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DAS SIEGFRIED-LIED

von Torsten Schwanke

Geschrieben zur Weihe Deutschlands an Maria, die Makellose, Maria, die Mutter Gottes.

ERSTER GESANG

Ja, Siegfried preis ich, ich den Helden preise,


Der da zum Weisesten der Männer ritt.
Es sage meine Zukunft mir der Weise,
Das ist es, was ich voller Demut bitt.

Als Mächtigsten der Erde preist dich jede,


Dein Ruf in allen Fürstentümern töne.
Von Weisheit unterrichtet deine Rede,
Dein Körper ist ein Wunderwerk an Schöne.

Erringen wirst du’s, alles Leid vergelten,


Mit deiner Kraft den wahren Sieg erringen.
Du wirst den Lindwurm harter Worte schelten,
Du wirst den dreisten Drachen niederzwingen.

O weiser Mann, du sage Siegfrieds Seele,


Was ihm begegnen wird, du sprich das Wort.
Den Drachen findest du in seiner Höhle,
Du raubst ihm all sein Gold aus seinem Hort.

Ich sage dir, was meine Seele schaut,


Ich sag es mit dem Munde überm Kinne:
Die Kluge wird es sagen dir, die Braut,
Der du geöffnet mit dem Schwert die Brünne.

Sie wird dich Gnadenreichen Runen lehren,


Sie wird in allen Menschenzungen reden,
Gibt Antwort deinem männlichen Begehren,
Wird Epen singen aus dem alten Schweden.

So wird es sein, ich lerne alle Stäbe,


Ich raune alle Runen, reite weiter.
Sag, Weiser, mir, wo ich in Zukunft lebe,
Ob ich besteigen darf die Himmelsleiter.

Da murmelte der Weise in den Bart:


Reden ist Silber, aber Gold ist Schweigen.
Und Siegfried sprach: Was ward dir offenbart?
O Seher, sieh, du mußt von allem zeugen!

In deinem Lose liegen keine Laster,


Das, Herr und Meister, sollst du nie vergessen.
Doch siehe, welken muß des Herbstes Aster,
Im Winter siehst du roter Rosen Blässen.

Solange aber Saat und Ernte gehen,


Solange Frost sich wechselt mit der Hitze,
Solange wird dein hoher Ruhm bestehen,
Es schreiben ihn des Allerhöchsten Blitze!

Und Siegfried sprach: Orakel muß ich tragen,


Dein Wort im Meer der Dunkelheiten schwimmt.
Der Weise sprach: Ich muß dir alles sagen,
O Mensch, dir ist dein Todestag bestimmt!

Ein Mädchen weiß ich, schön von Angesicht,


Der Heimirs-Tochter Name ist Brunhilde,
Sie ist so strahlend wie des Nordens Licht,
Doch kalt wie Gletschereis und ohne Milde.

Und Siegfried sprach: Wie könnte es mir schaden,


Das schön von Angesicht ist Frau Brunhilde?
Was nützen ihres Leibes Anmutsgnaden,
Wenn kalt die Seele ist und ohne Milde?

Erwirken wird die Schöne vielen Kummer,


Fast rollt dir ab vom Rad das Lebensfädchen,
Schläfst keinen Schlaf mehr, schlummerst keinen Schlummer,
Betört bist du von jenem schönen Mädchen!

Der Lebensbaum, den Lebensfaden flocht er


Und ließ um mich das Band als Fessel laufen?
Kann ich des Volksgebieters schöne Tochter
Mit eines Brautgeschenkes Reichtum kaufen?

Ihr werdet euch die höchsten Eide schwören,


Doch wenn du bist bei Gudrun erst gesessen,
Denn unfreiwillig wird sie dich betören,
Dann hast du die Brunhilde bald vergessen!

Wie? lüge ich wie Zwerge in den Städtchen


Tief unterm Gletscher, weiß ich nur zu scherzen?
Brech ich den Eid, gegeben einem Mädchen,
Die ich zu lieben schien von ganzem Herzen?

Die alte Grimhild wird die Tochter geben,


Daß du sie freist auf einer Hochzeitsfeier,
Die schöne Gudrun ist das lichte Leben
Und keusch wie Lilien unterm weißen Schleier.

Und hätte Siegfried da sein Ja gesprochen


Und sich zur Braut erwählt die schöne Maid,
So hätte seine Liebe doch gebrochen
Der alten Liebe ersten Treue-Eid!

Das ist für Grimhild aber nur ein weniges


Und wenig ist es ihr, ob du mußt sterben!
Sie wird dich bitten, für des Gotenköniges
Verwaistes Bett Brunhilde zu erwerben!

Unheil und Übel droht und ich muß sterben,


Der Lebensfaden von dem Rad mir rollt,
In Minne soll ich um das Mädchen werben
Für einen andern? Bin ihr selbst doch hold!

Der Gotenkönig ist ein kluger Fuchs,


Du bist ein edler Hirsch in seinem Röhren.
Da tauscht ihr die Gestalt und tauscht den Wuchs,
Und Gunther wird die Treue-Eide schwören.

Du hast nun Gunthers Wandel und Gestalt


Und Gunther deine Stirn und deine Milde.
Und so verlobst du dich für Gunther bald
Mit Heimirs Tochter. Wehe dir, Brunhilde!

Und liegen wirst du, der du lenkst das Heer,


Bei jener Jungfrau, in dem Bett beblümt,
Als wenn es deine eigne Mutter wär,
Und darum wirst du in der Welt berühmt.

Und Gudrun liebst du dann als deine Braut,


Doch bös verbunden dünkt sich dann Brunhilde,
Da sie dem Gotenkönig anvertraut,
Auf böse Rache sinnt sie ohne Milde.

Und was genügt zur Rache jener Maid,


Da wir der Frau den Gotenkönig bieten?
Der Edlen schwor ich einen Treue-Eid
Und hielt ihn nicht. Drum hat sie keinen Frieden.

Die Grimme wird dann ihrem Gatten sagen,


Du habest schlecht die Treue ihm gehalten.
Und Gudrun wird als deine Witwe klagen,
Dein Ruhm wird auf der Erde nicht veralten.

Dir bleibt ein Trost, Gepriesener der Frauen,


Dich singen wird dereinst ein stiller Beter.
Nie mehr wird Gottes große Sonne schauen
Solch einen Mann wie dich, o Drachentöter!

Und Siegfried sprach: O Segen uns beim Scheiden,


Weissagung ward mir hier, das ist schon Segen.
Du würdest gern mehr Segen mir beeiden,
Wenn es an dir, Prophet, nur hätt gelegen.
2

Der Recke Siegfried reiste in die Heide,


Auf dass er dort den Drachen Fafnir töte.
O Nordens Heide, schöne Augenweide,
O Erika im Gold der Morgenröte!

Und Siegfried grub sich eine große Grube,


Da wo der Drache an das Wasser kroch.
Du stiegst nun in die Grube, Heldenbube,
Und trugst dort die Verborgenheit als Joch.

Und Fafnir blies von oben bittres Gift,


Und Siegfried stach von unten mit dem Schwerte,
Ein Tropfen roten Drachenblutes trifft
Gleich die Empfänglichkeit der schwarzen Erde.

Und Fafnir sprach: Bei der Walhalla Saal,


Gebildet aus dem Golde und den Erzen,
Wie heißest du? Es steckt dein scharfer Stahl,
Steckt deine blanke Klinge mir im Herzen!

Doch Siegfried sagte seinen Namen nicht,


Damit der böse Feind ihn nicht verfluche!
So lehrte Odin ja im Spruchgedicht,
Das stand geschrieben in der Weisheit Buche.

Und Siegfried sprach: Ich heiße Wundertier


Und keine liebe Mutter nenn ich mein,
Die Götter gaben keinen Vater mir,
So einsam pilgre ich und ganz allein.

Und Fafnir sprach: Wie ließest du dich reizen,


Den armes Lindwurm tödlich zu ermorden?
Dein Schöpfer wollte nicht mit Gaben geizen,
Du bist der Mächtigste im ganzen Norden!

Mich reizte Tapferkeit und Mut und Herz,


Ein Herz, das einen Mann zum Manne macht.
Mit meiner Hand, der Schärfe meines Schwerts,
Mit meiner Hand hab ichs allein vollbracht.

Und Fafnir sprach, der Böse, gar nicht hold,


Zu Siegfried, da er röchelte im Sterben:
Der gleißend rote Schatz, das gelbe Gold,
Des Drachen Testament, wird dich verderben!

Doch Reichtum wollte er und Gold genießen,


Das wollte Siegfried bis zum Todestage,
Da seine Seufzer in den Schatten fließen
Und um ihn seufzt der dunklen Witwe Klage.
Du nimmst für nichts den dunklen Spruch der Nornen,
Du hältst mein Wort für Rede ohne Sinn?
Du wirst verstrickt in Disteln und in Dornen
Und gibst dem Reich der Hel die Seele hin!

Denn dies steht in der Nornen Schicksalsbuch,


Geschrieben in Walhallas goldner Schrift:
Das Gold des Lindwurms wird dem Mann zum Fluch,
Das Gold des Drachen ist dem Mann ein Gift!

Wohl bist du furchtbar, feurig roter Wurm,


Vom harten Herzen Gift sprüht aus der Nase.
Sag an, wie heißt die Insel mit dem Turm,
Da einigt mit den Nornen sich der Ase?

Die Insel, wo die Götter Herzblut mischen,


Es ist die Unvermeidliche-im-Meer!
Da Götter bechern an den goldnen Tischen
Und Donars Hammer steht und Odins Speer.

Dir, Recke, rate ich in meinem Sterben,


Reit fort von hier, dein Roß tu einen Satz,
Das Gold mit seinem Glanz wird dich verderben,
Des Manns Verderben ist der rote Schatz!

Du rietest so, ich werde dennoch fliegen


Zum goldnen Schatz auf purpurroter Heide.
Der Drache liegt in seinen letzten Zügen,
Daß Hel ihn in dem Höllenreiche weide!

Als Siegfried tötete den Drachen, tötet


Er ihn mit seines Freundes Regin Schwerte.
Und da das Drachenblut die Erde rötet,
Da nahte Regin auf der roten Erde.

Heil dir, o Siegfried, Segen deinem Handeln,


Du kühnster Sohn der keuschen milden Magd!
Von allen Männern, die auf Erden wandeln,
Kein Mann ist so wie du so unverzagt.

Wird uns erheben der Walkyre Schwinge,


Dann zeigt sich, wer den Göttern war zur Lust,
Ist mancher Held doch, welcher nie die Klinge
Gestochen hat in eines Feindes Brust.

Stolz bist du, Siegfried, stolz auf deine Macht,


Abwischest du im Grase allen Gram.
Du hast mir meinen Bruder umgebracht,
Ein Teil der Schuld auf Regin selber kam.

Und Regin mit der Schärfe seines Schwerts


Und mit dem Herzen voll von Heldenmut,
Er schnitt dem Drachen auf das harte Herz
Und trank des Lindwurms heißes rotes Blut.

O Siegfried, siehe hier des Lindwurms Gabe,


Sein Herz, du brate es am Feuer lang,
Damit ich rotes Herz zu essen habe,
Nachdem ich schon vom roten Blute trank.

Und Siegfried, sitzend unterm Birkenbaum,


Er briet das Herz, bis dass er Regin weckte,
Da spritzte von dem Blute roter Schaum,
Den Siegfried sich vom rechten Finger leckte.

Da kam das Herzblut ihm auf seine Zunge,


Da ging der Sinn ihm über, auf das Ohr,
Da sah er Meisen in dem schönen Schwunge,
Und er verstand den Sang vom Meisen-Chor.

Die Meisen sangen ihre Sangesweise:


Es brät das Herz am Feuer Siegfried keusch,
Der dünkt uns wahrlich tugendhaft und weise,
Wenn er es isst, das lichte Lebensfleisch!

Und Siegfried hörte leis die Meisen sprechen,


Da tief er in dem Birkenschatten sann:
Schaut, Regin möchte seinen Bruder rächen
Und sinnt auf böses Werk, der böse Mann!

Den eitlen Schwätzer manches eitlen Schwatzes,


Den sende er in Höllenfeuerrauch!
Dann nehm er sich die Herrlichkeit des Schatzes,
Gelagert unter jenes Lindwurms Bauch.

Er scheint uns unklug, liegt er länger still


Und wahrt sich nicht vor drohenden Gefahren.
Denn dort schläft Regin, der ihm Böses will,
Und Siegfried weiß vor ihm sich nicht zu wahren.

Und Siegfried schlug dem Regin ab das Haupt


Und sandte jenen Sünder hin zur Hölle.
Es lächelte der Birkenbaum belaubt,
Es sang die Meise mit der süßen Seele:

Ich weiß ein Weib, ein wunderschönes Mädchen,


Ich wünscht es dir, ach wär sie dir gegönnt!
Sei schön das Schicksal, licht das Lebensfädchen,
Daß Siegfried Gudrun sich erwerben könnt!

3
Und Siegfried kam zu Gjuhi, Gudruns Vater,
Da ward ihm reichliches Geschenk vertraut,
Er freute sich und dankte dem Berater,
Dann führte Gudrun man herein, die Braut.

O Gudrun, schönster Mond in allen Nächten,


Sei Jungfraunspiegel du der Heldensonne,
Birg Siegfried du in deinen Lockenflechten
Und sei für ihn ein Himmel voller Wonne!

Die Männer fuhren dann, Brunhilde freien;


Sie gäb sich Siegfried, wenns das Schicksal wollte.
Wer aber wagts, dem Schicksal zu verzeihen?
Der schneeigen Brunhild das Schicksal grollte.

Und Siegfried warb für Gunther um Brunhilde,


Da lag er neben seines Schwertes Schneide,
Nicht zu berühren ihres Leibes Milde
Und nicht zu deflorieren ihre Scheide.

Sie saßen einsam in der Abendstunde,


Da gern die Barden Zauberrunen kerben.
Da seufzte sie: O meines Lebens Wunde!
Dich will ich, Siegfried, oder ich will sterben!

Die rasche Rede hat sie bald gereut:


Bin ich doch Gunthers Blume unter Dornen
Und Siegfried nur an Gudrun sich erfreut,
So walten über uns die grimmen Nornen!

Brunhilde wandelte durch Eis und Gletscher,


Es schmerzte sie, daß Siegfried Gudrun herzte.
Sie ward zum wilden Wolf, dem Zähnefletscher,
Den seine eigne wilde Wollust schmerzte.

Der Maienminne Wonne ist mir fremd,


Denn meinen Liebsten muss ich doch entbehren!
Nun trag ich hartes Hassen unterm Hemd
Und will in heißem Zorn mich ganz verzehren!

Kann ich den süßen Siegfried selbst nicht haben,


Führt er sein Schäfchen nicht in meine Hürde,
So weigre ich dem Gunther meine Gaben,
Verzichte auch auf seine Königswürde!

Da wurde Gunther brennend eifersüchtig,


Dass Siegfried die Brunhilde ihm entzogen.
Und Gunther, sonst in aller Tugend tüchtig,
Entbrannte in des Eifers Feuerwogen.

Brunhilde ist mein einziges Verlangen,


Die Wonne meines Blutes, mein Ergötzen!
Soll eher mich die heiße Hel empfangen,
Als dass die Braut ich lass mit ihren Schätzen!

Und Gunthers Bruder war bereit zum Morden,


Er bohrte Siegfried durch das Herz das Schwert.
Dir, Siegfried, Weh! Das Übel kommt aus Norden!
Doch unvergänglich deiner Seele Wert!

Die gute Gudrun schlief an Siegfrieds Seite,


Als sie erwachte, hat sie weh geweint:
O littest du nicht mehr an deinem Leide!
Die Sonne sank! O tot ist Baldurs Freund!

