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Inhalt

EDITORIAL
HAMBURGER AUSZEITEN
SCHWEINESAND
KUNSTSTÄTTE BOSSARD
DIE SEEVE
ALTER HARBURGER FRIEDHOF
ARBORETUM
KLOSTERINSEL BORDESHOLM
BLIEDERSDORF
FÄHRANLEGER NEUHOF
INSEL NEUWERK
AMMERSBEK
TÖPSHEIDE
WULKSFELDER FORST
SCHWARZENBERG
HÖLTIGBAUM
SCHLOSSINSEL BARMSTEDT
LIETHER KALKGRUBE
KAFFEEGARTEN SCHULDT
BREDENBEKER TEICH
HEUCKENLOCK
SCHWEBEFÄHRE
BESENHORSTER SANDBERGE
HETLINGER SCHANZE
CHINESISCHES TEEHAUS
SCHRÖDERSTIFT
STOVER ELBSTRAND
HOTEL ATLANTIC
DIE REIT
NORD-OSTSEE-KANAL
WOHLERS PARK
TONTEICH WOHLTORF
EIMSBÜTTELER PARK
FALKENRIED-TERRASSEN
MARSCHLAND-DRAISINEN
KEHDINGER MOOR
ALTENWERDER
LOKI-SCHMIDT-GARTEN
BISMARCKSTEIN
MÖNCHSTEICH
HANSKALBSAND
BIOSPHÄRENRESERVAT SCHAALSEE
IMPRESSUM
REISEATLAS
ÖPNV-NETZPLAN
Editorial
Hamburg ist eine der schönsten und aufregendsten Städte in Deutschland. Sie weckt große Bilder im
Kopf. Weltweit. Vom Hafen mit riesigen Containerschiffen und der neuen Hafencity. Von der
angesagt-verruchten Reeperbahn oder dem vom Underdog-Mythos geprägten FC St. Pauli.
Dass Hamburg jenseits all dieser großen Namen und Institutionen eine Fülle ganz besonderer Ecken
und Winkel, großartiger Landschaften und charmanter Plätze am Wasser oder urbaner Kleinode zu
bieten hat, davon sind selbst viele alteingesessene Hamburger überrascht.
Es gibt viele Publikationen zu und über Hamburg. Die meisten haben die Topsehenswürdigkeiten im
Fokus, orientieren sich an dem, was Hamburg weit über die Stadtgrenze hinaus berühmt gemacht hat.
„Hamburg: Kleine Paradiese“ ist das Kontrastprogramm dazu. In zwei großen Serien hat die
HAMBURGER MORGENPOST ebendiese leise und unbekannte Seite Hamburgs und seiner
Umgebung vorgestellt, zu der es keine Wegweiser gibt. Diese Serien sind die Vorlage für die
Koproduktion des vorliegenden Guides mit MARCO POLO.
Lassen Sie sich von dem Reiz der 40 ausgewählten Orte inspirieren und lernen Sie diese Stadt mit
ihrer Umgebung von einer ganz anderen Seite kennen.

Weitere Informationen zu unseren kleinen Paradiesen finden Sie unter: www.marcopolo.de/kleine-


paradiese
Rein ins Grüne
Naturparadiese Paradiese? Na klar, da denkt jeder erst mal an den Garten Eden, an üppig
wucherndes Grün, an überbordende Natur. Dass Sie in Hamburg dafür gar nicht immer „raus ins
Grüne“ fahren müssen, zeigt Ihnen dieser Band: Der Wohlers Park ist gerade mal 100 m vom
tosenden Verkehr auf der Stresemannstraße entfernt. Und vom vierspurigen Ring 2 sind es keine
50 Schritte, bis Sie mitten im Eimsbütteler Park Am Weiher stehen.
Spannungsreich
Urbane Paradiese Industrieromantik und dörfliche Idylle, Hafenanlagen und alternatives Flair, der
einsame Kirchturm eines aufgegebenen Fischerdorfs im Angesicht eines ultramodernen
Containerterminals: Haben Sie Sinn für den Charme solch spannungsreicher Kontraste? Dann erleben
Sie Altenwerder oder die Eppendorfer Falkenried-Terrassen, den Fähranleger Neuhof oder die
Schröderstiftwiese als – nun ja –: kleine Paradiese!
Fit ohne Studio
Paradiese für Aktive Wenn das reine Paradies eher nichts für Sie ist, weil es Sie nach zehn Minuten
in den Beinen kribbelt und in den Fingern juckt, finden Sie Ihr Glück in, an oder auf einem kleinen
Paradies wie dem Nord-Ostsee-Kanal, wo Sie endlos radeln, oder der Seeve, wo Sie ausgiebig
paddeln können!
Bad, Sand, Fluss
Maritime Paradiese Grün ohne Blau ist für Sie kein Garten Eden, sondern eine grüne Hölle? Dann
tauchen Sie ab in den Badeseen Bredenbeker Teich oder Mönchsteich, erkunden wandernd die
Wasserwildnis am Wilhelmsburger Heuckenlock oder begeben sich mitten hinein in Hamburgs
großen Strom und spielen einen Sommertag lang Robinson auf den beiden Elbinseln Schweinesand
und Hanskalbsand! Und wenn Sie mal richtig Zeit haben, besuchen Sie ein Stück Hamburg im
Nationalpark Wattenmeer: Mit der Fähre, dem Wattwagen oder zünftig zu Fuß geht es von Cuxhaven
hinaus ins Meer auf Hamburgs Insel Neuwerk. Ein kleines Paradies für Wassermänner und -frauen!
Zu Gast in alten Zeiten
Historienreiche Paradiese Wer gern auf Spurensuche geht oder sich auf Zeitreisen begibt, macht
vielleicht am Stahlkoloss der Schwebefähre Osten eine Stippvisite in den Kindertagen der
Industrieära. Oder Sie schauen im Biosphärenreservat Schaalsee in jener Epoche vorbei, als der See
im „Zonenrandgebiet“ lag und teils zur „BRD“, teils zur „DDR“ gehörte, erleben einen Tag als Bauer
zu Ururopas Zeiten – stilecht mit Lehmputz und Plumpsklo – in Bliedersdorf oder beamen sich 270
Mio. Jahre zurück und picknicken in der Liether Kalkgrube auf dem Gipfel eines unterirdischen
Salzgebirges.
Wem ein Kopfsprung mitten ins Fahrwasser der Elbe nicht ganz geheuer ist: Von der Insel aus kommen Sie bequem und mit den Füßen zuerst ins Wasser

Boote schaukeln auf dem Wasser, der feine Sand ist fast weiß, die Sonne lacht, ein paar
Schönwetterwolken ziehen vorbei: Nein, die Rede ist nicht von der Karibik, sondern von Hamburg.
Genauer: von Schweinesand, dem wohl schönsten Strand der Stadt.
Im Halbkreis schmiegt sich eine Sandbank an ein kleines Wäldchen. Zwei kleine Strände, gerade groß
genug für ein paar Picknicker und Sonnenanbeter. Nur das Wasser ist nicht türkis, sondern
schlickbraun. Und statt endloser Weite hinterm Horizont gibt es Blankenese zur Linken, den Hafen in
der Mitte und rechts die Airbus-Anlagen von Finkenwerder. 8 km lang und manchmal nur ein paar
Meter breit ist dieses menschengemachte Paradies, das zu den Bundesländern Hamburg, Schleswig-
Holstein und Niedersachsen gehört und einen Eindruck vermittelt, wie die Elbe aussah, bevor die
Hamburger sie begradigten und ihre Ufer befestigten: lange Strände, Priele und Watt, üppig
bewuchert und Heimat zahlloser Tiere. Noch heute leben hier mehrere gefährdete Arten wie
Löffelenten, Nonnengänse, Zwergmöwen und Trauerseeschwalben. Seehunde umkreisen die Inseln
wegen des Fischreichtums. Und seit ein paar Jahren ist sogar der Seeadler wieder heimisch.
Dicke Pötte, elegante Schoner, Sonnenuntergänge zum Dahinschmelzen: Panoramablick von den Elbinseln

Während auf der stromabwärts gelegenen Nachbarinsel Hanskalbsand, der einzigen der drei Inseln,
die nicht unter Naturschutz steht, am Wochenende große Privatfeste gefeiert werden und heimliche
Dauercamper den Sommer genießen, gehört Schweinesand der Natur. Nur der Strand darf hier
betreten werden. Und dafür braucht man – schlecht für Entdecker, gut für Tiere – ein eigenes Boot,
am besten mit Motor. Denn wegen der Strömung und des dichten Schiffsverkehrs ist die Überfahrt von
Blankenese aus gefährlich. Leichter geht es vom Cranzer Elbdeich auf der anderen Seite des Flusses.
Wer es einmal geschafft hat, genießt nahezu karibisches Flair, während direkt vor der Nase die
Containerriesen vorbeidampfen.
Den Namen Schweinesand trägt die Insel seit dem 19. Jh. Woher der ungewöhnliche Name kommt
und ob überhaupt jemals Schweine die Insel betreten haben, ist nicht überliefert. Streng genommen ist
Schweinesand heute auch gar kein eigenes Eiland, sondern ein „Dreiland“. Ursprünglich war
Schweinesand eine eigene Insel mitten in der Elbe. Während des Zweiten Weltkriegs baggerte man
den sogenannten Neßhaken aus, um Landeplatz für Wasserflugzeuge zu schaffen. Das (inzwischen
wegen Airbus wieder zugeschüttete) Mühlenberger Loch entstand. Den ausgehobenen Sand kippte
man hinter Schweinesand, wodurch die neue Insel Neßsand entstand. Ab 1965 wurde die Elbe erneut
ausgebaggert; mit diesem Schlick wurde dann die vor Wedel liegende Insel Hanskalbsand mit Neß-
und Schweinesand verbunden.
ADRESSE
Reiseatlas [E–F 2–3]
Schweinesand ist eine Elbinsel zwischen Cranz und Blankenese.
ANFAHRT
Schweinesand ist ausschließlich per Boot erreichbar. Einen organisierten Fährdienst gibt es jedoch
nicht.

Perfekter Picknickplatz: Den Strand von Schweinesand haben Sie meistens für sich allein
Zwischen 1930 und 1935 bemalte das Ehepaar Bossard in diesem Raum seines Wohnhauses Wände und Fenster, schnitzte Holzpaneele und schuf so den „Edda-Saal“

Vor gut 100 Jahren begann ein Aussteiger in der Heide, seinen Traum zu leben. Die Kunststätte
Bossard ist sein Erbe, ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk mit Wohn- und Atelieranlagen in
einer wunderschönen Parkanlage.
Mit dem ganzen modernen Mist wollte Johann Michael Bossard nichts zu tun haben. Als im frühen 20.
Jh. alle in die Städte zogen, ging er aufs Land. Natur und Kunst, dafür wollte er leben – er träumte von
einem autarken Leben auf dem Land im Einklang mit der Natur, von Selbstversorgung und einem Idyll,
in dem Künstler zusammenkommen. Und so kaufte der damals 37-jährige Bildhauer und Maler 1911
am Rand der Lüneburger Heide 3 ha Land. Zwischen Tannen und Feldern, fernab vom Lärm der
modernen Welt, liegt die Kunststätte noch heute.
Vom Garten bis zum Giebelfenster ist alles genau durchdacht, akribisch bemalt, gemeißelt,
geschreinert. Wo Bossard einst sein persönliches Paradies schuf, kommen heute gestresste Städter zur
Ruhe. 40 Jahre lang arbeitete er hier, baute ein Atelierhaus für sich und seine Frau Jutta. Er
konstruierte einen Kunsttempel, den er mit Mosaiken und schöner Malerei ausgestaltete, schuf
Skulpturen und legte einen verwunschenen Garten an. Es ist kaum zu glauben, dass nur vier Hände die
vielen Gemälde gemalt, die verspielten Holzpaneele geschnitzt, die Mosaikfliesen verlegt, die vielen
Fenster verziert haben sollen. Johann Michael und Jutta Bossard hatten kaum Hilfe.
Die Kunststätte ist das Lebenswerk des Ehepaars. Heute, ein Jahrhundert nach dem Landkauf, ist das
noch immer im Originalzustand erhaltene Werk der Bossards ein außergewöhnliches Ausflugsziel für
Heidewanderer und für Hamburger, die einen Tag abschalten wollen: Still ist es auf dem Gelände,
jeder findet eine Nische zum Alleinsein. Von März bis Dezember werden jeden Sonntag Führungen (3
Euro) durch die Kunststätte angeboten. Nur im Rahmen einer Führung (April–Okt., 5 Euro) können
auch die Privaträume des Ehepaars Bossard besichtigt werden. Das 100-jährige Jubiläum
ist Anlass einer Dauerausstellung, die sich mit Bossards Studienzeiten und seinen ersten Schritten als
freiberuflicher Künstler beschäftigt. Nach Jutta Bossards Tod 1996 wurde das Werk von Johann
Michael Bossard und seiner Frau in eine Stiftung überführt. Diese sorgt für den Erhalt und präsentiert
in der alten Werkstatt die Werke. Dazu werden Kurse, Aktionstage (auch für Kinder), Lesungen,
Konzerte und Vorträge angeboten. Auch Werke anderer Künstler werden im Rahmen von
Ausstellungen gezeigt.
ADRESSE
Reiseatlas [B6]
Bossardweg 95, 21266 Jesteburg, März–Okt. Di–So 10–18, Nov.–Feb. Sa/So 10–16 Uhr, Eintritt 7
Euro, bis 18 Jahre frei, zu Führungen anmelden unter Tel. 04183 51 12, www.bossard.de
ANFAHRT
Bahn und Rad: R 40 bis Buchholz, ab hier Radweg (ca. 7 km) entlang der Landstraße K 83 über
Lüllau zur Kunststätte. Auto: A 1 bis Abfahrt 42 (Dibbersen) oder A 7 bis Abfahrt 38 (Seevetal-
Ramelsloh), ab dann den braunen Schildern zur Kunststätte folgen.
IN DER UMGEBUNG
Essen und Trinken
Auf dem Gelände der Kunststätte selbst gibt es ein kleines Café mit selbst gebackenem Kuchen und
fair gehandeltem Kaffee, das jedoch nur an den Sommerwochenenden (Sa/So 12–18 Uhr) und auf
Anfrage geöffnet ist.

Wildpark
Nur eine Viertelstunde Autofahrt von der Kunststätte entfernt liegt nahe der Autobahnabfahrt Garlstorf
der Wildpark Lüneburger Heide (kostenlose Parkplätze vorhanden). Hier schleichen sibirische Tiger
umher, Kodiakbären und Timberwölfe teilen sich ein Gehege, es gibt einen Streichelzoo und eine
Flugschau.
Am Wildpark, 21271 Nindorf-Hanstedt, März–Okt. tgl. 8–19, Nov.–Feb. 9–16.30 Uhr, Eintritt 9,50
Euro, bis 14 Jahre 7,50 Euro, www.wild-park.de
Selbst im Sommer wird die Seeve nur sechs bis acht Grad warm – gerade recht, wenn Sie beim Paddeln richtig ins Schwitzen gekommen sind

Die Seeve ist Norddeutschlands kältester Fluss. Wer im Kanu über das klare Wasser gleitet, kann so
manchen ungewöhnlichen Bewohner entdecken.
Die dicken Krabbler sind ein Hingucker
Ein Riesenkrebs! Nicht etwa in der Nordsee, sondern im Flüsschen Seeve südlich von Hamburg?! Es
ist eine Wollhandkrabbe, eingeschleppt aus China von den großen Frachtschiffen – und häufig
anzutreffen bei Paddeltouren auf dem Nebenfluss der Elbe. Fischer hassen den asiatischen
Einwanderer, der die Flussflora und -fauna gehörig durcheinanderbringt. Doch für Ausflügler, die im
Kanu über die Seeve gleiten, ist der dicke Krabbler jedes Mal wieder ein echter Hingucker – selbst
am Grund ist er leicht zu sehen, denn das Wasser dieses kältesten Flusses Norddeutschlands ist
glasklar. Nur sechs bis acht Grad warm ist die Seeve – selbst im Sommer.
Doch vielen Kanufahrern ist das gerade recht: Nach zwei bis zweieinhalb Stunden Paddeltour von
Jesteburg bis zur Horster Mühle ist das kühle Nass genau die richtige Erfrischung. Wer nicht einfach
vom Kanu ins Wasser steigen möchte, kann auch zur kleinen Badestelle nahe der Horster
Mühle gehen. Im Sommer kann die Seeve schon mal stark befahren sein. Wer unter der Woche oder
früh genug startet, kann den Fluss aber ganz in Ruhe genießen.
Die Fahrt führt vorbei an einem gewaltigen Eisenbahnviadukt, über flotte Stromschnellen und mitten
hindurch durch das Bendestorfer Wehr, wo man wunderbar picknicken kann. Weiter geht es über
zahlreiche Windungen durch idyllische Wiesenlandschaften, aber auch durch herrlich grüne, dicht
bewachsene Waldstücke, die fast Amazonasfeeling aufkommen lassen. Krokodile gibt es hier zwar
nicht, dafür aber Bisamratten, Biber, Aale, Äschen, Lachse, Hechte – und wer Glück hat, kann einen
Eisvogel mit seinem exotisch blauen Gefieder über die Wasseroberfläche ziehen sehen.
Endstation der Kanutour ist die Horster Mühle, die seit 125 Jahren von der Familie Schmanns
betrieben wird und noch immer läuft – allerdings nicht mehr zum Getreidemahlen, sondern zur
Stromerzeugung für den Betrieb des Restaurants. Um die Natur zu schonen, darf die Seeve nur auf
dem knapp 8 km langen Abschnitt zwischen dem Eisenbahnviadukt in Jesteburg und der Horster
Mühle befahren werden – und auch das nur in der Zeit zwischen 9 und 18 Uhr. Die Miete für ein
Kanu kostet je nach Typ ab 23 Euro pro Tag. Ein Rücktransport von der Horster Mühle kann
organisiert werden (ca. 35 Euro). Beim Anbieter Seeve-Kanutouren ist der Treffpunkt bereits bei der
Horster Mühle. Von dort bringt der Kanuverleiher Sie zur Einstiegsstelle.
ADRESSE
Reiseatlas [B5]
Start der Kanutouren ist am Eisenbahnviadukt zwischen Jesteburg und Marxen an der Straße An der
Au, Endpunkt bei der Horster Mühle. Kanuverleih: Heide-Kanu (Tel. 04132 93 39 33, www.heide-
kanu.de) oder Seeve-Kanutouren (Tel. 04181 85 19, www.seeve-kanu.de). Gasthaus Horster
Mühle: Zur Wassermühle 4, 21220 Seevetal, Tel. 04105 8 26 43. Öffnungszeiten: Mo ab 16, Do/Fr
ab 12, Sa/So ab 10 Uhr, www.horstermuehle.de
ANFAHRT
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anfahrt sehr aufwendig. Mit dem Auto auf der A 1 bzw. A 7
bis Maschener Kreuz, dort auf die A 39 Richtung Lüneburg bis Abfahrt Maschen. An der ersten
Kreuzung (Aral-Tankstelle) links, anschließend 3 km geradeaus, in Horst über die Autobahnbrücke,
dann die zweite rechts.

