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~e1Ti= 121r.

JAHRGANG•Ill Il·HEF
SCHUBERT-GABE
WERTVOLL FÜR JEDEN MUSIKER UND MUSIKFREUND
l\flT BEITRAGEN VON HERVORRAGENDEN SCHUBERT-
FORSCHERN
35 BILDER UND FAKSIMILES
UMFANG ETWA 80 SEITEN IN QUARTf•DRMAT

PREIS NUR S 3·_ (Mk. 2·-)


VERWALTUNG: WIEN, III. TRAUNGASSE 1/2,
TELEPHON U 17-8-66

ZU BEZIEHEN DURCH JEDE BUCH- UND MUSIKALIENHANDLUNG, SOWIE DIREl(T


VON DER AUSLIEFERUNGSSTELLE: FRIEDRICH HOFMEISTER GES. M. B. H. & Co.,
MUSIKALIEN-GROSS-SORTIMENT, WIEN, I. HIMMELPFORTGASSE 20 / TEL. R 28-201
AUSLIEFERUNGFURDEUTSCHLAND: FR.HOFMEISTER G.M.B.H., LEIPZIG, KARLSTil.10

EMILIO PUJOL Bibliotheque de musique ancienne et moderne pour grdfare


(Bibliothek für alte und moderne Gitarrenmusi/..·)

MUSJQUE ANCIENNE MU,S~IQUE 1HODERNE

LUIS MILAN (1535) EMILIO PUJOL


3 Pavanes Berceuse
3 Etudes
MIGUEL DE FUENLLANA (1552) Tonadilla
Tientos Tango
Guajira
FRAN<;OIS CORBETTA (16t;) Sevilla (evocarion)
Preludc Rroues tt doigtees par
Gavotte Emilia Pujol

MAX ESCHIG EDITEUR


RuedeRome48 - PARIS
••
m. JAHRGANG OSTERREI CHISCHE uL JAHRGANG

G ITARRE~ZEITSCHRIFT
INHALT DES 2. HEFTES: ZUR GEFÄLLIGEN BEACHTUNG:
Die Gitarre und die moderne Kammermusik. Die 0sterreichische Gitarre-Zeitschrift mit dem Bei-
Von Alfred Uhl • . · . . . • . . . . . . Seite 25 blatt "D115 Lied" erscheint vierteljährlich (am 1. Ok-
Lauleninstnunente in Wiener Museen. Von tober, 1. Jänner, 1. April und 1. Juli).
Univ.-Doz. Dr. Alfred Orel . . . . . . Seite 27 Alle den Inhalt der Zeitschrift betreffenden Zuschriften
Franz Liszt, die Zigeunermusik und Jrf. T. sind an die Schriftleitung, alle übrigen an die Ver-
Wyssotzkiji. Von Alois Beran . . . . . . Seite 30 waltung zu richten.
Die Gitarre, eine Abhandlung von Emilio Pujol. Nachdruck nur mit Genehmigung des Herausgebers
Von E. L. Chavarri . . . • . . . . . . Seite 33 gestattet.
Carlos Perez de Nanclares. Von P. van Es • Seite 35
Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn Rück-
Der Abstieg der Gitarre. Von H. Jordan . . Seite 36 porto in Briefmarken beiliegt.
Gitarristische Rundsdtau: Konzertnachrich- Alle Rechte, insbesondere das der Dbersetzung,
ten. - Von unseren Künstlern. - Be- vorbehalten.
sprechungen. - Auskunft . . . . . . . Seite 37
Bezug durch die Verwaltung, sowie durch jede Buch-
und Musikalienhandlung.
Das Lied: C>sterreichische Postsparkasse Nr. 62.123
„Stille Nacht, heilige Nacht." Von Dr. Andre11S Deutsches Postscheckkonto München Nr. 59.773
Weissenbäck . . . . . . . . . Seite 41
Rudolf Süß. Von l\.lina Forstner. . Seite 44 Bezugsbedingungen:
Umschau . . . . . . . • . . Seite 46 Der Bezugspreis für den Jahrgang (4 Hefte) beträgt :
Für C>sterreich . . . . S s·-
Deutschland . . . . l\.fk. 5·-
Bilder: Arabische und ägypfüche Laute Seite 29
Tschechoslowakei . . Kc. -to·-
M. T. Wyssotzkiji . Seite 31 Jugoslawien . Dinar so--
Rudolf Süß • . · . . Seite 45 Schweiz . . . Schweizer Frcs. 6·-
Skandinavien . . Kr. 5·-
Ungam Pengö ?·-
N ofenbeilagen: Siciliana."Menuett für Italien . . . Lire 25·-
Flökund Gitarre. Rondino. Weihnachts- Holland . . . n. 2·so
lied. Auf, auf, ihr Hirten. Geistliches Amerika . . Dollar 2·-
Wiegenlied. Christkindlein im Himmel für alle anderen Länder: 6 Schweizer Franken.

SCHRIFTLEITUNG: WIEN; III. K.LIMSCHGASSE NR. 16/9; FERNRUF U 10-6-'?2


VERWALTUNG: WIEN, III. TRAUNGASSE NR. 1/2;, FERNRUF: U 1'?-8-66
OESTERREICHISCHE
GITARRE-ZEITSCHRIFT
MIT DEM BEIBLATT »DAS. LIED«
HERAUSGEGEBEN VON JACOB ORTNER, PROFESSOR AN DER AKADEMIE FUR MUSIK
UND DARSTELLENDE KUNST IN WIEN • SCHRIFTLEITE ll: GUSTAY MOISSL, WIEN

Jahrgang• III TYien, Jänner-.i.l1ärz 1929 II• Heft

DIE 61T ARRE UND DIE MODERNE KAMMERMUSIK


VON ALFRED l;HL, WIEi\

Erst in der letzten Zeit ist eine Bewegung, mit dem Klang cler Gital'l'c gul mischen.
die Gitarre zu dem if1r gebührenden Recht hinzutrelrn, so isl die Sache wcscnllich
kommen. zu lassen, deutlich spürbar. \Var- anders geworden; es ist ein Zweig der
um man so lange gebraucht hat, um zu Kammermusik entstanden. clen auszuarbei-
erkennen, daß die Gitarre mehr ist als ein ten eine der vornehmsten und dankbarsten
gewöhnliches Bcgleilinslrumcnl mit immer .\ufgaben der jetzigen Komponisten werden
wiederkehrenden Phrasen oder eine Ge- soll. Yollständig neu ist die Idee nichl. Wir
legenheit für „Musikliebende", damit diese kennen das Quartett von Franz Schuber!
ihre armselige Musikalität in Anwendung für Flöte, Gitarre, Bratsche und Cello (des-
bringen können, - beruht in der zu wenig sen Originalfassung übrigens beslrilLP11
objekth·cn Einstellung der Musiker und des \Yird). oder Kammermusikwerke' Yon Pag:1-
Publikums der Gitarre gegenüber. l\Ian 1ml nini. :\Ioli110, Drcsslcr etc .. die· uns aber
scheinbar nicht beachlel; daß die \Virkung leider keine' Tr~incn der Hühnmg cnllockt·11
l'inc ganz andere isl, wenn dieses Inslnr- können, sondern uns SC'hr zum lwim I iC"he11
menl Y0n einem Künsller behanclcll wird. (~ühnen reizeu.
der mit suchender H" and clic noch unge- I eh möchte noch Yor der nüheren Bl'-
hobenen Schätze hebt und so eine' künst- sprC'chung des ThC'mas erwühncn, daß 111.111
lerisch hochwertige uncl neue Arl, die Gi- die Gitarre nie der Kuriosilül ballwr ,·c•.r·-
1arre zu verwenden, findet, als wenn sie nur "·enclcn und sie nie so behandeln soll. daß
dazu gebraucht wird, um Tonika uncl Do- sie auch ruhig wegfallen könnte, sondt.·rn
minante anzugeben. man muß sich in die Eigenart des Klaugrs
Ich glaube, die Zukunft der Gitarre liegl Hrliefen, dieselbe in sich aufnehmen uncl
in d~r Kammermusik. Die Sologilarre ver- aus diesem Gefühl her.aus für das Instru-
mag einen .N'ichtgilarristcn wohl schwerlich ment schreiben. Der Klang cler Gitarre hal
einen ganzen Abend zu interessieren, ,veil etwas ungemein Reizvolles, Heimatliehcs,
sie lechnisch und dynamisch unsc•ren mo- \-ertraules und er läßt si.ch, wie schon olwn
de1·nen ..\nsprüchen nicht genügen kanu. erwähnt, ausgezeichnet mil cle111 Klang
\VC'nn abC'r anclerr Instrumente, dif' sich anrlC'rer lnslrumenle. misch<:>n. Unll'rsuchen

25
wir nun, welche Instrumente sich für mischungsfähigc Instrument erscheint mir
unsere Zwecke am besten eignen. \Vir teilen in dieser Gruppe die Klarinette. Mit ihrem
bekanntlich die Instrumente in sechs Grup- sammetweich en Ton ist sie zu den verschie-
pen ein: Streich-, Zupf- und Tastinstru- denartigsten Farbenschattierungen ausge-
mente, ferner Holz- und Blechblasinstru- zeichnet zu gebrauchen. Dasselbe gilt auch
mente und Schlaginstrumente. Von . der für die Baßklarinette. Auch der zarte,
ersten Gruppe sind alle Instrumente ver- schlanke Ton <ler Oboe und des Englisch-
wendbar außer Kontrabaß, der in keiner horns läßt sich mit dem Klang der Gitarre
klanglichen Proportion zur Gitarre steht sehr gut vereinen. Dagegen wird sich der
und in seiner Rolle als Baßverstärkung und etwas scharfe Ton des Fagotts ~chwerer
Fundamentierung schon ein größeres En- mischen lassen; er braucht bereits eine har-
semble braucht. Zweite Gruppe: Wenn monische Unterlage; d.och da entsteht die
man zwei Gitarren geschickt behandeln Gefahr, daß die Gitarre etwas verdrängt
kann, lassen sich sehr interessante \Vir- wird. Da aber nur Ensembles mit wenigen
kungen erzielen. Dieser Fall ist eigentlich Instrumenten für uns geeignet sind, wird
als ideale Lösung des rhythmischen, har- man leicht Gefahr laufen, daß der Ton
monischen und dynamischen Problems zu des Fagotts meistens etwas hervorstechen
betrachten, denn man hat bei zwei Gitarren, wird. Am wenigsten scheint mir die Flöte
von einer gewissen Entfernung gehört, den verwendbar zu sein; der grelle, etwas aus-
Eindruck, als ob nur ein Gitarrist mit aller- druckslose (vielleicht gerade deshalb reiz-
dings falJelhafter Technik spielen würde. volle) Ton wird sich schwer anpassen. Ein
·Auch Ensembles mit drei Gitarren klingen Ensemble ist aber uinso besser, je kom-
nicht schlecht; man könnte da auch die pakter und persönlicher der Klang ist.
Terzgitarre gut verwenden. Mehr als drei Die fünfte und sechste Gruppe fällt weg,
Gitarren zu verwenden, ist schon eine ris- da diese Instrumente- ein zu großes Ton-
kante Sache, weil man ja an einen ver- volumen haben.
hältnismäßig kleinen Umfang gebunden ist, Es bleibt uns noch übrig, über die i\H-
· vorausgesetzt, daß man keine „Zwölftönc- schungen der verschiedenen Gruppen unter-
Musik" schreiben will - und weil ein En- einander und über die Singstimme zu spre-
semble mit vielen Gitarren leicht grotesk chen. Wie gut sich die Singstimme mit dem
wirken kann. Es sind noch Mischungen Gitarrenklang mischt, weiß jeder. Ich
zwischen· Gitarre und Mandoline zu erwäh- glaube, am besten aber eignet sich eine
nen; in welchem Grad man an solchen nicht zu hohe, mittelslarke, weibliche
,,Zupforchestern" Gefallen findet, ist Ge- Stimme, weil sich dieselbe dem Tonregister
schmackssache. Mir persönlich geht der der Gitarre am besten anpaßt. Besprechen
konstante klingende Ton in diesem Fall sehr wir nun znsammenfassenc~, welche Be-
ab. Eine Mischung zwischen Harfe und setzungen möglich sind und gut klingen
Gitarre würde zum Nachteile der Gitarre würden.
sein, weil die Harfe dank ihrer Bauart und Gruppe I.
des l\fitschwingens der vielen Obertöne eine Geige oder Bratsche und Gitarre; Geige,
viel größere Resonanz hat. Es besteht hier Bratsche oder Geige, Cello und Gitarre; und
auch keine Notwendigkeit, die Gitarre zu Geige, Bratsche, Cello und Gitarre; Cello
venvenden. Dritte Gruppe: Hier kam-. und Gitarre klingt ganz gut, nur ist es un-
men Mischungen mit Orgel oder Harmo- vermeidlich, daß das Cello der größeren
nium in· Betracht. Auch mit der Celesta Resonanz wegen stärker klingen wird, ,vas
könnte man interessante Versuche machen. aber schon ein Nach teil für die Gitarre isl.
Klavier ist für unsere Zwecke ungeeignet. ,Gruppe II und III ist bereits besprochen
Viert r G r u p p e: Als das am meisten worden.

26
Gruppe IV. Gitarre dürfte eine ganz eigenartige Wir-
2 oder 3 Kh1rinetten, Baßklarinelle und kung abgeben. Auch das Saxophon wäre,
Gitarre; Flöte, Oboe, Englischhorn und Gi- wenn man es von den Manieren der Jazz-
tarre; 2 Oboen, Englis~hhorn und Gitarre: Spielart reinigen würde, gut zu verwenden.
2 Fagotte, Baßklarinette und Gitarre; Flöte. Es sind noch Ensembles mit Stre1chern,
Oboe, Klarinette und Gitarre etc. Bläser und einer Singstimme zu erwäh-
nen, die sicher sehr stimmungsvoll klingen
Kombinationen. würden.
Die Mischungsmöglichkeiten zwischen \Vie wir gesehen haben, sind die Yerwen-
dem Streicher-, Bläser- und Gitarrenklang clungsmöglichkeilen der Gitarre in der Kam-
sind sehr zahlreiche. Wenn jemand ge- mermusik sehr zahlreiche. Es lag selbst-
nügend Klangsinn besitzt, wird es ihm nicht verständlich nicht die Absicht vor, ein
schwer fallen, nach persönlichem Ge- Schema der verschiedenen Klangmisclmn-
schmack selbst Ensembles zu bilden. Hier gcn .(was ja auch gar nicht möglich wäre)
nur einige Vorschläge: Geige, Bratsche. aufzustellen, da es jedermanns Sache ist,
Oboe, Klarinette und Gitarre; Geige oder nach persönlichem Geschmack die Be-
Bratsche,· Cello, Klarinette, Fagotl und Gi- setzung eines Ensembles zu bestimmen -
Larre; Bratsche, Englischhorn, Klarinette sondern es soll nur eine Anregung für Kom-
und Gitarre. ponisten sein, damit die Gitarre endlich
Sehr interessant wäre auch eine l\fischung das bekommt, was sie so notwendig und
zwischen Gilarre und Banjo. Das Rhyth- dringend braucht: eine wertvolle Original-
mische des Banjo mit dem l\folodischen der 1iteratur.

