen oder untergegangen sind; im Zuge dieser Prolife- der Folge Muskelatrophien, Muskelschwäche und Polyneuro-
ration der Fibroblasten kommt es zu einer Remodellierung pathie, Areflexie und pathologische Reflexe, evtl. Paraspastik
223
Glossar

der Beine und Skelettdeformierungen, oft auch Beteiligung Ischämie Sauerstoff- und Substratmangel eines Gewebes
innerer Organe, z.B. Kardiomyopathie; Prognose progredient oder Organs durch Störung (Verminderung oder komplette
oder stabile Symptomatik ohne Progredienz möglich Unterbrechung) der arteriellen Versorgung dieses Gewebes
oder Organs
Herxheimer-Trias Die drei S: Schleim, Spasmus, Schwellung;
treten bei Asthma bronchiale und anderen obstruktiven Venti- K
lationsstörungen wie COPD auf Klimakterium Wechseljahre der Frau, reicht zeitlich vom Be-
ginn unregelmäßiger Menstruationsblutungen bis zur Post-
Histologie Gewebeuntersuchung zu diagnostischen Zwecken, menopause (Menopause: Zeitpunkt der letzten spontanen
z.B. Leberhistologie nach Feinnadelbiopsie zur Diagnose oder Menstruation)
zum Ausschluss einer Leberzirrhose, histologische Untersu-
chung auch häufig in der Tumordiagnostik Kokzygodynie Schmerzen in der Steißbeinregion; können
z.B. durch aktive Triggerpunkte im M. levator ani zustande
Hypästhesie Verminderte Schmerzempfindung; im weiteren kommen; man spricht auch vom Levator ani-Syndrom, weil es
Sinne Hyposensibilität (verminderte Tast- und Berührungs- der am häufigsten betroffene Muskel ist
empfindlichkeit)
Konzentrik Bewegung »in das Zentrum hinein«; Ursprung
Hyperkrinie Deutlich verstärkte Sekretion, z.B. vermehrte und Ansatz des Muskels nähern sich einander an, konzen-
Schleimbildung durch exokrine Drüsen trische Muskelarbeit

Hyperlipoproteinämie Erhöhte Konzentrationen an Blut- L


fetten Letalität Epidemiologischer Parameter zur quantitativen Be-
wertung der Sterblichkeit; es geht nicht – wie bei der Mortali-
Hyperkapnie Erhöhter Kohlendioxidpartialdruck im Blut tät – um die absolute Zahl von Personen, die an einer Erkran-
(pCO2) kung verstorben sind, sondern um den Quotienten zwischen
der Zahl der an dieser Erkrankung Verstorbenen und der Zahl
Hyperplasie Zunahme der Zellzahl in einem Gewebe oder der Personen, die im selben Zeitraum an dieser Erkrankung
Organ, z.B. durch hormonelle Umstimmung (s. Prostatahy- erkrankt sind; somit ist die Letalität ein wichtiger Gradmesser
perplasie) für die Gefährlichkeit einer Krankheit

Hypertrophie Größenzunahme eines Gewebes oder Organs; Luxation Auskugelung, Trennung der miteinander kommu-
meist durch gesteigerte parenchymale Funktionen, z.B. trai- nizierenden Knochen in einem Gelenk; Vorstufe ist Subluxa-
ningsbedingte Muskelzunahme tion

Hypoplasie Unvollständige Entwicklung eines Organs M


Morbidität Beurteilt die Häufigkeit von Erkrankungen; ist
Hypoxämie Verringerter Sauerstoffpartialdruck des Blutes eine sog. epidemiologische Größe, wobei die Detailangaben
(pO2) durch Inzidenz und Prävalenz geliefert werden

I Morbus Hodgkin Malignes Lymphom; bei den malignen


Immunisierung Methode zur Stärkung des Immunsystems Lymphomen (Lymphknotenkomplexe schwellen nach ma-
mithilfe von Injektionen (z.T. auch als Schluckimpfung); ligner (krebsiger) Umwandlung massiv an, z.B. im Bereich der
prinzipiell werden aktive Immunisierungen (durch Gabe von Achselhöhle) unterscheidet man Hodgkin-Lymphome und
abgeschwächten Keimen oder Toxinen mit aktiver Reaktion Non-Hodgkin-Lymphome
des Körpers in Form der Bildung von Antikörpern) von pas-
siven Immunisierungen (exogene Gabe der Antikörper) un- Mortalität Zahl der Personen, die innerhalb eines Jahres an
terschieden einer bestimmten Erkrankung verstorben sind; wird mit To-
desfälle pro 100.000 Einwohner und Jahr angegeben
Infarkt Verschluss eines arteriellen Gefäßes, daraus resultie-
rende Ischämie des zu versorgenden Gewebes und schließlich Muskelrelaxantien Die Muskulatur entspannende Medika-
Zell- und Gewebsuntergang (Nekrose), z.B. Myokardinfarkt, mente, z.B. Muskeltrancopal; werden auch bei Anästhesie und
Hirninfarkt, Knocheninfarkt etc. Operationen eingesetzt

