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Ein Wiki (hawaiisch für „schnell“)[1] ist eine Website, deren Inhalte von den Besuchern nicht nur

gelesen, sondern auch direkt im Webbrowser bearbeitet und geändert werden können (Web-2.0-
Anwendung).
Das Ziel ist häufig, Erfahrung und Wissen gemeinschaftlich zu sammeln (kollektive Intelligenz)
und in für die Zielgruppe verständlicher Form zu dokumentieren. Die Autoren erarbeiten hierzu
gemeinschaftlich Texte, die ggf. durch Fotos oder andere Medien ergänzt werden (kollaboratives
Schreiben, E-Collaboration). Ermöglicht wird dies durch ein vereinfachtes Content-Management-
System, die sogenannte Wiki-Software oder Wiki-Engine. Ähnlich wie ein
mehrdimensionales Spreadsheet einer Tabellenkalkulation ist die Benutzeroberfläche in
einen Frame samt Menü und vier Seiten gegliedert, von denen zwei im Schreib-Lese-Modus
beschrieben und verändert werden können (Artikelseite und Diskussionsseite) und zwei im Nur-
Lese-Modus der Versions- und Kommentardokumentation in Stapelform dienen.
Das bekannteste Wiki ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia, welche die Wiki-
Software MediaWiki einsetzt. Zudem nutzen auch viele Unternehmen Wikis als Teil
des Wissensmanagementsystems in ihrem Intranet (standortübergreifend), siehe Enterprise Wiki.
Ein einzelnes Dokument, eine Wiki-Seite, kann mit wenigen Klicks (Button Bearbeiten und
Button Speichern oder Veröffentlichen) geändert werden. Zu diesem Zweck ist die Wiki-Seite
zumeist in Form von Wikitext, einer leicht erlernbaren Auszeichnungssprache, gespeichert.
Die Abbildung rechts oben zeigt den Wikitext dieser Wiki-Seite im Bearbeitungs-Modus.

Definition von wiki in Andrews’ A Dictionary of the Hawaiian Language (1865)

Inhaltsverzeichnis

 1Funktionsweise
 2Geschichte und Anwendungen
o 2.1Vorläufer
o 2.2Das WikiWikiWeb
o 2.3Wikis in den späten 1990er Jahren
o 2.4Wikipedia und die Popularisierung des Konzeptes: 2001 bis 2005
o 2.5Wikis als Massenmedien: Entwicklung ab 2005
o 2.6Wikis in Organisationen: Entwicklung ab 2007
 2.6.1Unternehmenswikis
 2.6.1.1Verbreitung von Unternehmenswikis
 2.6.1.2Klassifizierung von Unternehmenswikis
 2.6.2Wikis im Bildungssektor
 2.6.3Wiki der Technikgeschichte
o 2.7Wikis als politische Instrumente: Entwicklung ab 2007
 3Zur Auswahl einer geeigneten Wiki-Software
o 3.1Benutzerfreundlichkeit
o 3.2Wissensmanagement-Funktionen
o 3.3Benutzerrechte-Management
o 3.4Investitionssicherheit
 4Siehe auch
 5Literatur
 6Weblinks
 7Einzelnachweise

Funktionsweise

Visualisierung der kollaborativen Arbeit am Wiki-Projekt „Mathe für Nicht-Freaks“

Als wesentlicher Unterschied zu anderen Content-Management-Systemen (CMS) bietet Wiki-


