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finale Version erschienen als:

Zimmer, Christian. 2015. Bei einem Glas guten Wein(es): Der Abbau des partitiven Genitivs
und seine Reflexe im Gegenwartsdeutschen. Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache
und Literatur (PBB) 137. 1 – 41.

Bei einem Glas guten Wein(es): Der Abbau des partitiven Genitivs und seine
Reflexe im Gegenwartsdeutschen*

Christian Zimmer, FU Berlin

This paper is concerned with the loss of the partitive genitive (e.g. ein Glas Weines > ein Glas
Wein) in German, focusing on the early stage of the decline, i.e. the ENHG period, and on
variation in present-day German (e.g. einem Glas gutem Wein vs. einem Glas guten Wein). On
the basis of data collected in a questionnaire study and in corpora (both contemporary and
historic) it is proposed that formal properties of the inflectional suffixes involved are highly
relevant for this language change phenomenon: Several observations concerning the
diachronic and synchronic variation caused by the (incomplete) loss of the partitive genitive
seem to be explicable by so-called signal strength, a concept which goes back to Köpcke
(1993).

Christian Zimmer: Freie Universität Berlin, Institut für Deutsche und Niederländische
Philologie, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin, E-Mail: christian.zimmer@fu-
berlin.de

I. Einleitung
Kasusschwankungen nach nominalen Maß-, Mengen- und Sammelangaben1 sorgen seit mehr
als 600 Jahren für erhebliche Variation im Sprachgebrauch des Deutschen. Der ursprünglich
obligatorische partitive Genitiv wird zunehmend ersetzt: Steht vor der Artangabe, die das
Gemessene oder Gezählte bezeichnet, kein Attribut (ein Glas Weines), gilt er mittlerweile als
ungrammatisch, während der Kasusgebrauch in solchen Konstruktion im Fnhd. noch heftig
schwankte. Konstruktionen mit attribuierter Artangabe (ein Glas guten Weines) können im
Gegensatz dazu heute noch den partitiven Genitiv beinhalten; verschiedene Alternativen
haben sich aber mittlerweile etabliert. Das führt zu beträchtlichen Schwankungen zwischen

* Für wertvolle Hinweise bedanke ich mich herzlich bei Damaris Nübling, Horst Simon, Tanja Ackermann,
Antje Dammel sowie zwei anonymen GutachterInnen.
1
Diese Termini werden im Folgenden der Einfachheit halber unter dem Oberbegriff Mengenangabe sub-
summiert, da die Unterschiede zwischen diesen Konzepten – Sammelbezeichnungen stehen z.B. öfter mit
partitivem Genitiv (Gruppe junger Menschen, s. auch Abschnitt III.2.2) als abstrakte Maßbezeichnungen ( ?ein
Kilogramm grüner Bohnen) – nicht im Vordergrund stehen.

1
allen vier Kasus, die auch durch widersprüchliche Aussagen aktueller Grammatiken
abgebildet werden.
Im Folgenden konzentriere ich mich auf zwei wichtige Abschnitte in der Geschichte der
Konstruktion: das Anfangsstadium des Abbaus im Fnhd. und den gegenwärtigen Stand des
Wandelprozesses. Anhand historischer und gegenwartssprachlicher Korpus-Daten sowie von
Akzeptabilitätsurteilen schlage ich eine primär formbasierte Analyse vor, die sowohl den
Ablauf des Wandelprozesses als auch aktuelle Zweifelsfälle zu erklären versucht. Dabei
orientiere ich mich am Konzept der Signalstärke von Köpcke (1993).

II. Der Abbau des partitiven Genitivs im Fnhd.

II.1 Ursachen des Abbaus


Im Mhd. war der partitive Genitiv fester Bestandteil des Sprachsystems und noch nicht im
Abbau begriffen (vgl. Ebert [u.a.] 1993, S. 318).2 Nach nominalen Mengenangaben stand eine
Artangabe im Genitiv, egal ob ihr ein Adjektiv vorausging oder nicht (vgl. Ebert [u.a.] 1993,
S. 332), was anhand eines Beispiels aus dem 14. Jahrhundert und einem Satz von Walther von
der Vogelweide (141996, S. 38) veranschaulicht werden soll:

(1a): Were iz aber daz wir oder vnse erben so sumig weren daz wir den vorgenant
hern von Ottirburg derzweier fuder wines oder der vonfzehen ponde Heller
nit engeben offe […] (zitiert nach Frey/Remling 1845, S. 387)

(1b): und gulte ein fuoder guotes wînes tûsent pfunt, dâ stüent doch niemer ritters
becher lre.

Als Konkurrenz zum partitiven Genitiv entwickelt sich eine Apposition3, in der die Artangabe
keine Flexionsmerkmale eines obliquen Kasus aufweist:

(2): ein halb fuoder win (zitiert nach Freiburger Diözesan-Archiv 1866, S. 26)

2
Der einzige Konkurrent des partitiven Genitivs ist zu dieser Zeit die präpositionale Umschreibung (vgl. Glas
mit Wein), die bereits seit dem Ahd. viele semantische Typen des Genitivs in verschiedenen Funktionen ersetzt,
als Alternative zum Partitivus aber erst später an Bedeutung gewinnt (Ebert 1986, S. 90).
3
Ich verwende den Begriff Apposition für Konstruktionen des Typs Glas Wein und richte mich damit u.a. nach
der Duden-Grammatik (2009), S. 985 und Ebert [u.a.] (1993), S. 332. Die Klassifizierung als Apposition zu
diskutieren, wäre interessant, soll aber nicht Thema dieses Beitrags sein.

2
Ursächlich für die Entstehung dieser Alternative ist eine (weiter unten erläuterte) Reanalyse,
die von Substantiven ausging, die den Genitiv nicht (mehr) kenntlich machten (vgl. Ebert
[u.a.] 1993, S. 332, Behaghel 1923, S. 532, Heyse 1914, S. 460). Infolge der zunehmenden
Reduktion der (vollen) Endsilben seit dem Idg. wurden die Kasusendungen immer
synkretistischer. Die Schwächung des Kasusausdrucks am Substantiv bewirkte unter anderem,
dass bei den Feminina im Singular alle Kasusunterschiede abgebaut wurden. Im Zuge der
Kasusnivellierung ging die Aufgabe, den Kasus zu markieren, immer mehr vom Substantiv
auf das Adjektiv und den Artikel über. In Konstruktionen, in denen weder ein Adjektiv noch
ein Artikel einer Artangabe vorausgeht, ist deren Kasus teilweise nicht erkennbar. Schon im
Mhd. kann es deshalb vorkommen, dass der Kasus der Artangabe nicht identifizierbar ist. Das
ist in folgendem Satz, der im 13. Jahrhundert verfasst wurde, der Fall:

(3): der ein gut nutze kuo hât, den wer ich ûf der stat daz er ein vuoder milch hât
von ir in eime jâr. (Seifried Helbling, XV, V. 102-105)

Der Kasus der Artangabe milch ist in diesem Beispiel nicht identifizierbar, da am Substantiv
selbst (im Singular) kein Kasus markiert wird (vgl. Tab. 1). milch zählt im Mhd. zu den
starken Feminina der i-Deklination.4

Kasus Form
Nom. Sg. (diu) milch
Akk Sg. (die) milch
Dat. Sg. (der) milch
Gen. Sg. (der) milch
Tab. 1: Flexionsparadigma für mhd. milch (ohne alternative Endungen im Dativ und Genitiv)

Behaghel (1923, S. 532), Dal (31966, S. 31), Saarela (1970, S. 1) und Ebert [u.a.] (1993, S.
332) sind sich darin einig, dass im 13. Jahrhundert noch keine Abbautendenzen des partitiven
Genitivs erkennbar sind, wofür auch die Korpusdaten weiter unten sprechen. Bei milch
müsste es sich demnach theoretisch um einen Genitiv handeln. Da sich die Endungen aller
vier Kasus allerdings nicht unterscheiden ließen, war eine »Umdeutung [der Artangabe, C.Z.]
als mit der Maßbestimmung kongruierendes Glied oder als Bezeichnung ohne
4
Dass noch alternative Endungen für den Genitiv und den Dativ möglich sind, ist in diesem Zusammenhang
unerheblich. Die Endungen der starken Feminina der ô-Deklination sind zudem zwangsläufig synkretistisch (vgl.
Hennings 22003, S. 138).

3
Kasusdifferenzierung« (Ebert [u.a.] 1993, S. 332) möglich. In solchen Konstruktionen setzte
Reanalyse ein.
»Die Umdeutung wurde dann auf eindeutige Genitive und Substantive mit attributivem
Adjektiv übertragen« (ebd.). Die Reanalyse der nicht eindeutig identifizierbaren Kasus an
einigen femininen Artangaben ohne vorausgehendes Adjektiv (oder Artikel) als Apposition
greift also analogisch auf maskuline und neutrale Artangaben über, obwohl hier der Genitiv
damals wie heute am Substantiv erkennbar ist (vgl. (1a)). Dass sich mit dem Fnhd. auch die
Kasusendungen der Pluralformen endgültig nicht mehr unterscheiden lassen,5 ist ein weiterer
Faktor, der Reanalyse begünstigt.
Anhand einer Korpus-Studie wird im Folgenden zum einen der Ablauf des Abbaus
differenziert beschrieben und zum anderen eine Binnendifferenzierung vorgenommen, die mit
Blick auf die sprachstufenübergreifende Analyse relevant ist.

II.2 Korpusdaten
Da es sich beim partitiven Genitiv um eine selten verwendete Konstruktion handelt, die vor
allem in den bislang existierenden Korpora des Fnhd. so gut wie gar nicht vertreten ist, war es
nötig, auf andere Textsammlungen auszuweichen, um den Abbau dieser Konstruktion
datenbasiert beschreiben zu können. In juristischen Texten (Gemeindeordnungen, Weisungen,
Urkunden und Gerichtsprotokollen6), die Zinsen, Zölle und vergleichbare Abgaben
thematisieren, findet sich der partitive Genitiv vergleichsweise häufig (vgl. (4)), weshalb der
Analyse zwölf entsprechende Textsammlungen (vgl. Literatur-Verzeichnis) zugrunde gelegt
wurden.

(4a): Wer den herren zue St. Steffann ein malter korns unter den baumen zur
Hexheim gibt, dem geburt zu geben achthalben schilling heller […] (zitiert
nach Schmitt 1996, S. 337)

(4b): Auch geben die kirchemeister einem leyendecker, so iährlich die kirch
besteiget, ein malter korn. (zitiert nach Schmitt 1996, S. 467).

5
Die einzige mögliche Ausnahme ist das Dativ-Plural-n.
6
Dass die verwendeten Protokolle der mündlichen Sprache näher stehen als die anderen genannten Texte, wurde
in Kauf genommen, um ein Korpus von ausreichender Größe, das zeitlich und bzgl. des Dialekts homogen ist,
zusammenstellen zu können. Die verwendeten Protokolle weichen bzgl. partitiver Genitive im Übrigen nicht
offensichtlich von den anderen Quellen ab.

4
Alle Texte stammen aus dem rheinfränkischen Dialektgebiet und aus der Zeit zwischen 1300
und 1700. In Ermangelung eines bereits existierenden Korpus wurden die Transkripte mithilfe
(zum Teil selbst erstellter) maschinenlesbarer Digitalisate7 nach Mengenangaben durchsucht,
welche anschließend manuell analysiert wurden.8 Auf diese Weise konnten mehr als 700
Kombinationen aus Mengen- und Artangabe ermittelt werden.9 Mithilfe verschiedener
Wörterbücher wurde eine umfassende Liste an Mengenangaben erstellt, von denen folgende
in den Texten zu finden waren und in die Analyse einfließen konnten (in der Reihenfolge
ihrer Vorkommenshäufigkeit): malter/malder/mlr., fuder, morgen, pfund/pfunt/pfundt,
ohm/ayme/ame, viertel/fierteil, hube, faß/vaß, sack, garbe, sümmer, tonne, sester.
Abb. 1 kontrastiert nach Zeitabschnitten getrennt Apposition und partitiven Genitiv in
Konstruktionen ohne Adjektiv.10 Es ist unverkennbar, dass die Apposition im 16. Jahrhundert
stark an Bedeutung gewinnt und den partitiven Genitiv zu Beginn des 17. Jahrhunderts bereits
deutlich zurückgedrängt hat.

