Sie sind auf Seite 1von 28

SIBYLLA SCHWARZ

DEUTSCHE POETISCHE GEDICHTE

(* 14.02.1621, † 31.07.1638)

ÜBERARBEITET VON TORSTEN SCHWANKE

ACH, AMOR

Ach, Amor, nimm dein schweres Joch von mir,


Wenns möglich ist, nimm weg der Liebe Plagen!
Dein Joch ist schwer, ich kann es nicht mehr tragen.
Du bist zu süß, drum klag ich hier vor dir.
Nimm weg die Last, sie unterdrückt mich schier:
Was soll ich noch von deinen Pillen sagen,
Die bitter sind und doch mir wohl behagen?
Ich steh und geh im Zweifel für und für:
Wo soll ich hin? Und wenn ich bin allein,
So denk ich nur: Ach, könnt ich bei ihr sein!
Bin ich bei ihr, so denk ich schon ans Scheiden;
Liebt sie mich dann, was ich so heiß begehr,
So ist mir doch die Süßigkeit zu schwer;
Ich will den Tod wohl für die Liebste leiden.

ACH, WILLST DU MICH VERLASSEN?

Ach, willst du mich verlassen,


O liebste Galathée?
Du meinst, die ich nicht seh,
Die müsst ich fortan hassen?
Ich liebe solcher Massen,
Dass ich für dich vergeh
Und schmelze wie der Schnee,
Den Phöbus pflegt zu fassen.
Du bist mir Lust und Wonne
Und meines Herzens Sonne!
Ach, schau, ich bin ergeben,
Ob du mich wenig liebst
Und darum mich betrübst,
Der großen Venus Leben!

ALS MICH EIN POETISCHER GENIUS TRIEB

Ich, die ich oftmals tat von schlechten Dingen schreiben,


Bin völlig nun bekehrt, nun muss mein Lied wohl bleiben
Und grünen wie ein Zweig. Jetzt will ich meinen Sinn
Von dem, was irdisch ist, bis in die Himmel ziehn.
Die Göttin Fama will mir selber Flügel geben,
Die immer, ewiglich am lichten Himmel kleben,
Und wo der Venus Sohn fortan noch schießen will
Auf mich, so rat ich, dass er auf die Wolke ziel.
Da soll mein Tanzplatz sein, da meine Glieder fliegen
Wie Spreu, die brennen muss und allzeit unten liegen!
Und Clio bindet mir schon selbst die Lorbeer=Krone,
Die ewig grünen wird, nun kommt mein Lied zum Lohne,
So ist es ja auch recht; so muss ein freier Geist es treiben;
Ich will nun immer auch bei meinen Worten bleiben
Und steigen mit dem Geist den Himmelsweg hinan!
Ein jeder sei bereit, dass er mir folgen kann.

AM LIEBSTEN BEI DER GELIEBTEN

Schaut doch, wie froh das Leben,


Das auf den Dörfern ist!
Ich will die Stadt dem geben
Der sie sich zubemisst.
Schaut, wie die Blumen stehen,
Wie lieblich sie doch sind
Und fast im Haus aufgehen,
Schaut, wie ich Obst hier find.
Hört, hört doch einmal singen
Die schönsten Vögelein!
Lasst eure Lust erklingen
Und stimmt mit ihnen ein.
Fühlt ihr der Sonne Strahlen
In euren Häusern nicht?
Hier lässt sie auf uns fallen
Ein doppelt heißes Licht.
Seht, wie die Kühe weiden!
Und auch der Schafe Schar!
Ich will die Stadt wohl meiden,
Ich meide die Gefahr.
So schreckt mich die Posaune,
Das Werk der Schwerter nicht,
Die grausame Kartaune
Kommt nie mir zu Gesicht.
Ja, alles was ich find
In Dörfern weit und breit,
Der Hirsch, das Schaf, das Rind,
Der Wälder Zierlichkeit,
Das ist weit vorzuziehen
Den Sachen in der Stadt,
Da man sich muss bemühen
Und wird doch niemals satt.
Was sag ich? Nach dem allen
Frag ich ja gar nicht viel;
Mir soll die Stadt gefallen,
Dieweil ich gerne will
Die Lust im Grünen lassen,
Mein Schatz, mein bessres Ich
Ist hier nicht zu umfassen,
Die lieb ich inniglich.
Ist hier auf grünen Auen
Und bei der Schafe Schar
Nicht einmal anzuschauen,
Drum ist hier die Gefahr.
Ich will die Stadt nicht meiden,
Ich hab sie lang vermisst;
Kannst du dein Weib gut leiden,
So sei auch, wo sie ist.

AN DEN ADELSPÖBEL

Gnade, Junker, ich muss fragen:


Wo nun hin? Du fällst ja schier:
Atlas kann den Himmel tragen
Ohne dich, drum bleib nur hier:
Ach, dein Hochmut will mich treiben,
Dir ein schlechtes Lied zu schreiben.
Dädalus weiß sich zu schwingen
Mit den Flügeln hoch empor,
Ikarus will höher dringen, /
Meint, er kommt ihm noch zuvor,
Aber muss auf Erden liegen,
Wenn er will zum Himmel fliegen.
Also kann man heute sehen,
Wie so mancher Edelmann
Seinen Ahnen nach will gehen,
Der doch kaum nur sehen kann
Spieße, Rüstung, Schwert und Degen,
Die der Adel weiß zu pflegen.
Wer den Weg der Demut kennt,
Ist von Adel nur allein,
Wer sich selbst nur Bauer nennt,
Der mag doppelt edel sein;
Der ist edel von Gemüt
Und nicht schlecht nur vom Geblüt.
Markus wollte nicht viel preisen
Seiner Ahnen Ruhm und Schild /
Sondern wollte lieber weisen
An sich selbst der Eltern Bild;
Denn es sind nur bleiche Wangen,
Die mit fremder Röte prangen.
Er weiß freudig aufzulegen,
Was ihn macht begehrt und wert;
Seine Waffen, Spieß und Degen,
Sein vom Schweiß benässtes Pferd,
Und dazu der Leib voll Wunden,
Welche alle nicht verbunden.
Der kann tun wie seine Ahnen,
Der da liebt sein Vaterland,
Nicht allein mit roten Fahnen,
Sondern auch mit starker Hand,
Der da kann viel Nutzen schaffen
Und auf harter Erde schlafen.
Mancher weiß uns vorzusagen
Viel von seinem Heldenstern,
Wie er manchen Held erschlagen,
Ach, er ist der Wahrheit fern!
Katzen meint er nur und Mäuse,
Wilde Flöhe, zahme Läuse.
Dieser pflegt sich schön zu schmücken,
Ziert mit Silber-Sporen sich,
Lässt das Kleid mit Gold besticken,
Kräuselt Locken meisterlich.
Aber ach! ihr stolzen Narren!
Adel wächst nicht in den Haaren.
Jener ändert die Gebärden,
Was gebraucht er Phantasei,
Bückt sich oftmals bis zur Erden,
Haut sich mit der Hand entzwei,
Scharrt sich ein im weißen Sande,
Meint, das dient zum Adelsstande,
Pflegt mit Augen schön zu winken,
Bricht mit fremdem Klang hervor,
Hebt aus Hochmut an zu hinken,
Zieht den Hut aufs lange Ohr.
Viele reden durch die Nasen,
O der zweimal feigen Hasen!
Dabei muss es noch nicht bleiben,
Schau doch, wie sie heben an,
Großen Titel sich zu schreiben,
Der oft auf den Brief nicht kann:
Aber große Titel sterben,
Können gar kein Lob erwerben.
Wird von einem nur gesagt,
Dass er manches weiß und kann,
So wird anfangs bloß gefragt:
Ist er auch ein Edelmann?
Ist ers nicht, so wird verlacht,
Was er gut und schön gemacht.
Der hingegen wird gepriesen,
Der von reichen Eltern war,
Ob man ihm auch oft bewiesen,
Dass er aller Tugend bar:
O ihr Narren! O ihr Toren
Mit des Midas Eselsohren!
Lasst euch bitte weisen heute,
Weil ihr blind seid und voll Lug,
Ihr seid nur wie andre Leute,
Adel ist ein Wahn und Trug;
Denkt nur, wie der Teufel lacht,
Wenn er euch so stolz gemacht!
Ich weiß wohl, wie euer sinnen:
Der ist euch an Adel groß,
Der viel Güter kann gewinnen,
Ob an Tugend nackt und bloß,
Der ein großes Land besitzt,
Das ihm oftmals wenig nützt.
Hohe Schlösser, dicke Mauern,
Große Dörfer, Geld und Gut,
Schöne Pferde, reiche Bauern,
Das macht euch den hohen Mut.
Nun der Krieg euch das genommen,
Müsst ihr zu den Bürgern kommen.
Habt oft kaum ein Brot zu essen,
Hungert manchen langen Tag,
Und seit dennoch so vermessen,
Dass man sich verwundern mag.
Ja ein Weiser muss euch weichen,
Kann euch kaum das Wasser reichen.
Die in Phöbus‘ Hütten leben,
Müssen, obs auch nicht gerecht,
Euch die Oberhoheit geben,
Ihr seit Herren, er der Knecht.
O geht hin und lasst euch lehren,
Wie ihr andre solltet ehren!
Hab ich nun zu viel geschrieben,
Zürne nicht, nur denk allein,
Dass du mich dazu getrieben,
Weisheit will verkündigt sein.
Euch Vernünftigen und Festen
Ist es ja geschehn zum Besten.