Software weniger Gestaltungsmöglichkeiten für Layout und Design der Webseiten. Primäre
Funktion ist hingegen ein Bearbeitungsmodus für jede Wiki-Seite, der es auch einem Neuling
erlaubt, ohne große Einarbeitung Text und Inhalt der Seite zu ändern. Hierzu wird die Wiki-Seite
im Bearbeitungsmodus häufig in einem WYSIWYG-Editor geöffnet oder in einer einfach
erlernbaren, vereinfachten Auszeichnungssprache (beispielsweise Wikitext) angezeigt (oder
wahlweise beides). Beide Varianten ermöglichen in der Regel
insbesondere Schriftauszeichnung, Verlinkung, Listen und Aufzählungen sowie teils auch die
Möglichkeit von Transklusionen für wiederholende Inhalte.
Im Unterschied zu den Content-Management-Systemen mit ihren teils genau
geregelten Arbeitsabläufen (engl. workflows) etwa in Redaktionssystemen, setzen Wikis auf die
Philosophie des offenen Zugriffs: idealerweise kann jeder Nutzer jeden Eintrag lesen und
bearbeiten.[2] Wikis gelten als gegenüber einem klassischen CMS dann im Vorteil, wenn eine
hohe Anzahl an Nutzern Informationen einstellt, so dass im Medium eine kritische Masse erreicht
wird und es zu einem „Selbstläufer“ wird. Es gibt aber auch Wiki-Systeme, die eine
Zugriffssteuerung (etwa via Access Control List) für bestimmte Seiten und Benutzergruppen (z. B.
Abteilungen eines Unternehmens) erlauben.
Eine wesentliche Funktion der meisten Wiki-Produkte ist die Versionsverwaltung, die es den
Nutzern im Fall von – durch den offenen Zugriff kaum vermeidlichen – Fehlern
oder Vandalismus erlaubt, eine frühere Version einer Seite schnell wiederherzustellen.
Wie bei Hypertexten üblich, sind die einzelnen Seiten eines Wikis durch Querverweise
(Hyperlinks) miteinander verbunden; dabei dient der Titel einer Seite meist auch als Linkadresse.
Links auf nichtexistente Seiten werden dann nicht als Fehler angezeigt, sondern es erscheint ein
Formular, um die neue Seite anzulegen. Eine Vernetzung mit anderen populären Wiki-Diensten
wird teils durch sog. InterWiki-Verweise ermöglicht.
Die meisten Systeme sind als freie Software veröffentlicht, oft unter einer Version der
gebräuchlichen GNU General Public License (GPL). Viele Wiki-Software Systeme
sind modular aufgebaut und bieten eine eigene Programmierschnittstelle, die es dem Benutzer
ermöglicht, eigene Erweiterungen zu schreiben, ohne den gesamten Quellcode zu kennen.
Ein Wiki kann öffentlich zugänglich im World Wide Web verfügbar sein, in lokalen Netzwerken nur
für eine bestimmte Nutzergruppe (z. B. als Intranet) eingesetzt werden oder auch auf einem
einzelnen Rechner zur persönlichen Informationsorganisation verwendet werden, etwa in Form
eines Desktop-Wikis. Beispiele für Desktop-Wiki-Software sind AcroWiki für Palm
OS, Tomboy und Zim für Linux, VoodooPad für macOS, Gluebox (plattformunabhängig), Connect
edText und WikidPad für Windows, sowie TiddlyWiki, das client-seitig (ohne Server)
als JavaScript in jedem Browser läuft. Bei öffentlich zugänglichen Wikis kann es Beschränkungen
geben, zum Beispiel durch eine Pflicht zur Registrierung, so dass ein Benutzerkonto mit
weiteren Zugriffsrechten verbunden ist.