7
Für die Bereitstellung der maschinenlesbaren Version der Ingelheimer Haderbücher bedanke ich mich
stellvertretend beim Herausgeber Werner Marzi.
8
Die Zuverlässigkeit der Suche in den Digitalisaten wurde überprüft und bestätigt, indem die Ergebnisse der
automatisierten Suche stichprobenartig mit je fünf manuell durchsuchten Seiten verglichen wurden. Dass
einzelne Belege nicht gefunden und analysiert wurden, kann dennoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Da
aber keine systematische Verzerrung zugunsten einer der Möglichkeiten vorliegt, sollte die Aussagekräftigkeit
der Ergebnisse dadurch nicht grundsätzlich beeinträchtigt sein.
9
Einzelne Belege wurden nicht berücksichtigt, da ihr genaues Entstehungsdatum nicht bekannt ist.
10
Nicht berücksichtigt wurden Plurale (z.B. morgen äcker) und einige Feminina (z.B. malter frucht), bei denen
nicht eindeutig zwischen Genitiv und Apposition unterschieden werden konnte, sowie Maskulina, die im Fnhd.
von der schwachen in die starke Deklination wechselten und so nicht eindeutig zu analysieren waren, z.B.
morgen weingarten. weingarten kann hier sowohl als obliquer Kasus (vor -n-Affigierung im Nominativ
Singular) als auch als Nominativ Singular (nach -n-Affigierung im Nominativ Singular) analysiert werden.

5
100%
90%
80%
70%
60%
50%
40% Apposition
30% Genitiv
20%
10%
0%
1350 - 1401 - 1451 - 1501 - 1551 - 1601 -
1400 1450 1500 1550 1600 1650
n=101 n=40 n=229 n=71 n=191 n=85

Abb. 1: Partitiver Genitiv vs. Apposition in Konstruktionen ohne Adjektiv im Fnhd.

Dies gilt allerdings nur für die hier betrachteten Konstruktionen ohne Adjektiv, denn alle 15
Belege der überaus seltenen partitiven Konstruktion mit mindestens einem Adjektiv stehen im
Genitiv (vgl. (5)).

(5): ein ohm lauters weins (zitiert nach Schmitt 1996, S. 216)

Einige Belege dieser Art lassen sich in Texten finden, in denen ansonsten bereits durchgehend
die Apposition angewendet wird, z.B. in der ›Dorf- und Gerichtsordnung für Bretzenheim und
Zahlbach‹ von 1578. korn steht hier in allen fünf partitiven Konstruktionen mit Adjektiv im
Genitiv, in den beiden partitiven Konstruktionen ohne Adjektiv hingegen im
Appositionsverhältnis.
Weiterhin müssen die Belege nach ihren Deklinationsklassen differenziert werden. Es zeigt
sich ein deutlicher Unterschied zwischen stark und schwach flektierenden Substantiven: bei
schwach flektierenden Substantiven ist der Genitiv im Fnhd. relativ stabil,11 während bei stark
flektierenden Substantiven ein eindeutiger Trend in Richtung Apposition zu erkennen ist. Im
17. Jahrhundert stehen in ein und demselben Text schwach flektierende Artangaben im
Genitiv oft neben stark flektierenden Artangaben in Apposition (vgl. (6)).

11
Mehr als diese Aussage kann bzgl. der schwach flektierenden Substantive im Fnhd. kaum getroffen werden,
ohne die Daten bei einer Belegzahl von insgesamt 84 (davon nur 8 mit Apposition) überzustrapazieren.

6
100
90
80
70
60 Anteil Genitiv
50 (schwache Flexion)
40 Anteil Genitiv
(starke Flexion)
30
20
10
0
1350 1450 1500 1550 1600 1650

Abb. 2: Anteil des Genitivs bei schwach bzw. stark flektierenden Substantiven in Konstruktionen ohne Adjektiv
im Fnhd.

(6): […] iedes jahr 71 mlr. korn und 10 mlr. habern zu einem stendig(en)
erbpfacht zur kellerey Eberßheim abzustatten. (zitiert nach Schmitt 1996, S.
308)

habern könnte theoretisch auch Akkusativ oder Dativ sein und bei vorausgehender
Mengenangabe im Akkusativ (vgl. (6)) oder Dativ durch das Prinzip der Parallelflexion
motiviert sein. Da sich schwach flektierende Substantive in einem obliquen Kasus allerdings
auch nach Mengenangaben im Nominativ finden (vgl. (7)), muss man davon ausgehen, dass
hier nicht das Prinzip der Parallelflexion für die Flexion der Artangabe verantwortlich ist,
sondern tatsächlich – wie auch in vorherigen Sprachstufen des Deutschen – Genitive
vorliegen.

(7): Item anderhalb malter habern Binger maß wirdt der gemein abgezogenn an
den burgermeister speicher recht. (zitiert nach Schmitt 1996, S. 528)

Die Auswirkungen des Abbaus lassen sich auch in den (in aller Regel sehr konservativen)
älteren Grammatiken und den Sprachratgebern, die um das Jahr 1900 veröffentlicht wurden,
erkennen. Der partitive Genitiv nach nominalen Quantitätsbezeichnungen wird auch ohne
Adjektiv bei Blatz (31896, S. 374), Andresen (81898, S. 262), Heyse (281914, S. 430), Bauer
(1823, S. 31), Paul (1919, S. 294) und Grimm (1898, S. 867) als grammatisch beschrieben

7
und teilweise gegenüber seinen Alternativen empfohlen. Die Verwendung der zum partitiven
Genitiv alternativen Apposition wird z.B. von Andresen (81898, S. 262) als Ausdruck von
»Nachlässigkeiten und Übelstände[n]« in der deutschen Sprache bezeichnet, der partitive
Genitiv in dieser Konstruktion hingegen als Ausdruck »der Reinheit der ältern deutschen
Sprache« (ebd.). Alle genannten Autoren sind sich allerdings darin einig, dass der partitive
Genitiv nach nominalen Quantitätsbezeichnungen und ohne vorausgehendes Adjektiv nicht
mehr üblich bzw. auf die hohe Stilebene beschränkt sei. Anders verhält es sich, wenn diese
Konstruktion durch ein Adjektiv ergänzt wird. Auch in diesem Fall bestünden zwar bereits die
Alternativen zum Genitiv (Apposition und präpositionale Umschreibung); dieser sei jedoch
stabil und noch nicht in seinem Anwendungsbereich eingeschränkt. Andresen (81898, S. 262)
kennzeichnet die Alternativen sogar als ungrammatisch.
Im folgenden Abschnitt werden zunächst die Aussagen aktueller Grammatiken bzgl. des
partitiven Genitivs zusammengefasst, woraufhin die Folgen seines Abbaus im
Gegenwartsdeutschen empirisch untersucht werden sollen.

III. Der partitive Genitiv im Gegenwartsdeutschen

III.1 Aktuelle Grammatiken

III.1.1 Wie wird der partitive Genitiv bewertet?


Neuere12 Grammatiken und Sprachratgeber (Engel 31996, S. 618, Zifonun [u.a.] 1997, S.
1979, Duden-Zweifelsfälle 72011, S. 637, Eisenberg 42013, S. 261, Wahrig 2009, S. 584,
8
Duden-Grammatik 2009, S. 983) sind sich darin einig, dass der partitive Genitiv
mittlerweile nicht bloß veraltet, sondern schlicht ungrammatisch ist, wenn zwischen der
Maßbezeichnung und der Artbezeichnung kein Artikel, Pronomen oder flektiertes Adjektiv
steht (vgl. (8a)). Während die Konstruktion dort explizit abgelehnt wird, erwähnen die
folgenden AutorInnen den Genitiv nicht als möglichen Kasus für eine Artangabe, die nicht
durch Artikel, Pronomen oder flektiertes Adjektiv begleitet wird und lehnen die Konstruktion
somit ebenfalls (implizit) ab: Sommerfeldt/Starke (31998), Schulz/Griesbach (111988),
Helbig/Buscha (181998), Götze/Hess-Lüttich (1989), Heuer (191988), Jung (71982) und
Dückert/Kempke (1984). Als Nachfolger des partitiven Genitivs nach bloßen
Mengenbezeichnungen ist hier die Apposition unumstritten. Die Artangabe trägt dabei keine

12
Die älteste hier berücksichtigte Grammatik ist JUNG (71982).

8
Merkmale eines obliquen Kasus (vgl. (8b)). Auch wenn die Mengenangabe im Genitiv steht,
wird nicht parallel flektiert (vgl. (8c)).

(8a): *Ich trank eine Tasse Kaffees zum Frühstück.


(8b): Ich trank eine Tasse Kaffee zum Frühstück.
(8c): §Der Wert eines Glases Weins ist hoch.13

Es stellt sich jedoch die Frage, wie mit Mengen- und Artangabe zu verfahren ist, wenn
letztere durch ein Adjektiv attribuiert ist. Uneinigkeit besteht darüber, inwiefern der partitive
Genitiv in diesen Konstruktionen mit Adjektiv noch üblich ist, ob er (noch) grammatisch ist
und vor allem darüber, welche Alternativen existieren und wie grammatisch diese sind.
Diese Uneinigkeit der Grammatiken, die im Folgenden dargelegt wird, korreliert mit
Schwankungsfällen im Sprachgebrauch (vgl. Abschnitt III.2).
Sommerfeldt/Starke (31998, S. 103) vertreten eine Einzelmeinung, indem sie sagen, dass
der partitive Genitiv in der »Gegenwartssprache eine lebendige Gebrauchsweise« sei. Auch
die Meinung von Götze/Hess-Lüttich (1989, S. 147) stimmt nicht mit der Mehrzahl der
anderen Grammatiken überein. Sie behaupten (ohne empirische Untersuchungen anzuführen),
dass der partitive Genitiv die Konstruktion sei, die in der Gegenwartssprache gegenüber ihren
Alternativen dominiere. Das Gros der Grammatiken konstatiert hingegen, dass der partitive
19
Genitiv veraltet sei und zunehmend ersetzt werde (vgl. Heuer 1988, S. 151,
Dückert/Kempke 1984, S. 190, Eisenberg 42013, S. 262). Engel (31996, S. 618) geht sogar
so weit, zu sagen, dass er »völlig außer Gebrauch gekommen« sei. Dem stimmen auch die
anderen Grammatiken zu. Der partitive Genitiv wird in diesen Fällen als »veraltet« (Zifonun
[u.a.] 1997, S. 1981, Dückert/Kempke 1984, S. 190), bzw. »gehoben oder sogar gespreizt«
(Duden-Zweifelsfälle 7 2011, S. 103) bezeichnet. Während die Konstruktion ohne Adjektiv
und mit partitivem Genitiv heute – anders als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts –
weitgehend als ungrammatisch angesehen wird, wird der Konstruktion mit Adjektiv und
partitivem Genitiv (vgl. (9)) die Grammatikalität aber nicht abgesprochen.
Dem schließen sich auch Duden-Zweifelsfälle (72011), Duden-Grammatik (82009) und
Wahrig (2009) an. Bzgl. der Gebräuchlichkeit der Konstruktion wird das Phänomen dort

13
Die Klassifikation als Nonstandardmuster (Notation: §) erscheint hier sinnvoll, da diese Konstruktion zwar
nicht der Norm entspricht (s. z.B. Duden-Grammatik 82009, S. 986), im Gegensatz zu ungrammatischen
Mustern, die bei MuttersprachlerInnen so gut wie nicht belegbar sind, aber vereinzelt verwendet wird.

