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PETER HÖGLINGER u. a.

Spuren der Völkerwanderungszeit


Neue Grabfunde aus Adnet und St. Georgen-Untereching
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FUNDBERICHTE AUS ÖSTERREICH


MATERIALHEFTE

HERAUSGEGEBEN VOM BUNDESDENKMALAMT

REIHE A, SONDERHEFT 22 Sigel: FÖMat A, Sonderheft 22, 2014 WIEN 2014

Spuren der Völkerwanderungszeit


Neue Grabfunde aus Adnet und St. Georgen-Untereching

Mit Beiträgen von Peter Höglinger, Karina Grömer, Ulli Hampel,


Angelika Rudelics und Ursula Schachinger
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Der Druck dieser Publikation erfolgte mit freundlicher Unterstützung durch

Gemeinde Adnet Gemeinde St. Georgen bei Salzburg

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© 2014 by Bundesdenkmalamt
http://www.bda.at
Alle Rechte vorbehalten.

Verlag: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., 3580 Horn


http://www.verlag-berger.at

Herausgeber: Dr. Peter Höglinger und Mag. Nikolaus Hofer, Bundesdenkmalamt, Abteilung für Archäologie
peter.hoeglinger@bda.at, nikolaus.hofer@bda.at

ISSN: 1993-1271
ISBN E-Book: 978-3-85028-675-6

Redaktion: Mag. Nikolaus Hofer, Bundesdenkmalamt, Abteilung für Archäologie, Hofburg/Säulenstiege, 1010 Wien
Grafische Gestaltung und Layout: Gregor Hartmann, Wien
Coverbilder: Vorderseite: Grabfunde aus Adnet. Innenseiten: Adnet und Untereching am Franziszeischen Kataster.
Rückseite: Riemenzunge aus Anif. Vorlagen: BDA, SAGIS, Ulli Hampel.
Gestaltung: Gregor Hartmann nach einer Vorlage von Franz Siegmeth.
Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., 3580 Horn
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Inhalt

PETER HÖGLINGER
Vorwort 4

PETER HÖGLINGER
Bajuwaren, Romanen, Awaren und andere.
Ein kurzer Überblick zur Völkerwanderungszeit im Salzburger Raum 6
ULLI HAMPEL
Archäologische Rettungsgrabungen mit überraschenden Ergebnissen 20
URSULA SCHACHINGER
Ein ›goldener‹ Münzfingerring aus einem Grab in Adnet 38
K ARINA GRÖMER und ANGELIKA RUDELICS
Unscheinbar und doch spannend.
Organische Reste in den frühmittelalterlichen Gräbern von Adnet und Untereching 48

ULLI HAMPEL
Gräberkatalog 62

Literaturverzeichnis 78
Abbildungsnachweis 83
Abkürzungsverzeichnis 83
Autorinnen und Autor 84

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Vorwort

Der Kulturabschnitt der Völkerwanderungszeit entsprechende archäologische Betreuung mit den da-
(5. bis 8. Jahrhundert n. Chr.) ist im Salzburger raus gewonnenen Erkenntnissen gar nicht möglich
Raum durch zahlreiche Zeugnisse vertreten. Bemer- geworden wäre, ein herzlicher Dank auszusprechen.
kenswerte Einzelfunde stehen hierbei einer Fülle von Trotz des hohen Zeitdrucks konnte Frau Mag.
zumeist alt erforschten Gräberfeldern gegenüber, Ulli Hampel mit ihrem Team (Firma ARDIG) einen
deren ausschnitthafte Untersuchung und einge- hohen Qualitätsstandard bei der Durchführung der
schränkte Dokumentationsqualität kaum gesicherte Grabung(sdokumentation)en unter besonderem Au-
Aussagen erlauben. genmerk auf die schlecht erhaltenen Textilreste ge-
Umso erfreulicher war daher der Verlauf zweier währleisten. Herrn Bruno Reiterer (Fachbereich Ar-
durch Baumaßnahmen 2009/2010 veranlasster Denk- chäologie am Salzburg Museum) ist – wie bei zahllosen
malschutzgrabungen in Adnet und St. Georgen-Un- anderen Bodenfunden aus Salzburger Grabungen der
tereching, die zumindest in Ansätzen das Potenzial letzten Jahrzehnte – die zeitnahe restauratorische
von Altfundstellen aufzeigen konnten und zu völlig Betreuung des Fundmaterials zu verdanken. Seinem
unerwarteten Ergebnissen führten. In beiden Fällen Fachwissen und dem auf die hier gewohnt schlechten
ist den jeweiligen Grundeigentümern beziehungswei- Erhaltungsbedingungen der fragilen Artefakte abge-
se Bauwerbern für die frühzeitige Meldung, die gute stimmten Einfühlungsvermögen bei der Restaurie-
Zusammenarbeit und ihr Verständnis, ohne die eine rung sind nicht wenige Detailerkenntnisse geschuldet.

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Großer Dank gebührt den beiden involvierten Textilarchäologinnen und der Anthropologin Dr.
Gemeindevertretungen, insbesondere Herrn Bür- Silvia Renhart.
germeister Wolfgang Auer (Gem. Adnet) und Herrn Ganz wesentlich zum Erscheinungsbild des vor-
Bürgermeister Fritz Amerhauser (Gem. St. Georgen liegenden Bandes haben in bewährter Weise Mag.
bei Salzburg), die mit Druckkostenbeiträgen das Er- Ulli Hampel (Bildvorlagen), Gregor Hartmann (gra-
scheinen des vorliegenden Bandes wesentlich unter- fische Gestaltung) und Mag. Nikolaus Hofer (Re-
stützt haben. daktion) beigetragen.
Für die Abfassung von Fachbeiträgen konnten Die folgenden Ausführungen geben beredtes Zeug-
dankenswerterweise Kolleginnen gewonnen wer- nis davon, was die Archäologie zu leisten vermag und
den, die sich den Spezialthemen Textilarchäologie welche Detailinformationen in auf den ersten Blick un-
(Dr. Karina Grömer, Naturhistorisches Museum scheinbaren (Be-)Funden stecken. Diese ›Geheimnis-
Wien, und Angelika Rudelics B.A.) und Numisma- se‹ zu lüften und für die Nachwelt zu bewahren, liegt
tik (PD Dr. Ursula Schachinger, Österreichische im Interesse aller, denen die eigene Vergangenheit wie
Akademie der Wissenschaften) widmeten. Mag. auch die Geschichte Salzburgs ein Anliegen sind.
Ulli Hampel verfasste den Grabungsbericht und
die Erstauswertung der Neufunde samt Katalog, Salzburg, im Mai 2014
Letzteren unter Beteiligung der beiden genannten Peter Höglinger

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Bajuwaren, Romanen, Awaren und andere


Ein kurzer Überblick zur Völkerwanderungszeit
im Salzburger Raum
Peter Höglinger

Für das Verständnis der historischen Entwicklung von Eugippius verfasste Lebensbeschreibung des hl.
Salzburgs während der Völkerwanderungszeit – je- Severin (Vita Sancti Severini) erzählt von dessen Be-
nem auch Frühmittelalter genannten Zeitabschnitt, suchen um 470/475 in der Stadt Iuvavum/Salzburg
der hier das 5. bis 8. Jahrhundert n. Chr. umfasst – und in der Siedlung Cucullis am Georgenberg bei
steht eine Anzahl archäologischer Quellen zur Ver- Kuchl, schildert aber vor allem anschaulich die Le-
fügung. Ganz überwiegend handelt es sich um (Be-) bensumstände der Bevölkerung am Ende der römi-
Funde aus den charakteristischen Reihengräberfel- schen Herrschaft. Die Bevölkerung lebte in ständiger
dern dieser Zeitstellung, während bislang nur eine Unsicherheit und war wechselnden Bedrohungssze-
zeitgleiche Siedlung auf größerer Fläche erschlossen narien ausgesetzt.
werden konnte.1 Die Aussagemöglichkeiten werden Severin entstammte wohl einer vornehmen römi-
allerdings durch den überaus lückenhaften For- schen Familie und war vermutlich selbst höherer Be-
schungsstand stark eingeschränkt. Kaum ein Grä- amter oder Offizier, entschloss sich aber letztlich zu
berfeld ist in annähernd repräsentativen Ausschnit- einem geistlichen Leben. Er fand in Salzburg neben
ten untersucht; viele Grabungen beziehungsweise Anhängern heidnischer Kulte geordnete christliche
Fundbergungen erfolgten Ende des 19. und in der Gemeinschaften mit Priestern und Kirchen vor, leis-
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit schlechtem tete Überzeugungsarbeit in religiösen wie weltlichen
Dokumentationsstandard. Auch die aktuellen, im Angelegenheiten und gründete einige Mönchsnieder-
vorliegenden Band präsentierten Grabungsergebnis- lassungen. Die Wertschätzung für den bereits 482
se liefern – unter anderem anhand von naturwissen- Verstorbenen ist unter anderem daran abzulesen,
schaftlichen Analysen – zwar wichtige Ergänzungen, dass sein Leichnam von den abziehenden Römern
können aber bei weitem nicht alle Defizite beheben. nach Italien mitgenommen und in Kampanien end-
gültig beigesetzt wurde.
Der erwähnte Räumungsbefehl wurde sicherlich
Der Salzburger Raum im Frühmittelalter2 nicht lückenlos befolgt, dennoch stellen archäologi-
Salzburg und die angrenzenden Gebiete gehörten zur sche Funde des 5. Jahrhunderts n. Chr. im Salzburger
römischen Provinz Noricum. Der 488 durch den ger- Raum die große Ausnahme dar und erlauben keine
manischen Heerführer Odoaker – er hatte den letz- gesicherte Vorstellung über die nachfolgenden Ent-
ten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus 476 wicklungen, insbesondere bezüglich der Kontinuität
abgesetzt – erteilte Befehl zur Räumung der Provinz von Siedlungsplätzen. Während die Zeit bis um 400 n.
Ufernoricum war letztlich nur der Endpunkt eines Chr. anhand von Siedlungs(be)funden und Gräberfel-
schon lange zuvor einsetzenden Niedergangs der rö- dern etwa in Salzburg-Liefering noch vergleichsweise
mischen Ordnung. Die zu Beginn des 6. Jahrhunderts gut fassbar ist3, ist die archäologische Evidenz für das

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Abb. 1: Grödig, romanisches Gräberfeld. Schmuckbeigaben aus unterschiedlichen Gräbern.

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5. Jahrhundert recht dünn. Als singulärer Einzelbe- mag vielleicht eine romanische Siedlungskammer
fund kann lediglich ein Männergrab nahe dem Weiler in und südlich der Stadt Salzburg anzunehmen sein.
Fürst an der Salzach (Gem. Fridolfing, Rupertiwinkel) So wurden im ausgedehnten Gräberfeld von Grödig
angeführt werden, das im Zeitraum zwischen 430 und möglicherweise – vorbehaltlich der Ergebnisse einer
450 angelegt wurde. Die trotz unvollständiger Erhal- derzeit laufenden Bearbeitung – tatsächlich Angehö-
tung reiche Ausstattung umfasst einen Glasbecher, rige einer romanischen Siedlergruppe bestattet. Das
einen massiven Goldarmreif und goldene Schnallen Fehlen von Waffenbeigaben oder die generelle Beiga-
mit Granateinlagen. Letztere stehen in der kunst- benarmut, die hierbei als Indizien etwa auch für die
handwerklichen Tradition der orientalischen Provin- Friedhöfe in Anif, Morzg und Adnet herangezogen
zen des Imperium Romanum und dürften mit ihrem werden5, sind jedoch für eine gesicherte Interpreta-
Besitzer im Zuge der Ausdehnung des Hunnenreiches tion anhand der vorliegenden Datenbasis wohl (noch)
hierher gelangt sein. Ob dieser dem Beraterkreis des nicht ausreichend.
Hunnenkönigs Attila angehörte oder als Anführer Die Ostgoten dehnten nach dem Sieg über Odoa-
hunnischer beziehungsweise ostgermanischer Trup- ker und der Konsolidierung ihrer Position in Italien
penteile in Diensten des weströmischen Heermeisters 495 ihre Einflusssphäre wieder bis zur Donau aus.
Aetius stand, muss offen bleiben.4 Eine – vermutlich erst bei der Auffindung – fragmen-
Grundsätzlich spricht der Fortbestand (vor)rö- tierte ostgotische Bügelfibel aus teilweise vergol-
mischer Ortsnamen durchaus für eine gewisse Be- detem Silber mit Almandineinlagen und Niello-
völkerungskontinuität; mit aller gebotenen Vorsicht band am Rand aus der Zeit um 520/530 n. Chr.

Abb. 2: Wals-Siezenheim, Schwarzenbergkaserne. Fragmentierte ostgotische Bügelfibel.

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im Gräberfeldmaterial von Siezenheim ist eventuell


mit der ostgotischen Herrschaft über Salzburger Ge-
biet zu verbinden.
Die Kriegszüge der Franken unter König Chlodwig
führten ab etwa 500 zu einer markanten Verschie-
bung der Kräfteverhältnisse im heutigen Südwest-
deutschland. Viele Alamannen flüchteten Richtung
Osten, wo ihnen der Ostgotenkönig Theoderich in
dem unter seinem Einflussbereich stehenden bayeri-
schen Alpenvorland Asyl gewährte. 505/506 warnte
er den Frankenkönig in einem Brief eindringlich da-
vor, die flüchtenden Alamannen weiter zu verfolgen,
und wies 507 die Bevölkerung in Noricum zur Unter-
stützung der Flüchtlinge an. In einer Schottergrube
südwestlich des Weilers Untereching (Gem. St. Geor-
gen bei Salzburg) wurde 1989 eine Frauenbestattung
angeschnitten.6 Bei der Freilegung des rezent gestör-
ten Grabes konnte eine Bügelfibel aus teilweise ver-
goldetem Silber mit halbrunder Kopfplatte und fünf
mitgegossenen Sprossen mit Tierkopfenden geborgen
werden, die eindeutig alamannischen Ursprungs ist
und um 500 n. Chr. angefertigt wurde. Das eigentlich
zu erwartende, aber fehlende Gegenstück ist wohl bei
der Auffindung verloren gegangen.
Die ehrgeizigen Eroberungspläne des Frankenkö-
nigs Theudebert (534–547) zielten auf eine Annexi-
on Italiens ab und sollten letztlich in einem Kriegs-
zug gegen Ostrom gipfeln. Den Ostgoten täuschte Abb. 3: St. Georgen bei Salzburg,
er ein Bündnis vor und gewann auf diese Weise das Gräberfeld Untereching III. Alamannische Bügelfibel.
Alpenvorland, das ihm durch den Ostgotenkönig
Witigis 536/540 übergeben wurde. Damit kam der
nordalpine Raum unter fränkische Oberhoheit. Für
die Umsetzung seiner Pläne südlich der Alpen war
Theudebert auf eine Verständigung mit den Lango-
barden angewiesen, die an der Ostflanke seines Rei-
ches einen wichtigen Machtfaktor darstellten. Dieser
germanische Stamm siedelte im mittleren 6. Jahr-
hundert in einem Gebiet vom Tullner Feld südlich
der Donau bis weit nach Ungarn hinein. 568 räumten
die Langobarden wegen des steigenden militärischen
Drucks der Awaren ihren alten Herrschaftsbereich
und zogen nach Italien, das sie binnen kurzer Zeit fast
vollständig eroberten.
Die politische Annäherung zwischen Franken
und Langobarden wurde durch einen Heiratsplan
besiegelt: Theudebert verlobte sich mit Wisigarde,
der älteren Tochter des Langobardenkönigs Wacho,
dessen jüngere Tochter Walderada mit dem Sohn des
Frankenkönigs, Theudebald, verheiratet wurde. Sol- Abb. 4: St. Georgen bei Salzburg, Gräberfeld Untereching I.
che Kontakte auf allerhöchster Ebene zogen in der Langobardische S-Fibel mit Tierkopfenden.

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Regel einen Austausch auf breiter Basis nach sich. So bajuwarische Herzog konnte nach der Lex Baiuvari-
ist vielleicht zu erklären, dass die in der Münchner orum als selbstständiger Militärbefehlshaber ohne
Schotterebene, aber auch in den nahe zu Salzburg ge- königliche Kontrolle agieren, weshalb die Agilolfinger
legenen Gräberfeldern von Petting und Waging fass- aufgrund der ihnen zustehenden oder zugestandenen
baren frühmittelalterlichen ›Gründergenerationen‹ Machtbefugnisse eine zunehmend königsgleiche Stel-
langobardisch geprägt sind. Die Zuwanderung mag lung entwickelten.
vielleicht noch in den letzten Jahren des ostgotischen Während Anfänge und Herkunft der Bajuwaren
Protektorats oder eben im Umfeld der fränkischen durchaus vage bleiben, kann die weitere historische
Machtübernahme erfolgt sein. Unter den Altfunden Entwicklung einigermaßen gut erschlossen werden.
aus dem Salzburger Raum liegt eine eindeutig lan- So darf – ausgehend etwa vom gut untersuchten Bei-
gobardische S-Fibel aus teilweise vergoldetem Sil- spiel des Gräberfeldes von Waging mit rund 240 er-
ber mit Tierkopfenden im Gräberfeld Untereching I fassten Bestattungen – das 6. Jahrhundert als Neu-
(Gem. St. Georgen bei Salzburg) vor. beginn beziehungsweise das 7. Jahrhundert mit der
Herausbildung einer ausgeprägten sozialen Differen-
zierung als Konsolidierungsphase bezeichnet werden,
Die Bajuwaren bis mit der Aufgabe der Beigabensitte um 700 oder
Erst um die Mitte des 6. Jahrhunderts entwickelte bald danach und der Verlagerung der Bestattungs-
sich eine Sachkultur, die gemeinhin als »bajuwa- plätze auf die bis heute genutzten Kirchfriedhöfe die
risch« angesprochen wird. Auch in der schriftlichen archäologischen Zugangsmöglichkeiten enden. Eine
Überlieferung tritt der (neue) Stammesname erstmals dichte Streuung an charakteristischen Flur- und Orts-
in dieser Zeit auf, so 551 in der Gotica des Jordanes namen – gebildet aus Personennamen mit der Endung
und 565/571 in der Vita Sancti Martini des Venantius auf »-ing« beziehungsweise später auf »-ham« oder
Fortunatus. Das archäologische Fundmaterial ent- »-heim« – belegt die rasche Aufsiedlung des Gebiets.
wickelt sich hierbei weitgehend ohne Bruch aus dem Von Beginn an ist das bajuwarische Herzogtum als
vorangehenden, das seinerseits eine Mischung aus Teil des fränkischen Großreichs zu sehen, obwohl die
provinzialrömischen beziehungsweise romanischen, Agilolfinger mehrfach in Opposition zu den Merowin-
hunnischen und germanischen Elementen unter- gern und später zu den Karolingern traten. Mit ihren
schiedlicher Provenienz darstellt. südlichen Nachbarn waren die bajuwarischen Herzöge
Klare Indizien für die Zuwanderung einer ge- durch enge verwandtschaftliche Beziehungen verbun-
schlossenen Volksgruppe (der Bajuwaren) sind weder den, zugleich erwiesen sich die Langobarden stets als
auf historischem noch auf archäologischem Weg zu wichtigster politischer Bündnispartner. Unter Tassilo
gewinnen. Selbst die häufig als Beleg für eine Her- I. kam es 595 zu einer ersten Auseinandersetzung mit
kunft der Bajuwaren aus Böhmen herangezogene Kul- den als Verbündete der karantanischen Slawen auftre-
turerscheinung der »Keramikgruppe Friedenhain- tenden Awaren, die mit einer empfindlichen Niederla-
Přešťovice« deutet lediglich auf die Beteiligung einer ge für die Bajuwaren endete. Ab etwa 670 begann ein
elbgermanischen Bevölkerungsgruppe an der ›Stam- verstärktes Ausgreifen der Awaren nach Westen, das
mesbildung‹ der Bajuwaren hin. Auch deren germa- erst durch den Friedensschluss von 692 mit Pippin II.
nischer Name ist mit hoher Wahrscheinlichkeit keine und die Anerkennung der Enns als Westgrenze des
Eigenbezeichnung. Möglicherweise sind die Franken Awarenreiches ein Ende fand. Das aufgrund diverser
gewissermaßen als ›Paten‹ der Bajuwaren anzuse- Übergriffe recht angespannte Verhältnis zu den Awa-
hen, setzten sie doch deren ersten Herzog Garibald ren mündete 741 erneut in einen direkten Konflikt, als
ein und gaben ihnen vielleicht sogar den Namen. Die Herzog Odilo auf Ersuchen des Karantanenfürsten
später als bajuwarisch bezeichnete Bevölkerung lebte Boruth diesen gegen die Awaren unterstützte. Die Hil-
zu dieser Zeit aber schon lange vor Ort. festellung erfolgte allerdings nicht selbstlos, vielmehr
Ebenso liegen die Ursprünge der Herzogsfami- wurde Karantanien nach dem Sieg der Bajuwaren
lie der Agilolfinger im Dunklen; ein namengebender zum abhängigen Fürstentum Kärnten und die Söhne
Stammvater des Geschlechts ist nicht bekannt. Gari- der vornehmen Karantanen wurden als Geiseln auf
bald entstammte dem nächsten Umfeld der königli- Herrenchiemsee zu Christen ›umerzogen‹.
chen Familie der Merowinger, aber erst sein Nachfol- In den folgenden Jahrzehnten scheinen sich die
ger Tassilo I. war mit Sicherheit ein Agilolfinger. Der Beziehungen zu den Awaren deutlich verbessert zu

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haben, da andernfalls die Gründung des reich dotier-


ten Klosters Kremsmünster 777 nur wenige Kilome-
ter von der Ennsgrenze entfernt wie auch der Rück-
zug der awarischen Grenzwachen kaum vorstellbar
wären. Erste vereinzelte Neufunde awarischer Prove-
nienz aus Salzburg, so eine Riemenzunge des späten
7. oder der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts bezie-
hungsweise Gürtelbeschlagteile des späten 8. Jahr-
hunderts7, überraschen vor dem historischen Hinter-
grund kaum, erlauben jedoch ebenso wenig wie die
schon genannten Fundstücke ostgotischer, alaman-
nischer oder langobardischer Produktion gesicherte
Erkenntnisse über die ethnische Zuweisung ihrer
Träger und die Umstände ihrer Verbringung in den
Salzburger Raum.
Die friedliche Koexistenz mit den Awaren wurde
Tassilo III. 788 auf der Reichsversammlung in Ingel-
heim als Verrat vorgeworfen und führte indirekt mit
zu seiner Entmachtung durch seinen Cousin Karl den
Großen. Noch 787 hatte Tassilo eine direkte militäri-
sche Konfrontation mit den Franken durch seine Un-
Abb. 5: Anif-Niederalm, völkerwanderungszeitliche
terwerfung vermeiden können und erhielt sein Her- Siedlung. Awarische Riemenzunge mit Rankendekor.
zogtum als Lehen zurück. Formal ausschlaggebend
für die Absetzung war der alte Vorwurf eines Bruchs
des Vasalleneides: Tassilo habe sich 763 von einem eine frühbronzezeitliche Siedlung mit mehreren
Feldzug des fränkischen Königs Pippin III. unerlaubt Spangenbarrendepots, ein urnenfelderzeitliches Dorf
entfernt. Die verhängte Todesstrafe – damit konnten mit zugehörigem Gräberfeld, eine Villa rustica mit
auch die Söhne Tassilos von der Nachfolge ausge- Schmiedewerkstatt und einem Brunnen mit einer
schlossen werden – wurde gnädigerweise in eine le- Verzimmerung aus Eichenbohlen sowie römische
benslange Klosterhaft umgewandelt, die Verbannung Grabhügel nachgewiesen werden.8
ins Kloster traf auch seine Familie. Das in der Folge Auch die Völkerwanderungszeit ist durch mehre-
keineswegs zerschlagene Herzogtum Baiern stand re Fundstellen vertreten. So wurden zu Beginn der
nun unter direkter militärischer und ziviler Verwal- 1960er-Jahre beim Bau der Hauptschule in Ober-
tung durch den fränkischen König, der mit dieser eching Körpergräber angeschnitten9, die sich eben-
Aufgabe hochadelige Lehensträger, unter anderem so wie weitere, 2007 bei Straßenarbeiten im Bereich
auch aus der Familie der Agilolfinger, betraute. Die zwischen Schule und Filialkirche Hl. Maria unter-
kirchliche Einheit wurde durch die Einrichtung des suchte Bestattungen als beigabenlos erwiesen und
Erzbistums Salzburg sogar gestärkt; Baiern bildete somit vorläufig keinen engeren Datierungsansatz
nunmehr das Kernland des späteren Ostfränkischen erlauben10. 1963 und 1984 kamen beim Kelleraushub
Reiches. beziehungsweise beim Anlegen einer Jauchengrube
insgesamt fünf beigabenlose Gräber in Untereching
(II) südöstlich der Filialkirche Hl. Emmeran zuta-
Der Fundort Untereching ge.11 In einer Schottergrube rund 300 m südlich der
Das Gemeindegebiet von St. Georgen bei Salzburg ist Ortsmitte des Kirchweilers Untereching (III) wurden
eine überaus reiche archäologische Fundlandschaft. 1989 ein Kinder- und ein Frauengrab angeschnit-
Die verkehrsgünstige Position an der von dort wieder ten12, zur Ausstattung des Letztgenannten gehörte die
ungehindert schiffbaren Salzach, fruchtbare Böden schon erwähnte alamannische Bügelfibel.
und überschwemmungssichere Terrassenlagen boten Auf die bemerkenswerteste Fundstelle dieser Zeit-
zu allen Zeiten hohe Attraktivität für die Anwesen- stellung verweist jedoch ein mehrfach in seiner Positi-
heit von Menschen. Bislang konnten unter anderem on veränderter Gedenkstein an einem Fahrweg rund

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über archäologische Forschungsmethoden durchaus


informiert. Gerade deshalb erstaunt der Verzicht auf
eine Grabungsdokumentation und die Trennung von
Grabkomplexen umso mehr, zumal etwa der Laienfor-
scher Max von Chlingensperg-Berg ab 1884 das große
Reihengräberfeld von Reichenhall-Kirchberg metho-
disch vorbildhaft untersuchte und dokumentierte.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich
Mattsee zu einer beliebten Sommerfrische der Wie-
ner Gesellschaft. Der Privatgelehrte und Schriftstel-
ler Anton Breitner (1858–1928) sammelte alljährlich
ab 1885 im Sommer eine Gruppe Gleichgesinnter um
sich. Breitner war ebenfalls hobbyarchäologisch tätig
und beschäftigte sich mit der Freilegung römischer
Gebäudereste und Gräber im Umfeld von Mattsee.
Rudolf Much ›untersuchte‹ hingegen während seines
Sommerurlaubs unter anderem hallstattzeitliche Hü-
gelgräber und die prähistorische Höhensiedlung am
Götschenberg bei Bischofshofen.
1894 erfuhr er von der Entdeckung von Skelett-
resten in einer Schottergrube in Untereching und
begab sich unverzüglich an die Fundstelle. Zu den
anschließenden, auch 1895 noch fortgesetzten Gra-
bungen existieren keine Unterlagen. Fritz Moosleit-
ner konnte 1970 noch einen Augenzeugen befragen,
der als 10-Jähriger das Geschehen miterlebt hatte.
Dessen Vater, Gastwirt in Untereching, war von
Much mit der Organisation des Unternehmens be-
traut worden, das von ortsansässigen Landwirten
Abb. 6: St. Georgen bei Salzburg. Gedenkstein zur ausgeführt wurde. Hierbei trug man die Humus-
Auffindung des Gräberfeldes Untereching I.
deckschicht großflächig ab und öffnete dann die
Grabschächte, die sich im hellen Schotteruntergrund
gut abzeichneten. Die Beigaben wurden geborgen
100 m bis 150 m nördlich der Unterechinger Kirche. und in einem Eimer gesammelt, während man die
Er erinnert mit seiner Inschrift »Hier lag um 600 n. Skelette an Ort und Stelle beließ. Etwa alle zwei Wo-
Chr. ein Gräberfeld frühbaiuwarischer Siedler. 1894 chen kam Much zu Pferd aus Mattsee, bezahlte die
– Aufgedeckt – 1930« an die Auffindung des völker- Arbeiter und ließ sich die Funde vorlegen. Interes-
wanderungszeitlichen Friedhofes Untereching I. Die sant waren für ihn allerdings nur die gut erhaltenen
wenigen überlieferten Funde und Nachrichten lassen Stücke; insbesondere den Eisenartefakten schenkte
die wissenschaftliche Bedeutung dieser Nekropole er wenig Beachtung und verschenkte sie. Die angeb-
leider nur erahnen, die zweifellos zu den wichtigsten lich zahlreich aufgefundenen Eisenschwerter sollen
frühmittelalterlichen Fundpunkten im Bundesland von der örtlichen Dorfjugend eifrig für Fechtübun-
Salzburg zählt(e?). gen verwendet worden sein.
Die Ausgrabungen in Untereching erfolgten un- Von den Funden der Untersuchungen 1894/1895
ter ›Leitung‹ und Finanzierung von Rudolf Much, scheinen nur wenige Stücke erhalten zu sein, so
Professor für germanische Sprachwissenschaft und beispielsweise die schon genannte langobardische
Altertumskunde in Wien und Sohn von Matthäus S-Fibel und filigranverzierte Goldanhänger. Max
Much, dem Begründer der Urgeschichtsforschung in Silber14 erwähnt 1931 in seiner Zusammenstellung
Österreich.13 Obwohl selbst nur als Hobbyarchäologe der frühgermanischen Altertümer aus Salzburg für
tätig, war Rudolf Much als Altertumswissenschafter den Fundort nach mündlichen Erzählungen von

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Abb. 7: St. Georgen bei Salzburg, Gräberfeld Untereching I.