LAUTENINSTRUMENTE IN WIENER MUSEEN


VON UNIVERSITÄTSDOZENT DR. ALFRED OREL, WIEN

Es ist eine schon vielfach bemerkte und Katalog veröffentlicht hatte, in der ersten
bedauerte Eigenschaft der Österreicher, daß Heihe der europäischen Instrumentensamm-
sie ihren ideellen Reichtum, die Schätze: 1ungen, und auch das l\'luseum der Gesell-
clie ihnen Natur ebenso wie jahrhunderl::-- schaft der l\I usikfreunde vereinigt in seinen
lange Kultur geschenkt haben, kaum selbst Beständen zahlreiche überaus seltene und_
kennen und gebührend schätzen, geschweige wertvolle Stücke. Die Entstehungsgeschicllte
clenn sich geistig wirklich zu eigen machen. der beiden Sammlungen gibt ihnen auch ihr
So ist der Kreis derer, die da,,011 wissen. eigenes, durchaus verschiedenes Gepräge.
daß wir in \Vien zwei große allgemein zu- Die eine ist in ihrem Grundstock das Er-
gängliche Instrumentensammlungen besitzen. gebnis der Sammeltäligkeit fürstlicher Per-
verhältnismäßig sehr klein, und nur \'er- sönlichkeiten: des Erzherzogs Ferdinand Yon
schwinclend wenige sind es, die sich die Tirol, der -gegen Ende des 16. Jahrhunderts
Mühe ·genommen haben, sie einmal wenig- auf Schloß Ambras bei Innsbruck in seiner
stens hinsichtlich des eigenen Fach_gebietes ,,Kunstkammer'' auch Musikinstrumente ver-
genauer zu besichtigen. Und doch steht die einigte, die als seltene Schaustücke gel_ten
Sammlung alter Musikinstrumente, ein Teil konnten, daneben aber eine reiche für den
des kunsthistorischen Museums, die vor praktischen Gebrauch dienende Musikkam-
nicht einmal 10 Jahren in ausgezeichneter mer in der Innsbrucker Hofburg besaß, so-
Aufstellung eröffnet wurde, nachdein Ju- dann die Mitglieder des Hauses der Ma1~-
Iius Schlosser 1920 den großen kritischen chese degli Obizzi, die auf Schloß Catajo

2'?
bei Padua ihre Sammlung auleglen, die dann vor Augen häll. Indes isl die Ansicht, claI~
in den Besitz des Hauses Este, endlich 1914 die Laute in ihrer heutigen _Gestalt von den
in den des ehemaligen Kaiserhauses ge- Arabern in Spanien uncl Sizilien übernom-
langte und dann mit der Ferdinandschen men worden sei, nichl unbestritten 2). · In
vereinigt wurde 1). Viel jünger ist die Instru- jüngster Zeit wurde indischer Ursprung de1:
mentensammlung (Museum) der Gesellschaft Laute sehr wahrscheinlich gemacht 3 ). Je-
der Musikfreunde. Trotz seines nicht viel denfalls haben wir in den zap.lreichen orien-
mehr als hundertjährigen Besta"ndes bietet talischen Lauteninstrumenten ältere Ver-
es aber mit seinen 335 Musikinstrumenten wandte unserer Laute zu erblicken; vielfach
- den ausgezeichnelen Katalog veröffent- haben sie zufolge des Stehenbleibens der
lichte Eusebius Mandyczewski im Zusatz- orienlalischen Kultur ihre angestammten
bande zur „Geschichte der k. k. Gesellschaft Eigentümlichkeiten beibehalten, in manchem
der Musikfreunde", Wien 1912 - reiches macht sich wieder bei den neueren Instru-
Material, das in mancher Hinsicht eiüe über- menten europäischer Einfluß geltend. Orien-
aus willkommene, vielfach notwendige Er~ talische Instrumente vermögen uns jeden-
gänzung der staatlichen Sammlung darstellt. falls die Vorformen unserer Laute Yor Augen
Die bürgerliche Musikkultur, aus der die zu führen, und die erwähnten beiden \Vie-
Gesellschaft der Musikfreunde überhaupt ner Sammlungen bieten auch rlazn schon
erwuchs, bestimmt auch den Charakter treffliches Material. ·
dieser Sammlung, die dank des Ansehens, Als den ursprünglichen Typus der Laute
dessen -sich die Gesellschaft erfreut, durch haben wir - wie Geiringer andernorts clar-
zahlreiche S penclen ,·an verschiedensten lut -· den im ganzen alten Orient bekannte11
Seiten her und durch systematischen Aus- TanbOr anzusehen, der durch kleinen Schall-
hau seitens ihrer Leiter ihre heutige Größe körper und langen Griffhals gekennzeichnet
und Rcichhalligkeit erlangte, die infolge des ist. Die Annahme, daß dieses Instrume1~t zu-
Platzmangels, unter dem. wie so viele Wie- crsl einen natürlichen Schallkörper ver-
ner Sammlungen, auch sie leidet, dem flüch- wendete, wie z. B. Schildkrötendecken, Ko-
tigen Besucher gar nicht zum Bewußtsein kosnußscl1alen u. ugl., hat sehr viel für sich.
komml. Im folgenden soll nur ein lrnrzcr Die künstliche Herstellung der Schallkörper
Oberblick über die Lauten- und verwandte1i wird - wie C. Sachs vermutet - darauf zu-
Instrumente geboten werden, die in diesen rückzuführen sein„ daß das natürliche Mate-
beiden Sammlungen verei1~igt sind. rial in den betreffenden Gegenden nicht
Der Name de1· abencllündischen Laule vorhanden war. Die beiden \Viencr Samm-
weist bekanntlich au[ das 'Ud des persisch- lungen cnthal l('ll mehrere derartige Instru-
arabischen Kulturkreises hin. Für gewöhn- mente (ES. :-3, MF. 288, 289). Der Tanbür
lich nimmt man an, daß das Instrument lebt, abgesehen von seiner Verwendung im
von den Arabern bei den Maureneinfällen in Orient, noch in mehrfachen Yolkstümlichen
Spanien nach Europa gelangte. Der Name Instrumenten Europas fort, so z. B. in der
scheint auch aur das arabische „al' ud" hin- südslawischen Tambur i t z a (MF. 232)
zu,veisen, besonders wenn man· sich deu oder in der kroatischen Bise r n i t z a_ (MF.
portugiesischen Namen der Laute „alancle'· 2:11). Auch die montenegrinische Laute MF.
230 gehört hieher; sie verwendet· noch zwei
1) Die Geschichte dieser staatlichen Inslrumenten- Kürbishälflen als Schallkörper. Der Tambttr
sammlung bietet Juliuis Schlosser ausfuhrlich in dem
großen Katalog (,,Die Sammlung alter l\IusikinstM11- ~) Vergl .. C. Sachs, Handhueh <Im: Ii1slrum1•nte11-
mcnte", beschreibendes Verzeichnis Yon Julius Schlos- kunde, !-~ipzig Hl2il, S. 213.
ser, Wien 1920, :\. Schroll & Co.), dem auch die 3) K. Gei.ringc1·, Vorgeschichte ·uud Geschichte der
Da:ten über die einzelnen Tnslrnm<'ntc cnlnommcn ·europäischen La'llte bis zum Beginne· der ·Neuzei.l,
sind. Zr.ilsC'hrift für Musikwissenschaft, x,: S. äßO ff.

28
crsdwin L in versdlicdcncn G räßen: so isl
♦ Die arabischen Lauten ES. 1 und
z. B. der türkische Ta m b ü r b u zur k 1\-lF. :wo zeigen denn auch völlig die Form
i\IF. 237 nicht weniger als 138 cm lang, vou unserer Lauten. Diese beiden Inslrumenlc
denen 84 auf den Hals, 34 aul' den Schall- weisen auch schon doppelchörige11 Bezug
körper entfallen; der etwas kleinere 1 am- auf. D iese1· kommt etwa im 7 . .Jahrhundert
b i1 r Ku t s c h u k MF. 238 hat eine Gesamt- n. Ch. auf (Geiringer 569), wfrd dann vom
länge von 108 cm. Bei den beiden in d i- Abendland übernommen und bei der Laute
s c h e n Ta m b 0. r- lnstrnmcnlen i\ff'. 288 uncl ständig heihehalten. Nur die höchste Saite
289 beansprucht rClumterclle) bleibt
der Hals ebenfalls einfach.
vier Fünf tel der Der \V cg, den der
Gesamtlänge. Auch zur Laule sich ,van-
der indische Sitar delndeTamburvon
~[F. 292 gehört hie- Indien aus nahm,
hcr. ·~i führte nicht nur
Dei· \Veg vom nach \Veslen. son-
Tambur zur Laute - . -
dern auch nach
führt, wie Geiringer
~- ·. . ·· ..
Osten. Schon im
. .

dartut, über die Ci. Jahrhundert fin-


in spütanliker Zeil det man in China,
anzutreffende Ver- eben als indisches
schmelzung \'Oll Einfuhrgut, im Ge-
Korpus und Stiel folge des von dort-
zu einem Ganzen. her eindringenden
Eine Vorstellung Buddhismus die
davon kann · viel- keulenförmige
leicht die ü g y p- Laute „P' i-p' a".
Li s c h c Laute ES. 2 t'ür die uns in MF.
geben, die aus 32G ein Beispiel
einem Slück Holz vorliegl. Dieses In-
gearbeitel isl; der strument zeigtau<:h
Schallkörper die für die ostasi-
r '
\\"Üchst birnförmig "LischL•n Lauten
aus dem Hals her- kcnnzcid111enclen
aus. Bei diesem Bünde. Die indi-
1. :\rnbisd1c Lrn1c. 2. Ai::yptischc Laute
lnstrumenl isl die 1u,,di J. Schlosser, ,\ltr Musikinslr11mcn1e. \\"ien .. \. Sd,roll & Co .. 19201
sche und arnbisch-
Decke nicht aus pcrsis·clw Laute
Holz, sondern aus einer :\lembran gebilclel. halle 111 üllerer Zeil niemals Bünde
Dieses übergehen von Hals und Korpus ist (Gciringcr 583). Man wird dies wohl mit
überhaupt eine Eigenheit der orientalischen dem cigcnnrligen Tonsystem dieser Lä1i-
Lauten, die erst im 12. .J ahrhunclert bei dcr mit seinen Vierteltönen, sowie mil der
den arabisch-persischen Lauten dei- Schall- orienlalischen :Mclocliebildung und Verzie-
körper und Hals scharf trennenden Form rungstechnik in Zusammenhang bringen
wich. Das Abendland übernahm dann dieseu müssen. Die ostasiatischen Lauten zeigcu
neueren Typus. \Vie sich aber im Orient der aber, wie die. erhaltenen Instrumente des
ültere noch lange erhäll. so isl er auch im Sclrntzhauses Shösö-in aus dem 8. Jahrhun-
..\bcncllande his ins 1~ .. lc1hrl11111dp1·l 11:tcll- dert dadun, schon damals Bünde. \Venn wir
wC'isbar. siC' :rn anderen orientalischen Lauteninstru-

29
menlen der späte1·eu Zeil antrerren, wie das Gitlenn~rk der Rose, die im 13. Jahr~
z. B. beim Tambür Kutschuk r-.lF. 238, der hundert an die Stelle der sichelförmigen
außer 20 Bünden am Hals als deren Fort- Schallöcher traten, willkommene Geleg211-
setzung auf der Decke noch 11 Holzstreifen heit zu phantasie\'oller Ausgestaltung bot
aufweist, so wird man darin wohl europüi- und die Prachtinstrumente der estensischcn
schen Einfluß annehmen dürfen. In Europa Sammlung werden noch Gelegenheit bieten,
lassen sie sich sicher seit dem 15. J ahrhun- darauf zurückzukommen. Auch· die beiden
dert nachweisen. arabischen Instrumente dieses Museums zei-
Die Bespannung der orientalischen Lauten gen schon kunstYolle Arbeit in Palmetten-
ist verschieden. Den Grundtypus bildet die form; die arabische Laute MF. hat schon
viersaitige Laute, seltener ist die fünfsaitige. schöne Rosettenarbeit. überdies zeigt dieses
Die mehrchörigen Lauten \'erwenden bis Instrument auch reiche Einlagearbeit auf
zu 11 Saiten. Als Material dienten ~eiclen- dem Hals, der nächst der Hose beliebtes
saiten (bei chinesischen Instrumenten auch Objekt der Verzierung ist. Sogar die primi-
heute noch), dann Darm- und rvietallsaitcn. tive montenegrinische Laute ist reich in
Gespielt wurden die Instrumente im Orient Bein verziert. l\fan wird in diesem Bestre-
bald mit dem bloßen Finger, bald mit Hilfe ben, die Instrumente schön auszustatten,
eines Plektrums (wie bei unserer Mando- wohl ein Zeichen der Musikliebe des Vol-
line); im Abendlande stand bis ins 15 . .Jahr- kes erblicken dürfen, die sich eben _auch
hundert das Spiel mittels Plektrums durch- auf die Mittel de1· Ausübung erstreckt. Auch
aus im Vordergrunde. der Wirbelkasten erhält oft kennzeichnende
Formen, wie z. B. bei der ägyptischen Laute
Die Ausstattung der orientalischen Instru- ES. 2, die ihn überdies noch durch Goldbe-
mente ist sehr mannigfaltig. Vom völlig malung mit Halbmond und Stern verziert.
schmucklosen Instrument führt ihr \Veg (Die CL>ersicht über die abencllündiscl1e11 Laulcn-
bis zu Erzeugnissen feinster kunstgewerb- inslrumenlc der Wiener Sammlungen wird die Fort-
licher ArbeiL Es ist leichl erklärlich, daß setzung diese.s Aufsatzes im niichsten Hefte bringen.,

