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Freitag fleischfrei? Unter diesem Titel läuft bereits seit einiger Zeit eine Aktion verschiedenster
Freitag fleischfrei?
Unter diesem Titel läuft bereits seit einiger Zeit eine Aktion
verschiedenster Trägerorganisationen, die uns zu einer be-
wussteren, gesünderen und nachhaltigeren Ernährungsweise
führen soll. Der Titel dieser Kampagne orientiert sich am alten
Brauch der katholischen Kirche an den Freitagen, besonders in
der österlichen Bußzeit (Fastenzeit), auf Fleischspeisen zu ver-
zichten. Einige der Trägerorganisationen von „Freitag fleisch-
frei“ sind ansonsten nicht gerade Verfechter kirchlicher Tradi
tionen und Bräuche. Diese Tatsache und die Beobachtung,
dass Fastenkurse auch in Südtirol durchaus in Mode sind, zei-
gen, dass das Thema Verzicht und Fasten heute viele Menschen
auch außerhalb des kirchlichen Raumes anspricht. In diesem
Zusammenhang tut es gut, einmal auf den ursprünglichen Sinn
des Fastens zu schauen.
Viele Religionen und Kulturen kennen Fastenzeiten und –tage,
denken wir nur an den moslemischen Ramadan oder das jü-
dische Jom Kippur. Diese Tage und Zeiten sind ein wichtiger
Bestandteil religiösen Lebens. Besonders die uns bekannte
christliche Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern fällt dazu ein.
Doch ist das Fasten nur ein Bestandteil dieser österlichen Vor-
bereitungszeit. Neben dem Verzicht spielen das Gebet und die
Sorge für den Nächsten in Not (Almosen) die Hauptrollen. Die
Fastenzeit ist keine „Diätzeit“, die uns von überflüssigen Pfun-
den befreien soll, damit wir „besser drauf“ sind. Denn dann
sollte man sie wohl besser „Egoistenzeit“ nennen, weil ich mich
auf diese Weise nur um mich selbst und mein Wohlbefinden
kümmern würde.
Der Inhalt der österlichen Bußzeit ist das genaue Gegenteil
von Egoismus. Durch den Verzicht soll ich auf das Wesentliche
des Lebens hingewiesen werden, nämlich auf die Zuwendung
zu Gott und zu meinem Nächsten. Das Fasten soll mich öffnen
für die Begegnung mit Gott und mit meinen Mitmenschen. In
diesem Sinn ist Fasten niemals Selbstzweck, sondern immer ein
„Mittel zum Zweck“.
Auch die eingangs erwähnte Initiative möchte uns öffnen für
die Bedürfnisse unserer Mitmenschen, besonders auf der Süd-
halbkugel der Welt, die unter unseren Ernährungsgewohnheiten
leiden. Auch für die Schöpfung Gottes, für die Tier- und Pflan-
zenwelt sollen wir sensibler werden. So ist „Freitag fleischfrei“
tatsächlich ein Fasten im eigentlichen Sinne.
Hinzuweisen bleibt nur darauf, dass menschliches Leben nicht
nur einen irdischen, sondern auch einen überirdischen, einen
göttlichen Aspekt hat. Dies nicht zu vergessen und die Got-
tesbeziehung zu intensivieren möchte ich allen Menschen nahe-
legen, die in den kommenden Wochen vor Ostern versuchen,
diese Zeit bewusst zu gestalten.
Auch das Bildungshaus beteiligt sich an der Aktion "Fleisch-
freier Freitag" und möchte damit auf die Folgen des Fleisch-
konsums für Umwelt, Tier und Mensch hinweisen. Zugleich soll
zu einem bewussteren und moderateren Fleischkonsum hinge-
führt werden.
Im Bildungshaus gibt es daher an den Seminartagen zumeist
ein vegetarisches Menü, bzw. geben wir unseren Gästen die
Möglichkeit, dieses an jedem Tag - nicht nur am Freitag - zu
wählen.
Weitere Informationen über Hintergrund
und Idee der Aktion finden Sie unter:
www.veggieday.it
Freitag fleischfrei?
Mag. Artur Schmitt CR
Geistlicher Rektor
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