Da raufte sie sich die geflochtnen Haare


Und schlug sich an die schöne Apfelbrust:
Mein Brautbett ward dem Bräutigam zur Bahre!
Mein Jungfraunschoß ihm Grabes Staub und Dust!

Gesunken ist die süße Heldensonne,


Die Gott als Zeichen gab Germania!
Zur Hel hinabgestiegen meine Wonne!
Wär ich bei ihm im Totenreiche da!

Beruhige dein Weinen, Gudrun du,


Schau her, die jungen Brüder alle leben,
Du wende deine Liebe ihnen zu,
Dich voller Liebe ihnen hinzugeben.

Ach meine kleinen Brüder, sanft wie Schwestern,


Kommt alle her und weint an meinem Busen!
Ihr grauen Schwanenküken in den Nestern,
Die Schwanin hüllt euch in des Flaumes Flusen!

Verdorbne Brüder Gunthers, Drachensaat,


Ich hörte wie die Midgardschlange lacht,
Versammelt ihr euch doch zum bösen Rat
Mit Lokis Listen in der Neumondnacht!

Des Übels Wurzel, wehe, ist Brunhilde,


Die Eifersucht entbrannte in dem Weib,
Des Bösen Braut, so ohne alle Milde,
Hat mir gemordet meines Liebsten Leib!

Da sank die Königin in lautem Stöhnen,


Der König von Germanien war nun tot!
Sie salbte seinen Leib mit ihren Tränen
Und ihre Tränen waren Perlen rot!

Sie schlug die Hände also laut zusammen,


Dass auf dem Tische bebten alle Becher,
Versprühten ihren Met wie goldne Flammen:
Allvater selber sende einen Rächer!
Allvaters Sohn, er gebe diesem Held
Nach seinem wundervollem lichten Lieben
Die Heimat einst auf jenem Ida-Feld,
Das sei in Schicksalstafeln eingeschrieben.

Brunhilde lachte, kalt wie Gletschereis,


Sie höhnte kalten Herzens, hart vor Hass:
Unliebe ward mir, das ist nun der Preis,
Ich stillte meinen Zorn! Das war ein Spaß!

Doch Gunther sprach: Sei still, Verderberin,


Dein harter Hass entraubt dich alles Schönen!
In Liebe zu dem Toten gab sich hin
Die Jungfrau Gudrun, ganz benetzt von Tränen.

So weinte Gudrun um den Königlichen,


In dem der Glanz Germaniens war gesunken.
Dem Weibe alle ihre Sinne wichen
Und traurig funkelte ihr Seelenfunken.

Die holde Gudrun sprach: Als reine Maid


Erzog mich meine Mutter für das Grab.
Der Vater gab mir Seide und Geschmeid,
Der mich dem liebsten Mann zur Gattin gab.

Und Siegfrieds herrliche Charakternase


War Zeichen: Er war Eiche über Büschen,
War weißer Hirschbock über Fuchs und Hase,
Er war der Königsbecher auf den Tischen.

Lauch blüht er über grüner Gräser Sprießen,


Vor allen Helden war er wahrlich hold.
Bis ihn die Grimmigen erschlagen ließen
Allein um eines bösen Weibes Gold.

Im Süden sah ich Siegfried immer so:


Die Krähen krächzen und die schwarzen Raben,
Der Adler jubelt, seiner Sonne froh,
Der Wolf heult um den Helden voller Gaben.

Wie sagtet alle ihr mir Schmach gemeinsam


Und grüßtet mich mit Gruß von Grimm und Graus!
Von Männern ging ich fort, allein und einsam,
Zu sammeln bei der Wölfe Leichenschmaus.

Die Mitternacht war tief, der Mond war dunkel,


Ich saß bei Siegfried, mein Gewand zerrissen.
Viel sanfter schaute Wolfes Blickgefunkel,
Ließ er mich bald mein Witwenleben missen!

Da zog ich durch des Waldes dunkles Tor, ah,


Ich war ein schwaches Weib, doch frei und stark.
Und sieben Jahre lebte ich bei Thora,
Der Busenfreundin mein in Dänemark.

Da hörte Grimhild, meine Mutter, Kunde,


Wie ich so tief betraure den Gemahl,
Mein Herz allein war eine Herzenswunde,
Ich weinend saß in meiner Freundin Saal.

Sie legte aus der Hand die Runenzeilen


Und rief die sieben Söhne in den Saal.
Wer ist bereit, die Schwester lieb heilen,
Zu rächen den erschlagenen Gemahl?

Da reiste Gunther, soll ich es erwähnen,


Und mit ihm Jarrisleif und Jarriskar
Und Eimod auch und mit ihm von den Dänen
Der Recke Waldar, der ein Eichbaum war.

Ein jeder reichte Gold und Silberkettchen,


Es sollte Schmuck den Schwanenhals mir schmeicheln,
Ein jeder wollte locken mich ins Bettchen,
Um Siegfrieds Frau die Apfelbrust zu streicheln.

Sie schenkten Met mir ein und Apfelmost,


Ob ich mich freuen könnte, eine Braut,
Ob ich mich öffnen werde ihrem Trost,
Doch hab ich mich den Tröstern nicht vertraut.

Weh mir! da brachte Grimhild mir den Becher,


Den Becher mit dem kalten Trank, dem herben.
Wie schmeckte mir die Bitterkeit doch lecker,
Ein Wohlsein trank ich auf das erste Sterben!

Der Becher war gefüllt mit reinem Tau,


Entsprungen aus dem Brunnen dreier Nornen.
Ich leerte ihn, ich bitterliche Frau,
Der Kelch umwunden war mit Rosendornen.

Der Becher war geziert mit Runenstäben,


Wie war die Weisheit mir doch unergründlich,
Wie Leid mir lebte in dem Frauenleben
Und Tod mich freite jährlich, täglich, stündlich!

O welche Bosheit in dem bittren Bier,


Das Unkraut wucherte beim goldnen Weizen,
Die Eingeweide reichte dar das Tier,
Und Hexen zauberten, mich aufzureizen.
Die Leber eines Schweines war gesotten,
Ich sollte durch das Licht der Zukunft schauen.
Und Speichel gabs, die Seele zu verspotten,
Und rote Milch vom Monatsblut der Frauen.

Und so bedacht vom Kelch der Bitterkeit,


Den mir die Gotin reichte dar zum Mahl,
Vergaß ich gar in allem meinem Leid,
Was einst mein König sprach im Hochzeitssaal.

Drei Könige sind vor mir hingesunken,


Sie wollten alle meinen Schoß verehren.
Dann kam die Mutter mit den Augenfunken,
Sie sprach mit einem Rauschen wie von Meeren:

Ich gebe dir, o Gudrun, reines Gold,


Empfange deines Vaters reiches Erbe.
Dass diese Spange um den Arm dir rollt,
Dich kränzt der grüne Hopfenkranz, der herbe.

Dein Erbe seien Töchter dir der Hunnen,


Ein goldner Gürtel ringsum dich ergötze.
Lass schöpfen einen Mann aus deinem Brunnen,
Dem Manne Atli auf den Schoß dich setze.

Da weigerten sich alle sieben Seelen


In mir und ich verneinte meine Mutter:
Ich werde nimmer, nimmer mich vermählen,
Besonders niemals mit Brunhildens Bruder!

Dass ich dem König treu, soll keinen wundern,


Und wäre er im Jenseits auf den Meeren.
Für keinen Mann mehr will ich mich ermuntern,
Will Atli seine Hoffnung nicht gewähren.

Ich leide ja an unstillbarer Schmerzwut,


Kann mich des Königs Körper nicht erlaben!
Ja, trinken immer wieder denn sein Herzblut
Die Krähen und die schrecklich schwarzen Raben?

Da zwang die Mutter mir den Gatten auf,


Stahl mir die Ehre meiner Witwentreue.
Gewähre Odin in der Sterne Lauf,
Dass ich an einem Fluche mich erfreue!

Ich will mit zauberstarkem Runenraunen


Dem alten Atli seinen Traum besprechen,
Liegt er im Samen unter Entendaunen,
Will ich an seiner Güte Geiz mich rächen!
Drei Weiber wecken ihn zur Mitternacht,
Drei dunkle Nornen mit gespaltner Zunge.
Die eine lästert, eine höhnt und lacht
Und eine spottet aus geschwärzter Lunge.

Da hört er Orgelton mit seinen Ohren,


Ein Donnerwetter aus dem Göttersaal.
Da sieht er Gudrun seine Brust durchbohren
Mit ihres harten Hasses scharfem Stahl.

Er sehe flammend blitzen einen Dolch,


Das Feuer sei ihm einer Hausfrau Zorn.
In seinem Eingeweide wühlt der Molch,
Der nährt sich am mit Gift gefüllten Born.

Und alle hohen Bäume, die er pflanzte,


Ihm werde ausgerissen alles Holz.
Das rote Herz der Buche um ihn tanzte,
Dass es erniedrige des Mannes Stolz.

Von seiner Hand soll ihm ein Habicht steigen


Und stürzen steil in seinen Untergang.
Dem soll sich Maus und Hase nimmer zeigen,
Er hungre, bis er ganz sich selbst verschlang.

Dann soll er dieses hohen Habichts Herz


Ganz füllen mit den Blumenhonigpollen
Und es verschlingen, rot wie Minneschmerz,
Das da von schwermutschwarzem Blut geschwollen.

Er schlafe ruhelos in schweren Leiden,


Kein blauer Balsam soll vom Mond ihm schimmern.
Ein Wolf entsteige seinen Eingeweiden
Und eine Wölfin hör er heulend wimmern.

Und Wolf und Wölfin sollen ihm verfaulen


Und stinken soll des Fleisches Aas abscheulich,
Da soll es munden ihm, da soll es maulen,
Und Ekel wird es ihm und Grausen gräulich.

Ihm sollen Räuber von der Decke baumeln


Und die Erhängten vor den schwarzen Fenstern.
Er soll in Furcht und Angst und Schrecken taumeln
Und untergehen mit den Nachtgespenstern.

So ritze Runen ich in rote Buchen,


Gelesen aus der Weisheit Schicksalsbuch.
Dem Bösen sollen alle guten Götter fluchen,
So fürchterlich ist einer Jungfrau Fluch!
6

Die Dienerin des alten Atli sprach,


Sie habe seine Frau gesehn, den Stern,
Sie sah sie kosend in dem Schlafgemach
Mit Dietrich ruhn, dem Herrlichen von Bern.

Der alte Atli, von der Magd betört,


In seiner Seele nach der Ruhe sucht,
Doch blieb die Seele wild und aufgestört,
Sich selbst verzehrend in der Eifersucht.

Und Gudrun sprach, die Jungfrau voller Milde,


Versöhnt in ihrer Seele, sanft so sehr:
Was leidest du, o Bruder der Brunhilde,
Was macht das Herz dir schwer? Du lachst nicht mehr!

Und Atli sprach: Du mögest mich nicht strafen,


Die Magd hat mir das Schrecklichste enthüllt.
Sie sah dich bei dem Berner Dietrich schlafen,
Ihr wart ganz bloß und nackend in das Bett gehüllt.

Und Gudrun sprach, die wunderholde Maid,


Vornehm hat sie gesprochen, fraulich fein:
Ich leiste dir den göttlich-wahren Eid,
Gesprochen überm weißen Opferstein!

Ich schwöre dir bei aller Götter Thron,


Dass ich mit Dietrich nichts zu schaffen hatte,
Er pflückte nimmer meiner Blüte Lohn,
Sie sei alleine dir zuteil, mein Gatte.

Schlang ich die Arme auch um seinen Hals


Und ordnete des Halses Silberkette,
Ich schwöre bei der Königin des Alls,
Ich lag ihm niemals bei in einem Bette.

Und küsste er mir etwa meine Hand


Mit seinen wortbegabten Manneslippen,
Daran auch Frigg nichts Ungetreues fand,
Er küsste nur, wie an dem Kelch zu nippen.

Selbst wenn ich meine Wange gnädig bot


Und wenn er meine warme Wange weich fand,
Vor Scham und Schande ward ich nimmer rot,
Und unsres Hauses Gast mich gnadenreich fand.

Und weiß ich auch, wo seine Blicke ruhten,


Wie Taubenaugen in den Felsenritzen,
So bot ich mehr nicht seinen Augengluten
Als unterm feinen Hemd der Brüste Spitzen.
Und wenn ich auch im Wohlgeruch der Düfte
Des Maien band mit meinen schlanken Händen
Den Keuschheitsgürtel lose von der Hüfte,
Erlaubt ich nie ihm, anzusehn die Lenden.

Und was des Weibes innerlichste Pforte


Betrifft, so hat er niemals sie durchschritten.
Wir teilten Pflaumen nur mit süßem Worte,
Der Saft ist ihm aus seiner Hand geglitten.

Und glaubst du meiner Jungfraunehre nicht,


Beschwöre ich dich bei den Weltenachsen,
Berufe ein zum göttlichen Gericht
Ein Dutzend Richterschöffen von den Sachsen.

Und in die Halle traten ein die Helden,


Da Atli saß in seines Thrones Sessel.
Die Götter sollen ihre Unschuld melden,
Und auf das Feuer stellte man den Kessel.

Zum Lodern brachte man die glimme Glut,


Die rot wie Rosen und so weiß wie Mehl,
Als stammte diese Feuerflammenflut
Vom Feuerpfuhle aus dem Hort der Hel.

Man füllte Wasser in den Kessel ein


Und brachte es zum Sieden und zum Kochen.
Auf Gudruns Wange lag ein Feuerschein,
Lag Glut auf schön gewölbten Wangenknochen.

Die Barden schlugen Schilde wild im Takte


Und murmelten ein magisches Geraun.
Da warf man in das Wasser drei Smaragde,
Grün wie die Augen dieser Frau der Fraun.

So grün die Augen wie kristallne Flut,


Wenn darauf ruht das goldene Geschwele
Des Nordlichts mit der sanften reinen Glut;
So sanft und rein war ihre schöne Seele.

Die schlanke weiße Hand am Schwanenarm


Lag auf dem Herzen, welches glühend pochte,
Sie sollte strecken sich, zu großem Harm,
Zu großem Glück, ins Wasser, welches kochte.

O Liebe Frouwa von den fernen Wanen!


Du sanfteste Begleiterin der Braut,
Beschütz mich vor des Mannes bösem Ahnen,
Dir hab ich meine Unschuld anvertraut.
O Liebe Frouwa du von Folkwangs Felsen!
Du Königin der himmlischen Walkyren,
Der Unschuldsmädchen mit den Schwanenhälsen,
Du mögest mich mit den Smaragden zieren.

O Liebe Frouwa von Walhallas Garten!


Ich hörte Lobgesang von dir so gern,
Du weißt, nichts andres wollt ich je erwarten
Von meinem Diener Dietrich je von Bern.

Da streckte sie die schlanke weiße Hand


Ins heiße Wasser hin, die weiße schlanke.
Den alten Atli voller Unverstand
Durchzuckte da ein frevelnder Gedanke.

Die Jungfrau hob darauf die drei Smaragde,


Sie hob sie triumphierend in die Höhe,
Es hielt sie ihre weiße Hand, die nackte,
Dass alle Menschheit ihre Unschuld sehe.

ZWEITER GESANG

O Kriemhild, scheues Mädchen, / sie sah im Traum ein Bild,


Sie hatte einen Falken, / vor allen Falken wild,
Zwei Adler ihn zerfleischten / mit scharfen Eisenklaun,
Wie weh ihr wurde, als sie / das musst mit eignen Augen schaun!

Zu Ute, ihrer Mutter, / floh nun das Mädchen fein,


Den Traum sie wollte deuten - / O möcht es anders sein! –
Der Falke, den du zähmtest, / das ist ein Edelmann,
Ihn segne Gott im Himmel! / Denn es ist bald um ihn getan.

