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7. April 2011 DIE ZEIT No 15

Ganz schön alt

Wie uns die


SVP schadet Sie sind oft unzufrieden,
doch geht es vielen so gut
wie nie zuvor: Die Macht
der Alten in Deutschland
Dossier Seite 17–19

sc höne Sachen
10 0
Illustration: Roost & Hausheer für DIE ZEIT

Ein Topf, vier Stühle und


95 andere Dinge reichen zum
Die größte Partei der Schweiz gibt sich heimatliebend. Leben. Ein Designheft
Magazin Seite 14
Mit ihrer Politik der Verweigerung und Verachtung
aber gefährdet die SVP das Wohlergehen des Landes POLITIK SEITE 14–16
Der gute Schläger

Leid der FDP Am Ende reich Ein Leben im Glück: Besuch


bei Carlo Pedersoli, der im
Liberalismus steht zur Stunde eher für Habsucht Bei der Debatte über den Atomausstieg geht es jetzt darum, was er Kino Bud Spencer war
– und nicht für Generosität VON PETER SLOTERDIJK uns kostet. Aber was ist er uns wert? VON MARC BROST Feuilleton Seite 52

u den Lektionen des an politischen in den letzten Jahren. Noch nie war das liberale s ist die Stunde der Revisionisten. So wird getäuscht und getrickst, was das Zeug

Z E
Lehrstücken überreichen Frühjahrs Denken, vor allem in unserem Land, so weit Die Bilder der havarierten Atom- hält. Deutschland importiere jetzt Atomstrom
ZEIT ONLINE
2011 gehört die Einsicht, dass vom vornehmen Pol der menschlichen Möglich- meiler von Fukushima verschwinden aus den unsicheren Anlagen des Auslands, heißt Seit 50 Jahren blickt der
Banken und Parteien viel mehr Ge- keiten entfernt. Noch nie hat man die Freiheit so allmählich von den Titelseiten, die es. Das stimmt zwar, war aber schon immer so. Mensch aus dem All auf die
meinsamkeiten aufweisen, als man eng und so fatal mit der Besessenheit der Men- Aufmerksamkeit der Medien nimmt Zum vollständigen Bild gehört eben auch, dass Erde: Eine historische Galerie
ihnen üblicherweise zugesteht. Wie schen von dem Gier-Stress in Verbindung ge- ab. Damit ist die Gelegenheit güns- wir gleichzeitig Strom aus den heimischen Kraft-
man Bankhäuser als Kapitalsammelstellen de- bracht. Aber was beweist das? Nichts anderes, als tig, Zweifel zu säen. Die Kernenergie sei eben doch werken und Windparks ausführen – in die Weitere Informationen im Internet:
www.zeit.de/weltraum-bilder
finiert, aus deren Fundus die Unternehmen sich dass die Sache der Liberalität zu wichtig ist, als unverzichtbar, heißt es nun wieder, und die Atom- Schweiz, in die Niederlande oder nach Polen.
nötige Mittel für neue Projekte besorgen, sollte dass man sie den Liberalen allein überlassen lobby führt dafür drei Gründe an: Geld, Moral Und selbst wenn die abgeschalteten Atommeiler
man Parteien als Kollektoren für die psycho- dürfte. Diese Einschränkung betrifft nicht nur und das Verhalten der anderen. Der Ausstieg nicht wieder ans Netz gehen: Die maximale Leis- PROMINENT IGNORIERT
politischen Kapitale begreifen, in denen die Po- eine einzelne Partei. Die Sache des Realen und koste zu viel. Atomstrom müsse dann importiert tungsfähigkeit unserer Kraftwerke wäre immer
pulationen moderner Nationalstaaten ihre Op- seiner Reform ist zu wichtig, als dass man sie Par- werden. Der deutsche Sonderweg sei verantwor- noch größer als der Bedarf.
tionen für die künftige Gemeinwesengestaltung teien überlassen könnte. So ist die Sorge um die tungslos und gefährlich. Am besten, man misst die Atomfans an ihren
deponieren: als Zornsammelstellen, als Furcht- kulturelle Tradition zu umfassend, als dass man Natürlich ist eine gewisse Portion Skepsis eigenen Zahlen und Prognosen. Als Schwarz-
sammelstellen, als Hoffnungssammelstellen. Ist sie bloß Konservativen anvertrauen dürfte. Die nicht schlecht. In der Außenpolitik etwa ist Gelb im vergangenen Herbst ein Gutachten zu
dies erst zugestanden, so versteht man, wie es eben Frage nach der Bewahrung der Umwelt ist zu Deutschland jahrzehntelang gut damit gefahren, den Folgen der Laufzeitverlängerung erstellen
nicht nur zum Phänomen des Bankenkrachs, bedeutsam, als dass man sie nur ins Ressort der dass man vorsichtig und zurückhaltend agierte, ließ, wurde nebenbei auch durchgerechnet, was
sondern auch des Parteienkrachs kommen kann: Grünen überweisen sollte. Die Suche nach so- dass nationale Alleingänge als falsch galten und beim vergleichsweise raschen Atomausstieg pas-
Letzterer tritt ein, wenn eine Partei allzu lange zialem Ausgleich ist zu anspruchsvoll, als dass man sich lieber einmal zu oft abstimmte, als an- sieren würde. Das Resultat: geringfügig steigende
die Pflege des psychopolitischen Eigenkapitals man Sozialdemokraten und Linken die alleinige dere zu verstimmen. Aber beim Ausstieg aus der Preise (weniger als ein Euro monatlich) und keine
Schokotraum
vernachlässigt und ihre Geschäfte nur noch mit Verantwortung dafür übertragen könnte. Doch Atomenergie? Beim Ausbau erneuerbarer Ener- nennenswerten Auswirkungen aufs Wachstum. Sofihya aus Namibia hat mit ihrer
Illusionspapieren betrieben hat. braucht jedes dieser elementaren Motive eine gien? Als die Regierung nach dem Atomunfall In der politischen Debatte blieben diese Zahlen Hautfarbe die Kunden einer ost-
parteiliche Hauptstimme. von Fukushima das vorläufige Aus für sieben unerwähnt, sie passten nicht zum Willen, die deutschen Bäckereikette gegen
Die Freien Demokraten haben ihr Was die Verteidigung der Freiheit angeht, so deutsche Meiler beschloss und Zehntausende Meiler länger am Netz zu lassen. Da aber nie- sich aufgebracht. So weit ist das
ideologisches Eigenkapital verspielt ist sie ein Projekt, das nicht ohne Partei und gegen die Kernenergie demonstrierten, war viel mand aus Industrie und Politik damals am Gut- nicht überraschend – doch die Be-
nicht ohne Parteilichkeit auskommt. Wer von von Hysterie die Rede, von German angst. Nun achten zweifelte: Warum sollte man es jetzt tun? gründung lässt aufhorchen: Ras-
Dies lässt sich zur Stunde an der Implosion der der Freiheit etwas erfahren hat, weiß, dass es wei- macht sich die Atomlobby diese Angst zunutze Reden wir lieber darüber, was uns der Atom- sistisch sei es, dass Sofihyas Bild
deutschen Liberalen beobachten. Ohne Zweifel terhin darum geht, die beiden primären Tyran- – und behauptet, der Ausstieg werde uns ins Ver- ausstieg wert sein sollte. Es wäre der Abschied für eine Schokotraum geheißene
haben die Freien Demokraten ihr ideologisches neien zurückzudrängen, die von alters her das derben stürzen. von einer Technologie, die niemals ganz be- Süßspeise warb. Nur kein Neid!
Eigenkapital im Rausch eines spekulativen Jahr- menschliche Dasein deformieren: diejenige, die herrschbar sein wird und deren Einsatz zu verhee- Lasst euch trösten: In Namibia
zehnts verspielt. Sie haben den psychopolitischen das Gesicht eines Despoten trägt, und die ano- Deutschland importiert Atomstrom? renden Katastrophen führen kann. Es wäre das könnte eine ostdeutsche Sahne-
Markt nicht mehr verstanden und sich in gefähr- nyme, die sich als jeweils herrschende Form des Das ist nur die halbe Wahrheit Ende von Kraftwerken, die nicht mal richtig ver- schnitte vielleicht auch groß raus-
liche Derivatgeschäfte mit den Enttäuschungen Notwendigen aufzwingen möchte. Wir müssen sichert sind, weil kein Versicherer dieses Risiko kommen. F. D.
der anderen gestürzt, ohne sich ernsthaft auf die uns mit der Tatsache zurechtfinden, dass uns die Dies ist die letzte Runde im Kampf um die Kern- übernehmen kann. Deswegen haftet am Ende Kleine Fotos v.o.n.u.: Image Source/mauritius;
Aufgabe einzulassen, die eignen Werte zeitgerecht Wirklichkeit stets als ein umfassendes Stress- kraft in Deutschland, und wie ernst es mit dem der Staat – und das sind die Bürger. Es wäre der Linus Bill; Bud Spencer in »Die rechte und die
zu aktualisieren. Zu spät hat die Geschäftsfüh- Konstrukt umgibt. Die bekennenden Realisten Ende wirklich ist, zeigt schon, dass alles auf eine Beginn eines gewaltigen Umbaus des Landes. linke Hand des Teufels«/Impress; Rietschel/
dapd; Andersen/StudioX (l.)
rung die Wende zu einem »mitfühlenden Libera- haben recht, wenn sie auf der Verpflichtung zum einzige Frage zuläuft: Überfordert uns die Ab- Interessant ist übrigens, dass im Augenblick
lismus« dekretiert, als die Partei selbst schon zu Wirklichkeitssinn bestehen. Die wahren Libera- kehr von der Atomenergie? Die Frage suggeriert, kein einziger Betrieb wegen des Atomausstiegs ZEIT ONLINE GmbH: www.zeit.de;
einem Objekt des Mitgefühls durch Dritte ge- len fügen den Möglichkeitssinn hinzu: Sie er- dass ein Land ohne Kernkraft seine Zukunft ver- mit Abwanderung droht. Es sind die Verbands- ZEIT-Stellenmarkt: www.jobs.zeit.de
worden war. Eine verblüffte Öffentlichkeit lernt innern uns daran, dass wir nicht wissen können, spielt; dass eine ganze Volkswirtschaft den An- funktionäre, die klagen. Die Unternehmer selbst Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG,
20079 Hamburg
nun, dass nicht nur überschuldete Banken unter was alles noch möglich wird, wenn Menschen schluss verliert; dass die Menschen stundenweise sind viel zu klug, um nicht zu wissen, dass der Telefon 040 / 32 80 - 0; E-Mail:
Rettungsschirme gestellt werden können. Auch Wege finden, sich aus den kollektiv verfertigten das Licht werden ausschalten müssen, weil Strom ökologische Umbau der Gesellschaft – grüne DieZeit@zeit.de, Leserbriefe@zeit.de
notleidende Parteien melden mit einem Mal ihr Zwangskonstruktionen zu lösen. Ebendarum ist unfassbar teuer sein wird; und dass die Betriebe Kraftwerke, Strom sparende Motoren, neue Erd-
Interesse an einem Bail-out-Verfahren durch das die aktuelle Welt so grenzenlos erstaunlich. Illibe- – und damit die Jobs – nach Osteuropa gehen, kabel – große Chancen bietet. Umbau ist ein Abonnement Österreich,
politische Gemeinwesen im Ganzen an. Vieles ralen Rückschlägen zum Trotz vollziehen sich in wo die Atommeiler groß und die Stromrech- Wort, das Unternehmer lieben. Es ist die Chiffre Schweiz, restliches Ausland
spricht dafür, dem Partner in der Krise die nöti- ihr, wie nie zuvor, unzählige Infiltrationen aus nungen klein sind. Es ist eine irritierende Frage, für: Arbeit. Wettbewerb. Gewinn. DIE ZEIT Leserservice,
gen Hilfen zu gewähren. Für den politischen Li- dem anderen Zustand, aus der Loslösung, aus weil sie die Debatte seltsam verengt. Schließlich Der Atomausstieg zwingt Deutschland in die 20080 Hamburg, Deutschland
Telefon: +49-1805-861 00 09
beralismus gilt die Maxime too important to fail, der Leichtigkeit des Seins – Infiltrationen, die in geht es nicht allein darum, was uns der Atom- Avantgarde der Zukunftstechnologie. Das kann Fax: +49-1805-25 29 08
selbst wenn es für too big to fail nicht reicht. Die die Strukturen des Bestehenden erhöhte Frei- ausstieg kosten könnte. Sondern darum, was er im Extremfall auch nach hinten losgehen, dann E-Mail: abo@zeit.de
Hilfe ist aber an Bedingungen geknüpft, die heitsgrade tragen. Wir verteidigen die Sache der uns wert sein sollte. nämlich, wenn die anderen Staaten Europas
künftig vom Klienten zu erfüllen sind. Freiheit, indem wir daran arbeiten, das Wort Li- Man müsste also die Perspektive wechseln, noch konsequenter auf Kernkraft setzen. Bislang
Sollte es je zu einer intellektuellen Regenera- beralismus, das leider zur Stunde eher für ein aber das ist gar nicht so einfach, wenn die Atom- aber hat deutsche Ingenieurskunst noch jedes
AUSGABE:
tion des politischen Liberalismus kommen, sie Leben auf der Galeere der Habsucht steht, wie- fans weiter Ängste schüren. Es ist das letzte Mit- Mal Nachahmer gefunden. Warum nicht dies-
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müsste von der Erkenntnis ausgehen, dass Men- der zu einem Synonym für Generosität zu ma- tel, das ihnen geblieben ist. Die vier großen Ener- mal auch?