Im Kanu auf dem Heide-Amazonas: keine Kaimane, aber – mit Glück – Biber und Bisamratten
Die „T rauernde” am Grab der Familie Eddelbüttel

In diesem Park wandeln Sie zwischen Leben und Tod: Während Sie auf dem schönen alten Friedhof
zwischen Gräbern entlangspazieren, klingt von nebenan das fröhliche Pausengeschrei der Kinder der
nahen Schule an der Baererstraße.
Der bronzene Jüngling schaut traurig auf ein verfallenes Grab. Eine Dame aus Sandstein lehnt an
einer Säule und blickt schwermütig in die Ferne. Roter Fingerhut rankt an verrosteten Gittern: Die
letzte Beisetzung auf dem Alten Harburger Friedhof an der Bremer Straße liegt schon fast ein halbes
Jahrhundert zurück. Zwar wurde der Friedhof bereits 1937 stillgelegt, doch bis 1969 gab es in
Familiengräbern weiterhin Bestattungen.
Alte Bäume und verwunschene Plätze
Bevor der Friedhof 1984 unter Denkmalschutz gestellt wurde, gab es kontroverse Debatten um die
Verwendung des Areals nach Ablauf der Grabstellen. Es drohte sogar eine Zerschneidung des
Geländes durch eine Straße. Heute ist die Anlage ein Park, aber durch die alten Gräber sind Tod und
Trauer noch immer allgegenwärtig. Wer sich die Mühe macht, ein paar der alten Inschriften auf den
verwitterten Grabsteinen zu entziffern, taucht in die Geschichte ein: Harburger Lokalgrößen wie der
Senator Carl Maret oder der Maler Richard Eddelbüttel haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Ihre
Namen schmücken noch heute Straßen im südlichsten Bezirk Hamburgs.
1828 wurde der „Friedhof auf dem Krummholzberg” eingeweiht. Bald schon zeichnete sich ab, dass
der Platz nicht ausreichen würde. So wurde bereits 1892 der größere „Neue Friedhof” außerhalb des
Stadtzentrums eingeweiht. Der alte Friedhof verfiel zusehends. Erst seit einigen Jahren kümmert sich
der Verein alter Friedhof Harburg (www.verein-alter-friedhof.de) um das Areal, damit der Zauber
der Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät. Wer sich für ein Stündchen von der Hektik der
Großstadt zurückziehen möchte, findet hier verwunschene Plätze. Das 6 ha große, mit alten Bäumen
bestandene Gelände ist als Gartendenkmal ausgewiesen. Seine Bedeutung besteht sowohl in den alten
Grabstätten als auch in seiner Funktion als innerstädtische Grün- und Erholungsanlage. Gönnen Sie
sich im Frühjahr einen Spaziergang über die Wiesenflächen, die dann sehr schön blühen! Sogar einen
Spielplatz für Kinder gibt es inzwischen. Außerdem steckte die Stadtentwicklungsbehörde etwa 700 
000 Euro in die Anlage, davon wurden u. a. neue Eingänge gebaut.
Heute herrscht eine ganz eigene Stimmung an diesem stillen Ort mitten im Zentrum des Stadtteils.
Welch ein Kontrast dazu die Schule Baererstraße, die an den Friedhof grenzt: Ausgelassen toben die
Kinder auf dem Schulhof. Blühendes Leben – vom Tod getrennt nur durch einen rostigen Zaun.
ADRESSE
Reiseatlas [B4]
Es gibt mehrere Eingänge, u. a. an der Bremer Straße.
ANFAHRT
Mit der S-Bahn bis Harburg-Rathaus, mit dem Auto über Bremer Straße/Brunsstraße oder
Maretstraße.

Leben und T od: Roter Fingerhut (giftig!) vor dem rostigen Gitter eines Familiengrabs
Der Bauerngarten: Weil es viel mehr als nur Bäume zu bewundern gibt, trägt das Arboretum den Beinamen „Norddeutsche Gartenschau”

Ein Garten? Ach was: viele Gärten! Ein blauer, ein roter, ein weißer, einer, der aussieht wie in der
Toskana, und einer, in dem ein lebensgroßer Dinosaurier grast. Willkommen im Arboretum, dem
faszinierenden Baumpark in Ellerhoop!
Es duftet, es leuchtet, es summt und brummt – und an manchen Ecken wächst es wie verrückt: „Die
Stangen hier wachsen 48 Zentimeter in zwölf Stunden”, erklärt ein Arboretum-Mitarbeiter und weist
auf den himmelhohen Zauberbambus (Phyllostachys vivax). Früher stellte auf dem 17 ha großen
Gelände eine Baumschule ihre Gehölze vor. Daher der Name – arbor heißt auf Lateinisch Baum.
Weil es inzwischen viel mehr zu gucken gibt als Bäume, trägt das Arboretum seit 2009 den Beinamen
„Norddeutsche Gartenschau”. Jedes Jahr werden hier rund 30 000 verschiedene Sommerblumen
gepflanzt. Berühmt ist das Arboretum auch für die größte Pfingstrosensammlung Deutschlands mit 400
verschiedenen Sorten.
Als Besucher schlendern Sie durch den Bauerngarten wie durch ein Gemälde und bewundern
Raritäten wie den seltenen Blauen Mohn. Verblüffendes wartet hier an jeder Ecke – etwa der riesige
Dinosaurier, der plötzlich am Wegrand auftaucht. Er steht in jenem Teil der Gartenschau, die
ausschließlich mit Pflanzen gestaltet ist, die es schon zu Zeiten der Dinos gab – etwa den urtümlichen
Sumpfzypressen, die mitten im See hinter dem Urviech stehen. Am Ufer liegt ein Stammstück, das
unfassbare 12 Mio. Jahre alt ist. Neben dem Urwald aus der Braunkohlezeit liegt ein kleiner Strand,
der die Bernsteinzeit symbolisiert: Hier können Kinder im Sand Bernsteine suchen – keine echten
zwar, aber Spaß macht es trotzdem. Immer wieder gibt es versteckte Nischen in den Themengärten,
etwa im „Garten der Seele”, in dem blaue Blüten vor himmelblauen Platten aus brasilianischem
Quarzit leuchten. Jeden Dienstag ab 16.10 Uhr dreht der NDR hier mit Fernsehgärtner John
Langley. Zuschauer willkommen!
ADRESSE
Reiseatlas [E–F6]
Thiensen 4, 25373 Ellerhoop, Mai–Sept. tgl. 10–19, Uhr, Okt./Nov. und 16. Jan.–April tgl. 10 Uhr–
Einbruch der Dunkelheit, 7 Euro, Kinder bis 16 Jahre 2 Euro, www.norddeutsche-gartenschau.de
ANFAHRT
S 3 bis Pinneberg, dann Buslinie 185 bis Ellerhoop, Arboretum. Mit dem Auto auf der A 23 bis zur
Abfahrt Tornesch.
IN DER UMGEBUNG
Kaffee trinken in der Zelle
Aus dem ehemaligen Schlossgefängnis im 10 km nördlich gelegenen Barmstedt wurde ein lauschiges
Café mit Bildergalerie: Galerie-Café Schlossgefängnis, Rantzau 9, Tel. 04123 61 39, Mo–Fr 12–
19, Sa/So 10–19 Uhr, www.schlossgefaengnis.de

Feine Küche im Denkmal


Die Landdrostei (www.landdrostei.de) im Backsteinbarock ist das bedeutendste Baudenkmal im
Kreis Pinneberg. Hier wohnte einst der dänische Verwalter der Grafschaft Pinneberg. Heute finden
hier Kulturveranstaltungen statt. Feine Küche (Drei-Gang-Überraschungsmenü 29,90 Euro) in edlem
Ambiente genießen Sie im Restaurant Zur Landdrostei. Dingstätte 23, Tel. 04101 20 77 72, Sa-
Mittag und Mo geschl., www.zur-landdrostei.de
Der Dinosaurier am Wegrand „grast” inmitten von Pflanzen, die es schon zur Braunkohlezeit gab
Ein Kunstwerk der Natur: abgestorbener Hainbuchenstamm mit gedrehter Holzstruktur auf einer Picknickwiese

Ein uralter Baum, eine gotische Klosterkirche, ein unterirdischer Gang und eine romantische
Picknickwiese mit Seeblick – die Bordesholmer Klosterinsel ist besonders für Radler ein Traum.
Da steht sie also, die berühmte Bordesholmer Linde, einer der ältesten Bäume in Schleswig-Holstein:
18 m hoch, eine mächtige Erscheinung, auch wenn dem Naturdenkmal derzeit ein Pilz zu schaffen
macht und die Krone stark gestutzt werden musste. Seit mindestens 650 Jahren steht die Linde hier.
Unzählige Urteile haben die Richter des Amts Bordesholm unter ihrem Blätterdach gesprochen, bis
zum Beginn des 19. Jhs. Am 24. März 1873 wurde eine Tafel am Stamm angebracht: „Manches sah
dein gewaltiger Dom ...” – zum Gedenken an die Erhebung der Holsteiner 1848 gegen die Dänen,
unter deren Verwaltung das Herzogtum Holstein und Schleswig stand.
Mächtig wirkt die 1332 geweihte Klosterkirche ganz aus Ziegelstein
Auf halber Strecke um den See lockt eine kleine Badestelle
Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich die Klosterkirche, letztes Relikt des einstiges
Chorherrenstifts. Im Kirchhofgarten stehen einige alte Grabsteine, malerisch verwittert. Ein
verwunschener Gang führt an stillen Gärten vorbei ans Seeufer. Die Chorherren, die diesen
lauschigen Platz einst bewohnten, waren hochgebildete Männer. Die kostbaren Bücher des Klosters
bildeten 1665 den Grundstock der neu gegründeten Christian-Albrechts- Universität in Kiel. Noch
heute finden die jährlichen Ehrenpreisverleihungen der Uni auf der Klosterinsel statt.
Eine echte Insel ist das übrigens gar nicht, eher ein Stück erhöhtes Gelände am Bordesholmer See.
Von der Kirche blickt man hinab auf eine sanft abfallende Wiese mit weißen Bänken –
perfekt für ein Picknick. Der Rad- und Spazierweg um den See ist 5 km lang. Auf halber Strecke,
gegenüber der Kirche, liegt eine Badestelle.
Wer nach Radeln und Baden noch Lust auf ein bisschen Kultur hat: Im Klostergewölbe haben
Archäologen einen unterirdischen Gang gefunden, durch den die Chorherren heimlich ihr Stift
verlassen konnten. Gerüchte besagen, dass die keuschen Priester sich von hier aufmachten, um die
Nonnen im nahen Kloster Preetz zu besuchen. Wo früher das Stift stand, ist heute ein Seniorenheim.
Gewölbe und Gang können aber samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr kostenlos besichtigt
werden.
ADRESSE
Reiseatlas [B1]
Die Kloster-„Insel” ragt beim Lindenplatz in Bordesholm an dessen Nordwestzipfel in den
Bordesholmer See. Sie ist ganzjährig frei zugänglich.
ANFAHRT
Mit der R 70 stündlich ab Hauptbahnhof zum Bahnhof Bordesholm, dann mit dem Fahrrad oder zu
Fuß über Bahnhofstraße und Holstenstraße zum See (2 km). Mit dem Auto auf der A 7 ca. 70 km
Richtung Norden bis zur Abfahrt Bordesholm.
IN DER UMGEBUNG
Italienische Küche
Leckeren Kaffee und Kuchen sowie köstliche italienische Küche serviert das Restaurant Makkarita
gegenüber vom Bahnhof. Jeden Dienstagabend bietet das Restaurant „Pasta satt” für nur 5,50 Euro an.
Mühlenstraße 5, Tel. 04322 88 88 00, Di–Fr ab 15, Sa ab 18 Uhr, Küche bis 22 Uhr,
www.makkarita.de

Antiquitäten, Kaffeegarten und Holsteiner Küche


Kunstobjekte aus Stahl, Holz und Stein, Open-Air-Skulpturen, Antiquitäten und dazu regionale Küche
und Kaffee und Kuchen: Der Antikhof Bissee 9 km östlich bietet einen urigen Speisesaal, einen
romantischen Kaffeegarten und Schönes rund ums Wohnen. Eiderstraße 13, Tel. 04322 25 00,
Öffnungszeiten: Di–Fr ab 18, Sa/So ab 12 Uhr, www.antikhof-bissee.de

Bordesholms Wahrzeichen, die mindestens 650 Jahre alte Linde, musste gestutzt werden
Werner Heidenreich kümmert sich um die Beete. Dank seiner Liebe zum Detail sieht das urtümliche Bauerndorf so authentisch aus

Wer hat bloß die Uhr zurückgedreht? Diese Frage stellt sich Ihnen in Bliedersdorf im Landkreis
Stade, sobald Sie einen Schritt hinter die überall gleichen Siebziger-Jahre-Häuser machen – und
plötzlich mitten in einem historischen Bauerndorf stehen.
Noch vor zehn Jahren war an dieser Stelle nur ein schnöder Acker – heute blüht der Bauerngarten wie
wild. Eine Liegewiese umrahmt Kräuter und Blumen. In den Wipfeln der Eichen rauscht der
Sommerwind. Vögel zwitschern um die Wette und auch am Bienenstock herrscht emsiges Treiben.
Doch der Besuch im Bauerndorf ist mehr als ein Ausflug in eine grüne Idylle: Hier begeben Sie sich
auf eine Zeitreise in die Ära vor Waschmaschine und Elektroherd – hier gibts noch ein Plumpsklo,
einen antiken Heuwagen, Werkzeuge aus Ururopas Zeiten und vieles mehr von anno dazumal.
Die vier Fachwerkhäuser sind zwar zwischen 140 und 250 Jahre alt, doch noch im Jahr 2000 stand
keins von ihnen hier. Damals begann der pensionierte Ingenieur Rainer Kröger mit seinem Verein
„Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf”, verrottete Bauten aus der Umgebung zu demontieren und in
Bliedersdorf wieder aufzubauen. „Wir wollen das kulturelle Erbe erhalten”, sagt Kröger. Deshalb
wird im Bauerndorf auch nur mit historischen Baustoffen gearbeitet. Glaswolle, Estrich und
Bodenpappe? Fehlanzeige. Allein für die Schmiedewerkstatt und die Durchfahrtsscheune haben die
Männer 480 Holznägel geschnitzt, aus 600 Haselnuss- und Weidenruten die Außenwände geflochten
und mit viel Lehm verputzt. Fürs Fundament wurden unzählige Findlinge herangeschafft. Die Buckelei
hat sich gelohnt: Das Backhaus und der Schafstall stehen bereits unter Denkmalschutz. Wichtiger ist
aber: Dank dieser akribischen Liebe zum Detail sieht das Bauerndorf zauberhaft authentisch aus – als
Besucher haben Sie das Gefühl, durch ein zum Leben erwecktes Geschichtsbuch zu spazieren.
Der Eintritt zum Bauerndorf ist frei, Picknicken und Rasten sind erlaubt. Gruppen, die mit Kuchen und
Kaffee empfangen werden wollen, melden sich vorher beim Verein an.
ADRESSE
Reiseatlas [D3]
Dohrenstraße, 21640 Bliedersdorf, Tel. 04163 77 98, www.bhbev.de
ANFAHRT
Mit der S 3 Richtung Stade bis Horneburg, ab da weiter mit dem Anruf-Sammeltaxi 2933 nach
Bliedersdorf. Mit dem Auto durch den Elbtunnel über die A 7 in Richtung Süden, an der
Anschlussstelle Heimfeld abfahren auf die B 73 in Richtung Stade, 9 km hinter Buxtehude bei
Postmoor links.
IN DER UMGEBUNG
Hausgemachte Würste
Wer Bliedersdorf besuchen will, sollte Picknickkorb und Decken einpacken. Doch eines dürfen Sie
getrost vergessen: die Wurst. Denn wenige Schritte vom Bauerndorf entfernt bekommen Sie
handgemachte Wurstspezialitäten nach Familienrezept. Die Schinkenräuchrei Höper
(Dohrenstraße 11) hat in der Woche bis 18, am Sonnabend bis 12 Uhr geöffnet.
Seemanns Sundowner: Zum Sonnenuntergang im Angesicht der Köhlbrandbrücke rinnt das Feierabendbier doppelt geschmeidig durch die Kehle

Im Schatten der Köhlbrandbrücke gibt es eine Prise Industrieromantik und weite Horizonte. Ein
schlichter Fähranleger als Aussichtspunkt: So schön kann der Feierabend im Hafen sein!
Das wohl schönste Lichterspiel der Stadt
Laster donnern vorbei, Schornsteine qualmen, es ist laut und ja: Vielerorts stinkt es sogar.
Paradiesisch ist was anderes. Doch der Hafen bietet, was hübsche Parks und nette Cafés nicht haben:
brachiale Gegensätze, industriellen Charme und das wohl schönste Farben- und Lichterspiel der
Stadt. Am lässigsten ist es nach Feierabend. Klar kann man sein Bier dann am Elbstrand genießen.
Oder in einer Szenebar in der Schanze. Doch während dort längst Schatten herrscht, kann man die
Füße vom Fähranleger Neuhof baumeln lassen und zugucken, wie der Sonnenuntergang die Wolken
erst gelb und dann allmählich rosa färbt, wie über einem die Lichter der Köhlbrandbrücke zu
glimmen anfangen, dann immer stärker leuchten und schließlich ein helles Band in den Himmel
zeichnen. Richtig friedlich wird es dann im industriellen Herzen der Stadt.
Drei Angler sprechen mit gedämpfter Stimme und holen Fische aus dem Wasser, eine Barkasse
tuckert vorbei. Links spiegeln sich die Lichter des Containerterminals Altenwerder im Köhlbrand,
rechts die Altonas. Und ein Mal am Abend kommt ein Partyboot vorbei. Doch das ist schnell wieder
weg.
Schnell mussten vor gut drei Jahrzehnten auch die 2400 Bewohner des Stadtteils Neuhof
verschwinden, als der Senat die Bagger schickte. Die Köhlbrandbrücke hatte man ihnen bereits über
die Köpfe gebaut, jetzt wurden ihre Häuser plattgemacht, um den Hafen zu erweitern. Zuvor hatten
bereits die letzten Fischer ihre Hütten räumen müssen. Bis zum Reiherstieg in Wilhelmsburg
erstreckte sich damals der Werftarbeiter-Stadtteil. Nur eine Mietskaserne am Neuhöfer Damm ist
davon noch übrig geblieben.
Einen Steinwurf entfernt, direkt hinter der Reiherstieg-Klappbrücke, haben früher wohl auch die
Neuhöfer auf den gesprungenen Betonplatten gesessen und den schnurgeraden Kanal entlanggeschaut,
an dessen Ende die Abendsonne die Türme der Hamburger Hauptkirchen ins goldene Licht tauchte.
Heute leuchten bunt die kühn gestapelten Containertürme und in der Ferne funkelt die
Elbphilharmonie.
ADRESSE
Reiseatlas [B3]
Köhlbranddeich zwischen den Hausnummern 22 und 30
ANFAHRT
Die schönste und stilechteste Anfahrt ist natürlich mit der Fähre 61 ab Landungsbrücken über
Fischmarkt und Dockland. Mit dem Auto aus der Innenstadt am kürzesten durch den Alten Elbtunnel.

