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Übersicht

Empfehlungen zur Früherkennung, Risikoreduktion, Überwachung


und Therapie bei Patienten mit Lynch-Syndrom
Current recommendations for surveillance, risk reduction and
therapy in Lynch syndrome patients

Autoren
Robert Hüneburg1, 2, Stefan Aretz2, 3, Reinhard Büttner4, Severin Daum5, Christoph Engel6, Guido Fechner2, 7,
Jens K. Habermann8, Dominik Heling1, 2, Katrin Hoffmann9, Elke Holinski-Feder10, 11, Matthias Kloor12,
Magnus von Knebel-Döberitz12, Markus Loeffler6, Gabriela Möslein13, Claudia Perne2, 3, Silke Redler14, Olaf Rieß15,
Wolff Schmiegel16, Thomas Seufferlein17, Ulrike Siebers-Renelt18, Verena Steinke-Lange10, 11, Johanna Tecklenburg19,
Deepak Vangala16, Tim Vilz2, 20, Jürgen Weitz21, Bertram Wiedenmann22, Christian P Strassburg1, 2*,
Jacob Nattermann1, 2*

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Institute 19 Institut für Humangenetik, Medizinische Hochschule
1 Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Hannover
Bonn 20 Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax-
2 Nationales Zentrum für erbliche Tumorerkrankungen, und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Bonn
Universitätsklinikum Bonn 21 Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax-
3 Institut für Humangenetik, Universitätsklinikum Bonn und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Dresden
4 Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Köln 22 Medizinische Klinik m. S. Hepatologie
5 Medizinische Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Gastroenterologie, Charité Berlin
und Rheumatologie, Charité Berlin
Schlüsselwörter
6 Institut für Medizinische Informatik, Statistik
Darm, kolorektales Adenom, kolorektales Karzinom,
und Epidemiologie (IMISE), Universität Leipzig
Rektumkarzinom, Magen, Magenkarzinom, Magenpolyp
7 Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum
Bonn Key words
8 Sektion für Translationale Chirurgische Onkologie & colorectal cancer, lynch syndrome, hnpcc, gastric cancer,
Biomaterialien, Klinik für Chirurgie und Institut für small bowel cancer, hereditary colorectal cancer
Humangenetik, Universität zu Lübeck und
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck eingereicht 25.06.2019
9 Institut für Humangenetik, Martin-Luther-Universität akzeptiert 30.08.2019
Halle-Wittenberg
Bibliografie
10 Medizinisch-Genetisches Zentrum (MGZ) München
DOI https://doi.org/10.1055/a-1008-9827
11 Klinikum der Universität München Campus Innenstadt,
Z Gastroenterol 2019; 57: 1309–1320
Medizinische Klinik und Poliklinik IV, München
© Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart · New York
12 Institut für angewandte Tumorbiologie,
ISSN 0044-2771
Universitätsklinikum Heidelberg
13 Zentrum für hereditäre Tumorerkrankungen, Korrespondenzadresse
Helios-Universitätsklinik Wuppertal, Universität Robert Hüneburg
Witten-Herdecke Nationales Zentrum für erbliche Tumorerkrankungen
14 Institut für Humangenetik, Universitätsklinikum Medizinische Klinik und Poliklinik I
Düsseldorf Universitätsklinikum Bonn, Sigmund-Freud-Straße 25,
15 Institut für Medizinische Genetik und angewandte D-53115 Bonn, Germany
Genomik, Universitätsklinikum Tübingen Tel.: ++ 49/2 28/2 87 16 30 43
16 Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Fax: ++ 49/2 28/28 71 97 63
Knappschaftskrankenhaus Bochum robert.hueneburg@ukbonn.de
17 Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Ulm
18 Institut für Humangenetik, Universitätsklinikum Münster Z US A M M E N FA SS U N G

Einleitung Das Lynch-Syndrom (LS) ist die häufigste Form des


erblichen Darmkrebses und verursacht ca. 3 % aller kolorekta-
len Karzinome (KRK). Ursächlich ist eine pathogene Sequenz-
* Autoren teilen sich die Letzt-Autorenschaft.

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variante in einem Mismatch-Reparaturgen (MLH1, MSH2, ABSTR AC T


MSH6, PMS2, EPCAM). Nach aktueller Schätzung ist ca. eine
Introduction Lynch syndrome (LS) is the most common her-
von 300 Personen Anlageträger für LS (ca. 300 000 Mutations-
editary colorectal cancer syndrome and accounts for ~3 % of
träger/Deutschland). Anlageträger haben ein erhöhtes
all CRCs. This autosomal dominant disorder is caused by
Lebenszeitrisiko für ein KRK mit einer kumulativen Inzidenz
germline mutations in DNA mismatch repair genes (MLH1,
von 15 bis 46 % bis zum 75. Lebensjahr. Weiterhin ist auch
MSH2, MSH6, PMS2, and EPCAM). One in 300 individuals of
das Risiko für extrakolonische Tumoren wie Endometrium-,
the general population are considered to be mutation carriers
Dünndarm-, Magen-, Urothel- und andere Karzinome erhöht.
(300 000 individuals/Germany). Mutation carriers are at a
Methoden Das Deutsche Konsortium Familiärer Darmkrebs
high CRC risk of 15–46 % till the age of 75 years. LS also
besteht aus 14 universitären Zentren in Deutschland. Das
includes a variety of extracolonic malignancies such as endo-
Ziel des Konsortiums ist es, geeignete Vorsorgeprogramme
metrial, small bowel, gastric, urothelial, and other cancers.
zu entwickeln und zu evaluieren, damit diese später in die all-
Methods The German Consortium for Familial Intestinal
gemeine Patientenversorgung übernommen werden können.
Cancer consists of 14 university centers in Germany. The aim
Wir haben aktuell die Empfehlung zur klinischen Betreuung
of the consortium is to develop and evaluate surveillance pro-
von LS-Patienten überarbeitet.
grams and to further translate the results in clinical care. We
Ergebnis Eine Koloskopie sollte ab dem 25. Lebensjahr alle
have revisited and updated the clinical management guide-
12–24 Monate erfolgen. Bei Diagnose eines KRK ist eine onko-
lines for LS patients in Germany.
logische Resektion notwendig, eine Kolektomie mit ileorekta-
Results A surveillance colonoscopy should be performed ev-