9
aber differenzierter betrachtet: Wenn das Gemessene im Plural stehe, sei der partitive Genitiv
durchaus noch üblich (vgl. Duden-Grammatik 82009, S. 984), außerdem bei substantivierten
Adjektiven und Partizipien (vgl. Duden-Zweifelsfälle 72011, S. 103).14 In allen anderen
Fällen sei der partitive Genitiv stark im Abbau begriffen (ebd.).

(9): Ich trank eine Tasse schwarzen Kaffees zum Frühstück.

Wesentlich uneinheitlicher sind die Darstellungen der Grammatiken hinsichtlich der


Alternativen für den partitiven Genitiv. Folgende Möglichkeiten werden beschrieben:
präpositionale Umschreibung, Parallelflexion, Nominativ, Dativ und Akkusativ. Die
außerdem erwähnte schwache Adjektivflexion wird als ungrammatisch deklariert.

III.1.2 Wie werden die Alternativen zum partitiven Genitiv bewertet?


Im Folgenden werden zunächst die sechs Alternativen zum partitiven Genitiv aufgelistet, die in der
Literatur zu finden sind. Die referierten Standpunkte werden dann in Abschnitt III.2 auf der Basis
empirischer Daten evaluiert und zum Teil revidiert.

1) Präpositionale Umschreibung: Mithilfe von präpositionalen Umschreibungen umgehen


SprecherInnen das Problem, sich für die Verwendung eines spezifischen Kasus entscheiden
zu müssen. Die eingefügte Präposition regiert den Kasus des zweiten Substantivs –
unabhängig davon, in welchem Kasus die Mengenangabe steht. Die folgenden Präpositionen
können eingefügt werden: von, mit und an.15 Alle drei Präpositionen regieren den Dativ.

(10a): Im Sumpf gab es eine ganze Menge von nervigen Mücken.


(10b): Das Kind trank ein Glas mit warmer Milch.
(10c): Sie hatte eine Unmenge an lustigen Einfällen.

Diese Variante wird von den Grammatiken größtenteils akzeptiert. Da aber die im
vorliegenden Zusammenhang im Mittelpunkt stehende Frage – nämlich wie die

14
Diese Besonderheit von substantivierten Adjektiven und Partizipien hängt damit zusammen, dass sie bei
Substantivierung die adjektivische Flexion beibehalten.
15
Konstruktionen mit voller sind auch teilweise möglich, aber nicht vollkommen gleichbedeutend. voller sorgt
zudem selbst für Kasusschwankungen.

10
attribuierte Artangabe flektiert wird – mithilfe dieser Variante umgangen werden
kann, wird die präpositionale Umschreibung im Folgenden nachrangig behandelt.

2) Parallelflexion: Der Kasus der Mengenangabe wird an die Artangabe weitergegeben:

(11a): Die Kinder kamen mit einer Tasse frischem Kaffee ans Bett.
(11b): Das Rudel heulende Wölfe ist eine Attraktion im Wiesbadener Tierpark.

3) Nominativ statt Genitiv: Da die Substantive durch Adjektive attribuiert sind, liegt hier
kein merkmalloser Kasus vor: Es handelt sich, wie auch in den Beispielen von
Dückert/Kempke (1984, S. 352), eindeutig um Substantive im Nominativ:

(12): Die Kinder kamen mit einer Tasse frischer Kaffee.

4) Akkusativ statt Genitiv: Sätze, in denen dem Akkusativ eine Maßbezeichnung im


Nominativ vorangeht (vgl. (13a)), stehen bei Eisenberg (42013, S. 262) keineswegs im
Verdacht, ungrammatisch zu sein. Sätze, in denen dem Akkusativ eine Maßbezeichnung im
Dativ/Genitiv (vgl. (13b)) oder in eindeutigem Dativ (vgl. (13c)) vorausgeht, würden zwar
»vielen Sprechern zweifelhaft erscheinen, aber einfach ungrammatisch sind sie nicht« (ebd.).

(13a): Eine Flasche guten Wein kostet zwei Euro.


(13b): Wegen einer Flasche guten Wein geht Karl meilenweit.
(13c): Wir sitzen zusammen bei einer Flasche guten Wein.
(Beispiele aus Eisenberg 42013, S. 262)

5) Dativ statt Genitiv: Engel (1996, S. 618) behauptet, der Dativ fungiere als »genereller
Kasus obliquus«.

(14): eines Sacks gutem Zement (aus Engel 31996, S. 618)

6) Die schwache Adjektivflexion: In keiner der Grammatiken werden Konstruktionen wie in


(15) als grammatisch angesehen. Die Formen ähneln formal stark den maskulinen Akkusativ-
Formen, haben aber keine Entsprechung im Neutrum-Paradigma. Es handelt sich hier um
schwach flektierte Adjektive. Sie werden ausschließlich in der Duden-Grammatik (82009, S.

11
983) erwähnt, als Resultate einer Unsicherheit bezeichnet und als ungrammatisch abgelehnt,
da das Adjektiv eine starke Endung tragen müsse.

(15): Er saß mit einem Glas kalten Wasser auf dem Balkon.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die »bei der Kasuszuweisung zu Artangaben
[bestehenden] große[n] Unsicherheiten« (Eisenberg 42013, S. 262) darin widerspiegeln, dass
alle Möglichkeiten, den Partitivus zu ersetzen, in den neueren Grammatiken unterschiedlich
und zum Teil widersprüchlich bewertet werden. Je nach Konstruktion bestehen nicht nur
zwei, sondern teilweise bis zu vier (im Plural; vgl. (16a)) oder sogar fünf Alternativen (im
Singular; vgl. (16b)).

(16a): Im August setzt du dich hier einer Myriade stechlustige Insekten /


stechlustigen Insekten / stechlustiger Insekten / von stechlustigen Insekten
aus. (Beispiel aus der Duden-Grammatik 82009, S. 986)

(16b): mit einem Glas frischer Saft (grammatisch nach Dückert/Kempke 1984, S.
352) / frischen Saftes (grammatisch z.B. nach der Duden-Grammatik
8
2009, S. 983) / frischem Saft (grammatisch z.B. nach der Duden-
Grammatik 82009, S. 984) / frischen Saft (grammatisch nach Eisenberg
4
2013, S. 262) / mit frischem Saft (grammatisch z.B. nach der Duden-
Grammatik 82009, S. 983)

12
1) Präpositionale 2) Parallelflexion 3) Nominativ 4) Akkusativ 5) Dativ 6) Schwache Flexion
Umschreibung

Götze/Hess-Lüttich X Einzig mögliche X X X X


(1989, S.147) Alternative zum Gen.
Duden-Grammatik   Nach Dat. Pl. X „Resultat einer X „Resultat einer
(82009, S. 935, 983- akzeptabel Unsicherheit“ Unsicherheit“
986)
Engel (31996, S. 618) „Das einzige in der Ungrammatisch, „genereller Kasus
Standardsprache aber häufig obliquus“ häufig
uneingeschränkt gültige verwendet verwendet, aber
Verfahren“ regelwidrig
Eisenberg (42013, S.    überall akzeptabel, am
260-262) besten nach
Mengenangabe im Nom.
Wahrig (2009, S. 584-  Im Sg. empfohlen; im Pl. Nach Dat. Pl.
586) gleichwertig mit Gen. akzeptabel
Dückert/Kempke (1984,  Empfohlen  (Möglich und
S. 190, 352) gebräuchlich)
Duden-Zweifelsfälle Im Sg. heute üblich, im Nach Dat. Pl.
(72011, S. 104) Pl. nicht akzeptabel
Helbig/Buscha (181998,  
S. 595)
Heuer (191988, S. 151)  Empfohlen
Zifonun [u.a.] (1997, S. Empfohlen
1981)

Tab. 2: Überblick über die Bewertung der Alternativen zum partitiven Genitiv in Grammatiken des Gegenwartsdeutschen

: wird als grammatische Variante klassifiziert X: wird als ungrammatisch abgelehnt leere Zelle: wird nicht thematisiert

13
III.2 Empirische Daten
III.2.1 Methodik
Um Aussagen darüber treffen zu können, in welchem Abbaustadium sich der partitive Genitiv
im gegenwärtigen Deutschen befindet, werden im Folgenden Informationen darüber
herangezogen, wie partitive Genitive und ihre Alternativen von deutschen
MuttersprachlerInnen hinsichtlich ihrer Gebräuchlichkeit und Grammatikalität bewertet
werden. Diese Informationen wurden mithilfe eines Akzeptanztests ermittelt. 177 Test-
TeilnehmerInnen wurden gebeten, Sätze zu bewerten. Dazu stand den Befragten eine Skala
von 1 (für sehr unübliche Sätze, die möglicherweise auch ungrammatisch erscheinen) bis 6
(sehr gute Sätze, die die ProbandInnen auch verwenden würden) zur Verfügung. Indem eine
gerade Anzahl gewählt wurde, wurde sichergestellt, dass die Befragten sich entscheiden
mussten, einen Satz entweder als eher gut (vier oder mehr Punkte) oder eher schlecht (ein
Punkt bis drei Punkte) zu bewerten und somit auch der Tendenz zur Mitte entgegengewirkt.
An der Umfrage nahmen ausschließlich Studierende teil, die an der Universität Mainz
Germanistik belegten. Aufgrund der großen Anzahl der Items wurden drei unterschiedliche
Bögen mit je maximal 14 Testsätzen und mindestens 15 Distraktoren erstellt. Diese wurden in
Proseminaren für Erst- und Zweitsemester verteilt. Der älteste Befragte ist 1973 geboren, die
jüngste 1992. Daten von Versuchspersonen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, wurden
nicht berücksichtigt. 45 % der Befragten sind in Rheinland-Pfalz aufgewachsen, 29 % in
Hessen. Die übrigen 26 % verteilen sich auf die anderen deutschen Bundesländer.
Zur Errechnung des Signifikanzniveaus wurde der Wilcoxon-Test herangezogen (vgl.
Bortz/Schuster 72010, S. 133). Als Ergebnisse dieser Berechnungen werden im Folgenden die
Anzahl der gepaarten Daten (n) und das Signifikanzniveau (p) angegeben.
Die Akzeptanztests, bei denen Versuchspersonen Äußerungen bewerten und somit als
SprachrezipientInnen in Erscheinung treten, werden flankiert von den Ergebnissen einer
Untersuchung von Hentschel (1993), in der der aktive Sprachgebrauch bezüglich des
partitiven Genitivs mithilfe von Lückentexten getestet wurde. Um ein großes Spektrum
unterschiedlicher Daten zu erhalten, wurden diese Ergebnisse außerdem durch Recherchen im
Webkorpus DECOW2012 (ca. 9 Milliarden Textwörter, Schäfer/Bildhauer 2012) ergänzt.

14
III.2.2 Wie üblich ist der partitive Genitiv heute?
Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die Aussagen der Grammatiken zur
Gebräuchlichkeit des partitiven Genitivs16 insofern zutreffen, als er im Singular nicht als
ungrammatisch abgelehnt wird, mindestens eine Alternative aber bereits deutlich bevorzugt
wird (vgl. Tab. 3, die die Unterschiede anhand eines Minimalpaars veranschaulicht;17 n=52,
p<0.001***).