Fast schon romantisch: der Fähranleger Neuhof in der Dämmerung


Die Wattführer kennen den Weg – und jeden Wurm beim Namen

Das autofreie Inselchen Neuwerk in der Elbmündung ist ein Vogelparadies – und schon die Anreise
ein Abenteuer.
Hamburger haben es gut: Wenn sie reif für die Insel sind, müssen sie nicht mal den Bezirk Mitte
verlassen. Als einzige deutsche Großstadt besitzt Hamburg nämlich eine eigene Insel: Neuwerk, einst
Piratennest, heute ein autofreies Paradies für Touristen und Vögel. Egal, ob Sie sich dem Minieiland
zu Fuß durchs Watt nähern, mit dem Wattwagen durch die Priele spritzen oder die Fähre „Flipper”
nehmen, schon die Anreise nach Neuwerk ist ein großes Vergnügen. Als Erstes taucht stets der
wuchtige Neuwerker Leuchtturm aus dem Dunst auf, Hamburgs ältestes Bauwerk. Vor 700 Jahren
ließen Hamburgs Kaufleute den mächtigen Wehrturm in der Elbmündung errichten. Heute ist das
einstige Piratenbollwerk eine Pension.
Neuwerk liegt mitten im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer, der seit Kurzem zum Unesco-
Weltnaturerbe zählt. Die Insel ist Entschleunigung pur: Abends, wenn die Tagesgäste Neuwerk
verlassen haben, gehören Wiesen und Deich wieder den Vögeln, den kreischenden Lachmöwen, den
akrobatischen Seeschwalben, den Austernfischern mit ihren roten Beinen. Einmal rund um Hamburgs
Perle im Watt zu schlendern dauert 90 Minuten. Zu gucken gibt es dabei eine ganze Menge: Vögel,
Tanker am Horizont, den Turm, den verwitterten Friedhof der Namenlosen, das Nationalparkhaus, die
kleine Inselschule, Pferde, Hasen ...
Sie können preiswert im Heu schlafen oder schön in einer Viersternesuite im Hotel Nige Hus. Direkt
nebenan treffen sich abends Gäste, Wattführer, Vogelkundler und Insulaner am Tresen im
Anker, dem heimlichen Herzen der Insel. Jeden Mittwoch ist Heimatabend, da greift Wirt Lüder zum
Schifferklavier und der ganze Anker singt mit: „An der Nordseeküste ...” Mal rüberwandern zur
Vogelinsel Scharhörn, Wattwürmer bestaunen, Bernstein suchen, mal ein paar Tage gar nichts tun und
dabei nichts verpassen: So sieht Wellness auf Neuwerk aus.
ADRESSE
Die Insel Neuwerk liegt rund 20 km nordwestlich vor Cuxhaven. www.hamburg.de/neuwerk
ANFAHRT
Mit der Bahn im Stundentakt vom Hauptbahnhof in eindreiviertel Stunden nach Cuxhaven; vom
Bahnhof ca. 20 Minuten Gehweg zum Anleger „Alte Liebe”. Mit dem Auto über die B 73 bis
Cuxhaven (von der Innenstadt knapp 130 km). Hier den Hinweisschildern „Helgoland/Fährhafen” und
„Alte Liebe” folgen. Ein gut ausgeschilderter Parkplatz (4 Euro/Tag) steht am alten Hafen zur
Verfügung. Dann weiter mit der Fähre: www.cassen-eils.de
Der umgestürzte Baum am Mühlenteich in Duvenstedt verlockt unwiderstehlich zum Klettern und Kraxeln

Im Nordosten zeigt sich Hamburg von seiner grünsten Seite. Lassen Sie die beiden etwa 1000 ha
großen Naturschutzgebiete mit ihren knapp 2000 Tierarten auf sich wirken!
An der Ammersbek, einem kleinen Nebenflüsschen der Alster, können Sie den Lärm der Großstadt
gepflegt hinter sich lassen und auf wunderbaren Wanderwegen Waldluft atmen. Die Anleitung zur
absoluten Entspannung für gestresste Großstädter geht ungefähr so: Fahren Sie zu der zum
Mühlenteich aufgestauten Ammersbek nach Wohldorf-Ohlstedt, lassen Sie Auto oder Fahrrad am
Wegrand stehen und ziehen Sie sich die Schuhe aus. Bevor Sie nämlich den „historisch-ökologischen
Erlebnispfad” (7–10 km) bewandern, sollten Sie dieses grüne Paradies ein paar Minuten auf sich
wirken lassen. Am besten geht das, wenn Sie barfuß auf den alten, verzwirbelten Baumstamm am Ufer
des Mühlenteichs klettern. Der dicke Stamm und die knorrigen Äste sind nicht nur für Kinder ein
echter Kletterspaß, auch Erwachsene sollten ein paar Meter hinaufkraxeln, die Augen schließen und
dem Klang der Natur lauschen. Das Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel wird hier nur
durch gelegentliches Pferdewiehern unterbrochen. Ein nöliges Schnattern hört man seltener, auch
wenn ein Schild an der Straße die Aufschrift „Vorsicht, Enten!” trägt.
Links und rechts von der Ammersbek erstrecken sich die beiden Naturschutzgebiete Wohldorfer Wald
und Duvenstedter Brook auf einer saftig-grünen Fläche von etwa 1000 ha. Mehr als 2000 Tierarten
leben zwischen den üppigen Buchen und Eichen: Neben Rehen und Füchsen bekommt man mit etwas
Glück auch Uhus, Eisvögel, Kolkraben oder Kammmolche zu Gesicht – Waldbewohner, die sich
normalerweise besonders gern rarmachen.
Was die wenigsten wissen: Das grüne Paradies war früher ein militärisch wichtiger Ort. Das
ehemalige Wohnhaus Neuer Kupferhof am Kupferredder war im Zweiten Weltkrieg die
Funkbetriebsstelle der deutschen Spionageabwehr. Von hier hielten die Militärs Kontakt zu Agenten
im Ausland. Nach 1945 diente die Villa als Lazarett, jetzt ist sie eine Fortbildungsstätte. Doch wer
heute an die Ammersbek kommt, will ein bisschen im Wald spazieren gehen, vielleicht
baden im Bredenbeker Teich – und einfach nur entspannen.
ADRESSE
Reiseatlas [C1]
Mühlenteich an der Ecke Mühlenredder/Herrenhausallee in Hamburg-Duvenstedt
ANFAHRT
Mit der U 1 bis Ohlstedt – hier beginnt der Erlebnispfad. Mit dem Auto zum Parkplatz an der Straße
Westerfelde an der U-Bahn-Station Ohlstedt oder direkt zum Mühlenteich an der Ecke
Mühlenredder/Herrenhausallee. Den Bredenbeker Teich erreichen Sie vom U-Bahnhof Hoisbüttel (U
1). Von dort ist der See ca. 3,5 km Fußweg entfernt. Mit dem Auto fahren Sie über den Wulfsdorfer
Weg in Hoisbüttel an.

Langsam erobert sich die Natur das verlassene Gebiet zurück


Das Café Augustenhöh in Hanstedt liegt romantisch auf einer Anhöhe im Wald

Romantische Touren vorbei an Schafställen und Bienenzäunen: Im Kleinod Töpsheide bei Hanstedt
ist die Lüneburger Heide noch richtig idyllisch.
Wanderfaule gönnen sich eine Kutschfahrt
Wacholderbüsche, Birken und struppige Heide, so weit das Auge reicht. Die Landschaft ist karg,
selbst wenn sie in zartem Rosa erblüht. Doch genau das macht den Reiz der Lüneburger Heide aus.
Und es gibt noch immer versteckte Ecken, die nicht überlaufen sind. Ein solcher Flecken ist die
Töpsheide: Sie liegt auf einer Anhöhe bei Hanstedt – bei gutem Wetter können Sie hier über die Elbe
bis nach Blankenese schauen! Die Wanderstrecken sind gut ausgeschildert, und wer Lust hat, kann bis
in die Weseler Heide spazieren. Am Wegrand wurde ein alter Schafstall wieder aufgebaut, und in den
sogenannten Bienenzäunen gibt es auch heute noch Honig – zum Teil als Scheibenhonig, bei dem die
Waben mitgegessen werden. Wer die Heideblüte genießen möchte, sollte seinen Besuch in die Zeit
von Ende Juli/Anfang August bis Ende September legen.
Für Wanderfaule gibt es zum Glück auch Kutschfahrten – sogar mit einer alten Postkutsche. Die
Touren beginnen am Küsterhaus in Hanstedt. Eine Fahrt auf den Töps dauert etwa eine Stunde und
kostet 45 Euro; maximal fünf Personen passen in eine Kutsche. Das lohnt sich schon deswegen, weil
Sie die Kutscher mit allen Fragen rund um die Heide löchern können. Für Reiter sind auch
Wanderritte auf Haflingern im Angebot.
Der Vorteil auf dem Töps: Es ist hier auch während der Heideblüte nie so voll wie rund um Undeloh
und den Wilseder Berg. Außerdem lassen sich Wanderung und Kutschfahrt wunderbar mit einem
Besuch im idyllischen Café Augustenhöh (Manskuhlenberg 25, Hanstedt, Tel. 04184 88 80 59,
Sa/So ab 10, Mi–Fr ab 15, April–Okt. ab 14 Uhr, www.cafeaugustenhoeh.de) verbinden. Es liegt
am Rand des Töps auf einer Anhöhe im Wald. Hier sitzen Sie im romantischen Garten und genießen
selbst gebackenen Kuchen oder frisch zubereitete warme Leckereien. Das Café vermietet auch
Pensionszimmer.
Wer Lust hat, sich ins Getümmel zu stürzen, sollte zum Schluss noch einen Abstecher ins 13 km
entfernte Undeloh machen. In der Touristenhochburg am Fuß des Wilseder Bergs wird Ihnen im
Heide-Erlebnis-Zentrum (Wilseder Straße 23, 21274 Undeloh, tgl. 10–17 Uhr, www.heide-
erlebniszentrum.de) alles Wissenswerte über die Entstehung und die aufwendige Pflege der Heide
erklärt. Außerdem gibt es dort die typische Buchweizentorte und schöne Mitbringsel wie Cremes und
Seifen aus Schafsmilch oder Heidehonig.
ADRESSE
Reiseatlas [B6]
Weseler Weg, 21271 Hanstedt, Touristinformation Tel. 04184 5 25, www.lueneburger-heideland.de
ANFAHRT
Mit der R 40 vom Hauptbahnhof bis Buchholz und weiter mit der Linie 4207 Richtung
Evendorf/Osterfeld bis Hanstedt, Kirche. Von dort sind es noch ca. 1,3 km zu Fuß durch die Straßen
Am Steinberg und Henry-Gundlach-Weg bis zum Manskuhlenberg. Mit dem Auto fahren Sie auf der A
7 bis zur Abfahrt Thieshope, dann über Brackel nach Hanstedt. In Hanstedt in die Straße Am
Steinberg abbiegen (hier Kutschentreff Am Steinberg 2), geradeaus weiter, dann den Schildern bis
zum Café Augustenhöh folgen.
IN DER UMGEBUNG
Barfußpark und Naturbad
Ein intensives Erlebnis: barfuß über Moor, Steine und durchs Wasser laufen! Den Barfußpark
Egestorf (Ahornweg 9, Mitte April–Mitte Okt. tgl. 9–18 Uhr, Eintritt 5 Euro, Kinder 3 Euro,
www.barfusspark-egestorf.de) erreichen Sie mit der Buslinie 4207 Richtung Evendorf/Osterfeld.
Fahren Sie bis Egestorf, Dorfpark, gehen etwa 100 m zurück und folgen einem kleinen Waldweg (0,6
km). Mit dem Auto fahren Sie über die L 213 bis kurz vor Egestorf und biegen dann rechts in den
Ahornweg ab. Gleich neben dem Barfußpark lockt das Naturbad Aquadies (Mitte Mai–Mitte Sept.
tgl. ab 9 Uhr, Eintritt 3 Euro, Kinder 2 Euro, www.naturerlebnisbad-egestorf.de).

Mit 2 PS emissionsfrei durch die Heide zuckeln: faul sein ganz ohne schlechtes Gewissen
Die Alster schlängelt sich durch sattes Grün

An seinem Oberlauf zeigt sich Hamburgs Stadtfluss von seiner wilden Seite – ein Urwald vor den
Toren der Stadt. Im Wulksfelder Forst ist die Natur noch unberührt.
Hier gibt es sogar einen Pilgerpfad
Ungebändigt schlängelt sich der Oberlauf der Alster zwischen sattem Grün hindurch, die Bäume ragen
bis ins Wasser hinein. Durch die Blätter blickt man auf ein riesiges Tipi. Haben wir uns ins
Amazonasgebiet verirrt? Nein, aber ganz so abwegig ist die Assoziation nicht. Die Natur ist hier an
der Grenze zu Schleswig-Holstein ähnlich unberührt – und deutlich ungefährlicher. Der Wulksfelder
Forst liegt in unmittelbarer Nähe des Wohldorfer Walds und des Duvenstedter Brooks. Unberührt die
Uferlandschaft, üppig die Bodenvegetation. Im Gegensatz zum Amazonas kreuzen Kröten statt
Krokodile den Weg. So ruhig und meditativ ist es hier, dass sogar Pilger die Ecke für sich entdeckt
haben: Die Via Baltica, der baltisch-westfäliche Jakobsweg (www.deutsche-jakobswege.de), führt
von Usedom kommend ein Stück weit durch den Wulksfelder Forst – ein Wanderpfad zwischen
Eschen und Erlen auf dem Weg zur Besinnung.
Auf dem Wasser geht es da lebhafter zu. Kanufahrer paddeln den kurvigen Fluss entlang. Alsterarme
wirken wie verwunschene Teiche. Stockenten, Reiherenten und Schellenten fühlen sich hier wohl.
Erdkröten oder Grasfrösche hopsen herum, Prachtlibellen schwirren durch die Luft, Raubwürger
suchen nach Insekten, sogar Hechte bevölkern das Wasser. Die Stadt Hamburg hat dieses Paradies
des Nachbarlands bereits in den Sechzigerjahren entdeckt und es kurzerhand unter
Vermögensverwaltung genommen. Hier sollen gestresste Großstädter mal richtig abschalten.
ADRESSE
Reiseatlas [C6]
Wulksfelder Weg, Ecke Wulksfelder Dorfstraße in Wulksfelde
ANFAHRT
Von der S-Bahn-Station Poppenbüttel oder der U-Bahn-Station Ohlstedt mit dem Bus 176 bzw. 276
bis Haltestelle Lohe, von dort noch ca. 1,5 km entlang der Straße Lohe nach Wulksfelde. Mit dem
Auto am besten über die B 432 Richtung Bad Segeberg. Bei Tangstedt rechts auf den Wulksfelder
Damm Richtung Wulksfelde, dann links in den Wulksfelder Weg.

Der Wulksfelder Forst: In den „Everglades” der Alster kreuzen Kröten statt Krokodile Ihren Weg
Der Alte Jüdische Friedhof zwischen Helmsweg und Schwarzenbergstraße

Uralte Bäume und versteckte Denkmäler – ein verwunschenes Idyll. Gleich daneben liegt der alte
jüdische Friedhof mit Kriegsgräbern.
Wer gegenüber von der Jet-Tankstelle in der Buxtehuder Straße in der dichten Grünanlage
verschwindet, vergisst blitzschnell, dass er direkt an der viel befahrenen B 73 ist. Nur ein paar
Schritte, und Sie erwartet ein verwunschenes Idyll mit Kanonenrohren und einer Friedenseiche als
Denkmälern für die Befreiungskriege 1813 gegen Napoleon und den Deutsch-Französischen Krieg
1870/71. Ein Spaziergang durch die waldreiche Schwarzenberg-Anlage gerät so zu einer kleinen
Geschichtsstunde – aber einer ganz besonders lauschigen. Ein Teich mit Seerosen, eine romantische,
hügelige Landschaft mit knorrigen Bäumen – sofort ist man in entspannter Stimmung.
Die Entstehung der Anlage ist der Eigenmächtigkeit eines königlich hannoverschen Offiziers zu
verdanken. 1835 hatte der Major, stellvertretender Bataillonskommandeur der nahen Schwarzenberg-
Kaserne, seinen Soldaten befohlen, den Nordhang des bis dahin öden Schwarzenbergs als
parkähnliche Anlage zu gestalten. Dumm nur, dass der „Grüne” in Uniform vergessen hatte, seinen
kommandierenden General um Erlaubnis zu fragen. Der ahndete die ungenehmigte
Landschaftsgestaltung mit Strafversetzung des armen Majors nach Nienburg an der Weser. Dafür
können die Harburger heute hier die wohl schönste Parkanlage ihres Bezirks genießen. Ein Denkmal
in der Anlage und die an den Park grenzende Bissingstraße erinnern an den couragierten Offizier.
Wer die Anlage Richtung Festplatz und Schützengilde durchwandert, stößt auf ein weiteres Highlight:
den versteckt liegenden alten jüdischen Friedhof. Schon um 1690 wurde hier bestattet. Die Nazis
schändeten den Friedhof bei der Pogromnacht im November 1938 und steckten die 1857 errichtete
Leichenhalle in Brand. 244 Grabsteine haben diese Barbarei überstanden – 40 von ihnen wurden
allerdings 1998 von Unbekannten umgestürzt.
Heute ist vor allem die Grabstätte für jüdische Teilnehmer des Ersten Weltkriegs bemerkenswert.
Die Kombination von Stahlhelm und Davidstern auf einem Gedenkstein für zwölf gefallene Soldaten
mutet seltsam an. Viele jüdische Deutsche wurden im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz
geehrt oder sogar mit der höchsten Tapferkeitsauszeichnung des Kaisers, dem Orden Pour le Mérite.
Seit Neuestem gibt es gegenüber der Technischen Universität einen Sportplatz mit Tischtennisplatte
und Volleyballplatz.
ADRESSE
Reiseatlas [B3–4]
Schwarzenbergstraße 80, 21073 Hamburg-Harburg
ANFAHRT
Mit der S 3 oder S 31 bis Heimfeld, dann über den Alten Postweg Richtung Technische Universität
auf die Schwarzenbergstraße. Mit dem Auto über die A 7 bis Anschlussstelle Heimfeld, dort rechts
auf die Stader Straße (B 73), dann rechts in die Bissingstraße. Oder über die Harburger Umgehung (A
253) bis zum Großmoordamm (Harburg-Mitte), dann rechts auf die Buxtehuder Straße (B 73).
Der Besuch des Naturschutzgebiets Höltigbaum hat ein bisschen was von Safari. Galloways und schottische Highland-Rinder grasen im Wald-, Gras- und Buschland

Einst rollten hier Panzer auf dem Truppenübungsplatz, jetzt grasen auf dem zum Naturschutzgebiet
Höltigbaum umgewandelten Areal urwüchsige Gallowayrinder, deren Fleisch Sie im Infozentrum
„Haus der wilden Weiden“ zu ausgewählten Terminen kaufen können.
An der Grenze Hamburgs zu Schleswig-Holstein liegt eine beeindruckende und abwechslungsreiche
Hügellandschaft. Das weitläufige Gelände und der Bewuchs lassen Spaziergänger sich wie in einer
Steppe fühlen. Wanderte man eben noch durch dichten Wald, liegt plötzlich eine weite, sanft hügelige
Ebene vor einem, das Stellmoorer Tunneltal. Der Wechsel von Wald, Gras- und Buschland ist typisch
für das große Schutzgebiet, das sich auf 558 ha von Rahlstedt bis über die Landesgrenze nach
Schleswig-Holstein erstreckt. Wenn Ihr Blick weit übers Grasland schweift, erblicken Sie mächtige
Gestalten, die sich gemächlich durch die Landschaft bewegen. Ab und zu hebt eines der urtümlichen
Viecher den Kopf: Im Naturschutzgebiet leben Gallowayrinder – ein Besuch hat ein bisschen etwas
von einer Safari.
Bis 1992 wurden hier Truppenübungen abgehalten. Inzwischen laden die breiten ehemaligen
Panzerstraßen mit ihren verwitterten Markierungssteinen zum Radfahren und Skaten ein. Früher haben
die Militärfahrzeuge dafür gesorgt, dass die Vegetation der „Steppe“ nicht zu hoch wurde. Heute
erledigen das die drei Gallowayherden, dazu Heidschnucken, Burenziegen und Bentheimer
Landschafe. Die Tiere können das ganze Jahr über frei durch das Schutzgebiet streifen. Menschen
dürfen durch alle Pforten gehen, müssen aber auf den Wegen bleiben – außer im „Freizeitwald“,
einem Stück nahe dem Infozentrum. Hier können Kinder durchs Unterholz toben. Daneben liegt eine
Picknickwiese mit Kletterbäumen.
Drei thematische Rundwanderwege ziehen sich durch das Gelände und auf einer schönen
Freizeitfläche können Sie den Ausflug bei einem Picknick ausklingen lassen oder sich einfach
entspannen und sonnen.
ADRESSE
Reiseatlas [C–D2]
Das Naturschutzgebiet Höltigbaum erstreckt sich von Rahlstedt über die Landesgrenze bis in den
Kreis Stormarn.
ANFAHRT
R 10 bis Rahlstedt, dann Bus 462 bis Naturschutzgebiet Höltigbaum, in Fahrtrichtung weitergehen
über die Wendekehre, dann rechts bis zur Schranke. Mit dem Auto über die B 75, dann rechts in den
Höltigbaum, danach links in die Straße Eichberg.
IN DER UMGEBUNG
Schloss Ahrensburg
Das weiße Renaissanceschloss auf einer von einem Wassergraben umgebenen Insel erreichen Sie,
wenn Sie vom Bahnhof Rahlstedt mit der R 10 nach Ahrensburg fahren und von dort mit der Buslinie
569 Richtung Rosenhof weiter bis zum Schloss. Mit dem Auto sind es vom Höltigbaum ca. zehn
Minuten auf der B 75. März–Okt. Di–Do und Sa/So, Nov.–Feb. Mi, Sa und So 11–17 Uhr, Eintritt 5
Euro, Kinder 2,50 Euro, www.schloss-ahrensburg.de

Stormarnsches Dorfmuseum
Das Heimatmuseum im historischen Bauernhaus Am Thie in Hoisdorf erreichen Sie vom Bahnhof
Ahrensburg mit der Linie 369 Richtung Rosenhof bis Hoisdorf, Sprenger Weg. Mit dem Auto über die
A 1 bis Ahrensburg, dann weiter nach Hoisdorf. Sprenger Weg 1, Di 9–12 und Sa 14–17 Uhr,
Eintritt frei, www.museum-hoisdorf.de

