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Darstellungen

von Gruppen

Wir sehen also, dass die Gruppe C4 isomorph zu einer Gruppe


von Matrizen, G2, ist.
Eine Gruppe von Matrizen, die isomorph zu einer Gruppe G ist,
wird als Darstellung der Gruppe bezeichnet.
Jedem Element R der ursprünglichen Gruppe wird dabei eine
Matrix D(R) zugeordnet.
Die Eigenschaft der Isomorphie kann man nun konkret
formulieren als
Darstellungen von Gruppen

Matrixdarstellungen von (Symmetriepunkt-)Gruppen kann man


z.B. erhalten, indem man die Wirkung der
Symmetrieoperationen auf Vektoren untersucht.

Wir betrachten dies am Beispiel eines beliebigen Vektors


in 3 Raumdimensionen:
Darstellungen von Gruppen
Die Spiegelung eines solchen Vektors an der xy-Ebene führt zur
Umkehr des Vorzeichens der z-Koordinate.
Wir suchen also eine Matrix, die folgende Gleichung erfüllt:

und stellen fest, dass die gesuchte Matrix die Form

haben muss.
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Analog dazu ergeben sich die Matrizen für Spiegelungen an der
xz- und yz-Ebene:
Darstellungen von Gruppen

Auch die Matrix für die Inversion hat eine einfache Form,
die aus ihrer Eigenschaft, die Vorzeichen aller Koordinaten
umzudrehen, folgt:
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Wie sieht nun die Matrix für eine Drehung um die z-Achse aus?
Zunächst wissen wir, dass dabei die z-Koordinate unverändert
bleibt, die Grundstruktur der Matrix sieht also wie folgt aus:

Der noch unbekannte Block der Matrix entspricht einer


Drehung in der xy-Ebene.
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Drehung um den Winkel 𝜃
Für den Ausgangspunkt P gilt:

Für den gedrehten Punkt P‘ gilt:


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Mit den geeigneten trigonometrischen Identitäten folgt
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In Matrixform:

mit der Drehmatrix in 2D:

Die Matrix für die dreidimensionale Drehung um die z-Achse lautet also:
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Die Matrix 𝐷(𝐶% 𝑧 ) beschreibt eine Drehung um 𝜃 im
mathematischen Drehsinn, d.h. entgegen dem Uhrzeigersinn.
Ersetzt man 𝜃 durch −𝜃, erhält man die Drehung im Uhrzeigersinn.

Man sieht, dass die Matrix 𝐷(𝐶%)* (𝑧)) der inversen Drehung
die Transponierte von 𝐷(𝐶% (𝑧)) ist.
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Für das Produkt beider Matrizen gilt:

…und damit
Darstellungen von Gruppen
Wir betrachten nun konkret die dreidimensionale Matrixdarstellung
der Gruppe C3v.
Die Elemente der Gruppe sind: E,C3,C32,sv,sv‘,sv‘‘.

Wir legen das Koordinatensystem so,


dass die C3-Achse der z-Achse
entspricht
und eine der Spiegelebenen die xz-
Ebene ist.
Darstellungen von Gruppen
Nun bestimmen wir die Matrizen, die die
Transformation eines 3D-Vektors beschreiben.

Einige der gesuchten Matrizen können wir sofort angeben:


Identität: Spiegelung an der xz-Ebene:
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Für die Drehachse beträgt der Winkel 120° bzw. 240°. Mit

bekommen wir
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Die Matrizen für die zwei fehlenden Spiegelungen sind nicht durch
„bloßes Hinschauen“ zu konstruieren.