Inzidenz Anzahl der Neuerkrankungen an einer bestimmten Mutation Veränderung des genetischen Materials, d.h. der
Krankheit in einer bestimmten Bevölkerung; mit Zahl der Kern-DNA (im weiteren Sinne natürlich auch der mitochond-
Neuerkrankungen pro Jahr und pro 100.000 oder pro 1 Mio rialen DNA) durch endogene und exogene mutagene Faktoren;
Einwohner angegeben Mutationen können repariert werden, bei ausbleibender Repa-
224 Anhang

ratur kommt es zu Veränderungen in den durch die entspre- aus Kalziumphosphaten (Apatiten); damit erhöht aktive Ar-
chende veränderte Sequenz kodierten Proteinen; dies kann beit der Osteoblasten den Kalkgehalt der Knochen (Mineral-
Ursache für Erbkrankheiten sein, wenn die mutierten Gene auf dichte), die sog. Knochendichte; die Osteoblasten werden
die nächsten Generationen übertragen werden, und kann auch durch Peptidhormone stimuliert, die bei Bewegung freigesetzt
eine Rolle bei der Entstehung von Tumoren spielen werden, somit ist Bewegung das natürliche Mittel für die Er-
haltung/Erhöhung der Knochendichte
Myosin Kontraktiles Proteinfilament von Muskelzellen; liegt
im Sarkomer zwischen den Aktinfilamenten, hat keine direkte Osteoklast Knochenzelle, die den Knochen abbaut; detail-
Verbindung zu den Z-Streifen; ist dicker als das Aktinpoly- liert sorgen die Osteoklasten für den Abbau des Apatits und
merfilament; besitzt eine große Anzahl von Myosinköpfchen, die Ausschwemmung von Kalzium und Phosphat aus dem
die über einen Hals in Richtung der Aktinfilamente beweglich Knochen in das Blut; Osteoklasten werden in ihrer Aktivität
ausgerichtet sind; am Myosinkopf befindet sich eine Myosin- durch die Sexualhormone gebremst; Parathormon, ein von
ATPase, die durch Ca++ aktiviert wird; die Myosinköpfe den Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen) bei Hypokalzä-
docken am Aktinfilament an; Hals und Kopf des Myosins mie ausgeschüttetes Hormon, findet seine Rezeptoren an
können eine unterschiedliche Winkelstellung zum »Myosin- den Osteoklasten und aktiviert selbige mit dem Vorteil der
rumpf« einnehmen, die das Myosin- am Aktinfilament vor- Wiederherstellung eines normalen Plasma-Kalzium-Spiegels,
beibewegt (Filamentgleiten); Bewegung erfolgt nach Inner- aber mit dem Nachteil einer gewissen Entkalkung der Kno-
vation des Muskels vielfach hintereinander in Art von Ruder- chen; selbiges ist über kürzere Zeiten ungefährlich, kann aber
schlägen; für die Bewegung der Hälse/Köpfchen des Myosins über längere Zeit Krankheitswert erlangen (Osteopathie, z.B.
und damit für die Muskelarbeit wird ATP benötigt renale Osteopathie bei niedriger Kalziumaufnahme bei chro-
nisch Nierenkranken wegen der mangelhaften Vitamin D-Ak-
N tivierung)
Nahrungssupplementation Nahrungsergänzung; Zusätze
zur Nahrung, mit den Zielen: Ausgleich von Mangelzustän- Osteomyelitis Knochenmarkentzündung; kann durch häma-
den, Optimierung der Nahrung, Nahrung für bestimmte An- togene Streuung entstehen, aber auch als Komplikation
forderungen, z.B. beschleunigte Entwicklung bei Frühchen, nach offenen Frakturen oder knochenchirurgischen Ein-
Training und Sport, Regeneration, Wundheilung, Stärkung griffen; Therapie: Ruhigstellung, Gabe von Antibiotika und
des Immunsystems, künstliche Ernährung, Prävention, Anti- nichtsteroidalen Antiphlogistika, Infektsanierung, Spon-
Aging; Zusätze sind z.B. Kreatin, Carnitin, Vitamin C (Ascor- giosaplastik, Saug-Spül-Drainage, Einlage von Antibiotika-
binsäure), Vitamin E (Tocopherole) etc. ketten etc.