Goldanhänger mit Filigranverzierung.

Abb. 8: St. Georgen bei Salzburg,


Gräberfeld Untereching I. Langobardische Nachahmung einer oströmischen Goldmünze (nach SILBER 1931, Abb. 1).

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Abb. 9: St. Georgen bei Salzburg.


Schematische Kartierung der Gräberfelder Untereching I bis III im Franziszeischen Kataster (Anfang 19. Jahrhundert).

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Beteiligten die Aufdeckung von insgesamt (nur?)


24 Gräbern, alle Bestattungen mit Blickrichtung
nach Osten und häufig mit auf Kissensteinen gebet-
tetem Kopf. Er listet ein – nach den oben geschil-
derten Fundumständen – erstaunlich reichhaltiges
Fundspektrum auf, bestehend aus mehreren ein-
und zweischneidigen Schwertern, »Dolchmessern«
und »Gebrauchsmessern«, Pfeilspitzen (darunter
auch eine dreiflügelige), Gürtelschnallen und Rie-
menzungen (auch tauschiert), Glas- und Bernstein-
perlen, Kolbenarmreifen, Näh- und Gewandnadeln
sowie Beinkämmen.
1930 und 1931 wurden im selben Areal neuerlich
Gräber angeschnitten15, darunter ein reich ausgestat-
tetes Männergrab mit scheinbar annähernd vollstän-
dig geborgenem Inventar. Es umfasst einen Sax, zwei
Pfeilspitzen mit Widerhaken, ein kleines Messer (alle
aus Eisen), eine verzierte zweiteilige Gürtelschließe
aus Bronze, deren Schnallenteil stilisierte Tierköpfe
und Kreisaugen trägt, 13 eiserne Riemenzungen und
die »langobardische Nachbildung eines Goldtriens
des Kaisers Mauritius (582–602)«.16
Die Existenz von drei separierten Gräberfeldern
oder -gruppen in Untereching ist nach den vorliegen-
den Angaben durchaus wahrscheinlich. Von keinem
können Ausdehnung und Belegungsdichte anhand
der spärlichen Überlieferung auch nur annähernd ve-
rifiziert werden, auch lassen sich keine einigermaßen
zuverlässigen Beurteilungen zu allfällig verbliebenen
Restflächen für weitere Untersuchungen treffen. Fritz
Moosleitner ging davon aus, dass zwar nach den Fun-
den von 1930/1931 die Nekropole Untereching I noch
nicht vollständig erfasst worden sei, großflächige Ge-
ländeveränderungen in den 1960er-Jahren zwecks
Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit
jedoch alle Hoffnungen auf weitere Funde zunichte
gemacht hätten.17
Überraschenderweise erhielt das Bundesdenk-
malamt jedoch 2010 eine Meldung, dass beim Anle-
gen einer kleinflächigen Schotterentnahmegrube in
Untereching Gräber angeschnitten worden seien.18
Eine Nachschau ergab, dass neuerlich das Areal der
Nekropole Untereching I betroffen war. Die im Herbst
2010 amtswegig durchgeführte Denkmalschutzgra-
bung stellte die erste planmäßige Untersuchung im
Bereich dieses bedeutenden Gräberfeldes dar und
erlaubt somit trotz der geringen Zahl an freigelegten
Gräbern wie auch des eingeschränkten Erhaltungs-
zustandes und Ausstattungsstandards wichtige neue
Erkenntnisse.

15
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Fundort Adnet Bei Schotterentnahmen wurden 1936 an zwei


Das Haufendorf beziehungsweise Streusiedlungsge- unterschiedlichen Stellen im Gemeindegebiet
biet Adnet erstreckt sich auf einer landschaftsräum- Körperbestattungen entdeckt.21 Die spärlichen
lich günstig gelegenen Hochterrasse nordöstlich von Funde – teils aus dem Verfüllungsmaterial der
Hallein am Eingang zum Wiestal. Grabschächte – schienen zunächst eine römi-
Gute Bodenqualität, weiträumige Wirtschaftsflä- sche oder spätantike Zeitstellung anzudeuten,
chen, Lagerstätten von hochwertigem Gesteinsmate- wahrscheinlicher ist jedoch ein völkerwande-
rial (Adneter Marmor) und eine verkehrsgeografisch rungszeitlicher Datierungsansatz. Im Zuge der
ideale Position stellten wichtige Kriterien für die An- Landesausstellung 1988 in Mattsee und Rosen-
siedlung von Menschen zu unterschiedlichen Zeiten heim (Bayern) zum Thema »Die Bajuwaren«
dar. Im Gemeindegebiet sind bronze- und eisenzeit- berichtete eine Schülerin aus Adnet dem dama-
liche sowie römische Siedlungsspuren bekannt.19 Ein ligen Landesarchäologen Fritz Moosleitner bei
weiterer Befund verweist möglicherweise auf römi- einer Führung, dass bei ihr zuhause »schönere
sche Eisenverhüttung.20 Totenschädel als in der Ausstellung gezeigt«

16
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Abb. 11: Adnet. Übersichtsplan des Gräberfeldes I (Motzenbauer).

Abb. 10: Adnet. Schematische Kartierung der völkerwanderungszeitlichen Gräberfelder


im Franziszeischen Kataster (Anfang 19. Jahrhundert).

17
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aufbewahrt würden. Eine Nachschau ergab, dass des in Salzburg geführt. Hierbei konnten unter an-
bei Aushubarbeiten für eine Jauchegrube bereits derem auch zur Völkerwanderungszeit wichtige Er-
etwa zehn Körpergräber zerstört worden waren. gebnisse erzielt werden.
In den Profilen der Baugrube zeichneten sich noch So gelang etwa durch die Neuentdeckung der
weitere vier Grabschächte mit Skelettresten ab, bei frühmittelalterlichen Siedlung von Anif-Niederalm
deren Bergung lediglich eine eiserne Gürtelschnalle und deren Untersuchung in einem repräsentativen
aufgefunden werden konnte. Der Ausgräber spricht Flächenausschnitt25 zumindest ansatzweise die
die Bestatteten als romanische Bevölkerungsgrup- Schließung einer markanten Lücke im Salzburger
pe an.22 Nach damaligen Angaben des Grundeigen- Forschungsstand, die Martin Hell bereits 1956 mit
tümers waren 1948 südlich des Bauernhauses – am Gültigkeit bis 2009 wie folgt formuliert hatte: »Sied-
Rand der Schotterterrasse zum Adneter Moor – lungsreste aber, in urgeschichtlicher und römischer
weitere Skelette ohne Meldung oder Dokumentation Zeit vielfach greifbar, sind aus dem Frühmittelalter
zerstört worden.23 Somit ist insgesamt mit der Exis- bisher kaum in Erscheinung getreten, beziehungs-
tenz von zumindest zwei bis drei separierten, wohl weise erst in den letzten Jahren wahrgenommen
völkerwanderungszeitlichen Gräberfeldern oder worden. Der Grund hierfür liegt in mangelhafter
-gruppen im Umfeld des Dorfzentrums von Adnet Bodenbeobachtung, in der Geringfügigkeit bauli-
zu rechnen. cher Reste, der Spärlichkeit des Siedlungsinventars
2009 wurde dem Bundesdenkmalamt die geplan- und auch darin, daß die frühmittelalterlichen Sied-
te Errichtung eines Stallneubaus direkt neben der lungsreste meist von den heutigen Bauernanwesen
Fundstelle von 1988 gemeldet. In Absprache mit dem überlagert sind, die ja vielfach ihre Fortsetzung bil-
Bauwerber erfolgte der maschinelle Abhub der Hu- den.«26
musschicht unter archäologischer Betreuung. Dabei Im Bereich der altbekannten Fundstellen St.
wurden im Baufeld insgesamt 21 Grabverfärbungen Georgen-Untereching I und Adnet-Motzenbauer er-
dokumentiert; weiters gelang der eindeutige Nach- folgten erstmals planmäßige Untersuchungen von
weis der westlichen Begrenzung dieser Nekropole. Teilflächen beziehungsweise Grabgruppen mit mo-
Dank des Entgegenkommens des Grundeigentümers dernen Dokumentationsmethoden, wodurch nun
konnte der Neubau geringfügig von der ursprüngli- endlich in ihrer Zusammengehörigkeit und Befund-
chen Position abgerückt werden, weshalb lediglich vergesellschaftung gesicherte Grabbefunde vorlie-
neun unmittelbar bedrohte Gräber durch das Bun- gen. Ihre möglichst umfassende Auswertung nach
desdenkmalamt geborgen werden mussten.24 Die archäologischen, anthropologischen, aber auch nu-
übrigen zwölf erkannten Befunde verblieben unange- mismatischen und textilkundlichen Kriterien erwei-
tastet im Erdreich und stellen somit unter der schüt- tert die vorliegende, überaus lückenhafte Quellen-
zenden Überdeckung eine Ressource für zukünftige überlieferung wesentlich und bildet die Grundlage
wissenschaftliche Forschungen dar. für weiterführende Forschungen.
Die neu aufgedeckten Bestattungen erbrachten in Die oftmals erhofften Hinweise auf ethnische
vielerlei Hinsicht wichtige und teils überraschende Zuweisungen sind – wenn überhaupt jemals – frei-
Erkenntnisse. Die bemerkenswerte Ausstattung eines lich auch durch diese Neubefunde nicht annähernd
Frauengrabes – unter anderem mit je einem Gold- zweifelsfrei zu erbringen. Letztlich muss die In-
und Silberanhänger an der Halskette, einem massi- terpretation einzelner Fundstücke als direkte oder
ven Kolbenarmreif, einem mehrteiligen Ringsatz am indirekte Zeugnisse im Regelfall offen bleiben.
Gürtel und Wadenbinden (alle aus Buntmetall) sowie Die Frage, ob die Träger der Gegenstände oder die
einem (Gold-)Münzfingerring – lässt an eine Neube- Güter selbst – in welchen Zusammenhängen auch
wertung dieser Adneter Nekropole denken. immer – ›gewandert‹ sind, bleibt vorläufig unbe-
antwortet. Hier könnten allenfalls groß angelegte
anthropologische und/oder materialkundliche Un-
Fazit tersuchungsserien Abhilfe schaffen – allerdings mit
Die intensive Betreuung von Bauvorhaben seitens angesichts des Erhaltungszustandes von Funden
der Abteilung für Archäologie des Bundesdenkmal- und Befunden ungewissen Erfolgsaussichten.
amtes hat in den letzten Jahren zu einer erheblichen
Bereicherung des archäologischen Quellenbestan-

18
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1 Höglinger 2010.
2 Zu den hier angeführten historischen Angaben
vgl. z. B. folgende Werke: FiscHer und geisler
1988. – K nöcHlein 1996. – Moosleitner 1996. –
Haas-gebHard 2013.
3 Zusammenfassend: Höglinger (in Druck).
4 K nöcHlein 1996, 112–113, Abb. 91.
5 Moosleitner 1996, 130–131.
6 Kovacsovics und r eiterer 1989.
7 Höglinger 2010, 275, Abb. 4/8. – Vgl. Müller 2009,
50, Abb. 41.
8 Zusammenfassend mit Literaturverweisen:
Höglinger 1993, 7.
9 Hell 1961/65.
10 HaMPel und Höglinger 2007.
11 Hell 1961/65. – r eiterer 1984.
12 Kovacsovics und r eiterer 1989.
13 Zusammenfassend zur Grabungsgeschichte:
Moosleitner 1996, 134–136.
14 silber 1931, 2–4.
15 silber 1920/33.
16 silber 1931, 2–3.
17 Moosleitner 1996, 136.
18 Höglinger und HaMPel 2010a.
19 Siehe z. B. Hell 1920/21; Hell 1936a, 63–68;
Hell 1939.
20 Hell 1937.
21 Hell 1936b.
22 Moosleitner 1996, 131.
23 r eiterer 1988.
24 Höglinger und HaMPel 2009a.
25 Höglinger 2010.
26 Hell 1956, 216.

19
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Archäologische Rettungsgrabungen
mit überraschenden Ergebnissen
Ulli HaMPel

Dank den Meldungen durch Grundeigentümer bezie- schen den Beinen eines Mannes der Altersstufe Seni-
hungsweise Bauwerber konnten 2009 und 2010 im lis (61–80 Jahre) beigesetzt worden; erhalten waren
Bereich zweier alt bekannter Fundstellen von völker- noch Fragmente der Schädelkalotte neben dem rech-
wanderungszeitlichen Gräberfeldern in Untereching ten Oberschenkel. Zwei Frauen (Grab 3 und 5) und
und Adnet neue Befunde planmäßig untersucht und ein Mann (Grab 2) besaßen je ein eigenes Grab, wobei
damit wichtige Erkenntnisse gesichert werden.1 Letzteres durch Beraubungen des 19. (?) Jahrhun-
derts völlig zerstört war und nur mehr wenige verla-
gerte Knochen des Toten geborgen werden konnten.
Untereching In Grab 4 wurde nach der Beisetzung einer Frau
Während einer Grabung im Vorfeld der Errichtung ei- (Sterbealter zwischen 41 und 50 Jahren) ein Mann
nes Nahversorgers in St. Georgen-Obereching2 erfolg- (51–70 Jahre) bestattet, wobei der Leichnam der
te im April 2010 eine Meldung bezüglich des Fundes Frau so stark gestört wurde, dass lediglich wenige
von »Topffragmenten« im Zuge einer Schottergewin- Rippen, der rechte Arm, der rechte Oberschenkel und
nung im Ortsteil Untereching3. Der Grundbesitzer die Zehen in Originallage verblieben. Auch in Grab
hatte den Humusabtrag vorgenommen und wollte den 6 wurden die Knochen eines Mannes (Spätmatur/
anstehenden Schotter abgraben, um für einen Stall- Frühsenilis) durch die Nachbestattung eines weiteren
neubau Planiermaterial zu gewinnen. In den Profilen Toten, in diesem Fall wieder ein Mann der gleichen
der Schotterentnahme zeichneten sich bei einem Lo- Altersklasse, verworfen. So fanden sich der Schä-
kalaugenschein durch das Bundesdenkmalamt zwei del, ein Schlüsselbein und ein Oberarm zwischen
Grabgruben ab; die »Topffragmente« konnten als den Knochen der Sekundärbestattung, während der
Bruchstücke einer menschlichen Schädelkalotte iden- Brustkorb und das rechte Bein noch in der ursprüng-
tifiziert werden. In Absprache mit dem Grundbesitzer lichen Lage darunter dokumentiert werden konnten.
wurde die Ausgrabung Anfang September 2010 im In Grab 7 hingegen zeigte sich die Beraubung der
Auftrag des Bundesdenkmalamtes durchgeführt. Ins- Doppelbelegung mit zwei Männern dadurch, dass die
gesamt konnten bei der neuerlichen Oberflächenreini- einzelnen Knochen an den Schmalseiten des Grabes
gung4 acht Grabgruben dokumentiert werden5. zusammengeschoben worden waren. Von der älteren
Schon während der Grabung zeigte sich, dass in (primären) Bestattung (61–70 Jahre) waren nur mehr
fünf Gräbern mehr als ein Individuum bestattet wor- wenige Knochen in Originallage verblieben; bei der
den war. Bei der anthropologischen Bestimmung6 Beisetzung des zweiten Individuums (45–55 Jahre)
konnten schlussendlich 13 Individuen (neun Männer, war der bereits skelettierte Leichnam verlagert wor-
drei Frauen und ein Kind) identifiziert werden. Das den. Das gleiche Bild zeigte auch Grab 8: Hier war
vor dem 6. Lebensjahr verstorbene Kind war zwi- ursprünglich ein Mann (41–60 Jahre) in einem als

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Abb. 12: St. Georgen-Untereching. Situationsfoto vom Lokalaugenschein an der Fundstelle (Aufnahme 2010).

Abb. 13: St. Georgen-Untereching. Übersichtsplan der Ausgrabung 2010.

21
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Sarg dienenden, ausgehöhlten Baumstamm bestattet Tote in Grab 5 war mit der kleinsten Körpergröße
worden. Die obere Hälfte des Sargs – der Deckel – auch »sehr grazil« im Erscheinungsbild. Bei sechs
wurde wahrscheinlich bei der Beisetzung eines wei- Männern konnte die Körpergröße bestimmt werden;
teren Mannes (Spätadult/Frühmatur, 31–50 Jahre) hier ergab sich eine Spanne zwischen 1,67 m und
abgenommen. Auch hier zeigten sich Spuren eines 1,76 m (»mittelgroß« bis »groß«). Fünf Männer konn-
Grabraubes, da Einzelknochen der Verstorbenen ver- ten vom Wuchs her als »sehr robust«, drei als »mittel-
tragen beziehungsweise ausgerissen waren. Völlig robust« und einer als »robust« klassifiziert werden.
durchwühlt war Grab 2; hier konnten aus der Verfül- Somit waren die Angehörigen beiderlei Geschlechts
lung der Grabgrube lediglich wenige Knochenreste aus Untereching eher hochgewachsen und robust –
geborgen werden. insgesamt also von imposanter Erscheinung.
Der Zeitpunkt der Störungen ist gerade im Grä- An pathologischen Erscheinungen konnten – wie
berfeld von Untereching schwer zu bestimmen. Ne- in Adnet (siehe unten) – nur Hinweise auf leichte Man-
ben dem – in anderen frühmittelalterlichen Gräber- gelerkrankungen sowie Wirbelsäulenabnutzungen
feldern nachgewiesenen – zeitgenössischen Grabraub infolge des fortgeschrittenen Alters und der sicherlich
haben hier wohl auch die ›Forschungen‹ von Rudolf doch entbehrungsreichen Lebensbedingungen fest-
Much zur völligen ›Durchwühlung‹ von Gräbern ge- gestellt werden. Neben vorkragender Randzacken-
führt. Insofern sind die erhaltenen Inventare der bildung (Spondylosis deformans) an der gesamten
Gräber 2, 7 und 9 unter dem Vorbehalt einer mögli- Wirbelsäule zeigten sich neben Spondylarthritis auch
cherweise ausschnitthaften Überlieferung zu werten. Einbrüche der Wirbelkörper und Osteoporose. Auf-
Bei der anthropologischen Untersuchung der Kno- fallend oft – bei fünf Fällen – haben sich sogenannte
chenreste zeigte sich, dass die zwölf Erwachsenen aus »Reiterfacetten« bei den Männern gebildet, also Ab-
Untereching ein relativ hohes Sterbealter aufwiesen. nutzungserscheinungen an den Oberschenkelköpfen,
So ergab sich ein rechnerisches Durchschnittsalter die durch häufige Fortbewegung zu Pferd entstehen.
von 58,2 Jahren bei den Männern, während die Frau- Bei den Frauen fehlen solche Hinweise. Die Ergebnis-
en rund 52 Jahre alt wurden. Die Variationsbreite der se sind allerdings aufgrund des kleinen Ausschnittes
Körperhöhe bei den drei vorhandenen Frauenbestat- lediglich als Stichprobe zu werten.
tungen reicht von 1,54 m bis 1,67 m, der Mittelwert Aufgrund des durchlässigen Schotterbodens ist die
von 1,62 m kann als »groß« bezeichnet werden. Die Erhaltung der Trachtbestandteile auf anorganische

Abb. 14: St. Georgen-Untereching, Grab 1.

22
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Abb. 15: St. Georgen-Untereching, Grab 6. Verworfene Knochen der Primärbestattung.

Artefakte beschränkt. Organische Reste konnten nur Aus der Verfüllung von Grab 1 stammt ein recht-
in der Nähe metallischer Objekte aufgrund der Mine- eckiger Bronzebeschlag (Katnr. 1.1.1), bei dem es sich
ralisierung durch Korrosion des Eisens beziehungs- um ein sekundär verlagertes Stück aus einer älteren
weise Buntmetalls nachgewiesen werden. Bedingt Bestattung handeln könnte. Leider wurde auch die
durch die Zersetzung der meisten organischen Mate- eiserne Gürtelschnalle (Katnr. 1.1.2) lediglich im
rialien bilden die erhaltenen Grabinventare daher – Aushub der durch den Bagger unbeaufsichtigt zer-
auch ohne Beraubung – nur einen kleinen Teil der ur- störten Osthälfte des Grabes gefunden, weshalb die
sprünglichen Ausstattungen ab, wenngleich mithilfe organischen Anhaftungen lediglich einen allgemei-
der Mikrostratigrafie der ankorrodierten Textilreste7 nen Hinweis auf ein frühmittelalterliches Textil –
wichtige zusätzliche Informationen über Kleidung eventuell im Unterschenkelbereich – des bestatteten
und verwendete Stoffe gewonnen werden konnten. Mannes liefern.

23
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Grab 2 wurde ebenfalls durch die Schotterbrin- während in Salzburg das Fragment einer Glieder-
gung in der Osthälfte zerstört. Allerdings war die kette aus einem Grab von Salzburg-Mülln9 bekannt
Grablege bereits zuvor so gründlich durchwühlt ist. Die Kettchen waren an einer Zierscheibe ange-
worden, dass nur mehr wenige Knochenfragmente hängt, die wiederum am Gürtel befestigt war.10 Bei
aus der Verfüllung geborgen werden konnten. Auch den Fragmenten eines Dreilagenkammes aus Bein
die Trachtbeigaben lagen nicht mehr in situ, sondern (Katnr. 1.2.3) können aufgrund der äußerst schlech-
waren wahllos über die Grabgrube verstreut. Die ten Erhaltung keine Aussagen zu Dekor oder Form
umfassende Zerstörung lässt eher an die unsachge- getroffen werden. Auch in anderen Gräbern (Grab 3,
mäßen Fundbergungen gegen Ende des 19. Jahrhun- 4 und 5) waren von den aus Bein gefertigten Stücken
derts denken. Unansehnliche Eisenartefakte blieben lediglich kleine Partien um die eisernen Nieten erhal-
damals wohl eher unbeachtet, während gezielt nach ten, da der Schotterboden für die filigranen Artefakte
Edel- oder Buntmetallfunden gegraben wurde. Bei denkbar ungünstige Erhaltungsbedingungen bot. Die
einer zeitgenössischen Beraubung wäre hingegen Eisenobjekte Katnr. 1.2.6a–j dürften zu einer Gürtel-
wohl auch der Eisenschmuck einer Gürtelgarnitur garnitur mit kurzen Riemenzungen gehört haben.
aufgrund des Materialwertes geborgen worden. Mit Solche Ensembles wurden um die Mitte des 7. Jahr-
letzter Sicherheit ist aber der genaue Zeitpunkt der hunderts getragen, wie Vergleiche beispielsweise aus
Störung nicht zu klären. dem Gräberfeld von Pfakofen11 (Stufe 4 und 5) zeigen.
Der profilierte Ring (Katnr. 1.2.1) aus Bronze Im Gräberfeld von Sindelsdorf finden sich ähnliche
könnte als Aufhänger eines Gürtelgehänges gedient Beschläge auf Gürtelgarnituren der Zeitstufe JM12 II
haben; hierzu würden die beiden eisernen Ketten- (630/640–670/680)13. Üblicherweise waren die ei-
glieder (Katnr. 1.2.5) passen. Ähnliche 8- oder stab- sernen Beschläge Teile eines Wehrgehänges für Spa-
förmig gebogene Glieder liegen beispielsweise aus tha (Langschwert) und/oder Sax (Kurzschwert/Mes-
dem Gräberfeld Straubing-Bajuwarenstraße vor8, ser)14, diese wertvollen Bestandteile der Bestattung

Abb. 16: St. Georgen-Untereching, Grab 2. Bestandteile einer Gürtelgarnitur mit ankorrodierten organischen Resten.

