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Fachdienst Naturschutz 3/2005

Naturschutz-Info

Ankündigungen

Bitte beachten Sie:

Die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU) und das Umweltzentrum für Umweltmessun-
gen, Umwelterhebungen und Gerätesicherheit (UMEG) fusionieren zum 01. Januar 2006 zur
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW), Postfach 10 01 63, 76231 Karlsruhe.
Tel.: 07 21 / 5600 - 0
Fax : 07 21 / 5600 - 14 56
Internet: www.lubw.baden-wuerttemberg.de
Intranet: www.lubw.bwl.de
e-mail: vorname.name@lubw.bwl.de

Schwerpunktthemen
Für die nächsten Naturschutz-Infos sind folgende Themen vorgesehen
• 1/06 Novelle Naturschutzgesetz Baden-Württemberg mit Kommentaren – Redaktionsschluss 20. 03. 06
• 2/06 Artenschutz- und Planungsrecht – Redaktionsschluss 24. 07. 06

Über Beiträge würden wir uns freuen.

Die Aktualisierung des „Verzeichnises der Behörden für Natur- und Umweltschutz, von Fachstellen und der
Beauftragten für Naturschutz“ wird bis Ende Januar 2006 in`s NafaWeb eingestellt.

Impresssum
Herausgeber Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU)
Postfach 21 07 52, 76157 Karlsruhe, Tel.: 0721/983 -0, Fax: 0721 / 983 -1456
http://www.lfu.baden-wuerttemberg.de
ISSN 1434 - 8764
Redaktion, LfU BW, Abteilung 2 „Ökologie, Boden, Naturschutz“
Bearbeitung Fachdienst Naturschutz - Michael Theis, Tania Kaltenbach
und Gestaltung e-mail: michael.theis@lubw.bwl.de (neu)
Umschlag und Titelbild Stephan May, Karlsruhe
Druck Greiserdruck, Rastatt
gedruckt auf 100 % Recyclingpapier
Vertrieb Verlagsauslieferung der Naturschutzverwaltung B.-W. bei der JVA Mannheim - Druckerei -
Herzogenriedstr. 111, 68169 Mannheim, Fax: 0621/398 -370, e-mail: bibliothek@lubw.bwl.de
Preis Jahresabonnement: 12,00 € inkl. Porto
Einzelpreis: 3,00 € + 3,00 € Versandkostenpauschale
Karlsruhe, Dezember 2005
Namentlich gekennzeichnete Fremdbeiträge stimmen nicht in jedem Fall mit der Meinung des Herausgebers überein. Für die inhaltliche
Richtigkeit von Beiträgen ist der jeweilige Verfasser verantwortlich. Nachdruck unter Quellenangabe gestattet.

2 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Inhalt

Inhalt Seite

Schwerpunktthema
Geotopschutz und Naturschutz
• Geotopschutz und Naturschutz – Zwei Seiten einer Medaille 5
• Was sind Geotope? 6
- Gesteinskunde 7
- Überblick über die Erdzeitalter 8
• Geotopschutz als Teil des Naturschutzes 9
• Geotopschutz in Deutschland 11
• Geologische Aspekte des Naturschutzes 12
• Tag des Geotops 13
• Entwicklung des Geotopschutzes in Deutschland 14
• Geotopschutz und seine rechtlichen Grundlagen in Baden-Württemberg 16
• Geotopschutz in Baden-Württemberg 18
• Geotope im Themenpark Umwelt – Informationsangebot im Internet 21
• Bedeutende Geotope in Baden-Württemberg 22
• Geotop als Naturschutzgebiet – Beispiel der „Goldshöfer Sande“ 24
• Bergrutsch am Kirchsteig bei Urbach 26
• Der Böttinger Marmor – ein für Deutschland einzigartiger Geotop 27
• Geotop Kiesgrube „Ingelfinger“ – einzigartiges „Eiszeitfenster“ für Südwestdeutschland 28
• Geotope in ihrer Vielfalt 30
• Biotop- und Geotopschutz im Stadtkreis Heilbronn 32
• Geotourismus und Geoparks 35
• Weitere Literaturhinweise zu Geotopen 38
• Links zu Geotopen 42
• Veranstaltungen zu Geotopen 42

Landschaftsplanung / Eingriffsregelung
• Ökokonto in Baden-Württemberg 43

Flächen- und Artenschutz


• Weitere Meilensteine bei der Förderung von Naturschutz-Großprojekten 44
• Start des LIFE Natur-Projekts „Oberer Hotzenwald“ 45
• Beiträge zur Vogelkunde
- Auszeichnung für Dr. Martin Boschert 47
• Lebensraum Brache – Paradies für die heimische Vogelwelt 47
• Besondere Tierarten erfordern besondere Schutzmaßnahmen 48

Landschaftspflege
• Billigsaftimporte zerstören heimische Streuobstwiesen 49
• Neuste Erkenntnisse aus langjährigem Magerrasenversuch 49

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 3


Inhalt

Naturschutz – Übergreifendes
• MELAP-Statustagung 2005 51
• Landschaftszerschneidung senkt Lebensqualität 52
• Gelungene Abschlussveranstaltung des Modellprojekts Freudenstadt 53
• Markenzeichen „Nationale Naturlandschaften“ 53
• Übergabe des „Schwenkel-Bildarchivs“ an das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg 54
• Moore als Archiv 55
• Landschaftsmanagement und Verwaltungspraxis 56
• Stiftung Naturschutzfonds schreibt Landesnaturschutzpreis aus 56
• Objekte des Jahres 2006 56

Aus der Naturschutzverwaltung und von anderen Stellen


• Umstrukturierung der Naturschutzreferate in der LfU 60
• 30. Naturschutztage am Bodensee 60
Mitteilungen
• Landschaftspfleger mit Leib und Seele – Dr. Hellmut Wagner im Ruhestand 61
• Mit Kamera und Cessna – im Dienste der Natur 62
Veranstaltungen
• Sonderausstellung „microscapes“ 63

Spectrum – Was tun und denken die anderen?


• Das Karlsruher Ökomobil auf dem WEEC in Turin 63
• Bundesweit erste Studie zu Klimafolgen für ein Bundesland vorgestellt 64
• 40. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz 65
• „Öko-Manager des Jahres“ 2005 67

Literatur
• Umweltforschung – Journal 2005 68
• Sturmwurf-Erlebnis auf dem Lotharpfad 68
• Streuobst im Alpenraum 68
• Donau, der europäische Fluss 68
• Natura 2000 und mehr 69
• Agrarumweltprogramme und Vertragsnaturschutz weiter entwickeln 69
• Neue BfN-Skripten 69
Faltblätter
• Naturschutzgebiet Essigberg 70
Buchbesprechung
• Grundlagenwerk – Die Schmetterlinge Baden-Württembergs 70
• „Umweltindikatoren – Mythos oder Wirklichkeit?“ 71
• „Klettern und Naturschutz in Baden-Württemberg“ 71
• Landschaftselemente aus Menschenhand 72

4 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

Schwerpunktthema Im vorliegenden Schwerpunktthema werden die


rechtlichen Grundlagen und Aktivitäten einschließ-
lich entsprechender Informationsangebote aufge-
zeigt.
Geotopschutz und Naturschutz
So wurde u. a. mit dem bundesweiten „Tag des Geo-
Geotopschutz und Naturschutz – tops“ ein Informationsschritt in die breitere Öffentlich-
Zwei Seiten einer Medaille keit getan, um Geologie lebendig werden zu lassen.

An zahlreichen Beispielen werden bedeutende Geo-


Geotope und Biotope, abiotische und biotische Ele- tope in Baden-Württemberg vorgestellt und einzelne
mente und Faktoren in Natur und Landschaft stehen Gebiete oder Projekte – auch in ihrem Verfahrens-
in enger Wechselbeziehung und prägen vielfach den gang – beschrieben. Die Vielfalt der Geotoptypen
Naturhaushalt und das Landschaftsbild. im Land wird durch eine Palette von Bildeindrücken
veranschaulicht.

Neue Entwicklungen zeichnen sich im Bereich des


Geotourismus und bei Geoparks ab, die durch ein
„Netzwerk Erdgeschichte“ gefördert werden.

Eine ausführliche Literaturdokumentation, Inter-


net-Links und Veranstaltungshinweise runden das
Schwerpunktthema ab.

Inhaltliche Überschneidungen in einzelnen Kapiteln


und Beiträgen sind gewollt und sollen den eigen-
Ehemaliger Steinbruch bei Richen
ständigen Informationsgehalt der Artikel mit einer
Gekröselkalkzone in Schichten des Oberen Muschelkalks entsprechenden Verwendungsmöglichkeit erhalten.
Foto: M. Schöttle

Entsprechend häufig sind geologische und geomor-


phologische Einzelbildungen als Naturdenkmal und
Naturschutzgebiet ausgewiesen. Ein Blick auf die
Erdzeitalter und Gesteinsbildung ist hierfür uner-
lässlich.

Bereits 1935 wurden thematische Überschneidun-


gen zwischen geologischen und naturkundlichen
Objekten im Reichsnaturschutzgesetz mit Schutz-
anlass benannt. In der späteren Naturschutzgesetz-
gebung werden sie als „Biotope mit geotypischen
Merkmalen“ aufgegriffen.
Kesselgrotte bei Langenberg
Der Begriff „Geotop“ ist in seiner Definition recht jun- Landschaftstypische Hohlkehlenbildung des Oberen Stuben-
gen Datums und muss häufig erklärt werden. sandsteins.
Foto: M. Schöttle

Eine bundeseinheitliche Standardisierung des Geo-


topschutzes konnte erst Ende der 1990er Jahre er- Dipl. Geologe Dr. habil. Manfred Schöttle hat dieses
reicht werden. In der Praxis haben sich diese Vor- Schwerpunktthema noch rechtzeitig vor seiner in-
gaben bewährt und sind als Arbeitsanleitung aner- zwischen eingetretenen Pensionierung auf den Weg
kannt. gebracht. Ihm gebührt als Hauptautor und Koordina-
tor der geotopbezogenen Beiträge ganz besonderer
Insgesamt ist der Stellenwert des Geotopschutzes Dank.
in Deutschland in den letzten zehn Jahren durch
verschiedene Initiativen und eine breite Diskussion
stark angestiegen. Dr. Winfried Krahl
LfU, Abteilung 2 „Ökologie, Boden, Naturschutz“

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 5


Schwerpunktthema

Was sind Geotope? zu schützen (NatSchG § 24a, Biotopschutzgesetz;


Landeswaldgesetz (LWG) § 30a; Bundesnatur-
schutzgesetz § 30, zuvor § 20c BNatSchG). Vielmehr
Der Begriff „Geotop“ ist heutzutage vielen immer sollten von den vorhandenen Geotopen wirklich nur
noch unbekannt. Was ein Biotop ist, glaubt fast je- diejenigen geschützt werden, die sich durch ihre be-
der zu wissen. Doch wurden in Deutschland noch sondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit,
vor den Biotopen gefährdete geologische Einzelbil- Eigenart oder Schönheit auszeichnen und dabei für
dungen als Naturdenkmale unter Schutz gestellt. Wissenschaft, Forschung, Lehre sowie Natur- und
So ist das erste in Deutschland unter Naturschutz Heimatkunde von besonderem Wert sind.
gestellte Objekt ein Geotop und zwar der „Drachen-
fels“ südlich Bonn, der bereits im Jahre 1836 amtlich
geschützt wurde. Bekanntlich wurden die Gesteine
in der Anfangsphase zum Bau des Kölner Doms ver-
wendet, standen aber später aufgrund des Schutz-
status nicht mehr zur Verfügung (WARDENBACH
2000).
Die Wissenslücke in der Öffentlichkeit ist verständ-
lich, da der Begriff „Geotop“ erst im Jahre 1996 neu
definiert wurde. Nach der Definition der Geologi-
schen Dienste (AD-HOC-AG Geotopschutz 1996)
der Länder sind Geotope erdgeschichtliche Bildun-
gen der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die
Entwicklung der Erde oder des Lebens vermitteln.
Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden,
Mineralen und Fossilien sowie einzelne Naturschöp-
fungen und Landschaftsteile. Ferner ist der Geotop-
schutz der Bereich des Naturschutzes, der sich mit
der Erhaltung und Pflege schutzwürdiger Geotope
befasst. Gefahren für Geotope gehen vor allem von
Abbaumaßnahmen aus, von Verfüllung, Verwitte-
rung, Bewuchs, aber auch Überplanung im Falle von
Baumaßnahmen.

Geotope sind Schaufenster und Archive der Erdge-


schichte. Sie sind Teil unseres erdgeschichtlichen
Naturerbes. Schutzwürdig sind diejenigen Geotope, Falkenfelsen bei Bühl
Ca. 60 m hohe Felsgruppe aus Bühlertalgranit mit typischem
die sich durch ihre besondere erdgeschichtliche Be- Blockzerfall längs der Granitklüftung
deutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit aus- Foto: M. Schöttle
zeichnen. Für Wissenschaft, Forschung und Lehre
sowie für Natur- und Heimatkunde sind sie Doku- Der Stellenwert des Geotopschutzes im Naturschutz
mente von besonderem Wert. Sie können insbeson- hängt von mannigfaltigen Interessen ab. Oft wird der
dere dann, wenn sie gefährdet sind und vergleich- Wert des eigentlichen Untergrunds für die auf Ge-
bare Geotope zum Ausgleich nicht zur Verfügung steinen (Felsen) und Böden vorkommende Flora und
stehen, eines rechtlichen Schutzes bedürfen. Fauna unterschätzt, obwohl die Verhältnisse des Un-
Der Schutz der Geotope erfolgt meist nach dem tergrunds (z. B. das Nährstoffangebot, die morpho-
Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) als Natur- logische Ausbildung und andere Kennwerte) meist
schutzgebiet oder flächenhaftes Naturdenkmal bzw. Voraussetzung sind. Gleichwohl muss man von ei-
bei Fossilfundpunkten nach dem Denkmalschutzge- ner Symbiose von Geotopschutz und Naturschutz
setz als Grabungsschutzgebiet oder Kulturdenkmal. ausgehen, da viele Naturobjekte gleichzeitig in beide
Das neu geschaffene Landes-Bodenschutz- und Alt- Kategorien fallen. Ein Schutzstatus ist nach bisheri-
lastengesetz (LBodSchAG) kann ebenfalls hilfreich ger Erkenntnis leichter zu erreichen, wenn seltene
hinzugezogen werden, da es den Boden im weiteren Formen der unbelebten und der belebten Natur zu-
Sinne, also die Geosphäre, als Archiv der Naturge- sammen vorkommen. Der Schutz der Geotope trägt
schichte und als landschaftsgeschichtliche Urkunde somit zum ganzheitlichen Naturschutz bei.
sieht.
Es widerspricht allerdings den Zielen des Geotop- Die in Baden-Württemberg erfassten schutzwürdi-
schutzes (Schutz der unbelebten Natur), bestimmte gen Geotope umfassen das gesamte geologische
Geotoptypen automatisch und pauschal gesetzlich Inventar des Landes, vom kristallinen Untergrund

6 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

mit seltenen magmatischen und metamorphen Ge- Gesteinskunde


steinstypen über das sedimentäre Deckgebirge vom
Rotliegenden über Buntsandstein, Muschelkalk und
Keuper bis zum Jura, gefolgt von den Schichten des Tiefengesteine
Tertiärs und den Lockersedimenten des Quartärs. Plutonite oder Intrusionsgesteine entstehen, wenn
Magmamassen, die in die Erdkruste eindringen,
Bei der Ausweisung von Geotopen werden folgende langsam abkühlen und erstarren. Ohne äußere Ein-
Merkmalstypen unterschieden flüsse sind deren Struktur meist richtungslos. Tie-
• Wichtige Schichtfolge für nationale und internatio- fengesteine sind voll kristallisiert. Man unterscheidet
nale Vergleiche und zur Dokumentation der erdge- sie in saure, mittlere und basische Sorten, abhängig
schichtlichen Abläufe vom Kieselsäuregehalt.
• Fossilfundpunkt zur Dokumentation der Entwick-
lungsgeschichte des Lebens
• Besonderer Gesteinstyp und / oder Mineralfundstel-
Ergussgesteine
le als spezielle Gesteinsvorkommen bzw. eventuelle Vulkanite, Extrusiv-, Effusiv- und Eruptivgesteine
Lagerstätten / Rohstoffe entstehen, wenn Magmamassen durch die Erdkrus-
• Besondere Sedimentgefüge (Strukturen, Marken, te hindurch auf die Oberfläche austreten.
Spuren) zur Dokumentation der Vorgänge bei der
faziellen Ausbildung des Ablagerungsraums Sedimentgesteine
• Erhaltenswerte Erscheinungsformen von und an Ablagerungs- und Niederschlaggesteine entstehen
vulkanischen Gesteinskörpern zur Dokumentation aus verwitterten, zerkleinerten Primärgesteinen,
vulkanischer Vorgänge
Wasserablagerungen (Muscheln) und vulkanischen
• Tektonische Deformation (Verwerfungen, Falten
u. a. ) zur Dokumentation der Vorgänge in den Ge-
Aschen. Kieselige, karbonitische und tonige Binde-
steinen nach Ablagerung bzw. Platznahme mittel lassen die Ablagerung zu Stein werden. Mine-
• Karsterscheinungen (Erdfälle / Dolinen, Höhlen u. a.) ralienbeimengungen sind für die Farbe verantwort-
zur Dokumentation von Erosions- und Auslaugungs- lich.
vorgängen in den Gesteinen und im Untergrund Hämatit=Rot; Limonit=Gelb; Glaukonit=Grün
• Geomorphologische Struktur und Form (Felsen,
Blockfelder, Dünen, Flussterrasse u. a.) zur Doku- Metamorphe Gesteine
mentation aktueller geologischer Vorgänge bei der Umwandlungsgesteine, Metamorphit entstehen,
Entstehung und Umformung unserer Landschaften
wenn Gesteine in die Tiefe abgesunken sind und
Literatur sich durch hohen Druck und hohe Temperaturen
AD-HOC-AG GEOTOPSCHUTZ (1996): Arbeitsanleitung Geo- umwandeln. Kalkstein zu Marmor, Dolomitstein zu
topschutz in Deutschland – Leitfaden der Geologischen Dienste
der Länder der Bundesrepublik Deutschland. – Bundesamt für
Dolomitmarmor, tongebundener Sandstein zu Glim-
Naturschutz, Angew. Landschaftsökologie, 9, 105 S.; Bonn-Bad merquarzit, quarzgebundener Sandstein zu Quarzit.
Godesberg.

WARDENBACH, Thomas (2000): Geotope tragen zum ganz-


heitlichen Naturschutz bei. Umwelt kommunale ökolog. Briefe
13–14, 28–29
Priv.-Doz. Dr. habil. Manfred Schöttle
LfU, Ref. 22

Von tausenden von Mineralien sind nur ca. 20 an der Gesteinsbildung beteiligt. Diese sind wichtig für die tech-
nischen Eigenschaften eines Steines, nebst der Struktur des Gefüges und der Dichte.

Tiefengesteine Ergussgesteine Sedimentgesteine Metamorphe Gesteine


Granit Rhyolith Kalkstein wird zu> Marmor
Syenit Trachyt Dolomitstein wird zu> Dolomitmarmor
Gabbro Basalt Sandsteinton wird zu> Glimmerquarzit
Foyait Tuffstein Sandsteinquarz wird zu> Quarzit
Diorit Tonschiefer wird zu> Glimmerschiefer
Konglomerat Serpentinit
Brekzie Orthogneis
Muschelkalk Paragneis
Travertin Migmatit
Granulit

Quelle: http://www.stein.ch/Firmen%20CH/Kuhn/Gesteinskunde.htm

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 7


Schwerpunktthema

Überblick über die Erdzeitalter

Quelle: Meyers Lexikonverlag, Mannheim, Wien, Zürich

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Schwerpunktthema

Geotopschutz als Teil des Randerscheinungen in einem sich zunehmend bio-


Naturschutzes logisch ausrichtenden Naturschutzapparat, obgleich
der Naturschutzgedanke und die Kenntnis ökolo-
gischer Zusammenhänge seit den späten 1960er
Nicht wenige Gründerväter des Naturschutzes waren Jahren vermehrt ins öffentliche Bewusstsein gerückt
von Hause aus Geologen, beziehungsweise schloss waren.
eine umfassende naturwissenschaftliche Ausbildung Zwar bekräftigte das Bundesnaturschutzgesetz
zur Entstehungszeit des Naturschutzgedankens um (BNatSchG) vom 20. 12. 1976 allgemein den Schutz
die Wende des 19./20. Jahrhunderts das Fach Geo- aus „wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder
logie noch ganz selbstverständlich ein. landeskundlichen Gründen“ für Naturschutzgebiete
An prominenter Stelle sei nur an Walter Schoeni- (§ 13) und Naturdenkmale (§ 17) gleichermaßen, oh-
chen, ab 1922 in der Nachfolge von Hugo Conwentz ne aber – als Rahmengesetz – Einzelobjekte aufzu-
als Leiter der Staatlichen Stelle für Naturdenkmal- zählen; dies blieb den Ländergesetzen vorbehalten.
pflege in Preußen erinnert, oder für das heutige So listet das baden-württembergische Naturschutz-
Land Baden-Württemberg der Name Hans Schwen- gesetz (NatSchG) vom 21. 10. 1975 als mögliche
kel (1886–1957) genannt. Naturdenkmale unter anderem auf: Felsen und
Auch die ersten Schutzgebiete sicherten geologi- Felsgruppen, erdgeschichtliche Aufschlüsse, Steilu-
sche Objekte: die „Baumannshöhle“ im Harz 1668, fer, Bodenformen, Höhlen, Wanderblöcke und Glet-
den „Drachenfels“ im Siebengebirge 1836 oder 1852 scherspuren, Quellen und Wasserfälle. Diese Auf-
die aus kreidezeitlichem Quadersandstein beste- zählungen sind nicht abschließend, sondern können
hende „Teufelsmauer“ bei Thale am Nordrand des bedarfsweise ergänzt werden; ferner kennt auch das
Harzes (nach SCHOENICHEN 1954). NatSchG BW den Schutz von Einzelbildungen der
Natur oder größerer Gebiete aus wissenschaftlichen,
Im ersten Naturschutzgesetz, dem Reichsnatur- naturgeschichtlichen und landeskundlichen Grün-
schutzgesetz vom 26. 06. 1935, nannten die §§ 3 den in den §§ 21 Naturschutzgebiete (NSG) und 24
und 4 erdgeschichtliche Formen der Landschaft wie Naturdenkmale (ND). Die nachfolgenden Änderun-
Felsen, Aufschlüsse, Wanderblöcke und Gletscher- gen der Naturschutzgesetze, besonders die so ge-
spuren noch an erster Stelle der schutzwürdigen nannten Biotopschutzgesetze § 20c BNatSchG bzw.
Objekte vor den „biologischen“ Naturdenkmalen. § 24a NatSchG BW, enthalten ebenfalls Nennun-
Wissenschaftliche Gründe galten vor allen anderen gen von Objekten mit geotoptypischen Merkmalen:
als Schutzanlass. offene Binnendünen, offene natürliche Block- und
Um so bemerkenswerter ist, dass seitens der Geröllhalden, offene Felsbildungen, Höhlen, Dolinen
Geowissenschaften eine flächendeckende, syste- u. a. Gemeint sind damit jedoch lediglich Landschaft-
matische Inventarisierung schützenswerter Land- selemente als potenziell wertvolle Biotope (Habita-
schaftsbestandteile lange ausblieb und der Biologe te), nicht als Geotope; die Systematik bleibt jeden-
Wolfgang Erz noch 1980 erstaunt feststellen muss- falls weiter unklar und eine geowissenschaftliche
te: „Lediglich die Geowissenschaften, insbesonde- Komponente wird allzu oft erst später in geeignete
re die Geographie, halten sich mit ihren Beiträgen Objekte hineininterpretiert oder dazuaddiert (vgl.
zum Naturschutz noch zurück, obwohl Schutz- und SCHÖTTLE 1984, S. 5).
Entwicklungsmaßnahmen für geogene Erscheinun-
gen und komplexe Landschaftsausschnitte ebenso Nun ist Multifunktionalität ein Kennzeichen vieler ge-
notwendig sind wie für die biogenen Erscheinungen. schützter Einzelobjekte und bei größeren Schutzge-
So müsste z. B. die Aufgabenstellung, ein für die bieten die Regel: Schwermetallrasen bedürfen eines
Landesnatur Mitteleuropas repräsentatives Natur- besonderen Untergrundes, in Felsspalten wachsen
schutzgebietssystem zu schaffen, die Geographie die danach benannten Pflanzengesellschaften, Ab-
und andere Geowissenschaften förmlich herausfor- baustellen sind häufig Sonderstandorte in unserer
dern. Doch scheinen diese Disziplinen den Natur- nivellierten Produktionslandschaft – die Liste ließe
schutz bisher so gut wie gar nicht für die eigenen sich beliebig verlängern, denn besondere Biotope
wissenschaftlichen Belange entdeckt zu haben“ setzen oftmals entsprechende Geotope voraus.
(ERZ 1980, S. 576). Geotopschutz und Biotopschutz sind daher häufig
Man ist fast geneigt, ihm recht zu geben, denn die untrennbar und müssen auf gleichem Standort ver-
Bemühungen einzelner Geologen, wie WAGEN- wirklicht werden. Dies gelingt jedoch nur, wenn so-
BRETH (1970) in der ehemaligen DDR, MEIBURG wohl biotische als auch abiotische Schutzargumente
(1979) in Hessen oder SCHÖTTLE (1984) in Ba- fachlich bewertet, neutral abgewogen und anschlie-
den-Württemberg, die erste Zusammenstellungen ßend kompatible Verordnungslösungen gefunden
geologischer Naturdenkmale vorlegten und sich mit werden. Notwendig ist also im Falle einer gemeinsa-
Schutzkriterien auseinandersetzten, wurden nur von men Unterschutzstellung aus biotischen und abioti-
wenigen Fachleuten wahrgenommen. Sie blieben schen Gründen eine inhaltliche Auseinandersetzung

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 9


Schwerpunktthema

in der Verordnung mit den explizit genannten Schutz- AD-HOC-ARBEITSGRUPPE als Naturschutzgebiet
zwecken einerseits, sowie den aus den jeweiligen ausgewiesen (STEINMETZ & JUNKER 2000).
fachlichen Notwendigkeiten sich ergebenden Ge- Nun steht im Regierungsbezirk Stuttgart erneut ein
und Verboten, Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen, Geotop zur Unterschutzstellung an: der „Bergrutsch
Betretungsrechten etc. andererseits (vgl. JUNKER am Kirchsteig bei Urbach“ im Rems-Murr-Kreis.
1997). Auch hier führten die im Gutachten des damaligen
Dies setzt aber eine eigenständige geowissenschaft- LGRB, jetzt Abt. 9, RP Stuttgart, (WAGENPLAST
liche Bestandsaufnahme schutzwürdiger Objekte 2003) berücksichtigten Bewertungskriterien wie all-
voraus; SCHÖTTLEs Zusammenstellung von 1984 gemeine geowissenschaftliche Bedeutung, regional-
für den Regierungsbezirk Karlsruhe beispielsweise geologische Bedeutung, Bedeutung für Bildung, For-
zeigte aber, dass die als geologische Naturdenkmale schung und Lehre, Erhaltungszustand, Vorkommen
ausgewiesenen Objekte im Wesentlichen subjektiv gleichartiger Geotope und regionale Repräsentanz
nach morphologischen und ästhetischen Gesichts- aufgrund des geowissenschaftlichen Wertes und der
punkten ausgewählt worden waren und der Vielfalt Schutzbedürftigkeit zur Feststellung der besonderen
der erdgeschichtlichen Entwicklung und ihrer Doku- Schutzwürdigkeit des Geotops.
mentation bei weitem nicht gerecht wurden.
So fehlen vor allem wichtige Schichtfolgen, die für die Literatur
stratigraphische (Alters-Abfolge der Gesteinsschich- AD-HOC-AG GEOTOPSCHUTZ (1996): Arbeitsanleitung Geo-
topschutz in Deutschland. Leitfaden der Geologischen Dienste
ten) und fazielle (Ausbildung der Gesteinsschichten) der Länder der Bundesrepublik Deutschland. – Angew. Land-
Dokumentation eines Ablagerungsraumes von Be- schaftsökologie 9, 105 S., Bundesamt f. Naturschutz (Hrsg.);
deutung sind – sowie spezielle Gesteinstypen, be- Bonn/Bad Godesberg.
sondere Sedimentgefüge, Karsterscheinungen, Fos-
BURGMEIER, G. u. M. SCHÖTTLE (2002): Geotope im Regie-
silfundpunkte, erhaltenswerte Erscheinungen von rungsbezirk Stuttgart. Bodenschutz 12, 348 S., Landesanstalt f.
und an vulkanischen Gesteinskörpern, tektonische Umweltschutz (Hrsg.); Karlsruhe.
Deformationen oder geomorphologische Strukturen
und Formen zur Dokumentation aktueller Vorgän- ERZ, W. (1980): Naturschutz – Grundlagen, Probleme und Pra-
xis. – In: Buchwald, K. u. W. Engelhardt (Hrsg.): Handbuch für
ge bei Entstehung und Wandel unserer Landschaft. Planung, Gestaltung und Schutz der Umwelt Bd. 3: 560–637;
SCHÖTTLE (1984) schlägt deshalb für sämtliche im München, Bern, Wien.
Untersuchungsgebiet vorkommenden geologischen
Formationen weitere schutzwürdige Beispielsobjekte ETZOLD, A. (1996): Geowissenschaftliche Stellungnahme zur
Schutzwürdigkeit zweier Flächen mit Goldshöfer Sanden auf
vor, die gleichzeitig repäsentative und stratigraphisch TK 25 Blatt 7126 Aalen. – Geolog. Landesamt Bad.-Württ. (Az.:
wichtige Aufschlüsse darstellen. Als Schutzwürdig- 2277.01/95-4762 v. 23.02.1996); 9 S., 2 Anl.; Freiburg.
keitskriterien nennt er Wertklasse und Aussagekraft
eines Aufschlusses, seine Seltenheit und Eigenart, JUNKER, B. (1997): Unterschutzstellungsverordnungen für
schutzwürdige Geotope in Baden-Württemberg. – In: Geotop-
die Notwendigkeit der Erhaltung für Forschung und schutz und seine rechtlichen Grundlagen. Schr. Reihe d. Dt.
Lehre und nicht zuletzt die Bedeutung für die Lan- Geolog. Ges., H. 15: 49–55, Hannover (= Veröff. Niedersächs.
deskunde; als Schutzbedürftigkeitskriterien gelten Akad. d. Geowiss. H 12).
absolute Seltenheit und / oder Eigenart des Objekts.
MEIBURG, P. (1979): Geologische Naturdenkmale in Hessen.
– Naturschutz u. Landschaftspflege in Hessen 1977/78: 49–62;
Eine breite und intensive Diskussion um den Stel- Wiesbaden.
lenwert des Geotopschutzes im Naturschutz begann
erst Anfang der 1990er Jahre (vgl. Kurzüberblick bei SCHOENICHEN, W. (1954): Naturschutz, Heimatschutz: ihre
Begründung durch Ernst Rudorff, Hugo Conwentz und ihre Vor-
BURGMEIER & SCHÖTTLE 2002, S. 8) und gipfel- läufer. X + 311 S.; Stuttgart.
te in der von der AD-HOC-ARBEITSGRUPPE GE-
OTOPSCHUTZ 1996 vorgelegten „Arbeitsanleitung SCHÖTTLE, M. (1984): Geologische Naturdenkmale im Regie-
Geotopschutz in Deutschland – Leitfaden der Ge- rungsbezirk Karlsruhe. Beih. Veröff. Naturschutz Landschafts-
pflege Bad.-Württ. 38:1–171; Karlsruhe.
ologischen Dienste der Länder der Bundesrepublik
Deutschland“. Damit liegen nun einheitliche Definiti- STEINMETZ, M. (1997): Zum Konfliktbereich Geotopschutz/Na-
onen für die Begriffe „Geotop“, „schutzwürdiger Ge- turschutz. Ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion. – In:
otop“ und „Geotopschutz“ sowie Anweisungen zur Geotopschutz und seine rechtlichen Grundlagen. Schr. Reihe d.
Dt. Geolog. Ges., H. 15: 80–83, 1 Tafel; Hannover (= Veröff. Nie-
Erfassung und Bewertung von Geotopen vor. dersächs. Akad. d. Geowiss. H. 12).

In der naturschutzfachlichen Praxis hat sich die Ar- STEINMETZ, M. u. B. JUNKER (2000): Die Ausweisung eines
beitsanleitung Geotopschutz indes bewährt. Mit den Geotops als Naturschutzgebiet am Beispiel der Goldshöfer San-
de, Baden-Württemberg. – In: Geotop 2000 – Geotope im Spie-
„Goldshöfer Sanden“ im Regierungsbezirk Stuttgart gelbild der geowissenschaftlichen Landesforschung. Geowiss.
wurde erstmals in Deutschland ein Objekt mit rein Mitt. Thüringen, Beih. 10: 99–102, 1 Abb.; Weimar 2000.
geowissenschaftlichem Schutzzweck (Typlokalität,
Fossilhöffigkeit) entsprechend den Vorgaben der WAGENBRETH, O. (1970): Entwurf eines Systems geologischer

10 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

Naturdenkmale in Thüringen. – Landschaftspflege u. Natur- oder Bewuchs einer wissenschaftlich bedeutsamen


schutz Thüringen 7: 5–19; Jena.
Schichtfolge, der Abbau des gesamten Geotops
WAGENPLAST, P. (2003): Geologische Stellungnahme zur oder von Teilbereichen, die beabsichtigte Verfüllung
Schutzwürdigkeit des Urbacher Bergrutsches. – Landesamt f. einer Kiesgrube oder eines Steinbruchs oder auch
Geologie, Rohstoffe u. Bergbau BW (Az.: 4760/02 4457 Wg v. der Abtransport eines geowissenschaftlich wertvol-
16.01.2003); 4 S., 1 Karte; Freiburg.
len Findlings sein. Wichtig ist es auf jeden Fall, das
öffentliche Interesse für den Schutz von Geotopen
Dr. Manfred Steinmetz zu wecken.
Regierungspräsidium Stuttgart
Ref. 56 Naturschutz und Landschaftspflege

Geotopschutz in Deutschland

In der Vergangenheit sind vielfach geologische


Einzelschöpfungen der Natur, aber auch größere
Landschaftsteile mit besonderer erdgeschichtlicher
Bedeutung aufgrund behördlicher und privater Initi-
ativen als Naturdenkmale unter Schutz gestellt wor-
den. Im öffentlichen Bewusstsein hat sich für den
Schutz der Natur der Begriff „Biotopschutz“ einge-
prägt. Das hat in den Bundesländern überwiegend Aufgelassener Steinbruch am Hörnle bei Neuffen; über 100 m
die Ausweisung von National- und Naturparken, mächtiges Aufschlussprofil im Weißjura
Natur- und Landschaftsschutzgebieten sowie Natur- Foto: Burgmeier
denkmalen entscheidend beeinflusst.
Dabei wird oft übersehen, dass auch geologische Schutz-, Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen
Bildungen und Landschaftsformen des Schutzes be- Bei den Schutzvorschriften ist auf ein sinnvolles Ver-
dürfen. Seit 1996 hat sich dafür der Begriff Geotop hältnis zwischen Vorschrift und Zweckbestimmung zu
eingebürgert. achten. So darf eine Schutzverordnung dem Zweck,
dem sie dienen soll, nicht zuwiderlaufen. Wenn ein
Geotopschutz – warum? Fossilvorkommen unter Schutz gestellt wird, muss
Geotope sind Teil des erdgeschichtlichen Naturer- trotzdem gewährleistet sein, dass wissenschaftliche
bes. Sie können durch verschiedenartige Einflüs- Untersuchungen weiterhin vorgenommen werden
se wie Baumaßnahmen, Abbau, Verwitterung, Be- dürfen, einschließlich von Probennahmen. Ein abso-
wuchs u. a. in ihrem Bestand gefährdet sein. In der luter Schutz würde bedeuten, dass der Geotop für
Regel sind sie unersetzlich und nur in Einzelfällen Wissenschaft und Forschung verloren wäre. Ähnli-
wiederherstellbar. An der Erhaltung und Pflege be- ches gilt für unverfestigte Schichtfolgen, die verfal-
deutender Geotope besteht daher neben dem wis- len und mit Pflanzen zuwachsen. Auch hier muss
senschaftlichen auch öffentliches Interesse. das Freilegen und Abräumen des Materials möglich
sein, um den ursprünglichen Schutzzweck wieder-
Erfassung, Inventarisierung und Bewertung herzustellen, z. B. als Fenster der Erdgeschichte mit
Alle Geotope in den Bundesländern sind zu erfas- Einblick in die Schichtfolge. Solche Fragen sind be-
sen, zu dokumentieren und geowissenschaftlich zu reits bei der Beantragung des Schutzes zielgerichtet
bewerten. Danach wird bestimmt, ob ein Schutzsta- zu klären und in der Verordnung festzulegen.
tus notwendig ist. Dafür hat die AD-HOC-AG GEO-
TOPSCHUTZ ein bundeseinheitliches Standardver- Gesetzlicher Schutz von Geotopen
fahren vorgelegt. Der Geotopschutz in den Ländern erfolgt auf der
Grundlage der zur Zeit bestehenden gesetzlichen
Schutzwürdigkeit von Geotopen Regelungen, vorwiegend der Naturschutz- und Denk-
Hierbei spielt es eine besondere Rolle, ob der Geo- malschutzgesetze der Länder. Das Bodenschutzge-
top gefährdet ist. Ein Geotop, der keiner Gefahr der setz kann ergänzend hinzugezogen werden in der
Zerstörung, meist sind dies Felsen, ausgesetzt ist, Funktion des Bodens als Archiv der Natur- und Kul-
braucht eigentlich nicht unter Schutz gestellt wer- turgeschichte. Jedoch ist eine klare Abgrenzung des
den. Eine pauschale Unterschutzstellung ähnlich Geotopschutzes (unbelebte Natur) von der „automa-
den Biotopen ist somit nicht notwendig. Ist ein Ge- tischen“ Unterschutzstellung, wie sie im Bundesna-
otop aber gefährdet, so ist bedeutungsvoll, wodurch turschutzgesetz und in Landesnaturschutzgesetzen
er gefährdet ist. Das kann fortschreitender Verfall für Biotope (belebte Natur) festgelegt ist, dringend