Geschichte und Anwendungen


Die Entwicklung des Wikis als Medium ist eng mit dem World Wide Web verbunden. Es wurde
erst durch dieses zu einem Erfolgsmodell, auch wenn seine Vorläufer bis in die 1970er Jahre
zurückgehen. Die Änderbarkeit der Seiten durch jedermann setzt zudem eine ursprüngliche Idee
des World Wide Web konsequent um.
In der Softwareentwicklung wurde der immense Nutzen von Wikis für ein effektives
Wissensmanagement in einem kollaborativen Umfeld zuerst erkannt, was vermutlich auf die
Technikaffinität der Mitarbeiter zurückzuführen ist.[3] Ein Wiki-System kann in der
Softwareentwicklung, insbesondere der Erstellung von Dokumentationen, zur Verwaltung von
Softwarefehlern oder der Koordination unter den Software-Entwicklern dienen. So wurden die
ersten Wikis Mitte der 1990er Jahre von Software-Designern zur Produktverwaltung in IT-
Projekten entwickelt. Insbesondere in Entwicklungsprojekten von Open-Source-Software – etwa
bei Apache oder OpenOffice.org –, bei denen Menschen, die über Kontinente verstreut sind,
zusammenarbeiten, fällt den Wikis eine Schlüsselrolle zu. Heute kommen Wikis in einer Vielzahl
von Anwendungen zum Einsatz, bei denen inhaltliche Flexibilität mehr zählt als ein
repräsentatives Layout. Dazu gehören Dokumentationen in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Vorläufer
Einer der ersten Vorläufer des Wikis war das in der Carnegie-Mellon University 1972
entwickelte ZOG-Datenbanksystem, das für mehrere Nutzer ausgelegt war und die Daten in
strukturierten Textrahmen darstellte; verbunden waren sie durch Hyperlinks.
Dieses System wurde 1981 von Donald McCracken und Robert Akscyn zum Knowledge
Management System (KMS) erweitert, bei dem Änderungen an den Datenblättern im gesamten
Netzwerk sofort sichtbar wurden. In diesem System waren bereits Grafiken und Bilder
integrierbar, auch sie konnten mit Hyperlinks versehen werden.
Ebenfalls auf ZOG basierte der Document Examiner von Janet Walker, der ab 1985 zur
Darstellung von Computer-Anleitungen verwendet wurde. Dieses Hypertextsystem, bei dem die
Texte in einem scrollbaren Bildschirmfenster dargestellt wurden, wurde im selben Jahr
von Xerox zum Note-Cards-System weiterentwickelt, aus dem schließlich 1987 das HyperCard-
System von Apple (zunächst unter dem Namen WildCard) hervorging.

Ward Cunningham, Erfinder des Wiki

Dieses System beeinflusste Ward Cunningham bei seinem WikiWikiWeb entscheidend, da es


beispielsweise bereits verschiedene Typen von Cards ermöglichte, von denen eine Gruppe für
Benutzer, eine für Projekte und eine für die Ideen selbst stehen konnte. Ebenfalls war in
Cunninghams Weiterentwicklung des Systems das Anlegen neuer Karten durch das Klicken auf
Links auf nichtvorhandene Inhalte möglich.[4]
Tim Berners-Lee, der ab 1989 entscheidende Beiträge zu HTML und zum World Wide
Web leistete, hatte zu Beginn seiner Arbeiten an Hypertextsystemen ähnliche Ideen verfolgt, da
seiner Meinung nach dieses Instrument vor allem zur kollaborativen Erstellung von Texten in der
Wissenschaftsgemeinde verwendet werden sollte. Konsequenterweise war Berners-Lees
erster Webbrowser WorldWideWeb (1990/1991) sowohl zum Darstellen als auch zum Bearbeiten
von Websites geeignet. In historischer Perspektive beschreibt er seine Ideen in seinem Buch
„Weaving The Web“ (deutsche Lehnübertragung „Der Web-Report“).[5] Dennoch setzte sich im
Web zunächst die nichtkollaborative Erstellung von Websites durch, die durch restriktive
Benutzerrechte für die Seiten auf den Servern erreicht wurde.

Das WikiWikiWeb
Das erste im Web gehostete wirkliche Wiki, WikiWikiWeb, wurde vom US-
amerikanischen Softwareautor Ward Cunningham als Wissensverwaltungswerkzeug im Rahmen
der Entwurfsmuster-Theorie 1994 auf Basis der HyperCard-Systeme konzipiert. Es befasste sich
mit Softwaredesign im Rahmen der objektorientierten Programmierung. Am 25. März 1995 wurde
es über das Internet der Öffentlichkeit verfügbar gemacht.[6][7][8]