Narbe Bindegewebe mit einem hohen Kollagengehalt, das Osteosynthese Iatrogene Verbindung von Knochenfrag-
nach Verletzungen während der Wundheilung gebildet wird; menten, mit dem Ziel der Wiederherstellung der Integrität des
Narben besitzen eine hohe Festigkeit, sind zell- und gefäßarm; Knochens; methodisch unterschiedliche Ausführungen, z.B.
eine Narbe hat immer die Tendenz zur Schrumpfung und Verplattung, Verschraubung, Verdrahtung, Nagelung, Fixa-
kann je nach Größe Kontrakturen hervorrufen, daher ist eine teur in-/externe
Narbenmassage wichtiger Bestandteil der Physiotherapie
P
Nekrose Gewebezerstörung, Zelluntergang durch Schädi- Paget von Schroetter-Syndrom Durchblutungsstörung der
gung (im Unterschied zur Apoptose); i.d.R. Ersatz durch Nar- V. subclavia oder V. axillaris, z.B. bei einer zu hoch stehenden
bengewebe 1. Rippe, einer geschlossenen Skalenuslücke oder Mediasti-
naltumoren (junge Männer sind häufig betroffen)
Nucleus pulposus Innerer Gallertkern einer Bandscheibe
(Discus intervertebralis); enthält Mischverbindungen aus Ei- Parenchymzellen Zellen eines Organs, die für die eigentliche
weißen und Kohlenhydraten (Glykoproteide und Proteogly- Organfunktion zuständig sind, z.B. für das Nervensystem die
kane), die Wasser anziehen, so dass die Bandscheibe ihre puf- Neurone, für die Leber die Hepatozyten, für die Schilddrüse
fernde Funktion (wie ein Wasserkissen) ausüben kann die Thyreozyten, für das Bindegewebe die Fibroblasten, für
den Knochen die Osteoblasten/-klasten; neben den Paren-
Nykturie Häufiges nächtliches Wasserlassen; Ursache kann chymzellen gibt es in jedem Organ noch viele andere Zell-
eine Herzinsuffizienz sein typen, z.B. im Gehirn Gliazellen, in jedem Organ die Zellen
der Blutgefäße usw.
Nystagmus Augenzittern; unwillkürliche rhythmische Oszil-
lationen der Augen Perinatal Phase kurz vor, während und nach der Geburt

O Pes excavatus Synonyme: Pes cavus, Hohlfuß; Fußfehlbil-


Osteoblast Knochenzelle, die den Knochen aufbaut; fördert dung mit ausgeprägtem Längsgewölbe, oft kombiniert mit
die sog. Nukleation im Knochen, d.h. die Bildung von Kernen Krallenzehen
225
Glossar

Pink Puffer Patient mit Lungenemphysem des dyspnoisch- Protrusio Vorwölbung einer Bandscheibe; graduell geringer
kachektischen Typs; anlagemäßig hagerer Typ (normal- bis als ein Bandscheibenprolaps
untergewichtig), hat ausgeprägte Dyspnoe, evtl. trockenen
Reizhusten, kaum Zyanose, respiratorische Partialinsuffizienz Pseudarthrose Falschgelenkbildung; Komplikation nach
(Hypoxämie, jedoch keine Hyperkapnie) Frakturen: knöcherne Überbrückung der Bruchstelle ist nach
längerer Heilungsfrist nicht erfolgt; Ursachen sind z.B. Weich-
Plasmapherese Methode der Blutwäsche; im Gegensatz zur teilinterponate, mangelhafte Ruhigstellung, zu frühe Belas-
Hämodialyse werden auch die Plasmaproteine gereinigt oder tung, fehlerhafte Osteosynthese, allgemeine Faktoren wie
teilweise sogar entfernt, z.B. Autoantikörper bei Patienten mit metabolische Störungen, Intoxikationen, massive Durchblu-
rheumatoider Arthritis tungsstörungen

Platysma Flacher Hautmuskel am Hals; beginnt am Unter- R


kieferrand, zieht über die Klavikula zur Brusthaut in Höhe der Resorption Wiederaufnahme, Rückgewinnung; z.B. Resorp-
2. Rippe, Innervation durch den N. facialis (VII. Hirnnerv); tion der Mikronährstoffe nach der Verdauung (Digestion) der
beim Rasieren spannen Männer das Platysma manchmal an Makronährstoffe; diese Resorption erfolgt im Dünndarm

Platysmaparese Bei einer N. facialis-Parese kann es zu einer Restriktiv Einschränkend; restriktive Ventilationsstörungen:
Lähmung des Platysmas kommen; die Straffung der Haut im Behinderung der Lungenausdehnung durch Thoraxdeformi-
Halsbereich ist dann nicht mehr gut möglich täten, Gewebeverlust durch Nekrosen, nach Operationen oder
durch verminderte Dehnbarkeit des Lungengewebes, damit
Plethysmographie Verfahren zur Messung eines Volumens, Verminderung der Belüftung der Alveolen; man unterschei-
z.B. Ganzkörperplethysmographie (u.a. messbar durch Wasser- det restriktive und obstruktive Ventilationsstörungen (häu-
verdrängung), auch im Rahmen der Lungenfunktionstestung figer), bei Letzteren wird die Ventilation durch Verengung
oder Venenverschlussplethysmographie bzw. Verlegung von Atemwegen beeinträchtigt