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 11


Schwerpunktthema

erforderlich. Es widerspricht den Zielen des Geotop- Geologische Aspekte des


schutzes, bestimmte Geotope pauschal gesetzlich Naturschutzes
zu schützen. Vielmehr sollen aus der Gesamtheit
der Geotope nur diejenigen geschützt werden, die
sich durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeu- In der Biotopkartierung in Baden-Württemberg wird
tung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit auszeich- den morphologischen Erscheinungsformen – Ge-
nen und für Wissenschaft, Forschung, Lehre sowie otopen wie Binnendünen, offenen Felsbildungen
für Natur- und Heimatkunde von besonderem Wert natürlichen und anthropogenen Ursprungs oder
sind. Hohlwegen – eine hohe naturschutzfachliche Wert-
schätzung beigemessen. Im Gegensatz zu landwirt-
Abgrenzung des Biotopschutzes vom Geotop- schaftlich nutzbaren Flächen sieht der Gesetzgeber
schutz für solche Bereiche keine Pflegepflicht vor, so dass
Der Biotopschutz dient primär dem Erhalt oder der durch Verwitterung oder Pflanzenbewuchs die Ge-
Wiederherstellung der Lebensräume seltener oder in otope in ihrem Erscheinungsbild und ihrer Funktion
ihrem Bestand gefährdeter Pflanzen- und Tierarten, für den Artenschutz eine grundlegende Veränderung
die sich allerdings auf Geotopen ansiedeln, wach- erfahren, wenn zielorientierte Eingriffe ausbleiben.
sen und leben. Auch dem Geotopschutz kann
eine artenschützende Wirkung zukommen, wie
z. B. Böden, Sande und Moore, insoweit sind
zahlreiche Überschneidungen denkbar. Sein ei-
gentliches Schutzgut ist aber nicht die belebte,
sondern die heutige unbelebte, die fossile Na-
tur als Zeugnis landschafts- und erdgeschichtli-
cher Entwicklung.
Hieraus ergeben sich natürlich Konsequenzen:
Eine präzise Abgrenzung der vom Biotop- und
Geotopschutz erfassten Schutzbereiche ist
schwierig, sollte aber angestrebt werden. Aus
dem Katalog besonders geschützter Biotope
sind diejenigen Biotoptypen herauszunehmen,
bei denen eindeutig nicht der Artenschutz
sondern vielmehr das geowissenschaftliche
Interesse im Vordergrund steht, also der Ge-
otopschutz. Eine Übertragung der Schutzgut- Steinbruch des Oberen Muschelkalks in Weingarten/Baden mit zuneh-
regelungen für Biotope auf den Geotopschutz mender Gehölzbesiedlung. Mittlerweile sind die Wände freigestellt.
ist bereits vom Ansatz her verfehlt. Denn an- Foto: W. Schempp
ders als Biotope werden Geotope nicht als
Entwicklungsräume des künftigen Lebens, sondern Steinbrüche, Kies und Sandgruben sind deshalb für
als Zeugnis vollzogener erdgeschichtlicher Entwick- eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten so wert-
lungen und Bildungen insoweit um ihrer Selbstwillen voll, da diese Sekundärbiotope einen Ersatz für Roh-
geschützt, sofern sie unter Berücksichtigung geo- bodenflächen darstellen, die vor der intensiven Land-
wissenschaftlicher Kriterien auch tatsächlich erhal- nutzung durch den Menschen vor allem im Bereich
tenswert sind. der Talsysteme auf natürliche Weise entstanden
Der Geotopschutz soll keine zusätzliche flächen- sind. Bedingt durch die Dynamik des Wassers wur-
deckende Schutzfunktion übernehmen. Er sollte den Schwemm- und Schuttkegel, Geländeabbrüche,
vorwiegend nur eine individuelle Aufgabe erfüllen, Steilufer sowie Kies-, Sand- oder Geröllbänke immer
d. h. in den Fällen greifen, in denen ein besonderes wieder auf`s Neue gebildet oder abgebaut. An die-
öffentliches Interesse an einer Unterschutzstellung se Flächen sind Spezialisten wie Uferschwalbe oder
vorliegt und eine spezifische Gefährdungssituation Flugregenpfeifer gebunden, die nun – bedingt durch
für einen schutzwürdigen Geotop besteht. wasserbauliche Maßnahmen – ohne Hilfe durch ziel-
gerechte Pflege von Sekundärbiotopen in eine be-
Auszug aus LOOK 2000 drohliche Existenznot geraten. Entsprechend den
natürlichen Vorgängen sind also Eingriffe im Sinn
Literatur der Pflege in Geotope unverzichtbar.
LOOK, Ernst-Rüdiger 2000: Geotopschutz in Deutschland. Ge-
owiss. Mitt. Thüringen, Beih.10, 25 –31; Weimar.
Steinbrüche sind strukturgebende Elemente in un-
Priv.-Doz. Dr. habil. Manfred Schöttle serer Kulturlandschaft mit auf relativ kleinem Raum
LfU, Ref. 22 höchst unterschiedlichen Standortbedingungen, die

12 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

sich deutlich zu denen im meist nährstoffreichen Tag des Geotops


Umfeld unterscheiden, das in der Regel durch Ge-
neralisten geprägt ist. Führungen zu Fenstern der Erdgeschichte, Ver-
In den Abbaustätten jedoch nutzen Spezialisten ihre anstaltungsrückblick
Chance, da die konkurrenzstarken Arten nur mit zeit-
licher Verzögerung Fuß fassen können. Mauerraute, Der Tag des Ge-
Mörtelbiene oder Mauereidechse besiedeln die tro- otops findet bun-
ckenheißen, sonnenexponierten Bereiche, während desweit jeweils
die Gelbbauchunke am nassen Fuß der Steilwand am 3. Sonntag
ihre Heimat findet. Je nach Bodenbeschaffenheit, im September
Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Zuwanderung statt (Sonntag,
und anderer Faktoren kommen im Lauf der Zeit 17. September
die Generalisten aus der Deckung und verändern 2006).
die Standortbedingungen bzw. passen sich diesen Er wird feder-
an. Dann gilt es, die vorherigen Verhältnisse durch führend von der
Oberbodenabtrag oder Gehölzrodungen – in der Art, Fachsektion
dass die Erosion nicht verstärkt wird – wiederherzu- GEOTOP www.
stellen. geo-top.de, der
Deutschen Ge-
Eine Salweide, die sich kraftvoll aus der Gesteins- ologischen Ge-
spalte hervorzwängt, mag zwar die Kraft der Natur sellschaft (DGG)
verdeutlichen und der Amsel einen Nestplatz bieten, w w w.dg g.de,
bewirkt aber neben der Verschattung einen verstärk- gemeinsam mit
te Erosion. Der Vorhang aus Waldrebe versteckt der Akademie
den Aufschluss, Bäume und Sträucher an der Basis der Geowissenschaften zu Hannover (AGH) www.
liefern Humus und erschweren für Uhu oder Wan- geoakademie.de und der Paläontologischen Gesell-
derfalke das Brutgeschäft. Bäume einschließlich schaft (PG) www.palaeo.de/palges organisiert.
Wurzelteller verstärken durch die Hebelwirkung den
Erosionsprozess an der Steinbruchoberkante. Die Zusätzliche Informationen finden Sie auch auf der
Funktion der gerodeten Gehölze kann meist im Um- Web-Seite „Tag des Geotops“ http://www.tag-des-
feld problemlos übernommen werden. geotops.de.
Im Extremfall kann es – wie bei der Hohlwegbö- Ansprechpartner für Baden-Württemberg sind
schung – angezeigt sein, die Steinwand durch „Ab- Dr. Baldur Junker und Thomas Huth vom Regie-
stechen“ oder Hangschuttabfuhr wiederherzustellen, rungspräsidium Freiburg Abt. 9, Landesamt für Geo-
sofern ein ausreichender Puffer an der Oberkante logie, Rohstoffe und Bergbau.
gegeben ist.
Ziel des Tags des Geotops ist es, mit allgemein
Die Maßnahmen zum Geotopschutz decken sich oft- verständlichen Informationen in einen Dialog mit
mals mit den naturschutzfachlichen Zielen. Der Aus- möglichst vielen BürgerInnen zu treten. Bundes-
tausch beider Disziplinen ist unproblematisch. weit werden Geotope vorgestellt. Hierbei sollen den
Besuchern die Wechselwirkungen im System Erde
Werner Schempp näher gebracht werden, damit die Eingriffe des Men-
Landratsamt Karlsruhe
Amt für Umwelt und Arbeitsschutz schen auf die natürlichen Gleichgewichte und Kreis-
läufe im Zusammenhang betrachtet werden können.
Darüber hinaus soll auch ein interdisziplinärer Dialog
über andere gesellschaftsrelevante und ökologische
Fragen des Schutzes und der Nutzung natürlicher
Ressourcen angeregt werden.
Zielgruppen sind die breite Öffentlichkeit: Familien,
Schüler und Jugendliche, Pädagogen, Journalisten,
Politiker, Naturschützer und Naturschutzfachleute.

Eingeladen wird im gesamten Bundesgebiet zum


Besuch von geologisch und erdgeschichtlich heraus-
ragenden und sehenswerten Aufschlüssen, Land-
schaftsformen und Einzelbildungen. Aufschlüsse
sind von der Natur freigelegte oder durch den Men-
schen geschaffene Gesteinsanschnitte, in denen

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 13


Schwerpunktthema

Strukturen anschaubar sind, die wesentliche Einbli- Entwicklung des Geotopschutzes in


cke in die Bewegungsabläufe und Umformungspro- Deutschland
zesse bei der Entwicklung der Erdkruste geben.

An ihnen kann man Schichtungsmerkmale und in- Bereits in früheren Jahren sind geologische Einzel-
terne Strukturen von Gesteinen oder Schichtfolgen schöpfungen der Natur, meist Felsen mit kulturhisto-
erkennen, die Rückschlüsse auf Transport- und Ab- rischer Bedeutung, aber auch größere Landschafts-
lagerungsprozesse, fossile biologische Aktivitäten teile mit besonderer erdgeschichtlicher Bedeutung,
sowie chemische und klimatische Prozesse gestat- unter Schutz gestellt worden. Als Beispiel sei der
ten. „Drachenfels“ bei Bonn-Bad Godesberg genannt,
Sie sind Belege für geologische Zeitabschnitte, Ab- der bereits im Jahre 1836 einen Schutzstatus erhielt.
lagerungs- oder Bildungsvorgänge und Grundla- Diesen frühen Maßnahmen lag allerdings keine sys-
ge für die Erforschung der Erdgeschichte und der tematische und umfassende geowissenschaftliche
Entwicklung des Lebens. Landschaftsformen und Erfassung und Bewertung zugrunde. Vielmehr wa-
Einzelbildungen an der Erdoberfläche sind unter ren sie als vorrangig biologisch motivierte Unter-
der Einwirkung von fließendem Wasser, Verwit- schutzstellungen häufig das Resultat der Arbeit von
terung, Schwerkraft, Wind oder durch chemische Naturschutz- und Heimatverbänden, aber auch von
Lösungsvorgänge entstanden, wie Schichtstufen, hauptsächlich auf lokaler Ebene tätigen interessier-
Flussterrassen, Inselberge, Einzelfelsen, Muren ten Gruppen oder Einzelpersonen (LOOK, 2000).
(Hangrutschungen), Kliffs, Dünen, Erdfälle, Dolinen,
Karsthöhlen. Der Stellenwert des Geotopschutzes in Deutschland ist
Auch die unter Einfluss von Klimaveränderungen in seit der Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Geotop-
den Eiszeiten entstandenen Formen wie Endmorä- schutz in deutschsprachigen Ländern“ im Rahmen des
nen, Gletscherschliffe auf harten Gesteinsuntergrün- Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler (BDG,
den, Findlinge, Gletschermühlen und Schmelzwas- damals Berufsverband Deutscher Geologen, Geophysiker
sersandbänke sind landschaftsformende Geotope. und Mineralogen) in Mitwitz im Jahre 1992 (WIEDENBEIN,
Ebenso gehören Einschlagkrater von Meteoriten wie 1992; 1993; WEYER, 1992; GRUBE & WIEDENBEIN,
z. B. das „Nördlinger Ries“, „Steinheimer Becken“ 1992, LÜTTIG, 1993) und den Jahrestagungen in Otzen-
sowie durch vulkanische Aktivitäten oder das Ein- hausen, 1993; Gerolstein, 1994; Wien, 1995 (KREUTZER
dringen von Magmen in die Erdkruste entstandene et al. 1995); und Koblenz, 1996 (FISCHER, 1997), stark
Landschaftsformen und Einzelbildungen wie Vulkan- angestiegen.
kegel, Vulkankrater, Maare und Basaltsäulen zu die- Nach Überführung der Arbeitsgemeinschaft in die Fach-
sen erdgeschichtlichen Zeugnissen . sektion Geotopschutz im Rahmen der Deutschen Geo-
Für das Leben im System Erde haben örtlich be- logischen Gesellschaft (DGG), der Herausgabe der Ar-
grenzte Austritte von Grundwasser wie Schichtquel- beitsanleitung Geotopschutz in Deutschland, Leitfaden
len, Karstquellen, Mineralquellen, Thermalquellen, der Geologischen Dienste der Länder der Bundesrepublik
Solequellen, eine herausragende Bedeutung. Des- Deutschland (AD-HOC-AG GEOTOPSCHUTZ, 1996) und
halb werden am „Tag des Geotops“ auch Quellen der weiteren Tagungen in Clausthal-Zellerfeld 1997 (LOOK,
Öffentlichkeit vorgestellt. 1997), Freiberg 1998, Wiesbaden 1999 (HOPPE & ABEL,
1999), Weimar 2000 (THÜRINGER LANDESANSTALT
Die Geotope, die in den „Tag des Geotops“ mitein- FÜR GEOLOGIE, Hrsgb., 2000), Krefeld 2001 (GEOLO-
bezogen sind, werden in der örtlichen Presse und im GISCHER DIENST NRW, Hrsgb., 2001), Viechtach 2002
Internet bekannt gegeben. (KRUHL et al., Hrsgb. 2002), Bad Ragaz 2003 (JORDAN
et al., Hrsgb. 2003), Stralsund 2004 (SCHÜTZE, Hrsgb.
Literatur 2004) sowie Lorsch 2005 (Geopark Bergstraße-Oden-
LOOK, E. R. & B. JUNKER (2003): „Tag des Geotops“ – wald Hrsgb. 2005) hat sich die Aufmerksamkeit und die öf-
Präsentation geologischer Sehenswürdigkeiten. – Schrif- fentliche Wertschätzung für Geotope weiter erhöht, aber
tenreihe der Dt. Geol. Ges., 25, 24–30; Hannover.
auch offene Fragen aufgerührt zwischen Geotopschutz
und dem klassischen Naturschutz, dem Biotopschutz, der
Priv.-Doz. Dr. habil. Manfred Schöttle Flächennutzung, der Regional- und Landesplanung und
LfU, Ref. 22
dem Rohstoffabbau, um nur einige Felder zu nennen.
Hinweis So ist es erklärlich, dass Strategien zur Öffentlichkeitsar-
Beiträge im Naturschutz-Info 3/02 –1/03, Seite 55 –57 beit einen immer größer werdenden Anteil einnehmen, um
die Resonanz und die Zustimmung zum Schutz des ge-
owissenschaftlichen Naturerbes in der Öffentlichkeit als
gesellschaftliche Verpflichtung weiter zu steigern. Der im
Jahr der Geowissenschaften 2002 neu eingeführte und
sich jährlich wiederholende bundesweite „Tag des Geo-

14 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

tops“ (LOOK & JUNKER, 2003) trägt dazu bei, allen Inte- Literatur
ressierten das geologische Naturerbe nahe zu bringen EICHHORN, R., GLASER, S., LAGALLY, U. & J. ROHRMÜLLER
(1999): Geotope in Oberfranken. - Erdwiss. Beiträge z. Natur-
und weiter zu verbreiten.
schutz 2, 175 S., München (Bayer. Geol. Landesamt).

In den letzten Jahren sind in den einzelnen Bundesländern FISCHER, H. Hrsgb. (1997): GTS – 4. Jahrestagung Geotop-
zahlreiche Publikationen erschienen, welche die Erhe- schutz. – Zentralbl. f. Geol. u. Paläont., Teil I, Heft 7/8, 249 S.;
Stuttgart.
bung der Geotope auf Landesebene zum Ziel hatten. Eine
Zusammenstellung ausgewählter Literatur zur Thematik FREY, M. L. (2003): Vulkaneifel European Geopark –langjährige
und der Erfassung in den Ländern findet sich in LAGAL- geotouristische Erfahrungen. – In: QUADE, Hrsgb., Schriftenr.
LY, FREYER, GÖLLNITZ, JAHNEL, JUNKER, KARPE, Dt. Geol. Ges., 25, 61–67; Hannover.
KAUFMANN, LOOK, PUSTAL, ROSS & SCHULZ (1997).
GEOLOGISCHER DIENST NORDRHEIN-WESTFALEN [Hrs-
Weitere Untersuchungen auf Bundes-Länderebene sind gb.] (2001): Geotopschutz im Ballungsgebiet. – Scriptum 8, 115
z. B. MEIBURG (1979, 1993); EICHHORN et al. (1999); S.; Krefeld.
GÖLLNITZ (1999); GLA Rheinland-Pfalz (1999); Thürin-
GLA Rheinland-Pfalz Hrsgb. (1999): Geotope in Rheinland-
ger Landesanstalt für Geologie (1999, 2000); MORGEN-
Pfalz. Begleitheft zum Poster, 35 S.; Mainz.
ROTH (1995); PUSTAL et al. (1995); WREDE (1997);
GLASER et al., (2001). Der Aufbau eines Geotopkatasters GLASER, S., LAGALLY, P., SCHENK, P., EICHHORN, R. &
ist bei LAGALLY et al. (2000) beschrieben. Für weitere Li- BRANDT, S. (2001): Geotope in Mittelfranken. – Erdwiss. Beitr.
Naturschutz, 3, 127 S.; Bayer. GLA München.
teratur siehe auch die Internet-Literaturdatenbanken „Ge-
otope“ des Bayerischen Geologischen Landesamts sowie GÖLLNITZ, D. (1999): Liste der Geotope im Landkreis Potsdam-
der Fachsektion Geotop der Deutschen Geologischen Mittelmark einschließlich Brandenburg und Potsdam. – Branden-
Gesellschaft. Für Österreich sei KREUTZER & SCHÖN- burger geowiss. Beitr. 6 (1), 102–112.
LAUB 1995; KRIEG 1996, HOFFMANN et al., 2003 sowie
GRUBE, A. & F. W. WIEDENBEIN (1992): Geotopschutz – ei-
der Schweiz HEITZMANN, 1995; JORDAN 1999, STÜRM ne wichtige Aufgabe der Geowissenschaften. – Die Geowissen-
2003 erwähnt. schaften, 10 (8): 215–219; Weinheim.

HEITZMANN, P. (1995): Geotopschutz in der Schweiz und seine


Aufgrund der vielfältigen Erhebungen und Dokumen- gesetzlichen Grundlagen. – Ber. der Geol. Bundesanstalt, 32,
tation der Ergebnisse ist eine einheitliche Vorgehens- 58–60; Bern.
weise gemäß der o.g. Arbeitsanleitung der AD-HOC-
AG GEOTOPSCHUTZ unerlässlich, um bundes- und HOFFMANN, Th., KOLLMANN, H. A., SCHÖNLAUB, H. P. &
F. F. STEININGER (2003): Geologische Sehenswürdigkeiten in
europaweit ein übergeordnetes Netzwerk der wich- österreichischen Geoparks. – In: QUADE, Hrsgb., Schriftenr. Dt.
tigsten Geotope zu schaffen. Dies ist auch als Vor- Geol. Ges., 25, 68–76, Hannover.
aussetzung für die Teilnahme an weiteren Program-
men auf internationaler Ebene notwendig wie die zu HOPPE, A. & H. ABEL [Hrsgb.] (1999): Geotope – lesbare Ar-
chive der Erdgeschichte. - Schriftenreihe Deutsch. Geol. Ges.,
Beginn der 1990er Jahre aufgelegte „World Heritage 7, 113 S.; Hannover.
List“ (GRUBE 1993), für die 18 geologische Objekte
in Deutschland (aus Baden-Württemberg sind dies JORDAN, P. (1999): Geotopschutz – die rechtliche Situation in
der Kaiserstuhl, das Grabungsgebiet „Holzmaden“ der Schweiz. – Geol. Insubr., 4, 55–58; Bern.
und der Meteoritenkrater „Steinheimer Becken“ mit JORDAN, P., ROGER, H., HEITZMANN, P., R. HIPP, Hrsgb.
baden-württembergischen Ries-Anteil) vorgeschla- (2003): Geotope – wie schützen / Geotope – wie nutzen. – Schrif-
gen wurden (LOOK, 1997). Hinzu kommt das von tenr. Dt. Geol. Ges., 31, 145 S.; Hannover.
der UNESCO angestrebte weltweite Netz von geo-
KREUTZER, L. H. & H. P. SCHÖNLAUB, Hrsgb. (1995): 3. Jah-
logischen Naturparks (EDER, 1999), das helfen soll, restagung der AGGeotopschutz in deutschsprachigen Ländern.
den internationalen Bekanntheitsgrad geowissen- – Berichte Geol. Bundesanstalt, 32, 93 S.; Wien.
schaftlich signifikanter Areale als sogenannte Geo-
parks aufzuwerten (siehe auch QUADE 2003). KRIEG, W. (1996): The list of geotopes in Austria. – Geologica
Balcanica, 26.1, 61–62; Sofia.
Über Erfahrungen bei der Einführung des Gütesie-
gels “Nationaler Geopark“ berichten MATTIG, 2003 KRUHL, H.J., BIRKENHAUER, J., LAGALLY, U. & G. LEHRBER-
und über geotouristische Erkenntnisse FREY, 2003. GER, Hrsgb. (2002): Geowissenschaften und Öffentlichkeit, 6.
Inzwischen sind eine ganze Reihe von Geoparks in Int. Tagung Fachsektion Geotop der DGG, 116 S., Viechtach,
Verlag Selden & Tamm Garching.
Deutschland zertifiziert worden.
In Baden-Württemberg sind dies der Geopark LAGALLY, U., FREYER, G., GÖLLNITZ, D., JAHNEL, C., JUN-
„Schwäbische Alb“ (MEGERLE & SPEIDEL 2003) KER, B., KARPE, W., KAUFMANN, E., LOOK, E. - R., PUSTAL,
und im direkt angrenzenden Gebiet in Hessen der T., ROSS, P. - H. & W. SCHULTZ (1997): Bericht über die Ergeb-
nisse der AD HOC ARBEITSGRUPPE GEOTOPSCHUTZ des
Geopark „Bergstraße-Odenwald“ (ECKHARDT &
Bund / Länder-Ausschusses Bodenforschung: „Arbeitsanleitung
WEBER 2003). Hinzu kommt das „Netzwerk Erd- Geotopschutz in Deutschland“. – Schriftenreihe Deutsch. Geol.
geschichte“ in Baden-Württemberg (MEGERLE & Ges, 5, 43–48; Stuttgart.
PAULS, 2003).

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 15


Schwerpunktthema

LAGALLY, U., GLASER; S. & R. EICHHORN (2000): Der digita-


le Geotopkataster des Bayer. GLA. – Geologica Bavarica, 105, Geotopschutz und seine rechtlichen
265–83; München. Grundlagen in Baden-Württemberg
LOOK; E. R. & B. JUNKER (2003): Tag des Geotops - Präsenta-
tion geologischer Sehenswürdigkeiten. –Schriftenreihe Dt. Geol. Unterschutzstellungsverordnungen für schutz-
Ges., 25, 24–30; Hannover.
würdige Geotope
LORSCH (2005): GeoTop 2005, Geotope und Geoparks. –
Schlüssel zu nachhaltigem Tourismus und Umweltbildung, 9. Int. Rechtliche Grundlagen des Geotopschutzes
Tagung Fachsektion Geotop der DGG (in Vorbereitung), Geo- Wie in allen Bundesländern können schutzwürdi-
park Bergstraße-Odenwald, J. Weber; Lorsch.
ge Geotope in Baden-Württemberg nach dem Na-
LÜTTIG, G. W. (1993): Der Geotopschutz in der geowissen- turschutzgesetz (NatSchG) als Naturschutzgebiet
schaftlichen Kartographie, Rückblick, Sachstandsbericht, Prog- (NSG) oder Naturdenkmal (ND) unter Schutz ge-
nose. Materialien Naturschutzzentrum Wasserschloß Mitwitz 1, stellt werden.
15–19; Mitwitz.
Zusätzlich ist ein Schutz möglich für Fossilien oder
MATTIG, U. (2003): Nationale Geoparks in Deutschland –Erfah- Fossilfundstellen sowie Naturgebilde wie Findlingen
rungen bei der Einführung eines Gütesiegels. In: JORDAN et al. nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) als Gra-
Hrsgb., Schriftenr. Dt. Geol. Ges., 31, 30–32; Hannover. bungsschutzgebiet oder Kulturdenkmal.
MEIBURG, P. (1979): Geologische Naturdenkmale in Hessen: Das Bodenschutzgesetz (BodSchG) von 1998 defi-
- Naturschutz u. Landschaftspflege in Hessen, 1977/78: 49–62; niert den Boden im weiteren Sinne – also die Geo-
Wiesbaden. sphäre – auch in seiner Funktion als „landschaftsge-
- (1993): Geotopschutz und geowissenschaftlicher Naturschutz schichtliche Urkunde“ und als „Archiv der Natur- und
in Hessen. – Materialien Naturschutzzentrum Mitwitz 1, 121–137;
Mitwitz. Kulturgeschichte“. Im Landes-Bodenschutz- und
Altlastengesetz Baden-Württemberg (LBodSchAG)
MORGENROTH, V. (1995): Praktischer Geotopschutz in Süd- vom 14. 12. 2004 taucht in der Begründung zu den
thüringen. – Ber. der Geol. Bundesanstalt, 32, 87–89; Wien. §§ 7 und 8 „Festsetzung von Bodenschutzflächen“
PUSTAL,I., PUSCHKUS, F. & K. H. HAUSKE (1995): Geotop- auch erstmalig der Begriff „Geotop“ in Zusammen-
schutz in Thüringen. – Geowiss. Mitt. Thüringen, 3, 173–181; hang mit dem Schutz von Flächen als landschafts-
Weimar. geschichtliche Urkunde und als Archiv der Naturge-
schichte auf.
SCHÜTZE; K. 2004: Geotopschutz – Chancen zur nachhaltigen
Entwicklung von Regionen in Europa. Tagungsband 8. Int. Ta-
gung Fachsektion Geotop Stralsund, 137 S., Umweltministerium Rechtliche Grundlagen in der Praxis
Mecklenburg-Vorpommern. Unterschutzstellungen nach dem BodSchG gibt es
bislang keine, da die Ermächtigungsgrundlage für ei-
STÜRM, B. (2003): Geotopinventar Kanton St. Gallen.
Schriftenteihe der Dt. Geol. Ges., Heft 31, 67–74; Hannover. ne Unterschutzstellung fehlt. Somit kann vorerst das
BodSchG mit seinen Möglichkeiten für den Geotop-
THÜRINGER LANDESANSTALT FÜR GEOLOGIE (2000): Geo- schutz nur aushilfsweise herangezogen werden.
tope im Spiegelbild der geowiss. Landesforschung, 130 S.; Wei-
mar.
Nach dem DSchG ist der Denkmalbegriff in Baden-
THÜRINGER LANDESANSTALT FÜR GEOLOGIE (Hrsgb.) Württemberg sehr weit gefasst. So beinhaltet der
(1999): Geologie und Geotope in Weimar und Umgebung, Begriff „Kulturdenkmal“ neben menschlichen Pro-
247 S., 1 Kartenteil; Weimar. dukten auch Naturgebilde, weil diese Objekte von
WEYER, H. J. (1992): Geotopschutz und geowiss. Naturschutz. „wissenschaftlichem Interesse“ sind.
– Mitt. Berufsverband Deutsch.Geol. Geophys. Miner. 45, 3; Bei der Ausweisung von Grabungsschutzgebieten
Bonn. sei hier nur das geowissenschaftliche Paradebei-
spiel genannt, die Fossilfundstelle „Versteinerungen
WIEDENBEIN, F. W. (1992): Gründung einer deutschsprachigen
Arbeitsgemeinschaft Geotopschutz in Mitwitz / Oberfranken. Holzmaden“. Dort ist das Staatliche Museum für
– Geol. Bl. NO-Bayern 42, 147 – 152, Erlangen. Naturkunde in Stuttgart, das über Fachleute für das
- (1993): Die Deklaration von Digne-les-Bains. – Materialien Na- Bergen von Funden verfügt, vom Landesdenkmal-
turschutzzentrum Wasserschloß Mitwitz 1, 21–24; Mitwitz. amt dauerbeauftragt, die Steinbrüche und Gruben
WREDE, V. (1997): Geotopschutz in Nordrhein-Westfalen – Zie- zu überwachen.
le, Möglichkeiten, Probleme. – Natur- und Landschaftskunde, 33, Bei Naturgebilden hingegen kann sich das DSchG
1–12; Möhnesee-Körbecke. im Einzelfall auch negativ auswirken, wenn die zu-
ständige Denkmalschutzbehörde keine Fachleute
Priv.-Doz. Dr. habil. Manfred Schöttle bei der Bewertung des geowissenschaftlichen Ob-
LfU, Ref. 22 jekts hinzuzieht. So wurde z. B. ein Findling aus
einer Baugrube in Überlingen am Bodensee vom
Landesdenkmalamt zwar als „bemerkenswert“ be-
zeichnet, jedoch nicht so „außerordentlich, als dass

16 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

er kraft Gesetzes in das Eigentum des Landes über- lichem Schutzzweck (Typlokalität, Fossilhöffigkeit)
geht“. Die Naturschutzbehörde hingegen würdigte entsprechend den Vorgaben der AD-HOC-AR-
den Stein als „einzigartiges Anschauungsstück für BEITSGRUPPE als Naturschutzgebiet ausgewiesen
die Kräfte bei der Entwicklung der Erde“. (STEINMETZ & JUNKER 2000).
Das erst in einem späteren Verfahrensstadium einge- Nun steht im Regierungsbezirk Stuttgart erneut ein
schaltete damalige Geologische Landesamt sprach Geotop zur Unterschutzstellung an: Der „Bergrutsch
dem Findling internationale Bedeutung zu, nicht nur am Kirchsteig bei Urbach“ im Rems-Murr-Kreis. Auch
als Belegstück der Glazialgeschichte, sondern dar- hier führten die im Gutachten des Landesamtes für
über hinaus auch der Genese der Alpen. Stellt der Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB, jetzt Abt.
Findling doch ein Stück Ozeanboden dar, das bei 9 RP Freiburg) berücksichtigten Bewertungskriteri-
der Auffaltung der Alpen in die Höhe des heutigen en wie allgemeine geowissenschaftliche Bedeutung,
Julierpasses gelangte und während der Würmeis- regionalgeologische Bedeutung, Bedeutung für Bil-
zeit mit einem Seitenarm des Rheingletschers in das dung, Forschung und Lehre, Erhaltungszustand,
Bodenseegebiet transportiert wurde und dort nach Vorkommen gleichartiger Geotope und regionale
Abschmelzen des Gletschers liegen blieb. Repräsentanz aufgrund des geowissenschaftlichen
Dieser einzigartige Fund zeugt somit von Vorgän- Wertes und der Schutzbedürftigkeit zur Feststellung
gen der Kontinentalverschiebung mit Vulkanismus der besonderen Schutzwürdigkeit des Geotops.
und Gebirgsbildung und von der Tätigkeit der Glet-
scher und ist somit aus wissenschaftlicher als auch Geotopschutz im Sinne der Geowissenschaften, d. h.
naturgeschichtlicher und landeskundlicher Sicht von Unterschutzstellungen schutzwürdiger Geotope mit
herausragender Bedeutung. Inzwischen ist der 12 t Regelungen der Pflegemaßnahmen zum Erhalt des
Block nach dem NatSchG als ND ausgewiesen. So- Schutzzwecks sowie Freistellungen und Gestattun-
mit zeigt sich, wie wichtig die Zusammenarbeit der gen wie Betretungsrecht und Probennahme, ist so-
Behörden ist. mit nur dann angemessen durchführbar, wenn die-
Somit kommt in Baden-Württemberg in der Praxis ser auch namentlich gesetzlich festgeschrieben und
bis auf wenige Ausnahmen nur das Naturschutzge- danach von der Naturschutzverwaltung angeordnet
setz für die Unterschutzstellung von schutzwürdigen wird.
Geotopen infrage. Unerlässlich ist bei schutzwürdigen Aufschlüssen in
Steinbrüchen in jedem Fall auch Überzeugungsar-
Rechtliche Defizite beim Geotopschutz beit in persönlichen Gesprächen vor Ort, wobei im
Im BNatSchG sind die Begriffe „Geotop“ und „Geo- Falle von Unterschutzstellungen von Steinbrüchen
topschutz“, die den abiotischen Teil der Natur bein- und Steinbrucharealen auch Verständnis für die
halten und damit zu einem umfassenden Naturschutz wirtschaftlichen Belange des Besitzers gewiss nicht
beitragen, nicht aufgeführt. schaden kann, so dass in aller Regel am Ende ein
Leider fand der Begriff „Geotop“ keinen Eingang in brauchbarer Kompromiss erzielt werden kann.
die Novelle des BNatSchG vom 25. 03. 2002 und Gleiches gilt im Übrigen auch für den Geologischen
auch das neue des baden-württembergische Natur- Dienst und die Naturschutzbehörden untereinander
schutzgesetzes kennt diesen in Fachkreisen inzwi- (zum Konfliktbereich Geotopschutz / Naturschutz
schen etablierten Terminus technicus nicht. Lediglich siehe auch STEINMETZ, 1997). Nur durch Zugehen
im neuen Landes-Bodenschutz- und Altlastengesetz des Geotopschützers auf den Biotopschützer und
von 2004 wird wie bereits oben erwähnt in Zusam- aufklärende Gespräche mit Darlegung der Ziele des
menhang mit dem Schutz von Flächen der Begriff Geotopschutzes ist dort zu vermitteln, dass Natur-
Geotop erwähnt. Der Begriff „landschaftsgeschicht- schutz nicht nur auf den Biotopschutz beschränkt ist,
liche Urkunde“ umfasst im weiteren Sinn ja alle Ge- sondern auch der Geotopschutz ein Teil des Natur-
otoptypen. schutzes ist und erst beide zusammen einen umfas-
senden Naturschutz ermöglichen.
Seit die „Arbeitsanleitung Geotopschutz in Deutsch- Hierbei muss sichergestellt sein, dass sich unabhän-
land“ (AD-HOC-AG GEOTOPSCHUTZ 1996) der gig von der Bio- oder Geo-Ausbildung des zustän-
Geologischen Dienste vorliegt, haben die Geowis- digen Bearbeiters Biotopschutz und Geotopschutz
senschaften ein Instrument in der Hand, mit dem die zum Wohle des Ganzen für einen umfassenden Na-
obere und mittlere Ebene der Naturschutzverwal- turschutz ergänzen.
tung zunehmend für die Anliegen des Geotopschut-
zes gewonnen werden können. Auszug aus JUNKER, Baldur 1997, verändert
Nach STEINMETZ (2005) hat sich in der naturschutz-
fachlichen Praxis die Arbeitsanleitung Geotopschutz Literatur
indessen bewährt. Mit den „Goldshöfer Sanden“ AD-HOC-AG GEOTOPSCHUTZ (1996): Arbeitsanleitung Geo-
topschutz in Deutschland. Leitfaden der Geologischen Dienste
im Regierungsbezirk Stuttgart wurde erstmals in der Länder der Bundesrepublik Deutschland. – Angew. Land-
Deutschland ein Objekt mit rein geowissenschaft-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 17


Schwerpunktthema

schaftsökologie 9, 105 S., Bundesamt f. Naturschutz (Hrsg.);


Bonn/Bad Godesberg.
griff Geotop war damals noch nicht eingeführt) im
Regierungsbezirk Karlsruhe (SCHÖTTLE, 1984;
JUNKER, B. (1997): Unterschutzstellungsverordnungen für Neuauflage SCHÖTTLE, 2000 inklusive interaktiver
schutzwürdige Geotope in Baden-Württemberg. – In: Geotop- CD ROM). Die Studie zeigte erstmals auf, dass der
schutz und seine rechtlichen Grundlagen. Schr. Reihe d. Dt.
Geolog. Ges., H. 15: 49–55; Hannover (= Veröff. Niedersächs.
Schutz geologischer Objekte in Baden-Württem-
Akad. d. Geowiss. H 12). berg bisher nach subjektiven Gesichtspunkten er-
folgte und dem weitläufigen Spektrum geologischer
STEINMETZ, M. (1997): Zum Konfliktbereich Geotopschutz/Na- Erscheinungsformen nur in bescheidenem Umfang
turschutz. Ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion. – In:
Geotopschutz und seine rechtlichen Grundlagen. Schr. Reihe d.
Rechnung trug. So handelte es sich bei der Mehr-
Dt. Geolog. Ges., H. 15: 80–83, 1 Tafel; Hannover (= Veröff. Nie- zahl der als Naturdenkmale ausgewiesenen Objekte
dersächs. Akad. d. Geowiss. H. 12). um morphologisch auffällige Formen, meist Natur-
felsen, Blockhalden und Felsblöcke. Oft stehen sie
STEINMETZ, M. u. B. JUNKER (2000): Die Ausweisung eines
Geotops als Naturschutzgebiet am Beispiel der Goldshöfer San-
in engem Zusammenhang mit kulturgeschichtlichen
de, Baden-Württemberg. – In: Geotop 2000 – Geotope im Spie- Ereignissen.
gelbild der geowissenschaftlichen Landesforschung. Geowiss. Durch Anwendung einer erweiterten Kategorisierung
Mitt. Thüringen, Beih. 10: 99–102, 1 Abb.; Weimar 2000. der einzelnen Objekte aufgrund der geologischen
STEINMETZ, M. (2005): Geotopschutz als Teil des Naturschut-
Merkmale konnte eine Vielzahl weiterer schutzwür-
zes. Naturschutz-Info 3/2005, LUBW Baden-Württemberg; diger Objekte vorgeschlagen und im Verlauf der Zeit
Karlsruhe. unter Schutz gestellt werden.
Priv.-Doz. Dr. habil. Manfred Schöttle
LfU, Ref. 22 Die vielfältigen Aktivitäten zum Geotopschutz in Ba-
den-Württemberg werden nachfolgend dargestellt.
Einige wesentliche Beispiele aus der Fachliteratur:
WILD 1993, 1999; JUNKER 1997; JÄGER 1997;
SCHIEBER 1997; GENSER 1998; MEGERLE 1999,
Geotopschutz in Baden-Württemberg 2002; MEGERLE & SPEIDEL 2003; ASPRION &
AIGNER 1999; STEINMETZ 1995; STEINMETZ
& JUNKER 2000; HUTH 2003; HUTH & JUNKER
Nach der Definition der Geologischen Dienste der 2003, 2004; GEYER 2003; ROSENDAHL 1995,
Länder sind Geotope erdgeschichtliche Bildungen 2001; Rosendahl et al. 2003; BERGNER 1995, 2003
der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Ent- und SCHÖTTLE 1984, 1993, 1999, 2000, 2003,
wicklung der Erde und / oder des Lebens vermitteln. 2005; SCHÖTTLE & BURGMEIER, 2002.
Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Allgemeinere Darstellungen zu Geotopen findet man
Mineralen und Fossilien (versteinerte Lebewesen) in den MEYERS Naturführern, bei JEDICKE (1991)
sowie einzelne Naturschöpfungen und natürliche sowie bei HEIZMANN (1998) und HEIZMANN &
Landschaftsteile (AD-HOC-AG GEOTOPSCHUTZ, REIFF (2002).
1996).
Schutzwürdig sind diejenigen Geotope, die sich
durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung, In Band 12 der Reihe „Bodenschutz“ der LfU sind
Seltenheit, Eigenart oder Schönheit auszeichnen. die Geotope des Regierungsbezirks Stuttgart zu-
Für Wissenschaft, Forschung und Lehre sowie für sammengestellt (SCHÖTTLE, M. & G. BURGMEI-
Natur- und Heimatkunde sind sie Dokumente von ER, 2002). Hierbei zeigte sich, dass das Spektrum
besonderem Wert. Sie können insbesondere dann, erdgeschichtlicher Zeugnisse in einer Vielfalt von
wenn sie gefährdet sind, eines rechtlichen Schutzes unterschiedlichen Geotoptypen in repräsentativer
bedürfen. Anzahl vertreten ist.
Sie können durch verschiedenartige Einflüsse wie Der aktuell erschienene Band 18 der Reihe „Bo-
Abbaumaßnahmen, Verwitterung, Bewuchs, Ver- denschutz“ dokumentiert die Geotope des Re-
füllung etc. in ihrem Bestand gefährdet sein. In der gierungsbezirks Freiburg. Neben der Darstellung
Regel sind sie unersetzlich und auch mit großem der einzelnen Geotope wird ein Überblick über die
Aufwand nur in Einzelfällen wiederherstellbar wie Schichtfolge im Untersuchungsgebiet gegeben und
z. B. die Freiräumung verschütteter Hohlwege. die regionale geologische Entwicklung beschrieben.
So soll dem Fachmann und dem interessierten Laien
Die systematische Erfassung und Dokumentation die Möglichkeit gegeben werden, einen Einblick in
der Geotope durch die Landesanstalt für Umwelt- die Geologie des Regierungsbezirks Freiburg zu ge-
schutz Baden-Württemberg (LfU) in Karlsruhe be- winnen und die Vielfalt seiner geologischen Formen,
gann 1984 mit der grundlegenden Zusammenstel- der Gesteine und Schichten samt ihrem Mineral- und
lung geschützter und schutzwürdiger geologischer Fossilinhalt kennen zu lernen.
Objekte als geologische Naturdenkmale (der Be- In Bearbeitung befindet sich noch die Veröffentli-

18 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

chung der Geotope des Regierungsbezirks Tübin- fundpunkten nach dem Denkmalschutzgesetz als
gen. Damit soll in einheitlicher Form eine Zusammen- Grabungsschutzgebiet oder Kulturdenkmal. Das neu
stellung der in Baden-Württemberg vorkommenden geschaffene Landes-Bodenschutzgesetz (LBod-
schutzwürdigen Geotope erfolgen. SchAG) kann ebenfalls hilfreich hinzugezogen wer-
den, da es den Boden im weiteren Sinne, also die
Geosphäre, als Archiv der Naturgeschichte und als
landschaftsgeschichtliche Urkunde sieht.