Eine Landschaft wie in der Steppe: das Stellmoorer T unneltal


Idyllisch gelegen: die Schlossinsel

Kunst, Geschichte und Erholung sind die Themen dieses Ausflugs – und alles ist praktischerweise nur
einen Katzensprung voneinander entfernt.
Gemütlich ist es heute auf der Schlossinsel Barmstedt – am Wegrand kriechen gemächlich Schnecken
vor sich hin, auf dem Rantzauer See drehen ein paar Haubentaucher ihre Runden. Doch hier, wo heute
Ausflügler aus Hamburg und dem Umland entspannen, saßen noch vor 85 Jahren Bösewichte ihre
Haftstrafe ab. Erst 1927 wurde der letzte Insasse aus dem kleinen Gefängnis auf der Schlossinsel
entlassen. Noch immer erinnern zwei winzige Zellen an diese Zeit.
Heute trinken Ausflugsgäste in dem denkmalgeschützten Gebäude Kaffee oder Tee und genehmigen
sich dazu ein Stück vom hausgemachten Kirschkuchen. Immer wieder feiern Paare hier ihre Hochzeit
und versprechen sich in dem ehemaligen Gefängnis die ewige Treue.
Die Schlossinsel ist das Herzstück des waldigen Naherholungsgebiets rund um den Rantzauer See,
das nur 30 Autominuten von Hamburg entfernt liegt. Der künstlich angelegte See eignet sich für einen
Satz ins Wasser; am Ufer können Sie ein Tretboot mieten und im angrenzenden Rhododendronpark
spielen die Kinder gern Verstecken.
Bereits vor 800 Jahren sollen Ritter hier im Flüsschen Krückau eine Befestigungsanlage gebaut
haben, deren Reste heute die Schlossinsel bilden. Später errichtete der Reichsgraf zu Rantzau hier ein
Schloss. Davon ist heute allerdings nichts mehr übrig, das Gebäude wurde bei einem Brand Mitte des
19. Jhs. zerstört. Auf den Fundamenten wurde dann ein Herrenhaus errichtet, das sich jedoch in
Privatbesitz befindet und daher nicht besichtigt werden kann.
Bis zu 100 000 Gäste kommen jährlich in das Naherholungsgebiet, besuchen auf der Schlossinsel eine
der ältesten Wassermühlen in ganz Deutschland, bummeln durch die Kunstgalerie und die
Keramikwerkstatt. Und nach einem langen Tag in der Natur lohnt sich ein Abstecher in die
Fußgängerzone der Kleinstadt Barmstedt.
ADRESSE
Reiseatlas [E5]
Die Schlossinsel liegt im Rantzauer See im Seepark am Südrand von Barmstedt.
www.rantzauersee.de
ANFAHRT
Mit der R 70 nach Elmshorn, dort umsteigen in die A 3 bis Barmstedt-Brunnenstraße. Von dort sind
es noch gut zehn Gehminuten durch die Kleine Gärtnerstraße und Seestraße bis in den Seepark. Mit
dem Auto fahren Sie auf der A 23 bis zur Ausfahrt Tornesch, dort rechts auf die Ahrenloher Straße,
durch Ellerhoop und Bevern nach Barmstedt, in die Straße Rantzau rechts abbiegen.
IN DER UMGEBUNG
Knastessen
Im Café Schlossgefängnis (Rantzau 9, Tel. 04123 61 39, April–Okt. Mo–Fr 12–19, Sa/So 10–19,
Nov.–März Di–Fr 12–18, Sa/So 10–18 Uhr, www.schlossgefaengnis.de) können Sie ein besonderes
Erlebnis buchen: „Gefängniswärter” bedienen auf Anfrage Gruppen von 15 bis maximal 75 Personen
(Mo–Sa 18.30–23 Uhr, 29 Euro/Person).

Bootsverleih
Am See können Sie unterschiedliche Boote mieten. Mo–Fr ab 14, Sa/So ab 11 Uhr, ab 4 Euro,
www.bootsvermietung-barmstedt.de

Minigolf
Bei trockenem Wetter ist die Minigolfanlage mit schönen Naturbahnen von März oder April bis Mitte
Oktober geöffnet. Seestraße, Sa/So 14–18 Uhr, pro Runde 3 Euro, Jugendliche bis 17 Jahre 2,50
Euro, Kinder bis 13 Jahre 1 Euro, www.minigolfamrantzauersee.de
Minicanyon im Kreis Pinneberg: der Froschtümpel unten in der Kalkgrube

In Lieth bei Elmshorn gibt es einen faszinierenden „Nationalen Geotop”. In dem Naturschutzgebiet
wird die Erdgeschichte erlebbar.
Jahrzehntelang holten Bagger hier Kalk aus dem Boden, fraßen sich bis zu 32 m in die Tiefe.
Inzwischen ist der Minicanyon in Klein Nordende bei Elmshorn ein stilles Naturidyll – und ein
spannendes Bilderbuch der Erdgeschichte. Ein tiefes Loch: Das ist der erste Eindruck beim Blick in
die einstige Kalkgrube. Die Hänge bewachsen, unten ein Tümpel mit einer kleinen, grauen
Felseninsel – und ein eindrucksvolles Froschkonzert empfängt den Besucher.
Ein Blick auf die zahlreichen Schautafeln am Rand der Grube macht klar: Für Geologen ist diese
Landschaft eines der wertvollsten Juwele in Deutschland. 2006 wurde die Kalkgrube als „Nationaler
Geotop” ausgewiesen, also als ein Ort, an dem die Erdgeschichte besonders gut zu erkennen ist.
Faszinierend, was die Experten in den rund gewaschenen Felsen sehen, die da so unscheinbar aus
dem Tümpel ragen: Sie bilden den Gipfel eines riesigen unterirdischen Salzgebirges! „Wenn man
alles rundherum wegbuddeln würde, dann hätten wir hier in Klein Nordende einen 8000er stehen”,
flachst Hans-Joachim Wahlenberg von der Kulturgemeinschaft Tornesch, der die Kalkgrube schon
seit seiner Kindheit liebt, erst als Abenteuerspielplatz, später als Naturschutzgebiet.
Dass die Erdkruste an dieser Stelle anders als überall sonst in der Norddeutschen Tiefebene ist, war
bereits 1844 aufgefallen, als die Eisenbahnlinie von Altona nach Kiel gebaut wurde. Die
Gleisarbeiter waren auf roten Ton und Kalk gestoßen – dafür muss man hier normalerweise
Bergwerke anlegen, mindestens 6 km tief. An einer der Abbruchkanten kann man den Ton schön
sehen, leuchtend rot wie die Felsen von Helgoland – und unfassbar alt: „Diese Erdschicht entstand
vor ungefähr 270 Mio. Jahren”, erklärt Hans-Joachim Wahlenberg. Vom Äquator bis nach Klein
Nordende ist die Schicht in den Jahrmillionen gewandert. Da staunt dann auch der Laie.
Als 1984 mit dem Kalkabbau Schluss war, verhinderte die Kulturgemeinschaft Tornesch die
Umwandlung in eine Müllhalde – zum Glück! Wo sonst kann man gemütlich picknicken und von oben
(!) auf die Gipfel eines 8000 m hohen Gebirges gucken? Na gut, eines unterirdischen Gebirges –
trotzdem toll.
ADRESSE
Reiseatlas [E1]
Die Liether Kalkgrube liegt an der Straße Langengang in der Gemeinde Klein Nordende.
www.lietherkalkgrube.de
ANFAHRT
Mit der R 70 bis Elmshorn, dort in den Bus 6504 in Richtung Klein Nordende, Bauernweg umsteigen
und bis zur Haltestelle Klein Nordende, Voßbarg fahren. Von dort aus sind es noch knapp anderthalb
Kilometer Fußweg. Erst der Straße Voßbarg folgen, danach rechts auf die Straße Sandhöhe gehen, die
in den Heideweg übergeht, der das Gelände im Süden begrenzt. Mit dem Auto auf der A 23 bis zur
Abfahrt Tornesch, dann auf der L 110 nach Tornesch, dort rechts auf die L 107 bis zur Kreuzung mit
der B 431, auf der 431 rechts nach Klein Nordende, dort rechts in die Dorfstraße und erneut rechts in
die Sandhöhe, die in den Heideweg übergeht.
IN DER UMGEBUNG
Bauernhofcafé
Auf dem Weg mit dem Auto zur Kalkgrube passieren Sie an der Dorfstraße 80 in Klein Nordende das
Töverhuus (www.toeverhuus.de), ein romantisches Bauernhofcafé, das nur an Wochenenden geöffnet
ist: samstags von 14 bis 18 und sonntags von 13 bis 18 Uhr. Jeden letzten Sonntag im Monat gibt es
Brunch für 15 Euro (Anmeldung bei Kristian Schinckel, Tel. 0174 9 10 08 71). Anfahrt: von der
Kalkgrube aus der Straße Sandhöhe bis zum Ende folgen, dann rechts in die Dorfstraße. Nach 400 m
befindet sich auf der linken Seite das Hofcafé.

Der T on leuchtet so rot wie der Felsen von Helgoland


Schiffe gucken, dazu Kaffee und Streuselkuchen wie bei Oma im Garten – das ist Nostalgie pur

Im lauschigen Kaffeegarten Schuldt am Blankeneser Süllberg genießen Sie einen herrlichen Blick auf
die Elbe und den Hamburger Hafen.
Eine verwunschene Laube unter einer uralten Ulme, gusseiserne Gartenstühle – was für eine Idylle!
Würden unten auf der Elbe nicht die Containerpötte vorüberziehen, könnte man schwören: Im
Kaffeegarten Schuldt ist die Zeit stehen geblieben.
Hier darf der Kaffee mitgebracht werden
Der Süllberg in Blankenese: Viel vornehmer kann man in Hamburg nicht wohnen. Aber
Seemannstochter Ilse von Elm hat mit etepetete nichts am Hut. Seit 130 Jahren betreibt ihre Familie
das wahrscheinlich lauschigste aller Cafés mit Elbblick: „Irgendwann um 1880 hat meine
Urgroßmutter Anna die ersten Stühle im Gemüsegarten aufgestellt.” Die Männer des Treppenviertels
waren damals viele Monate auf See, als Fischer oder Kapitäne, da mussten die Frauen etwas
dazuverdienen. Urgroßmutters Idee kam an. Die reichen Blankeneser blieben zwar in ihren eigenen
Gärten, aber die Ausflügler aus Hamburg stiegen gern vom Dampferanleger den Süllberg hoch: „Die
Väter spielten Skat, die Mütter häkelten, so war das damals”, erinnert sich die temperamentvolle
Seniorchefin. Viele Familien brachten damals ihr eigenes Kaffeepulver mit und ließen sich für ein
paar Pfennige große Kannen aufbrühen. Schon als kleines Mädchen schleppte Ilse von Elm die
schweren Dinger auf die Terrasse: „Da rief ich dann: Wer hat die 94?” Gehasst hat sie das. Trotzdem
gilt auch heute noch der Spruch: „Die Tradition wird nicht gebrochen, hier können Familien Kaffee
kochen.” Der Gag kostet 1,50 Euro für drei Tassen. Dazu gibt es hausgemachte Obststreuselkuchen
für 2,50 bis 3 Euro oder verschiedene Torten für 3,80 Euro. An den Wochenenden werden zusätzlich
Waffeln gebacken. Immerhin: Noch nicht so lange gibt es im Kaffeegarten auch so neumodischen
Kram wie Latte Macchiato. „Wir müssen ja mit der Zeit gehen”, sagt Juniorchef Holger von Elm, der
regelmäßig die antiken Gartenmöbel restauriert: „Plastikstühle kommen mir nicht auf die Terrasse!”
Oma Anna wäre stolz auf ihren Nachfahren.
ADRESSE
Reiseatlas [A2]
Süllbergsterrasse 30, 22587 Hamburg, Tel. 040 86 24 11, Mai–Sept. Di–Fr 14–21, Sa/So 13–21,
Okt.–April Fr–So 13–18 Uhr, www.kaffeegarten-schuldt.de
ANFAHRT
Mit der S 1 bis Blankenese, dann mit dem Schnellbus 48 bis Krögers Treppe (Fischerhaus). Von der
Anfahrt mit dem Auto ist wegen der Parkplatzsituation eher abzuraten.

Eine üppig bewachsene T reppe führt hinauf zum Kaffeegarten Schuldt


Schwimmen im Schutz des Schilfs: Ein Bad im Bredenbeker T eich erfrischt FKK-Freunde ebenso wie Behoste

Der Bredenbeker Teich (der gar kein kleiner Teich, sondern ein veritabler See ist) mit seinem
frischen Wasser ist der perfekte Badesee.
Autos oder Fahrräder kann man in Ufernähe im Schatten parken, Kinder können im Strandbereich ihre
Burgen bauen und Nackedeis verlieren sich in versteckten FKK-Buchten. Und was kaum einer weiß:
Auch Biene Maja ist hier zu Hause.
Biene Maja? Keine Sorge, Karel Gott trällert hier nicht seine berühmte Melodie, die mit den Worten
„In einem unbekannten Land …“ beginnt. Am Bredenbeker Teich verbrachte vielmehr der
Ahrensburger Schriftsteller Waldemar Bonsels in den Achtzigerjahren des 19. Jhs. seine Kindheit. In
Ufernähe beobachtete er die fabelhafte Welt der Grashüpfer, Frösche, Spinnen – und Bienen. 1912
veröffentlichte er „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“: Das Buch wurde in 40 Sprachen übersetzt,
machte ihn weltberühmt und vor allem in den Zwanzigerjahren zu einem der meistgelesenen deutschen
Autoren. Nach sprechenden Insekten mit niedlichen Stimmen sucht man heute vergeblich, trotzdem ist
der Bredenbeker Teich immer noch ein Geheimtipp unter den Badeseen im Hamburger Umland.
Der See ist ein idealer Ausflugsort für Kinder ebenso wie für Erwachsene

Der zweigeteilte Natursee liegt inmitten eines Landschaftsschutzgebiets und wird vom Fluss
Bredenbek gespeist. Die Wasserqualität ist seit jeher top: Seit mehr als zehn Jahren wurden bei
Messungen noch nie die gesundheitlichen Grenzwerte erreicht, geschweige denn die empfohlenen
Richtwerte überschritten. Das eigentliche Highlight ist aber seine Vielfalt: Familien können mit
Kleinkindern im Strandbereich spielen, entlang des Ufers gibt es aber auch ungezählte schattige
Badestellen, wo man ungestört die Natur genießen kann. Wer es ursprünglicher mag und lieber nackt
schwimmen geht, folgt den Spazierpfaden um den Bredenbeker Teich herum. Nach wenigen Minuten
kommen Sie an kleine Schilfbuchten, wo Sie unbeobachtet abtauchen können. Einziger
Wermutstropfen: An der Einfahrt zum See muss man Eintritt zahlen. Das ist allerdings immer noch
billiger als ein Freibadbesuch – und letztlich ein Schnäppchen für den Geburtsort der berühmtesten
Biene der Welt.
ADRESSE
Reiseatlas [C–D1]
Wulfsdorfer Weg, 22949 Ammersbek, tgl. 10–19 Uhr, Eintritt 2,50 Euro, Kinder 1,30 Euro, Auto
1,50 Euro
ANFAHRT
Mit der U 1 bis Hoisbüttel, von dort gut zehn Minuten per Rad oder ca. 3,5 km Fußweg. Mit dem
Auto auf der B 434 über Bergstedt, an der U-Bahn Hoisbüttel vorbei bis Ammersbek-Hoisbüttel, dort
rechts in den Wulfsdorfer Weg.
IN DER UMGEBUNG
Campen
Am Bredenbeker Teich gibt es einen Campingplatz für Dauercamper. Die Anlage bietet 280
Stellplätze. Infos und Pachtangebote unter Tel. 04102 5 85 63 und www.camping-bredenbeker-
teich.de.

Golfen
Im angrenzenden Golfclub Hamburg-Walddörfer können Anfänger und Fortgeschrittene an ihrem
Handicap feilen. Tel. 040 6 05 13 37, www.gchw.de

Um den See führen schöne Spazierwege


„Grüne Hölle” am Wasserlauf im Heuckenlock

Knorrige Bäume, kleine Strände, üppiges Grün: Das Naturschutzgebiet Heuckenlock in Wilhelmsburg
ist eine wunderschöne Wasserwildnis unweit der Autobahn 1.
Knorrige umgestürzte Bäume, kleine Strände und eine verwunschene Sumpflandschaft: Der Rundweg
durchs Heuckenlock bietet auf 2 km Länge 90 Minuten lang Natur pur. Wenn Sie durch einen der
letzten Tideauenwälder Europas spazieren, scheint die A 1 mit der Megaraststätte Stillhorn
unwirklich weit weg – dabei verläuft die Autobahn mitten durch das ca. 100 ha große
Naturschutzgebiet.
Hier gibt es Priele wie an der Nordsee
Am Ende der letzten Eiszeit gab es an der Elbe eine Wasserwildnis mit großen Auwäldern. Erhalten
sind heute als einer der ganz wenigen Reste in Europa etwa 4 km dieser einzigartigen Landschaft
entlang der Süderelbe. Das Naturschutzgebiet ist nur etwa 400 m breit – aber die haben es in sich.
Mit den Gezeiten kommt und geht das Wasser in dem Süßwasserwatt. Mehr als 100-mal jährlich steht
das Heuckenlock sogar bis zu 3,50 m tief unter Wasser. Diese amphibische Grenzlandschaft zwischen
Land und Fluss bringt eine unglaubliche Vielfalt der Natur hervor. Botaniker zählen 700 Arten – so
viel wie sonst nirgends in der Hansestadt. Die meisten wirken auf Laien eher unscheinbar. Doch
wenn ein Fachmann im Sumpf die Wiebelschmiele oder den Schierlings-Wasserfenchel erspäht,
schlägt sein Herz höher. Auch die Schachbrettblume hat mit mehr als 200 Exemplaren im
Heuckenlock eines ihrer letzten Verbreitungsgebiete gefunden.
Eine Spezialität des Gebiets sind Priele, die man sonst eher von der Nordseeküste kennt. Einer wird
von einer langen Brücke überspannt, die Auszubildende in ihrer Freizeit gebaut haben. Durch sie
konnte der idyllische Rundweg durch das Schutzgebiet geschlossen werden. Der Rückweg zum
kleinen Parkplatz führt dann am Moorwerder Hauptdeich entlang. Drei Minuten Fahrzeit mit dem
Auto, und den träumenden Heuckenlock-Besucher hat die Zivilisation wieder – in Gestalt von
Hunderten Schwerlastern auf der Raststätte Stillhorn. Was für ein Kontrast!
ADRESSE
Reiseatlas [B3]
Das Heuckenlock liegt bei der Anschlussstelle Hamburg-Stillhorn.
ANFAHRT
Buslinie 351 ab S-Bahn Wilhelmsburg (S 3/S 31) bis Heuckenlock. Mit dem Auto auf der A 1 zur
Ausfahrt Stillhorn, dann über den Stillhorner Weg auf den Stillhorner Hauptdeich.