Polyglobulie Erhöhte Anzahl von roten Blutkörperchen Retardierung Verzögerung, Verlangsamung; z.B. retardiertes
(Globuli, Körperchen), z.B. bei vermindertem pO2 oder durch Längenwachstum, retardierte Entwicklung der Motorik oder
unerlaubte Gabe (Doping) von Erythropoietin auch retardierte geistige Entwicklung eines Kindes

Polyneuropathie Erkrankung vieler Nerven, v.a. kleiner Ner- Retroflexio uteri Abknickung des Gebärmutterkörpers
venäste; unterschiedliche Symptome wie Par-/Hypästhesien, (Corpus uteri) gegen den Gebärmutterhals (Zervix uteri) nach
motorische Störungen (Paresen) etc.; Hauptursachen für eine hinten, kann mobil (noch spontan beweglich) oder fixiert
Polyneuropathie sind chronische Niereninsuffizienz, Diabetes sein; die fixierte Form findet man nach Verwachsungen mit
mellitus, Alkoholismus Nachbarorganen

Postnatal Nach der Geburt Rezidiv Rückfall, Wiederauftreten einer Krankheit; bei man-
chen Krankheiten ist nach einer Heilung ein Rezidiv häufig,
Pränatal Vor der Geburt z.B. nach Therapie einer Bakerzyste (Poplitealzyste mit Aus-
tritt von Kniegelenkflüssigkeit in die Kniekehle), nach Ery-
Prävalenz Zahl der Menschen, die gerade an einer be- sipel (Wundrose); Rezidiv eines Tumors bedeutet, dass nach
stimmten Erkrankung erkrankt sind; wird mit Zahl der Er- der vermeintlichen Ausheilung derselbe Tumortyp erneut
krankten pro 100.000 oder pro 1 Mio der Bevölkerung ange- auftritt
geben
Rheologie Lehre von den Fließeigenschaften einer Flüssig-
Prolaps Vorfall, Hernie; z.B. Prolaps einer Bandscheibe keit; interessiert bei den rheologischen Eigenschaften von
(Discus intervertebralis), Prolaps innerer Organe, z.B. von Blut, die wichtig sind für die Entstehung/Verhinderung einer
Darmanteilen beim Leistenbruch (Hernia inguinalis), Mast- Thrombenbildung und demzufolge Entstehung von Throm-
darm- oder Scheidenprolaps etc.; am gängigsten ist der Begriff bosen und Embolien
beim Bandscheibenvorfall (z.B. Prolaps L3/L4)
Ruptur Riss, Durchriss, z.B. Bandruptur
Propriozeption Wahrnehmung des Körpers/eines Körper-
teils im Raum sowie der Gelenk- und Körperbewegungen; S
Transformation physikalischer Reize aus Muskeln, Gelenk- Schmorl-Knötchen Juvenile Einlagerungen von Bandschei-
kapseln, Knochen, Haut und Unterhaut; Wahrnehmungen bengewebe in die Grund- und Deckplatten von Wirbel-
über die Stellung des Körpers im Raum sind wichtig für körpern; können später im Röntgenbild als Knötchen an
statische und dynamische Gleichgewichtskoordination; die Grund- und Deckplatten sichtbar sein; sind symptomatisch
PNF-Methode nutzt diese Zusammenhänge zur Therapie irrelevant
226 Anhang

Sequester Teil des Nucleus pulposus (Bandscheibenkern); ist Trabekel Kleine Stützpfeiler der Knochen; formen sich nach
nach kompletter Zerstörung aller Lamellen des umhüllenden Druck- und Zuglinien, in deren Verlauf die Osteoblasten aktiv
Anulus fibrosus aus dem Bandscheibenverbund ausgetreten; gehalten werden und genau auf diesen Druck- und Zuglinien
das aus der Bandscheibe ausgetretene Gewebe kann auf »ihr« Kalzium und Phosphat ablagern, was einer Nukleation
Nervenwurzeln drücken und Symptome hervorrufen, kann (Kernbildung) entspricht, d.h., an den Stellen, wo Zug und
aber auch im Wirbelkanal absinken und evtl. keine Symptome Druck herrschen, wird Apatit akkumuliert; bei Änderung der
auslösen; der Austritt aus dem Bandscheibenverbund ist irre- Druck- und Zuglinien wie z.B. nach Frakturen kann sich die
versibel und verursacht auf jeden Fall eine gewisse Höhen- Trabekelarchitektur massiv ändern
abstandsminderung zwischen Grundplatte des oberen und
Deckplatte des unteren Wirbels, eine derartige Höhenminde- Tranquilizer Sedierende, das Nervensystem und meist auch die
rung wird als Osteochondrose bezeichnet Schmerzempfindung dämpfende Medikamente, z.B. Valium

Shunt Verbindung, z.B. zwischen arteriellem und venösem Trophik Ernährungssituation eines Gewebes oder Organs
Gefäß; Shunt zur Hämodialyse bei Patienten mit chronischer
Niereninsuffizienz als Verbindungsstück für den Außen- U
apparat der »künstlichen Niere« Ulkus Geschwür