ZUM NAMENSTAG MEINER FREUNDIN

Du Licht der ganzen Welt, o Sonne, sei gebeten,


Ein wenig still zu stehn und nicht so schnell zu treten
Des hohen Himmels Bahn! Ihr Horen, eilt doch nicht!
O Luna, schlafe lang und lass uns Phöbus‘ Licht!
Der Tag sei noch so lang! Ihr goldnen Himmels-Noten,
Ihr Sterne, die ihr seit der Mutter Nacht die Boten,
Brecht nicht so bald hervor, lasst meiner Leier Zeit,
Dass sie besingen mag, was heute steht bereit!
Ach weh, was soll ich tun? Diana will schon wachen,
Apollo will den Kreis der Erde dunkel machen
Und eilt ins Meeresbett; drum, Freundin, nimm doch an,
Was in der schnellen Flucht ich dir erfinden kann.
Was liegt mir im Gehirn, dass ich so ganz vergessen
Mein aufgetragnes Amt? Ich kann es kaum ermessen,
Was mich verhindert hat. Ihr Geister, kommt ins Haus,
Hier fehlt, was nötig ist, so kommt, fliegt nicht hinaus!
O Clio, hast du noch das Band nicht schön gewunden,
Damit die Freundin soll nun werden angebunden?
Gib her, es ist zwar schlicht, doch die es haben soll,
Gibt nichts auf Prahlerei, sie ist der Demut voll.
Ach, Feder, bist du stumpf und ist die Tinte dick!
Verstört mich nicht so sehr, damit ich mich noch schick
In diese schnelle Zeit! Geh, Kind, steck an das Licht,
Und bring mein Siegel her, das dient vor dem Gesicht.
Lauf fort, dies ist der Brief, wünsch ihr viel Heil daneben
Und dass sie diesen Tag mag tausendmal erleben
In Lust und Fröhlichkeit, nun geh und säume nicht,
Schau, wie der Abendstern schon durch die Wolken bricht!

AN DIE REISENDEN

Wer weit verreisen will, der reise weit und breit


Die Biblia hindurch, das hilft zur Seligkeit.
Wer weit verreisen will, der seh die Bücher an,
Darin er recht und wohl die Welt beschauen kann.
Der hat den freien Pass, der geht auf Gottes Wegen,
An andrer Reise-Art ist gar nicht viel gelegen.

AUF DEN TOD DER FRAU DES HERRN JÄGER

Obzwar die falschen Zungen,


Die auf mich eingedrungen,
Es schon so weit gebracht,
Dass meiner Leier Gaben
Zu Zeiten sind vergraben
Und kraftlos sind gemacht,
So kann ich doch nicht lassen,
Die Feder anzufassen,
Es werde, wie es woll.
Ah weh! dass die der Erden
So musst zur Beute werden,
Die erst recht leben soll!
Die Wangen sind verblichen,
Der gute Geist entwichen,
Der Augen Fenster zu,
Kein Glied ist, das sich regt,
Kein Puls ist mehr, der schlägt,
Sie liegt in stiller Ruh.
Ich hör, es sei ein Leiden,
Sich lieben und sich scheiden!
Drum geht mir deine Pein,
Herr Jäger, sehr zu Herzen,
Mich kränken deine Schmerzen,
Grad so, als wär er mein.
Mich scheint, ich seh dich klagen,
Mir scheint, ich hör dich sagen:
Wo bleibt mein Zufluchtsort?
Wie sehr mag das dich kränken!
Wie oft musst du gedenken
Und sprechen dieses Wort:
Da war mein Licht zu sehen,
Dort mocht sie mit mir gehen,
Hier stand sie in der Tür,
Mal saß sie bei mir nieder,
Dann ging sie hin und wider,
Wie sehr nun fehlt sie mir!
Das Haus ist mir zu klein,
Der ich nur Tränen wein,
Sitz nicht mehr an dem Tisch;
Bei mir ist Wein und Essen
Und Lebenslust vergessen,
Mir schmeckt nicht Fleisch noch Fisch.
Ach könnt ich dich verbannen,
Du Vater der Tyrannen,
Du Vater aller Not!
Der Glocken tristes Klingen
Kannst du zuwege bringen,
Du böser Vater Tod! -
Doch lass dich dennoch trösten,
Obwohl die Not am größten
Es kommt gewiss die Zeit,
An der wir wiederkommen
Zu der, die uns genommen,
Dort in der Ewigkeit.
Wohin ich mich auch wende,
Da alles kommt zum Ende,
Es frisst der Krieg so viele,
Da liegen viele Kranke,
Die in des Lebens Schranke
Gekommen sind zum Ziele.
Ergib dich Gottes Willen!
Dem Kranken sind die Pillen
Zwar bitter, aber gut;
Das Kreuz ist schwer zu tragen,
Doch kann man gleichfalls sagen,
Dass es uns Gutes tut.
Drum stopf den Quell der Tränen
(Was hilft denn all das Stöhnen?)
Nur fein geduldig zu!
Sie weiß von keiner Qual,
Ist in des Himmels Saal
Und lebt in stolzer Ruh!
*