Zuständigkeiten und Ansprechpartner


Der Arbeitsbereich Geotopschutz, der bisher im
Geschäftsbereich des damaligen Ministeriums für
Umwelt und Verkehr (UVM, jetzt UM) von der LfU,
Referat Bodenschutz, wahrgenommen wurde, wur-
de mit Wirkung des Jahres 2000 auf das Landesamt
für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) im Ge-
schäftsbereich des Wirtschaftsministeriums übertra-
gen. Dies entspricht einer Vorgabe der Geologischen
Dienste der Bundesrepublik Deutschland. Das LGRB
wird darüber hinaus ein Geotopkataster führen, das
der neuen Nomenklatur der Geologischen Dienste
zum Thema Geotopschutz angepasst ist. Im Zuge
der Verwaltungsreform Baden-Württemberg 2005
Die Publikationen der Regierungsbezirke Karlsru- wurde das LGRB als Abteilung 9 in das Regierungs-
he und Stuttgart enthalten jeweils eine CD mit den präsidium Freiburg eingegliedert. Ansprechpartner
Kennwerten der Objekte sowie interaktiver Abfrage- im LGRB für die Geotope sind Dr. Baldur Junker und
möglichkeiten. Die Aufstellungen sind jeweils gemäß Thomas Huth.
den Verwaltungseinheiten des Landes auf die Stadt-
bzw. Landkreise bezogen. Die Geotope des Regie- Tel.: 07 61 / 208 -30 00, Fax: -30 29, e-mail: abteilung9@rpf.
bwl.de; http://www.lgrb.uni-freiburg.de/lgrb/home/index_
rungsbezirks Freiburg sind auch als online-Daten- html
bank im Internet der LfU erfasst. Langfristig werden
auch die Geotope der anderen Regierungsbezirke Weitere Informationen
dort aufgelistet und damit öffentlich zugänglich sein. http://www.rp.baden-wuerttemberg.de
Siehe dazu das Internetangebot „Umwelt-Datenban-
ken und -Karten online“ der LfU unter der Adresse
www.lfu.baden-wuerttemberg.de und nach der Fusi- Literatur
on von LfU und UMEG zur Landesanstalt für Um- AD-HOC-AG GEOTOPSCHUTZ (1996): Arbeitsanleitung Ge-
otopschutz in Deutschland. Leitfaden der Geologischen Diens-
welt, Messungen und Naturschutz (LUBW) von de- te der Länder der Bundesrepublik Deutschland. – Angewandte
ren Startseite www.lubw.baden-wuerttemberg.de. Landschaftsökologie, 9, 105 S.; Bonn/Bad Godesberg (Bundes-
Die Grafik zeigt die Zahl der bisher erhobenen Geo- amt für Naturschutz).
tope in den einzelnen Regierungsbezirken des Lan-
ASPRION, U. & T. AIGNER (2003): Sedimentologische und Ge-
des Baden-Württemberg aufgegliedert nach bereits oradar Indizien für tidale Einflüsse in den Grimmelfinger Sanden
geschützten und schutzwürdigen Geotopen. Die im Raum Ulm. – In: HOPPPE & ABEL, Schriftenr. Dt. Geol. Ges.,
Gesamtzahl der erhobenen Geotope beträgt 3.304, 7, 20–21; Hannover.
wobei 1.842 bereits einen Schutzstatus besitzen und
BERGNER, H. D. (1995): Geol. Naturdenkmale im Regierungs-
1.462 als schutzwürdig vorgeschlagen werden. Bei bezirk Tübingen. – unveröff. Manuskript im Auftrag der Landes-
den bisher geschützten Geotopen handelt es sich anstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg; Karlsruhe.
bei der Mehrzahl um morphologisch auffällige For- - (2004): Geo Bios – Erhebungen zu Natur- und Umweltschutz,
men, meist Naturfelsen. An zweiter Stelle stehen insb. zu Geotopen. – unveröffentlichte CD „Datensammlung zu
Geotopen in Baden-Württemberg“; Hechingen.
Karsterscheinungen, also Dolinen und Hohlformen,
gefolgt von wichtigen Schichtfolgen. Bei den neu ECKHARDT, C. & J. WEBER (2003): Der Europäische und Na-
vorgeschlagenen schutzwürdigen Geotopen wurde tionale Geopark Bergstraße-Odenwald – Geotopschutz durch
bewusst darauf geachtet, das gesamte Spektrum nachhaltige Nutzung. In: JORDAN et al., Hrsgb., Schriftenr. Dt.
Geol. Ges., 31, 43–50; Hannover.
der geologischen Merkmale zu erfassen und als er- EDER, W. (1999): „Unesco-Geoparks“, A new initiative for pro-
haltenswert zu dokumentieren. tection and sustainable development of the Earth’s heritage.
– Neues Jb. Geol. Pal. Abh. 214, 353–358; Stuttgart.
Der Schutz der Geotope erfolgt meist nach dem Na-
GENSER, H. (1998): Geologische Entwicklungsgeschichte. – In:
turschutzgesetz (LNatSchG) als Naturschutzgebiet Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Freiburg, 17–48,
oder flächenhaftes Naturdenkmal bzw. bei Fossil- Thorbecke Verlag Sigmaringen.

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 19


Schwerpunktthema

GEYER, M. (2003): Vulkane im Hegau – ein erster Baustein SCHIEBER, M. (1997): Das Nördlinger Ries, ein schützenswer-
zum grenzüberschreitenden (Geo)tourismus in der Geo Regio tes Großgeotop. –Aachener Geowiss. Beitr., 21, 119–129; Aa-
Bodensee. In: JORDAN et al., Hrsgb., Schriftenr. Dt. Geol. Ges., chen.
31, 51–54; Hannover.
SCHÖTTLE, M. & G. BURGMEIER (2002): Geotope im Re-
GRUBE, A. (1993): Die „World heritage list“ der UNESCO. In: gierungsbezirk Stuttgart. – Reihe Bodenschutz der LfU Baden-
Materialien Naturschutzzentrum Wasserschloß Mitwitz, 1, 25– Württemberg, 12, 348 S.; Karlsruhe.
27; Mitwitz.
SCHÖTTLE, M. (1984): Geologische Naturdenkmale im Regie-
HEIZMANN, E. P. & W. REIFF (2002): Der Steinheimer Mete- rungsbezirk Karlsruhe. – Eine Zusammenstellung geschützter
orkrater, Gemeinde Steinheim am Albuch, Hrsgb, 160 S, Pfeil und schutzwürdiger geologischer Objekte. – Beih. Veröff. Natur-
Verlag München schutz u. Landschaftspflege Bad.-Württ., 38, 170 S.; Karlsruhe.
- (1993): Geotopschutz in Baden-Württemberg. – Materialien
HEIZMANN, E. P. (1998): Vom Schwarzwald zum Ries. –288 S., Naturschutzzentrum Wasserschloß Mitwitz 1, 109–114; Mitwitz.
Pfeil Verlag München - (1999): Geotopschutz in Baden-Württemberg. In: HOPPE &
ABEL Hrsgb., Schriftenr. Dt. Geol. Ges. 7, 95–96; Hannover.
HUTH, T. & B. JUNKER (2003): Geotouristische Karte Natio- - (2000): Geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk
naler Geopark Schwäbische Alb mit Umgebung 1:200 000 mit Karlsruhe. – Neuauflage inkl. interaktiver CD-ROM. – Reihe Bo-
Erläuterungen. LGRB Hrsgb., 165 S.; Freiburg. denschutz der LfU Baden-Württemberg, 5, 159 S.; Karlsruhe.
(2004): Geotouristische Karte von Baden-Württemberg 1: 200 - (2003): Neues zum Geotopschutz in Baden-Württemberg. – In:
000 – Schwarzwald mit Umgebung und Erläuterungen. LGRB JORDAN et al., Hrsgb., Schriftenr. Dt. Geol. Ges., 31, 75–79;
Hrsgb. , 440 S; Freiburg. Hannover.
- (2005): Geotope im Regierungsbezirk Freiburg: mit Beiträgen
HUTH, T. (2002): Erlebnis Geologie – Streifzüge über und unter von G. BURGMEIER, K. BUSCH, H. GENSER, Th. HUTH, P.
Tage. Besucherbergwerke, Höhle, Museen und Lehrpfade in Ba- SPATZ. – Reihe Bodenschutz der LfU Baden-Württemberg 18,
den-Württemberg. – LGRB Baden-Württemberg Hrsgb., 470 S.; 387 S.; Karlsruhe.
Freiburg.
STEINMETZ, M. & B. JUNKER (2000): Die Ausweisung eines
JÄGER, M. (1997): Das Fossilienmuseum im Werkforum von Geotopes als Naturschutzgebiet – am Beispiel der Goldshöfer
Rohrbach Zement in Dotternhausen bei Balingen. – Aachener Sande, Baden-Württemberg. – Geowiss. Mitt. Thüringen, 10,
Geowiss. Beitr., 21, 130–138; Aachen. 99–102; Weimar.

JEDICKE, L. & JEDICKE, E. (1991): Naturdenkmale in Baden- STEINMETZ, M. (1995): Zum Konfliktbereich Geotopschutz/Na-
Württemberg, 175 S.; Landbuch Verlag Hannover. turschutz –Ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion. In:
KREUTZER & SCHÖNLAUB, Hrsgb., Berichte Geol. Bundes-
JUNKER, B. (1997): Unterschutzstellungsverordnungen für anstalt , 32, 74–79; Wien.
schutzwürdige Geotope in Baden-Württemberg. – Schriftenr. Dt. WILD, R. (1993): Fossilschutz in Baden-Württemberg. – Materi-
Geol. Ges., 5, 49–55; Stuttgart. alien Naturschutzzentrum.
Wasserschloß Mitwitz, 1, 115–120; Mitwitz.
LOOK, E. R. [Hrsgb.] (1997): Geotopschutz und seine rechtli- - (1999): Fossilschutz am Beispiel der Fossillagerstätte Holzma-
chen Grundlagen. –Schriftenreihe Deutsch. Geol. Ges. 5, 168 den in Baden Württemberg. In: HOPPE & ABEL, Hrsgb.: Geoto-
S.; Hannover. pe – lesbare Archive der Erdgeschichte. – Schriftenr. Dt. Geol.
Ges. 7, 109; Hannover.
MEGERLE, A. & K. PAULS (2003): Netzwerk Erdgeschichte
in Baden-Württemberg. –Schriftenr. Dt. Geol. Ges., 25, 48–54;
Hannover. Priv.-Doz. Dr. habil. Manfred Schöttle
LfU, Ref. 22
MEGERLE, A. & W. SPEIDEL (2003): Nationaler GeoPark
Schwäbische Alb: Auf dem Weg zum größten Geopark Europas?
– Schriftenr. Dt. Geol. Ges., Heft 31, 37–43; Hannover. Hinweis
Poster „Geotope - Schaufenster der Erdgeschichte“
MEGERLE, A. (1999): Planungsnetzwerke als Bewußtseins-
bildner für Geotopschutzbelange. Das Beispiel Netzwerk Erd- Geologische Karte von Baden-Württemberg mit Lage der
geschichte Baden-Württemberg. – In: HOPPE & ABEL Hrsgb.:, Geotope
Schriftenr. Dt. Geol. Ges.,7, 72–73, Hannover.-– (2002): Netz-
werk Erdgeschichte: Landschaftsinterpretation im Verbund. http://xfaweb.lfu.bwl.de/nafaweb/berichte/inf02_3/in02_
– ZELT Schriften, 1, 10–14. 30050.html
MEYERS NATURFÜHRER (1988): Blickpunkte BW –Geogra-
phisch-kartographisches Institut Meyer, 432 S.; Mannheim.
QUADE, H., Hrsgb., (2003): Geoforum 2003 Geotope – Geo-
parks – Geotourismus. – Schriftenr. Dt. Geol. Ges., 25, 119 S.;
Hannover.

ROSENDAHL, W. (1995): Schauhöhlen –ein Beitrag zum Höh-


len- und Geotopschutz. – Ber. Geol. Bundesanstalt, 32, 71–73;
Wien.
- (2001): Geologisch-paläontologischer Vergleich der cromer-
zeitlichen Neckarablagerungen von Frankenbach und Mauer
und ihrer Deckschichten. – Jber. Mitt. Oberrhein. Geol. V., 83,
293–316; Stuttgart.

20 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

Geotope im Themenpark Umwelt – Umwelt erleben


Informationsangebot im Internet Baden-Württemberg bietet eine Fülle von Möglich-
keiten, die Natur zu entdecken, aktiv zu erleben
oder einfach nur zu genießen. Gezeigt werden un-
Der „Themenpark Umwelt“ ist ein Projekt, das von der terschiedliche Umwelt-Erlebnisregionen wie zum
Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württem- Beispiel der Kraichgau oder die Landschaft des Alb-
berg (LfU) und dem Forschungszentrum Karlsruhe traufs. Zum Entdecken und Erleben dieser Vielfalt
(FZK) im Auftrag des Umweltministeriums Baden- werden faszinierende Bereiche wie Waldregionen,
Württemberg gemeinsam mit anderen Stellen entwi- Täler, romantische Fluss- und Bachauen, einsame
ckelt wurde. Moore und artenreiche Schutzgebiete vorgestellt.
Über das virtuelle Erlebnis hinaus finden sich hier
Mit dem Internetportal http://themenpark-umwelt.ba- auch detaillierte Informationen zum selbst Erleben
den-wuerttemberg.de soll den Bürgern Wissen über vor Ort.
die Umwelt in ansprechender und leicht verständli-
cher Form vermittelt und der direkte Zusammenhang
der Umwelt mit ihrem Leben nahe gebracht werden.
Wichtigste Zielgruppe des Themenparks Umwelt ist
die breite Öffentlichkeit, insbesondere Kinder und
Jugendliche, Multiplikator-Gruppen wie Lehrer und
Entscheidungsträger sowie allgemein an Umweltfra-
gen interessierte Internetnutzer. Es sollen Ziele und
Notwendigkeit umweltpolitischer Maßnahmen erläu-
tert und das allgemeine Umweltbewusstsein geför-
dert werden.
Der „Themenpark Umwelt“ wird seit Oktober 2004
im Internet bereitgestellt, zuerst zur Evaluierung
und seit Juli 2005 im Regelbetrieb. Er umfasst der-
zeit (November 2005) ca. 950 zusammengesetzte
Webseiten, ca. 4.000 Inhaltsobjekte mit insgesamt
1.060 Bildobjekten und 140 Slide-Shows.

Folgende Hauptmenüs stehen zur Verfügung

Unsere Umwelt
Die hier aufgeführten Themenbereiche Bodenland-
schaften, Geotope, Moore und Schutzgebiete prä-
sentieren ausgewählte Landschaftselemente Ba-
den-Württembergs und geben Gelegenheit, diese
auch persönlich zu erkunden, kennen und schätzen
zu lernen.

Umweltthemen
Der Zugang Umweltthemen erklärt Grundsätzliches
zum Thema Boden, Böden, Bodenschutz mit spezi-
ellen Einzelthemen wie z. B. die allgemeinen Funk-
tionen des Bodens sowie den Bodenverbrauch und Internetportal
http://themenpark-umwelt.baden-wuerttemberg.de
die Bodengefährdung.

Umwelt beobachten Im Themenzugang „Geotope – Fenster der Erdge-


Für einen aktiven Umweltschutz ist die genaue schichte“ sind derzeit 15 beispielhaft ausgearbeitete
Kenntnis von Einflussfaktoren und deren Auswir- Geotope aus verschiedenen geologischen Perioden
kungen von großer Bedeutung. Zur Erfassung sind und Formationen eingestellt. Mittelfristiges Ziel ist
komplexe Messnetze und Beobachtungsprogramme die Darstellung einer Übersicht ausgewählter, typi-
notwendig. Ziel ist, den Zustand und die Verände- scher Geotope aus den wichtigsten Regionen Ba-
rungen als Gesamtheit und medienübergreifend zu den-Württembergs.
erfassen. Über das Zugangsmenü „Unsere Umwelt – Geoto-
In der ersten Ausbaustufe wird im Themenpark die pe“ wird auf den Eingangsseiten des Themenparks
landesweite Bodendauerbeobachtung vorgestellt. zunächst die landesweite Verbreitung der jeweils an-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 21


Schwerpunktthema

stehenden Geologie Baden-Württembergs und de- Bedeutende Geotope in


ren Entstehung erläutert. Entsprechend der geologi- Baden-Württemberg
schen Formation zugeordnet, werden im Anschluss
einzelne Geotope mit ihren Eigenheiten detailliert Ergebnis eines bundesweiten Wettbewerbs
präsentiert und für den Benutzer in leicht verständli-
cher Sprache erörtert. Die Akademie der Geowissenschaften zu Hannover
e. V. rief im Jahre 2005 die Öffentlichkeit und Fach-
Für begehbare bzw. öffentlich zugängliche Geotope welt auf, sich an einem Wettbewerb zur Erfassung
bietet der Themenpark Anfahrtshilfen an, damit sich und Ausweisung der bedeutendsten (Einzel-) Ge-
der Interessierte auch vor Ort ein eigenes Bild von otope, Geotop-Ensemble und Geotop-Landschaften
den geologischen Anschauungsobjekten machen in Deutschland zu beteiligen.
kann. An vielen Geotopen unseres Landes finden
sich zudem Hinweistafeln, auf denen die wichtigsten Folgende Kriterien müssen Geotope erfüllen, die zur
Daten zur Entstehungsgeschichte und zur Schutz- Aufnahme in die „Liste der bedeutendsten Geotope
würdigkeit beschrieben werden. in Deutschland“ vorgeschlagen werden: Es müssen
Geotope sein, die erdgeschichtliche Vorgänge, ein-
Entsprechend ihrer Struktur und Ausprägung sind schließlich der Entwicklung des Lebens, geologische
Geotope wichtige Objekte in Natur und Landschaft. Prozesse bei der Entwicklung von Landformen und
So finden beispielsweise im Bereich von vielen geomorphologische Eigenheiten oder geologische
Höhlen sowie an Felsformationen seltene Tier- und Sehenswürdigkeiten von außergewöhnlicher natürli-
Pflanzenarten ihren Lebensraum. cher Ausprägung repräsentieren.

Aufgrund ihrer ökologischen Wertigkeit sind zahl- Die Begriffe (Einzel-) „Geotop“, „Geotop-Ensemble“„
reiche Geotope als Naturdenkmale ausgewiesen und „Geotop-Landschaft“ sind wie folgt definiert:
und stehen damit auch gesetzlich unter Schutz. In
solchen Fällen kann dieser Sachverhalt ggf. auf das Geotope sind einzelne klein- oder großflächige Do-
Besucherverhalten vor Ort Einfluss nehmen (z. B. kumente der Entwicklung der Erde und des Lebens
Lenkungsmaßnahmen). auf ihr. Sie umfassen natürliche und künstliche Frei-
legungen von Gesteinen, Lockerablagerungen und
Die fachlichen Aufgaben der Erfassung und Be- Fundstellen von Fossilien, Mineralien, Erzen, Land-
wertung von Geotopen sowie die Begründung für schaftsformen und Wasserquellen.
Schutz-, Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen für
schutzwürdige Geotope werden in Baden-Württem- Geotop-Ensembles repräsentieren Anhäufungen
berg vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und von Geotopen, die zueinander in enger räumlicher
Bergbau (LGRB) beim Regierungspräsidium Frei- und genetischer Beziehung stehen. Dabei handelt
burg wahrgenommen. Das LGRB ist neben dem es sich um Objekte, die sich im internationalen Ver-
Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) ein wichtiger gleich durch außergewöhnliche geowissenschaft-
Partner des Themenparks, das seit 2001 sowohl an liche Bedeutung, Anschaulichkeit oder Schönheit
der Planung und als auch an der Realisierung des auszeichnen. Sie müssen besondere erdgeschicht-
Internetportals beteiligt ist. liche, geologische und landschaftsgeschichtliche
Prozesse oder Ereignisse oder Entwicklungen ver-
Dr. Michael Linnenbach anschaulichen.
LfU, Ref. 22

Geotop-Landschaften repräsentieren geologische


und geomorphologische Sehenswürdigkeiten mit
besonders auffälligen Eigenheiten.

Die auszuzeichnenden bedeutendsten Geotope


müssen langfristig erhaltbar sein. Sie sollten öffentli-
chen Informationsmöglichkeiten zugeordnet sein wie
einem Museum, Lehrpfad oder einem ausgewiese-
nen Besichtigungsobjekt. Sie können Bestandteile
eines Geoparks sein.
Insgesamt gingen 180 Vorschläge ein, aus denen
von einer Jury 78 Vorschläge als national bedeuten-
de Geotope oder Geotop-Landschaften ausgewählt
wurden. Sämtliche Geotope stehen unter der Adres-
se www.geoakademie.de im Internet zur Ansicht.

22 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

Nachfolgend sind die aus Baden-Württemberg aus- letzten 160 Mio. Jahre ablesen. Vom Jurameer über
gewählten bedeutenden Geotope mit Bild und Be- die Abtragung der Kalksteine bis zum Kampf um das
schreibung aufgelistet Wasser zwischen Rhein und Donau ist hier das Buch
der Geologie aufgeschlagen. Weiße Felsenkränze
• Der Feldberg und die Wutachschlucht im aus Kalkgestein begleiten das tief eingeschnittene
Schwarzwald (zusammen mit: Die Eiszeit Flusstal. Von einzelnen Felsen aus, die als Aus-
am Feldberg im sichtspunkte frei
Schwarzwald) zugänglich sind
• Der Meteorkra- – wie der Knopf-
ter „Steinheimer macherfels, der
Becken“ auf der „Rauhe Stein“
Schwäbischen Alb und der „Eich-
• Der Vulkan Kaiser- felsen“ geht der
stuhl im Oberrhein- Blick wie aus
tal einem Flugzeug
• Das „Randecker über einer Cany-
Maar“ auf der on-Landschaft.
Schwäbischen Alb Das heute eher
• Die Fossilienfund- kümmerlich
stätte „Holzmaden“ wirkende Do-
(als UNESCO-Welt- nauflüsschen
erbestätte zu emp- hat wohl kaum
fehlen) diese imposan-
• Donauversickerung te Naturkulisse
und Aachtopf zwi- herauspräpa-
schen Immendingen riert. Vielmehr
und Möhringen am war es die ehe-
Südrand der Schwä- malige Urdonau,
bischen Alb die vor 3–5 Mio.
• Karstlandschaft Jahren (im Pli-
„Blaubeurer Alb - ozän des aus-
Panorama vom Eichfelsen bei Irndorf oberhalb Beuron auf das tief in die
Urdonautal“ westliche Schwäbische Alb eingeschnittene Donautal mit Felsenkranz aus gehenden Ter-
• Vulkanlandschaft im Schwammriffen des ehemaligen Weißjurameeres. Der Blick fällt auf den tiärs) ein ge-
Hegau (zusammen Festungsbau der Burg Wildenstein, auf Schloss Werenwag und die gegenü- waltiger Strom
mit: Die Vulkanruine ber liegenden Felsen des Oberen Donautals. war, der auch
Höwenegg im He- Foto: M. Schöttle / R. Steinmetz als Aare-Donau
gau, 171_Der Vul- bekannt ist und
kan Hohentwiel im große Gebiete
Hegau) der Nordschweiz und der Feldbergregion entwässert
• Der „Isteiner-Klotzen“ und die Isteiner-Schwelle hat. Später hat der Urrhein durch rückschreitende
am Oberrheintalrand Erosion aus dem Gebiet des heutigen Oberrheintals
• Die „Hessigheimer Felsengärten“ im Neckartal die Donau angezapft und ihr den Quellfluss Aare ge-
• Der Donaudurchbruch bei Kloster Beuron raubt.
• Der „Mössinger Bergrutsch“ Das Flussbett hat sich bis zu 200 m in den Jurafels
eingegraben. Heute liegt die geringe Wasserführung
Einen Sonderpreis der Akademie erhält die NatWor- der Donau auch in den ausgeprägten Karsterschei-
king-AG des Robert-Bosch-Gymnasiums in Lange- nungen. Die zerklüfteten und porösen Kalksteine
nau für die Einsendung des regional bedeutenden lassen das Wasser in unterirdischen Spalten versin-
Geotop Vorschlages ken. Ganz in der Nähe liegen auch die weltberühm-
• Die Lonetal Karstlandschaft am Rand der ten Donau-Versickerungsstellen bei Immendingen
Schwäbischen Alb und Fridingen. Hier verliert die Donau an etwa 200
Tagen im Jahr ihr gesamtes Wasser, das dann nach
Nachfolgend wird der von der Jury als bedeutende einer unterirdischen Laufstrecke im 12 km entfern-
Geotop-Landschaft ausgewählte „Donaudurchbruch ten Aachtopf wieder austritt und über den Bodensee
bei Beuron“ näher besprochen. dem Rhein zufließt.
Die riesigen Massenkalkfelsen der Schwäbischen Alb
Donaudurchbruch bei Beuron entstanden während der Zeit des Oberen Weißjura
Im Oberen Donautal lässt sich die Erdgeschichte der (Malm). Der Zeitraum, als dieses warme und flache

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 23


Schwerpunktthema

Meer Süddeutschland überdeckte, liegt etwa 140 bis Geotop als Naturschutzgebiet
160 Mio. Jahre zurück. Die Schichtenfolge aus Kalk- Beispiel der „Goldshöfer Sande“
steinen und Kalkmergelsteinen ist 400 bis 600 m
mächtig. Das warme und flache Meer, das mit dem
heutigen Arabischen Golf oder dem Great Barrier Reef In Südwestdeutschland ist die Landschaftsgeschich-
Australiens vergleichbar ist, bot zahlreichen Meeres- te etwa ab dem späten Tertiär unmittelbar verbun-
tieren Lebensraum wie Muscheln und Kopffüßlern den mit der Entwicklung der Flusssysteme von Do-
(Ammoniten), Schnecken, Seeigeln, Seelilien und nau und Rhein. Entscheidende Auswirkungen hatten
Schwämmen. In dem feinen Kalkschlamm am Mee- hierbei die tektonischen Veränderungen in der Erd-
resgrund konnten sich die Schalen und Skelette der kruste mit der Einsenkung des südlichen Oberrhein-
Tiere gut erhalten. grabens und der gleichzeitig starken Hebung und
Die hoch aufragenden und durch die Erosion heraus- Aufkippung von Schwarzwald und südwestdeut-
präparierten Felsen sind die zu Stein gewordenen schem Schichtstufenland (GROSCHOPF & VILLIN-
Schwammriffe, die über den Meeresgrund hinaus- GER (1998). Hierbei kam es im frühen Altpleistozän
wuchsen und heute aufgrund ihrer größeren Härte zu erheblichen Flussumlenkungen zu Gunsten des
wiederum herausragen. Zahlreiche Fossilien sind Rheins. Diese Flussgeschichte ist beispielhaft in
in den kalkigen Gesteinen erhalten und bieten den Ostwürttemberg dokumentiert (SIMON 1988).
Fossiliensammlern eine Eldorado-Landschaft.
Die dort im Raum Aalen/Ellwangen auf den Höhen
In der Kreidezeit, die der Ablagerungszeit der Kalk- des Schwarzen Jura und des Opalinuston vorkom-
steine folgte, lag Süddeutschland trocken. Die Ver- menden „Goldshöfer Sande“ (ETZOLD 1994) sind
witterung und Abtragung setzte ein und schuf ein Ablagerungen eines danubischen Flussnetzes, das
von Klüften, Spalten und Hohlräumen verbundenes im Pleistozän durch den Kocher-Brenz-Einschnitt in
unterirdisches Netzwerk. Die oberirdisch zugängli- die Donau entwässerte und dessen Einzugsgebiet
chen Höhlen bieten vielen Tieren und auch dem frü- südlich des heutigen Keuperstufenrandes zu suchen
hen Mensch Schutz und Lebensraum. So wurden im ist. Dementsprechend bestehen die Ablagerungen
Gebiet in Höhlen vor- und frühgeschichtliche Reste aus umgelagerten Keupersedimenten, überwiegend
des Menschen gefunden, die bis zu 40.000 Jahre alt Mittel- und Grobsanden des Stubensandstein.
sind. Das Gebiet war und ist aufgrund seines Pflan-
zen- und Tierreichtums ein lohnender Lebensraum
für Jäger und Sammler. Neben Greifvögeln und Fle-
dermäusen, die die zahlreichen Höhlen bewohnen,
sind an den steilen und felsigen Hängen auch zahl-
reiche Trockenstandorte mit seltenen Pflanzen, da-
runter auch botanische Raritäten zu finden.

Das Landschaftsgebiet „Obere Donau“ ist als Natur-


park und in einzelnen Bereichen als Naturschutzge-
biet bzw. als Naturdenkmal ausgewiesen. Es bietet
einen klassischen Einblick in die Welt der heute noch
anhaltenden geologischen Vorgänge, wie Abtragung,
Verkarstung und Flussanzapfung. Die Aussicht vom
Landschaft „Goldshöfer Sande“ bei Buch nördlich von Aalen
Eichfelsen ist ein imposantes Naturerlebnis und wird
jedes Jahr von zahlreichen Menschen bestaunt. Foto: T. Huth

Literatur Überlagert werden die „Goldshöfer Sande“ in der


GEYER, O. F. & M. P. GWINNER (1984): Die Schwäbische Alb Nähe des Albtraufs bei Aalen von Oberjura-Kalk-
und ihr Vorland. – Sammlung geologischer Führer, Band 67,
289 S.; Berlin Stuttgart (Borntraeger)
schottern. Nur unter dieser vor chemischer Verwitte-
rung schützenden Decke wurden in den 1920er Jah-
ren bedeutende Funde von Großsäugern gemacht,
Priv.-Doz. Dr. habil. Manfred Schöttle anhand derer die „Goldshöfer Sande“ dem unteren
LfU, Ref. 22
Mosbachium, einem Zeitraum zwischen Günz- und
Mindel-Kaltzeit, zugeordnet werden konnten. Ih-
re Erforschung kann noch nicht als abgeschlossen
gelten, da durch verfeinerte bzw. neue Methoden
weitere wichtige Ergebnisse zu Fossilinhalt, Palä-
oökologie, Klimaentwicklung und Altersstellung zu
erwarten sind.

24 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

Künstlich reduziert und zerschnitten wurden die Vor- in den Sandgruben unter detaillierten Auflagen wei-
kommen der „Goldshöfer Sande“ in den letzten Jahr- terhin zugelassen; dem Referat 56, Regierungs-
zehnten durch Sandgewinnung und Überbauung; präsidium Stuttgart, dem Landesamt für Geologie,
die fossilführenden Vorkommen z. B. im Stadtgebiet Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg sowie
von Aalen sind zwischenzeitlich durch vollständige dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart
Überbauung der wissenschaftlichen Erkundung ent- ist jederzeit Zutritt zu den Arbeitsstellen zu gewäh-
zogen. ren; ebenso sind Fossilfunde in situ zu belassen und
Hinsichtlich ihrer Ablagerungsform und -geschichte unverzüglich einer der drei Institutionen zu melden.
stellen die „Goldshöfer Sande“ ein einzigartiges erd- Die Verordnung enthält ferner Anweisungen zur
und landschaftsgeschichtliches Dokument in Baden- Behandlung von Fundstellen, Angaben zu den
Württemberg im Bereich der heutigen europäischen Bergungsberechtigten und zur wissenschaftlichen
Wasserscheide dar. Zeugnisse aus dem Altquartär Auswertung. In weiteren Bestimmungen werden
sind äußerst selten; ein vergleichbarer Geotop mit Zuständigkeiten und Beteiligungen an Schutz- und
Schutzstatus existierte bislang nicht. Pflegemaßnahmen geregelt, die Anlage von Auf-
Die Unterschutzstellung zweier Vorkommen wurde schlüssen für Lehr- und Forschungszwecke garan-
1995 von einem Mitarbeiter des Amtes für Wasser- tiert sowie deren Zugänglichkeit für Exkursionen und
wirtschaft und Bodenschutz Ellwangen angeregt. Untersuchungen gewährleistet.
Zur Beurteilung der Schutzwürdigkeit der „Goldshö- Für die wichtigsten potenziellen Konfliktfelder sind
fer Sande“ aus geowissenschaftlicher Sicht wurden demnach Regelungen und Beteiligungen vereinbart,
dann vom ehemaligen Geologischen Landesamt die auch bei unvorhergesehenen Situationen Hoff-
(GLA) sämtliche Bewertungskriterien herangezo- nung auf gegenseitiges Verständnis für die Belange
gen, wie sie der Leitfaden der Geologischen Dienste der jeweils anderen Fachrichtung und einvernehmli-
der Bundesrepublik Deutschland „Arbeitsanleitung che Lösungen geben.
Geotopschutz in Deutschland“ (AD-HOC-ARBEITS- Damit sind sämtliche Belange des Geotopschutzes
GRUPPE GEOTOPSCHUTZ 1996) vorgab. Dabei im geowissenschaftlichen Sinne in der Schutzverord-
wurde für die Fläche II eine weitergehende wissen- nung eindeutig geregelt. Mit der Unterschutzstellung
schaftliche Bedeutung ermittelt (ETZOLD 1996), der landschaftsgeschichtlichen Urkunde „Golds-
da diese als einziges größeres Restvorkommen mit höfer Sande“ wurde somit erstmals in Deutschland
Kalkschotterdecke fossilhöffig ist. Auch wurde emp- ein Objekt mit geowissenschaftlichem Schutzzweck
fohlen, im Bereich einer ehemaligen Abbaustelle ei- entsprechend den Vorgaben der „Arbeitsanleitung
nen künstlichen Aufschluss zu schaffen und diesen Geotopschutz“ als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
für Exkursionen sowie für künftige Forschungen of-
fen und uneingeschränkt zugänglich zu halten. Auszug aus STEINMETZ, M. & B. JUNKER 2000

Literatur
Die ehemalige Bezirksstelle für Naturschutz und AD-HOC-ARBEITSGRUPPE GEOTOPSCHUTZ (1996): Ar-
Landschaftspflege Stuttgart (BNL) als zuständige beitsanleitung Geotopschutz in Deutschland -
Naturschutzbehörde machte sich nach gemeinsa- Leitfaden der Geologischen Dienste der Länder der Bundesre-
men Geländebegehungen mit dem ehemaligen GLA publik Deutschland. – Angewandte Landschaftsökologie Heft 9,
Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.); Bonn/Bad Godesberg.
(jetzt LGRB, Abt. 9 RP Freiburg) dessen Beurteilung
der Schutzwürdigkeit zu eigen und untersuchte die ETZOLD, A. (1994): Geologische Karte 1 : 25 000 von Baden-
beiden vorgeschlagenen Gebiete zusätzlich unter Württemberg, Blatt 7126 Aalen mit Erläuterungen, 248 S., 20
biotischen Gesichtspunkten. Wegen teilweise in- Abb., 9 Tab., 3 Taf., 7 Beil., 2. verbesserte Auflage; Stuttgart.
tensiver landwirtschaftlicher Nutzung sind auf den ETZOLD, A. (1996): Geowissenschaftliche Stellungnahme zur
Sandflächen zwar keine floristischen Besonderhei- Schutzwürdigkeit zweier Flächen mit Goldshöfer Sanden auf TK
ten zu verzeichnen, jedoch gewährt die Struktur der 25, Blatt 7126 Aalen, 9 S., 2 Anl.- Geologisches Landesamt BW,
vorhandenen Landschaftselemente im Umfeld einer (Az. 2277.01/95-4762 vom 23.02.1996); Freiburg i. Br.
vielfältigen Avifauna mit zahlreichen Arten der Roten GROSCHOPF, R. & E. VILLINGER (1998): Geologische Schul-
Liste Lebensraum. karte von BW 1 : 1 000 000 mit Erläuterungen, 12. überarbeitete
Um die Bedeutung der „Goldshöfer Sande“ hervor und erweiterte Auflage, VI + 142 S., 27 Abb., 2 Tab. – Landesamt
zu heben, hat die BNL deshalb 1998 einen Verord- für Geologie, Rohstoffe und Bergbau BW; Freiburg i. Br.
nungsentwurf erarbeitet, in dem dieser flächenhafte SIMON, T. (1988): Flußgeschichte von Kocher und Jagst.- In
Geotop als Naturschutzgebiet und dessen nähere HAGDORN, H. (Hrsg.): Neue Forschungen zur Erdgeschich-
Umgebung als Landschaftsschutzgebiet vorge- te von Crailsheim. - Sonderbände Ges. Naturkde. Württ., 1, S.
schlagen wurden. Besonderes Augenmerk galt da- 241–254, 7 Abb.; Stuttgart.
bei der Definition des Schutzzwecks, der in einem STEINMETZ, M. & B. JUNKER (2000): Geowiss. Mitt. Thürin-
abiotischen und biotischen Teil beschrieben wurde gen, Beih. 10, 99–102; Weimar.
sowie der Festlegung von Zuständigkeiten, Rechten Priv.-Doz. Dr. Manfred Schöttle
und zulässigen Handlungen. Dabei wird der Abbau LfU, Ref. 22

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 25


Schwerpunktthema

Bergrutsch am Kirchsteig bei Urbach Erosionsbasis Rhein/Nordsee führte zu einem ra-


schen Eintiefen der Fließgewässer und zu übersteil-
ten und damit instabilen Talhängen. So beträgt der
Nach lang andauernden Regenfällen rutschten am 7. Höhenunterschied von der Stubensandsteinhochflä-
April 2001 im Gewann Kirchsteig, rund 700 m nord- che (412 m NN) oberhalb des Bergrutschgeländes
nordöstlich des Ortsteils Oberurbach, Gemeinde über den Kirchsteigtobel zum Urbach rund 140 m auf
Urbach, Rems-Murr-Kreis, ca. 70.000 m³ mit Streu- 1 km Luftlinie.
obstwiesen bestandene Erd- und Gesteinsmassen Der Schichtenaufbau am Hang wird beherrscht vom
auf über 3 ha zum Kirchsteigtobel hin ab und ka- harten, klüftigen und wasserdurchlässigen Kiesel-
men erst 80 m tiefer kurz vor dem Gegenhang zum sandstein, den eine nur geringmächtige Auflage
Stillstand. An der südexponierten Talseite entstand der Oberen Bunten Mergel abdeckt; im Liegenden
eine bis 17 m hohe und 240 m breite, leicht bogen- aber finden sich mit den Unteren Bunten Mergeln
förmige Abrisswand im Kieselsandstein, davor der undurchlässige, tonreiche und somit bei Wassersät-
Graben einer Blockrutschungszone und am Unter- tigung gleitfähige Schichten. Neben übermäßiger
hang eine weitgehend vegetationslose Fläche aus Wasserzufuhr waren als weitere Faktoren die strati-
breiartig ausgeflossenem Bodenmaterial auf dem, graphischen und geomorphologischen Verhältnisse
Inseln gleich, auseinander gerissene Wiesenschol- am Kirchsteig rutschauslösend. Eine schon 1968
len transportiert worden waren. auf Luftbildern erkennbare Bruchfläche in den Un-
teren Bunten Mergeln begünstigte die Materiallocke-
Dieses im Keuper angelegte Großereignis ist bei- rung zusätzlich, so dass die infolge Durchfeuchtung
spiellos in Baden-Württemberg, denn ähnlich spek- aufgehobenen Scherkräfte einem schichtparallelen
takuläre Bergrutsche ereigneten sich in jüngster Blockgleiten nachgaben.
Zeit ausschließlich im Mitteljura
(Braunen Jura): 1983 bei Mössin-
gen (Landkreis Tübingen), 1988
bei Waldstetten (Ostalbkreis). An
fossilen Bergstürzen ähnlicher
Größenordnung aus der Nacheis-
zeit sind in diesem Zusammen-
hang und mit dieser Bedeutung
im Regierungsbezirk Stuttgart die
„Hausener Wand“ und die „Spiel-
burg“ (Oberjura; Landkreis Göp-
pingen) und der „Bergsturz am
Breitenstein“ (ebenfalls Oberjura;
Landkreis Esslingen) zu nennen.
Alle diese Naturerscheinungen
sind als Naturschutzgebiete aus-
gewiesen. Kleinere Rutschungen
in und über den Mergelschichten
des Keupers, vor allem im Knol- Bergrutsch im Kieselsandstein und in den Unteren Bunten Mergeln bei Urbach (Remstal)
lenmergel oder in den Bunten
Mergeln, sind zwar landesweit Quelle: LGRB-Informationen 16
häufig, meist aber nur von gerin-
ger Flächenwirkung (vgl. Sörenberg bei Korb; Rems- Die Rutschung vernichtete über 3 ha landschaftsty-
Murr-Kreis). pische Streuobstwiesen sowie einige eingestreu-
te Garten- und Freizeitgrundstücke mit Hütten; die
Der Kirchsteigtobel liegt in der naturräumlichen Wege waren teilweise von niederen Trockenmauern
Einheit „Vorderer Welzheimer Wald“. Die hier vor- begleitet. Botanische Besonderheiten waren auf-
wiegend mit Streuobst bestandenen Hänge bilden grund der vorhergehenden Nutzung bislang nicht
den südwestlichen Saum des Welzheimer Waldes, zu verzeichnen; das gesamte Areal gehört zu einem
dessen Hochfläche randlich durch tief eingeschnitte- Landschaftsschutzgebiet, das besonders das Land-
ne Täler und Schluchten zerteilt und aufgelöst wird. schaftsbild der Keupertäler mit ihren Obsthängen
Seit Einbruch des Oberrheingrabens im Eozän zapft und bewaldeten Höhen schützt. Neuntöter, Feld-
das rheinische Flusssystem mehr und mehr das ur- schwirl, Gartenrotschwanz, Kleinspecht u. a. oder
sprünglich danubisch ausgerichtete Gewässernetz Reptilien wie Schlingnatter und Eidechsen bestätig-
an und hat im Altpleistozän auch die Rems und ihre ten schon bisher die relative Wertigkeit des Gebiets
Zuflüsse umgelenkt. Das starke Gefälle zur neuen aus faunistischer Sicht; neuerdings gehört es als

26 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

Teil eines größeren EU-Vogelschutzgebiets zum Be- Der Böttinger Marmor – ein für
stand der Natura 2000-Kulisse mit folgenden wert-
Deutschland einzigartiger Geotop
gebenden Arten: Mittelspecht, Halsbandschnäpper,
Wendehals und Grauspecht.
Mit dem Bergrutsch am Kirchsteig soll ein wissen- Der „Böttinger Marmor“ findet sich in einem kleinen,
schaftlich und naturgeschichtlich bedeutendes re- verlassenen Steinbruch am nordöstlichen Orts-
zentes, geologisch-geomorphologisches Großereig- rand von Böttingen bei Münsingen auf der Mittleren
nis in seiner Eigenart, Besonderheit und Seltenheit Schwäbischen Alb. Das rot-weiß gebänderte Ge-
gewürdigt und einer interessierten Öffentlichkeit stein ist eine der erdgeschichtlichen Besonderheiten
erläutert werden. In seiner frischen und geradezu Baden-Württembergs und des Nationalen Geoparks
lehrbuchhaften Formenausprägung eignet sich der „Schwäbische Alb“.
Geotop hervorragend als Anschauungsobjekt für
auch gegenwärtig im Keuperbergland ablaufende Der „Böttinger Marmor“ ist kein Marmor im petrogra-
Landschaftsgestaltungsprozesse wie die Rückver- phischen Sinne (Petrographie = Gesteinskunde, Be-
lagerung der Keuperschichtstufe. Im Gegensatz zu schreibung der am Aufbau der Gesteine beteiligten
den nur schwer zu beobachtenden, schleichenden Minerale), sondern ein Travertin (Sedimentgestein).
Denudationsvorgängen verdeutlichen solche gra-
vitativen Massenbewegungen großer Augenblicks-
leistung die Gestaltungskräfte der Erdoberfläche auf
eindrucksvolle Weise und demonstrieren augenfällig
Werden und Wandel der Landschaft.
Vorträge und Exkursionen zum Bergrutsch am Tag
des Geotops 2002 in Urbach waren denn auch sehr
gut besucht; Erläuterungstafeln sollen Interessierten
auch künftig die Besonderheiten des Geotops erläu-
tern.

