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Kapitel 5: Kurvendiskussion

Inhalt

5.1 Grundlegende Funktionen

5.2 Nullstellen und Extrema

5.3 Funktionseigenschaften

5.4 Wende- und Sattelpunkte

5.5 Unbestimmtheitsstellen und Polstellen

5.6 Symmetrie

5.7 Grenzwerte & Stetigkeit I

5.8 Grenzwerte & Stetigkeit II

5.9 Regel von de L‘Hospital

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5.1 Grundlegende Funktionen
Charakteristische Eigenschaften von Funktionen

Funktionen weisen eine Vielzahl von charakteristischen


Eigenschaften auf, wie z.B.
I Nullstellen,
I Extrempunkte,
I Wendepunkte bzw. Sattelpunkte.
Im Rahmen einer Kurvendiskussion werden diese und andere
Eigenschaften wie Grenzwertverhalten, Mono- tonie, Stetigkeit,
Asymptoten untersucht.

Insbesondere wird dafür die Eigenschaft der Differenzierbarkeit


einer Funktion herangezogen. Untersuchungen zum Verhalten
von Ableitungen geben u.a. Aufschluss zur Monotonie oder
zum Krümmungsverhalten.

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5.1 Grundlegende Funktionen
Konstante Funktion
Eine konstante Funktion ist definiert als

f (x) = a,

wobei a ∈ R.

Für ihren Definitionsbereich gilt D = R.


Der Funktionsgraph einer konstanten Funktion verläuft parallel
zur Abszisse.

Beispiel: f (x) = 1

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5.1 Grundlegende Funktionen
Lineare Funktion

Eine lineare Funktion ist definiert durch

f (x) = ax + b,

wobei a, b ∈ R.

Für ihren Definitionsbereich gilt D = R.

Beispiel: f (x) = 2x + 1

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5.1 Grundlegende Funktionen
Quadratische Funktion

Die allgemeine quadratische Funktion ist definiert durch

f (x) = ax 2 + bx + c,

wobei a, b, c ∈ R. Für ihren Definitionsbereich gilt D = R.

Es wird dabei unterschieden: Beispiel:


I |a| = 1: Normalparabel f (x) = x 2 + 1
I a < 0: Nach unten geöffnete Parabel
I a > 0: Nach oben geöffnete Parabel
I |a| < 1: Gestauchte Parabel
I |a| > 1: Gestreckte Parabel

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5.1 Grundlegende Funktionen
Ganzrationale Funktionen: Polynome
Ganzrationale Funktion sind definiert als

f (x) = an x n + an−1 x n−1 + . . . + a1 x + a0


n
X
= ai x i ,
i=0

wobei n ∈ N, an 6= 0 und ai ∈ R für i = 1, . . . , n.

Für ihren Definitionsbereich gilt D = R.

Beispiel:
f (x) = x 3 + x 2 + x

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5.1 Grundlegende Funktionen
Gebrochen rationale Funktionen
Gebrochen rationale Funktionen besitzen die Darstellung
n
ai x i
P
i=0
f (x) = m
,
P
bi x i
i=0

wobei m, n ∈ N0 und ai , bi ∈ R. Es gilt D = R, wobei die


Nullstellen des Nennerpolynoms nicht definiert sind.

Beispiel:
2
f (x) = xx 2 +1
−4
, wobei
x 6= 2 und x 6= −2.

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5.1 Grundlegende Funktionen
Potenzfunktionen

Potenzfunktionen sind definiert mit

f (x) = x a ,

wobei a ∈ R.

Dabei gilt D = R.

Für
1
a=
n
mit n ∈ N ist die Potenzfunktion eine
Wurzelfunktion.

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5.1 Grundlegende Funktionen
Exponentialfunktionen

Exponentialfunktionen besitzen die


Darstellung

f (x) = ax ,
mit a > 0 und a 6= 1.

Für ihren Definitionsbereich gilt:

D=R

Für a = e gilt

f (x) = ex = exp(x).

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5.1 Grundlegende Funktionen
Logarithmusfunktion

Logarithmusfunktionen besitzen
die Darstellung

f (x) = loga x

mit a > 0 und a 6= 1.

Für ihren Definitionsbereich gilt:

D = (0, ∞)

Für a = e: f (x) = ln(x)


Für a = 10: f (x) = lg(x)

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5.1 Grundlegende Funktionen
Betragsfunktion

Die Betragsfunktion ist definiert als:

f (x) = |x|

Für ihren Definitionsbereich gilt D = R.