ZU MEINEM ABSCHIED VON GREIFSWALDE

Weil nun der finstre Kobold mir


Greifswalde nicht will länger leiden,
So bleibt doch noch mein Herz euch hier
Und wird sich nimmer von euch scheiden!
Wohin gedenkst du denn, mein Sinn?
Ist doch Europa voll von Kriegen!
Es ist ja wahrlich kein Gewinn,
Von einem stets zum andern fliegen.
Zu Fretow wär es gut genug,
Da Phöbus mit den Musen sitzt,
Drum wird auch Fretow in das Buch
Der Mutter Ewigkeit geschnitzt.
Da wär ich froh und ohne Leid,
Da wollt ich lesen, denken, schreiben
Und so den Rest der Lebenszeit
Mit unverfälschtem Geist vertreiben.
Jetzt aber will Kriegsführerei
Zu Fretow keinen Menschen dulden,
Kein Ort ist von den Strafen frei,
Die ich und du und jener schulden.
Ich sag und klage für und für,
Dass manche lange Nacht verflossen,
Seit dass ich aus der Freuden Tür
Bin ganz und gar hinausgestoßen!
Was klag ich aber? Weiß ich doch,
Dass meiner Augen heiße Tropfen
Erleichtern nicht dies schwere Joch
Und nicht das Loch des Elends stopfen.
Denn Trauern macht nichts als Verdruss!
Lass alle rauen Winde wehen,
Lass sterben, was da sterben muss!
Was wünscht man viel, den Todt zu sehen?
Dem Menschen ist gesetzt ein Ziel,
Das kann er auch nicht überschreiten.
Drum ruf nur nicht den Tod zu viel!
Er schleicht dir nach auf allen Seiten.
Was Atem hat, wird sehr geplagt,
Kein Menschenkind hat sein Genügen;
Man hört nicht mehr, dass einer fragt:
Wo mag der Weg nach Fretow liegen?
Nun gute Nacht, mein Vaterland!
Ich hatte Lust, dich anzuschauen.
Nun muss ich mich Poseidons Hand
Und Thetis‘ feuchtem Schoß vertrauen.
Leb wohl, du hochverehrte Schar
Der Vetter und der Schwägerinnen!
Wer wird nun mit euch übers Jahr
Ins Tannenholz spazieren können?
Wenns euch nur geht, wie ihr begehrt,
Wenn euer Weinen wird zum Lachen,
So denkt auch einmal unbeschwert:
Was mag doch unsre Lesbia machen?

JUNGFRAU JUDITH ZUM NAMENSTAG

Aurora kam hervor, das Räderwerk der Sonnen,


Die Fackel aller Welt, hat Augen schon gewonnen
Und kam gleich aus dem Meer: Diana ging zur Ruh,
Der Sterne schöne Schar schloss ihre Strahlen zu:
Als ich zu meiner Lust im Garten ging spazieren,
Da war kein Huhn, kein Hahn, kein Vogel war zu spüren,
Da schon der raue Herbst die Blumen hat geweidet,
Die Felder nicht mehr hübsch im Sommerkleid gekleidet.
Oh (sprach ich) großer Gott! wie alles sich erneut!
Wie dieser liegt und weint und jener sich erfreut!
Wie alles Wandel liebt! Nun kommt der Schnee herab,
Und kurz vor dieser Zeit es noch den Sommer gab.
Vor wenig Stunden noch lag ich in schönsten Träumen,
Umnachtet von der Nacht, nun geh ich unter Bäumen,
Die mit den Ästen sich verwickeln im Verein,
Anstatt der Arme Band, gebunden so zu sein.
Kein Wasser hat sich nun seit langer Zeit ergossen,
Der Frost die Erde hat und auch das Meer verschlossen
Und hält die Wellen an, er fesselt alles Land,
Er heißt die Schiffe stehn und ist ein festes Band.
In summa: Was du siehst in diesem Großen-Runden,
Ja, selbst das Große Rund ist durch und durch gebunden!
O Mars! durch deinen Bund, du unerwünschter Gast,
Hast unser armes Land voll Grausamkeit umfasst!
Wer rettet uns von dir? Ist denn kein Rat zu finden?
Einst hat ein schönes Weib die Waffen können binden.
O Freundin! tu du auch, was Judith einst getan!
Nimm, nächst dem Namen, auch der Judith Taten an!
O Judith, Judith, komm und hilf uns aus den Nöten,
Weil Holofernes‘ Heer nun will uns alle töten!
Komm, komm, es ist schon Zeit, sonst sind wir bald verloren!
Wir haben ja den Wolf schon jetzt bei unsern Ohren!
Komm! Holofernes geht, beschwert vom vielen Wein.
Komm, komm! hier ist ein Schwert, komm, ich will Awa sein!
Entbinde du uns erst, so wollen wir dich binden,
Sonst lässt des Krieges Band uns keine Bänder finden,
Die deiner würdig sind; zu einer zarten Hand
Gehört kein Schwermetall, viel mehr ein goldnes Band.
Was will ich aber dir, o du mein ganzes Leben,
O du mein zweites Ich, dir für ein Band doch geben?
Nimm hin mein treues Herz als eine kleine Gabe,
Nimm hin den treuen Geist und alles, was ich habe.
Wir, die wir Schwestern sind nicht bloß nur vom Geblüt,
Besonders noch viel mehr und näher vom Gemüt,
Sind längst gebunden zwar, doch folg ich trotzdem auch
Dem alten und zugleich auch löblichen Gebrauch.
Der Freundschaft Freundschaftsband mag heute dein auch bleiben,
So wird ja niemand mehr uns auseinander treiben.
Obzwar ein großer Teil der kugelrunden Welt
Sich jetzt noch zwischen uns und unser Fretow stellt,
So wird sich doch mein Herz von deinem nimmer scheiden,
Bis dann die Seele darf des Leibes Sarg vermeiden!
Bis dahin lass mein Herz dir sein ein festes Band,
Bis ich dir (wenn Gott will) darf bieten meine Hand.