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ler Anastomose sollte individuell mit dem Patienten bespro-
ery 12–24 months starting at the age of 25 years. At diagnosis
chen werden. Das Lebenszeitrisiko für ein Magenkarzinom
of first colorectal cancer, an oncological resection is advised,
liegt bei 0,2–13 %. Im Rahmen der endoskopischen Überwa-
an extended resection (colectomy with ileorectal anastomo-
chung können signifikant mehr Magenkarzinome in früheren
sis) has to be discussed with the patient. The lifetime risk for
Tumorstadien entdeckt werden im Vergleich zur symptomge-
gastric cancer is 0.2–13 %. Gastric cancers detected during
triggerten Endoskopie. Das Lebenszeitrisiko für ein Dünn-
surveillance have a lower tumor stage compared to symp-
darmkarzinom liegt bei 4–8 %. Dünndarmkarzinome treten
tom-driven detection. The lifetime risk for small bowel cancer
zur Hälfte im Duodenum auf, in 10 % der Fälle vor dem
is 4–8 %. About half of small bowel cancer is located in the
35. Lebensjahr. Eine ÖGD sollte deshalb ab dem 25. Lebens-
duodenum and occurs before the age of 35 years in 10 % of
jahr alle 12–36 Monate erfolgen.
all cases. Accordingly, patients are advised to undergo an eso-
Schlussfolgerung Die Früherkennung, Vorsorge und Be-
phagogastroduodenoscopy every 12–36 months starting by
handlung von kolonischen und extrakolonischen Karzinomen
the age of 25 years.
bei Patienten mit LS reduziert die Mortalität und Morbidität,
Conclusion LS colonic and extracolonic clinical manage-
ist aber komplex und in verschiedenen Aspekten noch nicht
ment, surveillance and therapy are complex and several
umfassend evaluiert. Weitere gen- und geschlechtsspezifi-
aspects remain unclear. In the future, surveillance and clinical
sche Vorsorgeempfehlungen sind wünschenswert und sollen
management need to be more tailored to gene and gender.
in prospektiven Studien evaluiert werden.
Future prospective trials are needed.

Einleitung Das Deutsche Konsortium „Familiärer Darmkrebs“ wurde 1999


in Bonn gegründet als Verbund der sechs Universitätskliniken
Das kolorektale Karzinom (KRK) ist eine der häufigsten Krebser- Bonn, Bochum, Dresden, Düsseldorf, Heidelberg und München/
krankungen in Deutschland mit ~61 000 Neudiagnosen sowie Regensburg. Im Jahr 2016 verstarb der langjährige Sprecher des
über 25 000 Todesfällen pro Jahr. In mindestens 3 % der Fälle liegt Konsortiums Professor Peter Propping, der sich national und inter-
ein Lynch-Syndrom (LS) vor. Dieses autosomal-dominant vererbte national um dieses Thema verdient gemacht hat. Wir haben nun
Tumordispositionssyndrom wird verursacht durch pathogene Se- fast zwanzig Jahre nach Gründung des Konsortiums unseren
quenzvarianten in einem Mismatch-Reparaturgen (MMR). Derzeit Verbund mit weiteren Zentren an den Standorten Berlin, Halle/
bekannt sind pathogene Sequenzvarianten in folgenden Genen: Sachsen-Anhalt, Hannover, Lübeck, Münster, Tübingen, Ulm und
MLH1, MSH2, MSH6 und PMS2. Zusätzlich können Deletionen in Wuppertal erweitert (▶ Abb. 1).
dem vor dem MSH2-Gen gelegenen EPCAM-Gen das LS verursa- Das Ziel des Konsortiums ist es, Standards für eine optimale
chen. Anlageträger haben ein deutlich erhöhtes Lebenszeitrisiko Betreuung von Patienten mit erblichem Dickdarmkrebs und deren
für ein KRK mit einer kumulativen Inzidenz von 15 bis 46 % bis Familien zu erarbeiten. Dies wird erreicht durch eine enge Koope-
zum 75. Lebensjahr. Weiterhin ist auch das Risiko für extrakoloni- ration von Gastroenterologen, Humangenetikern, Chirurgen,
sche Tumoren wie Endometrium-, Dünndarm-, Magen-, Urothel- Onkologen und Pathologen. Um diesen Hochrisikopatienten
und andere Karzinome erhöht. In der Vergangenheit wurde oft gerecht zu werden, müssen Strategien entwickelt werden, um
die Bezeichnung Hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzi- Risikopersonen bzw. Anlageträger zu identifizieren und in geziel-
nom (HNPCC) verwendet. ten Vorsorgeprogrammen zu betreuen. Auch müssen geeignete

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▶ Abb. 1 Zentren des Deutschen Konsortiums für familiären Darmkrebs.

▶ Tab. 1 Vergleich der alten und neuen Früherkennungs-/Vorsorgeempfehlungen für Lynch-Syndrom/HNPCC.

Alte Empfehlungen Neue Empfehlungen

Körperliche Untersuchung Jährliche körperliche Untersuchung Regelmäßig


Kolorektales Karzinom Jährliche Koloskopie ab dem 25. Lj. Koloskopie alle 12–24 Monate ab dem 25. Lj1
Magen/Dünndarmkarzinom Jährliche ÖGD ab dem 35. Lj ÖGD alle 12–36 Monate ab dem 25. Lj1
Ovarialkarzinom Jährliche gynäkolog. Untersuchung mit Keine
transvaginalem Ultraschall ab dem 25. Lj.
Endometriumkarzinom Jährliche Endometriumbiopsie (Pipelle) ab Optionale Durchführung eines transvaginalen
dem 35. Lj. Ultraschalls und einer Endometriumbiopsie ab
dem 30.–35. Lebensjahr

1
bzw. 5 Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter.

Vorsorgeprogramme entwickelt und evaluiert werden, damit die- 1:279 beziffert [1]. Somit ist bei einer aktuellen Bevölkerung von
se später in die allgemeine Patientenversorgung übernommen 82 500 000 Einwohnern in Deutschland von einer Zahl von fast
werden können. 300 000 Anlageträgern auszugehen. Die Identifizierung von Risi-
Anlässlich der Neukonstituierung des Konsortiums haben wir kopersonen gestaltet sich aufgrund der Tumorpleiotropie, der
die Empfehlung zur klinischen Betreuung der Patienten mit LS komplexen Identifikationsalgorithmen sowie mangelnder
überarbeitet. Eine Kurzübersicht findet sich in ▶ Tab. 1. Bekanntheit der Erkrankung als schwierig. Angesichts einer mög-
Das LS erhält infolge des Einzugs der Immunonkologie eine im- lichen Implementierung eines universalen Screenings in soliden
mer stärker werdende Bedeutung. In Rechenmodellen wurde die Tumoren und/oder vereinfachter Identifikation durch den
Häufigkeit für Anlageträger in der Allgemeinbevölkerung mit Gebrauch von Artificial Intelligence gehen wir allerdings von einer