24
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dürften aber den Grabräubern zum Opfer gefallen


sein. Trotz der bruchstückhaften Überlieferung erge-
ben sich wiederum wertvolle Hinweise auf Textilien
durch ankorrodierte Gewebereste.
Der älteren Frau in Grab 3 wurde offenbar ledig-
lich ein Kamm als Ausstattung für das Jenseits bei-
gegeben, von dem sich nur eine eiserne Niete (Kat-
nr. 1.3.1) erhalten hat. Das Skelett lag in situ, also im
Sehnenverband, eine Beraubung kann daher ausge-
schlossen werden.
Auch aus Grab 4 liegen lediglich Fragmente von ei-
nem oder mehreren Beinkämmen (Katnr. 1.4.2) vor.
Hier war die Primärbestattung nur durch die Nach-
bestattung gestört, es dürfte sich ebenfalls um eine
unberaubte Grablege handeln. Eventuell verfügten
die zeitgenössischen Grabräuber über detaillierte In-
formationen zur Ausstattung der Toten und Grab 4
bot diesbezüglich mit den Beinkämmen und einem
eisernen Haken (Katnr. 1.4.1) kaum attraktive Beute.
Auffallenderweise wies der männliche Tote in Grab 4
allerdings »Reiterfacetten« an den Hüftgelenken auf,
er war also oft zu Pferd unterwegs. Dies spricht gene-
rell für einen Angehörigen der oberen Gesellschafts-
schicht, bei dem man eine Waffe als Grabausstattung
durchaus hätte erwarten können. Vielleicht erfolgte
daher die – im Grabungsbefund nicht erkennbare –
Beraubung unmittelbar nach der Beisetzung, als der
Körper noch nicht verwest war und deshalb die Kno-
chen durch die Entfernung von Waffen und/oder an-
deren Ausstattungsteile nicht verlagert worden wären.
Ein ähnliches Szenario wäre auch für Grab 6 denkbar:
Die beiden 50- bis 70-jährigen Männer wiesen eben-
falls Reiterfacetten auf und die Ausstattung mit einer
eisernen Schnalle (Katnr. 1.6.1) sowie einem weite- Abb. 17: St. Georgen-Untereching, Grab 7.
ren, nicht mehr identifizierbaren Eisenobjekt (Katnr. Spuren der Beraubung.
1.6.2) ist gleichfalls als eher ärmlich anzusprechen.
Im Gegensatz dazu steht Grab 7: Hier konnten
eindeutige Spuren einer nahezu vollständigen Berau-
bung dokumentiert werden. Die Knochen der beiden weiteres Beispiel nachgewiesen werden. Bemerkens-
Toten waren zu ›Paketen‹ an den Enden der Grabgru- wert ist hier die Beisetzung in einem verkohlten Baum-
be zusammengeschoben; die Störung der Totenruhe sarg – ein Baumstamm wurde ausgehöhlt und der
erfolgte eindeutig nach der Verwesung beider Körper, Tote darin niedergelegt. Auch hier wurde die Primär-
erhalten blieb lediglich das Fragment einer eisernen bestattung durch die neuerliche Öffnung des Grabes
Schnalle (Katnr. 1.7.1). Da aber hier die Oberschenkel- gestört und zum Teil herausgerissen. Allerdings wur-
köpfe beider Skelette fehlten, waren keine Aussagen de diese Grablege eindeutig Opfer von Grabräubern,
über eventuelle Reiterfacetten zu treffen. wie die verworfenen Knochen auch des oberen Ske-
Generell sind Nachbestattungen in frühmittel- lettes zeigen. An Ausstattungsteilen blieben hier ein
alterlichen Gräberfeldern sehr ungewöhnlich; in eisernes Messer (Katnr. 1.8.2) und – durchaus als Be-
Untereching konnte mit Grab 8 zusätzlich zu den bis- sonderheit – ein eisernes Klappmesser (Katnr. 1.8.1)
lang erwähnten drei eindeutigen Befunden noch ein zurück; die Gründe dafür sind nicht zu benennen.

25
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Abb. 18: St. Georgen-Untereching, Grab 8. Verkohlter Baumsarg mit gestörter Grablege.

Im Gräberfeld von Bad Reichenhall kommen ver- von Pfakofen datieren Gräber mit Klappmesser in
gleichbare Klappmesser in Gräbern der Stufe 5/6 das zweite und dritte Drittel des 7. Jahrhunderts.16
vor.15 Dies liefert Hinweise auf einen zeitlichen An- Aus Salzburg ist ein ähnliches Klappmesser mit
satz der Beisetzung zwischen 670 und 730, wobei die rechteckigen Schalen aus Anif17 bekannt, weitere
eindeutige Zugehörigkeit des Artefakts zur Primär- Stücke liegen aus Irrsdorf18, Oberndorf19 und Siezen-
oder Sekundärbestattung auch hier nicht festgestellt heim20 vor.
werden kann. Im frühmittelalterlichen Gräberfeld Die Tote in Grab 5 war mit einfachen Drahtohrrin-
gen (Katnr. 1.5.1, 1.5.2) und einer Perlenkette (Katnr.
1.5.3) geschmückt, als weitere Utensilien wurden ihr
ein Beinkamm (Fragmente; Katnr. 1.5.4) und ein ei-
sernes Messer (Katnr. 1.5.5) mitgegeben. Die jüngsten
Perlen aus Grab 5 finden Parallelen in der Kombina-
tionsgruppe F der Gräberfelder von Weingarten und
Eichstätten (Baden-Württemberg), sie wurden also
im ersten und zweiten Drittel des 7. Jahrhunderts
gerne getragen.21 Im Gräberfeld von Schretzheim
bei Dillingen an der Donau (Bayern) treten Perlen
mit mehrschichtiger Augenauflage über die gesamte
Laufzeit des Gräberfeldes bis zum Ende des 7. Jahr-
hunderts auf.22 Perlen mit Spiralauflage, in Unter-
eching vierkantig gedrückt, setzen dort in der Zeit
um 600 ein. Zu dieser Zeit kommen auch Ohrringe
zusammen mit der Einfibeltracht in Mode, allerdings
handelt es sich dabei um herausragende Schmuckstü-
cke mit Körbchen- oder Bommelanhängern mit Filig-
Abb. 19: St. Georgen-Untereching, Grab 8.
Messer und Klappmesser aus Eisen (Katnr. 1.8.1, 1.8.2). randekor. Die Ausstattung der Toten mit Perlenkette,

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Abb. 20: St. Georgen-Untereching, Grab 5.

Abb. 21: St. Georgen-Untereching, Grab 5. Detailaufnahme der Perlenkette.

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Abb. 22: St. Georgen-Untereching. Situationsfoto der Untersuchung 2010 mit Grabungsbesuchern.

Gehängemesser (Lage neben dem Unterschenkel!), knapp an der Terrassenkante bereits 0,30 m unterhalb
Kamm und Ohrringen spricht für eine Datierung in der Grasnarbe menschliche Knochenreste. Eine etwas
das 7. Jahrhundert, als die einfachen Grundmuster größere, amorphe Struktur identifizierte der Grundbe-
mit Perlenkette/Schnalle/Messer nur mehr selten sitzer als seine ›Hochzeitsgrube‹, in der Freunde an-
durch Ohrringe, Armringe oder Nadeln und Käm- lässlich der Hochzeit ›Schätze‹ beziehungsweise eine
me aufgewertet wurden.23 Aufgrund der Perlen und Hochzeitstruhe verborgen hatten. Insgesamt konnten
des Ausstattungsschemas ist eine Grablegung um die 23 Befunde (21 Gräber) erfasst werden. Noch am sel-
Mitte des 7. Jahrhunderts sehr wahrscheinlich. ben Tag wurde zur Befundüberprüfung ein vermuteter
Grabschacht (Grab/Befund 8) bis zur Skelettlage abge-
tieft. Im restlichen Bauareal fanden sich keine weite-
Adnet ren archäologisch relevanten Strukturen mehr, somit
Neben dem Motzenbauernhof in Adnet war im Jahr war eindeutig der Westrand des Gräberfeldes erfasst
2009 die Errichtung eines großen Laufstalles ge- worden. Nach Rücksprache mit dem Bauherrn rück-
plant.24 Nach Meldung durch das örtliche Bauamt an te dieser den Bauplatz für den geplanten Stall wenige
das Bundesdenkmalamt wurde eine archäologische Meter in Richtung Westen25, sodass letztlich nur neun
Begleitung des Humusabtrages vereinbart. Gräber26 geöffnet werden mussten. Die Toten waren
Bei der Durchführung am 27. Oktober 2009 zeich- – wie in Untereching – in typischer West-Ost-Aus-
neten sich am östlichen Baufeldrand unter der etwa richtung (Kopf im Westen) in gestreckter Rückenlage
0,30 m mächtigen Humusauflage schnell ovale Ver- bestattet worden, wobei die Arme entweder gestreckt
färbungen im anstehenden Schotter ab. Form und neben dem Körper oder mit gefalteten Händen leicht
Ausrichtung derselben legten angesichts der bekann- abgewinkelt über dem Becken lagen.
ten Altfunde vom Aushub einer Jauchegrube in den Nach der anthropologischen Untersuchung27 lagen
1980er-Jahren eine Interpretation als Grabgruben in den neun untersuchten Gräbern sieben Frauen,
nahe; zudem zeigten sich in der südlichsten Verfärbung ein Kleinkind und ein Neugeborenes, wobei auch die

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Abb. 23:
Adnet. Über-
sichtsplan der
Ausgrabung
2009.

29
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Abb. 24: Adnet. Situationsfoto der Untersuchung 2009; im Hintergrund die Jauchengrube von 1988.

Abb. 25: Adnet, Grab 3.

30
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Kinder eigene Gräber besaßen. Der Befund von Grab


1 zeigt allerdings, dass sich das verstorbene Kind zum
Zeitpunkt der Beisetzung nicht mehr oder nur mehr
teilweise im Sehnenverband befunden hatte. Der Al-
tersdurchschnitt der Frauen ist überraschend hoch,
gehören doch fünf Individuen der Altersstufe Senilis
(61–80 Jahre) an. Zwei Frauen waren mit einem Ster-
bealter zwischen 51 und 70 Jahren (Spätmatur/Früh-
senilis) beziehungsweise 45 und 55 Jahren (Matur)
etwas jünger. Drei Frauen können mit Körpergrößen
zwischen 1,60 m und 1,64 m in Relation zu anderen
frühmittelalterlichen Populationen als »groß« einge- Abb. 26: Adnet, Grab 7. Perle.
stuft werden, mit 1,50 m beziehungsweise 1,52 m war
man zur damaligen Zeit »untermittelgroß«. schnittsalter entsprechen. Cribra orbitalia (poröse
Die pathologischen Erscheinungen stehen in Zu- Veränderungen) als Zeichen für Mangelerschei-
sammenhang mit dem hohen Alter der Toten. So nungen konnte nur bei der Toten aus Grab 2 festge-
waren im Zahn- und Kieferbereich altersgemäße stellt werden, die zusätzlich ebenso wie die Frau aus
Zahnschmelzabnutzung, Zahnausfall, Alveolen- Grab 6 unter Osteoporose litt. Die Dame aus Grab
verschluss, beträchtliche Alveolarresorption und 3 (Sterbealter 61–80 Jahre) hatte sich offenbar ei-
starker Zahnsteinbefall diagnostizierbar. In nahezu nen schmerzhaften, nie ganz ausgeheilten Bruch des
allen Fällen liegen beträchtliche Wirbelsäulenver- linken Oberarmkopfes zugezogen, der auch auf das
änderungen in Form von Spondylosis deformans Schulterblatt und den mitbetroffenen Schulterge-
beziehungsweise Spondylarthritis sowie Einbrüche lenksanteil ausstrahlte. Da auch hier nur die Daten
an den Wirbelkörpern vor, die dem hohen Durch- eines sehr kleinen Ausschnittes des Gräberfeldes

Abb. 27: Anif-Niederalm. Bestattung eines Neugeborenen mit Perle in der frühmittelalterlichen Siedlung.

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Abb. 28: Adnet, Grab 4. Trachtausstattung.

vorliegen, sind die Ergebnisse wiederum lediglich chronologisch unempfindlichen Messerformen nur
als Stichprobe zu werten. allgemein in das 7. Jahrhundert möglich.
Vier der neun Toten in Adnet wurden ohne Beiga- Der Schmuck der Frau in Grab 4 umfasste neben
ben beigesetzt, wobei hinsichtlich der Erhaltungsbe- einer bunten Perlenkette aus Glas beziehungsweise
dingungen organischer Reste in Schotterböden die Glaspaste mit wenigen Perlen aus Silber (Katnr. 2.4.4)
gleichen Prämissen wie in St. Georgen-Untereching das Fragment eines dünnen silbernen Drahtringes
gelten. neben der linken Schläfe (Katnr. 2.4.5). Eine kleine
Aus Grab 5 liegt lediglich eine eiserne Schnalle aus bronzene Schnalle (Katnr. 2.4.1) im Bereich des Be-
dem Bereich des Brustkorbes vor; eventuell ist hier an ckens neben dem rechten Unterarm könnte zu einem
einen bei der Beisetzung verrutschten Gürtel zu den- Gürtel oder einer Gürteltasche gehört haben. Neben
ken. Die kleine stabförmige Perle (Katnr. 2.7.1) aus dem linken Oberschenkel lag ein eisernes Messer
Grab 7 wurde dem Kleinkind (Sterbealter 1–2 Jahre) (Katnr. 2.4.3); die Zwinge aus Blech mit zwei Nieten
sicher in apotropäischer Funktion – als unheilabwei- könnte von einer Messerscheide aus organischem Ma-
sendes Amulett – mitgegeben. In Anif-Niederalm terial (Leder) stammen. Die Kette besteht unter an-
enthielt die Bestattung eines in der frühmittelalter- derem aus gelben, blauen und orangen opaken Perlen
lichen Siedlung begrabenen Neugeborenen ebenfalls neben blauen und türkisen durchsichtigen Stücken in
eine Doppelperle, hier allerdings aus roter Glaspaste (bi)konischen, stäbchenartig-kantigen und rund ge-
mit gelbem Wellenband und Punkten.28 drückten Formen. Auffallend sind zwei weiße Perlen
In Grab 8 lagen ein großes und ein kleines Messer mit gekreuzten grünen Fadenauflagen sowie eine rote
(Katnr. 2.8.1, 2.8.2) neben dem linken Unterarm der mit gelber und eine blaue mit weißer Fadenauflage.
Toten. An der rechten Schulter fanden sich insgesamt Gerade letztgenannte Perlen kommen in Frau-
sechs kleine Stifte aus Bronze (Katnr. 2.8.3), deren engräbern ab der Mitte des 6. Jahrhunderts vor und
organischer Träger (Holz?) nur mehr in Resten vor- werden bis in die Mitte des 7. Jahrhunderts getragen.29
handen war. Eine Funktionsansprache ist hier nicht Anhand der kombinationsstatistischen Auswertung
mehr möglich, auch eine Datierung ist aufgrund der von Perlenketten aus Gräberfeldern in Baden-Würt-

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temberg gehören Perlen mit einem ähnlichen Wellen- dürfte auch die Tote in Grab 4 von Adnet im zweiten
band in eine Typengruppe, die dort in der jüngeren Drittel des 7. Jahrhunderts bestattet worden sein.
Merowingerzeit (zwischen 610 und 650/670) getra- Diese Spätdatierung schließt nun die manchmal be-
gen wurde.30 Im Gräberfeld von Aschheim (Bayern)31 obachtete Sitte, einen einzelnen Ohrring an der linken
kommen vergleichbare Exemplare bis in das erste Schläfe zu tragen, aus38; wahrscheinlich ist das fehlen-
Drittel des 7. Jahrhunderts vor. Konische, blaue Per- de Stück an der rechten Schläfe wegen der schlechten
len begegnen an einem Kollier aus Säben (Südtirol), Erhaltungsbedingungen nicht mehr vorhanden.
wo sie zusammen mit unregelmäßigen Bernsteinper- Eine überdurchschnittliche Schmuckausstattung
len aufgefädelt wurden. Aufgrund der Verwendung zeichnet die Frau in Grab 6 aus. Eine kräftig profi-
des Bernsteins wird eine Datierung gegen Ende des 6. lierte Fibel39 der Römischen Kaiserzeit (Katnr. 2.6.1)
Jahrhunderts beziehungsweise im frühen 7. Jahrhun- könnte als Altstück mit Amulettcharakter lose beige-
dert32 vorgeschlagen. Aus dem Friedhof von Grödig33 geben worden sein oder eher in funktioneller Zweit-
liegt eine mit dem Säbener Kollier nahezu idente Kette verwendung der Befestigung eines Schleiers oder
vor, deren konische blaue Perlen ebenfalls jenen aus eines Tuchs am Kopf gedient haben. Auch im Gräber-
Adnet entsprechen. Die kleine Schnalle mit festem feld Straubing-Bajuwarenstraße40 wurden mehrfach
Beschlag ähnelt Stücken aus Salzburg-Liefering34, römische Fibeln, insbesondere auch zweimal eine
Anif35 und Reichenhall36. Im Gräberfeld von Schretz- kräftig profilierte Fibel, mit in das Grab gegeben.
heim wird ein vergleichbares Exemplar mit langobar- Eventuell handelt es sich dabei um Traditionsstü-
dischen Schnallen in Verbindung gebracht, die unter cke, die innerhalb der Familie weitervererbt wurden.
byzantinischem Einfluss stehen.37 Das Grab dort kann Wahrscheinlicher ist aber ein ›Zufallsfund‹ aus zer-
aufgrund horizontalstratigrafischer Analysen in die störten römischen Kontexten; vielleicht wurde auch
Zeit zwischen 620 und 660 datiert werden. Somit gezielt nach derartigen Objekten gesucht. 41

Abb. 29: Adnet, Grab 6.

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Abb. 30: Adnet, Grab 6. Kette mit zwei Anhängern Abb. 31: Adnet, Grab 6. Bronzeringe (Katnr. 2.6.9).
(Katnr. 2.6.2–2.6.4).

Wenige blaue, grüne, violette und türkise Glasper- An den Unterschenkeln weisen zwei aus dünnem
len (Katnr. 2.6.2) wurden an einer Kette zusammen Bronzeblech gefertigte Riemenzungen (Katnr. 2.6.11,
mit kleinen Silberperlen und zwei bemerkenswerten 2.6.12) auf eine Wadenbindengarnitur hin. Die Blech-
Anhängern getragen. Beim ersten Exemplar (Katnr. stücke sind mit gegenläufigen Wellenbändern aus
2.6.3) handelt es sich um einen filigranverzierten doppelten Punzreihen verziert, an den Eisennieten
Goldblechanhänger, der um einen zentralen Mittel- an der Oberseite sind wiederum Textilreste aufgrund
buckel sieben filigrandrahtverzierte runde Durch- der Mineralisierung der Fäden erhalten geblieben. Ob
brüche aufweist, die wiederum – getrennt durch eine die kleine Eisenschnalle (Katnr. 2.6.10) ebenfalls zur
Drahtauflage – von insgesamt zwölf kleinen Buckeln Bekleidung der Beine – eventuell zu dem für die Bin-
umgeben sind. Auch der Rand der Blechscheibe wird den notwendigen Riemen unter dem Knie – oder zu
von einer Filigrandrahtauflage gesäumt. Die Aufhän- einer kleinen Tasche gehörte, kann nicht mit letzter
gung ist aus einer gelochten kleinen Kugel gefertigt. Sicherheit entschieden werden. Die Gestaltung der
Der zweite Anhänger (Katnr. 2.6.4) ist aus Silber ge- Blechriemenzungen ist eher einfach und eventuell
arbeitet und dürfte eine lokale Imitation des ersten ebenfalls einer lokalen Produktion zuzuweisen. Me-
Schmuckstücks darstellen. Auch hier sind um einen tallene Besätze der Beinkleidung waren ab dem spä-
zentralen Buckel runde Durchbrüche und – radial ten 6. Jahrhundert ein typisches Element der mero-
angeordnet – weitere Buckel gruppiert, allerdings wingischen Frauentracht.42
wurde das Stück mit vier statt sieben Durchbrüchen Am rechten Handgelenk trug die Verstorbene einen
und neun statt zwölf Buckeln weniger kleinteilig ge- massiven Kolbenarmring (Katnr. 2.6.7) mit pufferar-
arbeitet. Die Filigrandrahtauflagen sind durch zwei tig abgesetzten Enden, an denen noch die Sägespuren
tordierte Silberdrähte ebenfalls einfacher gestaltet. zu sehen sind. Offenbar wurde das Stück als geschlos-
Ein Satz aus vier großen Bronzeringen (Katnr. 2.6.9) sener Ring gegossen und erst danach aufgesägt. Als
kann eventuell als Gürtelgehänge oder Verschluss echtes ›Highlight‹, das die Besitzerin als Angehörige
eines Textilbandes interpretiert werden, wobei zwei einer Elite ausweist, kann der Fingerring (Katnr.
der vier Ringe knotenartige Verdickungen tragen. Die 2.6.8) bezeichnet werden, der als Ringplatte die Ab-
Funktion einiger Eisenfragmente im Beckenbereich formung einer byzantinischen Münze beziehungswei-
(Katnr. 2.6.5, 2.6.6) konnte nicht bestimmt werden, se deren langobardischer Imitation trägt.43
sie liefern mit ankorrodierten Textilresten aber wieder Schmuckstücke aus filigranverziertem Goldblech
wichtige Informationen über die Bekleidung der Toten. liegen in Salzburg aus dem Gräberfeld von Unter-

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Abb. 32: Adnet, Grab 6. Detailaufnahme der rechten Hand.

eching44 und aus Salzburg-Mülln45 vor. Zusammen erinnern an die komplizierten Muster der silbertau-
mit dem Stück aus Adnet handelt es sich um Importe, schierten Riemenzungen des 7. Jahrhunderts, eine
die aufgrund ihres hohen Wertes wohl lokal imitiert zeitliche Einordnung fällt aber aufgrund der langle-
wurden. Vergleichbare Anhänger werden in die Zeit bigen Typen schwer. Ein vergleichbares Stück ist aus
ab 600 beziehungsweise in das 7. Jahrhundert46 da- Salzburg-Liefering52 bekannt; Martin Hell datiert
tiert. Diese zeitliche Einordnung gilt auch für massive die Funde in das 7. Jahrhundert. Der Münzfingerring
Kolbenarmringe, die etwa in den regional benachbar- scheint somit das jüngste Schmuckstück in der Aus-
ten Gräberfeldern Oberndorf47, Bergheim-Lengfel- stattung der Toten zu sein, eine Datierung der Grab-
den48 und Reichenhall-Kirchberg49 vorkommen. Das lege muss sicherlich über das Münzvorbild – als
Grab der beiden Reichenhaller Vergleichsstücke wird Terminus post quem – in die Zeit um 700 beziehungs-
nach einer aktuellen Bearbeitung der Altgrabungen50 weise an den Beginn des 8. Jahrhunderts erfolgen.
in die Zeit zwischen 610 und 670 datiert. Auch aus der
frühmittelalterlichen Siedlung von Anif-Niederalm
sind zwei Stücke bekannt, allerdings keines mit aus-
geprägten Petschaftenden wie jenes aus Adnet. Die
bronzenen Armringe sind als romanische Schmuck-
form anzusehen, die – anders als Kolbenarmringe im
germanischen Bereich – als reiner Dekor und nicht
als Rangabzeichen getragen wurden. In Italien ist eine
Datierung in das 6./7. Jahrhundert nur über Beifunde
möglich.51
Die einfärbigen, transluziden Perlen erinnern eher
an spätantike Stücke und werden deshalb wohl gerne
als romanisch bezeichnet. In Salzburg-Mülln stellt
der Ausgräber Fritz Moosleitner das Ensemble mit
filigranverziertem Ohrring und Kolbenarmring vor
allem wegen des Armschmuckes in die zweite Hälfte
des 7. Jahrhunderts. Die gepunzten Wellenbänder Abb. 33: Adnet, Grab 6. Detailaufnahme des Fingerrings
auf den Riemenzungen der Wadenbindengarnitur (Katnr. 2.6.8) in Fundlage.

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Abb. 34: Anif-Niederalm. Kolbenarmringe aus Bronze.

Fazit
In Untereching galt das gesamte Gräberfeld (I) als In Adnet hingegen regen die Funde zu einer Neu-
verloren beziehungsweise zerstört. Die Denkmal- bewertung des bisherigen Forschungsstandes an,
schutzgrabung 2010 lieferte durch den Nachweis der galten die bislang bekannten Gräber doch aufgrund
Mehrfach- beziehungsweise Nachbestattungen in ihrer Beigabenarmut als Bestattungen der landläu-
einem frühmittelalterlichen Gräberfeld einen durch- fig als »Romanen« bezeichneten Volksgruppe. Im
aus ungewöhnlichen Befund. Die Beigaben der To- Licht der neuen Befunde ist jedenfalls eine schema-
ten sind sicher nicht mit den bekannten Altfunden tisierte ethnische Zuweisung zu überdenken und eine
zu vergleichen, gerade Grab 5 zeigt aber eine durch- mehrschichtige, ineinander übergreifende sozial-
aus gehobene Ausstattung der Verstorbenen. Auch ethnische Interpretation der Ausstattungsmuster zu
die geringen Reste einer eisernen Gürtelgarnitur in überlegen. Ein Modell, das ein Nebeneinander der
Grab 2 bieten mit ihren textilen Anhaftungen neue Familien und Individuen mit unterschiedlicher eth-
Aussagemöglichkeiten und erlauben eine Datierung nischer Herkunft – eingebettet in differenzierte so-
der Gräberfeldbelegung bis in die zweite Hälfte des ziale Abstufungen – berücksichtigt, erleichtert zwar
7. Jahrhunderts. die Ansprache der in Salzburg bislang immer nur

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ausschnitthaft vorliegenden Gräberfelder nicht, ent-


spricht aber wahrscheinlich eher den gesellschaftli-
chen Realitäten im 7. Jahrhundert.