FRANZ LISZT, DIE ZIGEUNERMUSIK UND


M. T. WYSSOTZKIJI
VON ALOIS ßERAI\, KLOSTERNEUBURG

Bei vielen deulschen Tonelichtern be- bald es sich nicht u111 kritikloses Berauscht-
obachten wfr eine gewisse Zuneigung zu clcr sein handelt, ebensowenig von entartetem
Nationalmusik jüngerer Kullun-ölkcr, ja Geschmacke sprechen, wie bei den vorer-
nicht selten zn jener der N alurvölker. \Vir wähnten Neigungen unserer großen Meister .
wissen, daß z. B. Beethoven und Schuberl .-\ugenscheinlich liegt die Ursache dieser Er-
gern slawischen und ungarischen W::-isrn scheinung in einem tiefgefühlten Bedürfnis
lauschten, und daß diese Eindrücke auch in nach Ergänzung des eigenen musikalischen
manchen ihrer vVerke deutliche Spuren hin- \Vesens durch ortsfremde Elemente. Als
terlassen haben. Liszt, Brahms und J oa- solche wären in erster Linie die im Rh y t h-
chim waren ausgesprochene Freunde der m u s ungemein reichen musikalischen 'Er-
ungarischen Musik, beziehungsweise der zeugnisse jüngerer Kulturvölker zu nennen;
Zigeunermusik. In unseren Tagen sucht man eben das rhythmisch Regsame, Lebendige,
sogar Anregung in der Musik der N alurvölker überraschende und jugendlich Ungebärdige
ferner Kontinente, und man kann hiebei, so- in :jenen \Veisen findet der Deutsche weniger

30
ausgeprägt in der Musik des eigenen Volkes, Festslellung, ou ihre musikalische Begabung
welche sich vor allem durch unüber"lroffenc schöpferisch oder nur artistisch zu werten
Tiefe, Innigkeil und holde Anmut auszeich- sei, sehr erschwert. Es fragt sich nfunlich,
net. Im übrigen gilt vom Lebensalter der ob jene Tanz- und Liedweisen, welche zu
Völker dasselbe, wie von dem des Einzel- ihrem musikalischen Programm gehören,
wesens und die Musik eines alten Kultur- ihr tatsüchliches geistiges Eigentum seien
,·olkes hat ihre Stärke auf einem anderen oder nur übernommener Besitz. In ziemlich
Gebiete, wie die eines kulturell noch jungen heftiger \V eise wurde diese Frage von seilen
Volkes oder eines Naturvolkes. der l\fagyaren in Bezug auf die nationale
Als solches ist das Priorität ihrer Volks-

)_/:1ff ~~~~~he
Volk der Zigeuner zu
betrachten. Obwohl gef~t::ikf~~
sie nach ihrer Ab- /'.'<..
'. scher die Zigeuner
stammung mit den als schöpferische Ur-
Darden und den heber derselben be-
Stämmen Kafiristans zeichneten, z.B. Franz
zu den nächsten Liszt in seiner Schrift:
Volksverwandten des „Les Bohemiens et
alten, hochentwickel- ,· ;:<"
r•_' leur musique Hon-
Len Kulturvolkes der ,, grie". Von anderen
·, ~ ··:.
;•

Inder gehören, und wieder wird die Frage


Lrotzdem sie seit mehr "}/ verneint, wie z.B. von
als tausend Jahren Thewrewk de Pono1·
unter anderen Kultur- ' im „Journal of thc
völkern ihre wech- Gihsy Lore Society".
selnden Wohnsitze Für die Wahrschein-
eingenommen hatten, lichkeit letzterer An-
so verfügen sie weder nahme spricht übri-
über Merkmale einer gens folgender Um-
eigenen mitgebrach- stand. Die Zigeune1·
ten, noch einer über- bezeigen wohl überall
nommenen, später er- eine hohe musikali-
worbenen Kultur. Es sche Begabung, aber
findet sich bei ihnen hervorragend sind
,\1. T. Wyssotzkiji
keine Spurvon irgend ihre diesbezüglichen
welchen religiösen Leistungen nur in
Vorstellungen und Empfindungen, sie besitzen Spanien, Ungarn und Rußland, also überall
nicht nur keinerlei mündlich oder schriftlich clorl, wo sie in der boclenstüncligen Volks-
erhaltene Literaturdenkmäler (wenn man von musik wesensähnliche Elemente vorfanden,
clen künstlerisch nicht hochslehenclen Er- sei es südliche Glul und Leidenschaftlich-
zeugnissen der spanischen Zigeuner absieht), keit oder rhythmische Lebhaftigkeit. Ganz
sondern verfügen nicht einmal über Schrift- anders isl es aber mit ihrer Musik in Län-
zeichen*). Aus diesem Grunde ,vird auch die dern ,vie England, Deutschland und Oster-
reich bestellt. Hier spielen sie wohl gar
*) Sie haben als schriftlicilcs Verslän<ligungsmittel nichts Zigeunerisches, sondern beschränken
bloß eine beschränkte Anzahl von symbolischen
sich bloß darauf, die vorhandene National-
Zeichen (Zigeunerzinken), hingegen aber eine selb-
ständige, überall einheitliche Sprache, ein indo-ari- musik, die eben ihrer Arl sehr wenig enl-
sches Idiom, eng verwandt dem Zend der Inder. spricht, in ihr musikalisches Idiom zu über-

31
tragen, wobei freilich mehr Grimasse als den dorligen Zigeunern und lauschte stun-
musikalische En1pfindung zum Ausdruck denlang ihren Chören und Einzelgesängen,
komml. Alle Musikinstrumente, deren sich welche sie mit Gitarren begleiteten. Liszt
die Zigeuner bedienen; haben sie in ihren hatte wohl von Jugend an Gelegenheit, die
jeweiligen Wohnsitzen bereits vorgefunden. in seiner Heimat im Burgenlande und na-
So die Geige und andere Streichinstrumente, hem Ungarn gepflogene Instrumentalrimsik
Zymbal und Taragato (ein ungarisches Holz- der Zigeuner kennen zu lernen. Aber ebenso
blasinstrument), Harfe und Gitarre. Zu die- neu wie interessant ,var es ihm, in Rußland
ser bekunden sie in Spanien, Rußland und den Chorgesang und das begleitende Gitafren-
Osterreich große Vorliebe und blieben ihr spiel einer dort gastierenden Zigeunertruppe
auch während der Jahrzehnte ihrer Ver- zu hören. Gesang und Spiel nahmen ihn
fallszeit immer treu. derart in Anspruch, daß er darüber sich
Es läßt sich also in der Frage der Origi- und die Welt vergessen konnte. An einem
nalität der Zigeuilermusik nur der reproduk- Abende wartete .das Konzertpublikum auf
tive Teil derselben mit Sicherheit bejahen,; das Erscheinen des Konzertanten, des da-
hier ist ihre Eigenart in der Leidenschaft- mals schon weltberühmten Pianislen Franz
lichkeit des Akzente~, in der Lebhaftigkeit Liszt. Die angesetzte Zeit des Konzertbe-
des Rhythmus und in der eigentümli'chen ginnes war längst verstrichen und die Zu-
Sentimentalität des musikalischen Aüs- hörerschaft geriet allmählich in wachsende
druckes deutlich ausgesprochen. Erregung. Plötzlich erschien der Meister auf
Franz Liszt erwies sich nicht bloß im dem Podium, trat mit raschen Schritten
literarischen Sinne als ausgesprochener zum Klavier und spielte ein hinreißendes
Freund der Zigeunermusik, sondern holte· Stück voll Glut und Leidenschaft. Vergeb-
aus ihr schöpferische Anregung zu einer lich suchte sich das Publikum über die Arl
stattlichen Serie Yon eigenartigen l\Iusik- dieses Stückes im Konzertprogramme zu in-
slücken, den „Ungarischen Hhapsoclien". Ihr formieren. Als sich nun herausstellte, daB
Urmotiv ist der Csfirclä.s der Ungarn ( oder sich Liszt bloß eine glänzende Improvisa-
der Zigeuner?), dessen Form er künstlerisch tion, und zwar über eine eben vorher ge-
vertiefte, erweiterte und veredelle, aber in hörte Zigeunerweise, geleislcl hatte, wolllc
seinen Hauptelementen, dem langsamen der Jubel und Beifall über diese wohlgelun-
,,Lassan" uncl dem schnellen „Frisko", bei- gene Überraschung kein Ende nehmen.
behielt. Er verwendete sogar diese min so Das lnleresse an clen Zigeunerweisen be-
gewonnene und von ihm ausgeprügtc Kunst- gann in Rußland in der Zeit der Regierung
form für mehrere Kompositionen anderen Katharina II. Ihr Günstling, Graf Orloff,
Genres, ja sogar bei Bearbeitungen fremder berief damals die Zigeuner aus der Moldau-
Motive, wie z. B. rnn Aljabjeffs Phantasie gegeml. In Rußland Yervollkomnmeten sich
über c.las russisch(' Volkslied „Die Nach- rasch ihre musikalischen Leistungen. Bei-
ligall''. spielgebend ward hier der berühmte Zigeu-
nerchor unter Iwan Trofimowitsch Soko-
Liszl Yersäumte auch nie wührencl seiner
low. Das Begleitinstrunient war die Gitarre,
Konzerttourneen mit den in anderen Län-
und zwar die in Rußland volkstümlichere
dern ansässigen Zigeunern in Fühlung zu
Form, nämlich die siebensailige Gitarre.
treten und ihre lVIusik zu studieren. Während
Auch dieses Instrument lernten die Zigeuner
seiner Anwesenheit in Moskau im Jahre
bald kunstgerecht handhaben, als sich ihnen
1843 *), wo er mehrere Konzerte gab, ver-
die Gelegenheit bot, es aus der Hand eines
brachlc er einen g_roßen Teil seiner Zeit bei
großen lVIcistcrs kennenzulernen.
•) ·Die nun folgenden Daten sind einem Werke des In der ersten Hälfte des vorigen J ahrhun-
russisr"!lt'n Gitari·ehistorikers\V.'Russ:'inow entnommen. clcrts lrhte in Moskau rler geniale Git:::irrisl

32
M. T. ,vyssotzkiji. Er war, was seine N alur
♦ Zeit des Auftretens Franz Liszts in Moskau
betrifft, ein Bohemien, womit die Fran- noch auf der Höhe ihrer Gesang- und Spiel-
zosen eben tlie Zigeuner im weiteren Sin11c kunsl auf der Gitarre. Die Begeisterung, in
und lockere Habenichtse von Küüstlcrnalu- welche sich der große Pianist \'er~etzcn
ren im engeren Sinne bezeichneten. So war ließ, gibt davon Zeugnis. Späterhin aber,
es vielleicht schon aus diesem Grunde ver- als bereits allerorten der Verfall der Gitarren-
ständlich, daß "'yssotzkiji den Zigrunern musik eintrat, profanierten auch die Zigeu-
und ihren Weisen ebenso starke Sy1!1pa- ner das Gitarrenspiel. Sie versahen das In-
thien entgegenbrachte wie seinem mei- strument mit Stahlsaiten und veränderten
stcrlrnftcn Gitarrenspiel. Es war naturgen1äß. sogar die Stimmung. Der Einfluß, den 'vVys-
<laß beide Teile in intime Fühlung traten sotzkiji auf diese einstigen Schüler ausge-
und hieraus ihre Vorteile zogen. Die Zigeu- übt hattc,_war zu kurz gewesen, um bleibend
ner drängten sich zu den Gitarrenlektionen wirken zu können. Das Gitarrenspiel der Zi-
Wyssotzkijis und beza!11tcn dafür schwere geune1· sank später so tief, daß es den
~lünze. Diesem aber wurde durch jene viel wenigen Kunstverständigen dieses Instru-
Anregung zuteil, welche sich in der Entste- mentes nur mehr als abschreckendes Bei-
hung -seiner zahlreichen Zigeu11erromanzen spiel diente.
kundgibt. Bis zu seinem im Jahre 18:17 er- D ic Gitarre ·gelangte in Rußland erst ge-
folglen frf1hen Tode kultivierte er das c; i- gen die J ahrhundertswencle zu intensiverer
larrenspiel der Zigeuner und hielt mil ihnen Geltung uncl dauerndem Ansehen; mit ihr
auch regelrechte Proben ab. Auch nach des auch ihr großer Klassiker M. T. Wyssotzkiji,
Meisters Tode blieben sie noch den Tradi- der hochbegabte Komponist zahlreicher
tionen ihres Lrhrers treu uncl wnren zur Lieclphantasien uncl Zigeunerweisrn.

DIE GITARRE, EINE ABHANDLUNG VON


EMILIO PU]OL
(l:'I OER ENZYKLOPADIE DER l\lUSIK \'ON DELAGR,\VE, PARIS)
VON.E. L. CHAVARRI, VALENCIA
AU!:> DEM SPA!\ISCHEN t,ßEHSE'fZT H>N OBERllAIJRAT ING. C. PETERS, Lli\Z

In cll·r in \"alcncia crsd1einl'mlc11 Zcih111;! -La~ Pr.1- länclischen Publikums dasselbe Ansehen ge-
vincias"' ,·om Oktober 1927 r1·sd1icn ous der fc,kr
,lcs hcrvorragrudtn spo11iscia·11 Kompouislen und nießen, wie die größten Virtuosen auf an-
Musiks,hrirtslellers Chnvarri 11ad1stehender Arlikel. deren Instrumenten. \Vir betonen dies, weil
fiir· die Lichhahcr der GilRrrr belilell, clcn wir hier
in dcul:•d1cr [hrrlraKung z11111 Ahclr11ck hri11f!('II. in Spanien die Unwissenheit clcr Leute noch
Eine angenehme Überraschung hat uns so weit gehl, daß sie clil' Kunst eines Gitar-
der junge Künstler und berühmte (;ilarrcn- l"isten nicht von der eines Straßensängers
virtuose hereitcl, indem er in de1· großen zu unlcrscheiden verstehen; etwa so, wie
Enzyklopüdie für i\fosik die ausführlichste. wenn man den großen }Ialer S orolla mit
zutreffendste und anziehendste Gcschichlc' einem Schnellmaler oder einem Bemaler
,·011 Tongeschirren vergleichen wollte.
der Gitarre, die je geschrieben wurde, \'er-
öffen tlichl haL. Die moderne Gitarrenkunst kommt wieder
Emilia Pujol gehört zu den Nach folgern zu ihrem Glanz, den sie früher hatte und all
cles großen Tarrega. Mit Llobet, Fortc,L dies läßt uns in überzeugender \Veise
.T. Robledo, Segovia uncl Sainz de Ja :\larn Emilio Pujol erkennen, der nicht allein ein
hal sich eine Pleyade ,·on großen Künsllern hervorragender Musiker und berühmter Vir-
gebildel, welche in der Schätzung des aus- tuose ist, sondern sich in seiner Abhandlung

