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Interpretation: „Gefunden“ von Goethe ( 1813 )

Das Gedicht „Gefunden“ wurde 1813 von Johann Wolfgang von Goethe verfasst. Es ist ein literarisches Werk der
Weimarer Klassik, das aus fünf Strophen mit je 4 Versen besteht. Es wird die Geschichte des Lyrischen Ichs erzählt,
der im Wald (V. 3) eine Blume findet (für ihn von unvorstellbarer Schönheit) und diese samt Wurzeln bei sich im
Garten einpflanzen möchte. In dem Gedicht geht es um die Liebe, die das lyrische Ich gegenüber einer Blume
empfindet, welche ebenso eine große Bedeutung für ihn aufweist.

Diese Thematik eröffnet mehrere Interpretationsmöglichkeiten.


Beim ersten Lesen ergab sich der Eindruck, dass es sich hierbei um ein Naturgedicht handeln könnte. Wenn man das
Gedicht tiefgründiger betrachtet, kann man interpretieren, dass es sich ebenso um ein Liebesgedicht handelt. Das
Gedicht spielt wahrscheinlich im Frühling, Sommer oder Herbst, da im Winter keine Blumen blühen.
Das lyrische Ich beschreibt in der 1. Strophe den Spaziergang, den er im Wald unternahm (V.3). Sein Ziel war „[…]
nichts zu suchen“ (V. 5), was jedoch keinen Sinn ergibt, weshalb hier eine gewisse Ironie zum Vorschein kommt.
Trotzdem ist die Grundstimmung in der 1. Strophe harmonisch und friedlich.
In der 2. Strophe ändert sich die Harmonie in ein Gefühl starker Aufregung und das Gefühl der Begeisterung.
„Im Schatten sah ich Ein Blümlein stehn,“, so das Lyrische Ich voller Begeisterung und Faszination, „Wie Sterne
blinkend; Wie Äuglein schön.“ (V. 7-8). Das „Wie“, das erstens als Vergleich, und zweitens als Anapher steht, betont
nochmals seine Gefühle und wird mit den Personifikationen unterstützt: „… Sterne blinkend… Äuglein schön“ (V. 7-
8). Die Faszination für die Blume, kann auch für ein anderes wichtiges Objekt in seinem Leben stehen, an welches ihn
die Blume erinnert. Der „Schatten“ (V.7), in dem er das schöne Blümlein entdeckte, könnte man als etwas Unschönes,
Verweilendes deuten, jedoch hat das keine Bedeutung für ihn, da er nur das Blümchen in Betracht zieht.
Auch die Verniedlichungen und Verschönungen, welche sich über das ganze Gedicht ziehen
(Z. 8 = „Blümchen“, Z. 10 = „Äuglein“, Z. 16 = „Würzlein“, Z. 18= „am hübschen Haus“), vertiefen seine Faszination
und Bewunderung gegenüber der Blume. Der Wald ist riesig, aber dem lyrischen Ich fällt die klitzekleine Blume in
dem Wald auf. Somit erhält die Blume die Assoziation mit etwas Einzigartigen und könnte den persönlichen Wert für
das lyrische Ich darstellen.
In der 3. Strophe möchte das Lyrische Ich die Blume gerne mitnehmen und deswegen „brechen“ (V. 9). Doch die
Blume fängt an zu sprechen, sie sagt: „Soll ich zum Welken Gebrochen Sein?“ (V.13-14). Die Frage von der Blume
an das lyrische Ich scheint den Eindruck zu bestätigen, dass es sich bei der Blume um etwas sehr wertvolles handelt.
Dabei steht das Wort „welken“ (V. 11) als Symbol für tiefe Trauer und den Tod. Aber auch hier findet man eine
gewisse Ironie, da eine Blume nicht sprechen kann, was auch auf eine Abweichung der Wirklichkeit zurückzuführen
ist. Das lyrische Ich reißt die Blume jedoch nicht einfach raus sondern es „[...] grub´s mit allen Den Würzlein aus“
(V.15-16), denn nur derjenige, der der Natur mit Respekt und Achtung begegnet, wird auch von ihr belohnt, nämlich
damit, dass das lyrische Ich weiter ihren schönen Anblick bewundern kann. Das lyrische Ich bricht die Blume am
Wegesrand nicht einfach, sondern gräbt sie behutsam mit allen Wurzeln aus. Hier kann es sich um einen Appell auf
die Achtung gegenüber der Schöpfung der Natur handeln, der darauf aufmerksam machen will, dass man auf die
kleinen Dinge im Leben achten und sie beschützen soll. In der vierten Strophe kommt die Harmonie wieder hervor,
z.B. durch „Am hübschen Haus“ V.18). In dieser Strophe gibt es einige formale Abweichungen, z.B. „grub´s“ (V.15)
oder ich´s“ (V.17).
Diese formalen Abweichungen findet man auch weiterhin im Gedicht verteilt („Walde“ V.3, „sagt“ V.12, „wollt“
V.11, „pflanzt“ V.19), welche überflüssig sind und dazu dienen, um Wörter einzusparen.
Das lyrische Ich berichtet in dieser Strophe, dass es das Blümchen mit zu seinem Haus zum Garten trägt (V.17-18)
und es dort wieder einpflanzt (V.19), damit es weiter endlos blühen kann (V.22). „Am stillen Ort“ (V.20) bringt
wieder die Harmonie und Gelassenheit zum Ausdruck.
Das Gedicht ist in veralteter, poetischer Sprache geschrieben, hat das Versmaß von einem zweihebigen Jambus und
die Sprechweise ist über das Gedicht emotional und harmonisch. Das Gedicht besitzt das Reimschema Kreuzreim
(abcb), wie z.B. „hin“ V.4 / „Sinn“ V.6; „fein“ V.12 / „sein“ V.14; „aus“ V.16 / „Haus“ V. 18….

Zusammenfassend lässt sich zum Abschluss noch einmal sagen, dass das Gedicht zu einem achtsamen Umgang mit
der Natur auffordert, aber es eben besonders um Liebe zwischen dem lyrischen Ich und der Blume geht, da er
fasziniert von ihr ist, und weshalb er am Anfang auch geblendet von ihrer Schönheit war. Deshalb wollte er sie, ohne
nachzudenken, aus der Erde reißen, nur, damit sie ihm gehöre.
Ebenso will das Gedicht mitteilen, dass es auch in den dunklen Ecken des Lebens immer ein kleines bisschen
Hoffnung und Freude gibt.

Emily Braun; 10A

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