Spondylodese Versteifung, iatrogene Verbindung von Wir- Ulcus corneae Geschwür der Hornhaut des Auges
belkörpern; Nachteile: verringerte Beweglichkeit (Fixation
innerhalb eines Segments), konsekutive Gefährdung der Nach- Ulcus serpens (lat. serpens, wandernd); bei Augenhornhaut-
barsegmente durch potenzielle kompensatorische Hypermobi- geschwüren werden die Krankheitserreger durch Leukozyten
lisation; Ziel/Vorteil: Schmerzbeseitigung/-reduktion an der Innenseite der Hornhaut attackiert, die daraus entste-
henden Abbauprodukte aus Keimresten und untergegangenen
Stemmer-Zeichen Klinisches Zeichen für ein Lymphödem; leukozytären Makrophagen sinken in die vordere Augenkam-
wird meist am Fuß ausgeführt mer ab, und dort bildet sich dann ein mehr oder minder hoher
Eiterspiegel, man spricht von einem wandernden Geschwür
Stent Künstliche Struktur aus Kunststoff und/oder Metall
zum Einsetzen in ein Gefäß und zur Aufweitung desselben, Z
wird häufig in der Koronar- (Herzkranzgefäß-)Chirurgie ver- Z-Streifen Synonym: Z-Scheiben; begrenzen das Sarkomer
wendet zu beiden Seiten; an ihnen sind die Aktinfilamente befestigt

Syndrom Gemeinsam auftretende Krankheitssymptome; z.B. Zyanose Blaufärbung des Körpers oder bestimmter Körper-
nephrotisches Syndrom mit Proteinurie, Hypoproteinämie stellen; entsteht durch übermäßige Anhäufung von Met-Hb;
und Ödemen das ist Hämoglobin, bei dem im Porphyrinkern das Eisen
oxidiert ist und demzufolge nicht in der zweiwertig (Fe++),
Systole Arbeitsphase des Herzens; die Kammermuskulatur sondern in der dreiwertig positiven Ladung (Fe+++) vorliegt;
spannt sich an (Anspannungsphase), und das Blut wird aus Letzteres ist nicht mehr in der Lage, Sauerstoff zu binden und
den beiden Kammern links in die Aorta und rechts in den zu transportieren, da die dafür notwendige Bindungsstelle
Truncus pulmonalis ausgeworfen (Auswurfphase, Ejektions- aufgrund der Ladungsänderung fehlt
phase)
Zytologie Entnahme und Untersuchung von Zellen zu diag-
T nostischen Zwecken
Tendinosis calcarea Einlagerung von Kalk (Kalziumphos-
phate, Apatite) in eine Sehne, z.B. Supraspinatussehne; ist Zytomegalie Speicheldrüsen-Viruskrankheit; ist die häufigs-
prinzipiell reversibel, vor allem durch intensive Bewegungs- te prä- und perinatale Virusinfektion; Komplikationen: Innen-
übungen; kann aber auch operativ entfernt werden; ange- ohrschwerhörigkeit, Sprachstörungen, neurologische Störun-
wendet wird auch die extrakorporale Stoßwellenlithotrypsie gen, geistige Retardierung, Pneumonie
(Stoß- und Druckwellen)

Titin Fibrilläres Muskelprotein; soll das höchste Molekular-


gewicht aller bekannten Proteine des menschlichen Körpers
besitzen; verbindet die Z-Scheiben eines Sarkomers, besitzt
einen nicht mit dem Myosin verbundenen freien und einen
damit verbundenen festen Anteil; Titin zentriert offenbar die
kontraktile Einheit und trägt zur passiven Ruhespannung der
Muskulatur bei
227