Wiki-Wiki-Bus am Flughafen Honolulu

Den Namen wählte Cunningham, da er bei der Ankunft am Flughafen auf Oʻahu die
Bezeichnung Wiki Wiki für den dortigen Schnellbus kennengelernt hatte. Dabei übernahm er die
Verdoppelung, die im Hawaiischen für eine Steigerung („sehr schnell“) steht. Cunningham
betrachtet Wiki weiterhin als eine Abkürzung für den eigentlichen Namen WikiWikiWeb.[9]
Cunninghams Konzept stieß in der Software-Entwicklergemeinde auf reges Interesse, das
schnell anwuchs. So umfassten die Seiten des WikiWikiWeb im Dezember 1995 bereits 2,4 MB
Speicherplatz, Ende 1997 waren es 10 MB und Ende 2000 62 MB.[10]

Wikis in den späten 1990er Jahren


Bereits kurze Zeit nach der Inbetriebnahme des WikiWikiWeb entstanden erste Klone der
Software. Wikis entwickelten sich schnell zu einem beliebten Instrument in der Szene rund um
die freie Software, in der sie als Instrument zur Unterstützung der Kommunikation und der
Ideenorganisation unter den Entwicklern genutzt wurden. Auch Cunningham unterstützte diese
Entwicklung, indem er einen eigenen Klon seiner Software, Wiki Base genannt, veröffentlichte.
Dennoch kam es bald zu Spannungen zwischen WikiWikiWeb und einigen Klonen, da
Cunningham erwartete, dass die Nutzer von Wiki Base eigene Verbesserungen in den Quellcode
seines eigenen Wikis einfügen, was aber nur selten geschah.[10]
Einer der bedeutendsten Klone von Wiki Base war das 1997 von Peter
Merel geschriebene CvWiki. Aus diesem ging 1999 das UseModWiki hervor, das bis heute
im MeatballWiki, einem der populärsten Software-Wikis verwendet wird. UseModWiki war auch in
der Anfangszeit der Wikipedia deren Wiki-Engine, bis es 2002 von MediaWiki abgelöst wurde.
1998 wurde mit TWiki die erste Wiki-Software auf Basis von Textdateien veröffentlicht, dieses
System eignet sich vor allem für kleinere Wikis (z. B. Desktop- und Firmenwikis), in denen so
eine höhere Performance erreicht werden kann. 1999 erschien mit PhpWiki die erste Wiki-Engine
auf Basis der Programmiersprache PHP.
Bis 2001 waren Wikis als Medium weitgehend auf die Software-Entwicklerszene beschränkt,
weshalb das öffentliche Interesse an ihnen außerhalb dieser spezialisierten Szene begrenzt
war.[11] Dennoch wurden mit anderen Softwarekonzepten bereits kollaborative Webportale mit
ähnlichen Zielen, wie Everything2, entwickelt. Das erste echte Wiki-Portal, das zu einem anderen
Thema als Software entwickelt wurde, war der Online-Reiseführer World66, gegründet im Jahr
1999 von einem niederländischen Unternehmen, das als eines der ersten das Konzept der freien
Inhalte in ein profitables Geschäftsmodell zu integrieren versuchte.
Zwischen 1998 und 2000 kam es im WikiWikiWeb selbst zu Spannungen, als sich die Beiträge
immer weiter vom ursprünglichen Thema des Wikis entfernten. Es kam so zu einer Konfrontation
zwischen zwei Gruppen: Während die WikiReductionists den Schwerpunkt des Wikis weiterhin
auf der objektorientierten Softwareprogrammierung sehen wollten, sollte nach der Meinung
der WikiConstructionists auch Platz für andere, allgemeinere Themen im WikiWikiWeb sein,
insbesondere für solche, die das Wiki-Konzept als solches betrafen (sogenannte WikiOnWiki-
Themen).[12] Dies führte im Jahr 2000 zur Spaltung und zur Gründung des MeatballWiki, das sich
neben der Diskussion der Wiki-Idee selbst auch mit allgemeineren Themen wie dem
Urheberrecht oder der Cyberpunk-Bewegung befasste. Das MeatballWiki und einige andere in
diesem Streit entstandenen Websites wurden als SisterSites bezeichnet und vom WikiWikiWeb
aus direkt verlinkt. Aus diesem Wiki stammen zahlreiche Ideen, die die Popularisierung der Wiki-
Idee fördern sollten, wie der TourBusStop, eine Tour durch verschiedene Wikis, der WikiNode als
Knotenpunkt eines Wikis und der WikiIndex als Datenbank möglichst aller Wikis.