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5.1 Grundlegende Funktionen
Trigonometrische Funktionen
Trigonometrische Funktionen sind definiert als

f (x) = sin(ax) und f (x) = cos(ax)

mit a ∈ R.

Für ihren Definitionsbereich gilt D = R.

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5.2 Nullstellen und Extrema
Beispiel
Gegeben sei die Funktion
f (x) = −x 3 + 4x 2 − x − 6.
Gemäß Funktionsgraphen existieren drei Nullstellen in
x = −1, x = 2 und x = 3.
f(x) hat am linken (rechten) Funktionsrand den größten (kleinsten)
Funktionswert: globales Maximum (Minimum)
Auf [-2; 2] bzw. [2; 3] besitzt f(x) ein lokales Minimum bzw. Maximum.

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5.2 Nullstellen und Extrema
Nullstelle - Definition
Es sei x0 ein Element der Definitionsmenge der Funktion f . x0
heißt Nullstelle von f , wenn f (x0 ) = 0.
I Beispiel 1:

f (x) = 8x 3 − 2x = 2x · (4x 2 − 1)

f hat die Nullstellen N1 (− 21 , 0), N2 (0, 0), N3 ( 12 , 0).


I Beispiel 2:

f (x) = x 3 − 2x 2 = x 2 · (x − 2)

f hat die Nullstellen N1 (0, 0), N2 (2, 0), wobei N1 eine


doppelte Nullstelle ist.
In einer einfachen Nullstelle schneidet die Funktion die x-
Achse. Existieren identische Nullstellen, spricht man von mehr-
fachen Nullstellen. Hier berührt die Funktion die x-Achse.
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5.2 Nullstellen und Extrema
Extrema - Definition
Ein Extremum kann ein Maximum oder ein Minimum sein.
Man unterscheidet dabei zwischen einem globalen (absoluten)
und lokalen (relativen) Extremum, wobei
I f ein globales Maximum in a besitzt, falls für alle x ∈ D
f (a) ≥ f (x) gilt;

I f ein globales Minimum in a besitzt, falls für alle x ∈ D


f (a) ≤ f (x) gilt;

I f ein lokales Maximum in a besitzt, falls ein ε > 0 existiert,


sodass f (a) ≥ f (x) für alle x ∈ D , für die |x − a| < ε gilt;

I f ein lokales Minimum in a besitzt, falls ein ε > 0 existiert,


sodass f (a) ≤ f (x) für alle x ∈ D , für die |x − a| < ε gilt.

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5.2 Nullstellen und Extrema
Extrema - Notwendige und hinreichende Bedingung
Es sei die differenzierbare Funktion f : I → R, wobei I offene
Teilmenge der reellen Zahlen ist (es werden somit keine
Randpunkte betrachtet).
Notwendige Bedingung für ein Extremum:
Hat f an der Stelle x0 ∈ I ein lokales Extremum, dann ist
f 0 (x0 ) = 0.

Hinreichende Bedingung für ein Extremum:


Ist f zweifach differenzierbar und die notwendige Bedingung ist
erfüllt (f 0 (x0 ) = 0), dann ist x0 eine Extremstelle, wenn

f 00 (x0 ) 6= 0.
In x0 liegt ein
I lokales Maximum vor, falls f 00 (a) < 0;
I lokales Minimum vor, falls f 00 (a) > 0.

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5.2 Nullstellen und Extrema
Extrema - Graphisches Beispiel

I Lokale Maxima: c1 , c2 , b
I Lokale Minima: a (Randextremum), d1 , d2
I Lokales und globales Maximum: b (Randextremum)
I Lokales und globales Minimum: d1

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5.3 Funktionseigenschaften
Monotonie

Anhand der ersten Ableitung kann das Monotonieverhalten


einer differenzierbaren Funktion bestimmt werden.

Definition:
Es sei f eine differenzierbare Funktion f : I → R .
Die Funktion ist dann
I monoton steigend, falls f 0 (x) ≥ 0 für alle x ∈ I .
I monoton fallend, falls f 0 (x) ≤ 0 für alle x ∈ I .

