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213

 

Das

Prinzip

der

takijja

im

Islam.

 
 

Von

I.

Goldziher.

 

I.

Bereits

im

Koran

wird

den

Rechtgläubigen

 

die

Erlaubnis

 

erteilt,

in

Zeiten

äußerster

Not

oder

bei

Bedrohung

des

Lebens

rituelle

Gesetze

des

Islam

zu

übertreten

(Sure

5,

5;

6,

119).

Die

alten

Theologen

 

waren

nur

darüber

nicht

derselben

Ansicht,

ob

die

Übertretung

 

des

Gesetzes

in

solchen

Fällen

bloß

als

Konzession

zu

betrachten

,

oder

aber

als

Akt

der

Lebenserhaltung

 

unerlä߬

liche

Verpflichtung

sei.

Die

beiden

Säulen

der

alten

hanefitischen

Gesetzeskunde

vertreten

je

eine

dieser

Ansichten.

 

Während

 

Abü

Jüsuf

die

Übertretung

in

solchen

Fällen

bloß

als

entschuldbar

hält,

schließt

sich

Muhammed

al-Sejbäni

jener

Tradition

 

an,

die

den¬

jenigen,

der

trotz

der

Bedrohung

des

Lebens

bei

der

Strenge

 

des

Gesetzes

ausharrt

und

ihr

zum

Opfer

fUllt,

in

die

Hölle

sendet').

Die

Vertreter

dieser

letzteren

,

in

den

Kodifikationen

 

herrschenden

 

Lehre-)

genersilisieren

zur

Bekräftigung

 

derselben

das

durchaus

nicbt

auf

solche

Verhältnisse

bezügliche

Wort

des

Koran

(2,

191):

„ünd

stürzt

eucb

nicht

mit

eigener

Hand

ins

Verderben'").

 
 

1)

S.

die

TeJttbeilage

unten

Abschnitt

 

V.

Vgl.

auch

Mufid

al-'ulum

wa-mubid

al-humüm

(Kairo

1310)

105,

wo

die

Frage

in

einem

besonderen

Kapitel

(^^aÜi'iS

lX.äc

jAxJI

J«^=I)

mit

Heranziehung

 

einer

Menge

kasuistischer

Möglichkeiten

erschöpft

wird.

Von

den

beiden

im

Text

angeführten

Ansichten

schließt

sich

der

Verfasser

an

die

zweite

an:

Lcjjj

i3>^Lj

|«J

^^Ls

2k,Jy«jj

&,U!

1-^*9

'

£

j

-

-

 

2)

Kudürl

(Kasan

1880)

162,5

v.

u.:

Lo

"J^-^

^«i

 

^

«

(«jII

(3>^^

(^i

*-?

l^-'^j'

ij*^

*^

i-^J^'i

ehenso

auch

in

anderen

Codices,

Wikija

etc.

 

3)

Fachr

al-dln

al-RäzI,

Mafätlh

al-gajb

V,

p.

525:

».aIc

 

IÖLs

».^tj

otj.äJ!

^^^!

^^yo

^

a5ÜÖ}

JJ'^!

U^p

uäaaJL

214

Goldzüier,

Das

l'rinzip

der

takijja

im

lalam.

 

In

der

Beantwoi'tung

der

Frage

,

ob

die

Erlaubnis

 

solcher

Übertretung

anzuwenden

sei

,

wenn

vom

Gläubigen

 

mit

Bedrohung

des

Lebens

die

offene

Verleugnung

seines

Bekenntnisses

 

zu

Gott

und

dem

Propheten

gefordert

 

wird

,

ist

man

von

Sure

16,

108

ausgegangen,

 

wo

von

den

Folgen

 

der

Verleugnung

Allahs

 

1,1

jener

ausgenommen

wird,

„der

dazu

gezwungen

wird

b^J'!

während

sein

Herz

fest

im

Glauben

 

verharrt".

Im

lladit

werden

neben

Fällen,

in

denen

Getreue

Muharanied's

 

Tod

und

Marter

der

Verleugnung

 

der

Religion

 

vorzogen,

 

uuch

solche

erwähnt,

in

denen

Muhammed

selbst

seine

Billigung

 

darüber

 

aussprach,

daß

man,

um

gewaltsamem

Tode

zu

entgehen

,

den

Heiden

gegenüber

sich

zur

äußerlichen

Verleugnung

 

des

Bekenntnisses

 

herbeiließt).

 
 

Der

Fall

des

'Ammär

b.

Jäsir,

 

eines

der

frühesten

Bekenner

Muhammed's

(y\.J}^H

^J^JiJL**J!

