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Schweizer Yôgavcrbanb
Associatiott Suisse bc Yoga Nr. 32 Sommer 2011
Associazione Svizzera bi Yoga cHF 9 501€7.00
Swiss Yoga Association

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Yoga fiir die Werkzeugkiste des Coachs oder
Coaching in der Werkzeugkiste des Yogalehrers?

Cornelia Kauhs
,,Diese Meditation sollten Sie ieden Tag einmal ausÛben"
,,IJnd ûber welchen Zeitraum?"
,,Fur den Rest lhres Lebens..."

Dieser Artikel soll Gedankenanstôsse zu inspirie' Der Kunde praktiziert Yoga und sucht Un-
renden Synergien geben, die aus dem Zusammen- terstûtzung bei seinem Lehrer oder einem
treffen von Coaching und Yogapraxis entstehen Meister. um sein Problem zu lôsen.
kcinnen.

Yoga ist eine spirituelle Lebenshaltung und


-fûhrung. Jahrtausendalte Yoga Tiaditionen ge- Zum Begriff ,,Coach"
ben eine Fulle an Ratschlâgen und Richtlinien,
die auch heute dabei helfen kônnen. das Le- Der Begriff ,,Coach" stammt aus dem Englischen
ben zu meistern. Bemerkenswert ist dabei die und bedeutet ursprÙnglich Kutsche. Er beschreibt
also ein Instrument, das es Menschen ermôglicht,
Entwicklungs- und Anpassungsf âhigkeit des von einem Ort zum anderen zu gelangen. Das Ziel
Yoga an den herrschenden Zeitgeist ohne da- formuliert der Kunde, der Coach begleitet ihn auf
bei seine Essenz zu verlieren. dem Weg als neutraler ,,Reise"-Gefâhrte. Er bringt
nicht die Lôsungen fur Probleme oder Konflikte mit.
ln unserer westlichen Gesellschaft steht als Vielmehr fungiert der Coach als neutraler Gesprâchs-
Synonym fûr Yoga, das Bild der akrobatischen partner, der seinem Kunden den Prozess der indivi-
Yogahaltung oder, als Alternative, dasjenige duellen (Weiter-) Entwicklung erôffnet, erleichtert
der friedlich meditieren Dame am Strand. Wer und ihn dabei begleitet. lm Coaching kommen ver-
weiter in die Materle eintaucht, erkennt jedoch, schiedene Interventionstechniken zum Einsatz, vie-
dass Yoga sich vorrangig mit der Beobachtung le sind der Psychotherapie entlehnT, z.B. der Trans-
des Geistes auseinandersetzt und dass Atem- aktionsanafyse, der Kurzzeittherapie oder der Neuro-
linguistischen Programmierung. ln der Praxis werden
techniken und Meditationsùbungen wichtiger
oft Mischformen verwendet. Eine klare methodische
sind als die ,,sichtbaren" Asanas. Wer ernst- Eingrenzung gibt es nicht. (Definition nach Wikipe-
haft praktiziert, konfrontiert sich mit sich selbst dia)
und kommt in einen Entwicklungsprozess, der
sich auf physischer, emotionaler und spirituel-
ler Ebene manifestiert. In einem solchen Ent-
wicklungsprozess stôsst man immer wieder lntuition und Neutralitât
an Grenzen und es kann sich dann empfehlen,
Ratschlag einzuholen. Meistens wendet sich Die erste Ausgangsposition entspricht einer
der Yoga Praktizierenden in diesem Fall an sei- klassischen Coach / Coachee Beziehung. Die
nen Lehrer. Rolle des Coach ist darin von zwei Faktoren
gepràgt: Intuition und Neutralitât.
Andererseits kônnen sich Yoga Techniken
dank ihres entwicklungsfôrdernden Potenzials Die Neutralitât kommt in der Rolle des Zuhôrers
auch anbieten, in Coachingprozessen verwen- zum Tragen. Dem Kunden muss die Gelegen-
det und das heisst zum Handwerkszeug pro- heit gegeben werden, sein Problem zu formu-
fessioneller Coachs zu werden. lieren. Durch Nachfragen und Neuformulierung
wird das Problem so gut wie môglich definiert.
ln der Verbindung von Coaching und Yoga ha-
Daraus ergibt sich die Frage, was anders wer-
ben wir also zwei Ausgangspositionen:
den soll. Was môchte der Kunde am Ende sei-
o Der Kunde praktiziert kein Yoga, ist jedoch nes Coachingprozesses erreicht haben? Wich-
interessiert bestimmte Techniken kennen- tig ist aus der Rolle des Coaches, hier nicht
zulernen, gewillt sich einzulassen, um ein vorschnelle Schlûsse zu ziehen und das Pro-
spezifisches Problem zu lôsen. blem vorzeitig definieren zu wollen.