MW18
(17a): Gestern trank ich ein Glas kalten Wassers. 2,4
(17b): Gestern trank ich ein Glas kaltes Wasser. 5,4
Tab. 3: Akzeptanz eines partitiven Genitivs im Singular und einer Alternative

Dass das Phänomen darüber hinaus, wie von vielen Grammatiken beschrieben, nicht losgelöst
von Stilebene und Semantik betrachtet werden kann, veranschaulicht Tab. 4. Die höhere
Stilebene (samt entsprechender Semantik, die nicht von der Form getrennt werden kann, vgl.
8
Duden-Grammatik 2009, S. 1147) sorgt für die größere Akzeptanz des partitiven
Genitivs in (18a) gegenüber (18b) (n=56, p<0.001***).

MW
(18a): Der „Chateau Fougas“, Jahrgang 2005, ist eine Flasche exquisiten Weines. 4,5
(18b): Eine Flasche billigen Weines lag neben dem Obdachlosen. 3,4
Tab. 4: Akzeptanz des Genitivs in Abhängigkeit von Register und Semantik

Ein ganz entscheidender Faktor ist Numerus. Partitive Genitive werden bei Artangaben im
Plural deutlich besser bewertet als bei Artangaben im Singular. Der partitive Genitiv wird
unabhängig davon, welcher Kasus vorausgeht, im Plural als sehr gut bewertet (vgl. Tab. 5).

16
Ich beziehe mich im synchronen Teil in erster Linie auf neutrale und maskuline Artangaben. Das Femininum-
Paradigma hat bezüglich des partitiven Genitivs nur einen beschränkten Aussagewert, da Dativ Singular und
Genitiv Singular homonym sind. Feminina werden etwas ausführlicher in Abschnitt IV.2 thematisiert.
17
Die Aussagen, die im Folgenden getroffen werden, basieren immer auf mehreren entsprechenden Items, die
abgefragt wurden. In den Tabellen werden diese anhand je eines Items stellvertretend veranschaulicht.
18
Mittelwert.

15
Kasus MW
Nom.: (19a): Die Kinder fielen über das Abendessen her wie ein Rudel 4,9
hungriger Wölfe.
Dat.: (19b): Ich hab dich mit einer Gruppe junger Menschen gesehen. 5,5

Akk.: (19c): In der Stadt trafen die Menschen auf eine große Anzahl 5,1
betrunkener Fußballfans.
Tab. 5: Akzeptanz partitiver Genitive bei pluralischen Artangaben

Der partitive Genitiv (vgl. (20a)) wird gegenüber seinen Alternativen ganz klar bevorzugt
(vgl. Tab. 6, jeweils n=49, p<0.001***).

MW
(20a): Ich habe dich mit einer Gruppe junger Menschen gesehen. 5,5
(20b): Ich habe dich mit einer Gruppe junge Menschen gesehen. 1,5
(20c): Ich habe dich mit einer Gruppe jungen Menschen gesehen. 1,5
Tab. 6: Akzeptanz des partitiven Genitivs und seiner Alternativen im Plural

Außerdem ist hinsichtlich zweier Kategorien von Artangaben zu differenzieren, die Einfluss
auf die Akzeptabilität partitiver Genitive haben: Sofern diese im Plural19 stehen, wird der
partitive Genitiv bei substantivierten Adjektiven und Partizipien im gegenwärtigen
Deutschen regelmäßig verwendet und vollkommen akzeptiert – und zwar sowohl mit als auch
ohne attribuierendes Adjektiv. Der partitive Genitiv wird jeweils signifikant besser bewertet
als die Konstruktion mit Nom./Akk. (n=60, p<0.001*** bzw. n=60, p=0.019*). Ist die
Artangabe attribuiert (vgl. (21a) und (21c)), fällt der Unterschied deutlicher aus.

MW
(21a): Gerüchten zufolge ist in Baden-Baden eine große Gruppe alter 5,3
Privatversicherter zu finden.
(21b): Im Zug trafen sie auf eine Gruppe Jugendlicher. 4,9
(21c): Gerüchten zufolge ist in Baden-Baden eine große Gruppe alte 2,7
Privatversicherte zu finden.
(21d): Im Zug trafen sie auf eine Gruppe Jugendliche. 4,3
Tab. 7: Akzeptanz für Nominalphrasen mit substantiviertem Adjektiv

19
Substantivierte Adjektive und Partizipien weisen im Genitiv Singular Maskulinum/Neutrum eine Systemlücke
auf (s. Genitivregel: Duden-Grammatik 82009:968 und auf diesen Fall übertragbar: Duden-Grammatik
8
2009:1000). Entsprechende Konstruktionen mit Artangaben im Singular (z.B. ein Pfund ?Gehackten) wurden
nicht abgefragt.

16
Sowohl die jeweilige Art- als auch die jeweilige Mengenangabe kann einen Einfluss darauf
haben, in welchem Maße der partitive Genitiv als unmarkiert empfunden wird. Im Folgenden
liegt der Fokus aber nicht auf einzelnen Lexemen, sondern auf ausdrucksseitigen Merkmalen
verschiedener Wörter, die eine übergreifende Erklärung der gegenwärtigen Schwankung
ermöglichen. Deshalb wird nur kurz erläutert, inwiefern sich die Gruppe substantivischer
Mengenangaben hinsichtlich der Akzeptanz partitiver Genitive heterogen verhält, was
exemplarisch an den beiden Mengenangaben jede Menge und große Anzahl gezeigt werden
soll.
Tab. 8 zeigt, dass die Artangaben nach große Anzahl, die sich nur hinsichtlich ihres Kasus
unterscheiden, nicht in gleichem Ausmaß akzeptiert werden: Der Genitiv wird signifikant
besser bewertet (n=56, p<0.001***). Beide abgefragten Kasus werden nach jede Menge
hingegen gleich bewertet (n=56, p=0.742). Nach jede Menge wird der Nom./Akk. wesentlich
besser bewertet als nach große Anzahl (n=56, p<0.001***).

Kasus MW
Gen.: (22a): In der Stadt trafen die Menschen auf eine große Anzahl 5,1
betrunkener Fußballfans.
Nom./Akk.: (22b): In der Stadt trafen die Menschen auf eine große Anzahl 3,1
betrunkene Fußballfans.
Gen.: (22c): Als sie in den Zug einstiegen, trafen sie auf jede Menge 4,8
betrunkener Fußballfans.
Nom./Akk.: (22d): Als sie in den Zug einstiegen, trafen sie auf jede Menge 4,7
betrunkene Fußballfans.
Tab. 8: Akzeptanz partitiver Konstruktionen nach verschiedenen Mengenangaben

Dass zwischen einzelnen Mengenbezeichnungen zum Teil deutliche Unterschiede bestehen,


kann analog zum Abbau des partitiven Genitivs in bestimmten Konstruktionen im Frnhd.
erklärt werden. Nach den heutigen Adjektiven viel, wenig usw., die noch im Fnhd. einen
Genitiv regierten, wurde immer dann der Genitiv unüblich, wenn diese Wörter ihren
substantivischen Charakter verloren (vgl. Ebert [u.a.] 1993, S. 333). Es ist also anzunehmen,
dass Anzahl rein substantivisch verwendet wird und keine Entwicklungstendenz zu einer
anderen Wortart erkennen lässt. Die Phrase große Anzahl besteht demnach aus einem
selbstständigen Adjektiv groß und dem separaten Substantiv Anzahl. Hingegen ist es denkbar,
dass die Nominalphrase jede Menge gegenwärtig ihren substantivischen Charakter einbüßt,
die Phrase denominalisiert und sich in Richtung eines Quantitätsadjektivs entwickelt. In der
17
Tat lassen sich Indizien dafür finden, dass diese Entwicklung eingesetzt hat, jede Menge
univerbiert wird und adjektivische Eigenschaften annimmt:20
Betrachtet man jede Menge als Nominalphrase, die aus zwei unabhängigen Wörtern
besteht, muss das Artikelwort jede flektieren und z.B. nach der Präposition mit, die den Dativ
regiert, in die Dativ-Form jeder treten (vgl. (23)).

(23): das ist jede Menge (Nominativ); mit jeder Menge (Dativ)

Wenn die Phrase hingegen als feste Einheit gesehen wird, sollte das ursprüngliche
Artikelwort jede seine Selbstständigkeit verlieren und nicht mehr separat flektieren. jede
sollte dann – auch trotz einer vorangehenden Präposition, die den Dativ regiert – seine Form
beibehalten und nicht flektieren (vgl. (24)), was bei knapp 10 % aller entsprechenden Belege
in DECOW2012 bereits der Fall ist:

(24): das ist jede Menge (Nominativ); mit jede Menge (Dativ)

Absolute Häufigkeit Anteil von jede


mit jeder Menge vs. mit jede Menge 7165 | 773 9,74%
Tab. 9: Flexion von jede in der Phrase jede Menge nach der Dativ-Präposition mit in DECOW2012

Ein weiteres Indiz für eine einsetzende Univerbierung ist, dass die Phrase teilweise klein und
zusammengeschrieben wird. Verschriftlichungen als <jedemenge> sind zwar (noch?)
verhältnismäßig selten, sollten aufgrund ihrer absoluten Vorkommenshäufigkeit im Korpus
aber nicht vernachlässigt werden. Für <großeanzahl> findet sich kein einziger Beleg im
gesamten Korpus.

Absolute Häufigkeit Anteil von <jedemenge>


<jede Menge> vs. <jedemenge> 192974 | 1221 0,63%
Tab. 10: Häufigkeit der Verschriftlichungsvariante <jedemenge> in DECOW2012

20
Die überprüften Kriterien zur Univerbierung orientieren sich vor allem an Szczepaniak (2011), S. 16 und Booij
(2000), S. 676.

18
Nach <jedemenge> überwiegen nicht-genitivische Artangaben im Plural deutlich, wodurch
sich diese Verschriftlichungsvariante besonders auffällig von anderen Mengenangaben
abhebt, die Artangaben im Plural vorausgehen (vgl. Tab. 5 und 6): Auch das spricht für den
Zusammenhang von Nominalitätsgrad der Artangabe und Rektion.21

Absolute Anteil Nichtgenitiv


Häufigkeit
<jedemenge> + Nom./Dat./Akk. 20 84,4%
<jedemenge> + Genitiv 103
Tab. 11: Flexion von Adjektiv und Substantiv nach <jedemenge> in DECOW2012

III.2.3 Was folgt auf den partitiven Genitiv?


Die Akzeptabilitätsurteile zeigen, dass Konstruktionen mit eindeutigem (d.h. nicht
homonymem, also maskulinem) Nominativ entgegen der Aussage von Dückert/Kempcke
(1984, S. 352) als äußerst schlecht bewertet werden, wenn keine Parallelflexion vorliegt:

Kasus MW
Dat. - (24a): Zu einem Glas guter Wein ließ sich Kim meistens überreden. 2,0
Nom.
Gen. - (24b): Der Vitamingehalt ist einer der großen Vorteile eines Bechers 2,1
Nom. frischer Apfelsaft.
Tab. 12: Akzeptanz des Nominativs nach obliquen Kasus

Auch die Aussage von Engel (31996, S. 618), der Dativ fungiere als »genereller Kasus
obliquus«, ließ sich nicht bestätigen:

Kasus MW
Akk. (25a): Hannah aß zum Abendessen gerne eine Scheibe frischem Brot. 1,9
- Dat.
Nom. (25b): Dazu wurde eine Tasse heißem Tee gereicht. 1,9
- Dat.
Tab. 13: Akzeptanz nicht parallel flektierter Artangaben im Dativ

Die Gegenwartsgrammatiken beschreiben größtenteils die Parallelflexion als die


Konstruktion, die für die Nachfolge des partitiven Genitivs am ehesten in Frage kommt und

21
Hinzu kommt, dass auch die eingeschränkte Ersetzbarkeit von jede in der Phrase jede Menge für die oben
skizzierte Analyse spricht.