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237 A–F

Stichwortverzeichnis

A B D
A. cerebri media 16 Bakerzyste 62 Darmerkrankung, chronisch-entzündliche
A. femoralis 8 Ballondilatation 138 164
Abduktionsfraktur 178 Bambusstabphänomen 118 Daumensattelgelenk 172
AC-Gelenkverletzungen 4 Bandinstabilität 58 Deformierung, präarthrotische 58
Achillessehne 88 Bandläsion 84 Dekubitus 10, 150
Achillessehnenruptur 6 Bandruptur 192 Dekubitusprophylaxe 132
Adduktionsfraktur 178 Bandscheibenvorfall 28 Derangement 104
Adduktorenreizung 8 Bankart-Läsion 180 Dermographismus 50
Agnosie 16 Barton-Fraktur 162 Diabetes mellitus 6, 20, 42
Agraphie 16 Beckenabrissfraktur 32 Diadochokinese 24, 152, 153, 176
Akalkulie 16 Beckenbodenschwäche 76 Digitus quintus varus superductus 54
Akinese 120 Beckenrandfraktur 32 Diparese 16
Akromioklavikulargelenk 4 Beckenringfraktur 32 Discitis 104
Akustikusneurinom 198 Beinlängendifferenz 8 Distraktionsverletzung 216
Alexie 16 Beinvenenthrombose, tiefe 210 Diszitis 36
Algodystrophie 126 Bell-Phänomen 46 Dopamin 120
Alkohol 60 Bennet-Fraktur 64 Doppelsehen 130
Alpha-Antitrypsin-Mangel 102 Besenreiser 210 Dopplersonografie 20
Altersdiabetes 42 Bewusstlosigkeit 92 Dranginkontinenz 76
Alveolen 102 Bewusstseinsstörung 92 Duplay-Syndrom 52
Amnesie 176 Blue Bloater 102, 103 Dysfunktion, craniomandibuläre 14
Amphiarthrose 80 Blue Bloater-Typ 38 Dysfunktion, kraniomandibuläre 198
Amputation 10, 12 Bluthochdruck 18 Dysphasie 114
amyotrophische Lateralsklerose 14 Bona-Jäger 12 Dyspnoe 22
Anämie 40 Borreliose 46
Aneurysma 20 Bronchialschleimhaut 38
Angiopathie 10
Ankylose 62, 94, 142
Bronchiektasen 38
BSR 30
E
Aortenklappe 66 Bulbärparalyse 14 Ehlers-Danlos-Syndrom 6
Aphasie 16 Burnout-Syndrom 50 Elektrolythaushalt 8
apoplektischer Insult 16 Bursektomie 34 Emboli 24
Apraxie 16 Bursitis 34, 194 Embolus 16
Arteria subclavia 196 Bursitis subacromialis 72 Encephalomyelitis disseminata 130
Arteriosklerose 20 BWS-Syndrom 36 Epicondylitis 44
Arthrose 58 Bypass 138 Epiphysenfugen 84
aseptische Knochennekrose 122, 124 Erysipel 106
ASR 30 Erythropoietin 40
Asthma bronchiale 22
Asthma cardiale 66
C Essex-Lopresti-Verletzung 162
extrinsic asthma 22
Aszites 66 Caplan-Syndrom 170
Ataxie 24 Cauda equina-Syndrom 30, 158
Atrophie 48
Autoaggressionskrankheit 46
Charcot-Krankheit 14
Chemotherapie 106, 204
F
Autoimmunerkrankung 130, 136 Chondropathia patellae 168 Fallhand 160
AVK (Arterielle Verschlusskrankheit) 26 Chopart-Linie 12 Fassthorax 22, 102
AVK (Claudicatio intermittens) 166 Chronische Bronchitis 38 Fazialisparese 46
Axonotmesis 110 CMD 198 Felty-Syndrom 170
Azetabulumfraktur 94 Cobb-Winkel 186 Femoralisläsion 48
Azetabulumfrakturen 32 Colles-Fraktur 162 Fibromyalgie 50, 164
Azidose 22 Commotio cerebri 176 Fibrosierung 100, 128
Compressio cerebri 176 Finger-Nase-Versuch 132, 136
Contusio cerebri 176 Fixateur interne 186
COPD 38, 102 Folsäuremangel 144
Cor pulmonale 22, 38, 66, 128 Foramen
Crepitatio 168 – infrapiriforme 78
– suprapiriforme 78
238 Anhang

Fraktur
– bimalleoläre 214
Hyperlipoproteinämie 20, 26
Hyperparathyreoidismus 144
L
– trimalleoläre 214 Hypersklerosierung 62, 94 Lagophthalmus 46
Frozen Shoulder 52, 142, 174 Hypertonie 18, 40 Laktoseintoleranz 164
Fußdeformität 54 Hypertonus 66 Lasègue-Test 104
– renaler 18 Leber 42
Hyperurikämie 60 Lig. collaterale mediale 98
G hypoglykämischer Schock 42
Hypothyreose 166
Lig. acromioclaviculare 4
Lig. carpi transversum 82
Galleazi-Fraktur 162 Lig. conoideum 4
Gegennutation 80 Lig. coracoacromiale 4
Gegennutationsfehlstellung 104
Genu recurvatum 48, 58
I Lig. trapezoideum 4
Ligg. coracoclavicularia 4
Genu valgum 58, 146 Iliosakralgelenk 80 Linksherzinsuffizienz 18, 40, 66
Genu varum 58 Impingementsyndrom 174 Lipödem 100
Gewichtskontrolle 66 Impressionsfraktur 36 Lipolymphödem 100
Gewölbestörung 54 infantile Zerebralparese 74 Loge von Guyon 82
Gicht 60 Inkontinenz 76 Lungenembolie 210
Gichtanfall 60 intrinsic asthma 22 Lungenemphysem 102
Gichttophi 60 Invers-Prothese 182 Lungenfunktionstest 22
Giemen 22 Ischämie 10 LWS-Syndrom 104
Glasgow Coma Scale 92 Ischämiezeit 26 Lymphödem 106, 204
Gleichgewichtsstörung 74, 176 – warme 138 Lysfranc-Linie 12
Gleitwirbel 104, 190 Ischiasreizung 78
Globalinsuffizienz 66 ISG-Blockade 80
Glukosestoffwechsel 42
Golferellenbogen 44
M
Großzehengrundgelenk 60
Grunderkrankung, rheumatische 172
J M. piriformis 78
M. supraspinatus 72
Grünholzfraktur 84 Jumper’s Knee 148 Makroangiopathie 20
juveniler Diabetes 42 Malgaigne-Fraktur 32
Mamma-Ca 106
H Medianusläsion 110