1 Siehe den Beitrag Peter Höglinger, Bajuwaren, denkmalamtes; schriftlicher Bericht 2010, Archiv der
Romanen, Awaren und andere in diesem Band. Abteilung für Archäologie des Bundesdenkmalamtes.
2 Höglinger und HaMPel 2010b (urnenfelderzeitliche 28 Höglinger und HaMPel 2009b, 465.
Siedlung auf Gst. Nr. 4597, Katastralgemeinde St. 29 KocH 1977, 18–19 (Stufe 2), 25 (Stufe 4).
Georgen). 30 sasse u. a. 1996, 221.
3 Dem Grundbesitzer Franz Laimighofer (Untereching) 31 gUtsMiedl-scHüMann 2010, 77.
sei herzlich für die Fundmeldung gedankt. 32 K roMer 1980, 15; Abb. 28 (Grab 30).
4 Herzlicher Dank gebührt an dieser Stelle Herrn Maier 33 Moosleitner 1996, Abb. 100.
(Untereching), der seinen Bagger mit Humusschaufel 34 Hell 1932, Abb. 4/2.
kurzfristig und kostenfrei zur Verfügung stellte. 35 Hell 1958, Abb. 2/15.
5 Die ›Grabungsnachbarn‹ Maier haben den Wochenend- 36 von cHlingensPerg-berg 1890, Taf. 22.
einsatz der Ausgräber mit Getränken erleichtert, auch 37 KocH 1977, 78; Taf. 18/8 (Grab 93).
ihnen sei herzlich gedankt. 38 KocH 1977, 70.
6 Bestimmung Dr. Silvia Renhart im Auftrag des Bundes- 39 Vgl. etwa sedlMayer 1995, Taf. 3/25 (Almgren 73,
denkmalamtes; schriftlicher Bericht 2011, Archiv der Jobst 4D).
Abteilung für Archäologie des Bundesdenkmalamtes. 40 PraMMer 1998.
7 Siehe den Beitrag K arina gröMer und a ngelica 41 gUtsMiedl-scHüMann 2010, 74–75.
rUdelics, Unscheinbar und doch spannend in diesem 42 bertraM 2002, 188.
Band. 43 Siehe den Beitrag UrsUla scHacHinger, Ein ›gol-
8 Vgl. etwa geisler 1998, Grab 785. dener‹ Münzfingerring aus einem Grab in Adnet in
9 Moosleitner 1975, 350, Abb. 6/5. diesem Band.
10 Franken 1996, Katnr. IX.2.36 (Zierscheibe, Mitte 7. 44 Moosleitner 1996, Abb. 108.
Jahrhundert). 45 Moosleitner 1975, Abb. 2–3.
11 loHwasser 2013, 58. 46 Paderborn 1999, 227–228.
12 Jüngere Merowingerzeit. 47 Hell 1969, Abb. 3/C4.
13 MenKe und MenKe 2013 , Grab 297.281B.267. 48 Hell 1972/73, Abb. 4/1, Abb. 4/7.
14 dannHeiMer 1987, Abb. 116. 49 von cHlingensPerg-berg 1890, 106–107, Taf. 17
15 bertraM 2002, 196 (Grab 409, 427). (Grab 60).
16 loHwasser 2013, 116. 50 bertraM 2002, 195.
17 Hell 1958, 255, Abb. 4/10. 51 r ieMer 2000, 91.
18 Zuletzt K astler 2013. 52 Hell 1932, 188, Abb. 4/1.
19 Hell 1969, 9, Abb. 4/4.
20 Hell 1958, 255.
21 sasse u. a. 1996, 221.
22 KocH 1977, Tab. 4.
23 K nöcHlein 1998, 52.
24 Höglinger und HaMPel 2009a.
25 An dieser Stelle sei den Motzenbauern (Anton und
Sibylle Krispler) sowie den Eltern des Grundbesitzers
herzlicher Dank für das Entgegenkommen und die
Verpflegung der Grabungsmannschaft ausgesprochen.
26 Grab 8 war nun nicht mehr gefährdet, wurde aber
ebenfalls geborgen, da es am Vortag bereits bis auf die
Skelettlage freigelegt worden war.
27 Bestimmung Dr. Silvia Renhart im Auftrag des Bundes-

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Ein ›goldener‹ Münzfingerring


aus einem Grab in Adnet
UrsUla scHacHinger

Im Jahr 2009 wurde in einem reich ausgestatteten und sich über den Brauch des Charonsobols lustig zu
Frauengrab des frühmittelalterlichen Reihengräber- machen.3 Die dahinterliegenden Glaubensvorstellun-
felds in Adnet ein vergoldeter Münzring gefunden. gen scheinen offenbar nicht mehr so präsent gewesen
Benachbart waren ein zweites mit reichen Schmuck- beziehungsweise ernst genommen worden zu sein.
beigaben ausgestattetes Frauengrab und weitere In der Praxis dürfte die Tradition der Münzbeigabe
Gräber mit ärmeren Beigaben.1 Auffällig ist, dass die älter sein als die literarische Überlieferung, mög-
beiden ›reichen‹ Gräber in keinem getrennten Grä- licherweise auch älter als die ›Erfindung‹ des Münz-
berbezirk oder gar Friedhof lagen, wie es gegen Ende geldes. Beispielsweise wurden in Argos (Griechen-
des 7. Jahrhunderts n. Chr. vor allem bei den Ala- land) und Zypern Gräber entdeckt, in denen den
mannen üblich war. Der Ring des einen Frauengra- Toten obeloi (Bratspieße) als prämonetäre Formen
bes verdient dabei besondere Beachtung, weil an ihm mit in die Gräber gelegt worden waren.4 Auch aes
eine Münze als Schmuckplatte angebracht ist, was die rude tritt als Vorform des Geldes in italischen Grä-
Trägerin sicher als Frau mit einer besonderen sozi- bern auf.5 Von Anfang an gibt es allerdings Unter-
alen Stellung innerhalb der Gemeinde auszeichnete. schiede zwischen der literarischen Tradition und der
archäologischen Evidenz. Denn oft wurde nicht nur
eine einzelne Münze – also ein Charonsobol – mit-
Münzbeigaben in Gräbern gegeben, sondern eine größere Anzahl von Münzen.
Die Tradition der Münzbeigabe in Gräbern ist beinahe In den meisten Gräbern fanden sich aber überhaupt
so alt wie die Geschichte des Geldes selbst. Literari- keine Münzbeigaben. Die frühesten Gräber mit
sche Quellen ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. verweisen Münzbeigabe sind um 470 v. Chr. in Korinth bezeugt.
immer auf einen Zusammenhang mit dem Fährmann Ein Anstieg erfolgte generell im 4. Jahrhundert v.
Charon und einem Obolus, den dieser für die Passage Chr.6, wobei in klassischer Zeit eine Deponierung im
in die Unterwelt von dem Verstorbenen erhielt. Der Mund oder in den Händen der Toten, also als Cha-
zu zahlende Betrag wurde dem Toten in den Mund, ronsobol im engeren Sinn, noch häufiger war als
aber auch in die Hand gelegt. Die Quellenlage für die- später. Weiters wurden schon in der klassischen Zeit
se frühe Zeit ist allerdings nicht sehr dicht. Charon unterschiedliche Nominalien und auch unterschied-
selbst tritt in der Literatur schon ab dem 6./5. Jahr- lich hohe Geldsummen in die Gräber gelegt.7 Ab dem
hundert v. Chr. auf, die Verbindung mit dem Fährgeld 3. Jahrhundert v. Chr. änderte sich der Brauch dann
kommt allerdings erst etwas später hinzu.2 Ergiebi- grundlegend. Neben Einzelgaben im Mund oder in
ger werden die literarischen Quellen in der hellenis- der Hand sind Mehrfachbeigaben von Münzen be-
tischen Zeit sowie in der Römischen Kaiserzeit, als zeugt, die an verschiedenen Stellen im Grab depo-
man begann, den Charonsglauben in Frage zu stellen niert wurden. Es handelt sich dabei vermutlich auch

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um Wurfmünzen, die dem Verstorbenen während manisierungsprozess rasch alle Bereiche des Lebens
der Bestattung von den Trauernden ins Grab nachge- erfasste, so auch die Begräbnispraxis.15
worfen wurden, vergleichbar den heute noch immer Der Bedeutungsgehalt der Münzbeigabe hat sich
praktizierten ›Brunnenopfern‹. Auch Geldbeutel als im Lauf der zeitlichen und geografischen Verbreitung
Wegzehrung oder letzte Barschaft wurden den Toten verändert und war in der Spätantike sicher schon weit
in die Gräber gelegt. vom literarisch tradierten Gebrauch als Fährgeld ent-
Schon in Griechenland entwickelten sich also ver- fernt. Münzen in Gräbern hatten unterschiedliche
schiedene Muster der Münzbeigabe, die in der Römi- Funktionen: Sie wurden als Weg- oder Reisegeld zur
schen Kaiserzeit eine noch größere Variationsbreite Versorgung des Toten im Jenseits mitgegeben, aber
erreichten. In den ersten drei Jahrhunderten n. Chr. auch als pars pro toto für das Vermögen, als Schutz-
überwiegen noch einzelne Münzbeigaben, wie sie sich geld, Besitz oder Schmuck.16 Ausgefallene Münzen
beispielsweise in den sogenannten norisch-pannoni- dienten möglicherweise als Erbstücke oder Andenken.
schen Hügelgräbern des Südostalpenraumes mani- Das Nachwerfen in die Grabgrube kann als rituelles
festieren8, wo meist eine gemeinsam mit dem Leich- Opfer erklärt werden.17 Zudem treten Münzbeigaben
nam verbrannte Buntmetall-Münze aus dem gängigen sowohl in Brand- als auch in Körpergräbern sowie un-
Zirkulationsvolumen ins Grab oder in die Urne gelegt abhängig von Alter und Geschlecht der Verstorbenen
wurde9. Das Vorherrschen einzelner Münzbeigaben auf. Bis zur Spätantike sind auch keine sozialen Unter-
hat seine Ursache aber möglicherweise auch in dem schiede feststellbar. Meist sind in den münzführenden
Umstand, dass der Monetarisierungsgrad der Gesell- Gräbern auch andere Beigaben vertreten. Bisweilen
schaft am Rand des Reiches noch nicht so hoch war sind auch große Münzhorte in Gräbern tradiert, wie
wie im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. Erst in Gräbern beispielsweise in Regensburg, wo in zwei Tiergräbern
der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts treten dann große Münzschätze aus der Zeit von Gallienus und
vorrangig Mehrfachbeigaben auf. Grundsätzlich ist Claudius II. belegt sind, deren Inhalte den zeitgleichen
aber festzuhalten, dass dort, wo Münzgeld in Ge- Hort- und Siedlungsfunden entsprechen.18
brauch war, auch Münzen in die Gräber mitgegeben Im 5. Jahrhundert sind beigabenlose Bestattungen
wurden. Eine Sitte, die sich in der Kaiserzeit auch in beziehungsweise Beisetzungen, in denen eine einzel-
den romanisierten Provinzen schnell durchsetzte und ne Münze als symbolische Beigabe auftritt, die Re-
bis Britannien und zu den Parthern ausstrahlte.10 Ein- gel. Dies wurde mit christlichen Vorstellungen oder
schränkend ist jedoch zu bemerken, dass münzfüh- mit einer Verarmung der Bevölkerung erklärt.19 Tat-
rende Bestattungen in der Antike nur einen 4%igen sächlich bricht aber die Münzzufuhr in die Provin-
bis maximal 40%igen Anteil ausmachen, die meisten zen um 400 n. Chr. ab; der Nachschub an Kleingeld
Gräber also keine Münzen beinhalteten. kam zum Erliegen. Das Phänomen der beigabenlo-
Im freien Germanien sind zunächst noch keine sen Bestattungen und der symbolischen Beigabe ist
Münzbeigaben in Gräbern belegt11, obwohl römische in den meisten Gräberfeldern dieser Zeit für die ro-
Denare dort in großer Zahl gefunden wurden. Diese manische, christliche Bevölkerung bezeugt. Zuerst
dienten allerdings nicht als Geld, sondern als Tausch- setzt dann die Münzbeigabe wieder vermehrt in Grä-
objekte und Wertanlage.12 Erst ab dem 3./4. Jahr- bern mit germanischer Bevölkerung ein, wobei der
hundert treten Münzen vorrangig in reichen Gräbern Brauch nun ein weiteres Mal transformiert wurde.
auf, wie in jenen der Haßleben-Leuna-Gruppe des Die christliche, romanische Bevölkerung verwendete
3. Jahrhunderts, der sogenannten mitteldeutschen für ihre Gräber fast ausschließlich zeitgleiches Um-
Körpergräbergruppe13, wo die Münzbeigabe auch laufgeld, wohingegen die germanische Bevölkerung
im Mund belegt ist. Diese Sitte wird mit römischen vorwiegend Edelmetallmünzen in die Gräber legte.20
Kontakten erklärt, denn die Germanen hatten keine Im spätantik-frühmittelalterlichen Gräberfeld von
eigene Tradition der Münzbeigabe in Gräbern.14 Die Kaiseraugst ist die Münzbeigabe von Beginn an – also
Sippengräber von Haßleben-Leuna stellen allerdings von der Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. – bis ins
in dieser frühen Periode bezüglich ihrer Bestattungs- frühe 7. Jahrhundert bezeugt. Seit ca. 400 n. Chr. ist
form noch eine Ausnahme dar. Während bei den frei- sie eindeutig christlich konnotiert.21 In den Gräbern
en Dakern, den Karpen und den Sarmaten die Sitte der romanischen Bevölkerung findet sich vor allem
nicht bezeugt ist, findet sie sich bei den Geto-Dakern, spätrömisches Kleingeld, welches laut Max Martin
die im Inneren der Provinz Dakien lebten, wo der Ro- bis um 600 n. Chr. als Zahlungsmittel verwendet und

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danach mitunter als Altmetall22 in die Gräber mitge- Es kann also festgestellt werden, dass am Über-
geben wurde. Die Transformation der Münzsitte am gang von der Spätantike zum Frühmittelalter die ur-
Übergang der Spätantike zum Frühmittelalter mit sprünglich christliche, romanische Bevölkerung die
ihren veränderten ethnischen Hintergründen zeigt Münzsitte praktizierte, wobei sie fast ausschließlich
sich besonders gut am Gräberfeld von Krefeld-Gel- zeitgleiches Umlaufgeld verwendete, welches auf-
lep, einem Bestattungsplatz für Romanen und Fran- grund des versiegenden Nachschubs noch längere Zeit
ken vom 5. bis zum 8. Jahrhundert n. Chr. Auch hier weiterzirkulierte. Es finden sich keine Münzbeigaben
sind im 5. Jahrhundert vor allem beigabenlose roma- im Mund der Toten. Im 5. Jahrhundert wurde diese
nische Bestattungen belegt beziehungsweise solche Sitte von der germanischen Bevölkerung übernom-
mit einer symbolischen Beigabe. Ab ca. 500 n. Chr. men, wobei eine Transformation stattfand. Die Münz-
ist dann zunehmend die germanische Beigabensitte sitte – anfangs heidnisch konnotiert – wurde von der
mit Schmuck und Waffen bezeugt. In den fränkischen Oberschicht aufgegriffen und sippenbedingt weiter
Gräbern treten nun vorrangig Edelmetallmünzen – tradiert. Es wurde vermehrt Edelmetall verwendet
und zwar hauptsächlich im Mund der Toten – auf, wo- und die Mundgabe zur Regel.26 Alte, noch immer ver-
bei die Tradition der Münzbeigabe bei den zunächst fügbare Buntmetallmünzen der Römischen Kaiserzeit
noch nicht christianisierten Franken innerhalb der kommen nur mehr in Schmuckfunktion in Frauengrä-
Familie beziehungsweise Sippe geübt und ein sippen- bern oder in Taschen von Männergräbern vor.27
abhängiges Phänomen wurde, das sich ausschließlich Die Verbindung von Münzbeigabe und Oberschicht
in der Oberschicht manifestiert.23 ergibt sich aus der Tatsache, dass das in dieser Zeit
Im Gräberfeld von Jülich24, welches vom 4. Jahr- ›kursierende‹ Edelmetall in Form von Tributzahlun-
hundert bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts belegt war, gen – bisweilen auch infolge von Handelsgeschäften
änderte sich die Beigabensitte ebenfalls ab dem 5. – an die führenden Schichten gelangt war und als
Jahrhundert. Auch hier verwendete die christliche, Tauschgut gehandelt wurde.28 Ob man nun mit zu-
romanische Bevölkerung des 4. und beginnenden 5. nehmender Christianisierung – im Westen früher
Jahrhunderts hauptsächlich Buntmetallgeld des zeit- als im Osten – von dem Brauch wieder abwich, kann
gleichen Umlaufs, wobei im 5. Jahrhundert beiga- nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden. Freilich
benlose Gräber vorherrschten und oft nur eine Mün- könnte man die in Süddeutschland mit Goldfolien-
ze symbolisch mit ins Grab gegeben wurde. Ab dem kreuzen bestatteten Toten als Indiz dafür ansehen,
beginnenden 6. Jahrhundert ist auch hier die Trans- denn ihnen wurden keine Münzen mehr mitgege-
formation des Brauches evident, wobei zunehmend ben.29 Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass
Edelmetallmünzen im Grabbrauch Verwendung fan- auf vielen Folienkreuzen Abdrücke von Münzen an-
den, die den Toten in den Mund gelegt wurden. Altes gebracht wurden.30 Tatsächlich hörte die Sitte der
römisches Buntmetallgeld kommt zwar auch noch in Münzbeigabe spätestens im 8. Jahrhundert allgemein
frühmittelalterlichen Gräbern vor, allerdings nicht auf, bestand jedoch vereinzelt weiter, beispielsweise
mehr in monetärer Funktion, sondern ausschließlich im Großmährischen Reich. Als Grund für den Rück-
als Schmuck; fast alle Münzen sind gelocht. Außer- gang wird vor allem im Osten auch der Mangel an
dem ist der Brauch nun ein Oberschichtenphänomen Münzgeld nördlich der Alpen ins Treffen geführt.31
und findet sich nur mehr in gruppen- und sippenbe- Denn als im 11. Jahrhundert in Mähren, in der Slowa-
legten Bestattungen. Das Grab von Tournai25, das kei oder in Böhmen wieder eine eigene Münzprägung
aufgrund eines Siegelringes als Bestattungsplatz des begann, setzte auch der Brauch der Münzbeigabe im
fränkischen Königs Childerich identifiziert wurde, Grab wieder ein und hielt sich mit verändertem Be-
steht am Übergang von heidnischer zu christlicher deutungsgehalt bis in die Neuzeit.32
Tradition. In diesem Grab befanden sich 200 Sil-
bermünzen der mittleren Kaiserzeit und 100 byzan-
tinische Goldsolidi. Nach dem Zeugnis Gregors von Münzen als Schmuck
Tours (II.10) wurde bei der Beisetzung von Childe- Münzen als Schmuck treten im gesamten ehemals
rich noch ein heidnisches Grabritual gepflegt, da der von den Römern beherrschten Gebiet als Grabbeiga-
Norden des Reiches zu dieser Zeit noch heidnisch ben auf. Ab dem 5. Jahrhundert bis zum Anfang des 8.
war, während im Süden schon zahlreiche Bistümer Jahrhunderts n. Chr. kommen Schmuckgegenstände
existierten. mit Münzen, wie Halsketten, Ringe und Gürtelket-

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ten, insbesondere in germanischen Frauengräbern vom frühen 7. bis ins frühe 8. Jahrhundert belegt und
vor.33 Verwendet wurden dabei vor allem Goldmün- wurde von »unterschiedlich vermögende[n] Bevölke-
zen des 4. Jahrhunderts34, aber auch spätantikes rungsgruppen« genutzt. 44 Gegen Ende des 7. Jahr-
Buntmetallgeld und in Nordgallien auch römische hunderts wurde ein ›Separatfriedhof‹ für eine kleine
Denare35. Der Großteil der Gräber mit Münzen als Personengruppe, die den ›Kirchheimer Ortsadel‹ bil-
Schmuckobjekte ist dabei dem 6. und 7. Jahrhundert dete, angelegt. 45 Das Männergrab 42 dürfte zeitlich
zuzuweisen. Besonders in Mode waren um 600 n. etwas früher anzusetzen sein, da der Bestattete zwar
Chr. Münzen an Gürteln oder Halsketten.36 Ab dem sicher zur Oberschicht gehörte, aber noch nicht im
6. Jahrhundert wurden zunehmend byzantinische separaten Friedhofsteil beigesetzt wurde. Für den
Münzen und deren völkerwanderungszeitliche Nach- hohen sozialen Status des Mannes spricht die zu die-
prägungen verwendet, da der Vorrat an alten, römi- sem Grab gehörende Pferdebestattung.46 In dem Grab
schen Münzen zurückgegangen war. Dabei begegnen fand sich ein Münzfingerring, als dessen Schmuck-
nicht selten ›gefütterte‹ Münzen, also mit Edelme- platte der Avers eines leichten Solidus im Wert von
tall plattierte Stücke mit einem Kern aus in der Regel 20 Siliquen mit den Frontalbüsten des Heraclius
unedlem Material. Zu Schmuckzwecken stellte man (610–641) und seines Sohnes Heraclius Constantinus
auch Abschläge von byzantinischen Goldmünzen aus III. (613–641) zur Umschrift dd NN hERACLIЧS ET
Goldblech her. In Grab 303 von München-Aubing aus hERA CONST PP AVC47 diente. Der Ring besteht aus
der Mitte des 6. Jahrhunderts n. Chr. fand sich eine einem bandförmigen Reif mit einem Durchmesser
Glasperlenkette mit Goldblechanhängern aus Ab- von 2,5 cm. Am Übergang vom Reif zur Münze be-
drücken eines Solidus des Iustinianus I.37 Häufig sind finden sich jeweils drei Kügelchen, weshalb man von
auch ›gefütterte‹ Nachprägungen byzantinischer einem sogenannten Dreiknotenring spricht48, einer
Goldmünzen als Münzbeigabe und als Schmuckan- Leitform des 7. Jahrhunderts nördlich der Alpen49.
hänger in Gräbern, beispielsweise in dem Männer- Das Reversbild der Münze ist teilweise verdeckt, da
grab 35 in Epfach, wo eine merowingische Nachprä- der Ring mit zwei Y-förmigen Schienen an die Rück-
gung eines Tremissis des Iustinianus I. oder II. mit seite der Münze gelötet wurde. Die Münze lässt sich
Bronzekern aufgefunden wurde.38 In dem Frauen- aber dennoch einwandfrei bestimmen. Es handelt
grab P 57 von Altenerding kam eine Nachprägung sich um den Typ MIB 65 aus Constantinopolis mit ei-
eines Tremissis des Iustinianus I. mit Bronzekern im nem Kreuz auf einem dreistufigen Unterbau und der
Mund der Toten zutage.39 Legende VICTORIA AVGЧ; die Offizin ist nicht mehr
sichtbar. Im Abschnitt befinden sich die Buchstaben
BOXX. Die Münze ist nicht gerahmt.
Münzringe Ein weiteres Exemplar eines goldenen Münz-
Im 7. Jahrhundert n. Chr. verbreitet sich eine neue fingerringes ist aus einem bajuwarischen Grab des
Mode in Form von Goldfingerringen mit Münzen.40 7. Jahrhunderts aus Großmehring (Bayern) bekannt.50
Die Sitte, Goldmünzen als Fingerringe zu tragen, Der Ring wurde von einem Bauern beim Pflügen ge-
beschränkte sich laut Joachim Werner und ihm fol- funden und kann daher keinem konkreten archäolo-
gend Rainer Christlein auf einen kurzen Zeitraum des gischen Befund zugeordnet werden. Er besteht aus
7. Jahrhunderts, wobei vorrangig Goldmünzen der einer rundstabigen Ringschiene, deren Y-förmige
Zeit von Phocas bis Constans II. verwendet wurden. 41 Ausläufer kreis- oder volutenförmig gearbeitet sind
Ihr Verbreitungsgebiet liegt hauptsächlich im ost- und mit der Rückseite eines leichten Solidus des Typs
fränkischen und alamannischen Bereich, aber auch MIB 65 verlötet wurden.51 Am Übergang von der
bei den Bajuwaren, die zuerst vor allem durch die Schiene zur Platte befinden sich wieder drei Granu-
Awaren mit byzantinischen Goldmünzen und deren lationskügelchen; es handelt sich also um denselben
Nachprägungen versorgt wurden42, und bei den Lan- Ringtypus wie bei dem Stück aus Kirchheim-Hausen.
gobarden sind sie belegt. Die Münze selbst ist mit Kerbdraht gerahmt.52 Der
Aus dem bajuwarischen – ursprünglich reich aus- Ringdurchmesser beträgt 9 mm bis 17 mm53, was
gestatteten, aber leider großteils beraubten – Män- wohl für eine weibliche Trägerin spricht, das Gesamt-
nergrab 42 von Kirchheim-Hausen bei München gewicht 7,969 g54. Als Durchschnittsgewicht der ge-
stammt ein goldener Fingerring mit einem Solidus wichtsreduzierten Solidi gelten 3,8 g. Auf dem Avers
der Zeit von 616 bis 625 n. Chr. 43 Das Gräberfeld war sind, wie bei dem Exemplar aus Kirchheim-Hausen,

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die beiden Kaiser frontal mit Diadem dargestellt, wo- Chr. auf 200.000 Solidi angestiegen war.62 Nach der
bei sich zwischen ihnen ein kleines Kreuz befindet. gescheiterten Belagerung von Constantinopolis 626
Die Legende lautet dd NN hERACLIЧS ET hERA n. Chr. dürfte der Zustrom byzantinischer Münzen
CONST PP AV. Auf dem Revers finden sich zur Um- zurückgegangen sein. Über die Awaren gelangten
schrift VICTORIA AVG… ein Kreuz auf einem drei- solche Münzen und deren Nachprägungen dann zu
stufigen Unterbau und BOXX im Abschnitt. Der Avers den Nachbarn – etwa Slawen und Bajuwaren – oder
hatte einen leichten Stempelschaden, der sich als Li- auch nach Dalmatien. Man kann davon ausgehen,
nie durch das Münzbild zieht.55 dass der zeitliche Abstand zwischen der Prägung
Es fällt auf, dass an beiden genannten Ringen der- der Münzen und ihrer Verfrachtung in den Norden
selbe Münztyp, ein leichter Solidus des Heraclius von nicht allzu groß war und die Münzen auch gleich
616/625 n. Chr., angebracht worden ist. Seit dem 6. nach ihrer Ankunft zu Schmuckstücken verarbeitet
Jahrhundert wurden neben normalgewichtigen Soli- wurden.63 Wir dürfen also das Phänomen der Münz-
di zu 24 Siliquen im Osten drei leichtere Nominalien ringe auch nach numismatischen Kriterien ungefähr
zu 23, 22 und 20 Siliquen ausgeprägt. Der Feingehalt auf die genannte Zeitspanne des 7. Jahrhunderts
der Goldprägung blieb bis zum Beginn des 8. Jahr- eingrenzen. Dafür spricht weiters die Existenz vie-
hunderts weitgehend unverändert, mit Ausnahme der ler Münzringe mit merowingischen Goldmünzen des
Prägungen aus Neapel und Rom sowie später Sizilien. 7. Jahrhunderts.64
Neben den Solidi wurden Teilnominalien, Semisses Vollgewichtige Solidi kamen in geringeren Men-
und Tremisses, in großen Quantitäten emittiert.56 Von gen in den Norden, weshalb sie auch deutlich seltener
den leichten Solidi ist die 20-Siliquen- oder BOXX- an Münzringen anzutreffen sind. In Emling (Ober-
Serie57 extrem häufig bei Funden des späten 6. und österreich) wurde schon im Jahr 1837 ein Münzring
des 7. Jahrhunderts von Britannien bis Russland an- mit einem Solidus zu 24 Siliquen des Heraclius und
zutreffen. Die meisten bekannten Exemplare stam- Heraclius Constantinus III. als Schmuckplatte aufge-
men aus Deutschland und Osteuropa. Die Verbreitung funden.65 Bei dem Ring handelt es sich um densel-
dieser Stücke endete im Westen um 620 n. Chr., nach ben Typus wie bei jenem aus Großmehring, also um
Russland gelangten sie aber weiter bis ca. 680 n. Chr. einen rundstabigen Ring mit drei Kügelchen an den
Im Westen handelt es sich meistens um Einzelfunde, Enden. Der Ringstab ist mit Y-förmigen Balken, die
in Russland dagegen treten viele Horte mit stempel- in Voluten auslaufen, am Revers der Münze befestigt,
verbundenen Exemplaren auf, die niemals mit vollen sodass ein Teil des Rückseitenbildes verdeckt ist. Die
Solidi zu 24 Siliquen vermischt waren. Münze ist in einen gekerbten Rahmen eingebracht,
Philip Grierson vermutet eine direkte Lieferung der einen geringeren Durchmesser hat als die Münze
von der Münzstätte Constantinopolis58; weder in selbst, sodass diese beschnitten werden musste, um
den germanischen Ländern noch in Russland hät- eingepasst werden zu können. Ein Teil der Legende
ten diese Stücke monetären Charakter gehabt, was ist abgeschnitten. Zudem ist üblicherweise bei So-
insbesondere an den Lochungen zu erkennen sei, die lidi dieser Zeit der Münzrand etwas größer als der
sie als Schmuckanhänger auswiesen. Die Münzen Bildrand.66 Der hier abgebildete Solidus des Heracli-
seien nicht durch Handel in die nördlichen Länder us repräsentiert denselben Münztyp, wie er für den
gelangt, sondern wären vielmehr offizielle Geschen- Ring aus Emling verwendet wurde. Eduard Beninger
ke gewesen oder hätten als Tributzahlungen gedient. und Ämilian Kloiber bringen diesen typologisch mit
Die leichten Solidi zu 20 Siliquen passten in jedem dem Ring der Arnegunde in Verbindung67, der in die
Fall besser zum germanischen System.59 Wir haben zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts datiert wird, wei-
es also mit einer Münzsorte zu tun, die für den Kon- sen aber gleichzeitig darauf hin, dass er aufgrund
takt mit den Ländern im Norden geprägt worden ist, der Münzdatierung in die Mitte des 7. Jahrhunderts
weshalb die mehrmalige Präsenz desselben Typs im gehöre. Auf der Vorderseite der Münze sind Herac-
Fall der genannten Münzringe auch nicht verwun- lius und sein Sohn Heraclius Constantinus III. in
dert.60 Ein Zusammenhang mit den Zahlungen61 der isokephaler Darstellung mit einem Diadem abge-
byzantinischen Kaiser an die Awaren liegt auf der bildet, auf dem sich ein Kreuz befindet. Die infolge
Hand: Seit 574/575 n. Chr. erhielten Letztere jährlich der Beschneidung nur teilweise erhaltene Legende
eine Tributzahlung von den Byzantinern, die immer dazu lautet dd NN hERACLIЧS ET hERA CONST PP
wieder nachverhandelt wurde, sodass sie 623/624 n. AV(C), zwischen den Köpfen befindet sich ein Kreuz.