Wikipedia und die Popularisierung des Konzeptes: 2001 bis 2005


Die Popularisierung des Wiki-Konzeptes geht auf die Online-Enzyklopädie Wikipedia zurück.
Zwischen 1999 und 2000 hatte das US-amerikanische Unternehmen Bomis die Idee einer im
Internet erstellten Enzyklopädie entwickelt. Dem Nupedia-Projekt, das 2000 gestartet wurde, war
jedoch zunächst kein Erfolg beschieden, da der Prozess der Erstellung der Einträge auf
dem Peer-Review-Prozess fußte und damit sehr langwierig war. Gegen Ende des Jahres wurde
daher vom Bomis-Gründer Jimmy Wales und von dem von Wales angestellten Larry Sanger eine
Wiki-Erweiterung entwickelt, die am 15. Januar 2001 auf der separaten
Domain wikipedia.com online ging und sich noch im Laufe des Jahres, besonders nach einer
Meldung im Onlinemagazin Slashdot, zu einem großen Erfolg entwickelte. Im selben Jahr wurden
andere Sprachversionen gestartet. Bis 2005 wuchs die Zahl der Seiten auf über eine Million an
und Wikipedia wurde zu einer der meistbesuchten Webseiten überhaupt.
Um die wachsenden Ansprüche der Wikipedia erfüllen zu können, wurde 2002 die MediaWiki-
Software entwickelt. Sie führte als Neuerung ein, dass die Links erstmals freien Text erhalten
konnten, davor war die sogenannte CamelCase-Schreibweise üblich, in der die Wörter nicht
durch Leerzeichen getrennt wurden. MediaWiki war besonders auf Skalierbarkeit angelegt, um
die schnell steigenden Nutzerzahlen bewältigen zu können.
In den Folgejahren wurden, zum Teil aus der Wikipedia-, zum Teil aber auch aus der Meatball-
Community heraus, neue Webportale auf Wiki-Basis gegründet. Darunter fiel die Enciclopedia
Libre, eine bereits 2002 gegründete Abspaltung der spanischsprachigen Wikipedia, Susning.nu,
eine schwedischsprachige Mischung aus Enzyklopädie und Webforum, der 2003 gegründete
Online-Reiseführer Wikitravel, das SourceWatch-Projekt zur Dokumentation von Lobby-
Organisationen sowie die als Schwesterprojekte der Wikipedia bezeichneten
Wikis Wikinews, Wiktionary, Wikibooks, Wikisource, Wikiquote und Wikispecies. Das Wiki-
Konzept wurde so an verschiedene Arten von Texten angepasst, mit unterschiedlichem Erfolg.
Eine erste nennenswerte Abwandlung des Wikipedia-Konzeptes wurde ab 2003
mit Wikinfo entwickelt, in dem verschiedene Sichtweisen auf die verschiedenen Themen
zugelassen waren; der Erfolg blieb aber hinter dem der Wikipedia deutlich zurück.
Kommerzielle Wikifarmen, die ihre Dienste oft kostenlos anbieten, führten dazu, dass es nach
und nach nahezu zu jedem möglichen Thema ein eigenes Wiki gibt. Ein besonders großer Erfolg
wurden die sogenannten Fanwikis, die – neben der lexikalischen Abhandlung – eine neue Form
der kollaborativ erstellten Fan-Fiction ermöglichten. Insbesondere im Science-Fiction-
(z. B. Memory Alpha), Fantasy- und Comicbereich konnten einige Wikis hohe Artikel- und
Teilnehmerzahlen erreichen. Auch im Bereich Humor haben sich Wikis
wie Uncyclopedia, Stupidedia und Kamelopedia etabliert.