AUF DEN TOD DES FÜRSTEN

Ah weh, wie müssen doch in diesen Letzten Tagen,


Da nichts als Kriege sind, die schönsten Musen klagen!
Apollo weint auch selbst und trägt ein Trauerkleid,
Die drei mal drei sind, stehn und klagen, wie das Leid
Von allen Seiten her sie jetzt hat rings umgeben.
Sie wünschen sich den Tod für solch ein Todes-Leben!
Sie weinen bitterlich. Die Clio schreibt es an,
Was uns die Mörderin, die Zeit, hat angetan.
Der ruhelose Mars steht da zu ihren Seite,
Verlacht ihr Saitenspiel, lobt nur allein sein Streiten
Und frisst sich nimmer satt an so viel Christen-Blut!
Das ist das Kleinste doch von allem, was er tut;
den Musen pflegt durch Mord er Tür und Tor zu weisen,
Drum will die kluge Schar jetzt in die Ferne reisen
Und steht schon auf dem Sprung, ist wegzuziehn bereit
Und weiß doch nicht, wohin, weil alle Welt voll Streit.
Doch klagen sie zumeist, dass unser Held gestorben,
Mit dem es uns ging gut, nun sind wir ganz verdorben.
Sie nehmen sich auch an des Vaterlandes Not
Und trauern Tag und Nacht um unsres Fürsten Tod.
Da das Palladium in Troja war zu finden,
Hat sie der Griechen Macht nicht können überwinden,
So bald sich das verlor, ward Troja ganz verheert
Und was darinnen war, durch Mord und Brand verzehrt.
So lang wir unsern Schirm und Landesvater hatten,
War ja noch Friede hier auf unsern grünen Matten.
Wer nimmpt sich unser an? Nun ist es mit uns aus!
Es kracht, es bricht, es fällt, es stürzt der Hoffnung Haus.
Das ist noch nicht genug. Es steht uns auch zuseiten
Des bleichen Neides Schar und möchte mit uns streiten.
Nächst diesen kommt zuletzt Herr Momus auch heran,
Der alles tadeln zwar, doch selbst nichts machen kann.
Und das empfinden auch besonders doch vor allen
Die, so die Poesie sich lassen wohl gefallen.
Die hohe Poesie, die selbst der Himmel gibt,
Wird jetzt noch mehr gehasst, gelästert, als geliebt.
Der Neid, ihr schlimmster Feind, weiß reichlich anzugeben,
Dadurch der süßen Lust genommen wird das Leben.
Sein Heer ist gar zu stark, wer kann ihm widerstehn?
Doch wär er noch so groß, er muss doch untergehn!
Die Leier ihn bezwingt, sie dringt durch alle Sachen,
Die einen Menschen sonst gar bald verdorben machen;
Sie ist das, was den Geist macht fliegend und verzückt,
Sie ist das Unterpfand, das uns Apollo schickt;
Sie ist der Sprache Ruhm, die Tugend aller Tugend;
Sie ist der Künste Kunst, sie ist die Zier der Jugend;
Sie lebt, wenn alles stirbt, und kann nicht untergehn,
Wenngleich die große Welt nicht länger kann bestehn.
Ich, die ich nicht begehr, durch sie berümt zu werden,
Die mir Apollo gibt, noch dadurch von der Erden
Will hoch erhoben sein bis an des Himmels Tag,
Der, ob er selbst schon hoch, nicht Hochmut leiden mag,
Desgleichen auch nicht will, dass Fama mir soll geben
Den Namen, dass ich kann auch nach dem Tode leben
(Denn das ist mir zu hoch, begehr ich das als Lohn,
So geht es mir gewiss wie einst dem Phaeton)
Kann doch, so schlicht ich bin, die Leier nimmer hassen.
Wenn ich sie lassen soll, so muss ich selbst mich lassen.
Das sagt mir die Natur. Und kann ich ja nicht mehr
Ihr sonst zu Diensten sein, so lieb ich sie doch sehr.
Und weil auch Phöbus euch, die seine Dinge lieben,
Es sei, so viel es will, doch etwas hat verschrieben,
So zwingt mich nun die Lust, die alles zwingen kann,
Das, was der Himmel gibt, zu nehmen willig an.
Es ist mir eine Lust, wenn ich den hohen Musen
Und jungen Grazien darf küssen ihren Busen,
Zu Füßen ihnen lieg und wünsche nur allein
Der Musen-Priester Magd und denen lieb zu sein,
Die auch der schönsten Lust der Poesie verbunden,
Da dann doch zweifelsfrei sind derer viel gefunden,
Die teils sind ohne Ruhm, und teils durch Ruhm bekannt,
Der mir, wiewohl ich bin nicht wert, ist zugewandt,
Dafür ich dankbar doch will jederzeit erscheinen.
Und was ich nicht kann tun, gibt Phöbus selbst den Seinen,
Die, ob sie zwar jetzt sind verfolgt, vertrieben weit,
Bekommen einen Kranz, der welkt nicht mit der Zeit.

EINE KLEINE NACHTMUSIK

Die Muse mein ich hier, die Sinn und Muht durchdringt
Und mit der Lieblichkeit bis in das Mark erklingt,
Wo gar nichts anders sonst des Menschen Mut bewegt,
Da ist sie öfters, die den Geist in ihm erregt;
Und der vor lange Zeit betrübt hat da gesessen,
Der kann durch die Musik bald werden so vermessen,
Dass er mit gradem Fuß lässt sehen, was er kann,
Und stellt sich so, als wollt er in den Himmel, an.
Und dieses hab ich selbst desöftern so befunden,
Ja, erst noch diese Nacht in tiefen Geister-Stunden,
Da mich die Gans im Bett auch kaum gehalten hat,
Weil dieses ganze Haus mir vorkam wie ein Rad:
Die Stühle hüpften mir vor Augen auf und nieder,
Und Tisch und Bänke gleich sich regten hin und wieder:
So stark ist die Musik gewesen diese Nacht,
Als recht um Mitternacht ich war vom Schlaf erwacht.
Und was desöftern mir ein Mythos war gewesen,
Wenn ich von Orpheus hab und seiner Kunst gelesen,
Das fing mir schließlich an, als Wahrheit einzugehn,
Die kleine Nachtmusik um Mitternacht so schön.

AN DORIS

Doris, deine roten Wangen,


Deiner Augen klares Licht
Und dein weißes Angesicht
Hält mich nun nicht mehr gefangen.
Ich will nicht mehr an dir hangen,
Weil du kein Erbarmen nicht,
Ob mir schon mein Herz zerbricht!
Deines eitlen Stolzes Prangen
Und dein höhnisches Gemüt
Kränkt mir bitter mein Geblüt,
Dass ich dich will lieber meiden,
Wenn mich meine Galathée,
Die mir macht dies Liebesweh,
Will in ihrem Dienste leiden.

NUR DIE KEUSCHE LIEBE IST ZU SCHÄTZEN

Die Liebe ist zu Recht in allem keusch zu schätzen,


Sie ist das Gute selbst; wer ihr sich ganz ergibt,
Der wird geliebt und liebt, der liebt und wird geliebt,
Er kann sich immerdar an süßer Lust ergötzen,

Zuletzt entkommt er auch des Todes bösen Netzen


Und lebt so lang, so lang, und wird auch nicht betrübt,
Weil er die Wonne hat! Wenn er die Liebe übt,
Kann ihn des Unheils Fluch zu keiner Zeit verletzen.

Er lebt in tiefer Ruh, in schöner Einigkeit,


Braucht nicht zu Feld zu ziehn, er führt den Minne-Streit.
Wem wollte nicht dies Tun, dies süße Tun gefallen,
Das uns wie Brot ernährt? Der muß ein Unmensch sein,
Der stirbt, ob er auch lebt! Er ist ein Klotz und Stein,
Er ist ein Götzenbild, sein Herz ist von Metallen.

DIE LUST IST BLIND

Die Lust ist blind,


Und gleichwohl kann sie sehen,
Hat ein Gesicht,
Und ist vollkommen blind.
Sie nennt sich groß /
Und ist ein kleines Kind.
Ist gut zu Fuß
Und kann doch selbst nicht gehen.
Doch dies muss man auf andre Art verstehen:
Die kann nicht sehn,
Weil ihr Verstand zerrinnt
Und weil des Herzens Auge ihr verschwind,
So sieht sie selbst nicht,
Was ihr da ist geschehen.
Das, was sie liebt,
Hat keinen Mangel nicht,
Wie wohl ihr mehr
Als andern oft gebricht.
Das, was sie liebt,
Kann ohne Wunde leben;
Doch weil man fehlerlos hier gar nichts find,
So schließe ich: Die Lust ist sehend blind:
Sie selbst sieht nicht
Und kann Visionen geben.