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deutlichen Steigerung der Identifikation dieser Hochrisikopatien- [7]. In der dortigen Studie konnte dadurch das KRK-Risiko über
ten und ihrer Familien aus [2, 3]. 10 Jahre auf 6 % reduziert werden.
Die Identifizierung gewährleistet einen Einschluss sowohl der In einer gemeinsamen Auswertung von Früherkennungsdaten
Betroffenen als auch der bisher nicht erkrankten Anlageträger in aus Deutschland, den Niederlanden und Finnland wurden die drei
spezifische Vorsorge- und Früherkennungsprogramme. unterschiedlichen Vorsorgestrategien (strikt jährlich, 1–2 jährlich,
2–3 jährlich) miteinander verglichen[8]. Es zeigte sich keine Über-
legenheit kürzerer Überwachungsintervalle hinsichtlich einer
Vorsorge Reduktion der KRK-Inzidenz oder günstigerer Tumorstadien. Die
Adenomdetektionsrate war in allen drei Ländern vergleichbar
Die molekularpathologische Untersuchung des Tumorgewebes
(~13 %). Es konnten aber Risikofaktoren für das Auftreten eines
auf die immunhistochemische Expression der DNA-Mismatch-Re-
kolorektalen Karzinoms identifiziert werden: 1. männliches Ge-
paraturgene MLH1, MSH2, MSH6 und PMS2 und/oder eine Unter-
schlecht; 2. Alter über 40. Lebensjahr; 3. Kolorektales Karzinom
suchung auf Mikrosatelliteninstabilität stellt weiterhin einen zent-
in der Vorgeschichte; 4. pathogene Sequenzvariante im MLH1-
ralen Punkt in der diagnostischen Abklärung des LS dar. Von dem
oder MSH2-Gen; 5. Adenom in der ersten dokumentierten Kolo-
Ergebnis dieser Untersuchung hängt nicht nur die weitere mole-
skopie. Die kumulative Inzidenz für ein KRK lag zwischen 4 und
kulargenetische Diagnostik, sondern auch die weitere klinische
18 % und war abhängig von den aufgeführten Risikofaktoren.
Betreuung des Patienten und seiner Angehörigen bezüglich der
Auch unter Berücksichtigung der Risikofaktoren zeigte sich keine
Vorsorgeempfehlungen ab. Die nun folgenden Vorsorgeempfeh-
Überlegenheit für ein verkürztes Untersuchungsintervall.
lungen richten sich, sofern im Text nicht anders gekennzeichnet,

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Problematisch für die Bewertung der Studienergebnisse ist die
an Patienten, für die die intensivierte Vorsorge notwendig ist
unterschiedliche Adhärenz zu den empfohlenen Vorsorgeinterval-
(siehe Flussdiagramm; ▶ Abb. 2).
len in den drei Ländern. Während in Deutschland 80 % aller Studi-
Bei Patienten, die die revidierten Bethesda-Kriterien erfüllen
enpatienten eine jährliche Koloskopie erhielten, war dies in den
und eine auffällige Immunhistochemie und/oder Mikrosatelliten-
beiden anderen Ländern deutlich geringer. Dort erfolgte bei
analyse im Tumorgewebe aufweisen, bei denen aber keine patho-
klinisch als „Hochrisiko-Patienten“ klassifizierten Personen eine
genen Sequenzvarianten in einem der MMR-Gene nachgewiesen
Koloskopie mit verkürztem Intervall.
werden können, kann von der Empfehlung des engmaschigen
Eine weitere Differenzierung des Risikos für ein kolorektales
LS-Früherkennungsprogramms abgewichen werden, wenn sich
Karzinom ist je nach pathogener Sequenzvariante möglich. So
im Tumorgewebe deutliche Hinweise auf einen sporadischen Tu-
haben Anlageträger einer pathogenen Sequenzvariante im MLH1-
mor wie zum Beispiel eine BRAF-Mutation oder eine MLH1-Promo-
oder MSH2-Gen ein deutlich höheres Risiko, an einem KRK zu
termethylierung ergeben. Welche Vorsorge empfohlen wird, ist
erkranken im Vergleich zu MSH6-Anlageträgern (46 %, 43 % vs.
im Einzelfall zu entscheiden.
15 %) [9].
Der spätere Erkrankungsgipfel und das eher niedrigere KRK-Ri-
Körperliche Untersuchung
siko sprechen dafür, dass bei Betroffenen mit einer pathogenen
Die körperliche Untersuchung trägt wenig zur frühzeitigen Entde- MSH6- oder PMS2-Anlageträgerschaft die erste Vorsorgekolosko-
ckung eines gastrointestinalen oder gynäkologischen Tumors bei. pie zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann [9, 10]. Allerdings
Dennoch sollte diese ärztliche Basismaßnahme regelmäßig erfol- existieren dazu bisher keine klinischen Studien.
gen [4]. Dabei soll sich das Augenmerk insbesondere auf die Iden- In der Zusammenschau der vorliegenden Literatur erfolgt eine
tifizierung von LS-assoziierten Hautveränderungen und (Prä-)Kan- Änderung der bisherigen Empfehlung. Das Konsortium Familiärer
zerosen richten, die vor allem bei MSH2-Anlageträgern deutlich Darmkrebs empfiehlt nun die Durchführung einer Koloskopie alle
gehäuft vorkommen [5]. 1–2 Jahre ab dem 25. Lebensjahr bzw. 5 Jahre vor dem frühesten
Erkrankungsalter in der Familie. Eine Verkürzung des Intervalls ist
Gastrointestinaltrakt abhängig vom vorherigen Endoskopiebefund möglich bezie-
Kolonkarzinom (KRK) hungsweise notwendig (siehe S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom).
Die Untersuchung soll mit einem HDTV-fähigen Endoskop er-
Koloskopie folgen, da damit eine Steigerung der Adenomdetektionsrate
Eine Koloskopie sollte bei Patienten mit LS ab dem 25. Lebensjahr beim sporadischen kolorektalen Karzinom erzielt werden kann
beziehungsweise 5 Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in [11]. Das Ziel der Untersuchung ist eine komplette Koloskopie,
der Familie erfolgen. Bislang hat das Konsortium Familiärer Darm- d. h., das terminale oder neo-terminale Ileum soll erreicht wer-
krebs eine jährliche Koloskopie empfohlen. Dieses Vorsorgeinter- den. Dabei ist angesichts des erhöhten Risikos für Dünndarmkar-
vall unterscheidet sich von den Empfehlungen in den anderen zinome eine möglichst weite Einsicht in das Ileum wünschenswert
europäischen Ländern. So wird in Finnland eine Koloskopie alle [12].
2–3 Jahre empfohlen, da bei entsprechender Adhärenz keine Die Untersuchung kann analog zu den Empfehlungen der Eu-
KRK-assoziierten Todesfälle beobachtet wurden [6]. Das Risiko ropean Society for Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) als virtuelle
für die Entwicklung eines KRK innerhalb von 10 Jahren unter kolo- (Narrow-Band-Imaging) oder klassische Chromoendoskopie erfol-
skopischer Überwachung betrug 10 %. Die Empfehlungen in den gen. In mehreren „back-to-back“ endoskopischen Studien sowie
Niederlanden sehen eine Vorsorgekoloskopie alle zwei Jahre vor in einer kontrolliert-randomisierten Studie konnte eine erhöhte
Adenomdetektionsrate nachgewiesen werden [13–17]. Für die