Wikis als Massenmedien: Entwicklung ab 2005


Der Erfolg von Wikipedia führte zu verschiedenen Bestrebungen, das Wiki-Konzept zu
verbessern. Im Bereich der als Enzyklopädie konzipierten Wikis entwickelten Ulrich Fuchs
und Larry Sanger unabhängig voneinander die Projekte Wikiweise[13] und Citizendium, bei denen
das Wiki-Konzept eingeschränkt wird und stattdessen durch ein näher an der traditionellen
redaktionellen Arbeitsweise orientiertes System eine Qualitätssteigerung erzielt werden soll. So
hat bei Citizendium jeder Artikel einen eigenen verantwortlichen Betreuer, der mit Klarnamen
bekannt ist. Beiden Projekten blieb jedoch bisher ein durchschlagender Erfolg verwehrt.
Eine weitere Entwicklung ist die Erweiterung von traditionellen Web-Portalen verschiedener Art
durch Wiki-Funktionen. So kann im Wissensportal Google Knol jeder Interessierte Texte
einstellen und bestimmen, ob er seine Inhalte zur kollaborativen Bearbeitung nach Wiki-Art
freigibt oder nicht. Auf einem ähnlichen Konzept basiert das wissenschaftliche Wiki Scholarpedia,
das auf wenige Spezialthemen beschränkt ist und die Teilnahmemöglichkeiten Fachfremder stark
einschränkt.
Auf Wiki-Basis wurden weiterhin etwa seit 2005 computergenerierte Datenbanken erstellt, die von
den Web-Benutzern bearbeitet und so verbessert werden können. Diese Wikis sind meist stark
strukturiert und nutzen in hohem Maße Vorlagen. Bekannte Vertreter dieser Wiki-Form sind das
Web-Verzeichnis AboutUs.org, die Open-Directory-Project-Erweiterung Chainki und die
proprietäre Musikdatenbank CDWiki. Selbst zur Vermarktung von Internetwerbung wurden Wikis
verwendet, wie bei WikiFox (inzwischen eingestellt) und ShoppiWiki.[14]
Durch Softwareerweiterungen wurde das Wiki-Konzept um die Darstellung von ab 2005
populären Inhalten wie Web-Videos erweitert sowie auf zukünftig erwartete Internetphänomene
wie das Semantische Web vorbereitet.
Im März 2007 wurde das Wort wiki in das Oxford English Dictionary aufgenommen.[15]
Eine Reihe von Regiowikis wurden speziell für einzelne Städte und deren Themenkreise
eingerichtet. Das größte der Welt war lange das Stadtwiki Karlsruhe.

Wikis in Organisationen: Entwicklung ab 2007


Unternehmenswikis
Durch den Erfolg von Wikipedia beflügelt, haben viele Unternehmen
begonnen, Unternehmenswikis aufzubauen, um das Wissen ihrer Mitarbeiter unternehmensintern
zu sammeln und transparent zu machen (Wissensmanagement). Hierbei ist gegebenenfalls das
Engagement der Mitarbeiter unverzichtbar. Der finanzielle Aufwand ist dagegen meist niedriger
als bei herkömmlichen Systemen der Wissenskonservierung. Erfolgversprechend ist der Einsatz
von Wikis tendenziell eher bei flachen Hierarchien und in einer möglichst
offenen Unternehmenskultur.[16]
Verbreitung von Unternehmenswikis
Im Jahr 2008 nutzten oder testeten beispielsweise 41 % der finnischen Top-50-Unternehmen
Wikis, weitere 18 % standen einem Wiki-Einsatz offen gegenüber.[17]
Laut einer Studie von Forrester Research[18] wird sich der Einsatz von Unternehmenswikis im
Rahmen von Enterprise 2.0 von 2007 bis 2013 in etwa verzehnfachen. Die
Unternehmensberatung Gartner schätzte, dass 2009 ungefähr die Hälfte der Unternehmen ein
Wiki installiert haben.[19]
Klassifizierung von Unternehmenswikis
Grundsätzlich können unternehmensinterne Wikis in zwei Gruppen eingeteilt werden:

 Unternehmens- bzw. Abteilungswikis versuchen das Wissen eines Unternehmens bzw. einer
Abteilung zu erfassen.
 Projektbezogene Wikis dagegen sind speziell auf ein einzelnes Projekt zugeschnitten. Sie
haben wie die zugehörigen Projekte oft nur eine begrenzte Lebensdauer und sollen oft nur
für einen bestimmten Personenkreis zugänglich sein.
Einige Wikis kombinieren beide Typen und ermöglichen die Einrichtung von sogenannten
Spaces, um Projekte voneinander inhaltlich und benutzerrechtlich zu trennen.[20]
Wikis im Bildungssektor
Mittlerweile nutzen viele Schulen und Hochschulen eigene Wikis. Im Jahre 2010 gab es in
Deutschland WikiWebs an mehr als 34 % aller Hochschulen.[21]
Wiki der Technikgeschichte
Die weltweit größte technische Berufsgesellschaft Institute of Electrical and Electronics
Engineers (IEEE) mit den Schwerpunktsbereichen Elektrotechnik und Informatik gründete 2008
eine Unterorganisation mit dem Namen IEEE Global History Network. Es entstand eine
wikibasierte, englischsprachige, frei zugängliche Online-Datenbank mit historischen Inhalten der
Technikgeschichte dieser Fachbereiche. Dazu gehören Meilensteine der Entwicklung wie auch
mündliche und schriftliche persönliche Erfahrungsberichte. 2015 wurde das IEEE Global History
Network in die breiter abgestützte Organisation Engineering and Technology History Wiki der
wichtigsten technischen US-Berufsgesellschaften eingebracht und wird dort weitergeführt.

Wikis als politische Instrumente: Entwicklung ab 2007


In Österreich wurde nach dem Beschluss des Regierungsprogramms der großen Koalition
zwischen SPÖ und ÖVP im Jahre 2007 von der Parlamentsfraktion der Grünen eine Webseite
zur zivilgesellschaftlichen Neuformulierung des Regierungsprogrammes eingesetzt. Die Partei
verspricht die darin formulierten Anregungen zu berücksichtigen, sollte sie in
Regierungsverhandlungen eintreten.[22]
Am 11. Juli 2009 wurde in Portugal vom Institut für portugiesische Demokratie (IDP) das
Projekt Constituição 2.0 lanciert. Dabei soll, nach dem Vorbild der Wikipedia, eine neue, mit dem
Wiki-System kollektiv erstellte, portugiesische Verfassung entstehen.[23]
In einem Artikel in der israelischen Tageszeitung Haaretz wird die Idee als Möglichkeit zur
Schaffung einer Verfassung Israels aufgegriffen.[24]

Zur Auswahl einer geeigneten Wiki-Software


Wiki-Software kann dabei helfen, Wissen innerhalb einer Organisation zu strukturieren und
dokumentieren und dadurch leichter verfügbar und nutzbar zu machen. Wissenstransfer wird auf
diese Weise unabhängiger von unmittelbarem zwischenmenschlichen Kontakt. Ebenso kann ein
Wiki dazu dienen, Organisationsstrukturen bis hin zu informellen Netzwerken und Experten als
Ansprechpartnern transparent zu machen. Die Wahl der geeigneten Wiki-Software hängt dabei
sowohl von der Struktur der Organisation als auch vom konkreten Einsatzzweck ab. Zu den
Anforderungen an eine Wiki-Software können insbesondere die folgenden zählen.[25]

Benutzerfreundlichkeit
 Wiki-Systeme unterstützen das Bearbeiten von Inhalten unterschiedlich (z. B. vermittels
eines WYSIWYG-Editors).
 In einem Unternehmen kann die Anmeldung mit der Anmeldung an anderen Software-
Systemen synchronisiert werden (LDAP-Authentifizierung).
 Eine Anbindung an die eingesetzte Office-Software kann es ermöglichen, im Wiki abgelegte
Text- oder Tabellendokumente unmittelbar zu editieren und zu versionieren.
 Vorlagen können bei der Erstellung von ähnlichen strukturierten Wiki-Einträgen unterstützen.
Wissensmanagement-Funktionen
 Inhalte werden systematisiert, indem sie bestimmten Kategorien und Tags zugeordnet
werden.
 Die Suchfunktion durchsucht nach Möglichkeit nicht nur die Wiki-Seiten selbst, sondern auch
im Wiki abgelegte Text- oder Tabellendokumente.
 Diskussionsseiten dienen dem Abgleich von Wissen und dem Austausch von Meta-Wissen
über einen Wiki-Eintrag bzw. -Text.
 Informationen, die im ERP-System des Unternehmens abgelegt sind, können angebunden
werden.
 Zur Qualitätssicherung ist es möglicherweise notwendig, dass vor der Veröffentlichung eines
Dokuments eine Freigabe desselben stattfindet (Workflow).
Benutzerrechte-Management
Unter Umständen ist es notwendig vorzusehen, dass zu bestimmten Seiten nur bestimmte
Nutzergruppen lesenden Zugang haben. Bestimmten Nutzern wird man zudem erweiterte Rechte
zuteilen können müssen, um z. B. die Rolle eines Administrators übernehmen zu können.