Sie können aber aufgrund der Isomorphie der Matrixgruppe mit


der Punktgruppe berechnet werden!
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Mit 𝜎, ∘ 𝐶. = 𝜎,0 und 𝜎, ∘ 𝐶.1 = 𝜎,00 (vgl. Multiplikationstafel) muss
auch gelten:
𝐷 𝜎 , 𝐷 𝐶. = 𝐷 𝜎 0, sowie 𝐷 𝜎 , 𝐷 𝐶.1 = 𝐷 𝜎 00 ,
Matrixmultiplikation liefert:
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Zusammenfassend haben wir die folgende Matrixdarstellung
der Gruppe C3v erhalten:

Durch Bildung aller Matrixprodukte kann man zeigen, dass die


Multiplikationstafel der Matrixgruppe exakt dieselbe Struktur wie die
ursprüngliche Punktgruppe hat!
Darstellungen von Gruppen

Multiplikationstafel der Darstellung

D(E) D(C3) D(C32) D(sv) D(sv') D(sv‘‘)


D(E) D(E) D(C3) D(C32) D(sv) D(sv') D(sv‘‘)
D(C3) D(C3) D(C32) D(E) D(sv') D(sv‘‘) D(sv)
D(C32) D(C32) D(E) D(C3) D(sv‘‘) D(sv) D(sv')
D(sv) D(sv) D(sv‘‘) D(sv') D(E) D(C32) D(C3)
D(sv') D(sv') D(sv) D(sv‘‘) D(C3) D(E) D(C32)
D(sv‘‘) D(sv‘‘) D(sv') D(sv) D(C32) D(C3) D(E)
Darstellungen von Gruppen

Die Konstruktion von Darstellungsmatrizen ist nicht eindeutig!

Im vorherigen Beispiel haben wir ausgehend von den


Transformationseigenschaften eines Vektors im Raum eine
dreidimensionale Darstellung (aus 3x3-Matrizen) erzeugt.

Im folgenden konstruieren wir eine weitere Darstellung


ausgehend von den Koordinaten des Ammoniak-Moleküls
Darstellungen von Gruppen
Wir kennzeichnen die H-Atome wie folgt:

HB

HB
HA
HA
HC
HC
und betrachten die Transformationen des Vektors
Darstellungen von Gruppen
Die Darstellungsmatrizen sind nun 4 x 3 = 12-dimensional:

HA

HB

HC
Darstellungen von Gruppen
Die Drehungen und ihre Wirkung

N→N N→N
HA→HB HA→HC
HB→HC HB→HA
HC→HA HC→HB
Darstellungen von Gruppen
Die Spiegelungen
und ihre Wirkung

HB→HC
HC→HB

HA→HB
HB→HA
HA→HC
HC→HA
Darstellungen von Gruppen
Auch für die 12-dimensionale Darstellung kann die Isomorphie zur Gruppe
der Symmetrieoperationen durch Matrixmultiplikation verifiziert werden, z.B.

𝐷0 𝐶. 𝐷0 𝜎, =

=𝐷0 𝜎, ′
Darstellungen von Gruppen

Im Prinzip sind die Möglichkeiten zur Konstruktion von


Darstellungsmatrizen unbeschränkt!

Es zeigt sich aber, dass es für Gruppen endlicher Ordnung


auch eine endliche Zahl „grundlegender“ Darstellungen gibt,
aus denen alle anderen Darstellungen hervorgehen.
Darstellungen von Gruppen
Um dies plausibel zu machen, betrachten wir nochmals die
dreidimensionale Darstellung

Die Matrizen haben eine spezifische Blockstruktur!


Darstellungen von Gruppen
Solche Matrizen nennt man blockdiagonal.
Multiplikation zweier Matrizen mit der gleichen Blockstruktur liefert
wieder eine Matrix mit dieser Blockstruktur!
Darstellungen von Gruppen

Betrachtet man zwei blockdiagonale Matrizen

die zu einer Darstellung der gegebenen Gruppe gehören, sodass gilt


Darstellungen von Gruppen
…dann folgt wegen der Blockstruktur

und damit gilt auch für die niedrigdimensionalen Untermatrizen

à auch die Untermatrizen bilden eine Darstellung der Gruppe!