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▶ Abb. 2 Flussdiagramm zur Empfehlung der spezifischen Vorsorgeschemata.

virtuelle Chromoendoskopie konnte in zwei Arbeiten eine Steige- Die klassische Chromoendoskopie sollte mit Indigokarmin
rung der ADR durch die virtuelle Chromoendoskopie erreicht durchgeführt werden. Dabei wird das komplette Kolon mittels ei-
werden. Dabei wurde das Narrow-Band-Imaging(NBI)-System der nes durch das Endoskop vorgeschobenen Sprühkatheters ange-
Firma Olympus untersucht [14] und auch I-SCAN der Firma Pentax färbt. Dies sollte segmentweise erfolgen. Über die Dosierung von
[18]. Für weitere virtuelle Systeme etwa von der Firma Fujinon Indigokarmin stehen verschiedene Publikationen (0,008–0,5 %)
(FICE oder Blue-Light-Imaging) existieren keine wissenschaftli- zur Verfügung. Andere Farbstoffe wie zum Beispiel Methylenblau
chen Daten in Bezug auf LS. werden wegen der beschriebenen Toxizität nicht empfohlen [19].

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Falls möglich, sollten detektierte Polypen endoskopisch abge-


tragen werden. Ist dies technisch nicht möglich, ist ein operatives EM PFEH LU NG
Vorgehen notwendig. Eine komplette Koloskopie mit Intubation und Inspektion
Im Gegensatz zur Allgemeinbevölkerung sollten hyperplasti- des (neo-)terminalen Ileums sollte in der Regel ab dem
sche Polypen im Rektum nicht belassen werden. Die Bedeutung 25. Lebensjahr (bzw. 5 Jahre vor dem frühesten Erkrankungs-
von hyperplastischen Polypen beim LS ist zum gegenwärtigen alter in der Familie) erfolgen. Die Koloskopie soll alle 12–
Zeitpunkt unklar [20]. Allerdings ist bereits beim sporadischen 24 Monate erfolgen.
KRK eine Assoziation zwischen dem Auftreten von distalen hyper-
plastischen Polypen und synchroner fortgeschrittener proximaler
Neoplasie beschrieben [21]. Operation
Es wird davon ausgegangen, dass die Adenom-Karzinom-Se-
Es besteht keine generelle Empfehlung zur Durchführung einer
quenz auch für das LS gilt, aber auch eine Karzinogenese ohne
prophylaktischen Kolektomie beim LS, da durch regelmäßige Vor-
Precursor-Läsion stattfinden kann [22, 23]. Es wird weiterhin da-
sorgeuntersuchungen in der Regel die Karzinome im UICC-Stadi-
von ausgegangen, dass eine frühzeitige Adenomdetektion und
um I/II oder bereits Vorstufen entdeckt werden [7]. Allerdings
endoskopische Entfernung möglicherweise eine Risikoreduktion
können individuelle Faktoren wie fehlende Compliance, regelmä-
für die Entstehung eines KRK herbeiführt und zumindest einen
ßig schwierige Koloskopien oder regelmäßig schlechte Vorberei-
Anteil der sonst auftretenden KRK verhindert. Allerdings zeigen
tung trotz adäquater und intensivierter Abführmaßnahmen auch
aktuelle Daten, dass trotz der Durchführung einer regelmäßigen

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zur Empfehlung einer prophylaktischen Kolektomie führen.
Koloskopie mit endoskopischer Entfernung von Adenomen kolo-
Bei der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms sollte die Op-
rektale Karzinome auftreten [24]. In verschiedenen Studien wurde
tion einer erweiterten Resektion im Sinne einer subtotalen Kolek-
eine Adenomdetektionsrate von 10 % dokumentiert [25, 26]. Dies
tomie mit Anlage einer ileorektalen Anastomose mit dem Patien-
erscheint bei dem weiterhin persistierenden Risiko für die Entste-
ten besprochen werden. Entsprechend der aktuellen S3-Leitlinie
hung eines kolorektalen Karzinoms niedrig. Die Rate an übersehe-
„Kolorektales Karzinom“ sollte dies jedoch nicht generell durch-
nen Adenomen korreliert mit der Größe der Läsion. Bei Kolo-
geführt werden. Allerdings besteht nach Segmentresektion ein
skopien werden bis zu 28 % der kleinen Adenome (≤ 5 mm)
erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines metachronen kolorek-
übersehen [27]. Bei LS ist allerdings das Risiko für das Vorhanden-
talen Karzinoms, das mit 16 % nach 10 Jahren und 41 % nach
sein einer fortgeschrittenen Histologie (villöse Komponente/
20 Jahren angegeben ist [38].
Karzinom) auch bereits in kleinen Adenomen deutlich erhöht. So
Alternativ ist eine onkologische Resektion nach tumorchirurgi-
konnten Iino et al. zeigen, dass eine hochgradige Dysplasie bereits
schen Gesichtspunkten möglich. Beide Operationsoptionen be-
bei 27 % aller Adenome mit einer Größe von 2–5 mm vorhanden
nötigen anschließend weiterhin eine intensive endoskopische
ist [28]. Dies wurde auch für Adenome mit einer Größe von
Früherkennung nach dem gleichen Muster wie vor der Operation.
5 mm durch Rijcken et al. verifiziert [29]. Auch wurden bereits
Karzinome in einer Größe < 5 mm bei dieser Hochrisikogruppe be-
schrieben [30]. Das Auftreten von sessil serratierten Adenomen
und selteneren traditionell serratierten Adenomen ist beim LS ver- EM PFEH LU NG
gleichbar zur Allgemeinbevölkerung [31]. Eine prophylaktische Kolektomie oder Proktokolektomie soll
Die bisherigen Publikationen zeigen eine verkürzte Zeitspanne bei LS-Patienten nicht durchgeführt werden.
bis zur Entstehung einer fortgeschrittenen Histologie bei kleinen Bei der Diagnose eines KRK sollte eine onkologische Resektion
Adenomen. So konnten Edelstein et al. eine Zeitspanne von nach tumorchirurgischen Gesichtspunkten erfolgen. Eine er-
33 Monaten (± 16,2 Monate) für die Entstehung eines fortge- weiterte Operation im Sinne einer Kolektomie mit ileorektaler
schrittenen Adenoms dokumentieren [32]. Weiterhin zeigen Anastomose sollte individuell mit dem Patienten besprochen
verschiedene Studien, dass sich das makroskopische Erschei- werden.
nungsbild der Adenome deutlich von Vorläuferläsionen beim spo-
radischen KRK unterscheidet. So sind die Adenome bei LS nicht-
polypoid (flach) und eher im rechten Hemicolon lokalisiert [33, Endoskopische Nachsorge
34]. Insbesondere solche Läsionen werden durch die endoskopi-
Die Empfehlung zur endoskopischen Nachsorge nach einem en-
sche Standarddiagnostik häufig übersehen [35].
doskopisch abgetragenen pT1-Karzinom nach sechs Monaten
Für die entsprechende Dokumentation und Terminologie der
bleibt bestehen. Auch soll eine endoskopische Nachsorge nach
endoskopischen Befunde verweisen wir auf das Konsensusprojekt
sechs Monaten (falls keine komplette Koloskopie präoperativ)
der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-
bzw. nach zwölf Monaten nach chirurgischer Resektion eines kolo-
und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) [36]. Es besteht keine
rektalen Karzinoms erfolgen [4]. Anschließend kann wieder ein
Indikation zur virtuellen Koloskopie mittels Computertomografie
Intervall von 12–24 Monaten durchgeführt werden.
(CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) [30, 37].