Wegen einer nachbruchträchtigen Gefahrenzone


oberhalb der Felswand, Steinschlag- und Blocksturz-
gefahr unterhalb der Abrisswand, (grasüberdeckten)
Spalten und Bodenunebenheiten unterschiedlicher
Größe im gesamten Rutschgelände sowie Nach-
sackungen und sonstigen Ausgleichsvorgängen
bleibt ein Betreten des Geotops gefährlich bzw. ist
die weitere, traditionelle Bewirtschaftung der vom
Bergrutsch betroffenen Parzellen auf längere Zeit
hinaus nicht möglich. Für das Gewann „Kirchsteig“
wurde deshalb eine insgesamt 71 ha abdeckende Steinstehende Schichten des Böttinger Marmors, so genann-
Flurbereinigung angeordnet, die einerseits betroffe- ter Bändermarmor, in dem kleinen Steinbruch am Ortsrand von
Böttingen bei Münsingen. Der Bändermarmor entstand durch
nen Grundstücksbesitzern Ausgleich in der näheren Kalkausfällung in einer Thermalwasser gefüllten Quellspalte am
Umgebung bieten und andererseits das durch den Rande des Böttinger Maares.
Rutsch unterbrochene Wegenetz wieder funktions-
Foto: W. Rosendahl
fähig machen sollte.
Das Rutschgebiet selbst blieb dabei ausgespart und
wurde mit Zuschuss der Stiftung Naturschutzfonds Das Vorkommen des „Böttinger Marmor“ befindet
von der Gemeinde erworben. Die dadurch möglich sich heute am Rande eines Maares, welches im Mi-
gewordene Schafbeweidung auf Pflegevertragsba- ozän entstand. Vor etwa 14 Mio. Jahren gab es am
sis soll die einsetzende Sukzession verhindern bzw. Rand dieses Maares eine Spalte mit periodischen
auf neu entstandenen, in unserer Kulturlandschaft Thermalwasseraustritten bzw. Geysiren. Das bei
äußerst seltenen Sonderstandorten wie Rohboden- diesen Wasseraustritten ausgefällte Calciumkarbo-
flächen und Schutthalden hinauszögern und darauf nat ließ den „Böttinger Marmor“ entstehen. Die rot-
spezialisierten Pflanzen- und Tierarten möglichst weiße Bänderung entstand durch unterschiedliche
lange Lebensraum bieten. Eisengehalte.

Dr. Manfred Steinmetz Dem bunten Erscheinungsbild ist es zu verdanken,


Regierungspräsidium Stuttgart, Ref. 56
dass der „Böttinger Marmor“ als solcher überregio-
nal bekannt wurde. Wurde der Stein bis zur Mitte des
18. Jh. nur örtlich als Baumaterial verwendet, kam er

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 27


Schwerpunktthema

mit dem Ausbau des Stuttgarter Residenzschlosses Seit 1994 hat die Arbeitsgemeinschaft Höhle und
(Neues Schloss) von 1760–1762 zu herrschaftlichen Karst Grabenstetten e. V. die 1960 am Steinbruch-
Ehren. Er wurde für Wandverkleidungen in Sälen rand errichteten Arbeiterunterkünfte als Vereinsheim
und repräsentativen Treppenaufgängen verwendet. gepachtet und kümmert sich auch um das Natur-
Mit der gestiegenen Nachfrage vergrößerte sich denkmal „Böttinger Marmor“.
auch der Steinbruch in Böttingen. Zum Tag des Geotops veranstaltet der Höhlenver-
1872 war das Vorkommen aber bereits größten- ein jährlich sein Steinbruchfest, zu dem auch Stein-
teils erschöpft. Eine Wiederbelebung des Abbaues bruchführungen angeboten werden.
erfolgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein neu- Zudem war der Verein in 2003 maßgeblich an der
er Steinbruch wurde angelegt sowie ein Kran, eine Herausgabe einer Broschüre zur natur- und Kultur-
Lorenbahn und eine Bandsägen- und Schleifanlage geschichte des Böttinger Marmors (ROSENDAHL et
errichtet. In diese Abbauphase fällt die Entdeckung al. 2003) beteiligt.
des „Böttinger Marmors“ als bedeutende Fossilfund-
stelle. Zahlreiche Reste von Pflanzen, Insekten, Tau- Literatur
sendfüßlern, Schnecken, Spinnen und verschiede- Rosendahl, W., López Correa, M., Gruner, C. & Müller, T. (Hrsg.
2003): Der Böttinger Marmor. Bunter Fels aus heißen Quellen,
nen Wirbeltieren sind aus dem „Böttinger Marmor“ 56 S.; Staatsanzeiger Verlag; Stuttgart.
bekannt.
Die Entstehung des „Böttinger Marmors“ aus einer
Dr. Wilfried Rosendahl
Thermalquelle bringt es mit sich, dass die Fossilien Reiss-Engelhorn-Museen
in außergewöhnlicher Form überliefert sind. Die Kör- Mannheim
per sind nicht flachgedrückt, wie z. B. bei den Fun-
den aus der Grube „Messel“, sondern als Abgüsse
bzw. Hohlformen räumlich erhalten. In Fledermaus-
Hohlformen finden sich z. B. Abdrücke von Teilen Geotop Kiesgrube „Ingelfinger“ –
der Flughaut oder der Ohrenpartie. Der Erhaltung
einzigartiges „Eiszeitfenster“ für Süd-
wegen, wurden die Fossilfunde aus dem „Böttinger
Marmor“ in Wissenschaftskreisen schnell national westdeutschland
und international bekannt.
Auf die Bedeutung der Kiesgrube „Ingelfinger“ bei
Bereits in den 1930er Jahren führten geowissen- Heilbronn-Frankenbach als quartärpaläontologische
schaftliche Vereinigungen wie die Deutsche Geo- Fundstelle und Forschungsobjekt sowie als Geotop
logische Gesellschaft und die Oberrheinische Ge- wurde erstmals im Jahr 2000 sowohl auf einer Ta-
ologische Vereinigung Exkursionen nach Böttingen. gung der Heidelberger Akademie der Wissenschaf-
Auf die herausragende Bedeutung des Böttinger ten als auch im Rahmen der Eiszeit-Ausstellung im
Marmorbruchs als „Lehrstück für die Erdgeschichte“ Naturhistorischen Museum Heilbronn hingewiesen.
machten aber auch immer wieder Heimat- und Na- Über diese Veranstaltungen entstand eine enge Zu-
turschutzverbände aufmerksam. sammenarbeit zwischen den Autoren, die seither al-
Diese Bemühungen führten zu einem Privatvertrag le Aktivitäten um die Grube koordinieren.
zwischen dem Steinbruchbetreiber und dem Schwä-
bischen Albverein. Der Betreiber verzichtete auf die Weitere Impulse ergaben sich über die Geotopta-
Abbaurechte eines Teils der Ostwand des Stein- gung 2001 in Krefeld, auf der erstmals auf die Be-
bruchs und vermachte sie in einem Erbpachtvertrag deutung der Kiesgrube „Ingelfinger“ als Geotop bzw.
dem Albverein. Gemeinsam mit dem Landesamt für letztes Fenster in den cromerzeitlichen Neckar auf-
Landeskunde und Heimatschutz gelang es 1934 die- merksam gemacht wurde.
sen Teil in die offizielle Liste der staatlich geschütz-
ten Naturdenkmale aufzunehmen. Im Jahr 2002 konnten die Koordinatoren Vertreter
Mit Beginn des 2. Weltkrieges endete die erfolgrei- aller wichtigen Behörden und Institutionen aus Bio-
che Phase des Steinbruchbetriebes wieder. top- und Geotopschutz in einem Arbeitskreis zusam-
Zu Beginn des Jahres 1947 wurde versucht, an die menbringen. Als erklärtes Ziel wurde der Schutz, die
Vorkriegsphase anzuknüpfen, der Erfolg war aber Erforschung und eine Präsentation des letzten noch
mäßig. Der Einsturz einer Lorenbrücke über den Ab- offenen „Fensters“ in Neckarablagerungen aus der
baubereich im Winter 1963/64 brachte das endgülti- Zeit des „Homo heidelbergensis“ vereinbart. Von
ge Aus für die Wirtschaftsgeschichte des „Böttinger Beginn an entstand im Arbeitskreis eine vertrauens-
Marmors“. Der Steinbruch wurde in den Folgejahren volle Zusammenarbeit, die noch im Jahr 2002 die
sich selbst überlassen und teilweise als Schrottplatz Notwendigkeit des Schutzes der Grube als Biotop
benutzt. und Geotop bestätigte.

28 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

aufgeschlossenen kiesig-sandigen Ablagerungen


aus der Zeit des „Homo heidelbergensis“ – und ihren
Lößdeckschichten mitzuwirken. Wichtige Vorausset-
zung dafür war eine Kernbohrung bis in das Liegen-
de der Ablagerungen. Projektgelder dafür wurden
von Stiftungen und Gesellschaften bereitgestellt.

Im April 2004 wurde die Bohrung durchgeführt. In


ca. 45 m Tiefe war das Ziel, ein vollständiges Profil
durch die Deckschichten und die Gesamtabfolge der
Frankenbacher Schotter, erreicht. Mit der Öffnung
des Bohrkernes im Juni 2004 begannen die Unter-
suchungen. Bereits jetzt zeichnen sich Ergebnisse
ab, welche die Kiesgrube zu einem wichtigen quar-
tärgeologischen Referenzprofil für Süddeutschland
machen.

Zu Beginn des Jahres 2005 erfolgte ein weiterer


wichtiger Schritt in Hinblick auf die öffentliche Prä-
sentation des „Eiszeitfensters“ Kiesgrube „Ingelfin-
ger“. Wiederum über Spenden war es möglich, in
einem Teilbereich der Grube die Schichten so frei-
zulegen, dass sie zukünftig über eine geplante Be-
sucherplattform mit Infotafeln für die Öffentlichkeit
„lesbar“ gemacht werden können.
Auch der Biotop Kiesgrube „Ingelfinger“, Lebens-
raum von bedrohten Amphibien- und Wildbienenar-
ten, soll hier präsentiert werden.

Im Frühjahr 2006 wird eine von der Stiftung der Lan-


desbank Baden-Württemberg (LBBW) herausgege-
benen Broschüre mit Informationen zur Geologie und
Biologie die Kiesgrube einer breiteren Öffentlichkeit
vorstellen.

Nächstes Hauptziel ist es, zum 100-jährigen Jubilä-


um des Unterkieferfundes des „Homo heidelbergen-
sis“ im Jahr 2007 die Besucherplattform zu eröffnen
sowie über eine Heilbronner Ausstellung und eine
populärwissenschaftlich aufbereitete Publikation die
Forschungsergebnisse zu präsentieren.

Literatur
Die Schichtenfolge in der Kiesgrube Ingelfinger bei Heil- Rosendahl, W. (2000): Die Frankenbacher Sande – zur
bronn-Frankenbach. Die obere Einheit sind Deckschich- Geologie und Paläontologie der cromerzeitlichen Neckar-
ten aus Löß und Bodenbildungen der letzten 400.000 ablagerungen von Heilbronn. – In: Hansch, W. (Ed.): Eis-
Jahre. Die unteren Schichten sind mittelpleistozäne san- zeit - Mammut, Urmensch und wie weiter?. – Museo, 16,
dige und kiesige Neckarablagerungen, die so genannten 42–51; Heilbronn.
„Frankenbacher Schotter“.
Fotos: W. Rosendahl Dr. Wilfried Rosendahl
Reiss-Engelhorn-Museen
Mannheim

Dr. Wolfgang Hansch


Bereits im Jahr 2003 war es möglich, den das Profil Naturhistorisches Museum
zerstörenden Bewuchs in der Grube zurückzudrän- Heilbronn
gen. Parallel dazu wurden Kollegen von verschiede-
nen Universitäten und Forschungseinrichtungen (z. B.
Bayreuth, Darmstadt, Hannover und Frankfurt) ge-
wonnen, an einem Forschungsprojekt über die
„Frankenbacher Schotter“ – die in der Kiesgrube

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 29


Schwerpunktthema

Geotope in ihrer Vielfalt

Das Feldsee-Kar ist wohl das bekannteste und schönste seiner Art
im Südlichen Schwarzwald. Die „Lehnstuhlform“ ist typisch ausge-
bildet mit sehr steilen felsigen Wänden. Der übertiefte Boden des
Kars wird vom Feldsee eingenommen.
Ostwärts schließen sich zwei Endmoränenwälle an. Der innere,
steilgeböschte Wall wird aufgrund von Tuff-Funden des Alleröd im
Moor zwischen beiden Wällen in die Jüngere Dryas gestellt; der
äußere, flache Wall ist älter (mindestens Ältere Dryas).
Literatur: LIEHL & SICK (1980), WIMMENAUER & SCHREINER
(1981), GROSCHOPF et al. (1981).

Foto: Ritter

Etwa 500 m südwestlich des ehemaligen Klosters Aller-


heiligen schnitt sich der Lierbach tief in den anstehenden
Seebach-Granit ein. Es entstand eine Schlucht mit stei-
len Felswänden (Büttenschrofen, Studentenfelsen) sowie
Aufgelassener Steinbruch bei Diersburg, Hohberg. In dem Stein- mehrere Wasserfallstufen, über die der Lierbach auf eine
bruch wurde Quarzporphyr abgebaut. In der 30 m hohen Abbauwand Strecke von 300 m etwa 100 Höhenmeter überwindet. Der
sind sehr gut ausgebildete säulenförmige Absonderungen zu sehen, Gefällsknick wird durch einen südöstlich streichenden Gra-
die im zentralen Bereich senkrecht, zum Rand hin leicht zur Mitte hin nitporphyrgang verursacht, dessen härteres Gestein eine
geneigt sind (sog. Meilerstellung). Aus der Säulenstellung lässt sich Barriere bildet. Unterhalb der bis zu 15 m hohen Wasserfall-
die ursprüngliche Lagerung des Vulkanits rekonstruieren. stufen bildeten sich z. T. mehrere Meter tiefe, kesselförmige
Literatur: WEYL (1936). Auskolkungen. Literatur: REGELMANN (1907).

Foto: T. Huth Foto: Ritter

30 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

Das Heldenfinger Kliff ist die einzige Stelle auf der Schwäbischen
Alb, an der die Nordküste des Burdigalmeeres (jungtertiäres
Meer zwischen Alpen und Schwäbischer Alb; Obere Meeresmo- Vulkanschlot Hohenbol bei Owen, einer der zahlreichen Schlote
lasse) gut aufgeschlossen ist. Die aus Massenkalk bestehende des „Schwäbischen Vulkans“. Deutlich aus dem umgebenden
Steilküste (Kliff) wurde im unteren, jetzt noch erhaltenen Bereich Gestein herauspräpariert
von Bohrmuscheln und -würmern angebohrt. Dieses oberfläch- Foto: M. Schöttle
lich löcherige Gestein ist hier lokal aufgeschlossen. Der von der
Felsküste flach nach Süden abfallende ehemalige Meeresboden
(Brandungsplattform) ist morphologisch noch zu erkennen.
Literatur : REIFF et al. (1980).
Foto: M. Schöttle

Wechsellagerung von hellen und braunen Schichten im Zenti-


meterbereich im Mittleren Buntsandstein Beutelstein, Bad Lie-
benzell
Foto: M. Schöttle

Karsterscheinung „Neulinger Dolinenfeld“. Aneinanderreihung


mehrerer Erdfälle im Oberen Muschelkalk
Foto: M. Schöttle

Die Grenze zwischen Grundgebirge (Granit) und permischem


Deckgebirge (Arkosesandsteine des Rotliegenden) ist großartig
aufgeschlossen. Es handelt sich um einen seltenen Aufschluss
der „permischen Landoberfläche“. Nach Freilegung der karbo-
Die Vogelherdhöhle am Südhang des Lonetals in einer aus nischen Granite durch Erosion erfolgte unter semiariden Bedin-
Massenkalk des Weißen Jura bestehenden Kuppe. Zeitweise gungen die Zersetzung des Granits. Dieser Verwitterungsgrus
bewohnt von paläolithischen Menschen (wertvolle Funde, z. B. (= Rotliegendes) lagert diskordant dem kristallinen Grundgebir-
Elfenbeinschnitzereien). Eingang der Kleinen Vogelherdhöhle. ge auf und ebnete die ehemalige Landoberfläche ein.
Literatur: BINDER (1979), HAHN, J. ,MÜLLER-BECK, H. & Literatur: RÜGER (1928), RÜCKLIN & SCHWEIZER (1971),
TAUTE, W. (1985), REIFF et al. (1980). SCHWEIZER & KRAATZ (1982).
Foto: M. Schöttle Foto: Ritter

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 31


Schwerpunktthema

Biotop- und Geotopschutz im Stadt- • aufgeschlossene Schichtgrenze Gipskeuper/


kreis Heilbronn Schilfsandstein

Bedeutung als Biotop


Im Stadtkreis Heilbronn gibt es vier bestehende Na- • Bestandteil des FFH-Gebietes „Westlicher
turschutzgebiete (NSG) und ein geplantes sowie Fränkischer Wald“
einundzwanzig Naturdenkmale (ND). Sechs dieser • Gemeinsames Auftreten von bodensauren
Schutzgebiete weisen nicht nur aus naturschutz- (Schilfsandstein) und basiphilen (Gipskeuper)
fachlicher Sicht Besonderheiten auf, sondern sind Pflanzengemeinschaften sowie deren Verzah-
zugleich bedeutende Zeugnisse der Erdgeschichte. nung
Zum Teil stand bei deren Ausweisung der Geotop- • thermophile Waldränder, verschiedene Wald-
schutz sogar im Vordergrund, was auch in der jewei- gesellschaften (z. T. FFH-Lebensraumtypen)
ligen Namensgebung deutlich zum Ausdruck kommt. • Wertgebende Arten (Auswahl): Alpen-Wider-
Im Folgenden werden die sechs Heilbronner Schutz- tonmoos (Polytrichum alpinum), Spitzlappiges
gebiete in Hinblick auf ihren Biotop- und Geotopwert Spatenmoos (Scapania umbrosa), Karthäuser-
kurz vorgestellt. Nelke (Dianthus carthusianorum), Prachtnelke
(D. superbus), Hirschkäfer (Lucanus cervus),
1. NSG Schilfsandsteinbruch beim Jägerhaus Juchtenkäfer (Osmoderma eremita), Gefleck-
Schutzgebietsdaten te Ameisenjungfer (Euroleon nostras), Mauer-
• Verordnung: 13. 02. 1986 (alte VO vom 30. 08. eidechse (Podarcis muralis), Wildbienen (div.
1972) Arten)
• Größe: 29,6 ha
Schutzzweck ist die Erhaltung des aufgelassenen Sonstiges
Steinbruchgeländes Von der Naturschutzverwaltung veranlasste Pfle-
• als naturkundlich und kulturhistorisch bedeut- gemaßnahmen zur Offenhaltung der Waldränder
sames Gebiet, mit dem Ziel der Förderung thermophiler Tier- und
• die Beibehaltung der charakteristischen Eigen- Pflanzenarten dienen gleichzeitig der Unterhaltung
art als wertvoller Lebensraum für die heimische der geologischen Aufschlüsse.
Tier- und Pflanzenwelt,
• die Sicherung des Gebietes für die Erholung
und 2. NSG Köpfertal
• die Beibehaltung der Artenzusammensetzung Schutzgebietsdaten
des Waldes. • Verordnung: 16. 01. 1985
• Größe: 32 ha
Schutzzweck ist die Erhaltung des Köpfertales
mit mehreren Feuchtgebieten und naturnahem
Schluchtwald sowie einer Felsklinge aus faunisti-
schen und vegetationskundlichen Gründen.

Im als Naturschutzgebiet ausgewiesenen aufgelassenen Steinbruch Schattige Klingen und feuchte Wälder bieten dem Feuer-
steht der bis zu 27 m mächtige Schilfstandstein an. salamander optimale Lebensbedingungen im NSG Köp-
fertal.

Bedeutung als Geotop Bedeutung als Geotop


• sehr bedeutender historischer Steinbruch • Bis zu 20 m tiefe Klinge im Schilfsandstein, z. T.
(mind. seit 1460) mit Kalksinterpolstern
• in massiger Ausbildung anstehender Schilf- • Wegen des Vorkommens von „Kohleschmitzen“
sandstein mit Mächtigkeiten von über 20 m im Schilfsandstein wurde in der Vergangenheit

32 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

größeres Steinkohlevorkommen vermutet. En- • Prallhang des Neckars mit aufgeschlossenen


de des 18. Jahrhunderts erfolglose Abbauver- steilen Felswänden des Oberen Muschelkal-
suche. Daher der Name „Steinkohlenklinge“. kes; darüber Hochterrassenschotter

Bedeutung als Biotop Bedeutung als Biotop


• Bestandteil des FFH-Gebietes „Westlicher • Bestandteil des FFH-Gebietes „Nördliches
Fränkischer Wald“ Neckarbecken“
• verschiedene Waldgesellschaften (z. T. FFH- • Felsbänder mit Sedum-Fluren, Tuffquellen, Mu-
Lebensraumtypen) schelkalk-Trockenmauern
• Wertgebende Arten (Auswahl): Steinkrebs • Wertgebende Arten (Auswahl): Wimper-Perl-
(Austropotamobius torrentium), sehr große gras (Melica ciliata), Edel- und Traubengaman-
Erdkröten-Population (Bufo bufo), Gelbbauch- der (Teucrium chamaedrys, T. botrys), Mauer-
unke (Bombina bombina), Feuersalamander eidechse (Podarcis muraria), Wildbienen (div.
(Salamandra salamandra), Hirschkäfer (Luca- Arten)
nus cervus), Spanische Flagge (Callimorpha
quadripunctaria), Fledermäuse (div. Arten), Vö-
gel (div. Arten) 4. ND Felsendiluviale
Schutzgebietsdaten
• Verordnung: 18. 08.1 938
3. NSG Prallhang des Neckars bei Lauffen • Größe: 0,264 ha
(im Stadt- und Landkreis Heilbronn) Schutzzweck: „Erhaltung der Felsen und ihrer Be-
Schutzgebietsdaten wachsung“.
• Verordnung: 15. 02. 1984
• Größe: 2,96 ha
Schutzzweck ist es, den geologischen Aufschluss
einschließlich der Trockenmauern und seiner floristi-
schen und faunistischen Begleiter zu erhalten.

Die Offenhaltung der besonnten Lößteilwände als wichtiger Wild-


bienenlebensraum sichert gleichzeitig den geologischen Auf-
schluß (gepl. NSG Frankenbacher Sande).

Bedeutung als Geotop


• Die bis über 5 m mächtigen zu Nagelfluh ver-
festigten Hochterrassenschotter des Neckars
sind im Zusammenhang mit der tektonischen
Absenkung der Heilbronner Mulde zu sehen.

Bedeutung als Biotop


• Felsbänder mit Sedum-Fluren, thermophile Ge-
büsch-Gesellschaften
• Wertgebende Arten (Auswahl): Mauereidech-
se (Podarcis muraria), Wildbienen (div. Arten),
Gefleckte Ameisenjungfer (Euroleon nostras)
Im NSG Prallhang des Neckars anstehender Oberer Muschel-
kalk mit Trockenmauern steht symbolisch für Natur- und Geo-
topschutz in der Kulturlandschaft.
5. ND In sechs Einzelfelsen zerklüftete Nagel-
fluhbank
Bedeutung als Geotop Schutzgebietsdaten
• nach Norden, zur Heilbronner Mulde hin, einfal- • Verordnung: 28. 07. 1938
lende Schichten des Oberen Muschelkalkes • Größe: Einzelbildungen

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 33


Schwerpunktthema

Schutzzweck: nicht bekannt – vermutlich Erhalt der Bedeutung als Geotop


Nagelfluhfelsen. • aufgeschlossene cromerzeitliche Schotter und
Sande (Hochterrassenschotter) mit einer Ge-
samtmächtigkeit bis zu 24,5 m
• darüber bis zu 19 m mächtige Lößsteilwände
mit eiszeitlichen Bodenhorizonten

Bedeutung als Biotop


• Bestandteil des FFH-Gebietes „Östlicher
Kraichgau“
• sonnenexponierte Lößsteilwände, permanente
und temporäre Gewässer, Röhrichte, Ruderal-
fluren, Gehölze
• Wertgebende Arten (Auswahl): landesweit be-
deutsame Wildbienen-Vorkommen (div. Arten),
Libellen (div. Arten), Kammmolch (Tiriturus
cristatus), Gelbbauchunke (Bombina bombi-
In den NDs „Felsendiluviale“ und im ND „In sechs Einzelfelsen na), Kreuzkröte (Bufo calamita), Wechselkröte
zerklüftete Nagelfluhbank“ sind verbackene, während der Eis- (Bufo viridis), Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryl-
zeiten abgelagerte Neckarschotter aufgeschlossen. lotalpa)

Bedeutung als Geotop Sonstiges


• Anstehende zu Nagelfluh verfestigten Hochter- Von der Naturschutzverwaltung veranlasste Pflege-
rassenschotter des Neckars (vgl. ND Felsendi- maßnahmen zum Schutz und Erhalt der Offenland-
luviale). biotope dienen gleichzeitig der Unterhaltung der ge-
ologischen Aufschlüsse und deren Zugänglichkeit.
Bedeutung als Biotop
• Lage im Landschaftsschutzgebiet Ausblick
Im Zuge der bevorstehenden Ausweisung von Natur-
denkmalen im Stadtkreis Heilbronn wird dem Geo-
6. gepl. NSG Frankenbacher Sande topschutz eine besondere Bedeutung zugemessen.
Schutzgebietsdaten
• Größe: ca. 9 ha Fotos: W.-D. Riexinger
Schutzzweck ist die Sicherung und der Erhalt
• eines ungestörten Aufschlusses der Franken-
bacher Sande und der darüber liegenden Löss- Literatur
deckschichten in einer ehemaligen Abbaugru- Geologisches Landesamt Baden-Württemberg (Hrsg.) (1986):
Geolog. Karte 1 : 25.000 Ba.-Wü. Erläuterungen zum Blatt 6821
be sowie Heilbronn. 204 S.; Freiburg i.Br.
• eines durch die Kombination von Lößsteilwän-
den, Stillgewässern, Ruderalflächen, Gehölzen, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-
Wiesen und Äckern geprägten Landschafts- Württemberg (Hrsg.) (2000):
Geolog. Karte 1 : 50.000 Ba.-Wü. Erläuterungen zum Blatt Heil-
ausschnittes mit seiner spezifischen Tier- und bronn und Umgebung. 292 S.; Freiburg i.Br.
Pflanzenwelt.
Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (Hrsg.)
(2002):
Die Geotope im Regierungsbezirk Stuttgart. 348 S.; Karlsruhe.
Die stark gefähr-
dete Blauschil- Rosendahl, Wilfried (2002):
lernde Sandbiene Die Kiesgrube Ingelfinger bei Heilbronn – letztes Fenster in die
(Andrena agil- cromerzeitlichen Neckarablagerungen (Frankenbacher Schot-
lissima) legt ihre ter). Scriptum (9), S. 105–111; Krefeld.
Nester in besonn-
ten Steilwänden Wolf, Reinhard (Hrsg.) (2002):
im gepl. NSG Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart. 717 S.;
„ Frankenbacher Stuttgart.
Sande“ sowie im
ND „Felsendiluvi-
ale“ an.
Wolf-Dieter Riexinger
Stadt Heilbronn
Planungs- und Baurechtsamt

34 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

Geotourismus und Geoparks risten, Erlebnispfade, regionale Dachmarken („Feu-


er, Eis und Wasser“) u.v.m. Bei innovativen Vorhaben
Neue Begriffe und neue Entwicklungen wie der Entwicklung des Geotourismus spielt die ge-
meinsame Entwicklung einer „Netzwerk-Kompetenz“
Geotourismus eine große Rolle. Diese war auch Gegenstand eines
Der hier verwendete weit gefasste Geotourismus- Forschungsprojekts, welches von der Europäischen
Begriff umfasst folgende Aspekte Union und vom Bundesministerium für Bildung und
• Nachhaltige touristische Produkterstellung und Forschung gefördert wurde (BORKENHAGEN et al.
-vermarktung (Außenmarketing) 2004). Thematische bzw. regionale Subnetze bear-
• Bewusstseinsbildung und Kompetenzentwick- beiten spezielle Projekte, beispielsweise zum Thema
lung nach „innen“ (bezogen auf die jeweilige „Ausbildung von Landschaftsführern“. Eigene Quali-
Region) tätsstandards sind ein wichtiger Teil des Qualitäts-
• Geo-Pädagogik und -Didaktik, denn auch Pä- managements im Netzwerk. Mit der Projektidee ei-
dagogen und Schulklassen sind – wenn auch ner grenzüberschreitenden Geotourismuskarte wird
spezielle – Zielgruppen des Tourismus. zur Zeit der Sprung über die deutsch-französische
Grenze gewagt.
Die Vermittlung geotouristisch / pädagogischer Inhal-
te kann über das geologische, geomorphologische Geoparks
und davon ableitbare Landschaftsinventar (Geoto- Verhält sich ein Geopark zu einem Geotop wie ein
pe, Aufschlüsse, Kulturdenkmale aus Natursteinen, Naturschutzgebiet zu einem Biotop? Sicher nicht,
usw.) oder bspw. über geschichtliche (Entstehung denn Geoparks sind keine Schutzgebietskategorie,
von Eisenerzen über historischen Bergbau) und ve- schon gar nicht hoheitlicher Art. Was ein Geopark ist
getationskundliche (Zeigerpflanzen für historischen bzw. sein soll, gibt am besten die Definition der be-
Rohstoffabbau oder für einen bestimmten Gesteins- sonders zertifizierten Nationalen GeoParks wieder
untergrund) erfolgen. Wichtig ist dabei die Förderung „In Nationalen GeoParks wird die Bedeutung geo-
der sinnlichen Wahrnehmung (Bild 1). logischer und geomorphologischer Prozesse für die
räumliche Verteilung natürlicher Ressourcen, aber
auch für die Landnutzung, die Oberflächengestalt
sowie die Wirtschafts- und Kulturgeschichte nach
innen und außen bewusst und „erlebbar“ gemacht.
In ihnen sollen sich die Ziele des Natur- und Umwelt-
schutzes mit der Förderung regionaler Wirtschafts-
entwicklung sozialverträglich verbinden. Nationale
Geoparks sollen durch Präsentation, Erhaltung und
nachhaltige Nutzung des geologischen Erbes zur
Verwirklichung der Ziele der Agenda 21 beitragen.
Dabei sollen Aspekte wirtschaftlicher Entwicklung
unter den Gesichtspunkten der Tourismusförderung
und Freizeitgestaltung in die Planungen einbezogen
werden.“
Dieser ganzheitliche Ansatz erfordert deshalb ge-
meinsames Handeln unterschiedlicher Disziplinen
(BUND-LÄNDER-AUSSCHUSS BODENFORSCH-
Bild 1: Barfußparcours durch die Erdgeschichte im „Gauinger UNG 2002, Präambel, S. 1). Schutzaspekte spielen
Travertinsteinbruch“ bei Zwiefalten (Geopark Schwäbische Alb) eine wichtige Rolle: So in Form des in allen Zertifi-
Foto: Carmen Hägele zierungsrichtlinien geforderten Geotopschutzes, der
nicht nur Konzepte für die Erhaltung und Entwick-
Netzwerk Erdgeschichte/GeoForum Baden- lung geologisch bzw. geomorphologisch geprägter
Württemberg Einzelbildungen der Natur erfordert, sondern umfas-
Einen breiten Geotourismus-Ansatz vertritt das Netz- sende, integrative Schutz- und Entwicklungskonzep-
werk Erdgeschichte/GeoForum Baden-Württemberg te von Geotopensembles bzw. „Geotoplandschaften“
(www.erdgeschichte.de, MEGERLE/PAULS 2004; gemäß dem Leitbild „Schutz durch Nutzung“. Geo-
PFORR/MEGERLE 2006). Tourismusakteure, Geo- topschutz in diesem Sinne darf nicht nur aus geowis-
wissenschaftler und andere Akteure wie der Indus- senschaftlicher Sicht betrieben werden. Gefordert ist
trieverband Steine und Erden erarbeiten gemeinsam auch die Berücksichtigung der Geotopfunktionen als
strategische Konzepte zur geowissenschaftlich / tou- Grundlage für den Biotop- und Artenschutz, zum Bei-
ristischen Kommunikation. Produkte, Projekte und spiel bei der Berücksichtigung der Geotopdiversität.
Initiativen können sein: Pauschalangebote für Tou- Hier leisten Geoparks Bewusstseinsbildung: Biotope

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 35


Schwerpunktthema

bauen letztendlich auf abiotischen Ökofaktoren auf. tung (siehe Bild 2). Die Stratigraphie des Jura wurde
Geoparks eignen sich für Landschaften, die geolo- hier entwickelt: Einige Abschnitte der Erdgeschichte
gisch-paläontologische, archäologische, ökologi- sind weltweit nach Orten auf der Schwäbischen Alb
sche und/oder geschichtliche Besonderheiten auf- benannt wie das Aalenium oder das Pliensbachium.
weisen. Im Rahmen von Konzepten zur nachhaltigen Diese und andere Sachverhalte und Besonderheiten
Wirtschaftsentwicklung und zur Nutzung des Land- der Alb geben innerhalb eines Geoparks gute Mar-
schaftspotenzials sollen diese für (geo-)touristische ketingmöglichkeiten und dienen der Profilierung der
und (geo-)pädagogische Zwecke erschlossen wer- Schwäbischen Alb im Rahmen eines Regionalmar-
den. Damit wird ein Geopark dem Naturschutz-Leit- ketings.
bild „Schutz durch Nutzung“ grundsätzlich gerecht. Organisiert ist der 2001 ins Leben gerufene Geopark
Das einzige offizielle Geopark-Zertifizierungssys- Schwäbische Alb bis vorerst Ende 2006 als eigen-
tem in Deutschland ist das System „Nationale Geo- ständiger Geopark-Ausschuss innerhalb des Tou-
Parks“. Dieses Prädikat wird von der GeoUnion mit rismusverbandes Schwäbische Alb. Die Geschäfts-
Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung stelle ist in den Räumen des Tourismusverbandes in
und Forschung und der UNESCO für die Dauer von Bad Urach untergebracht.
fünf Jahren verliehen. Basis der Prädikatisierung
sind besondere Richtlinien (BUND-LÄNDER-AUS-
SCHUSS BODENFORSCHUNG 2003).

Geopark Schwäbische Alb


„Die Schwäbische Alb hat weltweit gesehen eine
herausragende Bedeutung für die Geologie“, so der
ehemalige Leiter der Abteilung Geowissenschaften
bei der UNESCO, Dr. Wolfgang Eder. In der Tat:
Nicht nur wegen der zwei Meteoritenkrater oder dem
Schwäbischen Vulkan mit seinen über 350 Schlo-
ten wurden hier bedeutende Kapitel der Wissen-
schaftsgeschichte geschrieben. Als höhlenreichste
Landschaft Deutschlands bot die Alb beispielsweise
bereits den Tieren der Eiszeit (z. B. Bärenhöhle) be-
sondere Lebensräume, die auch die steinzeitlichen Bild 3: Vermittlung mit allen Sinnen im Geopark
Menschen für sich nutzten und dazu beigetragen „Schwäbische Alb“
Foto: Carmen Hägele
haben, dass die Schwäbische Alb zu Recht als eine
der Wiegen menschlicher Kultur (älteste Kunstwerke Der mittlerweile auch als Weltgeopark ausgezeich-
und ältestes Musikinstrument der Menschheit aus nete Nationale GeoPark Schwäbische Alb dient vor
den Höhlen um Blaubeuren und Schelklingen) be- allem zur Vernetzung (vgl. JUNKER & HUTH 2004)
trachtet werden kann. Dazu tragen auch die geologi- und qualitativen Weiterentwicklung der bereits vor-
schen Rohstoffe (Jurahornsteine, Bohnerze) bei, die handenen, vielfältigen geotouristischen und geopä-
vom Menschen bereits sehr früh (Eisenerzverhüt- dagogischen Angebote (Schauhöhlen, Geopfade,
tung durch Kelten bei St. Johann, einer der ältesten Klopfplätze u. v. a.), der Umsetzung eines syste-
Nachweise in Mitteleuropa) intensiv genutzt wurden. misch angelegten Geotopschutzes (MEGERLE &
SPEIDEL 2004) sowie der Bewusstseinsbildung
nach innen wie nach außen hin (vgl. Bild 3). Bild 4
zeigt ein Beispiel für eines der Geopark-Produkte:
Die „Geotouristische Karte des Geoparks Schwäbi-
sche Alb“ entstand als typisches Netzwerkprodukt
unter der Federführung des Landesamtes für Geo-
logie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg.
Diese Karte ist die erste amtliche geotouristische
Karte Deutschlands. Gleichzeitig demonstriert die-
ses Produkt die beabsichtigten „Ausstrahlungseffek-
te“ des Geoparks auf das ganze Land: Das Karten-
blatt wurde zum Pilotblatt eines neuen Kartenwerks
Bild 2: „Meerengel“, ein rochenähnlicher Fisch aus den Nusplin- „Geotouristische Karte von Baden-Württemberg“.
ger Plattenkalken
Foto: G. Dietl
Neben den eigenen Projekten beteiligt sich der Ge-
opark an Projekten Dritter. Ein Beispiel dafür ist das
Die Fossilien des „Jurassic Geoparks Schwäbische mittlerweile realisierte Projekt „Nusplinger Lehrpfad“
Alb“ (z. B. aus Holzmaden) haben weltweite Bedeu- des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart

36 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

2) ist ein wichtiger Baustein die Erstellung


eines Erlebnispfades („Rund um die Lagu-
ne“, s. Bild 5). Über die erlebnisorientierte
Information seiner Besucher soll der Pfad
besucherlenkende Funktionen entfalten.
Um dieser Aufgabe gerecht werden zu kön-
nen, wurde sogar ein Klopfplatz außerhalb
sensibler und schutzwürdiger Bereiche rea-
lisiert.