Was sprichst du mir von Männern, / du strenge Mutter mein,


Vor aller Ritter Liebe / will ich behütet sein,
In unberührter Schönheit / ich sinke in den Tod,
Der Männer Frauenliebe, / sie soll mir schaffen keine Not!

Gelob es nicht zu eilig, / die Mutter mahnt dich so,


Willst du in diesem Leben / von Herzen werden froh,
Vom Manne lass dich lieben, / wie schön ist doch sein Leib,
Du wirst, wenn Gott es möchte, / noch eines Helden Eheweib.

O nein, ich wills nicht hören, / du liebe Mutter mein,


Ich hab es oft vernommen, / es muß die Wahrheit sein,
Dass Liebe noch mit Leiden / zuletzt wird nur belohnt,
Ich meide Lust und Liebe, / ob Schmerz und Gram mich dann verschont!
2

Es war in Niederlande, / da wuchs ein Königskind,


Der Vater, der hieß Siegmund, / die Mutter hieß Sieglind.
Es thronte dieser König, / der weit und breit bekannt,
In einer Stadt am Rheine, / und Xanten war der Ort genannt.

So einen starken Helden / gebar noch nie ein Weib,


Er hatte keinen Makel / an Seele oder Leib.
Der Ritter war sehr mutig, / war kraftvoll und gewandt,
Sein Name ward mit Ehre / in dieser weiten Welt genannt.

Der Ritter, der hieß Siegfried, / von dem singt mein Gesang,
Die Kühnheit zu erproben / ritt er den Rhein entlang,
Erwarb sich reiche Länder / mit heldenstarker Hand,
Bis er bei den Burgundern / die allerstärksten Ritter fand.

Am schönen Tag von Pfingsten, / zu Worms, der Stadt am Rhein,


Da war ein lauter Jubel, / war ein Frohlocken fein,
Der Sachsen Heer geschlagen, / die Feinde flohn in Hast,
Zwei Könige gefangen, / der Lüdeger, der Lüdegast.

Es war in aller Munde / der Sieger in dem Streit,


Dass Siegfried trug im Herzen / die Kriemhild, diese Maid,
Die Tochter war von Ute, / heut durfte er sie schaun
Im goldnen Schmuck der Krone, / die Allerschönste aller Fraun!

Wie viel des frohen Volkes / auf allen Wegen lief,


Als nun zur Morgen-Messe / die Kirchenglocke rief!
Da gab es viel zu sehen, / genug für alt und jung,
Viel Schmuck und schöne Kleider / und manchen stolzen Waffenprunk!

So wie die Morgenröte / aus dichter Wolken Flor,


So trat aus ihrem Zimmer / die schöne Frau hervor,
An ihren stolzen Schritten / erfreute sich das Herz
Des Helden, der so lange / um sie erlitten Liebesschmerz!

So wie das Licht der Luna / vor allen Sternen strahlt,


Die jüngst noch an dem Himmel / mit ihrem Glanz geprahlt,
So überstrahlte Kriemhild / auch noch die schönste Maid,
In Siegfried aber kämpften / da miteinander Lust und Leid.

Er dachte in dem Geiste: / In Liebe dir zu nahn,


Wie kann ich das beginnen? / Die Liebe ist ein Wahn!
Doch müsste ich dich meiden - / ich wäre lieber tot!
Da war auf seinen Wangen / die Glut von Liebe voller Rot.

So stand der Sohn der Sieglind, / als hätt des Meisters Hand
Mit meisterlichen Farben / auf Leinwand ihn gebannt.
Da nahte sich ihm Kriemhild / mit Frauen im Geleit:
Sei mir willkommen, Lieber, / so sprach die wundersüße Maid.

Dich lohne Gott im Himmel! / So hob sie wieder an:


Weil du an meinem Bruder / viel Gutes hast getan,
Den Feind, der uns bekriegte, / zwang deine fromme Hand,
Drum sind wir dir gewogen, / die Fürsten aus Burgunderland.

Mit königlicher Demut / er ihr die Antwort gab:


Ich will dir mehr noch dienen, / dir dienen bis ans Grab,
Es soll mein Haupt nicht ruhen, / bis ich erworben mir
Von dir die Gnade, Kriemhild, / du aller Mädchen schönste Zier.

In milden Frühlingstagen, / im Maiensonnenschein,


Da konnte keiner froher / und keiner heitrer sein.
Die keinen Mann je grüßte, / die reichte ihm zum Gruß
Das lilienweiße Händchen, / dass er ihr gebe einen Kuss.

Einst eine Königstochter, / ihr Thron auf hoher See,


Ihr Leib von weißer Schönheit, / so weiß wie Winterschnee,
Ihr Herz so hart und frostig, / so männlich ihre Kraft,
Mit kampferprobten Rittern / schoss um die Wette sie den Schaft.

Die Steine warf sie weithin, / sie selbst auch weithin sprang.
War einer ihrer Ritter / nach ihrer Liebe bang,
Im Dreikampf musst er siegen. / Verlor er nur Ein Spiel,
Des schlimmsten Henkers Händen / sein hochgemutes Haupt verfiel!

Da war der Herr vom Rheine, / wollt fahren auf die See,
Er wollt um Brunhild werben, / es gehe, wie es geh.
Ich trage solch Verlangen / nach ihrem weißen Leib,
Mein Leben will ich lassen, / wenn sie nicht wird mein Eheweib!

Willst du in den Gefahren / mir ein Genosse sein,


So will ich dir zu Diensten / dir meine Kraft auch weihn.
Und wird sie mir zu eigen, / dies wunderschöne Weib,
Wirst du das kühnste wagen, / ich setze Leben ein und Leib.

Zur Antwort gab ihm Siegfried, / des Siegmund stolzer Sohn:


Ich kenn für solch ein Wagnis / nur Einen süßen Lohn,
Zum Lohne will ich Kriemhild, / die Fürstentochter mild,
Gib du mir deine Schwester / und all dein Sehnen wird gestillt!

So soll es sein, sprach Günther, / ich geb dir meine Hand,


Kommt je die schöne Brunhild / in mein geliebtes Land,
So soll sich meine Schwester / als Braut dir bräutlich nahn,
Und aller Mädchen Krone, / in Liebe sollst du sie umfahn!
Mit einem Eid bekräftigt / ward, was sie sprachen da,
Die Stunde heißen Kampfes / war ihnen jetzt schon nah,
Denn bis sie Brunhild brachten / ins Vaterland am Rhein,
Die beiden stolzen Ritter, / sie mussten treu verbunden sein.

Der männlichstarke Siegfried, / der Held aus Niederland,


Der stieß von dem Gestade / das Schiff mit eigner Hand,
Und König Günther selber / sich unterm Ruder bog.
O wie das schnelle Schiff doch / den Vater Rhein hinunter flog!

Und schon am zwölften Morgen, / so sagt der Muse Mund,


Erhob sich aus den Fluten / der schönen Insel Rund,
Die Isenstein genannt ward, / der Brunhild Insel-Land,
Von Siegfrieds scharfen Augen / sie wurde alsogleich erkannt.

Dort sechsundachtzig Türme / hoch glänzten überm Meer,


Da waren drei Paläste / und war ein Saal so hehr,
Von weißem Marmor leuchtend / und Teppich, grün wie Gras,
Auf ihres Thrones Sessel / im Kreis von Männern Brunhild saß.

Da waren schöne Gäste / im goldnen Königssaal,


Aus Brunhilds Augen blitzte / es licht wie Blitzes Strahl:
Willkommen, lieber Siegfried! / Was lenktest du dein Schiff
Zu Isenstein, der Insel, / durch Wogenschwall und Felsenriff?

Mein König, der heißt Günther, / ist stolz und stark und kühn,
Um deine Liebe will er / im Kampfe sich bemühn,
Nur seines Wunsches wegen / hab ich die Fahrt gewagt,
Er ist mein Herr, sonst hätten / mir andre Reisen mehr behagt.

Ist Günther Siegfrieds König / und Siegfried Günthers Knecht,


Soll er das Spiel versuchen, / es bleibt das alte Recht,
Erweist er sich als Sieger, / bin ich sein Eheweib,
Geschieht es, dass ich siege, / verliert das Leben ihr, den Leib.

Der starke Siegfried murmelnd / zu König Günther trat,


Zu seiner Werbung gab er / dem Freunde einen Rat:
Verkünde dein Verlangen / der stolzen Königin,
Ich weiß dich wohl zu schützen / vor ihrem bitterbösen Sinn!

Da sprach der Herr vom Rheine: / O Königin so hehr,


Sag mir, was du gebietest, / und wäre es auch mehr,
Ich trag solch ein Verlangen / nach deinem weißen Leib,
Mein Leben will ich lassen, / wenn du nicht wirst mein Eheweib!

Als Brunhild, diese stolze, / dies starke Wort vernahm,


Die stärkste Kampfbegierde / die Fürstin überkam,
Zum Kampf ließ sie bereiten / in heißem Übermut
Die Rüstung und die Schilde, / die glänzten wie des Goldes Glut.
Indessen schlich sich Siegfried / an seines Schiffes Bord,
Er nahm der Tarnung Kappe, / die lag verborgen dort
Vorm Späherblick der Feinde, / er jene Kappe fand,
Die setzt er auf das Haupt sich / und ward von keinem mehr erkannt.

Am weißen Arme oben / sie streifte das Gewand


Und hob den Speer zur Schulter / und nahm den Schild zur Hand,
Denn Kampf begehrte Brunhild, / die männlichstarke Maid,
Sie maß mit Spott im Blicke / den Ritter in dem Eisenkleid.

Fern von den lieben Freunden, / allein auf weitem Plan,


Dem Wunder zu begegnen - / wohl ficht ihn Sorge an –
Wo ist geblieben Siegfried, / im Kampfe sein Gesell,
Da schlugs ihm auf die Schulter / und lachte etwas hoch und hell.

Wer hat mich angetastet? / Ich kann doch niemand sehn!


So dacht er, doch er konnte / ein leises Wort verstehn:
Ich bin es selber, Siegfried, / der Weggefährte dein,
Vor Brunhilds Satanskünsten / sollst du ganz ohne Sorge sein!

Lass deinen Schild nur fallen, / gib mir ihn in die Hand,
Und achte auf den Zauber, / den mach ich dir bekannt,
Tu du, als tätst du kämpfen, / ich will den Kampf bestehn,
Was Brunhild Böses trachtet, / uns beiden soll es nicht geschehn!

Da schoss auch schon die böse, / von Zorn erfüllte Maid,


Sie traf den Schild, den neuen, / so lang er war und breit,
Den hielt in seiner Linken / der Mutter Sieglind Kind,
Das Feuer stob und sprühte, / als blase drein ein Wirbelwind.

Dem kühnen Ritter Siegfried / brach aus dem Munde Blut,


Doch nahm er sich zusammen / mit wilden Kriegers Mut,
Den Speer, den sie geschleudert / auf seines Schildes Rand,
Hat er zurückgeschleudert / mit kampferprobter Kriegerhand.

Nun Glut stob aus dem Ringe, / als blies hinein der Wind,
Schoss mit der Kraft des Zornes / der Mutter Sieglind Kind,
Brach in die Kniee Brunhild, / sie konnt nicht widerstehn,
Noch war in diesem Leben / ein solches Leid ihr nicht geschehn.

Die stolze schöne Brunhild / vom Boden rasch aufsprang:


Ich sage, König Günther, / für diesen Speerwurf Dank!
Noch dachte sie, das hätte / des Königs Hand getan,
Doch fällte diese Starke / ein andrer doch, ein stärkrer Mann.

Sie lief nun übern Rasen, / vor Zorn bebt ihr der Leib,
Den Stein in höchste Höhe / hob nun das starke Weib,
Sie stieß mit Manneskräften / ihn weit von ihrem Stand
Und sprang ihm nach im Sprunge, / da klirrte ihr das Kriegsgewand.

Der Stein fiel auf die Erde, / er fiel zwölf Meter weit,
Und dennoch weiter sprang sie, / die schnelle schöne Maid.
Dies noch zu übertreffen / es galt jetzt alle Kraft,
Es ging um Leib und Leben / und um des Wettkampfs Meisterschaft.

Der junge Ritter Siegfried / war kraftvoll und war schlank,


Den Stein stieß er noch weiter / und weiter er noch sprang,
Auch lieh der Tarnung Kappe / dem Helden Kraft genug,
Dass er noch König Günther / auf seinem Sprunge mit sich trug.

Der Sprung, der war gelungen, / gewonnen war das Spiel,


Nun sah man König Günther / stehn einsam an dem Ziel.
Da brannten Brunhilds Wangen / vor Scham und Schande rot,
Als sie dem Überwinder / der Überwundnen Gruß entbot.

Vor einer Vesper-Messe / erhob sich Hall und Schall


Von Rittern und von Rossen, / von Schild- und Lanzenprall,
Denn Günthers großer Burghof / barg dort der Gäste viel,
Die Fürsten und die Ritter, / der Adel übte Reiterspiel.

Zwei Königinnen saßen / auf thronendem Gestühl


Und folgten mit den Blicken / zwei Rittern im Gewühl.
Und laut aufjauchzte Kriemhild: / Ich habe einen Mann,
Die Reiche alle wären / mit Fug und Recht ihm untertan!

Doch über Brunhilds Wangen / ein Schatten huschte leicht:


Ja, gibt es nur euch beide, / vielleicht, dass ihr’s erreicht,
Dass alle diese Länder / euch würden untertan,
Solange Günther aber / auf Erden lebt, sagt ab dem Wahn!

Und wieder jauchzte Kriemhild: / So schau doch, wie er geht!


Wie er so stolz und männlich / vor seinem Volke steht!
So strahlt des Mondes Scheibe / vor Sternen auserwählt,
Die ganze Welt der Wonne / ward mir als Gatte anvermählt!

Ich weiß, aus aller Munde, / sprach da die Königin,


Hört man den Helden preisen / und seinen edlen Sinn,
Doch strahlt auch Siegfrieds Name / in noch so hellem Glanz,
Doch Günther raubt dem Ritter / des Ruhmes und der Ehre Kranz!

Da sagte sanfter Kriemhild: / So herrlich ist mein Mann,


Dass nie ihn eine Lippe / genügend preisen kann,
An Ehre und an Tugend / ist er so überreich,
Du musst es zugestehen, / er ist wohl König Günther gleich.

Nun musst du, liebe Kriemhild, / mich ja nicht falsch verstehn,


Es ist von mir das Loben / nicht ohne Grund geschehn,
Sie haben’s eingestanden / in meinem Vaterland,
Als nämlich König Günther / mit Manneskraft mich überwand,

Und als er meine Liebe / im Sturme sich gewann,


Da sprach der edle Siegfried: / Ich bin des Königs Mann.
Drum hab ich ihn zu eigen, / er selbst hat es gesagt.
Nein, sprach die schöne Kriemhild, / das hätte wenig mir behagt.

Und schlecht geworben hätten / für mich die Brüder mein,


Wenn ich sollt eines Knechtes / vertraute Gattin sein.
Ich bitte dich, o Brunhild, / ich rat in Liebe dir:
Lass solches ungesprochen / und sei es nur aus Huld zu mir.

Nein, nein, ich wills nicht lassen, / so sprach des Königs Weib,
Wie sollte ich entsagen / dem, der mit seinem Leib
Und seinem ganzen Leben / zum Dienst mir untertan?
Bei diesen Worten zornig / hob Kriemhild neu zu loben an:

Du musst ihm wohl entsagen! / Vernimm es jetzt von mir:


Nie leistet doch mein Siegfried / Vasallendienste dir,
Er überragt an Ehren / selbst noch den Bruder mein,
Ich werde doch vor Schande, / vor Schmach doch stets behütet sein.