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das Erkrankungsalter unterhalb von 35. Lebensjahren, bei 4 % be-
EM PFEH LU NG reits vor dem 30. Lebensjahr [51]. Auch konnten die Autoren
Die Nachsorge nach einem kolorektalen Karzinom orientiert nachweisen, dass Duodenalkarzinome, die im Rahmen der Früh-
sich an der Nachsorge für ein sporadisches Kolonkarzinom. erkennung detektiert werden, niedrigere Tumorstadien aufwei-
Eine Vorsorgekoloskopie ist weiterhin alle 12–24 Monate sen im Vergleich zur symptomgetriggerten Untersuchung.
notwendig. Eine abschließende Empfehlung bezüglich des Untersuchungs-
intervalls ist bei fehlender Datenlage derzeit nicht möglich. Dazu
sind für die Zukunft prospektive Studien notwendig. Auch ist eine
Magenkarzinom Differenzierung der Vorsorgeempfehlung je nach betroffenem
Gen wünschenswert. Eine Kombination mit der durchzuführen-
Das Lebenszeitrisiko für die Entwicklung eines Magenkarzinoms
den Koloskopie ist gut möglich.
liegt bei 0,2–13 % [12, 39–41]. Es existieren allerdings bisher kei-
Die Vorsorgeoption mittels Dünndarmkapsel wurde in zwei
ne Studien, ob das Risiko durch die Durchführung einer Ösopha-
unterschiedlichen Studien untersucht. Saurin et al. konnten bei
gogastroduodenoskopie (ÖGD) gesenkt werden kann. In der
3/35 Patienten einen klinisch relevanten Befund mittels Kapsel-
einzigen prospektiven Studie durch Renkonen-Sinisalo zeigten
endoskopie nachweisen [52]. Haanstra et al. fanden bei 2/200 Pa-
sich bei den 72 untersuchten Anlageträgern keine prämalignen
tienten klinisch relevante Befunde im Duodenum. Allerdings ent-
Läsionen oder Frühkarzinome [42]. Magenkarzinome bei LS-Pa-
wickelte ein Patient 7 Monate nach negativer Kapselendoskopie
tienten sind in der Regel vom intestinalen Typ [43]. In Anbetracht
ein Duodenalkarzinom [53]. In der folgenden Kontrolle zwei Jahre

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der möglichen Detektion von Karzinomvorstufen oder Magen-
später zeigte sich kein klinisch relevanter Befund [54].
frühkarzinomen kann die ÖGD einen Stellenwert haben.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist eine Kapselendoskopie zur
So konnte das Konsortium Familiärer Darmkrebs in einer aktu-
Früherkennung eines Dünndarmkarzinoms nicht etabliert. Somit
ellen Arbeit zeigen, dass signifikant mehr Magenkarzinome in frü-
sollte in der regulären klinischen Versorgung davon abgesehen
heren Tumorstadien entdeckt werden im Rahmen der endoskopi-
werden.
schen Überwachung im Vergleich zur symptomgetriggerten
Endoskopie [44]. Das notwendige Untersuchungsintervall ver-
bleibt mangels prospektiver Studien unklar. Auch ergibt sich kein
Anhalt dafür, dass eine positive Familienanamnese für ein Magen- EM PFEH LU NG
karzinom das Risiko für die weiteren Familienmitglieder erhöht. Eine ÖGD mit tiefer Einsicht ins Duodenum soll bei LS-Patien-
In Bezug auf das jeweils betroffene MMR-Gen zeigt sich ein be- ten ab dem 25. Lebensjahr erfolgen. Eine Untersuchung sollte
sonders erhöhtes Risiko für MLH1-Anlageträger, wohingegen alle 12–36 Monate erfolgen.
PMS2-Anlageträger kein erhöhtes Risiko aufzuweisen scheinen Eine Testung auf Helicobacter pylori soll im Rahmen der Un-
[9, 10]. tersuchung durchgeführt werden, ggf. mit anschließender
In der europäischen Leitlinie wird eine Testung auf eine Helico- Eradikation.
bacter-pylori-Infektion empfohlen [45]. Des Weiteren soll bei po- Eine Kapselendoskopie sollte in der Früherkennung nicht als
sitivem Nachweis eine Eradikation der Infektion erfolgen. In einer Routineverfahren eingesetzt werden.
aktuellen Arbeit zeigte sich eine Infektion mit Helicobacter pylori
bei 20 % der Anlageträger. Dies ist vergleichbar zur Allgemeinbe-
völkerung. Helicobacter pylori wird von der WHO als definitives Pankreatobiliäre Tumoren
Karzinogen klassifiziert. Eine Testung auf Helicobacter pylori ist Das Lebenszeitrisiko für die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms
somit für Patienten mit LS zu empfehlen. In der aktuellen Leitlinie liegt bei 3,7 % und ist somit gegenüber der Allgemeinbevölkerung
der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- deutlich erhöht [55]. Gesicherte Überwachungsstrategien existie-
und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) wird empfohlen, dass ren nicht. Ein internationales Pankreas-Konsensus-Panel empfiehlt
„die Helicobacter-pylori-Eradikation mit dem Ziel der Magenkarzi- bei Anlageträgern mit einem betroffenen Familienmitglied mit
nomprophylaxe bei Risikopersonen durchgeführt werden sollte“ Pankreaskarzinom eine initiale Magnetresonanz-Cholangiopan-
[46]. kreatikografie (MRCP) sowie einen endoskopischen Ultraschall
(EUS). Anschließend solle jährlich ein EUS erfolgen [56].
Dünndarmkarzinom Es gibt keine Empfehlung zur Durchführung eines abdominel-
Das kumulative Lebenszeitrisiko für die Entwicklung eines Dünn- len Ultraschalls für die Früherkennung.
darmkarzinoms liegt bei 4–8 % [39, 41, 47]. Allerdings sind die
Vorsorgemöglichkeiten limitiert. Im Rahmen der ÖGD sollte ins-
besondere das Duodenum und wenn möglich auch das obere EM PFEH LU NG
Jejunum inspiziert werden, da die meisten beschriebenen Dünn- Trotz des erhöhten Risikos ergeben sich bisher keine Möglich-
darmkarzinome und Adenome im Duodenum auftreten [39, keiten der Früherkennung. Ein möglicher Benefit durch MRCP
48–50]. So konnten Vangala et al. für das Deutsche Konsortium und EUS soll in prospektiven Studien evaluiert werden.
Familiärer Darmkrebs zeigen, dass Dünndarmkarzinome fast zur
Hälfte im Duodenum auftreten (Duodenum 46 %; Jejunum 32 %;
Ileum 10 %; unklar 12 %). Bei 10 % der Duodenalkarzinome lag