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schen nicht nur habenwollende, giergetriebene, chen – und das Wort Liberalität zu einer Chiffre giekonzerne handeln dabei aus geschäftlichem Deutschland wagt Zukunft. Das birgt Risiken,
4 190745 104005

süchtige und brauchende Wesen sind, die freie für die Sympathie mit allem, was Menschen von Kalkül: Atomstrom lässt sich günstig erzeugen Garantien gibt es keine. Dennoch haben die Bür-
Bahn für ihre Mangelgefühle und ihren Macht- Despotien jeder Art emanzipiert. und teuer verkaufen. Jeder zusätzliche Meiler am ger ihre Entscheidung getroffen – trotz der Un-
hunger fordern. Sie tragen ebenso das Potenzial Der Autor ist Professor für Philosophie und Medien- Netz maximiert ihren Gewinn. Die Hardliner in wägbarkeiten des ökologischen Umbaus. German
zu gebenwollendem, großzügigem und souverä- theorie und Rektor an der Staatlichen Hochschule für den Regierungsfraktionen wiederum handeln aus angst? Nennen wir es besser German cleverness.
nem Verhalten in sich. Dieser Hinweis war nie so Gestaltung Karlsruhe. Zuletzt erschien von ihm »Die Überzeugung. Atomkraft war das letzte Allein-
wichtig wie gegenwärtig. Nie zuvor haben Be- nehmende Hand und die gebende Seite« (Suhrkamp) stellungsmerkmal der bürgerlichen Parteien. Und Siehe auch Politik Seite 6
griffe wie »liberal« oder gar »neoliberal« eine so man legt die eigene Überzeugung nicht einfach 6 6 . J A H RG A N G
niederträchtige Konnotation angenommen wie www.zeit.de/audio so ab wie ein altes Jackett. www.zeit.de/audio CH C 7 4 5 1 C
14 7. April 2011 DIE ZEIT No 15
SCHWEIZ

T I T E LG E S C H I C H T E

Es mag ungewöhnlich sein, wenn eine


Zeitung vor einer einzelnen Partei
warnt. Aber die Schweizerische Volks-
partei ist nicht irgendeine Partei. Sie
hat es seit 1992, seit der Abwendung
der Schweiz von Europa, mit einer
millionenteuren Strategie der Ist das lustig?
Diffamierung von Minderheiten Die Schweiz im Banne des
SVP-Kasperle-Theaters
geschafft, auf fast 30 Prozent der
Wählerstimmen zu kommen – ohne
je wirklich Verantwortung über-