^y«),

wird

als

stebendes

Beispiel

für

die

letztere

Tatsache

erwähnt.

 

Er

leistete

 

der

Nötigung

der

Heiden

Folge,

die

heidnischen

 

Götter

zu

preisen

und

Muhammed

zu

schmähen.

Als

er

darüber

 

die

Angst

seines

Gewissens

dem

Pro¬

pheten

anvertraute,

beruhigte

ihn

dieser:

 

„Wenn

nur

dein

Herz

beim

Glauben

ausharrt,

 

so

tue

nur

wieder

dasselbe,

wenn

sie

dicb

nochmals

bedrohen

sollten"

-).

Die

in

dieser

und

ähnlichen

Er¬

zählungen

sich

kundgebende

 

Gesinnung

 

steht

wohl

im

Einklang

mit

der

relativen

Schätzung,

 

die

dem

Märt3'rertum

im

alten

Islam

zu¬

teil

ward

■').

Es

ist

jedoch

nicht

 

zu

übersehen

,

daß

nicht

alle

Überlieferer

diesem

auf

den

Enkel

des

'Ammär

zurückgeführten

Berichte

günstig

sind.

Bei

Ibn

Ishäk

 

wird

der

Fall

'Ammär

und

die

Billigung

des

Propheten

geradezu

 

verschwiegen,

als

ob

man

in

diesem

Kreis

ein

solches

Verhalten

 

nicht

als

Vorbild

für

den

von

den

Ungläubigen

bedrängten

 

Muslim

 

wollte

gelten

lassen.

Mit

großer

Ausführlichkeit

 

werden

die

Standhaften

aufgeführt''),

hin¬

gegen

die

Schwächeren

 

mit

der

summarischen

 

Bemerkung

ab-

iÄJ> p

j

^j^^

tÄ^

.

^!

-i^ynlS

 

ȀSi

j

^1

^.,1

v'-s-jj

(_?^^'

'iJM

 

«J(5

tsSj

^^y*^

i^i^

jy^

 

^J!

fJoAjb

tsSj

^_^Ljü

jJ^äJ.

 
 

1)

Beispiele

für

beides

in

den

Kommentaren

 

zum

Anfang

von

B.

Kitäb

al-ikräh;

KastallSnl

VI,

IOC.

 
 

2)

Ibn

Sa'd

III,

I,

178,

11

(f.;

Tabari,

Tafsir

XIV,

113.

 

3;

Vgl.

darüber

Muhammed.

Studien

II,

387—391.

Auch

im

Süfismus

unterscheidet

 

man

zwischen

 

i_j^.uiJ{

 

t\i\^ji,

 

und

ä^äjcJt

^tiA

^:

JSfii,

KilSjat

.ll

mu'taUid

boi

Damiri

s.

v.

yLLJt

II,

112,

4.

4)

Vgl.

noch

Ibn

lli^üm

20G,

4

v.

u.,

wo

der

Bericht

darüber

aufgenommen

ist,

daß

der

Prophet

bei

anderer

Gelegenheit

gerade

denselben

'Ammär

und

Goldziher,

Das

Prinzip

der

takijja

im

Islam.

215

gefertigt:

xaaaij

 

(^lXJ!

j^iLJ!

üA^i;

^

a*^H

8*^

auch

solche

,

die

in

Versuchung

kamen

durch

die

große

Qual

,

die

sie

traf

i).

Dies

sieht

eher

einer

Mißbilligung

ähnlich.

 

Die

alten

Gesetzeslehrer

betrachten

den

Fall

des

'Ammär

 

als

normgebend

in

ihren

auf

ähnliche

Verhältnisse

bezüglichen

Bestim¬

mungen.

„Wenn

der

Machthaber

^)

zu

jemand

sagt

:

Du

mußt

Alläh

verleugnen,

sonst

töte

ich

dich,

so

steht

es

ihm

frei

(A.

zu

verleugnen)"'').

 

Als

Bedrohungsarten,

die

solche

Freiheit

begründen,

bat

man

nur

Totschlag

und

körperliche

Verstümmelung

zugelassen.

„Wer

in

eine

Lage

gebracht

wird

sagt

auch.

Tabari

im

Namen

des

Dahhäk

in

der

er

in

einer

Weise

reden

muß,

die

dem

Ab¬

fall

von

Alläh

gleichkommt

und

er

redet

in

dieser

Weise

aus

Furcht

 

für

sein

Leben,

sein

Herz

ist

aber

standhaft

im

Glauben,

so

trifi't

ihn

keine

Verschuldung.