Darstellungen von Gruppen
Man sieht: Wenn die Matrizen einer gegebenen Darstellung eine
Blockstruktur aufweisen (und zwar dieselbe für alle Matrizen), dann kann
diese Darstellung in neue Darstellungen kleinerer Dimension zerlegt werden.
Im C3v-Beispiel bilden die roten Blöcke eine 2-dimensionale, die grünen
Blöcke eine 1-dimensionale Darstellung.
Darstellungen von Gruppen
Es ist klar, dass die Prozedur der Zerlegung in Blöcke spätestens dann endet,
wenn es nur noch 1-dimensionale Blöcke gibt. In manchen Fällen erhält man
aber auch Blöcke höherer Dimension, die sich nicht weiter zerlegen lassen.

Darstellungen, die sich durch Blockdiagonalisierung in niedrigdimensionale


Darstellungen zerlegen lassen, heißen reduzible Darstellungen.
Symbol: Γ 567

Darstellungen, die sich nicht weiter in niedrigdimensionale Darstellungen


zerlegen lassen, heißen irreduzible Darstellungen.
Symbol: Γ8
Irreduzible Darstellungen

Die irreduziblen Darstellungen sind spezifisch für jede Gruppe und enthalten
komprimiert die gesamte Information über die Eigenschaften der Gruppe!

Zudem zeigt sich, dass es für Gruppen endlicher Ordnung auch nur endlich
viele irreduzible Darstellungen gibt, im Gegensatz zu den unendlich vielen
Möglichkeiten für reduzible Darstellungen.

à Kenntnis der irreduziblen Darstellungen ist entscheidend für die


Anwendung der Gruppentheorie auf konkrete physikalische/chemische
Fragestellungen!
Irreduzible Darstellungen
Man kann zeigen, dass die Matrizen der irreduziblen Darstellungen einige
besondere Eigenschaften haben, die es erlauben, sie direkt, ohne explizite
Betrachtung von reduziblen Darstellungen, zu konstruieren!
Insbesondere gilt das
Große Orthogonalitätstheorem (G.O.T.)

Dabei sind 𝐷8 und 𝐷9 die Matrizen für die Symmetrieoperation 𝑅 in den


Darstellungen Γ8 und Γ 9 , ℎ ist die Gruppenordnung und 𝑛8 ist die
Dimension der Darstellung Γ8 .
Irreduzible Darstellungen
Kurz gesagt, bedeutet das G.O.T., dass die Summe des Produkts der
Matrixelemente zweier irreduzibler Darstellungen über alle
Symmetrieoperationen nur dann nicht Null ist, wenn
• die Darstellungen gleich sind
• nur Matrixelemente mit den gleichen Indizes kombiniert werden

Wir überprüfen das anhand der 2- und 1-dimensionalen Darstellungen der


Gruppe C3v, die wir zuvor konstruiert haben.

Diese Darstellungen sind irreduzibel, wie wir später beweisen werden.


Irreduzible Darstellungen

Zunächst betrachten wir die 2-dimensionale Darstellung Γ (1) :

Fall 1: Gleiche Darstellung, gleiche Indizes, z.B. (1,1)


Summiert man die Produkte der grünen Zahlen mit sich selbst
über alle Matrizen, ergibt sich:
* 1 * 1 1 * 1 * 1 @
11 + −1 + − 1 +1 + −1 + −1 = 3 = 1 Gruppenordnung/Dimension
Irreduzible Darstellungen

Zunächst betrachten wir die 2-dimensionale Darstellung Γ (1) :

Fall 2: Gleiche Darstellung, verschiedene Indizes, z.B. (1,1)/(1,2)


Die Summe der Produkte „grün“ × „rot“ über alle Matrizen ergibt:
1 3 1 3 1 3 1 3
1A0+ − − + − +1A0+ − − + − =0
2 2 2 2 2 2 2 2
Irreduzible Darstellungen
Fall 3: Verschiedene Darstellungen, gleicher Index: (1,1)

Γ (1)

Γ (*)

Die Summe der Produkte „grün“ × „rot“ über alle Matrizen ergibt:
1 1 1 1
1A1+ − A1+ − A1+1A1+ − A1+ − A1=0
2 2 2 2