Hüneburg R et al. Empfehlungen zur Früherkennung,… Z Gastroenterol 2019; 57: 1309–1320 1315
Übersicht

Gynäkologie erkannt werden, aus denen unbehandelt in etwa 29 % EC entste-


hen [64]. Die Diagnose im Vorstadium erspart den Patientinnen
Endometriumkarzinom
zwar nicht die Hysterektomie, aber die Lymphadenektomie. Darü-
Patientinnen mit einem LS haben ein hohes Lebenszeitrisiko für ber hinaus unterstützt die regelmäßige Früherkennung die Ent-
ein Endometriumkarzinom (EC) von 15–70 % in Abhängigkeit wicklung eines erhöhten Bewusstseins für das Krankheitsrisiko
vom betroffenen Gen. Ob sie jedoch von einer Früherkennung und mögliche Frühsymptome, was ebenfalls zur frühzeitigen
bezüglich dieser Tumorerkrankung profitieren, ist zurzeit sehr Diagnose beitragen kann.
umstritten. Das Konsortium „Familiärer Darmkrebs“ empfiehlt daher, in
In der Vergangenheit wurde LS-Patientinnen ein jährlicher Einklang mit der aktuellen S3-Leitlinie Endometriumkarzinom,
transvaginaler Ultraschall (TVU) zur EC-Früherkennung empfoh- dass mit weiblichen LS-Patientinnen sowie den erstgradig ver-
len. Mehrere retrospektive Kohortenstudien zeigten jedoch, dass wandten Risikopersonen die Durchführung eines TVU und einer
diese Untersuchung allein zur Früherkennung des EC bei LS-Pa- EB ab dem 30.–35. Lebensjahr besprochen werden sollte [65].
tientinnen – insbesondere prä- und perimenopausal – ungeeignet
ist [57–59]. Bei den Patientinnen wurde deshalb in einigen Studi-
en zusätzlich eine Endometriumbiopsie (EB) durchgeführt. In
EM PFEH LU NG
einer Studie (175 LS-Patientinnen, 759 Personenjahre) wurden
Mit weiblichen LS-Patientinnen sollte die Durchführung eines
mittels TVU und EB 4 der 14 diagnostizierten EC durch TVU gefun-
transvaginalen Ultraschalls und einer Endometriumbiopsie ab
den, 8 erst durch die EB [60]. Zusätzlich wurden durch die EB
dem 30.–35. Lebensjahr besprochen werden.

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14 potenziell prämaligne Endometriumhyperplasien identifiziert.
Die Kombination aus TVU und EB wurde in der Folge deshalb
auch von einer Gruppe europäischer Experten aufgegriffen, die
Ovarialkarzinom
auch zurzeit noch empfehlen, Anlageträgerinnen ein Screening
mit TVU und EB ab dem 35.–40. LJ nach Besprechung der Vor- Das Risiko für ein Ovarialkarzinom (OC) ist beim LS im Vergleich
und Nachteile anzubieten, möglichst im Rahmen klinischer Studi- zur Allgemeinbevölkerung erhöht und wird mit einem Lebenszeit-
en [45]. Vom Konsortium „Familiärer Darmkrebs“ wird seit 2009 risiko von 4–22 % angegeben [12]. Der Erkrankungsgipfel liegt
eine Screeningstrategie mit jährlichem TVU ab dem 25. LJ und zu- zwischen dem 42. und dem 54. Lebensjahr. Bei Patientinnen mit
sätzlicher EB mit der Pipelle-Methode ab dem 35. LJ empfohlen. erblichem Brust- und Eierstockkrebs sind keine effektiven Früher-
Da jedoch die EB mit der Pipelle-Methode in Deutschland nach kennungsmaßnahmen für das OC vorhanden [65]. Analog wird
wie vor wenig verbreitet ist und sich LS-Patientinnen häufig für dies auch für LS-Anlageträgerinnen postuliert.
eine prophylaktische Hysterektomie entscheiden, konnten
bislang nur wenige Daten zur Effektivität dieser Früherkennungs- Prophylaktische Hysterektomie und ggf. Adnexektomie
maßname erhoben werden. Es ist naheliegend, dass durch eine prophylaktische Hysterekto-
Inzwischen liegen die Ergebnisse von 3 prospektiven Studien mie das Auftreten eines EC bei LS-Anlageträgerinnen verhindert
zur EC-Früherkennung vor, die allerdings relativ kleine Fallzahlen werden kann. Eine retrospektive Untersuchung zeigte entspre-
und kurze Beobachtungszeiten aufweisen. In einer Studie wurden chend einen deutlichen Rückgang der EC-Inzidenz bei LS-Anlage-
bei 58 LS-Patientinnen mittels TVU und EB 2 EC diagnostiziert, die trägerinnen nach prophylaktischer Hysterektomie [66]. Die Emp-
beide bereits im TVU erkannt wurden [61]. In einer weiteren fehlung, mit Patientinnen die Möglichkeit einer prophylaktischen
Studie bei 41 LS-Patientinnen mittels jährlichen TVU, ambulanter Hysterektomie nach abgeschlossener Familienplanung mit
Hysteroskopie und EB wurde hingegen die Hälfte der EC bzw. prä- 40 Jahren bzw. fünf Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in
malignen Läsionen im TVU nicht gesehen, sondern erst durch die der Familie zu besprechen, findet sich auch in der aktuellen
zusätzliche EB erkannt, welche somit die Sensitivität deutlich S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. Auch wenn prospektive Unter-
steigerte [62]. In einer späteren Studie an 75 LS-Patientinnen suchungen zu Überlebensvorteilen und zur Erfassung nachteiliger
bzw. Risikopersonen fanden sich 6 prämaligne Läsionen und ein Effekte der Operation bislang fehlen, entscheiden sich viele
EC, die alle mittels TVU diagnostiziert wurden [63]. Somit ist der- Patientinnen angesichts des hohen Erkrankungsrisikos nach
zeit keine sichere Aussage zu der optimalen EC-Früherkennungs- Abschluss der Familienplanung für eine prophylaktische Hysterek-
strategie möglich. tomie [67]. Die Möglichkeit dieses Eingriffs sollte insbesondere
Fraglich ist jedoch vor allem, ob die LS-Patientinnen überhaupt bei einer aus anderer Indikation anstehenden Laparotomie oder
von der EC-Früherkennung profitieren, da eine verbesserte Über- Laparoskopie mit der Patientin besprochen werden, da damit
lebensrate unter regelmäßiger Überwachung bislang nicht nach- ggf. eine spätere Relaparotomie wegen eines EC mit entsprechen-
gewiesen werden konnte. Dazu trägt wesentlich die ohnehin den Risiken vermieden werden kann.
gute Prognose der EC bei (5-Jahres-Überlebensrate 75–83 %). Es Mehrere Untersuchungen in Familien mit erblichem Brust- und
werden somit sehr große und prospektive Datenerhebungen not- Eierstockkrebs haben gezeigt, dass es für Ovarialkarzinome
wendig sein, um ggf. einen Überlebensvorteil für die Patientinnen derzeit keine effektiven Früherkennungsmaßnahmen gibt. Somit
nachzuweisen. besteht die einzige Möglichkeit der Risikominderung für diese
Auch unabhängig davon bietet das EC-Screening jedoch Vor- Frauen in einer prophylaktischen Adnexektomie. Allerdings ist
teile für die Patientinnen. So können durch das Screening präma- das Ovarialkarzinomrisiko bei LS-Patientinnen mit ca. 4–22 %
ligne Läsionen (insbesondere atypische komplexe Hyperplasien)