Illustration: Roost & Hausheer für DIE ZEIT; Fotos: privat (l.), Martin Ruetschi/Keystone (r.)
nommen zu haben für die politischen
Konsequenzen ihres Tuns. Dieser
Erfolg hat die meisten anderen
Parteien und viele Medien derart
beeindruckt, dass sie Methoden und
Gedankengut der Partei kopiert –
und sich so in Geiselhaft der SVP
begeben haben. Der Mainstream,
gegen den die Partei angeblich
ankämpfen will, gehorcht ihr heute.
SVP-Themen und Figuren sind salon-
fähig geworden. Dank einer geölten
Propagandamaschinerie sowie der
Mut- und Ideenlosigkeit der
politischen Gegner. Interessant ist
auch, wie der Wähler die SVP zwar in
den Parlamenten stärkt, sie in den
Exekutiven aber häufig außen vor
lässt. Dies paralysiert die Politik. Was

In der Schuld Dankbares Opfer


von oben kommt, wird unten nieder-
gemacht. Über dringende Themen
wie die Europafrage, den Umbau des
Sozialstaates oder Reformen in der
Landwirtschaft lässt sich heute nicht Die SVP verweigert sich einer echten Europapolitik. Andere sollen sich mit Eigentlich interessiert sich die SVP gar nicht für die Schule.
mehr vertieft diskutieren. Das schadet Brüssel rumschlagen. Damit muss nun Schluss sein VON NICOLA FORSTER Genau deshalb kann sie in Bildungsfragen punkten VON HANS ZBINDEN
der Schweiz, wirtschaftlich wie sozial.
Wir haben deshalb Fachleute gebeten, ir leben in martialischen Zeiten. Zur geforderten Neuverhandlung der Personen- ie Volksschule war die institu- Einbettung und weitsichtige Ziele für eine
sich das Parteiprogramm der SVP an-
zuschauen und zu analysieren, was die
Folgen dieser Politik der Verantwor-
tungslosigkeit sind. So schreibt etwa
die Landwirtschaftsexpertin Claudia
W Diesen Eindruck erhielt, wer freizügigkeit ist zweierlei zu sagen: Erstens würden
Christoph Blocher an der letzten durch eine einseitige Kündigung des Abkommens
SVP-Delegiertenversammlung in die Bilateralen I automatisch guillotiniert. Was
Lugano zuhörte. Die Schlacht schon gewissen französischen Adligen denkbar
der alten Eidgenossen gegen die Habsburger am schlecht bekam, hätte für die Schweiz als wirt-
Morgarten schien dem Vizepräsidenten eine ge- schaftlich stark in der EU integriertes Land dra-
eignete Metapher für die Europapolitik unseres matische Folgen. Wettbewerbsfähigkeit, Wirt-
D tionalisierte Verkörperung des Schule der Zukunft fehlen. »Husch-husch
helvetischen Gemeinsinns. Was gleich Pfusch«, würde ein Primarlehrer am
dort gelernt oder vermittelt wur- Rand notieren, lieferte ihm sein Schüler eine
de, war allgemein akzeptiert. solch schludrige Arbeit ab.
Werte, Inhalte oder Lernziele: Darüber wurde Doch das SVP-Bildungsprogramm, getra-
kaum gestritten, es herrschte gutschweizerische gen von einem repressiven Zeitgeist und dem
Einigkeit. In den letzten Jahren allerdings geriet weitverbreiteten Reformverdruss, kann leider
Wirz über die Doppelzüngigkeit der Landes. Sein Appell für eine souveräne, unabhän- schaftswachstum und Beschäftigungslage würden die Volksschule unter Druck. Die große Inte- nicht unbeachtet bleiben. Obschon sein man-
SVP-Bauernpolitik (Seite 16). Wir gige Schweiz endete mit einem feurigen »Also arg in Mitleidenschaft gezogen. Zweitens wäre grationsmaschine, wo der Bankierssohn neben gelnder Realitätsbezug und die Wissenschafts-
wollen versuchen, Wege aus einer hütet euch und kämpft für die Schweiz!«. Bevor eine Neuverhandlung unrealistisch, da die EU nur der Mittelständler-Tochter und dem Einwan- feindlichkeit einen dazu verleiten würden. Zu
wir jedoch den Morgenstern zücken, wäre eine auf Basis des Gemeinschaftsrechts verhandelt. derermädchen vom Balkan das Einmaleins verlockend ist der Slogan »Mehr Drill, weniger
Situation zu zeigen, die manchen politische Lageanalyse empfehlenswert. Denn die Doch die SVP fordert die Ungleichbehandlung lernt, wurde zu einer politischen Kampfzone. Kuschelpädagogik« in einer Zeit, da immer
bereits ausweglos erscheint. SVP sieht sich zwar als Vorkämpferin in europapoli- von EU- und Schweizer Bürgern im Zugang zum Und jeder kann mitreden, schließlich haben wir mehr Menschen das Bildungswesen nur noch
tischen Fragen, doch Verantwortung hat sie bisher Arbeitsmarkt. Das verletzt einen zentralen Grund- alle einst die Schulbank gedrückt. als Lift für ihren persönlichen Aufstieg verste-
Zudem analysiert BDP-Nationalrätin noch nicht tragen müssen. Angenommen, das satz des Gemeinschaftsrechtes und könnte von Gleichzeitig werden in der hoch mobilen hen. Schulen sind heute wichtige Faktoren in
Brigitta M. Gadient, die 2008 aus der interne SVP-Konzept »Strategie 51 Prozent« der EU daher unmöglich akzeptiert werden. Au- Wettbewerbs- und Wissensgesellschaft den einem verschärften globalen Wettbewerb um
SVP ausgeschlossen wurde, weil sie könnte verwirklicht werden und die SVP würde ßerdem müssten alle 27 Mitgliedsstaaten dem re- Schulen und Lehrern immer mehr Aufgaben die Gunst hoch mobiler Firmen, Finanzinvesto-
von der Mehrheit des Schweizer Stimmvolkes ge- vidierten Abkommen zustimmen, was bei einem aufgebürdet. Vermitteln, Lehren, Anleiten al- ren und Steuerzahlenden.
der Parteilinie nicht mehr folgen wählt – was würde dies für die Europapolitik der für die EU ungünstigeren Verhandlungsergebnis lein genügen längst nicht mehr. Heute sind Doch auch ohne SVP-Programm sieht sich
mochte, die Entwicklung der Schweiz bedeuten? schlicht Wunschdenken ist. Lehrpersonen auch Kindererzieherinnen und unsere Volksschule heute mit den vielfältigsten
Nationalkonservativen, die ihr einst Erstaunlich wenig, und zwar sowohl aus innen- Die SVP weiß genau, dass ihre europapoliti- werden von der Elternschaft persönlich für den und widersprüchlichsten Partikularinteressen
als auch außenpolitischen Gründen. Die Suche schen Forderungen nicht realisiert werden. Sie Misserfolg ihrer Sprösslinge verantwortlich ge- einer pluralistischen Gesellschaft konfrontiert.
eine Heimat waren (Seite 15). nach klaren Positionen im SVP-Programm ist kann es sich deshalb leisten, Fundamentalopposi- macht. Die Folge ist eine große Verunsiche- Sie verliert dabei nach und nach ihr Wesen
Wir freuen uns über schwieriger als gedacht, denn konkrete Forderun- tion zu betreiben, und riskiert dabei nie, an den rung. Unter den Lehrern, den Behörden und als universelles, sinnstiftendes Gemeinschafts-
Zu- und Widerspruch unter gen sind im Dickicht der harten Anti-EU-Rheto- Resultaten ihrer Politik gemessen zu werden. Die den Eltern. werk. Ihre Bedeutung als kultureller Klebstoff