Dies

gilt

aber

nur

für

die

Zunge*)

d.

h.

für

mündliche

Bekenntnisverleugnung,

schließt

aber

nicht

auch

religionsfeindliche

Handlungen

ein"

^).

Später

wird

dabei

als

er¬

forderlich

bezeichnet,

die

Verleugnung

des

Bekenntnisses

in

solchen

Notfällen

möglichst

durch

doppelsinnige

Worte

auszudrücken,

 

die

eine

zwungene

die

werden

Kechtfertigungsbeweise

wöhnlich

reservatio

Taten

mentalis

ermöglichen,

und

jedenfalls

gegen

Gott

das

beurteile

er¬

Ge¬

als

äußerliche

der

kufr

innerlich

zu

protestieren

Menschen

nach

der

innerlichen

die

Notlügen,

die

sich

angeführt.

Selbst

Abraham

'');

Intention

erlaubt

').

hatte,

ein

strengen

Auffassungen

den

Heiden

zugefugten

Qualen

s.

v.

'Ammär

b.

Jäsir

IV,

44.

seine

Eltern

zum

Ausharren

bei

den

ilinen

ermutigt.

Alle

diese

Erzählungen

bei

Usd

von

al-gäba

[Vgl.

auch

Ibu

Sa'd

Vlll,

193,

Ilff.]

1)

Ibn

HisSm

205,

 

5.

Die

dazu

gehörige

Glosse

des

unten)

hat

den

Zweck

,

die

gewöhnliche

Überlieferung

über

Billigung

des

Propheten

nachzuholen.

 

SuhejlT

'Ammär

(ibid.

und

II,

07

die

 

2)

Schon

Abfi

Hanifa

beschränkt

diese

durch

 

die

Regierung;

Tä^'

al-Sari'a,

 

Sarl.i

al-wikäja

JLi

»JSi

^^^,LiJUJl

^

^"t

oiL^

»t/:^!!

s yot

^^

Lxi!»

 

sLu

u^Jö

.

J

-

^

3)

äejbänl, w

» al-öämi'

al-saj;ir

 

(a.K. »

des

Kitäb

*.*-wo

wli

li^wü-Äi'ii

^!

*JJlj

j^.^jäJjJ

J-S"-^

4)

Tabari,

Tafsir

III,

140.

 

5)

Vgl.

ibid.

im

Namen

des

Abu-I-'Älija:

J.**J

6)

Fachr

al-dln

al-RäzI

1.

c.

524:

p

jfd

j*aXÄj

^.Jiji

Ä.J

Ujy!

xJLi

i^y^.

oLuajyüJ!

.

 

7)

Buchäri

wendet

die

Lehre

oLkÄiU

,3^ f"^]

Bestimmung

auf

(Kasan

Lebensbedrohung

1881)

440:

^^I

iÄ^Jj^

^\

132

unten:

^

(^»j

^

Ul

al-charäji;)

i3i.s

.

O*'-*'?}

^.jLwjUb

jCAÜXJ!.

JOLc

iüi

^1

»^iJ'^

V-??.

auf

solche

Fälle

an.

,

216

Goldziher,

Dae

Prinzip

der

takijija

im

Islam.

 

80

geneigter

Theolog

wie

Ibn

Hazm

leitet

daraus

die

Erlaubnis

ab,

aus

Rücksichten

auf

die

Sicherheit

des

Lebens

äußerlich

die

Verleugnung

des

Glaubens

zur

Schau

zu

stellen

i).

Die

Erlaubnis

zu

solchem

Vorgehen

wird

aber

nicht

in

die

Kategorie

der

obligaten

Lebenserhaltung

gestellt.

Sie

ist

ein

Zugeständnis

für

die

Schwä¬

cheren.

Ehrenhafter

sei

es

auszuharren,

 

Tod

und

Marter

zu

er¬

dulden

 

und

wie

al-Sejbäni

(oder

sein

Kommentator)

noch

be¬

sonders

hervorhebt

damit

die

Feinde

zu

ärgern^).

Man

nennt

mit

Bezug

auf

Sure

3,

27

das

rechtfertigende

Motiv

solcher

notgedrungener

Bekenntnisverleugnung

iLAÜj,

Purcht,

Vor¬

sicht*):

die

Rechtgläubigen

sollen

die

Ungläubigen

nicht

als

Ge¬

nossen

 

erwäblen,

,es

sei

denn,

wenn

ibr

Furcht

vor

ihnen

empfindet:

5

>

«

P

.