Literaturhinweis
Geotourismusführer „Erlebnis Geologie“ –
Streifzüge über und unter Tage.
Eine Neuauflage ist seitens des LGRB vorerst
nicht geplant. Der Geotourismusführer ist aber
in Bibliotheken einsehbar.

Geopark Bergstraße-Odenwald
Ein kleinerer Teil im Nordwesten von Ba-
den-Württemberg (Unteres Neckartal, Hei-
delberg) gehört zu einem weiteren Geopark,
dem Geopark „Bergstraße-Odenwald“. Wie
die „Schwäbische Alb“ ist auch dieser Ge-
opark als Weltgeopark zertifiziert. Ähnlich-
keiten gibt es auch bei der Art der Projekte.
So spielt die Ausbildung von Multiplikatoren
Bild 4: Geotouristische Karte des Nationalen Geoparks Schwäbische Alb
(z. B. Ranger, Gewässerführer etc.) eine
(Aussschnitt, ©LGRB BaWü 2003). Der Ausschnitt zeigt den Erlebnisbe-
reich um die Geopark-Infostelle Zwiefalten („i“, rechts unten die Donau), ebenso große Rolle wie die Eröffnung von
(A=Aufschluß 59) und weiteren geotouristischen Sehenswürdigkeiten Geopark-Infozentren oder Geopark-Pfa-
(F=Formen, H=Höhlen, Q=Quellen) den. Auch die netzwerkähnliche Zusam-
menarbeit im Geopark ist von Bedeutung
und der Gemeinde Nusplingen im westlichen Teil (WEBER 2005).
des Nationalen Geoparks „Schwäbische Alb“. Im Ge- Unterschiede gibt es bei der Organisation (der Ge-
otopschutzkonzept für die zum Teil weltbedeutsame opark „Bergstraße-Odenwald“ ist im Gegensatz zur
Fossilienfundstelle „Nusplinger Plattenkalke“ (Bild „Schwäbischen Alb“ gleichzeitig Naturpark) und der
Ausstattung mit Geotopen. Fossilien spielen im Ge-
opark „Odenwald“ eine im Vergleich zur „Schwäbi-
schen Alb“ geringere Rolle. Eine gewisse Bedeutung
hatte der Bergbau (z. B. um Reichelsheim). Über
Inszenierungen (Events, Feste, thematische Erleb-
nistage, „Lange Nacht der Museen“, Kampagnen
wie „Geotop des Jahres“, etc.), einer professionellen
Landschaftsinterpretation sowie über eine intensive
und kreative Kommunikation mit der Öffentlichkeit
soll die Besonderheit dieser Landschaft auch geolo-
gischen Laien näher gebracht werden. Dazu gehört
die enge Verknüpfung der Geothemen mit anderen
Themen wie Geschichte, regionalen Produkten (z. B.
Apfelwein) sowie die enge Kooperation mit anderen
Regionalakteuren, zum Beispiel den Welterbestätten
Lorsch und Grube Messel.
Eines der längerfristigen Ziele ist der Aufbau eines
Besucherinformations-Netzwerkes (ECKHARDT &
Bild 5: Tafelentwurf für den Erlebnispfad „Rund um die Lagune“ WEBER 2005).
der Nusplinger Plattenkalke
Konzept und Bild: © Armin Scherzinger 2004

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 37


Schwerpunktthema

Literatur Geotope – wie nutzen. 7. Internationale Jahrestagung der Fach-


BORKENHAGEN, P.; JÄKEL, L.; KUMMER, A.; MEGERLE, A.; sektion GeoTop der Deutschen Geologischen Gesellschaft und
VOLLMER, L.-M. (2004): Netzwerkmanagement, Hrsg.: ABWF, der Arbeitsgruppe Geotope des Geoforums der Schweizerischen
Berlin (= Handlungsanleitung für die Praxis, 8). Akademie der Naturwissenschaften., 19.–24. Mai 2003, Bad Ra-
gaz, S. 37–42; Hannover (=Schriftenreihe der Deutschen Geolo-
BUND-LÄNDER-AUSSCHUSS BODENFORSCHUNG (2003): gischen Gesellschaft, H. 31).
Richtlinien Nationale Geoparks, Stand: 6./7.03.2003: http://www.
geo-union.de/nationale_Geoparks6-03-03-1.pdf (26.10.05). PFORR, C.; MEGERLE, A. (2006): Geotourism: a perspective
from southwest Germany, in: S. 95. – Dowling, R., Newsome, D.
CLEMENT, T. (2003): Umweltbildung in Geoparks – ein Medium (Hrsg.): Geotourism, Amsterdam u. a. , S. 117–139.
zur Besuchergewinnung, in: Quade, H. (Hrsg.): Geoforum 2003:
Geotope – Geoparks – Geotourismus, Deutsche Geologische VOGT, J.; MEGERLE, A. (2005): Fragestellungen einer inter-
Gesellschaft, Hannover, S. 80–85 (=Schriftenreihe der Deut- disziplinären Geoparkforschung, in: Geopark Bergstraße-Oden-
schen Geologischen Gesellschaft, H. 25). wald (Hrsg.): GeoTop 2005 Tagungsprogramm, Abstracts, Ex-
kursionen, Lorsch; S. 45–46.
DOWLING, R.; NEWSOME, D. (2006): Geotourism´s issues and
challenges, in: Dowling, R., Newsome, D. (Hrsg.): Geotourism, WEBER, J. (2005): Neue Wege in den Geopark, in: Geopark-
Amsterdam u. a. , S. 242–254. News, Infomagazin des Geoparks Bergstraße-Odenwald, 3, Nr.
5, S. 1–4.
ECKHARDT, C.; WEBER, J. (2005): Geopark Bergstraße-Oden-
wald – Besucherinformation und Kommunikation im regionalen Dr. Andreas Megerle
Universität Karlsruhe (TH)
und internationalen Kontext, in: Geopark Bergstraße-Odenwald
Institut für Regionalwissenschaft (IfR)
(Hrsg.): GeoTop 2005 Tagungsprogramm, Abstracts, Exkursio-
nen, Lorsch, S. 18–19.

EDER, W. (1999): Geologisches Naturerbe und UNESCO´s Ge-


opark-Programm, in: Hoppe, A.; Abel, H. (Hrsg.): Geotope – les-
bare Archive der Erdgeschichte, Wiesbaden, S. 33 (=Schriften-
reihe der Deutschen Geologischen Gesellschaft, H. 7). Weitere Literaturhinweise zu Geotopen
FRIEBE, G.; HEIERLI, H.; MEGERLE, A., MEGERLE, H.;
ZAUGG, A. (2000): Feuer, Eis und Wasser. Streifzüge durch die Broschüre
Landschafts- und Entstehungsgeschichte der Bodenseeregion;
Konstanz.
„Geotope im Regierungsbezirk Freiburg“

JUNKER, B.; HUTH, T. (2005): Was und wie kann der Staatliche In der vorliegenden Un-
Geologische Dienst zur nachhaltigen Entwicklung eines Geo- tersuchung erfolgte eine
parks beitragen? Am Beispiel Nationaler GeoPark Schwäbische
Alb, in: Schütze, K.; Niedermeyer, R.-O. (Hrsg.): Geotopschutz
Überprüfung und Bewer-
– Chancen zur nachhaltigen Entwicklung von Regionen in Euro- tung vorhandener geolo-
pa, 8. Internationale Tagung der Fachsektion GeoTop der Deut- gischer Naturdenkmale,
schen Gesellschaft für Geowissenschaften, 11.–15. 05. 2004 in also der geschützten
Stralsund, S. 43–47; Hannover (=Schriftenreihe der Deutschen
Gesellschaft für Geowissenschaften, H. 36).
Geotope, und eine Zu-
sammenstellung weiterer
MEGERLE, A.; MEGERLE, H. (2002): Geotourismus? Geotou- schutzwürdiger Geotope
rismus, in: attempto!, H. 13, S. 16–17. als Grundlage für eine
MEGERLE, A. (2004): Huth, Thomas und Baldur Junker: Ge-
Unterschutzstellung und
otouristische Karte Nationaler GeoPark Schwäbische Alb mit Ausweisung als geologi-
Umgebung 1:200.000, in: Geogr. Rundschau, 56 (2004), H. 6, sche Naturdenkmale er-
S. 56. folgte jeweils getrennt für
MEGERLE, A. ; PAULS, K. (2004) : Geotourismusnetzwerke am
die einzelnen Stadt- und Landkreise.
Beispiel Netzwerk Erdgeschichte, in: Kruhl, J.H. et al. (Hrsg.):
Geowissenschaften und Öffentlichkeit. 6. Internationale Tagung Neben der Beschreibung der einzelnen Geotope wird
der Fachsektion GeoTop der Deutschen Geologischen Gesell- ein Überblick über die geologische Entwicklung, die
schaft, 10.–13.4.2002 in Viechtach. – Schriftenreihe Deutsche
Geologische Gesellschaft, H. 29, S. 59–65; Hannover.
Schichtenfolge und die wichtigsten Gesteinstypen
der verschiedenen Landschaftsräume im Untersu-
MEGERLE, A.;SPEIDEL, W. (2005): Systemisch orientierter Ge- chungsgebiet gegeben.
otopschutz im Nationalen GeoPark Schwäbische Alb, in: Schüt- In die Untersuchung einbezogen wurden 283 be-
ze, K.; Niedermeyer, R.-O. (Hrsg.): Geotopschutz – Chancen zur
nachhaltigen Entwicklung von Regionen in Europa, 8. Internati-
reits als geologische Naturdenkmale unter Schutz
onale Tagung der Fachsektion GeoTop der Deutschen Gesell- stehende Geotope. Als schutzwürdig mit der Prädi-
schaft für Geowissenschaften, 11.–15. 05. 2004 in Stralsund, S. katsbezeichnung „Geotop“ werden 437 weitere Na-
55–59; Hannover (=Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft turbildungen vorgeschlagen. Diese Geotope sind
für Geowissenschaften, H. 36).
teilweise bereits in der Kartierung nach § 24a des
MEGERLE, A.; SPEIDEL, W. (2004a): Nationaler GeoPark Landesnaturschutzgesetzes (LNatSchG) als Biotope
Schwäbische Alb: Auf dem Weg zum größten Geopark Eu- bzw. § 30a Landeswaldgesetz (LWG) als Waldbio-
ropas?, in: Jordan, P. et al. (Hrsg.): Geotope – wie schützen / tope erfasst. Sie besitzen daher bereits einen pau-

38 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

schalen Schutzstatus und sind in den einzelnen Ta- Bezugsadresse


bellen der Land-/Stadtkreise gekennzeichnet. Die Broschüre ist für 20 € erhältlich bei der Verlagsaus-
Die Mehrzahl der Objekte liegt im Kristallinen Grund- lieferung der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-
Württemberg (LfU) bei der JVA Mannheim, Herzogen-
gebirge (270) und den Formationen des Jura (136), riedstraße 111, 68169 Mannheim, Fax: 06 21 / 398 -370,
der Trias (129 Geotope aufgegliedert in Buntsand- e-mail: bibliothek@llubw.bwl.de
stein, Muschelkalk, Keuper), des Tertiärs (80) und
Priv.-Doz. Dr. habil. Manfred Schöttle
des Quartärs (59). Mit geringeren Anteilen sind je- LfU, Ref. 22
doch auch andere Formationen vertreten vom Kar-
bon/Devon (16) und des Perm (30).

Betrachtet man die regionale Verteilung der Geo- Geologische Naturdenkmale im Regierungsbe-
tope im Regierungsbezirk Freiburg, so zeigen sich zirk Karlsruhe
entsprechend dem geologischen Aufbau und der
Morphologie der Landschaft deutlich zahlenmäßige Man könnte sie fast so
Schwerpunkte im gesamten Nord- und Südschwarz- etwas wie die Stiefkinder
wald, dem Westteil der Schwäbischen Alb, dem He- des Naturschutzes be-
gau, der Vorbergzone und dem Kaiserstuhl. Während zeichnen, wenn man den
im Schwarzwald je nach Untergrund (Granit, Gneis, Anteil der geologischen
Buntsandstein) die „geomorphologische Struktur und Naturdenkmale an der
Form“, also meist Felsen sowie „besonderer Gestein- Gesamtzahl der bislang
styp“ vorherrscht, sind es in den Kalkstein-Gebieten nach § 24 Landesnatur-
des Muschelkalks und des Jura meist Auschlüsse schutzgesetz (NatSchG)
von „wichtigen Schichtfolgen“, aber auch „Karster- ausgewiesenen „Ein-
scheinungen“. In den tertiären Vulkangebieten des zelbildungen der Natur“
Kaiserstuhls und des Hegaus sind „vulkanische Er- misst.
scheinungsformen“ vorherrschend, während das Dreijährige Feldarbeit
Merkmal „tektonische Deformation“ auf das Gebiet war notwendig, um eine
des Oberrheingrabens entlang der Grabenrandver- repräsentative Auswahl gefährdeter und somit po-
werfung beschränkt ist. Häufig vertreten sind auch tenziell schutzbedürftiger geologischer Einzelobjek-
quartäre glazial-morphologische Formen. te im Regierungsbezirk Karlsruhe mittels eines um-
fangreichen Erhebungsbogens vor Ort zu erfassen
Bezogen auf die einzelnen Stadt- und Landkreise und auszuwerten. Berücksichtigt wurden u. a. fol-
ergibt sich folgende Zusammenstellung geschützter gende Kriterien: Geographische Lage, erdgeschicht-
und in Klammern „neuer“ als schutzwürdig vorge- liche Einheit, geologische Merkmale, Wertklasse der
schlagener Geotope: LK Ortenau 77 (34), Lk Rott- Merkmale, Schutzwürdigkeit, gegenwärtiger und
weil 30 (35), Lk Emmendingen 6 (34), Sk Freiburg zukünftiger Status, Erhaltungszustand bzw. Pflege-
3 (7), Lk Breisgau-Hochschwarzwald 29 (94), Lk maßnahmen, Foto, Beschreibung und Literatur. Was
Schwarzwald-Baar 16 (37), Lk Tuttlingen 23 (55), Lk den vorliegenden Band auch für den interessierten
Lörrach 29 (41), Lk Waldshut 38 (65), Lk Konstanz Laien so attraktiv macht, sind die 66 teils ganzseiti-
32 (35). gen Farbbilder, spiegeln sie doch das ganze Spek-
trum des vom Autor angewandten Typisierungskata-
Die Publikation enthält einen ausführlichen Glossar loges wider.
zu geowissenschaftlichen Begriffen zum Geotop- Handelte es sich bei den bislang fast ausschließlich
schutz. Die Broschüre enthält außerdem – ohne unter dem Gesichtspunkt der „geomorphologischen
Anspruch auf absolute Vollständigkeit – eine Zu- Struktur und Form“ ausgewiesenen 88 Naturdenk-
sammenstellung der im Regierungsbezirk Freiburg male überwiegend um Naturfelsen, Blockhalden und
vorkommenden bedeutenden Geotope. Diese Publi- Felsblöcke, „die der Vielfalt der erdgeschichtlichen
kation wird unter der Internetadresse www.xfaweb. Entwicklung und Dokumentation nur in beschei-
baden-wuerttemberg.de/bofaweb im Menüpunkt denem Maße Rechnung trägt“, so werden bei den
„Berichte“ als digitale Druckvorlage eingestellt. neu vorgeschlagenen Objekten vor allem „wichtige
Eine interaktive Kartenübersicht mit Zugriff auf die Schichtfolgen, spezielle Gesteinstypen, besondere
Datenbank der Geotope in Baden-Württemberg ist Sedimentgefüge, Karsterscheinungen, Fossilfund-
im Internetangebot „Umwelt-Datenbanken und -Kar- punkte, erhaltenswerte Erscheinungsformen von
ten online“ der Landesanstalt für Umweltschutz unter und an vulkanischen Gesteinskörpern sowie tektoni-
aktuell www.lubw.baden-wuerttemberg.de in Kürze sche Deformationen“ eindrucksvoll dokumentiert.
zu finden. Die Karten wurden aus dem Räumlichen Das Verdienst dieser Arbeit liegt daher nicht so sehr
Informations- und Planungssystem (RIPS) des Um- im Aufbereiten der bereits unter Schutz stehenden
weltinformationssystems BW entnommen. geologischen Naturdenkmale, sondern in der Erhe-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 39


Schwerpunktthema

bung und Bewertung weiterer schutzwürdiger Natur- Bezugsadresse


objekte erdgeschichtlicher Dynamik. Regierungspräsidium
So haben von den 311 erfassten geologischen Ob- Freiburg, Abt. 9, Lan-
desamt für Geologie,
jekten im Regierungsbezirk Karlsruhe allein 223 Rohstoffe und Bergbau
Aufschlüsse – 67 werden vom Autor als „absolut B a d e n - Wü r t t e m b e r g
schutzbedürftig“ eingestuft – noch keinen Natur- (LGRB), PF 79095 Frei-
schutzstatus! burg, 11,80 € zzgl. Ver-
Mit der nun vorliegenden umfassenden Bestands- sandkosten, im Buch-
handel erhältlich; www.
aufnahme verfügt das Land über eine unschätzbare l g r b . u n i - f r e i b u r g .d e .
Entscheidungshilfe zur (naturschutz)rechtlichen Si- ISBN 3-00-014219-3
cherstellung erdgeschichtlicher Zeugnisse von ho-
hem Rang.
Eine rasche Umsetzung dieser Kartierung in die
Schutzgebietsprogramme der Naturschutzverwal-
tung tut allerdings Not, – zu viele geologische Natur- Erdgeschichte kompakt: Geotouristische Karte
denkmale sind bereits unter dem Einfluss des wirt- Nationaler GeoPark Schwäbische Alb
schaftenden Menschen unwiederbringlich zerstört Die neue „Geotouristische Karte“ bietet über 300 ge-
worden. Beispiele direkt vor unserer Haustür gibt es ologische Sehenswürdigkeiten auf einen Blick. Von
genug: (Löß-)Hohlwege wurden mit Müll verfüllt, auf Donaueschingen bis zum Ries, vom Albtrauf bis zur
geologische Strukturen zurückzuführende Dolinen Donau zeigt die Karte im Maßstab 1 : 200 000 ne-
eingeebnet, Steinbrüche zu (Erd-)Deponien umfunk- ben der Geologie eine Vielzahl an geotouristischen
tioniert oder in falsch verstandenem Ordnungssinn Zielen: ein Besucherbergwerk, Höhlen, Geo-Muse-
total rekultiviert. en, Lehrpfade, Naturschutzzentren und ausgewähl-
te Geotope. Zudem sind Aussichtspunkte und Geo-
Roland Heinzmann M.A. Park-Informationsstellen vermerkt.
LfU, Ref. 24

Bezugsadresse
Geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karls- Wasserfeste Karte mit Erläuterungsheft, 6,50 € zzgl. Ver-
ruhe, Manfred Schöttle: Bodenschutz 5, 164 S., Hrsg. sandkosten, Schwäbische Alb Tourismusverband, Bad
Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württ.; Karlsruhe Urach; www.schwaebischealb.de
2000 (2. unveränderte Aufl.). Geschäftsstelle des Netzwerks Geopark Schwäbische
Nachdruck mit CD-ROM inklusive interaktiver Karten- Alb, Münsingen; www.geoparkalb. de
übersicht. Bezug nur noch über: Naturschutzzent- Regierungspräsidium Freiburg, Abt. 9, Landesamt für
rum Karlsruhe-Rappenwört, Hermann-Schneider-Allee Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg
47, 76189 Karlsruhe, Tel.: 07 21 / 95 047 -0, Fax: -47, (LGRB); www.lgrb.uni-freiburg.de
e-mail: info@nazka.de

Neue geologische Karte, Kaiserstuhl 1 : 25 000


mit Erläuterungen
Neues Kartenwerk für Baden-Württemberg Der inmitten des Oberrheingrabens gelegene Kai-
serstuhl ist mit seinen vulkanischen und subvulka-
Geotouristische Karte von Baden-Württemberg nischen Gesteinen, vor allem dem in Mitteleuropa
1 : 200 000 – Schwarzwald mit Umgebung einmaligen magmatischen Kalkgestein Karbonatit,
Das Produkt besteht zum einen aus einer wasser- seit über 200 Jahren Objekt intensiver geologischer
festen geologischen Karte 1 : 200 000 mit geotou- und mineralogischer Forschung.
ristischen Zielen für den gesamten Schwarzwald In dem umfangreichen und reich illustrierten Erläute-
und seinen Randgebieten, zum anderen aus einem rungsband sind zahlreiche neu gewonnene Erkennt-
reich bebilderten Begleitheft mit Erläuterungen der nisse sowie Ausführungen zu Themenbereichen
666 geotouristischen Sehenswürdigkeiten: 14 Besu- eingearbeitet, wie z. B. ein Abriss der geologisch-
cherbergwerke, 18 ausgewählte Bergbauspuren, 2 mineralogischen Erforschungsgeschichte des Kai-
Schau- und 7 sonstig begehbare Höhlen, 43 Geo- serstuhls und ein Überblick zur Erd-, Landschafts-
thematische Museen, 44 Lehrpfade, 5 Naturschutz- und Flussgeschichte dieses Raums.
zentren, 55 besondere Aussichtspunkte sowie 478
ausgewählte Geotope. Jedes Objekt ist beschrieben, Bezugsadresse
u. a. sind angegeben Öffnungszeiten, Ansprechpart- Karte mit Erläuterungsband, Landesvermessungsamt
ner, Koordinaten, Wegelänge sowie Rollstuhlzu- Stuttgart, Fax: 07 11 / 123 -29 80,
e-mail: lv.vertrieb@vermbw.bwl.de oder über den Buch-
gänglichkeit. handel, 28,- €. Die Geodaten des Blattes gibt es nur beim
Regierungspräsidium Freiburg, Abt. 9, LGRB, (Komplett-
Preis 200,- €). www.lgrb.uni-freiburg.de

40 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Schwerpunktthema

Lagerstätten und Bergbau im Schwarzwald Die z. T. ungewöhnlich gut und vollständig erhaltenen
Der Schwarzwälder Bergbau besitzt eine sehr lange Reste von Pflanzen und Tieren geben einen Einblick
Tradition. Die frühesten Zeugnisse eines auf Eisen in die Lebensverhältnisse nach dem Ereignis und er-
und Buntmetalle ausgerichteten, systematischen möglichen es, die Seegeschichte und die damaligen
Metallerzbergbaus in Südwestdeutschland stammen klimatischen Bedingungen zu rekonstruieren. Der
aus der keltischen Zeit vor rund 2.600 bis 2.400 Jah- Steinheimer Meteorkrater ist eines der bedeutends-
ren. Das vorliegende Buch stellt keine wissenschaft- ten Dokumente der Erd- und Lebensgeschichte in
liche Spezialabhandlung für Geologen, Bergleute Mitteleuropa.
oder Historiker dar, sondern richtet sich vielmehr an
alle, die an den Grundzügen der Lagerstättengeolo- Der Steinheimer Meteorkrater, Dr. Elmar P.J. Heizmann,
gie und Geschichte des Bergbaus interessiert sind Prof. Dr. Winfried Reiff, 160 S., Hrsg. Gemeinde Stein-
und nach Befahrung eines für die Öffentlichkeit zu- heim am Albuch, Verlag Dr. Friedrich Pfeil; München
2002. ISBN 3-89937-008-2
gänglichen Bergwerks mehr über die natürlichen und
geschichtlichen Hintergründe wissen wollen. Fachdienst Naturschutz

Bezugsadresse
Regierungspräsidium Freiburg, Abt. 9, Landesamt für Ge- Im Geopark Schwäbische Alb
ologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB), Albertstraße 5, Die schönsten Ziele für Familien
79104 Freiburg, Tel.: 07 61 / 208 -30 00, Fax.: -30 29,
e-mail: abteilung9@rpf.bwl.de; www.lgrb.uni-freiburg.de Die typische Verkars-
tungserscheinung machen
die Schwäbische Alb zu
Das gleiche Kartenwerk für Nord-Baden-Württem- einer der höhlenreichsten
berg kommt voraussichtlich Anfang 2006 heraus. Landschaften Deutsch-
lands. Höhenzüge bis
zu 1.000 m, sanfte Berg-
rücken, verschlungene
Vom Schwarzwald zum Ries - mitteleuropäischer Täler, Wacholderheiden,
Regionen (2) erloschene Vulkanschlo-
Meeresüberflutungen, Vulkanausbrüche und Me- te oder Meteorkrater sind
teoriteneinschläge haben die Landschaft zwischen Beispiele für markante
Schwarzwald und Ries geformt. Fachleute haben Naturerscheinungen, die
wissenschaftliche Erkenntnisse in einer reich be- die immense geologische,
bildert Publikation dem naturkundlich interessierten erdgeschichtliche und ar-
Leser zugänglich gemacht. chäologische Vielfalt zeigen.
Der Autor versteht es, jede Menge Ziele für den ge-
Vom Schwarzwald zum Ries, Dr. Elmar P.J. Heizmann meinsamen Ausflug der Familie unter einen Aspekt
(Hrsg. 1998), Staatliches Museum für Naturkunde Stutt- zu stellen. Dabei kommen Spaß und Staunen nicht
gart, Verlag Dr. Friedrich Pfeil; München.
ISBN 3-931516-33-4 zu kurz. Und was die UNESCO bewahren möchte,
soll Kindern nahe gebracht, erläutert und im geologi-
Fachdienst Naturschutz schen Zusammenhang erklärt werden. Ausführliche
Info-Teile zu jeder Tour erleichtern die Planung. An-
sprechende Farbfotos machen schon zu Hause neu-
Steinheimer Meteoritenkrater gierig auf Fossilien, Vulkane, Höhlen und Burgen.
Selten sind die durch Me-
teoriteneinschläge ent- Im Geopark Schwäbische Alb, Die schönsten Ziele für
standenen Hohlformen Familien, Gerrit-Richard Ranft, 168 S., Fleischhauer &
Spohn Verlag, 2004. ISBN 3-87230-592-1
so gut erhalten wie das
„Nördlinger Ries“ und das Bezugsadresse:
„Steinheimer Becken“. Schwäbische Alb Tourismusverband, Marktplatz1, 72574
Besonders das kleine- Bad Urach, Tel. 0 71 25 / 94 81 06;
www.schwaebischealb.de
re „Steinheimer Becken“ Fachdienst Naturschutz
zeigt die Kraterstruktur
auch heute noch sehr
anschaulich und gibt uns
eine Vielzahl von geolo- Bodenloser See und Schickhardt-Stollen
gischen Hinweisen auf Natur- und Kulturgeschichte im Kalktuff von Seeburg
seine Entstehung und die bei Bad Urach
ungeheure Energie des Einschlages. In Seeburg gibt es viel zu entdecken: unter ande-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 41


Schwerpunktthema

rem die Entstehung von Links zu Geotopen


Höhlen, Karst, Kalk und
Tuff, von der Urform
bis zur Entwicklung Internetangebot des LGRB – www.lgrb.uni-freiburg.de
des heutigen Tages. Auf der Internetseite des Landesamtes für Geologie, Roh-
In jüngster Zeit waren stoffe und Bergbau (LGRB – Regierungspräsidium Frei-
es die Bohrkerne, die burg, Abt. 9) gibt es viel zu entdecken – unter anderem
Aufschlüsse über See- eine Karte mit Geo-Objekten.
sedimente und Kalk- Komfortabel kann man hier navigieren und sich so infor-
ablagerungen gaben mieren, in welchen Regionen es Interessantes zu entde-
und die Entdeckung cken gibt – wie z. B. Höhlen bei Ehrenkirchen bei Freiburg
der Rathaushöhle 2002. Die Erd- und Landschafts- oder unterschiedliche Geotope bei Bad Herrenalb.
geschichte in Seeburg ist ebenso eine Besonder-
heit wie der Schickardt-Stollen. Heinrich Schickardt • www.geoakademie.de – die schönsten Geotope
machte Anfang des 17. Jh. den „Bodenlosen See“ im Deutschlands
Fischburgtal mit Hilfe eines mehrere hundert Meter • www.erdgeschichte.de
langen Stollens für den Fischfang ablassbar. • www.tag-des-geotops.de
• http://www.uni-muenster.de/Rektorat/museum/
Bodenloser See und Schickhardt-Stollen, Band 2 der Rei- d2m_gm04.htm – Geologische Uhr, Erdzeitalter
he: Kulturgestein, W. Rosendahl, D. Sahm-Stotz, Staats- • http://www.urweltmuseum.de/museum/geologie/
anzeiger Verlag, 2005. ISBN 3-929981-57-2
Uhr/uhrstart.htm

Fachdienst Naturschutz
Bezugsadresse
Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH; Breit-
scheidstr. 69; 70176 Stuttgart; Tel. 07 11 / 66 60 10;
www.staatsanzeiger-verlag.de

Fachdienst Naturschutz Veranstaltungen zu Geotopen

Geotope – Bausteine der Regionalentwicklung


Die Gutenberger Höhlen
Vor 110 Jahren wurden 10. Internationalen Jahrestagung der Fachsektion Geo-
die Gutenberger Höh- Top in der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaf-
len entdeckt, die unter ten vom 23.–26. Mai 2006 in Ulm.
den vielen Höhlen der Es werden Geotope auf ihre Beiträge zu einer integrativen,
Schwäbischen Alb eine nachhaltigen Regionalentwicklung hin betrachtet. Ausge-
Rarität darstellen. Die wählte Fallbeispiel ist der Alb-Donau-Kreis im Nationalen
Ausgrabungen erbrach- GeoPark Schwäbische Alb.
ten nicht nur für die in Themen: Nationale GeoParks und Geotope, Geotope
den Anfängen befindli- und ihre Bedeutung, Geotopschutz im internationale Ver-
che Höhlenforschung, gleich, Geotope und ihre Vermittlung, Geoparks, Regiona-
sondern auch für die le Themen, Geowiss. Lehrpfade, Geotourismus
Wissenschaft bedeuten- Adresse: Haus des Landkreises Alb-Donau, Schillerstra-
de neue Erkenntnisse. ße 30, 89077 Ulm
Die Funde von Kieferres- Anmeldung bis zum 21. 04. 2006
ten des Gibraltar-Affens Auskünfte: Dragica Poppe, LGRB, Albertstraße 5,
in der Gutenberger Höhle und die Sinterbildungen 79104 Freiburg i. Br., Tel.: 07 61 / 2 08 30 -00, Fax: -29,
in der Gussmannshöhle führten dazu, dass beide e-mail: dragica.poppe@rpf.bwl.de; oder www.geo-top.de
Höhlen zu Beginn des 20. Jh. bei Besuchern und
Wissenschaftlern gleichermaßen großes Interesse
weckten. Nicht nur die Höhlen, sondern auch das Weiter Geowissenschaftliche Veranstaltungen
landschaftliche Umfeld mit seinen Seitentälern und http://www.lgrb.uni-freiburg.de/lgrb/aktuell/veranstaltun-
der schönen Albhochfläche laden heute noch zu er- gen/veranstaltung _uebersicht?curdate=1
lebnisreichen Ausflügen nach Gutenberg ein.
Fachdienst Naturschutz
Grabenstetter höhlenkundliche Hefte, Nr. 2, ARGE HuK
Grabenstetten e.V., Grabenstetten, 1999.
ISSN 1437-9805
Fachdienst Naturschutz

42 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Landschaftsplanung / Eingriffsregelung

Landschaftsplanung / Minister Peter Hauk vom Ministerium für Ernährung


und Ländlichen Raum bewertete in seiner anschlie-
Eingriffsregelung ßenden Rede das Ökokonto als einen wichtigen
Baustein für eine zukunftsgerichtete Naturschutz-
politik. Durch intensiven Erfahrungsaustausch und
Ökokonto in Baden-Württemberg kooperative Zusammenarbeit mit den kommunalen
Landesverbänden und mit zahlreichen Kommunen
Veranstaltung der Landesanstalt für Umweltschutz konnte ein Gesamtpaket an Arbeitshilfen zur Be-
Baden-Württemberg (LfU) zur Präsentation der neu- wältigung der Eingriffsregelung in der Bauleitpla-
en Arbeitshilfen am 16. 11. 2005 in Mannheim. nung und zum Betrieb eines Ökokontos entwickelt
werden. Auch bei der Umsetzung des Bundesnatur-
Die Präsentation der neuen Arbeitshilfen für Ökokon- schutzgesetzes in Landesrecht wurden laut Minister
ten in der Bauleitplanung in Baden-Württemberg und Hauk die guten Erfahrungen der Kommunen mit dem
der Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen Ökokonto in der Bauleitplanung genutzt. So wurde
standen im Mittelpunkt der landesweiten Veranstal- die Einrichtung von Ökokonten für die naturschutz-
tung. Die Arbeitshilfen – Bewertungsempfehlungen rechtliche Eingriffsregelung im Außenbereich in den
und eine speziell entwickelte Software – wurden in Entwurf des neuen Landesnaturschutzgesetzes auf-
einem dreijährigen Kooperationsprojekt mit den Kom- genommen. Als weitere Neuerung stellte Hauk die
munalen Landesverbänden, Kommunen, weiteren Handelbarkeit von Kompensationsmaßnahmen vor.
Verbänden und Planern entwickelt. Der partizipative Rainer Specht vom Städtetag Baden-Württemberg
Ansatz des Projektes spiegelte sich in der Veran- lobte als Vertreter der kommunalen Landesverbände
staltung wider. Neben der Darstellung des LfU-An- den gemeinsam getragenen Erfahrungsaustausch
gebotes aus Sicht des Landes und der kommunalen und die kooperative Entwicklung der Arbeitshilfen.
Landesverbände hatten auch die Projektpartner und Er betonte jedoch, dass die Arbeitshilfen als freiwil-
Modellkommunen das Wort. So erhielten die rund liges Angebot für die Kommunen zu verstehen sind
230 anwesenden Vertreterinnen und Vertreter von und die Kommunen weiter eigenständig entscheiden
Kommunen, Planungsbüros, Verbänden und Behör- sollten, ob und welches Ökokonto-Modell sie bei der
den ein umfassendes Bild von dem stattgefundenen Bauleitplanung einsetzen wollen. Der Einführung ei-
Erfahrungsaustausch und den aktuell zur Verfügung nes Ökokontos im Außenbereich sowie der vorgese-
stehenden Arbeitshilfen. henen Handelbarkeit von Kompensationsmaßnah-
men steht der Städtetag Baden-Württemberg sehr
kritisch gegenüber.
Margareta Barth, Präsidentin der Landesanstalt für
Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU), bedankte
sich in ihrer Rede für die aktive Mitarbeit der kommu-
nalen Landesverbände und der zahlreichen Akteure
aus Kommunen, Verbänden und Planungsbüros. Sie
stellte kurz Hintergrund und Ablauf des rund drei-
jährigen Erfahrungsaustausches dar und betonte,
dass die Arbeitshilfen als fachliche Empfehlungen
den Kommunen ausreichend Gestaltungsspielraum
ließen.
Bei der Entwicklung der Arbeitshilfen standen neben
der Verbesserung der Rechtssicherheit auch die Be-
dürfnisse der Kommunen im Mittelpunkt. Daher war
die intensive Einbindung der betroffenen Kommunen
und Planer ein wichtiger Projektschwerpunkt. Mit
der Präsentation der Arbeitshilfen ist der landeswei-
te Erfahrungsaustausch nicht abgeschlossen: Die
Fortschreibung der Bewertungsempfehlungen, die
Weiterentwicklung der Software sowie weitere Work-
shops und Schulungen seien trotz geringer Ressour-
Foto: T. Stoll
cen wichtige Maßnahmen für die nächsten Jahre.

Die Begrüßung der Anwesenden übernahm Lothar Anschließend stellten alle beteiligten Partner der Ar-
Quast, Bürgermeister der Stadt Mannheim, die eine beitsebene des Projektes die von ihnen entwickelten
der 24 Modellkommunen im Projekt ist und die Ver- Arbeitshilfen in kurzen Statements vor. Dies waren
anstaltung auch finanziell unterstützte. Martin Scherrer (Gesellschaft für Angewandte Hy-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 43


Flächen- und Artenschutz

drologie und Kartografie) zu den Werkzeugen für


eine Flächenzuordnung in einem Kataster, Prof. Dr. Flächen- und Artenschutz
Christian Küpfer (StadtLandFluss) zur Bewertungs-
methodik der Schutzgüter von Natur und Landschaft
und neuen monetären Ansätzen, Thomas Breunig
(Institut für Botanik und Landschaftskunde) zur dif- Weitere Meilensteine bei der Förderung
ferenzierten Bewertung von Biotoptypen mit Ba-
von Naturschutz-Großprojekten
sis- und Planungsmodulen und Sigmar Jaensch
(Regierungspräsidium Stuttgart) zur Integration der
vielfältigen Funktionen des Schutzgutes Boden. Das Bundesumweltministerium (BMU) führt die För-
Stellvertretend für die Modellkommunen berichtete derung der Naturschutz-Großprojekte „Pfrunger-
Renate Korin (Stadt Bruchsal) von der Prüfung der Burgweiler-Ried“ und „Feldberg-Belchen-Oberes
Arbeitshilfen auf Herz und Nieren und den positiven Wiesental“ in Baden-Württemberg fort. Auf die Pla-
Erfahrungen. Sie empfahl den anwesenden kom- nungsphase folgt nun die mehrjährige Projektphase.
munalen Vertreterinnen und Vertretern bei der Ein- Die erarbeiteten und mit den beteiligten Akteuren ab-
richtung und Führung ihres Ökokontos auf die pra- gestimmten Maßnahmen sollen jetzt realisiert wer-
xiserprobten und rechtssicheren LfU-Arbeitshilfen den.
zurückzugreifen. Dr. Werner Spang (Spang.Fischer. Das „Pfrunger-Burweiler-Ried“ zählt zu den bedeu-
Natzschka) beschrieb als Vertreter eines beteiligten tendsten Moorgebieten Süddeutschlands. Auf der
Planungsbüros die konkreten Schritte zum Ökokon- 1.452 Hektar großen Fläche finden sich eine Vielfalt
to und verwies auf den Zusammenhang des Öko- unterschiedlichster Moortypen (z. B. Bergkiefern-
kontos mit weiteren Naturschutzmaßnahmen sowie Hochmoor). Bis 2012 soll u. a. ein möglichst natur-
auf das erforderliche rechtssichere Methodengerüst. naher Wasser- und Nährstoffhaushalt gesichert wer-
Manfred Schmidt-Lüttmann, bei der LfU für den Er- den sowie die Erhaltung und Stabilisierung feuchten
fahrungsaustausch und die Entwicklung der Arbeits- Grünlands. Die Kosten für alle geplanten Maßnah-
hilfen verantwortlich, bedankte sich noch einmal bei men belaufen sich auf 6,22 Mio. €, von denen der
allen Beteiligten für die kooperative Zusammenarbeit Bund 4 Mio. € übernimmt.
und stellte dar, dass nun die breite
Information der Kommunen und
die Weiterentwicklung der Arbeits-
hilfen erfolgen kann.