Du reckst dich in die Höhe! / Wie zornig klang das Wort!


Das möge man beweisen, / gleich jetzt, an diesem Ort,
Ob man des Landes Herrin / nicht mehr der Ehre zollt
Als einer Königsschwester, / der Magd der Königin so hold!

Nein, bei der Allmacht Gottes, / ich bin ganz tadelfrei,


Und heut vor allem Volke / es dir bewiesen sei,
Es sollen alle Ritter / und Könige es sehn,
Daß vor des Landes Herrin / ich wags, zum Dom hinein zu gehn.

Nun kleidet, meine Mädchen, / euch in das Prachtgewand,


Im Nibelungenschatze / mein Gatte Goldnes fand
Und schöne Edelsteine, / die zieren euren Leib,
Es wahrlich soll bereuen / die Schmähungen des Königs Weib!

Nun vor der Kirchenpforte / mit herrlichem Geleit


Stand Brunhild, bis auch Kriemhild / zum Kirchgang war bereit.
Doch ihr gebot die Herrin: / Bleib vor der Türe stehn,
Es soll die Magd der Herrin / nicht vor des Landes Herrin gehn!

Da sprang von Kriemhilds Lippen / das schicksalsschwere Wort:


Ach, hättest du geschwiegen / mir heut und immerfort,
Wohl hast du ihn geschändet, / den schönen weißen Leib,
Wie kann die Konkubine / nur sein des Königs Eheweib!

Du nennst mich Konkubine, / du wortereiches Weib?


Ja, dich und keine andre, / denn deinen weißen Leib,
Den liebte vorher Siegfried! / Wohl war dir, Stolze, bang,
Als dich der rasche Ritter / in starkem Liebeskrieg bezwang!

Wie weh da wurde Brunhild, / das weiß nur Gott allein,


Und Kriemhild mit den Mädchen / trat in die Kirche ein,
Da hoben Hass und Zanken / und heiße Feindschaft an,
Darum von schönen Frauen / beweint ward manch ein starker Mann.

Die Messe war gesungen - / und Brunhild, dumpf ihr Sinn,


Sie dachte alter Zeiten, / die stolze Königin,
Da trat sie aus der Kirche, / im Herzen Gram und Pein:
Du nennst mich Konkubine? / Das muss erst noch bewiesen sein!

Und wieder schmähte Kriemhild: / Was lässt du mich nicht gehn?


Du kannst doch diesen Goldring / an meinem Finger sehn,
Den schenkte mir mein Siegfried, / einst trug ihn deine Hand,
Des Königs Mann, so weiß ich, / ihn dir im Liebeskrieg entwand.

Der Ring von reinem Golde, / der ward mir einst entwand,
Es blieb, der ihn gestohlen, / bis heut mir unbekannt,
Nun hat er sich verraten, / der ungetreue Dieb!
Der heiße Hass die Frauen / zu immer wildern Worten trieb.

Nun nennst du meinen Gatten / noch einen schlimmen Dieb!


Da schwiegst du besser, Brunhild, / wär dir die Ehre lieb!
Der Gürtel solls beweisen, / der hier um meinen Leib,
Dass ich die Wahrheit sage: / Du warst doch vorher Siegfrieds Weib!

In Tränen brach zusammen / die herrlich hohe Frau,


Denn es glich Kriemhilds Gürtel / dem eignen ganz genau,
Er war von feinster Seide, / mit manchem Edelstein.
Unseliges Geheimnis / konnt länger nicht verborgen sein.

Es war im Odenwalde, / sie ritten auf die Pirsch,


Sie jagten Bär und Wildschwein / und auch den schnellen Hirsch,
Und Günther war und Hagen / die Herren dieser Jagd,
Die Hörner bliesen lustig - / auf Böses waren sie bedacht.

Und Hagen Tronje sagte: / Wenn es euch so behagt,


Die Treiber und die Hunde / wir teilen vor der Jagd,
So werden wir erkennen, / ich und der König mein,
Wer auf der Jagd im Walde / im Jagen Meister möchte sein.

Ach Hagen Tronje, immer / weißt du den besten Rat,


Lasst mir nur einen Rüden, / der so gefressen hat,
Dass er die Spuren wittert / des Wilds im grünen Tann,
So wird mir reiche Beute, / so sagte Fraue Kriemhilds Mann.
Da zog mit seinem Spürhund / ein grauer Jäger vor,
Bis sich in Waldes Dickicht / des Wildes Spur verlor,
Was da vom sichern Lager / gescheucht von Jägern ward,
Erlegten die Genossen / nach regelrechter Jägerart.

Und Günther war im Walde / mit manchem kühnen Mann,


Und vierundzwanzig Hunde, / die brachen durch den Tann
Mit wütendem Gebelle, / die Jäger stürmten nach,
Der Hörner heller Jagdruf / im Walde rief Frau Echo wach.

Das war für manches Wildtier / des Lebens letzter Tag,


Oh was des schönen Wildes / da auf der Strecke lag,
Was man zur Küche schleifte, / der Braten mancherlei,
Wohl dachte jeder Jäger, / dass er des Jagens Meister sei.

Nun ward das Horn geblasen - / in Einem langen Hall –


Von allen Enden ritten / die Jäger in das Tal,
Es lud das Horn die Ritter / zu fettem Imbiss ein,
Sie sollten König Günther / als Gäste hochwillkommen sein.

So lasst den Wald uns leeren, / rief Fraue Kriemhilds Mann,


In lustigem Geplauder / sie ritten durch den Tann,
Da scheuchten sie ein Tier auf / von zornig wildem Mut,
Sie jagten einen Bären, / wie lachte da der Ritter gut.

So schaut doch, meine Jäger, / darf ich den Augen traun,


Dort zu des Königs Tische / treibt ruhig Meister Braun!
Ich räum auf meinem Rosse / ein Plätzchen ein dem Tropf,
Es halten in der Küche / die Mägde schon bereit den Topf.

Der Hund ward losgelassen, / so schnell verging die Hatz,


Der schnelle Held erreichte / den Bär mit Einem Satz,
Umschlang ihn mit den Armen / und band ihm Arm und Maul
Und hob den braunen Bruder / vor sich auf seinen schnellen Gaul.

So ritt der frohe Ritter / zur Herbergsstätte ein,


Da ließ er seiner Fesseln / den Bären ledig sein,
Der eilte in das Dickicht / des Walds in raschem Trab,
Jedoch die Hundemeute / trieb ihn von seinem Wege ab.

So also in die Küche / der braune Gast geriet,


Wo man als Leckerbissen / ihn für die Männer briet,
Im Fette in der Pfanne / erlitt er Ungemach,
O weh dem guten Bären, / der bratend überm Feuer lag!

Man hörte Knechte fluchen, / der Hundeschar Gebell,


Der Herren frohes Jauchzen, / der Hörner Blasen hell,
Das war so ein Gewimmel, / das wird nicht ausgesagt,
Oh wie dem frohen Siegfried / das Treiben voller Lust behagt!

10
Der frohe Siegfried scherzte: / Mich wundert Eines heut,
Dieweil uns nun die Küche / viel Leckerbissen beut,
Warum die Schenken kargen / mit rotem Wein vom Rhein?
Die Jäger soll man pflegen. / Wer ohne Wein mag Jäger sein?

Zur Antwort gab ihm Hagen / im ungetreuen Mut:


Wir wählen statt des Weines / des Wassers keusche Flut!
Hier nah quillt eine Quelle / an einer Linde breit,
Da wär der starke Siegfried / von seines Durstes Qual befreit.

Der Rat hat manchem Ritter / besonders gut behagt,


Und weiter sagte Hagen: / Man hat mir oft gesagt,
Besiegen könne Kriemhilds / Gemahl kein Mann im Lauf,
Will er das heut beweisen? / Heut nehm ich’s mit dem Helden auf.

Ja, willst du es versuchen, / sprach Fraue Kriemhilds Mann,


So nehme ich die Wette, / o kühner Hagen, an,
Lass uns zusammen rennen / zu jener Quelle kühl,
Den soll man Sieger nennen, / den man zuerst erblickt am Ziel.

Und weiter sagte Siegfried: / Es sei noch mehr gesagt,


Dieweil ihr nur die Kleidung / auf euren Körpern tragt,
Will ich den Speer noch tragen / und auch mein Jagdgewand.
Er warf sich um den Köcher, / das Schwert sich an die Hüfte band.

Und Günther nun und Hagen, / sie waren schnell bereit,


Die keine Waffen trugen, / im leichten Unterkleid
Sie liefen durch das Grüne, / schnell wie ein Pantherpaar,
Und konnten doch nicht hindern, / dass Siegmunds Sohn der Sieger war.

11

Es glich dem Sohn der Sieglind / kein andrer Mann an Wert,


Das Schwert vom Leibe lösend, / den Köcher auf die Erd,
Den starken Speer anlehnend / an breiter Linde Ast,
So stand er an der Quelle, / der holde königliche Gast.

Den Schild er legte nieder, / wo still die Quelle floss,


Wo gern der Recke Siegfried / jetzt einen Trank genoss,
Den heißen Mund zu feuchten - / der Held doch niemals trank,
Bevor sein Herr getrunken, / und erntete so bösen Dank!

Der Quelle Wasser rannen, / so klar, so rein, so hell,


Sich König Günther beugte / hinab zum stillen Quell,
Genoss des frischen Trankes, / den Waldes Kraft uns beut.
Wie gerne hätt auch Siegfried / des frischen Trankes sich erfreut.

Doch als nun der sich neigte / hinab zur klaren Flut,
Traf ihn der böse Mörder, / der zielte wirklich gut,
Des Helden Blut vom Herzen / sprang dem an sein Gewand.
Weh des Verrats, des feigsten, / den je verübt ein Ritter hant!

So sank er in die Blumen, / ein kraftlos müder Mann,


Das Blut von seinem Herzen / in heißem Sprudeln rann,
Er, Held in allen Stürmen, / hier konnt er nicht bestehn,
Er konnte nur beklagen / das Leid, das hier ihm war geschehn.

Um den Verletzten standen / die Jagdgenossen all,


Wer irgend treu geblieben, / beklagte seinen Fall,
Das schien sehr vielen Rittern / ein freudenleerer Tag,
Als er, der Meisterjäger, / so jämmerlich am Boden lag.

Auch der Burgunder König / beweinte seinen Tod,


Doch zornig sagte Siegfried: / Jetzt hat es keine Not,
Dass der beklagt den Schaden, / der selber ihn ersann,
Er hätts verhindern sollen, / so wär der Mord auch nicht getan.

Zum letzten sprach der müde, / der todesmüde Held:


Willst du, mein König Günther, / noch irgend auf der Welt
Erweisen eine Huld mir, / lass dir befohlen sein
Zu deiner Gunst und Gnade / die treue Bettgenossin mein!

Lass sie genießen, dass sie / ist deiner Mutter Kind,


Bleib ihr zu allen Stunden / doch liebevoll gesinnt,
Denn meinen treuen Vater / werd ich nicht wieder sehn –
Nie ist an einem Freunde / solch ein Verrat noch je geschehn!

Die Blumen in dem Grünen, / von Blut sie wurden nass,


Er rang mit seinem Tode, / nicht lange währte das,
Des Todes Waffe, wehe, / sie schmerzte allzu sehr,
So musste er verblassen, / der Ritter, treu und sanft und hehr.

Als das die Ritter sahen, / dass dieser Heros tot,


Auf seinen Schild sie legten, / der war von Feingold rot,
Den Fürst der Niederlande / und saßen dann zu Rat,
Wie sie verbergen könnten / die ungeheure Missetat.

Da sagten viele Männer: / Ein Übel ist geschehn,


Wir können diese Wahrheit / doch nie der Frau gestehn,
Wir wollen einfach sagen: / Der Fraue Kriemhild Mann
Erschlug die Räuberbande, / die singend lärmte durch den Tann.

Da sagte Hagen Tronje: / Das geht mich gar nichts an,


Ich schaff ihn schon hinüber, / der Kriemhild toten Mann,
Das soll sie ruhig wissen, / dass ich der Mörder bin,
Was musste sie verspotten / auch meiner Herrin stolzen Sinn!

So harrten sie des Dunkels / und fuhren auf dem Rhein,


Es konnten Helden niemals / so böse Jäger sein,
Das Wild, das sie erlegten, / schuf Edelfrauen Not
Und auch so manchem Jäger / es brachte noch den bittern Tod.
DRITTER GESANG

Hier findet ihr ein Lied vertraut


Von Siegfried mit des Hornes Haut,
Das klingt im Nibelungenton,
Wie ich auch sang die Gudrun schon.
Und wenn ihr lest der Verse Tanz,
Gewiss mir gebt den Eichenkranz.

Es war in Niederland ein König gut bekannt,


Mit großer Macht und Kraft, der Siegmund ward genannt,
Dem ward von seiner Frau ein Sohn, der Siegfried hieß,
Von diesem Siegfried nun in diesem Liede lies.

Das Kind war guten Muts, von Stärke überfloss,


Was Siegmund und die Frau von Herzen sehr verdross,
Er wollte keinem Mann auf Erden sein ein Knecht,
So zog er bald davon und suchte das Gefecht.

Da sprach des Königs Rat: So lasst ihn ziehen hin,


Wenn er nicht bleiben will, denn darin liegt ein Sinn.
Und gebt ihm Waffen auch, die stiften Unheil zwar,
Doch wird er so ein Held und lebt so manches Jahr.

So schied der junge Mann, der junge kühne Mann.


Da lag in einem Wald ein Dorf, da kam er an,
Er kam zu einem Schmied, dem wollt er dienen recht,
Das Eisen schmieden heiß als eines Schmiedes Knecht.

Das Eisen schlug er heiß und schlug es gar entzwei,


Und wenn man ihn bestraft, erklärte er sich frei,
Den Meister schlug er und den Knecht, das dumme Kind,
Wie er ihn los wird, oft der Meister grübelnd sinnt.

Da lag ein Drache bei der Linde jeden Tag,


Da schickt der Meister ihn, dass er den Drachen frag.
Ein Köhler saß im Wald, wie‘s andre Köhler gibt,
Den sollt er fragen, dass er ihm die Kohlen gibt.

Damit, so meint der Schmied, der Drache wird verbrannt.


So kam er zu dem Baum, der Drache ward verbannt.
Er schlug den Drachen tot, der junge Mann gar bald,
Zum Köhler ging er dann, der wartete im Wald.

Er kam in einen Busch, da lagen Drachen viel


Und Ottern, Kröten auch, das war kein heitres Spiel,
Er sah sie liegen da am Berg und in dem Tal,
Da riss er Bäume aus mit Wurzeln ohne Zahl.
Die warf er aufs Gezücht, das sonst kein andrer fing,
Die blieben alle da, das war ein Schreckensding.
Zum Köhler lief er da, dass der ihm Feuer gib,
Er zündete das Holz und das Gezücht vertrieb.

Der Drachen Hornhaut schau, wie die im Bache fließ,


Das wundert Siegfried sehr, den Finger drein er stieß,
Der Finger wurde kalt und trug nun Hornhaut auch,
Er badete im Bach von Kopf zu Fuß und Bauch.

Er war voll Hornhaut da, nur an der Schulter nicht,


So fand er auch den Tod, so meldet die Geschicht,
Wie Dichter singen gern zu ihrem Saitenspiel.
Er kam an Gibichs Hof, da waren Männer viel.

Er diente gern und warb dem Herrn die Tochter ab,


Dass König Gibich sie ihm zur Gemahlin gab.
Achte Jahre liebt er sie. Hört, was geschah dem Mann,
Wie sie ihm ward zuteil, was Wunder er begann.

Nun mögt ihr hören gern: Der Nibelungen Hort


Gefunden ward, so reich, gefunden ward er dort
Von Siegfried, diesem Mann, der fand ihn an der Wand,
Den dort ein Zwerg verschloss, der Nibling ward genannt.