Investitionssicherheit
Zur langfristigen Sicherung der Investition trägt eine weite Verbreitung der Wiki-Software bei. Sie
kann daran abgelesen werden, wie viele Referenzen es gibt und ob es eine aktive Nutzer-
Community gibt.

Siehe auch
 Liste von Wiki-Software
 Wiki-Prinzip
 E-Collaboration

Literatur
 Jérome Delacroix: Les wikis: espaces de l’intelligence collective. M2 Editions, Paris
2005. ISBN 2-9520514-4-5.
 Anja Ebersbach, Markus Glaser, Richard Heigl: WikiTools. Kooperation im Web. Springer,
Berlin 2005. ISBN 3-540-22939-6.
 Christian Eigner, Helmut Leitner, Peter Nauser: Online-Communities, Weblogs und die
soziale Rückeroberung des Netzes, Nausser & Nausser, Graz 2003. ISBN 3-901402-37-3.
 Dave Johnson: Blogs, wikis and feeds in action. Manninng 2005. ISBN 1-932394-49-4.
 Jane Klobas: Wikis – Tools for Information Work and Collaboration. Chandos Publishing,
Oxford 2006. ISBN 1-84334-178-6.
 Christoph Lange (Hrsg.): Wikis und Blogs – Planen, Einrichten, Verwalten. Computer- und
Literaturverlag, Böblingen 2007. ISBN 3-936546-44-4.
 Bo Leuf, Ward Cunningham: The Wiki Way – Quick Collaboration on the Web. Addison-
Wesley, Harlow/München 2001. ISBN 0-201-71499-X.
 Erik Möller: Die heimliche Medienrevolution – Wie Weblogs, Wikis und freie Software die
Welt verändern. Heise, Hannover 2004. ISBN 3-936931-16-X.
 Monika Neumayer: Weblogs & Wikis – Aus dem Nähkästchen virtueller Vernetzung. In:
Christina Schachtner (Hrsg.): Erfolgreich im Cyberspace. Handbuch virtuelle Frauen- und
Mädchennetzwerke. Budrich, Opladen 2005. ISBN 3-938094-40-0.
 Konstantin Zurawski: Bieten an der Wissensbörse. In: Bild der Wissenschaft. Leinfelden-
Echterdingen 2007,11, S. 104ff. ISSN 0006-2375
 Johannes Moskaliuk (Hrsg.): Konstruktion und Kommunikation von Wissen mit
Wikis. Hülsbusch, Boizenburg 2008. ISBN 3-940317-29-2.
 Steward Mader: Wikipatterns. Hrsg.: Wiley. 2007, ISBN 978-0-470-22362-
8 (englisch, wikipatterns.com).

Weblinks
Commons: Wiki – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Wikiquote: Wiki – Zitate


Wiktionary: Wiki – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

 Literatur zum Schlagwort Wiki im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek


 Linkkatalog zum Thema Wiki bei curlie.org (ehemals DMOZ)
 WikiMatrix – tabellarischer Vergleich der Eigenschaften vieler Produkte (englisch)
 Wikiengines – Liste von Wiki-Software (englisch)
 WikiIndex.org – Wiki-Verzeichnis (englisch)
 wikiservice.at – Wiki-Verzeichnis