33
auch als vorzü-glicher Schriftsteller und bringt Emilio Pujol aufs besle, indem er
scharfsinniger Geschichtsforscher bewährl. den Inhalt jener alten Lehren in unserer
Es sind dies unentbehrliche Voraussetzun- heutigen Notenschrift wieciergiht und in kla-
gen, um zu den Mitarbeitern der großen ren Sätzen erläutert.
Musikenzyklopädie zählen zu können. Die Gitarre hat die altertümliche Laute
Emilia Pujol hat eigentlich ein ganzes aus ihrer bevorzugten Stellung . verdrängt
Buch geschrieben. Er beginnt mit einer und wird zum Lieblingsinstrument der
historjsch-kritischen Studie über die An- hohen Gesellschaftsklassen; ,·ornehme Da-
fänge und die Entwicklung des Instrumen- men und ihre Anbeter, Fürsten und Kön igc
tes. In tiefschürfender Weise sucht er in spielen sie. Haben wir also Grund, den
den alten Dichtern und Geschichtsschrei- heutigen Musikdiletlanten beizupflichten,
bern nach dem Ursprunge jener Kunst, die welche diesem herrlichen Instrument nur
zuerst eine gespannle Saite erklingen ließ. eine untergeordnete Holle zugestehen wollen'!
Nach den Aufschlüssen aus den Papyrus- Im 18. .T ahrhunciert wird das Klavier
schriften, Grabinschriften, Wandmalereien (clavecin, clavecordio gen"annt) ein gefähr-
der alten Paläste u. a. bringt er uns die ge- licher Rivale der Gitarre und scheint _diese
schichtlichen Entwicklungen der Vorläufer in den Hintergrund verdrängen zu wollen.
der Gitarre zur Anschauung und erläutert Aber am Ende des J ahrhundcrls erlebt sie
seinen Text durch zahlreiche, höchst inter- einen neuen Aufstieg. l\'1iguel Garcia, der
essante Illustrationen. Seine Darstellungs- später Mönch wurde und als Pater Basilio
art ist in hohem Grade einleuchtend und bekannt war, hörte nicht auf, dem Instru-
wir werden Yom Autor, Yon den geheimnis- ment sein Studium zu widmen. Mit ihm
vollen Völkern des Morgenlandes mit ihrem treten in den Vordergrund des Interesses
reichen Musikleben ausgehend, zn den Ara- i\foretti, Aguaclo und der große Sor, der den
bern und von da bis nach Spnnien geführt. Übergang ins 19. Jahrhundert einleitet. Von
Er kommt sodann zu den ersten schrift- da an scheint die spanisehe Gitarre in
lichen Aufzeichnungen und Notenbeispielen Paris aufzuleben, wo sie auch heute noch
der alten Gitarrenkunst, den unvergleichli- einen großen Kreis ,·on .-\nhängern hat.
chen Miniaturen der Gesangbücher Alfonso Huerta, Fargas, der berühmte Arcas berei-
des Weisen und den Dichtungen des Erz- ten die Moderne vor, die als ihren Haupt-
priesters von Hila, und macht anschließend repräsentanten den großen Tarrega aufweist,
den Unterschied zwischen der lateinischen den Vervollkommner des Instrumentes, der
und der maurischen Gitarre in seinen Zeich- Technik und des Stiles. Eine neue Kunst
nungen anschaulich. ersteht mit unbegrenzten Horizonten.
Es kommt das Zeitalter der Renaissance In nächster Folge treten alle die großen
und mit ihm ein unschätzbares Buch: La Künstler der Gegenwart auf, ,·011 denen Pu-
declaracion de instrumentos de Bermuda jol einer der hervorragendsten Repräsen-
von 1555. Es ist dies eine Abhandlung über tanten ist.
Musik und über Instrumentation in kasti- Aber Pujol tut mehr: er spricht nicht nur
lischer Sprache, mit höchst wertvollen Be- über schaffende und a.usübende Meister und
merkungen über die Vihuela, die Gitarre, Virtuosen, er teilt uns ihre ~Icthoden mit
ihre Akkorde und Spielweise mit einer und die Auf gaben, die sie sich stellen. Er
Randzeichnung, auf welcher die Stellungen spricht ferner über berühmte volkstüm-
der Finger. angegeben sind. liche Männer oder Künstler der Gitarre. Er
Von da an folgen die weiteren l\fosik- erläutert bis ins kleinste Detail das Instru-
traktate, deren Darstellungsart jedoch nur ment und seine Bauart (mit lobender Her-
ein Meister, der in alle Geheimnisse einge- vorhebung der Valencianer Schule) in durch-
weint ist, entziffern kann. Und dies voll- aus wunderbar klarer, anschaulicher und

34
stets fesselnder Weise. Er gibt uns sodann
♦ Und so gibt er uns einen umfassenden
eine methodische Abhandlung der gitarri- Begriff von dem \Vesen des herrlichen spa-
stischen Technik, ausgehend von der Hal- nischen Instrumentes, indem er uns zeigl,
tung des Instrumentes und der Hervorbrin- daß man es als ein wahrhaft polyphones
gung der Töne bis zu den Funktionen der Instrument betrachten kann, in welchem
einzelnen Finger und den verschiedenen sowohl dle alt~n Menuette, Sarabanden und
möglichen Klangwirkungen. klassischen Werke, als auch die neuesten
Schließlich ,·ersteht es Pujol, die volks- modernen \Verke ihren neuen und originel-
tümlichen Spielweisen mit ihren besonde- len Verkünder finden.
ren Effekten der wissenschaftlichen Be- Dies ist die Dankesgabe, die in so
lrachlung zu unterziehen: den Stil der Zi- meisterhafter Weise Emilio Pujol in der
geunerweisen, der arragonesischen und an- berühmten französischen Musikenzyklo-
derer mehr, soferne sie künstlerischen ·wert pädie Yon Delagrave unserer Gitarre dar-
besitzen. bringt.

CARLOS PEREZ DE NANCLARES


VON P. VAN ES, ROTIERDAM
AVS mm HOLL~NDISCHEN (.'ßERSETZT VON HERMINE ORTNER, \\'[Ei\

Dieser noch junge Gil arrenbauer, gewese- Gitarristen isl eine \"Olle wohllautende Gi-
ner Lehrling (Schüler) von Ramirez in Ma- tarre alles und wir bewundern den
drid, -- er wird in Spanien und Frankreich Künstler, der ihr schöne und gefühlvolle
angesehen als der neue Stern am Gitarren- Töne zu entlocken versteht. Aber ist das
himmel, dessen Gitarren sich durch S,:mori- eigentlich nicht elwas egoistisch, ist der
lät, welche nach dem großen Gitarrenbauer Bauer so eines schönen Instrumentes ein
.\ntonio de Torres nicht mehr gehört wurde, nicht ebenso großer Künsllcr? Carlos Pe-
auszeichnen. i\Iit Recht wird er daher auch rcz de Nanclares ist das sicher und vor
mit diesem gleich gestellt. allem, indem man in seine einfache \Verk-
\Vir hatten Gelegenheit, eine seiner Gitar- statt tritt und die Beschreibung anhört von
ren für 2500 Francs (Eigentum von Emilio dem Bauen des Halses, das Spannen (Zie-
Pujol) zu sehen und Yon diesem spielen hen) des Rumpfes, die Bearbeilung des
zu hören und waren ebenso wie er nicht Griffbrettes, des Schneidens der Rosetten.
nur verwundert über die große Einfachheit, Alles wird so sauber und mit großer Ge-
doch nichlsdestoweniger schöne Arbeit, nauigkeit gearbeitet, daß man voll Bewun-
aber auch über die Sauberkeit, die Tiefe derung ist und man versteht die nahe Ver-
in den JHssen, clen hellen sonoren Klang bindung zwischen dem Gitarrenbauer und
in clen hohen Saiten. Das angenehme und dem Gilnrrenkünsller; dann begreifen wir,
leichte Greifen am Griffbrelt, sowie die daß der Bauer ebenso begeistert sein kann
reine Innenausrührung waren ein Beweis, beim Hören des schönen, tiefen und wohl-
daß eiern eine besondere Herstellungsweise laulenden Klanges des Instrumentes als wil·.
zugrunde liegt. Ein Vergleich mit Puj ols Denn es ist immerhin sein \Verk, seine
berühmter Torres - Gitarre fiel ganz sicher Fachkenntnis liegt ihm zugrunde, und man
nicht zum Nachteil der von Nanclares aus. weiß dann nicht, wen man mehr bewundern
·wir wurden eingeladen, einen Besuch in muß, Emilio Pujol, den Gitarrenkünstler,
seiner \Y crk~täUe zu machen (144 -Rue de oder das Genie des berühmten Bauers
Foutcnay lc vincennes, by Paris), wovon Carlos Peres de N anclares.
wir gerne Gebrauch machten. Für uns

35
DER ABSTIEG DER GITARRE
VON H. JORDAN, VORSITZENDER-DES BERLINER GITARRENLEHRERVEREINS (E. V.)

·Der Deutsdi.eMandolinen-undGitarrenspieler- wieder zu einem Musikinstrument zu mat.hen.


Buud hielt vom 7. bis 11. Sept. 1928 in Berlin sein umsonst, war alles, was Künstler und Virtuosen,
5. ßundesfest ab. In der Festsd1rift, die aus Anlaß Kompor:iisten und Sdi.riftsteller für die Gitarre
dieses Musikfestes herausgegeben wurde, stehen gearbeitet haben nnd zu ihrem Aufstieg beitrugen,
im einleitenden Artikel die Worte Goethes: ni.tr dazu da, um sie wieder auf das Niveau einer
Immer strebe zum Ganzen,
Wandervogelkunst oder noch tiefer herabsinken
und kannst du selbst ein Ganzes nicht sein, zu lassen?
als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes Man sehe sich den Gital'L'enpart iq~end eines
Dich an. alten Kammermusikwerkes an und man wird
In weld1er Weise diese Worte Goethes nun in selbst bei den einfachsten und bescheidensten
die Tat umgesetzt werden sollen, zeigt uns ein Stiicken die Gitarre als ein Musikinstrument
Artikel in der Bundeszeitschrift vom 1. Sept. 1928, behandelt ~ehen, denn jedes Zusammenspiel er-
Heft 9. Der Verfasser, CarlHenze Berlin, stellt erst fordert nidi.t nur eine gewisse Tedi.nik, sondern
einige Betrachtung~n darüber an, was alles not- aud1 einen gewissen Grad von musikalisd1em
wendig ist, um ein Gitarrensolist zu werden und Wissen. Die Einprägung aber von Grifftypen,
empfiehlt einige Studienwerke und die Albert- mi.ige es eiu Dutzend oder mehr sein, hat nid1ts
schule, mn gleich. darauf hinzuweisen, daß e1· eine mil der Musik zu tun, und kann allenfalls als eine
andere Schule benützt, und zwar die Carullisdmle, turnerische Leistung a·ngcsprod1en we1·den, die de11
Ausgabe Riihle. fü beklagt sid1 wcite1·, daß die Spielem etwas vortäuschen, sie aber nie dazu
Spieler, die sich dem Begleitspiel widmen, selten befähigt, Musik zu·mad1en.
iiber vier Kreuze und ein b hinauskommen und Der Artikel trägt den Vern1erk: ,,Nad1clrnd,;.
-daO. de1· 1'.omponist, der fiir cirr ~landolinen- verboten·'; dieser Verme1·k war überfliissig, denn
ord1ester sdu·eibtoclereinrid1tet, auf diese geringen kt•iner ernst zu nehmenden Zeitschrift wird es ein-
Kenntnisse und das geringe Können de1· Spieler fallen, einen Aufsatz abzudrucke11, der fü1· die
Rücksicht zu nehmen gezwungen ist. Man soll nun Citane beschi:iinend ist.
meinen, es wiirde den Gitarrenspielern nahe gelegt Es gibt nur ein Mittel, den Tiefstand des
werden, sich etwas ernsthafter mit demlnstrwnent Gitarrenspiels in den Mandolinen-Ord1estern zu
zu besd1äftigen, es wfüden Studien und Sdrnl- heben, durch. g:ründlid1en Unterrid1t und ernstes
werke empfohlen werden und ein Hinweis auf die Studium, denn ohne ein wirkliches Kiinncn ist ein
Bedeutung der Gitarre als Musikinstmrnent er- Musizieren selbst in den besdi.eidenstcn Grenzen
folgen. Statt dessen we1·dcn aber Eselsbriicken u111nöp:lid1. Eselsb1·iid~e11, wie Grifftypen soll aber
gezeigt. Es werden einige Grifftypen aufgestellt, jeder ernste Musiklehrer vermeiden. Audi die
die die Lüd,:e, die der Kompouist empfindet, aus- Aufgabe aller Zeitschriften, die zm Helnwg und
füllen sollen. Ist das die ganze Weisheit, ist das \-' crbreitung der Volksmusik beifragen wollen,
der Weg, dem Komponisten und den Spielern die sollte es sein, immer wieder die Notw.endigkei t
Möglichkeit als dienendes Glied sich als ein einer ernsten Besd1äftigung mit jedem Instrument
Ganzes anzusdiliefieu? Ist damit dem iibelsten zu betonen, das aud1 der Volksmusik dient, und
Dilettantismus abg;eholfcn, den sowohl die Leiter soldi.e Artikel zu vermeiden, die ein Instrument
der Verbände als auch die Spieler zum Teil selbst in seinem musikalisd1en Werte herabsetzen und
empfinden? mu· dazu dienen, dlll'dt eine Vorspiegelung von
War die ganze Arbeit von nunmehr 30 Jahren Erleichterungen und Eselsbrücken Schiilel' anzu-
vu11 diesem Grifftypensystem zu bdreie11 und sie locken.