rik selten. Europapolitik dreht sich bei der SVP Partei schlägt politisches Kapital daraus, dass nicht Das realisierte am schnellsten, wie so oft, die schwindet. Daran droht die Schweizer Ge-
peer.teuwsen@zeit.de! hauptsächlich um die prinzipielle Ablehnung eines sie, sondern die anderen Parteien mit der EU zu SVP. Sie entdeckte die Bildungspolitik für sich. sellschaft zu zerfallen. Der SVP kommt das
EU-Beitritts. unbequemen Lösungen finden müssen. Dabei ist die Partei nach dem gleichen Schema gelegen, schließlich rekrutiert sie ihre Sym-
Nicht einmal Nationalrat und Darin liegt ihre größte Kraft: wie immer vorgegangen. Sie pathisanten genau unter diesen
Hobbyschriftsteller Oskar Freysin- Aus innenpolitischen Gründen mimte Verständnis bei den Ver- Modernisierungsverlierern.
ger scheint einen EU-Beitritt für wagen sich die Mitteparteien heu- ärgerten und Überforderten Also, was tun?
realistisch zu halten, wie er in ei- te nicht mehr an die konstruktive und ködert sie mit holzschnitt- Dass die SVP in der Bil-
nem kürzlich erschienenen Pam- Lösungssuche in außenpolitischen artig vereinfachten – also un- dungspolitik überhaupt Fuß
phlet schreibt: »Von der EU träumt Fragen. Die aufgebaute Droh- tauglichen – Lösungen. Davon fassen konnte, daran tragen wir,
außer Calmy und ihrer marxisti- kulisse erlangt so – insbesondere erhofft sie sich Wählerstimmen. die anderen Parteien und Bil-
schen Front niemand mehr.« in der Vorwahlphase – normati- Und sie bekommt sie auch. dungsexperten, Mitschuld. Der
Die totale Verweigerung kann ve Kraft: Die SVP erreicht ihr Denn eigentlich interessiert beschleunigte gesellschaftliche
jedoch in Zeiten großmehrheitli- Nicola Forster präsidiert Ziel eines EU-Denkverbots, ohne sich die SVP nicht für Bildungs- Der Pädagoge Hans Wandel und die Reformhektik
cher EU-Skepsis als europapoliti- den außenpolitischen selbst dafür Verantwortung tragen und Schulpolitik. So muss man Zbinden gilt als Vater führten zu großem Unmut, der
sche Position nicht genügen. Die Thinktank »foraus« zu müssen. ihre jahrzehntelange Abwesen- der Bildungsverfassung in vielen Führungsgremien un-
größte Schweizer Partei verabschie- Wie könnte die SVP also dazu heit in diesem Politikfeld deu- terschätzt wurde. Wir müssen
det sich so selbst aus der Diskus- gebracht werden, Verantwortung ten. Zukunftsfragen, erziehungs- uns an der eigenen Nase neh-
sion um die künftige Europapolitik. Sie stellt für ihre Europapolitik zu übernehmen? Da es un- wissenschaftliche Erkenntnisse, neue Lernmo- men. Ohne aber in eine Schockstarre zu verfal-
die Gretchenfrage zum EU-Beitritt über eine realistisch ist, dass Ulrich Schlüers Plan »Strategie delle oder erprobte Bildungspraktiken: Das alles len und sämtliche Reformen auszusetzen. Denn
sachpolitische Auseinandersetzung um konkrete 51 Prozent« in absehbarer Zeit aufgeht, bleiben lockte keinen SVP-Politiker hinter dem Ofen das Schweizer Bildungswesen ist reformfähig –
Handlungsoptionen. faktisch zwei Möglichkeiten: entweder die Beset- hervor. Entsprechend dünn ist ihre Personal- und war dies schon immer.
Aktive Forderungen erhebt die SVP momentan zung außenpolitisch bedeutsamer Stellen durch decke in Bildungsfragen. Sowohl seitens der Wir öffneten uns zwischen 1895 und 1933
auf zwei Baustellen der Europapolitik: Schengen/ profilierte Persönlichkeiten der SVP – wieso nicht Praktiker, in der Lehrerschaft, als auch in der den Ideen der Reformpädagogischen Bewe-
Dublin und das Abkommen zur Personenfreizü- Bundesrat Ueli Maurer ins Außendepartement Politik. Es geht um Stimmungsmache, nicht gung, die die Erziehung vom Kinde her dachte.
gigkeit. Das Postulat, Schengen/Dublin zu kündi- transferieren? Oder eine mutige Politik der ande- um Inhalte. Weshalb die SVP-Parteioberen ein In den Jugendunruhen der sechziger und sieb-
gen, hat im Zuge der Umwälzungen im arabischen ren Parteien, die der Bevölkerung europapolitische paar Bildungspraktikern den Auftrag gaben, in ziger Jahre entwickelten sich diese Ideen weiter
Raum an Brisanz gewonnen. Die Haltung der Möglichkeiten auch jenseits der Beitrittsdiskussion aller Eile die Schule von morgen auf dem Reiß- und hielten auch Einzug in Schweizer Schul-
Partei, das Dublin-Abkommen sei einerseits streng aufzeigt. Mit allen Vor- und Nachteilen der ver- brett zu entwerfen. stuben. Was die einen als »Kuschelpädagogik«
durchzusetzen und andererseits zu kündigen, ist schiedenen Optionen. Das ist wohl auch mit ein Grund, weshalb schimpfen, war in Tat und Wahrheit die Ab-
hingegen widersprüchlich. So wäre die SVP gezwungen, aus der ideo- der als Alternative zum Lehrplan 21 der Erzie- schaffung der militärischen Gepflogenheiten in
In Bezug auf Schengen mag eine eigenständige, logischen Deckung zu kommen und als Antwort hungsdirektoren-Konferenz gedachte SVP- den Klassenzimmern. Später stellte man die
verstärkte Grenzkontrolle in Zeiten der Angst vor ein eigenes Szenario für eine realistische Europa- Lehrplan so schmalspurig, weltfremd und alt- Pädagogik auf ein wissenschaftliches Fun-
Flüchtlingswellen verlockend scheinen. Die Kon- politik zu entwerfen. Sobald die SVP Verantwor- backen daherkommt. Zugespitzt formuliert, dament. Und seit den 1980er Jahren begann
sequenzen einer Kündigung von Schengen/Dublin tung für ihre Politik tragen muss, entzaubert sie fordert er von der Schule von morgen: Mehr die Schweizer Bildungspolitik ihre Fühler nach
wären dem SVP-Parteiprogramm jedoch eher ge- sich selbst und verliert einen großen Teil ihres Leistung, mehr Wettbewerb, mehr Autorität, Europa auszustrecken. Die Pisa-Studien und
genläufig: Die Anzahl irregulärer Migranten würde Drohpotenzials. mehr Lehrtalent, mehr Drill und mehr Praxis. die Bologna-Deklaration sind die bekanntesten
erheblich zunehmen, da Flüchtlinge, deren Gesuch Es würde der Schweiz guttun, wenn wir in Dafür weniger Wissenschaft, Professionalität, Resultate dieser Öffnung.
in der EU abgelehnt wurde, in der Schweiz noch der Europapolitik die Kampfzone Morgarten Expertise, Teamarbeit sowie Abwechslungen Ohne diese Studien hätten wir nie bemerkt,
ein zweites stellen könnten – die Schlagzeile »SVP hinter uns lassen könnten. Der Morgenstern beim Lehren und Lernen. dass unsere Kinder wieder besser rechnen ler-
fördert Asyl-Shopping« käme der Partei wohl we- eignet sich denkbar schlecht zur konstruktiven Es erstaunt denn auch nicht, dass diesem nen müssen. Aber auch an dieser Erkenntnis
nig gelegen. Lösungssuche. Schnellschuss eine gesellschaftlich-kulturelle hat die SVP nicht den geringsten Verdienst.
SCHWEIZ T I T E LG E S C H I C H T E : Wie uns die SVP schadet
7. April 2011 DIE ZEIT No 15 15