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Abb. 35: Münzring aus Emling (Oberösterreich). Abb. 36: Münzring aus Emling (Oberösterreich).
Vorderseite. Rückseite.

Auf der Rückseite befindet sich zur Umschrift VIC-


TORIA AVGЧH ein Kreuz auf einem dreistufigen Un-
terbau. Im Abschnitt ist die Sigle CONOB angeführt.
Es handelt sich um den Typ MIB 21, der von etwa 625
bis 629 n. Chr. in Constantinopolis (in der 8. officina)
ausgeprägt wurde.68
Aus dem spätalamannischen Adelsgrab 14 der
zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts von Hintschingen
(Baden-Württemberg) ist ein weiterer goldener Fin-
gerring mit einem normalgewichtigen Solidus zu 24
Siliquen des Iustinus II. (565–578) bekannt. Der Ring
entspricht wieder dem Typus des Dreiknotenringes;
Abb. 37: Solidus des Heraclius, Constantinopolis,
die Münze ist mit einem Kerbdraht gefasst69 und an ca. 625–629, MIB 21.
kreisförmig auslaufenden Y-Balken mit dem Ring ver-
lötet. Bei der Münze handelt es sich aller Wahrschein-
lichkeit nach um den Typus MIB 4, geprägt zwischen
567 und 578 n. Chr. in Constantinopolis. Das Stück Verwendung dieser späten Münze ist ein Weiterleben
ist relativ stark abgenutzt, was für seine längere Ver- dieser ›Mode‹ bis zum Ende des 7. beziehungsweise
wendung spricht, sodass wir mit der Datierung des zum Beginn des 8. Jahrhunderts ableitbar.72
Ringes wieder ins 7. Jahrhundert kommen. Weitere Münzringe treten laut Rainer Christlein häufi-
Solidi, die als Schmuckplatten für Ringe verwendet ger in Männer- als in Frauengräbern auf.73 Es wur-
wurden, stammen aus dem fränkischen Bereich. de vermutet, dass sie Siegel- und Monogrammringe
Joachim Werner nennt zwei Exemplare des Phocas imitierten und – aufgrund der Kaiserbildnisse – als
(602–610), eines davon aus dem Frauengrab 2 aus Herrschaftsabzeichen dienten.74 Vielleicht kann der
Cobern (Baden-Württemberg).70 Zudem sind auch Münzring aus dem Männergrab 4 von Pfahlheim
von den Langobarden Münzringe bekannt. Aus ei- (Baden-Württemberg) als Indiz dafür gelten:75 Es
nem Männergrab von der Wende des 7. Jahrhunderts handelt sich um einen Dreiknotenring mit einem be-
zum 8. Jahrhundert in Magnano in Riviera (Friaul- schnittenen leichten Solidus des Heraclius (MIB 65),
Julisch Venetien) stammt ein goldener Fingerring, wobei der Kaiserkopf gezielt aus der Münze heraus-
bei dem sich wiederum drei Kügelchen am Übergang geschnitten und in den Ring gefasst wurde. Das Kai-
vom Ring zur Schmuckplatte finden. Als Schmuck- serporträt könnte somit als Identifikationszeichen
platte diente ein Solidus des Constantinus IV.71, der für den Besitzer des Ringes interpretiert werden, der
mit einem perlförmigen Draht gerahmt ist. Aus der sicher eine hohe soziale Stellung innehatte.

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Man kann also davon ausgehen, dass die Trä-


ger oder Trägerinnen von Münzringen zur lokalen
Oberschicht, vielleicht zum Ortsadel gehörten. Rai-
ner Christlein hat schon 1973 Qualitätsunterschiede
merowingerzeitlicher Gräber anhand der Inventare
festgestellt und drei Gruppen definiert. Dabei zählt er
Goldfingerringe allgemein zu den ›Leitfossilien‹ der
Qualitätsgruppe C.76 Weiters stellte er drei mögliche
Szenarien für die soziale Stellung von Bestatteten der
Gruppe C heraus:77
• Es handelt sich um Personen, die an der Spitze
der bäuerlichen Bevölkerung stehen und deren Grä-
ber noch nicht von jenen der niedrigeren Qualitäts- Abb. 38: Münzring aus Adnet.
gruppen abgesondert sind.
• Gräber der Gruppe C setzen sich bereits von den
anderen ab und bilden einen eigenen Gräberbezirk;
dies bedeutet, dass es einen Personenkreis gab, der beträgt ohne die Einfassung ca. 14 mm. Der Avers mit
eine gesellschaftliche Sonderstellung innehatte, wel- dem Kaiserporträt bildet – wie üblich – die Schau-
che von der übrigen Bevölkerung toleriert wurde. seite des Ringes. Typologisch handelt es sich bei dem
• C-Gräber bilden einen eigenen ›Separatfriedhof‹. Stück um einen Solidus der ersten Regierungszeit
Bei den Bestatteten handelte es sich um eine »wirt- des Iustinianus II. von 685 bis 695 n. Chr. aus einer
schaftlich hochvermögende Bevölkerungsgruppe«. italischen Münzstätte. Die Legende endet mit den
Weiters stellt Christlein große Unterschiede zwi- Buchstabenresten AV; davor sind noch zwei weitere
schen Alamannen und Bajuwaren fest:78 Bei den Ba- Buchstabenreste sichtbar, jedoch nicht sicher zu iden-
juwaren gäbe es weniger reich ausgestattete Gräber tifizieren. Bei dem letzten Buchstaben vor dem AV
der Qualitätsgruppe C. Dies bedeutet, dass die bäu- könnte es sich um ein P handeln, der vorletzte sieht
erliche Bevölkerung seltener einen so hohen Besitz- wie ein S oder ein N aus, also NPAV oder SPAV. Da
stand erreicht hat wie bei den Alamannen. Derartige die Averslegenden der regulären byzantinischen Soli-
Gräber finden sich bei den Bajuwaren hauptsächlich di des Iustinianus II. auf PEAV enden, könnte es sich
im Bereich früher Kirchenbauten des 8. Jahrhun- bei der Münze auch um eine langobardische Imita-
derts, was einen gewissen sozialen Konnex zwischen tivprägung handeln. Auch die Gestaltung der Frisur
Ortsadel und Kirche vermuten lässt. und der Gewandung spräche dafür. Langobardische
Wir können also davon ausgehen, dass es sich bei Nachprägungen byzantinischer Münzen waren im 6.
der Ringträgerin des Grabes von Adnet um eine Frau und 7. Jahrhundert außerhalb des Reiches gängige
von höherem sozialem Stand innerhalb der vorwie- Praxis. Die Könige der Langobarden prägten ab ca.
gend bäuerlich strukturierten Gemeinde gehandelt 570 n. Chr. bis Cunincpert (688–700) in Norditalien
hat. Chronologisch wäre das Grab der Gruppe V nach und der Toskana ihre pseudo-imperialen Münzen.79
Werner und der Qualitätsgruppe C nach Christlein Philip Grierson vermutet, dass die Stempelschneider
zuzuordnen, was ungefähr einem zeitlichen Rahmen aus dem Imperium selbst stammten.80 Daneben sind
von 650 bis 700 n. Chr. entspricht. von den langobardischen Herzögen von Benevent und
Spoleto, die sich durch die Initialen ihrer Namen auf
den Münzreversen zu erkennen geben, zahlreiche
Der Münzring aus Adnet Nachprägungen byzantinischer Münzen überliefert.
Bei dem Ring handelt es sich um einen vergoldeten Die Herzöge von Benevent prägten noch im 8. Jahr-
Dreiknotenring aus Buntmetall, der typischen Ring- hundert bevorzugt Solidi und Tremisses des Iustini-
form des 7. Jahrhunderts n. Chr., der von den Franken anus II. nach.
über die Alamannen bis zu den Langobarden verbrei- Die Rückseite der Münze des vorliegenden Ringes
tet war. Er hat einen Durchmesser von 17,5 mm. Die weist allerdings ein merkwürdiges Erscheinungsbild
Münze scheint beschnitten und in eine perlförmige auf. Es sind keine Reste eines Münzbildes erhalten,
Fassung eingepasst worden zu sein; ihr Durchmesser lediglich linienförmige Muster, die vielleicht als

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Abb. 39: Solidus des Iustinianus II. (685–695), unsichere Abb. 40: Solidus des Romuald II. (706–731), Herzog von
italische Münzstätte, DOC 77a. Benevent, MEC 1087 (var.).

Schleif- oder Glättungsspuren gedeutet werden könn- Zeit war der ebenfalls in diesem großen Gebiet be-
ten. Der Ringstab ist an flach gehämmerten Enden an legte Dreiknotenring. Aufgrund der Tatsache, dass
die ›Münzrückseite‹ aufgelötet; die Befestigung er- die Schauseite der Ringe Kaiserporträts zeigt, wurde
folgte nicht – wie bei den anderen genannten Ringen die Verwendung als Herrschaftsabzeichen in Betracht
– mit Y-förmigen, in Voluten auslaufenden Balken. gezogen. Aufgrund patriarchalischer Gesellschafts-
Wegen der völligen Absenz eines Reversbildes dürf- strukturen müsste ihre Verbreitung allerdings auf
ten wir es also nicht mit einer regulären Münze zu tun Männergräber beschränkt sein, doch kommen Münz-
haben, sondern mit einem in Goldblech abgedrückten ringe auch in Frauengräbern vor. Andererseits findet
Solidus. Da für die Verwendung der Schmuckplatte man Münzen gemeinsam mit anderen scheibenförmi-
des Ringes nur eine Münzseite relevant ist, erübrigte gen Objekten aus Edelmetall als Anhänger von Gür-
es sich, auch die Münzrückseite abzuformen. Mit die- telgehängen in Frauengräbern, wie beispielsweise in
sem münzverzierten Goldblech wurde nun eine bron- einem Frauengrab aus Graben-Neudorf (Baden-Würt-
zene Rundscheibe ummantelt und in die Ringfassung temberg)81, wo ein Gehänge aus römischen Denaren,
eingepasst. fränkischen Silbermünzen und gepunzten Silber-
scheiben gefunden wurde. Man verwendete demnach
alles, was einen bestimmten Wert hatte und als Zier-
Fazit objekt für diverse Schmuckgehänge geeignet war.
Zusammenfassend kann Folgendes festgestellt wer- Für den Grabbrauch kamen gemäß der »Prestige-
den: Münzen wurden in der Zeit der Grablegung Ökonomie« diverse Wertgegenstände des oder der
von Adnet nicht als Geld, sondern als Wertgüter und Toten in Frage, die dieser/diese zu Lebzeiten besessen
Schmuckanhänger verwendet. Der Münzvorrat setzte hatte. Es wird davon ausgegangen, dass diese per-
sich aus alten römischen Denaren, aus römischem, sönlichen, Prestige verleihenden Wertgegenstände in
vor allem spätantikem Buntmetall, aus byzantini- der Regel nicht weitergegeben wurden. Daher kamen
schen Goldmünzen, die bis in die Zeit vor 626 n. Chr. sie mit ihrem Besitzer/ihrer Besitzerin ins Grab. Wir
über die Awaren in den Norden und Westen einge- können also die Frau aus dem Grab von Adnet wohl
strömt waren, aus Nachprägungen byzantinischer als einzige Besitzerin des Ringes annehmen. Die Zeit-
Goldmünzen und aus fränkischem Silbergeld zusam- stellung der abgedrückten Münze gibt einen Terminus
men. Alle diese verschiedenen Münzsorten wurden post quem von 685/695 n. Chr. an. Die Schauseite des
auch in Schmuckfunktion verwendet. Ringes zeigt das Porträt des Kaisers en face mit einem
Münzringe sind ein weit verbreitetes Phänomen Kreuz, das dieser in seiner Rechten hält. Das Kreuz
des 7. Jahrhunderts n. Chr.; sie finden sich bei den als christliches Symbol könnte auf die Besitzerin als
Franken, Alamannen, Bajuwaren und Langobarden, Christin beziehungsweise den allgemeinen christ-
also überregional. Von den Awaren kennt man bis- lichen Hintergrund der Bajuwaren ab dem 6. Jahr-
lang keine Münzringe. Die typische Ringform dieser hundert hinweisen und mitunter ausschlaggebend

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gewesen sein für die Verwendung dieser Münzvorla- 1 Höglinger und HaMPel 2009a.
ge. Andererseits könnte man dagegen auch anführen, 2 Zum Charonsobol in Gräbern: gorecKi 1975, 236–247.
dass in dieser Zeit bei den Bajuwaren nicht unbedingt – Literarische Quellen zu Charon und dem Fährgeld:
viele Münzen kursierten und jenes Stück die einzig gorecKi 1975, 191–193; grinder-Hansen 1991; stevens
greifbare Vorlage für den Ring der Frau war. 1991; tHüry 1995. – Herakles nennt dem Dionysos als
Byzantinische Münzen kamen nach 680 n. Chr. Summe für die Fährpassage 2 Obolen (Aristoph.ran.140),
nicht mehr über die Awaren nach Nordwesten, son- die dieser dann an Charon bezahlt (Aristoph.ran.270).
dern eher über die Langobarden, mit denen sowohl 3 stevens 1991, 221. – tHüry 1995, 23.
die Alamannen als auch die Bajuwaren regen Aus- 4 grinder-Hansen 1991, 214. – stevens 1991, 227.
tausch pflegten. Sowohl bei den Langobarden als 5 gorecKi 1975, 194. – grinder-Hansen 1991, 214. –
auch bei den Franken wurden byzantinische Münzen ThesCRA 1, 375.
nachgeprägt. Alamannische oder bajuwarische Nach- 6 gorecKi 1975, 193. – grinder-Hansen 1991, 210–211.
prägungen konnten bis jetzt noch nicht verifiziert 7 Hägg und Fossey 1982.
werden. Münzringe sind sowohl bei den Franken als 8 Urban 1984. – scHacHinger 2006, 66–85.
auch bei den Langobarden belegt. Die Merowinger 9 Vgl. etwa das Brandgräberfeld von Altlußheim (1. bis 3.
verwendeten allerdings zunehmend eigene Münzen Jahrhundert n. Chr.): dreisbUscH 1994.
für ihre Ringe und keine byzantinischen Stücke oder 10 oettel 2000.
deren Nachprägungen, wohingegen bei den Lango- 11 steUer 1970, 146 mit Anm. 3.
barden die Verwendung byzantinischer Imitationen 12 Martin 2000, 243. – Bei den wenigen römischen
länger belegt ist, wie sich am Männergrab von Magn- Münzfunden in germanischen Gräbern der frühen
ano in Riviera zeigt. Kaiserzeit kann man davon ausgehen, dass die Münzen
Wenn man nun für den Ring nicht unbedingt ei- keinen monetären Charakter hatten, sondern wie andere
nen direkten Import aus dem Langobardenreich kon- Objekte als Luxus- oder Importgüter gehandelt wurden.
statieren kann, so ist zumindest festzustellen, dass 13 Siehe dazu: RGA 12, 395–399; Taf. 11–12, s. v. Gom-
sich die ›Mode‹ der Münzringe bei den Bajuwaren mern (M. Becker). – scHUlz 1953.
– ähnlich wie bei den Langobarden – länger gehal- 14 dölle 1991, 172–173.
ten hat. Bei den Alamannen, für deren Ringe keine 15 Protase 1973.
späteren Münzen als jene von Constans II. verwen- 16 gorecKi 1975, 213–278.
det wurden, kamen Münzringe demnach früher aus 17 gorecKi 1975, 276–278. – steUer 1970, 158 mit Anm. 70.
der ›Mode‹. Die Bajuwaren lebten nach Aussagen der 18 von scHnUrbein 1977, 24–25 (Rind, Hund?).
Grabbefunde, die kaum so reiche Ausstattung auf- 19 l ányi 1972, 132–133. – steinKlaUber 2002, 185.
weisen wie jene der Alamannen, in vorwiegend bäu- 20 Martin 1991, 166. – böHMe 1974, 149–152. – Dass
erlichen Strukturen, und die Oberschicht kam nie zu die Übernahme der Obolussitte von der provinzialrö-
einem Reichtum, der sie von der übrigen Bevölkerung mischen Bevölkerung auf die Franken nicht mit dem
so deutlich absetzte wie bei den Alamannen – der Christentum in Verbindung steht, gilt in der Forschung
Münzring aus Adnet besteht aus Bronze und nicht mittlerweile als erwiesen: dölle 1991, 171–172. – Dage-
aus Vollgold, was auf einen bescheideneren Luxus gen noch steUer 1970, 148.
hinweist. Folglich könnten die Bajuwaren die ›Mode‹ 21 Martin 1991, 165, 171.
der Münzringe aufgrund eines gewissen Traditiona- 22 Martin 1991, 169–170.
lismus etwas länger bewahrt haben. Der vergoldete 23 Martin 1991, 168 mit Anm. 63.
Bronzering aus Adnet mit dem Abdruck eines Solidus 24 aoUni 1999.
des Iustinianus II. aus einer italischen Münzstätte ist 25 Müller-wille 1998. – r adnóti-a lFöldi und
jedenfalls das jüngste bis jetzt bekannte Exemplar. stribrny 1998. – Martin 2000.
Als Datierung wird das Ende des 7. und der Beginn 26 Vgl. einen Neufund 2013 aus dem Gräberfeld Salzburg-
des 8. Jahrhunderts vorgeschlagen. Liefering (unpubliziert).
27 steUer 1970, 170–178.
28 Siehe auch Martin 2000, 248. – Auch das alte römi-
sche Buntmetall hatte – wie erwähnt – in dieser Zeit
kaum mehr monetäre Funktion. PoHl 1988, 178–185,
195–199 spricht von »Prestige-Ökonomie«.

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29 Martin 1991, 168 mit Anm. 67. 58 grierson 1968, 14.


30 werner 1935, 132–133. 59 grierson 1968, 15. – Die 22-Siliquen-Stücke wieder-
31 steUer 1970, 150–152. um passten besser zum Syrischen System, an welches
32 Als tributum Petri oder Petrus Penny. dann auch im späten 7. Jahrhundert der arabische
33 Gorecki erwähnt eine Münze aus Grab 538 von Dinar angepasst wurde.
Krefeld-Gellep, die offenbar in einem Bastring gefasst 60 Weitere Belegstücke bei werner 1935, 102–103 (Frau-
war, die Zeitstellung des Grabes und die Datierung der engrab, MIB 63, 610–613 n. Chr.), 105–106 (Doppel-
Münze sind aber nicht bekannt: g orecKi 1975, 211, grab, MIB 63 oder 65, 610–625 n. Chr.). – Diese Stücke
249–250, 363 (Nr. 105). kommen im awarischen Siedlungsgebiet zahlreich vor
34 Kaiseraugst: Martin 1991, 155, 169. – Auch ältere kai- und wurden dort imitiert: soMogyi 2010, 442.
serzeitliche Buntmetallmünzen treten noch häufig als 61 Als Tribut oder Geschenk: PoHl 1988, 209–215.
Anhänger auf; diese Münzen hatten aber schon lange 62 PoHl 1988, 180–181.
keine Geldfunktion mehr. 63 Der größte Teil der Münzen wurde eingeschmolzen, um
35 Martin 2000, 248–249. daraus Prunk- und Luxusgegenstände herzustellen.
36 Aus Grab 160 von Kaiseraugst stammen beispielswei- 64 Siehe auch a Ment 1976, 323–334. Dass Münzringe mit
se 22 gelochte Münzen, die möglicherweise an einem »vielteiligen Gürtelgarnituren« auftreten, ist allerdings
Gürtel befestigt waren: Martin 1991, 155. kein Argument für die Datierung, da diese Garnituren
37 waMser und gebHard 2001, 291, Nr. 183b, Abb. 71. – nach der Prägezeit der Münzen datiert wurden. –
gebHard 2010, 38–39. steFFgen u. a. 1993, 350.
38 werner 1969, 230. 65 beninger und K loiber 1962. – Ich danke Bernhard
39 losert 2003, 288–289 (Eisenkern). Prokisch (Oberösterreichisches Landesmuseum) sehr
40 steUer 1970, 180. herzlich für die Bereitstellung der Fotos dieses Objekts.
41 werner 1935, 59–62 (Gruppe V: 650–700 n. Chr.). – 66 Gorny & Mosch Giessener Münzhandlung, Auktion 212
cHristlein 1966, 84–85. vom 5. 3. 2013, Gewicht 4,48 g.
42 steUer 1970, 149 mit Anm. 32. – Zu awarischen Imita- 67 Dazu a Ment 1965.
tivprägungen: soMogyi 2010. 68 Für die Bestimmungsdaten der Münze danke ich an
43 cHarlier u. a. 1983. – waMser und gebHard 2001, dieser Stelle Bernhard Prokisch sehr herzlich. Laut
291, Nr. 183a. – gebHard 2010, 112–113 (Ziegaus). – Prokisch käme auch der Typ MIB 25 in Frage, und die
Haas-gebHard 2013, 106. Offizinsangabe sei nicht ganz sicher, da sie vom angelö-
44 cHarlier u. a. 1983, 127. teten Y-förmigen Balken teilweise verdeckt wird.
45 cHarlier u. a. 1983, 128. 69 Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Invnr. 10597). –
46 cHarlier u. a. 1983, 127. werner 1935, 101.
47 Abbildung: gebHard 2010, 113. – Vgl. waMser und 70 werner 1935, 103, 117.
gebHard 2001, 291, Nr. 183a. 71 Menis 1990, Abb. X/182.
48 gebHard 2010, 112–113 (Ziegaus). 72 Menis 1990, Abb. X/191c führt einen weiteren goldenen
49 waMser und gebHard 2001, 291, Nr. 183a. Fingerring (Zweiknotenring) aus dem 7. Jahrhundert
50 steFFgen u. a. 1993. mit einem Aureus des Tiberius (14–37 n. Chr.) an. Rö-
51 steFFgen u. a. 1993, 349. misch-kaiserzeitliche Goldmünzen waren also – zwar
52 Abbildung: steFFgen u. a. 1993, Taf. 17. in nicht allzu großer Zahl – noch im frühen Mittelalter
53 Der Ring wurde im Zuge der Auffindung leicht deformiert. in Verwendung.
54 Das Stück befindet sich im Stadtmuseum von Ingol- 73 cHristlein 1966, 84-85. – steFFgen u. a. 1993, 350.
stadt (Invnr. 10003). 74 steFFgen u. a. 1993, 350. – gebHard 2010, 112–113
55 steFFgen u. a. 1993, 351–354. (Ziegaus).
56 Dazu grierson 1968, 10–15. 75 werner 1935, 100–101.
57 Benannt nach der Buchstabenkombination im Abschnitt 76 cHristlein 1973, 156.
des Reverses. – grierson 1968, 12 vermutet, dass BO 77 cHristlein 1973, 160–167.
statt OB die übliche Form wurde, weil man die Bedeutung 78 cHristlein 1973, 172.
von OB – Obryzum oder obryziacum aurum (geläutertes 79 grierson 1968, 60–63.
Gold, Feingold oder als griechisches Zahlzeichen 72 für 80 grierson 1968, 61.
1/72 des römischen Pfundes) vergessen hatte. 81 cHristlein 1978, Taf. 50.