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Fallbeispiel: Eine 24 iâhrige junge Frau kam mit dem danken und Emotionen entwickeln und halten
Problem zu mir, sie hâtte Angstvarstellungen, ihr zu kônnen.
Partner kônnte tôdlich verunglùcken. Nach weite'
rer Diskussion kam aber zum Vorschein, dass ste Anders als in einer herkômmlichen Coaching-
eigentlich Angst hatte, als alte Jungfer, vereinsamt in vereinbarung besteht bei mir darum die zusâtz-
einer 2 Zimmerwohnung mit einem Pudel zu enden. liche Anforderung (die natûrlich nie als Twang
lhre 40 têigige Ubung bestand aus einer Meditation, zu verstehen ist), dass der Kunde ùber 40 Ta-
die hilft, sich von negativen Proiektioenn zu lcjsen. ge hinweg bereit ist, mindestens 11 Minuten
pro Tag eine bestimmte Ùbung auszufùhren.
Der Coach verfûgt uber seine individuelle Werk- 40 Tage bilden im Kundalini-Yoga nach Yogi
zeugkiste, die ihm die Môglichkeit gibt. durch Bhajan den ùblichen Zeitrahmen, um eine Ver-
verbale und non-verbale Kommuikationstechni- ânderung zu verankern, 11 Minuten die Zeit,
ken den Kunden zu gewissen Einsichten zu die Hormon- und Nervensystem zur Aktivie-
fùhren. Zunehmend ist es auch ûblich gewor- rung brauchen. Durch die sich wiederholende
den, wâhrend der Coachingstunde Entspan- kôrperliche Erfahrung, durch die tâgliche Aus-
nungs- oder Meditationstechniken zu verwen- einandersetzung mit der Problematik wird der
den, um den Kunden zu zenûieren und unter- Verânderungsprozess stimuliert, erinnert und
bewusste Eindrùcke in das Bewusstsein auf- die Problematik letztendlich (auf)gelôst.
steigen zu lassen.
lm Coaching geht es klar um das Wie und nicht
Nach Anne Laure Dorogi, Coach und Co-Direkto- um das Warum. Man orientiert sich an der lst-
rin des Institutes D'Marches in Lausanne, ist die Situation, um diese in eine neue und als verbes-
Verwendung von Techniken, die den Bewusst- sert emofundene Situation zu wandeln. Es ist
seinzustand von Alpha- zu Betawellen fùhren in diesen Prozessen nicht zwingend nôtig das
interessant, um neue Verhaltens- oder Ansichts- Warum zu begreifen. Hier unterscheidet sich
weisen (lnsights) zu erlangen. Das ,,Operieren" der Coachingprozess von gewissen Formen
im Unterbewusstsein ist allerdings nicht wissen- der Therapie, welche eine Rùckschau in die
schaftlich nachweisbar. Hier kommt die Intui- Vergangenheit vornehmen, um die lst-Situa-
tion und das Einfûhlvermôgen des Coachs zum tion zu begreifen. Anne Laure Dorogi sagt zu
Tragen. Die Richtigkeit der Intervention kann diesem Thema, dass es wichtig sei, die Kom-
letztendlich nur vom Coachee bestâtigt werden, olementaritât dieser beiden Ansàtze zu beach-
dem ,,die Schuppen von den Augen fallen". ten, und als Coach seine Grenzen zu erkennen.
Ein Prozess der ,,Ent-Tàuschung" findet statt,
der, wohl nicht immer als angenehm empfun-
den wird, jedoch sehr heilsam sein kann. Intensitâten der Verânderung
Es wird von zwei Typen môglicher ,,Verânderung"
gesprochen: der erste Typ entspricht einer gleiten-
40 Tage lang jeweils mindestens 11 den verânderung: Gestern rauchte ich 20 Zigaret-
Minuten ûben ten pro Tag, heute rauche ich 5.
A)a
Nach meiner persônlichen Erfahrung kann dieser Der zweite Typ entspricht einer einschneidenden
Prozess durch Einsatz von spezifischen Yoga- Verânderung: Gestern war ich Raucher, heute bin
bzw Meditationsûbungen aber auch durch Ri- ich Nichtraucher.
tualarbeit positiv verstârkt werden. Die Reflexio- A>B
nen und Gefùhle des Coachee werden zusâtz-
lich durch weitere Kôrper- und Mentalarbeit
vertieft. Die Coachingbeziehung als westlich
ausgelegte Lehrer-Schùler Beziehung
Wenn es um Verânderungen von Gewohnhei-
ten, auch gedanklichen, geht, muss man sich Die oben erwâhnte zweite Ausgangsposition
immer bewusst sein, dass selbst wenn der ln- definiert sich weniger als reiner Coachingpro-
tellekt dazu bereit ist, dies nicht ohne weiteres zess, sondern auch als spirituelle Unterwei-
gelingt. Um aus dem Gedankenkarussell tat- sung. Coachingprozesse sind auf kurze Zeir-
sàchlich auszusteigen, ist es nôtig, den emotio- râume beschrànkt und haben ein klares Ziel.
nellen Kôrper miteinzubeziehen und fâhig zu lst dieses erreicht, geht der Kunde seines We-
werden, inneren Abstand zu den eigenen Ge- ges. Nicht so in der LehreriSchûler Beziehung.