Hallux valgus 54
K Meniskuseinriss 112
Meniskusläsion 112
Halswirbelsäule 70 Kahnbeinfraktur 64 Metastasen 106
Hammerzehen 54 Karpaltunnelsyndrom 82 Meyerding-Skala 190
Handwurzelknochenfraktur 64 kindliche Fraktur 84 Migräne/Kopfschmerzen 114
Harninkontinenz 16, 76 Klaviertastenphänomen 4 Mikroangiopathie 20
Harnsäure 60 Klavikulafraktur 86 Minor-Zeichen 78
Harnverlust 76 Klavikulahochstand 4 Mitralklappe 66
Hemiparese 16 Klumpfuß 54, 88 Mittelhandfraktur 64
Hemiplegie 158 Knie 1 Morbus Ahlbäck 168
Hepatitis-Infektion 40 Knie-Hacke-Versuch 132 Morbus Bechterew 118
Herxheimer-Trias 22 Knie-TEP 90 Morbus Crohn 144
Herzhypertrophie 18 Knöchelödem 66 Morbus de Quervain 184
Herzinsuffizienz 66, 138 Knochennekrose, aseptische 168 Morbus Menière 198
Herzoperation 156 Knorpelabrieb 62 Morbus Osgood-Schlatter 122
Herzrhythmusstörung 50, 66 komatöser Patient 92 Morbus Parkinson 120, 166
Hiatus adductorius 8 komplexe physikalische Entstauungs- Morbus Perthes 94, 122
Hill-Sachs-Delle 180 therapie 100 Morbus Scheuermann 122, 124
Hirnschädigung 74 Kompressionsfraktur 216 Morbus Sudeck 126, 160, 162
HIV-Infektion 40 Kontrakturprophylaxe 132 Moutard-Martin-Zeichen 78
Hoffmann-Tinel-Zeichen 110, 208 Kopfschmerz 50 Mukoviszidose 128
Hohlfuß 54 Korbhenkelriss 112 Multiple Sklerose 130, 140, 158
Hormontherapie 106 Koronarsklerose 26 Muskelfaserriss 134
Hörsturz 198 Kortikalis 84 Myasthenia gravis 136
Humerusfraktur, subkapitale 68 Koxarthrose 94 Myasthenie 136
HWS-Syndrom 70 Krallenhand 208 Myokardinfarkt 66, 138
Hyaluronsäure 142 Krallenzehe 54 Myoklonien 166
Hyperakusis 46 Kristallablagerung 60
Hypercholesterolämie 6
hyperglykämischer Schock 42
Stichwortverzeichnis
239 F–S

N Pneumonieprophylaxe 132, 156


Pneumothorax 154
Scharnierprothese 90
Schenkelhalsfraktur 178
N. ischiadicus 78 Pneumozyten 102 Schlaganfall 16
N. medianus 82, 110 Polymyositis 136 Schluckbeschwerden 50
N. peroneus communis 150 Polyneuropathie 24, 40, 42, 152, 166 Schluckstörung 14
N. peroneus profundus 150 – diabetische 152 Schmerzsyndrom 50
N. phrenicus-Läsion 140 Polytrauma 154 Schmetterlingsfraktur 32
N. saphenus 8 postarthritische Arthrose 170 Schmorl-Knötchen 124
N. peroneus 150 postoperativer Zustand 156 Schober-Zeichen 36
Neglect 16 Prellung 154 Schublade
Nekrose 10, 26 PRIND 16 – hintere 98
Nervenläsion 58 Prolaps 104, 200 – vordere 98
Neugeborenenreflex 74 Prothese 10, 90 Schulter-TEP 182
Neurapraxie 110 Protrusio 104, 200 Schulterabduktionskissen 183
Neurotmesis 110 Pseudarthrose 64, 178 Schulterluxation 180
Niereninsuffizienz 18, 20 Pseudospondylolisthesis 190 Schwangerschaft 42
– chronische 40 Psoriasisarthropathie 170 Schwurhand 110
Nutation 80 PSR 30 Sehnenscheide 184
Nutationsfehlstellung 104 Pulmonalisklappe 66 Sehnenscheidenentzündung 184
Nystagmus 24, 46, 130, 132 Purinstoffwechsel 60 Sehstörung 176
Pyramidenbahnenzeichen 132 Senkfuß 54
Senkspreizfuß 54
O Sepsis 156