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Unscheinbar und doch spannend


Organische Reste in den frühmittelalterlichen Gräbern
von Adnet und Untereching
K arina gröMer und a ngeliKa rUdelics

Seit jeher nimmt die letzte Ruhestätte eines Menschen organischer Reste – auch in der Ur- und Frühge-
einen besonderen Stellenwert in unserer Gesellschaft schichtsforschung des Alpenraums in den Fokus.
ein. Meist gab es genaue Regeln und je nach Bestat- Besonders Textilien wird bei Ausgrabung, Bergung
tungsritus wurden verschiedenste Grabbeigaben für und Konservierung immer mehr Beachtung ge-
die letzte Reise beigefügt. Neben den menschlichen schenkt. Nicht zuletzt spiegelt sich dies in der Sym-
Überresten selbst findet sich in den frühmittelalter- posiums- und Publikationstätigkeit der Textilarchäo-
lichen Gräbern das übliche Spektrum an Keramik logenvereinigung NESAT1 wider. In Österreich und
und Metallfunden, doch organische Materialien wie Süddeutschland leistete ab den 1960er-Jahren Hans-
Textilien, Leder, Pflanzen und dergleichen vergehen Jürgen Hundt (damals Römisch-Germanisches Zen-
üblicherweise im Boden aufgrund der klimatischen tralmuseum) Pionierarbeit bei der Analyse frühmit-
Bedingungen der mitteleuropäischen Breitengrade. telalterlicher Textilkomplexe. In der Schweiz machte
Hier tritt nun die Textilarchäologie in den Vorder- sich Antoinette Rast-Eicher um die archäologische
grund. Unter den richtigen Bedingungen können sich Textilforschung quer durch die Zeiten verdient.2 An
selbst frühmittelalterliche Textilien erhalten, meist den Landesämtern für Denkmalpflege in Bayern und
nur in Fragmenten, selten jedoch auch als vollständi- Baden-Württemberg herrschen rege Aktivitäten zur
ge Kleidungsstücke oder andere Gebrauchstextilien. Erforschung frühmittelalterlicher Textilfunde3, ins-
Durch Feinstuntersuchungen am Fundobjekt können besondere durch Blockbergungen von Gräbern, die
Rückschlüsse auf textile Techniken der entsprechen- im Labor ausgegraben werden. Erst vor wenigen Jah-
den Zeit gezogen werden, die in Zusammenhang mit ren wurde unter der Ägide von Johanna Banck-Bur-
dem Fundkontext eine Rekonstruktion der verschie- gess ein Schwerpunktprojekt zur Kleiderforschung in
denen Stofflagen und somit weiterführende Interpre- der Ur- und Frühgeschichte ins Leben gerufen. 4 Da-
tationen zulassen. bei wird vor allem der Aussagewert der Primärquel-
In den Gräbern erhielten sich organische Reste vor len, der Textilreste aus Gräbern selbst, herausgestellt.
allem an Metallobjekten anhaftend und geben uns so Bei den in den Jahren 2009 und 2010 vom Bun-
einen Ausschnitt dessen wieder, was zur Zeit der Be- desdenkmalamt durchgeführten Ausgrabungen im
stattung für die Grablegungen verwendet wurde. Bereich der frühmittelalterlichen Gräbergruppen von
Adnet und Untereching in Salzburg wurde trotz der
Bedingungen einer Notbergung großes Augenmerk
Bergung und Untersuchung auf organische Reste gelegt.
der organischen Reste Bei Metallobjekten in Gräbern können sich ge-
Seit über 50 Jahren rückt die archäologische Textil- meinsam mit diesen niedergelegte Textilien (etwa bei
forschung – und mit ihr die Untersuchung anderer Trachtbestandteilen) erhalten, da es an deren Berüh-

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Abb. 41: Textilien aus Adnet in verschiedenen Abbaugraden. a – organische und farbliche Erhaltung Fnr. 6/14
(Katnr. 2.6.12), b – Mineralisierung Fnr. 6/10 (Katnr. 2.6.6), c – torfartige Textilscholle Fnr. 6/9 (Katnr. 2.6.11).

rungspunkten durch Metallkorrosion zu einer dau- der Fäden (s/z; links- beziehungsweise rechtsgedreh-
erhaften Materialkombination kommen kann. Nach te Fäden). Die Textilien von Adnet wurden mit der
der Anreicherung mit löslichen Metallsalzen kann Lupe untersucht, jene aus Untereching mithilfe des
die organische Komponente während der Lagerung DinoLite-Digital Mikroskops bei 30- bis 200facher
im Boden abgebaut werden. Bei dieser ›Mineralisie- Auflösung. Die Faseranalyse an einigen Stücken er-
rung‹ bleiben jedoch nur Textilfragmente erhalten, folgte mit dem Rasterelektronenmikroskop5; botani-
welche sich in unmittelbarer Nähe zum Metall befin- sche Reste wurden am Naturhistorischen Museum
den. Teilweise werden auch separate Textilschollen gesichtet6.
von bereits ›torfartiger‹ Konsistenz geborgen. Der nächste Schritt war die mikrostratigrafische
Vor allem bei der Frauenbestattung in Grab 6/Ad- Zuordnung der einzelnen Textillagen zum Trägerob-
net konnten in vorbildlicher Weise von verschiedenen jekt und zum Körper der bestatteten Person.7 Hierauf
Körperpartien des Skelettes Textilreste unterschied- wurde versucht, die einzelnen Textilfragmente auf-
lichen Abbaugrades geborgen werden. Teils waren grund gemeinsamer Merkmale und vergleichbarer
Gewebe, pflanzliche Reste und auch Lederfragmente Positionen am Körper bestimmten Geweben zuzu-
als mineralisierte Reste an Eisen- und Bronzeobjek- weisen, was vor allem bei Grab 6/Adnet gute Ergeb-
ten erhalten. Diese punktuellen Einblicke ermögli- nisse erbrachte, da ein ungestörter Kontext vorlag.
chen es, die einzelnen Gewebequalitäten im Gesamt- Dabei lassen sich Rückschlüsse sowohl auf Klei-
bereich des Toten zu verfolgen. dungsreste als auch auf andere Textilien, die im Grab-
Da bei mineralisierten Resten – selbst wenn die brauch Verwendung fanden, ziehen. Weiters wurden
organische Substanz vollständig durch Korrosi- auch andere anorganische Reste an den Metallob-
onsprodukte ersetzt ist – doch noch die Struktur jekten dokumentiert. Unter diesen fanden sich auch
erhalten bleibt, können grundlegende textiltechni- Hinweise auf Umwicklungen von Gegenständen oder
sche Merkmale aufgenommen werden. Die Analyse auf Unterlagen, Decken etc.8
erfolgte direkt nach der Ausgrabung am unrestau-
rierten Material, sodass die entsprechenden Krite-
rien ohne überprägende Konservierungsmittel gut Trachtbestandteile und Kleidungsreste
zu sehen waren. Die Untersuchung erfasste vor al- Generell sind die Gewebe aus Adnet und Untereching
lem textiltechnische Merkmale jedes einzelnen Tex- sehr fragmentiert und haben keine Gewebekanten oder
tilfragmentes wie die Bindungsart, die Garnstärke Nahtreste. Bei den kleinen Textilresten, die als Aus-
(Fadendurchmesser), die Gewebedichte (Anzahl der schnitte der einst im Grab befindlichen flächigen Stof-
Fäden pro Zentimeter; wenn die Ausschnitte zu klein fe überliefert sind, ist die Funktion nur in Verbindung
waren, wurde sie hochgerechnet), die Drehrichtung mit dem anhaftenden Objekt zu klären – vor allem,

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wenn die Stücke als Trachtbestandteile die Aufgabe se zu weltlicher Kleidung, besonders von Personen
hatten, Kleidungsstücke am Körper zu fixieren oder höherer Gesellschaftsschichten. Als Beispiele seien
diese zu schmücken. die Beschreibungen der fränkischen Kleidung in der
Textilien – vor allem auch Kleidungsstücke – in Vita des Bischofs Gregor von Tours aus dem ausge-
Gräbern wurden stets bewusst ausgesucht. So spie- henden 6. Jahrhundert oder in der Biografie Karls
geln sie einerseits die Grabsitten und Glaubensvor- des Großen von Einhard (825/826) genannt.
stellungen, andererseits aber auch den sozialen und Die Quellenkritik – also die Abwägung, ob die
wirtschaftlichen Status sowie verschiedene Tradi- Bild- und Schriftzeugnisse, die mit einem bestimm-
tionen wider. Kleidungsstücke in Gräbern müssen ten Sinngehalt gekoppelt sind, überhaupt Alltagsbe-
also nicht zwangsläufig das zu Lebzeiten getragene zug haben und ein wirklichkeitsgetreues Bild dar-
Gewand repräsentieren. Trotz dieser methodischen stellen – ist hier aber auf jeden Fall notwendig.10
Vorbehalte soll hier versucht werden, die Textilla-
gen aus drei Gräbern unter Hinzuziehung unseres Adnet, Grab 4
Wissens zu frühmittelalterlicher Kleidung zu deu- In diesem Grab fand sich die Körperbestattung einer
ten. Frau in gestreckter Rückenlage. Sie trug neben einem
Wichtige Hinweise zur Kleidung im Frühmittel- einfachen Drahtohrring und einem eisernen Messer
alter bieten Bild- und Schriftquellen, die von Mecht- am linken Oberschenkel eine Kette aus unterschied-
hild Müller zusammengestellt wurden.9 So werden lich gefärbten Glas(pasten)- sowie Metallperlen. Eine
etwa die Darstellungen aus dem Stuttgarter Psalter Bronzeschnalle fand sich im Beckenbereich.
(ca. 820–830) oder dem Utrechter Psalter (um 825) In einer Metallperle vom Halsbereich hat sich der
herangezogen. An Schriftquellen liefern vor allem Rest des 0,4 mm starken S-Flachszwirns erhalten,
verschiedene Viten und Gedichte wertvolle Hinwei- mit dem die Kette gefädelt wurde.

Abb. 42: Adnet, Grab 4. Glasperlenkette und Metallperle mit Faden.

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Vom Eisendorn der Bronzeschnalle im Beckenbe-


reich konnten ebenso Textilreste geborgen werden.
Es handelt sich um mehrlagige Reste eines leinwand-
bindigen Gewebes, dessen Rohmaterial nicht be-
stimmbar ist. Für die Herstellung des Stoffes wurden
in Kette und Schuss je 0,2 mm z-Garne verwendet,
die mit einer (hochgerechneten) Gewebedichte von
16 bis 18 Fäden/cm ein relativ dichtes Textil ergeben.
Die stark fragmentierten Gewebeteile von der
Schnalle können aufgrund ihrer Position und des
funktionalen Gebrauches des Trachtbestandteiles
wohl als gegürteter Gewandteil gewertet werden, der
im Bereich des Gürtels gebauscht wurde und in Fal-
ten zu liegen kam, wodurch die Mehrlagigkeit erklär-
bar wäre.

Adnet, Grab 6
Die um 700 n. Chr. datierte Frauenbestattung enthielt
neben einer kräftig profilierten römischen Fibel eben-
falls eine Halskette aus Glas- und Silberperlen mit
zwei runden Anhängern. Die Tote trug einen massi-
ven Kolbenarmreif am rechten Handgelenk und einen
Fingerring sowie ein Ensemble von vier Bronzeringen
unterschiedlicher Größe und Formgebung am Gürtel.
An den Unterschenkeln fanden sich eine kleine eiser-
ne Schnalle und Riemenzungen aus Bronzeblech.
In Grab 6 konnten an verschiedenen Stellen am
Skelett Textilreste entdeckt werden, die teils an me-
tallenen Trachtbestandteilen hafteten, teils aber auch
als separate Textilschollen geborgen wurden. Bei der
Gewebeanalyse wurden mindestens vier verschiede-
ne Stoffe (Gewebe a–d) identifiziert, deren Fragmen-
te teils über mehrere Positionen am Körper verfolgt
werden können und die aufgrund ihrer textiltechni-
schen Charakteristika als ehemals zusammengehörig Abb. 43: Adnet, Grab 6. Identifizierung verschiedener
Gewebe im Grab (schematisierte Darstellung).
erkannt wurden.
Im Halsbereich wurde ein sehr kleiner Rest (Ge-
webe a) eines mittelfeinen leinwandbindigen Stof-
fes (Fnr. 6/13 = Katnr. 2.6.4) dokumentiert, der aus
0,3 mm bis 0,4 mm s-Garnen gefertigt wurde. Die
Gewebedichte ist aufgrund der Kleinheit des Stückes Am Körperbereich zwischen Brustkorb und Knie
nicht auszählbar. Die exakte Lage zum Körper ist bei sind an vier Positionen gleichartige Textilfolgen zu
diesem Fragment nicht bekannt; auf dem Fundzettel beobachten. Es handelt sich jeweils um verschiede-
ist lediglich »bei Silberanhänger« vermerkt. Mögli- ne Eisen- und Bronzefragmente, Beschläge etc. ei-
cherweise befand es sich an einem dem Körper zuge- nes Gürtels (?), an denen sich mehrlagige Textilreste
wandten Bereich des Anhängers. fanden. Die obersten (körperfernen) Lagen bildet ein
Wie bei Grab 4 wurden auch in Grab 6 in einer feiner Leinenstoff (Gewebe b) aus 0,2 mm Garnen
Metallperle (Fnr. 6/2 = Katnr. 2.6.2) Fadenreste der s/z und Gewebedichten um 16 bis 18 Fäden/cm. Der
Halskette entdeckt. Diese besteht ebenso aus 0,4 mm Stoff ist an den verschiedenen Fragmenten zwei- bis
S-Zwirn aus Flachs. dreilagig erhalten.

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Abb. 44: Adnet, Grab 6. Mikrostratigrafie der Textillagen bei Kolbenarmring Fnr. 6/5 (Katnr. 2.6.7).

Mikrostratigrafisch darunter konnte bei Fnr. 6/5 Im Beinbereich, genauer an den Unterschenkeln
und 6/7 (= Katnr. 2.6.7, 2.6.9) jeweils direkt am Trä- der bestatteten Frau, wurden sowohl einschlägige
gerobjekt das gröbere leinwandbindige Textil Gewebe Trachtbestandteile (kleine Schnalle und Riemenzun-
c entdeckt werden. Dieses lässt sich sowohl in der Fa- gen) mit erhaltenen Textilresten identifiziert als auch
denstärke mit 0,3 mm bis 0,4 mm als auch in der Fa- mehrere torfartige Brocken mit stark abgebauter or-
dendrehung (s-Garne in beiden Fadensystemen) und ganischer Substanz geborgen. Diese können mit den
der Gewebedichte (ca. 10–12 Fäden pro cm) klar von mineralisierten Textilresten auf den Trachtbestand-
Gewebe b unterscheiden. teilen in Verbindung gebracht werden. An den beiden
Das gröbere Gewebe c fand sich im Fall des Ringes Riemenzungen Fnr. 6/9 und 6/14 (= Katnr. 2.6.11,
und des Beschlages Fnr. 6/7 (= Katnr. 2.6.9) auch auf 2.6.12) wurde jeweils auf der Schauseite am oberen
der dem Körper zugewandten Seite. Bei den im obe- Ende ein feines leinwandbindiges Textil aus hell na-
ren Beckenbereich aufgefundenen Eisenfragmenten turfarbenem Material entdeckt. Es entspricht in sei-
Fnr. 6/4 und 6/10 (= Katnr. 2.6.5, 2.6.6) wurden un- nen textiltechnischen Merkmalen dem Gewebe b.
ter den mehrlagigen feinen Leinenresten von Gewebe Beim anderen Bein wurde die Eisenschnalle Fnr.
b Korrosionsreste entdeckt, die für eine konkretere 6/8 (= Katnr. 2.6.10) entdeckt, an deren Oberseite sich
Bestimmung bereits zu stark vergangen waren. Ver- ebenfalls die feinere s/z-Leinwandbindung des Gewe-
mutlich handelte es sich aber um das gröbere Textil bes b fand. Auf der Rückseite der Schnalle konnten
Gewebe c. Obwohl Gewebe c ähnliche Gewebecha- Reste einer dichten Leinwandbindung (Gewebe d)
rakteristika aufweist wie Gewebe a im Halsbereich, mit 0,2 mm bis 0,3 mm starken Garnen und einer
erscheint es aufgrund der Distanz der Positionierun- Gewebedichte von ca. 16 bis 18 Fäden/cm identifiziert
gen als fraglich, diese Fragmente in direkten Zusam- werden. Das textiltechnische Detail der Verwendung
menhang zu bringen. von z-gedrehten Garnen in beiden Fadenrichtungen

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Abb. 45: Adnet, Grab 6. Mikrostratigrafie der Textillagen bei Gürtelelement Fnr. 6/7 (Katnr. 2.6.9).

erlaubt es, dieses leinwandbindige Gewebe von jenem gehört haben. Der am nächsten zum Körper getragene
auf der Oberseite der Schnalle und der Riemenzun- Stoff (Gewebe c) ist jenes gröbere Leinen mit 0,3 mm
gen sowie von dem Gewebe b im Beckenbereich ab- bis 0,4 mm starken s-Garnen und einer Dichte von 10
zugrenzen. Ein weiteres organisches Detail an der bis 12 Fäden/cm. Es tritt im Oberschenkelbereich an
Schnalle sind die Lederreste des Riemens, die sich den Rückseiten (dem Körper zugewandten Seiten) von
ebenso erhalten haben. ›Gürtelelementen‹ und dem Bronzering sowie auch
Die Textilreste aus Grab 6 dürften nach den der- als Schicht direkt auf der Objektoberseite (beim Ring
zeitigen Forschungen generell zu Kleidungsstücken um die Kante gehend) auf. Diese Lage deutet auf ein

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Abb. 46: Adnet, Grab 6. Schnalle Fnr. 6/8 (Katnr. 2.6.10) mit Schema.

gegürtetes Untergewand hin. Ab der zweiten Hälfte bes ist eventuell dahingehend zu deuten, dass es sich
des 5. Jahrhunderts wird ein tunikaartiges, gegürtetes um ein stark gefälteltes beziehungsweise gebauschtes
Gewand für Männer und Frauen zum wichtigsten Klei- Obergewand gehandelt hat – wie auch immer dieses
dungsstück, das sich bis in das Hochmittelalter hält.11 beschaffen war. Handelt es sich nun um eine über der
Ob das formal ähnliche Gewebe a vom Halsbereich zu Untertunika (im Frühmittelalter camisia12 genannt)
diesem tunikaartigen Untergewand oder zu einem an- getragene weitere ›Obertunika‹ oder um einen man-
deren Kleidungsstück gehörte, ist aufgrund der unkla- telartigen faltenreichen Umhang (nach frühmittelal-
ren mikrostratigrafischen Lage nicht zu entscheiden. terlichen Quellen palla oder clamis13)? Beides ist von
Als körperferne Kleidungsschicht ist das feinere Frauendarstellungen des 6. bis 9. Jahrhunderts, etwa
und dichtere (0,2 mm starke sz-Garne, Gewebedich- auf dem Stuttgarter Bilderpsalter, bekannt.14 Da sich
te 16–18 Fäden/cm) Gewebe b zu fassen. Die an allen Gewebe b auch auf der Riemenzunge und der kleinen
Positionen feststellbare Mehrlagigkeit dieses Gewe- Schnalle am Unterschenkel fand, ist belegt, dass die-

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ses feine Obergewand bis zu den Knöcheln gereicht xierte Lederstreifen zu erkennen; sie gehörten defi-
hat. Dieses Detail deckt sich mit einer frühmittelalter- nitiv zur Strumpfbindegarnitur. Die Lederriemen an
lichen Schriftquelle, einer Stelle aus der lex Alaman- der Schnalle sind anhand des mikrostratigrafischen
norum, die einem Straftäter eine Buße von 6 Schillin- Befundes über Gewebe d getragen worden. An der
gen androht, wenn er das Kleid einer Frau hebt und Schnalle ist dieses Gewebe mindestens zweilagig er-
sie bis zu den Knien entblößt.15 Eine derartige Strafe halten – die Mehrlagigkeit überrascht bei (gewickel-
wäre nur bei langen Gewändern und einem dement- ten) Beinlingen nicht.
sprechenden Tabu, als Frau ›Bein zu zeigen‹, sinnvoll. Die Riemen der frühmittelalterlichen Beinbeklei-
Die Textilreste (Gewebe d) von der Rückseite der dung waren nicht nur aus Leder wie in unserem Be-
Schnalle im Unterschenkelbereich setzen sich durch fund, sondern konnten auch sehr luxuriös gestaltet
ihre Struktur klar ab. Durch die Positionierung am sein. In einem reichen frühmittelalterlichen Män-
Körper sind sie als Teil der Beinbekleidung zu inter- nergrab in Straubing-Alburg16 fanden sich einander
pretieren. Für das Frühmittelalter kommen bei der überkreuzende Riemen aus Stoffbändern, die mit
Frauentracht Strümpfe, Gamaschen oder Beinwickel Goldfäden gestaltet waren.
in Betracht, die von Riemen mit Schnallen und Rie-
menzungen gehalten wurden. Beim Befund von Grab Untereching, Grab 1
6 aus Adnet sind die Riemen aus feinporigem Leder Bei Grab 1 handelt es sich um die Körperbestattung
an der Schnalle als in situ und funktional liegende, eines Mannes im Alter von 61 bis 80 Jahren, die in
durch die Schnalle gezogene und mit dem Dorn fi- das 7. Jahrhundert datiert wird. Da das Grab durch

Abb. 47: Untereching, Grab 1. Schnalle Fnr. 1/3 (Katnr. 1.1.2) mit Textillagen und Mikrostratigrafie.

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Schotterentnahmen teilweise verlagert und somit haftet, handelt es sich um das ›gegürtete Gewand‹,
rezent gestört wurde, ist die Originallage der Funde also vermutlich um ein Obergewand wie ›Kittel‹ oder
unbekannt, was die Rekonstruktion der im Grab ent- Tunika.17
haltenen Textilien erschwert. Gewebe C hat sich an der Rückseite erhalten. Das
Das einzige Fundstück bildet eine Gürtelschnalle, etwas gröbere Gewebe zeigt starke Abnutzungsspu-
an deren Vorder- und Rückseite sich vier verschiede- ren sowie Nahtreste. Es wurde unter dem gegürteten
ne Gewebereste durch Mineralisierung erhalten ha- Gewand getragen und stammt womöglich von einer
ben: Das mehrlagige Gewebe A als oberste Lage an Hose oder dergleichen.
der Vorderseite ist leinwandbindig, in beide Richtun- Bei Gewebe D dürfte es sich um die körpernächste
gen aus z-gesponnenem Garn in 0,3 mm bis 0,5 mm Schicht handeln. Die Funktion des sehr feinen Gewe-
Stärke und 10 bis 12 Fäden/cm gefertigt. bes ist allerdings unklar.
Gewebe B ist etwas feiner und weist in einem Fa-
densystem Spinnrichtungsmuster in abwechselnden
Paaren von s- und z-Garn auf; das andere Faden- Textilien an Messerklingen
system besteht rein aus z-Garnen. Das Gewebe ist
in Leinwandbindung mit Fadenstärken zwischen Untereching, Grab 5
0,4 mm und 0,6 mm bei einer Dichte von 15 bis 24 In Grab 5 wurde eine Frau im Alter zwischen 35 und
Fäden/cm gewoben. 45 Jahren bestattet. Unter den erhaltenen Beigaben
Das stark abgenutzte Gewebe C befindet sich – eine Glasperlenkette, Ohrringe und ein Kamm-
auf der Rückseite der Schnalle und ist ebenfalls fragment – befand sich auch ein Eisenmesser (Fnr.
in Leinwandbindung gehalten, hat allerdings eine 5/5 = Katnr. 1.5.5) von 11,8 cm Länge, an dem sich
ripsartige Struktur. Es ist mit s- und z-Garnen von verschiedene organische Reste erhalten haben. Das
0,4 mm bis 0,6 mm Stärke bei 10 beziehungsweise Messer lag im Bereich des rechten Unterschenkels,
22 Fäden/cm gewoben, wodurch sich in beiden Fa- mit der Spitze in Richtung der Füße und dem Mes-
densystemen ein Spinnrichtungsmuster ergibt, bei serrücken körperfern ausgerichtet. Das Messer wies
dem sich allerdings keine Regelmäßigkeit erkennen noch Holzreste am Angelansatz – die Überreste des
lässt. Zusätzlich sind an Gewebe C auch Nahtres- Holzgriffes – auf. Neben Lederresten an der Klinge
te in Form eines Nähfadens erhalten, welcher aus und teilweise im Angelbereich konnten zwei verschie-
0,4 mm starkem Z-Zwirn besteht und das Gewebe dene Textilfragmente festgestellt werden.
in einer Schlaufe durchdringt. Gewebe A befindet sich im mittleren Drittel des
Das sehr feine Gewebe D, welches sich ebenfalls Messerrückens zwischen Leder und Metall. Es ist
auf der Rückseite erhalten hat, ist mit Garnen von fein in Leinwandbindung mit Garnen von 0,3 mm bis
0,1 mm bis 0,2 mm Stärke und einer Dichte von 50 0,4 mm Stärke gewoben. Gewebe B, ebenfalls eine
Fäden/cm gefertigt. Leinwandbindung, ist feiner (0,2 mm bis 0,3 mm star-
Wie bereits erwähnt, fand sich die Schnalle nicht ke Garne) und nur in sehr geringen Resten erhalten.
in Originallage. Die Schichtung der Textilien spricht Die Lederreste lassen sich als lederne Messer-
jedoch dafür, dass sich hier in der Mikrostratigrafie scheide interpretieren. Gewebe A zwischen Leder-
der ursprüngliche Kontext konserviert hat. Unter der scheide und Klinge dürfte zum funktionalen Aufbau
Annahme, dass die Gürtelschnalle einst in Trachtlage der Scheide gehören, also eine textile Innenpolste-
korrekt niedergelegt wurde, sind doch – mit Vorbe- rung gebildet haben. Das feine Gewebe B außen an
halt – einige Überlegungen möglich. der Lederscheide lässt Raum für verschiedene Inter-
Gewebe A befindet sich auf der Vorderseite im Be- pretationen. Die Fundsituation zeigt, dass der Mes-
reich des Gürteldorns. Das offene Warenbild und die serrücken, in dessen Bereich sich Gewebe B erhalten
lockere Faltenlegung lassen darauf schließen, dass es hat, dem Körper abgewandt gelagert war. Es kann
sich um ein umschließendes Textil wie einen Mantel sich also nicht um ein Fragment der Beinbekleidung
oder ein Leichentuch gehandelt haben könnte. handeln. Das Textil kann jedoch von einer Umwick-
Das dichtere und mit feinerem Faden gewobene lung der Messerscheide oder einem anderen Textil-
Gewebe B liegt direkt am Metallobjekt auf und um- rest im Grab (Leichentuch etc.) stammen. Leider wa-
schlägt die Kante ebenfalls in mehreren Lagen. Da es ren keine weiteren Textilfunde im Grab erhalten, was
direkt an der Vorder- und der Rückseite der Schnalle eine Eingrenzung erschwert.

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Abb. 48: Untereching, Grab 5. Eisenmesser Fnr. 5/5 (Katnr. 1.5.5) mit Textillagen und Mikrostratigrafie.