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Hier steht der innere Erleuchtungsweg im Zen- Massnahmen flirtend) ist der Einbezug der Ver-
trum, nicht das ,,Nehmen einer Hùrde". gangenheit als,,Beobachtungsfeld". Karmische
Eindrûcke oder Samskaras werden gereinigt,
Als westliche Yogis arbeiten wir vorerst mit kristallisierte Verhaltensstrategien und Muster
dem uns eigenen Gedankengut. Fùr uns sind aufgeweicht und gelôst. Hieraus ergeben sich
klare Zielsetzung und absteckbare Problem- oftmals im Bewusstsein Momente der ,,lnsight",
meisterung Ansporn zum,,Weiterkommen". die nach und nach erlebt, zu dem Zustand der
Dieses Bedùrfnis hat Yogi Bhajan der Entwick- Erleuchtung fùhren môgen. Die Arbeit an sich
lung seines Kundalini-Yoga zugrundegelegt. selbst ist ein Lebenswerk, und ernsthafte Yo-
Gegliedert in eine Vielzahl von Ùbungsreihen gapraxis kann nicht auf ,,4O Tage - fertig" redu-
und Meditationen, erlauben es seine Techniken ziert werden.Irotz allem gibt die 4O Tage Grenze
dem Yogaschùler, gezielt an bestimmten Symp- gerade Anfàngern den Mut und die Pespektive
tomatiken oder Persônlichkeitskristallisierungen sich einzulassen, und langsam eine persônli-
zu arbeiten. Auch B.K.S lyengar oder Swami Sa- che Sadhana in ihr Leben zu integrieren.
tyananda Saraswati geben klare Anweisungen,
Der Psychotherapeut Dr Jacques Vigne, hat in seinem Buch
um kôrperliche und emotional-mentale Proble-
,,Le maître et le thérapeute" ein Kapitel dem Vergleich zwi-
me durch Yogatechniken zu bewàltigen. Hier schen Therapeut und spirituellem Meister gewidmet. Hier
bewegen wir uns im Feld des therapeutischen ein kleiner Auszug:
Yogas, welches wiederum seinen Einsatz im ,,Wâhrend der Therapeut Probleme sieht, sieht der Meister
durch sie hindurch. Wâhrend der Therapeut unterstùtzen-
oben beschrieben Coaching findet. der Freund ist, personifiziert der Meister die Stùtze. Es
kommt vor, dass det Therapeut die Richtungen weist, der
Die Beziehung Meister/Schûler ist im Westen Meister macht mehr als nur das, er selbst ist die Richtung.
Wâhrend der Therapeut am Geist seines Patienten ,,bas-
sicher anders gestrickt als im Orient. Wer von telt" und ihn in einem bestimmten Zeitraum repariert, de-
uns berûhrt schon die Fùsse seines Yogaleh- finiert sich der Meister als Ktinstler der das Meisterwerk
rers, wer bringt Opfergeschenke fùr den Haus- vollbringen môchte. Wâhrend der Therapeut auf graue Reali-
tâten und auf ,,Trauerarbeit" besteht, ist die vorrangige Per-
altar oder macht Geldgaben als Zeichen seiner spektive des Gurus, die der Erleuchtung. (Frei von det Autorin
Devotion? ûbersetzt)