üLäj

ff^jji

(jäXj

^

bSt*. ^

Der

terminus

i

takijja

sehließt

sich

an

eine

Textvariante

zu

dem

Worte

sLäj

an;

bei

Buchäri

(Kitäb

al-ikräb,

Anfang)

wird

das

Wort

als

erklärende

Glosse

zu

den

 

w

p

Koranworten

beigebracbt

:

SC^üj

 

bil

.

Als

terminus

tecbnicus

für

die

entschuldbare

 

Bekenntnis

Verletzung*)

hat

das

Wort,

 

das

in

dieser

Bedeutung

auch

im

sunnitischen

Islam

ein¬

gebürgert

ist'),

wie

wir

sehen

werden,

viel

allgemeiner

im

schi'iti¬

schen

 

Zweig

des

Islam

Anwendung

gefunden.

 
 

II.

Wenn

innerhalb

des

herrschenden

sunnitischen

Islam

die

Frage

 

der

Zulässigkeit

der

Verleugnung

 

des

Glaubensbekenntnisses

zumeist

nur

theoretische

Bedeutung

batte,

da

sie

sicb

ja

unter

den

bestehenden

Verhältnissen

docb

nur

auf

den

von

Nichtmubamme-

danem

 

etwa

ausgeübten

Zwang

beziehen

konnte

,

so

tritt

ibre

aktuelle

Bedeutung

um

so

mebr

bei

den

Anbängern

der

unter¬

drückten

Parteien

hervor.

Darf

man

unter

dem

Druck

der

das

Leben

 

und

die

Sicherheit

bedrohenden

 

Gewalt

der

berrscbenden

Staatsmacht

sein

eigenes,

der

letzteren

widerstrebendes

 

Bekenntnis

 

1)

KitSb

al-milal

wal-nihal

(ed.

Küro)

IV,

6

nach

den

Erzählangen

über

die

Notlügen

Abrabam's:

'iusCi

^Ä^t

^1-^1

i5

V''-^^'

Oä^.

Auch

Joseph

 

übte

am

Hofe

des

Pharao

takijja

ibid.

13,

1.

 

2)

S.

unten

die

Teztbeilage

ganz

am

Ende.

3)

(JShiz,

Tria

opuscula

131,

3

ist

iUftj

Gegensatz

zu

^j^^i,

eigentlich:

Verbergung

der

wirklichen

fjberzeugung;

bei

HilSl

al-SSbl

ed.

Amedroz

63,

6;

115,

3

ist

es

Gegensatz

zu

'ȀfStS-;

bei

schi'itischen

Schriftstellern

sehr

häufig

aach

üclöt,

z.

B.

KulTnl,

Usül

al-KSfl

(Bombay

1302)

37,

18;

482

paenult.

 

»

4)

Vgl.

zur

Anwendung

des

Wortes

den

reichen

Nacbweis

bei

de

Goeje,

Gloss.

Fragm.

 

nnd

besonders

61.

Tab.

s.

v.

[Vgl.

jetzt

Ibn

Sa'd

V,

70,

10;

158,

11,

15.]

 

5)

Z.

B.

in

der

oben

angeführten

Stelle

'Tabari,

Tafsir

IU,

140.

 

Goldziher,

Das

Prinzip

der

taUijja

im

Islam.

217

zeitweilig

unterdrücken

und

äußerlich

sich

zu

den

Formeln

be¬

kennen,

gegen

die

man

im

Innern

verdammenden

Protest

erbebt?

 

Sehr

früh

ist

unter

den

Chärigiten

die

Frage

besprochen

worden:

ob

es

erlaubt

sei,

in

feindlicher

Umgebung

das

chärigi¬

tische

Dogma

in

Wort

und

Tat

zum

Scheine

zu

verleugnen

^)

;

sie

wurde

von

den

verschiedenen

Gruppen

in

verschiedener

Weise,

von

den

Anbängern

des

Nagda

b.

'Ämir

in

bejahendem,

von

denen

des

Näfi'

b.

Azrak

in

verneinendem

Sinne

entschieden

Noch

im

Katechismus

der

heutigen

Ibäditen

wird

als

eine

der

Arten

der

Religionsbekennung

die

Verheimlichung

(^UäJ')

angegeben*)

 

d.

h.

den

unter

andersgläubigen

Muslimen

lebenden

Chärigiten

das

öffent¬

liche

Hervortreten

(jy^)

nachgesehen*).

 

Am

entschiedensten

ist

die

Takijja-Lehre

im

Scbi'itismus

 

zur

Geltung

gekommen,

wo

gegen

dieses

Prinzip

nur

ganz

ausnahms¬

weise

Widersprucb

erhoben

wird^).