Der Nachmittag war stärker den


inhaltlichen Details gewidmet. Die
Vorstellung der Arbeitshilfen über-
nahmen Prof. Dr. Christian Küpfer
(allgemeine Bewertungshilfen so-
wie Bewertungshilfen für Boden
und Biotope) und Martin Scherrer
(Ö-Kat-Software zur Einrichtung
und Verwaltung eines Ökokon-
tos). Anschließend konnten die
Teilnehmenden in zwei Arbeits-
gruppen dazu Rückfragen stellen
und diskutieren.
Die LfU wird die vielfältigen Anre-
Feldbergmassiv von Westen aus gesehen mit Kar – im Hintergrund
gungen der Veranstaltungsteilneh- rechts der Schluchsee
mer aufgreifen und Konzepte für Foto: R. Steinmetz
die Fortführung des landesweiten
Erfahrungsaustauschs entwickeln. Hierbei wird so- Mit dem Projekt „Feldberg-Belchen-Oberes Wiesen-
wohl das Ökokonto in der Bauleitplanung als auch tal“ wird ein markanter Ausschnitt des Südschwarz-
das Ökokonto für die naturschutzrechtliche Eingriffs- waldes gesichert. Viele seltene und gefährdete Arten
regelung im Außenbereich eine Rolle spielen. Aus- wie Arnika und Katzenpfötchen, Dreizehenspecht
führliche Informationen zum Ökokonto sowie die und Sperlingskauz, haben hier einen Lebensraum
Arbeitshilfen: http://www.lfu.baden-wuerttemberg. gefunden. Als Projektträger für das Projekt haben
de/lfu/abt2/oekokonto/index.html sich u. a. drei Landkreise und 15 Gemeinden zu ei-
LfU, Ref. 24 nem Zweckverband zusammengeschlossen.
Ziel ist, den gerade abgeschlossenen Pflege- und

44 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Flächen- und Artenschutz

Entwicklungsplan bis 2012 umzusetzen. Offene, be- Während der sechsjährigen Projektlaufzeit sollen
wirtschaftete Flächen sollen naturverträglich genutzt insgesamt über 150 Einzelmaßnahmen durchge-
und gepflegt werden, der Anteil naturnaher Wälder führt werden. Ergänzt würden diese Maßnahmen
erhöht und Besucherströme gelenkt werden. durch Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche
Die Kosten für die bevorstehenden Maßnahmen sind mit der Einrichtung eines „Natura 2000-Klassenzim-
mit rund 5 Mio. € veranschlagt, von denen das BMU mers“ und im Tourismusbereich durch die Ausbil-
rund zwei Drittel übernimmt. Knapp 500.000 € hatte dung von „LIFE-Guides“, beides spezielle Projekte
das BMU bereits in der ersten Projektphase zur Ver- der Stiftung Naturschutzfonds.
fügung gestellt. Die Europäische Kommission habe das 1,7 Mio. €
umfassende Projekt Ende September genehmigt
Mit dem Förderprogramm für Naturschutz-Großprojek- und übernehme die Hälfte der Gesamtkosten. Rund
te unterstützt der Bund die Bundesländer mit dem Ziel, 30 % trage die Naturschutzverwaltung des Landes,
großflächige und besonders wertvolle Lebensräume für die weiteren Mittel steuerten die Projektpartner Stif-
bedrohte Tiere und Pflanzen langfristig zu sichern. Die tung Naturschutzfonds, Landesforstverwaltung,
Flächen aller 63 seit 1979 laufenden und bereits abge- Landratsamt Waldshut sowie die Gemeinden Dachs-
schlossenen Förderprojekte betragen über 200.000 Hekt- berg und Ibach bei.
ar, für die bislang insgesamt über 300 Mio. € aus Bundes-
mitteln bereitgestellt wurden. In Baden-Württemberg wurden zusammen mit dem
„Oberen Hotzenwald“ bislang 10 LIFE Natur-Projekte
von der EU gefördert. Durch diese werden nach Ab-
Quelle: UMWELT, 11/2005
schluss über 16 Mio. € zusätzliche Naturschutzmittel
Fachdienst Naturschutz in die beteiligten Raumschaften geflossen sein, da-
von die Hälfte direkt von der EU.
Natura 2000 zahle sich aus, in der Region und für
die Region. Denn dieses Geld werde unmittelbar
Start des LIFE Natur-Projekts in die Regionen investiert, beispielsweise in den
Dienstleistungssektor, in Handwerk und Gewerbe
„Oberer Hotzenwald“ sowie in die Land- und Forstwirtschaft. Grundvor-
aussetzung hierfür waren die Natura 2000-Gebiete
„Wenn alle Beteiligten kräftig anpacken und gemein- des Landes. „Mit der Meldung von zukünftig rund
sam an einem Strang ziehen, dann wird das LIFE 17 % der Landesfläche als Natura 2000-Gebiete ist
Natur-Projekt „Oberer Hotzenwald“ ein weiteres Baden-Württemberg gut aufgestellt beim Wettbe-
Glanzlicht der baden-württembergischen Natur- werb um europäische Naturschutzmittel“, sagte Mi-
schutzpolitik“, sagte der baden-württembergische nister Hauk.
Minister für Ernährung und Ländlichen Raum und
Vorsitzende der Stiftung Naturschutzfonds, Peter
Hauk MdL. Mit dem Naturschutzkonzept Natura 2000 haben es sich
die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten zur Auf-
Mit der Entnahme von Bäumen und Gehölzen sollen gabe gemacht, in Europa charakteristische Lebensräume
hochwertige und europaweit bedeutsame Lebens- sowie gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu schützen.
räume im Oberen Hotzenwald (Dachsberg, Kreis Kernstück von Natura 2000 ist ein Netzwerk von Ge-
Waldshut/Südschwarzwald) erhalten und erweitert bieten, die nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-
werden. Wenn der Mensch hier nicht lenkend ein- (FFH-) Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie geschützt
greife, würden die offenen Bereiche zuwachsen. Für sind. Auch Baden-Württemberg, mit seinen vielgestaltigen
diese Erstpflegemaßnahmen würden die örtlichen Landschaften und einer reichen Artenausstattung, trägt
Land- und Waldwirte intensiv eingebunden. durch die Meldung von derzeit rund 13 % der Landesflä-
Das 2.100 Hektar große Projektgebiet „Oberer Hot- che zum Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 und damit
zenwald“ sei Lebensraum für seltene Tier- und Pflan- zum Erhalt der Biodiversität im Land und in der Europäi-
zenarten, die nicht nur in der Region, sondern auch schen Union bei.
europäisch bedeutsam seien. Über 20 kleinräumig LIFE-Natur (L‘ Instrument Financier pour l‘Environnement
verzahnte Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie, – Finanzierungsinstrument für die Umwelt) ist ein För-
144 Pflanzenarten der „Roten Liste für gefährdete derprogramm der Europäischen Union ausschließlich
Arten in Baden-Württemberg“, 14 Brutvogelarten für Natura 2000-Gebiete, in denen durch verschiedenste
der Europäischen Vogelschutzrichtlinie sowie weite- Maßnahmen Lebensräume erhalten und entwickelt sowie
re zahlreiche gefährdete Wirbeltier- und Insektenar- bedrohte Tier- und Pflanzenarten auch für kommende Ge-
ten machten das Projektgebiet zu einer Plattform der nerationen bewahrt werden sollen.
europäischen Artenvielfalt, betonte Minister Hauk.

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 45


Flächen- und Artenschutz

Die Broschüre zur Naturschutz- ten (41 %) nahmen zu, davon 14 deutlich (Zunahme
konzeption „Oberer Hotzenwald“ > 50 %). Bei 32 Arten (41 %) lässt sich kein genauer
kann bezogen werden über die
JVA Mannheim, Herzogen- Trend festlegen. Dreizehn Arten (17 %) nehmen in
riedstraße 111, 68169 Mann- ihrem Bestand mehr oder weniger deutlich ab.
heim, Fax: 06 21 / 398 -370, Die Gründe für diese Entwicklungen sind gleich ge-
e-mail: bibliothek@lubw.bwl.de blieben und verschiedenen Kategorien zuzuordnen:
anthropogen und klimatisch bedingte Lebensraum-
Ein Faltblatt zu diesem Projekt
ist bei den beteiligten Gemein- veränderungen (mit Arealveränderungen), verrin-
den Dachsberg und Ibach er- gerte Verfolgung und intensive Schutzmaßnahmen.
hältlich. Zu den Arten mit Bestandszunahme zählen einige
traditionelle Zielarten des Naturschutzes, deren Be-
stände durch spezielle Schutzmaßnahmen gestützt
Weitere Informationen und gefördert werden, z. B. Seeadler, Fischadler,
Regierungspräsidium Freiburg, Re- Wanderfalke (weitere Bestandszunahme in Baden-
ferat 56, Naturschutz und Land- Württemberg) und Schwarzstorch (erste Brutnach-
schaftspflege, Friederike Tribukait,
Tel.: 07 61 / 208 -41 36, e-mail: Frie- weise in Baden-Württemberg).
derike.Tribukait@rpf.bwl.de. Eine Reihe von Arten sind Nutznießer der zuneh-
menden Eutrophierung und des beschleunigten
www.stiftung-naturschutzfonds.de Stoffwechsels in der offenen Landschaft oder in Ge-
wässern, z. B. Kormoran, der in Baden-Württem-
Nach Pressemitteilung 428/2005 berg neue Brutplätze gründet und im Bestand zu-
des Ministeriums für Ernährung und Länd- nimmt. Allerdings gibt es auch Bestandszunahmen
lichen Raum Baden-Württemberg durch verringerte Nährstoffeinfuhr in Gewässer, z. B.
Fachdienst Naturschutz Gänsesäger (Wiederansiedlung in Baden-Württem-
berg) und Kolbenente (Bestandszunahme und Aus-
breitung in Baden-Württemberg).

Beiträge zur Vogelkunde

Der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) hat


sich 1977 das Ziel gesetzt, regelmäßig die bundes-
weiten Bestandszahlen seltener deutscher Brutvo-
gelarten zu sammeln und zu veröffentlichen (zur Ge-
schichte siehe Artikel von MÄDLOW & BOSCHERT
2003, pdf zum Herunterladen unter www.dda-web.
de). Das Monitoring von derzeit 78 Arten basiert auf
einer Umfrage auf Bundeslandebene bei Mitglieds-
verbänden des DDA und Naturschutz-Fachbehör-
den, insbesondere der Vogelschutzwarten. Darüber
hinaus werden Artspezialisten hinzugezogen und
Literaturdaten verwendet. Großer Brachvogel
Im August 2005 wurden die Daten der Abfrage zum Foto: H.-H. Bergmann
Vorkommen und zur Bestandsentwicklung von 78 in
Deutschland seltenen Brutvogel-Arten für den Zeit- Bundesweit besonders kritische Bestandsgrößen
raum 1997–2003 in der Fachzeitschrift „Die Vogel- haben Alpenstrandläufer, Kampfläufer, Seggenrohr-
welt – Beiträge zur Vogelkunde“ vom Bundeskoordi- sänger und Rotkopfwürger (Baden-Württemberg
nator, Dr. Martin Boschert, Bioplan Bühl, publiziert. beherbergt neben dem Saarland die einzigen Brut-
Die Ergebnisse werden zusammen mit weiteren 16 paare) erreicht, sie stehen kurz vor dem Verschwin-
Arten, von denen seit 1997 im Bundesgebiet Brut- den. Kritisch sind die Bestandsgrößen auch bei
nachweise gelangen, Brutverdacht bestand oder Seeregenpfeifer und Birkhuhn (in Baden-Württem-
Brutzeitbeobachtungen vorlagen, präsentiert. berg ausgestorben). Weitere Arten haben sich auf
(kleine) Verbreitungszentren zurückgezogen, z. B.
Von den insgesamt 94 Arten lassen sich für 78 Sumpfohreule (in Baden-Württemberg mittlerweile
Aussagen zur Bestandsentwicklung seit Mitte der ausgestorben), und dabei große Teile ihres Areals in
1990er Jahre treffen, darunter auch für viele in Ba- Mitteleuropa geräumt. Bestandsrückgänge oder -zu-
den-Württemberg vorkommende Vogelarten. 32 Ar- nahmen sind oft mit Arealverlust bzw. -gewinn oder

46 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Flächen- und Artenschutz

-auffüllung verbunden. Betroffen hierbei sind beson- angelegte Intensität und die Vielseitigkeit des He-
ders Wiesenvögel wie der Große Brachvogel, der in rangehens, die zu einer wertvollen Grundlage für
Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht ist, den Schutz nicht nur dieser Vogelart, sondern bei-
aber auch der in Baden-Württemberg vor wenigen spielhaft für den Naturschutz generell führt.“
Jahren verschwundene Brachpieper. Bei den 93 be-
trachteten Arten ist in 17 Fällen ein Arealverlust und Herzlichen Glückwunsch zur Preisverleihung und
in 25 Fällen eine Arealausbreitung bzw. -auffüllung Dank für die gute Zusammenarbeit.
und Wiederbesiedlung festzustellen. Für Baden-
Württemberg sind hier insbesondere Bienenfresser Fachdienst Naturschutz
und Alpensegler (die bis dahin einzigen Brutplätze
liegen in unserem Bundesland) zu nennen.
Purpurreiher, Wanderfalke, Kolbenente, Bienenfres-
ser, Halsbandschnäpper oder Zaunammer besitzen Lebensraum Brache – Paradies für die
in Baden-Württemberg für Deutschland entschei-
heimische Vogelwelt
dende Vorkommen.

Boschert, M. (2005): Vorkommen und Bestandsentwick- Über 50 % der Fläche Deutschlands wird landwirt-
lung seltener Brutvogelarten in Deutschland 1997 bis
2003. Vogelwelt 126: 1–51. schaftlich genutzt. Somit prägen die Landwirte den
Lebensraum vieler Vogelarten, insbesondere der
Dr. Martin Boschert Feldvögel maßgeblich. In ganz Europa leiden Kie-
Institut für angewandte Biologie und Planung bitz, Feldlerche, Rebhuhn und Co. an dramatischen
77815 Bühl
Bestandsrückgängen. Heute stehen 65 % aller Vo-
gelarten der Agrarlandschaften auf der „Roten Liste
Auszeichnung für Dr. Martin Boschert der bedrohten Brutvögel Deutschlands“. Der Rück-
gang hält mit steigender Tendenz unvermindert an.
In Anerkennung seiner langjährigen integrativen
Untersuchungen zum Großen Brachvogel am Ober- Um diesem negativen Trend entgegenzuwirken,
rhein erhielt Dr. Martin Boschert den Förderpreis der startete 2003 das Projekt „Lebensraum Brache“.
Werner-Sunkel-Stiftung der Deutschen Ornitholo- Durch die Ansaat strukturreicher Buntbrachen1 auf
gen-Gesellschaft 2005. In der Würdigung heißt es: mittlerweile über 2.600 Hektar landwirtschaftli-
„Die Arbeit von Herrn Boschert widmet sich den wis- chen Stilllegungsflächen sind viele attraktive Brut-
senschaftlichen Grundlagen für einen umfassenden und Nahrungsräume für Feldlerche, Neuntöter und
und nachhaltigen Schutz des Großen Brachvogels. Wachtelkönig in den bayerischen und hessischen
Dabei berücksichtigt er auf breiter methodischer Untersuchungsgebieten und darüber hinaus ge-
Grundlage Aspekte der Autoökologie, Physiologie, schaffen worden. Die ersten Erfolge stellten sich ein.
Ethologie, Populationsbiologie und Synökologie. His- Im Durchschnitt zählten die Vogelkundler auf den
torische und aktuelle Verbreitungsmuster, Bestand- Buntbrachen bis zu 66 % mehr Brutvogelarten als
sentwicklung, Brutbiologie und Nahrungsökologie, auf üblichen landwirtschaftlichen Nutzflächen. So-
Raum- und wohl die hohe Anzahl von Brutvogelarten als auch
Habitatnut- die Tatsache, dass auf den Buntbrachen bis zu 6-mal
zung der Fa- mehr Tiere ihre Brut durchführten als auf anderen
milien, Gele- landwirtschaftlichen Nutzflächen, zeigen deutlich,
geverluste, dass Buntbrachen einen wichtigen Beitrag zur Erhal-
m ens c h l i c he tung dieser betroffenen Arten leisten.
Störwirkungen Die Ergebnisse aus dem Projekt „Lebensraum Bra-
und stoffliche che“ weisen darauf hin, dass Ackerbrachen ganz-
Einwirkungen jährig von besonderer Bedeutung für die heimische
auf den Bru- Vogelwelt sind.
terfolg sind nur
die wichtigsten 1
Buntbrache: 6–12 m breiter Streifen im Ackerland, die für max.
6 Jahre angelegt werden. Es wird eine Samenmischung mit ein-
Themenbe-
und mehrjährigen Ackerkräutern eingebracht.
reiche eines Quelle: M. Boschert
beeindruckend
integrativ angelegten Konzeptes. Mit seinen Arbei- Nach einer Pressmitteilung der Deutschen Wildtier-Stiftung
ten trägt Herr Boschert ganz wesentlich zur Ent-
wicklung eines umfassenden Schutzkonzeptes für Weitere Informationen
diesen heute vielerorts so hochgradig gefährdeten www.Lebensraum-Brache.de
Wiesenvogel bei. Bemerkenswert ist die langfristig Fachdienst Naturschutz

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 47


Flächen- und Artenschutz

Besondere Tierarten erfordern beson- ne Eichen-Prachtkäfer (Eurythyrea quercus) hat sich


als die entscheidende Besonderheit des Baumes er-
dere Schutzmaßnahmen
wiesen. Bundesweit gibt es nur noch fünf Fundorte,
davon befinden sich drei in Baden-Württemberg.
Artenschutz auf Krücken Mit bis 25 mm Körpergröße und einem Chitinpan-
zer, in dem sich das Licht unter goldgrünen Reflexen
„Die alte Eiche in der Knielinger Allee“ ist dem Karls- bricht, bewegen sich diese wortwörtlichen Pracht-
ruher Gartenbauamt und der Naturschutzverwaltung Käfer auf ihren Brutbäumen wie Funken an heißen
schon seit langem ein Begriff. Bekannt wurde die Sommertagen.
imposante Stiel-Eiche mitten im Wohngebiet schon Hoch oben in der Krone von abgestorbenen Eichen
vor vielen Jahren als Lebensstätte des Heldbockes legen sie ihre Eier in Holzrisse. Die Larven fressen
(Cerambyx cerdo). Der wärmeliebende Käfer fand sich in die Tiefe dickerer Holzteile, legen nach meh-
in diesem Baum optimale Bedingungen, so dass der reren Jahren bis kurz unter der Holzoberfläche eine
gesamte, auch sonnenabgewandte Stamm bis zum Puppenwiege an und nagen sich als fertig entwickel-
Stammfuß mit Larvengängen übersät ist. Aus Ver- te Käfer durch typische querovale Schlupflöcher an
kehrssicherheitsgründen sind der Eiche hin und wie- heißen Juli- und Augusttagen ins Freie. Dort warten
der belastende Äste genommen worden, so dass ein die großäugigen Männchen am Brutbaum auf ihre
eigentümliches Baumgebilde entstanden ist. Gelegenheit zur Paarung. Die etwas später schlüp-
Leider ist diese Stiel-Eiche seit ca. vier Jahren voll- fenden Weibchen sondieren dann mit langen Lege-
ständig abgestorben. Der Heldbock legt in diesem röhren das verwitterte Holz, und der Kreislauf be-
Stadium keine Eier mehr in Eichen ab – wohl aber ginnt von neuem. Wie lange der Entwicklungszyklus
schlüpfen bis zu fünf Jahre nach der letzten Eiab- dauert, hängt von der Feuchtigkeit des Holzes ab: Je
lage noch Käfer. Beginnende Fäulnisprozesse am trockener, desto länger, so dass die Tiere insgesamt
Stammfuß haben das Gartenbauamt dazu veran- bis 10 Jahre ihr Leben als Larve im Holz und nur we-
lasst, eine genauere Standsicherheitskontrolle durch- nige Wochen als Käfer im Freien verbringen.
zuführen. Das alleinige Erscheinen des städtischen Als vom Aussterben bedrohte Art fällt er unter die
Hubsteigers hat allerdings Anwohner dazu bewegt, Bundesartenschutzverordnung. Der Fundort wurde
Beschwerden bei der Stadt Karlsruhe vorzubringen außerdem in das Artenschutzprogramm „Käfer“ der
und weitere Maßnahmen aufzuschieben. Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württem-
berg (LfU) aufgenommen. Da die baumsichernden
Maßnahmen – Anbringen von drei Stützen – nicht
aus Verkehrssicherheitsgründen erforderlich wur-
den, sondern um den Erhalt des oberen Kronenbe-
reiches mit seiner gegenwärtigen Sonnenexposition
als Lebensstätte zu gewährleisten, war die Landes-
naturschutzverwaltung bereit, die Kosten für das
Stützen der Eiche zu übernehmen. Das Gartenbau-
amt führte die Maßnahmen unter strenger Kontrolle
vieler Anwohneraugen durch.
Es steht zu hoffen, dass er dies dank der unternom-
menen Anstrengungen noch
lange Zeit sein darf und der
eine oder andere „goldgrüne
Funken“ an Hochsommer-
tagen den aufmerksamen
Die alte Eiche wird mit Stahlstangen
gestützt und so für deren „Bewohner“
Beobachter entlohnt.
erhalten.
Ulrike Rohde
Foto: M. Waitzmann Umwelt und Arbeitsschutzamt
Karlsruhe

Claus Wurst
Gutachter
Die Bedeutung des abgestorbe-
Prachtkäfer an Schlupfloch
nen, stehenden Eichenstammes Foto: T. Tolasch
konnte schnell durch die Begut-
achtung nachgewiesen werden. Nicht der allgemein
seltene, in Karlsruhe jedoch verbreitetere Heldbock,
sondern der äußerst seltene, vom Aussterben be-
drohte Eckschildige Glanzprachtkäfer oder Goldgrü-

48 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Landschaftspflege

Landschaftspflege aus Intensivobstanlagen und 65 % aus importiertem


Apfelsaftkonzentrat.

Landschaft geht eben durch den Magen. Wer Ap-


felsaft von heimischen Streuobstwiesen trinkt, leistet
Billigsaftimporte zerstören heimische einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der heimischen
Streuobstwiesen Natur und Landschaft. Deshalb passt es einfach
nicht zusammen, wenn man den – vor allem bei Dis-
Schwäbischer Heimatbund (SHB) fordert Verbrau- countern angebotenen – importierten Saft kauft und
cher auf, auf Apfelsaft von heimischen Streuobst- gleichzeitig in einer intakten Landschaft mit ihren
wiesen zurückzugreifen. wunderschönen Streuobstwiesen wohnen, leben
Apfelsafttrinker sind Naturschützer – aber nur, wenn und sich erholen will. Darüber hinaus ist der Konsum
der Saft aus Äpfeln von heimischen Streuobstwie- von heimischem Apfelsaft ein wichtiger Beitrag zum
sen stammt. Klimaschutz, da ein energieaufwändiger Transport
über weite Strecken entfällt.
Obstwiesen mit hochstämmigen Bäumen, so ge-
nannte Streuobstwiesen, sind elementarer, nicht Nach einer Pressemitteilung des Schwäbischen Heimatbundes
wegzudenkender Bestandteil der Kulturlandschaf-
ten Baden-Württembergs. Sie prägen die heimische Weitere Informationen
Landschaft von der Rheinebene bis zur Schwäbi- http://schwaebischer-heimatbund.de
schen Alb und vom Bodensee bis zum Taubergrund. Fachdienst Naturschutz
Blütenreiche Streuobstwiesen sind zugleich wichti-
ger Lebensraum zahlreicher selten gewordener Tier-
und Pflanzenarten, wie z. B. vom Steinkauz, der
kleinsten heimischen Eulenart.
Äpfel von heimischen Streuobstwiesen werden tra- Neuste Erkenntnisse aus langjährigem
ditionell zur Most- und Apfelsaftherstellung genutzt. Magerrasenversuch
Billige Apfelsaftkonzentrat-Importe, die zu 65 % aus
China, dem Iran, der Türkei und Polen kommen, ver- Schwäbische Alb
drängen Apfelsaft aus heimischer Produktion jedoch
zunehmend. Die Auswertung des seit mehr als 20 Jahren laufen-
Als Folge dieser Entwicklung werden immer weniger den Freilandversuchs auf der Schwäbischen Alb er-
Streuobstwiesen genutzt und gepflegt. Viele dieser gab: Auf einem Trespen-Kalkmagerrasen lassen sich
wertvollen, landschaftsprägenden Biotope wachsen mit einer Mineraldüngung in der Größenordnung von
deshalb mit Büschen und Bäumen zu oder werden 16 kg Kalium und 10 kg Phosphor pro Hektar und
sogar gerodet. Jahr und nur einer Mähnutzung Mitte Juli überaus
artenreiche Mesobrometen mit bis zu 70 Ge-
fäßpflanzenarten pro 25 qm Referenzfläche
erzeugen. Damit steht diese Pflanzengesell-
schaft hinsichtlich ihrer floristischen und wahr-
scheinlich auch faunistischen Ausstattung an
der Spitze mitteleuropäischer Pflanzenge-
sellschaften. Unter diesem Düngungsniveau
verlieren solche Kalk-Magerwiesen einerseits
nichts von ihrem hohen bio-ökologischen und
landschaftsästhetischen Wert; andererseits
können diese Aufwüchse mit über 60 % Er-
tragsanteilen krautiger Pflanzen aber auch
als qualitativ hochwertiges „Ökoheu“ gut in
der Rinderaufzucht verwertet werden. Die Er-
tragsspanne zwischen den Varianten liegt mit
20 bis 35 dt TM/ha in einem sehr engen Be-
Foto: R.Steinmetz
reich und entspricht damit dem allgemeinen
Zwischen 1965 und 1990 hat der Streuobstbestand Niveau von Magerrasen.
in Baden-Württemberg um 37 % abgenommen. Im
Jahr 2003 stammten nur noch rund 30 % des in Ba- Die Variante „Mähen ohne Düngung“ liegt mit durch-
den-Württemberg verarbeiteten Apfelsaftkonzent- schnittlich 55 Arten pro 25 qm Referenzfläche deut-
rates aus heimischem Streuobst. Rund 5 % kamen lich unter den leicht gedüngten Varianten, beher-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 49


Landschaftspflege

bergt jedoch besonders lichtbedürftige Spezies wie phor-Kalium-Düngung) etwas höher gedüngten, erst
Frühlingsenzian, Deutscher Enzian und Augentrost. 1991 dazugenommenen Versuchsglieder, kommen
Diese kommen auf den anderen Versuchsparzellen floristisch dem grasreicheren Typ der Salbei-Glatt-
entweder gar nicht oder nur in Spuren vor. Hinsicht- haferwiese bzw. -Goldhaferwiese zwar näher, errei-
lich der Biodiversität liegt die Variante „Mulchen“ chen aber weder dessen soziologische Ausstattung
zwischen den leicht gedüngten und der Nulldün- noch Trophiestufe.
gungsvariante. Die vergleichsweise lange Versuchslaufzeit erlaubt
Die Sukzessionsparzelle bildet in dieser Hinsicht auch eine Bewertung der allgemein vorherrschen-
mit nur 30 Pflanzenarten das Schlusslicht in diesem den Meinung, durch die Stickstoff-Einträge aus der
Freilandversuch. Die mit NPK 40/16/64 (Stickstoff- Atmosphäre käme es zu einer Eutrophierung nähr-
Phosphor-Kalium-Düngung) bzw. PK 16/64 (Phos- stoffarmer Ökosysteme. Dem ist offenbar nicht so.
Denn Hinweise auf
eine Eutrophierung
durch NOx-Einträge
aus der Luft sind bei
der für solche Fra-
gen prädestinierten
Nulldüngungsparzelle
weder an Bodenwer-
ten, Ertragsverlauf
noch Zeigerpflanzen
erkennbar.

Dipl.-Ing. Dr.
Gottfried Briemle
Bildungs- und Wissens-
zentrum für Viehhaltung,
Grünlandwirtschaft, Wild
und Fischerei
Aulendorf (LVVG)

Abkürzungen: Stickstoff-Phosphor-Kalium-Düngung (NPK), Mulchen (MUL), Phosphor-Kalium-Dün-


gung (PK), Entwicklung der Biomasse-Produktion unter Null-Düngung (MoD), Sukzession (SUK)

Entwicklung der Artenzahlen (Gefäßpflanzen) auf dem Versuchsfeld im Laufe von 22 Jahren

Quelle: E. Briemle

Entwicklung der Biomasse-Produktion unter Null-Düngung (MoD)

Quelle: E. Briemle

50 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Naturschutz – Übergreifendes

Naturschutz – Übergreifendes Konkret heißt das, dass seit Oktober 2003 155 priva-
te Baumaßnahmen bewilligt und mit den Bauarbei-
ten in den Modellgemeinden begonnen wurde, ers-
te Maßnahmen sind bereits abgeschlossen. Dabei
entstehen ca. 150 neue oder modernisierte Wohn-
MELAP-Statustagung 2005 einheiten. Vom gesamten verfügbaren Mittelrahmen
von 10,43 Mio. € wurden bereits 59 % der Förder-
gelder bewilligt (Stand Oktober 2005). Damit werden
Am 20. Oktober 2005 fand die Statustagung 2005 31 ehemals landwirtschaftliche Gebäude umgenutzt
zum Modellprojekt „Eindämmung des Landschafts- und 59 alte Gebäude modernisiert.
verbrauchs durch Aktivierung des innerörtlichen
Potenzials (MELAP)“ in der Gemeinde Schopfloch
statt.

„Obwohl sich das Modellvorhaben erst seit zwei


Jahren in der Realisierungsphase befinde, sind
schon gute Erfolge sichtbar“ hob Staatsekretärin
Friedlinde Gurr-Hirsch MdL hervor. Weiter bewer-
tete Sie als besonders erfreulich, dass im Rahmen
des Modellprojektes 7 der 13 Modellgemeinden bei
der Fortschreibung des Flächennutzungsplans be-
reits ausgewiesene Bauflächen wieder als landwirt-
schaftliche Flächen einstufen werden und weitere
Kommunen derzeit entsprechende Beschlüsse vor-
bereiteten. Auch dank des Engagements der 13 Mo-
dellgemeinden liefere das Modellvorhaben positive
Gelungenes Beispiel einer Modernisierung auf heutige Stan-
Beispiele. Dies hat bereits dazu geführt, dass die im dards und Vergrößerung der Wohnfläche unter Ausnutzung des
Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) zur Dachgeschosses.
Verfügung stehenden Gelder verstärkt zur Eindäm- Foto: Markus Kugler
mung des Flächenverbrauchs eingesetzt werden.
Zur Belebung der Ortskerne werden 52 Baulücken
Den Umsetzungsstand im Rahmen der Förderung in geschlossen. 13 baufällige Gebäude sollen abge-
MELAP zur Aktivierung von leer stehenden und un- brochen werden, um Platz für neue Wohnbauten zu
tergenutzten Gebäuden und Schließung von Baulü- schaffen.
cken stellte die wissenschaftliche Begleitung vor. Zu der eigentlichen Förderung im Innenbereich wer-
den im Rahmen des Modellprojektes ver-
schiedene Maßnahmen begleitend durch-
geführt. Historische Ortsanalysen wurden
inzwischen vom Landesdenkmalamt für
sechs Gemeinden erstellt. Für weitere zwei
sollen diese im Rahmen einer Diplomarbeit
am Geographischen Institut der Universität
Stuttgart bearbeitet werden. Eine Befragung
zu den Wohnwünschen der 25–45-jährigen
wurde in sieben MELAP-Kommunen durch-
geführt. Außerdem hat die Gemeinde Buch-
heim einen Wettbewerb „Neues Wohnen in
Scheunen“ durchgeführt und sehr interes-
Gruppenfoto der Teilnehmer der MELAP-Statustagung mit Staatssekretärin sante Ergebnisse erzielt. Der Eigentümer
Gurr-Hirsch MdL Foto: MLR des Gebäudes plant die zügige Umsetzung
mit einem der ersten Preisträger. Die Berich-
Die 13 Modellgemeinden ermittelten in den Unter- te hierzu sind unter www.melap-bw.de zu finden. Au-
suchungen der 1. Stufe des Modellprojekts ein Ge- ßerdem wird eine Diplomarbeit zur vergleichenden
samtpotenzial von mehr als 1.000 Wohneinheiten Bewertung der Freiflächenqualitäten in Obernheim
im Bestand – und das bei Ortsgrößen zwischen 230 und Buchheim derzeit am Geographischen Institut
und 1.600 Einwohnern. Von diesem Potenzial zur in- der Universität Stuttgart bearbeitet.
nerörtlichen Aktivierung konnten in zwei Jahren mit Im Anschluss an die Vorstellung der wissenschaftli-
150 Wohneinheiten bereits 14 % aktiviert werden. chen Begleitung des Vorhabens stellten die 13 Mo-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 51


Naturschutz – Übergreifendes

dellkommunen die Ergebnisse, Umsetzungen und Landschaftszerschneidung senkt


gewonnenen Erkenntnisse vor. Dabei ist es in den Lebensqualität
MELAP-Gemeinden in vielen, teilweise sehr unter-
schiedlich gelagerten Fällen gelungen, modellhafte 6. Zukunftsforum Naturschutz
Vorhaben anzustoßen und vor allem, das Interesse
der Bürger an Maßnahmen zur Innenentwicklung zu Beim Zukunftsforum Naturschutz am 22. Okto-
wecken. Weiterhin wurden von den Kommunalver- ber 2005 in Stuttgart, gemeinsam veranstaltet vom
tretern auch Vorschläge für eine Modifizierung der Landesnaturschutzverband (LNV) und der Evange-
Regelförderung im ELR-Förderprogramm (MELAP lischen Akademie Bad Boll, stand die Problematik
ist ein Modellprojekt im Rahmen des ELR) gemacht der Landschaftszerschneidung und des Flächenver-
wie z. B. die verstärkte Förderung von Maßnahmen brauchs auf der Tagesordnung.
im Bestand oder die verstärkte Förderung von Fa-
milien. Breiter Konsens herrscht außerdem darüber,
dass eine intensive Öffentlichkeitsarbeit als beglei-
tende Maßnahme unabdingbar ist.

V. l. n. r.: Karl Giebeler, ev. Akademie Boll; Marita Böttcher, Um-


weltbundesamt; Minister für Ernährung und Ländlichen Raum
Peter Hauk; Dr. Jochen Jäger, ETH Zürich; Dr. Bertram Georgii,
Vauna e.V. Oberammergau; Dr. Hans Peter Pfister, Schweizeri-
sche Vogelwarte Sempach
Foto: LNV

Umweltverbände und Politik waren sich im Grund-


satz einig: Die zunehmende „Verinselung“ der Land-
schaft müsse wie der Flächenverbrauch viel stärker
ins Bewusstsein der Behörden, Politiker und Planer
gerückt werden.
Minister Peter Hauk MdL forderte die Kommunen
auf, dem Thema in ihrer Bauleitplanung künftig mehr
Beachtung zu schenken. LNV-Vorsitzender Reiner
Ehret appellierte an die Gemeinderäte, mehr Verant-
wortungsgefühl zu zeigen.
Namenhafte Wissenschaftler referierten zu Themen
Dieses Gebäude soll demnächst modernisiert werden: Das un- wie „Landschaft als ein dynamisches Abbild mensch-
ter Denkmalschutz und seit Jahren leer stehende Gebäude weist
zwei Probleme auf: die niedrigen Stockhöhen und die hohen Mo-
lichen Wirkens“ und zeigten mit aktuellen Daten,
dernisierungskosten. dass der Prozess der Landschaftszerschneidung in
Foto: Susanne Dahm den letzten Jahren wieder deutlich zunimmt.

Nach der anschließenden Aussprache zum Fortgang Ausführliche Tagungsunterlagen können voraus-
des Modellprojekts schloss sich ein Rundgang durch sichtlich ab Februar 2006 bei der Evangelischen
den Teilort Schopfloch-Unteriflingen an. Die Bilder Akademie Bad Boll bezogen werden. Akademieweg
zeigen hierzu ein Beispiel eines Gebäudes, welches 11, 73087 Bad Boll, Tel. 0 71 64 / 79 225, Fax: 79 22
auf zeitgemäßen Standard gebracht werden konnte 55, e-mail: anna-maria-haehnchen@ev-akademie-
und ein Beispiel, das jetzt nach jahrelangem Leer- boll.de. 7,50 € zzgl. Versandkosten.
stand in Angriff genommen werden kann.
Weitere Informationen
Weitere Informationen LNV-Geschäftsstelle, Tel.: 07 11 / 24 89 55 -20, Fax -30,
www.melap-bw.de e-mail: info@lnv-bw.de

Manfred Lehle, LfU, Ref. 22


Quelle: LNV
Martin Wypior, Forschungsgruppe Stadt+Umwelt
Prof. Günther Schöfl Fachdienst Naturschutz

52 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Naturschutz – Übergreifendes

Gelungene Abschlussveranstaltung Die angestoßenen Projekte werden auch über die


des Modellprojekts Freudenstadt Laufzeit des Modellprojekts Freudenstadt hinaus
vom Landkreis Freudenstadt weitergeführt. Dabei
sei angedacht, dass einzelne Projekte in Zukunft
vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord weiterge-
führt würden, so Landrat Peter Dombrowsky.

Quelle: Landratsamt Freudenstadt

Weitere Informationen
Bei der Abschlussveranstaltung des Modellprojekts www.modellprojekt-freudenstadt.de
Freudenstadt am 14. Oktober 2005 konnte der Land-
kreis Freudenstadt eine durchweg positive Bilanz Fachdienst Naturschutz
ziehen.
Das Projekt startete 2001 mit dem Ziel, Aktivitäten im
Bereich Regionalvermarktung, nachhaltiger Landbe-
wirtschaftung, sanfter Tourismus und Wissenstrans- Markenzeichen
fer zu unterstützen. Projektträger war der Landkreis „Nationale Naturlandschaften“
Freudenstadt mit Unterstützung durch die Stiftung
Naturschutzfonds, die sich die Kosten in Höhe von
540.000,- € teilten. Start der Kampagne
Projekte im Bereich der Regionalvermarktung, des für Deutschlands wertvollste Landschaften
Tourismus und des Naturschutzes waren z. B.
• die Erzeugergemeinschaft Schwarzwald/Nord
zur Vermarktung von Rind-, Lamm-, Wild- und
weiteren regionalen Produkten,
• die Streuobst-Initiative Calw-Enzkreis-Freuden-
stadt e. V. Natur erleben in Deutschland. Aber wo? Ab sofort
zur Vermarktung von regionalem Apfelsaft un- ist das ganz einfach. Die wertvollsten Landschaf-
ter der Marke „Schneewittchen“, ten Deutschlands treten jetzt unter einem Dach auf.
• LandErleben, Damit die Bürger auf einen Blick wissen, wo sie zu
ein Projekt zur Entwicklung von agro-touristi- finden sind, gibt es ein neues Markenzeichen: „Na-
schen Angeboten, tionale Naturlandschaften“. Ein gemeinsames Lo-
• die Schwarzwald-Guides, go (Dreifarbiger Punkt) weist künftig den Weg zu
ein Ausbildungsgang zur Qualifizierung von Deutschlands Naturschätzen.
Natur- und Landschaftsführern und Der bundesweite Start erfolgte am 21. November
• der Grünlandselbstevaluierungsschlüssel, 2005 im Berliner Bundespresseamt durch den hes-
mit dessen Hilfe Grünlandbesitzer selbst die sischen Ministerpräsidenten, Roland Koch, den Ge-
ökologische Wertigkeit ihrer Wiesen ermitteln neralsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
und verbessern können. (DBU), Dr. Fritz Brickwedde, und die Dachverbände
EUROPARC Deutschland und Verband Deutscher
Naturparke (VDN).

„Für die Bundesländer ist es ein Wirtschaftsfaktor,


wenn die wertvollsten deutschen Landschaften be-
kannter und leichter zu finden sind“, sagte Roland
Koch. „Sie sind unser nationales Naturerbe, und sie
sind einzigartig, auch im internationalen Vergleich.
Die Kreidefelsen auf Rügen, die Buchenwälder Hes-
sens oder die Alpenlandschaft Berchtesgadens sind
Werte, die wir mehr ins Bewusstsein der Öffentlich-
keit rücken wollen,“ erläutert Koch das Engagement
seines Bundeslandes für das Projekt.