Alles in allem kann die Beziehung Lehrer/Schû- Zusammenfassend kann gesagt werden, dass
ler bei uns fast wie eine klassische Coaching- Coachingprozesse durch Yoga und Meditation
beziehung ausgelegt werden. Der Yogaschuler durchaus effizienter gestaltet werden kônnen,
ist bereit, an sich zu arbeiten und braucht dazu wenn es um die Vertiefung von Einsichten und
die lntuition und den Rat des Lehrers. Auch das Erlernen neuer Verhaltensstrukturen geht;
hier gibt es ein klârendes Gespràch, um das selbst wenn der Kunde ,,per se" nicht Yoga
Problem zu definieren, und meistens einen de- praktiziert. Gleichfalls kann ein,,Coachingpro-
finierten Honorarsatz. Es wird ein zielgerichte- zess", in eine bestehende Yogapraxis eingebet-
tes Ùbungsprogramm abgesteckt: 40 Tage 90 tet, helfen, Blockaden aufzulôsen sowie, dank
Tage, 1000 Tage... punktueller Fûhrung des Lehrers, eine spirituel-
le Praxis im Alltagsleben zu entwickeln und zu
Tatsâchlich kônnen diese ,,Programme" viel- nâhren.
seitig sein. Bei Karta Singh, Grùnder der Am-
ritnam Sarovar Schule in Frankreich kann es Cornelia Kauhs
vom mittaglichem Kochen fùr Kinder von al- Cornelia Kauhs (www.kundalini-yoga-lausanne.ch)
leinerziehenden Muttern, plus der Auflage, an- ist Yogalehrerin, Erwachsenentrainerin und Coach.
deren nichts von der guten Tat zu erzâhlen, Sie lebt in Lausanne.
seinen unbekannten.Vater in Marokko suchen,
zu 1000 Tage lang 31 Minuten Mantrarezitation Buchreferenzen:
Michel Moral, Pierre Angel: Coaching Outils et pratiques
gehen. Auch Helge Russ, als spiritueller Coach tsBN 2-200-341 25-3
in Zûrich und Freiburg im Breisgau tâtig, gibt B.K.S lyengar: Yoga, The path to holsitic health ISBN 0-
gerne Ratschlâge die den Intellekt verwirren, 7 513-21 67 -2
Swami Satyananda Saraswati: Yoga Nidra ISBN 81-
oder Gefùhle aus den unteren Schubladen her- 85787-12-3
vorholen. Eigen ist auch ihm, das der Coachee Dr Jacques Vigne: Le maître et le thérapeute ISBN 2-226-
mit ,,Hausarbeit" aus der Sitzung entlassen wird. o5625-4
Gurmukh with Cathryn Michon: The I Human Talents
tsBN 0-06-095465-5
Weitergehend als im herkômmlichen Coaching- Yogi Bhajan with Gurucharan Singh Khalsa: The Mind
prozess (und daher auch mit therapeutischen rsBN 0-9639991-6-8

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