19
empfehlen diese gegenüber anderen Verfahrensweisen. Die Parallelflexion wird im Singular
auch tatsächlich durchgehend als gut bewertet und zwar ausnahmslos besser als der am besten
bewertete partitive Genitiv. Lediglich die Parallelflexion nach einem Dativ wurde signifikant
schlechter bewertet (vgl. (26d)). Auch alle anderen Alternativen zum partitiven Genitiv
werden (im Singular) durchgehend weniger akzeptiert als die am schlechtesten bewertete
Konstruktion mit Parallelflexion.
Interessanterweise zeigen sich Unterschiede je nach parallel flektiertem Kasus, die in den
Grammatiken nicht beschrieben werden. Die Unterschiede zwischen den Sätzen mit Dativ
bzw. Nominativ sind nicht signifikant (n=61, p=0.269). Der Satz, in dem Mengen- und
Artangabe im Akkusativ stehen, wird aber deutlich und signifikant besser bewertet als der mit
Parallelflexion im Dativ (n=61 p<0.001***) oder im Nominativ (n=61, p<0.001***).

Kasus MW
Akk. (26a): Ich setze mich nie ohne eine Tasse heißen Tee in den Wintergarten. 5,2
Gen. (26b): Aufgrund eines Bechers frischen Tees war der Gast vollkommen 4,8
zufrieden.
Nom. (26c): Eine Tasse schwarzer Kaffee ist morgens Pflicht für mich. 4,3
Dat. (26d): Ich lasse den Tag bei einem Glas gutem Wein ausklingen. 4,0
Tab. 14: Bewertung der Parallelflexion in unterschiedlichen Kasus, sortiert nach durchschnittlicher Akzeptanz

Ein Phänomen, das mit dieser Beobachtung in Zusammenhang steht, ist das Auftreten
schwach flektierter Adjektive nach Mengenangaben im Dativ. Diese Konstellation ist nicht
selten zu beobachten, obwohl nach Mengenangaben das Adjektiv, um der Norm zu
entsprechen, stark flektiert werden muss. Im starken Neutrum-Paradigma findet sich das
Flexiv -(e)n nur für den Genitiv (vgl. Tab. 15).

Singular Plural
Femininum Neutrum Maskulinum
Nominativ kalte Milch kaltes Wasser kalter Rauch kalte Sachen
Akkusativ kalte Milch kaltes Wasser kalten Rauch kalte Sachen
Dativ kalter Milch kaltem Wasser kaltem Rauch kalten Sachen
Genitiv kalter Milch kalten Wassers kalten Rauchs kalter Sachen
Tab. 15: Starke Flexionsformen des Adjektivs

Trotzdem wird -(e)n zur Flexion von Adjektiven, die ein neutrales Substantiv attribuieren,
verwendet, auch wenn das Substantiv nicht im Genitiv steht. Die Form des Adjektivs
entspricht dann der schwachen Flexion (vgl. Tab. 16).
20
Singular Plural
Maskulinum Femininum Neutrum
Nominativ dieser kalte Rauch diese kalte Milch dieses kalte Wasser
diese kalten
Sachen
Akkusativ diesen kalten diese kalte Milch dieses kalte Wasser diese kalten
Rauch Sachen
Dativ diesem kalten dieser kalten diesem kalten diesen kalten
Rauch Milch Wasser Sachen
Genitiv dieses kalten dieser kalten dieses kalten diesen kalten
Rauchs Milch Wassers Sachen
Tab. 16: Schwache Flexionsformen des Adjektivs

Dass diese nicht der Norm entsprechende Konstruktion durchaus häufig verwendet wird,
zeigt Tab. 17, die Daten aus DECOW2012 zusammenfasst:

Exemplarischer Beleg absolut relativ


Parallelflexion (27a): Ich rühre das Calciumcarbonat mit einem 319 53,8%
Eßlöffel warmem Wasser an und gebe es dann unter
das Fleisch.
part. Genitiv (27b): Er sprang auf, spülte den Geschmack des 136 22,9%
Schlafes mit einem Schluck eiskalten Wassers
hinunter und verließ seine Kammer.
sw. Flexion (27c): In der Zwischenzeit löst man das Pulver in 119 20,1%
einem Liter warmen Wasser auf.
Nom./Akk. (27d): Setzen Sie sich auf einen Stuhl mit einem Eimer 19 3,2%
heißes Wasser zu Ihren Füßen.
Tab. 17: In DECOW2012 ermittelte Häufigkeit unterschiedlicher Flexionsformen des Adjektivs zwischen einer
maskulinen Mengenangabe im Dativ (samt Artikel einem) und der neutralen Artangabe Wasser

Diese Konstruktion tritt nur dann auf, wenn die Mengenangabe im Dativ Singular steht. Für
alle anderen Fälle ließ sich die schwache Adjektivflexion nicht belegen.
Auch die Akzeptabilitätsurteile zeigen, dass die schwache Adjektivflexion, die von der
Duden-Grammatik (82009, S. 983) explizit als ungrammatisch klassifiziert wird, toleriert,
bzw. sogar als gut bewertet wird. Die von den Grammatiken als zweifelsfrei richtige und
teilweise einzig richtige Alternative zum partitiven Genitiv beschriebene Parallelflexion (vgl.
(28c)) wird von den ProbandInnen nach einer Mengenangabe im Dativ nur in geringem Maße,

21
wenn auch signifikant, besser bewertet als (28a) in Tab. 18, das ein schwach flektiertes
Adjektiv enthält (n=61, p=0.027*). 26 ProbandInnen (ca. 43% der Befragten, denen dieses
Item vorgelegt wurde) bewerteten diese Konstruktion mit schwach flektiertem Adjektiv mit
mindestens vier Punkten, also eher gut als schlecht.
Außerdem zeigt sich auch in den Akzeptabilitätsurteilen, dass die schwache
Adjektivflexion auf Fälle, in denen ein Dativ Singular vorausgeht, beschränkt zu sein scheint,
was sich an (28a) (Dativ) und (28b) (Akkusativ) veranschaulicht zeigt (n=61, p<0.001***).

MW
(28a): Johanna erfrischte sich nach der anstrengenden Tour bei einem Glas kalten 3,4
Wasser.
(28b): Christoph wollte gerne ein Stück frischen Obst verzehren. 2,2
(28c): Ich lasse den Tag bei einem Glas gutem Wein ausklingen. 4,1
Tab. 18: Akzeptanz der schwachen Adjektivflexion verglichen mit der Akzeptanz von Parallelflexion im Dativ

Ausschließlich bei Eisenberg (42013, S. 262) werden Konstruktionen des Typs einem Glas
guten Wein, bei denen die Artangabe homonym mit dem Akkusativ Singular
(Maskulinum) ist, aber keine Parallelflexion im Akkusativ vorliegt, nicht für ungrammatisch
erklärt. Belege für solche Konstruktionen finden sich dann, wenn ein Dativ vorausgeht.

Exemplarischer Beleg absolut relativ


Parallelflexion (29a): Nach einem Gläschen rotem Wein gibt es ein 41 15,6%
Festessen!
part. Genitiv (29b): Im Anschluss besteht die Möglichkeit, bei einem Glas 97 39,3%
griechischen Weins miteinander ins Gespräch zu kommen.
sw. Flexion (29c): Entspannen Sie sich außerdem mit einem Glas 108 43,7%
hausgemachten Wein auf der Sommerterrasse.
unflektiert (29d): […] während wir im Wohnzimmer bei einem Glas 1 0,4%
lecker Wein (oder auch 2 mehr) den Abend locker ausklingen
lassen […]
Tab. 19: In DECOW2012 ermittelte Häufigkeit unterschiedlicher Flexionsformen des Adjektivs zwischen einer
Mengenangabe im Dativ (samt Artikel einem) und der maskulinen Artangabe Wein

Solche Konstruktionen werden im Akzeptanztest als gut bewertet. Im Vergleich zu den


Alternativen – partitiver Genitiv (vgl. (30b)) und Parallelflexion (vgl. (30c)) – erhalten sie die
höchste Bewertung (vgl. Tab. 20), die Unterschiede sind allerdings nicht signifikant (jeweils
n=60, p>0,05). Die Konstruktion, die lediglich Eisenberg (42013, S. 262) als grammatische

22
Variante in Erwägung zieht, wird also nicht schlechter bewertet als der partitive Genitiv und
die Parallelflexion.
MW
(30a): Mit einer Tasse heißen Tee lässt sich der Winter doch viel besser ertragen. 4,1
(30b): Zu einer Tasse heißen Tees reichen wir stets ein paar Kekse. 3,7
(30c): Ich lasse den Tag bei einem Glas gutem Wein ausklingen. 4,0
Tab. 20: Akzeptanz von Artangaben im Genitiv, vermeintlichem Akkusativ und Parallelflexion im Dativ

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Hentschels (1993) Ergebnissen ab: Wenn die vorgegebene
Mengenangabe im Akkusativ steht, wird am häufigsten parallel flektiert (zu 97%, 89%, 88%).
Steht die Mengenangabe im Nominativ, erfolgt seltener Parallelflexion (zu 74%). In
Konstruktionen mit einer Mengenangabe im Dativ wird nochmals deutlich weniger
Parallelflexion angewandt (40%, 48%). Stattdessen wird hier aber größtenteils nicht der
partitive Genitiv verwendet (sein Vorkommen verändert sich kaum: 11%, 13%), sondern eine
Form, die Hentschel (1993, S. 325) als Akkusativ interpretiert (vgl. (31)):

(31): Ich habe ihn mit einer Flasche billigen Fusel im Park sitzen sehen. (aus
Hentschel 1993, S. 325)

Diese Form wird von 45% der Befragten bevorzugt und kommt damit in diesem Beispiel
häufiger vor als die Parallelflexion.
Im Gegensatz zu Eisenberg (42013, S. 262) und Hentschel (1993, S. 326) analysiere ich
Wortformen des Typs billigen in (31) allerdings nicht als Akkusativ, sondern als Formen, die
eine schwache Adjektivendung enthalten und nicht in Bezug auf einen bestimmten obliquen
Kasus markiert sind. Für diese Annahme sprechen folgende Beobachtungen: Auch Adjektive,
die mit neutralen Substantiven kongruieren, können die Endung -en annehmen, ohne dass das
Substantiv ein -s trägt (vgl. Tab. 17). Solche Formen, die ausschließlich der schwachen
Flexion entsprechen, werden nicht signifikant schlechter beurteilt als Adjektive, die mit
maskulinen Substantiven kongruieren, bei denen also die Flexion mit -en mit der
Akkusativform (und der schwachen Flexion) homonym ist (vgl. (32a) und (32b); n=60,
p=0.443). Kurz gesagt: Für die Akzeptanz der Sätze ist es unerheblich, ob das Adjektiv nach
der starken Flexion dekliniert oder nicht, obwohl das die Norm vorschreibt.