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5.3 Funktionseigenschaften
Beschränktheit

Die Funktionseigenschaft „Beschränktheit“ analysiert den


Wertebereich einer Funktion.
Eine Funktion f : D → R mit D ⊆ R heißt
I nach unten beschränkt, falls ein s ∈ R mit s ≤ f (x) für alle
x ∈ D existiert.
I nach oben beschränkt, falls ein S ∈ R mit f (x) ≤ S für alle
x ∈ D existiert.
I nach oben und unten beschränkt, falls s ≤ f (x) ≤ S.
Ist eine Funktion nicht (nach oben/unten) beschränkt, dann
handelt es sich um eine unbeschränkte Funktion.
Weiterhin nennt man die kleinste obere Schranke einer Funk-
tion Supremum. Die größte untere Schranke heißt Infimum.

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5.3 Funktionseigenschaften
Krümmungsverhalten
Das Krümmungsverhalten einer Funktion wird mit Konkavität bzw.
Konvexität beschrieben:
I Eine konkave Funktion ist über ihren Funktionsverlauf
rechtsgekrümmt,
I eine konvexe Funktion dagegen linksgekrümmt.
Das Krümmungsverhalten einer differenzierbaren Funktion wird über
die zweite Ableitung bestimmt. f sei dazu zweimal auf dem Intervall I
differenzierbar und heißt
I konkav, falls f 00 (x) ≤ 0 für alle x ∈ I;
I konvex, falls f 00 (x) ≥ 0 für alle x ∈ I.
Weiterhin gilt:
I Ist f konkav auf ihrem Definitionsbereich und f (a) ein lokales
Maximum, dann ist f (a) ein globales Maximum.
I Ist f konvex auf ihrem Definitionsbereich und f (a) ein lokales
Minimum, dann ist f (a) ein globales Minimum.
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5.4 Wende- und Sattelpunkte
Definition & Beispiel
Für die Bestimmung von Extrema werden Vorzeichenwechsel der
ersten Ableitung analysiert. Vorzeichenwechsel der zweiten Ableitung
werden zur Bestimmung von Wendestellen und Sattelpunkten
betrachtet.

f sei zweimal differenzierbar, wobei a ∈ I und f 00 (a) = 0.


Falls die zweite Ableitung in a ihr Vorzeichen wechselt (also
f 000 (a) 6= 0), heißt (a, f (a)) Wendepunkt. Hier ändert sich die
Krümmung der Funktion.
Ist dabei noch f 0 (a) = 0 erfüllt, wird der Punkt (a, f (a)) dann
Sattelpunkt genannt.

Beispiel:
Die Funktion f (x) = x 3 besitzt den Wendepunkt (0 | 0). Die
Wendetangente hat die Gleichung y = 0 und die Steigung Null. Der
Wendepunkt ist gleichzeitig ein Sattelpunkt.

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5.5 Unbestimmtheitsstellen und Polstellen
Definition
Es sei
f (x)
r (x) =
g(x)
eine rationale Funktion.
Besitzt die Nennerfunktion eine Nullstelle x0 , so heißt diese
Unbestimmtheitsstelle der rationalen Funktion.

Weitere Eigenschaften:
Ist die Nullstelle der Nennerfunktion gleichzeitig Nullstelle der
Zählerfunktion, kann diese aus der rationalen Funktion gekürzt
werden. Die neue Nennerfunktion besitzt nicht mehr diese Null-
stelle. Es wird dann von einer hebbaren Unbestimmtheitsstelle
gesprochen.

Ist g(x0 ) = 0 und f (x0 ) 6= 0, dann wird x0 Polstelle genannt.

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5.6 Symmetrie
Definition
Eine Funktion f (x) ist
I symmetrisch zur y -Achse, falls

f (x) = f (−x)

I ungerade oder (punkt-)symmetrisch zum Ursprung, wenn

f (−x) = −f (x)

I symmetrisch zu einem Punkt (a, b), wenn

f (a + x) − b = −f (a − x) + b

I symmetrisch zu einer Geraden x = a, wenn

f (a + x) = f (a − x)

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5.7 Grenzwerte & Stetigkeit I
Informelle Definition
Der Grenzwert einer Funktion f (x) an einer bestimmten Stelle x0
bezeichnet den Wert L, dem sich f (x) beliebig nahe annähert, wenn
sich x beliebig nahe x0 annähert.
Existiert der Grenzwert, so sagt man, dass die Funktion konvergiert,
anderfalls divergiert die Funktion.
x0 muss nicht zwingend im Definitionsbereich von f liegen. Zudem
kann x0 = ±∞ sein.