LIED DER BUSZE

Ach, dass mein Haupt von Tränen,


Mein Geist von Ach und Sehnen
Doch überladen wär!
Ach, dass ich doch die Sünde,
Die ich doch in mir finde,
Beweinen könnte mehr!
Zu wem soll ich mich wenden,
Weil doch an allen Enden
Die Missetat erscheint?
Zu Gott komm ich geschritten,
Ach, lass dich doch erbitten,
Du großer Menschenfreund!
Den Todt hab ich verdient,
Dein Sohn hat mich versühnt,
Gestillt dir deinen Zorn,
Der ist für mich gestorben,
Hat mir das Heil erworben,
Sonst wäre ich verlorn.
Auf ihn setz ich mein Hoffen,
Drum lässt er mir auch offen
Die volle Gnadenquelle.
In seinen roten Wunden
Hab ich die Ruh gefunden,
Trotz Teufel, Welt und Hölle.
Du milder Samariter,
Du reichen Trost Anbieter,
Dich bitte herzlich ich:
Du mögest mir doch geben
Ein bessres, frommes Leben,
So will ich preisen dich.
Dein Lob soll bei mir klingen,
Ich will dir Opfer bringen.
Bei dir wird nur verlacht
Der großen Wörter Prangen,
Du trägst allein Verlangen
Nach Glut in dunkler Nacht.
Drum lass dir doch belieben,
Was ich dir hier geschrieben.
Behüt mich für und für,
Lass mich in Schuld nicht stecken,
Sonst würde mich erschrecken
Der Hölle offne Tür!
Und wenn nun meine Seele
Aus dieser finstern Höhle
Des Leibes weichen darf,
So magst du bei mir stehen
Und nimmer von mir gehen,
Wenn ich im Himmel harf!

MEIN STERBELIED

Willst du noch nicht Augen kriegen,


O du dumme böse Welt,
Da du doch siehst nieder liegen
Manchen aufgeblähten Held,
Da du oft doch siehst begraben,
Die es nicht vermutet haben!
Wie lang willst du Wollust treiben?
Wie lang, denkst du, hast du Zeit,
In der kranken Welt zu bleiben?
Wie lang liebst du Üppigkeit?
Da doch einer nach dem andern
Muss aus diesem Leben wandern.
Ach, was hast du für Gedanken,
Wenn da so viel Leichen stehen?
Wenn da sind die vielen Kranken,
Die den Tod vor Augen sehen?
Wenn die Götter dieser Erden
Selber auch begraben werden?
Wirst du dich denn nicht bedenken,
Eh der Lebensgeist entweicht?
So wirst du dich ewig kränken,
Darum, weil der Tod uns schleicht
Stündlich nach auf allen Seiten,
Soll man sich dazu bereiten.
Gib mir, Gott, ein gutes Ende,
Führ mich durch des Todes Tal,
Nimm mich fest in deine Hände,
Kürze mir des Lebens Qual!
Lass mein Herz doch nicht verzagen
Vor des Todes wehen Plagen!
Lass mir nach die schwere Sünde,
Gib mir deinen guten Geist,
Dass ich Seelenruhe finde!
Darum bitte ich zumeist.
Lass mich ja auch nicht berauben,
Sondern mehre mir den Glauben!
Hier, mein Gott, hier schlag und plage!
Hier, Herr Jesus, reck und strecke!
Hier, hier trenne, brenn und jage!
Hier zerreiß, zerschmeiß und schrecke!
Lass mich hier das Feuer spüren,
Das mir sollte dort gebühren!

EIN FREUND IST DAS BESTE

Was wünscht die Welt doch mehr, was kann sie mehr begehren,
Als wenn der Höchste ihr die Bitte will gewähren,
Wenn sie mit Zuversicht ihn fleißig betet an
Um einen treuen Freund, der viel uns dienen kann?
Ist man in Todesnot, wird man mit tausend Plagen
Gemartert und betrübt, wenn wirs dem Freunde klagen,
So hilft er uns so viel, als er uns helfen kann.
Wir nehmen als die Tat schon seinen Willen an.
Und kann er uns nicht mehr in unsern Nöten schützen,
So mag ein gutes Wort uns mehr als Silber nützen.
Ein Wort, ein liebes Wort, das recht von Herzen geht,
Das nicht nur für die Zier allein zu loben steht,
Ist besser noch als Gold, erhält uns recht das Leben,
Sonst stirbt man ohne das, eh Gott die Zeit gegeben.
Drum ist ein guter Freund das Beste, das man liebt,
Das Höchste, das man wünscht und dem man sich ergibt.
Hab ich auch nicht viel Geld und hab ich nicht viel Güter,
So lieb und halt ich hoch die Treue der Gemüter.
Wohl dem, der immerdar kann bei dem Freunde sein
Und sterben endlich in der Freundschaft Gnadenschein.

DER NEID

Hat zwar die Missgunst tausend Zungen


Und mehr als tausend ausgestreckt
Und kommt mit Macht auf mich gedrungen,
So werd ich dennoch nicht erschreckt.
Wer Gott vertraut in allen Dingen,
Wird Welt und Neid und Tod bezwingen.
Hör ich gleich um und um mich singen
Die sehr vergiftete Sirene,
So soll mich dennoch nicht bezwingen
Ihr süßes Gift und ihre Töne.
Ich will die Ohren mir verkleben
Und vor ihr frei vorüber schweben.
Gefällt dir nicht mein schlichtes Schreiben
Und meiner Feder edler Saft,
So lass du nur das Lesen bleiben,
Eh es mehr Unruh dir verschafft.
Das, was von Anfang ich geschrieben,
Das wird kein falscher Bruder lieben.
Weißt du mir auch viel vorzuschwätzen,
Von meiner Leier abzustehen;
So soll mich allzeit doch ergötzen
Das künstlerische Müßiggehen:
Lass du nur dein Verleumden bleiben,
Womit du meinst, mich aufzureiben.
Ich weiß, es ist dir angeboren,
Den Musen-Künsten fein zu sein,
Doch hat mein Phoebus nie verloren
Durch deine List den lichten Schein:
Die Tugend dennoch wird bestehen,
Wenn du und alles wird vergehen.
Ein böses Tier hat dich erzeugt,
Die Höllen-Hexen haben dich
An ihrer schlaffen Brust gesäugt
Und Momus nennt dein Vater sich;
Dein Vaterland ist in den Wüsten,
Da Basilisk und Lilith nisten.
Sollt ich um deinetwillen hassen
Den immergrünen Helikon
Und mich zu dir herunter lassen,
So hätte ich nur wenig Lohn.
Ich bleib auf des Parnassus Spitzen,
Du magst in Reich des Hades sitzen.
Was würde wohl mein Phöbus sagen,
Wenn ich des grünen Lorbeers Laub
Mir würde selbst vom Haupte schlagen,
Es werfen in den Erdenstaub?
Euterpe würde es verdrießen,
Wenn ihre Magd wär ausgerissen,
Thalia würde es empfinden
Und Clio würde zürnen sehr,
Ließ ich die goldne Leier hinten
Und liebte Neid und Lästern mehr.
Drum lass nur ab von deinen Ränken,
Mir meiner Jugend Kunst zu kränken.
Und meinst du, dass nicht recht getroffen,
Dass auch dem weiblichen Geschlecht
Der Pindus allzeit frei steht offen,
So bleibt es dennoch gleichwohl recht,
Dass die, die nur mit Demut kommen,
Von Phoebus werden angenommen.
Ich darf nun auch nicht weitergehen
Und bring als Zeugen mit den Wind;
Du kannst genug an diesem sehen,
Dass selbst die Musen Jungfraun sind.
Was lebt, das soll die Tugend lieben,
Und niemand ist davon vertrieben.
Ganz Holland weiß dir vorzusagen
Von seinen Blumen Tag und Nacht;
Herrn Katzen magst du weiter fragen,
Durch den sie mir bekannt gemacht:
Cleobulina wird wohl bleiben,
Von der viel kluge Federn schreiben.
Was Sappho für ein Weib gewesen
Vor vielen, die ich dir nicht nenne,
Kannst du bei andern weiter lesen,
Ich achtundfünfzig Jungfraun kenne,
Die nimmer werden untergehen
Und bei den lichten Sternen stehen.
Sollt ich die Nadel hoch erheben,
Hoch über meine Poesie,
Ein Weiser wüsste nachzugeben,
Und es zerrisse schließlich sie;
Wer kann so feines Garn auch drehen,
Dass es nicht sollt in Stücke gehen?
Bring alles her von allen Enden,
Was je von Menschen ward bedacht,
Was mit so klugen Meisterhänden
Ward jemals weit und breit gemacht,
Und lass es tausend Jahre stehen,
So wird es dann von selbst vergehen.
Wo ist Dianas Bild geblieben?
Des Jovis Bild ist schon davon.
Und ist nicht längst schon aufgerieben
Das Ishtar-Tor von Babylon?
Was damals hat als gut gegolten,
Wird jetzt als Staub und Kot gescholten.
Doch was Ovid hat schön geschrieben,
Was Aristoteles gesagt,
Ist noch bei uns als Schatz geblieben
Und wird auch nicht ins Grab gejagt.
Sie leben stets und sind gestorben
Und haben Gottes Lob erworben.
Was uns die Schar der Weisen lehrt,
Wird heute durch der Feder Macht
Zu Famas Orgel angehört
Und uns als Botschaft vorgebracht.
Ihr Lob wird weit und breit erschallen,
Bis alles wird zu Boden fallen.
Wenn selbst das weite Rund von innen
Auch währe lauter schwarze Tinte,
So wird es doch nicht löschen können,
Was man davon geschrieben finde,
Die mit geflügelten Gedanken
Nicht von der Bahn der Weisheit wanken!
Und Opitz, dem das Lob gebührt,
Dass Deutschland seiner Sprache Pracht
Und goldnen Leier Tönen führt,
Weil er den Anfang hat gemacht,
Zu Recht wird oben angeschrieben
Bei jenen, die die Dichtkunst lieben.
Sein Lob wird nicht verdunkelt werden,
Kein Neid verfinstern seinen Preis,
Weil selbst das große Rund der Erden
Mit seiner Kunst zu prahlen weiß.
O möchte ich nur halb so singen
Und so den Ton der Leier zwingen!
Lass nur, o Neid, dein Lästern bleiben,
Ich weiß es ohne dich sehr wohl,
Wenn ich nicht mehr poetisch schreiben
Und Lieder hinterlassen soll.
Ich will mich in die Zeit wohl schicken.
Du sollst mich doch nicht unterdrücken.
Ich will auch weiter Gott vertrauen,
Von dem soll all mein Dichten sein,
So kann mich auch vor dir nicht grauen,
Ich stimme voller Stolz mit ein:
Wer Gott vertraut in allen Dingen,
Wird Welt und Neid und Tod bezwingen!