Als nun den Nibling einst der Tod im Berg vertrieb,


Er ließ drei Söhne, die den Hort auch hatten lieb.
Sie saßen in dem Berg beim Nibelungen-Hort,
Darum sich in der Welt hob Jammer nur und Mord.

Sehr viele Helden kühn erschlagen wurden dort,


Im harten Streit aus Gier nach diesem goldnen Hort,
Dass keiner kam davon, das geb ich euch bekannt,
So Dietrich starb von Bern und Meister Hildebrand.

Die Stadt lag an dem Rhein, die wurde Worms genannt,


Ein König Gibich dort beherrschte alles Land,
Der hat mit seiner Frau drei Söhne schön gezeugt,
Und eine Tochter schön, so schön, der Dichter schweigt.

Der Knaben waren drei des Königs, wie ich sag,


Die Schwester war sehr schön, die einst an einem Tag
Am offnen Fenster stand, da flog ein Drache her
Und raubte sich die Maid mit goldnen Locken schwer.

Erleuchtet ward die Burg, als ob sie sei entbrannt,


Da flog der Drache mit der Jungfrau in der Hand,
Er schwang sich in die Luft hoch in das Wolkenkleid.
Die Eltern standen da und ach voll Traurigkeit.

Er führt sie ins Gebirg auf einen großen Stein,


Des Schatten war so groß, beschattete den Hain,
Die Jungfrau wunderschön, sie war dem Drachen lieb,
Dass ihr von Speis und Trank genug zur Stärkung blieb.

Der ließ sie auf dem Stein bis in das dritte Jahr,
Da sie kein Mensch gesehn, das glaubt, denn es ist wahr,
Sie war ein junges Kind, zwölf Jahre oder mehr,
Sie weinte täglich sehr, sie weinte täglich sehr.

Der Drache legt sein Haupt der Jungfrau in den Schoß,


Es war auch seine Kraft gewaltig, wahrlich groß,
Wenn er den Atem ließ, den Atem in sich sog,
Dann zitterte der Berg, wo hoch der Drache flog.

Am lichten Ostertag der Drache ward zum Mann.


Da sprach die Jungfrau rein: Nur Übel seh ich an,
Den Vater schmerzt es sehr, die Mutter gibt sich hin
Nur großer Traurigkeit, die edle Königin.

O weh, mein lieber Herr, die Tage mir vergehn,


Da ich den Vater und die Mutter nicht gesehn,
Und auch die Brüder nicht. Es möge recht dir sein,
Dass ich sie wiederseh, so danke ich dir fein.

Lass du mich nur nach Haus, mich in der Heimat Hain,


Den Kopf geb ich als Pfand, komm wieder auf den Stein,
Gewähre das, mein Herr, beim Herren Zebaoth,
Dann will ich immer treu bewahren dein Gebot.

Da sprach das böse Tier zur keuschen Jungfrau schön:


Die Eltern wirst du doch auf Erden nimmer sehn,
Noch andre Kreatur, du immer einsam schweigst,
Mit Seele und mit Leib hinab zur Hölle steigst.

Du schönstes Mädchen, du sollst dich nicht schämen mein,


Ich nehme dir nicht weg den Geist, das Leben dein,
Ab heut fünf Jahre noch, dann wirst du mir getraut,
Dann nehm ich dir als Mann das Blümchen Jungfernhaut.

So warte du auf mich fünf Jahr und einen Tag,


So mach ich dich zur Frau, wie sich das schicken mag,
Sonst Leib und Seele dein muss in den Höllengrund,
Du Königstochter, ich mach das dem König kund.

Was ich dir sage nun, das ist gewisslich wahr:


Ein Tag in dieser Welt bei Gott sind tausend Jahr,
So warte du auf mich bis an den Jüngsten Tag,
Dann wirst du endlich mein, sonst ich dich dort verklag.

Das Mädchen betete: O liebster Jesus Christ,


Ich hörte oft das Wort, dass du allmächtig bist
Auf Erden und im All und über alle Ding,
Du sprachst, der Höllengrund in tausend Stücke ging.

Maria, Gottesmagd und Himmelskaiserin,


Ich weihe mich dir ganz, die ich dein Mädchen bin,
Wie von dir spricht das Buch, dass du bist Gottes Frau,
Hilf mir von diesem Stein, die ich dir ganz vertrau.

Wär nur die Bruderschaft auf diesem hohen Stein,


Sie opferten sich auf fürs liebe Schwesterlein
Und führten mich nach Haus als Retter aus der Not. -
Aus ihren Augen floss ein Strom von Tränen rot.

Der König Boten schickt hinaus ins ganze Land


Nach seiner Tochter schön, obs jemand sei bekannt,
Wo seine Tochter wär, sein Schmerz in dieser Welt,
Ob sie errette so ein tugendreicher Held.

Da war zu jener Zeit ein Jüngling in der Fron,


Der Siegfried hieß, der auch war eines Königs Sohn,
Der war so voller Kraft, dass er die Löwen fing
Und sie zum Volkesspott dann an die Latten hing.

Und dieser Siegfried war zum Mann geworden bald


Und eines Morgens auf der Jagd im Tannenwald
Mit Falke und mit Hund, der junge Ritter stolz,
Da er mit seiner Schar geritten durch das Holz.

Da lief des Jägers Hund und schlug mit Bellen an,


Da ritt der junge Held ihm nach, der junge Mann,
Da kam er an ein Stück, darauf der Drache saß,
Vor ihm die Jungfrau lag im feuchten grünen Gras.

Und Siegfried eilt ihm nach bis auf den vierten Tag,
Da er nicht aß und trank und nicht im Zelte lag,
Bis an den vierten Tag, da er vorm Berge stund,
Was Siegfried nicht verdross, er eilte nach dem Hund.

Er war verirrt im Wald, wo nichts die Augen sahn,


Da Wege oder Steg war alles abgetan,
Er sprach: O Jesus mein, was hab ich hier gewagt?
Ich hab noch nicht zum Trost die kaiserliche Magd!

Gefochten Siegfried hat als Ritter sieben Jahr,


Da dienten ihm sehr gern fünf kluge Zwerge gar,
Sie gaben diesem Herrn freiwillig hin ihr Gut,
Der einen Wurm erschlug in Wahnsinn und in Wut.

Da kam der Siegfried nun zum hohen Drachenstein,


Er hatte nie gesehn solch festes Felsgestein,
Da müde wurden nun das Ross und auch der Mann,
Der kletterte, der Held, den Felsen nun hinan.
Da Siegfried nun, der Held, den Drachen schaute, ach,
Nun sollt ihr hören auch, was da der Ritter sprach:
O höchster Herr und Gott, was trug mich doch hier her?
Mich täuschte Satanas. Tu Wunder nun, mein Herr!

Wie bald um Siegfried da die Finsternis begann!


All seine Waffen nahm der ritterliche Mann.
Wenn Gott vom Himmel will, so sprach der junge Herr,
Aus diesem dunklen Wald ich komme nimmermehr.

Er ging zu seinem Ross und wollte reiten bald,


Da sah er jagen ihn in diesem finstern Wald
Den Eugelein, den Zwerg, sein Pferd wie schwarze Kohl,
Ein perlenreines Kleid mit Gold durchwoben wohl.

Er führt an seinem Leib die Zobelpelze schwer,


Dazu Gesinde mit, wie ich das sagen hör,
Er war ein König, reich, behaglich, stolz und klug,
Der es gewiss mit Ruhm und Ehre herrlich trug.

Er trug auf seinem Haupt die Krone edler Art,


Wie nie in dieser Welt gesehen Gleiches ward,
Da in der Krone saß so mancher Edelstein,
Wie nie in dieser Welt so Schönes mochte sein.

Da sprach der kluge Zwerg, wie er gesehn den Herrn,


Was er da zu ihm sprach, das magst du hören gern.
In Tugend er empfing der jungen Helden bald.
Er sprach: Nun sag, mein Herr, was tust du in dem Wald?

Dir danke Gott der Herr, sprach Ritter Siegfried süß,


Für deine Treue, Zwerg, dass ich die auch genieß.
Wie soll der Name denn von meinem Vater sein?
Ich bitte, sag mir das, auch von der Mutter mein.

Nun aber Siegfried war gewesen sieben Jahr


Bei seinen Eltern nicht, da graute ihm kein Haar,
Da ward er fern gesandt in einen finstern Wald,
Der Meister ihn erzog, er ward zum Manne bald.

Da sprach zu ihm der Zwerg, als Siegfried zwanzig war:


Willst du es wissen, so vernehme ganz und gar,
Sieglinde, Mutter dein, von Adel ist ihr Born,
Von König Siegmund du gezeugt bist und geborn.

Du kehre heim, o Mann, zu deiner Eltern Fest,


Und tust du das nicht bald, dein Leben dich verlässt.
Auf diesem Stein hier sitzt ein wilder Drache vorn,
Und wenn er dich besiegt, dein Leben ist verlorn.

Es wohnt auf diesem Stein die schöne Jungfrau-Magd,


Das wisse du gewiss, es sei dir hier gesagt,
Sie stammt von Christen ab, kommt von dem König her,
Wird ohne Gottes Huld gerettet nimmermehr.

Ihr Vater Gibich heißt, der da regiert am Rhein,


Kriemhild, die Königin, ist ihr Mutter fein.
Da sprach der junge Held: Das ist mir wohl bekannt,
Wir waren uns sehr lieb in unserm Vaterland.

Da Siegfried nun, der Held, des Zwerges Wort vernahm,


Das Schwert stieß in den Grund, zum Drachenfelsen kam,
Da schwor er einen Eid, der auserwählte Mann:
Die Jungfrau rette ich, zieh sie zu mir heran!

Da sprach der kluge Zwerg: O Siegfried, stolzer Mann,


Nimmst du umsonst dich gern der lieben Jungfrau an
Und schwörest einen Eid, so gib mir Urlaub bald,
Die Jungfrau, sie wird dein, im tiefen dunklen Wald.

Und hättest du Gewalt auch über alle Welt


Und siebzig Völker, dass sie dienten dir, o Held,
Die Christen, Heiden auch, dir wären untertan,
Die Jungfrau dennoch bleibt, wo wir sie sitzen sahn.

Da aber Siegfried sprach: O nein, du kleiner Zwerg,


Bei deiner Treue, hier vor diesem hohen Berg,
Hilf mir gewinnen doch die schöne Jungfrau rein,
Sonst schlag ich ab dein Haupt mitsamt der Krone dein.

Verlör mein Leben ich durch dieses Himmelsweib,


Verliere ich es gern, die Seele und den Leib,
Nur Gott der Herr allein zu helfen mir vermag,
Sonst niemand helfen kann, ich dir die Wahrheit sag.

Da ward dem jungen Mann nach heißem Zorn zumut,


Den Zwerg griff er beim Haar, der stolze Ritter gut,
Und warf ihn voller Kraft an eine Felsenwand,
Dass ihm die Krone sank hinunter in den Sand.

Der sprach: Still deinen Zorn, du hoher stolzer Mann,


Ich will dir raten, was ich eben raten kann,
Und will mit Treue dir aufhelfen auf den Berg. -
Dich reitet Satanas! Was redest du, o Zwerg?

Der sprach: Ein Riese ist, mit Namen Cuperan,


Dem tausend Riesen im Gefilde untertan,
Der hat den Schlüssel, der den Drachenfels erschließt. -
Den zeig mir, Siegfried sprach, dass es die Maid genießt.

Den sollst du zeigen mir, so lass ich dir den Leib. -


Da sprach der kluge Zwerg: Und kämpfst du um das Weib,
So tus in kurzer Zeit, wie es nicht andre gab. -
Ich freu mich, Siegfried sprach, dass ichs vernommen hab.
Da weist er Siegfried hin zum Berge ganz und gar,
Wo bei der Felsenwand des Riesen Wohnung war.
Und Siegfried rief hinein in jenes Riesen Haus,
Da kam mit Kraft zu ihm der Riese gleich heraus.

Da sprang der wilde Mann von seiner Felsenwand,


Mit einem Eisenstab in der behaarten Hand.
Wer trug dich denn hierher, du schöner Bube klein?
Gar bald in diesem Wald soll es dein Ende sein.

Das sag ich dir gewiss: Verloren ist dein Leib. -


Da sagte Siegfried: Gott erlöst das junge Weib.
Gott wird mir geben Kraft und Tüchtigkeit und Macht,
Dass du mir geben musst die Jungfrau in der Nacht.

Denn darum schreien wir nur über dich den Mord,


Dass du gefangen hältst das schönste Mädchen dort
Auf diesem Felsen, der schaut in die Lande weit,
Vier Jahre lang schon sie dort liegt in großem Leid.

Da ward dem wilden Mann nach großem Grimm zumut,


Dass mit dem Eisenstab er Siegfried schlagen tut,
Mit seiner Stange lang. Was aber nun geschah?
Den langen Eisenstab man über Bäumen sah.

Der Riese Cuperan schlug oftmals, ohne Zahl,


Den Eisenstab hinein zum Erdengrund im Tal,
Dann schlug auf Siegfried er: O Kind, ich töte dich!
Doch Siegfried sprang hinweg fünf Meter hinter sich.

Und Siegfried sprang hervor zur Jungfrau voller Wert,


Der Riese bückte sich zur schwarzen Mutter Erd,
Ihm Wunden Siegfried schlug, das Blut in Strömen lief,
Sind Wunden nie so viel geschlagen und so tief.

Da sprang der Riese auf, an Siegfried drang heran


Mit seinem Eisenstab und sprach: Du kleiner Mann,
Verloren ist dein Leib, und nun verscheide still.
Da aber Siegfried sprach: Ich sterb, wenn Gott es will!

Und als der wilde Mann der Wunden Schmerz empfand,


Ließ fallen er den Stab und floh zur Felsenwand.
Da hat ihn Siegfried wohl gebracht in Todespein.
Da dacht er an die Maid, gefangen dort allein.

Der Riese sich verband die offnen Wunden bald,


Zog eine Rüstung an und stapfte durch den Wald,
Die Rüstung war getaucht in heißes Drachenblut,
Des Kaisers Rüstung selbst war nicht so fest und gut.

Der Riese an den Gurt ein scharfes Schwert sich band,


Das war sehr lang und scharf, gemacht für seine Hand,
Die Schneide war sehr scharf, man gäb dafür ein Reich.
Wenn er zum Kampf auszog, er mordete sogleich.

Er setzte auf sein Haupt sogleich den Stahlhelm hart,


Wie goldne Sonne, die auf ihrer Meeresfahrt,
Er nahm zur Hand den Schild, der wie ein Stadttor war,
War fest und hart und dick, das glaube mir fürwahr.

Da sprang der Riese vor von hoher Felsenwand,


Er trug den Stab von Stahl in seiner rechten Hand,
Er schnitt damit die Luft, zerschnitt damit den Sturm,
Da klang der Stab, so klingt die Glocke in dem Turm.

Sag an, du kleiner Mann, sprach ihn der Riese an,


Dich führt wohl Satanas, was hab ich dir getan,
Dass du mich morden willst in meinem eignen Haus? -
Du lügst, sprach Siegfried da, ich rief dich nur heraus.

Da sprach der Riese wild: Du Bruder, sei verflucht!


Vergelten will ichs dir, dass du mich hast gesucht.
Und hättest du das nur vermieden, wär es gut,
Nun hänge du am Strick für deinen Übermut!

Das wehre Gott, du Feind, der aller Tugend bar,


Zum Hängen kam ich nicht in diesen Wald fürwahr,
Lass du mich holen nur die Maid vom Felsgestein,
Sonst wisse du gewiss, du musst des Todes sein!