23
MW
(32a): Mit einer Tasse heißen Tee lässt sich der Winter doch viel besser ertragen. 4,1
(32b): Fritz saß nun schon sehr lange nur mit einem Glas kalten Wasser auf der 3,9
Terrasse.
(32c): Aus einem Glas kaltes Wasser machen sie hier im Restaurant eine große 2,5
Sache.
Tab. 21: Akzeptanz der schwachen Adjektivflexion verglichen mit eindeutigem Akkusativ

Ein weiteres Argument für die These, dass es sich bei (31) und (32a) nicht um einen
Akkusativ, sondern um ein schwach flektiertes Adjektiv handelt, ist, dass der eindeutige
Akkusativ nach einer Mengenangabe im Dativ (vgl. (32c)) signifikant schlechter bewertet
wird als (32b), das eindeutig ein schwach flektiertes Adjektiv enthält (n=60, p<0.001***).
Nicht der Kasus, sondern die Form ist entscheidend für die Verwendung und Akzeptanz
solcher Konstruktionen.
Zusammenfassend kann demnach festgehalten werden, dass die Parallelflexion
grundsätzlich als Alternative zum partitiven Genitiv bevorzugt wird. Allerdings greift dieses
Prinzip nicht durchgängig, was zu Variation im Sprachgebrauch führt: Wenn die Artangabe
im Plural steht, wenn es sich bei der Artangabe um ein substantiviertes Adjektiv oder Partizip
handelt (in diesen Fällen wird nach wie vor der Genitiv bevorzugt) oder wenn die
Mengenangabe im Dativ Singular steht (in diesem Fall wird häufig die schwache
Adjektivendung -en gewählt), kann von der Parallelflexion abgewichen werden.
Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, diese Beobachtungen zu erklären,
wobei auch die Variation im Fnhd., die aus dem unterschiedlichen Verhalten stark und
schwach flektierender Substantive resultiert, einbezogen wird. Dazu stelle ich kurz das
Konzept der Signalstärke vor und beziehe es auf die Schwankungsfälle im Nhd. und Fnhd.
Dabei orientiere ich mich vornehmlich an Köpcke (1993), thematisiere im Gegensatz zu ihm
aber nicht die Relevanz der Signalstärke mit Blick auf die deutsche Pluralallomorphie,
sondern wende das Konzept auf die Kategorie Kasus an.

IV. Analyse

IV.1 Das Konzept der Signalstärke


Die Signalstärke wird über »perzeptuelle Charakteristika« (Köpcke 1993, S. 82) der Flexive
bestimmt und beschreibt den Gesamteffekt folgender Merkmale: akustisch wahrnehmbare
Salienz, Typenfrequenz, die »Validität des Signals im Hinblick darauf, eine bestimmte
24
sprachliche Funktion verläßlich zu markieren« (ebd.) sowie Ikonizität.22 Adjektiv und
Substantiv einer Nominalphrase können dabei nicht getrennt betrachtet werden, da sie
mitunter kombinatorisch den Kasus der Phrase markieren. Im Folgenden werden die Flexive
von Adjektiv und Substantiv (falls am Substantiv vorhanden) als Einheit behandelt.
Salienz ist gegeben, wenn eine morphologische Markierung gut wahrnehmbar ist. Köpcke
(1993, S. 83) zieht, um die Salienz einzelner Flexive zu beurteilen, in erster Linie zwei
Kriterien heran, die auf Slobin (1973) zurückgehen, hinsichtlich derer sich die Flexive zur
Kasusmarkierung nicht unterscheiden: Alle Flexive sind am Wortende zu finden und
segmentierbar. Auch hinsichtlich der anderen Kriterien ergibt sich kein Unterschied zwischen
den Kasusmarkierungen (vgl. Slobin 1978, S. 205). Die Markierung des Genitivs an Adjektiv
und neutralem oder maskulinem Substantiv mit -en + -(e)s kann dennoch als salienter gelten
als die anderen Markierungen. Dass neben dem Adjektiv auch das Substantiv flektiert wird,
sorgt für eine höhere »akustische Prominenz« (Köpcke 1993, S. 82), zumal diese Markierung
silbenbildend sein kann (vgl. (33)).

(33): Nominativ: leckerer Wein vs. Genitiv: leckeren Weines

Die Typenfrequenz leitet sich aus der Anzahl identischer Formen in unterschiedlichen
Paradigmen ab, die den gleichen Kasus markieren sollen. Es ergeben sich folgende
Paradigmen:23

22
Die Frage, ob diese Komponenten unterschiedlich gewichtet werden sollten, wird bei Köpcke (1993) nicht
thematisiert und kann auch hier nicht weiter verfolgt werden.
23
Angegeben sind jeweils die Flexive des Adjektivs. Wird der Kasus auch am Substantiv markiert, wird das
entsprechende Flexiv ebenfalls genannt. Eine detailliertere Unterscheidung von Flexionstypen ist hier nicht
relevant. Sich aus den unterschiedlichen Flexionsklassen ergebende Unterschiede stehen in Klammern.

25
f. n. m. m.
(+ starkes Subst.) (+ schwaches Subst.)
Nom. Sg. -e -es -er -er
Akk. Sg. -e -es -en -en + (e)n
Dat. Sg. -er -em -em -em + (e)n
Gen. Sg. -er -en + (e)s -en + -(e)s -en + -(e)n
Nom. Pl. -e -e -e -e
Akk. Pl. -e -e -e -e
Dat. Pl. -en (+ -n) -en (+ -n) -en (+ -n) -en
Gen. Pl. -er -er -er -er
Tab. 22: Typenfrequenz von starken Flexiven zur Kasusmarkierung bei Adjektiven (und ggf. Kasusflexiv am
Substantiv)

Die Typenfrequenz ergibt sich aus der Anzahl eines Flexivs pro Zeile und der in Abb. 3
dokumentierten Kategorienfrequenz der Genera (inkl. stark/schwach-Unterscheidung bei den
Maskulina): Maximal typenfrequent sind alle Kasusmarker im Plural. Jedes Adjektiv, egal
welches Genus das Substantiv hat, mit dem es kongruiert, markiert den Kasus mit dem
gleichen Flexiv. Im Singular weisen -em und -(e)n + -s die höchste Typenfrequenz auf, da sie
vor stark flektierenden maskulinen und vor neutralen Substantiven verwendet werden müssen.
51,5 % der Substantive im Deutschen markieren den Genitiv Singular mit dem Flexiv -(e)s.

neutral
20%

feminin
46%

maskulin
(stark)
31,5%

maskulin
(schwach)
2,5%

Abb. 3: Kategorienfrequenz der drei Genera, ergänzt um die Differenzierung zwischen starken und schwachen
Maskulina (Quelle: http://www.duden.de/sprachratgeber/die-verteilung-der-artikel-genusangabe-im-
rechtschreibduden; zur Frequenz der schwachen Maskulina: Köpcke 1995, S. 160)

26
Wird ein Flexiv verwendet, um verschiedene Kasus auszudrücken, sinkt seine
Signalvalidität. In Tab. 23 sind homonyme Flexive unterschiedlicher Kasus mit gleicher
Grauschattierung hinterlegt. Je polyfunktionaler ein Flexiv ist (hier: je mehr Zeilen ein Flexiv
besetzt), desto niedriger ist seine Validität.

f. n. m. m.
(+ stark Subst.) (+ schwaches Subst.)
Nom. Sg. -e -es -er -er
Akk. Sg. -e -es -en -en + (e)n
Dat. Sg. -er -em -em -em + (e)n
Gen. Sg. -er -(e)n + -(e)s -(e)n + -(e)s -en + (e)n
Nom. Pl. -e
Akk. Pl. -e
Dat. Pl. -en (+n)24
Gen. Pl. -er
Tab. 23: Signalvalidität von starken Kasusmarkierungen bei Adjektiven (und ggf. Kasusflexiv am Substantiv)

Aus Tab. 23 ergibt sich die Bewertung der einzelnen Flexive hinsichtlich ihrer Signalvalidität,
die in Tab. 24 zusammengefasst ist:

Flexiv Anzahl Kategorien Kennzeichnung in den folgenden Tabellen


-em 1 +
-en + -(e)s 1
-en 2 +/-
-es 2
-e 4 -
-er 4
Tab. 24: Flexive zur Kasusmarkierung, geordnet nach Validität

Ikonizität bezieht sich im Sinne der Natürlichkeitsmorphologie auf das Verhältnis von Form
und Funktion. Sie ist gewährleistet, wenn »das, was semantisch mehr ist, auch konstruktionell
mehr« ist (Köpcke 1993, S. 83). Lediglich -en + -(e)s unterscheidet sich bzgl. der Ikonizität
von den anderen Kasusmarkierungen, und zwar muss in dem Kontext zwischen -en + -s und
-en + -es unterschieden werden. Der Nominativ wird als Basis einer Kategorie und somit als
unmarkiert gesehen, während die obliquen Kasus semantisch markiert sind. Diesem Mehr an

24
Dativ Plural und Akkusativ Singular (Maskulinum) sind nicht durchgehend homonym. Aufgrund des
Flexivs -n am Nomen unterscheiden sich die Formen z.B. in der starken Deklination der Neutra.

27
Inhalt entspricht an einem singularischen Substantiv nur die formale Markiertheit des
Genitivs bei maskulinen und neutralen Substantiven. Im Plural wird lediglich der Dativ am
Substantiv markiert. Diese Markierung ist aber im Vergleich zur Markierung des Genitiv
Singular neutraler und maskuliner Substantive nie silbenbildend. Köpcke (1993, S. 83) geht
davon aus, dass eine Markierung, die ein inhaltliches Mehr ausdrücken soll, eher ikonisch ist,
wenn sie silbenbildend ist. Je nach Substantiv kann oder muss der Genitiv Singular mit dem
silbischen -es gebildet werden (vgl. Szczepaniak 2010). Alle anderen Kasuskennzeichnungen
verändern die Silbenanzahl gegenüber dem Casus rectus nicht (vgl. Tab. 25). Somit ist -en
+ -es ikonischer als die anderen Flexive.

Singular Plural
Nom. schneller Bus schnelle Busse
Akk. schnellen Bus schnelle Busse
Dat. schnellem Bus schnellen Bussen
Gen. schnellen Busses schneller Busse
Tab. 25: Silbenbildendes Flexiv beim Genitiv Singular

In Tab. 26 sind die Eigenschaften aller Kasusmarkierungen zusammengetragen, aus denen


sich die Signalstärke ergibt.25 Homonyme Flexive dürfen dabei nicht als dasselbe Flexiv
betrachtet werden, da es jeweils um die Signalstärke bezogen auf eine bestimmte Kategorie
geht. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Signalstärken für homonyme Flexive: -er ist z.B.
aufgrund der höheren Typenfrequenz für den Genitiv Plural signalstärker als für den
Nominativ Singular maskuliner Substantive.
Im Folgenden werden die Unterschiede bzgl. der Signalstärke auf die Beobachtungen aus
den vorigen Abschnitten bezogen.26 Dazu werden an geeigneter Stelle nochmals Auszüge aus
Tab. 26 präsentiert.

25
Schwache Maskulina kommen (aufgrund semantischer Merkmale) im Singular so gut wie nie als Artangabe in
Frage (vgl. z.B. Köpcke 1995), weshalb sie im Folgenden um der Übersichtlichkeit willen nachrangig behandelt
werden. Bezogen auf den Plural treffen die Ausführungen zu den starken Maskulina und den anderen Genera im
gleichen Maß auch auf die schwachen Maskulina zu.
26
Dabei basiert die Berechnung der Typenfrequenz auf den in Abb. 3 dargestellten Werten.

28
Markierung Genus Salienz Typenfrequenz Validität Ikonizität
(Genus)
-e f. + 46 % - -
Nom. Sg. -er m. + 34 % - -
-es n. + 20% +/- -
-e f. + 46 % +/- -
Akk. Sg. -en m. + 31,5 % - -
-es n. + 20 % +/- -
Dat. Sg. -er f. + 46 % - -
-em m./n. + 51,5 % + -
Gen. Sg. -er f. + 46% - -
-en + -(e)s m./n. ++ 51,5% + +/-
Nom. Pl. -e + 100% - -
Akk. Pl. -e + 100% - -
Dat. Pl. -en (+ -n) + 100% +/- +/-
Gen.Pl. -er + 100% - -
Tab. 26: Signalstärken der Kasusmarkierungen

IV.2 Die Auswirkungen der Signalstärke


Eine Funktion des Genitivs in der Geschichte des Deutschen war der Ausdruck von
Partitivität (vgl. Nishiwaki 2010, S. 17-19). Das vielzitierte Beispiel aus dem ›Iwein‹ (Iw, V.
3310-3311) in (34) veranschaulicht diese Funktion anhand eines adverbalen Genitivs. Von
Bedeutung ist hier der semantische Unterschied zwischen Akkusativ (die betreffende Menge
wird als Ganzes affiziert – Partitivität wird nicht ausgedrückt) und Genitiv (eine Teilmenge
wird affiziert): während ein wazzer nicht komplett vom Verb tranc betroffen ist und folglich
im Genitiv steht, ist daz brôt in seiner Gesamtheit betroffen und steht deshalb im Akkusativ.