Untereching, Grab 8 (SE 10) Vergleiche zu den Textilien an Messerklingen


Bei der Primärbestattung in Grab 8 handelt es sich Um den Transport und die Aufbewahrung eines
um einen Mann im Alter zwischen 31 und 50 Jah- schneidenden Werkzeugs zu erleichtern, gab es schon
ren, der zusammen mit verkohlten Holzresten eines sehr früh verschiedene Formen von Messer- oder
Sarges oder ausgehöhlten Baumstammes gefunden Dolchscheiden. Der Aufbau richtet sich hier wohl
wurde. Im Fußbereich wurde ein Eisenmesser von nach Wert, Funktion und natürlich auch den vorhan-
16 cm Länge geborgen (Fnr. 10/3 = Katnr. 1.8.2), bei denen Materialien.
dem sich auch zwei lose Textilfragmente derselben Der älteste in Europa nachgewiesene Fund einer
Machart fanden. Das mittelfeine Gewebe ist aus s/z- Messer- beziehungsweise Dolchscheide ist das aus
Garn in Leinwandbindung mit einer Fadenstärke von Lindenbast in Zwirnbindungstechnik hergestellte
0,5 mm bis 0,6 mm und einer Dichte von 12 bis 13 Objekt der kupferzeitlichen Gletschermumie aus den
Fäden/cm gewoben. Da das Grab aber durch Bagge- Ötztaler Alpen, welche in den Zeitraum zwischen
rungen rezent gestört und teilweise verlagert war und 3350 und 3120 v. Chr. datiert wird.18 Messerscheiden
das Gewebe nicht mehr am Trägermaterial anhaftet, aus Leder sind auch aus der La-Tène-Zeit belegt, bei-
ist kein mikrostratigrafischer Kontext gegeben, der spielsweise aus dem Salzbergwerk am Dürrnberg bei
Raum für Interpretationen zulassen würde. Hallein.19 Es handelt sich dabei um ein fragmentiert

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erhaltenes Lederobjekt, welches vom Bearbeiter als chen Friedhofs von Baar-Fruebergstrasse (Schweiz).
Messerscheide angesprochen wurde. Für Lederschei- Hier wurden insgesamt 34 Messer gefunden, welche
den in Kombination mit Textilresten finden sich in den Gräbern entweder in Textilien eingewickelt, in Ta-
Österreich Vergleichsfunde aus spätantiken Gräbern schen verwahrt oder in Lederscheiden beigefügt wur-
in Tulln oder Mautern.20 Auch bei diesen Funden lie- den. Wie bei dem Objekt von Untereching reichen die
fern Gewebe direkt an der Klinge unter Leder- oder Lederscheiden von Baar jeweils mindestens 1 cm über
Holzschichten den Nachweis dafür, dass Textilien für den Holzgriff und weisen ähnliche Formen auf.23
den technischen Aufbau von Messerscheiden in Form
eines Innenfutters herangezogen wurden.
Textilien an der Außenfläche der Lederscheide kön- Das Grab 2 von Untereching mit Stroh-
nen nicht mit Sicherheit als Teil dieses technischen polsterung und Textilresten
Aufbaus interpretiert werden, da immer die Möglich- Die Körperbestattung eines Mannes im Alter zwi-
keit einer Umwicklung oder eines Kleidungsrestes be- schen 51 und 70 Jahren wurde rezent so nachhaltig
steht, die sich auf diese Weise erhalten haben. gestört, dass die originale Fundlage nicht mehr fest-
Textile Umwicklungen oder Umhüllungen von zustellen war; die Funde waren wahllos in der Grube
schneidenden Werkzeugen und Waffen als Grabbei- verstreut. Es sind jedoch diverse organische Schich-
gaben waren bereits in der Eisenzeit Europas üblich.21 ten an Metallobjekten erhalten, deren Abfolge zum
So finden sich sehr oft an Messern ankorrodierte Tex- Deponierungszeitpunkt durch die darauffolgenden,
tilreste, so etwa in dem La-Tène-zeitlichen Grab 7 von über einen längeren Zeitraum andauernden Korrosi-
Bučany (Slowakei).22 Ein zum Befund von Untereching onsprozesse abgebildet wurde.
zeitgleiches Beispiel für derartige organische Lagen an Auf einem bronzenen Zierniet (Fnr. 2/11 = Katnr.
Messern bilden die Grabfunde des frühmittelalterli- 1.2.4) ist ein Textilfragment in Leinwandbindung er-

Abb. 49: Untereching, Grab 2.


Riemenzungen Fnr. 2/4 (links) und 2/10 (Katnr. 1.2.6.a, 1.2.6.d) mit organischen Schichten und Mikrostratigrafie.

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halten. Das sehr feine Gewebe mit einer Dichte von ment an der Oberseite erhalten. Das leicht verzogene
20 bis 30 Fäden/cm zeichnet sich durch abwechselnd Gewebe ist mit Garnen von ca. 0,2 mm Stärke und
s- und z-gedrehte Garne (0,2–0,3 mm) in beiden Fa- einer Dichte von ca. 12 Faden/cm gewoben.
denrichtungen aus, in dem dadurch entstehenden Bei den Objekten Fnr. 2/4, 2/8, 2/10 und 2/12 (Kat-
Spinnrichtungsmuster ist jedoch keine Regelmäßig- nr. 1.2.6.a, 1.2.6.c–e) handelt es sich um eiserne Rie-
keit zu erkennen. Die ungeklärte Lage lässt leider kei- menzungen, an denen sich zahlreiche mineralisierte
ne weitere Interpretation zu. Schichten aus organischen Resten erhalten haben.
Auf einer eisernen Riemenschlaufe (Fnr. 2/14 = Direkt am Eisenobjekt, an der Vorderseite (körperfer-
Katnr. 1.2.6.f) hat sich neben Lederresten an der In- ne Seite?) anhaftend, befindet sich das grobe wollene
nenseite auch ein feines leinwandbindiges Textilfrag- Gewebe B in Leinwandbindung mit z-Garnen von

Abb. 50: Untereching, Grab 2.


Riemenzunge Fnr. 2/8 (links) und 2/10 (Katnr. 1.2.6.c, 1.2.6.e) mit Details zur pflanzlichen Auflage
(DinoLite 50x und Rasterelektronenmikroskop).

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0,3 mm bis 0,7 mm Stärke in einer Dichte von 8 bis Fazit


10 Fäden/cm. Das noch gröbere Wollgewebe A liegt Durch das Studium von organischen Überresten
mikrostratigrafisch in zwei Lagen auf Gewebe B und können sehr viele zusätzliche Informationen ge-
bildet eine Falte. Spinnrichtungsmuster sind in eine wonnen werden, die unser Bild frühgeschichtlicher
Richtung gegeben: Ein bis vier Fäden verschiedener Bestattungen wesentlich ergänzen. Natürlich ist die
Drehrichtung wechseln in unregelmäßiger Abfolge. Textilarchäologie hier sehr stark von den Ausgräbern
Die Garne mit einer Stärke von 0,7 mm bis 1,3 mm abhängig, welche darauf achten müssen, dass organi-
sind in einer Dichte von 8 bis 13 Fäden/cm gewoben. sche Artefakte bemerkt und – entsprechend geborgen
Weiters sind die Textilreste von einer ca. 1 cm dicken – zu Analysezwecken weitergereicht werden. Mit er-
Schicht aus strohähnlichem Material (wahrscheinlich weiterter Datenbasis auch zu österreichischen Fund-
Süßgräser) bedeckt.24 orten ist es möglich, weitere Vergleiche zwischen den
Auf dem Objekt Fnr. 2/4 haben sich auf der Rück- Einzelfunden anzustellen.
seite zwei zusätzliche organische Schichten erhalten: Aus Adnet und Untereching liegen großteils lein-
Auf einer Lederschicht, welche sich direkt am Metall wandbindige Stoffe feiner Qualität vor; an den Rie-
befindet, konnte ein weiteres Textilfragment festge- menzungen von Grab 2/Untereching finden sich
stellt werden. Gewebe C ist etwas feiner, mit Faden- auch gröbere leinwandbindige Textilien. Von diesem
stärken zwischen 0,5 mm und 0,6 mm und einer Fundort gibt es auch Nachweise von Spinnrichtungs-
Dichte von 10 bis 12 Fäden/cm. Im Gegensatz zu Ge- mustern in einem und beiden Fadensystemen, zudem
webe A und B handelt es sich hierbei um ein gröberes Köperbindung.
Textil in Köperbindung 2 : 2. Die in Adnet bezeugten einfacheren leinwandbin-
Durch die Störung des Grabes ist eine Deutung der digen Stoffe sind in frühmittelalterlichen Gräbern
organischen Schichten erschwert, doch wird durch des 6. bis 8. Jahrhunderts keine Seltenheit, wenn-
die Mikrostratigrafie der originale Kontext abgebil- gleich im alamannisch-bajuwarischen Kontext, vor
det und kann unter Vorbehalt für die Interpretation allem in den frühmittelalterlichen Reihengräberfel-
herangezogen werden. Die vorhandene Lederschicht dern Süddeutschlands28, auch andere Köperbindun-
kann eindeutig als Riemen des Gürtels angesehen gen und Musterungen wie Struktur- oder Spinnrich-
werden. Bei den Geweben A, B und C ist unklar, ob tungsmuster auftauchen. In geografischer Nähe zu
sie als Decken oder teilweise als Kleidungsrest, Lei- den Salzburger Fundorten Adnet und Untereching
chentuch etc. interpretiert werden können. sind beispielsweise Rudelsdorf und Schwanenstadt
Die vergleichsweise dicke Schicht aus pflanzlichem (Oberösterreich)29 sowie Straubing und Altenerding
Material dürfte vermutlich eine Polsterung oder (Bayern)30 aufzuzählen.
Strohlegung darstellen, wie sie bereits aus vergleich- In den frühmittelalterlichen Gräbern von Adnet
baren Gräbern dieser Zeit bekannt ist. Das Textil A und Untereching sind nicht nur Textilreste erhalten,
direkt am Stroh könnte eine dieses bedeckende De- die sich als Überreste von Kleidung interpretieren
cke, eventuell sogar ein ›Matratzenstoff‹ sein. lassen, sondern auch das textile Innenfutter einer le-
Strohpolsterungen scheinen im süddeutsch- dernen Messerscheide, dazu diverse Umwicklungen/
schweizerischen Raum im 7. Jahrhundert durchaus Umhüllungen von Gegenständen.
geläufig zu sein.25 So wurden im Gräberfeld Baar- Leder ist an Schnallen und Riemenzungen erhal-
Fruebergstrasse (Schweiz) in vier Frauengräbern ten, wo es als Überrest der ledernen Riemen iden-
Reste von Blättern, Gras und Stroh entdeckt, welche tifizierbar ist und mit den Metallgegenständen eine
ausnahmslos unter den Objekten lagen und daher als funktionale Einheit bildet. Das Leder an der Klinge
Matratze oder Unterlage für den Leichnam gedient eines Messers hingegen ist wohl der Rest der leder-
haben dürften.26 In Grab 58 von Trossingen (Deutsch- nen Messerscheide.
land) erhielt sich ebenfalls pflanzliches Material in Besonders die Strohreste aus Grab 2/Untereching
Form von Süßgrashalmen als dicke Pakete, teils direkt geben einen interessanten Einblick in die frühmit-
auf den Bettbrettern. Hier wird ebenfalls vermutet, telalterlichen Bestattungssitten, zeugen sie doch von
dass diese als Füllungen einer Unterlage (Matratze) einer Strohstreuung beziehungsweise strohgepols-
oder als Grabeinstreuung verwendet wurden.27 terten Unterlage, auf die der Tote gebettet wurde.
Bedauerlicherweise sind gerade die Grabkontexte
mit den spannenden organischen Schichtungen von

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Untereching stark rezent gestört. Ein Blick auf die 1 Nordeuropäisches Symposium für Archäologische Tex-
Forschungen in der Schweiz, in Bayern und in Ba- tilien – North European Symposium for Archaeological
den-Württemberg, wo mit Blockbergungen ganzer Textiles (www.nesat.de).
Gräber gearbeitet wird31, zeigt die Möglichkeiten der 2 Siehe z. B.: r ast-eicHer 2002; r ast-eicHer 2010.
Analyse organischer Strukturen in frühmittelalterli- 3 Zum Umgang mit mineralisierten Strukturen auf
chen Gräberfeldern. Metallen und Möglichkeiten der Bergung siehe zuletzt:
nowaK-böcK 2010.
4 bancK-bUrgess 2008.
5 Herzlichen Dank an Andreas Kroh (Naturhistorisches
Museum Wien, Geologisch-Paläontologische Abteilung).
6 Herzlichen Dank an Johannes Walter (Naturhistori-
sches Museum Wien, Botanische Abteilung).
7 Vgl. zur Methodik: Hägg 1989.
8 Vgl. etwa die Interpretation der Textilien aus Schleitheim
(Schweiz; 5.–7. Jahrhundert n. Chr.):
r ast-eicHer 2002, 217–230. – Eltville: MitscHKe 2001.
9 Müller 2003.
10 Siehe z. B. bancK-bUrgess 2008, 23. – Vgl. dazu auch:
r ast-eicHer und bUrzler 2002, 389–399.
11 bancK-bUrgess 2000, 611.
12 Müller 2003, 96.
13 Müller 2003, 96–97.
14 Vgl. dazu die Diskussion der Bildquellen bei
r ast-eicHer und bUrzler 2002, 393–401 (zum Stutt-
garter Psalter bes. 395–397).
15 Lex Alamannorum, 125.
16 bartel 2007, bes. Abb. 2–4; Rekonstruktion: Abb. 7.
17 bancK-bUrgess 2000, 611.
18 egg und sPindler 2009, 124–130, Abb. 72.
19 stöllner 2002, 241.
20 gröMer 2014, Abb. 92–93.
21 bancK-bUrgess 1999, 23–28.
22 belanová-Štolcová 2012, 307, Abb. 15/1.
23 r ast-eicHer 2010, 151.
24 Freundlicher Hinweis Johannes Walter
(Naturhistorisches Museum, Wien).
25 Freundliche Hinweise von Britt Nowak-Böck, Christina
Peek, Antoinette Rast-Eicher und Nicole Reifarth (2013).
26 r ast-eicHer 2010, 160–163.
27 Freundlicher Hinweis Britt Nowak-Böck (2013).
28 Umfassende Zusammenstellung:
bender Jørgensen 1992, 68–78.
29 HUndt 1977. – HUndt 2002.
30 Straubing: HUndt 1993. – Altenerding: HUndt 1996.
31 nowaK-böcK 2010. – r ast-eicHer 2010. –
r eiFartH 2011. – PeeK 2013.

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Katalog

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Gräberkatalog
Ulli HaMPel

Die anthropologischen Bestimmungen wurden von Silvia Renhart vorgenommen. Die Beschreibungen der
Textilreste stammen von Karina Grömer und Angelika Rudelics, alle Befund- und Fundbeschreibungen von
der Verfasserin.

1. St. Georgen-Untereching Senilis (61–80 Jahre), H. 177,5 cm (groß); Reiterfacetten an


Zum Zeitpunkt der Ausgrabung war die Humus- den Femurköpfen, massive Alveolenverschlüsse und starke
auflage auf der Fläche bereits entfernt worden, für Porosierungen am harten Gaumen, mittelstarke bis starke
die Bestimmung der Gräbertiefe wurde eine durch- Spondylosis deformans, Spondylarthritis und Nucleus-pul-
schnittliche Mächtigkeit der Humusdeckschicht von posus-Hernien in allen Wirbelabschnitten, Spondylarthri-
0,35 m angenommen. tis auch am linken Radiuskopf, Osteoporose. Individuum 2:
Infans I (3–6 Jahre).
1.1. Grab 1 (SE 1; Doppelbestattung?)
Archäologischer Befund: Grabgrube im Osten zerstört, L. 1.1.1. Rechteckiger Beschlag
1,5 m, B. 1,1 m, T. ca. 0,95 m. Individuum 1 bis zu den Knien Bronze, teilweise verzinnt (Fnr. 1/1; aus Verfüllung der
erhalten; von Individuum 2 lediglich Schädel zwischen den Grabgrube; ca. 0,30 m über Skelett).
Oberschenkeln von Individuum 1 erhalten. L. 4,0 cm, B. 1,8 cm, H. 0,4 cm.
Anthropologischer Befund: Individuum 1: männlich, Eventuell gehört der Beschlag nicht zur Ausstattung des
Toten selbst, sondern stammt von einer älteren, gestörten
Grablege und wurde bei der Bestattung sekundär verlagert.

1.1.2. Gürtelschnalle
Eisen (Fnr. 1/3; Aushub Störung).
L. 3,0 cm, B. 2,6 cm, H. 0,7 cm.
Textilreste:
Gewebe A (Fnr. 1/3-1): mehrlagig auf Vorderseite im Bereich
des Gürteldorns; Leinwandbindung; Fadensystem 1: 0,3–
0,5 mm z-Garn, 20 Fäden/cm; Fadensystem 2: 0,3–0,5 mm
z-Garn, 17 Fäden/cm.
Gewebe B (Fnr. 1/3-2): mehrlagig direkt am Metallobjekt,
Kante umschlagend; Leinwandbindung; Fadensystem 1:
1.1.1., 1.1.2. 0,4–0,6 mm s/z-Garn, 15 Fäden/cm; Fadensystem 2: 0,4–

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0,5 mm z-Garn, 24 Fäden/cm; Spinnrichtungsmuster in


Fadensystem 1: abwechselnd s- und z-gedrehte Fäden, klei-
ne Gruppen 2 s-, 2 z-Garne.
Gewebe C (Fnr. 1/3-3): an Rückseite, stark abgenutzt;
Leinwandbindung, ripsartige Struktur; Fadensystem 1:
0,4–0,6 mm s/z-Garn, 10 Fäden/cm; Fadensystem 2: 0,5–
0,6 mm s/z-Garn, 22 Fäden/cm; Spinnrichtungsmuster
in beiden Fadensystemen, abwechselnd s- und z-gedrehte
Fäden, keine Regelmäßigkeit erkennbar, eventuell 2 s-, 2
z-Garne; Nahtreste an Gewebe C, Nähfaden (0,4 mm Z-
Zwirn) bildet Schlaufe, durchdringt Gewebe.
Gewebe D (Fnr. 1/3-4): sehr feines Gewebe auf Gewebe 1/3-3;
1.2.1.
Leinwandbindung; Fadensystem 1: 0,1–0,2 mm Garn, 40
Fäden/cm; Fadensystem 2: 0,1–0,2 mm Garn, 40 Fäden/cm.

1.2. Grab 2 (SE 2)


Archäologischer Befund: Grabgrube im Osten zerstört,
Grab durchwühlt und beraubt, L. 1,06 m, B. 1,0 m, T. 1,0 m.
Skelettreste (Einzelknochen!) und Beigaben disloziert.
Anthropologischer Befund: Individuum männlich, Spätma-
tur/Frühsenilis (51–70 Jahre); zahlreiche verschlossene Al-
veolen im Frontbereich des teilweise erhaltenen Unterkiefers.

1.2.1. Ring
Buntmetall, Dorn aus Eisen (Fnr. 2/1; Aushub Störung unter 1.2.2.
Grab 2).
L. 5,2 cm, B. 3,9 cm, H. 0,6 cm.
Ring knapp vor den offenen Knöpfchenenden mehrfach
gerippt, Öse seitlich gekerbt.

1.2.2. Messer
Eisen (Fnr. 2/6).
L. 11,5 cm, B. 1,6 cm.

1.2.3. Fragmente eines Kammes


Bein (Fnr. 2/9, 2/15; Verfüllung Grabgrube).
L. max. 2,9 cm, B. max. 1,2 cm, H. 0,8 cm.
1.2.3.
Stark fragmentierter Dreilagenkamm; erhalten sind vier
Nieten und kleinteilige Bruchstücke der Beinplatten.

1.2.4. Zierniete
Bronze (Fnr. 2/11).
Dm. 1,0 cm, H. 1,1 cm.
Kegelstumpfförmiger Kopf.
Textilrest: Geweberest auf Kopfoberseite. Leinwandbin-
dung, Bastfaser; Fadensystem 1: 0,2–0,3 mm s/z-Garn, ca.
30 Fäden/cm; Fadensystem 2: 0,3 mm s/z-Garn, ca. 20 Fä-
den/cm; Spinnrichtungsmuster in beiden Fadensystemen,
abwechselnd s- und z-gedrehte Fäden, keine Regelmäßig-
keit erkennbar. 1.2.4., 1.2.5.

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1.2.6.a-j

1.2.5. Glieder eines Kettchengehänges 1.2.6.b. Nebenriemenzunge oder Nebenriemenbeschlag


Eisendraht. Eisen (Fnr. 2/13).
Fragment 1 (8-förmiges Glied; Fnr. 2/5): L. 3,7 cm, B. 1,2 cm, L. 3,1 cm, B. 1,7 cm, H. 0,3 cm.
H. 1,1 cm. Zwei Nieten.
Fragment 2 (stangenförmiges Glied; Fnr. 2/7): L. 2,3 cm,
B. 1,7 cm, H. 0,4 cm. 1.2.6.c. Riemenbeschlag
Eisen (Fnr. 2/8).
1.2.6. Mehrteilige Gürtelgarnitur L. 6,0 cm, B. 2,1 cm, H. 1,6 cm.
Die einzelnen Stücke waren – ebenso wie wenige Kno- Zwei Nieten.
chenreste – in der Verfüllung der Grabgrube verstreut. Texilreste: ähnliche Schichten wie bei Fnr. 2/10.
Aufgrund der offensichtlichen Beraubung ist die Garnitur
wohl nicht vollständig. Bei der Restaurierung wurde Wert 1.2.6.d. Riemenbeschlag
auf die Erhaltung der Gewebereste gelegt, weshalb die Eisen (Fnr. 2/10).
einzelnen Teile – auch wegen des schlechten Erhaltungs- L. 6,4 cm, B. 3,0 cm, H. 1,6 cm.
zustandes der Eisenartefakte generell – nicht sicher ange- (Zwei?) Niete(n).
sprochen werden können. Textil- und Pflanzenreste: direkt am Eisenobjekt feines
Gewebe B, darüber mehrlagig gröberes Gewebe A, darauf
1.2.6.a. Hauptriemenzunge dickes Paket von pflanzlichen Bestandteilen.
Eisen (Fnr. 2/4). Gewebe A (Fnr. 2/10-1): Leinwandbindung, Wolle; Faden-
L. 5,3 cm, B. 2,2 cm, H. 1,1 cm. system 1: 0,7–0,8 mm z-Garn, 13 Fäden/cm; Fadensystem
Gespaltene Lasche. 2: 0,9–1,3 mm s/z-Garn, 8 Fäden/cm; Spinnrichtungsmus-
Textilreste und anhaftendes organisches Material: wie bei ter, keine spezifische Abfolge erkennbar.
Fnr. 2/10; Lederschicht auf Rückseite, darüber mehrlagig Gewebe B (Fnr. 2/10-2): Leinwandbindung, Wolle; Faden-
Gewebe C. system 1: 0,3–0,7 mm z-Garn, 8 Fäden/cm; Fadensystem
Gewebe C (Fnr. 2/4-1): Köperbindung 2 : 2, Material nicht 2: 0,5–0,6 mm z-Garn, 10 Fäden/cm; Webkante sichtbar.
bestimmbar; Fadensystem 1: 0,5–0,6 mm z-Garn, 10 Fä- Pflanzenreste (Halme mit feinen Längsrippen): mikrostra-
den/cm; Fadensystem 2: 0,6 mm s-Garn, 12 Fäden/cm. tigrafisch über den Textilschichten gelegen, körperfernste
Schicht, ca. 1 cm dick erhalten. Stroh, wahrscheinlich von
Süß- und Wildgräsern, selten Blätter, keine Blüten.

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1.2.6.e. Riemenbeschlag
Eisen (Fnr. 2/12).
L. 6,4 cm, B. 2,7 cm, H. 1,5 cm.
(Zwei?) Niete(n).

1.2.6.f. Riemenschlaufe
Eisen (Fnr. 2/14).
L. 3,2 cm, B. 1,2 cm, H. 2,2 cm.
Anhaftendes organisches Material: feines Textilfragment
1.3.1.
auf Oberseite, Lederreste an Innenseite. Leinwandbindung;
Fadensystem 1: 0,2 mm Garn, 12 Fäden/cm; Fadensystem 2:
Garn, 12 Fäden/cm; Gewebe verzogen. runterliegenden Individuum 2 (SE 9) lediglich eine Rippe
rechts, Oberarm und Unterarm rechts sowie Oberschenkel
1.2.6.g. Riemenzunge rechts und Zehen erhalten und in situ. Zuweisung der Bei-
Eisen (Fnr. 2/3). gaben nicht zweifelsfrei gesichert.
L. 8,0 cm, B. 1,1 cm, H. 0,8 cm. Anthropologischer Befund: Individuum 1: männlich, Spät-
Gespaltene Lasche, eine Niete. matur/Frühsenilis (51–70 Jahre), H. 172,9 cm (groß); Rei-
terfacetten an den Femurköpfen, starke Alveolenresorpti-
1.2.6.h. Fragment einer Schnalle on und Zahnsteinbesatz, Wurzelkanalöffnung am ersten
Eisen (Fnr. 2/10). rechten Oberkiefermolaren, pfefferkorngroßer apicaler
L. 4,5 cm, B. 1,2 cm, H. 1,0 cm. Herd am rechten zweiten Oberkiefermolaren, im Unter-
Textilreste: Eisendorn mit Textilresten, ähnlich Gewebe 2/10-1. kiefer beidseitig kein dritter Molar angelegt, Spondylosis
deformans (Stufe 2–3) sowie Spuren von Spondylathritis
1.2.6.i. Kleine Schnalle und Nucleus-pulposus-Hernien an der Wirbelsäule, spon-
Eisen (Fnr. 2/8). dylarthritische Veränderungen auch am rechten Ellbo-
L. 2,8 cm, B. 2,1 cm, H. 0,6 cm. gengelenk (Gelenksrandanschärfungen an Ulna, Radius
Texilreste: ähnliche Schichten wie bei Fnr. 2/10. und Humerus). Individuum 2: weiblich, Spätmatur (41–50
Jahre), H. 166,7 cm (groß); Alveolarresorption und Zahn-
1.2.6.j. Fragmente mineralisierten Gewebes steinbesatz sehr stark, sowohl am Oberkiefer als auch am
Objekt nicht mehr vorhanden (Fnr. 2/16). erhaltenen Unterkieferast keine dritten Molaren angelegt,
Porosierungen am harten Gaumen (leichte Mangelerschei-
1.3. Grab 3 (SE 3) nungen).
Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 2,15 m, B. 1,0 m,
T. 0,75 m. Schädel bei Auffindung beschädigt. 1.4.1. Haken
Anthropologischer Befund: Individuum weiblich, Senilis (61–80 Eisen (Fnr. 4/2, neben Oberschenkel rechts von Skelett SE 4).
Jahre), H. 166,3 cm (groß); Alveolen des Unterkiefers zum Groß- L. 4,1 cm, B. 2,1 cm, H. 0,6 cm.
teil bereits verschlossen, Cribra orbitalia Stufe 2, vor allem im
Brust- und Lendenwirbelbereich Spondylosis deformans (Stufe 1.4.2. Drei Fragmente eines Dreilagenkammes
2–3) sowie an allen Wirbelsäulenabschnitten starke Spondylar- Bein, Eisen (Fnr. 4/3, 4/4, 9/1; neben Oberschenkel rechts
thritisspuren und Nucleus-pulposus-Hernien, Osteoporose. von Skelett SE 4).
L. 2,3 cm, B. 2,4 cm, H. 1,1 cm (4/3); L. 3,6 cm, B. 1,7 cm,
1.3.1. Niete eines Kammes H. 0,4 cm (4/4).
Eisen, Bein (Fnr. 3/2; neben linker Beckenschaufel).
Dm. 0,7 cm, H. Niete 1,0 cm. 1.5. Grab 5 (SE 5)
Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 2,1 m, B. 1,1 m,
1.4. Grab 4 (Sekundärbestattung SE 4; T. 1,45 m. Ungestörte Bestattung.
Primärbestattung SE 9) Anthropologischer Befund: Individuum weiblich, Spät-
Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 2,7 m, B. 1,3 m, adult/Frühmatur (35–45 Jahre), H. 154,0 cm (mittelgroß);
T. 0,9 m. Individuum 1 (SE 4) vollständig erhalten; vom da- keine pathologischen Veränderungen feststellbar.