Zum Fliegen reicht


ein Flügel nicht
BDP-Fraktionspräsidentin BRIGITTA M. GADIENT glaubt nicht, dass die
kompromisslose Politik der SVP auf Dauer Erfolg haben wird

as die Schweiz heute ist und den Partei eines Rudolf Minger oder Friedrich

W wofür sie mancherorts auf Traugott Wahlen hin zu einer Partei statt, die formell
dieser Welt beneidet wird, ver- zwar noch in die Regierungsverantwortung einge-
dankt sie der konstruktiven bunden ist, inhaltlich aber aggressive Opposition
Zusammenarbeit aller maßgeb- betreibt. Von 1991 an hatte sich die Situation zu-
lichen Kräfte. Die direkte Demokratie in Ge- nächst parteiintern verschärft. 1992, nach der Ab-
meinden, Kantonen und Bund spiegelt ein Ver- stimmung über den Beitritt zum Europäischen
antwortungsgefühl jedes einzelnen Bürgers und Wirtschaftsraum EWR, wurde den als Befürwortern
jeder einzelnen Bürgerin gegenüber der staat- unterlegenen SVP-Vertretern aus Graubünden
lichen Gemeinschaft, wie es weltweit einzigartig geraten, die Fraktion zu wechseln. Der Bündner

Illustration: Roost & Hausheer für DIE ZEIT; Foto: Gaetan Bally/Keystone
ist. Es hat dem Land ein friedliches Zusammen- SVP-Nationalrat Simeon Bühler konstatierte schon
leben von Kulturen, Sprachgruppen und sozialen damals eine »Verhärtung des Blocher-Flügels zu
Schichten ermöglicht, auf das wir ohne Wenn einem kompromisslosen Block«. Christoph Blocher,
und Aber stolz sein dürfen. Genauso wie auf den damals Nationalrat und Anführer des »Zürcher
pragmatischen Erfindergeist, mit dem sich unser Flügels«, konterte mit Verachtung: Die EWR-Befür-
rohstoffarmes Land seinen hohen Wohlstand er- worter könnten nur ihre Niederlage nicht verkraf-
arbeitet hat. ten. Dahinter stecke die kleinliche Angst um die
Aber die Schweiz ist nicht »gemacht«. Sie muss eigene Karriere.
sich stets weiterentwickeln, um ein Erfolgsmodell Trotzdem empfahl sich die SVP im Wahlkampf
zu bleiben. Ideologische Recht- des Jahres 1995 noch mit einem
haberei und Verweigerung der Zu- Marienkäfer als Volkspartei, in der
sammenarbeit durch eine starke alle bürgerlichen Positionen Platz
politische Kraft gefährden diese haben sollten. Der eine Flügel des
Weiterentwicklung. Gewiss, das Glücksbringers stand ausdrücklich
politische System enthält mannig- für die liberaleren Kräfte, der ande-
fache Sicherungen gegen über- re für die konservativen. Inzwischen
mäßige Machtansprüche Einzelner. sieht die SVP das Glück – weder ihr
Wir haben ein Mehrparteiensystem eigenes noch jenes des Landes –
und ein über drei staatliche Ebenen Nationalrätin Brigitta M. nicht mehr in Meinungsvielfalt und Selbstgenügsamkeit
verwobenes Verhältnis- und Mehr- Gadient wurde 2008 aus Kompromiss. Die Kantonalpartei
heitswahlrecht mit direktdemokra- der SVP ausgeschlossen Graubünden, ein Gründungsmit- arbeit mit anderen Ländern sowie die Verweigerung Dass die SVP mit ihrer Haltung bei vielen bedeut- rat. Die Kantonalpartei Graubündens wurde aus-
tischen Kontrollen. Wir haben eine glied der SVP Schweiz, wurde aus- einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den an- samen Geschäften im Parlament durchfällt, scheint geschlossen, weil sie ihrerseits nicht bereit war, ihre
stabile, vielfältige Zivilgesellschaft geschlossen. Ein Flügel des Glücks- deren Regierungsparteien. sie wenig zu stören. Aber auch in der schweizerischen demokratisch gewählte Bundesrätin auszuschließen.
und eine unabhängige Justiz. Die Grundrechte sind bringers ist amputiert. Und der andere taugt allein In der Parteileitung vorgefasste Stellungnahmen Politik lebt der Staat von mehrheitsfähigen Lösungen. Die Folge ist bekannt: Die BDP wurde als neue Partei
garantiert. Wie sollte da eine politische Partei dem nur noch, um Wind zu machen. wurden in der Form absoluter Wahrheiten verkündet. Solche sind nicht über sture Opposition und blinde gegründet, und zahlreiche liberalere, offener und
Land schaden? Mit dem zunehmenden Einfluss des »Zürcher Abweichende Meinungen waren verpönt. Auf Ver- Verweigerung zu finden. Die SVP behauptet, als ein- differenzierter denkende Parteimitglieder traten aus
Und doch: Die Entwicklung der letzten Jahre Flügels« wuchsen die Spannungen. Die SVP sammlungen wurden Andersdenkende zuerst belächelt, zige Partei die Ängste in der Bevölkerung ernst zu der SVP aus.
bietet Anlass zu ernster Sorge. Die SVP spaltet mit pflegte einen Politikstil, der keine Rücksichten später auch ausgepfiffen und massiv verbal attackiert, nehmen, und verteidigt damit ihre Kompromissver- Mit ihrer Art zu politisieren, riskiert die SVP tra-
ihrer Strategie des Alles oder Nichts ohne Not das kannte; gipfelnd im Ausspruch des Parteichef- ohne dass die Parteileitung interveniert hätte. Dabei weigerung. Mit Extrempositionen lassen sich gezielt ditionelle und menschliche Grundwerte, die zur Basis
bürgerliche Lager. Dass immer mehr Schweizer strategen Christoph Blocher, dass es weniger An- ging es keineswegs um Extrempositionen – sondern Ängste schüren und Wählerstimmen mobilisieren, sie und zum Selbstverständnis unseres Landes gehören
Städte von rot-grünen Mehrheiten regiert werden, stand in der Politik brauche. Wer sich durch sol- um bürgerliche Anliegen, wie sie vom Bundesrat oder haben aber mit echter Sorge ums Land wenig zu tun. ebenso wie das Ansehen der Schweiz im Ausland.
ist zu einem guten Teil eine Reaktion auf den kom- che Äußerungen nicht abschrecken ließ, sah sich von anderen bürgerlichen Parteien auch vertreten Es ist reine Empörungsbewirtschaftung im Dienst des Nichtsdestotrotz werden sich auf Dauer die bewährten
promisslosen Kurs der SVP im Land. Wer nicht allerdings inhaltlich mit hinreichend provozie- wurden. Etwa um das Einbringen der Interessen der Politmarketings. Prinzipien der Willensnation Schweiz wie Ausgleich,
bereit ist, wirtschaftsfreundliche Lösungen sozial renden Thesen konfrontiert. 2002 wurde nach Rand- und Bergregionen, der Minderheiten, der so- Grenzen setzt sich die Partei kaum noch. Der Berechenbarkeit, Stabilität, Chancengerechtigkeit und
abzufedern, der findet dafür keine Mehrheiten und der UNO-Abstimmung der Partei-Austritt der zial Schwächeren oder schlicht um die Positionierung ehemalige Bundesrat Samuel Schmid, der sich in der Solidarität durchsetzen. Das demokratische System
schadet letztlich der Wirtschaft, anstatt ihr zu helfen. »Ja-Sager« gefordert. Danach folgten die Ver- im Sinne des eigenen Kantons. Die Vertreter der SVP- Regierung nicht an die Einheitsdoktrin hielt, wurde der Schweiz und die Mündigkeit ihrer Bürgerinnen
Das Gleiche gilt bei der Wahrung unserer Interessen schärfungen Schlag auf Schlag: Populistische Graubünden, also der in den strukturschwächeren, als »halber Bundesrat«, ja als »Blinddarm« der Partei und Bürger sind zu stark, als dass die erwähnten Strö-
und unseres Ansehens im Ausland. Aufmachung der Argumente, Verteufelung der kleinbäuerlichen, protestantischen Talschaften ent- verunglimpft. Die Missachtung demokratischer mungen dauerhaft anhalten können. Der Marienkäfer
Dies war nicht immer so. Erst in den letzten zwei politischen Gegner, grundsätzliche Abwehrhal- standenen Bündner Demokraten, standen besonders Grundrechte fand ihren Höhepunkt 2008 nach der kann mit einem Flügel zwar Wind machen, aber
Jahrzehnten fand der Wandel von der mitgestalten- tung gegen jegliche internationale Zusammen- oft im Fadenkreuz der Schweizerischen SVP. Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundes- lange fliegen kann er nicht!