36
GITARRIST ISCHE RUNDSCHAU
KONZERTNACHRICHTEN und feinem Einpassun,gsv.ermögen kennen, der uns
viel für. die Zukunft zu versprechen scheint, ·wenn
11'/EN.
es ihm gelingt, die Gitarre durch liebevolle Pflege · zu
Segovia in Wien. Wie oft man auch Segovia hört, künstlerischer Gestaltung zu verwenden. Alles in
immer wieder ist man hingerissen von der Eleg:1J1z al-lem war es ein genußreicher AbencL G. /II.
seiner Technik und der Stimnmn,gsmäßigkeil seines
Spieles. Man könnte schliefüich darüber streiten, Schönbauer-Quartett.
ob nicht diese und jene Komposition strenger u1Hl
kühler zu spielen sei, weniger auf Stimmw1g hin, dem Wir hatten t'rst kürzlich GelQgenheit, dieses ;\Ian-
Merkmal der Romantik uncl Impressionisten. Dieses clolinen-Künstlerquartcll zu höreu. · Die fein :ms.ge-
Bedenken taucht erst nach dem Konzert auf, wenn arbeiteten Stimmen boten ·sowohl dem Kenner wie
wieder Zeit ist zu g·ründlichem, musikalischem über- musikverständigem Laien eirien se!Lenen. Kunstgenul.l.
legen. Im Konzert selber ist die Kraft, die von Se- Wenn man ins Auge faßt, daß diese Instrumente
govia ausgeht, so groß, _daß nian ,·on den Ein- einen schal'f umrandeten Teil in der Musik selbst
drµcken, die es uns gibt, völlig gefangen ist. Jede darstellen, so muß man niil Achtung der · Inner-
Komp.osilion ist in das undcfinierbart' Fluidum einer lichkeit wie der Wärme der Empfindwtg gedenken,
Stimmüng getaucht, welches wohl darum so bl'- mit der die einzelne~1 Stücke· iw· Dal'slellung ge-
zwingend ist, weil wie es vom ersten bis zum letzten bracht wurden. Die Ausführenden, Rosi Schönbauer I.,
Takt jede :\'otc gleichmäßig durchdringt, nie nach- Grete Pazal II. :\fandoline, Josef Peschek, :.\landolu,
läßt. Alfred Pficl, Gitarre, standen d11rchwegs auf tech-
Segovia durchdringt auI seiuc Weise uie :.\lusik. nisch vollendeter Höhe. _.:. S _.:.
Täuscht er uns aber niehl Feuerwerk vor? Sicher
Musiksendungen der ,,Hauag", Wien. In einer
nicht; denn trotz cles Einwandes, man könnte die
kurzen Rückschau auf das \Veihnachtsprogrnmm sind
Sachen anders spielen, bleibt doch Srgovias \'orlrag
znnä_chst der alten Tiroler Weihnachtslieder zu ge-
riclleicht ~crade wegen seiner Eigenart als u11a11-
denken, die Hcrmine Orlner zur Laute sa;1g. Ihre
laslliches Erlebnis haften. Das wiederum kann man
rnlltöni.ge Singweise, die Stilechtheit, mil der sie
gestehen, weil sich in ihm ein Musiker offenharl.
diese alten Lieder sang. erfreuten den Hörer ebenso,
L.
wie die ganz vorzügliche Aussprache des Textes.
Liederabend .-l<lelheid Berg111a1111.
Auch das Konzert des Wiener Mandolinen-Orche-
Mit einer geschmackrnll rusamml'llgestclllcn \"or- sters „Polyhymuia" untC'r Leitung von Professo1·
tra.gsfolge stellle sich clil' Wiener Lautensängerin R. Glikh und Kapellmeister V. Hladky jun. sei mi1.
/1.delheid Bcrymu1111 iiiren zahlreichen Freundeu und ..\ncrkennun.g für die sehr aehlenswcrte Lristung
Verehrern in der Wiener UI"ania Yor. Slarkcs Ein- erwähnt.
fühlu11,gsvern1f>gen und rc.incs Stile111pfi11cle11 offen- Der unermüdliche Dirigent Hans Ortmaun (Ar-
hal.'tc sie bcson.den; in den rrnsten G!'süngen. dii• lleiler-:\landolinen-Club) brachte r.bcnialls ein inter-
tlurch Komposilio11cn Yon F. Tl.'aunl'r. (;_ :.\Ioißl, l'ssantes Programm im Wiener Hundfunk. D. 11-'.
H. Tlüenemann, H. Hosenber,g, Th. l\illmanrn;berger
,·ertrelen waren; t·inigc Eigcnko111pusilio11cn fügll'n Das Alt-Wiener Kammerqllarte/t [(rones mit Frau
sich glücklich in den Rahmen des Ganzen. ßcsouclcrc . llanna Krones (Gei.ge). Frl. Erika Kahr (Geige),
Begabung Zl'igtc <.lie Kunslleriu wieder für die hrilcre I lerrn Max Klcinheuu (Harmonika) und Felix Kr-,:mes
:'\"ote. Sie versteht es au.sgezeichne.l. Humor und (Gitarre) halle bei der Feier des Penklubs zu Ehren
Laime, SchalkhaJLi,gkeil und Neckerei in jener un- des Bundespräsidenten a. D. i\Iicha.el · Hrunisch am
3. Dezember 1928 im Hofbm~gsaal mit dem Vortrag
t aufd1·i11,glichen Arl zum Ausdruc-k z.u bringen, die sich
geschickt von Possenrcißerei und gemachter Lustig- ,·on All-Wi.cner Wrisen (Beethoven: Menuett aus
1.
keit fernzuhallen weiß und gerade dadurch stärkste ,,;-.1qdli.11-g;cr Tänze", alter Wiener Tanz, Lanner
\Vil'kuug erzielt. Die Wirkuug wäre kaum geschmfllerl Schönbrn1111er Walzer) rinen sehr schönen Erfolg,
worden, wenn die Künstlerin auf jede Kostümierung, der i.i1 der Tagesprcssr volle Anerkennung fand.·
die nur zu leicht an Variete und Kabarett t'rinnert, Bei dem großen Gesellschafts.konzert der „Con-
rnllstiindi,g verzichll'l hiHte. In Hein: Rcznek, der mit cordiu" am 25. Dczcmbrr im großen Musikvereins-
Adelhcid Be.r,gmaun eine Heihe von Duetten sa111-:, saak errang das ausgezeichnete Alt-\Viener _Kam-
lernten wii· einen Sänger \'Oll kultivierter Stimme me.rquarlell neuerdings Ei-folg bei Publikum und Prtt-S!;t'.
Die Gifarre1ruirtuosin lda Wunderer wirkte am
♦ Spieler mit meislerlicher Sicherheit. Abwechselnd
3. No~·ember 1928 bei einem Mandolinenkonzert im rassig und sehnsuchtsschmachtend ·. der SJ>anische:
Thalia-Thealer . mit und braoehte ein geschmackvoll Tanz Broquas, Dur- und Moll-Wechsel, nationaler
zusammengestelltes Programm mit erstaunlicher Ma- Anstrich. Im Rubato der Flageolettöne-Aufputz sauber
nier zu Gehör. Die Künstlerin, die mit ganzer Hin- gebracht, zündele der Vortrag. Dais hastige Geplauder
gabe musizierte, verfügt über Farbenreichtum ~nd eines Alle.gro von Torroba gelang in schöner· Licht-
Klangfülle, die so orchestral nll'r bei großen l\leislern und Schattenverteilung, agil die Fi[!.gerlechnik, die
zu hören ist. Ihr wunderbares Spiel, das bald mäch- Bringung der weichen Harmonik. Dankbar eine
tig, bald zart u-nd von größter P1·äzision ist, der ,,Etude brillante", die l\Ielodieführung im Baß wirk-
sinnlich schöne Ton, die perlenden Läu.fe und nichl sam betont. Die Arbeiten des in der· spani~chen
zuletzt das exakte Tremolo, riß das Publikum zu Musikgeschichte bekannten Albeniz erfordern höch-
einem Beifallssturm hin, der nicht nachließ, trolzdem stes Virtuosentum; schwierig, die reich verziert•!II
sich die Künstlerin mit wiederholten Zu·gaben be- ~[elodieranken zu bringen, die Doppelgriffe. In der
dankte. Bearbeilung zweier volkstümlicher katalonischer l\le-
lodien zeigte Llobet Geschmack und Geschick. Hübsch
Im Festsaale der BezirksvertretuI1g IX veranstaltet<'
das von wiegender Begleitung umspielle Thema.
die Musikstelle des Bildungsvereins „Bildu11gshorl''
„Corranda" (ein katalonischer Tanz) von Grau:. eine
am 21. Oktober 1928 eine gelungene Akademie, bei
Weise wird bald in beweglicher, bald in ruhiger
der unler anderem auch die Gitarrensolistin Jda Wun-
Ausschwingung abgewandelt. Alle· Schleusen seines
derer mitwirkte. Die J{iinstlerin, hervorgegangen aus
fabelhaften l{önnens öffnete der Künstler in seiner
der Gila,rren-1\lusikschule Ortncr, zeigte in ihrer Auf-
Eigenkomposilion „Jota" .. Anschlagszauber, wirbelnde
fassung feinsinnige l\lusikalitiit und verfügt auch über
Fingertechnik, alle bravourösen Kw1stslücke wurden
eine ganz au·sgezeichnete Technik Nebst We1·ke11
ins Treffen geführt. Dem Gasl wurde frenetischer
von Sor, Albert sei besonders eine .,Phanl:isie \'Oll
Beifall gezollt. Die Linzcr waren in geringer li:op.f-
Pinas" hervorgehoben. die im großartigsten Slil rnr-
zahl erschie11e11, sie blieben claheim und hörten -
getragen wu•rde. Das begeisterle Publikum er1.wang
Radio. -ä-
sich einige Zugaben.
1,\'NSBRUCK.
Die Sologilarristin lda Wu·nderer wirkle bei dem
Konzert des Mandolinen-Bu-ndes XII (Dirigent H. Orl- Giturrc11J.:011:erl Migucl Uobcl. (Konz~rldirektion
mann) am 1. Dezember 1928 im neut•n Saal der Hof- .Juha1111 Groß.) Llouel tcill siel1 mit SegoYia in uic
burg mit und brachte einige Piecen mit ,·icl Musi- unbestrittene führerschaft im Reiche der Gilarren-
zie:rfreude zu Gehör. Sor: ,,Menuett··. Terzi .,Pasto- Yirtuosen; wenn wir uns an das erste, rasch auf-
rale', Tarri:ga: .. Tango" seien bcsomlers erwähnt. Die l'i11anderfolgende Innsbruckci· Auflreten dieser beiden
Slücke zeigten gulc Ant'assung, feine ~[usikalitäl um! genialen Künsller erinnern. so schien damals bei
gediegene Technik. Die Künsllerin halle Gelegenheit, gleicher Höhe der Technik Segovia der ~lann der
sich mit einigen Zugaben für den herrlichrn Beifall klassischen Vollendung: Kein Ton, der nicht - ,·011
zu bedanken. H. 0. allen Schlacken drs Anschlags gereinigt - ein Höchst-
maß an Ausdruck und Klang darstelllc; Llobet hin-
LINZ.
gegen, der temperamentbesessene Draufgänger, dem
Ura11ia: Gitarrist Professur Llubet. Ein inlernatio- es nichts verschlägt, wenn einmal ein Ton „scheppert".
naler Ruf .ging dem Spanier Llobel voraus. Die Er- Oder auf die Götlrrwell übe1·tragen: Dort Apoll, hie
wartungen wurden übertroffen. Ein reiferer Künstler Oionys.os!
seines Instrumentes war in Linz bisnun nicht zu Xun kam Llobel wieder: Fasl schien eJ· uns erst
hören. Er eröffn'ele mit einem l\[enuett und zwri el was müde, - doch man slellte gleich richtig: Blol.\
Sludien Fernando Sors (.gleich Llobet aus Barcelona beherrschter geworde.n, gebändigler in der Führung
gebürtig), daran reihte er das Andante aus der F-dw·- der Trmperamenlsall'sbrüche, der Orgien des spani-
Sonate von l\fozart und „Souvenir de l'Alharnbra" sche11 kapriziösen Rhythmus'. Noch flüssiger seine
aus de:r fruchtbaren Feder des Kalaloniers Tärre.ga. Passage11 1 lmllivierler seine Dynamik, Yerfcinerler
Zu loben die exakte Melodieheraushebung, die flüs- sein Anschlag, glockenreiner seine Flageoletls, stu-
sige Begleilung und feine Abtönung. Heikel eine Sa- pender seine Gesamtleislung.
rabande von· Ba,ch; in der schnellen Kanlilenenfilh- Die Vortragsfolge euthiell neben mancherlei Be-
run,g trat selten ein Haspeln ein, ungemein duftig kanntem auch einige neue Stücke; die· einen wert-
wurde das Piano arutgetragen. In freier, moderner vollen Zuwachs der Gila.rrenliteralur darslellen: Von
Zeichnung gehalten des Franzosen Samazeuilh (ein ersteren seien genannt eine cnlzückende Bearbeitung
Schüler d'lndys) Serenade, gefühlsmäßiger Anstrich, \'OU ~Iozarts „Don Ju·an" (Glockenteine!), ein Preltuk
eine strichlierte, kurzatmige Schreibweise (a la Puc- von ßach clwas spanisch beschwingt vorgelragcn,
0

cini). Die ungemeinen Schwierigkcilen bewältigte der S lücke vo;1 Sor, · Aguado, Tarrega, Granatlos, Broqua

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und andere, von letzteren an erster Stelle ein Thema
♦ D-moll-SuHe für GitarrensoLo (Org.) ganz im Still-
mit Variationen von Ponce, gleich interessierend jener Zeit erklingen, wo an die Gitarre solistisch in
durch moderne Harmoniefolgen, gehäufte rubati und Bezug auf Musikalitäl und Spieltechnik hohe Auf-
ritardaridi und einen raffinierten Schlußakkord gaben gestellt wurden. Mit Bewunderung konnte hier
( e-gis-h-dis !) , weiter eine schmissige, geiistreichr die sich stets steigernde Kunst des Herrn Scheit ver-
Evocation argentine von Broqua, ein fedrrnder dansc folgt werden. Mit dem „Lento maestoso et allegro
brasilienue voq Villa Lobos, ein überschäumender appassionata", einem \Verke in Sonatenform, konnte
Fandauquillo von Torroba. Alle in diesen einzelnen sich Herr Schaller hier als Komponist ei~führen.
Stucken verteilten Kniffe und Hexenkünste faßt wie Die Geschlossenheit des Ganzen, sowie· die musik'.1.-
in einem Brennspiegel nochmals zusammen Llobets lische. Durchführung der Themen und die oft rechl
eigenes \Verk, das den Abend beschloß - oder besser ansprechenden harmonischen Feinheiten sprechen für
beschließen sollte - das Jota: da war Llobet der das \\"erk, das gerade in dieser Zusammensetzung
„Paganini der Gitan-e"; der Hexenmeister, der alles (Violine und Gitarre) seinen schönsten Ausdrur-k
in seinen Bann zwingt, l\faterie und Menschen! findet. In F. Rebays „Menuett" und in der gläuzendPn
Die zahlreiche Gemeinde der Gitan-isten ertoste, Phantasie in E von J. Vinos, die sowohl musi-
erbettelte, ersturmte ni.cht weniger als vier wohl- kalisch als spieltechnisch allerhöchste Anfonk-
gemessene iugaben, die der Künstler mit wissendem rungen slellt, kam Herr Scheit vollends als beach-
Lächeln liebenswürdig und freigebig bewilligte. Ein Lenswerter Solist zw· Geltung. Das im letzten . Teile
Teil der Hörer allerdings dankte dem Künstler diese eingelegte Tremolo ist fließend und von bcstrickf!n-
Freigebigkeit durch rücksichtsloses Slühlegerassel, das der Wirkung im Klange und ist in der Wiedergabe
an-eh nach Beginn eines Stückes nicht haltmachte: eine Seltenheit allerhöchster Anschlagskunst. Die
wie wäre denn für diese ein Vortrag in der Urania spanischen Tänze von :\Ioszkowski für Geige nncl
oder sonstwo über Konzei-tsitten, die schon bedenk- r,itan·e waren der Schluß des :"tußersl hochwerti.ge11
lich im Schwinden begriffen sind? Derartige Cnsiltr11 Konzertes, dem ein dankbares Publikum herzlichen
mehren sich; es wäre hoch an der Zeit, piirlagogisch,· 13eifall spendete. A. Falk.
Mittel zu ergreifen. (;s