Da sprach der Riese wild: Das lass dir sein gesagt,


Ich geb dir nimmermehr vom Felsenhort die Magd,
Ich will dir sagen, Mann, du kennst nicht meinen Mut,
Du sollst nicht lüstern sein nach einer Jungfrau Blut.

Drum widersetze ich mich deinem Widerstreit. -


Da sagte Siegfried dies: Ich bin schon früh bereit.
Da kämpften sie, die zwei, sie taten sich Gewalt
Mit scharfem Schwertschlag dort im tiefen finstern Wald.

Von ihrer beider Kraft ein solcher Kampf geschah,


Wie man das Feuer wild auf ihren Helmen sah,
Wie gut der Schild auch war, und den der Riese trug,
Doch Siegfried ihn geschwind in tausend Stücke schlug.

Der an den Riesen ist und seine Wehr gerannt,


Er riss ihm von dem Leib sein stählernes Gewand,
Da stand mit Blut befleckt der Riese Cuperan,
Doch fünfzehn Wunden ihm tat schmerzlich Siegfried an.

Laut ruft in seiner Not der Riese Cuperan:


Du edler Herr, du mir was zum Genießen an,
Du kämpfst mit ganzer Kraft und ganzer Männlichkeit,
Du bist ein edler Herr, der gerne mir verzeiht.

Du stehst im Alter hier, bist doch ein kleiner Mann,


Verglichen so mit mir. Ich nicht gewinnen kann.
Doch lasse leben mich, so will ich geben dir
Die Rüstung, Schwert und Schild und alles Ding von mir.

Das will ich gerne tun, sprach Siegfried da, der Mann,
Gibst du vom Steine mir die Jungfrau aus dem Bann. -
Ich schwöre Treue dir, sollst ohne Zweifel sein,
Ich geb dir von dem Stein die schöne Jungfrau rein.

Da schworen sie vereint zusammen einen Eid.


Und Siegfried hielt den Eid, da er beschwor die Maid,
Doch untreu war zu ihm der Riese Cuperan,
Dass Siegfried noch zuletzt ein großes Leid gewann.

Da sprach der Riese stark zum Ritter hoch und hehr:


Bei Gott, mein lieber Freund, die Wunde schmerzt mich sehr. -
Er riss von seinem Leib sein seidenes Gewand,
Mit dem der Untreu er die Wunde selbst verband.

Da sprach die Untreu dies: So wisse, Bruder mein,


Da liegt der hohe Stein. Wo mag die Türe sein?
Das wollen wir beschaun, du tugendhafter Mann.
Was ich dem Freunde tu, sei gut vollzogen dann.

Da gingen sie vereint zu eines Wassers Quell,


Der ungetreue Mann griff nach dem Schwerte schnell,
Und Siegfried ging, der Held, ging vor ihm in den Wald,
Da sprang der böse Freund auf Siegfrieds Nacken bald.

Er gab den Siegfried da sehr grausam einen Schlag,


Dass da der Ritter fromm ihm unterm Schilde lag,
In den Gebärden so, als wäre er schon tot,
Aus Nase und aus Mund das Blut ihm strömte rot.

Da Siegfried lag, der Held, ihm unterm Schilde breit,


Kam Eugel an, der Zwerg, zu helfen ihm bereit.
Er nahm den Nebelhut und warf ihn auf den Mann.
Der Riese war ihm feind, er hat verloren dann.

Der Riese lief zum Baum und suchte da den Mann:


Der Teufel führte dich, vielleicht hats Gott getan,
Ein Zeichen dir gewirkt? Du tatest erst hier stehn,
Du lagest hingestreckt, und bist nicht mehr zu sehn.

Da lachte bei dem Wort der Zwerg, der kleine Mann.


Er hob den Helden auf und setzt ihn auf den Plan.
Da saß er eine Zeit, der auserwählte Held,
Bis neu er Kraft gewann, der Ritter auserwählt.
Da Siegfried, unser Held, nun zu sich selber kam,
Da sah er sitzen da den Engel wundersam.
Das lohnt dir Gott, sprach er, du lieber kleiner Mann,
Was soll ich sagen sonst? Du hast mir wohl getan.

Da sprach der liebe Zwerg: Das musst du recht verstehn,


Wär ich gekommen nicht, wär Leiden dir geschehn.
Folg meiner Lehre nun, nimm die die Jungfrau gar.
Geh mit dem Nebelhut, nimmt keiner dich gewahr.

Da sagte unser Held: Das möchte wahr nicht sein.


Hab tausend Leben ich, soll jedes Treue sein.
Das wagte alles ich fürs Mädchen wunderschön.
Ich wills versuchen noch, obs kann mit wohl ergehn.

Wie er so ritterlich die Nebelkappe rief!


Das Schwert in seiner Hand er schlug ihm Wunden tief,
Dem ungetreuen Freund. Laut rief er dann zur Magd.
Ihr Hände voller Kraft, den Riesen mir erschlagt!

Du kämpfst mit ganzer Kraft und deines Leibes Macht,


So seh ich einzig dich stehn vor mir voller Pracht,
Und schlägst du nun mich tot, du auserwählter Mann,
Wer soll dich führen dann zur reinen Magd hinan?

Drum Siegfried, unser Held, gedankenvoll gedenkt


Wohl an die Liebe, die ihn hin zur Jungfrau lenkt.
Der Riese leben soll, der ungetreue Freund.
So hebe dich hinweg den breiten Weg, mein Feind!

Und weise mir den Weg zur reinen Jungfrau fromm,


Ich schlag dir ab den Kopf, der ich zur Jungfrau komm. -
Der ungetreue Freund war da in großer Not
Bei all der Todesangst, die ihm der Ritter bot.

Sie gingen nun vereint zum Drachenstein im Sand.


Der Ungetreue hielt den Schlüssel in der Hand.
Da schloss er auf den Stein, die Tür ward aufgetan,
Dass Siegfrieds Augen da acht Meter Tiefe sahn.

Da tat der Stein sich auf, ward unten aufgesperrt,


Da Siegfried in der Hand den Schlüssel unbeschwert,
Er hat ihn aus dem Schloss genommen bald hinfort.
Nun heb du dich hinweg, wähl einen andern Ort!

Sie wurden beide matt, da nahten sie dem Stein,


Und Siegfried, unser Held, sah da die Jungfrau rein.
Sie fing zu weinen an. So war es einst geschehn:
In meines Vaters Haus ich hab dich einst gesehn!

So sprach die Jungfrau: Sei willkommen, Liebster mein,


Die Mutter und ihr Mann, die leben an dem Rhein,
Und meine Brüder auch. Wie gehts den Fürsten nun?
Das sage du mir an, dann kann ich ruhig ruhn.

Da sagte Siegfried: Still, und lass dein Trauern sein,


Geh du mit mir vereint, du schönste Jungfrau rein,
Ich helfe dir mit Kraft aus deiner großen Not,
Sonst will ich lieber hier für dich gehn in den Tod!

Das lohnt dir Gott, mein Held, mein Siegfried stark und schön,
Doch wirst du können auch dem Drachen widerstehn?
Er ist der Satanas, wie ich ihn hab gesehn.
Und siehst du ihn, musst fest du in der Wahrheit stehn.

Und Siegfried sprach, der Held: Er mag so schlimm nicht sein.


Ich geb nicht gerne auf die große Arbeit mein.
Ich stritt mit ihm so sehr, dem gegnerischen Mann,
Wenn er der Teufel ist, so greife ich ihn an.

Das, Siegfried, lohnt dir Gott. Die Arbeit weit und breit
Hast du für mich getan, die junge schöne Maid,
Und hilft dir Gott der Herr, das wisse ohne Wahn,
Dann bin ich dir auch treu, wie keiner sonst getan.

Nun näher trat zum Stein der Riese Kuperan,


Er sprach: Hier ist ein Schwert geborgen, wohl getan,
Damit ein Ritter stark das Drachentier besiegt,
Kein Schwert auf Erden sonst, dass so das Tier bekriegt.

Das sprach er von dem Schwert und sah die Wahrheit an,
Doch achtete er nicht auf jenen guten Mann,
Der Riese stolz und groß schlug nun den Ritter wund,
Der kaum mit einem Bein auf festem Felsen stund.

Er griff den Riesen an, es gab ein Ringen da,


Der Fels erzitterte. Als das die Jungfrau sah,
Sie weinte voller Angst, als obs ihr Ende sei,
Sie sprach: Ach guter Gott, steh heut dem Guten bei!

Und wenn der Mann für mich verliert den schönen Leib,
Im Herzen Jammer dann wohnt stets im Klageweib,
Verfallen werde ich in dieser wehen Not
Auf diesem Felsen hier und wünsche mir den Tod!

Drum Siegfried, du mein Held, bewahre deinen Leib,


Und denke an dein Werk und an ein armes Weib. -
Da Siegfried sprach, der Held: Ich liebe dich so sehr,
Du schöne Jungfrau rein, nur sorge dich nicht mehr.

Da fand der Ringkampf statt. Das sah das schöne Weib,


Der Ungetreue da verlor den großen Leib.
Denn Siegfried griff ihn an, den ungeheuren Mann,
Und zerrte ihn vom Fels und tat ihn in den Bann.
Der Riese neigte sich vor Siegfried auf dem Feld,
Lass nur am Leben mich, du tugendhafter Held,
Das bitte ich dich sehr, du Ritter unverzagt.
Wie war ich treulos oft! Dem Himmel sei‘s geklagt!

Da Siegfried sprach, der Held: Dein Wort ist nun verlorn.


Ich sah die Jungfrau an, die Jungfrau rein geborn. -
Er fasste ihn am Arm und warf ihn von dem Stein,
Dass er zersplitterte. Da lacht die Jungfrau rein.

Da Siegfried nun, der Held, kam auf den Stein zu stehn,


Da ging er freundlich ernst zur reinen Jungfrau schön.
Du Schönste aller Fraun, lass nun dein Weinen sein,
Ich bin gesundet nun durch dich, o Jungfrau rein.

Nun helfe ich dir auch aus deiner wehen Not,


Wenn nicht, so liege ich im Staube besser tot. -
Das, Siegfried, lohnt dir Gott, du Ritter einer Maid,
Doch fürchte ich, es kommt zu uns noch andres Leid.

Da Siegfried sprach, der Held: Den Schmerzen auch geweiht,


Ich inniglicher Mann, so naht mir neues Leid.
Genesen bin ich nun an diesem dritten Tag,
Nun Brot und Fleisch und Wein und tiefen Schlaf ich mag.

Da Eugel sehr erschrak, der Zwerg so klein und gut,


Und auch die Jungfrau rein, bei Siegfrieds bösem Mut.
Da kleine Eugel sprach: Ich bringe Speis und Trank,
Zur Herzensstärkung dir, dem Herrn zu Lob und Dank.

Für vierzehn Tage geb ich Speis und Trank genug. -


Und auf den hohlen Berg er Trank und Speise trug,
Ihm dienten da am Tisch die Zwerge klein und gut,
Dazu die Jungfrau rein, und Siegfried schöpfte Mut.

Eh sie gegessen schon, erklang mit einem Mal


Ein Schall, als ob der Berg nun stürzte in das Tal.
Darüber sehr erschrak das junge Mädchen fein
Und sprach: Du lieber Mann, das wird dein Ende sein!

Wenn auch die ganze Welt in unsern Händen wär,


Verloren wären wir, das wisse, Heros hehr. -
Da Siegfried sprach, der Held: Wer nimmt das Leben uns,
Da es auf Erden ist ein Hauch des Gottesmunds?

Und Siegfried mit dem Hemd wischt ab der Magd den Schweiß,
Die Magd in Minnelust, die war vor Schrecken heiß.
Und Siegfried sprach: Nur Mut, da ich ja bei dir bin. -
Die Zwerge von dem Tisch, die flohn voll Angst dahin.

Als du das Liebespaar in dem Gespräche war,


Da kam der Drache an mit schrecklicher Gefahr.
Beim Feuer sah man ihn, der vor dem Feuer ging,
Und manch ein Dornenstrauch vom Drachen Feuer fing.

Der Drache war verflucht, ward von des Teufels Art,


Drum hat zu jeder Zeit sich Satan ihm gepaart
Als Drache feuerrot, doch war er ohne Pein,
Geist, Seele und Vernunft, die mussten willig sein.

Er brauchte die Vernunft nach menschlicher Natur,


Fünf Jahre, einen Tag, er in den Menschen fuhr,
Ein schöner Jüngling er, wie je er ward gesucht,
Das kam von Buhlerei mit einem Weib verflucht.

So durch das schöne Weib zum Mann der Drache ward,


Fünf Jahre gingen hin, er blieb von Drachen-Art,
Die wurde ihm zuteil, er blieb ein Drache schwer,
Und anders wurde er im Leben nimmer mehr.

Und da nun Siegfried ihm die Jungfrau nehmen wollt,


Die er so lang begehrt und sich von Worms geholt,
Drum ward er grimmig und trat zu dem Stein
Und wollt verbrennen da mit Glut den schönen Hain.

Die Jungfrau sorgte sich und Rat ihr Siegfried gab,


Dass sie verbergen sich, dass er sie nicht hinab
Im Fluge stieße in die Höhle, die dort war
Im Drachensteine. Was ich sage, das ist wahr.

Die Drache eilte sehr und war auch sehr erhitzt,


Er kam mit Feuer an, wie Luzifer gewitzt,
So kam er an den Stein, da hat der Fels gebebt,
Der seit der Welt Beginn im Leeren hat geschwebt.

Da hat genommen nun der Held des Drachen Schwert,


Das Kuperan ihm wies, der einen Mord begehrt
Hoch auf dem Drachenstein, da er sich bücken sollt
Zum Schwerte auf dem Stein, ihn nieder stoßen wollt.

Nun aus der Höhle sprang Herr Siegfried mit dem Schwert,
Mit grimmen Schlägen er des Wurmes Tod begehrt,
Der Wurm mit Krallen ihm zerschlagen hat den Schild,
Dass ihm der heiße Schweiß rann nieder ins Gefild.

Der Stein ward da so heiß, so über alle Glut,


Wie heißes Eisen wohl in einer Schmiede tut,
Das Ungeheuer macht die Hitze da so groß
Und Höllenfeuer da kam vor aus seinem Schoß.

Sie hatten auf dem Fels und auf dem hohlen Berg
Ein Wesen ungestüm. Und jeder wilde Zwerg
Da eilte in den Wald, und jeder nahm sich vor,
Es falle ein der Berg, das Leben man verlor.

Nun Niblungs Söhne zwei da waren in dem Berg,


Der Engel Brüder sie, die schützten Zwerg bei Zwerg
Den Nibelungenschatz. Der Berg tat einen Satz,
Sie trugen aus dem Berg den Nibelungenschatz.

In einer Höhle sie ihn legten vor die Wand


Da unterm Drachenstein. Danach ihn Siegfried fand,
Wie ihr es hören sollt, vom Engel, von dem Zwerg,
Der war nicht auf der Flucht, da leer war ganz der Berg.

Darin auch bei dem Schatz, den bargen sie im Turm,


Sie hatten große Angst vorm Drachen, vor dem Wurm,
Dass Siegfried kommen musst als Retter in der Not,
Sonst hätt die Zwerge all der Wurm geschlagen tot.

Da er das Mädchenbild durch Zwerge so verlor,


Der Wurm lag auf dem Steig und vor des Felsen Tor,
Dass er sich kühle dort, so lag er in dem Gang,
Die Jungfrau schlief, der Held war fern von ihr nicht lang.

Er holte Speis und Trank, da war es Winterzeit,


Da saß sie unterm Berg wohl fünfzig Meter weit.
Da lag er vor dem Loch und wärmt das Mädchen hold.
Ich fang von vorne an, wenn ihr es hören wollt.