O-Bein 58
Q Skoliose 132, 186
Smith-Fraktur 162
Ödem 100 Querschnittslähmung 158 Softlasertherapie 198
– eiweißreiches 106 Spina bifida 76
Omarthrose 142, 180 Spiralfraktur 84
Osteochondrose 190
Osteolyse 68
R Spitzfuß 54
Spondylitis ankylosans 118
Osteophyten 62, 72, 94 Radialisläsion 160 Spondylodese 190, 191
Osteoporose 36, 144, 158, 216 Radiatio 204 Spondylolisthesis 190, 191
Otitis media 46 Radikulopathie 194 Spreizfuß 54
Radiusfraktur 162 Sprunggelenk
Radiusköpfchenfraktur 162 – oberes 54
P Ratschow-Test 26
Recessus axillaris 52
– unteres 54
Status migränosus 114
Painful Arc 52, 72 Rechtsherzinsuffizienz 22, 66, 102 Stauchungsfraktur 84
Pangonarthrose 62 Reflexinkontinenz 76 Stauungsgastritis 66
Paraplegie 158 Reizdarmsyndrom 50, 164 Stauungshepatose 66
Parese 158 Reizkolon 164 Stemmer-Zeichen 100
Patellabeweglichkeit 212 Restless Leg-Syndrom 166 Stenose 66
Patellahochstand 146 Retinaculum flexorum 82 Stent 138
Patellaluxation 146 Retinopathie 42 Stentimplantation 138
Patellarückflächenersatz 90 Retroflexio uteri 78 Strahlentherapie 106
Patellasehnenreflex 48 Retrolisthesis 190 Stratum fibrosum 34
Patellaspitzensyndrom 148 Retropatellararthrose 168 Stratum synoviale 34
Periost 84 rheumatoide Arthritis 144, 166, 170 Stress, oxidativer 100
Peroneusläsion 150 Rhizarthrose 172 Stressinkontinenz 76
Pes adductus 88 Rigor 120 Stridor 22
Pes equinus 88 Rippenwirbelgelenk 36 Stuhlinkontinenz 76
Pes excavatus 88 Rockwood 4 Sturzprophylaxe 156
Pes varus 88 Rolando-Fraktur 64 Substantia nigra 120
Phantomschmerz 10, 12 Romberg-Versuch 176 Supinationstrauma 192
Phäochromozytom 18 Rotatorenmanschettenruptur 174 Supinatorlogensyndrom 160, 161
Pink Puffer 102 Supraspinatussyndrom 194
Pink Puffer-Typ 38 Symphysenruptur 32
Pirogow 12
Platysmaparese 46
S Syndesmoseband 214
Syndrom
Plegie 158 Sauerstoff, hyperbarer 198 – apallisches 92
Pleuritis 140 Sauerstoffmangel 74 – nephrotisches 40
Plexus brachialis 196 Schädel-Hirn-Trauma 154, 176 – postthrombotisches 210
Pneumonie 38 Schädeloperation 156 Synovia 62
240 Anhang

T Wirbelkörperfraktur 216
Wirbelsäulenoperation 156
Tachykardie 40 Wulstfraktur 84
Tender points 50 Wundheilungsstörung 20
Tendinosis calcarea 194 Wurzelkompressionssyndrom 48
Tendovaginitis 184
Tennis 72
Tennisellenbogen 44
Tetraparese 16
X
Thompson-Test 6 X-Bein 58
Thoracic Outlet-Syndrom 196 Xanthinoxidase 60
Thrombophlebitis 210
Thromboseprophylaxe 132, 156
TIA 16
Tinnitus 46, 198
Z
TNM-System 106 Zervikalgie 70
Tortikollis 200 Zervikalsyndrom 70
Tossy 4 Zervikobrachialsyndrom 70
Tremor 120 ZNS 74
Trikuspidalklappe 66 Zohlen-Zeichen 168
Trismus 14 Zöliakie 164
Trisomie 21 202 Zoster oticus 46
Trizeps surae-Reflex 6 Zystische Fibrose 128
Trommelschlegelfinger 128
TSR 30
Tumoroperation 204

U
Uhrglasnägel 128
Uhrglasverband 46
Ulcus cruris 150, 210
Ulnarisläsion 208
Ulnarisparese 208
Ulnarisverlagerung 208
Umstellungsosteotomie 58
unhappy triad 98, 112

V
Varikosis 210
Venen-Bypass, aorto-koronarer 138
Venenerkrankung 210
Vitamin-B12-Mangel 144, 166
Volkmann-Dreieck 214
vordere Kreuzbandruptur 212
vorderes Kreuzband 212

W
Wächterlymphknoten 106
Wallenberg-Syndrom 16
Wasserhaushalt 8
Weber-A-Fraktur 192
Weber A 214
Weber B 214
Weber C 214
Weichteilrheumatismus 50
Wirbelgleiten 190
Wirbelkörpereinbruch 216