BR.4UNAU. VON UNSEREN KUNSTLERN


Konzert der lnnuiertler Ktinsllergildc. Am 1. De-
Das .•1ll-Wiener Quartel( ,_.Reisner" hat den be•
zember 1928 fand im Sladllheater das 8. Wanrltr-
konze.rt de·r Innvi.erller K ünstlergildc stat l. wobei clas kannten Gitarrensolisten \\'alter Endstar/er für den
Gitarrenpart gewonnen.
akademische Violin-Gitarren-Duo Schaller und Scheit
wundervoll zur Geltung kam. Mit der Sonate op. ;i
von Coi:-elli, dem Begründer unserer heutigen Geigen- Das Wiener akad. Quartett gibt im .Januar d . .r.
lru,□ st, wurde der Abend sehr s~hön eingeleitet. Die in der Urania einen Gitarrenabend.
Bearbeitung . für Geige und Gitarre ist rnn Schaller
slilgerechl und geschickt im Geschmack der Zeit Gedeon Rosanelli, Graz, veransta:ltet in:i Frühjah1·
( 1653-1713) durchgeführt, wobei das damalige Cla\;- cl. J. in Wien einen Gitarren-Liederabend.
zembalo durch die Gitarre wunderbar ersetzt ist.
und die ursprüngliche Klangwirkung Yiel besser Die italienische Gitarrenkünstlerin Rila Brandy,
wiedergegeben werden kann als mit den heutige11 die Yor sechs Jahren zum erstenmal in Wien gespiell
tonstarken Klavieren. Gerade dieser \"orzug kommt halle, beabsichtigt im Frühjahr 1929 in Wien zu
Yielen BearbeitW1gen Schallers zugute, weil durch konzertieren.
die Klangfarbe Stil und Geschmack jener Zeit mehr
gewa.hrt bleiben.· In dem F-Sor-Menuetto, op. 11. und Der berühmte Mandolinen virtu.ose Silvio Ranieri
de1· katalonischen Volksweise von dem spanischen wird im Februar d. J. in einigen Slädlen Osterreichs
Gitarrenmeister Mi,guel Llobet konnte Herr Scheit konzertieren. Anfragen betreffs Durchführung det·
Proben großer Gitarrekunst und seines formrnll- Konzerte an die Zentralstelle der österreichischen
endeten Spieles geben. In den Variation.eo von Sor Gi tarre-Zeitschrifl.
über ein Thema von Mozart ließ Scheit himmlische
Klänge mozartscher Kunst erklingen. Im Zusammen- Im Dezember 1928 trat der führende Gitarrist der
spiele wieder wußten Schaller und Scheit das be- Schweiz, Hermann Leeb, im Radio Zürich mit einem
rühmte Menuett Bocherinis, Schumanns „Träumerei•'. Soloprogramm auf und brachte auch das Schubert-
sowie das Charakterstück „Die Jagd" \"Oll Cartiers Quartett zur Aufführung. Gemeinsam mit seinem
mit erstaunlich feiner Durcharbeitung wiederzugeben. Bruder spielte er einige Gitarrenduette. Im Januar d . .J.
Die Begleitsätze sind von Schaller geschrieben. Im konzertiert Leeb im Radio München und wird sich
zweiten Teile . hörten \\-ir Robert de Vises (168fi) im neuen Jahr auch in Osterreich hören lassen.

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Einige. Kompositionen Hermann Lee/Js, die eine
♦ schätze aus dem 16. und 17. Jahrhund·ert zu studieren.
,.,,erlvolle Bereicherung der Gitarren-Sololiteratur dar- Drr Zweck der Heisr war nicht ein öffentliches Kon-
stellen, sind handschriftlich durch die Zentnlstelle zert, sondern die Erholung nach der Yollendeten
der österreichischen Gilarre-Zeitschrift zu beziehen. Yorjährigen Tournee durch Europa, diC' mit de111
Konzert in London am 3. Dezember v.J. einen gliinzenden
. ·Agnes. Delsarlo gab am 25. Dezember 1928 in Abschluß gefunden hatte. Trotz dieses Inkognitos. ge
langes den begeisterten Freunden des M_eisterpaares ein
Lei'pzig ihr 125. Konzerl als Lautensängerin seit
öffentliches Konzert im Perez-Galdos-Theatcr in Las
i'hrem Weggang von der Bf1hne 1924 ..
Palmas einzuleiten, das ein vollbesetztes Haus und
begeisterte Anerkennung einbrachte. Wir behalten uns
Edith Steinbauer (I. Geige), 1/. Fleischer (II. Geige), vor, die vorbereiteten interessanten Artikel gelegent-
Ing. K. Fleischer (Harmonika); J. Klepschis (Gitarre) lich in Übersetzung zur Kenntnis zu bringen.
gaben in der Urania eineri Wiener Musikabend.
BESPRECHUNGEN
Der Konzertsänger zur Laute, Engelbert W eeder
(Reichenberg in Böhmen), hat in einer Reihe von Pujol, Emilia: _Bibliotheque de musiquc, ancienne
Lautenliederabenden schöne Erfolge erzielt. Das et modernelpo,w· guitarc. Editions i\Iax Eschig, Paris.
deutsche Volksiied findet in seinen Vortragsfolgen Diese Ausgabe aller und neuer Musik für die
stets besondere Berücksichtigung. Gitarre ist sehr begrüßenswert. Sehr interessant sind
die Stücke alter spanischer Vihuelisten des 16. Jahr-
hunderts (Vihuela, vom lat. Vitula [Fiedel], eine Be-
Im Festsaal des Technischen Museu1ns veranstaltet zeichnung für bauchige Saiteninstrumente im allgc-
Josef Haubenberger einen Kompositionsabend unter mein.en -w1d Lau-teninstrumente im bes011deren). Diese
Mitwirkung der bekannten Lautensängerin Else Hoß- allen Meister der Laute erkannten bereits, daß ihr
Henninger. Instrument sowohl der Harmoni-e als auch der Me-
lodie gerecht werden müsse und gaben somit überall
Der Seniorchef der Musikverlage Anton J. Ben- der Polyphonie möglichst grolkn Spielra,um. Die
jamin und D. Rahter in Leipzig und Hamburg, Herr spanische Schule ist auch in Bczu,g atü die Gitarre
John Benjamin, beh•ing am 17. N9veml..Jer 1928 seinen den allen Traditionen treu geblieben, während die
GO. Gebm·tstag und feierte gleichzeitig das 40 jii.hrige italienische Schule nur mehr die harmonische Seite
Jubiläum als Inhaber seiner 1-irma, die auf ein berücksichtigte und somit die Gitarre zum unselb-
110 jähriges Bestehen zurückblicken kann. Der Ver- st,ind1gen Degleitinstrument herabsetzte.
lag Benjamin hat auch zahlreiche gilarristische Emilio Pujol bringt auch dadurch die Werke jenrr
Werke auf den Markt gebracht. alten Meister unserem musiikalischen Empfinden näher,
daß er es bei der bloßeJ1 Obertragru.ng für die moderne
Emilia Pujol - .Mathilde Citeroas in Las Palmas - Gran Gitarre nicht bewenden läßt, sondern auch die Stücke
Canaria. Ober denAufenthalt unseres verehrten Künstler- mit einem von feinstem Geschmacke entworfeuen
paares in Las Palmas sind uns mehrere umfangreiche Fingersatz versah, mittels dessen es dem Spieler er-
Zeitungsartikel von dort zugekommen, in welchen so- möglicht wird, reiche Nuance 1111,,d Farbigkeit zum
wohl das überaus lebhafte Interesse der dortigen, die Ausdruck zu bringen. ,ll. B.
Presse beherrschenden kunstsinnigen Kreise ft1r die
Gitarrenkun.st im allgemeinen, als auch die hohe Wcrl-
schätzung der künstlerischen und musikwissenschaft- AUSKUNFT
lichen Leistungen des Meisters und seiner Gattin zum Bitte an 1111sere Abonnenten: Wir bitten alle De-
Ausdruck kam mt. Pujol - Cuervas kamen nach Las zicher unserer Ze-itschdft, die mit de1· Rezu,g.sgebflhr
Pnlmas, um dort bei Verwandten die Weihnachtsfeier- im Rückstand sind, um baldige Einzahlung de!'
tage zuzubringen und um die in den Archh·en der Rez,uigsgebühr, damit in der Zusendung unserer Zeit-·
berühmten alten Kathedrale sorglich gehüteten Musik- schrift keine Unterbrechung eintritt.

VORANZEIGE!
Am 9. Februar d. J. im Festsaal des Industriehauses, Wien, I. Schwarzenbergplatz

KAMMERMUSIK -ABEND
Ausführende: Frl. Slezak (Mandoline), Herr Leeb (Gitarren-SolÖ), das Gitnrren-Streiehqunrtett Ei-win Sd1nller.

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D A s L I E D
-
,,STILLE NACl:(T, HEILIGE .NACHT."
VON DR. ANDREAS WEISSENBÄCK, \VIEN

Zu \Veihnachlen tles Jahres 1918, als die posilion cles Weihnachtsliedes .,S tillc N·achl,
spärlichen vor dem Moloch des Krieges ge- heilige Nacht·". Wir entnehmen seinem
reltelen Glocken nach vierjährigem Völker- Wortlaut ausdrücklich, daß dieses Lied im
morden wieder als Friedensglocken das „Et Original für z,,;ei Solostimmen, Clior·· und
in terra pax hominibus" der Weihnacllts- Gitarre gesetzt war. Daher dürften misere
liturgie einläuteten, feierte eines unserer be- Leser einer kleinen Erörterung der Entste-
liebtesten deutschen vVeihnachtslieder, das hung und der Schicksale desselben einiges
,,Stille Nacht, heilige Nacht" seinen hun:.. Interesse entgegenbringen.
dertsten Geburtstag. Und zwar auf den Tag Zunächst einige \Vorte über die Autoren
genau. Denn am 24. Dezember 1818 wurde des Liedes. ,,Stille Nacht, heilige Nacht"
es von Franz Gruber komponiert uncl noch wurde in so kurzer Zeit derart populär, in
in der Weihnachtsmette derselben Nacht solchem :Maße zum wirklichen Volksliede,
in der Pfarrkirche in Oberndorf zur ersten so schnell ging es von Muild zu Mund, daß
Aufführung gebracht. Der Komponist selbst man balcl gar nicht mehr nach clci1 Namen
berichtet darüber: seiner Schöpfer fragte und es als vorhanden
,,Es war am 24. Dezember des Jahres 1818, hinnahm, wie man eben ein Volkslied auI-
als der damalige Hilfspriester, Herr Josef nimm t. Uncl als man begann, nach dem
Mohr, bei der neuerr1chtcten Pfarr St. Ni- Ursprung des so beliebten Liedes zu for-
cola in Oberndorf dem Organistenclienst ver- schen, da konnte es auch geschehen, daß
ti-etenden Franz Gruber (damals zugleich sogar N aüien genannt wurden, die in der
auch Schullehrer. in Arnsdorf) ein Gedicht Musik höchsten Klang haben, ein Zeicl1en,
überbrachte, mit dem Ansuchen, eine hier- wie sehr man das Liedchen schätzte. Keine
auf passende Melodie für zwei Soloslimmen Geringeren als Beethoven, Michael Haycln
:-;amt Chor und für eine Gitarrebegleilung und Aiblinger erscheinen da!
:-;chreiben zu wollen. Letztgenannler über- .\nclerseils wurde in der „SalziJurge1· Chro-
brachte am nämlichen Abend noch diesem nik" im Jahre 1873 behauptet, der Dichter
musikkuncligen Geistlichen gemäß \'erlangen, cles Liedes, Kaplan Mohr, habe auch die
~o wie selbe in Abschrift dem Original Melodie erfunden. Und obwohl damals Felix
ganz gleich beiliegt, seine einfache Coni.po- Gruber, der Sohn des Komponisten, die Be-
sition, welche sogleich iri der heiligen Nacht weise für die Autorschaft· seines Vaters be-
mit alle1i1 Beifall produziert wurde." züglich des Liedes erbracht halle, ,vurde in
Vorstehende Mitteilung verfaßte der Kom- derselben Zeitung 1897 nochmals der lrr-
ponist für die königliche Hofkapelle in Ber- lum als \Vahrheit aufgetischt. Diesmal war
lin, der er sie zugleich 111it einer Kopie des es der Enkel Franz Gruben;, der damalige
Liedes übersandte: Das Schriftstück trägt Theologiestudent und spätere . Domkapell-
das Datum: 30. Dezember 1854, und den meister \'On Salzburg, der für den Großvater
Titel: ,,Authc11tisehl' Veranlassung zur Com- eintrat, un<l damit war der Urheberstreit

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um das „Stille Nacht, heilige .Nachl" be-
♦ schon als Zwölfjähriger konnte er einmal
cmlel. Ausführliches darüber berichtet Dok- beim sonntäglichen Hochamt als Organist
tor Karl ·weinmann in seiner 1918 erschie- einspringen. Der Widerstand des Vaters ge-
nenen Abhandlung über die Geschichte gen eine musikalische Ausbildung seines
dieses Liedes. (,,Stille Nacht, heilige Nacht". Sohnes war aber damit noch nicht ge-
- Die Geschichte des Liedes zu seinem brochen; dieser durfte erst als Achtzehn-
100. Geburtstag, von Dr. K. Weinmann, Re~ jähriger beim Stadtpfarrorganisten Georg
gensburg, Verlag Fr. Pustel, 1918.) Auf Hartdobler in Burghausen geregelten Musik-
Grund eingehender Untersuchungsergebnisse unterricht nehmen> zugleich aber auch dem
ist nun die Frage ein- fur allemal geklärt Gedanken nahetreten, sich dem Lehrerberuf
und die Autorschaft Josef Mohrs als des zu widmen. In einem Jahre war er mit
Dichters und Franz Grubers als des Kom- dieser Vorbereitung zu Ende. Und schon
ponisten festgelegt. (Was allerdings nicht 1807 ist Gruber Lehrer, Organist und Mesner
verhindern konnte, daß in einer kirchen- in Arnsdorf und auch - verheiratet. Der
musikalischen Fachzeitschrift vom Dezem- erst 20 Jahre zählende Jüngling hatte am
ller 1928 ein Artikel erscheinen durfte, in G. Juli 1807 die 36 jährige Witwe Elisabelh
dem der „Schulmeister" Josef Mohr als der Tischinger geehelicht.
K o m p o n ist von „Stille Nacht" genannt
Da Gruber in Arnsdorf als Or_ganist wenig
wird.)
Beschäftigung hatte, so übernahm er 1816
Josef Mohr, der Dichter des Liedes, war
noch den Dienst der Nikolauskirche in
anno 1818 Hilfspriester in Oberndorf. Er
Oberndorf dazu. Dort lernte er Josef l\Iohr
war am 11. Dezember 1792 zu Salzburg ge-
kenneu und dorl schufen sie 1818 gemein-
boren und erhielt seine Ausbildung am Gym-
sam das „Stille Nacht, heilige Nacht".
nasium der Benediktiner in Salzburg, wo
er auch seine theologischen Studien voll- Nachdem Grubers Galt in 1825 gestorben
cndele. Er wurde 1815 zum Priester ge- war> heiratete er im folgenden Jahre eine
weiht. Oberndorf an der Salzach war sein ehemalige Schülerin, Maria Breitfuß aus
dritter Hilfspriesterposten gewesen. Schon Oberndorf. Nach einem weiteren Aufenthalt
1819 wanderle er von dort in die Pfarre als Lehrer, Organist und Mesner in Bern-
Kuchl und nachdem er im Laufe des näch- dorf (1829-1833) übersiedelte er nach Hal-
sten Dezenniums noch in acht anderen Pfar- lein, um dort den Posten eines Stadtpfarr-
ren in derselben Eigenschaft als Kooperator chorregeriten zu übernehmen und sich nun-
gewirkt hatte, erhielt er 1827 in Hintersee mehr ganz der Musik als Beruf zu widmen.
<las Amt eines selbständigen Pfarrers. Nach Es wird Gruber nachgerühmt, daß er die
zehn Jahren übernahm er die Pfarrvikar- ,,musikalischen \'crhältnisse der Sladt Hal-
stelle in \Vagram im Pongau, wo er am lein bedeutend Yerbessertc und dadurch zur
4. Dezember 1848 sein Leben beschloß. Er Förderung der Geselligkeit viel beitrug".
wird als ein frommer, stets heiterer Charak- ('Weinmann, a. a. 0.) Er war auch kompo-
ter geschildert; besondere Freigebigkeit ge- sitorisch eifrig tätig, besonders auf dem
gen die Armen wurde ihm nachgerühmt. Gebiete der Kirchenmusik. Als 5-! jähriger
Franz Grube r, der Komponist unseres hat Gruber noch ein drittesmal geheiratet,
Liedes, war um einige Jahre älter als Mohr. um den durch den Tod seiner zweiten Gat-
Seine Wiege stand in Unterweizberg, Pfarre tin (1840) verwaisten Kindern eine Mutter
Hochburg am \Veilhartforst. Dort wurde zu geben. Er starb zu Hallein am 7. Juni
Franz Gruber als Sohn der Leinenwebers- 1863. Hallein hat seinen braven Bürger und
leute Josef und Anna Gruber am 25. No- weltberühmten Musikus durch eine 1896 ge-
vember 1787 geboren. Seine musikalische widmete Gedenktafel geehrt, ebenso Arm;-
Yeranlagung äußC'rte sich frühzeitig und dorf" 1897.