In Deutschland gibt es 14 Nationalparks, 14 Bios-


Offenhaltung der Landschaft und Förderung der regionalen Wert-
phärenreservate und 93 Naturparks, aber bisher
schöpfung waren die Ziele des Modellprojekts.
kein gemeinsames Auftreten dieser Schutzgebiete.
Foto: Landratsamt Freudenstadt Jedem Bundesland und jedem Park ist die Öffent-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 53


Naturschutz – Übergreifendes

lichkeitsarbeit über sein Schutzgebiet allein überlas- Übergabe des „Schwenkel-Bildarchivs“


sen. Künftig werden sie als „Nationale Naturland- an das Landesmedienzentrum Baden-
schaften“ gemeinsam werben und informieren. Das
„Jahr der Naturparke 2006“ mit Bundespräsident
Württemberg
Horst Köhler als Schirmherr ist die erste große Ver-
anstaltungsreihe unter der Dachmarke. Das Bildarchiv der ehemaligen Landesstelle für Na-
Schon jetzt zieht es jährlich rund 20 Mio. Besucher turschutz und Landschaftspflege – das so genannte
in die deutschen Nationalparks. Dieser Zuspruch Schwenkel-Bildarchiv, das 15.000 historische Fo-
soll noch erhöht werden. Vor allem diejenigen, die tografien aus der Anfangszeit des amtlichen Natur-
bisher keine enge Beziehung zu den Schutzgebieten schutzes im württembergischen Landesteil umfasst
hatten, sollen für Natur- und Kulturlandschaften in – wurde von der Präsidentin der Landesanstalt für
Deutschland begeistert werden. Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU), Marga-
Die Kampagne sei ein innovativer Ansatz, die drei reta Barth, an das Landesmedienzentrum Baden-
Schutzgebietskategorien „Nationalpark“, „Biosphä- Württemberg (LMZ) übergeben.
renreservat“ und „Naturpark“ unter ein Dach zu
stellen. Vorbilder in den USA und Großbritannien
zeigten die positiven Effekte eines einheitlichen Auf-
tretens der Schutzgebiete eindrucksvoll: Verbesser-
ter Wiedererkennungswert, zunehmende Identifikati-
on der Bevölkerung mit ihren Schutzgebieten sowie
die Schaffung neuer Finanzierungsmöglichkeiten, so
Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU.
Die Kampagne zeigt Fotomotive der Nationalen Na-
turlandschaften, in die jeweils ein Weg eingezeichnet
ist. Er soll den Betrachter einladen, einen bestimm-
ten Punkt in der Natur aufzusuchen. Das Logo der
Nationalen Naturlandschaften besteht deshalb aus
einem dreifarbigen Punkt mit dem Schriftzug „Nati-
onale Naturlandschaften“. Die verschiedenen Groß-
schutzgebiete verwenden als Logo ihren eigenen Margareta Barth bei der Übergabe des Bildarchivs an die Direk-
torin des LMZ, Dr. Susanne Pacher
Namen und einen eigenen dreifarbigen Punkt. Foto: LMZ-BW / A. Rachele

Verantwortlich für die Umsetzung der Dachmarke „Diese Fotografien sind ein Fenster, das uns in die
sind EUROPARC Deutschland und der Verband Vergangenheit unserer Landschaft blicken lässt“,
Deutscher Naturparke (VDN). Die Deutsche Bun- sagte Margareta Barth und würdigte bei der Über-
desstiftung Umwelt (DBU) sowie das Bundesministe- gabe der Negative, Glasplatten und Papierabzüge
rium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit deren Bedeutung für Naturschutz, Denkmalpflege
(BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und Heimatgeschichte im Land. Dr. Susanne Pacher,
unterstützen die Bemühungen finanziell. Direktorin des LMZ, hob neben der Aussagekraft
Auf der gemeinsamen Internetseite der Schutzge- der Bilder die präzisen schriftlichen Unterlagen zur
biete www.nationale-naturlandschaften.de findet Sammlung hervor, die bei den meisten Aufnahmen
man einen Überblick über die Parks in Deutschland, die Rekonstruktion von Aufnahmegegenstand, Ort
ihre unterschiedlichen Zielstellungen, Hinweise zu und Datum ermöglichen werden.
Veranstaltungen, Aktivitäten und Erholungsmöglich-
keiten für Jung und Alt in den Regionen. Besondere Freude löste beim LMZ die Übergabe
eines Kartons mit Originalaufzeichnungen zu 2.200
Nach einer Pressemitteilung des Verbands Deutscher Na- Aufnahmen von Otto Feucht aus, die dieser vor
turparke e.V. (VDN) Jahrzehnten der ehemaligen Landesstelle für Na-
EUROPARC Deutschland / Dr. Christine Kolmar, Fried- turschutz zur Verfügung gestellt hatte, und die mit
richstr. 60, 10117 Berlin, Tel.: 030 / 288 788 2 -0, Eingliederung dieser Dienststelle 1974 zur LfU ge-
Fax. -16, e-mail: christine.kolmar@europarc-deutschland. kommen waren. Da das LMZ die Glasnegative des
de; www.europarc-deutschland.de Forstwirtes Otto Feucht, einem der führenden Natur-
schutzbeauftragten seiner Zeit, in seinem Bestand
VDN - Verband Deutscher Naturparke e.V., Dahlmannstra- aufbewahrt, lassen sich die Aufnahmen jetzt datie-
ße 5-7 / 53113 Bonn, Tel.: 0 228 / 921 286 -0 / Fax: -9 ren und beschreiben.
e-mail: info@naturparke.de; www.naturparke.de
Das fotografische Material wird künftig in Stuttgart
Fachdienst Naturschutz im Fotoarchiv des LMZ in einem speziell klimatisier-

54 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Naturschutz – Übergreifendes

ten Kühlraum bei 17° C und 40 % Luftfeuchtigkeit ge- und fossilisiert werden. Torfe sind folglich exzellente
lagert. Es ist in Metallschränken untergebracht, die Archive der Vegetation- (und daraus abgeleitet der
– anders als die bisherige Aufbewahrung in Holzkäs- Klima- und Kulturgeschichte) des Moores und seiner
ten und säurehaltigen Pappkartons – eine unschädli- Umgebung. Der zeitliche Ablauf ist mit der Radio-
che Lagerung gewährleisten. carbon-Methode absolut rekonstruierbar.

Bei der weiteren Aufbereitung der fotografischen In der Vergangen-


Sammlung werden das Referat 24 der LfU und die heit wurden viele
Abteilung „Landeskundliche und kulturhistorische Moore entwässert.
Bilddokumentation“ des LMZ zusammenarbeiten. Der Torf wurde be-
Das Referat 24 wird die von Schwenkel und seinen lüftet, zersetzt und
MitarbeiterInnen akribisch geführten Inventarlisten teilweise auch ab-
des Bildarchivs datenbankgerecht aufarbeiten, das gebaut. Zersetzung
LMZ hat die Aufgabe, die aussagekräftigsten Auf- und Abbau zerstör-
nahmen – ggfs. nach vorheriger Restauration – zu ten das Torf-Archiv
digitalisieren und mit den von der LfU erschlossenen und die Zerstörung
Sachdaten zusammenzuführen. Über das Interne- dauert an, da die
tangebot des LMZ werden Aufnahmen und Sachda- Entwässerung i. d.
ten dann verfügbar gemacht. Damit werden die Fo- R. noch mehr oder
tografien nicht nur für die Naturschutzarbeit in einem weniger gut funktio-
größeren Rahmen als bisher nutzbar, sondern auch niert.
in anderen Arbeitsbereichen, etwa dem Schulunter- Von Seiten des Na-
richt oder dem Denkmalschutz, Verwendung finden turschutzes wird
können. Restitution moorty- Das Pfrunger-Burgweiler Ried ist ei-
nes der bedeutendsten Moorgebiete
pischer Vegetation Süddeutschlands.
Wolfram Grönitz durch Wiedervern- Foto: R. Steinmetz
LfU, Ref. 24
ässen angestrebt.
Von Seiten des Bodenschutzes würde Vernässen
das bestehende Archiv erhalten, sofern die Eingriffe
sich auf Anlagen zur Wasserhaltung (Wehre) in den
Moore als Archiv Entwässerungsgräben beschränken, ohne dafür Tor-
fe von der Mooroberfläche zu entnehmen und ohne
Das Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenver- die Mooroberfläche durch den Einsatz von schwe-
änderungen und zur Sanierung von Altlasten, das rem Gerät (Bagger) o.ä. zu zerstören.
Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) vom 17. Wiedervernässen ist anthropogen und deshalb ist
März 1998 definiert im § 2 (2): „Eine Funktion von fraglich, ob ein aus diesem Grunde sich neu bil-
Böden als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte“ dendes Archiv aus fossilen Pflanzen, Tieren und
und im § 2 (3) „Schädliche Bodenveränderungen … anorganischen Einträgen die Klima- und Kulturge-
sind Beeinträchtigungen von Bodenfunktionen, die schichte richtig abbildet. Es könnte sein, dass das
… erhebliche Nachteile oder Belästigungen für den neue Archiv zu feuchtes (bei starkem Rückstau)
Einzelnen oder die Allgemeinheit herbeiführen.“ oder zu trockenes (bei zu geringem Rückstau) Klima
vortäuscht, aber nicht die tatsächliche Klima- und
Nutzungsgeschichte. Der Archivfunktion wäre Ge-
Viele in der Vergangenheit entwässerte und forst- nüge getan, wenn der Status quo erhalten würde.
oder landbaulich genutzte Moore werden heutzutage Klima- und Kulturgeschichte werden heutzutage ja
auf Grundlage des Naturschutzrechts renaturiert: überreichlich schriftlich dokumentiert.
• Bundesnaturschutzgesetz § 39 (1) 2. „… die
Wiederherstellung der Biotope wildlebender Eingriffe für die Renaturierung von Mooren müssen
Tier- und Pflanzenarten sowie die Gewährleis- nach Ort und Ausmaß dokumentiert werden, d.h.
tung ihrer sonstigen Lebensbedingungen…“ es müssen nachvollziehbare Lagepläne in geeigne-
• Naturschutzgesetz des Landes Baden- tem Maßstab erstellt und Ausgangszustand und alle
Württemberg § 24a (3) 1. „… Pflege- und Un- geplanten Eingriffe und Maßnahmen nach Art und
terhaltungsmaßnahmen durchzuführen, die Umfang beschrieben werden. Selbstverständlich ist,
zur… Wiederherstellung… geschützter Biotope dass auf der Basis von moorkundlichen und hydrolo-
notwendig sind.“ gischen Gutachten möglichst schonend eingegriffen
Moore mit Torfbildung entstehen durch Aufwuchs, in wird.
den von außen Stäube eingetragen und in dem vor Prof. Dr. Volker Schweikle
Ort abgestorbene Tiere und Pflanzen akkumuliert LfU, Ref. 22

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 55


Naturschutz – Übergreifendes

Landschaftsmanagement und die mehr als zehn Jahre kontinuierlich durchgeführt


Verwaltungspraxis wurden bzw. werden, sei es in der klassische Land-
schaftspflege, im Artenschutz, der Öffentlichkeitsar-
beit oder der Umsetzung innovativer Nutzungsmo-
Fortbildungsveranstaltung für die Naturschutzfach- delle.
kräfte der Naturschutzverwaltung Baden-Württem-
berg – 26. und 27. Oktober 2005 in Pforzheim-Ho- Der Landesnaturschutzpreis ist mit 15.000,- € dotiert,
henwart wobei auch eine Aufteilung des Preises möglich ist.

Im Intranet der Naturschutzverwaltung sind Vorträge Bewerben können sich Verbände, Vereine, Perso-
abrufbar nengruppen sowie Einzelpersonen. Bis zum 1. Au-
gust 2006 läuft die Bewerbungsfrist für den Lan-
• „Was ist neu im Naturschutzgesetz? Einführung desnaturschutzpreis 2006. Die Bewerbungen sollen
in die Novelle“; Dr. Dietwalt Rohlf, MLR unter Verwendung der Bewerbungsvordrucke über
• „Regionale Mindestdichte, Biotopverbund, Um- die Naturschutzbehörden der Stadt- und Landkreise
weltbeobachtung, Landschaftsplanung – ers- sowie die vier Regierungspräsidien vorgelegt wer-
te Überlegungen des Ministeriums“; Marcus den. Die Verleihung des Naturschutzpreises ist im
Lämmle, MLR Frühjahr 2007 vorgesehen.
• „Neue Wege zur Flexibilisierung der Eingriffsre- Mit dem Preis sollen richtungsweisende Leistungen
gelung - Eingriff/Ausgleich, Ökokonto und Kom- von Ehrenamtlichen zum Erhalt der natürlichen Um-
pensationsverzeichnis“; Dr. Dietrich Kratsch, welt ausgezeichnet werden.
MLR
• „Instrumentarien zur Umsetzung der Eingriffs- Bewerbungsvordrucke und weitere Informationen
regelung in der Bauleitplanung“; Prof.Dr. Chris- sind im Internet unter www.stiftung-naturschutz-
tian Küpfer, Nürtingen bw.de bei „Projekte“ abrufbar sowie bei der Stiftung
• „Informationssystem Zielartenkonzept Ba- Naturschutzfonds beim Ministerium für Ernährung
den-Württemberg – Planungswerkzeug zur und Ländlichen Raum, Kernerplatz 10, 70182 Stutt-
Erstellung eines kommunalen Zielarten- und gart erhältlich.
Maßnahmenkonzepts Fauna“; Dr. Sabine Stiftung Naturschutzfonds
Geissler-Strobel, Tübingen
• „Cross Compliance - Information und Diskussi-
on“; Dr. Helmuth Zelesny, MLR
Objekte des Jahres 2006
Weitere Informationen
http://naturschutzverwaltung.bwl.de/linktabelle_aktuell.
html Baum des Jahres
Fachdienst Naturschutz Die Schwarzpappel (Populus nigra)
Im Jahr 2006 wird der
Schwarzpappel deshalb
mehr Aufmerksamkeit ge-
Stiftung Naturschutzfonds schreibt schenkt, weil nur noch 3.000
Landesnaturschutzpreis aus Exemplare dieser Baumart
in Deutschland existieren.
Die Ursachen sind unter
Unter dem Motto „Konsequent anderem die leichte Kreuz-
dabei – Langjährige Natur- barkeit mit amerikanischen
schutzarbeit“ schreibt die Stif- Pappelarten, aus denen die
tung Naturschutzfonds den weit verbreiteten Hybride
Landesnaturschutzpreis 2006 hervorgehen. Der Mensch
aus. Es sollen Leistungen von Foto: I. Maass
zerstört den Lebensraum
Ehrenamtlichen gewürdigt wer- der in natürlichen Flussauen
den, die durch ihren jahrelan- heimischen Schwarzpappel durch Veränderung der
gen Einsatz zu einem nachhalti- Flusslandschaften. Daher gilt es diese zu schützen,
gen Naturschutz beitragen. Für damit der Baum, der am meisten Kohlenstoffdioxid
eine Auszeichnung kommen aus der Luft bindet, erhalten werden kann.
Vorhaben aus allen Bereichen
des Naturschutzes in Betracht, Weitere Informationen: www.baum-des-jahres.de

56 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Naturschutz – Übergreifendes

Blume des Jahres Wasserqualität signalisiert. Die Groppe als Vertreter


Das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) der Kurzdistanzwanderfische verdeutlicht die Proble-
Obwohl die matik von Weh-
Feuchtwiesenart ren, die von die-
in Deutschland ser wegen der
noch weit ver- fehlenden
breitet ist, soll Schwimmbla-
auf die latente se nicht über-
Gefährdung des wunden werden
Lebensraumes können. Deshalb
durch Entwäs- geht mit der
Foto: G. Albinger serungsmaß- Foto: NABU Wahl dieses Fi-
nahmen hinge- sches die Forde-
wiesen werden. Der Kreuzblütler – im Volksmund rung nach Renaturierung der Gewässerabschnitte
auch „Muttertagsblume“ genannt – weist rosafarbe- einher.
ne und weiße, sehr nektarreiche Blüten auf, die als
Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten dienen, bei- Weitere Informationen: www.vdsf.de
spielsweise dem Aurora-Falter. Das Wiesenschaum-
kraut ist als Verwandter der Brunnenkresse essbar
und zum Würzen verschiedener Gerichte geeignet. Flechte des Jahres
Die Caperatflechte (Flavoparmelia caperata)
Weitere Informationen Man findet die
www.stiftung-naturschutz-hh.de/blume/2006.htm
Flechte an Fels-
blöcken oder an
der Borke von
Boden des Jahres Laubbäumen.
Die Fahlerde Sie ist als Indi-
Schon zum zweiten Mal kator von gro-
findet die Wahl zum Boden ßer Bedeutung,
des Jahres statt, die dies- denn sie signa-
mal auf den Fahlboden fiel. lisiert durch ihre
Foto: W. von Brackel
Dieser in Deutschland und Präsenz schon
in Osteuropa vorkommen- geringe Schadstoffkonzentration in der Luft und hat
de Bodentyp ist für seine ein hohes Ausbreitungspotenzial. Erst seit 10 Jah-
Tonverlagerungen und sei- ren – nach der Entschwefelung von Kraftwerke und
ne daraus resultierenden Brennstoffe – breitet sie sich wieder aus.
aufgehellten fahlen Berei-
che bekannt. Er ist sehr Weitere Informationen: www.blam.privat.t-online.de
fruchtbar und garantiert
Foto: Institut für Boden- einen hohen und sicheren
landschaftsforschung Ertrag, da er Wasser sehr Orchidee des Jahres
gut speichern kann und nährstoffreich ist. Dennoch Die Breitblättrige Stendelwurz
ist die Fahlerde zahlreichen Eingriffen durch den (Epipactis helleborine)
Menschen ausgesetzt, wie zum Beispiel dem sehr Noch ist diese Orchidee
hohen Flächenverbrauch für Siedlungen und Ver- zwar in deutschen Laub-
kehr sowie Abgasen. und Mischwäldern weit
verbreitet. Allerdings ist
Weitere Informationen: www.dbges.de
die Breitblättrige Stendel-
wurz den Verschlechte-
rungen ihres Lebensrau-
Fisch des Jahres mes ausgesetzt, was zu
Die Groppe (Cottus gobio) einer lokalen Reduktion
Die weitgehend unbekannte Groppe ist eine typi- des Bestandes führt.
sche Fischart im Oberlauf kleinerer und mittlerer
Fließgewässer. Der nur 10 – 15 cm lange, in der Foto: NABU
Vergangenheit als Futterkonkurrent für die Forellen
verkannte Fisch, reagiert als Bioindikator gegenüber Weitere Informationen: www.nabu.de
Verunreinigungen, indem sein Bestand eine hohe

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 57


Naturschutz – Übergreifendes

Heilpflanze des Jahres Der noch wenig bekannte Jura soll der Öffentlich-
Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) keit vorgestellt werden, um dort einen umweltver-
Namensgebend träglichen und
für eine der äl- nachhaltigen
testen bekann- Tourismus zu
ten Heilpflanzen etablieren. Ziel
ist ihr charakte- ist es, die Kul-
ristischer, zitro- tur- und Natur-
nenartiger Ge- landschaft als
ruch. Schon die Lebensraum für
Römer wussten Tiere, Pflanzen
die positiven Foto: R. Steinmetz und Menschen
Foto: NABU Wirkungen die- zu schützen. Da-
ser Pflanze auf zu gehört auch, alternative Arbeitsplätze zu schaffen
den Körper zu schätzen. Die Zitronenmelisse kommt und Abwanderungstendenzen zu stoppen.
nicht nur bei Erkältungen und Kopfschmerzen zum
Einsatz, sondern auch bei Herzbeschwerden, Ma- Weitere Informationen: www.nfi.at
gen-Darm-Leiden und Depressionen. Ein weiteres
Einsatzgebiet des Lippenblütlers ist die Küche, wo
sie zur Verfeinerung von Getränken und Süßspeisen
verwendet wird. Moos des Jahres
Das Quellmoos (Fontinalis antipyretica)
Weitere Informationen: www.forum-naturheilkunde.de/ Das Moos
phytotherapie/melisse.html
kommt haupt-
sächlich an
Quellbächen,
Insekt des Jahres aber auch in
Der Siebenpunkt-Marienkäfer Flüssen und
(Conccinella septempunctata) Seen vor. Es ist
Derzeit existie- wegen seiner In-
ren rund 5.500 dikatorfunktion
Foto: Bostelmann
Arten des all- von enormer Be-
seits bekannten deutung, da die
M a r i e nk ä f e r s. Existenz des Quellmooses eine hohe Wasserqua-
Einer unter ih- lität anzeigt. Nach einem dramatischen Rückgang
nen ist der so des Bestandes in Folge von Wasserverschmutzung
genannte Sie- in den 70er Jahren erholte sich diese Moosart bis
benpunkt, des- heute leicht. Früher diente das mit Wasser bespreng-
sen Name von te Quellmoos den Menschen als feuerabweisende
Foto: M. Welling der Anzahl sei- Schutzvorrichtung, die man an Feuerstellen oder am
ner schwarzen Herd platzierte.
Punkte auf dem Rücken herrührt, weswegen er vom
Volksmund als Glücksbringer angesehen wird. Dar- Weitere Informationen: www.blam.privat.t-online.de
über hinaus ist er ein sehr nützliches Tier, da er sich
von Blattläusen ernährt, die Nutzpflanzen befallen
und zerstören. Aus diesem Grund werden die Insek- Weichtier des Jahres
ten gezüchtet und können den Einsatz chemischer Die Gemeine Flussmuschel (Unio crassus)
Pestizide verringern. Die in Europa
und in Vordera-
Weitere Informationen: www.bba.de unter „Presse“ sien beheima-
tete Muschel
war in der Ver-
Landschaft des Jahres 2005 / 2006 gangenheit die
Der Jura zahlreichste ih-
Der Jura, als Region zwischen Frankreich und der rer Art. Jedoch
Schweiz gelegen, verfügt über eine besonders ar- erfuhr sie einen
tenreiche Fauna und Flora und ist durch seine Karst- so dramatischen
phänomene geprägt. Foto: G. Falkner Rückgang, dass

58 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Naturschutz – Übergreifendes

die Gemeine Flussmuschel heute zu den internati- Pilz des Jahres


onal am intensivst geschützten Muschelarten zählt. Der Ästige Stachelbart (Hericium coralloides)
Mögliche Ursachen liegen in der Überdüngung und Der sehr seltene
dem vermehrten Schwebstoffeintrag, was zum Ab- und gefährdete
sterben der Jungmuscheln führt. Ein weiteres Pro- Pilz ist auf alte
blem ist die ungenügende Anzahl an Wirtsfischen, Buchenwälder
an deren Kiemen sich die Muschellarven haften, um als Lebensraum
Nahrung aufzunehmen. angewiesen.
Der Ästige Sta-
Weitere Informationen chelbart kann
www.mollusken-nrw.de/weichtier_des_ jahres/kuratori-
um.htm einen Durch-
Foto: G. Schmidt-Stohn messer von bis
zu 20 cm errei-
chen und kommt in ganz Europa vor. Sein beson-
Gemüse des Jahres deres Charakteristikum ist das korallenartike Ausse-
Der Kopfkohl hen. Er wächst nur auf totem Holz und steht in einem
Seinen Namen engen symbiotischen Verhältnis zu seinem Umfeld,
hat der Kopfkohl da er sich von den organischen Stoffen des Waldes
von seiner Blät- ernährt.
te r an o r dnun g,
die an einen Kopf Weitere Informationen: www.dgfm-ev.de
erinnert – zu den
Kohlsorten ge-
hören Weißkohl, Staude des Jahres
Rotkohl und Wir- Die Flammenblume (Phlox paniculata)
Foto: NABU sing. Inzwischen Der Phlox – aus
werden jedoch der Familie der
immer weniger Sorten für die Nahrungsmittelindus- Himmelsleiterge-
trie angebaut, da sich diese für die Weiterverarbei- wächse – ist eine
tung als ungünstig erweisen. Der Kopfkohl ist hier- klassische Bau-
zulande ein beliebtes Wintergemüse, das Vitamin C erngartenblume,
sowie zahlreiche Mineral- und Ballaststoffe enthält. die mit ihren far-
benfrohen Blüten
Weitere Informationen: www.nutzpflanzenvielfalt.de zahlreiche Gär-
Foto: H. May ten in Deutsch-
land ziert. Seinen
Ursprung hat der Phlox in Nordamerika,von wo er im
Spinne des Jahres 18. Jh. nach Europa gelangt.
Die Veränderliche Krabbenspinne Neben einer breiten Palette von Züchtungen gibt es
(Misumena vatia) auch Wildarten, zum Beispiel den Wiesenphlox und
Der Name weist auf zwei den Frühsommerphlox, sowie zahlreiche Hybride mit
charakteristische Eigen- breitgefächerten Erscheinungsformen.
schaften der Spinne hin:
Zum einen sieht sie aufgrund Weitere Informationen: www.stauden.de
ihrer langen und kräftigen
Vorderbeine einer Krabbe
sehr ähnlich, zum anderen Wildtier des Jahres
können die Weibchen ihre Der Seehund (Phoca vitulina)
Körperfarbe in weiß, gelb Der in der Nord-
oder grün wechseln. Die und Ostsee so-
überall in Europa heimische wie in Norda-
Spinne findet man zumeist merika lebende
Foto: Heiko Bellmann in Wiesen, Mooren und Fel- Seehund gehört
dern sowie in Gärten und zu den gefähr-
sonnenbeschienenen Waldrändern, wo sie auf Blü- detsten Wildtie-
ten ihre Beute fängt und aussaugt. ren und wurde in
Foto: R. Steinmetz
die „Rote Liste“
Weitere Informationen unter www.bba.de aufgenommen.

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 59


Aus der Naturschutzverwaltung

Bis ins 20. Jahrhundert war es üblich, Seehunde zu Aus der Naturschutzverwaltung
jagen, da sie als Nahrungskonkurrent des Menschen
gesehen wurden. Folglich ging der Bestand in der
und von anderen Stellen
Ostsee auf 250 Tiere zurück.
Heute sind die Seehunde von der Überfischung der
Meere bedroht, die das Nahrungsangebot rar ma- Umstrukturierung der Naturschutzrefe-
chen. Hinzu kommen Epidemien, die Schutzmaß- rate in der LfU
nahmen erfordern.

Weitere Informationen: www.seehund.de

Streuobstsorte des Jahres Im Zuge der Fusion von LfU und UMEG zur Lan-
Der Danziger Kantapfel desanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz
Die Kantigkeit seiner Früch- (LUBW) ist bereits vorab eine Neuorganisation der
te geben dem Danziger beiden Naturschutzreferate erfolgt.
Kantapfel seinen Namen. So wurden die Sachgebiete „Artenschutz“ und „Flä-
Er gehört zu den Rosen- chenschutz, Landschaftspflege“ wieder im Referat
äpfeln und hat durch sei- 25 „Arten- und Flächenschutz, Landschaftspflege“
ne kugelförmige Krone ein zusammengeführt.
charakteristisches Ausse- Im Gegenzug findet sich die Landschaftsplanung als
hen. Diese Streuobstsorte um das Integrierte Rheinprogramm (IRP) erweiterte
ist sehr bedeutend, da sie Sachgebiet im neu strukturierten Referat 24 „Land-
sehr ertragreich und gleich- schaftsplanung, Fachdienst Naturschutz“ wieder.
zeitig anspruchslos ist. Da-
her ist er auch sehr gut an Ziel der Umstrukturierung der Naturschutzrefera-
Foto: Landesverband für die Wuchsbedingungen in te ist angesichts knapper Personalressourcen die
Obstbau, Garten und Land-
schaft Baden-Württemberg
höheren Lagen angepasst. Optimierung von Synergieeffekten zur Bewältigung
e.V. (LOGL) von Natura 2000 sowie die Bündelung der Arbeiten
in der Öffentlichkeitsarbeit und die Entwicklung von
Weitere Iformationen: www.nabu.de
Kommunikationsstrategien im Naturschutz.
Die Organisationsreform der beiden Naturschutzre-
ferate trat zum 01. Dezember 2005 in Kraft.
Vogel des Jahres
Der Kleiber (Sitta europaea) Die neuen Regelungen für Telefon- und Faxnum-
Der Kleiber soll mern, Internet / Intranet und e-mail-Adresse der
als Repräsentant neuen LUBW – gültig ab 01. Januar 2006 – finden
des Buchen- und Sie auf Seite 2 unter Ankündigungen.
Eichenwaldes in
den Vordergrund Roland Heinzmann M.A.
LfU, Ref. 24
gerückt werden.
Dabei geht es
weniger um ei-
Foto: R. Steinmetz ne offenkundige
Gefährdung díe- 30. Naturschutztage am Bodensee
ser Vogelart als vielmehr um den Lebensraum, den
die 600.000 – 1,4 Mio. Kleiber-Brutpaare in Deutsch-
land bewohnen. Durch den Erhalt der Waldgebiete Radolfzell – Rund 600 Teilnehmer haben Anfang
mit höhlenreichen Altholzbeständen und die Ein- Januar die Naturschutztage im Milchwerk Radolfzell
gliederung in Vogelschutzparks wird versucht, auch besucht. Die größte regelmäßig stattfindende Natur-
viele andere Vogelarten wie zum Beispiel Spechte, schutz-Tagung im deutschen Sprachraum wurde in
Meisen und Greifvögel zu schützen. diesem Jahr zum 30. Mal von den baden-württem-
bergischen Landesverbänden des Bund für Umwelt
Weitere Informationen: www.nabu.de und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Na-
turschutzbund Deutschland (NABU) veranstaltet. Ein
Quelle: Naturschutzbund Deutschland (NABU) Höhepunkt der Veranstaltung war der Besuch des
Ministerpräsidenten Günther Oettinger, der sich den
Fachdienst Naturschutz Fragen und der Kritik der Natur- und Umweltschützer

60 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Aus der Naturschutzverwaltung

stellte. Dabei standen thematisch die Einrichtung des der einzige Naturwissenschaftler im Referat, ja mit
ersten Großschutzgebietes in Baden-Württemberg, nur Wenigen seinesgleichen im ganzen Naturschutz
dem Biosphärengebiet „Mittlere Schwäbische Alb“, beim Ministerium. Gerade im Bereich Landschafts-
die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, der pflege kam und kommt es ja darauf an, Theorie und
Flächenschutz, der Schutz vor gentechnisch verän- Praxis zu verbinden. Dies zu erreichen, war seine
derten Lebensmitteln sowie Förderung erneuerbarer Stärke. Sowohl bei der Fortschreibung der Pflege-
Energien im Mittelpunkt. Darüber hinaus verabschie- und Entwicklungspläne und in der Diskussion um
deten TeilnehmerInnen der Naturschutztage eine den Prozessschutz als auch bei der Fortschreibung
Resolution zum Schutz der Kormorane. der Landschaftspflegerichtlinie galt immer auch der
Bei zahlreichen Vorträgen, Seminaren und Diskus- Frage der Durchführbarkeit sein besonderes Inte-
sionsrunden konnten sich die TeilnehmerInnen über resse. Dass Hellmut Wagner „nebenbei“ nicht nur
neue Wege im Naturschutz informieren. Dabei wur- eingeschriebener, sondern praktizierender Landwirt
den unter anderem die Veränderungen aufgezeigt, ist, machte ihn nicht zuletzt auch bei der unter sei-
die sich durch das Schutzgebietssystem „Natura ner maßgeblichen Federführung erfolgten Notifizie-
2000“ ergeben. Weitere Themenfelder waren die rung der Landschaftspflege bei der EU-Kommission
Folgen der Klimaveränderung in Baden-Württem- zum absoluten Experten. Es war sein Verdienst, das
berg, die Landtagswahlen, neue Formen der Öffent- komplizierte Melde-, Abrechnungs- und Kontrollver-
lichkeitsarbeit im Naturschutz sowie aktuelle Ansätze fahren der EU in Erlass-Form zu bringen und – häu-
bei der Umweltbildung im Schul- und Vorschulalter. fig genug in Dienstbesprechungen und nicht selten
selbst vor Ort – umzusetzen.
Aus der Pressemitteilung des BUND vom 8.1.06
Dr. Wagner kann als der „Ziehvater“ der Landschafts-
Fachdienst Naturschutz erhaltungsverbände in Baden-Württemberg bezeich-
net werden und hat der Biotopkartierung wesentliche
Impulse verliehen. Die letzten Jahre seiner aktiven
Mitteilungen Berufslaufbahn waren durch die neuerliche Überar-
beitung und Neuformulierung der Landschaftspfle-
gerichtlinie und den Aufbau eines DV-gestützten Be-
Landschaftspfleger mit Leib und Seele
arbeitungs- und Auswertungssystems geprägt. Hier
Dr. Hellmut Wagner im Ruhestand hat er sich bleibende Verdienste erworben.
Seine Verbundenheit mit dem praktischen Natur-
Nach dem Studium der Biologie mit anschließender schutz zeigt sich auch darin, dass er den Ausweis
Promotion war Dr. Hellmut Wagner zunächst als wis- des Regierungspräsidiums als Naturschutzbeauf-
senschaftlicher Assistent an der Universität Hohen- tragter besitzt.
heim tätig, bevor er im Jahr 1974 an die Bezirkstel- Auch im Bereich der Lehre war er tätig. So gab er an
le für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart der Universität Hohenheim Kurse zur Gräserbestim-
– und damit von der Theorie in die Praxis – wech- mung. „Privat“ ist er im Botanischen Arbeitskreis aktiv
selte. Während einer einjährigen Abordnung in den tätig, pflegt mit seinen Pferden Streuobstwiesen und
Jahren 1983/84 zu dem seinerzeitigen Ministerium beteiligt sich außerdem an Amphibienschutzmaß-
für Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt und Forsten nahmen.
konnte er erstmals „Ministeriumsluft“ schnuppern,
bevor er dann 1993 in den Dienst des damaligen Für den
Umweltministeriums eintrat. nun folgen-
Als Biologe und zudem noch als Mann der Praxis den dritten
brachte Dr. Lebens-
Wagner ei- abschnitt
nen reichen wünschen
Erfahrungs- wir Dr.
schatz an Hellmut
Fachwissen Wagner
mit, der ihn Glück und Seinen Ruhestand scheint er offensichtlich zu
im Refe- G e s u n d - genießen. Foto: B. Nagel
rat Land- heit sowie
schaftspfle- die notwendige Muße für all jene Aktivitäten, die im
ge schnell Verlaufe der Berufslaufbahn zurückstehen mussten.
Die Verbindung mit Natur und Landschaft ist
unentbehr-
Dr. Eberhart Heiderich, 73614 Schorndorf
für Helmut Wagner unverzichtbar. lich machte. Manfred Fehrenbach
Foto: N. Wild War er doch Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum BW, Ref. 44

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 61


Aus der Naturschutzverwaltung

Mit Kamera und Cessna – im Dienste


der Natur

Reiner Steinmetz geht in den Ruhestand

Nach fast dreißigjähriger Tätigkeit bei der Landes-


anstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU)
geht der Hausfotograf des Naturschutz-Infos, Reiner
Steinmetz, zum 31. Januar 2006 in den wohlverdien-
ten Ruhestand.
Steinmetz, von Beruf Werbefotograf, kam bereits
1976, im Gründungsjahr der LfU, als Vogelschutz-
techniker zur angegliederten Staatlichen Vogel-
schutzwarte (heute Sitz des Naturschutzzentrums
Rappenwört). Hier war er vor allem bei der Umset-
zung der Greifvogelverordnung und im Rahmen des
Rauhfußhuhn-Auswilderungsprogramms des Lan-
des eingesetzt.
Schon in seiner Schulzeit (Waldorfschule) war er
ornithologisch engagiert. Ein Engagement, das ihn
während seines ganzen Lebens ehrenamtlich hat
aktiv sein lassen. Reiner Steinmetz begutachtet einige seiner viele Tau-
So machte er seine ersten Erfahrungen als Beringer sende zählenden Dia-Sammlung.
Foto: M. Theis
bei nationalen und internationalen Schutzprogram-
men (u. a. für Grasmücken und Weißstörche) an der
Vogelwarte Radolfzell. Prüfer, hat Steinmetz einige tausend Flugstunden
zwischen Afrika und den USA erflogen – was sich
Zusammen mit dem ehemaligen Leiter der Bezirks- in Kombination mit seinem erlernten Beruf (Fotograf)
stelle für Naturschutz und Landschaftspflege Karlsru- als einmaliger Glücksfall für die LfU erweisen sollte.
he, Günther Müller, betrieb er über Jahre (1968-1973) So erstellte er in den vergangenen Jahren zahlrei-
die Beringung und Erfassung von Weißstörchen zur ches Bildmaterial, insbesondere exzellente Luftauf-
Nachverfolgung der Zugwege zwischen Griechen- nahmen, zur aktuellen Naturschutzthemen (u. a.
land, Kleina- Dokumentation der Sturmfolgeschäden von „Lothar“
sien und Nor- sowie zur Ochsenfroschproblematik am mittleren
dafrika. Oberrhein). Hunderte von Fotos fanden ihren Ein-
gang in die bislang 25 Ausgaben des Naturschutz-
Für das Grund- Infos oder bereichern das Bildarchiv der LfU.
lagenwerk Auch sei an die legendäre Überführungsaktion von
„Die Vögel Ba- Weißstörchen aus Polen im Auftrag der Stiftung Na-
den-Württem- turschutzfonds erinnert (1985), die Steinmetz wegen
bergs“ lieferte des schlechten Flugbenzins mit einer bravourösen
er selbst er- Notlandung auf einem Acker meisterte und bei der
hobene Da- keiner der Störche zu Schaden kam!
ten und war
Mitautor der Auch im Ruhestand bleibt Reiner Steinmetz dem
„ H a u b e n l e r- Naturschutz verbunden. Seit 2004 arbeitet er ehren-
che“ (Bd. 3.1, amtlich beim Projekt „Adebar“ mit, dessen Initiato-
1999). ren sich die Erstellung und Herausgabe des ersten
Deutschen Brutvogelatlasses zum Ziel gesetzt ha-
Seit seiner ben. Darüber hinaus wird er für eine deutsche Firma
Militärzeit als
Pilot mit Leib und Seele. Reiner Steinmetz i. A. des World Wildlife Fund (WWF) mehrere Mo-
an seinem 60. Geburtstag. Zeitsoldat bei nate von Namibia aus grenzüberschreitend Einsätze
der Luftwaffe zur Erfassung, Probenahme und Bekämpfung von
Foto: M. Steinmetz
(19 61-19 6 5) , Malaria im Okavango-Delta (Botswana) fliegen.
wo er zum Piloten für Propellerflugzeuge ausgebildet
wurde, und später als Privatpilot für Geschäftsrei- Roland Heinzmann M.A.
seflugzeuge (seit 1979), Fluglehrer (seit 1992) und LfU, Ref. 24

62 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Spectrum

Veranstaltungen
Spectrum – Was tun und denken
die anderen?
Sonderausstellung „microscapes“

Das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb zeigt von Das Karlsruher Ökomobil auf dem
26. Februar bis 23. April 2006 die Sonder-Ausstel- WEEC in Turin
lung „microscapes“. Die Ausstellung die von „Eye
of science“ umfasst fantastische Bilder von biologi-
schen Objekten in bis zu 4.000facher Vergrößerung. Naturschutz- und Umweltbildung international
Die bizarre Struktur einer Blattoberfläche, der Saug-
rüssel eines Schmetterlings und viele andere Motive Vom 2–6. Oktober 2005 fand unter der Schirmherr-
eröffnen Einblicke in die Welt, die das menschliche schaft des UNEP (United Nations Environment Pro-
Auge praktisch nicht mehr wahrnimmt und nur durch gramme) in Turin der 3. Weltkongress für Umwelt-
ein Raster-Elektronen-Mikroskop sichtbar gemacht bildung (World Environmental Education Congress
werden kann. – WEEC) statt.
Die Autoren dieser Ausstellung, der Fotograf Oliver
Meckes und die Biologin Nicole Ottawa, haben 1995 Das Ziel des WEEC ist es, den Austausch von „best
die Firma „Eye of science“ gegründet. Durch zahl- practice“ Projekten zwischen all denjenigen zu för-
reiche Ausstellungen und Publikation sowie durch dern, die in der Umweltbildung und im Bereich der
die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Insti- nachhaltigen Entwicklung engagiert sind: Universitä-
tuten und Universitäten hat sich das Unternehmen ten, öffentliche Einrichtungen, Nichtregierungsorga-
auf dem Gebiet der Raster-Elektronen-Mikroskopie nisationen, Schulen, Parks, Themennetzwerke, terri-
einen Namen gemacht. toriale Netzwerke auf verschiedenen Ebenen (lokal,
regional, weltweit), Berufsverbände, Forschungsin-
stitute und -zentren, Massenmedien, Unternehmen
etc.