1316 Hüneburg R et al. Empfehlungen zur Früherkennung,… Z Gastroenterol 2019; 57: 1309–1320
zwar gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht, je- Leitsymptom der Mikro- oder Makrohämaturie in jedem Falle
doch insgesamt geringer als beim erblichen Brust- und Eierstock- nachzugehen. Eine Cystoskopie z. A. eines begleitenden Blasentu-
krebs. Zudem haben die LS-assoziierten Tumoren auch eine besse- mors ist obligat. Der Stellenwert der Urinzytologie in der Diagnos-
re Prognose. Die ungünstigen Folgen der Adnexektomie sind tik des Upper Urinary Tract Cancer ist problematisch und ihre
deshalb insbesondere bei prämenopausalen Anlageträgerinnen Aussagekraft begrenzt [71], was methodische Gründe (z. B. Ver-
gegen die Vorteile abzuwägen. Deshalb wird derzeit keine dünnung des Urins durch die Gegenseite) hat. Die Sensitivität
generelle Empfehlung zur prophylaktischen Adnexektomie bei kann verbessert werden, wenn die Urinzytologie im Sinne einer
LS-Anlageträgerinnen ausgesprochen. Entsprechend der S3-Leitli- Nierenbeckenspülzytologie durchgeführt wird, was jedoch eine
ne Endometriumkarzinom sollte jedoch nach abgeschlossener invasive Maßnahme darstellt [72].
Familienplanung mit 40 Jahren bzw. fünf Jahre vor dem frühesten Der Einsatz einer Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH)
Erkrankungsalter in der Familie die Möglichkeit einer prophylak- kann die Detektionsrate erhöhen [73], spielt jedoch in der Praxis
tischen Hysterektomie ggf. in Kombination mit einer Adnexek- eine untergeordnete Rolle. Als Diagnostikum der Wahl mit größt-
tomie besprochen werden. Nach einer prophylaktischen Adn- möglicher Sensitivität sollte bei Verdacht auf ein Urothelkarzinom
exektomie sollte bei prämenopausalen Patientinnen eine die abdominelle Computertomografie im Sinne einer CT-Urogra-
Hormonersatztherapie (HRT) durchgeführt werden. Für diese ist fie eingesetzt werden [74]. Bei Auffälligkeiten ist eine invasive
bei LS-Patientinnen keine Kontraindikation bekannt. Nach einer Diagnostik (z. B. flexible Ureterorenoskopie) indiziert.
Hysterektomie kann die HRT auch nur mit Östrogenen erfolgen,
wodurch die Nebenwirkungen der Therapie gesenkt werden.

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EM PFEH LU NG
Eine Aufklärung über das erhöhte Risiko für Urothelkarzinome
EM PFEH LU NG soll erfolgen. Insbesondere sollen die Patienten darüber infor-
LS-Patientinnen sollte ab dem 40. Lebensjahr bzw. fünf Jahre miert werden, dass bei Makrohämaturie eine weiterführende
vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie eine pro- urologische Abklärung notwendig ist.
phylaktische Hysterektomie angeboten werden. Die Vor- und Mögliche Früherkennungsverfahren sollen in prospektiven
Nachteile einer prophylaktischen Ovarektomie sollten mit Studien untersucht werden.
LS-Patientinnen besprochen werden.

Mammakarzinom Präventive Maßnahmen


LS-Patientinnen haben ein leicht erhöhtes Risiko im Vergleich zur
Allgemeinbevölkerung für die Entwicklung eines Mammakarzi- Lebensstilmodifikation
noms mit einem Lebenszeitrisiko von 14,4 % [41]. Das mittlere Nikotin
Erkrankungsalter liegt mit 52 Jahren auch deutlich unter dem Er-
Aktuell rauchende LS-Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risi-
krankungsalter in der Allgemeinbevölkerung (64 Jahre laut RKI). In
ko für die Entwicklung von kolorektalen Adenomen im Vergleich
einer weiteren Publikation konnte bei MLH1-Anlageträgerinnen
zu Nichtrauchern oder Ex-Rauchern [75]. LS-Patienten sollten
ein deutlich erhöhtes Mammakarzinomrisiko nachgewiesen wer-
deshalb angehalten werden, nicht zu rauchen.
den mit einem Lebenszeitrisiko von 18,6 % [68].
Aktuell fehlen Studien zur Effektivität einer Mammakarzinom-
Alkohol
Früherkennung bei LS-Anlageträgerinnen. Eine intensivierte Früh-
erkennung kann deshalb derzeit nicht generell empfohlen werden Zu regelmäßigem Alkoholkonsum gibt es keine klaren Daten. In
und sollte im Rahmen von prospektiven Studien erfolgen. der Studie von Winkels et al. zeigte sich ein leichter Trend zu
einem erhöhten Adenomrisiko bei erhöhtem Alkoholkonsum, die-
ser war allerdings statistisch nicht signifikant [75].