Eine Naturlandschaft, die oft auch überflutet wird


Fährmann Walter Funk lehnt neben dem Führerhäuschen auf der Fährgondel

Im beschaulichen Städtchen Osten an der Oste steht die älteste Schwebefähre Deutschlands.
Ein Stahlkoloss erhebt sich über dem Flüsschen Oste. 38 m hoch, 80 m lang und 256 t schwer.
Irgendwie passt er nicht so recht ins Bild – nicht zu dem pittoresken Örtchen Osten im Landkreis
Cuxhaven, nicht zu den Deichen und Wiesen, auf denen Schafe grasen. Doch der 1909 errichtete
Koloss ist in der Region der Touristenmagnet – kein Wunder: Auf der ganzen Welt gibt es lediglich
noch acht Fähren dieser Art. Bald sollen sie alle zum Weltkulturerbe gehören – der Antrag läuft.
Walter Funk lehnt neben dem Führerhäuschen auf der Fährgondel. Der mächtige Überbau der
Schwebefähre aus 256 t Stahl wirft gestreifte Schatten auf sein blauweißes Fischerhemd. Seine Gäste
begrüßt der Fährmann mit Zigarette und derbem Charme: „Wer mich mit Fragen löchert, fliegt ins
Wasser!“ Die Infos zum Baudenkmal gibts glücklicherweise vom Band. Funk fummelt währenddessen
am Fahrtenregler herum und drückt auf den Startknopf. Die Gondel zuckelt los. Acht Minuten braucht
sie, um das andere Ufer der Oste zu erreichen – dabei ist es nur 80 m entfernt. Bei Hochwasser ist der
Fluss unter der Gondel zum Greifen nah. Noch bis 1974 war die Schwebefähre die einzige
Verbindung zwischen den Orten Osten und Hemmoor. Von der weiten Welt ist auf der Gondel, die
Platz für bis zu 25 Personen bietet, wenig zu spüren. Kein Autolärm, keine Hektik. Nur das
Geplätscher der Enten ist zu hören, die ihre Köpfe ins Wasser tauchen. Und gelegentliches Gerumpel:
„Das liegt an den Lücken zwischen den Schienenstücken, an denen die Fähre hängt“, erklärt Funk –
ganz freiwillig. Der Fährmann sitzt auf der Bank – es ist der einzige Platz mit einem Sitzkissen.
Unter der Fähre fließt die Oste; nach ein paar Hundert Metern nimmt sie behäbig eine Kurve. Seit
drei Jahren tummeln sich wieder Störe im Fluss. Der Fisch war in Deutschland zwischenzeitlich fast
ausgestorben. Funk springt auf und drückt auf den Bedienknöpfen herum. Mit einem Rums legt die
Gondel an. Die meisten Gäste bleiben sitzen und fahren wieder zurück – bei der Schwebefähre ist der
Weg das Ziel. Der Fährmann legt wieder ab, lässt sich auf sein Sitzkissen fallen und zündet sich die
nächste Zigarette an.
Die Schwebefähre legt von April bis Oktober täglich zwischen 11 und 17 Uhr zu jeder vollen Stunde
in Osten ab, bei Bedarf auch öfter, im Winter nur nach Anmeldung. Die Überfahrt kostet 1,50 Euro,
für Kinder 1 Euro, für ein Fahrrad 50 Cent.
ADRESSE
Reiseatlas [B1]
Fährstraße 1, 21756 Osten, Tel. 0175 6 09 12 25, www.schwebefaehre-osten.de
ANFAHRT
Mit der DB vom Hauptbahnhof in 70 Minuten bis Hemmoor, dort über Bahnhofstraße und Fährstraße
in 15 Minuten zur Fähre. Mit dem Auto auf der B 73 Richtung Cuxhaven, in Hemmoor rechts ab auf
die B 495.
IN DER UMGEBUNG
Spielpark Wingst
Nachdem die Erwachsenen sich bei der Überfahrt mit der Schwebefähre an Natur und Technik erfreut
haben, gibt es wenige Kilometer entfernt ein Paradies für die Lütten: den Spielpark in der Wingst.
Auf 50 000 m2 stehen hier rund 60 Spielgeräte – darunter ein Wasserspielplatz, ein Baumseilpfad
(8,50 Euro) und eine Sommerrodelbahn (3 Euro). Schwimmbadallee 10 a, tgl. 10–18, im
Hochsommer bis 19 Uhr, Eintritt frei, www.wingst.de
Wenige Meter hinter der Hamburger Landesgrenze liegen die eiszeitlichen Dünen der Besenhorster Sandberge

Die Besenhorster Sandberge sind ein Ort der Gegensätze. Einst wurden hier Treibladungen für
Raketen hergestellt, heute hat die Natur das Areal zurückerobert.
Man nehme einen Schuss Bornholm, eine Prise Rügen und etwas Boberger Dünen: Schon haben Sie
einen Eindruck von den Besenhorster Sandbergen. Das Naturschutzgebiet liegt direkt an der Grenze
zwischen Altengamme und Geesthacht und ist während der Woche fast menschenleer. Erst passiert
man die Kläranlage, dann ein Logistiklager und schließlich ein Betonwerk. Nein, die Anfahrt zu den
Sandbergen ist alles andere als schön.
Gesprengte Bunker wie diesen gibt es viele im Naturschutzgebiet. Sie werden von Fledermäusen bewohnt

Aber dann! Stellen Sie das Auto ab, gehen ein paar Minuten und genießen die vollkommene Stille.
Krüppelkiefern wachsen am Rand von Sanddünen, ein Mäusebussard zieht seine Kreise am Himmel,
eine Prachtlibelle landet auf der seltenen Felsenfetthenne, reckt ihre Flügel Richtung Sonne. Plötzlich
ein heftiges Zirpen. Die Gestreifte Zartschrecke macht sich bemerkbar. Die seltene Heuschreckenart
hat hier ihr nördlichstes Vorkommen. Die Vielfalt an Tieren, die hier leben und die Stille
unterbrechen, ist einfach großartig! Und auch die vielen seltenen Pflanzen machen die Besenhorster
Sandberge zu einem kleinen Paradies.
Ergriffen von dieser Idylle, steht man dann plötzlich vor massiven Betonpfeilern, dann vor einem
abgeknickten Lampenmast. Reste einer ehemaligen Fabrik? Man läuft weiter und entdeckt einen
teilweise eingestürzten Bunker. Unheimlich. Aber mit der Zeit hat die Natur sich das Terrain, wo
einst Sprengstoff hergestellt wurde, zurückerobert. Die Betonreste sind mit Moos überzogen und in
den feuchten Räumen haben sich Fledermäuse eingenistet.
ADRESSE
Reiseatlas [D4]
Die Besenhorster Sandberge liegen an der Bundesstraße 404 an der Grenze zwischen Hamburg-
Altengamme und Geesthacht.
ANFAHRT
Vom Bahnhof Bergedorf mit der Buslinie 228 bis Borghorst, weiter zu Fuß über den Altengammer
Hauptdeich in den Borghorster Hauptdeich. Mit dem Auto über die A 25 bis Geesthacht, dann rechts
auf die B 404, vor der Elbbrücke rechts Richtung Altengamme, dann erneut rechts in den
Altengammer Hauptdeich.
IN DER UMGEBUNG
Zollenspieker Fährhaus
Das Traditionshaus an der Elbfähre liegt 10 km entfernt. Es ist vor allem bei Motorradfahrern als
Ausflugsziel beliebt. Der Biergarten unter alten Bäumen ist ein Traum. Das Restaurant hat täglich von
12 bis 22 Uhr geöffnet, Frühstücksbuffet gibt es von 7 bis 11, am Wochenende bis 13 Uhr.
Zollenspieker Hauptdeich 143, Tel. 040 7 93 13 30, www.zollenspieker-faehrhaus.de

Fischtreppen
Die 1960 in Betrieb genommene Staustufe Geesthacht liegt in unmittelbarer Nähe der Besenhorster
Sandberge und ist von dort über die Elbbrücke der B 404 auch zu Fuß gut erreichbar. Um Fischen die
Passage zu ermöglichen, wurden zwei Fischtreppen angelegt.

Nachtigallen und Spechte nutzen die abgeschiedenen Sandberge als Brutgebiet


Gut 200 m breit ist der Elbstrand bei Hetlingen

Schnepfen, Kiebitze und Blaukehlchen nutzen das Naturschutzgebiet zum Brüten, Menschen den 200 m
breiten Strand zum Sonnen und Baden – und das gern nackt.
Die Hetlinger Schanze an der Elbe ist ein inoffizielles, aber geduldetes FKK-Gebiet, über dem sogar
der Seeadler seine Runden dreht. Das Paradies fängt gleich hinter der Kläranlage an: Kaum haben Sie
die passiert, beginnt ein Fußweg direkt zum Deich. Jetzt trennt Sie nur noch eine Pforte von einem der
schönsten und mit 7 km auch längsten Strände an der Elbe. Bitte die Pforte wieder schließen – damit
die auf dem Deich weidenden Schafe nicht abhauen!
Segelboote ziehen träge die Elbe hinunter, ein paar Kilometer elbaufwärts stehen „Elbekreuzung 1
und 2”. Was bitte? Das ist der amtliche Name der mit 189 m höchsten Freileitungsmasten Europas.
Einer steht auf der Hetlinger Elbseite, der andere auf der Elbinsel Lühesand.
Wer sich am Strand auf einem angetriebenen Baumstamm niederlässt, sitzt auf historischem Grund:
Das einst fruchtbare Ackerland wurde 1658 von den Schweden überfallen, der Landstrich
niedergebrannt. Deshalb errichteten die Dänen eine Feldschanze, die zusätzlich noch mit Kanonen
ausgestattet wurde. Heute erinnert nur noch eine Infotafel an die kriegerische Vergangenheit. Der
NABU hat unweit davon einen 11 m hohen Beobachtungsturm errichtet, von dem Sie einen
traumhaften Blick weit über Elbe und Haseldorfer Marsch genießen.
Außerdem gibt es hier einen Wasserlehrpfad, der auf 14 Tafeln die Bedeutung des Wassers für das
Leben und die Landschaft darstellt. Und schließlich endet an der Hetlinger Schanze mit dem Pluto
auch ein 6 km langer Planetenlehrpfad. Vom Wedeler Yachthafen aus sind die Planeten
maßstabsgerecht im Verhältnis untereinander und zur Sonne aufgebaut.
ADRESSE
Reiseatlas [D–E2]
Hetlingen liegt 7 km nordwestlich von Wedel in der Haseldorfer Marsch.
ANFAHRT
Mit der S 1 bis Wedel, von dort weiter mit der Buslinie 589 bis zur Haltestelle Hetlingen,
Schulstraße. Von dort aus ca. zehn Minuten Fußweg über die Straße Idenburg zur Elbe. Mit dem Auto
fahren Sie auf der B 431 bis Wedel und weiter nach Holm. Dort links ab auf die L 261 nach
Hetlingen, dort links in die Schulstraße. Nach 300 m erreichen Sie einen kleinen Parkplatz an der
Schanze.
IN DER UMGEBUNG
Uriger Bierausschank
Die Gaststätte Zur Alten Schleuse ist ein uriger Bierausschank in historischem Gebäude. Holmer
Straße 20, Hetlingen, Tel. 04103 8 56 70, tgl. 11.30–14.30 Uhr und 17.30–21.30 Uhr

Schöner Schlossgarten
Ein paar Kilometer nordwestlich in Haseldorf liegt das 1805 fertiggestellte Herrenhaus Schloss
Haseldorf. Hier lebte der Dichter Prinz Emil von Schoenaich-Carolath-Schilden (1852–1908) und
auch Rainer Maria Rilke (1875–1926) verbrachte 1902 mehrere Wochen hier. Das Herrenhaus selbst
ist bewohnt und kann nicht besichtigt werden, doch der außerordentlich schöne, wildromantische Park
mit zwei uralten Tulpenbäumen lädt zum Spaziergang ein. Schlossweg, www.haseldorfer-marsch.de

Hunderte Schafe grasen am Deich der Schanze


Als wär’s ein Stück China: der Hamburg Yu Garden beim Völkerkundemuseum

China fängt gleich hinter der Rothenbaumchaussee an: Keine 200 m von der Hauptverkehrsader
entfernt ist 2008 der Hamburg Yu Garden eröffnet worden; seit 2013 ist er Sitz des Konfuzius-
Instituts an der Universität Hamburg.
Wer über die Zickzackbrücke – sie soll böse Geister fernhalten – am kleinen Wasserfall vorbei zum
Teehaus mit den Pagodendächern geht, wähnt sich nicht mitten in Hamburg, sondern in Südchina. Der
Yu Garden an der Ecke Binderstraße/Feldbrunnenstraße beim Völkerkundemuseum ist nach dem
Vorbild des berühmtesten Teehauses Chinas gebaut worden, des Shanghaier Huxinting. Die
Materialien kamen in 40 Containern direkt aus China: 140 000 halbrunde typische Dachziegel, 40 000
Dachsteine und 115 t Taihu-Kalkstein. Das besonders poröse Gestein dient in China traditionell zur
Gartengestaltung. Die Betrachtung der Steine soll in eine meditative Stimmung versetzen, die auch
dem Teegenuss nachgesagt wird. Diese uralte chinesische Tradition wird im Teehaus ganz
ursprünglich gepflegt: Der erste „Aufguss zum Waschen des Tees“ wird nicht getrunken. Er dient nur
dazu, den Tee zu wecken und die Kanne zu aromatisieren. Erst der erste richtige „Aufguss des guten
Geruchs“ und der zweite „Aufguss des guten Geschmacks“ werden dann in Ruhe genossen. Bei
schönem Wetter können Sie den Tee auf der Terrasse mit Blick auf die chinesisch gestalteten
Gebäude trinken.
Entstanden ist das Teehaus als Symbol der Freundschaft zwischen Hamburg und China. Mit
vielfältigen Veranstaltungen zu Chinas Geschichte und Gegenwart macht das Konfuzius-Institut das
Teehaus zu einem Ort kultureller Begegnungen; es kann auch von externen Nutzern gemietet werden.
Ein Idyll ist der große Garten. In ihm wacht neben zwei Löwen ein Kranich. In China ist er das
Symbol für Ewigkeit und Harmonie.
ADRESSE
Reiseatlas [C2]
Feldbrunnenstraße, 20148 Hamburg, Tel. und Öffnungszeiten: www.konfuzius-institut-hamburg.de
ANFAHRT
Mit der U 1 bis zum U-Bahnhof Hallerstraße (U 1) oder mit der Schnellbuslinie 34 bis zur Station
Museum für Völkerkunde. Mit dem Auto von der Rothenbaumchaussee in die Binderstraße und dann
in die Feldbrunnenstraße.
Kinder können herrlich über die Naturwiese toben. Im Hintergrund die Kapelle des Stifts, die heute von der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde genutzt wird

Lagerfeuer, sattes Grün und selbst gebaute Baumhäuser: Das Schröderstift ist eine verwunschene
Dorfidylle mitten in der Großstadt.
In den Achtzigerjahren baute der Circus Roncalli hier sein Zelt auf, Nina Hagen besuchte Freunde im
klapprigen Bauwagen und sang alkoholgeschwängerte Lieder an der Feuerstelle. Ein paar Jahre
vorher hatte eine Handvoll junger Hippies hier einfach ihre Studentenwohnungen in Besitz genommen
und das größte Wohnprojekt Hamburgs gegründet – den Schröderstift am Schlump.
Für die wunderschöne Anlage, jenes selbst verwaltete Dorf aus Backsteinhäusern unweit vom
Fernsehturm, gibt es viele Synonyme: „die grüne Oase von Rotherbaum” oder „der Kibbuz im Herzen
Hamburgs”, wo „die Glücklichen vom Bahnhof Schlump” wohnen. Jetzt kommt ein weiteres hinzu,
denn es ist eines von Hamburgs versteckten Paradiesen. Eingepfercht zwischen der sechsspurigen
Schröderstiftstraße und dem so mächtigen wie hässlichen Geomatikum, das hinter dem Gelände in den
Himmel ragt, leben hier Jung und Alt zusammen und unterstützen sich gegenseitig.
Aus sozialer Verpflichtung ist der schöne Flügelbau einmal erbaut worden. 1852 ließ der reiche
Hamburger Großkaufmann Johann- Heinrich Schröder die Anlage für „unverschuldet in Not geratene
Frauen” bauen. Heute laufen in dem Park Kinder unter riesigen Kastanienbäumen mit Hunden um die
Wette, klettern auf das tolle selbst gezimmerte Baumhaus oder setzen sich mit Schwung auf
die Schaukeln – ein beliebter Abenteuerspielplatz, ohne als solcher deklariert zu sein. Die
Erwachsenen sammeln Holz für die Feuerstelle, wo regelmäßig Geburtstags- und andere Feste
gefeiert werden.
Ein bisschen Hippiefeeling ist in dieser herrlichen Grünanlage immer noch da, auch wenn die
Studenten von einst langsam selbst ins gemütliche Rentenalter kommen. Dennoch: Hier wirkt alles
organisch und selbst gemacht, der alternative Geist der Bewohner ist überall zu spüren. Doch wo es
schön ist, da wollen meist auch ungebetene Gäste hin: Seit Jahren möchte die Universität ihr Gelände
erweitern und zu diesem Zweck den Schröderstiftlern die traumhafte Wiese auf der Rückseite
abluchsen – Zukunft ungewiss.
ADRESSE
Reiseatlas [B2]
Schröderstiftstraße 34, 20146 Hamburg, www.msv-schroederstift.de
ANFAHRT
Der U-Bahnhof Schlump (U 2/U 3, Metrobusse 4 und 15) liegt direkt vor der Tür. Mit dem Auto über
Schröderstiftstraße bzw. Beim Schlump.

Bizarrer Kontrast: Die Kapelle des Stifts wird überragt vom Betonkoloss des Geomatikums
Ein verlassener Sandstrand, das Blau der Elbe und ein herrlicher Blick auf den Deich vor Altengamme

Herrliche Aussichten und versteckte Buchten an der Elbe: Der Stover Elbstrand hat viel zu bieten.
Und im Juli gibt es auch noch ein Pferderennen.
Ein großer Sandstrand und ein weiter Blick über den Elbdeich nach Altengamme: Am Stover Strand
kommt Urlaubsfeeling auf, und das nur einen Katzensprung von der Hamburger City entfernt. Wer
über die Elbuferstraße nach Stove fährt, kommt zunächst an Obstplantagen und großen alten
Bauernhäusern vorbei. Überall am Straßenrand werden Erdbeeren, Kirschen und Kartoffeln
angeboten – Landleben pur. Zum Strand geht es über den Campingplatz. Zunächst sind nur ein kleiner
Yachthafen, Zelte und Caravans zu sehen. Doch dann, ganz unerwartet, dieser Postkartenstrand direkt
an der Elbe! Während der Woche ist er fast unberührt. Nur ein paar Kinder bauen Sandburgen und
planschen im kühlen Elbwasser. Ein Stück weiter hoffen Angler auf ihr Glück. Verliebte finden
überall kleine sandige Buchten, in denen sie völlig ungestört vor neugierigen Blicken sind.
Und wer keine Lust hat, abends wieder nach Hause zu fahren, kann sein Zelt in direkter Strandlage
des Campingplatzes aufschlagen.
Erst mal hoch auf den Deich – und dann runter zum Strand

Reichlich Trubel gibts am Stover Strand nur, wenn Ende Juli auf der Pferdebahn nebenan das Stover
Rennen stattfindet. Dann gibt es auch regelmäßige Fährverbindungen von Altengamme nach Stove.
Auf die Trab- und Galopprennen können selbst kleinste Beträge gewettet werden.
ADRESSE
Reiseatlas [D4]
Campingplatz Stover Strand 10, 21423 Drage, Tel. 04177 4 30, www.camping-stover-strand.de
ANFAHRT
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln allein ist die Anfahrt nicht sinnvoll möglich, wohl aber in
Kombination mit dem Fahrrad: entweder mit der R 30 nach Winsen, von dort ca. 13 km mit dem Rad
an der Elbuferstraße entlang; oder mit der S 21 bis Aumühle und dann knapp 20 km mit dem Rad über
Kröppelshagen und Escheburg, dann bei Geesthacht auf der B 404 über die Elbbrücke. Mit dem Auto
fahren Sie die A 25 bis zum Autobahnende bei Geesthacht und dann rechts auf der B 404 über die
Elbe, dann erneut rechts auf die Elbuferstraße. Ca. 2 km danach geht es rechts ab zum Stover Strand.
IN DER UMGEBUNG
„Genusshandwerkerei”
Frühstück am Deich mit regionalen Bioprodukten gibt es immer sonntags ab 10.30 Uhr in Heike
Harms’ Genusshandwerkerei direkt am Elbdeich. Auf Reservierung gibt es auch Abendessen.
Schwinder Straße 3, 21423 Drage-Schwinde, Tel. 04176 2 29, www.rent-a-party.de

Stover Rennen
Einmal jährlich im Juli findet am Stover Strand beim Zeltplatz das Stover Rennen für Traber und
Galopper statt. Neben den Rennen gibt es ein großes Familienfest mit Ponyreiten etc. Eintritt 10
Euro, Jugendliche 5 Euro, Kinder bis zehn Jahre frei, www.stover-rennen.de

Hausgemachter Landkäse
Leckeren Rohmilchkäse bekommen Sie 10 km südlich in Fahrenholz in der Landkäserei Fehling.
Schulweg 1, Mo–Fr 13–17, Sa 9–17 Uhr, www.landkaeserei-fehling.de

Wochentags haben Besucher den Strand oft für sich allein


Da strahlt der ganze Globus: das Hotel Atlantic bei Nacht

Weiße Säulen, ein Bacchus-Springbrunnen und zwölf Putten: Im Atrium des luxuriösen Hotels
Atlantic genießen Sie köstliche Speisen und feine Getränke mit mediterranem Charme.
Wer kennt es nicht, das traditionsreiche Hotel Atlantic an der Außenalster mitten in der Hamburger
Innenstadt und unweit vom Hauptbahnhof, das 2012 die umfangreichste Renovierung seines Bestehens
abschloss. In der mehr als 100-jährigen Geschichte des Hotels waren unzählige Könige, Politiker und
Prominente aus aller Welt zu Besuch. Und unweigerlich denkt man an Kultrocker Udo Lindenberg,
der dort seit 1995 eine Suite bewohnt, oder an den James-Bond-Film „Der Morgen stirbt nie” mit
Pierce Brosnan: Die Szenen auf dem Dach des Hotels waren in Kinosälen in aller Welt zu sehen.
Doch hinter der Fassade des Prachtbaus befindet sich ein Paradies, das kaum jemand kennt: der
schönste Hotelinnenhof Hamburgs. Die kleine Oase ist ein echter Geheimtipp, um sich mitten im
Großstadttrubel in feudaler Atmosphäre einfach mal verwöhnen zu lassen. Über den roten
Teppich geht es durch den pompösen Eingangsbereich des Hotels in die luxuriöse Lobby. Hinter der
Rezeption befindet sich auf der rechten Seite der Zugang zu dem von zwölf Säulen umrahmten,
weißen Atrium, das mediterranen Charme versprüht. Nehmen Sie Platz auf einem der edlen
Holzstühle am plätschernden Brunnen, unter der Figur von Bacchus, dem Gott des Weins und des
Rausches, und genießen Sie das Flair der großen weiten Welt. Lassen Sie sich Spitzenweine und
kulinarische Köstlichkeiten schmecken, während der göttliche Genießer ausgelassen mit zwei nackten
Grazien über dem Wasser tanzt. Werfen Sie bei Sommerwetter einen Blick in den blauen Himmel und
bestaunen Sie die zwölf unterschiedlichen Putten, die auf jeder Säule stehen.
Das Atrium hat aber auch viele Geschichten zu erzählen: Denken Sie an das Fotoshooting von La
Toya Jackson, das im Innenhof stattgefunden hat, während Sie es sich gemütlich machen. Oder stellen
Sie sich vor, wie Ende der Neunzigerjahre eine Frau um die Vierzig in edlem Kleid um den Brunnen
im voll besetzten Atrium läuft und sich plötzlich auszieht, um nackt im Brunnen zu planschen und eine
Arie aus Puccinis „Madame Butterfly” zu singen. Der von der schockierten feinen Gesellschaft
herbeigerufene Manager im feinen Zwirn landete beim Versuch, die Dame aus dem Brunnen zu holen,
selbst im Wasser und konnte sie erst mit Hilfe von zwei Kellnern in einen Bademantel hüllen und vor
die Tür bringen ...
ADRESSE
Reiseatlas [D–E4]
An der Alster 72, 20099 Hamburg, Tel. 040 2 88 80, tgl. 11–22 Uhr,
www.kempinski.com/de/hamburg/hotel-atlantic
ANFAHRT
Vom Hauptbahnhof 350 m über den Heidi-Kabel-Platz und die Straße Holzdamm hinunter in Richtung
Außenalster. Oder wenige Gehminuten vom Jungfernstieg rechts um die Binnen-, dann noch ein
kleines Stück entlang der Außenalster.