CH

Können die rechnen?


Die Wirtschaftspolitik der SVP gefährdet unseren Wohlstand.
Das zeigt etwa ihre »Familieninitiative« VON GEBHARD KIRCHGÄSSNER
ie SVP hat eine sogenannte »Familien- Kapitaleinkommen offensichtlich einen breiten

D initiative« lanciert, die nichts anderes be-


absichtigt, als ihr traditionelles, noch aus
dem 19. Jahrhundert stammendes Familienbild
bürgerlichen Konsens gibt, dass Doppelbesteue-
rungen vermieden werden sollten, stellen be-
stimmte bürgerliche Kräfte beim Arbeitseinkom-
zu zementieren. Danach hat die Frau, solange men auf stur.
kleine Kinder im Haushalt sind, zu Hause zu Wir sind heute in der Schweiz in einer Situa-
bleiben und die Kinder großzuziehen, während tion, die meine Kollegin Monika Bütler wie
der Mann als Alleinverdiener für das Familienein- folgt beschrieben hat: »Arbeiten lohnt sich nicht
kommen zuständig ist und deshalb seinem Beruf – ein zweites Kind noch weniger.« Unter realis-
nachgehen soll. Dieses Familienbild diskriminiert tischen Bedingungen werden viele Mütter heu-
die Frauen, da es ihre beruflichen Karrierechan- te, wenn sie ihre Berufstätigkeit ausdehnen
cen gegenüber den Männern massiv reduziert. würden, nicht nur nicht belohnt, sondern be-
Gut ausgebildete Frauen lassen sich aber in zu- straft. Denn real sinkt ihr Familieneinkommen.
nehmendem Maße nicht mehr in dieses Schema Unter diesen Umständen ist es wenig verwun-
pressen und sind immer weniger bereit, Kinder zu derlich, dass zum einen die Geburtenrate der
gebären – was inzwischen dazu geführt hat, dass Schweizerinnen im internationalen Vergleich
40 Prozent aller gut ausgebildeten Frauen in der extrem niedrig ist und dass zweitens viele Müt-
Schweiz kinderlos sind. ter mit Kindern nicht oder nur mit sehr gerin-
Nun kann man den Müttern die Schwanger- gen Pensen berufstätig sind.
schaft und alles, was damit zusammenhängt, Dies ist jedoch nicht nur eine Frage der Ge-
trivialerweise nicht abnehmen. Man kann aber
Bedingungen schaffen, die es ihnen ermöglichen,
die Berufstätigkeit nur kurz zu unterbrechen
rechtigkeit, sondern auch eine Frage der Öko-
nomie. Die niedrige Geburtenrate verschärft den
Alterungsprozess unserer Gesellschaft. Wenn wir
Lifestyle-Architektur mit Gesundheitspass!
und damit ihre Karrierechancen intakt zu hal- weder die Beiträge für die Altersvorsorge deutlich Den Architekten dieses besonderen Holzhauses gelang es, können so unter freiem Himmel auf der überdachten
ten. Dies ist ein Gebot der Gleichstellung von erhöhen noch die Renten insbesondere der AHV unter Einbeziehung traditioneller alpenländische Archi- Terrasse genossen werden. Sich Wohlfühlen wird in
massiv kürzen wollen, sind wir darauf angewie- tektur ein filigran wirkendes, modernes Schweizer Traum- diesem Hause zu einem sinnlichen Erlebnis. Denn die
Mann und Frau, wie es unsere Verfassung for-
haus zu »komponieren«. Viele Raffinessen zeichnen dieses baubiologisch vorbildliche Bauweise mit schadstoff-
dert. Und es ist schlicht und ergreifend eine sen, dass die Frauen verstärkt erwerbstätig sind –
attraktive Biodesignhaus »Marke Baufritz« aus. Intelligent geprüften Naturbaustoffen und einer patentierten Bio-
Frage der Gerechtigkeit. und zwar nicht nur in geringem Umfang. Dies gesetzte Rücksprünge geben der Fassade einen spannungs- dämmung aus Holzspänen sorgt für ein ausgezeich-
Dazu gehört zum einen eine ausgebaute Kin- gilt auch dann, wenn wir, was sowieso unumgäng- vollen Verlauf. Es entstehen Nischen und gemütliche netes Gesundheitsklima. Dies belegt der einzigartige
derbetreuung zu erschwinglichen Kosten. Genau lich sein wird, das reguläre Pensionsalter erhöhen. Plätze unter dem schützenden Balkonen und dem weit Baufritz-Gesundheitspass für jedes individuell geplan-
das aber will die SVP nicht – und polemisiert Hinzu kommt, dass es auch eine Verschwendung herausgezogenen Dach. Dieses sorgt auch für optimalen te Gebäude.
gegen angebliche »Staatskinder«. Zweitens gehört unserer Steuergelder bedeutet, wenn wir an den Sonnen-, Regen- und Fassadenschutz. Die variablen Lam- Auch die Energiewerte sind vorbildlich – denn ein
dazu, dass Kinderbetreuungskosten in realisti- Universitäten in zunehmendem Maße Frauen mellen-Schiebeelemente bieten den großzügigen Glas- speziell entwickeltes »Minergiezertifiziertes« Wandsys-
scher Höhe steuerlich absetzbar sind. Es geht hier gut ausbilden, ihnen dann aber im Moment des flächen besten Sicht-, und Sonnenschutz. tem mit integrierter Elektrosmog-Schutzebene sorgt
nicht um eine Subventionierung von Familien, Mutterwerdens verwehren, ihre erworbenen So großzügig und offen wie der Baukörper von au- nicht nur für besten Wärmeschutz und geringste Ener-
Bestellen sie die kostenlose ArchitekturBroschüre
sondern um den Abbau einer Doppelbesteue- Qualifikationen ins Berufsleben einzubringen. ßen wirkt, ist auch der Grundriss. Dazu ist er aber auch giekosten, sondern schützt die Hausbewohner auch
des unternehmens!
rung. Das Einkommen, welches etwa eine berufs- Somit gebietet der ökonomische Sachver- funktional und wohnlich. Im Erdgeschoss genießt man wirkungsvoll bis zu 99,9 % vor gesundheitsbelastender
ein repräsentatives, kommunikatives und variables Elektrosmog-Strahlung. Zudem beträgt der Heizener-
Baufritz AG, Steghalten 6, 3633 Amsoldingen/Thun
tätige Mutter erzielt, wird zum ersten Mal bei ihr stand, vom traditionellen Familienbild Abstand Tel. 033/341 10 00, info@baufritz-dz.ch
Raumgefühl mit Koch-, Ess- und Wohnbereich. Den giebedarf lediglich 28 kWh je qm Wohnfläche in einem
selbst besteuert. Muss sie, um berufstätig sein zu zu nehmen und den Frauen auch dann, wenn sie www.baufritz-dz.ch
Mittelpunkt bildet ein Kaminofen, an zwei Seiten ge- Jahr. Das bedeutet höchste Energie- und Klimaschutz-
können, externe Betreuung in Anspruch nehmen, Kinder haben wollen, gleiche Chancen im Be-
öffnet, mit wärmender Relaxliege, der das gesamte qualitäten!
kann sie die Kosten dafür nicht oder nur in gerin- rufsleben einzuräumen. Erdgeschoss mit knisternder Wärme versorgt. Glas- Dieses, von den kreativen Baufritz-Architekten ent-
gem Ausmaß als Gestehungskosten steuerlich Die skandinavischen Länder zeigen, dass dies schiebetüren bieten direkten Zugang auf die umlau- worfene Gesundheitshaus erfüllt durch seine Natur-
geltend machen – obwohl der Staat dieses Ein- möglich ist. fenden, überdachten Terrassen, sodass eine wunder- bauweise schon heute höchste Anforderungen an
kommen bei den Erzieherinnen oder Kinder- bare Nähe zur Natur entsteht. Frühstück oder Dinner nachhaltiges und zukunftsfähiges Bauen der Zukunft.
mädchen, deren Einkommen daraus bezahlt Der Autor ist Professor für Volkswirtschaftslehre
wird, ein zweites Mal besteuert. Während es bei an der Universität St. Gallen
16 7. April 2011 DIE ZEIT No 15
T I T E LG E S C H I C H T E : Wie uns die SVP schadet SCHWEIZ
s ist zwar eine Weile her, aber es bleibt tingente wieder einführen – und verbucht dabei