Erleuchtet ward der Fels. Der Heros Siegfried süß


Die große Hitze floh, dass er vom Drachen ließ,
Die vor ihm trieben her, die Flammen blau und rot,
Dass Siegfried sich verbarg, ihn zwang die große Not.

Und Siegfried und die Maid verbargen sich vorm Herd,


Bis dass des Drachen Glut ein wenig sich verzehrt.
Und Siegfried trat hinzu und nahte sich dem Schatz,
Er dacht, dass den der Wurm gesammelt auf dem Platz.

Der Schatz war wertvoll ihm. Da sprach die Jungfrau rein:


O Siegfried, o mein Herr, es naht uns große Pein,
Wohl sechzig Drachen sind geflogen voller Gift,
Die sind noch auf dem Berg. Dein Mut sie übertrifft.

Nun hab ich oft gehört, sprach Siegfried hochgeborn,


Wer auf den Herrn vertraut, der gehe nicht verlorn.
Und müssen sterben wir, dem Heiland sei‘s geklagt,
Ich nehm mich deiner an, du auserwählte Magd!

Da ward der große Held voll Grimm und gar nicht feig,
Sein Schwert ergriff er und zum hohen Berge steig,
Da fiel die Drachenschar, die tödliche Gefahr,
Es zog die Drachenschar, von wo sie kommen war.
Der alte Drache blieb und machte Siegfried Not,
Ihm aus dem Rachen schoss ein Feuer blau und rot,
Er stieß den Siegfried an, der bald am Boden lag.
Er war noch nie in Not wie hier an diesem Tag.

Der Wurm mit Teufelsschwanz hat Siegfried angefacht,


Und Siegfried lag im Staub, am Boden abgeflacht.
Der Drache warf ihn hin. Der Held zur Höhe flog
Und aus der Fessel sprang, in die der Wurm ihn zog.

Und Siegfried schlug mit Grimm dem Drachen auf das Horn.
Er mochte bleiben nicht und schlug den Drachen vorn,
Er schlug den Panzer und schlug das gehörnte Dach.
Er musste leiden doch vom Drachen Ungemach.

Er schlug ihm weich das Horn mit seinem Schwert so gut,


Und auch die Hitze heiß vom Drachen voller Glut
Mit Kohlen schwarz und rot, die brachten einen Brand,
So wich das Horn von ihm, das von ihm weggerannt.

Er schlug zusammen ihn und hieb ihn auch entzwei,


So fiel er von dem Fels in Stücke mancherlei,
Dann warf er nieder ihn, der Drache niederfällt,
Und frei die Jungfrau war und Siegfried war ihr Held.

Er fiel vor Hitze heiß und wusst nicht, wo er saß,


Dass von der Ohnmacht er und Schwäche nicht genaß.
Dass er nicht hört und sah und keinen kennen kunnt,
Entwichen war sein Blut und kohlschwarz war sein Mund.

Da Siegfried lange lag und wieder kam die Wucht,


Da setzte er sich auf und die Geliebte sucht,
Die sah er liegen dort, so jämmerlich wie tot!
O Gott vom Himmel, sprach der Mann, weh meiner Not!

Er legte sich zu ihr und sagte: Gott erbarm,


Soll ich die Tote frein? Er nahm sie in den Arm.
Der Engel kam, der Zwerg, und sprach mit weisem Mund:
Ich gebe Kräuter ihr, so wird sie bald gesund.

Und da die Jungfrau rein die Kräuter zu sich nahm,


Saß bald sie wieder auf und wieder zu sich kam.
Sie sagte: Siegfried, Freund, tu deine Hilfe kund!
Sie herzte ihn sehr süß und küsste seinen Mund!

Zum Helden Siegfried sprach der engelgleiche Zwerg:


Der Riese Kuperan bezwang einst unsern Berg,
Drin tausend Zwerge wohl gewesen unterm Bann
Und Zinsen zahlten ihm, dem ungetreuen Mann.

Nun hast du uns erlöst, nun machtest du uns frei,


Drum dienen gerne wir, wie unsre Stärke sei,
Geleiten dich auch heim, dich und die Jungfrau fein,
Ich weise euch den Weg zum alten Vater Rhein.

Der Zwerg ging in sein Haus, ging in den Berg hinein,


Er reichte weißes Brot und reichte roten Wein,
Das Beste, was man mag, der Rotwein machte toll,
Wie es das Herz begehrt, des war die Wohnung voll.

Und Siegfried Urlaub nahm vom Zwerg, voll Adel sehr,


Und von den Brüdern auch, die edel auch wie er.
Die Zwerge sprachen: Herr, ein Ritter hoch und breit,
Der Vater Niblung ist gestorben, ach, vor Leid!

Der Riese Kuperan, der brachte Todesnot,


So alle Zwerge hier schon müssten liegen tot,
Drum nimm den Schlüssel hier, dem Kuperan geweiht,
Der hier zum Stein gehört, drauf lag die holde Maid.

Der Schlüssel ist gelangt in deine edle Hand,


Weil wir dir danken sehr, o Herr, zu Recht genannt,
So wir begleiten euch, dich und die Jungfrau schön,
Dass euch geschieht kein Leid, wohl tausend mit euch gehn.

Nein, sagte Siegfried da, die Tausendschaft hier bleibt!


Die Jungfrau saß zu Pferd, der Held die Schar vertreibt.
Der Engel nur, der Fürst der Zwerge, mit ihm ritt.
Und Siegfried sprach zu ihm: O Engel, teil mir mit,

Nach deiner großen Kunst, genannt das Horoskop,


Dort auf dem Drachenstein du sangst der Sterne Lob,
Die zeigen Zukunft an mit ihrem hellen Schein:
Wie lange soll mein Weib in Minne bei mir sein?

Da sprach der Engelfürst: Ich will es dir gestehn,


Nur sieben Jahre sinds, das hab ich klar gesehn,
Dann wird genommen dir dein liebevoller Leib
Und ohne Schuld die Magd, das minnigliche Weib!

Dann wird dein Tod gerächt von deinem lieben Weib,


So mancher drum verliert im Kriege seinen Leib,
Kein Ritter wird noch sein, der auf der Erde bleibt.
O Siegfried, wer ist so voll Glück wie du beweibt!

Und Siegfried eilig sprach: Wenn man mich erschlägt,


So werde ich gerächt. Und nicht mein Geist dann frägt,
Wer mich erschlagen hat. - Der Engel sprach in Not:
Ja, auch dein schönes Weib wird liegen in dem Tod.

Nun kehre du dich heim, der Held sprach zu dem Zwerg,


So schieden beide hart. Sich kehrte zu dem Berg
Herr König Engel. Nun gedachte Siegfried dies,
Wie er dort im Gestein den Schatz doch liegen ließ.
Er dachte zweierlei: Den einen Kuperan,
Den andern auf den Wurm, der Schatz sei aufgetan.
Er meinte, dass den Schatz der Wurm gehäuft mit Witz,
Dass er zum Menschen wird durch diesen Goldbesitz.

Er sprach: Hab ich in Not den Schatz mir erst erwerbt,


Was ich gefunden hab, wird mir zu Recht vererbt.
Er holte sich den Schatz, er und sein schönes Weib,
Er lud ihn auf sein Pferd, dass er es weiter treib.

Da kam er an den Rhein. Er dachte ohne Mut:


Leb ich so kurze Zeit, was soll mir dann das Gut?
Und soll die Ritterschar für mich verloren sein,
Was soll mir dann der Schatz? Und warf ihn in den Rhein.

Den hatten nun geerbt die Könige im Berg,


Die sie verstoßen einst den Nibelungen-Zwerg.
Und Engel war sein Sohn, der wusste nicht vom Ding,
Er dachte, dass der Schatz noch liegt im Berg gering.

Dem König Gibich ward gebracht das Boten-Brot,


wie seine Tochter schön erlöst aus alter Not,
Und wer vom Wurm erlöst die Maid aus tiefem Kolk.
Und König Gibich rief den Adel und das Volk.

Und Siegfried nun, dem Mann, entgegen jeder ritt,


Kein Kaiser so geehrt, der je auf Erden schritt.
Der König Gibich rief das ganze Reich und Land,
Den Fürsten und den Herrn die Botschaft ward bekannt.

Dass jeder käme nun nach Worms am Vater Rhein


Zum hohen Hochzeitsfest! Die Fürsten ritten ein,
Empfangen voller Huld, wie man es machen soll.
Die Freude war sehr groß, das Land der Herren voll.

Die Hochzeit dauerte wohl vierzehn Tage lang,


Da man sich zum Turnier auf edle Pferde schwang,
Turnier und Tjost war gut, sie zogen heimwärts dann,
Mit Futter, Brot und Wein beladen Ross und Mann.

Und Siegfried gab Geleit und stärkte das Gericht.


Wenn einer hatte Gold, sich fürchten braucht er nicht,
Dann war er voller Macht. War alles gut bestellt.
Sprach Günther: Satanas! Was ist das für ein Held!

Ein Held der Helden kühn! Die andern sind geschwächt,


Die gut von Adel sonst, wie er ist vom Geschlecht,
Der trägt an jedem Tag das Wappen und den Ring,
Die andern Helden sind im deutschen Reich gering.

Und Hagen grimmig sprach: Er ist der Schwager mein.


Wenn er regiert das Land von Deutschland an dem Rhein,
So soll er eben sehn, dass er regiere recht.
Ich war der Erste ja, der seine Frevel rächt.

Und Gernot sagte dies: Dem Schwager Siegesfried


Ich geb von meiner Hand das allerbeste Glied,
Dass Gibich hätte hier wie ich den starken Mut,
So sag ich, Siegfried tut uns allen gar nicht gut.

Drei Könige im Land für Siegfried hegten Hass,


Bis sie geschwiegen ganz, vollendeten sie das,
Dass Siegfried lag im Tod. An einer Quelle kalt
Erstach ihn Hagens Grimm dort in dem Odenwald.

Der an der Schulter traf den Helden Siegfried, das


Geschah am kühlen Quell, da trank er von dem Nass.
Sie gingen von der Schar zur klaren Quelle licht,
Dem Hagen ward gesagt, dass Siegfried er ersticht.

Kriemhildes Brüder drei, wer weiter hören wollt,


So will ich sagen ihm, wo er das finden sollt,
Von Siegfrieds Hochzeit er dann lese den Bericht,
So ging es sieben Jahr. Hier endet dies Gedicht.

VIERTER GESANG

Was tat denn Gudrun da, als christlich stumm zu leiden,


Als sie bei Siegfried saß, dem Mann, der tat verscheiden?
Nicht Tränen hatte sie und nicht die Hände rang,
Noch klagte sie wie sonst der Klagenden Gesang.

Die Krieger kamen an, die weise sind, die schlauen,


Um zu erleichtern ihr das Weh, der Lieben Frauen,
Doch Gudrun trauert nicht mit Tränenperlenflut,
Ob auch voll Trauer ist ihr Herz und ohne Mut.

Der Krieger Frauen nun gekommen sind mit Kuchen,


Mit Goldschmuck sind geschmückt, die Liebe Frau zu suchen,
Und jede dieser Fraun von eigner Trauer sprach,
Was sie getragen hat an Weh und Qual und Ach.

Da Gjaflaug aber sprach, des Gjuki schöne Schwester:


Auf Erden packt mich doch das Wehe immer fester,
Fünf Männer hatte ich, sie sind nun tot und frei,
Zwei Töchter hatte ich und liebe Schwestern drei

Und liebe Brüder acht. Doch hatte ich mein Leben. -


Doch Gudrun trauerte, dass ihre Brüste beben,
So traurig war die Frau um ihren lieben Mann,
So gramvoll war ihr Herz und stand in Todesbann.

Dann aber Herborg sprach, die Königin der Hunnen:


Auch mir die Trauer steigt aus tiefem Tränenbrunnen,
Denn sieben Söhne mir im Süden in der Schlacht
Gefallen und mein Mann, im Ganzen also acht.

Der Vater starb mir hin, die Mutter ist gestorben,


Vier Brüder sind dazu im Totenreich verdorben,
Denn in die Wellen schlug der Wind am Felsenriff,
Und so das Meer durchschlug den Bauch von meinem Schiff.

Den ganzen Körper mein tat ich mit Schmuck begaben,


Geschmückt so für das Grab, die Toten auch begraben,
Ein halbes Jahr ich trank kein Met mit frohem Prost
Und niemand kam zu mir mit gutem Wort und Trost.

Gebunden ward ich dann und ward im Krieg genommen,


Ein Schmerzen war in mir, ich war vom Weh benommen,
Sie baten mich, den Schuh zu binden schön und schlau
Bei jedem Morgenrot an des Monarchen Frau.

In Eifersucht ihr Zorn verbot mir allen Segen


Und schlug mich mit der Hand und zwar mit harten Schlägen,
Nie einen bessern Herrn fand ich, so klug und schlau,
Und nie so böses Weib wie diese böse Frau.

Als Trauernde voll Gram nicht konnte Gudrun weinen,


So groß die Trauer war, sie könnte maßlos scheinen,
So groß die Trauer war um ihren toten Mann,
So gramvoll war ihr Herz und stand im Todesbann.

Und Gollrond sprach, das Kind von Gjuki, weiß wie Butter:
Ach, deine Weisheit hilft nicht meiner Pflegemutter,
Den süßen Weg zum Trost der Frau so jung und schön.
Sie bat, des Kriegers Leib, den Leichnam anzusehn.

Den Mantel hob sie auf von Siegfried, sachte legend


Den Kopf ihr auf den Schoß, das war für sie bewegend:
Schau deinen lieben Mann, und lege deinen Mund
Auf seinen Mund, versuch, zu küssen ihn gesund.

Nur einmal Gudrun sich bemühte, auszuschauen,


Man sah das rote Blut im blonden Haare tauen,
Geblendet schien das Aug, das einmal schien so hell,
Dem Heros hatte man die Brust durchstochen schnell.

Und Gudrun saß nun da, aufs Kissensamt gebogen,


Die Haare lockig blond, von rotem Band durchzogen,
Das Wangenpaar war heiß und rosig schamrot auch
Und Tränen regneten mitsamt dem Seufzerhauch.
Und Gjukis Tochter nun, die schlanke Gudrun weinte,
Der Tränenstrom sich mit der Lockenflut vereinte,
Und von dem Bauernhof der Schrei der Schwäne kam,
Der Singschwan war so schön wie Gudruns Bräutigam.

Dann Gollrond sprach, das Kind von Gjuki, traurig trübe:


Ich kenn nichts Größeres auf Erden als die Liebe,
Ich kenn nichts Schöneres als dich im Kreis der Fraun,
Ach nirgends wirst du Glück nach Siegfrieds Scheiden schaun.

Und Gudrun sprach: Mein Mann war mehr als alle Söhne,
Wie über alles Gras der Lauch sich hebt, der schöne,
Und an der Kette so ist einzig das Juwel,
Der reine Edelstein, den ich zum Schmuck mir wähl.

Der Männer Führer er, der führte sie am Fädchen,


Der er war herrlicher als Herjans junge Mädchen,
Ich aber bin ein Blatt der Buche blutig rot,
Denn wehe, wehe mir, mein Liebesheld ist tot!

In seinem Sitz und Bett ich kann ihn nicht mehr sehen,
Des Herzens wahren Freund, dem wollten widerstehen
Die Söhne Gjukis all, ein jeder war sein Feind,
So dass mein Herz und Geist nun heiße Tränen weint.

Sei euer Land nun leer, so hieltet ihr die Eide.


O Gunnar, nichts vom Glück dir gebe das Geschmeide,
Die Ringe werden bald dir böse Mörder sein,
Der Siegfried Treue schwor und hielt den Schwur nicht ein.

Im Hofe Freude war und Jubel auf der Erde,


Als Siegfried auf sich schwang und ritt mit seinem Pferde,
Mit Grani ritt er aus, Brunhildes Hand zu frein,
Der bitterbösen Frau, zur Stunde bittrer Pein.