Der imposante Eingangsbereich des Hotels


So viel Natur auf so kleinem Raum gibt es sonst nirgends – allein 200 Vogelarten wurden gezählt

Die Reit in Reitbrook ist ein phantastisches Paradies für seltene Tiere – das Naturschutzgebiet bietet
beim Rundgang echtes Urwaldfeeling.
Bei einem Spaziergang durch die Reit kommen Sie sich wie in einem riesengroßen Terrarium vor.
Allein 200 heimische Vogelarten fühlen sich in dem Naturschutzgebiet wohl. In der Reit liegt ein
bedeutendes Brut- und Rastgebiet vieler europäischer Singvögel. Im Dickicht des Schilf- und
Weidengebüschs finden die Tiere ausreichend Nahrung für ihren Nachwuchs. Gerade hat der Senat
beschlossen, es von 49 auf 92 ha zu vergrößern. Das dürfte den seltenen Kammmolch, die
Wasserralle oder die Uferschnepfe freuen. Letztere hat in der Reit ihren letzten Brutplatz in Hamburg.
Mehr Amphibien und Vögel dürfte es auf so kleinem Raum nicht noch einmal in Norddeutschland
geben.
Letzter Brutplatz der Uferschnepfe
Vor 120 Jahren spielten Naturschutz und Artenvielfahrt in der Reit noch keine Rolle. Weil der Boden
hier aus schluffigem Ton bestand, wurde die Aktien-Dampf- Ziegelei Reitbrook gegründet. 1897
produzierten deren Arbeiter jährlich 5 Mio. Ziegel, vor allem für den Sielbau in Hamburg. 1930 war
Schluss mit der Ziegelei, 1937 rückte der Reichsarbeitsdienst an und baute den Reitdeich. Mit dabei
war Helmut Schmidt – sieben Monate schuftete der spätere Bundeskanzler hier. Nach dem Zweiten
Weltkrieg wurde die Reit zur Brennholzgewinnung fast vollständig abgeholzt, doch seitdem regiert
die Natur in dem Areal zwischen Dove Elbe und Gose Elbe. 1973 wurde die Reit Naturschutzgebiet.
Ein Rundgang über den Wanderweg dauert etwa eine Stunde und mutet an manchen Stellen wie ein
Urwaldspaziergang an: Blaue Libellen schwirren durch die Luft, Frösche kreuzen Ihren Weg durch
den Sumpf, neben dem umgestürzte Bäume liegen. Und seit der Reitdeich eine Schranke hat, werden
die Lurche nicht mehr regelmäßig zur Laichzeit im Frühjahr platt gefahren. Führungen durch das
Naturschutzgebiet mit anschließender Besichtigung der Beringungsstation werden von der NABU-
Arbeitsgruppe Bergedorf organisiert (Tel. 040 7 35 55 94).
ADRESSE
Reiseatlas [C3]
Die Reit liegt direkt am Zusammenfluss von Gose Elbe und Dove Elbe in Reitbrook. www.die-reit.de
ANFAHRT
Vom S-Bahnhofhof Bergedorf mit dem Bus 222 bis Reitdeich oder von der S-Bahn-Haltestelle
Mittlerer Landweg mit dem Bus 321 bis Allermöher Kirche, dort über die Kirchenbrücke und den
Vorderdeich über einen 1,5 km langen Fußweg. Achtung: Die Buslinien fahren nur eingeschränkt! Mit
dem Auto über die A 25 bis zur Ausfahrt Allermöhe, dort dem Allermöher Deich folgen und rechts
auf der die Kirchenbrücke die Dove Elbe passieren. Danach rechts auf den Vorderdeich abbiegen und
erneut rechts auf den Reitdeich fahren. Parkmöglichkeiten gibt es an der Reitschleuse.

Die unberührte Natur bietet zahlreichen T ieren Unterschlupf


Über 100 Kreuzfahrtschiffe fahren jährlich durch den Kanal und ziehen immer viele „Seh”-Leute an

Flaches Land und vielleicht etwas (Rücken-)Wind: Der Norden ist ein ideales Fahrradland.
Aber sind Sie schon einmal mit Kreuzfahrern, Containerschiffen und großen Frachtern aus aller Welt
um die Wette geradelt? Auf gut ausgebauten Wegen geht es immer am Nord-Ostsee-Kanal entlang, der
meistbefahrenen künstlichen Seeschifffahrtsstraße der Welt. Und zusätzlich gibt es an 14 Fährstellen
kleine Schiffspartien gratis!
Eigentlich ist der Nord-Ostsee-Kanal in Schleswig-Holstein von Brunsbüttel bis nach Kiel nur 98,7
km lang, aber Entdeckertouren erschließen die abwechslungsreiche Landschaft. So können Sie die
Radelstrecke auf weit mehr als 300 km erweitern. Mal führt der Weg an imposanten
Industriedenkmälern wie Schleusen, Tunneln, eindrucksvollen Brücken und Fähren vorbei, mal
passieren Sie stattliche Landsitze und Herrenhäuser, dann wieder gehts durch beschauliche Dörfer. Es
gibt viel zu bestaunen und überall an der Strecke informieren Informationstafeln über
Sehenswürdigkeiten der Umgebung.
Wer sich an Schiffen – und davon fahren täglich etwa 90 durch den Kanal – nicht sattsehen kann,
entscheidet sich für die ausschließlich am Kanal verlaufende Expressroute. Im Sommer können Sie
dann auch mit den meist schneeweißen Luxuslinern um die Wette radeln. Pro Saison fahren über 100
dieser Traumschiffe quer durch Schleswig-Holstein. Neben Tagestouren sind auch mehrtägige
Radwanderungen möglich. Dabei sind Sie, wenn Sie möchten, völlig unbeschwert unterwegs: Je nach
gebuchter Route ist für den Gepäcktransfer gesorgt, die Hotelzimmer oder Heuherbergen sind
gebucht, Infomaterial, Radwanderkarten und Lunchpakete liegen bereit (alle Touren sind unter
www.nok-sh.de/nok-route buchbar). Wer am Kanal radeln will, ohne eine Tour zu buchen, kann vor
Ort auch ein Fahrrad mieten (in Brunsbüttel z. B. Fahrrad-Service GbR, Koogstraße 93, Tel. 04852
83 75 74).
In Rendsburg wartet unter der denkmalgeschützten Eisenbahnhochbrücke mit der Schwebefähre noch
ein Highlight: Die Schiffsbegrüßungsanlage direkt am Kanal. Täglich ab 11 Uhr bis zum Einbruch der
Dunkelheit erzählen Kapitäne hier spannende Informationen über die vorbeifahrenden Schiffe.
Danach wird die Nationalhymne des Herkunftslandes des Schiffs abgespielt und die Flagge gedippt –
ein internationaler Seefahrergruß. Viele Schiffe grüßen per Schiffshorn zurück. Das ist gerade bei den
Luxuslinern sehr imposant. Auf den folgenden Websites finden Sie eine Liste, wann welcher
Luxusliner durch den Kanal fährt: www.tinok.de, www.brueckenbote.de, www.sh-tourismus.de
ADRESSE
Reiseatlas [A–D 1–4]
Der Nord-Ostsee-Kanal zieht sich von Brunsbüttel quer durch Schleswig-Holstein nach Kiel.
ANFAHRT
Vom Hauptbahnhof mit dem Regionalexpress in ca. 75 Minuten nach Kiel oder von Altona mit der
NOB nach Itzehoe, dort weiter nach Burg in Dithmarschen oder mit dem Bus 6606 nach Brunsbüttel.
Mit dem Auto fahren Sie entweder über die A 7 z. B. bis Rendsburg oder Kiel oder über die A 23 bis
Schafstedt bzw. Albersdorf oder bis Itzehoe-Mitte und weiter über die B 5 nach Brunsbüttel.
IN DER UMGEBUNG
Schleusenbesichtigung
In Brunsbüttel und Kiel-Holtenau können Sie die Ein- und Ausfahrtsschleusen in den Kanal
besichtigen. In Brunsbüttel gibt es neben kostenlosen Aussichtsplattformen das Besucherzentrum
Atrium – Museum an der Schleuse (Gustav-Meyer-Platz, 15. März–15. Nov. tgl. 10.30–17 Uhr,
Eintritt 2 Euro, Kinder 0,50 Euro, www.wsa-brunsbuettel.de).

Restaurant direkt am Kanal


Deutsche Küche mit Blick auf die vorbeifahrenden Schiffe und auf die Hochbrücke mit der
Schwebefähre können Sie sich in Rendsburg im Restaurant Brückenterrassen (Am Kreishafen, Tel.
04331 2 20 02, tgl., www.brueckenterrassen.de) schmecken lassen, das auch die
Schiffsbegrüßungsanlage betreibt.
Gitarre oder T ai-Chi, Kubb oder Slacklining: In der entspannten Atmosphäre des Wohlers Parks erleben Sie das ganze Spektrum angesagter Freizeittrends

Zwischen St. Pauli und Max-Brauer-Allee liegt ein verwunschener Park, in dem Sie ungestört die
Natur genießen können. Früher war der Park einmal ein Friedhof.
Der Wohlers Park ist ein Refugium für Geschichtsinteressierte, Grillfans, Frisbeespieler, Tai-Chi-
Anhänger, Slackliner, Gitarrespieler und, und, und. Der kleine Park, der in zentraler Lage und
dennoch wunderbar ruhig zwischen Thadenstraße, Wohlers Allee und Max-Brauer-Allee an der
Grenze zwischen St. Pauli und Altona liegt, hat durch die alten Grabstätten ein ganz eigenes Flair.
1831 wurde er als letzte Ruhestätte der Altonaer Prominenz eröffnet.
Noch heute befindet sich im Park das eindrucksvolle Mausoleum der Familie Blücher, über dem ein
großes schmiedeeisernes Kreuz und ein gräfliches Wappen prangen. Das wiederum ist über einer
schweren Metalltür angebracht, eingerahmt von zwei Säulen. Conrad Daniel Graf von Blücher-
Altona wurde 1808 zum Oberpräsidenten der zweitgrößten dänischen Stadt – das nämlich war Altona
damals – ernannt. 1813 rettete der Graf die Stadt vor der Zerstörung durch die Franzosen.
Seit 1945 wird im Wohlers Park niemand mehr beigesetzt und vor allem bei sommerlichen
Temperaturen pulsiert hier das Leben. Zwischen den bemoosten Grabsteinen und prächtigen
Rhododendronhecken sitzen vor allem junge Leute und genießen die friedliche Multikultiatmosphäre
in dem hundefreien Park.Verwunschen wirkt diese kleine, grüne Oase unweit des Kiezes – man
würde sich nicht wundern, wenn in der Dämmerung plötzlich ein paar Elfen zwischen den verfallenen
Gräbern auftauchen würden.
ADRESSE
Reiseatlas [A4]
Eingänge in den Straßen Bei der Johanniskirche, Thadenstraße und Wohlers Allee
ANFAHRT
S 21/S 31 bis Holstenstraße oder Metrobus 15 bis Sternbrücke oder Bus 283 bis Thadenstraße
(West). Mit dem Auto am besten über die Max-Brauer-Allee.

Knorrige Linden stecken ihr Blattwerk im Park zu einer märchenhaften Allee zusammen
Sprung ins 20 Grad warme Nass: Vom Steg aus kann man in den T onteich hüpfen

Ruhe, Erfrischung und Erholung am Rand des Sachsenwalds – der idyllische See soll sogar heilende
Kräfte haben.
Lärm wie beim Konzert, knüppelvolle Rasenflächen, Chlorgeruch bis in die Umkleidekabinen – am
Tonteich in Wohltorf sind diese ganzen Freibad-Begleiterscheinungen weit weg. Hier am
südwestlichen Ende des Sachsenwalds schwimmen Besucher mitten in der Natur. Vom
Waldparkplatz geht man nur wenige Meter, schon öffnet sich der Blick auf den See. Schilf, Bäume
und Rasen rahmen das rund 24 000 m2 große Gewässer ein, 13 000 davon gehören zum
Sachsenwaldbad Tonteich. Zwei Stege ragen ins Nass, zwei Rutschen und ein kleiner Sprungturm
steigern den Spaßfaktor. Der Nachwuchs tummelt sich im Nichtschwimmerbereich (Wassertiefe 1,20
m) und im Abschnitt für Kleinkinder (0,30 m). Pompös erhebt sicham linken Ende des Sees das
Vereinsheim des noblen Tontaubenklubs Sachsenwald. Spartanischer dagegen die in die Jahre
gekommenen, aber sauberen Umkleidekabinen des Bads. Dort soll nicht geprotzt werden – das ist gar
nicht nötig. Historie und Wasserqualität sprechen für sich: Bis vor rund 100 Jahren standen an dieser
Stelle die Friedrichsruher Tonwerke. Die alte Ziegelei brannte aus, über Jahre füllte sich die Grube
mit Wasser.
Das Wasser hat Dreisternequalität
1958 begann der geordnete Betrieb – die damalige Grundeigentümerin, Fürstin Ann-Mari von
Bismarck, weihte das Bad ein. „Die einzigartige Lage am Rand des Sachsenwalds und der Blick sind
schon Erholung pur”, schwärmt Bernd Wyrwinski, Vorsitzender des Vereins Sachsenwald-Bad
Tonteich. Nicht nur die Vereinsmitglieder schätzen die Natur, die Ruhe – und vor allem das Wasser.
Märchenhaft die Erzählungen, die sich um das rund 20 Grad kühle Nass ranken. „Wenn man sich eine
Wunde zugezogen hat, muss man einfach ins Wasser gehen – abends ist die weg”, erzählten die
Erwachsenen einst. Fest steht: Durch Eisensulfat und Schwefelsäure entstand besonders weiches
Wasser, in der Wirkung vergleichbar mit essigsaurer Tonerde. Stolz ist der Verein auf die offiziell
bescheinigte Dreisternequalität. Damit der pH-Wert des bis zu viereinhalb Meter tiefen
Schwimmbadwassers nicht extrem steigt, ist 2013 eine Entschlammung geplant. Bernd Sthamer,
Fachangestellter für Bäderbetriebe, sorgt dafür, dass den Gästen nichts passiert. Er sitzt am Rand des
Sachsenwaldbads – glücklich: Von der Tribüne aus genießt man den Blick auf See, Wald und die
Sonne. Zu Gast im Paradies.
ADRESSE
Reiseatlas [D3]
Am Tonteich 35, 21521 Wohltorf, Tel. 04104 28 93, 1.–15. Mai und Sept. tgl. 12–19, 16. Mai–Aug.
Mo–Fr 6–20, Sa/So 9–20 Uhr, 2,50 Euro, Kinder (6–15 Jahre) 1,50 Euro, www.tonteichbad.de
ANFAHRT
Mit der S 21 bis Wohltorf, von dort zehn Minuten auf der Straße Am Tonteich. Mit dem Auto auf der
A 24 bis Reinbek, dort in Richtung Reinbek/Glinde, in Reinbek auf die Wohltorfer Straße, dann über
Billgrund, Eichenallee und Am Tonteich.
IN DER UMGEBUNG
Essen und Trinken
Auf dem Schwimmbadgelände gibts Currywurst mit Pommes (4,70 Euro), Ofenkartoffel mit Sour
Cream (3 Euro) oder Eis. Schicker ist das Ambiente im Tontaubenklub. Dort bekommen Sie Pasta ab
6,90 Euro und Salate ab 6,50 Euro.

Garten der Schmetterlinge


Seit mehr als 25 Jahren fliegen hier im 7 km entfernten Friedrichsruh die Schmetterlinge der Fürstin
Elisabeth von Bismarck. Fahren Sie mit der S 21 weiter bis Aumühle, von dort mit der R 20 nach
Friedrichsruh. Mit dem Auto folgen Sie vom Bahnhof Wohltorf (Eichenallee) der Hauptstraße bis
zum Bahnhof Aumühle, dort rechts in die Straße Am Mühlenteich und der Ausschilderung folgen. Am
Schlossteich 8, 15. März–Okt. tgl. 10–18 Uhr, Eintritt 7 Euro, Kinder 4,50 Euro, Führungen (3
Euro) nach Anmeldung, www.garten-der-schmetterlinge.de
Am Weiher im Herzen des Parks leben Enten – aber bitte nicht füttern!

Der Park Am Weiher mit dem idyllischen See und den knorrigen Bäumen liegt mitten im Herzen des
dicht besiedelten Eimsbüttels.
Wuchtige Ahornbäume und Kastanien mit mächtigen Kronen trennen ein grünes Kleinod vom tosenden
Verkehr auf dem Ring 2. Dort viele Tausende Autos pro Tag, hier Mütter, die mit ihren Kleinkindern
spielen, Jogger, die ihre Runden drehen, ausladende Weiden, der kleine Bachlauf der Ottersbek und
ein einladender Teich. Der Eimsbütteler Park, durch den die Ottersbek fließt, ist eine echte Oase im
Herzen des Stadtteils.
Praktisch: ein Park mit Café und Spielplatz
Der Park, der von Anwohnern nur „Der Weiher” genannt wird, war einst in Privatbesitz. 1872 hatte
der Bremer Spekulant Wilhelm Carl Friedrich Büsing einen Teil des Gebiets erworben. Er wollte
den Bereich in Parzellen aufteilen und diese als Baugelände für eine Villenkolonie verkaufen.
Senatoren und Reeder verbrachten dort später ihre Sommer. Noch heute rahmen noble
Gründerzeithäuser den 1,9 ha großen Park. Bei der Genehmigung des Büsing’schen Projekts hatte die
Stadt vertraglich festgelegt, dass die Anlagen öffentlich zugänglich sind. Anlieger mussten Wege und
Teiche pflegen, die öffentliche Hand sparte Kosten. Die Angst vor Bauspekulanten aber wuchs. Die
Stadt musste investieren, kaufte das Parkgelände und weitere Grundstücke. Im Tausch gegen drei
Bauplätze erwarb sie 1892 von Büsing den Park und vergrö- ßerte das Areal. Inzwischen gibt es dort
sogar ein Café (Café im Park, Im Gehölz, gegenüber Hausnr. 7) und einen riesigen
Spielplatz. Das Fahrradfahren ist im Park verboten, und das Entenfüttern schadet dem Park – ist aber
leider dennoch das Hobby einiger Spaziergänger. Genießen Sie lieber den Blick auf die
Entenfamilien!
Spaziergänger schwärmen: „Wenn man überlegt, dass hier direkt der Ring 2 verläuft, ist es doch sehr
ruhig. Das ist eine grüne Oase.”
ADRESSE
Reiseatlas [A1]
Zwischen Unnastraße, Im Gehölz, Am Weiher und Ottersbekallee, 20255 Hamburg
ANFAHRT
Die Haltestelle Goebenstraße der Metrobusse 20 und 25 ist direkt am Eingang zum Park. Mit dem
Auto über den Ring 2 (Gärtnerstraße/Im Gehölz/Schulweg).