EM PFEH LU NG
Übergewicht
Patientinnen mit LS sollen über das erhöhte Risiko für ein
Mammakarzinom aufgeklärt werden. Zum gegenwärtigen Eine Adipositas (Body Mass Index > 25 kg/m²) erhöht das Risiko für
Zeitpunkt kann keine Empfehlung zu einer intensivierten kolorektale Adenome bei LS-Patienten [76]. Allerdings zeigte sich
Früherkennung gegeben werden. dies nur bei Männern, bei übergewichtigen Frauen blieb das Risiko
gleich. LS-Patienten sollten deshalb angehalten werden, Normal-
gewicht zu halten.
Urologie
Chemoprävention
Es besteht ein Lebenszeitrisiko für die Entwicklung eines Urothel-
karzinoms bis zum 70. Lebensjahr von je nach Studie 0,2–25 %, Aspirin
wobei unterschiedliche Entitäten des Urothelkarzinoms berück- In der CAPP2 Studie zeigte sich bei LS-Patienten ein Effekt nach
sichtigt wurden [41, 69, 70]. Bei Hochrisikopatienten ist dem mindestens 25 Monaten Einnahme von 600 mg Aspirin pro Tag

Hüneburg R et al. Empfehlungen zur Früherkennung,… Z Gastroenterol 2019; 57: 1309–1320 1317
Übersicht

mit einer signifikanten Reduktion des Kolonkarzinomrisikos wie Literatur


auch der extrakolonischen Manifestationen [77]. Die Studie hat
allerdings einige Limitationen: [1] Win AK, Jenkins MA, Dowty JG et al. Prevalence and Penetrance of Major
▪ Die Dosis erscheint mit 600 mg/d zu hoch, da beim sporadi- Genes and Polygenes for Colorectal Cancer. Cancer Epidemiology
schen KRK bereits bei 75 mg/d ein Effekt gesehen wurde [78]. Biomarkers & Prevention 2017; 26: 404–412
Eine erneute Dosisevaluation erfolgt momentan in der CAPP3- [2] Latham A, Srinivasan P, Kemel Y et al. Microsatellite Instability Is Asso-
Studie. ciated With the Presence of Lynch Syndrome Pan-Cancer. Journal of
Clinical Oncology 2018. doi:CO.18.00283
▪ Die Qualität der Koloskopie erscheint in der Studie als zu
[3] Kather JN, Pearson AT, Halama N et al. Deep learning can predict micro-
schwach. Es wurde eine Adenomdetektionsrate von 10 % do-
satellite instability directly from histology in gastrointestinal cancer.
kumentiert [26]. Somit wurde auch kein Effekt von Aspirin auf Nature Medicine 2019; 25: 1054–1056
das Auftreten von Adenomen gesehen.
[4] Schmiegel W, Buchberger B, Follmann M et al. S3-Leitlinie – Kolorektales
Karzinom. Z Gastroenterol 2017; 55: 1344–498
Eine generelle Empfehlung zur Chemoprävention ist derzeit nicht [5] South CD, Hampel H, Comeras I et al. The Frequency of Muir-Torre
zu geben. Die aktuelle Datenlage soll mit dem Patienten bespro- Syndrome Among Lynch Syndrome Families. JNCI: Journal of the National
chen werden. Sollte auf den ausdrücklichen Wunsch des Patienten Cancer Institute 2008; 100: 277–281
und unter Abwägung des Alters und der Begleiterkrankungen [6] Mecklin JP, Aarnio M, Laara E et al. Development of colorectal tumors in
eine Chemoprävention begonnen werden, sollte vor Beginn der colonoscopic surveillance in Lynch syndrome. Gastroenterology 2007;
Therapie eine ÖGD zum Ausschluss einer Helicobacter-pylori-In- 133: 1093–1098

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fektion erfolgen, mit ggf. notwendiger Eradikation gemäß der [7] Vasen HFA, Abdirahman M, Brohet R et al. One to 2-Year Surveillance
Intervals Reduce Risk of Colorectal Cancer in Families With Lynch
Leitlinie der DGVS. Der Patient sollte über die Limitationen der
Syndrome. Gastroenterology 138: 2300–2306
CAPP2-Studie aufgeklärt werden. Die Dosierung ist momentan
[8] Engel C, Vasen HF, Seppälä T et al. No Difference in Colorectal Cancer
unklar, aktuelle Studien laufen dazu (einsehbar unter clinicaltri- Incidence or Stage at Detection by Colonoscopy Among 3 Countries
als.gov). With Different Lynch Syndrome Surveillance Policies. Gastroenterology
Eine belastbare Datenlage zu weiteren Substanzen ist nicht 2018; 155: 1400–1409.e2
vorhanden. [9] Møller P, Seppälä TT, Bernstein I et al. Cancer risk and survival inpath_MMR
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Versorgungsstruktur [10] ten Broeke SW, van der Klift HM, Tops CMJ et al. Cancer Risks for PMS2-
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Besteht bei einem Patienten ein manifestes Karzinom im Rahmen 2961–2968
eines LS oder handelt es sich um eine Risikoperson oder einen prä- [11] Tribonias G, Theodoropoulou A, Konstantinidis K et al. Comparison of
diktiv getesteten Anlageträger, sollte der Patient in einem inter- standard vs high-definition, wide-angle colonoscopy for polyp detec-
disziplinären Zentrum mit ausgewiesener Expertise auf dem tion: a randomized controlled trial. Colorectal Disease 2010; 12: e260–
e266
Gebiet des erblichen Darmkrebses vorgestellt werden. In einem
[12] Syngal S, Brand RE, Church JM et al. ACG Clinical Guideline: Genetic Tes-
Review konnte gezeigt werden, dass die Registrierung in einem
ting and Management of Hereditary Gastrointestinal Cancer Syndromes.
Zentrum mit dortigem entsprechendem Screening zu einer The American journal of gastroenterology 2015; 110: 223–262
Reduktion der KRK-Inzidenz und der Mortalität führte [79].
[13] Lecomte T, Cellier C, Meatchi T et al. Chromoendoscopic Colonoscopy
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trakolonischen Karzinomen bei Patienten mit LS sind komplex. Die 2008; 57: 65–70
publizierten Daten zeigen einen immer stärker werdenden Trend [15] Huneburg R, Lammert F, Rabe C et al. Chromocolonoscopy detects
zur personalisierten Behandlung unter Berücksichtigung zum Bei- more adenomas than white light colonoscopy or narrow band imaging
spiel des betroffenen Gens und/oder des Geschlechts. Weitere colonoscopy in hereditary nonpolyposis colorectal cancer screening.
Endoscopy 2009; 41: 316–322
gen- und geschlechtsspezifische Vorsorgeempfehlungen sind
wünschenswert und müssen in prospektiven Studien evaluiert [16] Stoffel EM, Turgeon DK, Stockwell DH et al. Missed adenomas during
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