E unvergesslich. Da richtete Christoph


Blocher in einer Rede auf dem Albis-
güetli das Wort an die »Sozialisten in
allen Parteien« und hielt ein flam-
mendes Plädoyer für die Freiheit und die liberale
Marktordnung. »Freiheit statt Sozialismus –
Marktwirtschaft statt Planwirtschaft«, lautete
erstaunliche Erfolge. Die Milchkontingentierung
ist nichts anderes als eine von einer zentralen Stelle
gesteuerte Produktion und damit ein Musterbeispiel
für Planwirtschaft. Sie schaltet unter den Produzen-
ten jeden Wettbewerb aus und erlaubt es – kom-
biniert mit der Marktabschottung –, den Milchpreis
künstlich hochzuhalten. In einer Stunde der agrar-
seine Botschaft, die er der Nation diktierte. politischen Vernunft hat das Schweizer Parlament
Während die SVP also anderen Parteien Lehr- dieses Relikt aus den siebziger Jahren abgeschafft.
stunden in Liberalismus erteilt, nimmt man es Und nun will ausgerechnet jene Partei, die sich
mit den eigenen Getreuen nicht so genau. Würde selbst als einzige Heimat der »Liberal-Konservati-
Blocher es wirklich ernst meinen mit seinem ven« sieht, die alte Staatswirtschaft in neuem Ge-
Kampf für die liberale Sache, hätte er in den ei- wande aufleben lassen. Bei Aebis Vorstoß handelt
genen Reihen genug zu tun für die nächsten es sich bereits um den zweiten Versuch, die Milch-
Jahrzehnte. Denn geht es um die Landwirtschaft, kontingente wieder einzuführen. Der erste, an-
ist die SVP geradezu eine Musterschülerin des getrieben von SVP-Nationalrat Josef Kunz (Luzern),
Antiliberalismus. Keine andere Partei fordert und scheiterte knapp. Im SVP-Jargon würde man das
fördert die Planwirtschaft in dieser Branche der- »Zwängerei« nennen.
art hartnäckig wie die ehemalige Bürger- und Auch lieb gewonnene Subventionen will man
Bauernpartei. Als Juniorpartnerinnen hat sie al- in der SVP nicht der liberalen Sache opfern. So
lenfalls die CVP und die BDP im Schlepptau; unterstützt die Volkspartei (zusammen mit der
schließlich gilt es, die bäuerliche Wählerschaft CVP) das Vorhaben, den Viehexport wieder zu för-
Illustration: Roost & Hausheer für DIE ZEIT; Foto, u.: privat

gnädig zu stimmen, zumal in einem Wahljahr. dern. Das Vorhaben geht zurück auf einen Vorstoß
Unentwegt stemmt sich die SVP gegen alle von SVP-Nationalrat Elmar Bigger (St. Gallen).
Reformen, welche die Welt der Bauern liberali- Diese Exportbeiträge erlauben es den Bauern und
sieren sollen. Blickt man auf die Zusammenset- Händlern, für ihr Schweizer Vieh dank Geldern aus
zung der gegenwärtigen SVP-Fraktion im Bun- dem Steuertopf einen höheren Preis zu erzielen, als
deshaus, so ist das nicht erstaunlich. Von den 68 die Exportmärkte hergeben. Das Parlament hatte
Mitgliedern der Fraktion bezeichnen sich von im Jahr 2007 diese Subventionen abgeschafft. Weil
Andreas Aebi (Bern) bis Hansjörg Walter (Thur- sie marktverzerrend und ineffizient sind und Märk-
gau) immerhin 14 als Landwirte oder Agrono- te in anderen, vor allem ärmeren, Ländern schädigen
men. Die SVP stellt mit Walter den Präsidenten können. Deshalb ist die Aufhebung solcher Instru-
des Schweizerischen Bauernverbands (SBV), und mente im Rahmen der Doha-Runde der WTO
auch der Vizedirektor des Bauernverbands besitzt beschlossene Sache.
das Parteibuch der Volkspartei. Das lässt die SVP jedoch unbeeindruckt. Und
Doch damit nicht genug. In der SVP-Frak- zu alledem sollen für die Finanzierung dieser
Hauptsache, es stinkt: tion sitzt auch eine ganze Reihe »mentaler« Bau- Beiträge auch noch die Direktzahlungen herhal-
ern, die sich offiziell nicht selbst Landwirte nen- ten. Die Direktzahlungen notabene, die gemäß

Der Bauer ist König


SVP-Jauchewagen im
Schweizer Parlament nen, aber politisieren, als seien sie welche. Zum Verfassung den Bauern für die Abgeltung von ge-
Beispiel der Jurist und Fürsprecher Rudolf Joder meinwirtschaftlichen Leistungen ausbezahlt wer-
(Bern), groß geworden auf einem Landwirt- den. Was an Exportsubventionen gemeinwirt-
schaftsbetrieb. An vorderster Front kämpft er schaftlich sein soll, ist schleierhaft.
gegen den Freihandel im Agrarbereich mit der Am Widerspruch zwischen Parteiideologie
Sie predigt den freien Markt. Aber die Landwirtschaftspolitik der SVP ist das genaue EU. Im vergangenen Dezember hat er im Na- und -politik scheint sich in der SVP keiner wirk-
Gegenteil: Reiner Sozialismus VON CLAUDIA WIRZ tionalrat damit einen Erfolg verbucht. Eine lich zu reiben. Oder etwa doch? Schon im Jahr
Mehrheit folgte seiner parlamentarischen Initia- 1999 beklagte sich Nationalrat Toni Bortoluzzi
tive, die praktisch auf einen Abbruch der Ver- (Zürich), seines Zeichens Schreinereiinhaber, in
handlungen mit der EU hinzielt. Kein Freihandel der NZZ über die Bauern, die immer mehr zu
indes hieße: kein Wettbewerb, oder nur sehr be- Sozialisten würden – aber wer sonst als die SVP
CH schränkter, Reformstau, eine eingeschränkte Pro- ist die Bauernpartei im Land? Und vor Kurzem
duktepalette und überhöhte Preise zulasten der hat auch Christoph Mörgeli (Zürich) die agrar-
Schweizer Konsumenten. Kurz: Planwirtschaft. politischen Widersprüche seiner Partei themati-

DER NEUE LEXUS CT 200h. Mehr noch, Joder denkt sogar daran, dem Bun-
desrat die Landwirtschaftspolitik zu entziehen
und dem Parlament zu übertragen, wo die Bau-
ern im Vergleich zur Bevölkerung stark überver-
siert. Doch mehr als Rhetorik ist das nicht. Bor-
toluzzi wie Mörgeli haben die einschlägigen Vor-
stöße ihrer bäuerlichen Fraktionskollegen brav
mitunterzeichnet. Die SVP, so muss man kon-
VOLLHYBRIDTECHNOLOGIE IN REINKULTUR. treten sind.
Die SVP wäre nicht die SVP, wenn sie nur gegen
laufende und neue Reformen wäre; sie will auch
statieren, will zumindest in der Landwirtschaft
den Sozialismus noch lange nicht überwinden.

längst beschlossene wieder rückgängig machen. So Die Autorin ist Journalistin und schreibt seit vielen
will Andreas Aebi mit einer Motion die Milchkon- Jahren über die Schweizer Landwirtschaft

Unsoziales Idyll
Der Sozialstaat ist für die SVP bloß ein notwendiges Übel. Sie verhindert mit
ihren Missbrauchskampagnen längst überfällige Reformen VON WALTER SCHMID

ft tragen wir längst überkommene gefälle gibt und die Frage nach sozialer Gerech-