Immer wieder laden Bänke zum Verschnaufen, Lesen, T räumen ein


Das ist Lebensqualität: mitten in der Stadt unter alten Bäumen im ruhigen Hinterhof ein Glas Rotwein trinken

Von der feinen Welt Eppendorfs spüren Sie hier nicht viel – dabei beginnt sie gleich auf der anderen
Straßenseite.
Wer zum ersten Mal die Falkenried- Terrassen in Hoheluft besucht, dem fallen drei Dinge auf:
Obstbäume, spielende Kinder und das fast dörfliche, entspannte Lebensgefühl. Die schmalen
Häusergassen an der Straße Falkenried sind ein idyllisches Paradies im Großstadttrubel. Hier wohnt
man auf engem Raum und lebt den nachbarschaftlichen Geist einer modernen Wohlfühlkommune.
Schlendern Sie durch die grünen Innenhöfe der um 1900 erbauten Gebäude. Im Sommer leuchten die
Blüten der Hortensien und Rosen an den Häusern. Damals waren die insgesamt 20 Kopfbauten und
89 Terrassenhäuser, die Ende des 19. Jhs. für die Arbeiter der hier ansässigen Fahrzeugwerke
Falkenried gebaut wurden, längst nicht so vorzeigbar wie heute. Zwar wurde ein Großteil des
sanierungsbedürftigen Areals von den Wohnungsbaugesellschaften Saga und Neue Heimat Nord
gekauft, doch bis in die Siebzigerjahre stark vernachlässigt.
Erst als 1973 eine Mieterinitiative auf den Plan trat, kam Bewegung in die Sanierungspläne. Bis heute
organisieren sich die Anwohner alleine – als selbst verwaltete Mietergenossenschaft. Viele bauen
vor ihrer Haustür Gemüse an oder kümmern sich um die vielen Katzen und die zahlreichen
Apfelbäume. „Wenn das Obst reif ist, dann wird hier einfach ein Korb hingestellt und alle dürfen sich
bedienen“, sagt eine Anwohnerin. Zudem werden in regelmäßigen Abständen Flohmärkte,
Sommerfeste oder gar Ponyreiten veranstaltet, alles mit einer unaufdringlich alternativen Note.
Ein besonderes Highlight sind die noch immer vorhandenen alten Hausbeschriftungen. Die zum
Innenhof gerichtete Seite eines angrenzenden Hochbunkers wurde mit einem tollen Wandbild
versehen. Es stellt Szenen aus der Geschichte des Falkenrieds und dem Leben der Anwohner dar. An
der Ecke zum Falkenried gibt es außerdem die Marsbar (Straßenbahnring 2, Tel. 040 46 00 99 50,
Mo–Fr 9–24, Sa 10–18 Uhr, www.marsbar-hamburg.de), ein schickes, kleines Restaurant in einem
denkmalgeschützten ehemaligen Pförtnerhaus.
Lassen Sie sich vom Charme einer der schönsten Ecken Hamburgs verzaubern und bummeln Sie
ziellos durch die Passagen – aber bitte dezent, Sie spazieren hier gewissermaßen durch den Vorgarten
der Anwohner. Genießen Sie einfach die entspannte Atmosphäre, die mehr an einen Dorfanger
erinnert als an das hanseatisch-schicke Eppendorf.
ADRESSE
Reiseatlas [B2]
Falkenried 34, 20251 Hamburg
ANFAHRT
Mit der Metrobuslinie 5 bis Eppendorfer Weg (Ost), von dort über den Eppendorfer Weg, dann
rechts in den Falkenried. Mit dem Auto über die Hoheluftchaussee, dann in den Lehmweg abbiegen
und links in den Falkenried.
Im Marschland stört nichts den endlosen Blick – herrlich zum Entspannen

Heile Welt am Rand einer stillgelegten Bahnstrecke im Kreis Dithmarschen: grasende Pferde,
hoppelnde Hasen, saftiges Grün. Alles läuft im ersten Gang. Auch die Draisine, auf der Touristen
strampeln.
Wer hier, zwischen St. Michaelisdonn und Marne, zu schnell tritt, landet im Leerlauf. Nur keine
Hektik! Das Segel der Fahrraddraisine hängt lasch im Wind. Vorn eine Bank, zwei Flaschenhalter
fürs Bierchen, hinten Sitze für die tretenden Touristen. Das Gefährt rollt über die Gleise der im 19.
Jh. gebauten Marschenbahn, vorbei an nach Blumen und Gräsern duftender Einöde, an Windrädern
und idyllischen Gehöften. Schnell entwickelt sich der Ehrgeiz, kräftig in die Pedale zu treten, sich den
Wind um die Nase wehen zu lassen. Doch Vorsicht: Am Streckenrand warnen Schilder vor der
nächsten Kreuzung. Dort steigt man ab, öffnet und schließt die leicht angerostete Schranke per Hand.
Sicher ist sicher heißt die Devise auf der fast 10 km langen Strecke.
Bis 1961 sorgte die Bahn hier für den Personenverkehr, jetzt sind die Personen selbst am Zug – ein
paradiesischer Ausflug für Familien und Kleingruppen. 19 Euro zahlen die pro Draisine für die 70-
minütige Tour durchs Marschgebiet, Hin- und Rückweg kosten 27 Euro. Zwischen den Orten fährt ein
Bus, Parkplätze stehen sowohl direkt auf dem Gelände zur Verfügung als auch am 200 m entfernten
Busbahnhof.
Wer trotz strapazierter Waden und einer Überdosis Frischluft noch weiterwill, sollte seine Reise zur
Seehundstation Friedrichskoog (An der Seeschleuse 4, 25718 Friedrichskoog, März–Okt. tgl. 9–
18, Nov.–Feb. 10–16 Uhr, Eintritt 6 Euro, Kinder 4 Euro, www.seehundstation-friedrichskoog.de)
fortsetzen – natürlich nicht auf der Draisine, sondern im Bus (Linie 2510 ab Marne ZOB bis
Friedrichskoog, Haiungs) oder Auto. In Friedrichskoog werden kranke Tiere aufgepäppelt und pro
Saison ca. 150 Heuler aufgezogen. Fünf Seehunde und zwei Kegelrobben sind dort das ganze Jahr
über zu Hause. „Wir wollen Verständnis dafür schaffen, tolle Wildtiere in einem weltweit
einzigartigen Lebensraum direkt vor der Haustür zu haben”, sagt Leiterin Tanja Rosenberger.
Beliebter Höhepunkt sind die Fütterungen. Schon Minuten vorher bringen sich Seehunde
und Kegelrobben in Lauerstellung, warten auf Heringe, Brassen oder Krustentiere. Auf der
Zuschauertribüne knabbern Kinder gespannt an ihren Broten. Etwa 20 Minuten dauert die Show samt
Untersuchung der Tiere. Um die 150 000 Besucher tauchen pro Jahr in die Welt der Meeresbewohner
ein. Kinder können sich durch das Gelände quizzen oder mit ihren Eltern die Ausstellungen besuchen.
Heile Welt muss gar nicht langweilig sein!
ADRESSE
Reiseatlas [A3]
Poststraße 18 a, 25693 St. Michaelisdonn, Tel. 01803 12 19 99, www.marschenbahn-draisine.de
ANFAHRT
Mit der NOB ab Bahnhof Altona Richtung Westerland bis Itzehoe, hier umsteigen nach St.
Michaelisdonn. Dort sind es vom Bahnhof noch ca. 200 m bis zum Draisinenbahnhof. Mit dem Auto
auf der A 23 bis Itzehoe-Mitte, dort abfahren auf die B 5 Richtung Brunsbüttel/Heide bis zur Abfahrt
Richtung Eddelak/St. Michaelisdonn. Im Ort ist der Draisinenbahnhof ausgeschildert.
IN DER UMGEBUNG
Ausflug als Pauschalpaket
Der Freizeitanbieter Regiomaris hat ein Komplettpaket für Familien inklusive Bahnanfahrt im
Programm. Das Angebot umfasst die Draisinenfahrt nach Marne, den Linienbustransfer nach
Friedrichskoog, den Eintritt zur Seehundstation und ein Mittagessen inklusive Getränk. 99 Euro (zwei
Erwachsene und bis zu drei Kinder), www.regiomaris.de

Dithmarscher Brauerei
Dienstags und sonnabends bietet die Dithmarscher Brauerei (Österstraße 18, Tel. 04851 96 20,
Eintritt 7 Euro, www.dithmarscher.de) in Marne von 15 bis 17.30 Uhr Führungen an. Telefonische
Voranmeldung ist unbedingt erforderlich!

Gutbürgerliche Küche
In Friedrichskoog können Sie im Restaurant Harlekin (Hafenstr. 123, Tel. 04854 90 99 62,
www.harlekin-nordsee.com) gutbürgerlich essen.

Mit der Fahrraddraisine geht es durch die idyllische Dithmarscher Marsch


Der „Moorkieker” alias Lorenbahn „Moppel” (Baujahr 1960) auf der Fahrt durchs Moor

Mit der Moorkiekerbahn, einer 50-sitzigen Lorenbahn, lässt sich das 22 km lange und 5 km breite
Feuchtgebiet im Landkreis Stade erkunden. Unter fachkundiger Führung ist das sicher und lehrreich.
Keine Landschaft ist mörderischer, so das Klischee. Im Museum staunt man über Moorleichen und
gruselt sich bei dem Gedanken, unrettbar im sumpfig-feuchten Boden zu versinken. Die Wahrheit ist:
Das Kehdinger Moor steckt voller Leben. Und mit der Lorenbahn „Moppel” lässt sich das Paradies
ohne jedes Risiko erleben.
Rüdiger Ramm wartet im Schatten. Über dem Minibahnhof der liebevoll „Moppel” genannten
Lorenbahn haben Bäume ihre mächtigen Äste ausgebreitet. Insekten schwirren durch die Luft, ein paar
Sonnenstrahlen dringen durch die Kronen. „Willkommen im Kehdinger Moor”, ruft der Biologe. Das
ist also das Moor? Keine Nebelschwaden, keine düsteren Sümpfe. Ramm wirft den Dieselmotor an.
Unter einigem Getöse setzt sich die Lorenbahn in Gang, zuckelt aus dem Bahnhof durch einen
Birkenwald. Dahinter liegt ein Tümpel. Feuerlibellen tanzen übers Wasser.
Der Torfboden federt wie eine Turnmatte
Jahr für Jahr kutschiert Ramm Tausende Besucher durch das 450 ha große Moor – drei Stunden
dauert die 6 km lange Tour. „Moppel” kurvt am Torfabbaugebiet vorbei, durch die
Renaturierungsflächen und durch das ursprüngliche Moor. Es ist etwa 6000 Jahre alt. Über einem See
kreischen Möwen. „Es ist ihr Brutgebiet, deswegen sind sie so aufgeregt”, erklärt Ramm. In der Nähe
eines Walds aus Schilf kommen Sie zu einer Moorwiese – und hier wird es tatsächlich gefährlich,
hier können Menschen und Tiere versinken. Unter Ramms Aufsicht dürfen Sie jedoch einen Schritt auf
das wabbelige Terrain wagen. Bei jedem Hüpfer schlägt der Boden meterweit Wellen. Stößt man mit
einem Stock ein Loch in die Grasfläche, tritt Wasser an die Oberfläche: Die Wiese schwimmt!
Der Torfboden, auf dem die Schienen der Lorenbahn verlaufen, fühlt sich indes unter den Füßen an
wie eine federnde Weichmatte in der Turnhalle. 2000 Jahre etwa ist er alt. So lange dauert es, bis
sich eine Schwingwiese in Torf verwandelt. Dafür sorgt eine einzige Pflanze: das Torfmoos. Es
wächst auf den Wiesen, im Wasser wird es zersetzt und allmählich zu Torf. So wächst der feste
Boden bis zu 4 mm im Jahr. Immer wieder stoppt Ramm die Lorenbahn, zeigt Ihnen Sonnentau, eine
fleischfressende Pflanze, die auf Fliegen lauert, schlängelnde Kreuzottern, kreisende Kraniche. Doch
das Einzige, was Ihnen hier passieren kann, sind Mückenattacken ...
ADRESSE
Reiseatlas [C1–2]
Drochtersen-Aschhorn, Tel. 04141 1 25 61, April–Okt. an jedem ersten und dritten So im Monat um
10 Uhr, Ticket 6,50 Euro, Kinder 3,50 Euro, www.moorkiekerbahn.de
ANFAHRT
Mit der S 3 bis Stade. Von dort ist die Weiterfahrt nur mit Anruf-Sammeltaxi möglich und nicht zu
den Verkehrszeiten der Moorkiekerbahn. Daher empfiehlt sich die Anfahrt per Auto über die B 73 bis
Horneburg, dort auf die neue Autobahn A 26 bis zur Ausfahrt Drochtersen, auf der L 111 bis
Drochtersen, dort kurz vor dem Ortsende links in die Aschhorner Straße abbiegen und den
Firmenschildern „Euflor” folgen.
IN DER UMGEBUNG
Besuch in Stade
Von der Natur zurück in die Stadt: Auf dem Rückweg vom Kehdinger Moor können sich Hamburger
in der kleinen Nachbarhansestadt behutsam wieder an den Trubel der Großstadt herantasten. Das über
1000 Jahre alte Stade hat eine der schönsten Altstädte in Norddeutschland und bietet viele
Möglichkeiten zum Bummeln und Essengehen. www.stade.de

Das viele Wasser macht das Moor zu einem vielfältigen Biotop


Ein verzweigtes Geäst aus Metall: Containerterminal Altenwerder

Altenwerder ist ein Stadtteil starker Gegensätze. Hier schlendern Sie durch einen urigen, der Natur
überlassenen Urwald und durch eine elegante Parkanlage – und haben dabei eines der modernsten
Containerterminals der Welt und riesige Schiffe im Blick.
Bei diesem Paradies kommen nicht nur Liebhaber der einsamen Natur auf ihre Kosten, sondern
ebenso Schiffs- und Technikbegeisterte. An der St.-Gertrud-Kirche in Altenwerder beginnt eine
kleine Zeitreise. Umgeben von alten, knorrigen Bäumen ragt im dichten Grün der Kirchturm in den
Himmel. Flankiert wird dieser von zwei riesigen Windrädern, die mit 198 m Höhe und 58 m langen
Rotorblättern zu den größten der Welt gehören. Als Besucher wundert man sich, weshalb hier, wo
doch nur Natur und ein neues Gewerbegebiet sind, eine Kirche steht.
Die Antwort wirft einen Schatten auf die Expansion des Hamburger Hafens: Bis 1998 stand hier das
Fischerdorf Altenwerder. Zeitweise hatten über 1000 Menschen hier ihr Zuhause. Doch seit den
Sechzigerjahren stand das Dorf einer Hafenerweiterung im Weg. Die Stadt kündigte
Zwangsenteignungen an und kaufte den Bewohnern ihre Grundstücke ab. Kurz vor der
Jahrtausendwende haben die letzten Bewohner den Stadtteil verlassen. Nur die St.-Gertrud-Kirche ist
vom Dorf noch übrig geblieben. Der Weg an der Kirche vorbei führt zum Friedhof, der nicht mehr
genutzt wird. Obwohl die Anfänge des Friedhofs im Jahr 1600 liegen, sind die ältesten Gräber aus
dem 19. Jh. Auf der Nordseite befindet sich das wohl beeindruckenste Grabmal des Friedhofs mit
einer Engelsfigur auf steinernem Sockel.
Der Weg führt dann weiter durch den einsamen Grünstreifen mit seiner urigen Vegetation bis zu
einem Teich. An der Altenwerder Hauptstraße entlang gelangen Sie zu einem hübsch angelegten
neuen Park. Über Sandwege können Sie durch die Anlage mit satten grünen Pflanzen, Büschen und
Bäumen spazieren. Knallrote Beeren setzen sich wunderschön von den grünen Sträuchern ab.
Während des Spaziergangs haben Sie einen großartigen Blick auf das Containerterminal
Altenwerder, auf die riesigen Containerschiffe, die dort festgemacht haben, und nicht zuletzt auf die
Köhlbrandbrücke, eines der modernen Hamburger Wahrzeichen. Sie können hautnah erleben, wie sich
gigantische Ozeanriesen langsam ihren Weg unter der Brücke hindurch zum Containerterminal bahnen
und am 1400 m langen Ballinkai anlegen. In enormem Tempo klappen die vierzehn Containerbrücken
mit ihren 61 m langen Auslegern herunter, um die Container an Bord zu löschen und neue Stahlkisten
zu laden. Die entladenen Boxen kommen dann auf kleine Fahrzeuge. Wie von Geisterhand sausen die
86 „Automatic Guided Vehicle” (AGV) zielstrebig und auf dem schnellsten Weg durch das
ultramoderne Terminal.
Einen Fahrer suchen Sie vergebens: Seit der Inbetriebnahme im Sommer 2002 laufen der Transport
und die Lagerung vollautomatisch. Dazu sind im Boden über 19 000 Transponder eingelassen, durch
die eine Software die genaue Position der Fahrzeuge bestimmen kann. Sogar zum Auftanken oder zur
Ladestation für den Batteriewechsel fahren die schlauen AGV automatisch. Nur in den
Containerkränen sitzen noch Mitarbeiter, die mit viel Fingerspitzengefühl die schaukelnden
Bewegungen des Schiffs ausgleichen müssen. Die AGV parken vor einem der 26 Lagerblöcke auf der
1 km2 großen Anlage. Ein Portalkran lädt hier den Container zur Zwischenlagerung ab. Wie
Legosteine sind die pro Lagerblock bis zu 16 000 Container übereinander gestapelt.
ADRESSE
Reiseatlas
Altenwerder Kirchweg, 21129 Hamburg, www.kirche-suederelbe.de,
hhla.de/de/container/altenwerder-cta.html
ANFAHRT
Mit der S 3 oder S 31 bis Wilhelmsburg, dann mit der Buslinie 151 bis zur Haltestelle Am
Altenwerder Kirchtal. Mit dem Auto über die A 7, an der Anschlussstelle Waltershof abfahren auf
die Finkenwerder Straße, dann links auf den Finkenwerder Ring und über den Altenwerder
Hauptdeich unter der A 7 durch. Danach rechts auf den Altenwerder Kirchweg. Parkplätze sind an
der St.-Gertrud-Kirche vorhanden.