ABSCHEIDEN DER SEELE

Pfui über dich, du dumme Welt!


Du trübe Jammer-Schule!
Du Störenfried, du Kummerfeld!
Du rechte Satans-Buhle!
Fahr hin, fahr hin! Ich lasse dich!
Gott, mein Erlöser, fordert mich!
Fahr hin mit deiner stolzen Pracht
Und deinen geilen Haufen!
Wie schwerlich wirst du Gottes Macht
Und Grimm und Zorn entlaufen!
Fahr immer hin! Gott ist bei mir,
Mein Bleiben ist nicht mehr bei dir.
Wer ist, der in dir Ruhe find,
Der Besserung verspürt?
Gottlob mich als ein kleines Kind
Die Allmacht Gottes führt,
Da ich entbunden aller Last
Soll sein ein froher Himmels-Gast!

Drum schwinge, dringe dich empor,


Du mein geplagtes Herz!
Auf, auf, leih keinem du dein Ohr,
Was Qualen macht und Schmerz!
Wirf alles frei aus deinem Sinn,
Was von der Welt ist, wirfs dahin!
Sieh da, die Jakobs-Leiter steht
Schon himmelwärts erhoben,
Der Engel im Geleite geht
Und bringt die Post von oben:
Auf, auf, mit mit in schneller Frist,
Der Zeiger abgelaufen ist.
Nicht Not noch Tod erschrecke dich,
Nichts Böses lass dir träumen!
Das Weib von Lot sah hinter sich,
Sie musst die Stätte räumen:
Drum gehe frisch und freudig fort
Den Weg zu Gottes Zufluchtsort!
Den harten Todeskampf tritt an,
Du meine liebe Seele,
Geh auf die goldne Himmelsbahn,
Lass deines Körpers Höhle!
Der wird gar bald zu seiner Zeit
Dir nachzufolgen sein bereit!

EPIGRAMM

Du meinst, ich soll dein noch gedenken und dich lieben,


Ob du mich schon verlässt? Ach sei doch nicht so toll!
Ich habe dir ja oft vor diesem Brief geschrieben:
Dass niemand Eisen, Stein und Klötze lieben soll!

HOCHZEITSGEDICHT

Oho, lass uns ins Bette!


Was gilt es, Jungfrau Braut? Was gilt es nun? Ich wette,
Dass euer Herz so spricht: Oh lasse uns ins Bette.
Gebt nur dem Herzen nach, so ist die Wette mein,
Obwohl noch jetzt der Mund dazu spricht lauter Nein.
Gib nur dem Herzen nach, was will der Mund doch machen?
Die Augen sprechen selbst, sie können nicht mehr wachen.
Gib nur dem Herzen nach! sieh! Hymen ist bereit,
Er hat das Fackellicht und spricht, es sei nun Zeit.
Geh, gib dem Herzen nach, wir wünschen dir daneben
Ein langes, glückliches und auch ein fruchtbar Leben!
Geh, gib nur gute Nacht und heil die Wunden zu,
Enthalte dich nicht mehr der angenehmen Ruh.
Gib mir nur willig nach, gewonnen ist die Wette:
Du bist doch gar zu krank, drum gehe nur zu Bette.

IHR HERZLICHSTER UND SEHNLICHSTER WUNSCH

O lass mich doch, mein Gott, von deiner Liebe wegen,


Die Liebe dieser Welt aus meinem Herzen fegen!
Lass deinen Freuden-Geist mich trösten für und für,
Wenn alles mich verlässt, so bleib nur du bei mir!

IST LIEBE EIN FEUER

Ist Lust wie Glut und kann das Eisen schmiegen,


Bin ich voll Glut und voller Liebes-Pein,
Wovon mag doch der Liebsten Herz dann sein?
Wenns eisern wär, so würd es mir erliegen,
Wenns golden wär, so würd ichs in mir biegen,
Durch meine Glut. Solls aber fleischlich sein,
So schließe ich: Es ist aus Fleisch ein Stein:
Doch kann mich nicht ein Stein, wie sie, betrügen.
Ists dann wie Frost, wie kalter Schnee und Eis,
Wie presst sie dann aus mir den Liebesschweiß?
Mir scheint: Ihr Herz ist wie die Lorbeer-Blätter,
Die nicht berührt ein starker Donnerkeil,
Ja, sie verlacht, Cupido, deinen Pfeil;
Und ist befreit von deinem Donnerwetter.

IST LIEBE KEUSCH

Ist Liebe keusch? Wo kommt dann Ehbruch her?


Ist Liebe gut, nichts Böses drin zu finden,
Wie kann die Glut dann gar so sehr entzünden?
Ist Liebe Lust, wer bringt dann die Beschwer?
Wer Liebe liebt, fährt auf der Wollust Meer
Und lässt sich in des Todes Netze binden,
Das nicht zerreißt, er lebt dann nur den Sünden,
Liebt Eitelkeit und ist der Tugend leer.
Das ewig lebt, dem stirbt er gänzlich ab,
Sieht seine Not erst, wenn er sieht sein Grab.
Wer dann nun wird in Liebes Brunst gefunden,/
Der fliehe bald, und hasse, die er liebt;
Ist Lust ihm süß? So werde er betrübt;
Ist sie sein Brot? So geb er es den Hunden.