Wenn

man

an

die

Verfolgung

denkt,

mit

der

jeder

Widersprucb

 

gegen

die

omajjadische

Chalifats-

idee

geahndet

wurde

,

an

die

geheimnisvolle

Art

der

Propaganda,

 

in

der

allein

die

Aspirationen

der

'Aliden

in

größeren

Volkskreisen

Fuß

fassen

konnten,

bis

irgend

einer

ihrer

Imäme

sich

offen

hervor¬

wagte,

um

dann

als

Rebell

und

Religionsfeind

hingerichtet

zu

werden

oder

sein

Heil

in

der

Flucht

zu

suchen:

so

wird

man

es

leicht

begreiflich

finden,

daß

sich

gerade

hier

die

Doktrin

zeitigte,

im

Interesse

der

Sache

ein

Geheimnis

aus

seinem

wahren

Bekenntnis

zu

macben

und

den

Machtbabern

 

gegenüber,

der

Not

gehorchend,

die

Zugehörigkeit

zu

den

herrschenden

Irrlebren

zu

simulieren.

 

Zur

Rechtfertigung

dieses

 

zweideutigen

Vorgebens,

 

das

in

seiner

freien

Anwendung

 

als

frivole

 

Heuchelei

den

allgemeinen

Geist

des

Islam

in

Persien

in

ethischer

 

Beziebung

sehr

übel

 

beeinflußt

 

hat^),

be¬

rufen

sicb

die

Schi'iten

 

auf

das

Beispiel

 

der

Propbeten

 

,

die

oft

takijja

 

angewandt

 

baben

,

sowie

auf

den

 

Vorgang

 

der

Frommen

der

verschiedensten

 

Zeitalter.

Auch

die

ashäb

al-kahf

 

haben

zum

 

1)

Vgl.

den

von

Abü

BilSl

der

Charigiten&aa

 

al-Balgä

erteilten

Hat:

(^yüiÄwli

 

äIsäJ!

j

t*-*

®"

 

2)

Näfi':

|3^'

!5! iiÄsÄJt^

Kämil

611,

1;

Sahrastäni

 

90,

4

v.

u.

Nagda:

J.**!!}

iiyüi

j

Sjjb>-

 

xläxJI

^

Sabrast.

92,

 

6

v.

u.

93,

3

fif.

3)

A.

de

C.

Motylinski,

L"Aqida

populaire

 

des

Abadhites

algeriens

(Alger

1905)

8,

6

(Becueil

de

Memoires

et

de

Textes

.

.

.

en

l'honneur

du

XIV«

Con¬

gres

des

Orientalistes

 

510,

 

6).

4)

Diese

chärigitischen

Daten

habe

Ich

jüngst

 

bereits

 

in

anderem

Zu¬

sammenhang

angeführt

in

Revue

de

l'Histoire

des

 

Religions

LII,

231.

 

5)

äahrasUnI

120,

2

«f.

6)

Gobineau,

Les

religions

et

les

philosophies

 

dans

l'Asie

centrale

(Paris

1865)

15—21

u.

ö.

,

z.

B.

68.

87

(immer

als

hetmän);

 

Seil,

The

Faith

of

Islam

84.

[Vgl.

H.

Hartmann,

DLZ.-

1906

c.

298.}

 

\

%

218

Goldziher,

Das

Prinzip

der

takiija

im

Islam.

Schein

Kreuze

angelegt

und

an

den

 

Pesten

 

ihrer

Volksgenossen

 

teilgenomraen,

um

der

Gefahr

zu

entgehen*).

 

Wichtig

ist

den

Schi'iten

die

Berufung

auf

ihren

ersten

Imäm

'All,

 

der

die

ihra

im

Chalifat

vorangegangenen

Usurpatoren

zum

Schein

 

anerkannte-),

und

als

er

selbst

endlich

an

die

Regierung

 

kam,

an

den

Einrichtungen

derselben

nichts

änderte,

weil

dies

nicht

ohne

gefährliche

Er¬

schütterungen

raöglich

gewesen

wäre

^)

;

auf

das

Beispiel

der

Imäme,

die

mit

ihren

Rechtsansprüchen

 

nicht

immer

offen

hervortraten*),

 

und

nicht

zura

letzten

auf

das

große

Beispiel

 

des

bis

jetzt

ver¬

borgenen

letzten

Imäm

,

dessen

gcy'ba

nichts

anderes

sei

,

als

ein

durch

Jahrhunderte

andauerndes

ketniän,

 

ein

ununterbrochener

Akt

der

takijja,

der

erst

dann

aufgehoben

 

werden

 

soll,

wenn

der