Der T eich in Altenwerders „Urwald“


Mehrere Bachläufe mit üppiger Uferbepflanzung ziehen sich durch den Garten. Hier blühen gerade die Schwertlilien

Die ganze Welt auf engstem Raum: Das ist der Neue Botanische Garten in Klein Flottbek, der seit
Ende 2012 Loki-Schmidt-Garten heißt. Für Loki Schmidt, die Frau des Altbundeskanzlers, war er mit
seinen vielen seltenen Pflanzen einer der schönsten Orte der Stadt.
Ein 300 Jahre alter Ölbaum, ein gigantisches Mammutblatt, das direkt aus „Jurassic Park” stammen
könnte, und ein üppiger Bambuswald: Wer mit offenen Augen durch diese Vielfalt wandert, entdeckt
immer wieder Neues. Wer noch nie im Botanischen Garten war, den überrascht zunächst einmal diese
Ruhe. Zwar tummeln sich an den Wochenenden viele Besucher auf den Wegen, aber unter der Woche
ist es wunderbar idyllisch zwischen den Beeten, Teichen und Bachläufen. Da watscheln höchstens die
Enten vor den Besuchern her.
Der Wüstengarten mit Palmen und der auffälligen Glaspyramide ist ein Geschenk der Vereinigten Arabischen Emirate an Hamburg
Die Pflanzen der Welt an einem Ort
Zum Sommerbeginn ist die schönste Zeit in diesem Garten. Walter Krohn ist Biologielehrer und
kommt an mehreren Tagen in der Woche mit Schülergruppen in den Garten. „Wissen Sie, warum der
Klatschmohn so heißt?”, fragt er und macht gleich vor, wie man die Blütenblätter in der Faust zum
Klatschen bringt. „Diesen Garten können Kinder mit allen Sinnen erleben. Manche Pflanzen kannst du
essen, du kannst sie fühlen, riechen, sogar drauf pfeifen ...”
Wen die schiere Fülle ermattet, der kann sich nach dem Spaziergang ins Café Palme im Park setzen.
Von der Diskussion um heimische Pflanzen hält Krohn wenig. „Wie lange muss denn bitte eine
Pflanze hier leben, damit sie sich heimisch nennen darf? Ich hole mir lieber die ganze Welt nach
Hause.” Seit er ein Jahr in England war, hat er sich den Gartenvirus eingefangen. „Der ist unheilbar.”
Alle regelmäßigen Parkbesucher kennen Walter Krohn – und sie sehen ihn nie ohne Hut. Warum?
„Damit decke ich die Namensschilder der Pflanzen ab, damit die Schüler nicht schummeln.”
Der Loki-Schmidt-Garten ist noch jung, er wurde 1979 aus Platzmangel von der Innenstadt nach Klein
Flottbek verlegt. Seit 1982 ziert die Skulptur „Nackter Adam” den Eingang. Auf dem Gelände, auf
dem Hunde übrigens verboten sind, gibt es einen Apotheker-, einen Bauern- und einen Duft- und
Tastgarten. Der Verein der Freunde des Botanischen Gartens bietet viele Veranstaltungen an. In der
Glaspyramide gibt es Wechselausstellungen zum Thema Wüstenausbreitung und -bekämpfung.
ADRESSE
Reiseatlas [A2]
Ohnhorststraße 18, 22609 Hamburg, tgl. 9 Uhr–ca. 90 Min. vor Sonnenuntergang, Eintritt frei,
www.bghamburg.de
ANFAHRT
Mit der S 1 bis Klein Flottbek oder mit dem Auto über den Osdorfer Weg und die Osdorfer
Landstraße, am Elbe-Einkaufzentrum links in die Heinrich-Plett-Straße abbiegen.

Biolehrer im Bambuswald: Walter Krohn mag Pflanzen mit Migrationshintergrund


Vom Bismarckstein eröffnet sich ein herrliches Elbpanorama bis nach Wedel

Am Elbhang des Wasebergs im schicken Blankenese verbirgt sich hoch über dem Strom einer der
schönsten Aussichtspunkte Hamburgs – und ein Stück Italien.
Steigen Sie am Waseberg eine kleine Treppe hoch, ahnen Sie noch nicht, was für eine tolle Aussicht
Sie hier am Bismarckstein erwartet. Von hier haben Sie einen phantastischen Blick die Elbe hinunter
bis nach Wedel und auf die Inseln Schweine- und Neßsand. Ein besonderes Erlebnis ist es, wenn die
großen Ozeanriesen, egal ob Frachter oder Traumschiff, vorbeiziehen, die den Hamburger Hafen
verlassen oder gerade erst einlaufen. Dieser Blick über das dichte Grün des Wasebergs, auf die Elbe
und ihre Strände vermittelt ein traumhaftes Urlaubsgefühl!
Der grandiose Ausblick ist dem Kaufmann und Mitbegründer der Holstenbrauerei Anton Julius
Richter zu verdanken, der hier eigentlich ein Denkmal für den von ihm verehrten Reichskanzler bauen
wollte und bereits Geld sammelte. Dieses Monument wurde nie realisiert; stattdessen wurde 1935 ein
Denkmal für die gefallenen Marinesoldaten errichtet. Seit 1910 ist das Gelände im Besitz der
Gemeinde Blankenese und ein wunderschöner, etwas versteckter Aussichtspunkt.
Der Bismarckstein liegt direkt am bekannten Blankeneser Treppenviertel. Erkunden Sie die kleinen
Sträßchen und die niedlichen Häuser zu Fuß oder machen Sie mit dem scherzhaft „Bergziege”
genannten kleinen Schnellbus der Linie 48 eine Rundfahrt durch das Treppenviertel. Nicht weit vom
Bismarckstein entfernt befindet sich der Römische Garten, ein Stück Italien in Hamburg. Hier
erwartet Sie ein auch vielen Hamburgern unbekannter südländisch angelegter Park. Schlendern Sie
durch den Garten mit seiner Blütenpracht, vorbei an einem Seerosenteich und der eleganten Treppe,
die zu einer prachtvollen weißen Rundbank führt. Von dort haben Sie eine großartige Aussicht über
eine kunstvoll geschnittene Thujahecke auf den Elbstrom. Zu einem besonderen Highlight, dem
Naturtheater, das 200 Zuschauern Platz bietet, führt eine geschwungene Steintreppe. Im
Sommer finden hier Freiluftaufführungen statt. Um dorthin zu gelangen, steigen Sie zum Elbstrand ab
und gehen am Falkensteiner Ufer entlang bis zu einer Treppe, die in den Römischen Garten führt.
Wer nach so viel Auf und Ab hungrig geworden ist: Leckere Speisen in rustikaler Atmosphäre gibt es
im reetgedeckten Knusperhaus (Elbchaussee 477, 22587 Hamburg, Tel. 040 86 37 42, www.das-
knusperhaus.net) im Hirschpark. Hin kommen Sie mit den Buslinien 1 oder 22 vom Bahnhof
Blankenese bis Mühlenberg (von da ca. zehn Minuten Fußweg entlang der Elbchaussee).
ADRESSE
Reiseatlas [A2]
Waseberg, Ecke Richard-Dehmel-Straße, 22587 Hamburg
ANFAHRT
Mit der S 1 nach Blankenese, dort weiter mit der Schnellbuslinie 48 bis zur Haltestelle Waseberg.
Dort beginnt der Aufstieg über eine Treppe zum Bismarckstein. Mit dem Auto über Elbchaussee und
Blankeneser Landstraße, dann links ab in die Richard-Dehmel-Straße bis zur Straße Waseberg.
Sehr abgeschieden, sehr ruhig und mit vielen einsamen Minibuchten: Der Mönchsteich ist T eil der „Drei-Seen-Platte” in der Stormarner Schweiz

Der kleine See in der Stormarner Schweiz gehörte früher zu einem Kloster. Heute ist er mit seinen
versteckten Buchten vor allem für Nacktbader ein Paradies vor den Toren Hamburgs.
Wenn das die Mönche wüssten! 800 Jahre ist es her, dass die Brüder des Zisterzienserklosters im
Kreis Stormarn einen Teich zur Karpfenzucht anlegten. So kam der Mönchsteich zu seinem Namen.
Jungfräulich schön ist er noch immer – allerdings wenig züchtig: Das Gewässer ist ein Paradies für
FKK-Fans.
Verstecke Buchten alleine genießen
Ein typischer Badesee ist der nahe Trittau gelegene Mönchsteich nicht gerade. Anders als seine
beiden Geschwister – der Lütjensee und der Großensee – hat er keine Liegewiese, keine Strände oder
offiziellen Badestellen. Man muss schon ein bisschen durch den umliegenden Wald laufen, um die im
Schilf versteckten Minibuchten zu finden, die einem dafür völlige Einsamkeit versprechen. Weder
vom anderen Ufer noch von Vorsprüngen aus sind diese Buchten einsehbar. Genau aus diesem Grund
ist der Mönchsteich besonders bei Nacktbadern sehr beliebt. Und so treffen Spaziergänger immer
wieder auf ältere Herren, die die volle Pracht ihrer Schöpfung selbstbewusst gen Sonne recken. Doch
auch junge Paare suchen die stillen Ecken auf, um ungestört zu sein.
Die Ruhe und Abgeschiedenheit zieht auch viele Vögel an. Ein Kuckuck ruft lauthals von einem
Baumwipfel hinunter. Wer Glück hat, kann in den Abendstunden schon mal einen Uhu erspähen. Ein
Schwanenpaar zieht auf dem Mönchsteich seine fünf Küken groß und dreht mit ihnen elegante Runden
über den See, auf dem im Sommer auch die eine oder andere rosafarbene Seerose blüht.
Wen der Hunger überkommt, der muss den See allerdings verlassen – die traditionelle
„Mönchsquelle” hat zugemacht. Aber nur wenige Minuten entfernt liegt das Forsthaus Seebergen
(Seebergen 9–15, 22952 Lütjensee, Tel. 04154 7 92 90, tgl. 12–21.30 Uhr, www.forsthaus-
seebergen.de). Der Abstecher dorthin kommt einer Zeitreise in die Fünfzigerjahre gleich. Über eine
weiße Brücke mit alten Laternen geht es zu dem an einem Ententeich gelegenen, schnörkeligen
Verandagebäude. Kellnerinnen im Dirndl bewirten die Gäste mit Fisch- und Wildspezialitäten auf
einer Terrasse, die mit Gartenstühlen bestückt ist. Die Badegäste vom Mönchsteich müssen sich
allerdings an eine Regel halten: Nackte sind hier unerwünscht!
ADRESSE
Reiseatlas [E2]
Zum Mönchsteich, 22946 Trittau
ANFAHRT
Mit der R 10 vom Hauptbahnhof bis Rahlstedt, dort weiter mit der Buslinie 364 bis Lütjensee,
Grönwohlder Straße. Dann links zu Fuß etwa zehn Minuten an der Trittauer Straße entlang bis zum
See. Mit dem Auto auf der A 1 bis Ahrensburg, weiter Richtung Trittau/Lütjensee. Hinter Lütjensee
von der Trittauer Straße beim Schild „Mönchsquelle” abbiegen.
IN DER UMGEBUNG
Mehr Trubel
Wem der Mönchsteich zu einsam ist, kann die Badestellen an den nahe gelegenen Seen Großensee und
Lütjensee besuchen.

Hochseilgarten
Wer Action sucht, kann im Hochseilgarten Lütjensee von Baum zu Baum schwingen. Sieker
Landstraße, 22952 Lütjensee, Anmeldung unter Tel. 04155 4 99 80 06, April–Okt. Di–So 10–
18.30 Uhr, Eintritt 21 Euro, Kinder (6–14 Jahre) 15 Euro, Jugendliche (15–18 Jahre) 17 Euro,
www.hochseilgartenluetjensee.de

Essen & Trinken


Rustikale Hausmannskost gibts im Landhaus Schäfer (Grönwohlder Straße 1, 22952 Lütjensee, Tel.
04154 79 14 99, tgl. ab 10 Uhr, www.landhaus-schaefer.com). Den besten Fisch sowie
österreichische Spezialitäten und dazu einen schönen Blick aufs Wasser bietet die Fischerklause (Am
See 1, 22952 Lütjensee, Tel. 04154 79 22 00, Do, Nov.–Feb. auch Mi geschl., www.fischerklause-
luetjensee.de) direkt am Lütjensee.

Zeitreise in die Fünfzigerjahre: Im Forsthaus Seebergen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein
Ein gutes Dutzend Dauer- und Wochenendcamper hat sich auf der Insel häuslich eingerichtet

Seeadler, Badegäste und Dauercamper lieben das Eiland Hanskalbsand in der Elbe vor Wedel, das
Karibikfeeling aufkommen lässt.
Inseln ziehen die deutschen magisch an. In den Ferien geht es auf die Kanaren oder Balearen, auf ein
griechisches oder thailändisches Eiland, nach Sylt, Fehmarn, Norderney oder Rügen. Doch fast am
schönsten ist es vor den Toren der Stadt: auf Hanskalbsand. Denn diese Insel ist ein wildes Paradies,
ohne Fährdienst, ohne Häuser, ohne Menschenmassen. Nur mit einem Boot kommt man hin. Hier
treffen sich Paddler, Segler, Kanuwanderer und Ruderclubmitglieder. Nur weidende Kälber, die dem
jahrhundertealten Streifen Land im Elbstrom wohl einst den Namen gaben (so genau weiß das heute
niemand mehr), trifft man nicht mehr.
Ein naturbelassenes Paradies in der Elbe
Kinder flitzen über den Strand, jauchzen vor Glück und legen eine Bauchlandung in den Schlick hin,
dass der glitschige, braune Modder nur so spritzt. Hanskalbsand ist das Mallorca der Wedeler. Wenn
die Sonne lacht, queren Singles, Paare und Familien mit Schlauchbooten, Jollen, Yachten oder Kajaks
die gefährliche Elbfahrrinne, setzen Anker oder ziehen ihre Boote an den Strand. Und dann wird
Urlaub gemacht: Die Älteren baden FKK, Jugendliche leeren Bierdosen, Kinder gucken Schiffe,
Pärchen entdecken das verwunschene Inselinnere. Die zu Niedersachsen gehörende Insel ist zwar
teils nur wenige Meter, am Westende aber mehrere Hundert Meter breit. In kleinen, von
Trampelpfaden durchzogenen Auwäldchen verstecken sich rund ein Dutzend Dauercamper – manche
mit Küche und Pumpe für Grundwasser –, am Wochenende gibt es Partys und
Lagerfeuerromantik. Das wird geduldet: Die Insel hat – anders als das durch einen schmalen Streifen
Land mit Hanskalbsand verbundene Neßsand, das zu Hamburg gehört und Naturschutzgebiet ist – eine
Aura von Niemandsland, ohne Polizei, ohne große Verbote.
Auf Neßsand herrscht Inselwart Michael Klamm und bewacht eine Schatzkiste der Natur: Rehe und
Füchse gibt es hier und auf Hanskalbsand, Gänse, ein Seeadlerpaar, Turmfalken und Austernfischer.
Im Wasser tummeln sich Schweinswale, Seehunde räkeln sich mal am Strand. Abends, wenn die
meisten Badegäste zurück in die Boote hüpfen und nach Hause fahren, haben die Tiere das Paradies
in der Elbe wieder für sich.
ADRESSE
Reiseatlas [E2]
Hanskalbsand ist eine Insel in der Elbe auf der Höhe von Wedel bzw. Jork.
ANFAHRT
Nach Hanskalbsand kommen Sie nur mit dem eigenen Boot, zum Beispiel ab Wedel oder ab Lühe
oder Wisch zwischen Jork und Grünendeich.
IN DER UMGEBUNG
Traumhafter Ausblick
Wer Hanskalbsand besuchen will, braucht ein Boot – und unbedingt ausreichende nautische
Grundkenntnisse und ein wenig Erfahrung im Umgang mit dem Steuern von Booten (Vorsicht
vor Strömungen und großen Schiffen!). Wer kein eigenes hat und trotzdem zumindest mal einen Blick
auf die Elbinseln werfen möchte, kann sich in den sehr guten Wedeler Beachclub (mit Strandbad!) 28
Grad (Hakendamm 2, www.28grad.net) direkt gegenüber von Hanskalbsand legen. Nebenan bietet
auch das Caférestaurant Schulauer Fährhaus (Parnaßstraße 29, www.schulauer-faehrhaus.de) eine
schöne Sicht.

Fahrradtour
Sehr empfehlenswert ist eine Radtour von Altona an der Elbe entlang bis nach Wedel. Hier müssen
Sie um das alte Heizkraftwerk kurven, dann geht es wieder weiter am Wasser entlang.
Für die Natur im heutigen Biosphärenreservat Schaalsee war die jahrzehntelange Lage im Abseits des Zonenrandgebiets ein Segen

Bäume, nichts als Bäume. Stundenlang geht es durchs Gehölz, in dem es nicht ein Zeichen von
Zivilisation gibt. Einsame Badestellen laden zum Schwimmen ein.
Immer wieder versperren abgebrochene Äste den Weg. Und wer nicht aufpasst, kann schon mal auf
eine Schlange treten. Nein, dies ist keine Wanderung durch den brasilianischen Urwald. Dieses Stück
Natur liegt nur eine knappe Stunde von Hamburg entfernt – im Biosphärenreservat Schaalsee. Nur
knapp 60 km sind es von Hamburg zu den malerischen Dörfern an Norddeutschlands mit 72 m
tiefstem See. Und doch ist die Fahrt dorthin eine Weltreise oder vielmehr: eine Reise ans Ende der
Welt. Kaum eine Gegend in Deutschland ist so wenig besiedelt wie diese, kaum eine Region ist so
still und so ursprünglich. Durch ihre jahrzehntelange Abgeschiedenheit ist sie zur Heimat für eine
Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten geworden. Denn der Schaalsee war bis zum Fall der Mauer
Zonenrandgebiet.
Mitten durch den 24 km2 großen See verlief damals die Grenze zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der DDR. Die Todeszone wurde zum Niemandsland, in dem keiner leben durfte –
außer Fischottern, Kranichen, Ringelnattern und bis zu 27 Heuschreckenarten, die sich hier ungestört
entwickeln konnten. Die alten Fachwerkhöfe verfielen in den Jahren nach 1961. Als die Wende kam,
wurden sie gekauft und liebevoll restauriert.
Einsame Badestellen am „Ende der Welt“
Die Ruhe ist trotzdem geblieben. Ob in Techin, in Lassahn, in Boissow oder Neuenkirchen: Hier gibt
es einsame Badestellen, an denen der einzige Lärm von den Vögeln in den Baumwipfeln ausgeht und
an denen sich die Sonne auf der glatten Wasseroberfläche spiegelt wie ein Meer aus Tausenden
funkelnden Diamanten. Über 30 Fischarten tummeln sich im Schaalsee, unter anderem die bei
Feinschmeckern beliebte Maräne. Sie wurde einer Legende nach vom Teufel in den Schaalsee
geworfen. Und manchmal, wenn die Fischer morgens mit ihren Booten aufs Wasser rausfahren und
die Netze sich am versunkenen DDR-Stacheldraht verfangen und zerreißen, dann ist es ihnen, als hätte
der Teufel noch immer seine Finger mit im Spiel.
ADRESSE
Der Schaalsee liegt bei Zarrentin an der Landesgrenze zwischen Schleswig-Holstein und
Mecklenburg-Vorpommern.
ANFAHRT
Die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist leider so kompliziert und zeitraubend, dass sie nicht
empfohlen werden kann. Mit dem Auto fahren Sie auf der A 24 Richtung Berlin und biegen bei der
Ausfahrt Zarrentin auf die B 195 nach Zarrentin.
IN DER UMGEBUNG
Schaalsee-Fische
Leckere Fische aus dem See bekommen Sie im Fischimbiss Schaalseefischerei in Zarrentin direkt am
Wasser. Amtsstraße 41, März–Dez. tgl. 10–18, Jan./Feb. Mi–So 10–17 Uhr,
www.schaalseefischerei.de

Käse vom Hof


Ute Rohrbeck verkauft in ihrem Hofladen in Rögnitz Produkte aus der Region und vor allem ihren
selbst gemachten Ziegenkäse. Kunst & Käse, Hauptstraße 18, 19246 Rögnitz, April–Okt. tgl. 10–
18 Uhr, www.kunstundkaese.de

Gutbürgerliche Küche
Im Gasthaus zum See bekommen Sie unter anderem Aalquappen und Maränen aus dem See.
Hauptstraße 14, 19246 Neuenkirchen, Tel. 038853 2 14 23, Mo und Jan./Feb. geschl., www.das-
gasthaus-zum-see.de
Auf dem Moorlehrpfad erleben Sie den einzigartigen Lebensraum des Kalkflachmoors
1. Auflage 2013
© MAIRDUMONT GmbH & Co. KG , Ostfildern

Titelbild:
Mönchsteich (Florian Quandt)

EBook:
Andreas Dollmayer, Sarah Müller, Sonja Stein
Technische Umsetzung: Integra Software Services Private Limited, India

Print-Ausgabe:
Chefredaktion: Marion Zorn
Projektbetreuung: Anita Dahlinger, Ann-Katrin Kutzner
Gesamtredaktionelle Bearbeitung: Stefan Fuhr/Hamburger Morgenpost
Redaktion und Lektorat: Nikolai Michaelis
Autoren: Mira Frenzel, Stefan Fuhr, Nina Gessner, Thomas Hirschbiegel, Stephanie Lamprecht,
Mathis Neuburger,
Florian Pollehn, Sandra Schäfer, David Siems, Geli Tangermann, Erik Trümpler, Olaf Wunder
Gestaltung Cover, Schmutztitel, Inhaltsverzeichnis: factor product münchen
Innengestaltung: Gaby Krabbe/www.layoutraum.de
Kartografie Reiseatlas: © MAIRDUMONT, Ostfildern

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede urheberrechtsrelevante
Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für
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Kleine Paradiese finden Sie unter www.hvv.de