Brunhilde aber sprach, des Buthli Tochter eben:


Die Hexe nehm dem Mann, den Kindern fort ihr Leben,
Dass losgebunden sind der Gudrun Tränen, wie
Gesprochen heut ich hab mit teuflischer Magie.

Dann Gollrond sprach, das Kind von Gjuki, schönste Sorte:


Du vielgehasste Frau, sprich nicht so böse Worte,
Gewesen immer schon du in des Edlen Bann,
Verhexe du mir nicht der Lieben Frauen Mann.

Geboren bist du wohl aus einer bösen Welle,


Die Kummer du gebracht, du Ausgeburt der Hölle,
Die Kummer du gebracht den sieben Fürsten und
Als Frau hast viele du geschlagen herzlich wund.

Brunhilde aber sprach, des Buthli Kind, voll Schauer:


Es ist nur Atli schuld an all der schwarzen Trauer,
Der Sohn von Buthli und der starke Bruder mein,
Er brachte all das Weh und all die Todespein.

Als in der Halle wir der edlen Hunnen-Rasse


Im Bett die Schlange sahn, dass sie den Heros fasse,
Da voller Wunden hab bezahlt ich meine Schuld,
Vergessen such ich nun, Vergessen mit Geduld.

Da an den Säulen stand Brunhilde voller Stärke,


Aus ihren Augen da mit der Dämonen Werke
Das Feuer brannte heiß, sie hauchte Schlangengift,
Als Siegfried tot sie sah, wie uns belehrt die Schrift.

Der Mägde stille Magd, getragen meine Mutter


Hat in die Kammer mich, ich liebte meinen Bruder,
Bis Gjuki mich verkauft für schnödes gelbes Gold,
Er gab dem Siegfried mich für großen Minnesold.

Und Siegfried größer war als Gjukis Söhne, Leser,


So wie der hohe Lauch ist höher als die Gräser
Und wie der stolze Hirsch steht über dem Getier,
Wie weißes Gold ist mehr als graues Silber hier.

Doch meine Brüder mir hier nicht gelassen haben


Den besten Helden-Mann mit stolzen Geistesgaben,
Im Schlafe konnten nicht sie regeln ihren Streit,
Bis Siegfried sie zu letzt gemordet vor der Zeit.

Davon lief Grani da, das Ross, mit Donner-Füßen,


Doch Siegfried kam nicht mehr, ach wehe um den Süßen,
Der Sattelträger war bedeckt mit kaltem Schweiß,
Des Kriegers toten Leib zu tragen Grani weiß.

Und weinend sprach ich da mit Grani, mit dem Pferde,


Die Wangen tränennass, es tropfte auf die Erde.
Der Führer Grani ward zum Rasen da gebeugt,
Es wusste wohl das Pferd von Siegfrieds Tod und zeugt.

Ich wartete sehr lang und dachte in Gebeten,


Bis ich den König dann um Botschaft hab gebeten.
Da sprach mit Gunnar ich und klagte im Gemüt,
Da tief die Trauer war im adligen Geblüt.

Und Gunnar neigt den Kopf, doch Hogni hat gesprochen


Von meines Siegfried Tod, wie ward sein Leib gebrochen.
Es war ein Todeshieb, er war in unsrer Hand,
Der bösen Jägerin der Wolf gab ihn im Land.
Gen Süden ging der Weg, da sollst du Siegfried sehen,
Wo Raben schreien laut und krächzen schrill die Krähen,
Der Adler weint um Fraß, der auf die Beute sann,
Und Wölfe heulen laut zum Mond um deinen Mann.

Was lässt du, Hogni mich solch Horror hören heute,


Mich arme deutsche Frau, so gänzlich ohne Freude?
Die Raben werden noch zerreißen dir das Herz
Im unbekannten Land, das voll von Weh und Schmerz.

Nur wenig Worte sprach noch Hogni vor dem Schlummer,


Denn bitter war sein Herz von männlich-herbem Kummer:
O länger wird dein Schmerz, o blonde Gudrun sein,
Wenn erst der Rabe mir zerreißt das Herz voll Pein.

Von dem, der dieses sprach, hab ich mich abgewendet,


Im Wald zu finden doch, was da der Wolf gespendet,
Ich hatte Tränen nicht, noch schlug ich mir die Brust,
Wie Klageweiber war ich trauernd unbewusst.

Wenn ich bei Siegfried, dem Getöteten, gesessen,


Nie war es schwärzer je, da ich von Nacht besessen,
Als ich in Trauer saß um Siegfried ungeschont,
Voll Jammer da der Wolf, er heulte an den Mond.

Das Beste in der Welt, so schien es meiner Ehre,


Wenn ich mein Leben nun verlöre, tot nun wäre,
Wer möchte denn schon hier geknickt sehn seinen Stolz,
So wie der Blitz verbrennt der Schleierbirke Holz.

Vom hohen Berge sah fünf Tage man mich gehen,


Bis hier in Hoalfs Saal man konnte Gudrun sehen,
Für sieben Jahre blieb bei Thora ich, und stark
War Hokons Tochter, war daheim in Dänemark.

Mit Gold zu schmücken sie, das macht mir große Freude,


Da waren Schwäne schwarz vorm südlichen Gebäude,
Und auf dem Teppich sah man Helden voller Brunst
Und Heldenepen, schön gewirkt mit großer Kunst.

Bewaffnet Kämpfer da und wie die Blitze Speere,


Und Ruder-Mengen da, Schwert-Mengen, Königsheere.
Und Vater Siegmunds Schiff stolz durch die Meere fuhr,
Der Schnabel bunt und Gold die Gallionsfigur.

Die Krieger sind an Bord, die Helden, nimmermüden,


Und Sigar, Siggeir, sie fuhren in den Süden,
Und Kriemhild fragte da, der Goten Königin,
Ob gerne würde ich ihr sagen, wer ich bin.

Die Hand warf sie beiseit und rief nach ihren Sprossen,
Die Söhne fragte sie, entschieden und entschlossen,
Wer für die Schwester gern was täte, für den Sohn,
Der Frau vergelte für den Tod des Gatten schon.

Bereit war Gunnar da, vom gelben Gold zu geben,


Zu trösten so ihr Weh, und Hogni wollt es eben,
Dan wollten gehen sie, die Männer Goldes wert,
Den wagen spannten an und sattelten das Pferd.

Das Pferd sie ritten Schnell, hoch flogen stolze Falken,


Man zielte mit dem Pfeil auf einen Eiben-Balken,
Der Dänen König war gekommen, Valdar reif
Mit Eymoth, Jariskar, als drittem Jarisleif.

Wie Fürsten kamen sie, wie Prinzen kamen alle,


Die Langbart-Männer in Rot-Mänteln in die Halle,
Die roten Mäntel kurz, die Helme mächtig, traun,
Am Gürtel Schwerter scharf, die Haare lang und braun.

Bereit war jeder da, zu geben mir Geschenke


Und Rede gütig und den Ohren Schmuckgehänge,
Und für den Kummer Trost, den armen Siegfrieds-Braut,
Ich aber habe doch den Fürsten nicht vertraut.

Und so war Kriemhilds Plan in ihrer kalten Kammer:


Gib mir zu trinken Eis und Bitterkeit und Jammer,
Es mischte sie hinein die irdische Magie,
Des Meeres Eis und Blut von Schweinen mischte sie.

Im Becher jede Art von Runen, böse Flüche,


Ich konnte lesen nicht die Schrift der Hexen-Küche,
Da war ein Heide-Fisch, kam aus dem Haddings-Land,
Ein abgeschnittnes Ohr und Menschenkot man fand.

Viel Übel wurden da gebraut mit bittren Bieren


Und Tannenblütenöl und das Gekrös von Tieren
Und Eicheln, Schweinemast und Tieres Eingeweid
Und Schweineleber, zu zerstreun die Traurigkeit.

Doch ich vergaß den Plan, den sie gezeigt mir haben
Von meines Mannes Tod, so krächzten schwarze Raben,
Auf Knien die Könige sie knieten, Mann für Mann,
Eh dann der Männer Chor zu sprechen so begann:

O Gudrun, Gudrun, Gold ich geb dir aus der Ader,


Ich geb den Reichtum dir, den einst besaß dein Vater,
Und Ringe seien dein und König Hlothvers Stadt
Und Mäntel, die einst der Monarch getragen hat.

Und Hunnen-Frauen dir und Männer dir zur Beute


Und überreichlich Gold, das ist der Menschen Freude,
Und Buthlis Reichtum dir und Edelsteine blau,
Die goldgeschmückte Frau, bist du erst Atlis Frau.

Und Gudrun sprach: Ich will jetzt keinen Mann mehr haben,
Brunhildes Bruder nicht zum Gatten, diesen Knaben,
Denn es geziemt mir nicht, mit Buthlis Sohn allein
Zu zeugen Erben und voll Eheglück zu sein.

Kriemhilde sagte: Nicht sollst du nach Männern trachten,


Zu rächen all das Weh, das wir dir machten,
Nein, glücklich sollst du sein, als ob sie lebten noch,
Siegmund und Siegfried, du sollst Kinder tragen doch.

Und Gudrun sprach: Ich kann von keiner Freude melden


Und habe Hoffnung nicht auf Rächer, Männer, Helden,
Der Rabe hat ja schon, der Wolf ja schon zerfetzt
Den liebsten Siegfried mein und ihn zu Tod verletzt.

Kriemhilde sagte: Hoch geboren ist der Ritter,


Den ich dir auserwählt, und er ist süß, nicht bitter,
Ihn sollst du haben, wenn du leben willst, im Schoß,
Und wenn du nicht ihn willst, dann bleibe ehelos.

Und Gudrun sprach: Nicht schnell mich schick mit kaltem Hasse
Als eine Braut und Frau zu der verfluchten Rasse,
Auf Gunnar soll zuerst Zorn regnen unbewusst,
Das Herz wird reißen er dem Hogni aus der Brust!

Kriemhilde weinend da vernahm die bittren Worte,


Das Schicksal weisgesagt den Söhnen schlimmer Sorte,
Und übergroßes Weh und weher Seufzerhauch.
Das Land ich gebe dir, die Landbewohner auch.

Und Vinbjorg werde dein und Valbjorg sei das deine,


Das sei für immer dein, doch höre, Tochter meine.
Das also muss ich tun, ich steh in strengem Bann,
Muss den Verwandten noch mir frein zum Ehemann.

Nie mehr mit meinem Mann Lust haben, wie wir hatten,
Und meiner Söhne Los und Schicksal sind die Schatten,
Ich konnte ruhen nicht, bis ich das Mark geraubt
Der fetten Krieger und der schlimmen Schlachten Haupt.

Erhaben auf dem Pferd war jeder von den Helden,


Und fremde Frauen auch auf Wagen, wie zu melden,
Und eine Woche lang in kalte Länder wir
Gegangen sind voll Schmerz und tranken kaltes Bier.

Die zweite Woche wir die hohen Wellen schlugen,


Die dritte Woche uns durch trockne Länder trugen,
Die Wärter stand auf den hohen Mauern hier,
Sie öffneten das Tor, ins Innre ritten wir.
Und Atli weckte mich mit bittern Küssen, herben,
Ich war voll Bitterkeit um meiner Brüder Sterben,
Und große Nacht in mir und nirgends Morgenrot,
Weil meine Lieben, ach, sie waren alle tot!

Und Atli sprach: Vom Schlaf die Norris mich erweckten,


Mit schrecklicher Vision mich böse Geister neckten,
Mich dünkt, o Gudrun du, du ähnelst einem Molch,
Du willst ermorden mich mit Frauengift und Dolch.

Und Gudrun sagte: Glut ein Traum, der Dolch soll folgen,
Und eines Weibes Zorn wie schwarze Wetterwolken.
Unheilbar brenn ich ein die schwersten Wunden dir
Und werden heilen dich, verhasst bist du zwar mir.

Und Atli sagte: Grün von Pflanzen will ich fassen,


Den Stängel würde ich zur Höhe wachsen lassen,
Gerupft von Wurzeln, rot von Blut, des Dolches Stahl,
Du brachtest sie mir her zum letzten Abendmahl.

Vom Falken träumte ich, von meiner Hand geflogen,


Zum bösen Haus kam ich, von meinem Durst betrogen,
Von Hunger und von Durst, da speiste ich dein Herz,
Es war wie Honig süß, getränkt in Blut und Schmerz.

Ich träumte von dem Hund, der durch den Garten eilte,
Vor Hunger und vor Schmerz der schwarze Rüde heulte.
Des Hundes Fleisch, mich dünkt, ist jetzt des Geiers Fraß,
Und essen muss ich ihn, der mir zu Füßen saß.

Sprach Gudrun: Männer nun, sie werden Opfer bringen,


Und Tiere opfern sie und schrecklich dazu singen,
Was da geopfert wird, eh kommt der neue Tag,
Des Volkes Opfermahl, das bitter ich beklag.

Und Atli sprach: Aufs Bett ich sank und suchte Schlummer,
Denn ich erinnre mich, wie müd ich war vom Kummer,
Vergessen suchte ich und Trost im tiefen Schlaf,
Von all der bösen Qual, die mich im Leben traf.

Gudrun:
Was ist dein Kummer, Sohn von Buthli, voller Gnaden,
Warum nur lachst du nie? So schwer dein Herz beladen?
Dem Krieger es geziemt, mit andern Menschen schön
Zu sprechen und dazu die Frauen anzusehn.

Atli:
Ach Ruhelosigkeit, o Gudrun, seit es tagte,
Was Herkja in dem Haus und in der Halle sagte,
Dass du im Bette liegst, mit Thiothrek darin,
Dort unterm Leinentuch als die Liebhaberin.

Gudrun:
Das soll mit einem Eid ich jetzt vor dir beschwören,
Beim Heiligtum aus Stein soll ich es schwören,
Das nichts gewesen ist im Bett mit Thjothmaars Sohn,
Der Mann und auch die Frau, sie wissen nichts davon.

Umarmte immer doch der Brüste Paar, das schwere,


Der tapfre Held und Mann, der Führer eurer Heere,
In andrer Weise war das Treffen unter uns,
Wenn ich vom Kummer sprach mit Seufzen meines Munds.

Mit dreißig Kriegern kam er, Liebster aller Lieben,


Mit einigen der Schar ist er dann da geblieben,
Du aber tötetest die Brüder mir, den Mann,
Und hast ermordet mir die ganze Rasse dann.

Und Gunnar kommt nicht her, ich will nicht Hogni grüßen,
Nicht meine Brüder seh ich mehr zu meinen Füßen,
Mein Kummer räche sich an Hogni mit dem Schwert,
Für meinen Kummer ich nun ernte meinen Wert.

Und Summon Saxi ist der Herr in Südlands Fessel,


Sein Knochen heilige im Heiligtum den Kessel,
Und siebenhundert sind im Haus, wie man sie braucht,
Eh dann die Königin hinein das Händchen taucht.

Und sie erreicht den Grund mit ihren weißen Händen,


Bringt Steine schön hervor, wie sie nicht andre fänden.
Schaut, Krieger, ich bin frei von aller Sündenschuld,
Des Kessels Knochen mir gewährte Gottes Huld.

Da aber Atlis Herz im höchsten Glücke lachte,


Als Gudruns Hand er sah so weiß, was ihn entfachte,
Zum Kessel Herkja kommt, um zu versuchen sie,
Für Gudrun plante sie nur Schmerz voll Perfidie.

Nie sah bisher ein Mann so einen Anblick traurig,


Wie Herkjas Hand verbrannt, sie weinte tränenschaurig,
Sie schleuderten die Magd hinab in Sumpf und Moor,
Und Gudrun war gerächt, war schuldlos wie zuvor.