(34): er âz daz brôt und tranc dâ zuo eines wazzers daz er vant (Iw, V. 3310-3311)

Diesen semantischen Gehalt, der auch den Genitiv nach nominalen Mengenangaben
motivierte, büßt der Genitiv im Laufe der Zeit ein.27 Nishiwaki (2010, S. 130) zeigt, »dass die
Konstruktion ‘quantitatives Nomen + Genitivus partitivus’ als Quantitätsbezeichnung etabliert
wurde und damit der Gebrauch des Genitivs mechanisch wurde«, während die partitive Lesart
des Genitivs abhanden kam.28 Ein Glas kalten Wassers und ein Glas kaltes Wasser können
heute (abgesehen von Registerunterschieden) als semantisch äquvalent angesehen werden.
27
Zur zeitlichen Einordnung s. Donhauser (1998), S. 84.
28
Die Konstruktion als Ganzes drückt demnach Partitivität aus, nicht mehr der Genitiv allein, weshalb der
Begriff partitiver Genitiv rein synchron betrachtet irreführend ist. Hier kann zudem zwischen – aus semantischer
Perspektive – echt partitiven (die Hälfte des Weins) und pseudo-partitiven Konstruktionen (ein Glas Wein)
unterschieden werden, wobei echt partitive Konstruktionen in der Regel ein Substantiv beinhalten, das eine
Teilmenge bezeichnet (z.B. Hälfte, Teil oder Stück).
29
Die Genitivmarkierung ist in solchen Konstruktionen somit ein flexivischer Überrest einer
nicht mehr vorhandenen Funktion und hat keinen semantischen Mehrwert, was die in
Abschnitt II beschriebene Reanalyse befördert und zum Abbau der entsprechenden Flexive
führt. Dabei sind signalstarke, also markante und auffällige Markierungen grundsätzlich eher
vom Abbau betroffen als signalschwache.
Von großer Bedeutung für die Abbaugeschwindigkeit ist in erster Linie die Signalstärken-
Differenz zwischen den infrage kommenden Flexiven. Die Kasusinformation ist hingegen von
geringer Bedeutung. Alle vier Kasus verändern das Konzept des Bezeichneten nicht und
verursachen keinen Bedeutungsunterschied. Deshalb werden generell signalschwache Flexive
bevorzugt. Welchen Kasus sie markieren, ist zweitrangig.
Somit zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen der Wirkung der Signalstärke in
Bezug auf den partitiven Genitiv und deren Bedeutung bzgl. der Pluralallomorphie. Köpcke
(1993, S. 133) erklärt, dass die besten Markierungen der relevanteren Kategorie Numerus
diejenigen seien, die die größte Signalstärke aufweisen. Die Eignung eines Flexivs zur
Markierung einer Kategorie steigt hier also mit seiner Signalstärke. Bzgl. des partitiven
Genitivs wirkt sich Signalstärke anders aus, da der Kasusausdruck mit keinerlei semantischem
Mehrwert verbunden ist: Die größere Signalstärke führt gerade zu einem verstärkten Abbau
des partitiven Genitivs. Besonders auffällige und aufwendige Markierungen eines Kasus, der
aus funktionellen Gründen eigentlich nicht mehr ausgedrückt werden muss, erscheinen nun in
einem hohen Maße inadäquat und werden schneller abgebaut. Signalschwache Flexive, die
den Kasus nicht eindeutig markieren und weniger markant sind, werden eher toleriert und
vom Abbau verschont als signalstarke Flexive. Da der Genitiv hier nicht mehr motiviert ist,
wirkt sich die Signalstärke seiner Markierung aus Gründen der Ökonomie beschleunigend auf
den Abbau aus.
Mit dieser Beobachtung lassen sich die in den vorigen Abschnitten präsentierten
synchronen (im Folgenden die Punkte 1 bis 3) und diachronen Daten (Punkt 4) erklären:

1. Numerussensitivität
Die Markierung des Genitivs durch -en + -(e)s bei maskulinen und neutralen Artangaben im
Singular kann als signalstärker eingestuft werden als die Markierung des Genitivs im Plural
durch -er. Da Feminina im Singular anders markiert werden als Maskulina und Neutra, weist
-en + -(e)s, im Gegensatz zu -er, keine maximale Typenfrequenz auf. -en + -(e)s ist dennoch

30
vergleichsweise typenfrequent. Kein Merkmal, das im Singular einen Kasus markiert, weist
eine höhere Typenfrequenz auf (vgl. Tab. 27).

Flexive Kasus Genus/Genera Typenfrequenz


-e, -er, -en, -e Nom., Akk., Dat., Gen. Pl. f./m./n. 3 Genera 100 %
-en + -s Gen. Sg. (st.) m./n. 2 Genera 51,5 %
-em Dat. Sg. (st.) m./n.
-e Nom. Sg. + Akk. Sg. f. 1 Genus 46 %
-er Gen. Sg. + Dat. Sg. f.
-er Nom. Sg. (st.) m. 1 Genus 34 %
-en Akk. Sg. (st.) m.
-es Nom. Sg. + Akk. Sg. n. 1 Genus 20 %
Tab. 27: Typenfrequenz einzelner Flexive

Hinsichtlich des Faktors Typenfrequenz ist -er (als Flexiv im Genitiv Plural) also geringfügig
signalstärker als -en + -(e)s, was aber durch den Faktor Validität wieder ausgeglichen wird.
-en + -(e)s ist maximal valide, da diese Markierung ausschließlich verwendet wird, um den
Genitiv Singular zu kennzeichnen (vgl. Tab. 23). -er hingegen hat von allen Kasusmarkern
(gemeinsam mit -e) die niedrigste Signalvalidität. Es wird verwendet, um Nominativ Singular
(Maskulinum), Genitiv Singular (Femininum), Dativ Singular (Femininum) und Genitiv
Plural zu markieren (vgl. Tab. 23). Hinzu kommt die größere Ikonizität und Salienz von -en +
-es (vgl. Abschnitt IV.1).

Markierung Salienz Typenfrequenz Validität Ikonizität


-en + -(e)s ++ + 51,5% + (keine weitere Kategorie) +/-
Tab. 28: Signalstärke für -en + -(e)s

Markierung Salienz Typenfrequenz Validität Ikonizität


-er + + 100% - (3 weitere Kategorien) -
Tab. 29: Signalstärke für -er im Genitiv Plural

Diese Differenz hinsichtlich der Signalstärke (vgl. Tab. 28 und 29) und vor allem der
Signalvalidität ist ein Grund dafür, dass der Abbau des partitiven Genitivs bei Artangaben im
Singular weiter vorangeschritten ist als bei pluralischen Artangaben. Im Plural gibt es keine

31
Alternative zum partitiven Genitiv, die signalschwächer ausgedrückt wird, was durchaus
dafür sprechen könnte, dass der Genitiv hier beibehalten und nicht abgebaut wird.29

Markierung Salienz Typenfrequenz Validität Ikonizität


-e (Nom.) + + 100% - (3 weitere Kategorien) -
-er (Gen.) + + 100% - (3 weitere Kategorien) -
-en (Dat.) + + 100% +/- (max. 1 weitere Kategorie) +/-
-e (Akk.) + + 100% - (3 weitere Kategorien) -
Tab. 30: Signalstärkedifferenzen im Plural

Im Singular wird der partitive Genitiv hingegen am signalstärksten markiert. Vor allem der
Nominativ und der Akkusativ bieten sich als Alternativen an, da sie wesentlich
signalschwächer markiert werden (vgl. Tab. 31 und 32).

Markierung Salienz Typenfrequenz Validität Ikonizität


-er (Nom.) + - (34%) - (3 weitere Kategorien) -
-en (Akk.) + - (34%) +/- (1 weitere Kategorie) -
-em (Dat.) + + (51,5%) + (keine weitere Kategorie) -
-en + s ++ + (51,5%) + (keine weitere Kategorie) +/-
(Gen.)
Tab. 31: Signalstärkendifferenz im Singular bei maskulinen Substantiven

Markierung Salienz Typenfrequenz Validität Ikonizität


-es (Nom.) + - (20%) +/- (1 weitere Kategorie) -
-es (Akk.) + - (20 %) +/- (1 weitere Kategorie) -
-em (Dat.) + + (51,5%) + (keine weitere Kategorie) -
-en + -s ++ + (51,5%) + (keine weitere Kategorie) +/-
(Gen.)
Tab. 32: Signalstärkendifferenzen im Singular bei neutralen Substantiven

2. Substantivierte Adjektive und Partizipien


Alle Flexive, die an substantivierten Adjektiven und Partizipien den Kasus markieren, weisen
in etwa die gleiche Signalstärke auf (vgl. Tab. 33). Das scheint ein Grund dafür zu sein, dass
der Abbau – im Vergleich zum Abbau des partitiven Genitivs bei genuinen Substantiven im
Singular – weniger weit fortgeschritten ist und hier auch noch bei nichtattribuierten
Artangaben der Genitiv verwendet wird.

29
-e ist bzgl. der Signalstärke gleichwertig mit -er, weshalb eine stärkere Tendenz zu -e keinen Vorteil zur Folge
hätte. Hier wird nach wie vor die ursprüngliche Form präferiert.

32
Markierung Salienz Typenfrequenz Validität Ikonizität
-e (Nom.) + 100 % +/- (1 weitere Kategorie) -
-e (Akk.) + 100 % +/- (1 weitere Kategorie) -
-en (Dat.) + 100 % + (keine weitere Kategorie) -
-er (Gen.) + 100 % + (keine weitere Kategorie) -
Tab. 33: Signalstärke für substantivierte Adjektive im Plural30

3. Schwache Flexion nach Mengenangaben im Dativ Singular


Auch mit Blick auf die zwar normwidrige, aber zum Teil akzeptierte und nicht selten
verwendete schwache Flexion als Alternative zum partitiven Genitiv ist die Signalstärke der
betroffenen Flexive relevant: In Abschnitt III wurde gezeigt, dass die Parallelflexion bei
Artangaben im Singular grundsätzlich als Alternative zum partitiven Genitiv bevorzugt wird.
Das spricht dafür, dass in diesen Fällen das Prinzip der Polyflexion greift. Dabei handelt es
sich um »ein Prinzip, das mit dem Bestreben einer maximalen ausdrucksseitigen Realisierung
grammatischer Informationen verbunden« (Moulin-Fankhänel 2000, S. 90) und für
Kongruenz innerhalb von Nominalphrasen verantwortlich ist. Die Phrase wird aus
syntaktischen Gründen gestärkt.
Allerdings wird dieses Prinzip nicht durchgängig angewendet und auch nicht immer gleich
gut bewertet. Nach Mengenangaben im Dativ scheint sich die schwache Flexion als
Alternative zu etablieren. Das kann mit der hohen Signalvalidität des Flexivs -em erklärt
werden, die wiederum seine Signalstärke erhöht (vgl. Tab. 23 und 26). -em ist nach -en + -
(e)s die signalstärkste Kasusmarkierung. Da nach Mengenangaben diejenigen Adjektivformen
bevorzugt werden, die keine hohe Signalstärke aufweisen, wird nach dativischen
Mengenangaben seltener parallelflektiert und stattdessen die indifferente schwache Flexion
genutzt, sodass das signalstarke Flexiv -em vermieden wird. Umgekehrt wird die
Parallelflexion dann am besten bewertet, wenn die Mengenangabe im Akkusativ steht, denn
die entsprechenden Flexive (-en, -es und -e) sind allesamt deutlich signalschwächer als -em
(vgl. Tab. 26).31

30
Aufgrund der bereits in Abschnitt III.2.2 kurz thematisierten Systemlücke von substantivierten Adjektiven und
Partizipien im Genitiv Singular Maskulinum/Neutrum, werden Singular-Formen hier nicht thematisiert.
31
In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass -m verglichen mit den übrigen Adjektivflexiven auch eine
signifikant längere Verarbeitungszeit evoziert, was Clahsen [u.a.] (2001) mithilfe eines Visual Lexical Decision
Tasks und eines Cross-Modal Priming Tasks zeigen. Dieser Unterschied wird dort darauf zurückgeführt, dass -m
eine höhere Signalvalidität hat (vgl. Clahsen [u.a.] 2001, S. 520).