ICH WILL IM WALD MIT DIANA JAGEN

Jetzt will ich in den Wald und mit Diana jagen!


Ich lieb, und was ich lieb, gefällt mir selber nicht;
Denn Lust ist solch ein Tun, das alles Heil zerbricht,
Mein Elend ist zu groß! Ich muss mich damit plagen,
Dass mein Gewissen krankt, und stets Verlangen tragen
Nach dem, das mir nicht wird. Die böse Liebes-Gicht,
Die schlimme Tobsucht hat mich so sehr zugericht,
Dass ich nicht ich mehr bin. Jetzt will ich ihr entsagen,
So viel ich immer kann, denn ungerechte Treu
Lässt nie mehr friedlich sein und bringt zu späte Reu.
Sie ist ein Feuerfraß und frisst sich nimmer satt,
Ist blind, ist Wind, und brennt, Verderben für die Jugend,
Sie ist ein böses Gut und lasterhafte Tugend;
Doch sei sie, wie sie will, mich macht sie faul und matt.

LIEBE DES TAGES ARBEIT

Aurora kommt hervor, die anzeigt, aufzustehen,


Und nach Gebühr und Recht, nun jedem, hinzugehen,
Wo seine Arbeit wacht; ich gehe nun auch hin
An meine schwere Last, da Liebe mein Beginn.

LIEBE IST NICHT MÜSSIGGANG

Liebe heißt nicht, müßig stehen,


Liebe hastet Tag und Nacht;
Ein verliebtes Herz, das kracht
Und will fast vor Müh vergehen.
Liebe wird nicht faul gesehen,
Ist, ob sie nun schläft und wacht,
Auf der Liebsten Gunst bedacht.
Sie lässt alle Winde wehen,
Nichts mag ihr beschwerlich sein
Als die schwere Liebespein;
Liebe kann man Mühsal nennen,
Amor ist ein hartes Joch,
Und zuweilen milde doch,
Denn sonst würd sie uns verbrennen.

LIEBER STERBEN ALS LIEBEN

(Im Namen eines guten Freundes)

Man sagt mir zwar: Ich soll dich hassen


Und nicht mehr lieben, jeden Tag,
So kann ich doch nicht von dir lassen,
Ich fliehe dich, wie ich es mag.
Wie oft hab ich mir vorgenommen,
Du solltest mir in meinen Sinn,
O Galatea, nicht mehr kommen.
Nein, nein, ich lieb dich wie vorhin!
Wir sind ja nicht zugleich geboren,
Es gleichen unsre Sterne nicht,
Mir hätte Venus sich verloren,
Dir aber schien ihr heißes Licht.
Werd ich durch List denn hintergangen
Und hat man mir was beigebracht,
Dass ich so stets an dir muss hangen
Und ruhe weder Tag noch Nacht?
Seh ich dich an, so fühl ich Schmerzen;
Geniesß ich deine Gegenwart,
So ist mir auch nicht wohl zu Herzen.
Ich stehe bei dir wie erstarrt,
Die Rede will mir nicht recht fließen,
Ich zittere wie Espenlaub,
Der Augenquell muss sich ergießen,
Ich bin wie sinnlos, stumm und taub.
Auch glaub ich, dass aus diesen Ketten
Und aus dem harten Liebesstreit
Mich Perseus selbst nicht könnte retten,
Der doch Andromeda befreit.
Drum wolle Klotho meinem Leben,
Weil sonst mir nicht zu helfen geht,
Das längst ersehnte Ende geben,
Im Tod der Mensch dem Schmerz entgeht.

*
LIEBE SCHONT SELBST GÖTTER NICHT

Liebe schont selbst Götter nicht,


Sie kann alle überwinden,
Sie kann alle Herzen binden
Durch der Augen klares Licht.

Selbst Apollos Herz zerbricht,


Seine Klarheit muss verschwinden,
Er kann keine Ruhe finden,
Weil der Pfeil ihn ewig sticht.

Jove selber ist gebunden,


Herkules ist überwunden
Durch die bittersüße Pein;
Wie dann können doch die Herzen
Bloßer Menschen dieser Schmerzen
Ganz und gar entledigt sein?

LIED AUF EINE FRANZÖSISCHE MELODIE

Dir, o mein Leben,


Bin ich ergeben!
Ich tu nur, was ein Diener kann,
Und doch, mein Licht,
Lohnst du mir nicht,
Wie du wohl schuldig,
Weil ich geduldig
Die Marter nehme an!
Wer kann ertragen
So große Plagen
Und haben keinen Lohn davon?
Bist nicht ein Knecht,
Der treu und recht
Dient und geduldig
Den Lohn auch schuldig?
Drum gib mir meinen Lohn.
Zwar deinen Willen
Magst du erfüllen,
Und doch dien ich dir nicht umsonst.
Willst du, mein Licht,
Mehr mir denn nicht?
Willst du, mein Leben,
Mehr mir nicht geben,
So gib mir deine Gunst.
Wo diese Gaben
Ich nicht kann haben,
So werd ich grau auf Einen Tag.
Wo ich dies nicht
Bekomm, mein Licht,
Dass deine Strahlen
den Lohn mir zahlen,
so höre, wie ich klag.
Die Welt mit ihren Sachen,
Die weiß es so zu machen,
Wie es von Anfang an gemacht.
Schau an das Vieh,
Das ohne Müh
Sich pflegt zu paaren.
Lass uns auch fahren
Dn Weg, da Wonne lacht1
Soll′n dann die Zeiten
Vorüber schreiten,
Da froh die Jugend Blumen bringt?
Nun ohne Freud
In nichts als Leid?
O komm, mein Leben,
Du kannst mir geben,
Wonach die Jugend ringt.
Ich will gedenken,
Du wirst mir schenken
Für meine Müh den zarten Lohn,
Und was noch mehr
Ich auch begehr.
Komm, meine Sonne,
Komm, meine Wonne,
Nimm mir die Seufzer schon!
Wo diese Gabe
Ich baldigst habe,
So werd ich frei von aller Not;
Geschieht es nicht,
Dass mir mein Licht
Die Huld will geben,
Kann ich nicht leben,
Bin ich schon lebend tot!
Drum mein Bedingen
Lass mir gelingen;
Mein Herz, wo du mich lieb gewinnst,
So liebe recht,
Wie ich dein Knecht;
Lass sich nicht enden
Die Lust, noch wenden,
So hab ich den Verdienst.
Lass sich nicht enden,
Noch jemals wenden
Die Liebe und Beständigkeit,
So kann ich sein
Ganz ohne Pein.
Lass dich nicht lenken,
Du musst gedenken,
Wo Lust ist, da ist Neid.

AMOR IST ÜBERALL

Man sagt, es sei kein Ort, da Amor nicht zu finden,


Es sei kein öder Wald, es sei kein Teil der Welt,
Da dieser große Herr nicht seine Hofstadt hält;
Man sagt, es sei kein Mensch, den er nicht könne binden:
Noch hat er meinen Mut nicht können überwinden,
Weil mir sein dummes Tun zu keiner Zeit gefällt;
Ob er schon noch so weit sich baut sein schwüles Zelt,
Dass in Arabien man ihn auch stets kann finden.
Europa ist ganz sein, er sitzt in Afrika,
Er wohnt in Asien und kennt Amerika.
In Summa: Ist kein Haus, das er nicht inne hat,
Es ist kein Menschenherz, das er nicht könnte lenken.
Doch mich, ob er schon nah mir ist, kann er nicht kränken.
Denn ist er auf dem Dorf, so bin ich in der Stadt.
Bin ich dann auf dem Dorf, so ist er in der Stadt.