Der dritte
Kongress
nach Espin-
ho (Portugal,
2003) und
Rio de Janei-
ro (Brasilien,
2004) be-
endete eine
erste Aufbau-
„Schwungvolles“ Programm mit einer Turi- phase und
ner Schulklasse
eröffnet eine
Reihe von Kongressen, die alle zwei Jahre abge-
Foto: Eye of science
halten werden und die Weltdekade „Bildung für eine
nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen un-
Die Ausstellung ist im genannten Zeitraum von terstützen sollen.
Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr sowie an den
Sonntagen, 26. Februar, 05. März, 02. und 23. April Die Veranstalter des WEEC hatten die Arbeitsge-
2006 von jeweils 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Der meinschaft der Umweltmobile (AGUM) eingeladen,
Eintritt ist frei. Umweltmobile verschiedener Art zu präsentieren,
um Erfahrungen in der mobilen Naturschutz- und
Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, Vogelloch 1, Umweltbildung weitergeben zu können. So kam das
73252 Schopfloch, Tel.: 0 70 26 / 95 012 -0, Fax: -10, Ökomobil des Regierungspräsidiums Karlsruhe zu
e-mail: Info@naturschutzzentrum-schopfloch.de;
www.naturschutzzentren-bw.de seinem ersten Auslandseinsatz seit Projektbeginn
1989 und stellte vor dem Kongresszentrum „Lingotto“
in Turin das baden-württembergische Mobilkonzept
Naturschutzzentrum für eine zielgruppenspezifische und handlungsorien-
Schopflocher Alb
tierte Naturschutzbildung vor. Baden-Württemberg
war auf Initiative des damaligen Leiters der Bezirks-
stelle für Naturschutz und Landespflege (BNL) Tü-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 63


Spectrum

bingen, Dr. Winfried Krahl, 1987 das erste Bundes- ten Jahr führten die Tübinger Ökomobilistin Sabine
land, das ein Ökomobil ins Leben rief. Neben dem Reußink und Dietmar Schruck vom „Lumbricus“ eine
Ökomobil waren der Umweltbus „Lumbricus“ aus Fortbildung für Ökomobilisten in China durch – und
Nordrhein-Westfalen und die „Planaria“ aus Sach- das alte „Wald-i-mobil“ fährt mittlerweile bei der itali-
sen als Botschafter der erfolgreichen, von Bundes- enischen Naturschutzorganisation „Legambiente“.
ländern oder Verbänden getragenen Umweltmobile
vor Ort, so dass die Kongressteilnehmer verschie- Weitere Informationen
dene Fahrzeug- und Ausstattungsvarianten und die www.3weec.org
Lehrmaterialien besichtigen konnten. www.umweltmobile.de
www.dekade.org
Allein im Ökomobil Karlsruhe nahmen rund 300 Be-
sucherinnen und Besucher aus mindestens 26 Län- Dr. Daniel Baumgärtner, Tel. 0721 / 926 -43 47,
dern die Gelegenheit wahr, sich in Gesprächen mit Fax: -40 44, e-mai: Daniel.Baumgaertner@rpk.bwl.de;
Angelika Schwarz-Marstaller (Regierungspräsidium http://www.rp-karlsruhe
Freiburg) und Dr. Daniel Baumgärtner (Regierungs-
präsidium Karlsruhe) über die Organisation, Ausstat- Dr. Daniel Baumgärtner
Regierungspräsidium Karlsruhe
tung und Arbeitsweisen der Ökomobile zu informie- Referat 56 Naturschutz und Landschaftspflege
ren. Das pädagogische Konzept, didaktische und Karlsruhe
methodische Fragen standen neben vielen prakti-
schen Details und den Möglichkeiten der Finanzie-
rung im Fokus des Interesses. Aber auch spontane
Veranstaltungswünsche wurden im Rahmen der Bundesweit erste Studie zu Klimafolgen
innerstädtischen Möglichkeiten berücksichtigt: Ein für ein Bundesland vorgestellt
Lehrer einer Turiner Schule war von den Umwelt-
mobilen so begeistert, dass er am darauf folgenden
Tag mit zwei Schulklassen auftauchte und sich eine Massive Auswirkungen und hoher Anpassungs-
„typische“ Ökomobilveranstaltung wünschte – ein druck für Pflanzen, Tier und Mensch: „Es gibt
Ansinnen, dem dank der professionellen Überset- Chancen und Risiken.“
zungshilfe einer deutsch-italienischen Schülerin mit In Stuttgart fand im Juli 2005 ein Fachsymposium
einer Kurzveranstaltung im Lumbricus und im Öko- zu den Auswirkungen und Folgen des Klimawandels
mobil entsprochen wurde. für Baden-Württemberg statt. Experten aus Wissen-
schaft und Praxis diskutieren die Ergebnisse eines
Der weltweite Austausch des Mobilkonzeptes und vor drei Jahren vom Umweltministerium initiierten
die Bildung eines internationalen Netzwerks der Um- bundesweit einzigartigen Verbundprojekts ‚Klima-
weltmobile ist als Beitrag (Nr. 62) in den Nationalen wandel – Auswirkungen, Risiken, Anpassungen
Aktionsplan zur UN-Dekade „Bildung für eine nach- (KLARA)‘. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich
haltige Entwicklung“ aufgenommen worden. Die die in den vergangenen 50 Jahren bereits festzustel-
dezentral ein- lenden Klimaveränderungen fortsetzen werden. Bis
setzbaren 2050 müssen wir nach Abschätzungen des Pots-
Umweltmobile dam-Instituts für Klimafolgenforschung mit einem
eignen sich jahresdurchschnittlichen Temperaturanstieg von bis
gerade auch zu 1,7 Grad in einigen Landesteilen rechnen“, erklär-
für die För- te Umweltministerin Tanja Gönner.
derung des
Umweltbe- „In der Detailauswertung sehen wir für die künftige
wusstseins in Entwicklung eine Art Zweiteilung im Land. Es ent-
infrastruktur- steht ein teils massiver Anpassungsdruck sowohl
Der Vorsitzende des Grünen Kreuzes,
schwachen für Pflanzen und Tiere wie auch die Menschen, der
Michail Gorbatschow, hält die Abschlussre- Ländern und aber regional sehr unterschiedlich sein wird“, erläu-
de des WEEC. Regionen. terte Gönner. So würden sich vom Oberrheingraben
Rückmeldun- ausgehend bis in den Nordwesten des Landes hi-
gen gibt es unter anderem bereits aus Südkorea, wo nauf im Mittel sowohl Temperaturen wie auch Nie-
ein mobiles Umweltbildungsprojekt mit Unterstüt- derschlagsmengen erhöhen, so die Ministerin. In
zung der Universität Cheongju aufgebaut werden der von der üblichen Wetterströmung abgewandten
soll, aus Griechenland („Können wir das Ökomobil Ostseite des Schwarzwaldes wie auch im Südosten
kaufen?“) und aus der Region Turin, wo die Orga- des Landes werde dagegen zwar der Temperaturan-
nisation Biosphere ebenfalls ein fahrzeuggestütz- stieg geringer ausfallen. „Kritisch aber ist, dass dort
tes Naturschutzbildungsprojekt plant. Bereits in der auch die Niederschlagsmengen zurückgehen und
Vergangenheit wurde Know-how exportiert: Im letz- die Trockenheit vor allem im Sommer zunehmen

64 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Spectrum

wird“, mahnte Tanja Gönner. In Karlsruhe werde die 40. Jahrestagung der Arbeitsgemein-
Temperatur bis 2050 im Jahresmittel um etwa 1,7 schaft Wanderfalkenschutz
Grad und die Niederschlagsmenge um 34 Millime-
ter pro Jahr steigen. In Konstanz werde dagegen die
Temperatur um 1,4 Grad zunehmen und die Regen- Hochrangige Gäste waren erschienen – zur 40. Jah-
menge jährlich um 100 Millimeter und damit mehr als restagung der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalken-
zehn Prozent zurückgehen. schutz (AGW) am 09.10. 2005 in Stuttgart. Unter ih-
nen auch der Minister für Ernährung und Ländlichen
Man müsse sich möglichst frühzeitig auf die sich Raum, Peter Hauk MdL.
ändernden Bedingungen einstellen, um potenzielle
negative Folgen abzumildern und sich ergebende
Chancen bestmöglich zu nutzen. Dies gelte beson-
ders für die Land- und Forstwirtschaft, aber auch für
den Naturschutz, den Tourismus, die Wirtschaft und
die Gesundheitsversorgung. Während die Landwirt-
schaft sich rascher beispielsweise auf neue Sorten
einstellen könne, müsse im Obstbau und beim Forst
schon heute die Sortenwahl auf die Zukunft ausge-
richtet werden. Besonders im Wintertourismus sei
mit Einbrüchen zu rechnen, während sich für den
Sommer durchaus attraktive Bedingungen ergeben
könnten.

Die Landesregierung werde über ein „Klimaschutz- Wanderfalke Foto: H. Dannenmeyer


konzept 2010“ beraten. Darin seien u. a. vielfältige
Maßnahmen, die zur Verringerung des Ausstoßes Einleitende Worte richtete Prof. Klaus König, Eh-
der Treibhausgase – allen voran das klimaschädli- renvorsitzender des NABU und ehemalige Leiter
che Kohlendioxid – beitragen sollen. der AGW an die Teilnehmer der Jahrestagung. „Die
AGW war 1965 angetreten, um den Wanderfalken in
Weitere Informationen Baden-Württemberg vor dem Aussterben zu bewah-
Das Umweltministerium hat 2002 das Verbundpro- ren. 50 Brutpaare im Lande zu erreichen war das
jekt „Klimawandel - Auswirkungen, Risiken, Anpas- gesteckte Ziel. Heute haben wir eine tragfähige Po-
sung (KLARA)“ initiiert. Mit dem Projekt wurden die pulation von etwa 300 Brutpaaren und damit unsere
Klimaveränderungen im Zeitraum 1951 bis 2000 un- Zielvorstellungen weit übertroffen. Eine Geschichte
tersucht und Entwicklungsprognosen bis 2050 ab- des Erfolges“, lobte Klaus König.
geleitet. Der Schutz des Wanderfalken und seiner Lebensräu-
me wird auch in Zukunft vorrangiges Ziel der AGW
Die Projektleitung lag bei der Landesanstalt für Um- sein. Hierzu brauchen wir auch weiterhin Ihre Hilfe
weltschutz Baden-Württemberg (LfU). und Unterstützung“, so sein nachdrücklicher Appell.

Der Projektbericht „Klimawandel – Auswirkungen, Olaf Tschimpke, Bundes-


Risiken, Anpassung (KLARA)“ ist aktuell auf www. vorsitzender des Natur-
lubw.baden-wuerttemberg.de als PDF-Datei einge- schutzbund Deutschland
stellt. (NABU), setzte sich in
einer leidenschaftlichen
Die Auswirkungen auf die Wasserwirtschaft wurden Rede mit der Rolle des Na-
in einem gesonderten Projekt „Klimaänderungen turschutzes unter aktuellen
und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft (KLI- politischen Rahmenbedin-
WA)“, einem Kooperationsprojekt der Länder Bayern gungen auseinander. Er
und Baden-Württemberg mit dem Deutschen Wet- bezeichnete Natura 2000
terdienst, untersucht. sowie die Umsetzung der
EU-Vogelschutz-Richtlinie
Nach Pressemitteilung Nr. 51/2005 Olaf Tschimpke als eine Erfolgsgeschichte
des Umweltministeriums Baden-Württemberg
Foto: T. Kaltenbach
von Hauptamt und Ehren-
amt im aktiven Naturschutz.
Fachdienst Naturschutz Für die Zukunft sei auch maßgebend, dass die Ver-
bände bei Naturschutz- und Energiepolitik eigene
Akzente setzten.

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 65


Spectrum

Anschließend lobte Joachim Zimmermann, Amt für


Umweltschutz, Stuttgart, die AGW für die gute Zu-
sammenarbeit mit den staatlichen Stellen. Rund 290
Brutpaare seien in Baden-Württemberg inzwischen
wieder heimisch, wofür eine enorme ehrenamtliche
Arbeit notwendig war. Aber ohne finanzielle Mittel
sei dieses Unterfangen nicht realisierbar gewesen.
Unter anderem unterstützte der städtische Natur-
schutzfonds die AGW. Schmunzelnd regte er an,
den Wanderfalken evtl. auch als „städt. Symbol“ zu
verwenden – so wie das „Rössle“ in Stuttgart. Er
könne als Vogel mit der höchsten Geschwindigkeit
für die Stadt der schnellen Autos stehen.

Reinhard Wolf, Regierungspräsidium Stuttgart,


sprach über den enormen Flächenverbrauch in Ba- Gerhard Kersting, der die Tagung leitete, überreicht Minister
den-Württemberg (10 ha / Tag), die rasante Ände- Hauk Fachliteratur zur „Weiterbildung“ in Sachen Wanderfal-
ke.
rung der Lebensräume und die intensive Nutzung Foto: T. Kaltenbach
der Flächen. Er hob bei der Arbeit der AGW beson-
ders das Durchhaltevermögen hervor, auch wenn der Zunahme der Uhu-Population, die den gleichen
sich nicht gleich der Erfolg einstelle. Sie habe den Lebensraum wie der Wanderfalken besiedelt.
Bestand des Wanderfalken in BW aus einer fast aus- Folgende Maßnahmen sollen den Bestand des Wan-
sichtslosen Situation herausgeführt. Ohne Ehrenamt derfalken sichern
gäbe es den Wanderfalken wohl nicht mehr. • Verbot von Aussetzen von Hybriden
Da die Haushaltsmittel beim Regierungspräsidium • Verbote von Pflanzenschutzmitteln und direkter Ver-
vorhanden seien, stünde einer weiteren Unterstüt- folgung
zung der AGW wohl nichts im Wege. • Störung durch Freizeitnutzung sollen vermieden
werden
Vom NABU-Landesverband Baden-Württemberg • Zusammenarbeit mit Kletterverbänden (kein Aus-
plädierte Michael J. Eick im Wanderfalkenschutz sperren der Menschen aus der Natur)
für Überzeugungsarbeit durch Kameras in Horsten. • Verständnis und mehr Umweltbildung
So könnten Bürger das Leben der Wanderfalken
„live“ verfolgen. Ein weitere Zugangsweg seien Er- Erschreckend und alarmierend sei das mangelnde
fahrungen aus erster Hand. Die Menschen müssten Wissen über die Natur bei Kindern. So würden heut-
mit „rausgenommen werden“, um die Natur aktiv zu zutage viele der Heranwachsenden denken, dass es
erleben. Positiv bewertete er den Wandel des vor- „lila Kühe“ wirklich gibt – auch auf dem Land. Drin-
maligen „Schädlingsimage“ des Wanderfalken. Eine gender Handlungsbedarf sei geboten.
Trennung von Nutzung und Schädling werde nicht Lobend erwähnte der Minister den Beitrag der AGW
mehr vorgenommen. Um der Bevölkerung nahe zu zur Ausweisung von Schutzgebieten, was eine wich-
bringen, wie wichtig der Schutz des Wanderfalken tige Maßnahme, nicht nur zum Schutz des Wander-
ist, ist aktuell sogar eine Kooperation mit dem DRV falken, sei. So wurde das NSG Stiegelfels von 30 auf
(Deutscher Reisebüro und Reiseveranstalter Ver- 300 ha erweitert.
band) vorstellbar, was noch vor kurzem undenkbar
gewesen ist. Dr. Jürgen Marx von der Landesanstalt für Umwelt-
schutz Baden-Württemberg (LfU) sagte zu, dass die
Minister Peter Hauk MdL, der die Schirmherrschaft Schalen der Wanderfalken-Eier durch die LfU auf
über die AGW übernommen hat, führte aus, dass die noch immer vorkommenden DDT (Dichlordiphe-
durch Pflanzenschutzmittel bis 1965 fast alle Wan- nyltrichlorethan) Rückstände hin untersucht werden
derfalken in Deutschland ausgelöscht wurden. Nur würden. Zwar sei DDT in Deutschland verboten,
in Bayern und Baden-Württemberg gab es noch ein nicht aber in anderen Ländern, aus denen Zugvögel
paar wenige Wanderfalken. Heute habe sich der kämen und vom Wanderfalken geschlagen würden.
Bestand weitgehend erholt, dennoch dürfe man die
Maßnahmen nicht einstellen, wie z. B. Horstwache Abschließend an eine vielseitige und lebhafte Ta-
oder Bruthilfe. gung präsentierte Klaus König als „Leckerbissen“
Der Wanderfalke sei ein Symbol für Naturschutz, seinen eindrucksvollen Film über die Greifvögel der
ähnlich wie der Storch. Er stehe für den Schutz der Extremadura.
Felsenlandschaft, die es zu bewahren gilt. Tania Kaltenbach
Gefahren bestünden u. a. in den Freileitungen und Fachdienst Naturschutz

66 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Spectrum

bensmittel-Märkten in der Region rund eine Milliarde


Öko-Manager des Jahres 2005 Euro um. Zehn Prozent davon bringen bereits Bio-
produkte. Seine Produkte kauft der Ökomanager be-
vorzugt in der Heimatregion. So fördert er die ökolo-
gische Viehzucht im angrenzenden Mittelgebirge der
Rhön und hilft mit, die heimische Kulturlandschaft zu
erhalten. Die konventionellen Landwirte der Region
überzeugte er, keine genmanipulierten Pflanzen an-
zubauen, um unerwünschte Einträgen in die Felder
Am 23. November 2005 haben WWF und „Capi- der benachbarten Biobauern zu vermeiden.
tal“ zum 15. Mal den „Öko-Manager des Jahres“
vergeben. Neue Technologie für Treibstoff aus Biomasse
Ein Sonderpreis ging in diesem Jahr an Dr. Bodo
Unternehmensführung nach Öko-Richtlinien Wolf, Gründer der CHOREN Industries GmbH in
Herbert Hainer, Vorsitzender des Vorstands der adi- Freiberg/Sachsen. Er entwickelte eine weltweit füh-
das-Salomon AG in Herzogenaurach, ist zum „Öko- rende Technologie, mit der sich Biomasse kosten-
manager des Jahres 2005“ im Bereich Konzerne günstig in Diesel oder Benzin umwandeln lässt. Das
gewählt worden. würde den Wettbewerb um Kohle, Erdöl und Erdgas
Das Unternehmen nimmt eine führende Rolle beim erheblich entschärfen.
nachhaltigen Wirtschaften ein – u. a. arbeitet der Durch die Saat unterschiedlicher Nutzpflanzen in
Konzern mit Greenpeace und WWF zusammen und Fruchtfolge werden die Böden geschont. Auch ist
erstellt jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht. Die der Ertrag deutlich höher, als der der herkömmli-
Produzenten werden unterstützt, so dass sie ihre chen Produktion mit Rapssaat, da die ganze Pflanze
Unternehmen nach der internationalen Prüfnorm genutzt wird. Durch diese Technik könnte Deutsch-
ISO 14001 zertifizieren lassen können. land 25 Prozent seines gesamten Treibstoffbedarfs
Die 440.000 Mitarbeiter der 800 Zulieferfirmen welt- decken, selbst wenn nur die Brachflächen für den
weit produzieren zu vertretbaren ökologischen und Biomasse-Anbau genutzt würden.
sozialen Bedingungen. Dabei gehen die Öko-Richt-
linien weit über die weltweit strengsten Gesetze hi- Seit 1990 zeichnet die größte private Natur- und Um-
naus. weltschutzorganisation der Welt, der WWF (World
Wide Fund For Nature), gemeinsam
mit dem Wirtschaftsmagazin CAPI-
TAL Manager aus, die sich besonders
für ein umweltverträgliches Wirtschaf-
ten einsetzen. Das Engagement der
Ökomanager, ihre Kreativität und ihr
Durchsetzungswille haben maßgeb-
lich dazu beigetragen, dass nachhal-
tiges Wirtschaften inzwischen Ziel
jedes weitsichtigen Unternehmers ge-
worden ist.

Quelle: Pressemitteilungen von „WWF“ und


„Capital“

Fachdienst Naturschutz

Ökomanager des Jahres 2005: v. l. n. r.: Hans-Olaf Henkel (Laudator), Kai Stepp
(Capital), Wolfgang Gutberlet (tegut), Bodo Wolf (Choren), Herbert Hainer (adidas-
Salomon AG), Detlev Drenckhahn (WWF)
Foto: T. Maelsa

Biolebensmittel regional vermarktet


Unter den mittelständischen Unternehmen wurde
Wolfgang Gutberlet, Vorsitzender des Vorstands der
tegut… Gutberlet Stiftung & Co. aus Fulda, ausge-
zeichnet. Der Lebensmittelhändler beschäftigt gut
5.000 Mitarbeiter. 2004 setzte er mit seinen 301 Le-

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 67


Literatur

Literatur für Kinder sowie eine Aussichtskarte für die Platt-


form am Lotharpfad.

Weitere Informationen
Regierungspräsidium Karlsruhe, Tel.: 0721 / 926 -43 511,
Umweltforschung – Journal 2005 e-mail: abteilung5@rpk.bwl.de; Naturschutzzentrum Ru-
hestein, Tel.: 0 74 49 / 91 020, e-mail: naz.ruhestein@nat
urschutzzentren-bw.de
Das Umweltforschung – Jour- Fachdienst Naturschutz
nal 2005 ist neu erschienen.
Für 2005 wurde der „Klima-
wandel“ als Schwerpunkt ge-
wählt. Beleuchtet werden vor Streuobst im Alpenraum
allem ökonomische Aspekte:
Gibt es neben zahlreichen Zukunft eines gefährdeten Spezialitätenpro-
„Verlierern“ der veränderten dukts – Band 34
Verhältnisse auch „Gewin- Wie landschaftsökologisch
ner“? Können sich Landwir- wertvolle Streuobstbestände
te und Winzer über höhere erhalten, für die gefährdete
Erträge freuen? Müssen wir Tier- und Pflanzenwelt fortent-
künftig mit häufigeren oder heftigeren Hagelschau- wickelt und zugleich als „Grü-
ern und Stürmen rechnen? ne Lungen“ (als Natur- und
Neben der Ökonomie finden sich Beiträge zu ökolo- Kulturerbe und Genreserven)
gischen und zu gesundheitlichen Folgen des Klima- erhalten und attraktiver ge-
wandels. Daneben werden über aktuelle Ergebnisse macht werden können, stand
der Umweltforschung Baden-Württemberg in den im Mittelpunk der internatio-
Bereichen „Luft“, „Wasser“, „Boden“, „Ökonomie“, nalen Alpen-Streuobsttagung
„Ökologie“ und „Gesundheit“ informiert. der Umweltakademie und des
Naturschutzbundes Deutschland (NABU).
Bezugsadresse Die Experten entwickelten auf der Konferenz ein Ak-
Die Broschüre ist kostenlos erhältlich bei der Verlagsaus- tionspapier, in dem sie konkrete Wege für die Unter-
lieferung der Landesanstalt für Umweltschutz Baden- stützung des Streuobstbaus aufzeigen.
Württemberg (LfU) bei der JVA Mannheim, Herzogen-
riedstraße 111, 68169 Mannheim, Fax: 06 21 / 398 -370, Die Veröffentlichung ist eine Dokumentation der in-
e-mail: bibliothek@lubw.bwl.de oder als pdf unter http:// ternationalen Fachtagung vom 28. bis 30. Septem-
www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/9068/ (neu) ber 2001 in Stockach (Bodensee).

Fachdienst Naturschutz Bezugsadresse


Akademie für Natur- und Umweltschutz (Umweltaka-
demie) Baden-Württemberg beim Umweltministerium,
29,- €, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stutt-
gart. ISBN 3-8047-2070-6
Sturmwurf-Erlebnis auf dem Lotharpfad
Fachdienst Naturschutz

Der Lotharpfad führt durch


die vom gleichnamigen Or-
kan geschaffene Sturmwurf- Donau, der europäische Fluss
fläche bei Ruhestein im Nord-
schwarzwald. Auenentwicklung und Was-
Es geht wortwörtlich über serpflanzen als Bioindikato-
Stock und Stein und dabei ren
gibt es eine Menge Interes- Wie kein anderer Fluss Eu-
santes zu erfahren und zu ropas fließt die Donau durch
entdecken. Die immense Zer- Staaten mit unterschiedlichen
störungskraft und die Auswir- wirtschaftlichen, gesellschaftli-
kungen des Sturmes auf die chen und politischen Bedingun-
Wälder sind ebenso sichtbar wie der „Erholungspro- gen. Wegen der differenzierten
zess“ der Natur. Voraussetzungen und den ver-
Die Broschüre des Regierungspräsidiums Karlsruhe schiedenartigen Gewässernut-
ist bunt illustriert und bietet Erklärungen und Rätsel zungen kommt der integrierten

68 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Literatur

Gewässerschutzpolitik am gesamten Donaulauf, Landwirte haben in Sachen Landschaftspflege be-


im Sinne einer Naturbewahrung ohne Grenzen, ei- rufliche Perspektiven entwickelt, in der Kulturland-
ne Schlüsselaufgabe zu. Am Beispiel der Donau schaft konnten Arten und Lebensräume in einigen
zeichnet die Publikation die Notwendigkeit der Au- Regionen gesichert werden. Dennoch ist ein deut-
enrevitalisierung und die ökologische Bedeutung der licher Rückgang bei Tier- und Pflanzenarten in der
Wasserpflanzen als Bioindikatoren auf. Es werden Feldflur zu verzeichnen. In der vorliegenden Analyse
Bestandserhebungen an der baden-württembergi- haben der Deutsche Verband für Landschaftspflege
schen Donau ebenso dokumentiert wie die interna- (DVL) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU)
tionale Forschungsarbeit zur Erfassung der Gewäs- mehr als 90 erfolgreiche Kooperationsprojekte zwi-
serflora sowie der Ufervegetation. schen Naturschutz und Landwirtschaft aus dem
In- und Ausland ausgewertet. Ziel ist eine konkrete
Bezugsadresse Hilfestellung und praktikable Vorschläge für die Wei-
Akademie für Natur- und Umweltschutz (Umweltakademie) terentwicklung der Agrarumweltprogramme und des
Baden-Württemberg beim Umweltministerium, 15,80 €, Vertragnaturschutzes.
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart.
ISBN 3-8047-2197-4
Bezugsadresse
Fachdienst Naturschutz BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag, 48084
Münster, Tel.: 0 25 01 / 8 01 -300, Fax: -351; www.lv-h.de/
bfn. 20,- € (zzgl. Versandkosten). ISBN 3-7843-3913-1

Fachdienst Naturschutz
Natura 2000 und mehr

Die Broschüre des Natur-


schutzbundes Deutschland Neue BfN-Skripten
(NABU) erläutert kurz und
leicht verständlich wie Europa
seine Arten schützt. Es wer-
den die wichtigsten EU-Richt-
linien sowie deren Anhänge
(Schwerpunkt: Besonders ge-
schützte Arten des Anhangs
IV der FFH-Richtlinie) aufge- Methoden zur naturschutzfachlichen Konkre-
führt und erläutert. Unter an- tisierung der „Guten fachlichen Praxis“ in der
derem wird auch der Ablauf einer Verträglichkeits- Landwirtschaft (Heft 7 / 2005)
prüfung von Planungen in Bezug auf die Erhaltung Ergebnisse aus dem F + E-Vorhaben (FKZ 800 88
der Anhang IV-Arten aufgezeigt. 01) des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)

Bezugsadresse Die Mindestleistungen der Landwirtschaft zum


NABU Baden-Württemberg e.V., Tübingerstraße 15, 70178 Schutz der Natur sind seit Jahren in der Diskussion.
Stuttgart, Tel.: 07 11 / 99 672 -0, Fax: -33, nabu@nabu- Das abgeschlossene F + E-Vorhaben legt richtung-
bw.de; www.nabu-bw.de
weisende Methoden zur Ausgestaltung und Reali-
Fachdienst Naturschutz sierung der „Guten fachlichen Praxis“ in der Land-
wirtschaft vor. Mit den vorgeschlagenen Verfahren
werden Möglichkeiten angeboten, die Rahmenvor-
gaben des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 5 Abs. 4)
Agrarumweltprogramme und Vertrags- standortgerecht und lokal umzusetzen. Die Anwend-
naturschutz weiterentwickeln barkeit der Methoden wurde praktisch erprobt. Wei-
tere notwendige Schritte zur Implementierung auf
Mit der Landwirtschaft zu mehr Natur europäischer, Bundes- und Länderebene werden
Ergebnisse aus dem F + E-Projektes „Angebotsna- präzisiert. Das vorliegende Heft ist somit ein wesent-
turschutz“ licher Beitrag zur Neuorientierung der europäischen
Landwirtschaftspolitik im Hinblick auf eine nachhalti-
Landwirte bekommen über freiwillige vertragliche ge Entwicklung
Vereinbarungen ihre Leistungen für den Naturschutz
gezielt honoriert. Damit werden Einkommensverlus- Bezugsadresse
te ausgeglichen, wenn beispielsweise eine Feucht- BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag, 48084
wiese nicht mehr gedüngt und später als üblich ge- Münster, Tel.: 0 25 01 / 8 01 -300, Fax: -351; www.lv-h.de/
bfn. 20,- € (zzgl. Versandkosten). ISBN 3-7843-3907-7
mäht wird.

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 69


Literatur

Renaturierung von niedermoortypischen Le- Faltblätter


bensräumen (Heft 9 / 2004)
10 Jahre Niedermoormanagement im Donaumoos Naturschutzgebiet Essigberg
Das etwa 170 km² große Donaumoos liegt als
größtes zusammenhängendes Niedermoorgebiet Das im Kraichgau gelegene Natur-
Süddeutschlands zwischen den Niederterrassen- schutzgebiet Essigberg ist ungefähr
schottern an der Donau im Norden und dem südlich 120 Hektar groß und eröffnet dem
anschließenden tertiären Hügelland. In Folge der in- Besucher überraschende Einbli-
tensiven Bewirtschaftung des Acker- und Grünlandes cke in Flora und Fauna. So können
sowie des zum Teil sehr großflächigen Kiesabbaus Überreste einer Heide betrachtet
haben sich nur noch wenige Reste der ehemaligen werden, die sich durch Schafbe-
Niedermoorvegetation erhalten. Für die Vogelwelt ist weidung entwickelte. Am Südwest-
das Gebiet eine der wichtigsten Landschaftsräume Hang des Essigbergs gedeihen
Bayerns, z. B. für selten gewordene Wiesenbrüter zudem viele Orchideenarten, die
(Großer Brachvogel, Rotschenkel u. a.). schon 1952 zur Ausweisung des
Im Rahmen des 10-jährigen Erprobungs- und Naturschutzgebietes (NSG) beitru-
Entwicklungsvorhabens wurden verschiedene gen. Bis ins 19. Jahrhundert wurde zudem Weinbau
technische und biologische Verfahren wie Ober- betrieben. Das Gebiet ist Lebensraum zahlreicher
flächengestaltung, Aufstau, Bewässerung, Mähgut- Vogelarten, wie zum Beispiel Pirol, Schwarzspecht
übertragung, Ansaat und Pflanzung von Zielarten und Neuntöter. Ebenso kommt hier eine Vielfalt von
zur Entwicklung und Förderung von Niedermoorle- Amphibien, Reptilien und Schmetterlingen vor. Der
bensräumen erprobt. Essigberg lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein.
Als Ergebnisse des Vorhabens wurden übertragba- Beim Regierungspräsidium Karlsruhe kann deshalb
re Modelle zur Moornutzung, zum Moorschutz und ein Faltblatt mit vielen Informationen zum NSG und
zur Wasserretention geliefert, wobei die Schonung einer Übersichtskarte mit Wanderwegen bezogen
abiotischer Ressourcen und die Verbesserung der werden.
Situation von Flora und Fauna im Vordergrund der
Maßnahmen stand. Bezugsadresse
Regierungspräsidium Karlsruhe, Referat Naturschutz und
Bezugsadresse Landschaftspflege, Schlossplatz 1–3, 76131 Karlsruhe
BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag Fachdienst Naturschutz
18,- € (zzgl. Versandkosten). ISBN 3-7843-3909-3

Fledermausschutz in Europa (Heft 150 / 2005) Buchbesprechungen


Beschlüsse der 4. EUROBATS-Vertragsstaaten-
konferenz und Berichte zum Fledermausschutz in Grundlagenwerk – Die Schmetterlinge
Deutschland 1998–2004 Baden-Württembergs
Die Ergebnisse dieser Konferenz (22. bis 24. Sep- Band 10 Ergänzungsband
tember 2003 in Sofia, Bulgarien) betreffen nationale
und internationale Naturschutzinstitutionen ebenso Mit Band 10 ist das unter Fe-
wie die einzelnen Fledermausschützer vor Ort. Die derführung von Günter Ebert,
hier verabschiedeten Richtlinien für die Erteilung von Staatliches Museum für Natur-
Genehmigungen für den Fang und die Erforschung kunde Karlsruhe, entstandene
von Fledermäusen nahm das Sachverständigen- Werk über die Großschmet-
gremium für Fledermausschutz zum Anlass, prak- terlinge Baden-Württembergs
tikable Empfehlungen zur Fledermausmarkierung komplett. Die inzwischen inter-
in Deutschland zu erarbeiten. Ziel dieses Heftes ist national bekannte Buchreihe
es, einen Überblick über die jüngsten Aktivitäten des ist die umfangreichste aktuelle
deutschen Fledermausschutzes zu schaffen. wissenschaftliche Arbeit über
Schmetterlinge in Europa.
Weitere Informationen: www.eurobats.org Der Band enthält die Ergebnis-
se des Artenschutzprogramms der Naturschutzver-
Die Beiträge aller BfN-Skripten finden Sie auch in der Li- waltung der Jahre 1992–2004, eine neue Fassung
teraturdatenbank DNL www.dnl-online.de der „Roten Liste der Schmetterlinge Baden-Württem-
Fachdienst Naturschutz bergs“ und einen historischen Überblick über die Ent-

70 Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Info 3/2005


Literatur

wicklung der faunistischen Schmetterlingsforschung Weitere Informationen


im Südweststaat. Kernstück ist eine Zusammenstel- Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württem-
lung der Nahrungspflanzen und Lebensräume der berg (Umweltakademie)
Dr. Agnes Michenfelder, PF 10 34 39, 70029 Stuttgart,
einheimischen Schmetterlinge. Tel.: 07 11 / 126 -28 14, Fax : -28 93
e-mail: agnes.michenfelder@um.bwl.de; www.umwelta-
Das Grundlagenwerk wird vom Staatlichen Museum kademie.baden-wuerttemberg.de
für Naturkunde in Zusammenarbeit mit der Landes-
anstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU) Fachdienst Naturschutz
herausgegeben. Es wurde im Rahmen des Arten-
schutzprogramms durch die Stiftung Naturschutz-
fonds Baden-Württemberg gefördert und erscheint
im Eugen Ulmer Verlag in Stuttgart. Klettern und Naturschutz in
Baden-Württemberg
Grundlagenwerk – Die Schmetterlinge Baden-Württem-
bergs, Band 10, Ergänzungsband. (Hrsg. 2005): 426 Sei- Neuer Lehrfilm und Website
ten, 83 Farbphotos, 46 sw-Photos, 7 Verbreitungskarten,
6 Graphiken. Ln. m. SU, 49,90 €, Eugen Ulmer Verlag KG;
Stuttgart. ISBN 3-8001-4383-6 Der Deutsche Alpenverein Landesverband (DAV)
Fachdienst Naturschutz hat gemeinsam mit dem Ministerium für Kultus, Ju-
gend und Sport Baden-Württemberg eine DVD zum
Thema Klettern und Naturschutz herausgegeben. In
zwei Filmen „Naturerlebnis Klettern“ und „Klettern
Umweltindikatoren – und Naturschutz“ erfahren Kletterer und Multiplika-
Mythos oder Wirklichkeit? toren alles Wichtige über das naturverträgliche Klet-
tern in Odenwald, Schwarzwald und auf der Schwä-
Was wissen wir wirklich über unsere Umwelt? bischen Alb. Die DVD eignet sich sowohl für Schulen
und Vereine, als auch für kommerzielle Bergsportan-
Bioindikatoren reagieren auf bieter und touristische Unternehmen.
Umweltveränderungen oft Ziel des Projektes zur Umweltbildung von Natur-
empfindlicher, frühzeitiger sportlern ist die Bereitstellung und multimediale In-
und vielfach auch „sichtba- tegration modernen Lehrmaterials. Die Veröffentli-
rer“ als chemisch-physikali- chung dieser Medien per DVD und durch das Internet
sche Messgeräte. ermöglicht sowohl einen breiten Informationsfluss,
Das Ziel für die Zukunft wird als auch eine Vernetzung zwischen verschiedenen
sein, die Auswahl anderer Institutionen, die sich mit dem Thema „Klettern und
Kernindikatoren wie die Zu- Naturschutz“ befassen.
nahme der Siedlungs- und
Verkehrsflächen, CO2-Emis- Bezugsadresse
sionen, Abfallaufkommen Die DVD ist beim Landesmedienzentrum Baden-Württem-
oder zum Energieverbrauch für eine nachhaltige berg http://www.lmz-bw.de zum Preis von 10,- € (zzgl.
2,70 € Versandkosten) erhältlich. Online-Shop Landes-
Entwicklung messbar und kontrollierbar zu machen. medienzentrum:
Die Beschaffenheit wichtiger Umweltindikatoren und http://www2.lmz-bw.de/home/medienshop.php?
-systeme und ihre Anwendung in der Praxis standen
im Mittelpunkt der 35. Hohenheimer Umwelttagung, Interessantes und Wissenswertes bietet demnächst die
welche die Akademie für Natur- und Umweltschutz Internetseite www.natursport-bw.de
Baden-Württemberg zusammen mit der Universität
Hohenheim veranstaltete. Weitere Informationen
Fachbeiträge und Ergebnisse sind jetzt in Band 39 DAV-Landesverband Baden-Württemberg des DAV
der Beiträge der Akademie für Natur- und Umwelt- – Bergsport- und Kletterverband e.V., Rotebühlstr. 59a,
70178 Stuttgart, Heiko Wiening, Naturschutzreferat,
schutz mit dem Titel „Umweltindikatoren – Mythos Tel.: 07 11 / 62 70 05, e-mail: heiko_wiening@alpenverein-
oder Wirklichkeit“ veröffentlicht worden. bw.de; www.alpenverein-bw.de

Reinhard Böcker & Claus-Peter Hutter (Hrsg., 2005): Fachdienst Naturschutz


„Umweltindikatoren – Mythos oder Wirklichkeit? Was wis-
sen wir wirklich über unsere Umwelt?“ Mit Beiträgen von
namhaften Experten aus Wissenschaft und Administrati-
on. Beiträge der Akademie für Natur- und Umweltschutz
Baden-Württemberg, Band 39, 110 Seiten, 16,- € (im
Buchhandel erhältlich), Wissenschaftliche Verlagsgesell-
schaft mbH Stuttgart. ISBN 3-8047-2231-8

Naturschutz-Info 3/2005 Fachdienst Naturschutz 71


Literatur

Landschaftselemente aus Menschen-


hand
Biotope und Strukturen als Ergebnis extensiver
Nutzung

Unser Umgang mit der


Landschaft wandelt sich,
und zwar sowohl räumlich
wie zeitlich. Das Spektrum
reicht von intensiver Aus-
beutung durch großflächige
Monokulturen bis zur Wild-
nis ohne jeden menschli-
chen Einfluss.

Zwischen diesen beiden


Extremen stehen „Land-
schaftselemente aus Men-
schenhand“: Hecken und Streuobst, Heiden und
Magerrasen, Streuwiesen und Feuchtflächen, Hohl-
wege und Feldgehölze. Extensive Nutzungsformen
ließen diese Landschaftselemente entstehen, doch
ein gemäßigter anthropogener Einfluss ist für ihre
Erhaltung unabdingbar.
Folgende Fragen will Johannes Müller in dem vorlie-
genden allgemein verständlich geschriebenen Sach-
buch beantworten:
• Unter welchen Umständen sind diese vielfälti-
gen Landschaftselemente entstanden?
• Wie weit reicht ihre Geschichte zurück?
• Welche natürlichen Prozesse waren daran be-
teiligt?
• Wie haben sich die prägenden Nutzungsfor-
men über die Jahrhunderte verändert?
• Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für
den Natur- und Landschaftsschutz von heute?
• Welche Rolle spielen Lage, Standort, Häufigkeit
und Zusammensetzung der extensiv genutzten
Landschaftselemente für unsere derzeitige Kul-
turlandschaft?

Er veranschaulicht dies mit Hilfe von aussagekräf-


tigen und ästhetisch ansprechenden Fotos, Graphi-
ken und Tabellen. Zahlreiche thematische Exkurse
erweitern das Blickfeld.

Bezugesadresse
ELSEVIER Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg.
272 Seiten, 50,- €, im Buchhandel erhältlich;
www.elsevier.de. ISBN 3-8274-1554-3

Fachdienst Naturschutz

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