Notation: lim f (x) = L


x→x0

1
Beispiel: lim 2 =∞
x→−2 (x+2)
Strebt x sowohl von links als auch
rechts gegen −2, wird der
Funktionswert unendlich groß.
Die Gerade x = −2 ist eine vertikale
Asymptote.
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5.7 Grenzwerte & Stetigkeit I
Einseitige Grenzwerte
Strebt x gegen x0 , besitzt die abgebildete Funktion keinen
Grenzwert.
Strebt x von links gegen x0 , existiert der Grenzwert in B.
Strebt x von rechts gegen x0 , besitzt f den Grenzwert A.
Man spricht von einseitigen Grenzwerten.

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5.7 Grenzwerte & Stetigkeit I
Einseitige Grenzwerte

I Linksseitiger Grenzwert: Strebt x von links gegen x0 , dann


ist B der Grenzwert von f (x).

lim f (x) = B
x→x0−

I Rechtsseitiger Grenzwert: Strebt x von rechts gegen x0 ,


dann ist A der Grenzwert von f (x).

lim f (x) = A
x→x0+

Wichtig:
Der Grenzwert einer Funktion in x0 existiert immer nur dann,
wenn beide einseitige Grenzwerte existieren und überein-
stimmen.
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5.7 Grenzwerte & Stetigkeit I
Uneigentliche Grenzwerte

Uneigentliche Grenzwerte:
I f (x) → ∞ für x → x0− :
f (x) wird größer, wenn x von links gegen x0 strebt.

I f (x) → −∞ für x → x0− :


f (x) wird kleiner, wenn x von links gegen x0 strebt.

I f (x) → ∞ für x → x0+ :


f (x) wird größer, wenn x von rechts gegen x0 strebt.

I f (x) → −∞ für x → x0+ :


f (x) wird kleiner, wenn x von rechts gegen x0 strebt.

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5.7 Grenzwerte & Stetigkeit I
Definition

Eine Funktion f heißt stetig auf ihrem Definitionsbereich, falls


die Funktion an jeder Stelle x0 ∈ D stetig ist.

Ist eine Funktion an einer Stelle x0 nicht stetig, heißt x0 Un-


stetigkeitsstelle. Die Funktion ist dann unstetig an der Stelle x0 .

Vereinfacht kann man sagen, dass eine stetige Funktion weder


Sprünge noch Löcher aufweist. Der Funktionsgraph kann ohne
den Stift abzusetzen gezeichnet werden.

Polynome, gebrochen rationale oder trigonometrische


Funktionen sowie Exponential- , Logarithmus- und
Betragsfunktionen sind auf ihrem Definitionsbereich stetig.

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5.7 Grenzwerte & Stetigkeit I
Einseitige Stetigkeit

Für einseitige Stetigkeit gilt:


I Eine auf dem Intervall I ⊆ R definierte Funktion f ist in
x0 ∈ I linkseitig stetig, wenn der linkseitige Grenzwert
limx→x − f (x) existiert und gleich f (x0 ) ist. Ist f auf dem
0
gesamten Definitionsbereich stetig, so nennt man f
linksstetig.

I Analog definiert man rechtsseitige Stetigkeit.

Eine Funktion ist immer dann stetig in x0 , wenn sie sowohl


links- als auch rechtsstetig in x0 ist. Eine Funktion ist demnach
stetig auf ihrem ganzen Definitionsbereich, genau dann wenn
sie auf ihrem ganzen Definitionsbereich links- und rechtssetig
ist.

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5.8 Grenzwerte & Stetigkeit II
Grenzwerte im Unendlichen

Eine Funktion f (x) hat als Grenzwert A, wenn f (x) beliebig nah
an A gewählt werden kann, wobei für x eine genügend große
positive Zahl gewählt wird:

lim f (x) = A
x→∞

Eine Funktion f (x) hat als Grenzwert B, wenn f (x) beliebig nah
an B gewählt werden kann, wobei für x eine genügend große
negative Zahl gewählt wird:

lim f (x) = B
x→−∞

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5.8 Grenzwerte & Stetigkeit II
Uneigentliche Grenzwerte - Graphisches Beispiel
I Die zur x-Achse parallel verlaufende Gerade y = A ist eine
horizontale Asymptote für den Graphen von f , wenn x
gegen +∞ strebt.

I Die zur x-Achse parallel verlaufende Gerade y = B ist eine


horizontale Asymptote für den Graphen von f , wenn x
gegen −∞ strebt.

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5.8 Grenzwerte & Stetigkeit II
Stetigkeit und Differenzierbarkeit
Die abgebildete Funktion ist stetig an der Stelle x0 .
Ihr Funktionsgraph besitzt in (x0 | f (x0 )) keine eindeutige
Tangente. Somit ist die Funktion an x0 nicht differenzierbar.