33
Die schwache Adjektivflexion nach dativischen Mengenangaben weist damit Parallelen zur
Konkurrenz von Poly- und Monoflexion bei zwei oder mehr koordinierten Adjektiven auf
(vgl. (35)): Auch hier ist Monoflexion nur in dativischen Nominalphrasen zu beobachten. Das
wird mit der »maximalen Informationseindeutigkeit« (Moulin-Fankhänel 2000, S. 90), also
der hohen Signalvalidität des Flexivs -m erklärt, das dem ersten Adjektiv zukommt. Der
Kasus der koordinierten Adjektive wird also am ersten Adjektiv bereits eindeutig
ausgedrückt, sodass eine Kasusinformation am zweiten Adjektiv redundant wäre, was zum
Auftreten der indifferenten, schwachen Flexion am zweiten Adjektiv führt.32

(35): mit kaltem klarem Wasser vs. mit kaltem klaren Wasser

Im Gegensatz dazu tritt die schwache Flexion bei attribuierten Adjektiven nach dativischen
Mengenangaben nicht deshalb auf, weil der Kasus bereits anderweitig monofunktional
markiert ist, sondern weil die Kasusinformation semantisch irrelevant ist: Das
monofunktionale -m im Artikel der Mengenangabe (vgl. (36a)) begünstigt die schwache
Adjektivflexion zwar, ist aber keineswegs Voraussetzung für deren Auftreten. Auch nach
femininen Artangaben mit nicht monofunktionalem Artikel wird das Adjektiv mitunter
schwach flektiert (vgl. 36b).

(36a): Anschließend können Sie in einer schönen Ferienwohnung bei einem Glas
griechischen Wein den Abend ausklingen lassen. (DECOW2012)

(36b): Eigentlich hätten sie das Buch ruhig mit einer Flasche guten Wein liefern können.
(DECOW2012)

4. Die Bedeutung der Deklinationsklasse beim Abbau des nichtattribuierten Genitivs im


Fnhd.
Die diachronen Daten aus Abschnitt II liefern ebenfalls Evidenz für die Bedeutung der
Signalstärke. Dass Artangaben in Form schwach flektierender Substantive wesentlich
häufiger im Genitiv stehen als stark flektierende Artangaben und zudem im untersuchten

32
Eine weitere Parallele zur Ausbreitung von schwacher Flexion unter Einfluss des Trends zur Monoflexion
bieten Syntagmen des Typs Personalpronomen + appositionsähnliche Nominalphrase: mit dir klugem/klugen
Kerl. Beide Varianten werden als standardsprachlich klassifiziert (vgl. z.B. Duden-Grammatik 82009:960).

34
Zeitraum (noch) keine Abbautendenz erkennen lassen, geht mit deren wesentlich geringerer
Signalvalidität und damit geringerer Signalstärke einher.

Markierung Salienz Validität Ikonizität


-(e)s + + (keine weitere Kategorie) +
-(e)n + - (3 weitere Kategorien) +
Tab. 34: Signalstärkendifferenz im Singular zwischen starken und schwachen Substantiven33

Dass Signalstärke allerdings nicht der einzige Faktor sein kann, der den Abbau des partitiven
Genitivs determiniert, zeigen feminine Artangaben. Bisher fand in erster Linie die Genitiv-
Markierung -en + -(e)s aus den Paradigmen des Maskulinums und des Neutrums Beachtung,
die Adjektiv-Endung -er hingegen kaum. Da im Femininum Dativ Singular und Genitiv
Singular homonym sind, hat das Femininum-Paradigma bezüglich des partitiven Genitivs nur
einen beschränkten Aussagewert, soll aber nicht gänzlich außer Acht gelassen werden.
Beide möglichen Genitiv-Markierungen des Singulars unterscheiden sich hinsichtlich
ihrer Signalstärke: -en + -(e)s ist deutlich signalstärker als -er.

Markierung Salienz Typenfrequenz Validität Ikonizität


-er + +/- (46%) - (3 weitere Kategorien) -
-en + -(e)s ++ + (54%) + (keine weitere +/-
Kategorie)
Tab. 35: Signalstärken für den Genitiv Singular (Femininum und Maskulinum/Neutrum)
Demzufolge könnte man die Tatsache, dass in Hentschels (1993) Untersuchung zum
Gegenwartsdeutschen feminine Artangaben den höchsten Anteil an Genitiven (die allerdings
mit Dativen homonym sind) im Singular aufweisen, mit deren geringerer Signalstärke
erklären und nicht mit dem Synkretismus von Dativ Singular und Genitiv Singular im
Femininum. Für feminine Artangaben im Singular wählten 23 % der befragten den Genitiv
(oder Dativ). Bei allen maskulinen und neutralen Artangaben war der Genitiv-Anteil niedriger
(3%, 7%, 8%, vgl. Hentschel 1993, S. 325). Der Dativ wurde dort nicht verwendet.

33
Eine exakte Typenfrequenz schwach und stark flektierender Substantive lässt sich für das Fnhd. schwerlich
angeben, da eine Vielzahl von Substantiven zu dieser Zeit die Flexionsklasse wechselt. Nach Wegera (1987, S.
85-105) und Köpcke (2000) kann man aber davon ausgehen, dass im Fnhd. zwar mehr Substantive schwach
flektieren als im Nhd., die Gruppe der stark flektierenden Substantive aber auch schon im Fnhd. größer ist als die
der schwach flektierenden.

35
Anteil
(37a): Soll ich mir zwei Meter gelbe oder weiße Seide (Nominativ/Akkusativ) 75%
kaufen?
(37b): Soll ich mir zwei Meter gelber oder weißer Seide (Genitiv/Dativ) 23%
kaufen?
Sonstiges (z.B. …von der gelben oder von der weißen Seide…) 2%
Tab. 36: Verwendungshäufigkeit verschiedener Kasus im Experiment (nach Hentschel 1993:326)

Auch in den Akzeptanztests wurden feminine Artangaben im Genitiv (oder Dativ) Singular
signifikant besser bewertet als neutrale Artangaben (n=52, p=0.011*). Der Unterschied
zwischen den Genera im Singular ist allerdings gering. Feminine Artangaben im Genitiv
Singular werden nicht in dem Maße akzeptiert wie der Genitiv Plural, was ausschließlich mit
der Signalstärke nicht erklärt werden kann, da -er als Marker des Genitivs im Plural nicht
signalschwächer ist als -er als Marker des Genitivs im Singular.34

MW
(38a): Gestern trank ich ein Glas kalten Wassers. 2,4
(38b): Gestern trank ich ein Glas kaltes Wasser. 5,4
(38c): Nach meinem Spaziergang trank ich eine Tasse heißer Milch. 2,8
(38d): Nach meinem Spaziergang trank ich eine Tasse heiße Milch. 5,4
Tab. 37: Akzeptanz partitiver Genitive bei femininen und neutralen Artangaben

Insgesamt zeigt sich, dass Signalstärke (also formale Eigenschaften der involvierten Flexive)
einen erheblichen Einfluss auf die Flexion der Artangabe hat, was sich sowohl im Ablauf des
Abbaus partitiver Genitive als auch in den gegenwartssprachlichen Daten niederschlägt.

V. Fazit
Es wurde gezeigt, dass der Abbau des partitiven Genitivs im Deutschen mit dem Verlust
partitiver Semantik des Genitivs und der durch die Nebensilbenabschwächung und die
resultierenden Synkretismen ermöglichte Reanalyse femininer Artangaben der i- bzw. ô-
Deklination beginnt. Die Apposition greift in der Folgezeit dann analogisch zunächst auf
nichtattribuierte Artangaben über, die den Genitiv am Substantiv markieren, später auch auf
attribuierte Artangaben. Dabei sind jeweils die signalstarken Markierungen am ehesten
betroffen: Im Fnhd. verlieren stark flektierende vor schwach flektierenden Substantiven den

34
Denkbar ist, dass zwischen den Singularparadigmen Analogie gewirkt hat. Auch die Grammatiken
unterscheiden nicht bzgl. der Genera.

36
Genitiv, im Nhd. dann singularische attribuierte Artangaben vor pluralischen attribuierten
Artangaben und Artangaben in Form substantivierter Adjektive, wobei unklar bleibt, ob der
Genitiv bei Artangaben im Plural überhaupt abgebaut wird. Die Tendenz zur Vermeidung
signalstarker Flexive zum Ausdruck einer irrelevanten Kasusinformation führt darüber hinaus
dazu, dass nach dativischen Mengenangaben mitunter vom Prinzip der Parallelflexion
abgewichen wird.
Dass neben diesen – in erster Linie formbasierten – Faktoren weitere Einflussgrößen die
gegenwartssprachliche Variation beeinflussen, wurde exemplarisch anhand der Phrase jede
Menge gezeigt. Neben Besonderheiten einzelner Lexeme könnte eine Reihe von weiteren
Faktoren relevant sein, wie Belebtheit oder morphologische Komplexität der Artangabe.
Diese und weitere mutmaßliche Faktoren dürften auch erklären, warum sich die drei Genera
bzgl. des partitiven Genitivs trotz Signalstärkeunterschieden homogener verhalten als
erwartet. Darüber hinaus scheint ein genauerer Blick auf präpositionale Umschreibungen
lohnenswert.

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Zifonun, Gisela [u.a.] 1997: Grammatik der deutschen Sprache, Berlin u. New York.

Quellen

- Korpus

[o. Verf.] 1727: Gründliche Deduction Des Ihro Churfürstlichen Durchleucht zu Pfaltz auff die eventuale Succession In
das Herzogthum Zweybrücken zustehenden Primogenitur- Und hierauß gegründeten Consolidations-Rechts:
Nechst voraußgesetzter Historischer Erzehlung Dessen, was wegen der Successions-Gerechtsambe In dem Chur-
Hauß Pfaltz, Sowohl Von Römischen Kayseren, Als desselben Chur- und Fürsten Bißhero verordnet, und
hergebracht worden, Mannheim.
Baur, Ludwig (Hg.) 1860: Hessische Urkunden, Darmstadt.
Erler, Adalbert (Hg.) 1963: Die älteren Urteile des Ingelheimer Oberhofes. Bd. 3, Frankfurt/Main.
Historischer Verein von Unterfranken und Aschaffenburg 1840: Archiv des Historischen Vereines von Unterfranken
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Gerichtsprotokolle 2).
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Remling, Franz Xaver 1847: Das Hospital zu Deidesheim, Speyer.
Schmitt, Sigrid 1996: Ländliche Rechtsquellen aus den Kurmainzischen Ämtern Olm und Algesheim, Stuttgart.
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- Sonstige Quellen

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