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1.4.1., 1.4.2.

1.5.1. Drahtohrring Gewebe A (Fnr. 5/5-1): Leinwandbindung, Material nicht


Bronze (Fnr. 5/1; neben linker Schläfe). bestimmbar; Fadensystem 1: 0,3–0,4 mm Garn, ca. 20 Fä-
L. 2,9 cm, B. 2,4 cm, H. 0,3 cm. den/cm; Fadensystem 2: 0,3 mm Garn, ca. 20 Fäden/cm.
Eine Schlaufe. Gewebe B (Fnr. 5/5-2): Leinwandbindung, Material nicht
bestimmbar; Fadensystem 1: 0,2–0,3 mm Garn, Dichte
1.5.2. Drahtohrring nicht auszählbar; Fadensystem 2: 0,2–0,3 mm Garn, Dichte
Bronze (Fnr. 5/2; neben rechter Schläfe). nicht auszählbar.
L. 3,0 cm, B. 2,6 cm, H. 0,2 cm.
Eine Schlaufe. 1.6. Grab 6 (Sekundärbestattung SE 6;
Primärbestattung SE 11 und 13)
1.5.3. Perlen Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 2,5 m, B. 1,2 m,
Glas/Glaspaste (Fnr. 5/3; Halsbereich). T. 0,7 m. Individuum 1 (SE 6) als oberste Bestattungslage
Textilfäden. vollständig erhalten; dislozierte Reste (Schädel, Schlüssel-
bein, Oberarm) von Individuum 2 (SE 11) auf Höhe Indivi-
1.5.4. Zwei Fragmente eines Dreilagenkammes duum 1 beziehungsweise darunter (SE 13), Brustkorb, Ober-
Bein, Eisen (Fnr. 5/4; Scheitel). schenkel rechts und Unterschenkel in situ.
L. 3,7 cm, B. 1,2 cm, H. 1,0 cm; L. 2,1 cm, B. 0,9 cm, Anthropologischer Befund: Individuum 1: männlich,
H. 1,3 cm. Spätmatur/Frühsenilis (51–70 Jahre), H. 173,2 cm (groß);
Insgesamt sechs Eisennieten. Reiterfacette, massiver Alveolenverschluss sowie starke
Alveolarresorption und Zahnsteinbesatz, am rechten 2.
1.5.5. Messer Oberkieferprämolaren Zahnkaries distal, am linken Unter-
Eisen (Fnr. 5/5; neben Unterschenkel links). kiefereckzahn erbsengroßer apicaler Herd, Cribra orbitalia
L. 11,8 cm, B. 2,1 cm, H. 1,0 cm. (Stufe 1) und Porosierungen am harten Gaumen, Spondy-
Textilreste und anhaftendes organisches Material: Lederres- losis deformans (Stufe 2–3 an den Halswirbeln, Stufe 3
te an Klinge und Angelbereich, Holzreste am Angelansatz; an den Brust- und Lendenwirbeln), Spondylarthritis und
Gewebe A am Messerrücken zwischen Leder und Metall, Nucleus-pulposus-Hernien an allen Abschnitten. Individu-
Gewebe B im Angel- und Klingenbereich über Lederschicht. um 2: männlich, Spätmatur/Frühsenilis (51–70 Jahre), H.

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1.5.1., 1.5.2., 1.5.3., 1.5.4., 1.5.5.

170,1 cm (groß); Reiterfacette, zur Hälfte abgekauter linker


Oberkieferschneidezahn (einzig erhaltener), Cribra orbi-
talia (Stufe 1), massive Spondylosis deformans (Stufe 3),
Spondylarthritis sowie Nucleus-pulposus-Hernien an allen
Wirbelsäulenabschnitten, an den proximalen Gelenken der
Ulna Anschärfungen und leichte Randzackenbildung.

1.6.1. Schnalle
Eisen (Fnr. 13/1; Brustkorb rechts).
L. 5,2 cm, B. 4,8 cm.

1.6.2. Dreieckiges Objekt


Eisen (Fnr. 13/3; Ferse rechts). 1.6.1., 1.6.2.
L. 4,7 cm, B. 2,7 cm, H. 1,4 cm.
Textilreste: Gewebe A, Gewebe B an oberer Metallbruchkante.
Gewebe A (Fnr. 5/5-1): Leinwandbindung, Material nicht be- Westende der Grabgrube zu Knochenpaket zusammenge-
stimmbar; Fadensystem 1: 0,4 mm Garn, ca. 15 Fäden/cm; schoben, am Ostende Unterschenkel und Zehen), von Indi-
Fadensystem 2: 0,3–0,5 mm Garn, ca. 15 Fäden/cm. viduum 2 (SE 12) Schädel, Halswirbelsäule und Schlüssel-
Gewebe B (Fnr. 5/5-2): Brettchenweberei, Material nicht bein links sowie Unterschenkel und Zehen in situ erhalten.
bestimmbar; Fadensystem 1: 0,3 mm Garn, 30 Fäden/cm; Grablege stark gestört.
Fadensystem 2: nicht erkennbar. Anthropologischer Befund: Individuum 1: männlich, Matur
(45–55 Jahre), H. 167,1 cm (übermittelgroß); starke Alveo-
1.7. Grab 7 (Sekundärbestattung SE 7; lenverschlüsse und Alveolenresorption sowohl im Ober- als
Primärbestattung SE 12) auch im Unterkiefer, starker Zahnsteinbesatz, Porosierun-
Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 2,2 m, B. 0,9 m, gen am harten Gaumen. Individuum 2: männlich, Senilis
T. 0,75 m. Individuum 1 (SE 7) als obere Bestattungslage (61–80 Jahre); Spondylosis deformans (Stufe 3) an Hals-
stark verworfen (Becken, Oberschenkel, Wirbel, Rippen am und Brustwirbelkörpern.

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Individuum 2 (SE 10) Schädel, Oberarm links, Unterarm


rechts in situ, Beine verworfen. Zuweisung der Beifunde
nicht zweifelsfrei gesichert, Grablege stark gestört.
Anthropologischer Befund: Individuum 1: männlich, Ma-
tur (41–60 Jahre), H. 166,2 m (mittelgroß); Reiterfacette
an den Oberschenkelgelenksköpfen, starke Alveolarre-
sorption und leichter Zahnsteinbesatz am erhaltenen
rechten Oberkieferast, Porosierungen am harten Gaumen,
starke Randzackenbildung am 5. Lendenwirbel sowie be-
achtliche Höhenverminderung im dorsalen Bereich, star-
ke Spondylarthritis. Individuum 2: männlich, Spätadult/
1.7.1. Frühmatur (31–50 Jahre).

1.8.1. Klappmesser
1.7.1. Fragmente einer Schnalle (?) Eisen (Fnr. 8/1; rechts neben Schädel SE 10).
Eisen (Fnr. 7/2; wahrscheinlich mit Knochen verworfen). L. 10,7 m, B. 2,0 cm, H. 0,8 cm.
L. 3,0 cm, B. 1,3 cm, H. 1,0 cm.
1.8.2. Messer
1.8. Grab 8 (Sekundärbestattung SE 8; Eisen (Fnr. 10/3; im Nordostbereich des Sarges).
Primärbestattung SE 10) L. 16,0 cm, B. 2,4 cm, H. 0,8 cm.
Archäologischer Befund: Grabgrube im Süden bereits durch Holzanhaftungen am Griff.
Bagger zerstört; L. 2,4 m, B. 0,9 m, T. 0,75 m. Reste eines Textilreste: Zwei lose Textilfragmente, nicht mehr am Mes-
stark verkohlten (Baum-)Sarges zu Primärbestattung. Von ser anhaftend; Leinwandbindung, Material nicht bestimm-
Individuum 1 (SE 8) als obere Bestattungslage nur Ober- bar; Fadensystem 1: 0,6 mm z-Garn, 15 Fäden/cm; Faden-
schenkel und Unterschenkel links erhalten und in situ, von system 2: 0,5–0,6 mm s-Garn, 13 Fäden/cm.

1.8.1, 1.8.2.

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2.4.1., 2.4.2., 2.4.3., 2.4.4., 2.4.5.

2. Adnet und Ellbogengelenken, Nucleus-pulposus-Hernien, Frak-


2.1. Grab 1 (Bef. 1) tur des linken Humeruskopfes (nie vollständig ausgeheilt,
Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 1,16 m, B. 0,73 m, Spuren starker Auf- und Abbauvorgänge in Form von
T. 0,4 m; Knochen scheinbar im Sehnenverband, Ober- Randzacken, Eindellungen, Porosierungen und opaker
schenkelknochen allerdings unter Schädelfragmenten. Struktur vor allem am Schultergelenksanteil der Scapula
Anthropologischer Befund: Individuum Neonatus (0–3 deutlich sichtbar).
Lebensmonate), H. 60–64 cm.
2.4. Grab 4 (Bef. 4)
2.2. Grab 2 (Bef. 2) Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 2,3 m, B. 0,75 m,
Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 1,9 m, B. 0,8 m, T. 1,1 m; Brustkorb/Rippen fehlen (Beraubung Brustbe-
T. 0,7 m. reich oder schlechte Knochenerhaltung?), Langknochen
Anthropologischer Befund: Individuum weiblich, Seni- in situ.
lis (61–80 Jahre), H. 152,4 cm (untermittelgroß); Cribra Anthropologischer Befund: Individuum weiblich, Senilis
orbitalia, Spondylosis deformans (mehr als 3 mm große (61–80 Jahre), H. 160,0 cm (groß); umfassender Zahnaus-
Randzackenbildung), stark fortgeschrittene Spondylarth- fall an der erhaltenen Unterkieferspange.
ritis an den Wirbelgelenken, Nucleus-pulposus-Hernien,
Osteoporose. 2.4.1. Schnalle
Bronze, Dorn aus Eisen (Fnr. 4/2; Beckenbereich).
2.3. Grab 3 (Bef. 3) L. 3,9 cm, B. 3,0 cm, H. 1,1 cm.
Archäologischer Befund: Grabgrube: im Schotter nicht ge- Gegossen, an Unterseite zwei Ösen.
nau abgrenzbar; L. 1,8 m, B. 0,8 m, T. 0,7 m. Textilreste: Mehrlagige Reste (1,4 × 0,5 cm) eines leinwand-
Anthropologischer Befund: Individuum weiblich, Senilis bindigen Textils am Eisendorn, teils stark zersetzt, Ma-
(61–80 Jahre), H. 150,1 cm (untermittelgroß); Spondylo- terial nicht bestimmbar; Fadensystem 1: 0,2 mm z-Garn,
sis deformans (mehr als 3 mm große Randzackenbildung), ca. 9 Fäden pro 5 mm; Fadensystem 2: 0,2 mm z-Garn, ca.
stark fortgeschrittene Spondylarthritis an den Wirbel- 8–9 Fäden pro 5 mm.

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2.4.2. Blechzwinge
Bronze (Fnr. 4/3; linker Oberschenkel).
L. 1,9 cm, B. 1,6 cm, H. 0,5 cm.
Eventuell gehört der Beschlag mit zwei Nieten zur nicht er-
haltenen Messerscheide.

2.4.3. Messer
Eisen (Fnr. 4/4, linker Oberschenkel).
L. 12,8 cm, B. 2,2 cm, H. 1,2 cm.

2.4.4. Perlenkette
Glas/Glaspaste, Silber (Fnr. 4/5, aus Erdprobe 4/6; Hals-
2.5.1.
bereich).
Gelbe, blaue und orange, opake sowie türkise und blaue,
durchsichtige Perlen, Blechröllchen.
Textilreste: In den Blechröllchen Rest des Fadens, mit dem
die Kette gefädelt wurde; 0,4 mm zS-Zwirn (Flachs).

2.4.5. Fragment eines Drahtringes


Silber (Fnr. 4/7; linke Schläfe).
L. 1,8 cm, B. 0,8 cm, H. 0,1 cm.

2.5. Grab 5 (Bef. 5)


Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 1,9–2,7 m, B. 0,85–
2.6.1. 1,35 m, T. 1,2 m.
Anthropologischer Befund: Individuum weiblich, Senilis
(61–80 Jahre), H. 153,8 cm (mittelgroß); keine pathologi-
schen Erscheinungen feststellbar.

2.5.1. Rechteckige Schnalle


Eisen (Fnr. 5/2; Brustkorb).
L. 4,5 cm, B. 3,9 cm, H. 1,5 cm.

2.6. Grab 6 (Bef. 6)


Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 2,0 m, B. 1,05 m,
T. 1,0 m.
Anthropologischer Befund: Individuum weiblich, Spätmatur/
2.6.2., 2.6.3., 2.6.4.
Frühsenilis (51–70 Jahre), H. 160,1 m (groß); Osteoporose.

2.6.1. Kräftig profilierte Fibel


Bronze (Fnr. 6/11; Scheitel).
L. 4,2 cm, B. 2,1 cm, H. 2,0 cm.
Eingliedrige kräftig profilierte Fibel, Nadelhalter zweifach
gelocht, rechteckige Stützplatte.

2.6.2. Perlenkette
Glas/Glaspaste, Silber (Fnr. 6/2; Halsbereich).
Grüne, blaue, violette und türkise Glasperlen, Silberperlen.
Textilreste: In einer Metallperle Rest des Fadens, mit dem
2.6.7. die Kette gefädelt wurde; 0,4 mm zS-Zwirn (Flachs).

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2.6.2., 2.6.3., 2.6.4.

2.6.3. Anhänger Gewebedichte nicht auszählbar; Fadensystem 2: 0,2 mm


Gold (Fnr. 6/3; Hals). z-Garn, Gewebedichte nicht auszählbar.
L. 1,6 cm, B. 1,3 cm, H. 0,4 cm.
Filigranverzierung. 2.6.6. Drei blechförmige Fragmente
Eisen (Fnr. 6/10; linke Beckenschaufel).
2.6.4. Anhänger Größtes Fragment: L. 2,6 cm, B. 1,9 cm, H. 0,5 cm.
Silber (Fnr. 6/13; Hals). Auf einem Fragment eventuell zwei Nieten.
L. 1,7 cm, B. 1,3 cm, H. 0,25 cm. Textilreste: Feine Leinwandbindung (Gewebe b), flächig
Auflage aus tordiertem Draht. auf einem Eisenbeschlag (1,6 × 1,5 cm) bei der linken Be-
Textilreste Fnr. 6/13: Gröberer Geweberest (Gewebe a) bei ckenschaufel (Gewebe und Beschlag vergleichbar mit Fnr.
Silberanhänger im Halsbereich, schlecht erhalten und sehr 6/5), dreilagig erhalten; weitere Korrosionsreste direkt auf
klein (4 × 3 mm); nicht alle Gewebedetails aufnehmbar; Ma- dem Eisenbeschlag, nicht klar erkennbar, Material nicht
terial nicht bestimmbar, Leinwandbindung; Fadensystem 1: bestimmbar; Leinwandbindung; Fadensystem 1: 0,2 mm s-
0,3 mm s-Garn, Gewebedichte nicht auszählbar; Fadensys- Garn, 8–9 Fäden auf 5 mm; Fadensystem 2: 0,2 mm z-Garn,
tem 2: 0,4 mm s-Garn, Gewebedichte nicht auszählbar. 8 Fäden auf 5 mm.

2.6.5. Vier unbestimmbare Fragmente 2.6.7. Kolbenarmring


Eisen (Fnr. 6/4; oberhalb rechter Beckenschaufel). Bronze (Fnr. 6/5; rechtes Handgelenk).
Größtes Fragment: L. 2,8 cm, B. 2,1 cm, H. 1,4 cm. L. 7,4 cm, B. 6,6 cm, H. 1,3 cm.
Textilreste: Bei rechter Beckenschaufel feines leinwand- Massiver Armring mit profilierten Enden (Pufferenden).
bindiges Textil (Gewebe b), zweilagig auf Eisenobjekt (Ge- Textilreste: Auf einem unbestimmbaren Eisenobjekt neben
samtgröße: 3 × 2,5 cm), darunter weitere Korrosionsreste; Armring (Größe 2,1 × 1,8 cm); zwei verschiedene Gewebe
Material nicht bestimmbar; Fadensystem 1: 0,2 mm s-Garn, (Gewebe b und c). Textil zeigt teils unregelmäßige Fäden.

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2.6.8.

›Feineres‹ Gewebe b (Fnr. 6/5-1): Fadensystem 1: 0,2 mm 3,6 cm/3,4 cm, H. 0,7 cm/0,5 cm.
s-Garn, 16 Fäden/cm; Fadensystem 2: 0,2 mm z-Garn, Textilreste: Reste zweier verschiedener Gewebe auf Bronze-
16 Fäden/cm. ring beim rechten Oberschenkel und auf nicht identifizier-
›Gröberes‹ Gewebe c (Fnr. 6/5-2): Leinwandbindung; Fa- barem Eisenobjekt. Direkt auf Rückseite und teilweise Vor-
densystem 1: 0,3–0,4 mm s-Garn, ca. 10 Fäden/cm; Faden- derseite des Ringes sowie auf Rückseite des Eisenobjektes
system 2: 0,4 mm Garn, Gewebedichte nicht auszählbar. Gewebe c; als oberste mehrlagige Schicht Gewebe b.
Textillagen auf Ring: Gewebe b: 2,4 × 1 cm; Gewebe c:
2.6.8. Fingerring wenige Millimeter.
Bronze, vergoldet (Fnr. 6/6; rechter kleiner Finger). Textil auf Eisenobjekt: Auf Großteil der Fläche, Eisenrest
Dm. Ringplatte 1,7 cm, H. 0,2 cm, Dm. Ring 1,8 cm. 2,5 × 1,7 cm.
Drahtring gebrochen. ›Feineres‹ Gewebe b (Fnr. 6/7-1): Leinwandbindung;
Fadensystem 1: 0,2 mm s-Garn, 16 Fäden/cm; Fadensystem
2.6.9. Vier Ringe 2: 0,2 mm z-Garn, 16–18 Fäden/cm.
Bronze, ankorrodiertes Eisenobjekt (Fnr. 6/7; innerhalb/ ›Gröberes‹ Gewebe c (Fnr. 6/7-2): Leinwandbindung;
unterhalb des rechten Oberschenkelkopfes). Fadensystem 1: 0,4 mm s-Garn, 10 Fäden/cm; Fadensystem
Zwei glatte Bronzeringe: Dm. 4,0 cm/3,1 cm, H. 0,7 cm/ 2: 0,4 mm s-Garn, 10–12 Fäden/cm.
0,6 cm; zwei Knotenringe mit sechs Knöpfchen: Dm.

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2.6.9.

2.6.10. Schnalle L. 5,6 cm, B. 1,4 cm, H. 0,6 cm.


Eisen (Fnr. 6/8; rechter Unterschenkel, proximal). Zungenförmiges Bronzeblech mit gegenläufigen Wellenbän-
L. 2,7 cm, B. 2,1 cm, H. 1,2 cm. dern aus doppelreihigen Punktpunzen an der Oberseite;
Textilreste: Flächige organische Reste (2,7 × 2 cm); eine an den beiden Eisennieten ankorrodierte Textilreste.
Lage von Gewebe b auf Oberseite der Schnalle; Gewebe d
auf der Unterseite der Schnalle; dazu Lederreste des Gurtes. 2.6.12. Riemenzunge
›Feineres‹ Gewebe b (Fnr. 6/8-1): Leinwandbindung; Buntmetall (Fnr. 6/14; direkt unter Wadenbein links, distal).
Fadensystem 1: 0,2 mm z-Garn, ca. 16 Fäden/cm; Fadensys- L. 5,9 cm, B. 1,4 cm, H. 1,0 cm.
tem 2: 0,2 mm s-Garn, 16 Fäden/cm. Dekor wie Katnr. 2.6.11.; Spitze ergänzt.
›Feines‹ Gewebe d (Fnr. 6/8-2): Leinwandbindung; Faden- Textilreste Katnr. 2.6.11 und 2.6.12: Jeweils auf der Schau-
system 1: 0,3 mm z-Garn, 16–18 Fäden/cm; Fadensystem 2: seite der Riemenzunge am oberen Ende Gewebe b (?), min-
0,3 mm z-Garn, 16 Fäden/cm. destens zweilagig (1,3 × 0,5 cm/1,2 × 0,7 cm), hell naturfar-
Schnalle lag eventuell in Falte eines Kleidungsstückes. benes, teils rostrot verfärbtes Material, dabei auch ein aus
dem Erdreich geborgenes, stark abgebautes Textil (»Textil-
2.6.11. Riemenzunge scholle«); Fadensystem 1: 0,2–0,3 mm z-Garn, 16–18 Fä-
Buntmetall, Eisen (Fnr. 6/9; 7 cm nördlich des linken den/cm; Fadensystem 2: 0,3 mm s-Garn, 16 Fäden/cm; sehr
Unterschenkels, distal). dichtes Gewebe, ebenmäßige Oberfläche.

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2.6.10., 2.6.11., 2.6.12.

2.7. Grab 7 (Bef. 7)


Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 1,25 m, B. 0,9 m,
T. 1,0 m.
Anthropologischer Befund: Individuum Infans I (1–2 Jahre),
sehr schlecht erhalten, Langknochen und Schädel in situ.

2.7.1. Stäbchenförmige Perle


Glas, schwarz (Fnr. 7/2; Halsbereich).
L. 1,1 cm, Dm. 0,4 cm.

2.8. Grab 8 (Bef. 8)


Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 1,9 m, B. 0,76 m,
2.7.1. T. 1,35 m; Verfärbungen als Hinweise auf Sarg?
Anthropologischer Befund: Individuum weiblich, Senilis
(61–80 Jahre), H. 164,1 cm (groß); massive Spondylosis
deformans, Spondylarthritis, Nucleus-pulposus-Hernien
(Atlas wulstartig umrandet).

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2.8.1., 2.8.2., 2.8.3.

2.8.1. Großes Messer 2.9. Grab 9 (Bef. 23)


Eisen (Fnr. 8/3; neben linkem Unterarm). Archäologischer Befund: Grabgrube: L. 1,5 m, B. 0,7 m,
L. 23,8 cm, B. 3,6 cm. H. 2,0 cm. T. 1,0 m; Osthälfte zerstört, Individuum bis zu den Knien
Holzreste am Griff. erhalten.
Anthropologischer Befund: Individuum weiblich, Matur
2.8.2. Kleines Messer (45–55 Jahre), H. 155,0 cm (groß); Randzackenbildung
Eisen (Fnr. 8/3, neben linkem Unterarm). (2–3 mm) an allen Wirbelsäulenabschnitten, starke Spon-
L. 11,6 cm, B. 1,6 cm, H. 0,9 cm. dylarthritis.
Ein zusätzliches Objekt aus mineralisiertem organischem
Material (Leder) könnte den Rest einer Lederscheide dar-
stellen. Holzreste am Griff.

2.8.3. Sechs Stifte


Bronze (Fnr. 8/2; rechte Schulter).
L. 1,2 cm, Dm. 0,3 cm.
Die Stifte stecken in einem nicht identifizierbaren organi-
schen Rest (Holz?).

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Abbildungsnachweis Abkürzungsverzeichnis

Abb. 1: Salzburg Museum, Invnr. ARCH 814-86, 819-86, Abb. = Abbildung


655-86 B. = Breite
Abb. 2: Salzburg Museum, Invnr. ARCH 384-57 Bef. = Befund
Abb. 3: Salzburg Museum, Invnr. ARCH 9-89 Dm. = Durchmesser
Abb. 4: Salzburg Museum, Invnr. ARCH 10353 Fnr. = Fundnummer
Abb. 5, 6, 11, 12–34, 38: Bundesdenkmalamt Gem. = Gemeinde
Abb. 7: Salzburg Museum, Invnr. ARCH 10348–10350 Gst. Nr. = Grundstück Nummer
Abb. 8: MAX SILBER, Frühgermanische Altertümer aus Salzburg, H. = Höhe
Salzburger Museumsblätter 10/1, Februar 1931, Abb. 1 Hl., hl. = Heilige(r), heilige(r)
Abb. 9, 10: Vorlage: SAGIS; Bearbeitung: Bundesdenkmalamt Hrsg. = Herausgeber
Abb. 35, 36: Oberösterreichisches Landesmuseum, Invnr. = Inventarnummer
ALEXANDRA BRUCKBÖCK Katnr. = Katalognummer
Abb. 37: http://pro.coinarchives.com/a/lotviewer.php?LotID= L. = Länge
560669&AucID=999&Lot=3167 [Zugriff: 17. 7. 2013] max. = maximal
Abb. 39: http://pro.coinarchives.com/a/lotviewer.php?LotID n. Chr. = nach Christi Geburt
=339657&AucID=608&Lot=470 [Zugriff: 30. 7. 2013] SE = Stratigrafische Einheit
Abb. 40: http://pro.coinarchives.com/a/lotviewer.php?LotID St. = Sankt
=377336&AucID=684&Lot=552 [Zugriff: 29. 7. 2013] T. = Tiefe
Abb. 41: K ARINA GRÖMER und ULLI HAMPEL Taf. = Tafel
Abb. 42–46: K ARINA GRÖMER u. a. = und andere
Abb. 47, 49: Foto: ALICE SCHUMACHER; Grafik: v. Chr. = vor Christi Geburt
ANGELIKA RUDELICS vgl. = vergleiche
Abb. 48: ANGELIKA RUDELICS z. B. = zum Beispiel
Abb. 50: DinoLite-50x-Aufnahme: ANGELIKA RUDELICS; REM-
Aufnahmen: ANDREAS KROH, Naturhistorisches Museum
Wien
Katalogabbildungen: ULLI HAMPEL

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Autorinnen und Autor

Dr. Karina Grömer


Naturhistorisches Museum Wien
Prähistorische Abteilung
Burgring 7
1010 Wien
karina.groemer@nhm-wien.ac.at

Mag. Ulli Hampel


ARDIG
Porschestraße 39
3100 St. Pölten
ullihampel@yahoo.de

Dr. Peter Höglinger


Bundesdenkmalamt
Landeskonservatorat für Salzburg
Sigmund-Haffner-Gasse 8
5020 Salzburg
peter.hoeglinger@bda.at

Angelika Rudelics, B.A.


Arbesbachgasse 28/2/3
1190 Wien
angelika.rudelics@gmx.at

Priv.-Doz. Mag. Dr. Ursula Schachinger


Österreichische Akademie der Wissenschaften
Institut für Kulturgeschichte der Antike
Abteilung Documenta Antiqua, Numismatik
Schmiedlstraße 6
8042 Graz-Messendorf
ursula.schachinger@oeaw.ac.at

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