Allgemein:
Ist eine Funktion an einer Stelle x0 differenzierbar, dann ist sie
dort auch stetig. (Aus Stetigkeit folgt allerdings nicht Differen-
zierbarkeit.)
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5.8 Grenzwerte & Stetigkeit II
Links- und rechtsseitige Ableitung
f (x0 +4x)−f (x0 )
f 0 x0+ =

Rechtsseitige Ableitung: lim 4x
4x→0+
f (x0 +4x)−f (x0 )
f 0 x0− =

Linksseitige Ableitung: lim 4x
4x→0−
Ist f in x0 stetig und stimmen die links- und rechtsseitigen Ableitungen
nicht überein f 0 (x0+ ) 6= f'(x0− ) , dann besitzt der Funktionsgraph an


der Stelle (x0 | f (x0 )) einen Knick.


'

Beispiel:
Die Betragsfunktion
ist in x = 0 nicht differenzierbar.

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5.9 Regel von de L‘Hospital
Aufgabenstellung

Bestimmen Sie den Grenzwert von

f (x)
lim ,
x→x0 g (x)
wenn f (x0 ) = g(x0 ) = 0?

Man erhält :

f (x) 0
lim =” ”
x→x0 g (x) 0

Es ergibt sich eine unbestimmte Form vom Typ " 00 ".

Der Grenzwert kann nicht ohne Weiteres bestimmt werden.

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5.9 Regel von de l’Hospital
Definition
Die Regel von de l’Hospital findet Anwendung, wenn bei der
Grenzwertbestimmung von Funktionen ein unbestimmter Ausdruck
auftritt.
f (x)
Erhält man bei der Bestimmung des Grenzwertes limx→x0 g(x) , dass
sowohl limx→x0 f (x) als auch limx→x0 g(x) entweder beide 0 oder
beide ±∞ sind, so ergeben sich unbestimmte Ausdrücke der Form
" 00 " bzw. " ±∞
±∞ ".
Die Regel von de l’Hospital besagt in diesem Fall, dass

f (x) f 0 (x)
lim = lim 0
x→x0 g(x) x→x0 g (x)

gilt für differenzierbare Funktionen f und g, sofern der Grenzwert


0
limx→x0 gf 0(x)
(x) existiert.

Wichtig: Der Ausdruck gf wird nicht als Quotient differenziert.


Vielmehr werden Zähler- und Nennerfunktion separat abgeleitert.

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5.9 Regel von de l’Hospital
Beispiel
Berechnen Sie folgenden Grenzwert:

ex − 1
lim
x→0 x

Lösung:
I Wir definieren die Funktionen f (x) := ex − 1 und g(x) := x.
I Es gilt f (0) = e0 − 1 = 0 und g(0) = 0.
I Wegen f 0 (x) = ex und g 0 (x) = 1 erhält man
f 0 (0) = g 0 (0) = 1.

Laut der Regel von de l’Hospital gilt dann:


ex − 1 ex 1
lim = lim = =1
x→0 x x→0 1 1

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5.9 Regel von de l’Hospital
Weiteres Beispiel
Berechnen Sie den Grenzwert
ext − 1 − xt
lim .
x→0 x2
Wir erhalten erneut einen unbestimmten Ausdruck:

ext − 1 − xt 0
2
lim
=” ”
x→0 x 0
Nach der Regel von de l’Hospital gilt:

ext − 1 − xt text − t 0
lim 2
= lim =” ”
x→0 x x→0 2x 0
Zähler und Nenner sind erneut Null.
Nochmalige Anwendung der Regel von de l’Hospital führt zu:

text − t t 2 ext 1
lim
= lim = t2
x→0 2x x→0 2 2
Die Rechenregel kann mehrfach hintereinander angewendet werden.
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5.9 Regel von de l’Hospital
±∞\ ± ∞
Die Regel von de l’Hospital kann auch für unbestimmte Formen
vom Typ ±∞
±∞ angewendet werden.

Beispiel:
−4x 2
Bestimmen Sie: lim
x 2
x→∞ +x

−4x 2
Man erhält: lim
x 2 = ” −∞
∞ ”
x→∞ +x

Anwendung der Regel von de l’Hospital:

lim −8x = ” −∞
∞ ”
x→∞ 2x+1

Nochmalige Anwendung für zu:

lim −8 = −4
x→∞ 2

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