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Seit 1928 hat auch Josef i\1ohr sein schö- in allen Gesangbüchern gleicherweise zu
nes Denkmal: <las Stadtpfarrer Josef Mühl- finden. Die ursprüngliche Fassung isl aber
bachcr gescbaffen hat. sicher die bessere.
Noch einige Worte über das Lied „Stille Für den dritten und ,·ierlen Takt gibt es
Nacht, heilige Nacht" selbst. Der Text um- iu den einzelnen Ausgaben mindestens drei
faßt sechs Strophen, von denen aber in vom Original abweichende Varianten , die
vielen Gesangsbüchern einzelne fehlen. Und wohl dem Bestreben nach Vereinfachuncr0
<las ist begreiflich; denn für ein Volkslied. entsprangen. An det· Hand unserer Beilage
dns man eben mit dem Gedächtnis behalte~ sind diese Abweichungen leicht zu kon-
soll, sind sechs Strophen zu viel. Gewöhn- trollieren. Keine kann wirklich als eine Ver-
lich begnügl man sich mit den Strophen besserung des Originals angesehen werden.
l, 6, 2 oder 1, 2, 6, welch letztere ..\.norc\- Solche Umformungen aber sind wohl das
nung entschieden besser isl. Schicksal eines jeden Volksliedes.
Interessant ist, daß das Gedicht im 19. Jahr- ,vic tlas kleine Lied seinen ,vea0 \'Oll
hundert schon Ycrschiedenartigste Beurlei- Oberndorf iu die weite Welt nahm, läßt
lung fand, daß es von einer Seite als wun- sich genau nicht sagen. Jedenfalls· über
"
dersamste \Veise, die je ein Mensch erdacht''. Tirol, von wo es die vier Tiroler Geschwister
gepriesen, von der anderen als wertlos ab~ Straßer aus Laimach als „Tiroler Sänger"
getan wurde. Als Gegner des Liedes erwäh- nach Deulschlancl gebracht haben. Wenig-
nen wir nur Domkapellmeister Weber stens ist das für das Jahr 1831 sicher , wo
(Mainz) und Dr. Haberl (Regensburg). Die die Genannten es als Tiroler Lied in Leipzig
große Beliebtheit des Liedes gibt ihnen Un- sangen. Der Titel des Drnckes, in dem das
recht; es wird deren Andenken vielleicht Lied zum erstenmal enthalten ist, lautet:
noch recht lang überdauern. Dasselbe be- ,,Vier

echte· Tiroler Lieder für ei;1e Sina-0

trifft auch die Melodie, deren Komposition stmune. gesungen ,·on den vier Geschwistern
Dr. \Veber ,·erfehlt, tri\'ial nannte.· Slraßer aus dem Zillertnl·'. (Dresden 1840?)
(In ülmlicher Weise isl ja auch das Lied
Wie viele Volkslieder, die sich seit Jahr-
.,Zu Mantua in Bauden". das ein Klosterneu-
hunderten die Herzen aller Deutschen er-
burger Jiusiker, Knebelsberger, komponiert
obert haben, müßten wir da nicht auch
ha.t, <lurch eine Sängertruppc, die im Aus-
verfehlt uncl trivial nennen·?
land als „Tiroler Sänger'' auftrat, in die
Im Munde des Volkes hal übrigens die~
weite Welt gewandert und zum Volkslied
Melodie des Liedes zwei ziemlich auffallende
geworden.) Dichter und Komponist wurden
Veränderungen erfahren. ,vie aus unserer
bald nirgends mehr' genannt, das „Stille
Beilage ersichtlich ist, die in den Singstim-
?'\acht, heilige Nachl" war bald ein richtiges
men genau die Originaln'iederschrifl*;Grubers
deutsches Volkslied ge\\'orden. Aber es wan-
wiedergibt, weicht diese Singweise im dril-
derte weiter, übet· Länder und :Meere, und
len und vierlen, sowie im neunten und
wurde nicht nur in alle Kultursprachen
zehnten Takt von der heute allgemein übli-
übertragen, sondern sogar bei den \Vilden
chen ab. \Vas die Veränderung im neunten
heimisch. Erzabl Dr. Petrus Klolz \'Oll
und zehnten Takte betrifft, so ist diese wohl
St. Peter in Salzburg konnte das Lied seiner-
durch Verwechslung des Sopranschlüssels
zeit auf seinen \Veltreisen überall hören wo
mit dem Violinschlüssel im neunten 'fäkl
es Chrislen gab, am Fuße des Himalaya wie
'
erfolgt, woraus sich dann auch die N otwen-
in Neuseeland, bei den Kaffern Suahelis wie
tligkeit ergab, den zehnten Takt umzufor-
bei den Indianern, im Sudan wie in Beth-
men. Diese Umgestaltung des Originals ist
lehem ·selber, wo es ihm wohl ganz beson-
") Es wurde nur die :--.:otalion \'0111 Sopran- in den ders ans Herz gegriffen hal. \:Velche Gewall
ViolinschliissE'I ühertrngcn. muß einem so schlichten, Liecllein inne-

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wohnen, daß es in aller \Vell, ,·011 allen Ras- Faksimile von K. Weinmann. a. a. 0. nach
sen in gleicher Bercilwilligkcit aurgenom- Seile 48, veröffentlicht wurde. Diese stellt
men wird? Es bleibt auch hier das Rätsel eine Bearbeitung des Liedes für zwei Sing-
ungelöst, das so oft schon zu lösen ver- slim men mit kurzem vierstimmigen Chor-
sucht wurde: Warum wird das eine Lied . 1·et'rain, zwei Violinen, Violone, Organa (als
zum Gemeingut, zum wirklichen Volkslied, basso continuo) und · zwei Hörner dar
,vährend dem anderen, vielleicht an sich und ist vom Komponisten eigenhändig ge-
besseren, diese Ehre versagt bleibt'! ,vir schrieben. Aus diese,· Fassung haben wir die
freuen uns aber mit Recht .des Erfolges Begleitung für Gitarre in unserer Beilage
dieses aus echt österreichischem Empfindeu rekonstruiert. die also naturgemäß von der
entstandenen Liedes und wollen dankbar Original-Gitarrenstimme in Einzelheiten ab-
das Gedächtnis seiner Schöpfer bewahren weichen wird. Indessen legen wir mit dieser
und ehren. Veröffentlichung nicht das Hauptgewicht auf
die Gitarrenbegleitung, sondern darauf, den
Lesern die ursprüngliche _Fassung der :\tc-
ZU UNSEREH NOTENBElLAGE „WEIH- lodie nach ·eine1· authentischen Niederschrift
NACHTSLIED" VON FRANZ X.· GRUBER. des Komponisten selbst zur· KenFttnis zu
Das Original des Liedes „Stille Nacht'' bringen und damit die \Vancllungen; die die
muß, wie E.. ,veinmann mitteilt, als ve1·- melodische Linie des Liedes allmählich er-
schollen gelten. Nach derselben Quelle soll erlebte. aufzuzeigen. Dabei ,vurclen die beiden
sich eine notengetreue Abschrift des Liedes Oberstimmen im Violinschlüssel wiederge-
(für zwei Singstimmen und Gitarre) in der geben. Dies ist die einzige Veränderung gegen-
Hand· eines Nachkommen Jenes Andreas über dem originalen N" otenbildc der Sing-
Peterlechner befinden, der des kleinen Franz stiminen. Bei Neuausgaben des Liedes für
Gruber Schullehre,· (in Hochburg) gewesen den Chorgebrauch wäre es angezeigt. ~ich
war. Im Besitze der Familie Gruber isl einl' künflighin nur der Originalmelodie zu· be-
Niederschrift aus dem Jahre 1833 und eine dienen, nicht der verschiedenen volkstüm-
weitere aus ungefiihr dl'l;sellwn Zeil. dir im lichen Varianten.

RUDOLF SÜSS
\'ON MINA FORSTNER, KREMS

Als der österreichische Laulensängc1· H.u- Leu sein innig schönes ,J{osemarie'·. aus
dolf S ü B vor ungefähr acht Jahren seine allen Fenstern uncl auf allen Schohtren-
ersten Liederbänclchcn in die \Vell schickte, wanclerungen sein selig \\'iegendes „Komm'
. die - bei Benjamin in Hamburg (jetzl mit mir in clie schöne ·wachnn". Als clanu
Leipzig und Berlin) erscheinend --- einen so einmal " 7ille und \Veg zur Drucklegung
blitzartig aufleuchtenden Erfolg hatten, daß gefunden waren und die· Bändchen reißen-
sie deri Namen ihres Schöpfers in der Gi- den Absatz gewanu c11. ua folgten iluwn
tarren-Literatur mit einem Schlag bertihml ziemlich rasch noch acht :111dere, fünf da-
machten und sogar weit über die deutsche von im Verlag Heinrichshuren. :.\fagcleburg,
Sprachgrenze hinaustrugen, da waren die die letzten drei wieder bei Benjamin. Viel-
meisten dieser Lieder schon eine geram~c leicht erreichten diese nichl ganz die aul~er-
Zeit durch müncUichc Überlieferung spring- ordentliche Popularil~il der ersten - - c.lil'
lebendig in musikalischen Kreisen cingebür- Eigenart des Künstlers war inzwiscllen gc-
ge1·t, ·da klang durch sommernüchllichr Gür- 1·cift. die (~estallungskrnfl gewac-hsen, seine·

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Harmonik, wohl immer uod1 mil sül.\cr müBlc die l\lüller einpacken und zur Post
Lyrik Yerbunclcn, moderner und kühner ge- geben. Harte Arbeit clasl Lieber trägt man
worden, seine Kunst des geislreichcn Kontrn- sie so spazieren und entdeckt eines T[!_ges,
punklierens, die die Gitarrenmusik mil orgei- daß man sie irgendwo · - unerinnc-rlich in
mäßigen Baßgängen versah und der Beglei- welchem Hause hat liegen gelassen.
tung damit ganz besonders fesselnden edlen Skizzen sind nicht mehr vorhanden, auch
Reiz verlieh, all dies entfcrntC' seine sp:i.- die Texte bt-zw. Gerlichtbändc sind nicht
teren Lieder teil- mehr auffindbar.
weise von der leichl Drei Vierteljahre
begreifbaren Ein- vergehen. Endlich
fachheit, die dem entschließt sich der
·_ Geschmack der ,.redliche Finder··
'.\[enge entsprichL zur Zurückgabe.
schenkte aber den .--\ber wer nun hofft.
feineren l\[usikken- daß die Komposi-
nern wertvolle Per- tionen sporn-
1en. Schon wn1· streichs nach dem
Huclolf Süß als Verlag wandern.
Komponist be- ist wi·eclcr in einem
kannt, der dem bedauerlichen l 1-i--
Latitenliecl neue. tum befangen. Bc-
noch nichl be- clauerl ich scl!o11
schrittene Bahnen cleshalh, weil sich
t·röfYnet uncl es fü1· unter clicSL·n neuen
den Konzertsa:11 Liedern kleine
reif gemacht hallt• \Icistrrstückc lw-
- ein . . . schien llnckn, ,·on clcncn
seine l\Iuse auf ein- wir nur das cnl-
mal zu \·erstum- zückencle„ W ci tau r
men. Seine vielen das Portal, r\nnc--
Bewunderer wn r- rnariegeht,au bal·"
tcten vergebens au r herausgreifen, eins
)Jeuerscheinungcn. \'Oll graziöser .-\n-
\Vohl erschienen mut ist. fAuch die
zwei sehr mclo- Kompositionen,clil'
cliösc, rhythmisch wir unseren Abon-
interessante Suile11 nenten heule vorle-
bei Goll in Wien. Rudolf Siir! gen können*), sincl
aber der Lieder- neu und wird so-
hrnnnen schien ,·ersloprt. Um zu wissen. \\'ohl das l\lenuell, wie das originelle Tanzlied
wie das zuging, muß man einige besondere' ihren vollen Beifall finden. Rudolf Süß be-
Charakterzüge des Komponisten kennei1. schäftigt sich jetzt viel mit dem Kompo-
Im Komponieren fleißig, hält er es nieren Yon Stücken für Gitarre und Flöte
im Aufzeichnen mit dem Zupan im „Zi- (die geniale Gitarre-Virtuosin Luise \Valker
geunerbaron": ,,Das Schreiben -- ist nie hat ein solches, ebenso wie ein Solostück
mein Fall gewesen.'· ·wenn schon endlich •; D::is uns ,·om Komponisten freuncllichst zum All-
.die Nolen am Papier stehen, dann müßte
man ja . . an den Verleger schreiben.
clrnck überlassene Lied kann aus Rawngründcn erst
im n:1c-hslen Heft gebracht \\'erden. Die Schriftleitnng.