MEIN EIN-UND-ALLES IST TOT!

Mein Alles ist dahin, mein Trost in Lust und Leiden,


Mein andres Ich ist fort, mein Leben, meine Zier,
Mein Liebstes auf der Welt ist weg, ist schon von hier.
Die Lust ist bitter zwar, viel bitterer das Scheiden.
Ich kann nicht fern dir sein, ich kann nicht ganz dich meiden,
O liebste Doris mein! Ich bin nicht mehr bei mir,
Ich bin nicht, der ich bin, nun bin ich nicht bei dir.
Ihr Stunden, lauft doch fort! Wollt ihr mich auch noch neiden?
Ach Phöbus, halte doch die schnelle Hengste nicht!
Fort, fort, ihr Tage, fort, komm bald, du Lunas Licht!
Ein Tag ist mir ein Jahr, in dem ich nicht kann sehen
Mein Himmels-Sonnenlicht! Fort, fort, du faule Zeit,
Spann doch die Segel auf und bring den Liebling heut,
Und wenn sie hier ist, ja, dann sollst du langsam gehen.

NÄCHTLICHE KLAGE

Das große Licht der Welt entzieht sich nun der Erde
Und hastet fort ins Meer mit seinem müden Pferde;
Man hängt die Fenster zu, denn Morpheus kommt heran,
Es sehnt sich nach dem Schlaf, was Odem blasen kann;
Man sieht der Sterne Schar mit ihrem Golde prangen;
Auch Luna zeigt uns schön das Leuchten ihrer Wangen;
Die Schafe gehn zum Stall, der Hirte geht zur Ruh;
Es regt sich niemand mehr, die Blumen tun sich zu;
Die Welt ist schon im Bett, umflort von vielen Träumen.
Ich aber nur allein! Ich geh hier bei den Bäumen,
Da weit und breit herum der Tau, das Kind der Nacht,
Samt meinem Tränenquell die Gräser feuchter macht.
Hier lass ich mein Gedicht, mein Klagelied erklingen,
Und heb bescheiden an, auf Deutsch mein Weh zu singen.

Mars, o Mars, bist du der Mann,


Dem das Ganze dieser Erden
Jetzt muss leider dienstbar werden,
Der nur Seufzen lehren kann?
Ich gedacht, ich wollte hier
Bei den besten Freunden bleiben
Und mir so die Zeit vertreiben,
Wer gehorchte da noch dir?
Nun auch triffst du unsre Stadt,
Dass der guten Freunde Haufen
Größtenteils davongelaufen,
O der doppelt bösen Tat!
Ich weiß nicht, wie mir geschehn,
Ach, wo sind doch meine Lieben?
Wo ist der und der geblieben?
Lässt sich hier denn niemand sehn?
Auf den Gassen ist Geschrei:
Doris sitzt schon auf dem Wagen,
Galathea läst mir sagen,
Dass sie schon gegangen sei.
Hier läuft der und holt den Pass,
Jener will das Schiff befrachten,
Muße will man ganz verachten,
Hier hilft nicht der Augen Nass.
Ich bin nicht mehr, die ich bin,
Wünsch euch allen Glück zum Reisen,
Wollt euch selbst den Weg zwar weisen,
Doch man lässt mich nicht dahin.
O dies hat der Krieg gemacht!
Phöbus steigt stets auf und nieder,
Galathea kommt nicht wieder,
Sagt sie einmal gute Nacht.
Gerne schrieb ich weiter fort,
Doch die Hand will mir erkalten
Und kann kaum die Feder halten.
Gute Nacht, du liebster Ort.

OHNE DIE GELIEBTE KEINE FREUDE


Kann die Welt auch wohl bestehen
Ohne Sonne, klares Licht?
Kann man in der Nacht auch sehen,
Wenn es Stern und Mond gebricht?
Kann ein Schiffer auch wohl lachen,
Wenn sein Schiff beginnt zu krachen?
Eben so kann ich nicht leben,
Wenn ich nicht die Doris seh,
Sie mir nicht ihr Licht wil geben;
Und so kaum ich noch ich besteh,
Wenn sie nicht mein Schiff regiert
und durch ihre Freundschaft führt.
Springt ein Rehkitz bei der Mutter
Mehr nicht da, als sonst es tut?
Hat ein Pferd bei vollem Futter
Nicht auch einen frohen Mut?
Also kann ich nur noch leben,
Wenn ihr Licht mir wird gegeben.
Zwei Gemütern, die sich lieben,
Ists die allerhöchste Pein
Und das schrecklichste Betrüben,
Wenn sie nicht zusammen sein,
Weil sie sonst an gar nichts denken,
Als sich innig zu verschränken.
Wie die Ulmen um die Reben
Gleichsam ganz verliebt sich drehn:
Also wünsch ich, du mein Leben,
Ganz von dir umfasst zu stehn
Und dir etwas vorzusagen
Von den süßen Liebes-Plagen.
Darum will ich mich bemühen,
In mein Fretow hinzuziehn
Und mein Leben nicht zu fliehen,
Weil ich sonst gestorben bin.
Dann wird sie mich hoch erfreuen
Und mir meinen Geist erneuen.
Darum will ich gerne lassen
Der Tollenser Lieblichkeit,
Will mein Leben selbst nicht hassen,
Wenn es nur erlaubt die Zeit;
Weg mit diesen schlechten Auen!
Ich will bald mein Fretow schauen.

ICH WILL VON DEINER SCHÖNHEIT SINGEN

O möcht ich jetzt doch schön von deiner Schönheit singen!


O hohe Göttin du! denn deine süße Zier
Scheint wie der Sonne Licht und nimmt mich selber mir.
Ich will dein hohes Lob ans Dach des Himmels bringen,
Da sollst du durch den Neid und alle Missgunst dringen.
Dein schöner Augenglanz bricht wie das Licht hervor,
Dein Purpur-Angesicht und deine Lippen Flor
Ist göttlich um und um, du kannst das Herz bezwingen.
Dein Mund ist rosenrot, die Brüste Mamorstein,
Du magst, o Lieblingin, die Neue Venus sein!
Das sagt mir deine Zier, dein süßer Blick, dein Lachen,
Du bist der Nymphen Ruhm. Ein Weib, das einen Mann,
So bald er sie nur sieht, mit Eros töten kann,
Ist deiner Schönheit Licht noch nicht ganz gleich zu machen.

DAS JOCH DER LIEBE

Wie kann der Liebe Joch doch süß und lieblich sein,
Da manches Herz doch pflegt von ihrem Schmerz zu sagen
Und über ihre Last und Wunden tief zu klagen?
Wie ist denn Süßigkeit, was allen bringt nur Pein,
Was wie ein starkes Gift ins Herz dringt tödlich ein,
Was manchen Helden würgt und viele lässt verzagen?
Wie kann uns dann doch Lust und Freude uns erjagen?
Nein, nein, der Liebe Trank ist bittrer Wermut-Wein!
Doch gleichwohl ist sie süß, weil vielen wird gegeben
Durch ihre Süßigkeit ein angenehmes Leben.
Drum, schließ ich, Liebe ist ein angenehmes Leid;
(Wiewohl es selten kommt, dass Widersprüche schafften,
An einem Wesen nur zu gleicher Zeit zu haften.)
Die Liebe heißt und ist die süße Bitterkeit!