O Vorstellungen mit uns herum. Seien tigkeit wenig Raum hat. Damit nimmt sie eine
es Bilder der Familie, der Armut oder Eigenheit der Schweizer auf, die Diskretion
der Arbeitswelt. Dabei besteht die schätzen, wenn es um Geld geht. Soziale Un-
Tendenz zur Idealisierung des Vergangenen. Ge- gleichheiten waren und sind in diesem Land sel-
nau hier setzt die Sozialpolitik der SVP an. Poli- ten ein Thema.
tisch bewirtschaftet sie eine rückwärtsgewandte, Wegleitend für die Sozialpolitik der SVP ist
nostalgische Vision der Schweiz. Dazu gehört das die Weigerung, den Sozialstaat auszubauen oder
Bild der traditionellen Familie. Die bildet zwar umzubauen. Wo immer möglich, werden Steu-
nach wie vor einen Pfeiler der Gesellschaft, aber ern gesenkt, Leistungen abgebaut und Beitrags-
ist längst nicht mehr die alleinige Lebensform. erhöhungen an Sozialversicherungen bekämpft.
Wo die Familie funktioniert, braucht es nach Dies erschwert es der Schweiz, ihre sozialpoliti-
Auffassung der SVP den Sozialstaat nicht. Ent- schen Instrumente den veränderten gesellschaft-
sprechend wehrt sie sich gegen Kindertagesstät- lichen Bedingungen anzupassen. Im Verbund
ten, Betreuungsangebote für Familien und Früh- mit der Linken hat die SVP schon manche Vor-
erziehung. Sie betrachtet die wachsende Zahl von lage aus ideologischen Gründen versenkt, was zu
Scheidung, Alleinerziehenden und Patchwork- einem Reformstau führt. Letztmals traf es eine
familien als gesellschaftliche Fehlentwicklungen, Gesetzesnovelle zur Altersvorsorge.
2,9% PREMIUM-
LEASING* für deren Folgen der Staat keine Mitverantwor-
tung trägt.
Der Spagat zwischen Volksnähe und Kapital-
freundlichkeit gelingt der wählerstärksten Partei,
Gegen Ganztagesschulen – in den meisten indem sie soziale Probleme individualisiert und
Ländern eine Selbstverständlich- mit einer guten Portion Moralin
OB MEHR ODER WENIGER: DER BESTE PREMIUM-KOMPAKTE. keit – wehrt sich die SVP, weil versieht. Die längst überkommen
sich »ihre« Familie immer noch geglaubte Unterscheidung zwi-
Mehr Leistung und Intelligenz dank Vollhybridtechnologie Weniger Verbrauch – bescheidene 3,8 l/100 km** am Mittagstisch trifft, den die schen »würdigen« und »unwür-
Mehr Energiee�zienz, nämlich die beste Kategorie: A Weniger CO 2 -Emissionen – tiefe 87 g/km** Mutter für den Ernährer und die digen« Armen lebt in ihrem Dis-
Mehr Serienausstattung als jeder andere in seiner Klasse Weniger Emissionen, im Stop-and-go-Verkehr sogar keine Kinderschar gedeckt hat. In der kurs wieder auf. Hilfe für die
Mehr Kraftentfaltung dank Lexus Hybrid Drive Weniger Servicekosten, damit weniger Kosten im Unterhalt SVP-Arbeitswelt ist die Zeit ste- Rechtschaffenen ja, Härte da-
Mehr Fahrvergnügen mit vier individuellen Fahrmodi Weniger Luftwiderstand dank tiefem Cw-Wert von 0,28 hen geblieben, die Realität sieht gegen für alle, die als Schmarot-
Mehr Sicherheit durch umfassendes Sicherheitskonzept Weniger Geräusche dank perfekter Schalldämmung längst anders aus. zer betrachtet werden. So stellt
Die SVP vermittelt auch in Walter Schmid präsidiert sich die Partei etwa hinter die
Mehr Hörgenuss dank exklusivem Soundsystem Weniger Ablenkung beim Fahren dank bester Ergonomie
der Arbeitswelt den Eindruck, die Schweizerische Altersvorsorge, wittert aber bei
Mehr Auto fürs Geld, schon ab Fr. 41 900.–* Weniger Wertverlust, denn es ist ein Lexus
jede Person im erwerbsfähigen Konferenz für Sozialhilfe Sozialversicherungen für Behin-
Alter finde eine Arbeit und derte oder Arbeitslose und ins-
Einsteigen. Probieren. Staunen. Ihr neuer CT 200h steht bei Ihrem Lexus Partner zur Probefahrt bereit. Mehr Infos unter: www.lexus.ch ein ausreichendes Einkommen, besondere bei Fürsorgeabhängi-
wenn sie nur guten Willens sei. Dass der Arbeits- gen Missbrauch und Missmanagement.
markt heute in der Schweiz längst nicht jeden Mit ihren Missbrauchskampagnen hat die
DIE WEITEREN VOLLHYBRIDMODELLE VON LEXUS, DEM EINZIGEN ANBIETER EINER KOMPLETTEN VOLLHYBRIDFLOTTE: brauchen kann, wird ausgeblendet. Eigenverant- Partei in den letzten Jahren maßgeblich dazu
wortung, Unabhängigkeit und Rechtschaffen- beigetragen, Invalide, Asylsuchende und Für-
heit stehen im Zentrum der sozialen SVP-Pro- sorgebezüger zu diskreditieren – und mit
grammatik. Der Sozialstaat ist so gesehen ein ihnen die entsprechenden sozialstaatlichen In-
notwendiges Übel. Strukturelle, gesellschaftliche stitutionen.
Ursachen für Armut und Ausgrenzung gibt es in Schließlich erlaubt es die Verknüpfung der
dieser Welt nicht. sozialen Fragen mit der Ausländerthematik der
Ihre idealisierenden Bilder der sozialen Partei, die Zugewanderten als Hauptursache der
Schweiz verbindet die SVP mit einem stramm sozialen Probleme darzustellen. Ob Arbeitslosig-
GS 450h Vollhybrid RX 450h Vollhybrid LS 600h Vollhybrid wirtschafts- und kapitalfreundlichen Kurs. Als keit, Wohnungsnot, überschuldete Sozialversi-
Partei, die von vielen kleinen Leuten gewählt, cherungen oder Missbräuche – immer sind die
* Premium-Leasing-Konditionen: gültig für Vertragsabschlüsse bis 30.04.2011 und Inverkehrsetzung bis 30.06.2011. Unverbindlicher Nettopreis CT 200h Fr. 41 900.–. Leasingrate monatlich Fr. 401.10 inkl. MwSt. Sonderzahlung 20 % vom Nettopreis.
48 Monate, 10 000 km/Jahr. E�. Jahreszins: 2,94 %. Kaution 5 % des Finanzierungsbetrags. Restwert gemäss Richtlinien der Multilease AG. Vollkasko obligatorisch. Eine Kreditvergabe ist verboten, falls diese zur Überschuldung des Konsumenten führt.
aber im Kern von großen Kapitalbesitzern ge- Ausländer schuld daran. Mit diesen undifferen-
** Kraftsto�verbrauch gemessen nach den Vorschriften der EG-Richtlinie 715/2007/EWG gesamt 3,8 l/100 km. Durchschnittswert CO 2 -Emission aller in der Schweiz angebotenen Fahrzeugmodelle: 188 g/km. Die Verbrauchsangaben in unseren
Verkaufsunterlagen sind europäische Kraftsto�-Normverbrauchsangaben, die zum Vergleich der Fahrzeuge dienen. In der Praxis können diese je nach Fahrstil, Zuladung, Topographie und Jahreszeit teilweise deutlich abweichen. Wir empfehlen ausserdem
lenkt und finanziert wird, gelingt ihr ein sozia- zierten Zuschreibungen lassen sich bekanntlich
den Eco-Drive-Fahrstil zur Schonung der Ressourcen.
les Sittengemälde, in dem es kein Reichtums- überall Wähler gewinnen, auch in der Schweiz.