45
für Gitarre von ihm in ihr Konzertprogramm lun -- mit ihnen führt er z. B. herrliche
aufgenommen), sowie für zwei Gitarren Messen auf - so zum Schulschluß im Som-
und· Violine. Auch sonst ist er viel in An- mer die G-dur-Messe von Schubert in künst-
spruch genommen; er, dem die letzten .r ahrc lerischer Vollendung, zur Schubert-Feier im
Titel und Ehrungen gebracht: Konsistorial- X oYember das Andante mit Variationen aus
rat, Studienrat, Päpstlicher Geheimkämme- dem erdentrückt schönen Forellenquintett,
rer, also l\fonsignore - er bleibt bei allen, sowie Lieder und Chöre. Und so, mit seiner
die ihn kennen, der Professor Süß - und 1\-~usik, · die ihm Herzenssache ist, führt er
dieser Titel umschließt für ihn auch sein die· jungen Leute in eine ,veu der Schönheit
begeisterndes Berufsfeld. Seine Schüler - und der Ideale ein, die sie draußen im
seine Buben! - Nicht nur den Religions- Leben nicht vergessen werden, nicht nur,
unterricht vermittelt er ihnen, auch den Ge- weil sie ihr Musikkönnen bereicherte, son-
sang - die Musik überhaupt. Mit ihnen, dern weil sie den Auftakt gab zu Höhen-
die mit ihm durch dick und dünn gehen, flügen, wie die .Tugend sie nehmen soll
obwohl sie gewärtigen. müssen,· daß ihnen in einem Lande, an dem jetzt viel Erd-
heim „Patzen'' Pfundg~wichte von Titula- schwere klebt - die· Jugend, die zugleich
turen um clc:n Kopf fliegen, die aber glit das· künftige Volk darstellt.
uncl Lrl'uherzig gemeint sind und nicht weh ,

UMSCHAU lionen Josef Haubenbergers stets genannt und haben


damit das Rechte getroffen: Die einschmeichelnden,
Die Wiener Urania veranslallcle im Dezember V. J.
innigen Weisen,· die glcich so recht in die Seele
eine Abendsingwoche. Sie bezweckt, wie· die Sing-
dringen und ohne Musikgelehrtheit sofort nrslanden
woche Gaming, 1925, und die Abendsingwoche Wien,
werden, sind originell, aus der Empfindung geschöpfl
1926 (beide von Walter Hensel geleitet), das Volk
und darum berechtigt, mit dem ernsten Volkslied ver-
selbsl zum Singen zu bringen. ,,Das l\Iit- und Nach-
glichen zu werden. Sachverständige freilich werden
schaffen der Kunst unseres Volkes und seiner i\Ieisli.'r
augenblicklich die hohen kompositorischen Werte
bringt jene Sehnsuchlserfüllung und Beglückung, die·
e1-kennen, · die sich auch hinter dem schlichtesten
uns nirgends mehr als in der Musik, am herrlichsten·
Gesan,g verbergen. Umsomehr Anerkennung ve.rdienl
aber im wahren Singen geschenkt wird."
der Komponist, .. weil· e·r sein Fachwi-ssen nicht
Am 5. November v. J. starb auf der Feslenburg aufdrängt und nicht, wie es heule leider so beliebt
der steirische Dichter Oltokar /(ernstock, der sich ist,· durch_ alle.riet wirkungsvoll sein wollende Kunst-
in zahlreichen Liedern dem deutschen Yolke ins stückchen im Kontrapunkt prahlt. Kürzlich hat nun
Herz gesungen hat. Viele seiner Gedichte wurden rnn Josef Hriubenberger den Beweis erbracht. daß er die
den hervorragendslen Tonmeistern in Musik gesetzt, Bezeichnung eines Volkslieclkomponisten rnllauf n-r-
darunter befindet sich auch eine große Zahl rnn dient. Zum ersten Male trat C-l" mit seinen Laulcn-
Liedern zur Gitarre. lieclern, deren anmutiger, schelmisch klingender Ton
· allgemein entzückte, vor die Offenllichkeit. Mit einem
Am 25. Novc-mber 1928 waren es zehn Jahre,
Verständnis, das man selten finden wird, hat et· alte
daß Osterreichs größlcr Volkslicdforscher, Dr. Jn-
Volkslieder in der ihm C'ige-nen Hcarbeilung darge-
sef Pommer, seine irdische Laufbahn beschloß. Die boten und hier kann man erst so recht srin reiches
Zeitschrift „Das deutsche Volkslied", eine Gründung
Können bewundern, mit dem er den einzelnen \Veisen
des Verewigten, widmet ihm in ihrer letzten Num-
gerecht wird. Nirgends ein Zuviel, niemals aufdring-
mer wru·me ·worle des Gedenkens.
lich, gibt er den Liedern die ihnen entsprechende
Am 25. Dezember 1928 veranstaltete der Deutsche ~egleitung, hier schimmert ein reizender Ländlrr
Volksgesanguerein vom Altan der Kirche am Hof ein auf, dort wird das Lied getragen von einem präch-
\Veihnachtssingen und Turmblasen. tigen choralarligen Salz; wenn man noch im Zweifel
war, mit seinen Lautenliede.rn hat sich Haubenberger
Die Englislt Folk Dancc Society in London führte
den Titel eines Sängers des deutschen Volksliedes
im Oktober 1928 im großen Saal des Wiener Konzerl-
erworben. Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß
hauses englische Volkstänze vor.
die klangvollen Lautenlieder bald in ·das Repertoire
j oscf HaIZbenbergel' als Laulenlieder-Komponisl. jedes Lautenliedersängers aufgenommen sein werden:
,,Volkslierlhafl" haben die Kritiker die Komposi- -tt-

46
Gitarren-Ko111positio11e11 von Dr. Kc1rl l'rusik
♦ rmpört i hrcn Stolz: sie läßl ihn stehen. Er zielit
und ihre Beurteilwzg durdi die Presse. fort ins Ungarl:md, unter rtcn Zigeunern wird ihm
wohler seiJJ. ·
:sechs Lieder zur Gitarre, in Wort 1111d Klang 11011
/{arl Prusik. - 1. Der Fischer. 2. Im Welschland. fü11 dreisälziges Slllck für Geige 1111d Gitarre.
:-1. Wellen. 4. Ständchen. 5. Heimkehr. G. Nach ,·er- „Deutschöslerreichische Tageszeitung". Wien: Im
lorner Schlacht. Verlag Ant-on Goll, Wien. erschien vor kurzem "ein
„Gitarre·•, Berlin: ,,Ein Licderhefl, das man nach „Dreisätziges Stück für · Geige und Gitarre·· \"On
soviel unrühmlichen Neuerscheinunaen in dieser Karl Prusik, auf das alle Gitarrenspieler und
Kunstgaltung gerne zur H:rnd ni~mt . . . mau Freunde guler neuzeitlicher Kammermusik beson-
merkt bald, daLI der junge Dichter, Tonsetzer und ders a~fmerksam _gemac_ht seie-n. per Kom~nist,
Gitarrist eigene Wege geht. Die Melodien sind ,·on semen Lehrgangen un J..:isefstadter Zwe1~haus
eigenartig, doch recht sanglich, mitunter (Heim- der Urania beslens bekannt, hat es mil diesem
kehr) volkstümlich, die Harmonie bei manchen Werk Yerstanden. die vor 100 Jahren in so J·ciche1·
Gewa~theiten r~in, _die Dichlun!len· wohllönend; der Hlüle gestandene \Viener Kammermusik um ein
Begleitsatz, meist m harfenarhger Brechung will neues, wertvolles Stück zu bereichern. Aus rlrm
schon gewandte Gitarristen:· ' wunderschönen „Lied" (2. Satz) strahlen Gedanken-
„Volkszeitung", Wien: ,, ... Die Hochflut der liefe und echte deutsche Innigkeit, aus dem dritten
gegenwärtigen gitarristischen Literatw· ist auch Satz klingen alle deutsche Reigen und Hupfau-f-
nicht darnach anget.:in, die :\Iusikalität der Gitarre motive, in mristerhafter Weise kontrapunktisch
ins rechte Licht zu setzen. Umso angenehmer verwertet. Das prächtige Zus4mmenklingen der
und vorteilhafle1· heben sich gute Neuerscheinwi- beiden Instrumente läßt den gewiegten Kenner ,·on
gen wie Prnsiks Lieder, ab. Freilich ist Prusik Geige und Gilarre erkennen.'· '
Dichter und Komponist in eine.r Person und man Ein Slü.ck in drei Sätzen für eine Git.2rrc.
ist im Zweifel, ol> dem „Wort" oder .,Klan.g" die
Palme gebührl: gemütvolle Lieder in Sprache. „Zeitschrift fiu· die Gitarre". Wien (Univ.-Dozent
\Veise und Begleitsatz . . . Die Harmonie ist flüs~ Or. Victor .Tunk): ,, . . . Jene Sonate· dürfte w-ohl
sig und biegsam. Und sangbar sind die Lieder, das Interesse auch über die gila1Tistischen KreL<,-c
als wären sie dem Volksmund abgelauscht." hinau.s erregen. Ihre vier Sätze sind wohl klcineJ·
„Zeilschrifl für die Gitarre", Wien: .,P.rusik, eiu als die einer normalen Sonall', aber die r-orm isl
Keulöne.r auf der Gitarre, hat sich auc"l1 die Texte gewahrl tLnd interessant auf das Instrument redtr-
selber gem:ichl: es sind phantastis-che Bilder und ziert. Ocr zweite Satz ist ein Thema mit (vier)
Szenen, lebhafl und eindringlich schon in der \'ariali.onen und zählt, soweil es sich nach dem
Sprache gestallcl und in stimmungsvolle Musik ein- ersle11 Anhören heurtrilcn läßl. zu den werl\·ollsten
gewoben, die manche für die Gitarre neuarlige Stücken, die für die moclrrnl· Gitarre: i1hcrh:tupl
harmonische Kühnheit bringt. aber überall maß- geschrieben wurden."
\"Oll, dem Instrument angemessen und von gult'r Zelr11 1/eimatlicder zur Gifarrr.
Wirkung ist. Prusi k bereichert zugleich die Tcch- ,,Zcilschrifl für dit• Gilarre·· Dieses ncu.i- LicdeJ·-
11 ik der neuen \\"irner Schule durch bemerkens-
heft Dr. Prusiks isl nicht nur für den r-reunct
werle Tremoli und lrnrfenartige ..\kkordhre- des Gilarrenliedes, sondern für jeden musikalisch
chungen." Interessierten i1bcrhaupt eine hemerkenswe.rtc Er-
Der Spielnwnn, ci11 Uederri11g ::ur Gitarre. i11 ll'nrl scheinung. Seine Br.dculung liegt in der Eigenarl
1111d Klang uo11 Karl Prnsil.-. des Begleitsalzes. Im allgemeinen ist es üblich.
iPeutschöslerreicltische Tageszeilung··, Wien: Yolks,....-ei_sen mit Akkordzerlegungen zu hegle.iteu;
„Ewe Gesundung der deutschen Hausmusik gelegenlhch auszulerzl'n und melodische Pausen-
wird Yielleicht erreicht werden, wenn es gelingl. füllungen anzuhrin~en. Pntsik aber verwendet ZllJ"
r\as anspruchsrnlle Klavier. ein in den meisten Regleilung eine bis arei selbständig geführte Weisen.
Fällen überflüssiges Hausmöbrl, durch die Gitarre Doch isl trotz der E11tfall1111g p.:ilyphonrr Satz-
zu ersrlzen. .-\uf dem Weg. wertvolle :'.\lusik für kunsl d,1s Yolkslicclmii.ßigl' nirgends verlclzl. Sing-
clieses Inslrumcnl der Offentlichkei-t zu erschließen. w\'ise u11d llr-glr:ilung ei·srhrinrn wie aus einem
sc.:hreilel der Wiener Verlag ..\nton Goll mutig vor- (;ernhI heraus e11lslanden.
wft.rls und hat ielz.L wieder ein neues Heft ,·on Als „Canlus firnrns" sind ;;ehn der schönsten
Karl Prusik folgen lassen. Der Komponist, den u.nd eigenarligslrn lleimnlwriscn gewählt, wie „Die
man von Liedern unc\ Gilarrenslücken her schon (;:unsaln schwarz 1111d brn111r'. ,;·wo ich geh' und
kennt, hat hier auch die Dichtungen beigefügt: steh'·', ,,Augustin"' und anclerr. Die :'llehrzahl <lrr
hald balladenlnfl. bald lyrisch, von einfacher, Begleiltmgen slelll keine gerncle nußergewöhnlichrn
:i?er m~tunler auch recht knifflicher Begleitung, ..\nforclernngen :in dir. Spiell"ertigkeit, einige aber,
7.. B. Nr. 8, 9 und 10, wollen schon gules Können.
h1elen sie uns Abwechslung und Reiz\'olles genug
und werden den ,.Fortschritllern" untei· rlen Gi- allr. aber verlangen: feinfühlige :'.\lusiker.
tarristen willkommen sein." Vier sehr leichte Ländler für zwei Geigen und zwei
„Zeitschrift für die Gitarre", Wien (Univ.-Dozcnt Gitarren zur Einführung in das Zusammenspiel.
Dr. Victor Junk): ,, . . . Das dritte Werk ist „Dm·
'Spielmann, ein Liederring zur Gitarre": der unstele Die angeführten Stücke sind entweder unmitlel-
Spielmann kommt unter Glockengeläut in ein St,:idt- bar durch 1l11lon Goll, Musikverlag, Wien, I. Woll-
chen, spielt im Rathaus rnr den hohen Herren. zeile 5, oder durch jede :'.\[usikalienhandlung be-
verliert aber sein Herz an eines Ratsherrn Töchter~ ziehbar.
Jein. Er glaubt, auch sie durch sein Lied fftr sielt Grü11dcr, Eig2nlü111er, Herausgeber und veranl1vorllid1cr Sdtri{l/eilcr: Professor
gewonnen ztt haben, sie lächelt ihm zu. doch kann Jacob Ortner, Wien, lil. Traungossc 1 / Drude von Olle Maus" Sölrne
er auf di.e Bedingi111g des Vaters, eiirn ehrsame. Ges. m. b. H. (vcro.ntwnrUich: Fritz Draschinsky), Wien, 1. WaUiscn-
Stellung anzunrhmen, nicht eingehen: er fordert gnssc 10 / Nolenslich: Heinrich J\fayerbofer. Wien, XIV. SdiweglerstroRr lO /
das M:'idchen :rnL mit ihm zn l"liehcn . .-\ber das Signet und Tii,lbln/1 von Rudolf Köhl. Wirn, II. Raimundi;asse 4

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